Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark! Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe. ( 1. Kor. 16:13)
Für diesen besonderen Sonntag an dem wir die Einweihung eines der wichtigsten
christlichen Symbole, des Hahnes, und gleichzeitig einer schönen und einfachen Uhr feiern, war ich ein wenig unentschlossen welchen Text ich wählen könnte.
In der Tat handelt es sich darum diese zwei Symbole den Hahn und die Uhr miteinander zu verbinden.
Bezüglich der Uhr, gab es wenige Probleme. Die Worte Zeit und Stunde erscheinen oft in der Bibel. Zum Beispiel im Psalm 31 steht geschrieben: Meine Zeit steht in deinen Händen.
Das wahre Problem entstand bezüglich des Hahnes.
Einerseits bedeutet der Hahn Wachsamkeit, da die ersten Christen stets bereit waren, Jesus Christus zu empfangen, wenn er wiederkäme, und gleichzeitig acht hätten vor den Anfeindungen des Teufels.Andererseits erinnert der Hahn warnend an den Verrat Jesu durch seinen Jünger Petrus.In der Nacht zum Karfreitag vor Sonnenaufgang ("ehe der Hahn kräht") hatte Petrus abgestritten, Jesus überhaupt zu kennen. Der Schrei des Hahns erinnerte ihn daran, dass Jesus ihm diesen Verrat vorausgesagt hatte.
Nach langer Überlegung habe ich den folgenden Text gewählt, da es mir schien, als ob er beide Elemente beinhalten würde .
Lasst uns wieder diesen Text lesen. Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark! Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.
Um diesen Text zu begreifen, sollten wir die in ihm enthaltenen Appelle in vier Teile analysieren.
Der erste Aufruf besteht darin, wachsam zu sein und deshalb nicht einzuschlafen. Seid wachsam.
Der gleiche Appell war unter verschiedensten Umständen verhallt.
Dieser Appell ist besonders schwierig heutzutage verstanden zu werden.
Das Risiko das wir in diesen Zeiten eingehen heißt nichts anderes als Mitläufertum.
In der Tat ist unsere ZEIT die Zeit des Konformismus der Kirche, das heißt unseres Konformismus. Heutzutage kann man nicht umhin anzuerkennen, daß die protestantischen Kirchen, in einer tiefen Krise stecken. Es steht auch fest, dass viele Faktoren zu der Krise der Kirche beigetragen haben. Der allgemeine Säkularismus unserer Kultur ist ein Faktor. Heutzutage scheint es, als ob die Menschen kein Interesse an Gott haben.Der Wohlstand ist ein anderer Faktor.
Jedoch, kann die Notlage der Kirche nicht nur aufgrund dieser Faktoren erklärt werden. In der Tat besteht die Hauptquelle des Unbehagens der Kirche oft in dem Verlust einer charakteristischen christlichen Botschaft. Manchmal gibt es kaum einen Unterschied zwischen dem, was die Kirche sagt, und dem, was wir von Therapeuten, von Psychologen und von den verschiedenen politischen Parteien hören.
Steht fest im Glauben.
Was bedeutet das? Es bedeutet, dass wir uns nicht leisten können die theologischen Grundlagen der Reformation der Vergessenheit anheimfallen zu lassen.
Wir haben eine theologische Tradition , die unsere Vorväter in der Vergangenheit fest verteidigt haben.
Heute scheint es als ob einige sich dieser Tradition entäußern wollen.
Persönlich bin ich fest davon überzeugt, dass wir in dieser schweren Zeit dazu aufgerufen sind jene grundsätzlichen Prinzipien wiederzuentdecken, auf deren Basis die Kirche steht oder fällt, das heisst: Gott allein sei Ehre und Ruhm , Christus allein, die Bibel allein, Glauben allein, Gnade allein .
In diesem Zusammenhang möchte ich ihnen eine Geschichte erzählen.
Einmal führte ich ein Gespräch mir einem Kollegen in Canada bezüglich der Evangelisierung und der Worte die Jesus vor seiner Himmelsfahrt sprach als er sagte: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!
Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.
Ich halte es für ausgeschlossen, sagte mein Kollege, dass Jesus diese Worte jemals hat sagen können. In der Tat bin ich fest davon überzeugt, fuhr er weiter, dass alle Menschen am Ende der Zeit gerettet werden können.
Von meiner Seite versuchte ich zu erwidern und zu sagen, dass es andere unzählige Texte geben würde, die diese Worte von Jesus bestätigen könnten aber mein Freund brach die Konversation ab und sagte. Du zitierst immer die Bibel aber ich glaube nicht, dass die Bibel etwas Bedeutsames auch für unsere Zeit enthält.In jenem Augenblick ist mir die folgende Überlegung eingefallen. Lieber Kollege, sagte ich , ich zweifle, dass du recht hast.Auf jeden Fall ist für mich eindeutig klar, dass du mit diesen Ideen die Leute davon überzeugen wirst nicht mehr in die Kirche zu kommen.
Seid mutig.
Auch dieser Appel erweist sich als sehr verständlich zu sein.Mutig sein bedeutet, meiner Meinung nach, nicht Kinder an Einsicht, sondern reife Menschen zu sein, die nicht Sklaven der Mode sind.
Der Apostel Paulus schrieb einmal: Wir sollen nicht mehr unmündige Kinder sein, ein Spiel der Wellen, hin und her getrieben von jedem Widerstreit der Meinungen, dem Betrug der Menschen ausgeliefert, der Verschlagenheit, die in die Irre führt.
Es bleibt mir nur zu sagen, dass es auch in den Kirchen viele Moden gibt.
Zum Beispiel besteht eine Mode darin immer über die gleichen Themen zu sprechen.
Das ist meines Erachtens nicht gut. Wir sind nicht dazu aufgerufen Sklaven der theologischen Moden, sondern nur Richtungsweiser für Gott zu sein.
Seid stark!
Dieser Appell kann missverstanden werden.Was bedeutet stark zu sein?Die Antwort ist eindeutig.
Wir sind nicht dazu aufgerufen wie Stallone oder Schwarzenegger zu werden.Stark sein bedeutet nicht aus Muskeln zu bestehen, sondern feste Grundlagen zu besitzen und mit Entschlossenheit zu handeln.
Auch in diesem Zusammenhang möchte ich ihnen etwas ehrlich gestehen.Das Herz krampft sich mir jedesmal zusammen, wenn ich von so genannt christlichen Leuten behaupten höre: Herr Pfarrer ich bin sehr traurig, da ich nicht weiß wie es nach meinem Tod ausgehen wird. Ich habe keine feste theologische Überzeugung.
Beim Hören diese Worte fühle ich ein tiefes Unbehagen und ich sage mir: was soll ich machen um diese Leute zu überzeugen, dass Christ sein eine positive Einstellung dem Leben gegenüber bedeutet?Was soll ich tun um den Menschen einen sicheren Halt zu geben in den sie ihre Existenz verankern können?Wenn die Leute nach dem Gottesdienst aus der Kirche treten, habe ich mit meiner Predigt ihre Zweifeln und Fragen beantwortet ?
Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.
Wir kommen zum letzen Element.In allem was wir machen ist es sehr wichtig, dass wir die Liebe Gottes aussprechen können.Gott liebt uns.Wir sind dazu aufgerufen die anderen zu lieben.Eine Kirche die die Liebe Gottes nicht verkündigt, kann die Gefahr eingehen nicht eine christliche Kirche zu sein.
Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark! Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.
Daran will der Hahn auf dem Kirchturm uns täglich erinnern.
Daran will auch die Uhr uns täglich erinnern dass wir nicht viel Zeit zu unserer Verfügung haben, weil das Leben schnell vergeht.
Jedoch müssen die kurzen Momente unseres Lebens eine Möglichkeit für uns sein um die Wahrheit Gottes zu begreifen. Diejenigen aber die die Wahrheit Gottes ergreifen, ergreifen in diesem Leben die Freiheit und die Freude und, in der zukünftigen Welt das ewige Leben.
Versuchen wir deshalb das nicht zu vergessen.