Matthäus 18:1-10

18:1 Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich? 2 Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie 3 und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. 4 Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich. 5 Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. 6 Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist. 7 Weh der Welt der Verführungen wegen! Es müssen ja Verführungen kommen; doch weh dem Menschen, der zum Abfall verführt! 8 Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dich zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, daß du lahm oder verkrüppelt zum Leben eingehst, als daß du zwei Hände oder zwei Füße hast und wirst in das ewige Feuer geworfen. 9 Und wenn dich dein Auge zum Abfall verführt, reiß es aus und wirf's von dir. Es ist besser für dich, daß du einäugig zum Leben eingehst, als daß du zwei Augen hast und wirst in das höllische Feuer geworfen. 10 Seht zu, daß ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.

Liebe Gemeinde,

heute ist ein sehr schöner Tag.

In dieser Kirche sind die Kinder versammelt die in den letzten Jahren getauft wurden.

Ihre Gegenwart hier ist für uns besonders wichtig da sie klar beweist , dass unsere Gemeinde eine Zukunft hat. Diese Kinder sind von ihren Eltern begleitet worden und wir möchten sie alle herzlich willkommen heißen.

Wir haben gedacht ihren Kindern ein kleines Geschenk zu geben um ihnen unsere Liebe auszudrücken

Es handelt sich um kleine Schafe. Das Schaf in der Bibel ist grundsätzlich etwas sehr Positives, weil es als "Lamm" betrachtet und vielfach auch als Opfertier verwendet wird. Sogar Jesus ist als "Lamm Gottes bezeichnet, das die Sünde der Welt hinweg nimmt."Also können wir den Vergleich mit dem Schaf durchaus annehmen.

Wir wollen ja Gemeinschaft mit Christus, bereit zum Opfer, und auch Wehrlosigkeit und Sanftmut lernen auf dem Weg der Christus Nachfolge."Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben!"

Vom Alten Testament her gesehen ist die Kirche "die Herde, als deren künftigen Hirten Gott selbst sich vorher angekündigt hat".

Gott ist Hirte, der führt, der begleitet, der sorgt und beschützt. - Das Wort "Führer" ist durch die Geschichte dieses Jahrhunderts zwar sehr negativ besetzt, meint aber in der Bibel etwas Gutes: Jesus Christus führt uns den Weg zum Vater. Er sorgt für uns, daß wir "keinen Hunger und keinen Durst ... leiden", daß nichts auf uns lastet. Er führt uns zu dieser Einheit des Heiles und der Freude, die wir "erfüllt vom Heiligen Geist" wirklich ersehnen.

Im Vertrauen, daß Gott für uns sorgt, möchte ich an das Gebet eines Psalmes erinnern, wo es heißt:

"Der Herr ist mein Hirte,nichts wird mir fehlen.Er läßt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Er stillt mein Verlangen;
er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.

Muß ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil;denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht. Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher. Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang, und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit."

Möge dieses Gebet euch, liebe Kinder , stärken im Vertrauen auf Gott, daß er für uns sorgt und alles zum Guten führt.

In dem Text den ich für diesen heutigen Sonntag ausgewählt habe weist Jesus auf eine Frage hin die uns vielleicht durchaus nebensächlich erscheint. Wer ist der Größte im Himmelreich? Diese Frage könnte auch folgendermaßen formuliert werden: Welche sind die wichtigsten Bedingungen die Jesus von seinen Jüngern fordert um das ewige Leben zu erreichen?

Auf diese Frage könnte man antworten und sagen, dass die wichtigste Bedingung, die Jesus von uns fordert darin besteht seinen Geboten zu gehorchen.

Andere könnten antworten und sagen, dass was zählt, darin besteht unser Leben durch Gebet und die Lesung der Bibel orientieren zu lassen.

Andere könnten antworten und sagen, dass es für einen Christen auch wichtig ist an den verschiedenen Aktivitäten der Kirche, zum Beispiel an den sonntäglichen Gottesdiensten teilzunehmen

Es steht fest, dass alle diese Antworten auf äußerst wichtige Elemente hinweisen. Der Gehorsam den Geboten Gottes gegenüber ist bedeutsam und auch die Tatsache sich durch Gebet und Lesung des Wortes Gottes geistig inspirieren zu lassen . Gleichzeitig ist es auch von Bedeutung zu verstehen, dass es nicht möglich ist unseren christlichen Glauben nur in einer individuellen Dimension zu leben, sondern auch in der Zusammengehörigkeit mit einer Gemeinde. Warum sollte es sonst eine Kirche geben?

Jesus sagt aber in unserem Text etwas anderes.

Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich.

Was Jesus sagte, kann uns verwundern. Warum zeigt Jesus auf die Kinder ?

Einige könnten erwidern : Jesus hat auf die Kinder gezeigt, weil die Kinder besser sind als die Erwachsenen. Diese Idee war von Jean Jacques Rousseau ausgesprochen worden als er den Mythus von Beau Sauvage prägte. Dieser Perspektive gemäß sind die Kinder gut, und nur später werden sie von der Gesellschaft verdorben.

Jesus meinte etwas ganz anderes. Er idealisierte die Kinder nicht.Er wusste doch, dass die Kinder schwierig und verlogen sein können wie die Erwachsenen. Auch die Kinder können verletzen, auch wenn sie vielleicht weniger Schaden verursachen.Auch die Kinder verhalten sich oft egoistisch. Nur eine naive Kenntnis der Kinderpsychologie kann die Kinder idealisieren.

Aber, wenn das stimmt, warum sagte Jesus, dass solcher das Reich Gottes ist? Wir können die Antwort auf diese Frage finden wenn wir den Text weiter lesen:

Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kindlein, der wird nicht hinein kommen.

Dieser Text macht klar, dass Jesus die Kinder nicht preist , weil sie besser als die Erwachsenen sind, sondern wegen ihrer Einstellung den Eltern gegenüber.Ihre Beziehung zu den Eltern ist von einem unbedingten Vertrauen und von Abhängigkeit gekennzeichnet.

Die Kinder erwarten alles von den Eltern. Ohne die Eltern sind sie ganz verloren.Das grösste Leid, das man als Kind erleben kann ist der Verlust der Eltern. Dann fühlt man eine innere Leere, Unsicherheit und Misstrauen.Man fühlt sich verwaist. Alles hat keinen Zweck und keinen Sinn mehr.

Der Grund ist klar: Man kann alles besitzen: aber wenn die wichtigste Sache einem fehlt, ist es nicht möglich sich wohl zu fühlen. Jesus vergleicht die Haltung der Kinder mit derjenigen, die die Christen haben sollten. Wenn man die Haltung von unbedingtem Vertrauen und Hoffnung Gott gegenüber nicht hat, wie die Kinder sie ihren Eltern gegenüber haben, ist es nicht möglich in das Reich Gottes zu kommen. Es nützt nichts, wenn wir uns mit unseren Werken brüsten oder stolz sind auf unsere Taten. Das Reich Gottes ist für diejenigen bestimmt, die alles von Gott erwarten.Das Reich Gottes ist denjenigen versprochen, die sich arm und hilflos fühlen. Im Unterschied zu den Erwachsenen, die sich Gott gegenüber gerne in Szene setzen, sind die Kinder bereit wie ein Bettler mit leeren Händen zu empfangen.

Dieser Einstellung und dieses unbedingten Vertrauens wegen sind die Kinder gepriesen.

Wahrlich ich sage euch: Es sei denn, daß ihr umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedrigt wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich.

Liebe Gemeinde,

lassen wir uns die Einstellung unserer Kinder nachahmen.

Verzichten wir auf unseren Überlegenheitskomplex .

Nur auf diese Art und Weise werden wir im Stande sein wirklich groß im Himmelreich zu sein.