Titel: Die Bewahrung der Schöpfung
Liebe Gemeinde,
der bekannte Theologe Karl Barth sagte einmal, daß, um erfolgreich zu predigen, zwei Quellen betrachtet werden sollten: einerseits, die Bibel, die die Bezeugung des lebendigen Wortes Gottes ist, und andererseits die Zeitung.
Karl Barth meinte damit, daß man beides braucht: Die Wahrheit, die von Gott zu uns kommt, und die Wirklichkeit, mit der wir jeden Tag zu tun haben.
Gewöhnlich beginne ich mit der Bibel und ende mit der alltäglichen Wirklichkeit, aber heute werde ich mich von einer besorgniserregenden Nachricht anregen lassen.
In der Basler Zeitung , lese ich den folgenden Artikel:
Die Luftverschmutzung in Südostasien hat solche Ausmaße angenommen, dass das starke Wirtschaftswachstum der Region bedroht ist. Zu diesem Schluss kommt eine am Montag in London veröffentlichte Studie des UN-Umweltumweltprogramms UNEP.
In der Luft hat sich demnach eine Kilometer dicke Smogschicht gebildet.
Dieser "braune asiatische Dunstschleier" aus Asche, Säuren und anderen kleinsten Partikeln verändere das Wettersystem einschließlich des Monsunregens dauerhaft. Dadurch werde in Westasien Dürre ausgelöst, während es in Ostasien verstärkt zu Überflutungen komme.
Die Schmutzdecke sei so dicht, dass sie die Sonneneinstrahlung um 10 bis 15 Prozent verringere, was die Landwirtschaft stark beeinträchtige. So gebe es Hinweise darauf, dass die indische Reisernte im Winter dadurch um zehn Prozent zurückgegangen sei. Der Dauersmog fördere außerdem Erkrankungen der Atemwege und könne zum vorzeitigen Tod von "mehreren hunderttausend" Menschen führen.
In diesem konkreten und in der Geschichte der Kirche neuen Zustand, fühlen wir uns als Christen ziemlich unbehaglich, weil wir oft das Gefühl haben, dass die Bibel keine genaue Aussage zum Problem der Umwelt-Verschmutzung macht.
Ist das wirklich so?
Eine Sache steht fest.Dieses Problem war unbekannt zu der Zeit der Propheten und Apostel.
Jedoch gibt es im Wort Gottes genaue Hinweise, die uns leiten können.Das Buch von Deuteronomium berichtet uns über eine lange Rede, die Moses an sein Volk richtete, als Israel dabei war, in Kanaan einzuziehen, das heißt, ins Land, das Gott seinen Vorvätern versprochen hatte.
Der HERR, dein Gott, so spricht Mose, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Brunnen und Seen sind, die an den Bergen und in den Auen fließen, ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt, ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo dir nichts mangelt, ein Land, in dessen Steinen Eisen ist, wo du Kupfererz aus den Bergen haust.
Es handelt sich um große und schöne Städte, die du nicht gebaut hast, um Häuser voller Güter, die du nicht gefüllt hast, um ausgehauene Brunnen, die du nicht ausgehauen hast, und um Weinberge und Ölbäume, die du nicht gepflanzt hast.
Dieses schöne und wunderbare Land, sagt Mose zu seinem Volk, steht jetzt zu deiner Verfügung.
Iss, trinke und genieße dieses Land. Sei froh.Jedoch musst du einen Punkt nicht vergessen:
Dieses Land ist nicht dein Eigentum.Das Land ist mein, und ihr seid Fremde und Beisassen bei mir.
Verweilen wir nun bei diesen Worten "Fremde und Beisassen".
Was ist der Sinn des Wortes "Fremde"?
Zur Zeit von Moses bedeutete dieses Wort "ein vorläufiger Bewohner, ein Newcomer", der oft wenig Schutz genoss.Das Wort "Beisassen" hatte mehr oder weniger denselben Sinn, und hier in der Schweiz bezeichnete man damit bis 1798 die längerfristig niedergelassenen Personen, die kein oder nur ein beschränktes Bürger- oder Genossamerecht besassen; im Mittelland war dafür zu Stadt und Land der grundsätzlich synonyme Begriff Hintersassen gebräuchlicher.
Was bedeutet das in bezug auf unsere Rolle in dieser wunderbaren Welt, die Gott zu unserer Verfügung gestellt hat?
Es bedeutet, dass wir nicht Eigentümer, sondern bloße Mieter und Verwalter einer Welt sind, die uns nicht gehört. In anderen Worten ausgedrückt, wir können nicht den HERRN in einer Welt spielen, die uns nicht gehört.Diese Worte sind von tiefer Bedeutung - auch für uns heutzutage.Stimmt es nicht, dass die Herrschaft des Menschen über die Natur und die ganze Erde, die Gott uns geschenkt hat, sich oft als eine eitle, blinde und grausame Tyrannei erwiesen hat? Stimmt es nicht, dass die Werke Gottes und sogar die Würde des Menschen selbst oft von einer blinden Eigensucht vernichtet worden sind?
Jeden Tag wohnen wir einer Degradation der Schöpfung bei, die uns Gott gegeben hat.
Wenn das alles stimmt, sollten wir nicht Gott über unsere Ausnutzung der Natur Rechenschaft ablegen?
Das Alte und das Neue Testament deuten klar hin, dass die Bewahrung der Schöpfung nicht nur eine pflichtgemäße, sondern auch eine christliche Handlung ist.
In einem Antrag, der in einer Versammlung der christlichen Kirchen in Basel neulich angenommen wurde, heißt es:
Als Christen leben wir in Gottes Bund mit uns und der ganzen Schöpfung. Wir gehören alle zu dem einen Leib Christi. Weil Gott unsere Herzen und Gedanken verändert, schließen auch wir als Christen einen Bund untereinander. Ihm, unserem Gott, sind wir zur vorrangigen Treue verpflichtet. Alle anderen Loyalitäten (gegenüber Staat, Kultur oder sozialer Gruppe usw.) sind demgegenüber zweitrangig. Hier liegt der Grund für unser Eintreten für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.
Diese Sorge hat stets im Zentrum der biblischen Botschaft und der reformierten Tradition gestanden. Die Leidenschaft Calvins und anderer Reformatoren für Gerechtigkeit hat im Zeugnis reformierter Kirchen deutlich ihre Spuren hinterlassen..
Unsere Schöpfung ist wahrlich ein Wunderwerk. Nur in einer intakten Umwelt können wir auf Dauer glücklich und gesund leben.
Amen