Die Bibel verspricht uns das ewige Leben: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird nicht vergehen, sondern das ewige Leben haben. ( Johannes 11:25)

Denn du wirst meine Seele nicht dem Tode preisgeben. (Ps 16)

Könnte uns das dazu verleiten, auf die Theorien der Reinkarnation zu hören, selbst wenn sie uns fremdartig anmuten, und wäre es auch nur, um neu gestärkt zu sein in der Überzeugung, dass die Seele unsterblich und im Universum, d.h. bei Gott, aufgehoben ist?

Ruth Marti

 

Im 19. Jahrhundert betonte Arthur Schopenhauer, dass Europa der Erdteil war, wo man nicht an die Reinkarnation glaubte. Diese Situation hat sich in den letzten Jahrzehnten gründlich verändert. Je nach Umfrage geben zwischen 10 und 30 Prozent der heutigen Mitteleuropäer an, daß sie an die Reinkarnation glauben.

Was bezaubert so viele Menschen von dieser Lehre?

Meines Erachtens gibt es zwei wesentliche Gründe:

1) Nach diesem System gibt es keine verlorene Chance. Wenn ich nur ein Leben habe, muss ich mich immer wieder entscheiden. Wenn ich unendlich viele Leben habe, dann kann ich alle Möglichkeiten und alle Wünsche, die in mir leben, mal ausleben.

2) Dieses System gibt der Sache den Anschein der Gerechtigkeit. Jede Tat, ob gut oder böse, wird vergolten werden. Alles was mir geschieht, hat einen Grund in meinem vorigen Leben und alles, was ich mache hat eine Wirkung auf mein nächstes Leben.

Ist der Gedanke der Reinkarnation mit der christlichen Lehre zu vereinbaren?

Die Antwort auf diese Frage lautet, meines Erachtens, ganz negativ, weil weder die Bibel, noch die Alte Kirche diese Lehre angenommen haben.

Bezüglich der Bibel werden von Vertretern der Reinkarnation immer wieder insbesondere die folgende Bibelstellen als Beweis angeführt:

1)Psalm 90: Du läßt die Menschen zurückkehren zum Staub und sprichst: Kommt wieder ihr Menschen!

Der Textzusammenhang jedoch macht deutlich, daß diese Aussage nichts mit Reinkarnation zu tun hat. Vielmehr wird der Ewigkeit und der Einmaligkeit Gottes die Vergänglichkeit des Menschen und der immer neu nachwachsenden Geschlechter und Generationen entgegenstellt.

2) Johannes 9:2: Hier handelt es sich um einen Mann, der von Geburt an blind ist. Die Jünger fragen Jesus, ob dieser blind sei aufgrund einer Schuld der Eltern oder einer eigenen Schuld, die er ja nur, vor seiner Geburt, in einem anderen Leben hätte vollbracht haben können.

Auch wenn die Kenntnis der platonischen Präexistenzlehre in diesem Text vorausgesetzt ist, ist es unbedingt klar, dass Jesus sich auf diese Perspektive nicht einläßt. In anderen Worten gesagt, zieht Jesus die Möglichkeit nicht in Betracht, dass jene Krankheit die Folge böser Taten sein könne. Nein, antwortet er, weder dieser, noch seine Eltern haben gesündigt, sondern damit die Werke Gottes an ihm offenbart würden. Es gibt also keine präzise Verbindung zwischen dem was wir machen und dem was wir empfangen. Nach Jesus Meinung gibt es einen Grund in jener Blindheit aber dieser Grund muss nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft gefunden werden. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.(Johannes 9:4-5)

3) Johannes 3:3: Es handelt sich um die Antwort die Jesus an Nikodemus gibt: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen! Aus dem Kontext ergibt es sich ganz deutlich, dass, wenn Jesus von der Notwendigkeit einer "Wiedergeburt" redet, etwas völlig anderes, nämlich eine geistliche Geburt von Gott her, eine Bekehrung meint.

Die bisherigen Überlegungen machen deutlich, daß die Reinkarnationslehre entweder im Alten oder im Neuen Testament keinen Beleg für sich beanspruchen kann. Dagegen sprechen die Worte vom Gericht eindeutig für die Verantwortung des Menschen für sein einmal gelebtes Leben und für die Konsequenzen, die ihm daraus für die Ewigkeit erwachsen. Besonders eindeutig ist Hebr 9,27: Und wie dem Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, danach das Gericht, so ist auch Christus einmal geopfert worden, um die Sünden vieler Menschen hinwegzunehmen.

Vor Gott ist jede menschliche Person ein Original, sagte der Tübinger Theologe Jürgen Moltmann. Judentum und Christentum seien sich in der Auffassung der Einmaligkeit der menschlichen Person und der Unwiederbringlichkeit des Einzellebens einig. Noch verstärkt wird diese Einmaligkeit menschlichen Lebens durch die Parallelisierung mit der Einzigartigkeit und Unwiederholbarkeit des Erlösungswerkes Jesu.

Wichtiger aber und für die Fragestellung entscheidender ist nicht ein Zitatengefecht, sondern die Grundaussage christlicher Heilslehre: Jesus Christus ist der Erlöser der Menschen. Er hat uns von allen Sünden befreit. Ihm allein verdanken wir unser Heil. Nichts ohne Ihn, alles durch Ihn. Jeder Gedanke einer Selbsterlösung oder Selbstreinigung aufgrund eigener Leistung ist dem christlichen Erlösungsgedanken völlig fremd, ja muß sogar als Sünde und Abkehr von Gott gedeutet werden. Diese entscheidende Erlösertat von Jesus gilt jedem einzelnen konkreten Menschen Leben.

 

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