Offenbarung 21:1-9

Liebe Gemeinde,

Vor einigen Monaten las ich in einer wissenschaftlichen Zeitschrift einen Artikel bezüglich der Wahrnehmung des Todes in den verschiedenen Etappen unseres Lebens.

Wenn wir 20 Jahre sind, kümmern wir uns um den Tod nur, wenn wir auf ihn stoßen, zum Beispiel, wenn einer von unseren Freunden und Verwandten stirbt, sonst ist dieser Gedanke ganz abwesend..

Es steht fest, dass wir uns bewusst sind, dass es den Tod gibt, aber es handelt sich um etwas, dass die anderen und nicht uns betrifft.

Wenn wir 30 Jahre alt werden, wächst das Bewusstsein der Existenz des Todes, aber dieser Gedanke beunruhigt uns nicht besonders, und das selbe gilt mehr oder weniger in den folgenden Jahren, da wir zu beschäftigt mit unserer Arbeit sind.

Erst wenn wir die 50 Jahre überschreiten, wird der Gedanke, dass unser Leben früher oder später an der Endstation anlangen wird, so stark, dass wir wenigstens einmal wöchentlich daran denken.

Im Laufe der Jahre verstärkt sich diese Tendenz in uns. Wir sehen, dass die anderen sterben, und immer mehr ziehen wir die Möglichkeit in Erwägung , dass auch wir eines Tages sterben müssen.

Erst wenn wir pensioniert werden, wird der Gedanke an den Tod unser täglicher Mitreisender und in einigen von uns eine regelrechte Obsession.

Über den Tod, hat man viel geschrieben, diskutiert und gestritten. Man hat den Tod gefürchtet, manchmal angefleht und gewünscht. Jedesmal, wenn wir auf den Tod stossen, entstehen in uns unzählige Fragen nicht bezüglich des Todes in sich selbst, da wir doch wissen was der Tod ist, sondern bezüglich dessen, was nach dem Tod geschehen wird.

Werden wir uns wiedertreffen oder werden wir verschwinden? Wer unter uns hat nicht bei diesen Fragen verweilt ?

Es sind diesbezüglich die verschiedensten Hypothesen formuliert worden.

Manche sagen, daß die Seele weiterlebt und in einem anderen Körper wiederkommt. Auf dieser Seelenwanderung soll sich die Seele reinigen und die im letzten Leben begangenen Fehler wieder gutmachen.

Andere suchen Trost in Berichten, die beschreiben, daß die Menschen beim Sterben ein unbeschreibliches Glücksgefühl empfinden und einen hellen Tunnel von Licht sehen.

Andere glauben an die Unsterblichkeit, in der Überzeugung, daß der Mensch aus zwei Teilen bestehe, aus einem sterblichen Leib und einer unsterblichen Seele.

Was sagt die Bibel diesbezüglich?

Der Text, den ich für den heutigen Ewigkeitssonntag ausgewählt habe, enthält Bilder, die unsere Phantasie tief berühren, zum Beispiel diejenige der heiligen Stadt, das neue Jerusalem, die, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann, aus dem Himmel herabkommt, oder diejenigen des wertvollen Baustoffes und der außerordentlichen Größe der Stadt, aber es gibt unzählige andere.

Es genügt, diese durchaus nebensächlichen Bilder zu erwähnen, um zu begreifen, wieso dieser Text viele Generationen von Christen soweit erschüttert hat, dass einige wichtige Elemente in Vergessenheit geraten sind.

Welche sind diese Elemente?

Erstens die Tatsache, dass diese heilige Stadt vom Himmel herabsteigt.

Dieses Element kommt nicht zufällig vor und hat einen genauen Sinn.

Es bedeutet, dass die neue Realität, die Gott schaffen wird, etwas ist, das wir uns im entfernesten nicht vorstellen können, auch wenn wir unsere Phantasie beflügeln lassen.

In anderen Worten der neue Himmel und die neue Erde erweisen sich nicht als das Ergebnis der menschlichen Entwicklung, in dem Sinn, dass es eines Tages vielleicht möglich sein wird, schon auf dieser Erde eine Welt von Gerechtigkeit und Frieden aufzubauen.

Im Gegenteil dazu betont dieser Text die Tatsache, dass Gott allein diese Wunder tun wird, wie es geschrieben steht. Siehe, ich mache alles neu .

Nicht zufällig ist das Wort neu benutzt.

Die Realität, die Gott machen wird , ist neu, da es nichts heutzutage gibt, die sie vorausehen oder im voraus bekannt geben kann.

Zweitens die Tatsache, dass Gott mit den Menschen sein wird, wie es geschrieben steht: Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;

Dieser Satz ist sehr oft missverstanden worden und verursacht in uns ein tiefes Gefühl von Ratlosigkeit und Abneigung. Man denke nur an den Satz der auf die Gürtel der SS-Männer geschrieben wurde. Gott mit uns.

Was ist aber seine tiefe Bedeutung?

Ich erwähne vor allem das, was dieser Text nicht sagt.

Dieser Text sagt nicht, daß unsere Individualitäten bestimmt sind, in die neue Wirklichkeit einverleibt zu werden.

Dieser Text sagt auch nicht, daß wir Götter oder göttliche werden werden.

Im Gegenteil dazu gemäß der klaren Lehre der Bibel, besagt dieser Text diese bestimmte Lehre: In der neuen Schöpfung werden wir weiter Geschöpfe Gottes bleiben, die nicht mehr im Gegensatz, sondern in Einheit mit Ihm leben werden.

Mit anderen Worten, in der neuen Welt wird die Unterscheidung zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf nicht annulliert.

Dieser Text sagt uns auch, dass in dieser neuen Welt die Gegenwart Gottes nicht nur eine Hoffnung, sondern auch eine tiefe Wirklichkeit sein kann. In der Tat, so betont Johannes: seine Knechte werden Gott dienen und sein Angesicht sehen.

In dieser Stadt wird Gott selbst wohnen. Wir werden demjenigen begegnen, der uns geschaffen hat, der uns so und nicht anders gemacht und gewollt hat, und der uns dieses Geschick und kein anderes auferlegt hat.

Und wir werden Gott alles fragen können, warum wir dies und das durchleben mussten. Warum uns so früher Abschied aufgezwungen wurde, und warum uns die Krankheit oder das Leid so lange das Leben vergällt haben. Aber werden wir das noch fragen wollen? Mit dem Glanz der Gottesstadt vor Augen, in der Nähe Gottes, ja, im vertrauten Umgang mit ihm wird alles, was wir noch an Kummer und Rätseln aus dieser Welt mitgebracht haben, endgültig vergehen. Im Licht dieser neuen Welt und im Glanz des Angesichts Gottes, können sich keine Schatten halten.

Wir kommen nun zum dritten, vielleicht wichtigsten Element, wie es geschrieben steht: Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Was für wunderbare Bilder: Ein neuer Himmel, eine neue Erde, keine Tränen mehr, kein Leid, kein Geschrei und kein Tod.

Der Schmerz des Abschieds, die vielen Fragen, das Warum, die Einsamkeit und die Angst. Alles überwunden, alle Fragen finden Antwort, alle Rätsel endlich gelöst. Eine herrliche neue Welt tut sich auf. Die Menschen, die wir liebten, kommen uns entgegen.

Das ist der Kern, liebe Gemeinde unseres christlichen Glaubens.

Viele möchten mehr davon wissen. Aber was möchten wir mehr wissen?

Die Bibel ist kein Auskünftsbuch über das Jenseits.

Die Bibel ist die Offenbarung der Liebe Gottes, damit wir in dieser Zeit, die uns gegeben wird, an Jesus Christus glauben.

Das ist der Grund, weshalb wir unsere Aufmerksamkeit nicht auf die Vergangenheit und auf die Erinnerungen, sondern auf die Zukunft richten, auf jene Zukunft, die Gott allen diejenigen vorbereitet hat, die an Ihn glauben.

Wir werfen unseren Blick auf die Zeit, in der die Völker nicht miteinander massakrieren werden.

Gott wird bei den Menschen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.