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des Pfarrers Paolo de Petris

 

Im 16. Jahrhundert versuchte die Protestantische Reformation, die Aufmerksamkeit der Kirche auf die Tatsache zu lenken, daß der Glaube an den lebendigen Gott eine grundsätzliche Ablehnung jeder entgegengesetzten Realität bedeutete. Das schottische Glaubensbekenntnis von 1560 betonte dieses Element in seinem ersten Kapitel: Wir bekennen einen Gott allein, nach Dem allein wir uns orientieren müssen, Dem allein wir dienen müssen, Den allein wir ehren müssen, auf Den allein wir unser Vertrauen setzen müssen.

Der Nachdruck auf den Prinzipien von SOLI DEO HONOR ET GLORIA, SOLUS CHRISTUS, SOLA SCRIPTURA, SOLA GRATIA, SOLA FIDE ( d.h. Gott allein sei Ehre und Ruhm, Christus allein, Bibel allein, Gnade allein und Glauben allein) hatte eine vollständige und radikale Re-Orientierung des Glaubens der Kirche zur Folge.

Heutzutage kann man nicht umhin anzuerkennen, daß die Kirchen, die durch die Reformation geboren wurden, in einer tiefen Krise stecken. Man hat den Verdacht, daß sich heutzutage das prophetische Wort des deutschen Reformators Martin Luther erfüllt, als er sagte: In der Zukunft wird wieder aufgebaut werden, was wir abgeschafft haben und es wird abgeschafft werden, was wir aufgebaut haben.

Es steht fest, dass viele Faktoren zu dem Unbehagen der Kirche beigetragen haben. Der allgemeine Säkularismus unserer Kultur, in der Leben zunehmend gelebt wird, als ob es keinen Gott gäbe, ist ein Faktor. Eine bedeutsame Rolle spielen zu dem die neuen sozialen Verhältnisse, in denen es wenig Unterstützung für die Kirche innerhalb der allgemeinen Strukturen der Gesellschaft gibt. Man kann auch sagen, wie Jörg Baur in seinem Buch Das reformatorische Christentum in der Krise betont hat: die Krise des Protestantismus sei die Krise der Neuzeit, ihrer Vernunft und ihres Subjektverständnisses, in dessen Strudeln der Protestantismus unterzugehen droht, weil dieser sich immer in kritischer Solidarität mit der europäischen Zeitgeschichte definiert hat.

Jedoch, wie der presbyterianische Theologe John Leith in seinem Der Reformed Imperative behauptet hat, kann die Notlage der Kirche nicht nur aufgrund dieser Faktoren erklärt werden. In der Tat besteht die Hauptquelle des Unbehagens der Kirche oft in dem Verlust einer charakteristischen christlichen Botschaft. Manchmal gibt es kaum einen Unterschied zwischen dem, was die Kirche sagt, und dem, was wir von Therapeuten, von Psychologen und von den verschiedenen politischen Parteien hören.

Der italienische Theologe Vittorio Subilia wies kurz vor seinem Tod besorgt darauf hin, daß jegliche Referenz in Bezug auf die Bibel als verschwunden schien und dass wir, als Protestanten das Zentrum der christlichen Botschaft verloren haben, da wir nur an einem falschen und nivellierenden Ökumenismus, an Problemen der Ökologie und an sozialen Fragen interessiert sind. Vittorio Subilia zog daraus mit der melancholischen Aussage den Schluss: Seit dem 17. Jahrhundert hat es keine so schwierige Lage gegeben.

Wie allgemein bekannt beseitigte die Reformation den Unterschied zwischen Pfarrern und Laien und bestand auf dem Priestertum aller Gläubigen. Gemäß dieser Perspektive ist der Pfarrer oder die Pfarrerin nichts anderes als ein Doktor der Heiligen Schriften ( Verbi Divini Minister) . Das ist der Grund weshalb der Verlust klarer theologischer Voraussetzungen sich mehr auf die protestantischen als auf die katholischen Pfarrer auswirkt. In der Tat, wie Jean Paul Willame in seinem Buch La Précarité Protestant ( Labor et Fides) , betont hat, ist es leichter für einen katholischen, als für einen protestantischen Pfarrer ohne Theologie zu arbeiten, weil die katholische Kirche mit ihrer Kongregation für die Glaubenslehre und mit anderen darauf übergeordneten Strukturen dafür sorgt.

Als ob das nicht schon genug wäre, hat die katholische Kirche, ihr Lehramt, ihr Glaubensbekenntnis und vor 8 Jahren hat sie einen neuen Katechismus publiziert, der versucht, eine befriedigende Antwort auf alle theologischen Fragen zu geben.

Andere protestantische Kirchen halten an ihren Glaubensbekenntnissen fest, auch wenn sie oft stilistisch ein wenig altmodisch sind. Und unsere reformierte Kirche ? Warum hat sie vor 2 Jahrhunderten eines der besten Glaubensbekenntnisse der Reformation nicht mehr akzeptiert, das heißt, das zweite Helvetische Glaubensbekenntnis des Reformators H. Bullinger ? Persönlich bin ich fest davon überzeugt, dass wir die Frage unserer theologischen Identität stellen sollten. Meines Erachtens sind auch wir in dieser schweren Zeit dazu aufgerufen unseren Glauben zu bekennen und jene grundsätzlichen Prinzipien wiederzuentdecken, auf deren Basis die Kirche steht oder fällt, das heisst: 

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