Unser Leib : Der Tempel des Heiligen Geistes.

Liebe Gemeinde,

Vor 3 Wochen waren ich und meine Frau in Ischia, in der Nähe von Napoli.

Abgesehen von der Aussicht, die wirklich stimmungsvoll ist, gibt es in Ischia viele Kunstwerke die einer Besuch wert sind.

Das bekannteste unter ihnen ist der Castello Aragonese der 1439 von Alfons von Aragon neu angelegt wurde..

Das Kastell ist heute ein Privatbesitz. Herrliche Ausblicke auf Procida und den Golf von bieten sich dem Besucher.

Unter diesen Schönheiten gibt es etwas das mich besonders eingedrückt hat.Unter der leeren Kathedrale gibt es ein Zimmer in dem sich ein Nonnenfriedhof befindet.In diesem offenen Zimmer wurden die Toten auf Steinsessel mit einem Loch in der Mitte gesetzt und mußten die lebenden Nonnen täglich dort beten und zusehen, wie die Leichen verwesten.

Was ist, können uns fragen, das Ziel dieser makabren Tradition?Das Ziel bestand darin, die Vergänglichkeit des Leibes zu beweisen.

Von dieser grauenerregenden Erlebnis sind in mir einige Fragen aufgekommen.

Ist diese Anschauung mit der biblischen Lehre vereinbar?Haben jemals das Alte und das Neue Testament eine solche Leibesabneigung gerechtfertigt?

Die Antwort auf diese Frage lautet negativ.Rudolf Bultmann, in seiner Theologie des Neuen Testaments, hat hingewiesen, dass der Leib nicht etwas dem eigentlichen Ich des Menschen (etwas seiner Seele) äußerlich Anhaftendes ist, sondern wesenhaft zu diesem gehört. In anderen Worten ausgedrückt gemäß der christlichen Perspektive hat der Mensch nicht einen Leib, sondern er ist ein Leib.

Wir können dieser Behauptung nur zustimmen .

Die Leibesverachtung - durch den Späthellenismus in die christliche Theologie eingedrungen - stand immer biblischer Anthropologie entgegen.

Biblische Anthropologie ist weit von dieser Perspektive entfernt. Es wird nicht Materie dem Geist oder Leib der Seele gegenübergestellt, sondern die immer vorläufige und sündige menschliche Wirklichkeit der ewigen göttlichen.

Christliche Hoffnung ist nicht Hoffnung auf Erlösung der Seele aus dem Gefängnis des Leibes; christliche Hoffnung ist Hoffnung auf Auferstehung und Verwandlung des ganzen Daseins, ist Auferstehung des Fleisches, wie wir es im Glaubensbekenntnis bekennen.

Der verwandelte Leib ist den Begrenzungen von Sünde und Tod entnommen und bleibt doch der Leib, den Gott uns gegeben hat.

Wie sehr Paulus den Leib schätzt, zeigt sich, wenn er ihn als Tempel des Heiligen Geistes versteht. So schreibt er den Korinthern, die den Leib meinen in vieler Hinsicht missachten zu können, weil es doch nicht auf ihn, sondern auf die Seele oder den Geist ankomme: Wisset ihr nicht, daß eure Leiber Christi Glieder sind? Oder wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, welchen ihr habt von Gott, und seid nicht euer selbst.

Die Askese, die Suche nach einem Leben voller Entbehrungen, die Verachtung unseres eigenen Leibes, betrachtet als etwas Negatives (die Lobpreisung der Keuschheit und des Zölibates) entsprechen nicht dem Willen Gottes.

Gott wünscht nicht, dass das Leben ein Jammertal sei.

Man braucht nur die Bibel nachzuschlagen um festzustellen, dass der biblische Glaube nicht traurig und melancholisch war, sondern von einer positiven Einstellung gegenüber diesem Leben und dieser Welt erfüllt war.

Der Grund ist klar: Alle Autoren der Bibel waren davon fest überzeugt, dass diese Wirklichkeit und diese Welt von Gott gewollt wurden um uns zu erlauben ganz natürlich zu arbeiten und zu leben.

Das ganze Alte und das ganze Neue Testament bezeugen oft genug, dass Gott die Freude, das Vergnügen und das Wohlsein des Menschen wünscht.

Jesus selbst hat diese positive Haltung bewiesen.

In den Evangelien wird uns sogar gesagt, dass Jesus so weit entfernt von jeder Art von Askese war, dass die Pharisäer behaupteten er sei ein Fresser und ein Weinsäufer, der sich mit dem Zöllner und Sünder an einem Tisch setze.

Die Apostel selbst ließen sich auf eine lange Polemik mit jeder Form von Askese ein, da sie fest davon überzeugt waren, dass diese Tendenz ein grosses Missverständnis und einen theologischen Fehler verbarg.

Die Askese und der Verzicht auf das Vergnügen haben keine Rechfertigung.

"Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?"

Hier bekommt der Begriff des Tempels einen neuen Sinn. Wir kennen die Worte von Museen, Theatern und anderen Stätten des Kulturlebens als Musen-Tempel, den Kaufhäusern als Konsum-Tempeln, oder guten Speise-Lokalen als Fress-Tempeln.

Was ist eigentlich ein Tempel? - Ursprünglich war es ein Ort der Sammlung und Anbetung, ein geheiligter Ort. Die Heiden, also die Menschen, die an eine Vielzahl von Göttern glaubten, hatten oft recht menschenähnliche Vorstellungen vom Wesen und der Gestalt ihrer Götter. So glaubten sie auch, dass diese Götter - auch wenn sie für menschliche Augen unsichtbar waren - in Häusern wohnen müssten wie Menschen. Tempel sind Orte der Verehrung.

Durch Lesen diesen Text, könnten wir einige Fragen stellen; zum Beispiel, wenn wir jede Sorte von Speisen und Getränke unordentlich und durcheinander hinunter schlingen und hinunter kippen, auf welche Weise betrachten wir unseren Leib, als den Tempel des Heiligen Geistes oder lieber als einen Abfalleimer? Stress, Überarbeitung, Fehlverhalten im Blick auf Eßgewohnheiten und Genußmittel, Bewegungsmangel sind typische Phänomene einer Weltanschaung die den leib nicht respektiert.
Vielleicht sollten wir ein sehr wichtiges Prinzip wiederentdecken das die ganze Bibel durchdringt, dass heißt: unser Leib ist weder etwas das wir vergöttern sollten noch etwas darüber wir schämen sollten, sondern ein wertvolles Werkzeug das wir benutzen sollten um Gott zu verherrlichen

Paolo de Petris