Jesus
ist der Herrscher des Universums
Offenbarung 1:9-19
Liebe Gemeinde!
Vor einigen Tagen las ich, dass man neuerdings versucht, die Gestalt und das Gesicht Jesu in einer Figur zu rekonstruieren.Man benutzt dabei das berühmte Grabtuch von Turin als Vorlage.
Viele Katholiken in Italien und anderswo meinen, dass das Grabtuch von Turin das Grabtuch Jesu sei und das darin abgebildete Gesicht tatsächlich von Jesus herstammt.Nun ist diese Meinung sehr umstritten.Ist es denn so wichtig, dass wir so genau wissen, wie Jesus ausgesehen hat?Ist es nicht wichtiger darüber nachzudenken, was Jesus Christus für uns noch heute bedeutet?
Es gibt viele Bilder und ganz unterschiedliche Vorstellungen von Jesus Christus.Für einige ist das Christkind von Bethlehem am wichtigsten.
Andere sehen vorrangig den sterbenden Erlöser am Kreuz von Golgatha, der wie wir Menschen oder noch schlimmer gelitten hat. Wieder andere sehen in erster Linie den auferstandenen und triumphierenden Sieger über den Tod. Gerade ältere Menschen erinnern sich gern an die Jesusbilder aus ihrer Jugendzeit, welche Jesus als den Guten Hirten zeigen, der das verlorene Schaf auf seinen Armen trägt.In unserem Predigttext wird Jesus in ganz ungewohnter Weise beschrieben.Jesus erscheint da in übernatürlicher Gestalt: Die Augen wie Feuer, das Haupt weiß wie Schnee, sieben Sterne in der rechten Hand; ein zweischneidiges Schwert, welches aus seinem Mund ausgeht.
So wird Jesus als der Herrscher des Universums betrachtet.
Für die Christen Ende des ersten Jahrhunderts war das die wichtigste Bedeutung von Jesus Christus.Jesus Christus war für sie der wirkliche Herrscher über Himmel und Erde. Damals wurden die Christen angefeindet und verfolgt. Der römische Kaiser ließ sich als Gott verehren und verlangte, dass alle Menschen im römischen Reich ihn anbeteten und ihm opferten.Da die Christen sich weigerten, das zu tun, wurden sie hart bestraft: mit Verbannung oder mit dem Tod.Im Gegenteil zu dem römischen Kaiser beschreibt Johannes Jesus Christus als den überirdischen Herrn des Universums: Christus ist stärker als der Kaiser; Jesus Christus ist stärker als der Tod, er ist stärker als das Reich der Finsternis.
Jesus Christus ist der Herrscher des Universums.Ist Christus ist der Herrscher des Universums auch für uns? Wie kann Jesus Christus heute der Herrscher sein, wenn die Christen die Botschaft seiner Auferstehung nicht ernst nehmen?
Da sind einige Zweifel, die unseren Geist noch heutzutage quälen.Ja,
der Herr hat den Tod überwunden, sagen wir, doch sterben nach wie vor Millionen
von Menschen den Hungertod.
Ja, der Herr ist auferstanden, aber in den Krankenhäusern nimmt das Sterben
unter fürchterlichen Schmerzen weiterhin seinen Lauf.
Ja, der Herr ist der Herrscher des Universums, aber alle Dinge setzen sich seit
Anbeginn der Schöpfung unverändert fort.
Ja, der Herr ist angekommen, aber unglücklicherweise beeinflussen
Ungerechtigkeit, Gewalt und rücksichtslose Ausbeutung der Natur weiterhin das
Leben eines Großteiles der Menschheit.
Wenn wir über die Dimension des Bösen und die ungelösten Probleme unserer Zeit nachdenken, dann geschieht es, dass uns ein Hauch von Traurigkeit, Enttäuschung und Skeptizismus ergreift, der unseren Glauben schwächt und erstickt, sodass wir uns fragen, ob die Erzählung der Auferstehung Christi nur eine rührende Geschichte für Kinderherzen sei. Veranlaßt nicht gerader dieser Widerspruch zu der Annahme, dass sich viele Menschen so traurig and enttäuscht fühlen?
Geschieht es nicht aus diesem Grund, dass so viele Leute eine bedauernswerte Existenz führen?
Liebe Gemeinde, unser christliche Glaube wäre ein unzulänglicher und armer Glaube, wenn er sich nur auf Karfreitag beriefe. Was bedeutet das?
Es bedeutet, dass unser christliche Glaube auf einem falschen Weg wäre, wenn er sich nur auf den Tod unseres Herrn am Kreuz gründen würde.
Im Gegenteil, wenn wir wollen, dass die Botschaft Jesus Christi eine bedeutungsvolle Wirklichkeit unserer Zeit darstellt, die sich auf unser ganzes Leben auswirkt, dann müssen wir die Nachricht des Todes unseres Herrn mit der Botschaft seiner Auferstehung vereinigen.
Der Tod von Jesus Christus wäre sinnlos, wenn wir dieses Geschehen nicht mit der Botschaft seiner Auferstehung verbinden würden.
Aus diesem Text und aus den unzähligen Texten in den Evangelien, die die Bedeutung der Auferstehung Jesus Christi für unseren christlichen Glauben betonen, müssen wir den endgültigen und gleichzeitig vorläufigen Charakter seines Todes am Kreuz verstehen lernen.
Was bedeutet das?
Es bedeutet, dass der Tod des Herrn Jesus Christus am Golgatha nur eine Etappe des göttlichen Plans für die Erlösung der Welt gewesen ist
Jetzt ist Jesus der Herrscher des Universums.Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.
Welche Kraft kann der Gewißheit entspringen daß Jesus der Herrscher des Universums ist!
Mit dieser Überzeugung waren unzählige Generationen von Gläubigen im Stande irgendeine Verfolgung, irgendein Opfer anzupacken aber trotz alledem haben sie immer Schwierigkeiten und Hindernisse überwunden.
Jesus ist der Herrscher des Universums - heute sind wir aufgerufen, die Tiefe dieser Worte wiederzuentdecken. Wenn Schwierigkeiten, Dunkelheit, Düsternis und Pein alles zu überschatten scheinen, wenn Hunger und Verfolgung die Körper und Seelen der Menschen verunstalten und Millionen in Verzweiflung treiben, dann können wir uns in solchen Zeiten, und gerade in solchen, laut bekennen, daß Jesus der Herrscher des Universums ist und nichts im Stande sein wird, uns von der Liebe Gottes trennen zu können .
Wenn Christus auferstanden ist, so werden auch wir auferstehen.
Die ganze Kirche muß sich an diese Worte halten:
Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt. Denn diese Hoffnung ist der Kern christlichen Glaubens, die Lösung jedes Widerspruches, die Wirklichkeit jenseits jedes Traumes und die Wahrheit jenseits jeder Unwahrheit. Jesus Christus ist der Herrscher des Universums. Dieser Herrscher des Universums spricht zu Johannes: "Fürchte dich nicht!"Immer wieder wird es gesagt, wo Menschen Gott selbst ganz intensiv erfahren. "Fürchte dich nicht!", wird auch uns heute gesagt, denn der Herrscher der Welt will für uns da sein. Er will uns tragen, wie der Gute Hirte sein Verlorenes Schaf trägt; und er will mit uns gehen, wie er mit den Menschen seiner Erdenzeit gegangen ist. Jesus Christus lebt - auch in unserer Zeit!
Die Aussage, dass Christus der Herrscher des Universum ist, kann eine wesentliche Änderung auch für uns einschließen. Wir können die gleiche Sicherheit, die gleiche Einstellung, den gleichen Optimismus Leben gegenüber haben wie die Apostel sie hatten. Wir können es tun, weil der lebendige Christus in uns lebt. Christus allein ist unsere Kraft, unsere Sicherheit.
Aus diesem Grunde sollen wir nicht in Furcht leben, sondern in Freude
Amen. Rev. Paolo de Petris