Unsere Zeit ist von einem ungelösten Widerspruch gekennzeichnet.
Einerseits maßt unsere Generation sich an, alle Probleme der Existenz
mit der Wissenschaft und der Technik lösen zu können; andererseits
vertraut sie sich den Horoskopen an, um in den Sternen einen Hinweis
zu finden, der es ihr erlaubt, sich in einem sicheren Dasein zu
verankern.
Es
handelt sich nicht um etwas Neues, da alle Übergangszeiten dieselbe
geistige Krise durchgemacht haben. Es genügt nur an die Zeit der
Renaissance zu denken, die eine blühende Epoche von Kunst und
Literatur war, aber auch eine Zeit in der die schwarze Magie und die
Astrologie eine besondere Bedeutung gewonnen hatten.
Zu
der Zeit der Reformation war die Astrologie meist umstritten. M.
Luther, U. Zwingli und J. Calvin lehnten sie ab, Melanchton dagegen
war ein begeisterter Anhänger.
Was
sagt aber die Bibel?
Im
Alten Testament finden sich mehrere kritische Bemerkungen zur
Sternverehrung. Die Schöpfungsgeschichte definiert Sonne, Mond und
Sterne, die von den Babyloniern als Götter verehrt wurden, nur als
Lampen. In der Josephs- und Danielsgeschichte waren die königlichen
Hofastrologen unfähig, die königlichen Träume zu deuten, während
Joseph und Daniel allein aufgrund ihrer Gottesbeziehung zu
treffsicheren Interpretationen fähig waren.
Unter den anderen unzähligen Texten die die Sternverehrung erwähnen,
sind besonders bemerkenswert Deuteronomium 4: 15-17 und 18:10 und
Jesaja 8:17-22, wo geschrieben steht:
Wenn
sie aber zu euch sagen: Ihr müßt die Totengeister und Beschwörer
befragen, die da flüstern und murmeln, so sprecht: Soll nicht ein Volk
seinen Gott befragen? Oder soll man für Lebendige die Toten befragen?
Hin zur Weisung und hin zur Offenbarung!
Diese Texte weisen eindeutig darauf hin, dass es keine Vereinbarung
zwischen dem Glauben an Gott und der Befragung der Sterne geben kann.
Im Gegenteil gibt es zwischen ihnen eine absolute Unvereinbarkeit:
jedesmal, wenn der Mensch sein Vertrauen auf die Zauberer setzt,
verrät er seinen Gott und begeht einen Götzendienst.
Das
Leben des Menschen, seine Gegenwart, wie auch seine Zukunft, hängt
ganz von Gott, nicht von den Sternen ab. Johannes Calvin wies darauf
hin, dass die Zuflucht zur Astrologie ein blosser Vertrauensmangel an
Gottes Vorsehung ausdrückt, da Gott die Geschichte in einer Weise
regiert, die nicht aus den Sternen begriffen werden kann.
Der
Reformator Heinrich Bullinger betonte das Prinzip der Vorsehung Gottes
in dem VI Kapitel des zweiten helvetischen Bekenntnisses: Wir glauben,
dass durch die Vorsehung dieses weisen, ewigen und allmächtigen Gottes
alles im Himmel und auf Erden und bei allen Geschöpfen erhalten und
geleitet werde.
Die
Vorsehung Gottes, wie Emil Brunner und Karl Barth unterstrichen, ist
nichts anderes, als ein Teil des Glaubens, dass der allmächtige Gott
der Herrscher der ganzen Geschichte ist. In dieser Perspektive erweist
sich die Vorsehung Gottes als die radikalste Verneinung, dass das
Universum keinen Sinn hat, und, dass alles zufällig geschieht.
Johannes Calvin behauptete dagegen: wer aber aus Christi Mund gelehrt
ist, dass auch die Haare auf unserem Haupte alle gezählt sind, der
sieht den Grund tiefer und hält daran fest, dass alles Geschehen durch
Gottes verborgenen Rat regiert wird.
Meines Erachtens hatte Calvin recht: Unsere Erfolge, wie auch unsere
Mißerfolge, unsere Tage nicht nur ihre Dauer, sondern auch ihre Anzahl
sind gänzlich in Gottes Händen. Die Sterne sind nicht das Schicksal
von Christus, sondern Christus ist das Schicksal der Sterne. Gott
weisst warum, wie ich in einem protestantischen Friedhof in Winterthur
geschrieben sah. Gott ist nicht den Gesetzen der Natur unterworfen,
symbolisiert von den Sternen, sondern Er ist der Herrscher.
Ohne Zweifel gibt es in unserem Leben ungelöste Geheimnisse und
schwarze Löcher. Wir alle leben in ständigem Widerspruch. Jedoch wird
unser Leben von einem unbeschreiblichen Friede erfüllt jedesmal, wenn
wir Gottes Wort hören.
Das
ist der Grund weshalb wir Christen weder das Orakel befragen, noch uns
an Wahrsager und Zauberer wenden müssen, um zu erfahren was sich im
Neuen Jahr ereignen wird.
Über das Leben kennen wir, was lebensnotwendig ist. Wir gehören Gott
an.
Deshalb müssen wir auf die Frage: Was ist dann dein einziger Trost im
Leben und im Sterben? mit dem Heidelberger Katechismus antworten:
Daß ich mit Leib und Seele, beides, im Leben und im Sterben, nicht
mein, sondern meines getreuen Heilands Jesu Christi eigen bin, der mit
seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkömmlich bezahlet und
mich aus aller Gewalt des Teufels erlöset hat und also bewahret, daß
ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt
kann fallen, ja auch mir alles zu meiner Seligkeit dienen muß. Darum
er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens versichert
und ihm forthin zu leben von Herzen willig und bereit macht.