Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr einst »nicht ein Volk« wart, nun aber »Gottes Volk« seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid. I Petrus, 2:9-10
Liebe Gemeinde,
Welchen Sinn hat für uns alle Weihnachten?
Auf diese Frage kann man viele Antworten geben. Für einige Menschen stellt Weihnachten nur eine Gelegenheit dar, um zu feiern und der täglichen Monotonie zu entfliehen. Für andere ist Weihnachten eine reine Geschäftssache. Für andere noch repräsentiert Weihnachten nur eine Gelegenheit, um die Krippe aufzustellen und die Kinder damit glücklich zu machen. Wie viele Male haben wir uns gesagt: Wenn es nicht die Kinder gäbe, würde es sich nicht lohnen, Weihnachten zu feiern. In der Tat übt dieses Fest keine starke Anziehung für die meisten von uns aus.
Als wir klein waren, hatten wir eine ganz andere Begeisterung, aber als wir erwachsen wurden, haben wir aufgehört zu träumen, und das ist schade. Es ist traurig, ohne Träume zu leben.
Zusammengefasst handelt es sich für die meisten Leute nur darum, eine Tradition fortzusetzen. Wenn diese Leute zum Beispiel in Arabien oder in Asien geboren worden wären, hätten sie wahrscheinlich den Ramadan oder die Geburt von Buddha gefeiert.
Jedoch gibt es auch Leute, für die Weihnachten gar nichts bedeutet. Ihrer Meinung nach geht es um einen Tag wie viele andere. In einem gewissen Sinn haben sie Recht. Gibt es wirklich etwas Neues an diesem Tag? Wenn man in den letzen Wochen viel gelitten hat, gibt es vielleicht eine Pause zu Weihnachten?
Die Antwort ist eindeutig! Gar nichts! Die Leute sterben in den Krankenhäusern weiter. Die Menschen, die in den verschiedensten Teilen der Welt leiden, leiden weiter.
So, um auf das Thema zurückzukommen, was bedeutet für uns die Geburt von Jesus Christus?
In den Texten, die ich für heute abend gewählt habe, gibt es zwei Schlüssel.
Ein Schlüssel verweilt bei dem Ochs, dem Esel und dem kleinen Kind, das von seinen Eltern - in einer armseligen Krippe liegend - umsorgt wird.
Es handelt sich um Elemente, die sich als durchaus nebensächlich erweisen.
Dieser Schlüssel kann diejenigen sicher nicht befriedigen, die eine schwere Krise durchmachen und den verschiedensten Schwierigkeiten entgegentreten.
Der Apostel Petrus gibt uns einen anderen Schlüssel, der uns ermöglicht, diesen Text besser begreifen zu können. Der Apostel Petrus geht weder ins Detail, wie Jesus geboren wurde, noch verweilt er bei dem Esel, dem Ochs und der Krippe. Im Gegenteil packt er das Problem der Konsequenzen von Weihnachten an.
Nach der Meinung des Apostels stellt die Geburt von Jesus Christus nicht ein Ereignis wie viele andere dar, sondern der Anfang unserer Rettung.
Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat. Einst wart ihr nicht sein Volk, jetzt aber seid ihr Gottes Volk; einst gab es für euch kein Erbarmen, jetzt aber habt ihr Erbarmen gefunden.
Lasst uns bei diesen Behauptungen verweilen.
Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht.
Die Daseinsberechtigung von Weihnachten besteht darin, dass Gott uns auserwählt hat.
Was bedeutet diese Aussage? Es bedeutet, dass der Sinn unseres Lebens auf dieser Erde nur mit diesem ewigen Beschluss Gottes erklärt werden kann.Es bedeutet, dass unser Treffen - hier in dieser Kirche – kein Zufall ist. In der Geschichte der Menschheit geschieht nichts zufällig. Alles hat einen genauen Sinn im Plan Gottes. Der Reformator Johannes Calvin schrieb diese wenigen und bedeutsamen Worte:
Alle, die von Jesus gelernt haben, daß die Haare auf unserem Haupt gezählt sind, werden weiter nach dem Grund für Ereignisse suchen und werden sicher sein, daß die Ereignisse, wie auch immer sie sich ereignen, von dem geheimen Willen Gottes geleitet sind.
Der Grund, weshalb wir heute abend hier sind, liegt nur in dem ewigen göttlichen Beschluss. In anderen Worten ausgedrückt, ist es Gott, der uns wählte, und das geschah nicht, weil wir besser als die andere waren. Infolge dieser göttlichen Entscheidung sind wir von der Finsternis ins Licht übergegangen.Was vorher für uns dunkel und verworren war, wird klar und eindeutig.
Ein Licht, wie ein Blitz in der Nacht, hat die undurchdringliche Dunkelheit unseres geheimnisvollen Lebens durchleuchtet.
Jetzt ist es möglich, die Rolle zu begreifen, die wir aufgerufen sind, hier zu spielen.
Um diesen Unterschied zwischen dem Vorher und dem Nachher zu betonen, fügt Petrus zwei Beobachtungen hinzu:
Einst wart ihr nicht sein Volk, jetzt aber seid ihr Gottes Volk; In anderen Worten ausgedrückt: Vor der Geburt von Jesus Christus waren wir eine bunte Gesellschaft von Frauen und Männern ohne Perspektiven und ohne Zukunft. Vor der Geburt von Jesus Christi hatten wir keinen festen Bezugspunkt, und waren wir müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Nach dem Kommen Christi gehören wir Gott. Wir sind sein Eigentum.
Einst gab es für euch kein Erbarmen, jetzt aber habt ihr Erbarmen gefunden.
Vorher hatten wir keine andere sichere Perspektive als das Bewusstsein unserer Entfremdung von Gott, unserer Leere und unseres tragischen Schicksales, das heißt, des Todes.
Jetzt aber haben wir Erbarmen gefunden. Der Wert und der Sinn des menschlichen Lebens kommen daher, dass Gott sich an uns erinnert und uns geliebt hat. Der Mensch kann zu höchsten Ehren emporsteigen aufgrund des Gedenkens und der Liebe Gottes für ihn.
Wenn Gott nicht die Quelle und der Ursprung unseres Lebens wäre, wie der protestantische Theologe Paul Tillich betonte, würde unsere Existenz ein unergründliches Geheimnis bleiben - trotz der Vielfalt seiner wunderbaren Ausdrucksweisen.
Auf diese Grundlagen kann sich der Apostel Petrus beziehen, wenn er uns allen sagt:
Wenn ihr aber ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk seines Besitzes seid, dann seid ihr dazu aufgerufen, die großen Taten dessen zu verkünden, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.
Was für eine enorme Verantwortung: Die grossen Taten Gottes zu verkünden. Nicht wir, sondern Gott muss im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stehen. Unser Leben wird lebenswert werden unter der Bedingung, dass wir für dieses Ziel weiter arbeiten. Aber was bedeutet das?Es bedeutet, dass wir Instrumente für die Verwirklichung von Gottes Plan sein müssen.
Als Frauen und Männer sind wir dazu berufen, Gottes Gegenwart zu feiern, in Respekt gegenüber der Schöpfung zu leben, unseren Nachbarn zu lieben und zu dienen, für die Gerechtigkeit zu kämpfen und unseren Herrn Jesus Christus als unseren Richter und unsere Hoffnung zu proklamieren.
Das ist unser Beruf. Das ist das Ziel unseres Lebens. Das ist, was uns heute abend angekündigt wird.
Amen
Rev. Paolo de Petris
