Dafür arbeiten und kämpfen wir, denn wir haben unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt, den Retter aller Menschen, besonders der Gläubigen. (1. Timotheus 4:10)

So schreibt der Apostel Paulus in einem seiner letzten Briefe, als er im Gefängnis war in der Befürchtung zum Tode verurteilt zu werden.

Diese Worte können alle diejenigen erstaunen, die die Wechselfälle des Lebens von Paulus nicht wohl kennen,  der 20 Jahre lang unermüdlich gereist war, um die christliche Botschaft zu verkündigen,.

Um welche Wechselfälle handelte es sich?

Davon haben wir einen kurzen Bericht in dem 2. Brief an die Korinther, in welchem der Apostel schrieb:

Sie sind Diener Christi - jetzt rede ich ganz unvernünftig -, ich noch mehr: Ich ertrug mehr Mühsal, war häufiger im Gefängnis, wurde mehr geschlagen, war oft in Todesgefahr. Fünfmal erhielt ich von Juden die neununddreißig Hiebe; dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, eine Nacht und einen Tag trieb ich auf hoher See. Ich war oft auf Reisen, gefährdet durch Flüsse, gefährdet durch Räuber, gefährdet durch das eigene Volk, gefährdet durch Heiden, gefährdet in der Stadt, gefährdet in der Wüste, gefährdet auf dem Meer, gefährdet durch falsche Brüder. Ich erduldete Mühsal und Plage, durchwachte viele Nächte, ertrug Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Blöße. Um von allem andern zu schweigen, weise ich noch auf den täglichen Andrang zu mir und die Sorge für alle Gemeinden hin. Wer leidet unter seiner Schwachheit, ohne daß ich mit ihm leide? Wer kommt zu Fall, ohne daß ich von Sorge verzehrt werde?

Wir können den Gemütszustand von Paulus gut begreifen. Am Ende seines Lebens blickte er in die Vergangenheit zurück und fragte sich ängstlich: Lohnte es sich eine so lange Reihe von Schwierigkeiten anzugehen und so viele Entbehrungen auf sich zu nehmen?

Wäre es nicht besser gewesen, alles bleiben zu lassen? Wäre es nicht vielleicht ratsamer gewesen um des lieben Friedens willen auf die Aufgabe zu verzichten das Wort Gottes zu verkündigen, was so viele Hindernisse und Risiken in sich trug ?

Ist es nicht wahr, dass das die Frage ist , liebe Gemeinde, die wir uns stellen, jedesmal wenn wir eine tiefe Krise in der Kirche durchmachen und uns überlegen : Lohnt es sich, in der Kirche unsere Energien und unsere Zeit zu verschwenden.

Die Antwort auf diese Frage lautet durchaus klar.

Ja, antwortet Paulus, es lohnt sich. Denn die Frömmigkeit, das heißt Gott gegenüber Ehrfurcht haben ist zu allen Dingen nütze und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens.

Dafür arbeiten und kämpfen wir, denn wir haben unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt, den Retter aller Menschen, besonders der Gläubigen.

Meines Erachtens erweist sich das was Paulus schrieb von tiefer Bedeutung um die Geschichte der christlichen Kirche begreifen zu können:

Wieso waren unzählige Generationen von Gläubigen fähig irgendeine Schwierigkeit, irgendeine Verfolgung, irgendein Opfer anzupacken und trotz alledem immer im Stande zu überwinden?

Ist es weil sie einfach exaltiert waren oder weil sie die Hoffnung hatten, sich eine Position zu schaffen und ein beträchtliches Ansehen zu genießen?

Ich halte es für ausgeschlossen.

Nach der Auferstehung Jesu Christi waren die Jünger sich dessen wohl gewusst, dass sie von nun an viel härter würden arbeiten und kämpfen müssen .

Der Grund, weshalb so viele Christen im Stand waren irgendeine Schwierigkeit gegenüberzustehen, besteht einfach in der Tatsache, dass sie ihre Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt hatten.

Das Ziel, das sie sich setzten, bestand nicht darin, auf ihren eigenen Vorteil bedacht zu sein, sondern sich für den lebendigen Gott abzumühen.

Der Apostel Paulus reiste mehr als zwanzig Jahre lang um das Wort Gottes zu verbreiten und dasselbe taten die anderen Apostel.

Die Reformatoren zögerten nicht, ihr Leben auf’s Spiel zu setzen, um jene grundsätzlichen theologischen Voraussetzungen zu bewahren ohne die die Kirche steht oder fällt.

Der deutsche Theologe Dietrich Bonhoeffer opferte sein Leben dem Schafott, um gegen den Nazismus zu kämpfen.
Alle diese Leute setzten ihre Hoffnung auf den lebendigen Gott und das war für sie das wichtigste und wesentlichste Element in ihrem Leben.

Ihr Beispiel kann für uns sehr lehrreich sein.
Wenn es in diesem oder in anderen Bereichen keine feste Motivation gibt, dann wird die geringste Schwierigkeit zu einem unüberwindlichen Hindernis.

Und der Grund ist klar: Alles, was man nicht aus innerer Überzeugung tut, wird unerträglich und man könnte uns fragen, ob die Krise der Kirche heutzutage nicht von einem Mangel tiefer Motivationen abhängt.

Liebe Mitglieder des Kirchenvorstandes,

Warum, könnt ihr fragen, habe ich diesen Text ausgewählt? Ich habe diesen Text ausgewählt, weil ich fest davon überzeugt bin, dass das Amt das Ihr übernommen habt nicht einfach ist und dessen seid ihr euch wohl bewusst.

Diejenigen die sich einbilden, dass die Umwelt der Kirche von anderen Umwelten verschieden sei, laufen Gefahr eine bittere und tiefe Enttäuschung zu erleben und schließlich zu sagen: warum sollte ich in der Kirche arbeiten und so viele Vorwürfe und Verweise bekommen?

Liebe Freunde und Freundinnen,

eine Sache steht fest. Wenn das der Grund eurer Entscheidung ist, steht zu erwarten, dass ihr nicht weit kommen werdet.

Im Gegenteil, wenn der wichtigste Grund Eurer Entscheidung davon abhängt, dass ihr eure Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt habt, dann wird keine Enttäuschung im Stande sein euch zu erschüttern. Die Menschen können euch enttäuschen aber nicht Gott und ihr arbeitet für Gott. Sie sind Gottes Mitarbeiter.

Der Apostel Paulus schrieb einmal: Alles aber tue ich um des Evangeliums willen.

Wir sollten diese Worte nicht nur an die Wände unseres Hauses stellen, sondern auch in unseren Herzen tragen. Alles tun wir um des Evangeliums willen.

Wenn das geschieht, alles was wir tun seinen Sinn wiederfinden wird.