Eine der schwierigsten Herausforderungen für uns ist zu vergeben. Um ehrlich zu sein – es fällt uns nicht immer leicht zu vergeben.Natürlich kann man Worte der Vergebung einfach so vor sich hinmurmeln, doch ist es besonders dann, wenn man vorher Opfer einer billigen Verleumdung wurde, überhaupt nicht einfach, aufrichtige Worte der Vergebung zu finden, die aus dem Herzen kommen.Bösartiges Geschwätz über uns, das unverschämte Lügen unseres Kindes, Verletzung des Eigentums durch unsere Nachbarn oder das Beschuldigtwerden einen Unfall verursacht zu haben, obwohl der andere bei Rot über die Kreuzung gefahren ist – solche Vorfälle sind nicht leicht zu verdauen. Deshalb fällt es uns nicht immer leicht zu vergeben; manchmal handelt es sich um die schwerste Aufgabe der Welt.Gleichzeitig aber ist Vergebung, die uns wieder miteinander versöhnen kann, die allerwichtigste Aufgabe der Welt.Aber genau hierin finden wir die größte Schwäche unserer Gesellschaft, denn Versöhnung ist dasjenige Element, das so häufig in unseren Beziehungen zum anderen fehlt.Die persönlichen Beziehungen zu unseren Mitmenschen sind deshalb so oft angespannt, weil uns die rasende Schnelligkeit, mit der sich unsere Gesellschaft fortbewegt, oft miteinander kollidieren lässt, ohne dass wir uns Zeit nehmen, um die zugefügten Wunden wieder zu heilen.Schwarze und Weiße bewerfen sich in vielen Gegenden dieser Welt immer noch mit Steinen.

Die organisierte Arbeitnehmer- und Arbeitgeberschaft fühlen sich vom anderen missbraucht, und keine der beiden Parteien möchte einen großmütigen Schritt auf den anderen zugehen, da dies allzu leicht als Schwäche interpretiert werden könnte.Für mich sieht es so aus, als ob wir in eine Sackgasse geraten wären, denn Frieden kann nur durch Versöhnung erreicht werden, und Versöhnung kann nur durch Vergebung zustande kommen, aber Vergebung ist nicht Teil unseres natürlichen Handelns.

Was also haben wir zu tun?

Gott selbst hat uns in der eben gelesenen Parabel eine Antwort darauf gegeben.

Diese Parabel muss so verstanden werden, als dass sie unseren gegenwärtigen Standpunkt in der Gegenwart Gottes beschreibt.Als Sünder unterstehen wir der Gerichtsbarkeit Gottes und es gibt nur diesen Weg, um uns von unserer Schuld zu befreien.

Als eines Tages ein König seine Bilanzen prüfte, entdeckte er , dass ihm ein Angestellter 20 Millionen Dollar schuldete.Da dieser nicht bezahlen konnte, ordnete der König an, die gesamten Vermögenswerte des Angestellten mitsamt seiner ganzen Familie als Sklaven zu verkaufen.In diesem Moment fiel der Bedienstete auf die Knie und bat: Mein Herr, haben Sie Geduld mit mir und ich will alles wieder zurückzahlen.Diese letzten Worte kamen einer lächerlichen Behauptung gleich.Wie könnte es in so kurzer Zeit möglich sein, so viel Geld zu beschaffen?Doch obwohl der Diener gelogen hatte, sah der König dessen guten Willen als gegeben an.In jenem Moment, als der Diener den Himmel über sich zusammenbrechen sah, machte sich im Herzen des Königs Mitleid breit."Von Mitleid bewegt", so schildert die Aufzeichnung, „ließ der Herr den Diener gehen und erließ ihm seine Schulden.

Was für eine Erlösung.Durch eine kurze Anstrengung, die nicht länger dauerte als ein Augenzwinkern, war er gerettet.Am Rande des Abgrunds wurde er ans rettende Ufer zurückgezogen.Das Gefühl der Erleichterung, das sich in seinem Herzen breit machte, war unbeschreiblich.Es war die bisher großartigste Erfahrung in seinem Leben.

An diesem Punkt nun nimmt diese Parabel Jesus eine eigenartige Wendung.Der Diener, dem gerade eben vergeben wurde, ging auf die Straße hinaus, wo er einem Gefährten begegnete, der ihm seinerseits einige Dollar schuldete.Ohne jegliche Vorwarnung packte er diesen an der Gurgel und grollte ihn an: „Zahl deine Schulden zurück."Was nun folgt, sieht wie eine Wiederholung dessen aus, was der Diener in der Gegenwart des Königs tat.Dieser Gefährte fiel auf die Knie und bat:" Gib mir nur Zeit, und ich zahle dir alles zurück."Es ist schwer zu begreifen, was dann geschieht.Der Beamte stellte sich taub und warf ihn ins Gefängnis.Das Widerwärtigste an dieser Sache ist, dass der Bedienstete das Geld überhaupt nicht brauchte, denn der König hatte ihm ja seine Schulden erlassen.Dazu handelte es sich bei diesem Geldbetrag gerade einmal um einen Bruchteil dessen, was er dem König schuldete.

Der Diener beging einen fruchtbaren Fehler.Er betrachtete die Vergebung, die er vom König empfing, als eine Sache und sah die Vergebung, um die ihn ein anderer bat, als etwas völlig anderes an. Er stellte keine Verbindung zwischen diesen beiden Situationen her, und so trennte diese beiden Ereignisse Welten, die meilenweit voneinander entfernt lagen.So aber kann und darf man sich nicht verhalten.

Als der zornige König seinen Beamten wieder vor sich sah, erklärte er ihm:„Ich habe deine gesamten Schulden abgeschrieben, als du mich darum gebeten hast. Hättest du nicht gnädiger mit deinem Diener umgehen sollen, so wie ich es mit dir getan habe?"

Die beiden Situationen sind Teile eines einzigen Ganzen, und es ist unmöglich, sie voneinander zu trennen.Wir müssen sie mit Handschellen aneinander ketten, denn jede steht mit der anderen Begebenheit in direkter Beziehung.Jesus hat sie für alle Zeiten zusammengebunden, als er uns zu beten lehrte:  Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern"

Die Erkenntnisse, die wir von dieser Geschichte gewinnen können, sind so klar wie das Tageslicht selbst. Vergib, damit dir selbst vergeben wird.„Richte nicht, auf dass du nicht selbst gerichtet wirst, denn mit welchem Urteil du richtest, so wirst auch du gerichtet werden.Weil du Gottes Gnade erfahren hast, so kannst auch du nur gnädig sein.Diejenigen, die sich weigern, einem anderen zu vergeben, der Unrecht getan hat, haben für sich selbst nicht die Vergebung begriffen, die Gott ihnen zukommen ließ.

Betrachten Sie jetzt die Situation, von der diese Parabel stammt. Peter fragte:„Herr, wenn mir mein Bruder Unrecht tut, wie oft muss ich ihm dann vergeben? Siebenmal?"

Siebenmal bedeutete eine großzügige Anzahl.Einige Juden dieser Zeit hielten dreimal für angemessen und ausreichend.Peter verdoppelte diese Zahl und fügte sogar noch etwas mehr hinzu.

Er war bereit mehr zu erzielen. Beachten Sie seine Wortwahl: „Wie oft muss ich...?" Es schien, als ob er sich auf die Sache der Vergebung einlassen wollte.Jesus antwortete:Nein, nicht siebenmal, denn ich sage dir siebzigmal siebenmal."Nach den Regeln der alten und neuen Mathematik ergäbe das also 490Mal.

Aber niemand würde so weit mitzählen.Doch wenn man so oft vergibt, dann wird es zu einer gewohnten menschlichen Handlung und man vergibt seinen Mitmenschen so oft, wie es nötig ist.

Genau das ist der entscheidende Punkt, den Jesus hier erwähnt.Lassen Sie den Taschenrechner aus dem Spiel. Vergebung ist keine Sache mathematischer Arithmetik, sondern eine Sache der Einstellung. So oft wie Gott uns vergibt, so oft sollten wir uns gegenseitig vergeben.Solch ein Geist des Vergebens ist genau das, was die Welt heute braucht, wo so viele Beziehungen drohen auseinanderzubrechen.

Diese Art einander zu vergeben könnte viele Ehen retten, Generationsprobleme in der Familie überbrücken helfen, gestörte Verwandschaftsbeziehungen heilen, Fremdenfeindlichkeit überwinden, verhärtete Fronten in Kirchengemeinden zusammenführen und Frieden bringen.

Vergebung ist der Schlüssel für jede zerbrochene Beziehung.

Gottes Weg mit uns, formt den Weg für uns mit anderen. Derjenige, dem vergeben wird, wird zum Vergebenden. Wir haben nur ein Leben. Führen Sie es in diesem Sinne und leben Sie wirklich.