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Die
Frage nach dem Ursprung des Universums.
Das erste Kapitel des ersten Buches der Bibel
setzt sich mit einer der umstrittensten Fragen auseinander,
die jemals erhoben wurden: die Frage nach dem Ursprung des
Universums.
Wenn man diesen Bibeltext modernen Theorien gegenüberstellt,
bleibt man ein wenig verwirrt zurück. Was ist richtig? Die
Bibel scheint uns zu erzählen, daß Gott das gesamte Universum
in nur kurzer Zeit erschaffen hat, doch die Evolutionstheorie
läßt uns wissen, daß das Leben nichts weniger als das Resultat
einer langen Entwicklungsgeschichte ist, die viele Millionen
Jahre dauerte. Und mehr noch - wie ist es möglich zu glauben,
daß das Universum erst vor fünftausend Jahren erschaffen wurde,
obwohl die moderne Wissenschaft zweifellos bewiesen hat, daß
der Ursprung des Universums mindestens sechzehn Millionen
Jahre zurückdatiert werden kann.
Um diesen Bibeltext korrekt zu interpretieren und jegliche Art
von Mißverständnissen zu vermeiden, scheint mir folgende
Fragestellung wichtig: "Welche Absicht verfolgte der Verfasser
dieses Buches? Sollte erklärt werden, wie das Weltall
erschaffen wurde oder vielmehr berichtet werden, weshalb und
zu welchem Zweck es geschaffen wurde?"
Die einzig plausible Antwort ist die zweite. Tatsächlich
verfolgte das erste Buch Mose nicht den Zweck, eine höher
entwickelte Theorie darüber ins Leben zu rufen, wie sich
Schöpfung entfaltete, als vielmehr eine zufriedenstellende
Antwort auf die grundsätzliche Frage zu finden, die den
Seelenfrieden des Menschen aus dem Gleichgewicht brachte,
seitdem dieser rationales Bewußtsein erlangt hatte: "Warum
existieren wir?" Was ist der Sinn unseres Lebens? Was ist
unsere Rolle innerhalb des Universums, das schon besteht und
das Millionen von Jahre weiterexistieren wird? Wird unser
Selbst am Ende unseres Lebens verschwinden?"
Die Evolutionsgeschichte zeigt einen Schöpfungsprozess, der
sich über Millionen von Jahren erstreckt und unterschiedliche
Lebensformen, wie wir sie kennen, hervorbringt; dennoch bleibt
das Rätsel des Ursprungs unseres Lebens nach wie vor dasselbe.
Worauf läßt es dich zurückführen? Wer oder was säte den Samen
des biologischen Stammbaumes und bestimmte alle seine
Ausformungen und Zweige vor?
Zweifellos haben wissenschaftliche Analysen und Beobachtungen
auf diese Fragen noch nie eine Antwort gegeben, noch hat das
Wissen über die Funktionsweise dieser Welt den Menschen zu
Bewußtsein gebracht, warum und zu welchem Zweck Dinge auf der
Welt geschehen.
Doch ganz im Gegenteil dazu werden uns durch die Bibel einige
grundsätzliche Informationen gegeben, die unseren Glauben
verstärken und gleichzeitig über unser Verständnis vom Leben
selbst aufklären.
In erster Linie wird es uns gesagt, daß das Universum der
Ausdruck der Absichten und der Gnade Gottes ist. Was bedeutet
das? Es bedeutet, daß uns durch dieses Buch der Bibel gesagt
wurde, daß wir und die Welt nicht aufgrund mechanischer,
energetischer oder rationeller Notwendigkeiten ins Leben
geworfen wurden, sondern daß der Gute Gott der Ursprung
unserer Existenz war und ist. Es bedeutet, daß menschliches
Leben und die Welt von Gott geschaffen wurden, der aus seinem
freien Willen heraus beschloss, die Welt und den Menschen zu
erschaffen. Es bedeutet, daß bei Anbeginn dieser Welt nichts
als Gott und Gottes guter Schöpfungswille war. Bevor es
irgendetwas anderes gab, war Gott. "Am Anfang schuf Gott
Himmel und Erde." Bevor der menschliche Verstand begreifen
konnte, bevor irgendetwas, das wir kennen existierte, war Gott
da. Gott ist fundamental und steht vor allem anderen, über
allem anderen, über alles andere hinaus und insgesamt. Gott
ist die wichtigste Bewegung, der höchste Schöpfer. Alles
existiert deshalb, weil Gott ihm Leben eingehaucht hat.
In zweiter Linie wird es uns gesagt, daß die Schöpfungsordnung
gut ist.Worauf besteht die Bibel ein ums andere Mal? Daß Gott
sah, daß alles gut war. Die Güte auf der Welt war nicht
selbstverständlich. Die Überzeugung, daß die Welt böse ist,
war eine, die sich hartnäckig in der Menschheitsgeschichte
behauptet hat. Für manche ist die Welt aus Fleisch und Blut
wie wir sie sehen, schmecken, berühren und mit ihr umgehen ein
Gefängnis der Seele, und Erlösung bedeutet Flucht aus dieser
materiellen Welt. Andere haben geschlußfolgert, daß die Welt
die Schöpfung eines bösen Gottes ist. Die Bibel erwidert
solche Theorien energisch, indem sie klar bekräftigt, daß die
Schöpfung dann eine gute ist, wenn sie den Absichten des
Schöpfers dient. Güte der Schöpfung bedeutet, daß die Menschen
das Universum genießen und es unter Gottes Gesetz nutzen, um
den Wert menschliches Lebens zu erhöhen. Güte der Schöpfung
bedeutet, daß die Welt für Gottes Ziele und vor allem für die
Menschen geeignet ist.
In dritter Linie schreibt der Text der Schöpfungsgeschichte
den Menschen einen speziellen Platz in der Schöpfungsordung zu.
Die Bibel ist ein sehr anthropozentrisches Buch, das den
besonderen Platz der Menschen in der Schöpfungsordnung
bekräftigt. Einige Philosophen haben in letzter Zeit ins Feld
geführt, daß die Theorie der zentralen Stellung des Menschen
in einem solch gewaltigen und rätselhaften Universum nicht
länger haltbar sei.
Niemand, so wird gesagt, könne sich über Schwarze Löcher
bewußt sein und immer noch an diesem Glauben festhalten.
Nichtsdestoweniger müssen die ersten beiden Kapitel der
Genesis-Geschichte als grundlegende Teile christlichen
Glaubens verstanden werden. Die enthaltene Doktrin bekräftigt,
daß Gott die Menschen ins Leben gerufen hat, daß er sie mit
Namen kennt, und er sie durch seine Liebe erlöst. Somit sind
die Menschen das Ziel des Schöpfungsprozesses.
Schlußfolgern möchte ich mit den Worten, daß die
Schöpfungsdoktrin, so wie sie im ersten Buch Mose geschildert
wird, eine Frömmigkeit wachruft, die Wunder, Demut und
Dankbarkeit in der Gegenwart der Schöpfungsordnung
hervorbringt. Die Welt ist ein Wunder, ein Rätsel und ein
Ausdruck von Absicht und Liebe. Folglich kann die Welt nicht
für diejenigen sein, die an
ein totes, träges und bedeutungsloses Ding ohne Ziel und Zweck
glauben. Die einzig passende Antwort gibt ein Gefühl von
Verwunderung und großem Respekt in der Gegenwart eines solch
großen Geheimnisses.
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