Glaubensbekenntnissen von Nicäa-Konstantinopel ( 381)und von
Chalcedon (451) besitzt.
Im Neuen Testament gibt es
verschiedene Versuche, den Tod Jesu Christi zu begreifen, die
nicht leicht auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sind.
Ich werde die wichtigsten
kurz nennen.
1) Jesu Tod ist ein
Sühneopfer. Gemäß dieser These, die z. B. in Römer 3,25 und in
Johannes 1,29 aufgestellt wird und aus dem antiken Opferkult
stammt, würde Jesu Blut uns von Sünden rein waschen. Damit die
Menschen mit Gott wieder versöhnt werden, musste der Mittler
sich selbst opfern, und ohne dieses Opfer wäre eine solche
Wiederherstellung unmöglich.
2) Jesu erleidet mit seinem
Tod stellvertretend die Strafe für die Sünden der Menschheit.
Gemäß dieser Vorstellung, die dem juristischen Bereich
entstammt, fordert Gottes Gerechtigkeit die Bestrafung der
sündigen Menschheit, aber um seiner Liebe willen nimmt Gott
diese Strafe auf sich selbst, bzw. überträgt sie auf seinen
Sohn (z. B. Gal. 3,13).
3) Der Tod Jesu ist der
Preis, mit dem Gott dem Teufel die ihm verfallene Menschheit
abkaufte.
Die Vorstellung des Todes
Christi als ein Lösegeld wurde besonders von den griechischen
patristischen Theologen, wie Irenäus dargestellt und gründet
sich auf einige Texte des N.T., die betonen, dass Jesus sein
Leben als Lösegeld für die Sünder hingab ( z. B. Markus 10,
45. 1. Timotheus 2, 6).
4) Auf diese These gründet
die vierte Vorstellung, die das Kreuz als Sieg betrachtet.
Durch seinen Tod und seine Auferstehung hätte Christus einen
Sieg über Sünde, Tod und Satan davongetragen. Dieses Motiv des
Sieges gewann an Bedeutung im Leben der Kirche bis hin zur
Aufklärung. In der Folge verlor sie an theologischer
Überzeugungskraft. Im 20. Jahrhundert ist die Rehabilitation
dieses Ansatzes mit dem Buch "Christus Victor" des Theologen
Gustav Aulen verbunden
5) Eine ganz andere
Vorstellung behauptet, dass diejenigen, die an Christus
glauben und mit ihm sakramental durch Taufe und Abendmahl
verbunden sind, dadurch Anteil an seinem Leben, an seinem
Sterben und Auferstehen erhalten ( Röm. 6,1-11).
6) Schließlich gemäß einer
anderen Perspektive, die mit einem Text von Paulus verbunden
ist ( Gott versöhnte die Welt mit sich selbst, 2. Kor.5,18-21)
wird nicht Gott versöhnt , sondern die Welt, nicht Gottes Zorn
wird gestillt, sondern die Gottferne, das Misstrauen gegen
Gott durch den Tod Jesu wird überwunden. In anderen Worten
ausgedrückt: mit Jesu Tod hat Gott den entscheidenden Beweis
für seine unendliche Liebe zur Welt geliefert. Dieser
Anschauung, so scheint es mir, sind Sie besonders nahe.
Zur Zeit der Reformation hat
Johannes Calvin versucht, einige dieser Anschauungen
zusammenzufassen und das Werk von Jesus Christ als dreifaches
Amt von König , Priester und Prophet zu beschreiben. Jesus ist
unser Prophet, weil er uns den Willen Gottes offenbart und uns
lehrt zu leben und zu sterben. Jesus ist auch unser Priester
weil er zur Versöhnung von Gottes Liebe und Zorn führt, und
auch unser König weil er uns führt und regiert.(Unterricht in
der Christilichen Religion, II,12.2)
Diese Perspektive wurde von
einigen protestantischen Glaubensbekenntnissen wieder
aufgenommen.
Zum Beispiel steht im
Westminster Glaubensbekenntnis geschrieben:
Im letzten Jahrhundert hat
der Theologe Karl Barth wieder dieses Thema erneuet behandelt.
In einem Abschnitt seines Hauptwerkes, dessen Titel lautet "Der
Richter als der an unserer Stelle Gerichtete (Kirchliche
Dogmatik IV/1, 59,2) , hat er versucht, die im
Heidelberg Katechismus enthaltene Lehre neu zu interpretieren.
Barths Meinung nach stellt
das Kreuz den Ort dar, an dem der gerechte Richter sein Urteil
über die sündigen Menschen verkündet und zugleich das Urteil
auf sich selbst nimmt:
Es geschah da, dass der Sohn Gottes das
gerechte Gericht über uns Menschen damit vollstreckte, dass er
selbst als Mensch an unsere Stelle trat und an unserer Stelle
das Gericht , dem wir verfallen waren , über sich selbst
ergehen ließ... denn so wollte Gott sein Gericht in seinem
Sohn an uns vollziehen- in seiner Person, als ihn treffende
Anklage, Verurteilung und Tötung. Er richtete – und es war der
Richter, der da gerichtet wurde, sich selber richten ließ .Cur
Deus homo? Damit Gott als Mensch solches für uns, die
Unrechttäter tue, leiste, vollbringe, vollende, damit es so
durch ihn selbst zu unserer Versöhnung mit ihm, zu unserer
Umkehr zu ihm hin komme.
Welche Schlussfolgerungen
kann man hieraus ziehen?
Sicher beweist die
Vielfältigkeit dieser Auslegungen die Tatsache, dass keine der
obigen Thesen den Anspruch erheben kann die ganze Wirklichkeit
zu treffen. Besonders in diesem Zusammenhang sollte das
Pauluswort gelten: Unser Wissen ist Stückwerk
(1. Kor. 13,9).