Josua 24. Kapitel

Liebe Gemeinde,

die Episode, die uns heute erzählt wird, sticht wegen ihres Dramas hervor.

In einer von der starken Sonne von Palästina geblendeten Landschaft, stehen sich zwei Subjekte gegenüber. Einerseits das Volk Israel, das mehr als 40 Jahre lang durch die Wüste herumgezogen war, und andererseits Josua, ein gestandener Mann, derjenige, der sein ganzes Leben damit verbracht hatte, sein Volk ins Land zu führen, das Gott Moses versprochen hatte.

Nach mehr als 40 Jahren des Herumirrens in der Wüste ist das Ziel der Reise dabei, erreicht zu werden.

Das versprochene Land hebt sich klar in der Ferne ab, und es genügen nur einige Stunden um es zu erreichen.

Jedoch vor dem Eintritt ins versprochene Land soll Josua etwas Bedeutendes sagen.

Aus diesem Grund beschließt er, sich an sein Volk zu wenden, und gleich ist es klar, daß das Thema seines Gesprächs nicht seine Person betrifft, sondern das, was Gott für Israel gemacht hat.

Josua will nichts anderes tun als die Geschichte von Israel von der Zeit von Abraham bis zu seiner Zeit neu zu interpretieren.

Er ist fest davon überzeugt: Alles das, was in dieser langen Periode geschehen war, war nicht zufällig geschehen. Gott hatte sein Volk Israel ausgewählt, geliebt und gerettet.Gott hatte sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit und es lange Jahre lang unterstützt.

Schließlich hatte Gott sein Volk durch Moses und Josua in die Nähe des versprochenen Landes geführt.

Ich gab euch ein Land, um das ihr euch nicht bemüht hattet, und Städte, die ihr nicht erbaut hattet. Ihr habt in ihnen gewohnt, und ihr habt von Weinbergen und Ölbäumen gegessen, die ihr nicht gepflanzt hattet.

Jetzt, sagt Josua, angesichts der Tatsache, daß der Herr so viele Wunder für euch getan hatte, welche Einstellung werdet ihr Gott gegenüber haben? Wem werdet ihr Glauben schenken? Den Götzen und den Göttern, die eure Phantasie geschaffen hat und noch schafft, oder dem Gott Eurer Vorväter?

Eine Sache steht fest, ermahnt Josua: Die Entscheidung, die ihr dabei seid, zu treffen, ist von äußerster Wichtigkeit, weil es nicht möglich ist, dem lebendigen Gott zu dienen und gleichzeitig vor den Götzen zu knien.

Ihr seid nicht imstande, dem Herrn zu dienen, denn er ist ein heiliger Gott, ein eifersüchtiger Gott; er wird euch eure Frevel und eure Sünden nicht verzeihen.Wenn ihr den Herrn verlaßt und fremden Göttern dient, dann wird er sich von euch abwenden, wird Unglück über euch bringen und euch ein Ende bereiten, obwohl er euch zuvor Gutes getan hat.

Josua war im Recht . Einige Jahrhunderte später hat Jesus auf Josua angespielt, als er sagte:Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Liebe Gemeinde,

Im 16. Jahrhundert versuchte die Protestantische Reformation, die Aufmerksamkeit der Kirche auf die Tatsache zu lenken, daß der Glaube an den lebendigen Gott eine grundsätzliche Ablehnung jeder entgegengesetzten Realität bedeutete.

Die Erneuerung der Kirche sollte, so sagten die Reformatoren, in 4 Bereichen deutlich werden:

1. Allein Gott Ehre und Ruhm, das bedeutet dass wir einen Gott bekennen, nach dem allein wir uns orientieren müssen, dem allein wir dienen müssen, den allein wir ehren müssen, auf den allein wir unser Vertrauen setzen müssen.

2. Allein die Bibel - das bedeutet, dass die einzige Quelle unseres Lebens das Wort Gottes ist, das wir in der Bibel finden können.

3.Allein Jesus Christus, das bedeutet, dass Jesus Christus derjenige ist , auf den wir zu hören und dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.

4. Allein aus Gnade, das heisst daß alleine die Gnade Gottes den Menschen retten kann. Keine Entscheidung, keine Werke, keine Ablässe, keine Sakramente, nicht das Fünklein hat der Mensch eine Mitwirkung. Allein aus Gnade kann ein Mensch gerettet werden.

5. Allein der Glaube ist Zentrum des Glaubens eines Christen. Was nützen einem die guten Taten, wenn man innerlich keinen Halt, kein Gottvertrauen hat? Der Glaube rechtfertigt, das heißt, er hilft dem Menschen in der Beziehung zu sich, zum Nächsten und zu Gott, sich zu verändern. Daraus ergeben sich dann allerdings notwendigerweise auch Konsequenzen für das Leben, gute Werke oder Früchte des Glaubens, wie die katholische Kirche immer wieder betont hat.

Was bedeuten diese Prinzipien heutzutage?

Heutzutage hat man den Verdacht daß die Kirchen, die durch die Reformation geboren wurden, in einer tiefen Krise stecken.

Zwei Beispiele möchte ich Euch angeben.

Es wird oft wiederholt, dass die Botschaft Christi lediglich eine religiöse Tradition von weltweiter Verbreitung unter vielen anderen darstellen würde.Dieser Meinung nach wäre es notwendig, eine kopernikanische Revolution zu machen, dass heißt das Dogma aufzuheben, wonach das Christentum das Zentrum der anderen Religionen bilden würde.Ist es nicht wahr, so sagen viele, dass es nur einen Gott gibt? Aber hier liegt das Problem: um welchen Gott handelt es sich? Um den Gott, der die Projektion unserer tiefen geistlichen Erwartungen und Wünsche ist oder um den Gott von Israels und von Jesus Christi? In der Tat, jedesmal wenn das Alte und das Neue Testament über Gott sprechen, deuten sie auf einen besonderen Gott, der mit anderen Göttern nicht verwechselt werden darf.

Ein anderes Beispiel möchte ich machen.

Die Reformatoren haben mit aller Kraft an den biblischen Aussagen festgehalten, daß allein Christus den Menschen retten kann, und keine sonstigen Mittler, keine Kirche, keine Ablässe, keine Sakramente, weder Werke noch Überzeugung geschickter Prediger. Allein durch Christus können wir unserem Leben einen Sinn und eine Perspektive geben.

Was ist heute mit dieser Aussage geschehen?

In der katholischen Kirche hat immer die Tendenz geherrscht, die Heiligen zu verehren und sie als Vermittler zwischen Gott uns zu betrachten.Jeden Tag werden die Heiligen dazu angerufen und angefleht, Wunder zu wirken. Neulich hat es in Sizilien eine große Eruption des Ätna gegeben.

Was haben einige katholische Priester vorgeschlagen?Sie haben vorgeschlagen, den örtlichen Schutzheiligen in Prozession zu bringen, damit er eine Wunder machen könnte.

Wird auf diese Art und Weise nicht die Zentralität Christi verleugnet? Welche Rolle spielt Gott für diese Leute? Gibt es nicht die Gefahr, einen Glauben ins Leben zu rufen, der nichts mit der Lehre des Alten und des Neuen Testaments zu tun hat?

Im Gegenteil sind wir als Christen dazu aufgerufen Christus in klarer reiner Form zu predigen. Die anthropozentrische Theologie, die die Heiligen in den Mittelpunkt stellt, muß durch einen christuszentrierten Glauben ersetzt werden. Gemeinschaft, Abendmahl, Beten und das Alltagsleben müssen von Christus geprägt sein. Allein Christus hat die Macht und die Kraft, dieses Wunder in den Menschen zu wirken.

Wir sind dazu aufgerufen, mit Josua zu wiederholen: wir aber wollen dem HERRN allein dienen .

Diese Entscheidung für Gott klingt, als hätte Josua gesagt: Ich habe meinen Gott zu viele Jahre gekannt, um ihn nun zu verlassen. Ich habe nicht unter dem Schatten des Allmächtigen vierzig Jahre in der Wüste zugebracht, um nun am Ende die Götzen aufzusuchen.

Gleichfalls muss unsere Entscheidung für Gott tief, ruhig, klar, bestimmt und wohlgegründet lauten.

In dieser schwierigen Zeit sind wir dazu aufgerufen, einen unumstößlichen Entschluss zu verkünden und feierlich zu versprechen: wir wollen trotz der Menge und trotz der Sitten, trotz Versuchungen und Trübsal, trotz allem bis zum Ende dem Herrn dienen."

Genauso muss die Entschiedenheit eines jeden von uns sein, und ich wünsche ernstlich, sie wäre es.