Heute spricht man
beharrlich nicht nur in kirchlichen Kreisen über die Aufgaben
und Verantwortung der christlichen Kirchen. Die Tatsache, dass
man über diese Probleme spricht, hängt davon ab, dass die
Kirchen heutzutage eine tiefe Krise durchmachen. Wohin gehen
wir und was ist der tiefe Sinn unserer christlichen Berufung?
In einer Zeit in
der alles in Frage gestellt wird und in der wir uns fast
täglich mit neuen Herausforderungen auseinander setzen, fragen
wir uns ängstlich: was ist unsere Aufgabe?
Vor einigen
Monaten habe ich über das Kapitel 16 des Markus Evangeliums
gepredigt in dem Jesus sagt:: Gehet hin in alle Welt und
prediget das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubet und
getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt,
der wird verdammt werden.(16:14-16)
Ich möchte auf
diesen Text zurückkommen, da es mir scheint, dass die Worte
von Jesus auf diese Frage antworten können. Lasst uns einige
Elemente dieses Texts analysieren.
1) Die Empfänger
des Befehls: Das ganze Volk Gottes.
Es steht fest,
dass die Einladung von Jesus an das ganze Volk Gottes
gerichtet wurde, weil alle Gläubigen im Stande sind die
christliche Botschaft zu verkündigen. Alle Menschen, trotz der
Verschiedenheit ihrer Positionen und Situationen sind dazu
aufgerufen Theologen zu sein, das heißt, Frauen und Männer die
wünschen alle Elemente des Lebens mit der Wirklichkeit Gottes
in Zusammenhang zu bringen.
2) Die Reichweite
des Befehles :Gehet hin in alle Welt.
Es überläuft
uns alle eiskalt, wenn wir nur an Jesus Worte denken: Wir, die
oft nicht fähig sind, über unseren Glauben mit Verwandten,
Freunden und Bekannten zu sprechen, sollten in die Welt
hinausgehen? Aber das ist genau was Jesus sagte.
Vor vielen
Jahren am Anfang des letzten Jahrhunderts gab es in den
protestantischen Kirchen diejenigen, die durch die Stadt
gingen und von Tür zu Tür anklopften um den Leuten das Wort
Gottes zu verkündigen. Seit mindestens 50 Jahren gibt es diese
Menschen nicht mehr in unseren Kirchen. Die Mormonen und die
Zeugen Jehovas sind die einzigen die diese Tradition haben.
Wenn ich heute die Mitglieder meiner Gemeinden in Monti und in
Mailand bitten würde, durch die Stadt zu gehen um das Wort
Gottes zu verkündigen, würde ich als verrückt erklärt.
3) Der Gehalt des
Befehles: Prediget das Evangelium aller Kreatur.
Was für eine
enorme Verantwortung : wir sind dazu aufgerufen Lehrer,
Prediger und Zeugen Gottes zu werden.
Der
protestantische Theologe K. Barth wies darauf hin:
In der Bibel
heißt es nicht:
"Gehet hin und
feiert Gottesdienste!"
"Gehet hin und
erbaut euch an der Predigt!"
"Gehet hin und
zelebriert die Sakramente!"
"Gehet hin und
stellt euch dar in einer Liturgie, die vielleicht die
himmlische Liturgie wiederholt!
In der Bibel
heißt es: "Verkündiget das Evangelium aller Kreatur! "
Die Kirche
läuft wie ein Herold, um die Botschaft auszurichten. Wo
Kirche lebt, muss sie sich fragen lassen, ob sie diesem
Auftrag dient oder ob sie Selbstzweck ist? Ist das Zweite
der Fall, dann fängt es in der Regel an, "sakral" zu
schmecken, zu frömmeln, zu pfäffeln und zu muffeln. Das
Christentum ist nicht "sakral", sondern in ihm weht die
frische Luft des Geistes. Sonst ist es nicht Christentum.
Sehr oft habe ich mich gefragt was wir als Pfarrer/in tun
sollten, um unseren Gemeinden eine neue Vitalität zu
schenken.
Seit dem
Anfang meines Pfarramtes und in den verschiedensten
Kontexten habe ich mehrere Initiativen geplant und
ausgeführt: zum Beispiel: Vorträge, Diskussionen am runden
Tisch, Freizeit Aktivitäten, Konzerte, Fussballspiele, Open
Haus, Ausflüge, Einprägungskurse und so weiter.
Nach einigen
Jahren, habe ich etwas begriffen: in Folge dieser
Aktivitäten gibt es die Möglichkeit, dass die Leute manchmal
die Kirche besuchen .
Um die Leute
zu überzeugen, Gläubige zu werden reicht das aber nicht. Es
braucht bedeutend mehr .
Es ist nötig,
dass die Leute mit absoluter Gewissheit wissen, dass sie in
der Kirche etwas Besonderes hören, das sie an keinem anderen
Ort, in keiner Partei und in keinem Verein hören können.
Es ist nötig,
dass die Leute verstehen, dass sie in der Kirche etwas hören,
das mit ihrem Schicksal, ihrem Dasein und mit dem Sinn ihres
Lebens zu tun hat.
Die
wichtigste Aufgabe mit welcher die Kirche steht oder fällt,
besteht , meines Erachtens , darin, Zeugen Gottes zu sein.
Das ist die grundsätzliche Voraussetzung vor allen anderen
Aktivitäten.Wir sollten Zeugen sein, das heißt,
Richtungsweiser für Gott, genau wie wir es im Bild von
Matthias Grünewald sehen können. Johannes der Täufer zeigt
mit einem unverhältnismäßig langen Finger auf Jesus Christus
hin.
Er zeigt auf
Jesus Christus allein.
Auch wir
sollten nichts anderes als Richtungsweiser für Gott sein.