Die Erkenntnis Gottes und die Selbsterkenntnis stehen in Beziehung zueinander

Im Todesjahre des Königs Ussija sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Throne, und seine Säume füllten den Tempel. 2 Seraphim standen oben über ihm, ein jeder von ihnen hatte sechs Flügel; mit zweien deckten sie ihre Angesichter, mit zweien deckten sie ihre Füße und mit zweien flogen sie. 3 Und einer rief dem andern zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen; die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit. 4 Da erbebten die Pfosten der Schwellen von der Stimme ihres Rufens, und das Haus ward mit Rauch erfüllt. 5 Da sprach ich: Wehe mir, ich vergehe! Denn ich bin ein Mann von unreinen Lippen und wohne unter einem Volk, das auch unreine Lippen hat; denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen! 6 Da flog einer der Seraphim zu mir, der hatte eine glühende Kohle in seiner Hand, die er mit der Zange vom Altar genommen; 7 und er berührte meinen Mund und sprach: Siehe, das hat deine Lippen berührt; deine Schuld ist weg und deine Missetat gesühnt! 8 Und ich hörte die Stimme des Herrn fragen: Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen? Da sprach ich: Hier bin ich, sende mich! 9 Und er sprach: Gehe und sprich zu diesem Volk: Höret immerfort und verstehet nicht, sehet immerzu und erkennet nicht! 10 Verstocke das Herz dieses Volkes, verstopfe ihre Ohren und verblende ihre Augen, daß sie mit ihren Augen nicht sehen, mit ihren Ohren nicht hören, und daß ihr Herz nicht zur Einsicht komme und sich bekehre und Linderung erfahre. 11 Und ich fragte: Wie lange, Herr? Er antwortete: Bis die Städte wüste liegen, weil niemand darin wohnt, und die Häuser menschenleer sein werden und das Land in eine Wüste verwandelt ist. (Jesaja Kap. 6)

Liebe Gemeinde,

Gibt es jemanden von euch, der jemals gewünscht hat Gott zu treffen?

Wie auch eure Antwort lauten wird, gibt es kein Zweifel daran, dass, auch angenommen, dass diese Begegnung passieren sollte, es sich um etwas durchaus Außerordentliches und Einzigartiges handeln würde.

Was für eine Reaktion könnten wir haben? Was könnten wir Gott sagen? Oder was würden wir erwarten zu wissen?

Ich bin ganz fest davon überzeugt, dass jeder von uns, nach dem ersten verständlichen Moment von Verwirrung mehrere Fragen an Gott stellen möchte: Z. B.Warum gibt es so viel Leid auf der Erde? oder warum sind meine Eltern oder mein Kind so verfrüh gestorben? Warum habe ich so viel gelitten und so weiter.

Jedoch in dem Text, den wir gerade gelesen haben, finden wir keine Frage.

Nur scheint eine Atmosphäre von grosser Gottesfurcht durch, als es dem Propheten erlaubt ist, die Majestät Gottes anzuschauen.

Diese Majestät Gottes ist symbolisch dargestellt, wie es uns erzählt vom Propheten: Ich sah den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Throne, und seine Säume füllten den Tempel.

Außer diesen Symbolen, die auf eine tiefste Wirklichkeit hinweisen, treten einige Elemente in den Vordergrund.

Das erste Element ist das unmittelbare Bewusstsein seiner Sünde.

Wehe mir, ich vergehe! Denn ich bin ein Mann von unreinen Lippen und wohne unter einem Volk, das auch unreine Lippen hat; denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen.

Das ist etwas, dessen sich der Prophet vorher nicht bewusst war. Vor seiner Begegnung mit Gott war Jesaja sich seiner Sünde nicht bewusst. Die Tatsache sich seiner Sünde bewusst zu werden entsteht nicht aufgrund einer Selbstanalyse, sondern aufgrund der Begegnung von Jesaja mit Gott. Wenn der Prophet diese Begegnung nicht gehabt hätte, wäre er nicht zu diesem Schluss gekommen. Der Reformator Johannes Calvin schrieb:

Aber andererseits kann der Mensch auf keinen Fall dazu kommen, sich selbst wahrhaft zu erkennen, wenn er nicht zuvor Gottes Angesicht geschaut hat und dann von dieser Schau aus dazu übergeht, sich selbst anzusehen. Denn uns ist ja ein mächtiger Hochmut geradezu angeboren, und darum kommen wir uns stets durchaus untadlig, weise und heilig vor, wenn uns nicht handgreifliche Beweise unsere Ungerechtigkeit, Beflecktheit, Torheit und Unreinheit vor Augen halte und uns so überführen. Dazu kommt es aber gar nicht, wenn wir bloß auf uns selber sehen und nicht zugleich auf den Herrn; denn er ist doch die einzige Richtschnur, nach der solch ein Urteil (über uns selbst) erfolgen kann. Wir sind ja von Natur alle zur Heuchelei geneigt, und so befriedigt uns schon irgendein leerer Schein von Gerechtigkeit eben sosehr, wie es die Gerechtigkeit selber nur könnte. (Unterricht in der christlichen Religio, 1,1)

Man kann sich fragen, ob dieser so drastische Schluß, auch heute vertretbar ist.

Die Antwort auf diese Frage lautet negativ. In der Tat lässt der Begriff der Sünde, das heißt, der Trennung zwischen Gott und dem Menschen, die nicht nur quantitativ, sondern qualitativ ist, den modernen Menschen völlig unberührt.Mehr als 77 % der Protestanten ist fest davon überzeugt, daß der Mensch gut und unschuldig geboren ist und, dass er später infolge des negativen Einflusses der Gesellschaft verdorben wurde.

Daraus ergibt sich eine sehr wichtige Folge. Wenn der Mensch die Tiefe der Sünde nicht erkennt, fühlt er auch nicht die Notwendigkeit, Gott um Verzeihung anzuflehen. Bitte überlegen Sie sich dies einen Moment lang. Wie ist es möglich die Gnade Gottes anzuflehen, wenn man nicht das Gewicht der Sünde fühlt?

Die biblische Lehre sagt uns etwas anderes und betont, dass das Wort Gottes hauptsächlich Urteil ist, das heißt, Urteil gegenüber einem Menschen, der von Gott nichts mehr wissen will.

Aber das Wort Gottes ist nicht nur Urteil, sondern auch Verkündigung der Verzeihung Gottes, wie es in diesem Text klar betont ist.

Siehe, das hat deine Lippen berührt; deine Schuld ist weg und deine Missetat gesühnt!

Es ist unmöglich die Ankündigung der Gnade Gottes zu verstehen ohne den Zusammenhang mit der Sünde die verziehen wird. Unsere Beziehungen mit Gott sind wiederhergestellt, indem Gott uns verkündigt, daß wir seine Feinde zu seinen geliebten Söhnen geworden sind. Der Abgrund zwischen Gott und dem Menschen wird überwunden.

Der Mensch wird frei. Frei um was zu tun? Der Mensch wird frei Gott und seinen Nächsten zu lieben. Der Mensch wird frei von der Sklaverei seines Egoismus, frei von den eigenen Beschränkungen, frei vor der Furcht des Todes.

Aus diesem Grunde, als Gott fragte: Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen? , ist der Prophet im Stande zu antworten: Hier bin ich, sende mich!

In dem Augenblick in dem seine Lippen berührt wurden, ist Jesaja frei geworden, den Appell Gottes empfangen zu können.

Wir kommen zu dem dritten Element. Der Prophet beschreibt den Inhalt des göttlichen Befehles.

Gehe und sprich zu diesem Volk: Höret immerfort und verstehet nicht, sehet immerzu und erkennet nicht! 10 Verstocke das Herz dieses Volkes, verstopfe ihre Ohren und verblende ihre Augen, daß sie mit ihren Augen nicht sehen, mit ihren Ohren nicht hören, und daß ihr Herz nicht zur Einsicht komme und sich bekehre und Linderung erfahre.

Wir geraten in tiefe Schwierigkeiten, eine solche Verkündigung anzunehmen. Wenn wir sprechen, wollen wir gehört werden; und wenn wir predigen, wollen wir, dass unser Reden begriffen werden kann.

Im Gegenteil dazu ist der Prophet aufgerufen das Wort Gottes anzukündigen, obwohl er vorher schon weiß, dass sein Appel nicht angenommen werden wird.

Was für eine Enttäuschung! Es handelt sich vielleicht um die selbe Enttäuschung die wir fühlen, jedesmal wenn wir fast jeden Tag feststellen, dass die Menschen heutzutage von Gott nichts mehr wissen wollen.

In der Tat wünschen die heutigen Menschen nur falsche Propheten, die sie mit leeren Versprechungen hinhalten.

Sehr oft wünschen die heutigen Menschen, eine Lehre zu folgen die sie nicht in Frage stellt.

Bemerkenswert wie aktuell das Alte Testament auch in unserer Gegenwart doch ist! Großstädte wie Bern und Hamburg haben eine unchristliche Bevölkerungsmehrheit. Der Glaube hat im Alltag unseres Volkes seine Bedeutung verloren.

Was ist unsere Einstellung in dieser konkreten Situation?

Um jede Form von Missverständnisse zu vermeiden, ziehen wir vor, zu schweigen. Das Problem der Kirche heutzutage ist ihr Schweigen. Die Leute verlassen die Kirche und die Kirche schweigt.Die Leute werden abergläubisch und die Kirche schweigt.

Warum die Kirche schweigt? Die Kirche schweigt, weil sie nicht Originelleses zu sagen hat.

Im Gegenteil dazu sind wir dazu aufgerufen treue Zeugen zu sein und laut in dieser säkularisierten Zeit zu proklamieren: Heilig, heilig, heilig ist der HERR aller Gewalten. Die Fülle des ganzen Universums ist seine Majestät.- "Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth. Alle Lande sind seiner Ehre voll!

Wir Christen müssen laut bekennen, dass der Heilige Gott das ganze Universum bewohnt und regiert trotz unseres schwachen Glaubens, unserer Sünde, unserer Armut, trotz der Ungläubigkeit unserer Zeit.Wir Christen müssen laut bekennen, dass der Gott von der Bibel und von Jesus Christus im Mittelpunkt des Lebens stehen muss.

Möge Er auch in unseren Herzen wohnen und unseren Willen regieren.

Amen.