Summa Christenlicher Religion.

Darinn vß dem wort Gottes / one alles zancken vnd schälten / richtig vnd kurtz / anzeigt wirt / was einem yetlichen Christen notwendig sye zuo wüssen / zuo glouben / zuo thuon / vnd zuo lassen / ouch zuo lyden / vnd säligklich abzuosterben: in X. Artickel gestelt / durch Heinrychen Bullingern.

[Handschriftlich:] Bibliothecae - Carolinae - 1755.

Hierinn wirs finden der x. Geboten Gottes / der xij. Articklen des Christenlichen gloubens / ouch des Vatter vnsers / vnd der heiligen Sacramenten kurtze erklärung. Besich nach vier blettern den Zeiger dises buochs.

Zuo Zürych by Christoffel

Froschower / M. D. LVIII.

 

Zeiger disz Buochs

 

1. Von der heiligen Biblischen geschrifft.

Was Bibli heisse / was alt vnd nüw Testament sye / ouch die zal vnd nammen der Biblischen büechern: findst vom 1. blatt biß an das 5.

Der Biblischen geschrifft sol man glouben /als dem wort Gottes / welchs vß jm selbs ansähens vnd gloubens gnuog hat / darzuo ungefelscht ist: findst von fünfftem blatt biß an dz 11.

Die Biblisch gschrifft begryfft vnd leert volkommen alle gottsäligkeit / mag vnd sol von yederman geläsen werden / vnd der einig richter blyben in des gloubens sachen: vom 12. biß ans 18.

Die Biblisch geschrifft ist verständtlich geschriben / kan vnnd mag verstanden werden: vom 15. biß in das 18.

Von den Traditionen vnd Vättern satzungen / von der elte / vile / heilige / geleerte der Leereren: vom 19. biß an das 21.

 

2. Von Gott vnd sinen herrlichen wercken.

Gott ist einig im wäsen / dryfalt in personen / schöpffer vnd regierer himmels vnd der erden:vom 23. biß an das 28.

Der mensch ist guot erschaffen / durch sin selbs schuld gefallen / vnd von Gott gnädigklich 

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wider vfgehebt: vom 29. biß an das 30.

Gott verpündet jm das menschlich geschlächt: wie Gott rächt gedienet werde / vnd wordurch die alten Vätter syend sälig worden: vom 31. biß an das 33.

 

3. Von der Sünd vnd straaff der Sünden.

Von dem vrsprung / fürgang vnnd würckung der Sünd: vom 34. biß an das 37.

Das ein Erbsünd sye / was sy sye / vnd was sy würcke: vom 37. biß an das 40.

Von der thatlichen sünd / von allerley geschlächt der sünden / vnd von straaff der sünden: vom 40. biß an das 45.

 

4. Von dem Gsatzt Gottes.

Das Gott sin Gsatzt selbs offne / wie es abgeteilt sye / sampt erzellung der Zehen gebotten / vnd deren erklärung: das wäret von dem 46. blatt biß an das 73. blatt.

Der mensch sol sich Gottes einig vnd allein vernüegen lassen / den anbätten vnd vereeren: vom 50. biß an das 52.

Von den Bildern: vom 52. biß an das 57.

Vom heiligen des Namens Gottes: vom 57. biß an das 59.

Von ruowen / fyren / vnnd dem kilchgang: vom 59. biß an das 61.

Von vereerung vatter vnd muoter: vom 62. biß an das 63.

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Wider das Todtschlahen / Eebrächen / Stälen / allerley liegens / falsches / vnd böse begirden: vom 63. biß an das 68.

Von den Ceremonien vnnd gerichten des gesatztes: vom 69. biß an das 70.

Von dem end vnd bruch des Gsatztes / warumb es gäben sye: vom 70. biß an das 72.

Vom erfüllen vnnd abgon deß Gsatztes:vom 72. biß an das 74.

 

5. Von der Gnad Gottes vnd Rächtfertigung durch Christum.

Was Rächtfertigen sye / vnnd das allein durch Gottes gnad der Sünder / one das gsatzt / von Gott zuo gnaden vfgenommen werde: vom 75. biß an das 77.

Durch Christum aber wirt die Gnad dem sünder bewisen. Dann Christus hat dem gsatzt gnuog gethon / vnd ist worden vnsere gerächtigkeit / als der mit sinem tod vnser sünd bezalt / vnnd vns gantz veruolkomnet hat: vom 77. biß an das 80.

Das allein durch den glouben / nit durch die werck / die gerächtigkeit Christi von vnns angenommen / vnser eigen werde / darumb allein der gloub rächtfertige: vom 81. biß an dz 84.

Die gläubigen werdend volkommenlich durch Christum von schuld vnnd pyn absoluiert: sy habend ouch alles allein in dem einigen Herren Christo: vom 84 biß in das 86.

 

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6. Von dem Glouben vnnd dem wort des h. Euangelij.

Der Gloub ist nit allein ein eigentlichs wüssen / sunder ouch  ein vest vertruwen / vnd gründet sich allein vff Gottes wort: vom 87. biß an das 89.

Von den 12. articklen des Christenlichengloubens / vnnd deren einfalten rächten verstand vnd erklären: vom 89. biß an das 103.

Von vnserer schöpffung / vnd das Gott vnser einiger Gott vnd vatter sye: vom 90. biß an das 91.

Von vnser erlösung / vnd von Christo Jesu warem Gott vnnd menschen / vnd das er die zwo naturen in einer vnzertrennten person behalte / dz er empfangen sye vom heiligen Geist / geboren vß Maria der jungkfrouwen / gelitten habe / gestorben sye / abgefaren zuon hellen / am dritten tag wider vferstanden  von todten / sye vfgefaren in den himmel / da sitze er zuor gerächten Gottes vatters / dannenhar er zum gericht kummen werde: vom 91. biß an dz 97.

Von dem heiligen geist / vnnd vnser heiligung: vom 96. biß an das 98.

Von der heiligen allgemeinen Christenlichen kilchen: vom 97. biß an das 101.

Von Ablass der Sünden / Vferstentnuß deß fleischs / vnd Ewigem läben / vnd das der glöubig in Christo läbe: vom 101. biß an das 104.

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Von der ordnung Gottes / wie der gloub gäben / gepflantzt / gemeret vnd erhalten werde: vom 104. biß an das 107.

Von den Dienern Christi vnd der Kilchen / vnd von jrem ampt: vom 108. biß an das 112.

Von den Schlüsszlen der kilchen damit vf vnd zuogeschlossen wirdt der himmel: vom 112. biß an das 114.

Von der Predig des heiligen Euangeliums: vom 114. biß an das 115.

Von der Predig der Buoß / vnd wie sich der Sünder zuo Gott schicken sölle / ouch von der Straaff vnd artzny der sündern: vom 115. biß an das 117.

Was ein rächt buoßfertig Christen läben sye / vnd von dem Stryt der glöubigen: vom 117.biß an das 118.

 

7. Von dem Anrueffen vnd Gebätt der glöubigen.

Das man bätten sölle / vnd daß das gebätt der glöubigen nit vergäbens sye:  vom 119. biß an das 121.

Was Bätten sye / wie das gebätt abgeteilt werde / wo vnnd wenn man bätten sölle: vom121. biß an das 122.

Wie das rächt Gebätt sölle gestaltet syn: vom 122. biß an das 125.

Das man Gott allein vnd keine creaturen anrüeffen sölle: vom 125. biß an das 126.

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Das man allein by Gott alles guots vnnd was der mensch bedarff finde: vom 126. biß an das 128.

Das Christus allein der mittler vnd fürspräch vor Gott dem vatter sye / vnd alle glöubigen allein durch jn anrüeffen söllind: vom 128. biß an das 129.

Das Christus allen sünderen zuo jm rüeffe / vnd jnen alle trüw vnd gnad anbiete: vom 129. biß an das 131.

Wie man Bätten sölle / vnnd das Christusdie beste form zuo bätten angäben habe: vom131. biß an das 133.

Kurtze erklärung des h. Vatter vnsers / vom 133.biß an das 137.

 

8. Von den heiligen Sacramenten.

Wie die Sacramenta / so der predig des heiligen Euangeliums vom Herren zuogethon sind / gewycht oder geheiliget werdind: vom 137. biß an das 141.

Worumb die Sacramenta zeichen heissind / worumb sy yngesetzt worden / vnd wie vil jren in der heiligen kilchen syend: vom 141. biß an das 144.

Der alten vnnd nüwen Sacramenten vnderscheid: vom 144. biß an das 145.

Von dem heiligen Christenlichen Touff vnd Kindertouff: vom 145. biß an das 147.

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Von des Herren Nachtmal / wie vnd worumb es von dem Herren sye vfgesetzt / vnnd wie es sölle begangen werden: vom 147. biß an das 151.

Von dem lyblichen / geistlichen vnd Sacramentlichen ässen oder niessen deß waren lybs Christi / vnd von der gegenwirtigkeit Christi im Nachtmal:vom 151. biß an das 155.

Von wyterer frucht des Herren Nachtmals / vnnd wie man sich darzuo rüsten sölle: vom 155. biß an das 157.

9. Von den Guoten wercken.

Das die rächtglöubigen rächt guote werck thüegind / die nit vnnütz syend / dann Gott belone sy / doch richtind hie die glöubigen keinen verdienst vf: vom 158. biß an das 161.

Welches die rächt guoten werck der glöubigen syend: vom 161. biß an das 163.

Von der Ergernuß: vom 163. biß ans 164.

Vom Crütz vnd lyden / vnd von der gedult der glöubigen: vom 165. biß an das 167.

Kurtze verzeichnung der rächt guoten wercken / die von allen geschlächten vnnd ständen der menschen nach dem wort Gottes beschähen mögend: vom 168. biß an das 171.

 

10. Von dem Tod vnd End aller dingen.

Was der Tod sye / das er gewüß / doch sin 

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stund vngewüß sye / das die seel nit stärbe / vnd der mensch sinen tod alle zyt betrachten sölle:vom 171. biß an das 174.

Wie sich der Christen mensch zuo säligem abstärben rüsten möge vnd schicken sölle: vom 174. biß an das 178.

Das der rächt glöubig grad eins wägs vnd richtig / vff disen lyblichen tod / abscheide in ewige säligkeit / vnd in kein pyn noch lyden kumme: vom 178. biß an das 181.

Das das end aller dingen nahe / die zeichen so dem letsten gericht vorgond / erfüllt syend / darumb yederman der zuokunfft des Herren warten / ernstlich wachen vnd bätten sölle.

 End deß Zeigers.

 

[/]

 

An den Durchlüchtigen Hochgebornen Fürsten vnd herren / herren Wilhelmen / Landgrauen zuo Hessen / Grauen zuo Katzenelnbogen / Dietz / Zigenheim vnd Nidda / etc. minen gnädigen Fürsten vnd herren /

Vorred dises buochs.

 

[1] ES befindt sich täglich in dem widerwertigen span der Religion vnserer zeyten / das sich vil lüten (vnder denen ouch etlich guotwillig / insonders an denen orten / da man das Euangelium Christi nit offentlich vnnd ordenlich prediget/ sind) träffenlich beklagend/ sy wüssind schier nit woran sy syend / was sy glouben / thuon oder lassen söllind. Dann die Geleerten habind vndereinandern allenthalben in der wält / ein so häfftigen stryt / da einer diß / der ander das säge / ouch zuo beiden syten einandren so übel schältind / das einem einfalten vngeleerten menschen nit bald zuo wüssen sye wohin er sich keere / oder welcher part er glouben vnd volgen sölle. Es werdind wol büecheren gnuog geschriben: die syend aber so lang vnnd vilfaltig / ouch mit strytigen disputationen dermassen yngewicklet / vnnd mit schälten verbitteret / das sy die zuo läsen nun gar keinen lust habind. Darnäbend syend wol etliche Kinderberichten vorhanden / doch so kurtz begriffen / das sy ouch durch söliche nit mögind vernüegt werden. Da so begärtind sy vil mee ein einfalte erklärung vnd innhalt oder kurtze (so vil müglich) summ der gantzen religion / das ist der fürnämen vnd notwendigen articklen 

 

[/] 

 

vß dem wort Gottes gezogen / vnd mit dem selben beuestnet vnd erlüteret / one zanck vnd schälten der personen.

 

     [2] Vnd wiewol diser zyten menschen so seltzam spitzfündig vnd klagbar sind / das sy äben nienermit mögen vernüegt oder gestillet werden / vnd deßhalb nieman / wo man sich daran stossen wölte / nüt schryben noch arbeiten vnnd der wält dienen müeßte / nütdestminder hab ich mich in dise gfaar gesteckt / vnnd rächt im namen Gottes / nach mines ampts pflicht vnnd Christenlicher schuld / vor allen dingen dem allmächtigen Gott zuo eer vnnd lob / ouch zuo rettung / erlüterung vnd fürderung Christenlicher warheit / demnach zuo dienst / gefallen vnd bericht aller deren die einfalt vnnd von hertzen eins schlächten / doch trüwen berichts begärend / dise Summam Christenlicher religion vnnd eines Christenlichen läbens / in gschrifft gestelt / vnnd durch den Truck lassen vßgon. Darinn ich / nach meiner einfaltigkeit / vnd so vil mir Gott gnad verlihen hat / Zähen artickel / mit der geschrifft / handlen vnd erlütern: vnd hoff ich habe in denen die fürnemmen houptpuncten der waren Religion zimlich vnnd so kurtz mir ymmer müglich gsyn begriffen. Vnd weiß hie wol / das noch me der puncten sind / vmb die man disputiert / vnd die man noch täglich von nüwem vff die ban bringt: ich hoff aber ouch / das / ob glych wol hierinn von den selben kein besondere meldung beschicht / doch der waaren gottsäligkeit vnd notwendigen puncten hiemit nüt abgebrochen oder vßgelassen sye. Jch disputier hie in disem buoch nüt / also das ich die widerwertigen vnd strytigen meinungen verwärffe / das vilicht zuo anderen zyten in anderen füegen möchte komlicher fürgenommen werden: ich vnderston ouch nit (das sunst unmüglich ist) gewünderige vnnd häderige lüt zuo settigen oder vernüegen: sunder schlächt vnnd einfalt leer ich vß dem wort Gottes / was einem Christen in den fürnemmen puncten vnd in warer gottsäligkeit zuo halten / zuo thuon / vnd zuo lassen sye: also /

 

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das ich hoff gottsförchtigen lüten (die nüt anders suochend / dann Gott / frommkeit vnnd säligkeit) werde hiemit zimlich gnuog beschähen.

 

     [3] Ich vermanen ouch hie alle die dises mines Buoch läsen werdend / das sy sich me flyssind gottsförchtig / einfaltig vnd richtig im glouben vnnd in der leer zuo erzeigen vnnd frommklich zuo läben / dann mit vil seltzamen fragen / als ob vnser gloub vnd leer vnendtlich / nun ein disputieren vnnd stätigs grüblen sye / spitzfündig zuo witzlen / vnd hiemit weder der einfaltige oder richtige des gloubens / noch einem frommen / erbern / fridsamen vnnd gottsförchtigen läben ützid nachzuofragen. Vnser gloub in Gott / von der menschen gerächtigkeit vnd säligkeit / ist nit vnendtlich noch vngewüß / als in dem man immerdar müesse fräglen vnd nüwe ding dichten oder suochen. S.Paulus sagt von den falschen propheten vnnd falsch gläubigen / das sy ymmerdar lernind / vnd aber nimmer zuo erkanntnuß der warheit kommind: sölche syend ouch vfgeblasen / vnd liebind me den wollust dann Gott / habind wol ein schyn eines gottsäligen wandels / aber sin krafft verlougnind sy. Vnnd setzt heiter darauf / Vnd von sömlichen wend dich / vnd flüch sy. Besich wyter 1.Timoth.6. vnd 2.Timoth.2. vnd 3. Ob glych wol etliche ort der geschrifft dunckel sind / vnd fromme lüt dem verstand geflissen nachfragend vnnd mit bescheidenheit mit der regel des gloubens vnd der liebe nachsuochend / ist doch das selb weder vnrächt noch die warheit an jren selbs dunckel / so ist die Christlich Religion darumb nit vnendsam vnd so manigfalt / dann das ein yetlicher Christ nütdestminder in den rächten houptpuncten wol vnd richtig kommen mag zuo einem einfalten vnd gnuogsamen verstand der waren Religion. So ists nun gewüß / das vnser Herr Christus an vnserm end vnd gmeinen gericht / ja zuo allen zyten / [4] gar nit kommen wirt an gewünderige fragen oder an spitzfündigs vfthuon der verworffnen knöpffen: sunder das er vil

 

[/]

 

me wil vnd begärt / das wir vß reinem glouben / rächt / wie ers geleert hat / vom glouben haltind vnd redind / vnd gottsäligklich läbind. Deßhalben verman ich alle glöubigen / insonders die seltzamer vnnd nüwer dingen begirig sind / das sy Gott bittind vmb ein richtig rüewig gemüet / damit ein yetlicher sin gwünderige vnnd fantasyen / damit er sich selbs vnd ander verwirrt / möge fallen lassen / vnnd lerne gottsförchtigklich vnd demüetig handlen / schlächt vnd rächt glouben / ouch vom glouben nüechter / bescheidenlich vnnd gottsförchtigklich reden / also das er in sinem hertzen rüewig vnnd mit Gott wol zefriden / sinen glouben mit allerley zucht / eer / trüw vnnd liebe oder andern derley tugenden / zuo Gottes lob vnnd eer / vnd der menschen besserung / erzeige / ouch mit wachen vnnd bätten des Herren zuokunfft warte. Daruf ouch dise min arbeit endtlich gerichtet ist.

 

    [5] So ist nun dises gantz buoch daruon geschriben / was einem yetlichen Christen notwendig sye zuo wüssen / zuo glouben / zuo thuon vnd zuo lassen / ouch zuo lyden / vnnd säligklich abzuoscheiden. Sölichs mit guoter ordnung zuo leeren vnnd erklären / hab ich den gantzen handel abgeteilt in X. Houptpuncten oder Artickel / die sind / 1. Biblische geschrifft. 2. Gott vnnd sin herrliche werck. 3. Sünd vnd der Sünden straaff. 4. Gottes Gsatzt. 5. Gnad vnnd Rächtfertigung durch Christum. 6. Glouben vnnd das wort des heiligen Euangelij. 7. Anrüeffen oder Bätten. 8. Sacramenta. 9. Guote werck. 10. Tod vnd das End aller dingen. Jn erklärung aber sömlicher Articklen halten ich dise ordnung. Zum ersten setzen ich mit grössern buochstaben die gantz houptsummam des vorgezeichneten Titels oder punctens. Zum anderen aber vnd grad vff erzellte Summam / erlütern ich durch etliche capitel wytlöuffiger alle vnnd yede stuck die in gedachter Summa kurtz begriffen sind. Vnd sind der Capitlen aller eins vnd hundert. Mit der kurtzen

 

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Summa wil ich denen dienen vnnd zuo hilff kommen / die gern vor allen dingen in einer yetlichen handlung oder sach die substantz oder das wäsen / als in einem ougenblick zeersähen vnd kurtz vnd nach by einanderen zehaben begärend. Mit der erlüterung aber der volgenden Capitlen / verwar ich / so vil mir Gott gnad gäben / vnd mir müglich gesyn / dz nüt weder dunckels noch vnbewärts in der Houptsumma fürgetragen sye.

 

   [6] Vnd hie hab ich mich geflissen die ort der Biblischen göttlichen gschrifft merteils mit verzeichnuß der Capitlen anzuozeigen / wo man ein yedes in der Bybel wytlöuffiger / oder bewärt vnd beuestnet / finde zeläsen. Dann ich nit alle mal die wort gar vnnd gantz hierhar in dises buoch geschriben hab. Dann das buoch vil zegroß vnd lang worden wäre. Darumb bitten ich dich flyssigen Läser dises mines buochs / das sy thuon wöllind wie die zuo Berrhea / [7] welche die predig Pauli hortend / vnnd dannethin daheim in jren büechern luogtend / ob es also in der Bibel geschriben stüende / wie er gsagt hatt. Also wöllind ouch sy flyssig suochen vnd besähen die gründ der geschrifft vff die ich wysen. Sölichs begär ich aber darumb / das ein yetlicher siner sach nit zwyfelhafft / sunder gwüß sye. Dann daruf darff ein yetlicher Christ sicher vnnd rüewig setzen / das er findt in der heiligen gschrifft gegründet syn.

 

   [8] Hiemit bezüg ich ouch / das ich alle die / die diß mines buoch läsen werdend / nit wil von der Bibel abziehen / sunder vil mer in die Bibel wysen vnd füeren: das ich ouch wäder in disem noch in andern minen büecheren keins wägs begär / das man minem fürtrag oder fürgäben gloube / es finde sich dann / daß das von mir fürtragen ist / gegründet sye im wort Gottes. Dann alles das vß dem wort Gottes nit genommen ist / oder damit nit mag anzeigt vnd bewärt werden / sol billich nüt gälten. So dann bessers daruß fürbracht vnd erhalten wurde / sol billich aber von mir

 

[/]

 

 vnd allen andern glöubigen mit danck angenommen werden.

 

     Ich hab vß liebe / ouch vß bitt vnd anhalten glöubiger lüten / disen minen flyß vnd min arbeit (in deren ich mir keiner vntrüw bewüßt) zuo guotem gefallen vnnd dienst den glöubigen angewendt. Kan doch hieby ouch das wol erkennen / das vil geleerter vnd geüebter lüten sind / welche disen handel möchtend kürtzer / klärer vnd besser machen: darzuo ich sy ouch wil vermanet / vnd hiemit jnen ein anlaß gäben haben: mithinzuo aber hoff ich erbare gmüete werdind dise min arbeit zuo keinem vndanck vfnemmen. Da ich ouch Gott bitten / das er sin gnad darzuo gäbe / das dise arbeit / wie sy von mir fürgenommen ist / jm zuo sinen eeren vnd der glöubigen nutz / friden / ruow vnd heil diene / Amen.

 

      [9] Vnd diewyl es ein alter loblicher bruch vntz hiehar vff vns kummen ist / das man die nüw geschribnen büecher pfligt Fürsten / Herren / Stetten oder sunst tugentrychen / eeren vnnd wol verdienten lüten zededicieren / zeeignen oder zuozeschryben / so Dedicier vnd eignen ouch ich dises mines buoch / gantz vnderdienstiger trüwer meinung / Durchlüchtiger / Hochgeborner Fürst / gnädiger herr / üwern Fürstlichen gnaden / als einem liebhaber göttlicher warheit / Euangelischer Religion / vnd Christenlicher einfaltigkeit / damit ouch V.F.G. gesterckt werde in dem wäg Gottes zewandlen vnd zeuerharren / ouch des Durchlüchtigen / Hochgebornen Fürsten vnd herren / herren Philippsen / Landgraffen zuo Hessen / etc. V.F.G. herren vatters fuoßstapffen nachzeuolgen / in redliche / gedult vnd beständigkeit / in fürderung der waren Euangelischen Religion vnd göttlichen worts / desse trüwen verkündern vnd Christenlichen Schuolen / in erhaltung grichts vnnd rächts / friden vnd wolstands / ouch in schutz vnd schirm der armen / witwen vnd weisen / in errettung der getrengten mit vnbill / vnd vndergetruckten wider rächt. Bitten hiemit vnderthänig

 

[/]

 

V.F.G. wölle diß min Dedication von mir / als V.F.G.gantz geneigten vnd guotwilligen diener / in gnaden verston vnd vfnemmen. Der Allmächtig ewig Gott Vatter / wölle durch sinen einigen Sun / vnsern Herren Jesum Christum / in krafft des heiligen Geistes üwer F.G. herren vatter / ouch V. F. G. sampt dem Fürstlichen huß Hessen / vnd dem gantzen Fürstenthumb / in sinen gnaden gnädigklich alle zyt erhalten. Vß Zürych des mitten Hornungs. Anno domini. 1556.

 

V.F.G.

 

williger diener

 

Heinrych Bullinger / Diener der Kilchen Zürych.

 

 

 

 

 

1

1A0 Von der heiligen Biblischen gschrifft alts vnd nüws Testaments.
Der Erst Artickel.

ALle vnd yede Christen söllend der heiligen Biblischen geschrifft / alts vnd nüws Testaments / one alles widersprächen ( als dem waaren wort Gottes / das von Gott yngeistet / vnd von jm selbs authoritet oder ansähens vnd gloubens gnuog hat / nit erst von der Kilchen oder menschen bedarff gloubwirdig gemacht zewerden) glouben: vnd wüssen / das sy warhafftig vnnd vngefelscht von den heiligen Propheten vnd Apostlen beschriben / vnnd der wält fürgebracht ist. Das ouch söliche gschrifft alles das zur Gottsäligkeit dienet /

1v

gnuogsam vnd heiter begryfft vnnd leert. Vnd söllend sy läsen / oder hören läsen alle menschen. Alle sachen / die Religion belangende / söllend mit jren gericht vnnd bewäret werden / ob sy rächt oder vnrächt syend. Wz dann jren nit gemäß oder zewider ist / vor dem selben sol sich mengklich hüeten / es heisse glych wol Tradition / oder Vätter satzung / oder habe ein nammen wie es wölle / werde yngefüert oder angenommen von vilen oder wenigen / gelerten oder vngeleerten / oder habe gewäret in allgemeiner einhälligkeit / wie lang es wölle. Dann billich gadt Gottes wort vor allen dingen / diewyl er die warheit vnd der allmächtig ewig Gott ist. Das aber dem allem also sye / zeigend wir an durch volgende Capitel mit kundtschafft heiliger gschrifft.

2

1A1 Von der heiligen Biblischen gschrifft alts vnd nüws Testaments.    Cap. I.

[10] DAs wörtle Gschrifft / wirdt allerley gschrifften / die von menschen gschriben werdend / gäben: aber hie von den selben allen abgescheiden durch das wörtle Heilig vnd Biblisch / dann andere geschrifften alle nit also sind. Heilig heißt vnsere Biblische gschrifft / das sy vom heiligen geist yngeistet / von heiligen lüten beschriben / zuo dem heiligen Gott füert / nüt dann heiligkeit / vnd kein vnreinigkeit oder irrthumb leert. Darumb spricht Dauid Psal.19. Das gebott des Herren ist rein vnd luter / vnd erlüchtet die ougen. Vnd im 11. Psal. Die reden des Herren sind lutere reden / wie das silber das im tigel von der erden gelüteret / vnnd siben mal geschmeltzt wirt.

[11] Bibly aber ist ein Griechisch wörtle / das heißt in Tütsch / Büecher. Wie nun sind Keiserliche vnd Künigkliche Büecher / Lands / Fryheiten / Gsatzt vnnd Pundtsbüecher: also hat vnser Herr vnnd Gott den menschen gäben sine büecher / die man gmeinlich nennt die heilige Bibel.

[12] Söliche Bibel / oder die büecher Gottes / werdend weyter genennt das Alte vnd Nüwe Testament: das ist / söliche büecher die von dem alten vnd nüwen Testament / durch die heiligen Propheten vnd Apostlen geschriben

2v

vnnd vß Gottes geheiß den menschen gäben oder verlassen sind. Testament aber heißt ein gemächt oder verschaffung / wie es die sterbenden machend jres willens vnd gefallens halben: namlich / was mit jrem verlaßnen guot / nach jrem abgang / beschähen / wie vnnd wäm es werden solle.  Testament heißt ouch ein vereinigung / verkomnuß / verstand / pact vnnd pündtnuß. Nun aber hat Gott ein gmächt sinem volck / oder denen die er zuo sinen erben angenommen hat / gethon / siner gaaben vnd himmelischen güetern halben / welche vmb des tods willen sines Suns an die glöubigen fallend. Mit den selben menschen hat er ein verkomnuß / vereinigung vnd pündtnuß gemacht / etc. Vnd so dann der menschen zweyerley sind / die Alten vnd die Nüwen / ist ouch ein alts vnd nüws Testament. Das Alt verpündet vnd erbuolck Gottes / sind die alten vätter sampt jrem somen biß vff die zyten Christi. Das Nüw verpündet vnnd erbuolck Gottes / sind alle Christen von zyten Christi biß zuo end der welt. [13]Darumb verstadt man yetz durch das alte Testament / alle die büecher / die vor den zyten Christi vß Gottes geheiß von dem gschriben vnd in das buoch Gottes gefasset sind / wie Gott sin gmächt / verkomnuß vnd pundt mit sinem alten volck vom Adamen an / vntz an Christum gehalten / wie er mit jm / vnd sy mit Gott gehandlet habend.

3

[14] Sölicher büechern ist ein gwüsse zal. Der anfang vnd grund / sind die 5. büecher Mosis. Jm ersten buoch füert er vß die zyten der heiligen Vättern von schöpffung an der welt / biß an sine zyten. Jn den andern 4. büechern beschrybt er das gsatzt Gottes / vnnd was sich mit dem volck Gottes vnder siner regierung 40. jar lang erloffen hat / vnd füert sy vß Egypten / durch die wüeste / biß an Jordan. Josue füert sy über den Jordan / strytet mit den fürsten der Chananitern / vnd setzt das volck Gottes yn. Das buoch der Richtern zeigt wie es dem volck Gottes vnder der verwaltung der Richtern gangen sye. Darzuo dienet das büechle Ruth. Die 4. Künig büecher beschrybend die regierung der Künigen / welche das volck Gottes an statt der Richtern annam. Zuo denen gehörend die 2. büecher der Chronick / vnd füerend die zyten biß an die Babylonisch gefencknuß. Jn der gefencknuß hat sich erloffen die histori Hesther. Nach diser gefencknuß gond an die zwey büecher Esdre vnd Nehemie. Vnder die historien hört ouch das alt buoch Job. Näbend disen historien sind ouch noch andere Biblische büecher / als der Psalter / welcher begryfft die gebätt vnnd leeren der alten / insonderheit aber Dauids: Jtem die 3. büecher Solomons: namlich / die Sprüch / der Prediger wider alle ytelkeit / vnd die hohen Lied von der hochzyt vnd göttlicher holdschafft

3v

Christi vnd siner kilchen. Es sind ouch die büecher der heiligen Propheten / namlich 4. der grossen Propheten / Jsaie / Jeremie / Ezechiels vnnd Daniels / vnd eins der 12. kleinen Propheten / etc. Söliche büecher der Propheten begryffend anders nüt / dann die predginen so die heiligen Propheten / in jren tagen nach gelägenheit der sachen / personen / orten vnnd zyten zuo dem volck Gottes gethon habend. Sind leeren / straaffen / vermanungen / vnd trostungen / etc

Näbend disem sind noch andere büecher in der Bibel begriffen / als das 3. vnnd 4. buoch Esdre / das ander buoch Hester / der Tobias / die Judith / Susanna / auch Beel / vnd die Machabeier büecher. Jtem das buoch Baruch / dz buoch der Wyßheit / vnnd der Wysen sprüch: welche alle in der kilchen geläsen / jren bruch vnd nutz habend / doch nit in glycher achtung mit den oberzelten gehalten werdend. Dann man vß jnen nit pfligt in strytigen articklen der religion kundtschafften zestellen / etc

[15] Wyter  verstadt man durch das nüw Testament die büecher welche durch die heiligen Euangelisten vnd Apostlen / von dem nüwen pundt Christi vnd sinem nüwem volck / welche er von Juden vnd Heyden angenommen hat / geschriben sind. Derley ist die Euangelisch history (der rächt grund des nüwen Testaments) durch 4. Euangelisten geschriben

 

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von dem läben vnnd der leer Christi. Deren volget das buoch von Geschichten der heiligen Apostlen / vnnd wirt vßgefüert von den zyten Christi biß in das 28. jar / vnd darinn begriffen alles das notwendig ist zewüssen von der leer vnd läben der heiligen Apostlen. Zuo disen heiligen büecheren kommend 14. Epistlen Pauli / vnd 7. der anderen Apostlen: auch die Offenbarung Jesu Christi / beschähen dem heiligen Apostel vnd Euangelisten Joanni / von allem dem das der heiligen kilchen Christi widerfaren sol / von zyten Christi / biß an den jüngsten tag. Was man über vnd vssert disen büecheren hat / als das Euangelium Nicodemi / die geschichten Petri / vnnd andere derglychen büecher / hörend nit vnder die Biblischen büecher. Aber erzelte büecher nüws vnd alts Testaments sind die rächten heiligen Biblischen ( die sunst ouch Canonisch heissend) Testaments vnd pundsbüecher: ja die Bibel ist das rächt warhafft vnfälbar Landt oder kilchen vnd Gotts buoch.

1A2 Das man der heiligen Biblischen gschrifft alts vnd nüws Testaments one alles widersprächen glouben sölle.    Cap. II.

[16] DJewyl dann die heilig Biblisch geschrifft das rächt Testaments oder Pundtsbuoch / ja der Rächten oder des Gsatztes Gottes Buoch ist / sol

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jren billich one alles widersprächen gloubt / vnd gar nit gestattet werden / das man spräche (wie aber etliche gottslesterlich im bruch habend) Wär wil mir sagen / ob dz die rächten büecher syend: man kan doch ein lug als wol schryben / als ein warheit. Dann so muotwilligen fräflen lüten nit gestattet wirt wider Landt oder Statt vnd Gsatzt büecher / wider Testamenta / brieff vnd sigel / oder wider geschworne kundtschafft zuo reden: vil minder sol gestattet werden zereden wider den pundt vnd gsatzt Gottes / welches ein zügnuß oder kundtschafft der warhafften zügen Gottes / die warheit Gottes vnd ein grund der warheit wol vnd rächt genennt wirt. Diewyl sich doch erfindt / das vil gedacht pundtsbuoch Gottes / vor vnnd nach der geburt vnsers Herren Christi so vil hundert jar / in so vil künigrychen / landen / zungen vnd völckeren / durch alle dise wält / in allem Orient / Occident / Mittag vnnd Mittnacht / zuo glych by allen kilchen / einerley art oder einhällig / warhafft / grächt / gantz vnnd vnuerfelscht / geläsen / geprediget / gehört / behalten / bewaret / funden / vßgäben / vnnd also biß an vnsere altuorderen vnd vns kummen ist: vil gwaltiger vnd sicherer / dann kein Statt oder Land immer mee könne oder möge sine Statträcht / Landtbüecher / vrber / rödel / brieff oder sigel / fürtragen / darlegen vnnd rüemen. So man aber denselben (als ouch erst gesagt)

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glouben gibt / vnd nit widerspricht / die doch tusentfaltig minder ansähens dann die Bibel habend: warumb wölte man dann nit ouch gälten lassen das allereltist pundtbuoch Gottes / welchs eins sölichen herrlichen harkummens ist / vnd erst über das vorig alles / noch hüt by tag in allen kilchen der gantzen Christenheit / in vnußsprächlicher anzal / darzuo ouch by vilen anderen völckeren / die nit gar vnser religion sind / dennocht glychlutend allenthalben / in allerley spraachen / funden wirt: ja vff erdterich / zuo keinen zyten / nie kein buoch kommen ist / das ye vnd ye vnd allenthalben ein so hoch herrlich vnd vnwidersprächlich ansähen / by allen verständigen / gehebt habe.

Vnser Herr Christus zücht in allen zwyfelhafften vnnd spänigen sachen / die kundtschafft der Biblischen gschrifft / als gwüß vnfälbar vnwidersprächlich / herfür. So ist zuo sinen zyten nieman funden / wie vil ioch grosser fynden der warheit warend / der ye wider die Geschrifft geredt habe / als sölte man jren nit glouben / oder der sy ye in einichen zwyfel gesetzt habe / vnd gesprochen: Warumb sölte ich jren glouben? Dann ouch Josephus ein Jüdischer priester vnnd der verrüempt geschichtschryber spricht / allem volck Gottes sye in jre hertzen geschriben vnnd als vil als anererbt / das man Biblischer gschricht [gschrifft] one alles widersprächen glouben sölle.

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Vber das alles spricht vnser Herr Jesus im Euangelio Matthei am 5. vnd 24. cap. es werde von der gschrifft ouch nitt ein stüpfly oder buochstab fallen oder abgon: himmel vnd erden vergange / das wort Gottes vergange nit. Joan. am 10. cap. sagt der Herr / die Geschrifft möge nit gebrochen oder vfgelößt werden: das ist / jr warheit sye ymmerwärend vnd onwidersprächlich / etc.

Vnd wie es ein gstalt hat mit den büechern des alten Testaments / also hat es ouch ein gestalt mit den büechern des nüwen Testaments / als die mit des alten kundtschafften befestnet / vnd nit minder dann die büecher des alten Testaments das wort Gottes sind: ouch von anfang das ansähen gehebt / das an jnen nie kein rächtuerstendiger zwyflet / oder jnen widersprochen hat. S. Augustin spricht / Wie Gott über alle ding ist / also ist ouch sin wort über alles: vnd sol vom menschen nit gerichtet werden / sonder yederman sol sich der geschrifft gehorsamklich vnderwerffen. Jn summa / diewyl die geschrifft ist das wort Gottes / so sol ouch jren gloubt werden one alles widersprächen.

1A3 Das die heilg Biblisch gschrifft das wort Gottes / vnd von Gott yngeistet sye.    Cap. III.

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[17] NJeman frommer Christglöubiger lüten lasse sich irren / das etliche witzler subtyl finßlend vnnd sprächend / Gott sye ein geist vnbegrifflich vnd vnzerstörlich: aber die geschrifft sye fleisch / begrifflich vnnd zerstörlich / darumb könne sy nit das warhafft Gottes wort sin / etc. Dann Gott wider söliche fantasyen selbs die predig so von Propheten vnnd heiligen Apostlen mundtlich beschach / vnnd hernach in gschrifft gestellt ward / syn / das ist Gottes / wort nennt. Wär wil aber vnderston Gott zeleeren wie er reden sölle? Oder was darff es deß spintisierens? Man weißt wol das die gschrifft nit der menschen stimmen / der dinten vnd papyrs / oder der buochstaben halben / die ja fleisch / begrifflich vnd zerstörlich sind / das wort Gottes heißt / sunder deshalben / das eben die meinung / die durch menschen stimmen geredt vnd mit dinten vnd fäderen vff papyr gschriben wirdt / vrsprüngklich nit deren menschen / die es redend vnnd schrybend / sunder Gottes wort / will vnd meinung ist. Des künigklichen Botten reden / vnd des fürstlichen Cantzlers schryben / ist nit darumb nit des künigs red oder will vnnd des fürsten gschrifft / darumb der Bott die red gethon vnnd der Cantzler den brieff geschriben hat. Dann man achtet in welches nammen oder vß welches befälch sy geredt vnnd

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 geschriben habend: vnd diewyl sölichs beschähen vom künig oder fürsten / so heißt die red des Botten / vnd des Cantzlers schryben / ein künigkliche red vnd ein fürstlich schryben: also sind ouch der heiligen Propheten vnd Apostlen predginen vnd gschrifften Gottes wort vnd gschrifften.

[18] Sagt nit Gott zuo Mose / zuo Jeremia / vnd zuo anderen sinen dieneren? Jch wil dir mine wort in dinen mund gäben / das du sy dem volck sagist oder verkündist. [19]Zwaren wenn das volck Mosen oder die Propheten hort / erkantend sy wol / das die stimm menschlich vnd der dienern was / sy wußtend aber wol / das die meinung / die jnen mit menschlichen worten fürbracht ward / Gottes wort vnd meinung was / [20]also das wenn sy dem wort der Propheten gloubtend oder nitt gloubtend / grundtlich wußtend / daß sy Gott gloubtend oder nit gloubtend. Also söllend wir noch hütt by tag die gschrifft läsen / vnd eigentlich wüssen das mit denen todten buochstaben vnd mit sterblichen menschen stimmen / warlich begriffen / verkündt vnd fürbracht wirt / der läbendig Gottes will vnd sin ewigs wort.

Sagt nit Moses sampt allen Propheten allenthalben in sinen geschrifften? Also redt der Herr / Also hat gesprochen der Herr Gott Sabaoth. Sölichs ist als vil als ein grund der warheit / dem nieman widersprächen sol.

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S.Paulus spricht zuo den Hebreieren am 1. cap. Gott habe vor zyten manig mal vnd mancherley wyß geredt zuo den vätteren / durch die propheten. [21] So spricht vnser Herr im Euangelio / Wär üch hört / der hört mich: wär üch verschmächt / der verschmächt mich. [22]Vnd widerumb / Wär vß Gott ist der hört Gotts wort. Vnd redt aber von dem gepredigeten vnd geschribnen wort Gottes. [23]Jtem / Din wort / o vatter / hab ich den Apostlen gäben: vnd bitten nit allein für sy / sunder ouch für die / die durch jrs wort an mich glouben werdend. Zuo dem nemmend die h. Apostlen Petrus vnd Paulus das geprediget vnd geschriben wort der propheten vnd Apostlen / das wort Gottes: darumb besähe man 1. Petri 1. vnd 1. Thessal. 2.cap.

[24] Sölichs alles wirt noch klärer vnnd fester vß dem / das die heilig geschrifft Biblischer warheit nit von menschen erdacht oder funden / sunder von Gott selbs yngeistet ist. Dann der heilig Apostel Petrus redt das heiter 1. Pet. 1. vnd 2. Pet. 1. wie ouch Paulus 2. Tim. 3. Ja vnser Herr Christus selbs sagt im heiligen Euangelio /[25]  Jr sind nit die da redend / sunder der geist mines vatters redt vß üch. Diewyl dann die gschrifft anders nüt ist / dann ein warhaffte verzeichnuß der worten der propheten vnd heiligen Apostlen / so volgt ouch das sölich vil genennte heilige gschrifft / das warhafft ewig wort Gottes sye.

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1A4 Das die heilig Biblisch gschrifft vß jren selbs authoritet oder ansähens vnd gloubens gnuog habe / nit erst von der kilchen oder menschen bedörffe gloubwirdig gemacht zewerden.    Cap. IIII.

Vß dem / das aller heiliger Biblischer geschrifft / one alles widersprächen sol gloubt werden / diewyl sy ist das warhafft wort Gottes / volgt eigentlich vnd vnwidersprächlich / das sy jn vnd vß jren selbs ansähens gnuog hat / vnnd gar nit bedarff von menschen gloubwirdig gemacht werden. [26]Dann die Biblische büecher nit also wie andere leeren vnnd büecher sind / welche so sy etwas sagend / das / daß sy sagend / erst bewären oder waar machen müessend: wenn aber die Gschrifft etwas sagt / bedarff sy keins wytern bewärens. Dann damit ist es schon gnuogsam bewärt / das sy es geredt oder geheissen hat. Vnd gilt deßhalb hie allein vnd sunst nienen das Pythagorisch autos efa. Dann die Bibel ist das wort Gottes. Vnd wenn dann Gott redt / sol sich alles fleisch trucken. Lieber wenn vns Gott etwas für warhafft sagte / oder vns etwas mit ernst gebutte / wär wölte doch oder könde wyterer bewärnuß nachfragen? Schantlich / schmächlich vnnd gottslesterisch ists sagen / Gottes wort habe kein ansähen vnd sye nit gloubwirdig / die menschen erkennind dann vorhin / dz es gloubwirdig syn sölle. Ist das

 

 

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nit die gschöpfft über den Schöpffer setzen / vnnd Gott sin eer rouben vnd schenden? als ob er one vns nüt wäre vnnd sine sachen kein krafft hettind wir machtind sy dann krefftig? Was gedenckt doch der stinckend sterblich mensch? Oder ist die Sonn am hällen himmel nit heiter vnd glantz gnuog / wir zündind dann hieniden schwäbelhöltzle an / vnnd machind sy heiterer? Oder hat die Sonn keinen glantzen schyn / wir erkennind dann das sy ein gnuogsamen schyn habe? S. Paulus redt vil anders von diser sach da er spricht zuon Römern am 3. cap. Sölte der menschen vngloub Gottes glouben entkrefftigen? das sye verr. Es blybe vil weger also / das Gott sye warhafft vnd alle menschen lugenhafftig / etc.

Der Wyß mann spricht / Alle red Gottes ist luter vnd rein. Darumb thuo nüt zuo sinen worten / das du der lugen nit gestraafft werdist. Prouerb.30. [27] S.Paulus sagt mee dann an einem ort / die red oder das wort das er predige / sye ein warhaffts wort vnnd wirdig das jm glouben gäben vnd angenommen werde. Sölichs mag / kan vnd sol ouch von gantzer Geschrifft verstanden werden. [28] S.Johans spricht / er wüsse eigentlich das sin kundtschafft warhafft sye. So spricht Oseas am 14. cap. Welcher wyß ist / der wirt dises verston. Dann die wäg des Herren sind richtig: Die frommen werdend darinn gon / vnd die gottlosen

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darinn struchlen.

[29] Dann alle eeren verstendigen lüt / habend an der Bibel nie nüt zwyflet / sunder erkennt / daß sy geschriben ist von den aller wysisten vnd fürnemmen personen die ye geläbt habend. Dann kundtbar ist / wie in aller wält verrüempt gsyn sind Moses / Samuel / Dauid / Solomon / Jsaias / Jeremias / Daniel / Esdras  sampt den Euangelisten vnd Apostlen Christi. Es ist kundtbar das alles das ye durch ernennte schryber des alten vnd nüwen Testaments gschriben / verheissen oder getröuwt worden / alles by einem püncktlin erfüllt vnd waar worden ist. Das grosse wunder vnd zeichen zur befestigung der warheit der gschrifft beschähen sind. Das vilgedachte Geschrifft grossen vfsatz gehebt / doch allwäg vfrecht bliben ist. Das nie kein sölich buoch / als die Bibel / nie vff erdtrich kommen (als ouch ob gesagt) das in so grosser achtung gsyn / vnd in so vilerley spraachen vertolmetscht sye. Hie wychend nun wyt hindersich alle wysen mit allen jren büechern. So sind ye vnd ye alle die gestraafft von Gott / die sich wider vilgedachte warheit vfgelänt vnnd gestellt: also das ein yeder verstendiger grundtlich wol mercken mag / das die Biblische büecher gnuogsam ansähens vnnd gloubwirdige vß jnen selbs habend.

[30] Das aber das wort Gottes durch der

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menschen zuostimmen oder beuestnen nit erst gloubwirdig gemacht werde / zeigt vns der heilig Joannes im heiligen Euangelio vnd spricht / Der von oben herab kumpt / ist überall. Wär von der erden ist / der ist irrdisch / vnd redt von der erden. Der von himmlen kumpt / der ist über all / vnd züget was er gsähen vnd gehört hat. Vnnd sin zügnuß nimpt nieman an: wär aber sin zügnuß annimpt / der versiglet das Gott warhafftig ist. Dann welchen Gott gesendt hat / der redt Gottes wort / etc. Joan.3. vnd am 5.cap. spricht der Herr / Ich nimm nit zügnuß von menschen. Ergründend die gschrifft / dann jr meinend jr habind das ewig läben darinn: vnd sy ists die von mir züget. Jch nimm nit eer von den menschen / etc. Oder welches Concilium oder erkanntnuß der kilchen kan man vns anzeigen / das erst die Biblische gschrifft gloubwirdig gemacht habe? Zeigend sy eins / so muoß ye volgen / das die Gschrifft daruor kein ansähen gehebt / wie habend jren dann die menschen gloubt? Habend sy jren gloubt / so ist sy ye an jren selbs gloubwirdig gsyn.

[31] Darumb sol man also von diser sach halten vnd richten / Die menschen habend vß dem wort Gottes gehört die warheit / vnd diewyl sy die für gloubwirdig gehebt / habend sy jren gloubt / vnd sind also ein kilch Christi worden. So volget das sy nit do erst / do sy ein kilchen

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worden sind / das wort gloubwirdig gemacht habind / diewyl sy jm vor / als gloubwirdig / gloubt habend. Hernach als sy ein kilch worden sind / durch den glouben / habend sy das wort der Gschrifft anderen als gloubwirdig gerüempt: vnnd die selben habend es zum teil ouch angenommen / das sy es befunden Gotts wort syn / zum teil das sy gesähen / das die Kilch dem wort gloubt hat. Vnd hiehar dienet der spruch Augustini / Dem Euangelio gloubte ich nit / wenn mich nit der kilchen ansähen dahin note.

[32] Glycher gstalt / wenn man vns fragt / Diewyl die kilch der Gschrifft das ansähen weder gebe noch mache / warumb dann wir dem Euangelio Nicodemi nit als vil / als dem Euangelio Matthei oder Joannis gloubind? Sagend wir / Nit darumb gloubend wir dem Euangelio Joannis mee dann dem Euangelio Nicodemi / daß die kilch neißwan erkennt habe / das nun vier Euangelisten / vnd nit mee syn söllind. Dann daruon kein erkanntnuß funden wirt / noch kein Concilium gehalten ist: sunder das die Apostlen / diewyl sy noch geläbt / sölich Euangelium  verworffen habend. Sölichen hat die kilchen gloubt / vnd sölichen glouben jren nachkommenden geoffnet. Jtem / Die Apostlen vnd Euangelisten habend der kilchen jre Euangelia gschriben geben: mit denen hat sy andere probiert /

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vnnd diewyl sy die selben vnglycher art funden / faren lassen / vnd ouch andere daruor gewarnet. Derglychen wirt man finden in der vorred des heiligen Euangelij Luce. Hiemit stadt yemerdar fest / daß das wort Gottes oder heilige Geschrifft jr ansähen grundtlich auß jren selbs / vnd nit auß den menschen habe.

1A5 Das die heiligen Propheten vnd Apostlen / die heiligen Biblischen gschrifften warhafftig vnd vngefelscht beschriben / vnd der wält fürbracht habind.    Cap. V.

HAbend die vralten von Adams biß zuo Moses zyten / Geschrifften oder büecher gehebt (als des Buoche Enochs gedacht wirt in der Epistel Jude) sind doch dieselben zuo vns nit kommen. Welches vil ynfüerend zuo verkleinerung der Biblischen gschrifft / als ob die kilch vnnd Tradition / oder das mundtlich angeben / elter dann die Gschrifft sye / vnnd die kilch one gschrifft syn könne. Vnnd ist aber semlicher ynzug gar nüt / vnd bringt nüt / vnd thuot der Gschrifft kein abbruch. [33]Dann es ist gewüß / das die alten all von Adams biß vff Moses zyten / das wort Gottes gehebt habend / vnd durch das selb zur kilchen Gottes worden sind: on das sy kein kilchen gsin wärend. So ist ye das wort Gottes vor der kilchen. Das werde nun glych wol mundtlich / oder

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 geschrifftlich dargeben / so ists doch allwäg eins / vnd wirt durch die maaß des dargebens nit geendert. Jst glych wol die Gschrifft nit gesyn / so ist doch das gsyn / das die Gschrifft begryfft vnnd anzeigt. Vnd volgt deßhalb nit / Die alten habend die Geschrifft nit gehebt / darumb habend sy kein wort Gottes gehebt. Dann es ist nun allwägen ein wort Gottes / das anfangs mundtlich den alten angeben / vnd das hernach gschrifftlich verfasset / vnnd der wält geben ist. So vil ouch vns nottwendig vnd nütz ist zewüssen von der alten dingen / oder jren Traditionen / hat Moses gnuogsam im ersten buoch begriffen / vnd in gschrifft gebracht: also das was etwan den alten was Tradition / das ist yetzund vns heilige Geschrifft / vnd das alles ist anders nüt / dann das wort Gottes.

[34] Gott aber hat so hoch vnd vil vff der Geschrifft gehebt / das er selbs mit sinem eignen finger in zwo steinin Taflen sin gsatz geschriben / vnnd hernach ouch Mosen sine büecher schryben geheissen hat. Das findt sich Deut. 5. vnd Exodi 24. Vnser Herr zwaren spricht / Moses habe von jm geschriben / Joan. 5. Es hat ouch Moses so warhafftig vnd trüwlich geschriben / das er kein schühen gehebt hat sine gschrifften der gantzen gmeind vorzeläsen / als die by allen sachen gsyn / wol wüssen mocht vnd ouch zügen / das es alles allermassen

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ergangen was / wie er geschriben vnd vorgläsen hatt. [35] Söliche sin gschrifften leit er ouch zuo der pundtsladen in Tabernackel / zur widerwysung aller deren / die immer mer darwider zereden vnderstüendind.

Wie warhafftig aber vnd trüwlich die heiligen Propheten vnd Apostlen jre büecher geschriben / kan man nit allein vß jren geschrifften / sunder ouch daruß verston / das sy in allem jrem dienst die höchsten trüw dem Herren bewisen habend: darumb sich wol zeuersähen / das ouch in dem verschryben / das biß zuo end der wält wären / vnd alle menschen leeren solt / von jnen der höchste flyß / vnd gröste trüw angewendt sye worden.

[36] Es hat ouch Gott sin heilig buoch / die Bibel / so häfftig gehandthabt / beschützt / beschirmpt / vnd in vilerley schwärer veruolgungen erhalten / zuo guotem siner kilchen / das aller widerwertigen lüten / von alten zyten har / vnderston / ryssen / brennen / felschen / verkeeren vnd vndertrucken der Bibel / nüt hat verfahen mögen. Das heilig Pundtsbuoch ist alle zyt wunderbarlich durch die krafft Gottes vnuermaßget / gantz vnd vfrecht bliben: wirt ouch ewigklich blyben. Gott habe lob in ewigkeit / das wir ein grechte / guote Bibel in jrem vrsprung habend / die vns nieman felschen kan / etc.

Lasse sich hie nieman irren / das vil vnnd

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 [37] allerley der Bibel tolmetschungen sind / nit allenthalben aller dingen ein andern glych. Dann vor tusend oder 1200. jaren / oder noch vor lengern zyten / sind vnzalbare tolmetschungen der Bibel gsin: aber nun ein Hebraischer vnd Griechischer grund der warheit / ob glych wol in etlichen buochstaben vnd wörtlinen etwas kleinen vnderscheids / vnd habend doch die heiligen diener Gottes vnd der kilchen / söliche vnglyche vnd vile der tolmetschungen nit für einiche verfelschung gerächnet / sunder vil me gerüempt: diewyl sy erkennen kontend / das ein yetlicher / nach der gnad der spraach von Gott empfangen / zuo guotem der kilchen / sin bests gethon hat. S. Hieronymus im vßlegen der Propheten / füert etwan mit danck vnd nutzbarkeit yn / eines orts dry oder viererley / vnd noch mee tolmetschungen. S. Augustin spricht / [38]söliche vilfaltige vertolmetschung sye nit arg oder böß / sunder guot / vnd helffe zuo besserm verstand der geschrifft. Yetzund schryend die sich der spraachen wenig verstond / vnnd nit wol jr muoterspraach könnend / von vilfaltiger verfelschung der Bibel: wenn sy aber sähind vff den sinn mee dann vff die wort / ouch vff die eer Gottes vnd besserung / wurdend sy etwan bescheidner syn / vnd frommer lüten grosse müey vnnd arbeit nit so mit unreinem mund bespüwen / oder mit so nydigem zan zergnagen / etc.

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1A6 Daß die heilig Biblisch gschrifft alles das zur Gottsäligkeit dienet / gnuogsam vnd heiter begryffe vnd leere.    Cap. VI.

DJe herrliche gnad für alle büecher vß / vff aller diser erden / hat ouch die heilig Biblisch gschrifft / das sy heiter vnd vollkomen alles das begryfft vnd leert / das zuo einem gottsäligen läben / wüssen / glouben / thuon vnnd lassen wol dienet: also das welcher die heiligen Biblischen geschrifft hat / vnd die rächt mit Gottsforcht vnd ernst liset vnd üebt / alles das daruß lernen kan / das jm notwendig ist zuo einem rächten wandel / zuo waarem glouben vnd zuo erlangen das ewig läben: darff gar nit söliches anderßwo har zehoffen / zebättlen oder zeerjagen: an der heiligen gschrifft hat er gnuog: vnd bedarff nit vom läbendigen brunnen zelouffen zuo den rünsen vnd lachen.

[39] Vnser Herr vnd Gott gebüt gar ernstlich vnd vilfaltig in seinem heiligen wort / das niemants überal / wär joch der sye / zuo keinen zyten nimmermer / ützid zuo noch von seinem gesatzt oder wort thüeye: ja das ein yetlicher der Gott gefallen vnd rächt dienen wölle / weder zuo der rächten noch lingken abschlage / sunder den nächsten vnd richtigen vff dem wäg des Herren wandle. Ja niemant sölle thuon was jn guot dunckt / noch jm selbs dienst vnnd religionen erdencken. Dann vergäbens eere man

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 Gott mit menschen Satzungen: ja der Herr rächne die vngehorsamme für ein mord / oder für bluot / für abgöttery vnd hexery: vnd fordere also allein einfaltige ghorsamme / das wir sinem wort losind / vnnd vns deß einig vernüegen lassind / vnnd alle ding / wie er vns heißt / thüegind. Darumb findt man kundtschafft in heiliger gschrifft / Deut.12. Leuit.17. Jsa. 29. 66. 1.Samuelis15.  3. Reg.12.13.  Matth.15.  Coloss.2. vnnd an vil anderen orten mer. Nun aber ist hieruß wol zuo schliessen / wenn die geschrifft nit vollkommen / allen Gottes dienst heiter vnd vollkommenlich begriffe vnnd larte / das der grächt Gott nit also scharpffe gebott gäben hette / vnd sin gsatzt vnd wort einig oder allein dem menschlichen gschlächt fürgeschlagen / vnd alle andere gsatzte / guotduncken vnnd Gottes dienst von vnseren ougen hinwäg genommen: damit wir alle vnsere sinn allein vff sin wort satztind. Darumb ist sin wort allein vollkommen / vnd thuots dem menschen alles allein.

Vnser Herr Christus erzellt Joan. am 5. cap. die meinung der allgemeinen kilchen siner zyt / die gehalten hat / das alles das daß da dient zuo erlangen das ewig läben / vß dem erduren der gschrifft möge genommen oder empfangen werden. Jm 16. cap. Luce leert er (wie ouch im gsatzt geschriben stadt Deutero.18) daß man keine geister der abgstorbnen

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hören sölle / sunder wyset vff das volkommen gsatzt Gottes / vnnd sine propheten / da finde man wie man sälig oder verdampt werde / vnd das selb alles also vollkommen / das man keiner anderen lereren oder offenbarungen warten sölle.

Joan. am. 8. spricht der Herr / So jr in minem wort blybend / sind jr mine junger. Merck das er spricht / So jr in minem / ja minem wort blybend. Vnd blybt aber der in des Herren wort / der sich Gottes worts vernüegen laßt: welcher anderswo sin leer vnnd trost suocht / blybt nit in des Herren wort: darumb wirt er kein junger Christi / sunder desse / deß leer er suocht vnd annimpt / genennt. Die rächten jünger Christi blybend by vnnd in des Herren wort.

S. Johans spricht zuo end sines Euangelij / vnser Herr habe noch anders mer gethon / das in sinem Euangelio nit verschriben stande: dz aber da verschriben sye / möge den rächten glouben leeren / das wir erlangind ewigs läben. Darumb ist ye gedachte Euangelische gschrifft gnuogsam oder vollkommen gnuog zum ewigen läben.

[40] Der heilig Paulus wyssaget in der 2. zum Timotheo am 3. vnd 4. cap. wie sich die menschen der letsten / das ist vnserer zyten / nit werdind vernüegen lassen der heiligen geschrifft / sunder sy werdind fablen vnnd menschen leeren

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annemmen. Darwider er häfftig streytet / ja yederman warnet vnnd vermanet by der heiligen gschrifft zuo blyben. Dann söliche sye vollkommen vnd leere vollkommen alles das das der diener Gotts notwendig glouben / wüssen vnd thuon sol / spricht also: Du aber verharr in denen dingen / die du erlernet hast / vnd die dir vertruwt sind / diewyl doch weist von wem du es glernet hast / vnd daß du von kindswäsen vf heilige gschrifften weist oder kanst: welche dich mögend witzig oder verständig machen zum heil / durch den glouben / der da ist in Christo Jesu. Dann alle gschrifft / vonn Gott yngeistet / ist nütz zur leer / zur straaff / zur verbesserung vnd zur züchtigung / die da ist in der grächtigkeit / vff das der diener Gottes gantz vnnd vßgemacht / zuo allem guoten werck gerüst sye. Sölichs alles redt Paulus fürnemlich von den büecheren des alten Testaments: zuo welchen so ouch die büecher des nüwen Testaments / als die ouch vom heiligen geist yngeistet sind / kummend / mögend vnd könnend die Christen kein mangel me haben: diewyl von den alten Paulus heiter redt / Verharr du by der heiligen geschrifft: die mag dich berichten daß du heil werdist / durch den glouben. Daby erzellt er alle teil der leer vnd besserung / vnd sagt heiter / solichs alles werde in der gschrifft funden. Ja er sagt vßtruckenlich / der diener Gottes

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werde vollkommen vßgmacht (frylich das es wyter keins büetzens bedörffe) vnd durch die gschrifft grüstet zuo allen guoten wercken. Was kan heiterers geredt werden? oder was kan über sölichs der mensch mer begären? Oder bedarff er fürohin anderßwo / dann in der Biblischen Geschrifft / syn  heil zesuochen? Darumb welche fürohin sagen wöllend / wir habinds nit alles in der geschrifft / man müesse ouch Traditiones vnnd Statuta Patrum haben / die wysend wir hie an Paulum / deß wir vns als eins heiligen Apostels Christi allein haltend.

Vber das alles spricht vnser Herr Jesus zuo der kilchen zuo Thyatira / ja zuo der gantzen Christlichen kilchen / Jch wil eüch kein anderen last vflegen / onet den jr habend / den haltend fest / biß das ich kumm. Der last ist die leer / wie ouch inn Propheten vilfaltig vermerckt wirt. Kein andere leer wil Christus siner kilchen gäben oder vflegen / dann die er jnen durch die Apostlen / vnd zuo den zyten der Apostlen / gäben oder vfgelegt hat. Jn der leer frylich / als in einer gar volkomnen / heißt er sin kilchen verharren biß an den jüngsten tag.

Deß söllend sich alle Christen trösten vnnd festhalten / daruon keins wägs wychen / wenn gleych alle wält mit vilerley arguieren von zuosätzen vnd Traditionen vnnd verbannungen darwider tobet / etc. Da wirt kein bann hafften /

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von wem er joch vff vns geschossen werde. So wir verharrend by dem wort Gottes / wirt Gott vns redten vnd benedeyen. S.Paulus der söliche volkommenheit der geschrifft vnd des heiligen Euangeliums bezüget vnd verkündt hat / der bannet vil mer alles das / daß der gschrifft nit gmäß / vnd alle die / die anders oder nit glychförmigs leerend / vnd spricht:[41]  Wenn glych wir oder ein Engel vom himmel üch ein ander Euangelium predigen (oder anders verkünden) wurdind / dann wir üch geprediget habend / der sye verbannet. Vnd sölich wort setzt er widerumb vnnd zum anderen mal / damit der fluoch mer ansähens hette. Vnd gilt sölicher fluoch billich mer / dann aller Concilien vnd Bäpsten anathemata.

1A7 Das alle menschen heilige Biblische geschrift läsen oder läsen hören mögind vnd söllind.    Cap. VII.

[42] DJewyl dann durch heilige Biblische gschrifft alle Gottsäligkeit vollkommenlich geleert wirt / vnnd alle menschen / wöllend sy anders sälig werden / Gottsäligklich läben müessend / so söllend ouch alle menschen die heilige Biblische gschrifft läsen oder hören läsen / damit sy die waren Gottsäligkeit vß jren rächt erlernind. Vnnd kere sich hie niemant an die da sagend /

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 es seye schädlich wenn die Leyen die Bibel läsind / vnd man sölle die Bibel verbieten dem gemeinen mann zeläsen. [43]Dann kundtbar ists / das der mensch nit allein des brots / sunder ouch des worts Gottes geläbt. So es nun vnmenschlich wäre dem gmeinen mann das brot abschlahen vnd verbieten: ists frylich noch grüselicher so man die Biblinen zehaben vnd zuo läsen dem gmeinen mann verbüt.

[44] Vnser Herr vnd Gott hat vom berg Synai mit verstentlicher spraach / die von allem volck wol verstanden ward / geredt. Die heiligen propheten habend geredt vnd geschriben / in keiner frömbden / sunder in der Lands vnnd muoter spraach. Also hat prediget vnser Herr Christus: [45]so die heiligen Apostlen: ja sy sind darumb begabet mit der gnad vnnd vßsprächen allerley spraachen / das sy das heilig Euangelium / yedem volck verstentlich / in siner spraach / predigen köndtind. Vnd kein buoch wirdt funden vff erden / das so einfalt / schlächt / rächt vnd Landtlich oder verstentlich geschriben sye / als die Bibel. Die elte vnd vngwonliche art der Hebraischen vnnd Griechischen spraach ist vns anfangs frömbd / wirt vns aber hernach durch vilfaltige üebung geheim. Welches alles klare anzeigungen sind / das Gott wil / das sin buoch von yederman geläsen / verstanden / vnnd darinn geleernet werde.

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[46] Es hat ouch Gott von anfang sin gsatzt / nit allein den priesteren oder gelerten gäben / sunder geheissen es abschryben vnd den Regenten gäben / das sy alle zyt darinn läsen / vnnd darnach regieren köntend. Ja er gebüt heiter / das man es dem volck vorläsen / vnnd das volck jre kinder daruß leeren vnd berichten sölle. Zwaren erfindt sich in den historien / das die Bibel gar gmein sye gsin yederman / besunders do Ptolemeus das gsatzt ouch in die Griechisch spraach vertolmetschen ließ. [47]Dann der herr vß Morenland saß vff dem wagen in siner reiß / vnnd laß Jsaiam. [48]Die gemeind zuo Berrhea hort Paulum / gieng denn vnd laß in der Bibel / vnd fand das jm also was wie Paulus prediget / vnd ward also glöubig.

Vnser Herr Christus wyßt allenthalben in dem heiligen Euangelio vff die gschrifft / heißt die läsen vnnd erduren: ja er gebüt das sine jünger oder Apostlen predigen söllind das Euangelium allen creaturen: [49]so wil er ye / das es ouch hören söllind alle creaturen. Was die Apostlen geprediget vnnd geschriben habend / das habend sy allen glöubigen oder der gantzen kilchen geprediget vnnd geschriben / vnnd gewöllen das sy das hore ja ouch läse. Darumb ists richtig wider Gott die Bibel zeläsen verbieten Christglöubigen lüten.

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Der heilig Chrysostomus Bischoff zuo Constantinopel / der vor 1100. jaren geläbt / vermanet vil in sinen predginen die gmeind zuo Constantinopel / das sy flyssig nit nun die predginen in der kilchen höre / sunder ouch daheim die Biblische gschrifft läse. [50]Dann alle mängel vnder dem volck kommind dahar / das es nüt läse / Homelia 9. ad Coloss. etc. Yetzund findt man geleerte vnd Bischoff die reden vnd schryben gedörffend / alles arg vnd alle irrthumb / vnder dem volck / kommind vß dem läsen der heiligen gschrifft. Gott verzych jnen sölich grewlich reden / vnd gäbe jnen jr vnrächt zuo erkennen / dz sy nit one buoß absterbind in der gottslesterung / etc. S. Augustin an Volusianum / vnd in etlichen siner predginen / begärt an sin gmeind / deren Pfarrer er was / das sy anstatt des kartens vnd brättspilens die h. Gschrifft überkäme vnd läse.

[51] Man spricht wol die Gschrifft sye dunckel vnnd habe vil schwärer vnuerstendiger orten / vß welchen sich ouch die geleerten noch nit habind verrichten können. So sage Petrus selbs / es sye vil in den Epistlen Pauli schwär zeuerston / etc. Aber dargegen spricht der heilig prophet Dauid / [52] Din wort ist ein kertz miner füessen / vnd ein liecht minen fuoßwägen. Jtem / Die zügnuß des Herren ist warhafft / vnd leert die vnuerstendigen wyßheit. Das gebott des Herren erfröuwt das

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hertz / ist rein vnd luter / vnd erlüchtet die ougen. Deßglych schrybt der heilig Petrus an alle gmeinden in Asia / vnd redt vnder anderem / sy thüeye rächt / das wenn sy das Euangelium predigen hört / ouch die gschrifft läse / vnd spricht / [53]Jr thuond wol / das jr vff die leer der Propheten achtend / als vff ein liecht (merckend dise wort Petri / vnd luogend was er von der dünckle oder heitere der Gschrifft halte) das da schynet in einem duncklen ort / biß der tag anbräche / vnd der morgenstern vfgange in üweren hertzen. Jn vns allen zwaren ist dünckle der sünden vnd irrungen / aber das liecht Gottes worts / der tag des heiligen Euangelij / vnd der morgenstern der geist Christi / trybt die dünckle hin vnnd wäg / das vns die Geschrifft klar vnd heiter wirt.

Es ist wol war das in den Epistlen Pauli / vnd andern Biblischen gschrifften / schwäre ort funden werdend / das aber sol darumb nieman abschüch machen: dann was den glouben vnnd ein gottsälig läben antrifft / ist nüt destminder an anderen heiteren orten / deren vil mee / dann der duncklen sind / so einfalt vnd richtig durch die gantzen gschrifft hinuß geleert / beschriben vnd erklärt / das ouch ein schlächter einfalter sich keines mangels klagen mag. Der ouch / so er glych wol die duncklen ort nimmer verstadt / keinen schaden an der säligkeit vnnd frommkeit empfacht. Oder was

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sol dich das irren / das etliche schwäre wort vnd sprüch in einem buoch oder brieff funden werdend / welcher doch dermassen vor vnnd nach verstentlich gschriben ist vnd lutet / das du die houptsach / vnd das / daran der hafft ligt / einfalt / grundtlich vnnd wol verstaast? Oder wilt du den brieff nit läsen / oder hinwerffen / von wägen etlicher weniger dunckler worten oder sprüchen die vonn alter deß brieffs harkommend? Darzuo könnend alle zyt die Diener der kilchen / dir / wo etwas schwärs ist / mit der predig / vnnd in ander wäg / zehilff kommen.

[54] Doch sagend wir hie mithinzuo / wie ouch Petrus der heilig Apostel geleert hat / daß die heilig Gschrifft darumb nit sölle vßgeleit / oder verstanden werden / nach eines yeden menschen sinn vnd guotduncken / noch vil minder gebogen werden nach menschlicher anfechtung / zuo muotwillen. Sy sol aber recht / nach jrer art / mit jren selbs / nach der regel des gloubens vnd der liebe / vßgelegt vnd verstanden werden. Dann also redt daruon ouch der heilig Apostel Paulus / Rom.12.  1.Corinth.13. vnd 1.Timoth.1. Darumb sol ouch der Läser des Gotts worts / stäts bätten / vnd mit grosser gottsforcht handlen / ja alles das er lißt / zuo Gottes eer vnd besserung / oder erbuwen eins frommen läbens / richten: allen zanck / gfätz / boßheit / hochmuot / gsähen wöllen syn/

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vnd verböserung fallen lassen. Dann er redt vnd handlet mit Gott / der sich nit betriegen noch tratzen laßt / vnd ein demuotig / vfrichtig / einfalt gemüet liebet / vnd mit meerung siner gnaden / ye lenger ye mee begnadet.

1A8 Alle Religions sachen / söllend allein mit heiliger Biblischer gschrifft gericht vnd bewärt werden.    Cap. VIII.

[55] VNd so dann die heilig Biblisch geschrifft alle gottsäligkeit vollkommen / heiter vnnd klar leert / vnd Gott vnserm Herren kein Religion noch gottsdienst gefalt / dann allein der / den er selbs yngesetzt / vnd mit sinem warhafften wort bezüget / oder verkundtschafftet vnnd befestnet hat: kan mengklich daruß schliessen / das wenn spän vnd stöss in der Religion ynfallend / söliche nieneruß anders söllend entscheiden vnd gerichtet werden / dann allein vß dem warhafften wort Gottes / in Biblischer heiliger gschrifft begriffen. Dann in der gschrifft allein findt man / was Gott gefalle oder mißfalle / welches der waar oder falsch glouben sye / was man glouben oder nit glouben / thuon oder lassen solle.

[56] Die vralten priester vnd fürsten / sampt dem gantzen volck Gottes / habend / wenn sy recht gethon / alle zyt in den spänen der Religion / alle sachen gericht mit dem wort Gottes. Das

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alles erfindt sich warhafftig in den byspilen der herrlichen künigen / Josaphat / Ezechie / vnd insonderheit Josie / ouch Jeremie. Vnser Herr Christus bewärt sine fürträg / merteils / mit der heiligen Gschrifft / widerwyßt sine widerwärtigen mit der Geschrifft: vnnd sagt zuo den Sadduceern / [57] Jrrend jr nit / darumb das jr die geschrifft nit könnend? Dem exempel des Herren volgend ouch die junger vnd Apostlen: [58]welche ouch heissend alle ding / ja die geister probieren oder bewären. So habend die vralten Christen kein andere regel oder richtschnuor gehebt / dann die Biblisch geschrifft. Die legt im Concilio zuo Nicea / der heilig Keiser Constantinus / allen bischoffen für / vnd heißt sy daruß den entscheid / von der Gottheit Christi / die Arius in zwyfel satzt / geben / vnd alle spänige sachen richten / etc.

1A9 Vor allem dem / das heiliger Biblischer Gschrifft nit gemäß ist / sol sich mengklich hüeten.    Cap. IX.

[59] Alles das nun vilgemelter heiliger Biblischer geschrifft widerwertig / oder vngmäß / oder darinn nit gegründt oder recht daruß geschlossen vnd anzeigt mag werden (wär ioch der / wie heilig oder geleert er sye / wie vil wundern er thüeye / oder zeichen gethon / ouch gesichten vnd erschynungen gehebt habe / der anders

 

 

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yetzund schrybt oder leert / oder vor zyten gehalten oder gethon hat) das alles sol billich nüt gälten / weder gloubt noch angenommen / sunder vil mee verworffen / vernütet vnd geflohen werden. Darumb habend wir ein heiter / vßgetruckt vnd träffenlich Gottes gebott / das läse / wär lust hast / Deute. am 13. vnd 18. cap. Dann es hieryn abzeschryben / vil zelang wurde.

Jeremias am 23. cap. spricht also / Also sagt der Herr der heerzügen / Jr söllend den worten der Propheten / die üch prophetierend / nit losen. Dann sy betriegend üch / sy redend jrs hertzen guotduncken / vnnd nit vß dem mund des Herren. Derglychen [60]warnet ouch vnser Herr Christus alle sine glöubigen vor den falschen Propheten / welche er nennt blinden vnd blindenfüerer. Vnnd ist aber ein falscher Prophet / der dz wort Gottes nit bringt oder prediget / oder der dz wort Gottes verfelscht vnd mißbrucht. [61]Die söllend jr nit hören (spricht er) denen söllend jr nit glouben / sunder üch vor jnen hüeten vnd von jnen fliehen. S. Paulus hat sy verbannet / als obanzeigt vß der Epistel zuo den Galatern. Zuo den Römeren am letsten capitel sagt er: Jch vermanen üch lieben brüederen / das jr ein vfsähen habind vff die / die trennung vnd ergernuß anrichtend / wider die leer / die jr gelernet habend (merckend die jr gelernet habend / frylich vß dem

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Euangelio / vnd nit die jr erst vß den Traditionen lernen werdend) vnnd wychend von den selben. Dann söliche dienend nit dem Herren Jesu Christo / sunder jrem buch / vnd durch süeß schwätzen vnnd schmeichel reden verfüerend sy die hertzen der einfalten. Vnnd der glychen noch vil mer findt man wider söliche zuo läsen Philip.3. 1.Timoth.4. 6. vnd 2.Tim. 4.cap.

1A10 Von den Traditionen vnd Vätteren Satzungen / etc. vnd das man allein by Biblischer gschrifft blyben sölle.    Cap. X.

[62] DAnn vil frommer lüt von dem einfalten richtigen wäg Gottes worts abgefüert vnnd zuo kleiner achtung Biblischer Gschrifft bewegt werdend / dardurch / das etliche geleerten grosse vnd vor der wält ansichtige ding redend vnd schrybend von Traditionen / welche sy Göttlich / Christenlich vnnd Apostolisch nennend / als ob sy von Apostlen mundtlich angäben / aber nit gschrifftlich verfasset / doch der heiligen gschrifft gemäß vnd glych wirdig syend. Sölichs vngewüsses vnd gar vnbegründts ding / wöllend sy dann noch mit vil vnbegründterem erwysen vnd waar machen / vnd ziehend an neißwas epistlen Antheri / Anacleti / Thelesphori / Sotheris / Eleutheri / etc. Vnnd hat aber Paulus hinder jm zur warnung gschriben

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 [63]  gelassen / Jch bitten üch lieben brüeder / das jr üch nit lassind entwegen / weder durch geist / noch durch wort / noch durch ein brieff oder epistel / sam sy von vns geschriben sye / etc. [64] Vnd widerumb / Sähend zuo daß üch nieman beroube durch die philosophy vnd ytele verfüerung nach der menschen Tradition vnnd nach der wält satzungen vnd nit nach Christo. Söliche warnung ist so trüw vnd heiter / das ein yeder rächter Christ sy jm laßt gnuog syn / vnd sich vor den Traditionen hüetet.

[65] Es gedenckend wol die Gschichten der heiligen Apostlen der Traditionen / am 16. cap. sind aber nit die / von denen die Gschrifftfyend schrybend / sunder die von denen gschriben ist Acto. 15. Also gedenckt ouch Paulus siner Tradition 2.Thess 2. verstadt aber sin mundtliche predig / wie ouch 1.Corinth.15. Also ziehend die vralten leerer etwan an die Apostolische Tradition / verstond aber die predig der Apostlen vom glouben / begriffen in den articklen vnsers Christlichen gloubens.

[66] Vnnd Jreneus ouch Tertullianus näben dem sy etlich wenig Traditionen anziehend / zügend sy doch ouch heiter / das zuo jren zyten die secter oder falsche leerer / die man yetzund kätzer nennt / wenn sy mit heiliger geschrifft das nit bewären oder anzeigen mögen / das sy aber gern den kilchen / als Christlich vnnd Apostolisch zeglouben / uftrochen hettend /

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 gesagt habind / Das sy da fürbringind / stande zwaren nienen geschriben in der Apostlen gschrifften / sye aber one gschrifft / mundtlich / von jnen angeben / darumb man dem glych / als ob es gschriben wäre / glouben geben sölle. Darwider obgemelte leerer leerend / der glöubig sölle / dz sy Tradition heissend / nemmen / gegen der Gschrifft halten / vnd also bewären / wie glych oder vnglych sy der Geschrifft syend. Dann diewyl wir gwüß wüssend / dz die Gschrifft der Apostlen sye / im zwyfel aber stande / ob die Traditionen jren syend / sye ye billich / das wir das vngwüß durch dz gwüß probierind / oder bewärind. Stimme nun die Tradition nit mit der gschrifft der Apostlen / so sye sy gwüß nit Apostolisch / sunder ein menschen gedicht. Dann wie die Apostlen nit wider sich selbs geprediget / also habind sy noch vil minder ützid angeben / mundtlich / das wider jre verschribne leer stryte. Söliches bescheids halte sich alle zyt ein yeder Christ mit den Traditionen / so wirt er in allem / dem heiligen göttlichen wort / Biblischer gschrifft / alle eer gäben.

[67] Glycher gstalt / als die phariseer der vätteren satzungen (Matth.15.) vnserm Herren Christo fürwurffend / wyßt er sy nit allein vff die wort / oder gebott Gottes / zeermässen ob die selben durch der vättern satzungen gebrochen / oder verduncklet werdind / sunder er

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zeigt ouch / das der vättern satzungen Gott mißfellig / vnnd jm mit menschen satzungen vergäblich vnnd one frucht gedienet werde. [68]Welches er ouch vß der gschrifft Jsaie / des Propheten bewärt. Derglychen rüempt der heilig Apostel Paulus / nit häfftig der vätter oder menschen satzungen vnd leer / Coloss.2.  Titum 1. etc.Darumb wenn glych ouch yetzund etwas die Religion belangend / vß den vättern fürbracht wirt / sol sölichs gegen der Gschrifft gehalten vnd bewärt werden / ob es wider die Gschrifft sye / Gottes ordnung entkrefftige oder verfinstere / oder nit. Nit anders begärend die vätter / oder leerer der kilchen selbs / dann wo sy glychförmig der Gschrifft leerind / sölle man jnen glouben / wo nit / sölle man jnen nit glouben / vnd halten von jnen / als von menschen die geirrt habind. Daruon läse / wär da wil / die heitern zügnussen des heiligen leerers Augustini / wie er so eigentlich sagt / das man der heiligen Gschrifft / vnd der heiligen Vättern leer vnd büecher / nit glych wirdig achten / sunder deren leer alle der heiligen Geschrifft vnderwerffen sölle. Ad S. Hieronymum Epist.19.  Ad Fortunatum epist.111.  Ad Vincentium epist.48.  Contra Maximinum Arian. epis.lib.3.  De baptis. contra Donat.lib. 2.cap.3.  Contra Crescen.lib.2. cap.32.  De  vera religione cap.10.  Contra epist. Pelagianorum lib.4. cap.8. vnd insunderheit

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De unit.eccl. contra Donatist. cap.16.

[69] Dann billich sol wider das wort Gottes nit gälten / die heilige oder gleerte / vnd wyßheit der menschen / weder elte der dingen die wider Gschrifft sind / noch vile / oder grosse einhälligkeit deren / die in vnrechten sachen eins sind. Gott spricht in sinem gesatzt / [70]Du solt nit volgen der vile zum bösen. Vnd Jeremias spricht am 8. cap. Sy habend des Herren wort verschupfft / was woltend dann sy für ein wyßheit haben? So sagt ouch der heilig Apostel / [71]die wyßheit der wält sye ein torheit vor Gott. Dann vnser Herr vorhin im Euangelio gesprochen hat / [72]Was hoch ist vnder den menschen / das ist ein grewel vor Gott. Der einig Micheas / Helias / Jeremias / vnd vnser Herr Christus / habend gestritten wider die hohen priester / geleerten / vnd die das ansähen by der wält hattend: vnd volgt darumb nit / das darumb dise / daß sy allen gwalt hattend / ouch recht hettind / Christus vnd die Propheten vnrecht / etc. Die Höhinen / das ist / Tempel oder Capellen / vnd altär vff den höhinen / [73] warend in Israel / von dem allerwysisten Solomon / durch bewilligung syner Heidischen weybern gethon / gestifftet / vnnd etlich hundert jar / vnder herrlichen künigen / geleerten priestern vnnd Propheten / in grosser einhälligkeit vnd glücksäligkeit behalten: nütdestminder thet sy

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 Josias / der heilig künig / dannen / [74]ließ sich alles dises grosses ansähen vor der wält nüt irren: darwider er ouch überal nüt hat / dann das einig wort Gottes / welches jm ouch gnuog was / dann er dem von gantzem hertzen gloubt. Dann diewyl er vß der heiligen Gschrifft erlernet / das die höhinen wider Gott warend / ließ er sich nüt mee irren / vnd wolt nit wyter arguieren / wär sy vfgericht / wie lang sy gestanden / oder in was grossem ansähen sy by yederman noch warend / sunder brach das alles ab in grund / vnd vertilcket jre gedächtnussen. Vnd Gott schilt jn darumb nit / sunder rüempt jn vil mer über alle fürsten. Dann sölliche glöubige / richtige / einfaltige gehorsame gefalt Gott: das spitzfündig / arglistig / widerspennig / vilfaltig arguieren wider das heiter gebott Gotts / mißfalt vnnd erzürnt Gott / Genesis 3. 1.Sam.15.  3.Reg.13. Thuo du ein ding wie dichs Gott heißt / vnnd thuo jm nüt darzuo / vnd thuo jm nüt daruon. Deuteron.12.cap.

[75] Darumb verharren allein by dem göttlichen wort Biblischer gschrifft / in allen vnnd yeden Religions sachen / ist der sicherist / einfaltigist / vnd Gott wolgfelligist wäg vnnd radt / der dem menschen vff disem erdterich ymmermee mag zeigt vnnd geben werden. Hette dem das volck Jsrael / Saul / Jeroboam vnnd ander geuolgt / wärend sy nie in

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 sölich angst vnd not kommen. Gefalt vns aber so wol die elte / gefallend vns so wol die vätter / gefalt vns in dem glouben einhälligkeit / wär ist dann elter / dann vnser Gott / der one anfang von ewigkeit har / darzuo die einig ewig warheit ist? Der aber hat vns die Bibel geben / vnd die Bibel ist sin wort / darumb ouch die eltist vnd warhafftigist leer. Wo mögend vätter funden werden / die doch herrlicher syend / dann die alten heiligen Patriarchen / die Gott geliebten Propheten / vnd vßerwelten Apostlen Christi? Jst deren vätteren ansähen nit grösser / dann aller deren die ymmerme geuätteret werdend? Warumb gilt dann jr ansähen nit mee / dann aller vättern? Mit denen in der leer vnnd glouben in Christo einhällig syn / ist die recht säligmachend einhälligkeit. Deren leer aber vnnd glouben ist in der Bibel begriffen. Darumb welcher by der Bibel / by dem Testament / Gottsbuoch / blybt / der blybt by Gott / vnnd in rechter einigkeit der kilchen / wirt warlich sälig. Das wort Gottes blybt ewig.

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2A0 Von Gott vnd sinen herrlichen wercken / ouch von warem vnd rächtem Gottsdienst.    Der II. Artickel.

Alle vnd yede Christen söllend wüssen / daß hochgemäldete heilige Biblische gschrifft / fürnämlich geschriben ist vonn Gott vnd siner trüw vnd herrligkeit: ouch von der pflicht oder schuld vnd heil der menschen. Von Gott leert sy glouben / das er einig im wäsen vnd tryfalt in personen / ein geist / vnendtsam / oder vnbegrifflich / allmächtig / wyß / ewig / waarhafft / gerecht / vnnd gnädig oder barmhertzig / ja ein brunnen alles guoten sye: das er habe himmel vnnd erden vnd alles was darinn ist erschaffen: ouch

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söliches alles noch mit siner fürsähung vnd verwaltung erhalte / wol vnd rächt regiere. Vom Menschen leert sy halten / das er von Gott guot wol vnd gerächt / mit lyb vnnd seel / erschaffen / ein herr gsetzt sye über alle gschöpfften. Da er durch sin selbs schuld vnd des Tüffels anstifften / abgefallen / aber widerumb vonn Gott vfgehebt vnd zuo gnaden angenommen sye. Das ouch Gott das menschlich gschlächt / jm verbunden zum heil vnd stättem dienst / bericht habe / das es müesse durch Christum sälig werden / Gott den Schöpffer vnd herren aller dingen allein eeren / anbätten / anrüeffen vnd dienen / nit mit lyblichen / sunder geistlichen (diewyl er ouch ein geist ist) diensten / als mit glouben / liebe / hoffnung vnd derglychen tugenden. Welches alles die alten vätter die trüwen Gottes diener / gethon / vnnd Gottes fründ vnnd verpündete gsin syend.

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Das aber dem allem also sye / zeigend wir an durch volgende Capitel mit kundtschafft heiliger gschrifft.

2A1 Das die heilig Biblisch gschrifft fürnemlich geschriben sye von Gott vnd dem menschen / zuo eer Gottes vnd zuo heil des menschen.    Cap. I.

[76] DJe heilig Biblisch gschrifft hat jren eignen zwäck / vff den sy sicht / vnd ouch jr fruchtbar End / dahin sy die Gottsförchtigen läser füert. Der zwäck oder das fürnem / daruf die gschrifft sicht / ist Gott vnd der Mensch. Das End aber dahin sy füert / ist daß / daß Gott vnnd der Mensch rächt eigentlich vnd wol zur eer Gottes vnd zum heil des menschen erkennt werde. Darumb sagt / erlüteret vnd bericht vns die heilig Biblisch gschrifft / wär vnnd was Gott sye / wie herrlich vnd gwaltig er sich in allen sinen creaturen erzeige / wie warhafft vnd grächt er in allen sinen worten vnd wercken bestande / ouch wie güetig / trüw / vnnd barmhertzig er den menschen sye. Darnäben leert sy ouch / wie vnnd wär der mensch sye / wie er von Gott erschaffen / wie er worden / vnd was er vß jm selbs / oder vß den gnaden Gottes sye: item wie Gott jm den menschen verbunden vnnd verstrickt habe / was er den menschen thuon / vnd herwiderumb von den menschen haben wölle. Vnd hie sind yetzund

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gnädige Gottes verheissungen von Christo vnd auch sunst herrliche gesatzt vnnd rächte / tröuwungen vnd schräcken / tröst vnd wägwysungen / vß welchen der mensch erlernen mag / weß er sich zuo Gott versähen vnnd jm truwen / oder ouch jn förchten oder lieben / was er thuon oder lassen / lyden / oder wie er jm gefallen vnd dienen sölle. Hienäbend stond yetzund ouch schön beschrybungen der güete oder früntligkeit Gottes / gägen den glöubigen / vnd des zorns ouch der raach wider die vnglöubigen: item vilfaltige exempel wie sich die glöubigen vnd vnglöubigen gehalten habind: alles zuo dem end hin / daß das allen menschen vilfaltig vnder die ougen gestellt / damit sy Gottsförchtig vnd heil werdind. Dann der Prophet spricht / Gott habe die vätter bericht / vnnd die vätter jre kind / daß sy sölichs ouch jren nachuolgenden kinden nit verhaltind / sunder die eer des Herren vßkündind / sinen gwalt vnd sine wunderbare werck / die er gethon hat: damit sy jr hoffnung in Gott setzind / siner thaaten nit vergässind / vnd sine gebott haltind / daß jnen wol sye / etc. Psalmo 77. Vnd dahin richtet die heiligen gschrifft ouch der heilig Apostel Paulus zuo den Römeren am 15. cap.

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2A2 Von Gott / das er einig sye im wäsen / vnd tryfalt in personen / ein geist / vnendsam / etc.    Cap. II.

[77] DJewyl aber vnser Herr vnd Gott aller creaturen schöpffer vnd herr / ouch des menschen einig vnd oberist guot ist / lert die heilig Biblisch gschrifft vor allen dingen vnd mit gröstem flyß vnd ernst Gott erkennen / wär vnd was er sye / etc. Das kan one die heilige gschrifft [78] sunst kein andere gschrifft oder leer vff erden. Dann wie nieman weißt was im menschen ist / dann allein der geist / der im menschen ist: also kan vnns niemant sagen was Gott sye / onet Gott allein / durch sin wort. Andere ynbildungen erdencken / vnd andere wysen suochen / dardurch yemant zuo Gottes erkanntnuß komme / ist sich selbs verfüeren vnd abgöttery tryben. Darumb lasse yederman faren was jm von Gott vssert vnd wider das wort Gottes fürgebracht vnd yngebildet wirt / vnd halte sich allein deß wort Gottes.

Das wort Gottes sagt einfalt / heiter vnd klar / [79] daß die maiestat Gottes vnseren ringen verstand überträffe / deßhalb niemant in disem läben Gott in sinem wäsen sähen möge noch werde / noch vil minder beschryben: wir söllind vns aber hie vernüegen lassen an dem / das vns Gott mitteilt in Christo durch sine diener / vnd nit wyter nachhin gründen.

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[80] Da so spricht das wort der warheit / das Gott einig im wäsen / vnd dryfalt sye in personen. Dann also spricht Moses: [81] Hör Israel / der Herr vnser Gott ist ein einiger Gott: den solt du lieb haben / etc. So spricht Gott selbs durch die [82] Propheten / Jch bin allein der Herr / vnd kein anderer Gott ist dann ich. Du solt keine frömbde götter haben. Vnd söliche leer bestätet ouch vnser Herr Christus Marci am 12.cap. vnnd anderßwo im Euangelio. Glyche leer habend ouch die heiligen Apostel gefüert / wie man liset 1.Corinth. 8.  1.Timoht[Timoth].2.  Ephes.4.

[83] In diser einigkeit Gottes zeigt das wort der warheit wyter dry vnderscheiden personen / welche doch die einigkeit Gottes nit in dry götter zerteilend. Dann es zeigt an den Vatter / den Sun / vnd den heiligen Geist / also das yede person jr wäsen vnd eigenschafft behalt / vnd die ander nit ist / doch die dry personen ein einiger Gott sind. Dann der Vatter ist nit der Sun / sunder des Suns vatter / vnd sendet den Sun in die wält: der Sun aber ist nit der Vatter / sunder des Vatters sun / vnd wirt vom Vatter gsendt in die wält / er / vnd nit der vatter / wirt mensch / vnd stirbt am crütz / vnd spricht / [84] Vatter in dine hend befilch ich minen geist. Vnd der heilig Geist gadt vß vom Vatter vnd Sun / vnnd heiliget die glöubigen: wirt des Vatters vnd des Suns

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geist genennt. Wie nun ein einige Sonn ist / vnd doch drü vnderscheidne ding ( da eins nit das ander ist ) als die kugel / der schyn oder glantz / vnnd die wärme / befunden werdend / welche doch / darumb sy jre eigenschafften vnd wäsen behaltend / nit vß der einigen Sonnen dry Sonnen machend: also trennend ouch die vnderscheidnen personen das einig göttlich wäsen nit / vnd wirt doch ouch eine die ander nit.

Söliche leer von der dryfaltigkeit Gottes wirt gar heiter allenthalben in Propheten geleert / insonderheit aber im heiligen Euangelio vnd der Apostlen leer erlüteret. [85] Der engel Gabriel sprach zuo Maria der jungkfrouwen / Der heilig geist wirt von oben härab über dich kommen / vnd die krafft des höchsten wirt dich überschattigen. Darumb ouch das heilig / das vß dir geboren wirt / wirdt Gottes sun genennt werden. Da wir ye habend Gott den Vatter den höchsten / den Sun Gottes der vß Maria geboren wirt / vnnd den heiligen Geist der die Jungkfrouwen überschattiget. Als ouch vnser Herr Christus von Joanne toufft was im Jordan / [86] thet sich der himmel vf / vnnd Joannes sach den geist Gottes in einer gstalt der tuben kommen vff Christum: da ward ouch gehört ein stimm von himmel / die sprach / Der ist min lieber Sun / in dem ich befridet vnnd versüenet

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bin. Ja vnser Herr selbs bericht vns vilfaltig von der heiligen dryfaltigkeit Gottes / Joan. am 5. 8. 10. 14. vnd 15. ouch 16. vnd 17. cap. etc. Zuo letst [87]heißt er ouch alle glöubigen touffen in Gottes nammen / namlich / in nammen des Vatters / des Suns / vnd des heiligen Geists.

[88] Diewyl dann die heilig gschrifft die leer von der einigkeit vnd dryfaltigkeit Gottes / so einfalt / richtig vnnd klar leert / söllend wir deren einfalt glouben / nit grüblen / vnnd hie in zyt mee wöllen wüssen vnd sähen / dann vns Gott geoffenbaret hat. Die Christlichen fürsten vnd oberkeiten / vor tusend jaren / habend recht vnd billich / by verlierung lybs vnd läbens verbotten / in disem artickel anders zuo suochen / spreiten vnd mit schmähung Gottes zuo leeren / etc. Gott wolt jm ye Mosen nit lassen in sin angsicht sähen: vnd wirt ersähen allein in dem angsicht Jesu Christi. Exodi 33. vnd 34.  2.Corin. 4.  So sprach der Herr selbs in sinem gsatzt / Wär den göttern opfferet / onet dem Herren allein / der sol vßgerütet werden / etc. Vnnd den Gottslesterer solt du vßrüten. Exodi 22. cap.  Leuit.24.

[89] Das aber diser einiger Gott ein geist sye / sagt vnser Herr Jesus selbs Joan. am 4. cap. Er ist vnendtsam / das ist / mit keinen enden vnd marchen yngethon / sunder vnbegrifflich / vnnd allenthalben zuogegen / hört / weißt

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vnd sichts alles / hört alles anligen der sinen / vnd kan allwäg vnnd allenthalben helffen. Dann [90] er ist allmächtig / vnd ist in jm nüt vnmüglich / dann allein das er nit wil. Daruon in heiliger Gschrifft gar vil schöner zügnussen vnd bewärnussen sind / als Psalm.138. Isa. 66. Jeremie 23. Jsaie 40. etc. Roma 4. etc. Er mißbrucht ouch sin macht nit. Dann er wyß / vnd siner wyßheit kein maaß ist: vnd thuot alles / wenn / wo / vnnd wie es hört. Gottes eewigkeit beschrybt der heilig Joannes / da er spricht / er sye von anfang / ja er sye der anfang vnnd das end. Anderßwo setzt jn die Geschrifft vsset die zyt / dz ist / spricht er sye ewig. Sin warheit aber vnd gerechtigkeit erschynt allenthalben in allen sinen worten vnd wercken / wirt insunders häfftig gerüempt in den Psalmen. Aber sin güete / trüw vnd barmherzigkeit ist über alle sine werck. Dann er ist vnser aller vatter / ja ein vatter aller barmhertzigkeit / vnd sin barmhertzigkeit wärt ymmer vnd ewigklich: er ist ein brunnen alles guoten / der frywillig alles guots rychlich vßschüttet über sine creaturen. Daruon Dauid Psalmo 103. vnd 105. vnd Jeremias 2. cap. insunderheit aber die Apostlen / etc. Sölicher gstalt aber leert vns das wort Gottes Gott erkennen / damit wir jm allein wol truwind / jn liebind / hoch / thür vnd wärd über alle schätz haltind / vnd jm gern willig allein vnd trüwlich

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dienind: ja alle vnsere sachen jm allein vertruwklich übergäbind.

2A3 Das Gott habe himmel vnd erden vnd was darinn ist erschaffen.    Cap. III.

Das Gott vnser Herr alle die ding / so da sind / erschaffen habe / in himmel vnd vff erden / bezüget vnd beschrybt Moses nach der lenge [91] Genesis 1. cap. So wirt im Psalter vnd der Propheten büecher vilfaltig die Schöpffung aller dingen anzogen / bezüget vnd gerüempt. Mit deren hat Gott erzeigt sin wyßheit / maacht vnd güetigkeit. By den herrlichen fürträffenlichen wercken / an denen sich alle menschen größlich verwunderen müessend / mögend wir gespüren wie ein wunderbarer / wyser / gwaltiger vnd güetiger Gott / vnser Gott ist.

[92] Von disem Gott sind erschaffen alle geist oder Engel / von welchen Paulus sagt: [93] Sind sy nit allsamen dienstbare geister / vßgesendt zum dienst deren die erben söllend die säligkeit? Zwaren habend sy die menschen / denen sy vß Gottes geheiß dienend / seer lieb: wöllend aber von jnen weder vereeret noch angebättet werden. [94] Die bösen Engel / Tüffel genennt / die in jren guoten art / darinn sy erschaffen / aber nit bliben sind (als der Herr sagt Joan.8.) [95] begärend Göttlicher eer / sind Gottes vnd der menschen fynd / anstiffter des bösen /

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stellend zum vnheil der menschen versuochend die menschen / vnd nach der verhängung Gottes/ pynigend sy auch die menschen. Sind aber den glöubigen durch Christum überwunden / vnnd ewiger verdamnuß zuogeurteilt. Joan. 12. 14. 16. 2. Pet. 2.

[96] Alles was im himmel vnd vff erden / inn vnnd vnder der erden ist / das sye glych sichtbar oder vnsichtbar / nützid vßgenommen / ist alles von Gott zuo guotem dem menschen erschaffen / wie Dauid züget Psalmo 8. vnd 23. ouch in anderen Psalmen / vnd Paulus 1. Timoth. 4. Darumb billich ist / das der mensch Gott danckbar sye / vnnd sölicher schöpffung nimmermer vergässe / oder sy in zwyfel setze: diewyl doch Gott sölich guot in frischer gedächtnuß zuo behalten den Sabbath zum teil yngesetzt hat / Genesis 2. Exodi 20. ouch wider die Gottes fynd / die da wurdend die Schöpffung verachten.

2A4 Das Gott noch himmel vnd erden / vnd was darinn ist / mit siner fürsähung vnnd verwaltung erhalte / wol vnd rächt regiere.    Cap. IIII.

[97] NJt allein aber hat Gott erschaffen den himmel vnd die erden vnd alles was darinn ist / sunder das alles erhaltet er noch vnnd würckt immerdar mit siner Göttlichen maacht. Dann

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vnser Herr Jesus spricht im heiligen Euangelio Joan. 5. Min vatter würckt bißhar / vnd ich würck ouch. So wäre es thorlich bekennen die schöpffung aller dingen / vnd aber nit ouch erkennen die Göttlich fürsähung vnnd verwaltung. Darumb alles das da läbt / das läbt vnd sträbt in Gottes fürsähung vnd erhaltung: alle elementa / des himmels louff / der brunnen quell / vnd wasseren oder flüssen rünß / die wunder des Meers / der erden fruchtbarkeit vnd gewächß / der zyten enderung vnd abwächsel / die witterung / die vfkummen vnd fürgeng ouch abgäng / der künigrychen vnnd regierungen / die straaffen / der pestilentz / der thüre vnd kriegen / vnd alles der glychen / stadt in der fürsähung vnnd verwaltung Gottes. Vnd züget nit nun die geschrifft / sunder ouch die täglich erfarung / das Gott alles wol vnd rächt regiere. Söliches zügend ouch alle Gottes säligen. Apocalypsis 4. vnd 5. cap.

[98] Die Epicureier / die ouch sunst vff Gott vnd künfftigem läben nüt hieltend / sagtend vnder den Heyden / wie man noch Heidnische lüt findt die ouch also haltend / dz Gott sich deren dingen hieniden nüt belade / vnd gar kein fürsähung oder verwaltung Gottes sye. Andere sagend die natur würcke / dz glück regiere / vnd die ding beschähind one gfärd / nach angestalt des gestirns / vnd nach dem die sachen angeschickt

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werdind. Vnnd welche also haltend / achtend Gottes wenig in allem jrem handel. Söliche schilt der heilig Apostel Jacobus / vnd spricht: [99] Sy söltind nit sagen / dahin oder dahin wil ich gon / das oder das thuon / mich dahin lägeren vnd dört werben: sunder darfür vil mer sagen / Läbend wir / vnnd wils Gott / so wöllend wir diß oder das thuon. Dann vnser Herr im Euangelio [100] heißt vns alle sorg vff Gott setzen / vnnd vns darzwüschen thuon was er vns geheissen hat: [101] wir mögind doch nitt ein härli schwartz oder wyß machen: er aber habe alle vnsere haar gezellt / vnd es falle nit ein vögili vff die erden / one den himmlischen vatter. S.Paulus spricht: [102] Gott gibt allem allenthalben läben vnd athem. Dann in jm läbend / sträbend vnd sind wir. Dauid spricht: / [103] Aller ougen sähend vff dich / o Herr / vnd du gibst jnen jr spyß / zuo jrer zyt. Du thuost din hand vf / vnd ersettigest alles das läbt: du thuost din hand ab oder zuo / so muoß es alles zerfallen vnd verdärben. Daniel spricht / [104] Gottes ist die wyßheit vnd stercke / er verenderet zyt vnnd wyl: er setzt künig vf vnd ab / etc. Vil sind im wort Gottes der zügnussen: wär lust hat zuo läsen / der läse Leuit.26.  Deut.28.  Job.38. 39.  Jsa.40.  Jere.10. etc. Psal.104. 107. 139. 147. vnd Augustinum in Psal.148.  [105] Vnnd söliche rächte erkanntnuß Gottes fürsähung / verwaltung vnd regierung aller dingen / bringt

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im lyden gedult / im wolstand bescheidenheit vnd forcht / in allen sachen Gottes anrüeffen / loben vnd danck sagen: ja das wir allwäg in allen sachen Gott vor ougen habend / vnd sinen nimmer vergässend / etc.

2A5 Das der mensch guot / wol vnd gerecht von Gott erschaffen / ein herr gsetzt sye über alle geschöpffte.    Cap. V.

[106] VNder allen läbendigen creaturen übertrifft der mensch / als den Gott herrlicher dann einiche thier erschaffen / ouch alles dz er erschaffen hat / vmb des menschen willen erschaffen hat. So hat er jn guot / gerächt vnd heilig / nach sinem äbenbild erschaffen: nach welchem wir ouch noch müessend ernüweret werden (nach der leer Pauli Colos.3 vnd Ephes.4) zur heiligkeit / vnschuld vnd gerechtigkeit. Es hat jn aber Gott von lyb vnd seel erschaffen. Den lyb hat er jm gemacht vß der erden: die seel / die ein geist vnd läben ist / yngegeistet / vnnd also ein läbendigen menschen erschaffen: an welchem so vil zierlicher wunderwercken sind / das ouch die geleertisten vnd wolberedtisten sölichs nit gnuogsam mögend vßsprächen noch beschryben.

Disen menschen hat Gott über alles gesetzt zum herren: vnnd glych wol / do Adam schon gefallen was / alle ding jm wider (doch

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mit gedingen ) vndergethon: wie ouch der 8. Psalm rüempt. Als er aber Adamen vor dem faal in das Paradyß gesetzt / hat er jm ouch erschaffen vnd zuogefüert einen gemahel / vnsere muoter Eua / vnnd von disen beiden menschen anders nüt / dann gehorsame vnd danckbarkeit (durch das mittel des gesatztes nit von der verbotnen frucht zeässen) erfordert. [107] Dann sy fry gelassen warend zethuon nach jrem wolgefallen: habend ouch keinen mangel noch zwang gehebt an keinen dingen überal: zuo dem sy ouch Gott trüwlich gewarnet / vnd so sy überträttind / den tod getröuwt hat / Gen. 2.cap.

2A6 Das der mensch durch sin selbs schuld vnnd des Tüfels anstifften / abgefallen sye.    Cap. VI.

[108] DEr mensch aber / der von Gott das guot empfangen / ouch vnußsprächliche guotthaten yngenommen hat / ist Gott vndanckbar vnd vngehorsam worden / damit das er dem Tüfel geloset / vnd dem vil mee dann Gott gloubt hat: deßhalb ouch dahin kommen ist / das er von der verbotnen frucht muotwillig geässen / vnd darumb ouch nach der tröuwung Gottes in tod / schuld vnd verdamnuß gefallen ist. Dann der Tüfel thet sich zuo der listigen Schlangen / geistet sy yn / vnnd durch sy versuocht er das wyb: das

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wyb volgt der Schlangen / übertrat / vnnd bracht ouch jren eemann in die überträttung. Deßhalben sy beyde / nach Gottes tröuwung / [109] abgestorben dem vorigen vnschuldigen säligen läben / yetzdan anhuobend sterblich läben in jamer / angst vnd not: darzuo ouch verurteilt zum ewigen tod. Welches alles volkomner im 3. artickel volgen wirt / vnd grundtlich beschriben ist Genesis 3.  S.Paulus spricht dahar / [110] das wyb habe die überträttung in die wält yngefüert.

2A7 Das Gott den menschen widerumb vfgehebt / vnd zuognaden angenommen habe.  Cap. VII.

[111] VNd hie / da es alles des menschen halb verloren was / vnnd der arm mensch wyt sines fürnemmens verfält / vnd vom Tüfel schantlich betrogen: in höchstem leid vnnd verzwyflung stuond / vnnd darumb ouch mit grosser forcht vor dem angsicht Gottes floch / vnnd sich vor angst / wo er gemögen / in abgrund verschloffen hette / thett sich herfür Gottes gnad / güete vnd vnußsprächliche barmhertzigkeit / die nit wartet biß der mensch widerkarte / den fuoßfaal thäte vnnd der gnaden begärte / sonder ylt vorhin dem fliehenden nach / hielt jn vf von der verderbung / erinnert jn der sünden / vnd zeiget jm die straaf / aber ein vätterliche

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straaff / ja vil mee ein züchtigung dann ein straaff. [112] Dann Gott der himmelisch vatter / zücht den armen vß der verzwyflung vnd hell härfür / begnadet jn / vnd setzt jn widerumb der gwüßne halb zuo ruowen: mit dem namlich / das er jm abnimpt der sünden schuld vnnd pyn / den ewigen fluoch vnd verdamnuß / vnd legt sölichs vff den gebenedeyeten somen Christum / [113] welcher das alles mit sinem vnschuldigen tod abthuon oder entkrefftigen / die vnschuld vnd das ewig läben allen glöubigen erwärben vnnd gäben werde. Diewyl aber die menschen hie in zyt in dem sterblichen wäsen / läben werdind / söllind sy arbeiten / das crütz vnd allerley lydens (zur züchtigung nit zur gnuogthüeung) gedultigklich tragen / biß sy Gott von hinnen / durch den lyblichen tod / in das ewig läben vfnemmen werde. Welches alles vß dem 3. cap. Genesis genommen / vnd in volgenden articklen wytlöuffiger erklärt wirt werden.

2A8 Das Gott das menschlich geschlächt jm verbunden habe zum heil vnd stätem dienst.    Cap. VIII.

[114] VNd so dann Gott den menschen errettet vnnd erlößt vor dem ewigen tod / vnd vß den banden vnd dienstbarkeit des Tüfels / zücht er den menschen zuo jm / vnd einiget jn jm / das er fürohin

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all sin läben lang vff Gott sähe / dem vertruwe / sines willens faare / jn eere vnnd jm diene / sich des Tüfels vnd alles sines rychs gar entschlahe: vnd so er etwan fält vnnd falt / nit an Gottes gnad verzwyfle / sunder widerumb guots vnd der gnaden hoffe / vfstande / sich bessere / vnd Gottes halte.

[115] Hiehar dienet das die heilig gschrifft allenthalben züget / Gott habe ein pündtnuß mit dem menschlichen gschlächt angenommen / gemacht vnd vfgericht. Sölichen pundt hat er angefängt mit Adamen / erstreckt mit Noe / erlüteret mit Abrahamen / ernüweret vnd in gschrifft gefasset durch Mosen / beschlossen durch Jesum Christum. [116] Dises pundts oder Testaments artickel sind / Gott wil vnser Gott syn / vns alle gnüege gäben / ja durch Christum sinen Sun wil er vns veruolkomnen vnd alle himmlische schätz mitteilen. Das wil er vns thuon: volgt yetz was er von vns haben wölle. Dargägen söllend wir vns des Gotts allein halten / keinen andern Gott näben jm haben / jm allein vertruwen / jn anbätten / anrüeffen vnd vereeren / jm trüw vnd glouben halten / vnnd in sinen gebotten all vnser läbenlang wandlen.

Das alles laßt er vns durch sine diener / mit sinem wort verkünden / das laßt er als einen verschribnen brieff in die heiligen büecher der gschrifft verfassen: deren söllend wir glouben.

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Die heiligen Sacrament aber als sigel der warheit henckt er an disen gmächts vnd pundts brieff / deren wir vns nach vßweysung sines worts söllend gebruchen.

[117] Vnd welche das thuond / sind rächte diener vnd pundsgnossen Gottes / vnd habend die waren rächten religion. Religio ist ein Latinisch wort / heißt ein verbindung. Durch Gottes huld oder waaren glouben / obgemelter wyß / werdend wir Gott vereiniget oder verbunden. Darumb einerley ist die rächt pündtnuß Gottes / vnd die waar religion Gottes: vnnd sind die warlich religiosi / die mit Gott verpündet / sich aller anderen dingen entschlagen / Gottes vnd sines worts allein haltend.

2A9 Von dem rächten waren Gottesdienst.    Cap. IX.

[118] Sölichs ist ouch der waar rächt Gottes dienst. Dann die sind rächte Gottes diener / die sich aller göttern oder trösten / aller anderer religionen / gsatzten vnd verpündtnussen entschlahend / vnd allein mit Gott vereiniget oder verpündet sind / vff Gott allein sähend / vff jn allein durch Christum vertruwend oder gloubend / den fürchtend vnd liebend / den allein anbättend / anrüeffend / eerend vnd alle zyt vor ougen habend: darzuo nach seinen gebotten / in sinem wort vnd gehorsame / allein wandlend / jren lyb dem geist

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vnderwärffend / vnd nit allein fromm vnd vnschuldig sind / sunder ouch nach jrem vermögen yederman guots thuond.

Dann vnser Herr vnd Gott ist ein geist / heilig / gerächt / guotthätig vnd barmhertzig / vnd wil das alle sine verpündeten vnd diener jm ouch dienind mit geistlichem dienst / mit heiligkeit / grächtigkeit vnd barmhertzigkeit. Ob er glych wol im gsatzt vil der [119] vsseren ceremonien vnd diensten yngesetzt hat / sind es doch alles figürliche ding gsyn / die in Christo erfüllt vnd den Christen abgenommen oder abgethon sind. Dann vnser Herr spricht im heiligen Euangelio / [120] Jch wil die barmhertzigkeit vnd nit das opffer. So spricht der geschrifftgleert rächt im Euangelio / [121] Die liebe Gottes vnd des nächsten sye mer dann brandopffer vnd alle opffer. Darumb spricht ouch Petrus / [122] wir syend erwellt zum heiligen priesterthumb / zuo opfferen geistliche opffer / die Gott / durch Christum / angnäm syend. Jtem Paulus spricht: [123] Diewyl Gott die wält vnd alles dz darinn ist / gemachet hat / ouch ein Herr ist himmels vnnd der erden / wonet er nit in templen mit henden gemacht / sinen wirt ouch nit mit menschen händen oder menschlicher handreichung gepflägt / als der yemants bedörffe / etc. Vnnd widerumb / [124] Jch vermanen üch lieben brüeder durch die barmhertzigkeit Gottes / das jr üwere lyb gäbind zuo einem

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opffer / das da läbendig / heilig / vnd Gott wolgefellig ist / welches ist üwer vernünfftiger Gottsdienst: vnd gstaltend üch nit glych diser wält / sunder lassend üch verenderen durch vernüwerung üwers sinns / etc. So spricht der heilig Apostel Jacobus / [125] der heilig vnd vnbefleckt Gottes dienst / vor Gott dem vatter ist der / Witwen vnd weysen in jrem trüebsal besuochen / vnd sich vor der wält vnbefleckt bewaren. Wytere erklärung diser dingen mag läsen / wär da lust hat / Deut.10.  Psal.50.  Jsa.1. vnd 58.  Jere.7.  Michee 6.  Zach.7. vnd 8. etc.

2A10 Wordurch die vralten sälig worden syend / vnnd wo mit sy Gott gedienet habind.    Cap. X.

[126] WJe nun alle gschrifft allein in Christo vnnd sunst nienarinn das heil zeigt / ouch den obgemelten geistlichen Gottes dienst einhällig allenthalb befilcht vnnd trybt: also volgt das die vralten Gottes diener vnnd verpündete Gottes fründ / nienerdurch onet allein durch den glouben in Christum sälig syend worden / vnd durch den geistlichen obgemelten Gottes dienst Gott gefallen habind. [127] Dann die verheissung von dem versprochnen somen / ist gar ernstlich geprediget vnd getriben von den heiligen Patriarchen vnd Propheten. Vnser Herr selbs sagt im Euangelio / [128] das

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Abraham durch Christum sye sälig worden. S. Petrus spricht / [129] Wir gloubend das ouch wir / wie vnsere vätter / durch die gnad Gottes / nitt durch das gsatzt / sälig werdind. Paulus spricht / [130] vnsere vätter habind truncken vom geistlichen velsen / welcher Christus gsyn. Der selb heilig Apostel Paulus erzelt ouch wytlöuffig zuo den Hebreern am 11. cap. wie vnd was die vätter durch vnnd vß dem glouben gewürckt vnd gethon habind.

[131] Habend gleychwol die alten vätter vil vsserer ceremonien vnd dienst gehebt / habend doch sy vff den geist gesähen: vnnd die Propheten habend die beschelckt / die one glouben vnd geist / den vssern dienst geüebt vnd gebrucht habend: vnd bezüget / das sölicher dienst weder Gott gefalle / noch einiche frucht habe. Daruon liß Deut. 10. Jere. 7. vnd Michee 6. ouch Jsaiam am 1. vnd 58. cap. Vnd so vil sye in disem artickel in gemein vnd kurtz geredt / von Gott / sinen herrlichen wercken / der schöpffung / erhaltung vnd widerbringung / vnd ouch von waarem jm wolgefelligen Gottes dienst: in volgenden articklen wirt alles / vnd gar nach yedes / wytlöuffiger vnd eigentlicher (mit der hilff Gottes) erklärt.

Von der Sünd vnnd Straaff der sünd.

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3A0 Der III. Artickel.

ALle vnd yede Christen söllend wüssen / das die Sünd von Gott weder gschaffen noch gebotten / ja jm mißfellig vnd darumb verbotten / sunder durch anstifften des Tüfels im menschen erstlich vß mißtruwen vnd vngehorsame entstanden / vnd vff alle menschen geerbt ist. Dann es ist die Erbsünd von Adamen / vff alle menschen ererbt: vß welcher Erbsünd volgend thaatliche Sünd / wider das gsatzt Gottes: vß welchen dann wyter volgend / der zorn Gottes / die straaff der Sünden / angst / not / schand / ellend / allerley trüebsäligkeit vnd jamers /

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ouch der tod vnd ewige verdamnuß. Das aber dem allem also sye / zeigend wir an durch volgende Capitel mit kundtschafft heiliger gschrifft.

3A1 Von erkanntnuß des menschen / vnd das die Sünd von jm / nit vß Gott sye.    Cap. I.

DEmnach vnd Gottes erkanntnuß etlicher maaß geoffnet / vnd der mensch weißt das ein Gott ist / vnnd äben kein anderer Gott ist / dann allein der / der himmel vnd erden erschaffen / vnnd sich vns in sinem wort / insonderheit aber in Christo sinem sun zuo erkennen geben hat / ist notwendig / das yetzund ouch der mensch wärbe (diewyl in der Geschrifft nach Gott / der mensch dz nächst fürnem ist / daruon sy handlet) das er sich selbs / vnd wie es ein gstalt vmb alle menschen habe / verstande. [132] Sölichs mag aber nit grundtlich / onet allein durch eigentliche erkanntnuß der Sünd / zuo wägen gebracht werden. Da man den vrsprung / das anhafften / den fürgang / die würckung vnd straaff der sünd / vß dem wort Gottes flyssig suochen muoß.

[133] Der mensch ist anfangs von Gott nit also ellend / sündig vnnd sterblich / wie er yetzt ist / erschaffen / sunder herrlich / heilig / vnsterblich / gerächt vnd guot: als im 2. artickel angerüert ist: aber durch sin selbs schuld vnd überträttung des gebott Gottes / ist er in sünd / schuld /

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tod vnd hell / ouch in des Tüfels gwalt gefallen. Dann das Gott die Sünd nit geschaffen noch gebotten / sunder vil mee verbotten habe / erfindt sich in dem / das Gott dem menschen ein guot vnnd heilig gebott gäben / mit dem er jm das verbotten hat zuo ässen / das Sünd was / vnd jm den tod vnd verdamnuß bringen wurde / wenn ers ässe.

[134] Hie gebürt vns gar nit ze disputieren vnd füntelen / warumb Gott das gebott vom nit ässen (der doch wol wüssen mocht was vff das gebott volgen wurde) dem menschen vfgelegt? Oder warumb er gestattet dem Tüfel  / das er den menschen versuochte vnd falte? Oder warumb Gott den menschen nit krefftigklich vor dem fal erhalten habe? etc. [135] Dann söliches derley fragen sind die Paulus verwirfft vnd häfftig schilt. So spricht der Wyß mann / [136] Den hohen vnd schwären dingen frag nit nach: vnd das dir zuo gwaltig ist / das erfüntel nit / sunder was dir Gott fürgibt vnd gebüt / dem tracht alle zyt nach. Du darffst verborgner dingen nüt: so solt du ouch in der vile der wercken Gottes nit fürwitzig syn. Dann vil deren die zuo hoch dahar faren gewöllen / sind gefallen vnd verderbt worden. Vnd wär gfarligkeit lieb hat / wirt darinn verdärben. Darumb könnend wir baß / richtiger vnd einfaltiger nit thuon / dann von dem gerächten Gott glouben vnd reden / das er kein

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böses wölle / noch vil minder thüeye / vnd diewyl er dem menschen verbotten zuo ässen von dem boum des wüssens des guoten vnd des bösen / habe er ye nit gewöllen das er ässe / überträtte vnd sturbe. Dauid spricht: [137] Du bist ein Gott dem gottlose nit gefalt / by dir mag kein schalckheit wonen / du hassest alle die / die schalckheit trybend. So spricht Solomon / [138] Gott hat Adamen rächt geschaffen / die menschen aber suochend allerley fünden vnnd gesuech. Der Wyß mann spricht ouch /[139]  Gott hat den tod vnnd verderbnuß nit gemacht / hat ouch weder lust noch fröud am verderben der läbendigen. Gott hat den menschen vnzerstörlich geschaffen / vnnd nach siner bildtnuß gemachet. Der tod aber kumpt in die wält vß nyd vnd verbunst des Tüfels / etc.

Wenn aber an andern orten der heiligen Geschrifft geläsen vnd gesprochen wirt / [140] Gott verherte die hertzen / verblende oder verhalte die ougen / er gäbe die menschen in einen verkerten sinn / vnnd was derglychen ist / sol der Christlich läser gedencken / das was Gott thuot / alles zuo allen zyten / mit gerächtem gericht thuot / vnnddas gwüßlich nieman von Gott zuo kurtz oder vnbill beschicht. S. Paulus stillet in disem handel alles ynreden der menschen vnnd spricht / [141] Wär bist du aber / o mensch / der dich mit antworten Gott widersetzest? Sol ouch das werck zum meister sagen /

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warumb hast mich also gemacht? Hat nit der Hafner macht vß einem leimknollen das ein gschirr zuo den eeren / das ander aber zuo den vneeren zuo machen? So spricht Dauid / Gott ist gerächt in allen sinen wägen / vnd heilig in allen sinen wercken. Psal. 144.

3A2 Von dem vrsprung vnd fürgang ouch würckung der Sünd.    Cap. II.

So dann die Sünd vß Gott nit ist / muoß man jren vrsprung anderßwo suochen. Gott ist grächt vnd guot / vnd der mensch was vonn Gott grächt vnd guot erschaffen / vnnd das gsatzt / das jm Gott gäben hatt (Er sölte vom boum des wüssens des guoten vnd des bösen nit ässen / oder aber er wurde sterben) wz ouch grächt vnd guot. [142] Wo ist dann die vngerächtigkeit oder sünd? Jn dem / das der mensch nit bestadt in dem guoten willen vnd wort Gottes. Dann darumb mag er ouch nit beston in siner guoten art in deren er erschaffen was. Das aber der mensch nit bestuond by dem guoten willen vnd wort Gottes / thet er vß jm selbs / als der fry von Gott geschaffen was. Der Tüfel stifftet wol das er nit bestüende / zwang jn aber nit / dann er mochts nitt. Listenklich griet er an den menschen / vnd fragt ob doch Gott / by dem läben / die frucht des wüssens guots vnd böses verbotten hätte? vnd als jm Eva loset

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vnnd bescheid gab / verstal er jren vß jren ougen das rächt gebott vnd warhafft wort Gottes / vnd stallt darfür sin vnrächts erlouben vnd erlogens wort / vnd sagt: So jr daruon ässend / werdend jr nit sterben / sunder zuo götteren werden. Darab entwendt sich des menschen gmüet / vnnd fallt vom guoten wort zum bösen. Vnnd hie ist die wurtzel vnd der vrsprung der Sünd / vnd alles vnsers lydens. Dann der mensch wirt vntrüw muotwilligklich / vnnd abfellig von dem trüwen Gott / blybt nitt in sinem warhafften guoten wort / gibt Gott die eer nit / gloubt vnd gehorsamet jm nit / sunder dem Tüfel / vnd das sin abtrännen von Gott was der faal in das böß / vnd wirt damit der mensch vß jm selbs böß vnd sündig.

[143] Dann mithinzuo vnnd das gmüet sich anhebt neigen zum Tüfel vnd bösen / tragt sich vssen für ouch etwas zuo / den vsseren sinnen / das dem inneren duck vnnd der mißtrüw des hertzens hilfft zuo offner thaat vnd vngehorsamme. Dann das wyb sicht die frucht / das sy schön vnd guot / vnd an jren gar nüt (als es vsserlich schein) zeschühen was: sölichs hilfft yetzund der Sünd zuo mererem fürgang vnd offentlicher thaat. Dann das wyb streckt jr hand vß / vnd diewyl sy gloubt hat des Tüfels wort / halt sy darfür das ässen werde sy nit allein nit schedigen / sunder vil mer zur

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göttin machen: darumb isset sy / ja do sy nitt grad empfand der raach / bringt sy ouch Adamen jren mann hinder die spyß das er ouch übertritt vnd isset. Vnd also ist die Sünd entsprungen vnnd vollbracht vom menschen / in dem abfaal vom wort Gottes / durch anstifften des Tüfels / etc. Vnd keiner anderen wyß form vnd gstalt wirt noch hüt by tag alle sünd von menschen begangen vnd vollbracht.

Hierumb höre man yetz zügnussen des worts Gotts / wie wol ouch das alles / das yetzund erzellt / geschriben ist im wort Gotts / Gene. 3. Vnser Herr spricht im Euangelio / [144] Was zum mund vßgadt / das kumpt vß dem hertzen vnnd verunreiniget den menschen. Dann vß dem hertzen kommend böse gedancken / etc. Vnd widerumb / [145] Der tüfel ist ein mörder von anfang / vnd ist nit bestanden in der warheit. Dann die warheit ist nit in jm. Wenn er lugen redt / so redt er vß sinem eigenthumb. Dann er ist ein lugner vnd ein vatter oder vrheber der lugi. Also spricht Joannes [146] das die Sünd nit sye vom vatter. Vnnd widerumb / Der sünd thuot / ist vß dem Tüfel / dann der Tüfel sündet von anfang. So spricht der heilig Apostel Jacobus / [147] Gott versuocht niemants / sunder ein yetlicher wirdt versuocht / wenn er von sinen eignen sünden abzogen wirt: darnach wenn der glust empfangen hat / gebirt er die sünd / die sünd aber wenn sy vollbracht

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ist / gebirt sy den tod.

[148] Besich mir ouch hie eigentlich wie in vnseren elteren die Sünd den tod geboren / vnnd was sy gewürckt habe. Der verstand vnd das gemüet in dem menschen / ist durch den abfal der maassen verduncklet ja verfinsteret / das der heilig Paulus spricht: [149] Der seelig mensch (der vernunfft vnd verstand hat / doch noch nit widergeboren ist) verstadt die ding nitt die Gottes geists sind. Der will des menschen ist durch vngehorsame so gar verböseret / vnnd zuo guotem vnkrefftig worden / das der heilig Paulus abermals spricht: [150] Jch bin vnder die Sünd verkoufft / vnd weiß daß in minem fleisch nüt guots wonet / etc. [151] Was ist dann mer überigs im menschen / dann vnwüssenheit / finsternuß / böses / ellend / jamer / schand / schad / der tod vnd verdamnuß? daruon hernach wyter von der straaff der sünd.

[152] Darumb wär sich rächt lernt vß Gottes wort erkennen / der wirt wüssen / das er ein armer sünder / vnd sines verdienens halb ein ellender verlorner mensch ist / wirt jm deßhalben nüt zuogäben dann [153] sünd vnd schand / gnad aber vnd verzyhung ouch vernüwerung von Gott demüetig bitten. Dannenhar etliche gesagt habend / Sich selbs rächt erkennen / sye die rächt wyßheit / vnd der anfang des heils.

3A3 Von der Erbsünd daß sy sye / vnd was sy sye / vnd was sy würcke.    Cap. III.

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DAnn niemant sol disen handel von der Sünd der maassen verston / als ob Adam vnd Eua nun allein also verderbt / wir alle nit ouch von jnen verderbt syend. [154] Dann die gschrifft züget das ein Erbsünd sye / vnd namlich das durch Adamen vff vns die verderbung ererbt in vnser art oder natur stäcke oder anhaffte / daß wie sy beide worden sind vff die überträttung / also ouch wir vnd alle vnsere vorderen vnnd nachkommenden in sünden vnd verderbung erboren werdind / also das wir vnser menschlichen art vnd natur halb / von muoter lyb / arg oder böß / zuo dem guoten weder verständig noch willig oder krefftig / zuo allem bösen aber geneigt vnd geschickt syend: welche sündige art ob sy glych wol in thatliche sünd noch nit vßgebrochen / ouch in kinden stäckt / nütdestminder Sünd sye vnd heisse. Dannenhar nit vnrächt gesprochen wirt / [155] Die Eerbsünd sye nit dz / das wider Gott gedacht / geredt oder gethon werde / sunder die ererbt verböserung / die in des menschen natur stäckt oder hafftet / vnd in deren er erboren wirt / dz er von Gott vnnd allem guoten entfrömbdet / vff das böß mit lyb vnd seel geneigt ist / vnd also Gott die eer / die er am menschen haben solt / nit hat.

Dann also spricht Paulus: [156] Da ist kein vnderscheid / Alle menschen sind sünder / vnd habend hinder / oder manglend der eer / die Gott

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an jnen haben solt. Anderßwo sagt er / [157] das ouch die glüst vnd begirden wider Gott / die in vns sind / glych ouch one bewilligung vnd volgende thaaten / sünd syend. [158] Dann ye Gott das hertz / den muot / ja den gantzen menschen forderet / das er jn liebe / heilig vnd gantz vollkommen rein sye / wie er heilig ist. Diewyl wir aber von geburt vil anders sind / erfindt sich joch in dem selben vnser präst vnd sünd vnwidersprächlich.

Gene.5. spricht Moses / Gott schuoff Adamen nach der glychnuß Gottes. Vnd Adam was hundert vnd dryssig jar alt / vnd hat geboren einen sun / in siner glychnuß / nach siner bildtnuß / vnd nannt jn Seth. Wie nun die glychnuß Gottes (nach der vßlegung Pauli) ist gsin vnschuld grächtigkeit vnd heiligkeit / also muoß deß sündigen menschen (in dem die Gottes bildtnuß erlöschen was) bildtnuß syn / schuld / vngrächtigkeit vnd vnheiligkeit oder vnreinigkeit. Dann disen dingen sich der mensch durch die überträttung dienstbar vnd vnderwürfflich gemachet hat. Das man aber hie ynredt / vnnd spricht: So Adam den menschen geboren habe vß Eua vnser aller muoter / sye er mit Gott vereiniget gsin: [159] diewyl er dann den menschen nach siner bildtnuß geboren habe / so sye der mensch one Erbsünd / Gott versüenet geboren. Verantwort ich also: Das ererbend wir von Adamen / das

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eigentlich sin / das ist in siner art vnnd natur ist: die vereinigung aber mit Gott / ist nit in vnd von siner natur / sunder vß Gottes gnad / darumb erbend wir die vereinigung nit. Dann die gnad wirt von Gott geistlich vß dem himmel herab gäben / vnd nit von Adamen fleischlich durch die lyblich geburt in vns geboren. So ist die gnad Gottes in Adams gmüet vnd geist gewäsen / wir aber werdend erboren nit vß dem geist vnnd gmüet Adams / sunder vß sinem fleisch. [160] Was nun vß dem fleisch geboren wirt / ist fleisch: was vß dem geist geboren wirt / ist geist. [161] Vber das alles muoß man in betrachtung der Erbsünd zum ersten ermässen den prästen an jm selbs / vnd erkennen daß der an jm selbs ein söliche verderbung ist / daß dardurch im menschen Gottes bildtnuß erlöschen / an statt der gerächtigkeit vnd heiligkeit / vngrächtigkeit vnnd vnreinigkeit kommen ist. Demnach muoß man sähen vff den Reatum / das ist / vff vnser schuld / vff beklagung Gottes vnd sin rächt / nach dem er wol gemögen den menschen nit nun dem zytlichen tod vnderthuon / sunder ouch straaffen mit eewiger verdamnuß. Da ist nun Gott mit Adamen vereiniget / nit dz er jm den prästen oder verderbung habe abgenommen / also das er nit mer zerstört / sündig / vnd sterblich sye. Dann das er was / laßt er jn blyben / in siner art vnd natur: er laßt aber sin rächt vnd

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beklagung wider jn fallen / vnd wil jm sin verderbung nit rächnen zum verderben. Darumb blybt in Adam die verböserung vnnd wirdt vff vns geerbt / das zeig ich wyter also. Gene. 8. spricht Gott / Der sinn vnd gedanck des menschen ist böß von siner jugend vf.

Job spricht 14. cap. Wär wil doch rein machen das / daß von vnreinem kumpt? Niemant.

[162] So sicht man ouch in der Beschnydung / die zytlich den vätteren gäben ist / dz ein Erbsünd ist. Dann ist in den achttägigen kindlinen kein vnreins / was beschnydt man sy dann? Dann das beschnydt man / daß süberens bedarff. Darumb züget ye Gott mit sines pundts zeichen / das wir alle arme sünder / von muoter lyb erboren (darumb er ouch die beschnydung an das geburts glid gäben hat) werdend / Gott aber vß sinen gnaden / durch sines pundts willen (in welchem der houptartickel Christus ist) vns reinigen / vnnd vnsere sünd nit zum verderben rächnen wölle. Hierumb werdend ouch vnsere kind getoufft / vnnd gewäschen / wie der vralten kinder beschnitten wurdend / das wir die erbsünd vnd vnsere vnreinigkeit bekennind / die vnns aber Gott / wie ouch andere vnsere sünd / vmb Christi willen nit rächnen wölle. Dahin der spruch S. Augustins dienet / Die sünd wirt im Touff verzigen / nit dz sy nit mer im menschen sye oder überblybe im fleisch / sunder das sy vns nitt

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verrächnet werde zum verderben.

Dauid spricht Psalmo 51. Sich in sünden bin ich geboren / vnd in sünden hat mich min muoter empfangen. Welches Dauid allein hat reden können von der Erbsünd. Diewyl Dauid in der Ee / nit vneelich / geboren: vnd Paulus spricht: [163] Die eelichen werck syend nit sünd: oder das bett der Eelüten sye vnbefleckt / frylich das jnen Gott die eelichen werck nit zur sünd rächnet.

Vnser Herr Christus spricht: [164] Es sye dann sach / das wir von oben härab geboren werdind / mögind wir nit in das rych Gottes kommen. So volgt ye / das wir mit vnser ersten geburt zum verderben geboren werdind. Dannenhar ouch Paulus vns alle nennt [165] kinder des zorns / von natur. Vnnd zuo den Römern am 5. handlet er dise sach nach der lenge. Wär lust hat läse es. Vnder andern worten spricht er: Durch einen menschen (Adamen) ist die sünd in die wält kommen / vnnd durch die Sünd der tod / vnd ist also der tod durch vnd in alle menschen gangen / in dem sy alle gesündiget hattend. Was könde aber heiterers von disem handel geredt werden? Der tod volgt vß der Sünd / vnnd sind aber alle menschen dem tod vnderworffen / darumb sind sy ye all sünder.

[166] Wider die erklärte warheit / hat sich vor tusend jaren ein Sect erhebt / die Pelagianer

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genennt / wider welche die gantz Christenheit mit Gottes wort gestritten / vnd sy nidergelegt hat: vnd hat insonders hie sin trüwe arbeit der heilig Augustinus gethon / welcher anzeigt 1. lib. contra Iulianum cap.2. Das die Apostlen / vnd alle leerer von Apostlen biß vff jn / die Erbsünd erkennt / vnnd also / wie obgemeldt / daruon geleert habind.

   [167]Hie ist nit notwendig vil zeschryben von der Erbsünd würckung. Dann vß obermelten zügnussen der Gschrifft guot zeuerston ist / das die Erbsünd würckt vngnad oder zorn Gottes / schuld vnd pyn / den tod vnnd verdamnuß. Dann Paulus spricht Roma. 5. Durch des einigen menschen sünd / ist die verdamnuß über alle menschen kommen. So sind [168] zweyerley töd / der ewig vnd der zytlich: die beid erwachsend im menschen vß der Erbsünd. [169] Der ewig ist durch die Sünd vff den menschen gefallen / vnd blybt vff den vnglöubigen. Wirt aber den glöubigen hingenommen durch den gebenedyeten somen. Gen. 3.  Hebr. 2.  Apoc. 2. 20. cap. So mag dann den glöubigen der zytlich tod nüt schaden / wenn der einist erlitten / ist die buoß bezalt / vnd suocht vns Gott dört nüt me zuo / sunder [170] samlet vns zuo ruowen. Von dem hernach im artickel von der Gnad volgen wirt.

3A4 Von der thaatlichen Sünd vnd allerley gschlächten der Sünd.    Cap. IIII.

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[171] Vß dem erblichen prästen vnnd verderbter art vnd natur des menschen / erwachsend yetz die thaatlichen sünd / welche Paulus [172] werck des fleischs nennt / vnnd sind die sich üebend vnnd härfür thuond in glüsten / gedancken / worten vnd wercken / wider das gsatzt Gottes. [173] Darumb wirt das gesatzt Gottes die rächt regel syn von der Sünd zuo richten / namlich was sünd sye oder nit sünd sye. Da wir gar nüt bedörffend zuo den Philosophen zeschuol zuo gon. Paulus spricht einfalt vnd richtig / [174] Die Sünd hab ich nit erkennt onet durch das gsatzt. Darumb was wider Gottes gsatzt ist / das ist vnrächt oder sünd. Vnd also spricht ouch S. Johans / [175] Wär sünd thuot / der thuot ouch vnrecht / oder wider das gsatzt / vnnd die sünd ist vnrächt oder wider das gsatzt.

So ist nun wider das gesatzt der vff vns ererbt präst / als obgesagt. [176] Wider das gsatzt sind vnsere fleischliche gelüst / begirden vnnd gedancken. Dann das gsatzt sagt / Du solt nit begären. Vnd wenn du glych in die begird / die in dir vfstadt / nit willigist / ist dennocht die fleischlich begird sünd an jren selbs. Es sind wol ouch natürliche glüst oder begirden / als zeschlaffen / zeässen / dine kind vnd die dinen lieben / etc. Wenn die in rächter mässigkeit blybend / sind sy vnschädlich: die begirden vnd gedancken aber / die schon nit in das

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werck vßbrächend / als das dich erzürnst vnd in dir selbs ergrimmest / das du dines nächsten gemahels in dinem hertzen begärst / das vnd derglychen nennt vnser Herr Jesus Sünd wider das gsatzt / Matt. 5. Er sagt ouch / [177] das die menschen am gericht von eines yeden vnnützen worts wägen müessind rächnung gäben: wie vil mee versündigend wir vns mit üppigen / lychtfertigen / schantlichen reden? [178] Jtem es sind wider das gsatzt Gottes alle vnsere werck / die wir vß vnserm alten Adamen thuond / wider das verbott Gottes: deßglych ist wider das gsatzt Gottes / alles das wir lassend wider das gebott Gottes.

[179] Söliche sünden die mit gedancken / worten vnd wercken beschähend / sind nit glych: sunder stygend vf vnd ab / werdend nach gestalt der thaat kleiner oder grösser. Dann welcher ein bösen glust oder gedancken hat / vnd aber den selben weder in wort noch in werck vßbrächen laßt / sündet minder dann der gar heruß falt. Welcher wider Gott sündet / sündet schwärer dann der wider den menschen sündet. Vnd wenn du ein menschen tödst / sündest übel: wenn du aber din vatter tödst / sündest noch vil wirß. Brichst din Ee einist / sündest minder dann thätist es zum anderen mal. Vnd wie vil du der sünden huffest / so vil meret sich die vngnad vnd Straaff Gottes. Dann der Herr setzt vnderscheiden straaffen / das

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er nit thäte wenn alle Sünden glych wärend.

[180] So hat man yewältenhar vß der Gschrifft anzeigt / das etliche tägliche Sünd / das ist / mängel vnd fäler syend / mee vß vnwüssenheit vnd blödigkeit / dann vß boßheit vnd muotwillen begangen / die ouch in Heiligen lüten funden werdend: als die täglich bättend / Vergib vns vnsere schulden. Dann nieman verhoffen sol / das er one Sünd hie im fleisch läben möge / als ouch Joannes spricht / 1. Joan. 1. Doch ist ouch in einem menschen mee / im andern minder anfächtung / einer ist zorniger / oder eigenrichtiger / dann der ander. Nieman aber ist der blödigkeit vnd der Sünden ledig.

[181] Hienäben sind ouch Tod oder grosse Sünd / houptlaster vnnd vorbetrachtete muotwillige boßheiten / als da ist Gott schenden / abgöttery / schwartze kunst / mord / notzogen / gaaben nemmen vnd gäben / gricht vnd rächt verkeeren / witwen vnd weisen vndertrucken vnnd der glychen. Wiewol nun die glöubigen in dise ouch fallend / möchtend sy doch one sy läben / vß der gnad Gottes / ja sy hüetend sich flyssigklich vor jnen / vnd strytend alle zyt wider kleine vnd grosse sünd.

[182] Vnder den grossen houptsünden nennt man etlich Schryende Sünd / als die stäts zuo Got vff raach schryend: als da was der Sodomiter sünd Gene. 18. Cains sünd / Gene 4. item der armen taglöneren / denen jr lon nit bezalt /

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vnd anderer armen vndergetruckten geschrey. Exodi 22. Deut.24 vnnd Jacobi 5. [183] Es gedenckt ouch Paulus Frömbder Sünd / als die ein anderer thuot / du sy selbs nit thuost / doch din radt vnd thaat oder fürschub vnnd schwygen hilfft das es ein anderer thuon mag.

[184] Wyter ist ein Vnabläßliche Sünd in der Geschrifft. Dann vnser Herr spricht / alle sünden werdind verzigen / die sünd aber in heiligen Geist werde nimmermee verzigen. Der heilig Geist erlüchtet den menschen / vnd gebrucht darzuo sin ynsprächung vnd warnung durch das wort. Wenn du nun das nit hören wilt damit dich Gott heilen wil / vnd dich der ynsprächung widersetzst / glouben vnd alles warnen vßschlechst / darinn ouch endtlich verharrest / sündest in heiligen Geist / wie der Pharao vnd Saul thet / ouch wie die Phariseer thatend / Mat. 12.

[185] Zuo  sömlichem widersetzen vnd widersprächen dem heiligen Geist / ziehend vnd bewegend die gewonheit des bösen wäsens oder irrthumbs / da wir nun nit zuolassen oder in zwyfel setzen wöllend / daß das darinn wir sind / vnrächt sye: item verachtung göttlicher sachen: da wir mit den Epicureern aller geistlichen dingen lachend / vnnd sy vns ein luter gspött sind / als die wir ouch vnsern fatz damit tryben gedörend: item verzwyflen / da wir sagend es sye vergäbens wenn wir schon lang zuolosind: item begird zytlicher eeren

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vnd lyblicher güetern. Dann vnser Herr spricht: [186] Wie könnend jr glouben / die jr eer von einanderen nemmend / vnd der eer Gottes nüt nachfragend? item nyd vnd hassz wider das wort Gottes / vnd wider die / die es verkündend: item [187] hochmuot / da wir witzig sind in vnsern ougen. Dann der Herr spricht: Wenn jr blind wärind / wurde üwere blindtheit hingenommen. Darumb welcher nit kommen wil in abgrund der sünden / der hüete sich vor den an vnd zuogängen / spräche ymmerdar mit dem Propheten /[188]  Herr erlücht mine ougen / vnd zeig mir dine wäg / etc.

3A5 Von der Straaff der sünden.    Cap. V.

Vff die Sünd / welcherley geschlächt sy ioch sye / gehört die Straaff. Dann Paulus spricht: [189] Der tod ist der Sünd besoldung. [190] Die Straaff aber ist nüt anders / dann das übel / das Gott gwüßlich / nach tröuwung sines warhafften worts / vß siner heiligen gerächtigkeit / allen denen vflegt / die wider sin wort oder gsatzt sündend oder gesündet habend. Das übel aber oder das böß der straaff ist mancherley. Dann es ist ein zytlich übel vnd ein ewigs. Das zytlich schadet vnd pyniget den menschen hie in zyt / an der seel vnd an dem lyb / ouch an sinem guot. Derley sind bekümmerung / schmertzen vnd schräcken des gemüets / pynliche vnd angsthaffte

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gwüßne / verzwyflen / wüeten / vneer / schand / schmaach / allerley kranckheiten vnd prästen des lybs / mangel / armuot / thüre / hunger / blösse / ellend / gfängknuß / halßstraaff / verrädterey / vfruor / krieg / allerley lyden vnd der tod. Dise übel werdend vilfältig erzelt Leuit.26. vnd Deut. 28. Sy werdend von Propheten genennt [191] das schwärt vnnd die geisel oder ruoten Gottes. Dann wie ein oberkeit wider übelthäter das schwärdt zuckt / der hußuatter wider die vngehorsamen die ruoten gebrucht / also gebrucht Gott dise übel zuo straff der sünden.  Das ewig übel aber hebt an nach disem läben / vnd wäret mit vnußsprächlicher angst / pyn vnd not in ewigkeit. Dann des vnglöubigen seel fart vom lyblichen tod in ewigs fhür: wie geschriben stadt Luce 16. Der lyb kumpt am jüngsten tag wider zuo der seel / vnd fart mit jren richtig in ewige verdamnuß / wie geschriben stadt Matth. 25. vnnd Apoc. 19. vnd 20.

[192] Zuo der vßrichtung oder vßfüerung obgemelter siner straaffen / insonders der zytlichen / gebrucht Gott den dienst etwan der guoten / etwan der bösen Englen / etwan der menschen / als fürsten / herren / etc. etwan der elementen / oder deren dingen die vß jnen geboren werdend / als des winds / der straal / des blitzgs / hagels / rägens / ryffens / etc. etwan der thieren. Dann vnser Gott heißt darumb der

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Gott Sabaoth / das ist / der Herr der heerzügen / das wie ein künig sine heerzüg zuo sinem willen hat / also sind alle creaturen Gottes heerzüg / bereit vnd gerüst vff sin gebott. Darumb bedarff er nit lang zuo warten oder vorhin ze rüsten wenn er straaffen wil / er heißt oder gebüt / so beschicht im ougenblick durch ein yede creatur / die Gott darzuo erwöllt / was der Herr wil. Den gwaltigen Gott vnd Herren söllend billich förchten alle creaturen.

[193] Alle straaff aber hat Gott allein in siner hand / vnd füert die allein. Dann nieman kan straaffen dann er allein. Er ist gerächt / thuot nieman vnrächt / er sicht kein person an /er nimpt kein schencke an /er straafft nit einen für den andern / er erkennt allein die hertzen vnd heimligkeiten der menschen / vnd weißt allein / welcher gestalt / wyß vnd maß / wie / wo / vnd wenn / vnd wie dick der mensch gesündet hat. Da kan er nach gelägenheit der thaat straaffen / nach der gerächtigkeit vnd billigkeit. Dann wiewol alle vnnd yede sünden straaffwirdig sind / werdend doch grosse laster mit grossen straaffen vergulten / vnd ringe überträttungen ouch nach gebür gestraafft. Das aber hoch vnd nider stafflen in der straaff Gottes syend / züget die Gschrifft heiter hin vnd wider in Propheten / ouch im Euangelio. Matt. 5.10.11.23.  Luc.12.  Joan. 15. vnd 19. Mit dem

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stimpt ouch Paulus Rom.2. etc.

[194] Der ewigen straaff enthebt Gott die glöubigen / als obgemeldet ist: der zytlichen aber nit aller. Dann dem zytlichen tod vnd allerley crützes vnd lydens sind sy vnderworffen. S. Augustin spricht / Die trüebsalen sind vor der verzyhung der sünden / den vnglöubigen straaffen der sünden: aber den glöubigen nach der verzyhung / üebungen des gloubens / das der glöubig zuonämme in der gerächtigkeit. Darumb wenn die glöubigen angst vnd not lydend / sol man es nit vßlegen / wie die fründ Jobs sprachend /[195]  sölich lyden hätte er verdient mit sinen sünden. Dann Gott suocht ouch die seinen / vnd bewärt sy wie das gold im fhür. Daruon S.Peter schrybt 1. Pet. 4. vnd Paulus Hebr.12.cap.  Jacobus1.cap. Wyter erfindt sich in der geschrifft vnnd in täglicher erfarung / das Gott merteils sine fründ behüet vor denen plaagen / mit denen er sine fynd pfligt zeschlahen. Vnnd wenn glych wol Gott die sünder von wägen jrer boßheit anhebt plaagen mit obgemelten straaffen / laßt er doch den zorn nach / so man buoß würckt: als des vil exemplen in der Gschrifft funden werdend / vnnd heitere verheissung ist / Deut.30.  Jerem.24.  Ezech.18. etc. [196] Es habend aber ouch etwan die Gottes fynd keine oder wenig vnfälen vnnd straaffen. Dann Gott spart es jnen in yhäne wält. Daruon im 73. Psalmen

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vil gesagt wirt / ouch im Euangelio Luce 16. Etwan straafft Gott hie vnd dört sine fynd / als Pharaonem / Judam / vnd ander.

[197] Ob dann Gott glych wol nit grad in dem puncten / da die sünd beschicht / straafft / sol doch nieman meinen das er über die Sünd nit zürne / oder die Sünd nit wüsse / oder das jm die fräflen buoben gefallind. Dann durch Malachiam am 3.cap. züget er / das er söliche reden / grad als ob jm das vnrächt nit mißfalle / nit lyden könne noch wölle. So spricht Petrus / [198] das Gott mit der straaff nit darumb lang verziehe / das er nit zürne / sunder das er der besserung warte. Paulus spricht / [199] wenn aber die besserung nit volge / ersetze Gott den langen verzug mit schwäre der straaff. [200] Dann das Gott die Sünd vnnd sünder straaffe / ja ouch in das dritt vnd vierdte glid / züget Gott selbs / Exodi 20. vnd 34. So sind vil grewlicher straaffbyspilen in der gschrifft / als des Sündflusses / des vndergangs Sodome / der Egyptiern / Amorreiern vnd Chananitern / vnd derglychen vil anderer.

[201] Vnnd in dem gantzen handel der straaff Gottes / söllend wir Gott die eer gäben / jm in sine gericht nienan reden / noch jn rächtfertigen / warumb er den so schnäll straaffe / vnd yhenem so lang warte:  warumb er die so kurtz hie in zyt lyden / oder ioch gar nüt lyden / vnd yhene in schwärer angst vnd not / jar vnd

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tag serben oder vßzeeren lasse?dann alle sine gricht sind warheit vnd gerächtigkeit. Gott söllend wir alle zyt lieben wie ein vatter / vnd fürchten als ein Herren / der allmächtig / wyß / gerächt ist / vnd nieman überal zuo kurtz noch vnrächt thuot. Gott gäbe das allen menschen trüwlich zuo erkennen.

4A0 Von dem Gsatzt Gottes.

Der IIII. Artickel.

ALle vnd yede Christen söllend wüssen / das Gott sin volck Jsraels in der wüeste am berg Sinai / sines willens / was es thuon oder lassen sölte / volkommen / zum teil mit eignem mund selbs / zum teil durch den dienst Mosis / bericht hat.

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Sölichen bericht nennend wir das Gsatzt / als darinn Gott sinen willen gesetzt oder bestimpt hat / einmal / was zuo allen zyten alle sine diener thuon oder lassen söllend. Dises Gesatzt Gottes (das ouch das Gsatzt Mosis genennt wirt) ist dryfach: vnd fürnemlich darumb von Gott gäben / das es dem menschen die sünd / sampt der verdamnuß anzeige / ja den menschen gar in sin selbs erkanntnuß ynfüere / vnd vß allem sinen selbs vertrösten schütte. Demnach ist es gäben / des [das] es ein regel / oder richtschnuor sye vnsers läbens / vß welcher wir erlernind / wz Gott gefalle oder mißfalle. Wyter ist es gäben vmb der überträtteren willen / die zuo züchtigen vnd zuo straaffen / vnd hiemit frid vnnd ruow vnder den menschen zuo pflantzen vnd zuo erhalten. Das aber dem allem also sye / zeigend wir an durch volgende Capitel mit kundtschafft heiliger gschrifft.

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4A1 Das Gott selbs das Gsatzt geoffnet / in steinin taflen geschriben / ouch Mosen das gsatzt zuo leren vnd zuo schryben bestelt habe.    Cap. I.

DJewyl im dritten Artickel vnder anderm von dem Gsatzt Gottes gemeldt worden / es sye die rächt regel von der Sünd zuo richten / was Sünd oder nit Sünd / guot oder böß sye / ist es yetz an dem / das etwas wytlöuffiger von dem Gsatzt Gottes geredt werde.

[202] Es konnt aber niemant vff erden gewüß eigentlich vnnd grundtlich von dem willen Gottes / welcherley der sye / reden / vnnd die wält berichten / dann Gott allein. Dann welche creatur wölte vns sunst der radtschlegen vnd sinns oder gemüets der ewigen aller höchsten wyßheit / wie er gägen dem menschen gesinnet wäre / oder was er von vns haben oder nit haben wölte / berichten?

[203] Vnd dz Gsatzt ist an jm selbs anders nüt / dann der gsetzt oder bestimpt vnd vßgetruckt willen Gottes. Als da er vns heiter vormeldet / vnd mit verstäntlichen worten begryfft vnd einmal vßspricht oder offnet / was er zuo allen zyten wil das sine diener thuon oder lassen söllind / was rächt oder vnrächt sye / insonderheit aber gebüt / das wir jn lieben söllind ob allen dingen / jm allein dienen / anhangen / vnd volkommne

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gehorsame leisten / mit allen vnseren krefften / am geist / an der seel vnd mit dem lyb. Darzuo thuot er dann verheissungen vnd tröuwungen.

[204] Sölichen sinen willen hat Gott nit erst zuo Moses zyten / sunder ouch von anfang der wält den vättern geoffnet / in jre hertzen geschriben / vnd geordnet das die vätter vnd ye ein gottsförchtiger dem andern / vff die nachuolgenden das gsatzt Gottes angäbe vnd befälche. Dannenhär frylich die vralten patriarchen so lang geläbt habend / daß sy in der wält leerer des volcks / gsatzgäber vnd zuchtmeister wärind. Dann kundbar ists das die vralten die gsatzten wider abgöttery / götzery / gottslesterung / von dem Gottsdienst / vereerung vatter vnd muoter / von der Ee / wider den Eebruch / wider den todschlag / wider diebery / betrug / liegen / ouch falsche kundtschafft vnd begird / sampt allerley tröuwungen vnd verheissungen gehebt habend. Darumb kan dich vilfaltig berichten dz erst Buoch Mosis. [205] Als aber das volck / das Gott in Abrahamen / jm zuo einem besundertrut volck angenommen hatt / in Egypten kummen / vnd da häfftig verböseret was / vnd die vätterlichen angäbungen in jnen schier verblichen warend / rust sich Gott sinen willen vnd gsatzt von nüwem an dem volck zuo erklären: damit ouch sin volck Jsraels ein Spiegel fürgstellt wurde aller wält /

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in dem man sähe / welchs das rächt Göttlich gsatzt vnd die war religion / ouch es als vil als Gsatzuerwarer vnd buochhalter wäre. Darumb füert Gott dises sin volck vß Egypten / mit grossen wundern vnd zeichen / das er jm ein nammen vnnd es verrüempt in aller wält machte / setzt es in das land Chanaan / als inmits vnd vnder die ougen der bewonten landen vnd nationen.

[206] Ee dann aber Gott sin volck ins gedacht land bracht / hat er es zuo vor  mit gsatzt vnnd Gottsdienst volkummen vnnd vßbündig wol rächt vnd schön gerüst / dz es gar nieneran mangel hatt: vnnd doch an der substantz oder am wäsen kein andere religion noch houptgebott gäben / dann welche die vralten gehebt: onet das er yetzt / nach gelägenheit des verböserten volcks / vil Ceremonien vfsetzt vnd etliche ordnungen / die härnach durch Christum widerumb vfgehebt vnd abgethon sind worden. Dann das gsatzt / als ein schwärer last / die alten vnder der knächtschafft behalten / vnd durch vil figuren vnd vorbildungen den handel des heils dunckel fürgestelt / welchen das liecht der wält Christus vnser Herr erlüchtet hat.

[207] Als aber Gott die houptsumm sines gsatztes sinem volck wöllen offnen / hat er es an den berg Sinai lassen versammlen / da in allen historien von anfang der wält / biß an jr end / nit von grösserer gmeind / die ye zesamen kummen

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sye / geläsen wirdt. Dann der mannschafft in sechsmal hundert tusend mann warend: vnd als das volck zuo hören gerüst / kumpt Gott mit grosser herrligkeit vnd maiestat / mit donnern / blitzgen / drummeten / etc. an den berg / da dannen vormäldet er / mit eignem mund / die hauptsumm sines gesatztes / die wir nennend die Zähen gebott. Die selben schrybt ouch der Herr selbs hernach mit eignem finger / zuo immerwärender gedächtnuß / in zwo steinin taflen / vnd gibt sy Mosi / welcher sy dem volck fürbracht ouch mit grosser eer. Dann [208] sin angsicht glantzt wie die Sunn / zuor anzeigung dz das gsatzt Gottes in Christo erlüchte vnd verkläre / etc.

[209] Diewyl aber das volck Jsraels nit erlyden mocht die stimm vnnd schräcken des Herren maiestat / vnd begärt das Gott wölte durch Mosen / als ein vnderhandler vnd dollmätschen / mit jnen reden / willfaret Gott / eroffnet Mosi allerley gsatzten / rächt / brüch vnd sitten / zur erlütterung sines erstgemeldten houptgsatztes / gebüt die dem volck zuo offnen / in der gmeind vfzerichten oder in wäsen zuo bringen / zuo leeren vnd ouch zuo schryben. Dem allem volget Moses. Vnd also habend wir das gsatzt vß Gott. Die zwo steinin taflen / darinn die zehen gebott warend / wurdend in die pundtsladen gelegt: die gschrifften aber oder büecher Mosis / werdend zuo der pundtsladen

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gethon. Das alles ist genommen vß dem 19. vnd 20. ouch 24. cap. Exodi / vß Deute. 4. 5. 31. etc. ist ouch angerüert im ersten artickel.

4A2 Wie das Gsatzt Gottes dryfach / darinn ouch die X. gebott syend / abgeteilt in zwo Taflen.    Cap. II.

 DJses gantz Gsatzt Gottes / wie es Moses in gschrifft gefasset / vnd dem volck Gottes / vß geheiß vnnd im nammen Gottes / fürgebracht hat / ist wol einig / wirt aber vmb besseren verstands willen / abgeteilt in dry teil. Zum ersten [210] sind die zähen gebott / der grund vnd die houptsumma aller gebotten Gottes / vff welche alle andere gebott / rächte / brüch vnd sitten gericht sind. Dann zum andern vnd näbend disen zähen gebotten / sind ouch [211] Ceremonische gesatzt / sitten vnd brüch / gegäben vnd geschriben von vssern ordnungen in ässen / trincken / in reinigkeit vnnd vnreinigkeit / besunders aber vom Gottsdienst / als von dem Tabernackel oder von der kilchen vnd kilchen zierden / oder von denen dingen die in die kilchen vnd zum gottsdienst gehörend / als pundtsladen / tisch / schouwbrot / röuchaltar / brandaltar / schalen / lüchter / abbrächen / vorhang: von priestern / deren kleidern / gsatzten / rächten vnd opffern / vnd anders derglychen. Zum dritten sind [212] die gesatzte von gricht vnd rächt / als von der oberkeit

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von schuld vnd pflicht der vnderthonen / von der regierung / von straaff der bösen / schutz vnd schirm der guoten / von erb vnd eigen / von köuffen vnd lyhen / von lähen / von der hußhaltung / vnnd was derglychen ist. Vnd dise beid teil von Ceremonien vnd Gerichten / sind vnder den zähen gebotten / vnd dienend zuo jrer erlüterung vnd befestigung. Dann die zähen gebott ( als ouch vorgemeldet) sind das houptstuck vnnd summa des gsatztes.

[213] Darumb ouch billich ist / das söliche zähen gebott alle menschen wüssind / könnind / verstandind vnd behaltind: welche ich ouch hernach / mit Gottes hilff / von wort zuo wort / wie sy Gott an der grossen gmeind vom berg Sinai geredt oder vß vnd vorgesprochen hat / erzellen / vnd darnach vffs kürtzist vnd einfaltigist erklären wil. Dann nieman sol meinen das die zähen gebott allein den Juden nit ouch den Christen gäben syend. Dann vnser Herr Christus eignet die gebott Gottes ouch vns im heiligen Euangelio / etc.

Also redt vnser Herr vnd Gott

Exodi 20. cap.

1  Jch bin der Herr din Gott / der dich vß Egypten / vß dem diensthuß gefüert hab: Du solt dir keine

 

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andere oder frömbde götter vor mir haben.

2 Du solt dir kein bildtnuß noch glychnuß machen / weder deß das daoben in himmlen ist / noch deß das vnden vff erden / noch deß das in wasseren vnder der erden ist: Du solt sy nit anbätten / noch vereeren oder jnen dienen. Dann ich der Herr din Gott bin starck / ein yferer / ich straaff ( oder veruolg ) die boßheit der vättern an kinden / in das dritt vnd vierdt gschlächt / so sy mich hassend: barmhertzigkeit aber vnnd fründtschafft bewyß ich in tusende / so sy mich liebend vnd mine gebott haltend.

3 Du solt den nammen des Herren dines Gottes nit ytel / lychtferig oder one nutz nemmen. Dann der Herr wirt den nit vngestraafft lassen / der sinen nammen ytel nempt.

4 Gedenck des Sabbathtags das du jn heiligist. Sechs tag solt du

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wercken vnd alle dine gschäfft schaffen: am sibenden tag aber ist der Sabbath des Herren dines Gottes: an dem solt du kein werck thuon / weder du / noch din sun / noch din tochter / noch din knächt / noch din magdt / noch din vych / noch din frömbdling der innert dinen porten wonet. Dann Gott hat sechs tag gemacht den himmel vnnd die erden / das meer vnd alles was in jnen ist / vnd ruowet am sibenden tag: Darumb sägnet der Herr den Sabbathtag vnd heiliget jn.

5 Du solt din vatter vnnd muoter eeren / vff das du lang läbist im land / das dir der Herr din Gott gäben wirt.

6 Du solt nit töden.

7 Du solt nit Eebrechen.

8 Du solt nit stälen.

9 Du solt kein falsche zügnuß gäben wider dinen nächsten.

10 Du solt dich nit lassen gelusten

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dines nächsten huß: Du solt dich nit lassen gelusten dines nächsten wybs / noch sines knechts / noch siner magdt / noch sines ochsens / noch sines esels / noch alles des dz din nächster hat.

Söliche Gottes gebott / wiewol sy kurtz sind / noch dennocht hat sy vnser Herr Christus Jesus (die veruolkomnung des Gsatztes ) noch in ein kürtzere summ ynzogen / vnnd spricht zuo dem schrifftgeleerten / der jn gefraget / [214] Welches ist das fürnämst gebott vor allen?

[215] Das fürnämst gebott vor allen ist das / Hör Jsrael / Gott vnser Herr ist ein einiger Herr: vnd du solt lieben Gott dinen Herren von gantzem dinem hertzen / von gantzer diner seel / von gantzem dinem gmüet / vnd von allen dinen krefften. Das ist das fürnämest gebott: vnd das ander ist dem glych: Du solt lieben dinen nächsten als dich selbs. Es ist kein ander grösser gebott dann dises.

 

Die oberzelten Zähen gebott aber / werdend

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in dem wort Gottes selb genennt die Zähen wort oder gebott Gottes / vnnd [216] abgeteilt in zwo taflen / in die erst vnd in die ander. Die erst tafel halt inn vier gebott / belangend Gott vnd sinen dienst. Die ander tafel halt inn sechs gebott / belangend den menschen / vnnd wie man sich gegen dem nächsten halten sol. Vnd wie ich hie die gebott Gottes abgeteilt / also mag die abteilung vß heiliger Geschrifft erhalten vnd ouch mit kundtschafft der vralten Christlichen leereren anzeigt werden: hie von kürtze wägen vnderlassen.

4A3 Erklärung des ersten gebotts: das man sich Gottes allein sölle vernüegen lassen.    Cap. III.

[217] JM ersten gebott der ersten tafel forderet Gott den gantzen menschen mit lyb vnd seel vnd mit allem sinem vermögen / das er jn allein für sinen Gott halte / jm gloube oder wol vertruwe / jn anbätte / jn anrüeffe / jn liebe ob allen dingen / jn furchte / vff jn allein in allen sinen sachen sähe / vnd jm allein guotwillig anhange biß in tod.

[218] Das aber wir menschen das vertröst thuon mögind / erzellt er vns von anfang kurtz vnd verstentlich wär er sye / vnd spricht: Jch bin der Herr din Gott. Er ist der Herr aller dingen / der schöpffer aller creaturen / jm sind

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vnderworffen alle creaturen / vnd alles was da ist in himmel vnd erden / muoß vnd sol jm / als dem einigen rächten Herren / Gott / schöpffer vnd vatter dienen. Er ist Gott / das einig ewig oberist guot / ein brunnen vnd vrsprung aller güeteren / allmächtig / güetig / gnädig / vnd barmhertzig / grächt vnd warhafft / ein trüwer vatter aller siner creaturen / der alles sicht / weißt vnd versicht oder versorget vnd erhaltet / wie ouch im anderen artickel dises buochs gemäldet ist. Jn summa / [219] wie er zuo Abrahamen im pundtsartickel gesprochen hat / Jch wil din Gott / die volkommen gnüege / vnd aller der dinen Gott / syn: also widerholet er hie den ersten vnd obristen pundtsartickel / bestätet den selben hiemit vnnd spricht: Jch bin der Herr din Gott.

[220] Vnnd mercke ein yeder wol / das er nitt spricht: Jch bin gewäsen / sunder ich bin din Gott / frylich ouch yetzund / vnd noch / vnd fürhin allwäg in ewigkeit. So sagt er nit / Jch bin der vätteren / oder üwer / sunder / Jch bin din Gott / das vnser yetlichs wüsse vnd grundtlich verstande / daß er nit nun der alten oder ander lüten / sunder vnser yetlichs insunders Herr Gott vnd vatter sin wölle.

Zuo disem setzt er hinzuo / [221] Der dich vß Egypten / vß dem diensthuß gefüert hab. Wil hiemit durch offne thaat / nit nun mit worten / erwysen vnd bewären / das er der rächt Herr

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vnd Gott sye / als der mächtig / sinem volck trüw / sy errretten / beschirmen vnnd behüeten möge. Dann in dem vßfüeren vß Egypten hat Gott sine krefft ouch sin trüw vnnd liebe gägen sinem volck insunderheit erzeigt. So was die thaat noch frisch vnd nüw / do er mit jnen ab dem berg Sinai redt.

[222] Ob dann glych wol vns Christen kein söliche thaat / wie den Jsraeleren / bewisen ist / hat vns doch Gott grössers gethon / in dem er vns das geleistet hat / daß durch die vßfüerung vß Egypten was angebildet / namlich daß vns Gott nit vß Egypten von gwalt Pharaons / sunder von der hell vß der gwalt des tüfels / der sünden vnd des todts / durch Christum erlößt hat. Das sel

 hat er vns gethon / vnd deßhalb krefftig gnuog erwisen / das er sye vnser Herr vnd Gott / der vns gäben könne was vns manglet zytlicher vnnd ewiger güeteren an lyb vnd an seel / etc.

[223] Hiemit erlernet man ouch / wo in den Gebotten Gottes der handel Jesu Christi vnnd vnser erlösung begriffen sye. Dann das die Erlösung oder vßfüerung Jsraels vß Egypten vnserer erlösung durch Christum vorbild oder figur gewesen sye / züget Jsaias am 52. cap. vnnd Paulus / da er spricht / vnser osterlamm sye Christus / etc. 1. Cor. 5.

[224] Sittenmal aber Gott also an jm selbs vnd ouch gegen den menschen / wie gehört / ist /

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gebüt er billich allen menschen / vnd setzt sin erst gebott / vnd spricht: Du solt dir kein andere oder frömbde götter vor mir haben. Dann diewyl Gott allein Herr vnd Gott ist / vnnd kein Gott onet oder vssert jm ist / diewyl er vns allen vnd vnserem yetlichen all sin anligen zuo seel vnd lyb / erstatten kan mag vnd wil / was darff dann der mensch zuo denen zegond / die nit götter sind? oder was darff er anderßwo suochen das er allein by Gott findt / vnd sunst anderßwo nienen? So lasse sich der mensch Gottes allein vernüegen / den bätte er an allein / dem vertruwe er allein in allen sinen sachen / den rüeffe er an allein / dem diene vnnd hange er an allein. Dann [225] ein frömbder Gott ist ein yetlich ding / das nit der einig war läbendig Gott ist / vnnd by dem du suochst / daß du allein by dem einigen Gott söltist suochen. [226] So trybst ye Abgöttery / wenn din hertz von disem einigen Gott abzüchst vnd vertruwst den creaturen / suochst trost vnd hilff by jnen. Jn summa / Du solt dich allein dines einigen Gottes halten: den solt du allein lieben vnd fürchten / jm solt du allein dienen / mit glouben / liebe vnd hoffnung. Also legt der Herr selbs dises gebott vß / Deut.6.  Matth.4.

4A4 Erklärung des anderen gebotts / das man Gott nit sölle verbilden / götzen haben oder bilder vereeren.    Cap. IIII.

52v.

[227] LAsse sich hie niemant jrren das ich das gebott Gottes wider  die götzen oder bilder zellen / das aber vil vnder den zähen  gebotten nit zellend / sunder vßlassend. Jch zwaren kan noch sol das nit vßlassen / das Gott so eigentlich vnnd vilfaltig  selbs geredt vnd geschriben hat. So yemants vß eines künigs  brieff / den er läsen sölte / vßliesse / so vil linien / als  diser in Gottes pundtbrieff wider die götzen sind / wurde jm  verrächnet für ein schmähung die er künigklicher maiestat bewisen hette: worfür sol es dann vns gehalten werden / wenn wir ein  gantz gebott vnder den zächnen vßlassend? Vnser Herr spricht im Euangelio: [228] Es wirt nit ein buochstab oder düpffli vom gsatzt vergon. Vnd welcher eins der kleinsten gebotten vflößt / vnd  leert die lüt also / der wirt der kleinest heissen im himmelrych. Nun aber ist das gebott wider die götzen vnder den ersten vnd  grösten gebotten. Es klagt ouch Gott durch sine Propheten nit bald wider ein ander laster so häfftig als wider die götzery / oder vereerung der bilderen. Darumb ye sölich gebott Gottes nit mag überschritten oder vßgelassen werden one besonderbaren zorn Gottes / damit er billich über alle die erzürnt wirt / die jm sine pundtstaflen nit blyben lassend.

Jm ersten gebott habend wir erlernet / dz wir vnseren Herren vnd Gott allein für vnseren

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Herren vnd Gott haben / nieman zuo jm / näbend jm / oder über vnd für jn haben / jn allein eeren / anbätten / anrüeffen / vnnd jm allein dienen söllend: vnd so wir das thuond / das wir jm recht dienind. [229] Jm anderen gebott wirt er vns yetzund berichten wie wir jm nit dienen söllind / oder welches er für ein falschen Gotts dienst rächne / ja welchen dienst er über ein nit von vns haben wölle.

Zuo der zyt als der Herr diß sin gsatzt offnet / wz in aller wält / insunderheit aber in Egypten der bruch / das man Gott oder die Götter / verbildet in gstalt der menschen oder thieren / sternen oder derglychen / vnd die bilder denn an statt oder in nammen Gottes oder der göttern / die sy anbilden soltend / mit opffern vereeret. Söliche wyß verbüt hie Gott sinem volck / als der weder verbildet noch in den bildern wil vereeret syn.

[230] Dann für das erst verbüt er bildtnuß oder glychnuß zemachen / die werdind dann flach gemalet / geschnitzt / gegraben oder gegossen / vß was materi oder züg das immer sye. Er benamset ouch allerley glychnuß / mit denen er nit wil verbildet seyn / oder lyden das wir der selben formen götzen habind im Gottes dienst. Jn himmlen daoben sind Sonn / Mon / Sternen / Vogel etc. Vff erden sind menschen vnd allerley thier / etc. Vnder der erden in wasseren sind fisch / würm / etc. Söliche glychnussen

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alle vnd yede verbüt er / die werdind glych wol jm oder anderen götteren zuo eeren vfgericht. S. Paulus legt vns das ort des gsatztes vß mit einem byspil der Heiden die richtig darwider gethon habend / vnd spricht: Do die Heiden wontend sy wärind wyß / sind sy zuo narren worden / vnd habend verwandlet die herrligkeit des vnzergäncklichen Gottes in ein glychnuß eins bilds / nit allein des zergäncklichen menschens / sunder ouch der voglen vnd vierfüssigen thieren / etc. Rom. 1.

[231] Zum anderen gebütt Gott / so wir glych wol keine bilder gemachet hettend / ander aber hettends gemacht / oder es wärend ye bilder oder götzen etwan vorhanden / so söllind wirs weder anbätten noch vereeren / ja jnen gar nit dienen. Anbätten ist die bilder an ort vnd end da man bättet vnd Gott dienet / herrlich vfstellen / darfür niderknüwen / dargägen bätten vnd sy ansprächen als bildtnussen Gottes vnd heilige / sy küssen / daruor sich bucken / neigen / das pareet abziehen / etc. Vereeren vnnd jnen dienen / ist sy lieb haben / fürchten als heilig die vns mögind nützen vnd schaden / sy zieren / jnen zünden / opfferen vnd gaaben bringen / sy besuochen mit feerten / vnnd was der glychen ist. Vnd deren keines söllend wir wäder Gottes noch der heiligen / oder götteren bildtnussen bewysen: ja zuo sölichem bruch vnd zuo vereerung söllend wir gar überal keine

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bilder haben. Gmälde vssert den kilchen / vff den gassen / in hüseren / in fensteren / vnd one dienst vnd vereerung mögend zur zierd gebrucht / vnnd so sy in keinen mißbruch zogen / geduldet werden.

[232] Zum dritten vnd letsten zeigt Gott vrsachen an (daß er doch zethuon nit schuldig wäre) warumb er nit wölle das man jn verbilde oder götzen vereere / vnd vermanet yederman sich vor der götzery oder vor der eerung der bilderen zuo verhüeten. Sölichs thuot Gott in keinem anderen gebott so ernstlich vnd vilfaltig / das man hieran wol mercken mag / wie vil Gott an disem gebot gelägen / vnd frylich nit wil / daß man jm das überschryte / vßlasse / oder nienerfür habe. Zum ersten spricht er: [233] Dann ich der Herr din Gott bin starck. Gott ist vil herrlicher / mächtiger / dann dz er möge oder sölle verbildet werden. Dann himmel vnd erden vnnd alles das darinn ist / mag jn nit verbilden: wie vil minder ein ellende bildtnuß die von menschen händen gemachet ist / wäder läben noch bewegnuß / ja gar nüt an jren hat / das ein so starcken gwaltigen Gott anbilden möge. Liß Jsaiam am 44. cap. vnd Baruch am 6. cap. Zum anderen sagt er / [234] Jch bin ein yferiger Gott / eins teils / das er nit lyden mag (glych wie ein yferiger eemann) das der mensch yemants liebe / anbätte noch vereere / dann jn allein. Dann er kan noch wil

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nit haben hierinn mit yemants gmein: andersteils / dz er zürnt vnd es nit vngerochen laßt / wenn wir ein ding nit aller dingen thuond / wie er vns gebüt vnnd vorschrybt. Dann in nachuolgenden worten tröuwt er allen denen die straaff / die jm hierinn nit gehorsam sind.

[235] Das er aber hinzuosetzt / er straaffe die boßheit der vättern in kinden / biß in das dritt vnnd vierdt glid / hat nit den verstand / das Gott straaffe in kinden die sünd / die nit die kind / sunder die vätter gethon habind. Dann hiewider redt Gott selbs / Ezech.18.  Sunder ob die kinder abgöttery tribind / bilder vereeretind / vnd sprechind / Vnsere vätter / großuätter vnd äninen ouch vräninen habend bilder vereeret / vnnd hat jnen kein schaden gebracht / so wil ichs ouch eeren. Darwider redt Gott / er wölle söliche überträttung straaffen in kinden: vnd werde sy nit retten mögen / das jre vätter ouch götzendiener gsin syend. Zum dritten nennt der Herr die so götzen vereerend sine fyend: wie das wytlöuffiger vom Propheten erlüteret wirt. Darumb wirt es nüt helffen wenn wir schon vermeinend / wir wöllind durch söliche bilder eerung Gottes fründ werden. Zum vierdten / verheißt er vil guots zuo seel vnd lyb / wenn wir jn allein liebind / vns sin allein haltind / vnd thüeyend wie er vns gebüt.

[236] Wider sölich heiter vnd klar gebott Gottes

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söllend wir / die allein dem wort Gottes gloubend / kein gestryffet / widerwertige disputation zuolassen / als ob etwas guots möchte vß der verbildung Gottes vnd vß vereerung der bilderen kommen / wir söllend keine glosen vnd verräncken der worten Gottes annemmen: sunder einfalt dem klaren Gottes wort glouben vnd gehorsamen / vnd glat aller vereerung der bilder müessig gon: in ansähen das der Eua / vnser aller muoter / dem Saul / ouch andern künigen / darzuo dem heiligen Propheten (von dem geschriben findst / 3.Regum 13.) nit wol vßschluog / das sy nit richtig vnd einfalt by dem gebott Gottes blibend: insonders so das gebott Gottes also / wie gehört / vom Propheten selbs erlüteret worden ist: darzuo erst ouch in der ersten heiligen Christenlichen kilchen / nach den zyten der heiligen Apostlen / etlich hundert jar / gar keine bilder in den templen oder kilchen der Christen geduldet sind. Vnd als der heilig bischoff Epiphanius in Syria by Hierusalem / vff ein zyt ein bildtnuß Christi oder eines Heiligen / in der kilchen fand / zerreiß er die / vnd ließ die priester der orten vermanen / das sy sich hüeten wöltind vor denen dingen die wider vnsere religion strytend. Das alles findt man im 3. teil der büechern S. Hieronymi. Dann [237] ouch die heiligen Apostlen die Bilderuereerung einhällig vnd häfftig verbotten habend:

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zuo dem ouch die heiligen Propheten von der heiligen Christlichen kilchen gewyssaget habend / sy werde keine götzen oder bilder mer haben. Jsaie 2. etc.

[238] Das wörtli aber Götz ist ein alt Tütsch / abzogen wörtli vom wort Gott / vnd ist eigentlich das ein Götz / das nit Gott selbs / aber ein abgemächt ist / das Gott anbilden sol / also dz Götz also vil ist als ein glychnuß Gotts. Doch wirt sölich wörtli Götz ouch einer yetlichen glychnuß oder bildtnuß zuogeben / die glych wol nit Gott / aber ein abwäsende herrliche person bedüten vnd in gedächtnuß bringen oder behalten sol. Vnd ist aber gar vnnd gantz vngefüeg das der mensch vermeinen sol / Gott der ein geist vnnd das vnendtlich ewig guot ist / möge mit einer so gar ellenden oder zerbrüchlichen bildtnuß angebildet werden. Dann darwider redt gar starck Gott der Herr selbs Jsaie am 40. ca. So spricht ouch Paulus / [239] Wir söllend nit meinen die Gottheit sye glych dem gold / oder dem silber / oder einem stein der durch menschliche kunst vnd dichtung gehouwen ist.

[240] Ob glych wol Gott angenommen hat menschliche natur / hat er doch vilfaltig bezüget / [241] dz sin lybliche gägenwürtigkeit nach sinem tod der kilchen kein nutz bringe / vnnd hat sy deßhalb von vnsern ougen hingenommen vnnd hinuff in den himmel gesetzt / vnnd gebotten

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dahin die gmüete zeerheben. Vil minder ist einiche fruchtbarkeit zehoffen von den bildtnussen Christi / die doch in keinen wäg dem lyb Christi zeuerglychen / ja ouch der schatt des lybs nit syn mögend. Darüber sy erst dem geist / [242] der sich in die himmel erheben sol / gantz vnd gar zuo wider sind. Vnd wie Dauid zuo sinen zyten gesagt / die götzen habind wol ougen sähind aber nüt / oren vnd hörind nüt / etc. Psalmo 113. Also sind sy noch hütt by tag nit anders oder besser worden: warumb wöltend wir dann sagen das die götzen oder bilder vns Christum vnsern Herren oder sine wirdigen heiligen söltind oder möchtind anbilden? Gott vnd sine vßerwelten heiligen sind vil vnd merer eeren wärt / dann das wir sy wöllind oder söllind mit stein vnnd holtz verbilden. Es wil doch vnser keins dulden das man zuo jm sage / du bist ein rächter götz: oder / das bild ist äben wie du. So söllend wir ye vil minder vff einen götzen oder bild zeigen vnd sagen / das ist vnser Herr Gott / das ist S. Peter / etc. insunders so Gott selbs spricht / er wölle sinen nammen keinem bild geben / etc. Jsaie 42. cap.

Oder warumb macht nit vnser yetlicher by jm selbs ein sömliche rächnung / Es ist ye waar vnd vnwidersprächlich / das anfangs der mensch nach der bildtnuß Gottes erschaffen ist / vnd noch die bildtnuß Gottes heißt.

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Wenn nun ein läbendiger mensch für den anderen niderknüwete / vnd wölte wol nit den menschen / sunder Gott / doch vor dem menschen / als dem rächten bild Gottes / anbätten / wurde nit der selbs vor dem yhener knüwete / vnd wir alle schryen / das wäre nit rächt vnd sölte nit syn / sye ouch nieme gebrucht: warumb sagend wir dann nit vil mee / vil minder gebüre sich / das ein läbendiger mensch / das rächt bild Gottes / niderknüwe für ein gmächt der menschen henden / welches nimmerme kan noch mag ein bildtnuß Gottes syn / noch werden / Gott anzuobätten? Jtem diewyl die lieben Gottes säligen Patriarchen / Propheten / Martyrer vnd diener / hie vff erden noch geläbt vnd gewandlet / habend sy nie dulden wöllen / das yeman für sy niderknüwete vnd vor jnen Gott anbätte / oder sy also vereerete. Wie vil tusentfaltig aber sind die bilder minder / dann joch nun der heiligen schatten / ich wil nit sagen jre lyb oder sy selbs / gsyn? Warumb wöltend wir dann meinen das wir die in jren bilderen (das wir glych zuolassind es sygind jre bilder / das sy aber nit sind / noch syn könnend) vereeren köndind / die söliche eer an jnen selbs nie wöllen dulden: vnd frylich yetzdan / so sy glych sälig worden / minder duldend / als die yetzund jren willen volkommner in Gottes willen gesetzt habend?

[243] Das man aber sagt / wir söltend haben die

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bilder zur vermanung / erinnerung vnnd zuo der leer oder zum bericht der einfaltigen / wirt in dem wort Gottes selbs also abgehebt / dz do Gott sin volck am berg Sinai berichten wöllen / habe er sy allein sin stimm hören vnnd kein gestalt sähen lassen / damit sy nit bilder machtind / sunder vß dem wort Gottes lerntind. Hieuon liß Deute. 4. cap. Jm 6. cap. heißt Moses die kinder früe vnnd spaat vnd an allen orten mit dem wort Gottes berichten / vnd das selb über die thüren vnd allenthalben hin schryben. Der Prophet Abakuk spricht: [244] Sölte dich das bild neißwas leeren? Vnd vnser Herr Christus / deßglych sine heiligen Apostlen / habend nienan geleert oder bericht gäben den einfalten mit vnnd durch bilder / sunder allwägen mit dem heiligen Euangelio. Darzuo wenn man einem glych lang bilder zeigt / vnd nit erklärt mit der leer / was sy syend / leerend sy nüt. Wenn man dann mit dem wort wol vnd rächt leert / darff es in den kilchen der bilderen zur leer nüt. [245] Ja die bilder werdend von Propheten lüg ond ergernussen oder hindernussen genennt: was kan man vns aber leeren mit lügen vnd hindernussen?

Jn summa / Gott wil der bilderen in sinen kilchen vnnd in sinem dienst nit / darumb lassend vns Gott gehorsam syn einfaltigklich vnd rächt.

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4A5 Erklärung des dritten gebotts / vnd von der heiligung des nammen Gottes.    Cap. V.

JN dem dritten gebott erlüteret Gott noch wyter vnd verstentlicher wie er wölle von vns vereeret werden / nit mit vsserem pracht / mit götzenwerck / vnd was des selben plunders ist / sunder mit waarer innerer vereerung / namlich [246] mit heiligung sines heiligen nammens / also das wir vff Gott vnd allen sinen sachen wirdig / hoch vnd grosses haltind / Gott groß machind in vnseren hertzen / ja nüt höhers / wirdigers / liebers vnnd wärders habind / dann sinen heiligen nammen: vnnd darumb ouch von jm / von allen sinen gerichten / worten vnd wercken nüt dann heiligs sinnind / gedenckind vnd redind / in ansähen das er Gott allein / ja vnser Gott vnd Herr ist. Dannenhar er ouch vßtruckenlich geredt / Du solt den nammen des Herren dines Gottes (Sich er spricht dines Gottes) nit lychtfertig in dinen mund nemmen.

[247] Deßhalb wir den nammen Gottes nimmer anziehen / benamsen noch gebruchen söllend / dann allein in rächten sachen vnnd mit rächter eerembietung. Jtem wenn es vns übel gadt / söllend wir wider Gott nit brummlen / sunder sinen nammen mit Job benedyen: gadt es vns wol / söllend wir jm dancken / vnd sinen nit vergässen / noch vns zuo vil vff das

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glück verlassen. Jn allen vnsern sachen söllend wir den nammen Gottes anrüeffen vnd prysen: vor yederman söllend wir sin nammen / eer / wort vnd warheit fry bekennen / vnnd by sinem nammen allein schweeren.

[248] Dann das Eydschweeren in eehafften sachen vor der Oberkeit / ist ein anrüeffen Gottes / darzuo ein bekanntnuß vnd zügnuß/ welchen wir haltind für vnser einig oberist guot / wär vns hälffen oder straaffen möge. Dann [249] wir hebend ye vnsere hend gen himmel vnd schweerend / Das wil ich waar vnd stät halten / also bitten ich das mir Gott also hälffe. Vß der vrsach gebüt Gott das man allein by sinem nammen schweeren / vnd by andern nammen nit sölle schweeren. Daruon liß Deut.6.10.  Jeremie 4.5.  Exodi 23.  Josue 23.  Jsaie 45. 65. etc.

[250] Daruß guot zeuerston ist / das man den nammen Gottes verunheiliget / wenn man im hertzen wenig von Gott halt / wider sine gericht / wort vnd werck brummlet / vnd fräuenlich redt vnd handlet: wenn man sinen heiligen nammen nit anrüefft / pryset vnd lobt / ouch jm vmb alles guots danckt / wenn man sines nammens verlougnet / by sinem nammen allein nit schweert: ja fluochet / Dz dich botz diß vnd das schend: vnd da Gott sin krafft vnnd macht / lyden / wunden vnd marter vfhebt: item denn enteeret man den heiligen nammen

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Gottes / wenn man den heiligen nammen lychtfertig brucht / vnd den ymmerdar im mund / one not vnd nutz hat / Es ist by Gott guot / Es ist Gott vnd gnuog / Es ist by Gott also / oder  Gott sye mir nit gnädig. [251] Was darff es aber dises Gottes in lychtferigen reden / in märckten / in anderen gmeinen reden vnd in diner bösen gewonheit? Weist nit das din wort sol syn ja oder nein ? Wyter wirt der nammen Gottes enteeret mit aberglouben / sägnen / häxen / holdschafften / fablen vnd liedern / so man darzuo den nammen Gottes gebrucht / etc.

[252] Es setzt aber Gott hieruf ein träffenliche tröuwung / er wölle die vngstraafft nit lassen / die sinen heiligen nammen ytel vnd üppigklich nemmend. Dann er ouch der oberkeit Leui.24 gebüt / das sy die Gottslesterer richtind. Thuond aber die menschen nüt zuo der schmähung des nammens Gottes / so laßt ers doch vngerochen nit. Welches in der gschrifft vilfaltig / darzuo in täglicher erfarung / erschynt.

4A6 Erklärung des vierdten gebotts vom Sabbath / fyren vnd kilchgang.    Cap. VI.

DAs vierdt gebott der ersten tafel berichtet vns noch wyter deß waren rechten Gottsdienst / doch zücht sich mithinzuo die erlüterung ouch vff den vsseren Gottsdienst.

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[253] Sabbath heißt ruow: nun ist aber ein geistliche vnd lybliche ruow. Die geistlich ruow ist zwyfalt. Dann zum ersten [254] ruowend wir an allen vnsern krefften vnd wercken / also das in vns nit allein vnser willen in den wercken des alten Adams nit funden wirdt noch beschicht / sunder alles guots das in vns ist / allein Gott zuogäben wirt / als dem der allein heilig ist / vnd alle die heiliget die heilig sind. Daruon besich Exo. 31. Sölicher ruow volgt nach die immerwärend ruow / die ewig säligkeit. Daruon Hebr. 4. cap. vnd das ist der geistlich immerwärend Sabbath.

Zuom anderen [255] ruowend wir von der arbeit die vns Gott gebotten hat / vnd sunst an jren selbs nit böß ist / wir ouch nit sündend wenn wir arbeitend / hie aber vff den Sabbath arbeitend wir nit / nit das müssiggang Gott gefalle vnd rächt sye sunder wir arbeitend nüt / vnd ruowend also von eines andern wägen / namlich daß wir der geistlichen arbeit von Gott bestimpt dester baß obligen mögind. [256] Also gond wir vff den Sabbath nit zuo acher / wir trybend vnser handtwerck nit / lassend ouch vnser lüt vnd vych nit arbeiten / sunder heissend sy ruowen / aber vmb deß willen das vff dise zyt du vnd die dinen mögind zuor kilchen kummen / vnd die werck die Gott vff den Sabbath gelegt hat vollbringen könnist. Vnder dem volck Jsraels warend die heiligen

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werck des Sabbaths / ruowen von lyblicher arbeit / vnd darfür zuor kilchen oder in die Synagog gon / hören das Gsatzt vnd die predig deß wort Gottes / bätten / by den opfferen syn vnd opfferen / den armen stüren / andere derglychen heilige werck thuon / vnd den diensten ruow lassen.

[257] Dann der lyblichen ruow halben / sol vnnd muoß die in menschlichen arbeiten zuogelassen vnd gäben werden. Dann was sin ruow nit hat / mag in die harr nit beston / sunder zerschlyßt sich vnd zerfallt. So erforderet die liebe vnd menschliche bescheidenheit vnd früntligkeit / das wir weder lüt noch vych übertrybind / sunder jnen jre ruow / die jnen Gott gegonnen hat / göttlich volgen lassind / vnd nit mit vnser werckgytige das gantz huß über statt vnd billigkeit plagind.

[258] Es halt aber Gott in disem gebott ein seer schöne ordnung. Zum ersten gebüt er vns das wir flyssig vnd ernstlich dem nachgedenckind wie wir den Sabbath mögind heiligen / vnd das ist der houptpuncten. Der tag aber ist an jm selbs heilig / mag vnd kan von vns nit heiliger gemachet werden / so ist an jm selbs ein tag wie der ander des Herren tag. Darumb hat das gebott den verstand / wir söllind vff den Sabbath die heiligen werck thuon / die Gott zethuon vns allen bestimpt hat: namlich das wir vor allen dingen erkennind das Gott allein

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der ist der vns heiliget / das sine werck nach sinem willen / nit vnsere werck nach vnserem willen / wir in vns söllind würcken lassen: das wir vns ouch zur kilchen / zuor predig / zum gebätt vnd gebruch der heiligen Sacramenten schickind. Dann hie ist der Jüdisch Sabbath / so vil die Ceremonien belangt / abgangen. Vnd thuond wir die werck die Christlicher religion gemäß sind.

[259] Zum anderen zilet Gott die zyt vnd tag eigentlich auß. Dann sechs tag eignet er der arbeit / vnd heißt vns alle lybliche gschäfft die selben sechs tag schaffen oder vßrichten: den sibenden tag aber eignet er jm / vnd wil das wir jm den selben tag allein dienind: nit das wir nit ouch die anderen sechs tag jm dienen oder zuor kilchen / so wir anders mögend / kummen söllind / sunder das wir auff disen tag füruß ruowen an der lyblichen arbeit / nüt anders dann in geistlichen wercken vns üeben söllend. Hie aber wöllen hafften grad vff den sibenden tag / wäre Jüdisch. Dann der Sabbath hierinn Ceremonisch ist: darumb die Christen zuo der Apostlen zyt den volgenden tag (den wir yetzt Sonnentag nennend) zuom fyrtag / als vff den vnser Herr von todten vferstanden ist / gebrucht habend / wie man schliessen mag vß dem 20. capitel der Geschichten der heiligen Apostlen / vß der 1. zuon Corinthern am 16. vnd Apocal. 1. Deßglych wäre

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es Jüdisch wenn man den Sonntag so streng gehalten wölte haben / daß ouch die vnuermydenlich notturfft müeßte hindergstellt werden. Dann vnser Herr Christus spricht imm heiligen Euangelio / [260] Der Sabbath ist vmb des menschen willen gemachet / vnd nit der mensch vmb des Sabbaths willen: also ist des menschen Sun ein Herr ouch des Sabbaths / Daruon besich wyter Matth.12. vnd Luc.13.cap. Vnd ob ein kilch nach jrer notturfft vnd gelägenheit im jar noch etliche wenig fyrtag / allein Gott vnd Christo pflägte zuo halten / söllend kein besunderbare personen die vflösen oder widerfächten / sunder hierinn / wie in andern vsserlichen dingen Christenliche liebe vnd ruow halten vnd erzeigen. Dann ob glych wol der Christ an kein zyt gebunden ist / kan er doch one besunderbare bestimmung der zyten / den vssern Gottsdienst nit komlich halten.

[261] Zum dritten fasset Gott alle ständ vnd menschen vnder dises gsatzt / vnd wil das die oberkeiten vnd hußuätter den fyrtag handhabind / yederman frömbd vnd heimsch zuo dem dienst Gottes haltind / nieman der jren arbeiten vnd damit den Gottes dienst versumen lassind. Darumb ist es Gottes meinung von anfang nie gsin / wie etlich aber fälschlich vnd schädlich fürgäbend / man sölle ein yeden im glouben vnd Gottsdienst machen lassen / was er wöll vnd jn guot beduncke. Dann dahar kummend

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diser zyt sol vil zwyträchtiger Secten. Gott wil vil mee dz man sin wort vnd Gottsdienst pflantze vnd handthabe / vnnd die vnwarheit vnd aberglouben abstelle. Wie der Sabbath gehandthabet sye / findest du Numeri 15. vnd Nehemie am 13. cap.

Zum vierdten darmit yederman zum rechten fyrtag dester lustiger wäre / bringt der Herr selbs härfür [262] sin byspil. Dann er habe ouch sechs tag himmel vnd erden vnnd was darinn ist erschaffen / den sibenden tag habe er geruowet / darumb habe er den Sabbath geheiliget vnd besunders bestimpt / vnd sye ye billich dz ouch der mensch / der die sechs tag der arbeit gibt / ioch einen tag in der wochen Gott gäbe. Hieby ist ouch guot zuo verston dz Gott das werck siner Schöpffung in den gmüeten der menschen frisch erhalten wil / wider alle die so sagen gedörend / die wält sye allwäg gesin: das er ouch danckbarkeit von vnser yetlichem erforderet / nit allein darumb / das er himmel vnd erden vnd was darinn vmb vnsertwillen erschaffen hat / sunder ouch alle zyt vnd yede wochen vns vnsägliche guotthäten bewyßt. Thuond wir das so wirt vns Gott sägnen oder benedyen mit allerley sägens. Daruon liß Jeremie 17. cap.

[263] Vnd hie hat der kilchgang / der sunst ouch von anfang gsin / ein guoten grund in Gottes gebott: allein flysse sich ein yeder Christ / das

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er am fyrtag nit allein suber in kleidern / sunder ouch in sinnen / gedancken / worten vnnd wercken / zur kilchen komme / das wort Gottes geflissen höre / nyd vnd hassz hinlege / vnd mit glouben vnd liebe bätte / allmuosen gäbe / die heiligen Sacramenta / zuo siner zyt / empfahe / vnd die gantz wuchen dem wort Gottes / das er gehört hat am fyrtag / nachtrachte vnd nachläbe / gottsförchtig / fromb vnd redlich sye. Vnd hiemit wirt Gott rächt gedienet.

[264] Welcher aber vff den fyrtag / vß gyt / wercket / oder sine lybliche gschäfft mit hin vnnd har wandlen vnd rösszlen schaffet / zur kilchen nit kumpt / die sinen darzuo nit halt / sunder mee daruon zücht: oder er kumpt wol vß gewonheit zur kilchen / wendt aber kein ernst an / sunder nach der kilchen frißt / sufft / spilt / tantzt / wuolt / wuochert / hochfartet er / den wirt Gott als einen der sinen Sabbath verunheiliget straaffen. So vil sye gesagt von der ersten Tafel / volgt die ander.

4A7 Erklärung des fünfften gebotts von vereerung vatter vnd muoter / etc.    Cap. VII.

DJe ander Tafel der gebotten Gottes / leert alle menschen wie sy sich gägen allen vnnd yeden menschen halten söllind / das sy denen dienen vnd guots thuon / ouch gar nit sy schedigen söllind / weder an läben / lyb / eer noch guot /

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weder mit begirden / vnwürsy / gedancken / worten noch wercken / in kein wyß noch wäg.

Vnd zum ersten / diewyl vff erdterich nüt grössers ist nach Gott / dann vatter vnd muoter / vnd alle die an deren statt sind / gebüt Gott die zuo eeren. Dises gebott nennt Paulus [265] das erst gebott / etc. frylich der andern Tafel.

[266] Vatter vnd muoter sind die vns erboren vnd erzogen habend. By denen verstand alle gottsförchtige / alle vnd yede die anstatt vatter vnd muoter sind / Großuätter / Großmüetern / Verfründete / Oberkeiten / Prediger oder Pfarrer / Schuol vnd Leermeister / Vögt oder Verwalter / Alte vnd erbare lüt. Hiehar hört ouch eines yeden Vatterland. Dise alle gebüt Gott zuo eeren. [267] Eeren aber heißt vor ougen / hoch / lieb vnnd wärd halten / jnen günstig / trüw / gwärtig vnd gehorsam syn / (wo sy nit wider Gott gebietend) vnd wenn sy es bedörffend / jnen mit lyb vnd guot beholffen vnnd beradten syn.

[268] Die Elteren aber sind jren kinden von göttlichem rächt schuldig sy zuo lieben / inn gottsforcht vfzuoziehen / künst oder handtwerck zuo leeren / das sy sich neeren mögind / darzuo nach vermögen die hand bieten / vnd so es not ist straaffen. Derglychen söllend ouch thuon großuätter / fründ vnd maag. Die kinder söllend dargägen die elteren eeren / als obgemeldt / sich wysen vnd leeren ouch vernüegen lassen /

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vnd danckbar vnd erkannt syn. Ephes. 6.

[269] Die Oberkeit sol vor allen dingen by jrem volck das wort Gottes vnnd waren gottsdienst fürderen vnd schirmen / guot gricht vnd rächt halten / die guoten / witwen vnd weisen schützen / vnd die bösen straaffen / frid vnnd ruow / zucht vnd eer schaffen vnnd bewaren. Dargägen söllend die vnderthonen jre oberen hoch / thür vnnd wärd schetzen / sy lieben / jnen jr eer bewysen / jnen gehorsamb syn / für sy bitten gägen Gott / vnd bezalen stüren / zoll / vnd was der schulden sind. Rom. 13.  1.Tim. 2.  Titum 1. etc.

[270] Die prediger / Schuol vnd Leermeister / söllend jre junger nit anders / dann jre eigne kind schetzen / sy lieben / in allen trüwen vff das aller geflißnist vnderrichten / mit vermanung vnd straaff in zucht vnd eeren halten. Dargegen söllend die junger jnen obgemelte eer ouch embieten.

[271] Die Vögt söllend nit suochen jren nutz / sunder jren vogtkinden als vätter hußhaben / die leeren / wysen / straaffen vnnd schirmen. Die vogtkind söllend jnen ouch jr obgemelte eer bewysen. [272] Also söllend Alte erbare lüt sich eerlich mit guotem exempel mengklichem fürstellen / das man eer vnnd guots von jnen lerne. Vnd mengklich sol dem alter eer embieten.

[273] Zuo end des gebotts setzt Gott ein ryche belonung / die er allen denen gäben wil / die

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vatter vnnd muoter / oberkeit / etc. in eeren habend. Dann er wölle sy lang lassen vff erden (wo es ächt jrer seelen heil ist) läben / in eeren vnd guotem wolstand. Dann [274] anderßwo heißt er in sinem gsatzt die töden / die vatter vnd muoter mißhandlend.

 

4A8 Erklärung des sechßten gebotts / Du solt nit töden.    Cap. VIII.

DAs ander gebott der andern Tafel fristet den menschen jr läben wider allerley vfsatz vnd gwalt. Vnd wie das läben edler ist / dann keine andere ding die vns Gott gäben hat / also gadt dises gebott dem volgenden vor. [275] Damit verbüt Gott nit allein den todschlag / sunder alles das / dardurch man zum todschlag kumpt / als da ist vngedult / vnwill / vnwürsy / zorn / nyd / hassz / böse wort / schmähen vnd schälten / tratzen vnd anreitzen. Dann also erklärt vnser Herr Christus dises gesatzt Matth. 5. vnd leert vns das wir vns mit vnsern widersächern vertragen vnd vereinigen söllind / vnd nit einandern mit rächt härumb ziehen / noch vil minder schlahen oder begwaltigen. Daruon wyter Paulus sagt / 1.Cor. 6. vnd Ephes. 4. wir söllind dem zorn keinen platz gäben / noch die Sonn über vnsern zorn nidergon lassen.

Jn disem gebott wirt ouch vom Herren

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verbotten allerley schedigens / welcherley form oder gestalt das beschähe / durch dich selbs oder durch ein anderen / durch dinen radtschlag oder geheiß / durch din vfwysen / willigen oder schwygen / mit hinderen oder fürderen / mit schlahen / stossen / wärffen / howen / stächen / oder verletzen / wenig oder vil amm lyb oder läben. Vnd ye kostlicher das ist / das du verletzst / ye grösser din überträtten ist: ye mer das thuost / ye mer din schand vnd sünd wachßt.

[276] Darumb hört hiehar allerley schedigens dines nächsten an sinem lyb vnd läben / allerley todschleg / die da mit gefärden oder one gfärd beschähend: doch habend dise von Gott erloubte vnd gesetzte fryheit / welcher ouch den Todtschlag mit gefärden beschähen am läben widerumb straaffen heißt. Dann der oberkeit ist das gebott / Du solt nit töden / nit gäben / also das sy mit rächt die / nach Gottes vrteil / den tod verdient / nit töden sölle. Dann [277] tödend vnd straaffend sy die bösen nit / wirdt sy Gott straffen. Hiemit wirt verbotten allerley mord / an vatter / muoter / an der oberkeit durch [278]vfruoren / an leereren vnd meistern / vnd an andern vnschuldigen lüten. Hiemit wirdt insonders verbotten allerley (da wir vßschliessend der oberkeit notweer für das vatterland) vnrechtfertigs vnnötigs kriegen / dardurch land vnd lüt verhergt / witwen vnnd weisen gemacht / alles guots zerstört / alle schand vnd ellend

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yngefüert / vnd vnsaglich bluot vergossen wirdt. Es tröuwt aber Gott allen Todschlegern / vnd insonders den kriegslüten (die one not / muotwillig vnd vsset vnd wider jre oberkeiten vnd one rächt der notweer kriegend) schwäre straaff vnd sin vngnad / zorn vnd fluoch / welches vilfaltig in Propheten geläsen wirt. Jm Euangelio spricht der Herr / [279] Mit was maaß jr anderlüten mässend / mit der selben werdend üch andere wider mässen. [280] Jn sinem gesatzt verfluocht Gott die / die gaaben vnd gält nemmend / vnd das vnschuldig bluot vergiessend. Mit dem Todschlag [281] wirdt die läbend Gottes bildtnuß vßgelöscht vnnd vertilcket: [282] darumb schryet das bluot raach zuo Gott: vnd wirdt dem land nit gefridet das todschleger tragt / es trincke dann ouch jr bluot. Darumb wär friden vnd wolstand liebet / der hüete sich vor zorn / nyd / hassz / töden / kriegen etc.

4A9 Erklärung des sibenden gebotts / Du solt nit Eebrächen.    Cap. IX.

NAch dem vnser läben vns von Gott durch sin guot Gsatzt gefristet ist / zeigt er vns wyter wie wir vnser eer vnd guot ouch erhalten mögind / vnd wie wir vns hierinn gägen vnserm nächsten haltind. Vnnd dien yl die Ee hiezuo fürnemlich dienet / verbüt der Herr im 3. gebott der andern Tafel / nit allein den Eebruch / sunder vil mee das ein yeder die Ee rächt vnnd

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wol nach der ordnung Gottes halte.

[283] Die Ee ist heilig / als die von Gott selbs im paradyß vfgesetzt ist: vnd dienet dem menschen darzuo / das er kinder überkomme vnnd erziehe / huory vermyde / wol vnd eerlich hußhalte / sich siner arbeit neere / andern zuo gäben habe / vnd nieman beschwärlich sye. Daruon mag läsen wär da wil / Gen.2. vnd 3.  Psal.128.  Matt.19.  1.Cor.7.  Ephes.4.  1.Thess.4.  Heb.13.cap. Da der heilig Apostel heiter redt / die Eelichen werck syend nit sünd: huorer vnd eebrächer aber werde Gott straaffen. Der selb Apostel beschrybt ouch der Eelüten pflicht vnd schuld / das sy ein andren lieb haben söllind / einandern beholffen vnd beradten syn / sich mit einandern lyden / kinder ziehen / hußhalten / arbeiten / sorg tragen. Daruon besich Ephes.5. Coloss. 3.   1.Pet.3.  1.Timoth.2.5.  Titum 2. Der Herr benedyet sölich Een vnd ist jnen gnädig. Denen aber die sich vngebürlich in der Ee haltend / ist Gott vngnädig ja fyend. Dann er verbüt nit allein den eebruch / sunder ouch alle vnfrüntliche / vnlydenliche / vngebürliche handlung vnnd bywonung. Dann er wil das die Eelüt in liebe rächt vnd wol by einandern wonind. Wie schwär aber der eebruch von Gott gerächnet werde / sicht man an dem / das er jn hat geheissen am läben straaffen. Besich wyter Job 31.  in sprüchen Solomons 5. vnd 6. cap.

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[284] So ist in disem gebott alles das verbotten dardurch man kumpt zum eebruch / üppig sinn vnd gedancken oder begirden (dann also erklärt dises gebott vnser Herr Christus Matth. 5.) üppige wort / gebärd / lieder / buolen vnd was zur vnkünschheit reitzt. Dann ouch hiemit allerley vnkünschheit verbotten ist / vnd namlich ledige huory / da ledigs mit ledigem vnkünschet: welchs vil lüt nit für sünd / oder  für ein ringe sünd habend: läsind aber dieselben Act.15.  1.Cor.5. vnd 6.Ephes.5. Also wirt hie verbotten jungkfrouwen schwechen / bluotschand / da gefründete vnd anerborne mit einandren zuo schaffen habend: item Sodomy oder kätzery / die man mit dem fhür pfligt zuo straaffen: da mann mit mann oder yemants mit dem vych zuo schaffen hat. Darwider von Gott gar häfftig gehandlet wirt Gen.19.  Leui.18. 20. 21.  Rom. 1.

[285] Hiemit wirt ouch alle vnmaaß verbotten in ässen / trincken / kleidern / ruow / hußplunder / herberig vnd in allem wandel des menschen: darumb wirt hie gebotten das ein yetlicher mässig sye / ässe vnd trincke zur notturfft / vnd Gott darumb dancke / sich hüete vor zuotrincken / trunckenheit / schläcken vnd fräsery: das er sich kleide nach eeren zur notturfft / one pracht vnd hochfart / das er schlaaffe nit fule / nit müessig gange / das er hußplunder vnnd herberig habe / one wuol / kostligkeit vnd muotwill: ja das jm der mensch abbräche / zuo aller

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zyt faste / sin lyb züchtige / vnd den alten Adam töde. Jn summa / vns wirt gebotten alle eer / zucht vnd scham / maaß vnd bescheidenheit / in allen dingen. Dann wär sich darinn nit enthalt / bricht vß / vnd falt in vilerley sünd / schand vnd verderbung der seel / eer / lybs vnd guots.

4A10 Erklärung des achten gebotts / Du solt nit stälen.    Cap. X.

DAs 4. gebott Gottes in der andern Tafel verwaret dem menschen sin guot / vnd heißt jn das selb rächt gewünnen vnd gebruchen. Dann [286] der glöubig mag eigens haben / vnd sol das rächt gebruchen. So er nüt möchte eigens haben / könde nieman nüt stälen / vnd wäre das gebott Gottes vergäben. S. Paulus spricht: [287] Wir ermanend üch / das jr darnach ringind / das jr still sygind / vnd das üwer schaffind / vnd arbeitind mit üweren eignen henden / das jr keinen mangel habind. [288] Vnnd wär gestolen hat / der stäle nit mee / sunder arbeite vnd schaffe etwas redlichs / vff das er dem dürfftigen die hand bieten möge.

[289] Darumb sol ein yeder luogen das er das / das er hat oder überkumpt / eerlich habe vnd nit wider Gott überkomme / sunder one gyt / betrug / diebstal vnd falsch / als in erbs wyß / oder durch eerliche gwärb / oder  getrüwe redliche arbeit. Dann mit disem gebott von Gott

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allen vnnd yeden verbotten wirt / das sy nüt das jres nächsten ist / nemmen / an sich ziehen oder bringen noch behalten söllind / in kein wyß noch wäg. Darumb sind hie verbotten falsche gewicht / maaß vnd mäß. Was du funden hast solt du dir nit behalten / sunder dem gäben des es ist. Du solt nit behalten oder schwechen / was dir gelihen oder zuo behalten gäben ist. Alle dine pflicht vnd schuld solt du mengklichem thuon / vnd nieman das sin vorhalten. Was du schuldig bist / solt du / one schaden dines nächsten / zuo rächter zyt / bezalen / vnd insunders nieman sinen lidlon vfziehen oder nit zelieb lassen werden.

[290] Jn summa der Herr legt dises sin Gsatzt selbs vß Leuit. 19. vnd spricht / Jr söllend nit stälen noch liegen / noch mit üwerm nächsten einigen betrug oder falsch üeben. Darumb wir wol verstond das Gottes will ist / das alles das dines nächsten ist / du nit verrucken noch anrüeren solt. Dann vnder dem Diebstal wirt begriffen vnd verbotten / allerley falsch vnnd betrug / wie der nammen haben mag / es sye mit gefaarlichem überzellen / überrächnen / überzünen / übermarchen / überehren / übermäyen vnd schnyden / mit lyhen oder  entlehnen / etc. Daruon im Gsatzt vilfaltige gesatzte zur erlüterung dises Gsatztes / Du solt nit stälen / von Gott gäben sind. Exod.22.  Leuit.19. vnd 25. Noch vil schwärer versündet man sich

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wider dises gsatzt / mit roub / brand / vndertrybung / verhergung / schleitzung / zertrampen mithin vnd abtryben des vychs / noch vil mer der lüten / mit wuocher / mit kilchenroub / vnd das man gantzen gemeinden abtragt vnnd verstillt.

[291] Hiehar dienet ouch das / das alles daß du mit eeren überkommen hast vnd yetzdan besitzest / nit vergüden vnd schantlich üppig verthuon / sunder mit Gott vnd eeren / vnd zur notturfft / bruchen solt. Dann vergüden ist nit minder sünd / dann mit gyt huffen die güeter. Nieman aber sol zeuil sorgfeltig syn des zytlichen guots halben / nieman sol sin hoffnung vff sin haab vnd guot setzen / sunder vff den läbendigen Gott: nieman sol schätz samlen vff erden / sunder mit eer / trüw vnd barmhertzigkeit jm ein guoten nammen verlassen / vnnd dört ein schatz samlen. Daruon besich Matth.6.  Luce 12.  vnd 1.Timoth. 6.  ouch 2.Cor.8. vnd 9. cap.

4A11 Erklärung des nündten gebotts / Du solt kein falsche zügnuß gäben wider dinen nächsten.    Cap. XI.

DAs fünfft gebott der andern Tafel verbüt nit am gericht kundtschafft zuo sagen. Dann man der Oberkeit schuldig ist gehorsame zuo leisten / kundtschafft zuo sagen / vnd mit dem Eyd bestäten:

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sunder falsche kundtschafft wirt verbotten zuo sagen. [292] Der sagt falsche zügnuß / der vß nyd / hassz / gunst / oder anderer anfächtung die warheit in sinem sagen der kundtschafft eintweders verhalt oder verkeert. Wär das thuot lesteret Gott mit falschem Eyd / den menschen aber bringt er in das lyden / das jm der richter nach verhörter kundtschafft vflegt / vnd wirt also schuldig an dem vnschuldigen bluot / ja zuom dieben / mörder vnd verräter / nach dem das vrteil schwärer gfallt. Darumb Solomon spricht / [293] Gott werde den falschen zügen nit vngestrafft lassen.

[294] Es wirt aber in disem gebott nit allein verbotten falsche zügnuß / sunder vnsere zung ([295] vß welcher / als S. Jacob sagt / groß übel in der wält volget) gemeisteret / zämpt oder gemassiget. Also wirt hie die warheit gebotten in allen sachen / die vnwarheit / liegen / glychßnery / schmeichlery vnd allerley falschs verbotten. Vnd sol yederman in allen worten / thaten / brieffen / siglen / verkummnussen / köuffen / verträgen / bürgschafften / zuosagen / vnd händlen überal / trüw  eer vnd warheit halten / one gfärd vnd böse fünd vnd vßzüg.

[296] Jn summa / nieman sol sinen nächsten zuo keinen zyten / weder heimlich noch offentlich / weder mit der zungen / das ist worten / orenblasen / vertragen oder verrätschen / weder mit gschrifften / gemälden oder zeichen / an sinen

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eeren / ouch an sinem lyb vnnd guot nit hinderen / schedigen vnd verkleineren oder  beschwären. Vil aber wirt hin vnd wider in den Psalmen vnd in den Sprüchen Solomons geredt wider alle falsche vnd schädliche zungen / etc.

4A12 Erklärung des zehenden gebotts / Du solt nit begären.    Cap. XII.

[297] DAs sechßt vnd letst gebott der anderen Tafel ist ein einig vnzerteilt gebott / vnnd verbütet gelüst oder begird der menschen. Darnach erlüteret es was man sich nit sölle gelusten lassen / des nächsten huses / wybs / diensten / vychs / ja es begryfft alles das vnsers nächsten ist zum end / vnd spricht / Noch alles deß sol dich nit gelusten das din nächster hat. Wenn nun diß gebott in zwey möchte geteilt werden / glycher gestalt möchte es noch in so vil gebott geteilt werden / so vil glider erzellt werdend deren dingen deren wir nit begären söllend. Aber Gott zellt vnd benamset selbs nun Zehen gebott Exo.34.  Deut 6. vnd 10. cap. Darumb ist es nun ein gebott: das ouch Moses Deut.5. in einer anderen ordnung / dann Exodi 20. setzt / das er nit gethon hette / wenn es zwey vnderscheidne gebott söltend gewesen syn. Dann in den anderen allen behalt er an beiden orten glyche ordnung. Darzuo habend merteils der

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alten leereren dises gebott für ein einigs vnzerteilts (als ouch obgesagt) gezelt.

[298] Die begird aber mit deren wir vnns liebend / vns zuoziehend / vnd des nächsten nit achtend / ja gar in vnser art verböseret sind / ist der präst mit dem wir an dise wält erboren werdend. Da so forderet hie der heilig Gott von vns reinigkeit vnd heiligkeit / ja er forderet nit allein vssere werck vnd gerechtigkeit / sunder [299] das hertz / den geist / die innern krefft / ja das wir heilig vnd volkommen syend wie er heilig vnd vollkommen ist. Diewyl aber kein mensch also / sunder vil me verderbt / vnd an hertz muot art vnd sinn prästhafft ist / überzüget vns dises gsatzt das wir sünder vnd Gottes schuldner sind. Daruon liß wyter Rom.7. vnd 8. ca.

Hieby ist zuo wüssen ob glych wol der glust der in vns ligt vnd hafftet / vfgadt vnd vns ankumpt obgemeldte stuck vnd jres glychen zuo begären / das wir doch mit der gnad Gottes weeren vnd die begird in das werck nit söllind kummen lassen. Dann kumpt die begird dahin / das du dinem nächsten sin huß / gemahel / dienst oder vych abzuosetzen oder abzuotringen vnderstaast vnnd in dinen gwalt bringst / wachßt so vil mee din sünd vnd der sünden straaff. Darumb ouch die vnordenlich begird one volgends werck / an jr selbs / sünd ist: wie daoben im artickel von der Sünd vnd jren straaff gehört.

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Also hab ich vff dz allerkürtzist beide Taflen der gebotten Gottes von der eer vnd liebe Gottes vnd des nächsten / wie man sich gegen jnen halten sol / was rächt oder sünd ist / erklären wöllen. Weiß wol das von yedem gebott vil mee hette mögen gesagt werden / ich aber hab mich der kürtze vnnd deß aller meist geflissen / das ich ioch die fürnemisten stuck anzuge / vnd one alles arguieren vff das einfaligist erklärte.

4A13 Von den Ceremonien vnd gerichten im Gsatzt Gottes.    Cap. XIII.

ZVo diser houptsumm des einigen ewigen gsatzt Gottes werdend von Gott durch Mosen hinzuo gesetzt (als ich ouch daoben im 2. cap. dises artickels gemeldt hab) noch zweyerley gsatzt / die Ceremonien vnd die Gerichte: allein zuor erklärung vnd erhaltung oder beuestigung der Zehen gebotten Gottes. Dann [300] als dz volck Gotts in Egypten / durch bywonung der Egyptiern / welche vngerechte böse lüt vnd grosse götzendiener warend / vast übel verhönt oder verderbt / gantz geneigt zuo abgöttery vnd götzery was: vnd deßhalb zuo besorgen was / sy wurdind vßbrächen / vnd jnen nach jrem eignen gefallen götter vfwerffen / oder  nach art der Heiden mit bildern vnd wz darzuo dienet den Gott Jsraels ein Gottsdienst

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anrichten. Damit nun das erst vnd ander gebott der ersten Tafel / ja die gantz erst tafel vfrecht in wäsen blibe / hatt Gott dises sin volck dermassen mit Ceremonien gefasset oder yngeschlossen mit fürschrybung was sy für vssern Gottsdienst in kilchen / altar / opffer / fyren / priester / etc. haben söltind: vnnd über das jnen heiter häruß gesagt / [301] darzuo söllind sy nüt selbs erdichten / ouch das nit das er jnen geordnet vnd gebotten anders begon / [302] dann er jnen vorgeschriben hab / oder er wölle es jnen nit für ein gottsdienst / sunder für ein mord rechnen / das sy weder fuog noch gstalt / anlaß noch recht gehebt habend / ein anderen Gott oder Gottsdienst vfzuorichten vnd üeben.

[303] Nütdestminder sind sy so gar verbösert vnd hartnäckig gsin / das vnangesähen dises so heiters andingen / grewenlichs tröwen / vnd so träffenlich wol vnd schön angerichten vsseren Gottesdiensts / sy nüt destweniger immerdar hindersich in Egypten gesähen / götzelet / vnd als sy in das land / das jnen Gott zuo gäben verheissen / kummen warend / der nachburen götter vnnd gottsdienst / Baal vnd Astoreth annamend zuo eeren: wie die büecher der Richtern vnd Künigen zügend: vnnd sy die heiligen Propheten seer übel / doch billich / beschelckt habend / vnd das alles jnen ouch der heilig Stephanus gar ernstlich verwyßt / in Gschichten der Apostlen am 7. cap.

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[304] Darumb habend die Ceremonien erstlich darzuo gedienet / das sy das volck einfalt vnd einig behieltind by der ersten Tafel / by dem einigen Gott vnd sinem bestimpten Gottesdienst. Demnach das vil gedacht volck vnder disen figuren den handel Messie des gebenedyeten Somens hätte. Dann kundtlich ists vß der Epistel Pauli zuo den Hebreern / daß das priesterthumb vnd die opffer vorbild gewesen sind deß priesterthuombs vnd opffers oder lydens vnsers Herren Christi. Von dem vil vnd lang zuo sagen wäre. Alle glöubigen behaltind das hie für ein allgemeine regel / das die Ceremonien sind Sacramenta oder geheimnussen Christi gsin / vnd das Gott sinem volck also vilfaltig den handel der erlösung Christi fürgetragen vnd yngebildet / durch die propheten vßgeleit / durch Christum aber hernach erfüllt vnd erst rächt durch die apostlen erlüteret vnd heiter an tag gethon hat.

[305] Die Gerichte aber dienend eins teils zuo schutz vnd schirm der ersten Tafel vnnd des waren gottsdiensts / ouch zuo der vßrütung des falschen / von menschen erdichteten / gottsdienst. Daruon besich Deut.13. cap. vnd anderßwo. Demnach dienend die Grichte insunderheit zuo fürderung vnd erhaltung der andern tafel. Dann Gott wolt nit allein das sin gsatzt vnd will in steinin taflen geschriben / ein geschrifft blibe: sunder das sin gsatzt von

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priestern geleert vnd geprediget täglich / von der oberkeit aber mit straaff vnd allerley tribs gefürdert vnnd vnder dem volck in ein läben vnd wäsen gebracht wurde.

4A14 Vom end vnd bruch des Gsatztes / warumb es gäben vnd worzuo es dem menschen diene.    Cap. XIIII.

HJeruß kan fürhin mengklich wol verston worzuo Gott sin Gsatzt dem menschen gäben habe / frylich vmb dryer fürnemmer vrsachen willen. Zum ersten / [306] das es allen vnd yeden menschen die Sünd / ja menschliche verderbung / den tod / die schand vnd verdamnuß / in deren der mensch stäckt / offne vnd für ougen stelle / damit vnser yetlicher grundtlich wüssen möge / wär er sye / ein armer sündiger verlorner mensch. Sölichs aber wirt also verstanden / das gsatzt Gottes forderet von vns heiligkeit vnd gerechtigkeit / das wir die erstattind vnd erzeigind von grund vnsers hertzens / von gantzer seel vnd von allen vnsern krefften / das wir Gott liebind ob allen dingen / vnd den nächsten als vns selbs / ja das wir ouch nit begärind / sunder gantz rein vnd vollkommenlich das gsatzt Gottes erfüllind. Dann so wir das nit thüegind / vnd in einem / ich gschwyg in vilen / fälind / syend wir verfluecht vnd verdampt. Sölich Gsatzt nimpt yetzt der mensch / halt es gägen sinen gedancken / worten vnnd wercken / suocht wie

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sy zesamen stimmind / so befindt er das er von art vnd natur der sünd ergäben / keins der gebotten Gottes halt / wie es hört / deßhalb er bekennen muoß / das er billich vnder der vermaledyung vnd verdamnuß sye. Vnd das ist das eigentlich ampt vnd die rächt würckung des Gesatztes. Darumb Paulus spricht: Durch das Gsatzt kumpt die erkanntnuß der sünden. Jtem wo das Gsatzt nit ist / da ist ouch kein überträttung. Durch das gesatz hab ich erlernet dz die begird sünd ist. Besich Rom. 3.4.5.7. cap.

[307] Hienäbend hat nun wol ouch das Gsatzt das / das es etlicher maaß zuo Christo trybt vnd füert. Dann wenn der mensch vß dem Gesatzt / als vß einem Spiegel / erlernet hat / wär vnd wie er ist / ein sünder / in welchem nüt guots stäckt / suocht er für das mal hin weder inn jm selbs noch in keinem menschen überal die gerächtigkeit vnd das heil nimmerme: wirt also vß allem sinem selbs vertrösten gschütt / vnd dahin endtlich gebracht / das er die grächtigkeit vnd das heil anderßwo suochen vnd hoffen muoß. Da spricht yetzund Paulus / [308] Die Geschrifft / hat alles zuosamen beschlossen vnder die sünd / vff das die verheissung durch den glouben in Jesum Christum denen gäben wurde / die da gloubend. Ee aber der gloub kam / wurdend wir vnder dem Gsatzt verwaret vnnd beschlossen vff den glouben der da solt

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geoffenbaret werden. Also ist das Gsatzt vnser zuchtmeister oder schuolfüerer gsin vff Christum / das wir durch den glouben grächt gemachet wurdind. Doch eigentlich zuo reden / hört der trost vnd die wysung vff Christum / fürnemlich dem Euangelio zuo. Darumb wenn Paulus das Gsatzt vnnd Euangelium gägen andern stelt / als 2. Cor. 3. ernideret er das Gsatzt vnd nennt es den buochstaben / in stein gegraben / der da töde vnnd die verdamnuß predige: dargegen nennt er das Euangelium den Geist / in die hertzen geschriben / das läbend mache vnd die gerächtigkeit predige / etc.

[309] Zum anderen ob glych wol das Gesatzt Gottes das fürnäm ampt hat die sünd anzuozeigen vnd vns zeuerdammen / sol man doch daby nit allein hafften / vnd darumb das Gesatzt verachten / oder grob vnd vnbescheiden daruon reden. Dann es hat ouch den bruch / das es ist ein regel oder richtschnuor vnsers läbens / wie wir dz (nach dem wir in Christo durch den glouben fromm gemacht vnd Gott versüenet worden sind) fürhin füeren / vnd das guot thuon vnd das böß lassen sollind. Sölichen bruch zeigt der Herr selbs Matth. 5. vnd die heiligen Apostlen in jren gschrifften. Darumb wirt das Gsatzt ouch syn ein form der gerächtigkeit vnd allerley guoter wercken: darnäbend wir ouch sähend was Gott nit wil / was sünd vnd böß ist. Ja die alten künig vnd

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diener Gottes habend jre reformationen oder verbesserungen nach dem Gsatzt Gottes gericht: als im ersten Artickel anzogen ist.

[310] Zum dritten vnnd letsten hat das gsatzt Gottes / über alles das wir bißhar gehört / ouch den bruch das es züchtige vnd straaffe / die vmb kein leer noch früntligkeit nüt gäbend / sunder alles verachtend / die waaren religion verlachend / pfätzend vnd verkeerend / vnd gmeinen wolstand vnd friden betrüebend vnd zerstörend: söliche warnet / widerwyßt / verbesseret / oder so da kein besserung ist truckt das Gsatzt vnder. Also spricht Paulus / das gsatzt sye nit den frommen / sunder vnfrommen gäben / etc. 1.Timoth.1. Vnd söliche ordnung blybt noch in der Christenlichen oberkeit.

4A15 Vom erfüllen vnd abgon des Gsatztes.    Cap. XV.

ZVo end dises artickels ist notwendig das ich ouch etwas / doch kurtz / sage vom erfüllen des gsatzt Gottes / vnd von sinem abthuon oder abgon: wiewol yemants beduncken möchte / söliche handlung dienete mee in den Artickel von der gnad Gottes.

[311] Christus vnser Herr wirdt von Apostlen genennt die erfüllung des Gsatztes / vnd ists ouch einig / ewig vnd eigentlich. Dann wie er alle figuren des Gsatztes erfüllt / vnd alle verheissungen

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den Vättern im Gsatzt beschähen / erstattet hat / also ist er ouch vnsere gerächtigkeit vnd vollkommenheit des Gsatztes worden.

[312] Es ist sunst nit müglich einichem menschen vß sinen krefften dem Gsatzt gnuog zethuon: dann es forderet den gantzen menschen vnd vßgemachte vollkommenheit. So spricht Paulus / [313] Jch weiß das daß Gsatzt geistlich ist / ich aber fleischlich bin / vnd vnder die sünd verkoufft. Jtem / Der sinn des fleischs ist ein fyndtschafft wider Gott / sittmal es dem gsatzt Gottes nit vnderthon ist: dann es vermags ouch nit. Darumb hat Gott sinen sun gesandt vnd dem Gsatzt vnderthon / er hat jm gnuog gethon / vff das sin gehorsamme / erfüllen des Gsatztes vnd grächtigkeit / vff vns gerächnet wurde / die wir in jn gloubend. Daruon besich wyter Rom.5. vnd 8.  Galat.4.

[314] So erfüllend wir nun das Gsatzt / wenn wir das thuond / das vns das Gsatzt angibt / namlich dz wir vnser sünd erkennend / in vns kein grächtigkeit suochend / sunder allein durch den glouben in Christo / vnnd gloubend das sin vollkommenheit vnd gerächtigkeit vnser ist.

Vnd die also gerächt gemachet sind vß gnaden / habend den geist Gottes / welcher sy trybt nach dem gsatzt Gottes zuo läben / welches sy ouch thuond. Diewyl aber in den glöubigen biß in tod die blödigkeit überblybt / ja sich ouch für vnnd für rott vnd üebt / das die

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werck oder gehorsamme  des Gsatztes nimmer so gantz vnd volkommen sind wie sy syn söltend / die glöubigen aber mit Gott vereiniget / Gott lieb sind / gefalt jr arbeit vnd gehorsamme Gott. Darumb spricht Joannes / [315] Wär sine gebott haltet der blybt in jm / vnnd er in jm. Jtem / Das ist die liebe Gottes / das wir sine gebott haltind / vnnd sine gebott sind nit schwär. Ja dem der Christi geist in jm hat / etc.

[316] Darumb müessend wir fürhin ouch besähen / wie Paulus sage / wir sygind nit vnder dem gsatzt / sunder vnder der gnad / vnd wir sygind vom gsatzt erlößt / etc. Sölichs hat vngezwyflet die gstalt / dz durch die gnad (als ouch erst gemäldet worden) die erfüllung des gsatztes Christi vnser worden / vnnd der vnwill des fleischs / den es vß siner bösen art wider das gsatzt gefasset hat / hingenommen ist / vnd ein frywilliger geist / der Gott vnd syn gsatzt liebet / gäben ist / welcher vngetrungen das thuot (so vil jm müglich) das jm [im] Gsatzt geforderet wirt. Vnd also sind die Zähen gebott nit abgethon oder vfgehebt / das sy in der kilchen nit mee söllind geprediget / oder nit me sölle darnach geläbt werden. Daruon ouch der  Herr Christus selbs redt Matt.5.cap. Vnnd welche den geist Christi nit habend / dörffend kein fryheit oder erlösung vom gsatzt rüemen vnd die fryheit jrer fleischlichen büeberyen fürwelben. Daruon liß wyter

 

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Rom.8.  Galat.5.  1.Pet.2 vnd 2.Pet.2.

[317] Jtem das Gsatzt heißt ouch die maledyung vnd straaff die durch das Gsatzt getröuwt wirt: item die Sünd / die durch das Gsatzt anzeigt vnd härfür bracht wirt So nun durch die gnad die Sünd verzigen ist / nit daß sy in vns nit sye / sunder vns zur verdamnuß nit gerächnet werde: so ouch durch die gnad die maledyung vnd straaff den glöubigen hingenommen ist / sind sy nit mee vnder dem gesatzt / sunder vnder der gnad / vnd sind erlößt vom gsatzt / das abgangen ist.

[318] Mee hat das Gsatzt Gottes vil figuren vnd ceremonien / brüch vnd sitten im gottsdienst. Söliche sind durch Christum all abgethon vnd vfgehebt. Dann wir habend in der Christenlichen kilchen nit mee die regierung vnd ceremonien Mosis / sunder was vns die heiligen Apostlen angäben habend mit dem heiligen Euangelio. Daruon wirt mee geläsen Act.15.  Galat.4.  Ephes.2.  Coloss.2. Doch wie die brüch alle hin vnd wäg gangen sind / also [319] blybend die gschrifften / die man mit Christo / in welchem wir habend alle vollkommenheit / vßlegen vnd erlüteren sol.

[320] Zuo letst sind ouch die Grichte hingenommen von Christo / nit das kein gricht noch recht mee sölle syn in der Christenheit / welche immer vnnd allwäg vnder biderben lüten blybend: sunder  das / so vil die vmbständ belangt in

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den gerichten / dem Jüdischen volck allein vff ein zyt nach gelägenheit jres lands vnd policy gäben / die Christen damit vnbeladen vnd fry gesprochen sind / also daß sy nach gelägenheit jrer landen / lüten vnd zyten / die Gsatzte vom gricht vnd rächt nach der grächtigkeit vnd gmeinem friden richten mögend. Das ouch die Christlichen Keyser gethon / vil guoter Gsatzten / den gsatzten Gottes gemäss / hinder jnen verlassen habend.

5A0 Von der Gnad Gottes der wält durch Christum vnsern Herren bewisen: vnnd von der Grächtmachung.

Der V. Artickel

ALle vnd yede Christen söllend insonderheit wol behalten das Joannes im heiligen Euangelio spricht: Das gsatzt ist durch Mosen gäben: die gnad vnnd warheit ist durch Christum Jesum entstanden: darumb söllend sy wüssen das der mensch nit durch das gsatzt Mosis / sunder durch die gnad Gottes / in Christo / fromm oder grächt vnd sälig wirt. Das ist aber die gnad Gottes / das er vß jm selbs / das ist vß luterer güete vnd barmhertzigkeit / one allen verdienst der menschen /

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den sünder zuo gnaden vfgenommen / jm sin sünd verzigen / vnd zum erben des ewigen läbens gemachet hat. Söliche gnad aber hat er von ewigkeit angesähen / zuo siner zyt zebewysen der wält / durch vnsern Herren Jesum Christum: welcher in dise wält kommen / alle himmelische vnd des heils schätz in jm hat / dem gsatzt Gottes gnuog gethon hat / für der wält sünd willig vnd gehorsamm gemarteret vnd gestorben ist / hiemit die bezalung gethon vnd ranson erlegt / damit vns vnsere sünd vergäben / nit mee gerächnet wurdind zur verdamnuß / sunder sin vollkomne gerächtigkeit vnns so wir gloubtind verrächnet wurde zur gerächtigkeit. Dann durch den glouben werdend wir der erlösung vnd der gerächtigkeit Christi teilhafftig. Darumb ouch die heilig Apostolisch geschrifft vilfaltig vnd einhällig züget vnd leert / das wir allein

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durch den glouben / vnnd nit durch die werck / vor Gott / gerächt vnd also von schuld vnd pyn ledig gesprochen werdind / vnnd deßhalb die glöubigen alles in Christo allein habind. Das aber dem allem also sye / zeigend wir an durch volgende Capitel mit kundtschafft heiliger gschrifft.

5A1 Das der mensch nit durch das gsatzt Mosis / sunder durch die gnad Gottes gerächt vnd heil werde.  Cap. I.

DJewyl im dritten vnd vierdten artickel von der Sünd vnd von dem Gsatzt / das die sünd offnet / vnnd vnsere verschuldte verdamnuß verkündt / gesagt / volgt yetzundt in 5. artickel von der Gnad Gottes vnnd von verzyhung der sünden durch Christum: dise beide teil hat Joannes begriffen mit sinem vorerzelten spruch / Das gsatzt ist durch Mosen gäben / etc.

[321] Das aber der mensch nit durch das Gsatzt Mosis / sunder durch die gnad Gottes in Christo gerächt oder fromm vnd heil werde / ist der recht houptartickel der heiligen euangelischen vnd apostolischen leer. Durch das Gsatzt sol man verston alle die werck / die man nach allen teilen des gsatztes thuon kan vnd mag / die

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beschähind glych nach den zehen gebotten / oder nach den Ceremonien / oder nach den gerichten. Fromm oder gerächt werden / oder rächtfertigen / heißt der klag des gsatztes / der sünd vnd verdamnuß vor dem gericht Gottes ledig gesprochen werden / die sünd zuor verdamnuß nit rechnen / sunder die gerechtigkeit Christi vfrechnen / vnd also grächt / heil oder ein erben der säligkeit machen. Dann also wirt gebrucht vnd erklärt das wörtli Gerächtigkeit vnd gerächtmachen / Prouerb.17  Rom.4. 5. vnd 8.  2.Cor.3.  Act.13. cap.

Da so kan vnd mag hie kein werck / das der mensch nach dem gsatzt thuon kan / den menschen rächtfertigen / das ist von der sünd vnd von der klag vnd verdamnuß des gesatztes vor dem gericht Gottes erledigen / mit Gott vereinigen / gerächt oder volkommen fromm vnd sälig machen. Das kan allein die gnad Gottes in Christo thuon: also das welcher anders halt / leert vnd gloubt / die gnad Gottes verwirfft / vnd Christum vnnütz / vnd deßhalb die gantz euangelisch vnd apostolisch leer zuo nüti macht. Dann Paulus spricht vßtruckenlich Rom.3. Durch die werck des gsatztes wirdt kein fleisch vor jm grächtfertiget. Dann durch das gsatzt kumpt die erkanntnuß der sünd. Nun ist aber one das gsatzt die gerächtigkeit Gottes geoffenbaret / durch den glouben in Christum Jesum. Dann sy werdend / one verdienst /

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fromm gemacht / vß siner Gnad / durch die erlösung die da ist in Christo Jesu / etc. Der selb Paulus spricht ouch zuo den Galatern am 2. cap. Wir wüssend das der mensch durch die werck des gsatztes nit gerecht wirdt / sunder durch den glouben in Jesum Christum. Vnd wir habend in Jesum Christum gloubt / vff dz wir grächt gmachet wurdind durch den glouben in Jesum Christum / vnd nit durch die werck des gsatztes: darumb das durch die werck des gsatztes kein fleisch grächt gmachet wirt. Jtem / Jch verwirff nit die gnad Gottes. Dann so durch das gsatzt die grächtigkeit kumpt / so ist ye Christus vergäblich gestorben. Vnd im 5. cap. zuo den Galatern / Sähend ich Paulus sag üch / wo jr üch beschnyden lassend / so ist üch Christus kein nütz. Jch züg aber einem yetlichen der sich beschnyden laßt / dz er noch das gantz gsatzt schuldig ist zehalten. Jr sind von Christo abgefallen / welche jr durch das gsatzt gerächt werden wöllend / vnd sind von der Gnad abgefallen/ etc.

5A2 Was die Gnad Gottes sye / vnd das der Sünder one allen sinen verdienst zuo gnaden vfgenommen werde.    Cap. II.

[322] DJe Gnad Gottes aber ist der guot gunst vnd gnädig will / ja Gottes güete selbs vnd barmhertzigkeit / vß welcher er / one allen vnsern verdienst /

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vnd one alle vnsere wirdigkeit vnd vergältung / allein das er von siner art vnd natur güetig vnd gnädig ist / vns armen sünder liebet / sich vnser vätterlich annimpt / begnadet / von sünden reiniget / vnd zuo sinen kinden vnd erben annimpt. Dises erlüteret gar schön vnd lieblich vnser Herr Christus im Euangelio mit der überuß zierlichen parabel von dem güetigen vatter vnd verlornen Sun im Euangelio Luce 15. cap. Dann da begnadet der vatter nit nun den verthonen schandtlichen Sun / sunder er reiniget ja ziert jn / vnnd setzt jn erst ouch in alle sine güeter / etc.

Vnser Herr spricht im Euangelio Joannis / Also hat Gott die wält geliebet / dz er sinen einigen Sun gab für die wält / vff das ein yetlicher der in jn gloubte / nit gericht wurde / sunder hätte das ewig läben. So spricht Joannes der Apostel in siner Epistel am 4. capitel / Hieby ist erschinen die liebe Gottes gegen vns / das Gott sinen eingebornen Sun gesendt hat in dise wält / das wir durch jn läben söllend. Darinn stat die liebe / nit das wir Gott geliebet habind / sunder das er vns geliebet hat / vnd sinen sun gesendt zur versüenung vnd bezalung vnserer sünden. Mit dem heiligen Joanne mitstimpt ouch Paulus vnnd spricht ad Titum 3. cap. Es ist erschinen die güetigkeit vnd früntligkeit Gottes vnsers heilands / nit vmb der wercken willen der gerächtigkeit /

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die wir gethon hattend / sunder nach siner barmhertzigkeit / hat er vns sälig gemachet / durch das bad der widergeburt vnd ernüwerung des heiligen Geists / welchen er über vns vßgossen hat rychlich / durch Jesum Christum vnsern heiland / vff das wir durch des selben gnad grächt gemachet / erben syend nach der hoffnung des ewigen läbens / etc. Von diser gnad Gottes hab ich ouch etwas daoben im 2. artickel anzogen im 7. ca.

5A3 Das Gott von ewigkeit angesähen / sin Gnad der wält durch Jesum Christum zebewysen.    Cap. III.

[323] Sömliche sin Gnad aber hat Got (als in anzognen sprüchen der heiligen Gschrifft schon benamset ist) in sinem ewigen radtschlag beschlossen / durch Christum Jesum / zuo gelägner zyt die jm gefiel / der wält zuo leisten. Dann wie Gott von ewigkeit har des menschen faal vnd verderbung sach / also rust er ouch von ewigkeit har die artzny zuo / damit er der verlornen wält widerumb hälffen wolt / vnd schluog an das er wölte sinen Sun lassen mensch werden / in die wält kommen / vnnd den fal widerbringen. Daruon redt der heilig apostel Paulus also zuo den Ephes. am 1.cap. Gott vnd der vatter vnsers Herren Jesu Christi / hat vns in jm erwöllet / ee dann der wält grund geleit was /

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das wir söltind syn heilig vnnd vnsträfflich vor jm / in der liebe / vnd hat vns vorbestimpt / das er vns zuo kindern annemmen wölte durch Jesum Christum / nach dem wolgefallen sines willens / zuo lob der herrligkeit siner Gnad / durch welche er vns hat begnadet in dem geliebten: in welchem wir habend die erlösung / durch sin bluot / die vergebung der sünden / nach der rychthumb siner gnad / welche er über vns überschütt hat / etc. Vnd so dem also ist / sol man von der grächtmachung nit also reden / als ob wir durch Gottes ynwonende gnad vnd wäsen fromm werdind / der mittler Christus muoß heiter gemeldet werden: durch welchen vns Gott gnädig ist vnnd vns für fromm halt. Es gond ye alle verheissungen Gottes von anfang der wält vff Christum / das Gott vns wölle / vmb sinent willen / vnd in jm allein / gnädig vnnd barmhertzig syn. Daruon ouch daoben gesagt ist im 2.artickel am 7. vnd 10. cap.

5A4 Das in Christo Jesu sye alle vollkommenheit / er dem gsatzt gnuog gethon vnd vnsere grächtigkeit worden sye.    Cap. IIII.

[324] HJe ist aber das mittel / das heil / oder der heiland vnd die artzny dardurch der verlornen wält widerumb solt geholffen werden / namlich vnser Herr Jesus Christus mit siner gehorsamme

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vnd erlösung dermassen krefftig vnnd vollkommenlich zuogerüst / das jm gar nüt deren dingen manglet / die zuo diser widerbringung / begnädigung / erlösung / reinigung vnd ernüwerung / ja zuo verlyhung der gerächtigkeit vnnd des ewigen läbens dienend / oder notwendig sind. Dann in vnserm Herren Christo / als in dem waaren läbendigen sun Gottes vnd Marie der jungkfrouwen / sind verschlossen alle gnaden vnnd alle himmelische schätz / welche er ouch jm nit selbs behalt / sunder vns / nach sinem wolgefallen vnd vnser notturfft / mitteilt / also das wir überal in keinen dingen / die da dienend zuo vnser gerächtigkeit / vollkommenheit vnd säligkeit / einichen mangel habend. Er ist vnser mittler / vnser erlöser / vnser künig vnd priester / vnser retter / verträtter / fürbitter / opffer / vnsere begnädigung vnd bezalung / vnser einiger trost vnd heiland / in welchem wir alles das rychlich habend / das zuo volkomnen vnserm heil dienet. Das züget er alles selbs im heiligen Euangelio / vnd spricht / [325] er habe allen gwalt in himmel vnnd vff erden / darumb sölle yederman zuo jm kommen / er wölle all vnsere mängel erstatten / vnnd rächte ruow gäben / [326] er sye das rächt hinmmelbrot / welches ersettigen könne zum ewigen läben / ja das aller hunger vnd durst hinfalle / vnd vollkomne ersettigung volge. So spricht der heilig Joannes

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im heiligen Euangelio /[327] Von siner völle habend wir alle genommen / gnad vmb gnad. Dann das gsatzt ist durch Mosen gegäben / die gnad vnnd warheit aber durch Jesum Christum erworben oder entstanden vnd kommen. Jtem / [328] Der vatter hat den sun lieb / vnd hat jm alles in sin hand gäben. Wär nun in den sun gloubt / der hat das ewig läben / etc. So züget ouch Paulus vnd spricht: [329] Es hat Gott dem vatter wolgefallen / das in Christo alle völle wonen sölle / vnd das alles durch jn versüenet wurde / es sye vff erden oder im himmel / damit das er frid machte / durch das bluot an sinem crütz / durch sich selbs. Dann in jm sind verborgen oder behalten alle schätz der wyßheit vnd der erkanntnuß. Vnd in jm wonet die gantz völle der Gottheit wäsenlich / vnnd jr sind in dem selben erfüllt oder veruolkommnet. Der selb apostel Paulus erwyßt ouch in der Epistel zuo den Hebreern / das welcher den Herren Christum mit waarem glouben besitzt / in jm alles das habe / das in dem Gsatzt / im priesterthuomb vnd opffern / ja mit allen ceremonien sye angebildet worden / vnnd deßhalb bedörffe der mensch keinen andern dingen / nach Christo / nit nachzefragen.

[330] Vnd wie Christus vnsere vollkommne vollkommenheit ist / also hat er dem gsatzt Gottes gnuog gethon / vnnd vns ouch das gsatzt

 

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erfüllt / vnd sin erfüllung vnnd gerächtigkeit wirt / vß sinen gnaden / durch den glouben / vnser. Dann Christus ist vnsere gerächtigkeit vnd vollkommenheit oder erfüllung des gsatztes: wie heiter bezüget wirt Jeremie 23. vnd 1.Cor.1. da Paulus spricht: Christus Jesus ist vns gemachet von Gott zur wyßheit vnd zur gerächtigkeit / vnd zur heiligung vnd zur erlösung / vff das wie geschriben stadt / wär sich rüempt sol sich des Herren rüemen. Hieuon redt noch mee Paulus zuo den Römeren am 8. vnd zuo den Galatern am 4. Daruon ist ouch vor gesagt im vierdten artickel am 15. cap.

5A5 Das Christus Jesus für vnsere sünd gestorben / die bezalt vnd volkommen verzigen habe.    Cap. V.

DAmit aber noch heiterer verstanden werde wie Gott vnns sin gnad in Christo Jesu sinem Sun bewisen habe / vnd mit was form wyß vnd maaß wir erlößt syend / bericht vns die heilig gschrifft / das Gott sich über die Sünd (wie ouch im dritten artickel gesagt) erzürne / vnd diewyl er gerächt / sy vngestraafft nit lasse. Dannenhar ouch Paulus gesagt / [331] one bluotuergiessen beschähe kein verzyhung. So nun die straaff vff vns gefallen / wäre durch die menschen / von wegen jrer anerbornen prästen

79v

vnd verderbung / mee der straaff vnd Sünd vf dann abgeleit: [332] darumb hat Gott sinen Sun geordnet / den vnschuldigen vnd reinen / das vff jn vnser Sünd gelegt / vnd er einmal für vns litte vnd vns alle damit reinigete / oder die schuld vnd pyn bezalte vnd Gott versüenete. Welches er ouch allein vermocht.

[333] Das aber Christus Jesus vnser Herr gelitten habe vnd vmb vnser aller willen gestorben sye / dz er Gott versünete / vnsere sünd bezalte vnd volkummen verzige / vergäbe / oder reinigete / züget das gsatzt mit sinen vilfaltigen opfferen für die Sünd: item es zügend sömlichs ouch die heiligen Propheten in jren prophecyen / ouch das heilig Euangelium vnd die leer der vßerwelten apostlen. [334] Sölich lyden vnd der vnschuldig tod oder die gehorsame Christi ist die begnädigung für vnser sünd / die bezalung die Gott annimpt / ja die ranson die Christus am crütz erlegt / darumb ouch Got die gefangnen / ja zum tod vnd verdamnuß verurteilte / ledig vnd fry onengulten gon laßt / darzuo wider zuo sinen kinden vnd erben annimpt. Ja Christus ist am dritten tag von todten widerumb vferstanden / damit wir heiter sähind das er hette mit sinem tod den ewigen tod / sünd / tüfel vnd hell überwunden vnd den glöubigen zerträtten: wie der heilig Paulus vilfaltig erklärt 1. Cor. 15.

Vnd hie ist kein ander ding in himmel vnnd

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vff erden das Gott ansähe vnnd darumb er vns gnädig ist / die sünd verzycht / vnd vns für die sinen erkennt / dann allein das bluot / das lyden vnd der tod oder die gehorsame Christi. Das vnd kein anders mittel hat allen denen geholffen von anfang der wält denen geholffen worden ist. Darumb ouch Joannes spricht: [335] Christus sye das lamb / das von anfang der wält geopffert oder getödt / das ist / welches tod vnd opffer von anfang an allen glöubigen krefftig gsin sye. Also spricht ouch Paulus / Glych wie durch des einigen menschen vngehorsame vil zuo sündern worden sind: also ouch durch des einigen gehorsame werdend vil gerecht gemacht. Rom.5. cap.

Hiehar hörend die opffer im gsatzt / vnd insunders das allgemein groß järlich opffer / von dem geschriben ist Leuit.16. vnd welches Paulus vßlegt zuo den Hebreern / vnd spricht: [336] Christus hat ein opffer für die sünd geopfferet / vnnd sich ewigklich gesetzt zur gerechten Gottes. Dann mit einem opffer / hat er in ewigkeit vollkommen gemacht alle die geheiliget werdend. Hiehar dienend die herrlichen sprüch vß dem Euangelio vnd vß der leer der heiligen apostlen / welche vnsern Herren / sin tod / bluot vnd lyden / nennend ein begnädigung / damit namlich die gnad vnd versünung erworben / vnd der zorn vnd aller vnwill Gottes abgestelt wirt / vnd darumb ouch die versüenung

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vnd bezalung vnd ranson oder loßgält heißt / welchs so es erlegt wirdt / die gefangnen onengolten vßgelassen werdend. Daruon sind zügnussen Matth.20.  Luc.1.  1.Tim.2.  Heb.9.  1.Joan.2.4. etc. S.Peter begryfft dz alles mit wenig worten vnd spricht: Jr sind nit erlößt mit zergängklichem silber oder gold / sunder mit dem thüren bluot Christi / als des vnschuldigen vnnd vnbefleckten lambs / der zwar vorhin versähen ist vor der wält anfang / aber yetzund erst zuo den letsten zyten geoffenbaret ist / etc. Darumb sich ye billich die übel schämen söltend / so ächt einiche schamm in jnen wäre / die ablaß der sünden vmb gält verkouffend: von denen aber ouch S.Peter gnuogsam vnd wyter sagt Act.8. vnd 2.Pet.2.cap.

5A6 Wie die bezalung Christi vnser werde / vnd welcher gstalt wir vnser sünden gelediget rein vnd gerächt werdind.    Cap. VI.

VNd so wir yetzt bericht sind / welcher form / wyß vnd gstalt Gott vns sin Gnad in Christo bewisen / wie Christus vns mit sinem tod erlößt / all vnser sünd bezalt vnnd hingenommen habe / so vil sin person vnd werck belangt: also müessend wir ouch wyter wüssen / so vil vnser personen belangt / wie söliche bezalung oder begnädigung vff vns komme / vnser werde /

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oder welcher form / wyß vnd gstalt wir vnser sünden gelediget / rein vnd gerächt werdind / also das nit nun die bezalung vnd erlösung in Christo / sunder ouch in vns / ja vnser sye / in vns mit heil empfunden werde. Dauon ist ouch vor etwas gesagt / namlich [337] das vns die sünd nit dermassen verzigen werdend / das sy nit geschähen syend / oder das die sündig art gar vß vns genommen / oder vßgerütet werde / sunder also / das wenn sy begangen sind / oder so sich der präst in vns üebt vnd rodt / Gott vns vnsere begangne sünd / vnnd ouch yngewurtzte prästen nit zum tod oder zur verdamnuß verrächnen wil: vnd das wir durch den waaren glouben sölicher gnaden teilhafft vnd also Christo yngelybet / das wir warlich vor Gott / von Christi wägen / rein vnnd gerächt geschetzt werdend.

Dann also spricht Paulus: [338] Gott was in Christo / vnd versünet die wält mit jm selber / in dem / das er jnen jre sünd nit zuorächnet. Vnnd widerumb / Dauid beschrybt ouch die säligkeit des menschen / welchem Gott zuorächnet die grächtigkeit / one die werck / vnd spricht: Sälig sind die / welchen jre mißthaten nachgelassen sind / vnd welchen jre sünd bedeckt sind. Sälig ist der mann / welchem Gott die sünd nit zuorächnet.

[339] Sprichst: Jch bin wol rein von sünden / diewyl mir Gott min sünd nit verrächnen

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wil von Christi tods vnnd gehorsamme wägen: wo hab ich aber yetzt ouch gerächtigkeit? Dann ob ich glych wol guots würcken vß der gnad Gottes / ist doch in mir biß in minen tod der präst so starck / das er mir alle mine werck verhönt / das ich sy / als ein vollkomne gerächtigkeit / für Gottes ougen / nit bringen gedar: wo hab ich nun gerächtigkeit? Vor ist dir gesagt / das Christus dem gesatzt habe gnuog gethon / vnd sye worden vnsere gerächtigkeit: ja in jm sye alle vollkommenheit. Da wüß yetzdan / das Gott die vollkommen gerächtigkeit Christi dir verrächnet für din eigne gerächtigkeit: darumb bist du vollkommen / gerächt / ja veruollkomnet in Christo / so du in jn gloubst. Daruon ouch daoben gesagt / vnnd Paulus wytlöuffig schrybt Roman. cap. 4. vnd Galat.3.  Rom.8. etc.

5A7 Das durch den glouben / nit durch die werck die grächtigkeit Christi oder die erlösung angenommen vnnd vnser eigen werde.    Cap. VII.

[340] DAs aber der gloub das mittel sye dardurch wir der gnaden Gottes teilhafft / das ist das wir durch den tod Christi erlößt / Gott vereiniget vnd von sünden gereiniget werdind / darzuo die gerächtigkeit Christi vnd das ewig läben / vnser / als kindern vnnd erben Gottes / eigen

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werde / leert vns vnser Herr vilfaltig im heiligen Euangelio. Dann wenn anders nüt wäre dann das 6.cap. Joannis / söltend wir gryffen das Christus mit dem glouben angenommen wirt / glych wie die spyß mit dem ässen / vnd sunst mit keinem andern mittel. Er legt aber heiter das ässen vß mit dem glouben / vnd spricht: Warlich sag ich üch / wär in mich gloubt der hat das ewig läben. Jtem / Warlich warlich sag ich üch / wo jr nit das fleisch des suns des menschen ässend / werdend jr kein läben in üch haben / etc. Vnd widerumb / Wär zuo mir kumpt / den wirt nit hungern: vnnd wär in mich gloubt / den wirt nimmermer dürsten. Dahin dient ouch das dritt capitel Joannis. So spricht der Herr allenthalben im Euangelio: Din gloub hat dir geholfen. Allein gloub so wirdt dir geholffen. Magst du glouben? Gloubst das ich das thuon möge? Marci 6. läsend wir / Vnnd er kondt in sinem vatterland einiche thaat nit thuon / onet das er etliche siechen heilet. Vnd er verwunderet sich jres vngloubens.

Jn Geschichten der heiligen Apostlen spricht Petrus / Von Christo zügend alle Propheten / das durch sinen nammen alle die in jn gloubend vergäbung der sünden empfahen söllend. Vnd zuo Paulo spricht Gott: Jch schicken dich zuo den Heyden / daß sy sich bekeerind zuo Gott / von dem gwalt des Tüfels /

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vnd empfahind vergäbung der sünden vnd das erb mit denen die geheiliget werdend durch den glouben in mich.

[341] Dann so vil die werck betrifft / weißt mengklich wol das mit jnen die verheissung weder angenommen wirt / noch sy vor dem glouben gond / sunder erst nach vnd vß dem glouben volgend / vnd von denen beschähend / die fromm gemachet sind: so müessend ye die sy thuond vor den wercken fromm syn / frylich vß der gnad Gottes in Christo durch den glouben.

5A8 Das die heilig Apostolisch geschrifft einhällig züge / das wir allein durch den glouben / vnd nit durch die werck gerächtfertiget werdind.    Cap. VIII.

[342] DJewyl dann Christus Jesus vnsere einige ewige gerächtigkeit ist / als der für vns gestorben vnd widerumb von todten vferstanden ist / vnd hiemit vnsere Sünd vns abgenommen hat / das vns die Gott nit mee rächnen / sunder mit vns zuofriden / vns die gerächtigkeit Christi vfrächnen wil: vnnd aber der gloub ( vnnd nit die werck die wir vß dem glouben thuond) Christum Jesum annimpt / vnd vns sin vnd siner gerächtigkeit ja alles heils teilhafft macht / so sagt die heilig apostolisch geschrifft / das wir durch den glouben vnd nit durch die werck

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fromm gemacht oder gerächtfertiget werdind / oder dz vns der gloub zuor gerächtigkeit verrächnet werde. Dann so das vnsere werck thätend / dörfftend wir Christi nüt mee vnnd wäre der gloub abgethon / wie ouch Paulus schlüßt Galat.2.  Rom.4. cap. Darumb wenn wir sagend allein der gloub mache fromm / wöllend wir mit dem wörtli Allein / alle eer Gott vnd dem lyden oder verdienst Christi zuogäben vnnd rein behalten / damit / als Paulus Rom.3. spricht / Gott gerächt sye vnd gerächt mache der da ist des gloubens in Christum. Wir sagend darumb aber nit das der gloub allein / das ist one guote werck / sye / oder das die guoten werck nüt vnd zeuerachten syend. Von jnen wirdt ouch an sinem ort gesagt werden. Einmal aber sol vnuermischt luter vnd rein alles heil allein der gnad Gottes in Christo durch den glouben zuogäben werden.

Das aber sölichs / namlich das der gloub allein rächtfertige / vilfaltig vnd einhällig in der Apostolischen geschrifft bezüget werde / findt sich besonders in dem heiligen Euangelio Joannis / als im 5. vnd 6. capitel. Jm 17. spricht der Herr / das ist aber dz ewig läben / das sy dich / der du allein warer Gott bist / vnd den du gesendt hast Jesum Christum / erkennind. Dann Jsaias am 53. cap. spricht: Min gerächter knächt wirt durch sin erkanntnuß die gmeind rächtfertigen / oder gerächt machen.

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Dann er wirt jr sünd hintragen. Der prophet Abacuk spricht: Der gerächt wirt des (oder sines) gloubens geläben. S. Paulus handlet disen artickel insunderheit zuo den Römeren vnd Galatern. Vnder anderem spricht er zuo den Römeren / Wir werdend vergäbens / oder one vnsern verdienst / fromm gemacht vß siner gnad durch die erlösung in Christo / etc. Vnnd bald darnach / Wir beschliessend / [343] dz der mensch gerächt gemachet werde / one die werck des gsatztes / durch den glouben. Was könde aber klärers gesagt werden? Vnd so yemants sölte durch die werck gerächtfertiget worden syn / wäre frylich Abraham / der ouch vor dem gsatzt gsyn / durch die werck sins gloubens gerächtfertiget worden. Nun aber [344] wirt jm sin gloub verrächnet zuor gerächtigkeit / vnd sagt die geschrifft / er habe sich hierinn der wercken vor Gott nit zerüemen. Dann dem der wercke vnd arbeite / werde der lon nit vß gnad zuogerechnet / sunder als ein schuld: dem aber der nit wercke / gloube aber in den der die gottlosen fromm mache / dem werde sin gloub gerächnet zuor gerächtigkeit. Vnd über das alles schlüßt er im end des capitels / das Abrahams kinder werdind ouch glycher gestalt wie der vatter gerächtfertiget / also / das ouch vns der gloub / den wir habend in tod vnd vrstende Christi / verrächnet werde zuor gerächtigkeit. Zuo den Epheseren am 2. cap. spricht der selb Paulus / Vß gnaden

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sind jr sälig worden / durch den glouben vnd dz selb nit vß üch. Es ist Gottes gab: nit vß den wercken / vff das sich nit yemants rüeme / etc.

Vnd ist disem allem das S. Jacob in dem 2. cap. siner Epistel schrybt nit zuo wider. Dann der Apostolisch geist jm selbs nit widerwärtig / wie an anderen orten anzeigt ist. Von disem heiteren bericht / den wir yetz vß der Apostolischen leer empfangen habend / sol sich niemants abwysen lassen.

5A9 Das wir durch den tod Christi ledig von schuld vnd pyn durch Gottes gericht gesprochen syend.    Cap. IX.

WJewol ouch heiter gnuog in vorgeender handlung anzeigt ist / das vnsers Herren Jesu bluot / lyden / gehorsame vnd tod / aller vnser sünden völlige bezalung vnnd ranson ist / er vns ouch von der sünd tod vnnd hell ja von aller klag volkommenlich erlößt / [345] vnd vns Got durch sin vßspruch an sinem gericht gantz ledig gesprochen hat / diewyl aber etwan geleert wird die schuld der sünd sye vns allein abgenommen / die pyn aber müessind wir noch lyden oder ablegen mit vnserer gnuogthüeung / dann wir mögind vnd müessind für vnsere Sünd gnuog thuon / vnnd bezalen: wil ich darwider allein das anzeigen / das sich mengklich hüete vor sömlicher schädlicher meinung. Dann sy nit

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allein vertilgket die begnädigung vnd bezalung das ist die volkommen gnuogthüeung für pyn vnd schuld vnsers Herren Jesu Christi / sunder richt in vnseren hertzen vf an statt des crützes vnsers Herren Christi vnsere eigne menschliche gnuogthüeung / deren wir dann ouch vertruwend / vnnd jren zuogäbend / das wir söltend allein dem lyden Christi zuogäben: zuo dem wir ouch den aplaßkrämeren den wäg vfschliessend das sy mit jrem Simonischen contract söliche gnuogthüeungen vnd ablegen vmb gälts willen nachlassend.

[346] Es ist wol war / das Christus denen die er vollkommen erlößt vnd für sy die ranson gelegt vnd schuld vnd pyn bezalt hat / allerley lydens zuofallen laßt: aber nit darumb das sine erlößten jr sünd damit ablegind oder die pyn ablösind (wie man das klarlich schliessen mag vß dem 17. cap. Luce vnnd Rom. 8.) sunder das er sy üebe in gedult vnd tugenden / vnd sines lydens teilhafft mache. Dann sunst ist allein Christus vnsere bezalung vnd gnuogthüeung / vnd die eer söllend wir keinem andern / vil minder vnsern armen eignen prästhafften wercken gäben. Dann also redt Jsaias / [347] Er ist verwundet von wägen vnserer überträttungen / vnd ist zerknistet von wägen vnserer lasteren. Die straaff oder züchtigung damit vns solt gefridet oder gescheiden werden wirt ob jm syn: vnd durch sine wunden oder

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bluotmasen sind wir geartznet oder geheilet / etc. Also wirt noch mee vnnd wyter im selben 53. cap. gemäldet / Christus habe vmb vnsert willen pyn vnd marter vnschuldig gelitten / darumb das vns wurde verschonet. Darumb blybt der tod / das bluot vnd gehorsame oder lyden Christi / die rächt / einig / ewig gnuogthüeung oder bezalung für schuld vnd pyn aller sünden. Was aber wyter von den guoten wercken (welche die gerächtfertigeten vnd ernüwerten vß dem glouben vnd krafft des heiligen geists / der jnen gäben ist / würckend) zuo sagen ist / wirt hernach volgen in dem 9. artickel dises buochs.

5A10 Das die glöubigen alles in Christo allein habind.    Cap. X.

[348] HJemit beschlüß ich yetz disen artickel / vnnd sag / das alle glöubigen alle vollkommenheit der gerächtigkeit vnnd säligkeit / dermassen in Christo allein habind / das sy die vsset Christo nit bedörffend zuo suochen / ja ouch nit suochend: diewyl sy sich des einigen Herren Christi vernüegen lassend / als in dem sy ersettiget / nüt wyters zur gerächtigkeit vnnd säligkeit notwendigs wünschen könnend noch mögend.

Dann es empfindend ye alle glöubigen / (sagend ouch lob vnd danck vnd frolockend

 

85v.

one vnderlaß) [349] dz wär von dem wasser trinckt das vns Christus gibt / nimmer mee dürst: [350] das er in vns läbt vnd wir in jm läbend / [351] deßhalben frid / ruow vnd sicherheit der conscientzen habend. Dann vnser Herr spricht selbs: [352] Warlich warlich sag ich üch / ich bin die thür: wär nit zuor thür hinyn gadt in schaaffstal / sunder stygt anderßwo hineyn / der ist ein dieb vnd ein mörder. Jch bin die thür / so yemants durch mich yngadt / der wirt sälig werden / vnd wirt yn vnd vßgon / vnnd weid finden. Jch bin ein guoter hirt / vnnd erkenn mine schaaff / vnnd wird von den minen erkennt. Dann mine schaaff hörend min stimm / vnd ich kennen sy / vnd sy volgend mir nach. Vnd ich gib jnen das ewig läben / vnnd sy werdend ewigklich nit verdärben / vnnd nieman wirt sy mir vß miner hand rouben. [353] Jch bin der wäg / die warheit vnnd das läben. [354] Nieman kumpt zum vatter / dann durch mich. Darumb schlüßt der heilig Petrus rächt vnnd spricht: [355] Es ist in keinem anderen das heil. Dann es ist ouch kein anderer nammen vnder dem himmel den menschen gegäben / darinn wir müessind sälig werden. Dem sye eer vnnd pryß von ewigkeit zuo ewigkeit / Amen.

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6A0 Von dem Glouben / vnd der predig des heiligen Euangelij vnd der Buoß.

 Der VI. Artickel

ALle vnnd yede Christen söllend wüssen das der Gloub / durch den wir grechtfertiget werdend / nit nun ein wüssen oder verstand ist des gemüets / sunder ouch ein vest vertruwen vnd sicherlich verlassen des hertzens / vff Gott vnnd sin waarhafft wort / insonders vff die verheissung vns vonn Gott in Christo beschähen / vnnd vff alles das / das in articklen des heiligen Christenlichen gloubens begriffen wirt. Vnnd empfindt der rächtglöubig Christi vnd läbt in Christo. Sölicher gloub aber wirt geleert vnnd

86v.

gepflantzt mit der predig des warhafften wort Gottes / gäben vnd gemeert mit dem läbendigen geist Gottes / begärt mit dem empsigen gebätt / vnd angebildet ouch versiglet mit den heiligen Sacramenten. Dann vnser Herr Christus hat / disen Glouben zuo pflantzen vnd zuo erhalten / sine vnd der kilchen diener yngesetzt / denen die schlüssel gäben zum himmelrych / das ist / daß sy predigen söllind das heilig Euangelium von der verzyhung der sünden / im nammen Jesu Christi / vnd von der Buoß oder besserung vnd rüwen der sünden: vff das der mensch so dick er in sünd fallt / wider vfgericht / gestraafft vnd getröst / ja ouch zuo nüwem stryt / wider den Tüfel / wider die wält vnnd wider das fleisch / vermanet / getriben vnnd gesterckt werde / das er fürhin Gott all sin läbenlang diene in aller heiligkeit vnd gerächtigkeit. Darzuo hat er den dienern ouch

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die Sacramenten zuozedienen befolhen. Das aber dem allem also sye / zeigend wir an durch volgende Capitel / mit kundtschafft heiliger gschrifft.

6A1 Das der gloub nit nun ein wüssen des gemüets / sunder ouch ein vest vertruwen des hertzens sye.    Cap. I.

[356] HJe erforderet die notturfft ouch etwas wyters / doch vff das aller kürtzist / zuo sagen von dem Glouben / durch welchen wir vor Gott werdend gerächtfertiget. Diser Gloub ist nit von vnnd vß dem menschen / sunder ein frye gab Gottes / durch den heiligen Geist / welcher durch sin gnad vnd das wort / des menschen gmüet erlüchtet / das es Gott / sin gnad / Christum sin gerächtigkeit vnd das heil wol vnd rächt verstadt: vnd also ist dann der Gloub ein erkanntnuß vnd wüssen des gemüets. Vnd darumb nennt Jsaias am 53. vnd vnser Herr Christus Joan. am 17. den Glouben ein wüssen oder erkanntnuß. So spricht Paulus: [357] Jch bitten Gott den vatter / das er üch gäbe den geist der wyßheit / vnd der offenbarung in siner erkanntnuß / vnnd erlüchte die ougen üwers verstands / das jr erkennen mögind welches da sye die hoffnung sines beruoffs / etc.

[358] Doch ist gedachter Gloub nit nun ein verstand / erkennen vnnd wüssen des sinns oder

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gemüets / sunder ouch ein vest vertruwen vnd sicherlich verlassen des hertzens vff das / das du / als waar / erkennt hast. Dann das / das der verstand gemerckt oder verstanden hat / daruf verlaßt vnd vertröst sich yetzt dz hertz / ja gibt sinen willen daryn vnnd setzt daruf / ergryfft es vnd ergibt sich daryn mit allen sinen krefften. Vnd hiehar dienet das der heilig Paulus den glouben erklärt mit der hoffnung: von deren er anderßwo sagt / [359] So wir aber das hoffend / das wir nit sähend / so wartend wir daruf durch gedult: da ye der will würckt / nit nun der verstand merckt. So spricht Paulus: [360] Es ist aber der Gloub ein gwüsse zuouersicht deren dingen die man hoffet / vnd ein gwüsse ergryffung deren dingen die man nit sicht. Jtem / One glouben ists vnmüglich Gott zuo gefallen. Dann welcher zuo Gott kommen wil / der muoß glouben das er Gott sye / vnd das er denen die jn suochend ein vergälter sye. Hiehar dienet ouch dz herrlich exempel des gloubens Abrahe / welches Paulus beschrybt Rom.4.cap. da heiter anzeigt wirt das Abraham nit nun gehört vnnd verstanden / was jm Gott verheissen / sunder ouch das selb gehoffet / ja daryn verwilliget vnnd sich mit gantzem hertzen daruf verlassen / vnd mit allen sinen krefften daryn begäben habe. Frylich kumpt dahar das wörtly Glouben vom Globen. Globen aber ist verheissen vnd

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versprächen: darumb ist yetzund Glouben das vertruwen vnd verlassen / damit sich einer vff das / das jm Gott gelobt vnd  versprochen hat / vnd das er für styff vnd waar halt / mit allem  sinem hertzen muot vnnd sinn verlaßt / daruff sicherlich hafftet  vnd nit daruon wycht.

6A2 Das sich der Gloub gründe vnd verlasse vff Gott vnd sin wort: vnd von den articklen des h. Christenlichen gloubens.    Cap. II.

[361] DAnn der rächt waar gloub verlaßt vnd ergibt sich gantz vnnd gar vff Gott (welcher der einig vnd recht grund oder gegenwurff des gloubens ist) vnd vff sin warhafft wort / also das der glöubig / Gott / als sinem einigen ewigen obristen warhafften vnd allmächtigen guot vertruwt / by jm / als by einem vatter / alles das er zuo seel vnd lyb bedarff / suocht vnd höuscht / danäben ouch allen sinen worten / als der vngezwyfleten warheit / gloubt / ja daran nit zwyflet / vnd ob jm etwas zwyfels vß menschlicher blödigkeit zuofiele / widerficht vnd vßschlacht. Jnsunderheit aber diewyl Gott sich vff das allerklärist vfthuot durch die verheissung in Christo / gründet der glöubig für vß vff die selben verheissungen / vnd halts grundtlich darfür / das er in Christo alle himmelische schätz habe / in jm veruolkommnet sye / vnd jm zum heil nüt magle [mangle].

88v.

[362] Dann also spricht der Herr selbs: Warlich warlich sag ich üch / wär min wort hört / vnd gloubt dem der mich gsendt hat / der hat das ewig läben. Jtem / [363] Die wort die du mir gäben hast / hab ich jnen gäben / vnd sy habends angenommen vnd warlich erkennt / das ich von dir vßgangen bin / vnnd habend gloubt / das du mich gesendt hast. So spricht Paulus: [364] der gloub kumpt vß dem hören / das hören aber durch das wort Gottes. Dann in der 1. zuo den Corinth. am 2. cap. wil er gar nit / das der gloub der Christen stande vff menschen wyßheit / sunder vff der krafft Gottes. Darumb redt er ouch zuo den Epheseren / [365] die glöubigen syend erbuwen vff den grund der Propheten vnd apostlen / vff Jesum Christum / [366] in welchem alle Gottes verheissungen ja vnd amen syend.

Vnd hie ist träffenlich zuo rüemen die überschwäncklich groß gnad vnd erbärmbd Gottes. Dann diewyl sich yemants bekümmern möchte / wie er alle vnd yede wort Gottes / welche so rychlich von propheten vnd apostlen verkündt vnd beschriben sind / behalten könne / so er ye allen vnd yeden worten Gottes glouben müesse / hat Gott ein kurtze summ alles deß das in sinem wort vilfaltig geleert vnd wir glouben söllend / fassen / vnd wunderbarlich kurtz / doch vollkommen / begryffen lassen / damit sich niemants eines vnentlichen handels beklagen möchte.

89.

[367] Söliche Summa wirt genennt der heilig Christenlich / ouch der heilig apostolisch Gloub / frylich das jn die heiligen Apostlen also geleert vnd angäben habend. Zwaren findt sich diese Summa gar klar in der heiligen Apostlen leer oder gschrifft. Die vralten habend sy genennt Traditionem apostolicam: wir nennents diser zyt Die heiligen 12. artickel des waaren / alten / vngezwyfleten Christenlichen gloubens. Da ouch zemercken ist / das dise artickel nit ein gebätt sind / wie etlich vnwüssend wenend / sunder ein bekanntnuß / die wir vor Gott vnd den menschen thuond / zuo bezügen was vnser Gloub / trost / vertruwen vnnd hoffnung ist. Wol mag der mensch in sinem hertzen begären / wenn er den glouben spricht oder bekennt / das jm Gott gäbe also vest zuo glouben / vnd in waarem glouben zuo verharren. Es ist ouch billich vnnd notwendig / das ein yetlicher mensch dise artickel vssen / wol vnd rächt zellen / darzuo ouch zimlich verston könne. Vnd sind das die 12. artickel des heiligen waaren Christenlichen gloubens.

  1.Jch gloub in Gott vatter allmächtigen: der ein schöpffer ist himmels vnd der erden.

  2.Vnd in Jesum Christum sinen eingebornen sun vnsern Herren.

89v

  3Der empfangen ist von dem heiligen geist: geboren ist vß Maria der jungkfrouwen.

  4.Der gelitten hat vnder dem richter Pontio Pilato / ist crütziget / gestorben vnd begraben / abgefaren zuo den hellen.

  5.Am dritten tag widerumb vferstanden von den todten.

  6.Ist vfgefaren in die himmel: da er sitzt zuo der gerächten hand Gott des allmächtigen vatters.

  7.Dannenhar er künfftig ist zuo richten die läbendigen vnd die todten.

  8.Ich gloub in heiligen geist.

  9.Ein heilige allgmeine Christenliche kilchen: gmeinschafft der heiligen.

10.Ablaß der Sünden.

11.Vrstände des lybs.

12.vnd das ewig läben. Amen.

6A3 Von der abteilung des Gloubens. Erklärung des ersten teils vnd artickels von Gott vnd der Schöpffung.    Cap. III.

90.

DJser Christenlich gloub wirt merteils abgeteilt in 12. artickel: [368] die artickel aber werdend in 4. teil oder stuck gestelt. Der erst teil ist von Gott vnd der Schöpffung / hat nit mee dann nun ein artickel. Der ander teil ist von Christo Jesu dem sun Gottes vnd vnser erlösung / vnd begryfft 6. artickel. Der dritt teil ist vom heiligen Geist vnd vnser heiligung / nun in einem artickel verschlossen. Der vierdt teil aber zeigt eigentlicher die heiligung / ouch die frucht vnnd würckung dises heiligen gloubens / vnd hat 4. artickel.

[369] Der erst teil vnnd artickel im glouben bekennt was wir von Gott vnnd der Schöpffung gloubind. Von Gott gloubend wir das er einig sye im wäsen. Dann wir sagend ye / Jch gloub in Gott / vnd nit / Jch gloub in die götter. Wir gloubend ouch das er tryfalt sye in personen / namlich / Vatter / Sun vnd heiliger Geist. Vnd ist hie wol zuo mercken / das vnser yetlichs spricht / Jch gloub in Gott vatter / vnnd nit / Wir gloubend in Gott vatter. Dann von vnser yetlichem wirdt erforderet der gloub / namlich das vnser yetlichs in Gott gloube / nit nun das er sye / sunder das er vnser Gott sye. Dannenhar sprichst du nit / Jch gloub Gott / sunder / Jch gloub in Gott / als in den ich allein all min hertz / sinn vnd muot / ja allen minen trost setzen. Dann der vatter

90v.

ist nit nun ein vatter vnsers Herren Jesu Christi von ewigkeit / sunder er ist ouch vnser yetlichs vatter / nit nun deßhalb das er vns erschaffen hat / sunder ouch das er vnser yetlichem wol wil / vns allen gnädig vnd barmhertzig ist / vnd vns alles das wir bedörffend an seel vnd lyb ersetzen / vnd vor allem bösen behüeten wil: welches alles er ouch wol vermag / dann er ist allmächtig. Also ist der will vnnd das vermögen by einanderen. Hiehar dienet besunders das daoben gesagt ist im 2. artickel am 2. vnd 8. cap. vnd im 3. artickel am 3. cap. etc.

[370] Von der Schöpffung aber bekennend wir / das wir gloubind das Gott himmel vnd erden habe erschaffen / vnnd deßhalb alles das da ist / ouch den menschen vnd vnser yetlichs. Dann mit himmel vnd erden begryffend wir alles das darinn ist / es sye sichtbar oder vnsichtbar. Da bekennend wir ouch / das alles das / das wir gebruchend vnd bedörffend zuo seel vnd zuo lyb / von Gott als vnserm vatter habind. Dann er regiert noch himmel vnnd erden / vnnd erhalt alles das da ist. Daruon liß daoben im 2. artickel am 3. 4. vnd 5. cap. etc.

6A4 Erklärung des anderen teils vnd anderen artickels des gloubens / von vnserem Herren Jesu Christo vnd von vnser erlösung.    Cap. IIII.

 

 

91.

[371] NAch der Schöpfffung bekennend wir in vnserem glouben ouch die erlösung. Dann nach dem der mensch im anfang von Gott rächt vnd guot erschaffen was / fiel er durch eigne schuld in sünd / tod vnd verdamnuß / das er (wie ouch wir / als die wir in sünden empfangen vnd geboren sind) eines erlösers nottürfftig was: den bestimpt Gott in sinem ewigen radt / vnd ordnet der gantzen wält zum erlöser Jesum Christum: den selben hat er den vralten verheissen durch die Patriarchen vnnd Propheten / vnd vns geleistet. Den selben vnseren heiland bekennend wir yetz vnnd veriähend jn / Jch gloub in Jesum Christum Gottes vatters eingebornen sun vnsern Herren / etc. das ist / Jch erkenn nit nun Jesum Christum syn den sun Gottes / den Herren / den Messiam vnd erlöser oder heiland der wält / sunder all min hertz / trost / hoffnung / zuouersicht vnd vertruwen setz ich vff jn / ich gloub dz jn Gott geleistet habe wie er jn verheissen hat / vnd den selben vnd keinen andren halt ich für minen heiland / vnd gloub vest das mir Gott der vatter von sines lieben suns wägen gnädig vnd barmhertzig sye / min sünd mir zuor verdamnuß nit verrächnen / sunder das ewig läben gäben werde: wie daoben im 2. 3. vnd 5. artickel heiterer erklärt ist.

Hie aber in disen sechs articklen bekennend wir ouch eigentlich / kurtz vnnd verstäntlich /

91v.

wär vnser Herr Jesus Christus sye / worfür wir jn haltind / was wir von der erlösung bekennind / wie er vns erlößt vnd in das ewig läben widerumb yngesetzt habe. [372] Wie wir nun vom Vatter bekennt / Jch gloub in Gott vatter allmächtigen: also sagend vnd bekennend wir ouch von dem Sun vnd sprächend / Vnd in Jesum Christum sinen einigen sun: namlich gloub ich. Dann vnser Herr Christus spricht im heiligen Euangelio / [373] Gloubend jr in Gott / so gloubend ouch in mich. Dann bald spricht er ouch: [374] Jch bin im vatter vnd der vatter in mir. Jch vnd der vatter sind eins. Darumb als der Herr den blinden fraget / [375] Gloubst du in den Sun Gottes? vnd der blind antwortet / Herr welcher ists / vff das ich in jn gloub? sprach Jesus: Du hast jn gesähen / (dann der Herr hatt jn gesähend gemachet) vnd der mit dir redt der ists. Da volgt yetz / Vnd der blind sprach: Herr ich gloub: vnd bättet jn an. Hierumb sagend vnd bekennend wir rächt / Jch gloub in Jesum Christum sinen einigen Sun.

[376] Hiemit aber bekennend wir ouch den vnderscheid der personen. Dann der sun nit der vatter / sunder des vatters sun ist. Ja wir nennend jn nit nun ein Sun / sunder ein einigen Sun Gottes / oder eingebornen Sun des vatters. Dann wir werdend ouch genennt Gottes kinder / doch als angenommne vnnd

92.

angewünschte vß gnaden. Diser Sun Gottes aber / ist der rächt ewig / natürlich der eingeboren Sun Gottes / von ewigkeit vom vatter erboren / glychs gwalts vnd herrligkeit mit dem vatter. Daruon liß wyter Joan. 1. 3. 5. 6. 8. 10. etc. cap.

Wir bekennend ouch heiter vnd vßerscheidenlich wär der Sun Gottes sye / kein anderer dann der Jesus heißt / vnd Christus oder Messias ist / vnd zuo siner zyt menschliche natur angenommen hat. [377] Den namen Jesus gibt vnserem Herren Christo der engel / ee dann er in muoter lyb empfangen ward / wie Mattheus züget cap. 1. vnd Luc. cap. 2. vnd zeigt damit wär er syn wurde / der Heiland / namlich der sine glöubigen heilet von allen jren prästen. Also ist Jesus der eigentlich / vnnd wie wirs nennend / der Touffnamen: [378] Christus aber heißt ein gesalbeter / vnd ist des ampts namen / dann es heißt als vil als ein priester vnd künig. Dann die priester vnnd künig wurdend gesalbet im alten Testament. [379] Vnd also ist ouch Christus vnser Herr / namlich waarer Gott / rechter priester vnd künig / vnd erlöser / schützer vnd schirmer / heil vnd läben. Das alles bekennend wir in disem artickel von Christo / vnnd also gloubend wir in jn.

6A5 Erklärung des dritten artickels des gloubens / wie Christus empfangen vnd geboren worden.    Cap. V.

92v.

VOlgt yetzund wie der ewig sun Gottes in dise wält kommen  / vnd vnser erlöser worden sye / welches ouch die wyß vnd maaß  der erlösung sye. Da so bekennend wir im 3. artickel / das der  einig sun Gottes empfangen vom heiligen geist / vnd vß Maria  der jungkfrouwen erboren / vnd also waarer mensch worden sye.

Vnd hie bekennend wir in vnserm Herren Christo [380] zwo vnderscheiden arten vnd naturen / namlich die Gottheit vnd  Menschheit / das er waarer Gott vnd waarer mensch sye / in  einer vnzertrennten person. Dann vnser Herr laßt sich nit teilen:  er ist nit Gott allein oder mensch allein / sunder Gott vnd  mensch miteinanderen / doch das die beid arten vnd naturen nit vnder einandren vermischet oder verloren werdind / sunder vnzertrennt vnd vnuermischt by einanderen bestandind / vnd also  vnser Herr Christus gantz / als waarer Gott vnd mensch / vnser  einiger mittler vnnd heiland sye. Daruon sind zügnussen Jsaie 7.  Michee 5.  Matth.22.  Joan.1. 6. Rom.1.  1.Timoth.2.  1.Joan.4. Vnnd hiedurch kan man vnderscheiden vnd rächt verston die  gschrifft. Dann vnser Herr Christus wirdt genennt ewig vnnd  zytlich / stärblich vnd vntödtlich / item der da sye allenthalben / vnd der da sye vff erden oder im himmel vnd nit allenthalben. Dann nach der Gottheit ist er ewig vntödtlich

93.

vnd allenthalb: nach der menschheit ist er zytlich / stärblich vff erden oder im himmel vnd nit allenthalben. Diewyl aber vnser Herr vnzertrenntlich / gantz / vnnd nit halb / vnser heiland vnd erlöser ist / so gibt die heilig geschrifft (welches die alten Communicationem idiomatum genennt habend) das der einen natur eigen ist / ouch der anderen zuo vnd spricht: [381] Maria sye ein muoter des Herren / das ist Gottes / vnnd der Herr der eeren sye crütziget / vnd Gott habe mit sinem bluot sin kilch erlößt: nit das die Gottheit an jrer eignen natur möge geboren vnnd gecrütziget werden / sterben oder jr bluot vergiessen / sunder das der / der hie nach menschlicher art vnd natur geboren vnd crütziget ist / vnd sin bluot vergossen hat / nit nun menschliche natur gehebt habe / sunder ouch waarer Gott sye: vnd deßhalb der gantzen person Christi als gemein zuogäben wirt / das aber vnderscheiden vnd vnuermischt in den beiden naturen blybt vnd würckt / etc.

[382] Diser Sun Gottes ist rein empfangen / nit von einichem mann / sunder durch krafft des heiligen geists / welcher die jungkfrouwen hat bekrefftiget / das ist / fruchtbar gemacht / daß sy in jrem lyb / vnnd vß jrem gebluot / empfangen / vnd also gäben hat menschliche art vnd natur dem läbendigen sun Gottes / welcher ouch vnser fleisch warlich vß Maria

93v.

angenommen / vnnd warhafftiger mensch von lyb vnnd seel worden ist. Daruon liß wyter Joan.1.  Luce1.  Matth.1.  Hebr.2. Da mögend wir yetzund vest glouben / das wir durch den erlößt syend / der nit nun warer Gottes sun / sunder das fleisch / das er angenommen vnd für vns zuor bezalung vfgeopfferet / gar rein / one sund vnd prästen angenommen hat / deßhalb er gantz rein vnd heilig / das allerheiligist opffer / ein vollkomne verzyhung vnd bezalung vnserer sünden ist.

[383] Vnnd wie er ein waarer mensch in muoter lyb worden / also ist er von Maria ein waarer mensch erboren / doch also das sy ein jungkfrouw gebliben ist. Dann wir ye zuo der geburt setzend das wörtly Jungkfrouw. So spricht Jsaias: [384] Sich ein jungkfrouw wirdt empfahen vnnd gebären einen sun. Daruon liß wyter Luce 2. Wir bekennend das (wie ouch der Engel Luce 2. züget ) er vns zuo heil erboren sye.

6A6 Erklärung des 4. artickels des gloubens von dem lyden vnd tod Christi.    Cap. VI.

[385] DJewyl er nun von vns hatt angenommen das er wolt opffern vnd vns also versünen mit Gott: dann die priester namend von dem volck das sy opffertend / vnd one bluotuergiessung beschicht kein verzyhung: so hat sich vnser

94.

Herr Christus in allerley lydens / vnd zuo letst in den tod begäben / sin bluot vergossen / vnnd ist warlich gestorben vnnd begraben / damit wir wurdind gereiniget von sünden / vnd erlößt vom ewigen tod. Dauon liß Jsaie 53.  Psal. 22.  Luce 22. 23. vnnd zuo den Hebreern am 9. vnd 10. cap. Besich ouch daoben im 5. artickel das 3. vnd 5. cap. etc. Darumb ob wir glych wol sterben vnd begraben müessend werden / söllend wir vns doch nit fürchten. Dann Christus ist ouch gestorben vnd begraben / aber im tod nit gebliben / in dem selben werdend wir ouch läben / nach lut der geschrifft Psal.16.  Rom.6.

[386] Vnd ist diser gloub vom tod Christi so gewüß vnd waar / das wir ouch zyt benamsend wenn vnd wo er gelitten habe / zuo Jerusalem vnder der Römern herrligkeit / welche dahin Pilatum zum Landtuogt gesetzt hattend. Vnd also hat Daniel gewyssaget / Messias wurde kommen vnd lyden vnder der Römeren monarchy / Danielis 2. vnd 9. Wir veriähend ouch die wyß vnnd maaß sines lydens vnd todts / namlich [387] so sye er crütziget. Dann sölichs was ouch vorgebildet im Jsaac / Gen.22. vnnd in dem / das die opffer vff das holtz wurdend gelegt vnd geopfferet / das die schlang was in der wüeste erhöcht. Daruon vnser Herr Jesus redt Joan.3. cap. Von der begrebd aber Christi liß Matth.27.  Luc.22. etc.

94v.

[388] Wir bekennend ouch / das vnser Herr Christus hinab gefaren sye zuo den hellen / nit allein darumb / das er warlich gestorben vnd sin seel vom lyb gescheiden / gesamlet worden sye in die schooß Abrahe in die ruow zuo der gmeind vnd gesellschafft aller heiligen abgestorbnen vättern / sunder das sin tod vnd lyden zur bezalung vnd erlösung aller heiligen vättern gnuogsam krefftig sye / vnnd deßhalb alle die ye von Adamen har sälig worden / durch Christi erlösung sälig worden / ja das wir alle durch jn von der hellen pyn erlößt syend. Daruon wyter gesagt wirt 1.Pet. 4. cap. Jn der Offenbarung am 13. spricht Joannes / Christus sye das lamm gemetzget von anfang der wält / dz ist / desse / erlösung krefftig gsyn sye von anfang der wält / etc.

6A7 Erklärung des 5. artickels des gloubens / von der vferstenntnuß Christi von todten.    Cap. VII.

[389] DOch das wir gwüßlich wüßtind vnd keines wägs zwyfletind / das vns die sünd durch den tod Christi vergäben / abgethon / der tüfel / tod vnd hell überwunden wäre / ist Christus vnser Herr am dritten tag von todten vferstanden: welches er nit vermögen hette / wenn die sünd noch krefftig gsin. Dann sy würckt den tod / bringt in die verdamnuß vnd hell. Da

95.

aber bekennend wir / das vns Christus von todten vferstanden / [390] vns sünd / tod vnd hell überwunden / ja vns das läben dermassen widergebracht / das [391] ob wir schon ouch sterben müessend / doch des ewigen tods nit sterbend / sunder des ewigen läbens läbend.

So notwendig ist ouch diser artickel von der vrstende / das der heilig Paulus den gantzen glouben daruf setzt / Rom.4. vnd 10.  1.Corint.15. Das ouch die heiligen vier Euangelisten kein andern artickel so vilfaltig / als disen / beuestnet habend. Daruon liß Matth.28.  Marci16.  Luce24.  Joan.20. vnd 21. Liß aber insonderheit die predigen Petri Act.2. vnd 10. vnd Paulum 1.Cor.15.

6A8 Erklärung des 6. artickels des gloubens / von der himmelfart Christi vnd der gerächten Gottes.  Cap. VIII.

[392] JA das wir nach [noch] minder vrsach hättind zuo einichem zwyfel vnsers heils / sunder heiter wüßtind dz vns das ewig läben durch Christum erlangt vnd vfgethon wäre / so fart Christus vf in die himmel / vnnd setzt sich zuo der gerächten hand Gottes allmächtigen. Vnd so wir das bekennend / gloubend wir / das Christus vns den himmel vfgeschlossen / vnnd mit dem das er mit sinem waaren menschlichen lyb den himmel besässen / habe er ouch vns widerumb in

95v.

die himmelisch besitzung yngesetzt. Dann Joan.14. spricht er / in sines vatters huß syend vil wonungen / die gange er vns zuo bereiten oder vfzuoschliessen / vnd wölle vns zuo jm nemmen / das wo er ist / wir ouch syend. Von der himmelfart liß Marci 16. Luce am 24. vnnd in Gschichten der h. Apostlen am 1. cap.

[393] Die gerechte hand Gottes aber wirdt vff zwen wäg in der gschrifft gebrucht. Zum ersten für die Göttlich maiestat vnd allmächtigkeit / ja für das rych vnd für den gewalt den Gott übt vnd gebrucht in allen sinen gschöpfften. Vnd also ist Christus zuor gerechten hand Gottes gesässen / dz ist / er hat das ewig rych yngenommen / vnd alles das da ist in himmel vnd vff erden ist jm vnderthon / also das er hat alle göttliche macht / das rych vnd die herrligkeit. Daruon liß Ephes.1. vnd Philip.2. Vnd also ist die gerechte Gottes an kein ort angebunden / dann sin gwalt vnd rych ist ewig vnd allenthalb. Zum anderen heißt die gerächte Gottes dz ort der säligkeit in himmlen / da wir werdend ruow vnd eer haben in ewigkeit. Also spricht der Herr selbs / wo er sye / da werdind wir ouch syn. Vnd Paulus spricht / wir werdind in den wolcken dem Herren engägen in dem lufft übersich gen himmel kummen / vnd allwäg by dem Herren syn. Wyter spricht er / Do wir tod warend in den sünden / hat vns Gott in Christo läbendig gemachet / vnd hat

96.

vns mit jm vferweckt / vnd mit jm gesetzt in das himmelisch wäsen / etc. Ephes.2. Vnnd also ist die gerächte Gottes nit allenthalben: wie ouch der lyb Christi nit allenthalben ist. Dann das ort vnserer ruow vnd säligkeit ist ein gwüsses ort / also das wir nit zuo mal vnd glych mit einandren in himmel vnd vff erden / ja allenthalben syn werdend. Dann der Herr spricht / [394] Jch gon üch ein statt oder ort zuo bereiten. So spricht Paulus / [395] Vnser burgerschafft ist im himmel / von dannen wir wartend deß Herren / welcher wirt vergstalten / etc.

6A9 Erklärung des sibenden artickels des gloubens von dem Jüngsten gericht.    Cap. IX.

ALs aber Gott der vatter vnsern Herren Jesum Christum gemachet hat zum erlöser mittler vnd heiland / diewyl dise wält stadt vnd wäret / also hat er jn ouch zuo end der wält [396] zum richter gesetzt über die läbendigen / namlich die den jüngsten tag erläbend / vnd über die todten / die von anfang der wält biß an das end abgestorben sind / aber yetzt werdend vferston: die all wirt er richten / sine glöubigen erretten schirmen vnd belonen / die vnglöubigen aber (die jn nit als den einigen mittler vnd erlöser erkennen wöllen / jn yetz als ein gerächten richter empfinden müessend) ewigklich verdammen. Dann wär in Christum nit gloubt / ist verdampt. Joan.3. Vnd also sähend wir

96v.

ouch wie Christus der rächt Herr sye in himmel vnnd vff erden. Hiemit bekennend wir ouch / das wir gloubind die wält werde enden / vnd Gott werde die guoten belonen / vnd die bösen straaffen/ etc. Daruon wyter Joan.5. vnd 2.Cor.5.  Malach.3. vnd 4. Von disem gericht vnnd gantzen handel liß Matth.16.25.  Act.17.  1.Thess.4.  2.Thess.1. vnd in der Offenbarung Joan. cap.19. 20. etc. Vnd hiemit hab ich mit Gotts hilff erklärt den andren teil des gloubens in 6. articklen begriffen von Christo Jesu vnserm Herren vnd von vnserer erlösung.

6A10 Erklärung des dritten teils vnd achten artickels des gloubens / vom heiligen geist vnd vnserer heiligung.    Cap. X.

[397] JM achten artickel bekennend wir die dritte person in der heiligen Tryfaltigkeit / namlich den H. Geist / welcher ein Gott ist mit dem Vatter vnd Sun. Von welchem vnser Herr Christus gar vil geredt hat Joan. am. 3. cap. am. 7. 14. 15. 16. cap. Vnd wie des Vatters eigen ist die schöpffung / des Suns die erlösung / also des Heiligen Geists die heiligung. Wie aber der Vatter alles erschaffen hat / aber durch den Sun / vnnd alle ding bestond im geist sines munds: also heiliget ouch der vatter / aber durch das bluot sines einigen Suns / vnd verlycht vns / ja güßt vns yn die war heiligkeit

97.

durch sinen heiligen geist. Dann also redt Paulus: [398] Jr warend wol verunreiniget mit lasteren / yetzund aber sind jr abgwäschen vnd geheiliget / ja ouch gerächtfertiget durch den nammen des Herren Jesu / vnd durch den geist vnsers Gottes.

Darumb wenn wir bekennend vnd sprächend: Jch gloub in heiligen Geist / zügend wir das wir vnsern trost setzind in den heiligen Geist als in den waaren Gott / ja das wir vest gloubind das vnns Gott innerlich vnd warlich durch sinen geist heilige / alle gnaden Christi mitteile / glouben verlyhe / widergebäre / tröste / stercke vnnd besigle. Daruon (als obgesagt) vil im Euangelio Joannis geschriben / ouch vom heiligen Paulo geredt wirt / Rom. 8.  2.Cor.1.  Ephes.4. vnd insonderheit 1.Corinth.12.

[399] Hie aber söllend wir nit mit den Messalianern vnd Töuffern dermassen Spiritduser werden / das wir / darumb der geist Gottes innerlich heiliget / die gschirr die der Herr vsserlich in der heiligung bruchen gheissen / als das wort Gottes / vnd die heiligen Sacramenten / verachtind / verwärffind vnd vernütind. Herwiderumb sol man ouch den instrumenten nit zuo vil / das ist mee zuogäben / dann die gschrifft / der geist vnd gloub erlyden mag.

97v.

6A11 Erklärung des vierdten teils vnd nündten artickels des gloubens / von der kilchen.    Cap. XI.

WJewol in vorgendem erklären der acht articklen des gloubens  / die würckung vnd frucht des gloubens mithinzuo yemardar angerüert worden ist / wirt doch die selb erst hie zuo end in  den vier letsten articklen eigentlicher vnd vollkomner erzellt vnd vßgelegt. Dann [400] nach dem wir bekennt habend Gott vatter vnsern  schöpffer / sinen einigen Sun vnsern erlöser oder Herren / vnd sinen heiligen Geist vnsern heiliger vnd tröster / vnd das  wir in disen einigen waaren Gott gloubind / all vnsern trost / vertruwen vnnd hoffnung setzind vnd gründind / so veriähend wir fürhin was frucht wir von Gott vß disem glouben empfahind  oder empfindind / vnd was Gott in Christo vnd in krafft sines  geists in vns durch den waaren glouben würcke / namlich waare  heiligung / gmeinsame oder gmeinschafft mit Gott vnd allen heiligen  / ablaß der sünden / vferstenntnuß des fleischs / vnd das ewig  läben.

[401] Da ist aber in dem nündten artickel wol zeuerhüeten das wir nit sagind: Jch gloub in die Christenlich kilchen. Dann in nieman gloubt man / dann in Gott allein / darumb findt sich das wörtly Jn / allein by den dry

98.

göttlichen personen / Jch gloub in Gott vatter / vnd in sinen einigen Sun / vnd in den heiligen geist. Die kilch aber ist nit Gott / sunder die gmeind der erlößten von Gott. Noch vil minder sol man glouben in die heiligen. Dann sy jrer art vnd natur halben sünder / aber vß gnaden von Gott geheiligete menschen sind. Sölichs zeig nitt nun ich hie / sunder äben das habend ouch die heiligen lieben Vätter vnnd Leerer der kilchen anzeigt / das man ja inn Gott allein / vnnd nit in die kilch oder in die heiligen glouben sölle. Wol mag man der kilchen vnd der heiligen leer glouben / ja man sol jren / wenn sy vß Gott vnd sinem wort ist / leert oder redt / glouben: aber in sy kan noch sol man nit glouben. Dann das gebürt allein Gott / der es mit nieman gmein hat.

[402] Das gloubend wir aber in disem artickel / das nit nun ein kilch / ja ein heilige kilch Gottes sye / sunder ouch das wir diser heiligen kilchen yngelybet / mit Gott vnd allen sinen heiligen gmeinschafft habind / vnnd des geists vnnd aller der heiligung teilhafft werdind / (deßhalb wir ouch warlich heilig syend) die er siner kilchen mitteilt hat. Dann Gott hat siner kilchen vff erden alle himmelische schätz in Christo gäben / sinen geist / sin wort vnnd Sacrament / das gebätt vnd andere gaaben geordnet / sampt dem gantzen handel der gerächtmachung vnnd säligkeit / das sy die gemein

98v.

vnder jren haben sölle. Wär nun in der gmeinsame der kilchen ist / der ist heilig vnd in der gmeinsame mit Gott vnnd aller siner vßerwölten / ouch jrer güetern. Vnd wie vsset der Archa Noe kein heil was / also ist vsset der waaren Christlichen kilchen gar kein heil.

[403] Es sind aber von yewälten har vil kilchen gesyn. Dann das wörtly Kilch / heißt ein gemeind oder versamlung deren die vnder ein houpt vnnd religion verbunden sind. Da ist yetzt ein Jüdische vnd Türckische kilch / item alle vnnd yede Secter habend jre winckelkilchen. Hie bekennend wir aber / das nun ein ware rächte kilch sye / namlich die heilig / frylich die allein / die von Gott dem vatter / in Christo Jesu sinem einigen sun / vnd in krafft des heiligen geists / durch den glouben / als daoben gehört / geheiliget ist: vnnd das ist kein andere dann die Christlich kilch.

[404] Die Christlich kilch hat jre innere vnd vssere zeichen by denen sy erkennt wirt / füruß aber die gmeinschafft des geists / das heilig göttlich wort / durch welches sy zur kilchen wirt / welchem sy ouch so styff vnnd einig anhangt / das sy kein anders hört. Sy gloubt allein in Gott / vertruwt vnnd buwt allein [405] vff den läbendigen velsen Jesum Christum / als die grundtlich weißt / das kein ander fundament mag gelegt werden. Sy rüefft einig an den nammen Gottes durch Christum. Sy

99.

gebrucht sich der heiligen Sacramenten / nit anders dann wie sy die von Gott empfangen hat. Sy läbt in der forcht Gottes / [406] in der liebe vnnd einigkeit mit allen menschen / besonders aber mit jren mittglidern. Sy dienet Gott mit sinem dienst / im geist vnd in der vnschuld / ouch mit gedult im lyden. Sy wachet vnd bessert sich / vnd thuot buoß für vnd für. Von disen zeichen findst du vil in Gschichten der heiligen apostlen / etc.

Darumb sind in der gemeinschafft diser kilchen alle die nit / die kein gmeinsame vnd glyche des geists vnd gloubens habend / als die frömbder leer anhangend / nit rächt haltend noch leerend von der heiligen dryfaltigkeit vnd einigkeit Gottes / von der Gottheit vnd Menschheit Christi / von siner erlösung / vnd was anders derglychen im Glouben vergriffen ist / darwider geschriben habend Praxeas / Sabellius / Valentinus / Martion / Arius / Macedonius / Nestorius / Eutyches / Donatus / Pelagius vnd vil ander mer. Jn diser kilchen sind ouch die nit / die sich vß hochfart vnd kyb von jren sünderend / vnd ein besonders (wie ouch die Töuffer) haben wöllend / one not. Jtem die schandtlich vnd lasterlich läbend / darinn verharrend vnnd sich nit besserend. Ja ouch alle die vorernennte zeichen nit an jnen habend / etc. Da luoge ein yetlicher verirrter / das er widerkeere vnd komme

99v.

in die gmeinschafft der waaren heiligen kilchen.

Dise kilch wirt mit allerley parablen vnnd byspilen in der heiligen gschrifft angebildet: vff das wir sy wol vnd rächt erkennind. [407] Sy wirt genennt der Schaffstall Christi / desse hirt allein Christus ist. Joan. 10. Sy wirdt genennt ein lyb Christi / desse houpt allein Christus ist. Ephes. 1. vnd 5. Die kilch läbt von dem geist Gottes: vnd alle die den geist Gottes habend vnd vnder dem houpt Christo blybend / sind glider der Kilchen. Sy wirt genennt ein Gspons oder Brut Christi / deren brütigam vnd Eeman allein Christus ist. Joan.3.  2.Corinth.11. Sy wirt genennt ein Geistlich huß Gottes / als das Gott mit sinem geist ynwonet / darinn er ouch hußuatter ist vnd hußhalter. 2.Corin.6.  1.Pet.2. Sy wirdt genennt ein Sul vnd pfimmet der warheit. Dann sy allein gründet vff Gott vnd sin warheit / vff Christum den waren felsen / füert ouch kein andere dann Christi leer. 1.Timoth.3. Vnd [408] so dise kilch ein einigen rächten Eegmahel hirten vnd houpt hat / bedarff sy keines anderen houpts vnd hirten vff erden. Deßhalb sich der Bapst wider disen artickel vnnd wider die leer S. Peters vnd S. Pauls zum allgemeinen hirten vnd houpt der kilchen vfgeworffen hat: wir ouch gnuog an der Christlichen kilchen habend / vnd keiner Römischen bedörffend. [409] Dise Christenliche kilchen nennend wir die Allgemein /

100.

darumb das sy begryfft alle vßerwölten Gottes / ja alle glöubigen die ye gsin / noch sind / vnd sin werdend. Dann die allsamen sind ein lyb vnd ein gemeind Christi. Wirt deßhalben also daruon geredt / Es sye ein kilchen deren die überwunden habind vnnd yetz die säligkeit herrlich besitzend: vnnd sye ein kilchen deren die noch im stryt hie vff erden vnder der gehorsame göttlichs worts Gott dienind. Yhens sye die kilch in himmlen / dises sye die kilch vff erden. Vnd die kilch vff erden habe ouch jr abteilung. Dann es syend die glöubigen vor Christi geburt / vnd syend die glöubigen nach Christi geburt. Jtem es sye die allgemein kilchen zerströuwt durch die gantzen wält: vnd syend besundere kilchen / als in allen vnd yeden stetten / fläcken / dörffern vnnd hüseren. Doch syend die alle nun ein kilch vnder dem einigen Gott vatter vnd sinem Sun vnserm einigen erlöser / vnd vnder der heiligung des Heiligen geists. Vnnd ist zwaren allen menschen trostlich / das sy sähend / das sy ein lyb sind / vnnd gmeinsame habend mit allen den heiligen in Gott die ye gsin sind / noch sind / vnd syn werdend.

[410] Darumb das wir hinzuo setzend / Gmeinschafft der heiligen / ist als vil als ein erklärung was wir durch die kilch verstandind: anders nüt / dann die gantz versamlung der heiligen / die eines geists vnder eim einigen

100v.

houpt Christo vnd in der Christlichen religion läbend. Da die heilig gschrifft nit nun die in himmlen sind / sunder alle die vff erden vnd rächt glöubig sind / heiligen nennt. 1.Corinth.6.

[411] Vnd wie wir ernstlich trachten söllend / das wir in die rächt kilchen kummind vnnd in jren blybind / also söllend wir vns hüeten vor allen frömbden kilchen / das wir weder teil noch gmein mit jnen habind. Das aber sind frömbde kilchen / die nit des einigen Christi (als bißhar gehört) kilchen sind / ouch die rächten zeichen der waren kilchen nit habend / sunder vil mee die kilchen Christi veruolgend. Daruon besich wyter Apocalyp.13. 14. 18. etc. Darumb lasse sich nieman beduren / wenn er schon von dem Bapst vnd Römeren vßgeschlossen ist.

6A12 Erklärung der dry letsten articklen des gloubens / Ablaß der Sünden / etc.    Cap. XII.

[412] WElche nun in der heiligen gmeinschafft der heiligen kilchen sind / die habend ouch verzyhung aller jrer sünden. Das bekennend wir mit dem zähenden artickel des gloubens / vnd sprächend: Jch gloub ablaß oder verzyhung oder vergäbung der sünden: vnnd haltend es für gwüß vnd warhafft / das vns Gott nüt mee werde zuosuochen von wägen vnserer sünden / sunder darfür nemmen die bezalung Jesu Christi / vnd also mit vns zuo friden syn. Das

101.

gloubend wir von gantzem hertzen / vnnd verlassend vns gäntzlich daruf.

[413] Vnd hie ist zuo mercken das so wir gloubend ablaß der sünden / frylich ouch bekennen müessend / das wir sünder sind. Dann was wurde Gott vns nachlassen / wenn wir nit sünder wärind? Darumb söllend wir hie vnser sünd erkennen vnd vor Gott verjähen: wie vns der heilig prophet Dauid ouch leert im 32. Psalmen / vnd der heilig Joannes in siner ersten Epistel am 1. cap. [414] Söliche bycht / da wir Gott mit rüwen vnd von hertzen in warem glouben vnser sünd bychtend / vnd vns gägen vnserm nächsten den wir erzürnt der schuld begäbend (als der heilig Jacobus leert 5.cap.) vnd der versüenung begärend / ist notwendig vnnd ouch im heiligen Vatter vnser begriffen. Von der Bäpstischen Bycht vnnd absolution weißt die Heilig gschrifft / vnd die erst apostolisch kilch nüt: noch vil minder von dem aplaß der vmb gält feil ist vnd mit gält erlößt wirt. Wir gloubend / lösend nit ablaß der sünden. Besich Act 8. vnd 2.Pet.2.

[415] Wyter ist zuo mercken das allein Gott die sünd durch Christum verzycht: das ouch kein ander mittel ist. Ja die verzyhung ist der lutern gnad Gottes vnd verdiensts Christi / nit vnsers verdiensts. Darumb werdend ouch die wörtli gebrucht Ablaß / Nachlassung / Vergäbung vnd verzyhung. [416] Wär nit bezalen mag /

101v.

dem laßt man nach vnd schenckt jm die schuld / etc.

[417] So ist insonderheit ouch das zuo mercken / das allen glöubigen menschen / zuo allen zyten / nit nun ein oder wenig sünd / sunder alle jre sünd verzigen werdend / ja das jnen pyn vnd schuld nachgelassen wirt: wie Joannes heiter züget 1.Joan.1. vnd 2. vnnd Paulus Rom.5. Daruon ich ouch daoben im 3. vnnd 5. artickel gesagt hab: darumb ich ouch hie in disem artickel von verzyhung der sünden dester kürtzer bin.

[418] Volgt wyter vff die heiligung vnd reinigung / die widerbringung des gantzen menschen. Dann in dem elfften artickel bekennend wir vrstende des lybs / oder vferstenntnuß des fleischs. Da wir gloubend / das nit nun die seel des menschen / sunder ouch der lyb oder das fleisch / vnd also der gantz mensch sölle sälig werden. Dann darumb stadt der lyb der glöubigen widerumb vf von todten / das er mit der seel ewig läbe. Vnnd das ist ouch vnser trost vnnd hoffnung / welche vns nimmermee fälen wirt.

Wir bekennend aber vßtruckenlich die vrstände des lybs oder fleischs / das wir yetzt tragend / vnnd das einmal durch den tod zuo äschen oder nüte wirt. Dann [419] der lyb wirt am jüngsten tag vns widergäben / durch die krafft Gottes / durch welche er / von anfang / alles vß nüt / das ist / da nüt was / vnnd den menschen

102.

vß dem stoub der erden / erschaffen hat. Das wir aber das vest glouben köndind / ist vnser Herr am dritten tag von todten vferstanden / vnd hat sich sinen jüngern fürgestelt vnd anzeigt / das er nit ein geist / sunder fleisch vnd bein wäre / vnd in sinem waaren lyb dastünde. Daruon läse man Luce 24. vnd Joan. 20. Dann Paulus erwyßt vilfaltig / 1.Cor.15. Das ouch wir / die glider Christi sind / glycher gstalt von todten werdind vferston / wie vnser houpt Christus vferstanden ist. Vnd 2.Corinth.4. spricht er vßtruckenlich: Dann wir die da läbend / werdend ymmerdar in tod gäben vmb Jesus willen / vff das ouch das läben Jesu offenbar werde an vnserem stärblichen fleisch. Vnd im 5. cap. Wir müessend alle erschynen vor dem richterstuol Christi / vff das ein yetlicher empfahe das / so er mit sinem lyb gethon hat / es sye guot oder böß. Jtem Phil.3. Vnser burgerschafft ist im himmel / von dannen wir ouch wartend des heilands Jesu Christi / welcher wirt vergstalten vnsern niderträchtigen lyb / das er glychförmig werde dem lyb siner klarheit / etc.

[420] Darumb werdend vnsere cörpel / die vns in der vrstände gäben werdend / glantz vnd herrlich / vnd von aller blödigkeit / anfächtung vnd zerbrüchligkeit / vngstalt / verwyssen / beschwärd / mangel vnd prästen gelediget werden. Daruon ouch Paulus wytern bericht

102v.

thuot 1.Corinth.15.

[421] Es werdend aber alle menschen / guot vnd böß / vferston zuo dem jüngsten tag / das ein yetlicher an seel vnd lyb / nach dem er gehandlet hat / empfahe. Wär lust hat läse vollkomne zügnuß hieuon / Job19.  Psal.16.  Jsaie 26.  Ezech.37.  Matth.22. 24. 25.  Joan.5.11.  Act.26. 28.  Rom.6. 8.  1.Thess.4. etc.

[422] Vnd hieruf beschliessend wir vnsern glouben vnd bekennend ein ewigs läben / nit nun das es sye / sunder das es vns bereit vnd vnser eigen sye. Darumb volgt in krafft des waren vngezwyfleten gloubens / das so bald vnsere seelen vom lyb scheidend / [sy] in das ewig läben vfgenommen werdend: wie ouch heiter im heiligen Euangelio geschriben stadt / Joan.5. vnd [423] die byspil des armen Lazari Luce 6. vnd des mörders am crütz Luce 23. vnwidersprächlich bezügend. Darumb schlaffend vnsere seelen nit / vil minder sind sy stärblich / sunder vnstärblich. Sölich ewig läben wirt ouch dem lyb vff das jüngste gricht zuogeteilt.

Das ewig läben begryfft alle fröud vnnd vollkommne wunn / deren wir warlich ymmer vnd ewig one end / lieblich vnd trostlich oder ergetzlich werdend geniessen / hie in zyt aber nit vßsprächen könnend: wie ouch Paulus vß Jsaia züget 1.Corinth.2.  Glycher gstalt mag ouch die ewig pyn (die kundtschafft hat Marci 9.  2.Thess.1. etc.) nit vßgesprochen werden.

103.

Von der selben bekennend wir in disen articklen nüt / nit das sy nit sye / sunder das die glöubigen von der ewigen pyn vnd verdamnuß erlößt / mit dem Tüfel vnd der hell nützid zeschaffen habend.

[424] Vnd das wir bißhar in den zwölff articklen begriffen habend / ist der rächt war Christen gloub: wär also gloubt / gloubt rächt / gefalt Gott / ist gerächtfertiget vnnd hat das ewig läben: wär nit also gloubt / ist vngrächt / vollen sünden / Gottes fynd vnd ewig verloren. [425] Söliche vnglöubige all habend die alten / was schönen schyns sy ioch gefüert / verworfen / vnnd deßglychen alle die / die wider dise artickel geleert vnnd gehalten / habend sy für kätzer gehalten. Welchen wüesten vnd fyndsäligen nammen die menschen diser zyt vil zeuil vnd zegering einandern vflegend: da aber wäger wäre bescheidner gefaren / vnnd die sach baß ermässen / etc. Daruon noch vil zereden vnd zuo schryben wäre / ich setzen aber allein ein kurtze Summam.

6A13 Das der rächtglöubig / Christi empfinde vnd in Christo läbe.    Cap. XIII.

[426] DJser waar Christen gloub / yngegeistet von dem heiligen geist  / vnd gegründet vff Gott vatter / Sun vnd heiligen Geist /  ist nit nun ein whon / wie ouch daoben im 1. cap. dises artickels  gesagt

 

 

103v.

ist / welcher müessig vnnd one würckung vnd frucht im gmüet  des menschen schwäbe / wie wir dann gmeinlich das wörtlin Gloub  gebruchend / vnnd sprechend: Jch gloub nit daß der kommen werde  / Jch gloub der werde nit lang läben / Jch gloub schier du syest vntrüw vnnd vngstalt / etc. vff welches alles wir wenig oder gar  nüt setzend / es sye glych oder nit / desse wir ouch in vns  mit keiner würckung oder ergetzligkeit empfindend: sunder der  waar Christen gloub ist ein warhafftige erkanntnuß / vnd ein  göttliche krafft vnd ergetzliche würckung in vns / ja ouch ein versicherung des gnädigen willen Gottes / der verzyhung der sünden vnd des ewigen läbens. Dann der glöubig verstadt nit nun dz er gloubt / sunder er empfindet ouch die gnaden Gottes vnd des läbens Christi in sinem hertzen / hat frid vnd fröud / vnd läbt in Christo.

Sölichs züget die erfarung / von welcher alle die gar nüt wüssend / die da schryend / Was ist der gloub? Sölte mich der whon etwas hälffen? oder / Sölte mich der glouben heilen vnd so grosses würcken? etc. Höre man aber hierumb den mund der warheit vnseren Herren Christum: der spricht in dem heiligen Euangelio zuo der Sünderin / [427] Gang hin im friden / din gloub hat dich geheilet. Darumb ouch Paulus spricht: [428] So wir dann sind gerächt worden durch den glouben / so habend

104.

wir frid mit Gott / durch vnsern Herrn Jesum Christum. Wyter spricht vnser Herr im Euangelio / [429] Wär in mich vertrüwet / den hungeret nit mee / vnd hat das ewig läben. Jtem / Wär min fleisch isset vnnd trincket min bluot / der blybt in mir vnd ich in jm: Vnd wär mich ässen wirt / der wirt ouch vmb minentwillen läben. Darumb spricht ouch Paulus vß den propheten: [430] Der fromm wirt sines gloubens geläben. [431] Vnnd widerumb / Jch bin durch das gsatzt / dem gsatzt abgestorben / vff das ich Gott läbte: ich bin mit Christo gecrütziget: ich läben aber / doch yetz nit ich / sunder Christus läbt in mir. Was ich aber yetz läb im fleisch / das läb ich in dem glouben des Suns Gottes / der mich geliebet / vnd sich für mich dargeben hat.

Vnd hie acht ich nit notwendig syn wyter von der vilfaltigen würckung des gloubens zeschryben: wär lust hat läse das 5. cap. der ersten epistel Joannis / vnd Paulum zuo den Hebreern am 11. cap. etc. So wirdt hernach volgen der 9. artickel von den guoten wercken. etc.

6A14 Von der ordnung Gottes / wie der gloub gäben / gepflantzt / gemeeret / vnd erhalten werde.    Cap. XIIII.

VNd hie muoß der Christ ouch eigentlich erlernen / wie der waar Christen gloub den menschen gäben oder gepflantzet / gemeeret vnnd bewaret

104v.

werde. Es sind etliche Spiritöuser die wunderbar ding spintisierend von dem geist vnd innern glouben / hienäben aber ringfüeg machend das predigen / vnd den gantzen dienst der kilchen vast zuohin vernütend.

[432] Es möchte Gott wol heil machen das menschlich geschlächt mit dem wort vnnd sinem geheiß / volgt aber darumb daß das mittel das er von ewigkeit angesähen hat / allein durch Christum sälig zemachen / ytel vnd nüt sye? Oder möchte Gott den menschen nit ouch one lybliche spyß erhalten? Oder ist nit Moses vnd Helias one lybliche spyß lang erhalten? So wöllend wir den ackerbuw / malen vnd bachen abgon lassen: Gott wirt vns one die ding wol erhalten: er mags doch wol. Wär verlaßt sich aber daruf? Niemant dann der vnsinnig ist vnd verdärben wil. Also möchte zwaren Gott one mittel heilen vnd den glouben innerlich vnnd wunderbarlich den menschen yngiessen / das sy weder predig hörens läsens noch bättens bedörfftend. Thuot ers aber? Gar nit. Dann [433] hat er schon einmal Paulum wunderbarlich bekeert vor Damasco / schickt er dennocht Ananiam ein diener zuo jm. Darzuo ists offenbar / das wenig besundere thaten vnd fryheiten / gemeinen ordnungen vnd gsatzten nüt abbrächend. Gott schickt zuo Cornelio [434] in Gschichten der heiligen apostlen einen Engel / durch den er Cornelium wol

105.

hette mögen berichten / one predigen des dieners / wunderbarlich / er wyßt jn aber zuo Petro: der prediget dem Cornelio vnd toufft jn. Darumb söllend alle glöubigen by der ordnung Gottes / one arguieren von der allmächtigkeit / ghorsamlich blyben / vnnd die mittel die jnen Gott den Glouben zeüberkommen oder zuo pflantzen bestimpt hat / gebruchen.

[435] Das ist aber die ordnung Gottes / daß das heilig Euangelium geprediget / vnnd damit die menschen berichtet werdind / was Gottes verheissungen syend / vnd was sy glouben söllind. Dann er schickt vß sine Apostlen vnnd spricht zuo jnen: [436] Gond hin in alle wält vnd predigend das Euangelium allen creaturen / welcher gloubt vnd toufft / wirt / sälig / etc. So beschrybt Paulus gar klar dise ordnung vnd spricht zuo den Römern: [437] Welcher den nammen Gottes anrüefft / wirt sälig. Wie werdend sy aber den anrüeffen in den sy nit gloubend? Wie werdend sy aber glouben / von dem sy nüt gehört habend? Wie söllend sy aber hören one prediger? Wie söllend sy aber predigen / wenn sy nit gesendt werdend? So kumpt der gloub vß dem hören / das hören aber durch das wort Gottes. Vnd findt sich / wenn Gott ein volck hat wöllen zuo jm bekeeren vnd glöubig machen / das er jnen habe prediger gesandt. Daruon besich Act.16.

[438] Doch vermag das vsser wort wie es von

105v.

dem menschen verkündt wirt / allein für sich selbs / nüt / der heilig geist bewege dann innerlich die hertzen vnd ziehe sy. Dann vnser Herr Christus spricht: [439] Es mag nieman zuo mir kommen / es ziehe jn dann min vatter. Es stadt geschriben in Propheten / Sy werdend all von Gott geleert. Vnnd zuo Petro / [440] Fleisch vnd bluot hat dir das nit geoffenbaret / sunder min vatter der in himmlen ist. Darumb läsend wir [441] in Gschichten der heiligen Apostlen von einem wyb / Lydia genannt / das sy zuogehört habe der predig Pauli / vnd der Herr habe jren das hertz vfgethon / etc. Also spricht Paulus: [442] Wär ist Paulus / wär ist Apollo? Diener sind sy / durch welche jr sind glöubig worden: vnnd das selb wie der Herr einem yetlichen gäben hat / Jch hab gepflantzt / Apollo hat gewässeret: aber Gott hat das wachsen gäben. So ist nun weder der da pflantzt / noch der da wässeret etwas / sunder Gott der das wachsen gibt. Darumb ye gewüß ist / daß der Gloub ein frye schencke Gottes ist / die nieman von jm vnd vß jm selbs hat / sunder allein von Gott vß gnaden. Daruon ouch Paulus wyter meldung thuot Phil. 2.  2.Cor.3. etc.

Vnd hie bedarffst du nit pynlich vnnd gewünderig fräglen vnd disputieren / ob Gott yederman ziehe / oder nun wenigen den glouben gäbe? [443] Vnd wenn du glych sichst das nit yederman gloubt / ja ouch die / die das wort

106.

Gottes täglich hörend / sich darwider setzend / solt du dennocht nit verzwyflen / vnd sprechen / Dise gloubend darumb nit (wie es dann ouch waar ist) dz sy nit [444] der schaaffen Christi sind / so bin ich ouch etwan nit der vßerwölten / darumb wirt mir Gott den glouben nit gäben / was wil ich dann der predig zelosen? sunder vnser yetlicher sol sich vil me trösten der trostlichen verheissungen Gottes / vnnd von jm hoffen vnnd glouben alles guots. Der Herr selbs spricht: [445] Jch wil nit des sündigen menschen tod / sunder vil mee / das er sich bekeere vnd läbe. So spricht S.Peter:[446]  Gott ist gägen vns langmüetig vnd wil nit das yemants verloren werde / sunder das sich yederman bessere. S. Paulus spricht: [447] Die gschrifft sagt / Wär jm vertruwt / wirt nit zeschanden werden. Es ist kein vnderscheid / weder des Juden noch des Heiden. Dann es ist ein einiger Herr jr aller / rych über alle die jn anrüeffend. Darumb habe ein yeder ein guot vertruwen zuo Gott / er werde jm den glouben gäben.

[448] Vnnd ob wir glych wol nit durch vnsere werck oder anrüeffen / sunder vil mee vß sinen gnaden / vnd von wägen siner zuosag vnd warheit glouben empfahend / söllend wir doch aber nit kleinmüetig werden / sunder on vfhören vmb gnad vnnd vmb den glouben bätten vnd anrüeffen / ja alle zyt die herrlich verheissung Christi vor ougen haben / Jch sag üch

106v.

(spricht der Herr im Euangelio) bittend so wirt üch gäben: suochend so werdend jr finden: klopffend so wirt üch vfgethon. Dann wär da bittet / der empfacht: vnd wär da suocht / der findt: vnd wär da anklopffet / dem wirt vfgethon. Besich wyter Luce 11. Da ouch im 17. cap. vns allen die heiligen Apostel ein byspil vortragend / vnnd sprächend zum Herren / Meer vns den glouben. Vnd als der Herr Marci 9. zuo einem spricht: Magst du glouben? Alle ding sind müglich dem der da gloubt: schryt er zum Herren vnd spricht: Jch gloub Herr / hilff minem vnglouben. Darumb ouch Paulus vilfaltig in sinen Epistlen leert vmb den glouben bitten.

[449] Vnd ob nun glych wol das wort vsserlich den menschen des gloubens rächt bericht / vnd der geist Gottes innerlich zücht / bewegt vnd versicheret: wie geschriben stadt vnnd Paulus spricht: [450] Jch dancken Gott das jr in Christo rych gemacht sind / in allen stucken / in allerley wort / vnd in allerley erkanntnuß (wie dann die zügnuß von Christo in üch bestätet worden ist) das jr keinen mangel habend an einicherley gaab. Jtem / [451] Gott ists der vns beuestiget vnd vns versiglet / vnd in vnsere hertzen dz pfand des geists gäben hat. Dennocht sind in der pflantzung oder meerung vnd erhaltung des gloubens die heiligen Sacrament nit vergäblich oder vnnütz. Dann der Herr

107.

der nüt vnnützes noch vergäblichs vfgsetzt / hat die Sacramenta vfgesetzt. Es beschicht ein zuosag von einem künig / welcher ouch mit hinzuo ein lähen lycht: da yetzt der lähenmann an der zuosag des künigs kein zwyfel hat / vnd des lähens das er yetzt innhat versicheret ist: nütdestminder werdend vom künig vfgericht brieff vnd sigel / vnd dem lähenmann gäben: welcher sy mit danck annimpt / vnd sy nit vnnötig oder vnnütz rächnet. Also sind die heiligen Sacramenta im handel des gloubens / als brieff vnd sigel / der himmelischen vnsichtbaren güetern anbildungen vnd sichtbare zügnussen / nütz vnnd träffenlicher frucht in den glöubigen. Von welchem hernach an jrem ort volgen wirt.

[452] Vnd vß disem allem ist ouch guot zuouerston / das vns das wort vnd die Sacrament für sich selbs allein / weder die gnad Gottes gäbend / noch vns rächtfertigend. Darumb wenn geläsen wirt das Wort heile / der Prediger bekeere / vnd die Sacramenta heiligind / sol verstanden werden / das Gott allein durch Christum in krafft sines geists die glöubigen heile / bekeere vnd heilige / gebruche aber darzuo das Wort / den Prediger vnd die Sacramenta. Darumb habend die vralten Leerer gesprochen / sölichs beschähe dienstlicher vnd Sacramentlicher wyß. Vnd muoß der rächtglöubig hie eigentlich sorg haben / das er Gott

107v.

sin eer nit abnemme vnnd andern vssern dingen / als instrumenten oder geschirren / oder menschlicher würckung zuogäbe: härwiderumb aber das er ouch die instrumenta / die Gott brucht / nit verwerffe / noch die gehorsame vnd das werck / das Gott von vns forderet / vernüte oder als vnnötig achte.

[453] Das aber der Gloub zuo vnd abnemme / klein vnnd groß sye oder werde / erschynt allenthalben in dem heiligen Euangelio / vnd wirt in menschen täglich durch die erfarung empfunden. Das er aber gemeeret vnnd erhalten / oder gesterckt werde durch oberzelte göttliche ordnung / ist ouch kundtbarer / dann es vil bewärens bedörffe. Zuo Petro spricht der Herr: [454] Wenn du dich der mal eins bekeerst so sterck dine brüeder. Vnd von Paulo vnnd Barnaba schrybt Lucas / [455] Sy predigetend das Euangelium vnd machtend vil junger. Jtem / Sy starcktend die seelen der jüngern / vnd ermanetend sy das sy by dem glouben blibind. Dann durch vil trüebsal müesse man in das rych Gottes gon / etc.

6A15 Von den Dienern Christi vnd der kilchen / vnd von jrem ampt.    Cap. XV.

[456] VNd diewyl das predigen muoß durch die gesandten / wie Paulus spricht / Prediger / vßgericht werden / volgt yetzund was die gschrifft von den Predigern sage.

108.

[457] Zuom ersten sol mengklich erkennen / dz das ampt des predigens nit ein menschliche ordnung / sunder ein göttliche ynsatzung sye. Dann Gott hat gäben siner kilchen prediger / leerer / pfarrer / hirten / etc. daruon Paulus züget 1.Cor.12. vnd Ephes.4.cap. Der Gott würckt noch hüt by tag in siner kilchen / durch sine diener / in siner ordnung. Hierumb werdend die prediger genennt [458] Diener Christi vnd der kilchen.

[459] Zum anderen sol nieman eigens gwalts vnd gefallens sich yntringen in dises ampt. Dann rächte diener werdend ordenlich gewölt vnd gesetzt nach Christlicher vnd apostolischer ordnung. Vnd werdend alle die träfflich übel geschulten von Gott in sinem wort / die vnberüefft / selbs louffend / oder allein dem nachtrachtend das sy pfruonden überkummind / vnd kein rächnung habend / wie gschickt sy zuo disem ampt / vil frucht schaffen mögind. [der Satz scheint unvollständig zu sein. Lat.: Acerrime uero omnes illi uerbo Dei reprehenduntur, qui non vocati sponte currunt, item qui non considerant an ad hoc ministerium apti sint et aliquid fructus afferre possint, sed solummodo ecclesiastica stipendia quaerunt.]

Vnser Herr Christus hat jm selbs vßerkoren apostel vnd junger / vnnd die zuo predigen gesendt. [460] Matthias der apostel ward von der gantzen kilchen erwölt. [461] Etwan werdend die diener gesetzt von dienern vnd fürgesetzten in der kilchen / als von predigern / rädten vnd lüten vß der gantzen gmeind vßgeschossen / etc.

Zum dritten sol zuo disem dienst nieman erwölt vnd gesetzt werden / onet der von Gott darzuo begabet ist. Da so hat der heilig apostel Paulus heiter fürgeschriben / wie der Diener

108v.

sin sölle. Daruon besich die erst vnd ander Epistel zum Timotheo / vnd die er gschriben hat an Titum.

[462] Zuom vierdten söllend söliche erwölte diener ordenlich mit der Eltern händen vflegung vnnd gemeinem gebätt der kilchen yngesetzt werden / nach dem byspil der heiligen apostlen. Vnd bedarff hie gar keiner Bischofflichen wyhe / wie die bißhar im bruch gewäsen ist.

[463] Zum letsten ist sölicher yngesetzten dienern ampt / über die härd Gottes wachen vnnd sy weiden / in gsundtheit behalten / vnnd vor allem prästen vnd schaden vergoumen / mit leeren / vermanen / straaffen / beschälten / stercken / trösten / mit bätten vnd mit zuodienen der heiligen Sacramenten / ouch mit guotem exempel oder byspil eines frommen wandels vnd wäsens: wie das alles vilfaltig in der heiligen apostlen leer vnd byspil anzeigt angegäben vnd funden wirt.

[464] Wyter söllend die diener jnen ouch die armen trüwlich befolhen haben. Dann ob glychwol Petrus sampt den andern apostlen den tischen zedienen sich wideret / forderet er doch von Paulo / [465] das er jm liesse befolhen syn die armen. Deßglych söllend sy insunderheit die jungen flyssig in dem Catechismo berichten / welches ein besunder herrlich guot werck ist / vnnd dem pfarrer wol anstadt. Ja so es die notturfft erforderet oder des Lands bruch ist /

109.

das man ouch etwan die alten im glouben vnd bätten verhört oder bericht / dz der pfarrer sömlichs mit höchstem flyß thüeye / vnd der sines gloubens rächenschafft zuo gäben / oder bericht zeempfahen / geforderet wirt / sich mit gebürlicher ghorsame vnd bescheidenheit erzeige.

[466] Dann darumb werdend die Diener in der heiligen gschrifft genennt [467] Vätter / als die mit höchster trüw liebe vnd sorg die kilchen Gottes versorgen söllend. Daruon liß 1.Cor.4. vnd Galat.4. Sy werdend genennt [468] Hirten / als die über die härd Gottes wachen söllend. Also werdend sy ouch Pfarrer genennt / von dem pferrich oder schaaffstall Christi / dem sy vorstond oder dienend. Daruon liß Ezech.34.  Joan.10. 21.  1.Pet.5. Sy werdend genennt [469] Bischoff / wächter oder vfsäher / als die tag vnd nacht wachend vnd gewarend woran die kilch mangel habe / vnd worinn man jren hälffen vnd radten müesse. Die Tütschen nennend frylich einen Bischoff den / der stäts by den schaaffen ist vnd sy radsamet. Besich Act.20.  1.Timoth.3. Sy werdend genennt [470] Doctorn / das ist Leerer / als die die gantz kilchen vnderrichten vnd leeren söllend. Daruon besich Ephes.4.  Titum1. Sy werdend genennt [471] Buwlüt / als die die kilchen Christi buwen söllend. Daruon besich 1.Corinth.3. cap. Also werdend sy ouch Säyer vnd Ackerlüt vnd Reblüt vnnd Artzet vnd in vil ander wäg genennt.

109v.

6A16 Was man von den Dienern der kilchen ouch von der Oberkeit halten sölle.    Cap. XVI.

[472] Vß disem allem kan ouch ein yetlicher verston wie diser dienst vnd die diener der kilchen Christi / so gar notwendig syend. Kan man der vättern / der hirten / der wächtern / der leereren / der buwlüten vnd artzten manglen / so kan man ouch der dienern der kilchen manglen.

[473] Vnnd ist hie notwendig das ein yetlicher Christ wüsse wie er sich halte gägen den dienern / ja was er vff jnen halten sölle. Vorab söllend wir in jrem dienst nit ansähen jre personen / sunder vil mee den / der durch sy mit vns handlet / das ist Christus. Darumb söllend wir jres predigens (so sy anders das luter wort Gottes vns predigend) annemmen / als die leer Christi: welcher heiter im Euangelio spricht: Wär üch hört / der hört mich: Wär üch verschmächt / der verschmächt mich. Hierumb söllend wir nit warten biß Christus widerumb von himmlen kumpt / vnd mit vns redt. Dann in siner kilchen redt er täglich mit vns durch sine diener die vns das wort Christi verkündend. Dann Paulus spricht heiter / Gott hat jm in Christo die wält versüenet / vnd hat vns empfolhen dz wort der versüenung. So sind wir nun botten im nammen Christi / als vermanete Gott durch vns. So bittend wir nun im nammen Christi / Lassend üch versüenen mit Gott / etc. 2.Cor.5. Vnd hiehar dienet

110.

ouch dz bald volgen wirt von den Schlüßlen.

Hierumb sol ein yeder von sinem Pfarrer / Prediger oder Leerer / oder Diener Christi vnd siner kilchen / die leer des heiligen Euangeliums mit ernst hören / willig annemmen / die straaff zuo guotem vfnemmen / sich besseren vnnd mit dem wort Gottes wysen lassen / nit brummlen / fluochen / übelreden / sunder den Diener als ein geistlichen vatter lieben / vnnd jm sin narung vnd notturfft nit verbonnen oder versagen. Hierumb hast du heitere gebott Gottes / Heb.13.  1.Thess.4.  1.Cor.9.  1.Tim.5.

[474] Es züget ouch die heilig gschrifft vilfaltig / das Gott vngerochen nit gelassen: wenn man die leer vnd trüwe warnung der Dienern veracht vnnd sy von jrer trüw wägen schmächlich gehalten hat. Jr bluot hat er insonderheit ernstlich gerochen. Daruon sind zügnussen 2.Paral.36.  4.Reg.2.  Matth.10. 23.  Luce19. etc. Es hat ouch Gott vntrüwe vnd boßhaffte Diener allwäg zum träffenlichesten gestraafft / etc.

[475] Darumb söllend sich ouch die Diener gebürlich / eerlich / recht vnd Christenlich in jrer leer / vnd in allem jrem wandel / thuon vnd lassen halten. Sy söllend Christi eer vnd der kilchen nutz / nit jr eigne eer vnnd jren nutz betrachten. Sy söllend nit meinen das sy nit irren könnind / sunder sich ouch wysen vnnd straaffen lassen / vnnd insunderheit weder

110v.

eigenrichtig noch stoltz sin / fräuel noch böchig. Sy söllend jnen nit zeuil zuomässen / sunder in aller demuot beston / fromm / ernsthafft / arbeitsam vnd trüw sin.

[476] Dann hie muoß man äben als guot sorg haben / das man den Dienern nit zeuil zuogäbe / als das man verhüeten sol das man sy in jrem ampt nit zewenig vnd zuo ring schetze. Alles das Gott vnd dem geist Gottes zuogehört / sol dem menschen nit zuogeeignet werden: der Diener sol sich in siner berüeffung demüetig enthalten / vnd wüssen das er ein diener ist. S. Johans sprach: Jch touff mit dem wasser / er wirdt touffen mit dem heiligen geist. Jch bin ein rüeffende stimm in der wüeste / etc. So spricht S. Paulus: Darfür halte vns nun yederman / namlich für Christus diener / vnd hußhalter über Gottes geheimnussen / etc. 1.Cor.4. Der selb apostel wil ouch nit herrschen über den glouben der glöubigen / sunder jren mithälffer sin / etc. 2.Cor.2. Desse lasse sich ein yeder vernüegen.

[477] Man muoß ouch hie vnderscheiden vnder den Dienern. Dann erstlich sind trüwe diener / die rächt leerend vnnd wolläbend. Die sind ein grosse Gottes gaab: vnd erzürnt sich Gott übel über die sich fräch vnnd verachtlich wider sy setzend in vngehorsame. Demnach sind Diener die wol vnd rächt leerend / vnd aber übel vnd ergerlich läbend. Da heißt

111.

vns Christus das thuon daß sy vns leerend / aber nach jrem läben oder wercken söllind wir nit thuon. Matth.23. Das Wort vnd Sacrament das rächt von jnen / die böß sind / zuogedienet wirt / verlürt sin krafft nit. Doch sol man sy ouch ernstlich straaffen vnd züchtigen / das sy jres bösen wandels abstandind / als Paulus leert 1.Tim.5. Beschusse aber kein warnung / sol man sy jres ampts entsetzen / vnd fromme diener an jre statt annemmen. Zum letsten sind etliche Diener die übel leerend vnnd schantlich läbend: die sol man nit dulden. Kan man sy aber nit mit fuogen absetzen / sol man sy doch nit hören / vnd nach der leer des Herren / als schädliche wolff vnd blindenfüerer fliehen. Daruon stadt Matth.7.  Luc.6.  Rom.16.  1.Tim.6.  2.Tim.4. etc.

[478] Hie sol ouch ein Christenliche oberkeit jre trüwe dienst dem Herren Christo vnd siner Christlichen kilchen trüwlich bewysen. Jch weiß aber hie wol wie etliche von der Oberkeit redend / sy sölle jres radthuses / wältlichen schwärts / vnd zytlichen gerichts gewaren vnd warten / vnd sich der kilchen händlen vnd dienern gar nüt beladen/ sunder sy selbs schalten vnd walten lassen / one alles ynreden. Darwider lut aber gar klar der befelch Gottes / welcher heißt den oberkeiten das gsatztbuoch gäben: vnnd nit allein das / sunder der oberkeit gebüt zeuerschaffen mit jrem dienst / das die

111v.

ding im gsatzt gebotten in gang kummind vnd in wäsen beston mögind.

Es warend zwaren vnderscheidne ämpter des priesters vnd des richters. Dann als der künig Ozias oder Azarias röuchen wolt / ward es jm nit gstattet. Herwiderumb satztend sich die Propheten nit vff den künigstuol / sunder lartend der oberkeit gehorsam syn / vnd warend sy selbs jren ouch nach dem wort Gottes gehorsam. Da so verschieltend sy von der kilchen händlen die künig vnd richter nit. Dann läse man in dem buoch Josue / wie vil sich Josue der kilchen händlen vnd gloubens sachen angenommen habe: deßglych im ersten buoch der Chronica wie vnnd was Dauid gehandlet. Solomon satzt vnd entsatzt den obristen priester: handlet ouch der kilchen händel mit grossem lob. Läse man in den Künigbüecheren was die heiligen künig Asa / Josaphat / Ezechias / Josias gethon habind in der kilchen mit reformieren. Vnd wie die fürsten vnd die priester mit einandern einhällig den gottsdienst gefürderet habind. Welches alles Gott in jnen träfflich rüempt.

Wär wölte aber sagen gedören / die exempel des alten Testaments giengend in disem fal (weiß wol das die exempel der Ceremonien nüt schliessend) die Christenlich oberkeit nüt an? Dann diewyl der geist im nüwen Testament rychlicher gäben

ist / warumb

112.

wöltend dann die Christenlichen oberkeiten minder thuon / dann die Jüdischen gethon habend? Die Propheten habend doch heiter gewyssaget / es werdind die künig der Heiden in die kilchen Christi kummen / vnd sy mit jrem dienst trüwlich fürderen. Daruon läse man Jsaiam am 49. vnd 60. cap. vnd andere Propheten. So ist es vnwidersprächlich das sich Constantinus / Theodosius vnd andere Christenliche Keiser vnd künig der religion beladen habend / ordnungen gemacht / nach des Herren wort in kilchenhändlen / gezüchtiget / gesetzt vnnd entsetzt die diener der kilchen nach rächter ordnung der kilchen / darzuo ouch Synodos berüefft vnd gehalten. Desse findt man vil zügnussen noch in büecheren des Keisers Justiniani vnd anderer / etc. So schrybt ouch vil vff dise meinung der heilig Augustinus wider Petilium vnd wider die gantz Sect der Donatistern.

Darumb nach vßwysung Göttlicher warheit söllend Christenliche oberer sich der kilchen händlen beladen: doch die allein hälffen nach dem wort Gottes richten / leiten vnd erhalten / vnnd nit nach jrem guotduncken oder gefallen / damit jnen nit widerfare [479] wie dem künig Hieroboam / Achab / Saul / vnd andern jrs gelychen. Gott gebütt der oberkeit zehandlen nach sinem wort. Da söllend sy trüwlich anhalten das gsunde leer vnd die rächten

112v.

kilchenbrüch ein fürgang habind / falsche oder ergerliche leer vnd leerer / vngehorsame / vnzucht / schand vnnd laster abgestellt vnd gestraafft / ouch der kilchen güeter zuor leer vnnd trost der armen rächt verwalten / ouch Christlicher frid vnnd wolstand alle zyt gefürderet werde. Yetzund kummend wir wyter vff die Diener des worts.

6A17 Von den Schlüßlen zum himmelrych die der Herr den Dienern gäben hat.    Cap. XVII.

[480] VNd der handel der Schlüßlen / des der Herr gedenckt im heiligen Euangelio / ist nüt anders / dann die verwaltung des diensts der Dienern Christi im huß Gottes. Jm Propheten Jsaia am 22. cap. wirt dem Eliachim verheissen / das jm sölle werden der Schlüssel des huses Dauids / damit er werde vfthuon / vnd nieman werde es dörffen beschliessen. Was was das aber anders / dann das jm verheissen ward / er wurde huß oder hofmeister werden / mit vollkommner verwaltung des gantzen künigklichen hofs. Dann welche zuo hußmeistern gesetzt werdend / denen werdend die Schlüssel zum huß gäben / das vf vnd zuo zeschliessen / doch ouch nach dem befälch vnnd ordnung des künigs / der herr über den hof oder über das huß blybt. Dann der hofmeister allein ein diener ist.

113.

[481] Da so hat Christus der künig der eeren ein rych vnd huß oder hof / namlich das himmelrych / das ist die kilch hie vff erden / vnd die säligkeit daoben in himmlen. Dises rych bestadt in siner hand / er erwölt aber diener / denen er die Schlüssel zuo disem sinen rych gibt / in sin rych namlich / in die kilch vnnd säligkeit die menschen ynzelassen vnd daruß vßzuoschliessen / doch ouch nach siner bestimmung. Dann die glöubigen heißt er ynlassen / die vnglöubigen vßschliessen / yhenen verheissen die säligkeit / denen aber tröuwen die verdamnuß etc.

Das vf vnd zuoschliessen aber stadt in dem bericht oder im dienst der predig / dardurch wir den wäg zuor säligkeit erkennind vnd ouch wandlind. Dann der Herr spricht im Euangelio wider die Leerer des Jüdischen volcks / Wee üch gschrifftgeleerten / dann jr habend den schlüssel der erkanntnuß hingenommen: jr sind nit hinyn gangen / vnd habend geweert denen die hinyn woltend. Luce11. [482] Diewyl dann Christus die einig thür in himmel ist / vnd wir durch dise thür gond / wenn wir sin erkanntnuß vnnd glouben in jn habend / so schliessend vns ye die diener / als mit schlüßlen / den wäg oder die thür in himmel vf / wenn sy vns die erkanntnuß Christi predigend vnd den glouben leerend. Dann ye gwüß ist / so wir gloubend / das wir rächte glider der

113v.

kilchen / darzuo erben des ewigen läbens sind. Dargegen schliessend sy vns den himmel zuo / wenn sy vns bezügend / so wir in dem vnglouben verharrind / blybe ouch der zorn Gottes vff vns / deßhalben vns gar nit zuohälffen sye / vnnd werdind ouch keine glider Christi syn / noch kommen in die säligkeit.

[483] Dise Schlüssel hat vnser Herr verheissen sinen jüngern zuo gäben / Matth.16. also das was sy bindind oder entbindind vff erden / ouch in himmlen sölle gebunden oder entbunden syn. Vnd gibt sy den jüngern Joan. am 20. da er spricht: Welchen jr die sünd nachlassend / denen sind sy nachgelassen: vnd welchen jr sy behaltend / denen sind sy behalten. Hie weißt aber mengklich wol / [484] das nieman die sünd / dann allein Gott / nachlaßt / die diener aber söliche verzyhung verkündend / vnd also entbindend. Dann wenn man besicht die andern euangelisten was sy von disem ort sagind / befindt man das Marcus am 16. vnd Lucas am 24. redend von der predig des heiligen Euangeliums / das welcher deren gloube / verzyhung der sünden erlange. Darumb lassend die diener die sünd ab / wenn sy den menschen die grächtmachung in Christo durch den glouben bezügend mit der predig des heiligen Euangeliums: namlich / wenn sy in Christum gloubind / sye jnen jre sünd vergäben. Dann söliche bezügung bekrefftiget Gott /

114.

vnd halt die in himmlen für ledig / die durch die warhafft predig des heiligen Euangelij vff erdterich vom diener ledig der sünden / vnd für fromm vnd gerächt gesprochen sind.

[485] So ist yetzt die gantz summa des handels der Schlüßlen kein andere dann dise / Vnser Herr Christus behalt allen gwalt in himmlen vnd vff erden / als der einig oberist künig vnd priester zuo der gerächten Gottes / von welchem geschriben stadt / [486] Er ist der heilig vnnd der warhafftig / der da hat den schlüssel Dauids / der vfthuot vnd niemants zuoschlüßt / der zuoschlüßt vnd niemants vfthuot: aber die Schlüssel / das ist die verwaltung in der kilchen / hat er sinen Dienern / die er in der kilchen gsetzt vnd geordnet / befolhen / das sy durch jren befolhnen dienst vnd ampt / die menschen der gerächtmachung berichtind / ja in die gmeinsame der heiligen bringind / vnnd  ouch in das himmelrych ynfüerind. Da wil der Herr krefftenklich würcken / vnd das waar vnd stät halten oder bekrefftigen / das in diser verwaltung in sinem nammen vnd mit sinem wort zuogesagt vnnd gehandlet wirt. Dann also spricht der Herr zuo Paulo / [487] Darumb bin ich dir erschinen / das ich dich bestelle ein diener vnnd zügen / vnd schicke dich vnder die Heiden vfzethuon jre ougen / das sy sich bekeerind von der finsternuß zum liecht / vnd von dem gwalt des Tüfels zuo Gott / zuo empfahen die vergäbung

 

114v.

der sünden / vnd das erb zuoerlangen mit denen die geheiliget werdend durch den glouben in mich / Act. 26. cap.

[488] Vnd hie weiß ich wol das vil anders von den Schlüßlen / vom Bapst vnd den sinen / geschriben vnd geleert wirt: aber damit sorgend sy nit so vil wie sy die lüt bringind in dz himmelrych / als das sy überkommind vnd behaltind den obristen gwalt / herrligkeit vnd das irrdisch rych: welches doch der Herr jnen zum höchsten verbotten hat / Matth.18. 20.  Luce 22. Darzuo ouch S. Peter / desse sy sich insunders rüemend / also zuo herrschen jnen glatt vnd bar abgeschlagen hat / vnd noch vil mee den feilen kouff vnd märckt in der kilchen. Daruon liß Act.8.  1.Petri 5. vnd 2.Pet.2.cap.

6A18 Von der predig des heiligen Euangeliums.    Cap. XVIII.

DArumb wenn der diener sinen dienst in der kilchen üebt / insunderheit aber mit dem predigen des heiligen Euangelij / so üebt vnd gebrucht er die schlüssel / schlüßt vf vnd zuo das himmelrych. Dann [489] die predig des heiligen Euangeliums anders nüt ist / dann die verkündung der gnaden Gottes / mit deren er vns zuo gnaden vfgenommen / vnnd durch Christum erlößt ouch heil gemacht hat / so wir anders in jn gloubend. Vnd also beschrybt vns das Euangelium

115.

der Engel Gottes Luce 2. da er spricht er verkünde den hirten das Euangelium / namlich das Christus der heiland/ zuo heil der menschen / geboren sye. Derglychen beschrybt vns das Euangelium vnser Herr Christus selbs / Luce 4. vß dem heiligen Propheten Jsaia / vnd am 16. Marci / da er heißt sine junger das Euangelium predigen / vnnd daruf spricht: Welcher gloubt vnnd toufft wirt / der wirt sälig / etc. So spricht der heilig Apostel Paulus / [490] Das Euangelium ist ein krafft Gottes zum heil einem yeden der daran gloubt. Sölich Euangelium (als ouch Paulus spricht) hat Gott durch die Propheten von anfang verheissen / in Christo aber in letsten zyten geleistet / vnd den Apostlen / als geleistet / befolhen zuo predigen / Rom.1.

[491] Es wirdt aber im Euangelio nit nun geprediget die verzyhung der sünden / sunder ouch die erkanntnuß der sünden / damit ein yetlicher verstande das er nit durch sin krafft oder sinen verdienst / sunder durch die gnad Gottes in Christo / heil werde / vnnd das wir durch vnsern verdienst / namlich vnser sünden halb / söltind verdampt worden syn: ja ouch durch vnsere krefft nimmerme in himmel kommen wärind. Des habend wir ein schön byspil in vnserm Herren Christo / welcher Joan.3. dem Nicodemo das Euangelium also prediget / das er jm vor allem sagt / wo er nit

115v.

widergeboren werde / möge er nit in himmel kommen. Darnach erklärt er jm die gnad Gottes in Christo / vnnd das die durch den glouben angenommen werde. Also prediget ouch das Euangelium denen die vß den gnaden Gottes durch den geist widergeboren / vnd durch Christum von sünden gereiniget vnd im glouben erben worden sind des ewigen läbens / besserung jres läbens / vnnd das sy sich nach empfangner gnad all jr läbenlang haltind wie es gebürt vnnd rächten Gotteskindern wol anstadt. Dannenhar ouch vnser Herr Christus die verzyhung der sünden vnd besserung des läbens / als vil als houptartickel des heiligen Euangeliums benamset / Luce 24. Matth. am 3. vnd Marci am 1. cap.

6A19 Von der predig der Buoß / vnnd wie sich der Sünder zuo Gott schicken solle.    Cap. XIX.

[492] VNd hie sol nieman verston / daß das heilig Euangelium vns also die gnad Gottes predige / das wir nun einmal / vnd das von anfang allein / wenn wir zum glouben kommen sind / von Gott zuo gnaden vfgenommen / nach begangner sünd aber von jm verlassen werdind / vnd kein hoffnung mee habind. Es sind zwaren vor zyten Secter gsin / vnd möchtend noch funden werden / die also hieltend. Aber die heilig Göttlich gschrifft züget heiter vnd vilfaltig / das so vil

116.

vnd dick der Sünder falt / vnd widerumb vfstadt vnd sich zuo Gott bekeert / das jm der zuogang zuo Gott vnd sinen gnaden offen stande. Vnd darumb wirt vns durch das heilig Euangelium die gnad Gottes / buoß vnd besserung all vnser läbenlang geprediget.

[493] Dann alle die zuo gnaden von Gott in Christo durch den glouben vnd durch die widergeburt angenommen sind / legend dz fleisch nit so gantz vnd gar dahin / das sy keiner anfächtungen mee empfindind oder sich schwärer fälen nit mee zuo besorgen habind. Dann die sündig art blybt in vns / biß in vnser grab. Darumb empfindend wir in allem vnserm läben allerley versuochung / vnd fallend offt in schwäre sünd. Das züget die täglich erfarung in allen glöubigen. Das züget ouch der Wyß man da er spricht: [494] Der fromm oder gerächt fallt siben mal (das ist vilfaltig) er stadt aber wider vf: die gottlosen fallend dermassen das sy verdärbend. Deren dingen habend wir vnzalbare in der gschrifft byspil.

[495] Da so hat yetzund Gott disem prästen vnd schaden ein herrliche vnd gwüsse artzny bereit / namlich die predig der penitentz / das ist der buoß vnd besserung / welche die gefallnen vnd prästhafften vfricht vnnd artznet / oder wider zuo Gott vnd vff den wäg der gerächtigkeit wyßt. Dann [496] die Penitentz oder buoß ist nüt anders dann der rüw vnserer sünden vnd die

116v.

 bekeerung vom Tüfel vnd bösen / zuo Gott vnd dem guoten.

[497] Vnd hie ist das erst / wenn der Sünder in der sünd yetzund ligt vnnd eintweders entschlaffen vnd sicher / der sünden nit empfindt oder aber jren schmertzlich empfindt / doch sich anhept zuor verzwyflung oder verruochte neigen / das er mit dem wort Gottes / das ist durch die predig der besserung / erweckt vnd gestraafft / siner sünden erinneret vnd anklagt werde. Dann die straaff der worten sol entlich dahin gericht werden / das der sünder verstande was / worinn / vnd wie schwär er wider Gott gesündet habe / dz er darumb rüwen trage / nit in sinen sünden verzage / sunder sich zuo Gott wende / den vmb gnad bitte / in Christum gloube / vom Tüfel vnnd dem bösen ablasse / vnd das guot widerumb thüeye. Vnd ist hie kein andere rächtfertigung oder grächtmachung / dann die daoben anzeigt in der gnad Gottes / durch den verdienst Christi vnd dem waren glouben: ja dise bekeerung ist ein ernüwerung der ersten rächtfertigung.

[498] Es begibt sich aber offt das der sünder so gar erstarcket vnd fräch in sünden worden ist / das er ab worten vnd ringer artzny nüt thuot / vnd deßhalben schnydens / brennens vnd ruher artzny notwendig ist. [499] Darumb tröwend etwan die Propheten schwäre sachen / vnd heißt Paulus den lasterhafften menschen zuo Corinthen

117.

übergäben dem Tüfel / zuom verderben des fleischs. Doch das alle zyt der wäg zuo Gott offen behebt / vnd der rüwer zuo gnaden vfgenommen werde. 2.Corinth.2. 7.

[500] Hieruß ist nun guot zeuerston / wie sich der Sünder zuo Gott schicke. Er bestadt nit in sinen sünden / ja diewyl er siner sünden täglich empfindt / wachet er vnd hört gern dz wort Gottes / er hat rüw vnd leid siner begangnen sünden halb / er bekeert sich zuo Gott vnd begärt durch waren glouben deren gnaden / die er weißt vnd von anfang bericht ist / allen glöubigen in Christo völligklich bereit syn: er bychtet Gott sin sünd täglich / vnd empfacht trost vß der predig des heiligen Euangeliums: Christum erwölt er zuom bychtuatter / als den einigen obristen priester / sin warhaffte zuosagung der verzyhung der sünden vnd sin bluot halt er für sin absolution. Dann die erst kilchen die  die allgemein bycht der sünden vnd absolution / die in der kilchen in vnd zuo der predig gesprochen wirdt / gehebt hat / von der orenbycht vnd priuat absolution gar nüt gewüßt: mithinzuo stadt der rüwer ab vom bösen vnd flyßt sich das guot zethuon. Vnd eines sömlichen bekeerens vom bösen zuom guoten / habend wir nit allein in Dauiden / in Petro / in Magdalena / in Zacheo vnd Mattheo / sünder [sunder] in vnzalber vilen heiligen alts vnd nüws Testaments schöne byspil.

117v.

6A20 Was ein rächt buoßfertig Christen läben sye.    Cap. XX.

VNd ist das ein rächt rüwig buoßfertig läben / das einer nit  allein sin begangne sünd bekenne / sunder vil me deß achte / das ein abgrund der sünden in jm / jmmerdar nüwe sünd vfquillt / vnd das er deßhalben ernstlich wache vnd arbeite. [501] Hie muoß nun vnser yetlicher wyter betrachten was er für fynd habe / mit denen er stryten müeß. Wir habend vnser eigen fleisch vnd bluot / zuo allem bösen gar geneigt. Wir habend den bösen fynd den tusiglistigen geist / der nit vfhört in all wäg vns zuo versuochen / reitzen vnd ziehen zuo der sünd. Wir habend die schantlich boßhafft wält / mit jren bösen byspilen vnd wollüsten / mit welchen sy vns vom guoten zum bösen abfüert.

[502] Darnäbend müessend wir ouch wüssen / das wir wider dise fynd tag vnd nacht stryten söllend / vnd deßhalb ouch müessend mit geistlichen gweeren vnd harnesch versähen syn. Welches aber die rächten geweer / vnd der gebürlich harnäsch des Christenlichen kriegsmans sye / erlern vß dem 6. cap. Pauli zuo den Ephes.

[503] Da so füert nun der buoßfertig Christenmensch disen krieg vnd stryt nach dem byspil Christi / das er vns vortragen hat Matth.4. cap. Er sicht in allem sinem thuon vnnd lassen vff das wort Gottes / daruon laßt er sich

118.

nienan abfüeren. Er sicht vff Gott allein / vnd vff sin hilff: er bättet one vnderlaß / vnd rüefft an Gott vmb radt vnnd hilff / sagt ouch Gott danck so er deren empfindt: er thuot jm selbs abbruch in ässen / trincken / ruowen (welches das rächt fasten ist) vnd in allem sinem wäsen / [504] damit er sin fleisch dem geist gehorsam mache: er gibt ouch allmuosen / vnnd üebt sich stäts in allerley arbeit / damit er dem Tüfel vnd fleisch allen anlaß abschnyde. Vnd hiemit dienet er Gott [505] (wie Zacharias leert) in der gerächtigkeit vnd heiligkeit all sin läben lang. Das ist ouch das rächt Christenlich läben. Daruon besich wyter Paulum Rom.6. 7. 8. vnnd 1.Thess.4. cap.

118v

7A0 Von dem Anrüeffen vnd gebätt der glöubigen.

Der VII. Artickel.

ALle vnd yede Christen söllend wüssen / das die Anrüeffung des nammen Gottes oder das gebätt vß dem waren glouben volget / als ein fürnemme würckung des gloubens vnd vereerung Gottes: vnnd das die glöubigen bätten söllend / vnd in jrem gebätt vnd in allem jrem anligen / nit die creaturen / sunder allein Gott anrüeffen. Dann allein Gott / als die volkomne gnüege aller güetern / gibt den menschen alles guots / vnd was sy bedörffend. Sy söllend ouch Gott allein durch Jesum Christum anrüeffen. Dann Gott hat in himmlen allein Jesum

119

Christum zum mittler vnd fürbitter der menschen gesetzt. Der rüefft ouch allen armen sündern zuo jm / verheißt jnen alle gnad vnd alles guots: vnnd leert vnns ouch die aller best form des bättens / namlich das heilig Vatter vnser. Das aber dem allem also sye / zeigend wir an durch volgende Capitel / mit kundtschafft heiliger gschrifft.

7A1 Daß das Anrüeffen Gottes vß dem glouben volge / vnnd ein waare Gottes vereerung sye.    Cap. I.

Vff den Glouben sol billich vnnd zuonächst / von dem Gebätt oder anrüeffen des nammen Gottes / gsagt werden. Dann der gloub würckt allerley guoter wercken / wie hernach an sinem ort volgen wirt / insunderheit aber [506] die bekanntnuß vnd das anrüeffen Gottes. Also spricht Dauid: Jch hab gloubt / darumb hab ich ouch geredt / etc. Vnd bald hernach / Was sol ich dem Herren gäben oder vergälten vmb alle die guotthaten / die er mir gethon hat? Jch wil den bächer / des heils nemmen / vnd den nammen des Herren anrüeffen. Psal. 116.

Darumb scheidet sich die Anrüeffung des nammen Gottes nit vom glouben / sunder

119v.

hangt jm ymmer an / gebürt ouch niemants dann Gott allein. Dann als Paulus sagt Roma.10. [507] rüeffend wir den an / in den wir gloubend. Wir gloubend aber in nieman / dann in Gott / darumb rüeffend wir nieman an / dann Gott. Daruon hernach mee volgen wirt.

[508] Vnd halt Gott sölich anrüeffen siner glöubigen nit für die minste eer / die wir jm bewysen könnend. Wir vertruwend jm ye aller warheit vnd alles guoten. Dann als Joannes spricht: [509] Wär Gott nit gloubt / der hat jn zum lugner gemacht. Vnd so wir Gott anrüeffend / erhört er vns / gibt vns also wyteren anlaß jn zuo eeren vnd zuo prysen. Darumb spricht der Herr durch sinen propheten / [510] Opffer Gott lob vnd danck / vnd bezal dem höchsten dine glübte / vnd rüeff mich an in der zyt der not / wenn du sin bedarffst / so wil ich dich retten / vnd so wirst du mich eeren vnd prysen. Welcher nun Gott nit anrüefft / der gibt Gott sin eer nit.

7A2 Das man bätten sölle / vnnd der glöubigen gebätt nit ytel oder vnnütz sye.    Cap. II.

[511] HJe sind aber vil ding die den menschen vom gebätt oder anrüeffen abwendend / als ob es ytel / vnnütz vnd gar nit notwendig sye vnd vor Gott nüt gälte. Darwider ein yetlicher Christglöubiger sich waaffnen vnd rüsten sol / das er in so träffliche irrthumb nit falle / vnnd also dem

120.

Tüfel fröud mache. Dann der Tüfel ist ein besonder grimmiger des glöubigen gebätts fynd vnd hasser.

[512] Etlich sprächend / was jm Gott in siner ewigen vnfälbaren vorordnung fürgesetzt hat / das muoß ein fürgang haben. Darumb wenn jm Gott etwas fürsetzt zethuon / laßt er sich nit abbätten / deßhalb sye das gebätt der menschen vergäbens. Dann es wirt vnd muoß gon wie Gott wil. Darwider gedenck ein yeder / ob glych wol alles in Gottes verwaltung stadt / ist doch das gebätt der glöubigen darumb nit vnnütz / diewyl es ouch in der ordnung vnd im willen Gottes begriffen vnnd von Gott selbs als nütz gebotten ist Zuo dem habend wir schöne exempel die vns hie tröstend. Deut.9. spricht Moses / Gott habe jm fürgenommen das volck Jsraels vßzeruten / er aber habe gebätten den Herren / vnnd gnad funden. Jonas ward gesandt gen Niniue / den vndergang der Statt den der Herr nach 40. tagen jm fürgenommen hatt / zuo verkünden. Aber die Niniuiter gloubtend Gott / ruofftend zuo jm / vnd blibend vfrecht. Jsaias sagt zuo Ezechia / vß dem mund Gottes / [513] Du muost sterben / vnd wirst nit läben. Als er aber den Herren anruofft / wurdend jm 15. jar zuo sinem läben gethon. Vnd das söliche gnad Gottes allen denen bereit sye die sich bekeerend vnd Gott anrüeffend / liß Jeremie 18. vnd Ezech. 18.

120v.

[514] Etlich sagend / der Gott / der alles weißt / der weißt ouch vorhin / ee dann wirs jm erzellind mit vnserem gebätt / weß wir bedörffind / was dörffend wir jm dann daran vil zuo sagen? Darwider gedenck ein yeder / das der Herr selbs / der Matt.6. gesagt: Vwer himmelischer vatter weißt was jr bedörffend / ee dann jr bättend / nütdestminder leert wie man bätten sölle. Vnd vermanet vns ouch darzuo das wir bättind. Darumb söllend wir bätten / vnd jm vnser anligen / nit als dem vnwüssenden / sunder wüssenden erzellen / dann die gehorsame gefallt Gott.

[515] Etlich sagend / Gott laßt sich nit mit vnsern worten bewegen / vnd habe selbs verbotten vil wort zetryben. Darwider gedenck ein yeder / das wenn Gott vnser gebätt nit angenäm wäre / hätte er es nit von sinen dieneren alle zyt für wärd vfgenommen / hätte sich ouch nit bewegen lassen / wie daoben gehört von Mose / von Ezechia / vnd sunst ouch vilfaltig funden wirt im Psalter / insunders Psal.145. So hat vnser Herr Christus nit verbotten wort zetryben / sunder das wir nit / wie die Heiden / vil blapperind / vnnd denn vermeinind / das wir von vnser vil worten wägen erhört werdind.

[516] Etlich sagend / Jm Euangelio stat geschriben das Gott die Sünder nit erhöre. Diewyl wir dann alle sünder sind / ist vnser gebätt

121.

vnnütz / dann Gott erhörts nit. Dargägen gedenck ein yeder dz zweyerley sündern sind / zum ersten verruochte gottlose / die erhöre Gott nitt: dann sy fragend ouch Gott nit rächt nach. Zuom andern sind sünder / denen es leid ist das sy also sind / vnd begärend der gnaden Gottes. Die selben erhört Gott. Dann er hat sy ye geleert bätten / Vnd vergib vns vnsere schuld / etc.

Hierumb sol sich vnser yetlicher rüsten vnd vestnen zum gebätt / mit dem das Gott vns bätten heißt / vnd vns alles guots verheißt / ja züget das jm vnser gebätt angenäm sye: dz ouch alle glöubigen ye vnnd ye gebättet / vnd das gebätt als nütz / notwendig vnd krefftig gehalten / vnd darzuo empfunden habend. Daruon ouch S.Jacob schrybt am 5. cap.

7A3 Was bätten sye / wie das gebätt abgeteilt werde / vnd wo / vnd wenn man bätten sölle.    Cap. III.

[517] VNd so wir yetzund gnuogsam bericht sind / das man bätten sol / volgt yetzund was das gebätt der glöubigen sye. Das Gebätt ist nüt anders dann ein hertzlich oder ynbrünstig gespräch des glöubigen gemüets / mit Gott / damit der glöubig etwas von Gott begärt / vnnd vmb das er empfangen hat / lob vnd danck sagt.

[518] Dann das gebätt hat zwen teil / das Anrüeffen vnd das Loben oder dancksagen. Dann

121v.

Paulus spricht Philip.4. Jn allem gebätt vnd anrüeffen lassend üwer anligen mit dancksagung kundt werden vor Gott. Mit dem Anrüeffen begärend wir in allem vnserm anligen für vns vnd für vnsere nächsten / das vns Gott das guot gäbe / vnnd das böß von vns wende. Mit dem dancksagen / lobend wir Gott / sin krafft vnd gnad / vnd danckend vmb alles guot das er vns bewyßt. Vnd hiehar hörend die wort Pauli / Jch vermanen das man vor allen dingen thüeye bitt / ernstlich anhalten im gebätt / fürbitt / vnd dancksagung für alle menschen / für die künig vnd für all oberkeit / etc.  1.Timoth.2.

[519] Vnd hie sol man wüssen das zweyerley geschlächt des Bättens sind. Dann es ist ein besunders gebätt / da du allein by vnd mit dir selbs vsser dem kilchgang bättest: vnd ein allgemeins / da du in dem kilchgang by vnd mit der gantzen gmeind bättest.

 [520] Dann des orts halben / stadt es also / das du an kein ort gebunden bist / vnnd deßhalb bätten magst an allen orten / in dinem huß / in diner kamer / in diner werckstatt / an dinem bett / vff dem väld / an diner arbeit / vnnd wo dich die notturfft vnd der andacht ankumpt. Das züget vnnd leert vnser Herr Christus Matth.6.  Joan.4. vnd Paulus 1.Timoth.2.cap. Vß der fryheit aber des orts sol nieman den kilchgang verachten: welchen vnser Herr

122.

Christus selbs gebrucht / den befolhen / vnnd den die Apostlen gebrucht vnnd den kilchen verlassen habend. Das erlernt man in den heiligen Euangelien vnd in den Gschichten der heiligen Apostlen / besunders 1.Cor.11. vnd 14. cap. Herwiderumb sol nieman vermeinen / das er mee an einem / dann an dem andern ort / als von des orts wägen / erhört werde.

[521] Also ist ouch die zyt des gebätts fry / das du magst am morgen / mittag vnd abend bätten / so du vfstaast vnd nidergaast / über tisch vnd daruon gaast. Vil lüt verstond die fryheit nit rächt / vnd stond also vf / vnd gond nider / gond über vnd ab tisch / das sy nimmer bättend. Das ist nit ein fryheit / sunder ein gottlose verachtung des gebätts: anders ists nüt wenn du ouch zuo der zyt mit der kilchen nit bättest / wenn sy pfligt zuo bätten. Die alten [522] habend ernstliche gemeine kilchgeng vnnd gebätt zuo der zyt grosser gfaren angesähen / wie man das selb sicht in den historien der Propheten vnd Apostlen. Sölichs mag die kilch noch thuon / vnd sol sich da gfarlicherwyß nieman überal üssern. So habend die alten dry zyten im tag gehebt zum bätten / den morgen / mittag vnd abend. Dan.6.  Act.3.10. etc. An söliche zyt wirt der glöubig wol nit gebunden / er sol aber morgens vnd abends / ja one vnderlaß / nach dem gebott Christi / bätten.

122v.

Luc.18. [523] Jnsunderheit aber ist das gebätt an kein glüt gebunden. Es ist ouch sölich glüt in der ersten kilchen nit gsin / insunders das Aue Marie lüten. Man schrybt das es erst yngefüert sye von Gregorio 9. anno domini 1239. vnd von Joanne 22. anno domini 1330. das wir frylich vff Gottes wort vnd vff die lange zyt / da sölich lüten nit gsin / mee setzend / dann vff des Bapsts gebott vnd vff so kurtze zyt.

7A4 Wie das rächt gebätt / vnd der / der bättet / gestaltet syn sölle.    Cap. IIII.

JEtzund wil ich ouch anzeigen durch etliche puncten / wie der / der bättet / vnd das gebätt sölle gstaltet syn vor Gott / damit es rächt sye vnd Gott wol gefalle. Zum ersten [524] sol der / der vor Gott bättet nüt buwen vff sin frommkeit / als ob Gott jn von der selben wägen erhören müesse / sunder in aller demuot / niderträchtigkeit vnd nichtigkeit / sol er sine sünd vnd prästen / vnnd das er alles guoten mangle / erkennen / welches allein by Gott funden werde / vnnd sich also an die einig gnad vnd barmhertzigkeit Gottes ergäben. Also bättet Daniel / Danielis 9.cap. Also bittet der Prophet im 79. Psalmen / Nit gedenck vns an die alten mißthaaten / sunder yl vnnd fürkumm vns mit diner barmhertzigkeit. Dann wir sind träffenlich ellend worden.

123

Hilff vns / o Gott vnser Heiland / vmb der eeren willen dines nammens / etc.  Der Phariseer ruompt sin gerächtigkeit Luce 18. vnd mißfiel Gott: der arm Publican vnd sünder sprach / O Gott biß mir armen sünder gnädig / vnd ward erhört.

[525] Zum anderen söllend wir vnsere gmüet von den irrdischen dingen ziehen / vnnd setzen in die himmelischen / nit den fleischlichen / sunder den geistlichen betrachtungen statt gäben : vnnd nit allein mit der stimm / sunder mit dem andacht / nit mit dem mund allein / sunder mit dem geist vnd hertzen bätten . wie der Herr vnd Paulus leerend / Matth.15. vnd 1.Corinth.14.cap. Darzuo hilfft aber fasten oder abbruch / welches die gschrifft vil zum gebätt setzt. Dann vß vollem buch kumpt kein ynbrünstig gebätt.

[526] Zum dritten / das doch das vorderist ist / sol der da bättet vesten glouben zuo Gott haben / das jm Gott das gwüßlich gäben werde / das sin heil / vnd jm guot ist. Dann one glouben kanst du nüt rächts bätten vnnd empfahen: wie der Herr selbs im Euangelio sagt / vnd ouch S.Jacob am 1.cap. Das aber din gloub vest werde / muost du bitten mit den Apostlen / Herr meer vnd sterck vns den glouben: du muost die herrlichen verheissungen für ougen nemmen / da dich der Herr bätten heißt / vnd verheißt / er wölle dich hören: als

123v.

Psal.145.  Matth.7.  Marci11.  Luce11.  Joan16. Nimm ouch für dich die herrlichen byspil deren / die mit träffenlichem glouben gebättet habend / vnd erhört sind worden. Daruon Psal.22 vnd 107. etc.

[527] Zuom vierdten sol der bättend ouch liebe haben / vnnd allen vnwillen / so er einichen gägen sinem nächsten gefasset hette / ablassen. Dann das erforderet vnser Herr heiter Marci11. vnd Matth.5. ouch 6.cap. So [528] verwirfft Gott das gebätt deren die bluotige händ zuo jm streckend / vnd [529] forderet durch Jeremiam von sinem volck das jn anbättet / vnd aber mithinzuo abgöttery vnnd büebery treib / [530] besserung des läbens. Daruon besich Jeremie 7. vnd 11.  Jsaie 1. Prou. 18. vnd Ezech. 14. Vnd darumb wenn wir vns nit besserend vnd rüwen vnserer sünden tragend / werdend wir one frucht schryen / Libera nos domine. Te rogamus audi nos. &c.

[531] Zuom fünfften sol vnser gebätt weder erkoufft noch versöldet / noch gezwungen oder erschunden syn. Dann Gott wil kein krämery in sinen göttlichen hädlen [händlen] haben / wie er das selbs züget Matth.21. vnd 23. vnd Joan.2. So sagt alle geschrifft / vnd der gmein verstand aller menschen / [532] Gott wölle haben ein frywilligen diener. Also söllend wir ouch nit vermeinen / das wir darumb erhört werdind / das wir vil vnd lang gebättet habend / vnnd

124.

also vmb der vile der worten willen erhört werdind. Darwider redt der Herr (als ouch obgesagt) Matth.6. Darumb aber werdend wir erhört / das Gott gnädig vnd warhafftig ist / vnd wir mit warem glouben jm vereiniget sind.

[533] Zuom sechßsten sol der da bättet nüt von Gott begären / das wider Gottes eer vnd sinen willen / böß vnnd üppig ist. S.Johans spricht darumb / [534] Wir wüssend das so wir etwas begären werdend nach sinem willen / das ers vns gäben wirt. [535] Vnd hie ist zuo ermässen worumb vnnd für wän wir bitten söllend. Alles das vns der Herr erloubt hat / darumb söllend wir bitten / vmb geistliche vnnd lybliche güeter / vmb gnad vnd meerung ouch bestand in der gnad / vmb gsundtheit vnd vmb all vnsere notturfft / vmb friden / vnd was im Vatter vnser vnd in den gebätten der heiligen Bibel begriffen ist. [536] Für alle menschen aber söllend wir bitten / das jnen Gott gnad gäbe. Paulus heißt für die oberkeiten bitten / für sich vnd alle prediger / daß das Euangelium ein fürgang habe / für gefangne / krancke / angefochtne / etc. Niemants aber kan die gschlächt alle in kurtze erzellen.

[537] Zuom sibenden sol sich der glöubig ernsthafft / demüetig vnd züchtig vor Gott stellen / er sol sich vor Gott demüetigen / alle hochfart vnd allen pracht hinlegen / er sol niderknüwen /

124v.

sine händ zuo Gott vfheben / nach dem byspil Christi vnnd der heiligen apostlen. Da sol er aber kein vssere glychßnery tryben / sunder von yngrund vnd hertzen thuon was er thuot. Doch kan vnd mag er lybs vnd anderer gelägenheit halb vorgeschribne wyß nit komlich zuo wägen bringen / ist das gebätt an die sitten nit gebunden. Dann wir läsend [538] das die heiligen ligend / sitzend / ständ vnd gänd gebättet habend. Glych wie ouch Anna gebättet hat in jrem hertzen / das sich die läfftzen regtend / die stimm aber nit gehört ward. [539] Von Mose ward ouch die stimm nit gehört: vnnd sagt doch Gott: Was rüeffst du zuo mir?

[540] Zum achten sol das gebätt nit in vnuerständtlicher frömbder / sunder in verständtlicher landsprach beschähen. Daruon Paulus vil schrybt 1.Cor.14. Darwider sich übel versündend alle die so die Latinisch spraach / welche die kilch nit verstadt / yederman vffträchend. Dann damit machend sy das gebätt vnd alle kilchenhändel vnnütz / also das weder andacht noch frucht darby syn kan.

[541] Zuom nündten mag der glöubig syn lob vnd dancksagung ouch singen. Doch ist hierinn die fryheit / das welcher bättet vnd nit singt / sich nüt wider Gott versündet. Dann das Gsang ist lang in Orient oder Vfgang gsin / das man darumb in den landen des Nidergangs nit sang. So ist ouch das Gsang nit

125.

allen kilchen buwlich / darzuo nit allen menschen komlich. Darumb wär da singt / verachte vnd verdamme den nit / der nit singt: vnnd der nit singt / richte den nit / der da singt. So ferr das dennocht ouch ein maaß im singen gebrucht / vnd nüt wider die warheit gesungen werde. Dann von dem Bäpstlichen singen / das vß der maß vil mängel hat / vnd von vilen kilchen nit vnbillich verlassen ist / wil ich hie nüt sagen.

[542] Zuom zehenden sol der glöubig vil vnd dick vnd in allem sinem anligen bätten / vnd in sinem gebätt verharren vnd nit ablassen / wie vns dann der Herr selbs leert Luce 18. Vnd ob du vmb dz du von Gott begärst / nit gewäret wurdist / so gedenck das es din nutz nit wäre / das dir wurde das du von Gott begärst: vnd dz dich Gott in ander wäg / dz dir baß kumpt / gewären werde. Dann er ist ye trüw vnd warhafft.

7A5 Das man Gott allein vnd nit die creaturen anrüeffen sölle.    Cap. V.

[543] VNd hie ist voruß notwendig zewüssen wän wir anrüeffen oder vor wäm wir vnser gebätt vßgiessen söllind. Dann hie vnderscheidend sich die Christen von allen anderen völckeren vnd religionen. Dann die Heiden ruofftend vor zyten Gott vnd creaturen an: die Christen aber rüeffend Gott allein an. Die Juden vnd Türcken rüeffend

125v.

ouch Gott allein an: aber die Christen rüeffend jn durch Jesum Christum allein an. Welches ouch die Juden vnd Türcken verlachend vnnd schendend. Darumb stadt der vnderscheid vnd der Christen eer vnd religion darinn / das sy allein Gott vnd keine creaturen / ja Gott allein durch Jesum Christum anrüeffend. Dann das thuond sunst gar keine völcker noch religionen nienen überal in der gantzen wält.

[544] Das man aber Gott allein vnd keine creaturen / das ist geschöpfften / sy syend heilig oder vnheilig / anrüeffen sölle / wirt von den glöubigen ioch daruß erlernet / das die anrüeffung des einigen Gottes heitere gebott / vnd trostliche verheissungen / vnd aller Gottes heiligen dienern byspil hat: die vereerung aber der creaturen verbotten vnd verflüecht worden / ouch die darmit vmbgangen von Gott gestraafft sind.

[545] Die heiligen Patriarchen habend nit jre vorfaren / Adamen / Abel / Enoch / Noe / vnnd andere angerüefft / sunder allein Gott. Also hat ouch Moses geleert vnd gethon. Dauid erzelt in sinen Psalmen vilfaltig die verheissungen vnnd gebott Gottes / von dem anrüeffen des nammen Gottes / wie jn Gott nie verlassen habe / vnnd alle die jn anrüeffend erhalten werde. Besich Psal.18. 22. 107. etc. Solomon thuot der glychen. Besich 3.Reg.8.    Prov.30.

126.

stadt gschriben / der nammen Gottes ist die sterckist veste / der fromm loufft deren zuo / vnnd wirt erhalten. Joel / wie ouch andere propheten / spricht: Ein yetlicher der den nammen Gottes anrüefft / wirt heil. Vnnd disen spruch habend die heiligen Apostlen vil vnd dick anzogen. Dann ouch vnser Herr Christus vns nit anders geleert hat / dann den einigen Gott anrüeffen / wie ouch er allenthalben zuom vatter in himmel rüefft.

Mit dem Anrüeffen begärend wir / das vns das guot gäben / vnnd das böß von vns genommen werde. Das kan aber niemants dann Gott allein / wie er selbs vilfaltig erklärt Jsaie 40. 41. 42. 43. etc. Er wil ouch die sin einige eer keinem andern gäben / also / [546] das do die muoter des Herren an dem hochzyt zuo Cana in Galilea wyn vom Herren begärt / er doch vff jr begären / das zeichen domals nit thuon wolt / sunder verzog / das mengklich sähe das er allein das guot würckt / vnd jm allein alle eer one gmeinschafft zuogelegt wurde. Darumb ouch die muoter rächt lart / vnnd sprach: Was er üch heißt das thuond.

[547] Jtem das rächt vnnd wolgefellig opffer Gottes / ist das gebätt der glöubigen. Das züget die geschrifft heiter Psal.50. 115. 140.  Oseas14.  Hebr.13. Nun aber ists by yederman kundtbar / vnd im gsatzt Gottes vßgetruckt Exodi 20. 30. etc. das man nieman /

126v.

dann Gott allein opffern sol: darumb so ists yetzund erhalten / das man nieman dann Gott allein anrüeffen sol.

7A6 Das man by Gott allein alles guots / vnd was der mensch bedarff / finde.    Cap. VI.

[548] DJe gröste vrsach aber / das nit die creaturen / sunder Gott allein sol angerüefft vnnd gebätten werden / ist die / das Gott die vollkommen gnüege ist aller güetern / vnd das der mensch allein by jm alles das findt / das er bedarff / das sölichs ouch Gott jm gern vnd guotwillig / vnd rychlich mitteilen vnd gäben wil. Was vrsach hat dann der mensch / das er nit allein by Gott blybe[549] ? Oder findt er neißwan vsset Gott by den creaturen bessers oder glychs? Gott beklagt sich durch Jeremiam wider sin volck / das es vil ellender an Gott gfaren sye dann die Heiden an jren göttern. Dann die Heiden liessend sich benüegen jrer götteren / das volck Gottes aber ließ sich nit vernüegen sines Gotts / vnd machts in dem vil böser / das es sich zuo denen wandt / die jm nit hälffen mochtend / da es doch ein Gott hatt der jm hälffen mocht / vnd spricht daruf / O jr himmel erstunend vnd erschräckend darab / dann min volck hat zwey grosse laster gethon / Mich einen brunnen der läbendigen ymmerwärenden wasseren (aller gnaden vnnd güetern) habend sy

127.

verlassen / vnd habend jnen Sisternen gmacht / die kein wasser habend oder behaltend. Hie verglycht sich Gott einem läbenden brunnen / ymerwärenden wassers. Dann er ist ye der vnerschöpfft brunnen aller gnaden vnd güetern / der nimmer / wie vil ioch daruß geschöpfft werde / ersygt / sunder der ymmerdar frische vnnd vollkomne güeter den begärenden verlycht. Die creaturen aber / die sin volck vereeret vnd anrüefft / verglychet er einer Sistern / welche man in den schlössern vnd etlichen orten hat / darzuo / das man das rägenwasser oder sunst wasser das man daryn tragen muoß / samlet / vnd es aber die sistern nit behalt / vnd deßhalben den durstigen nit trenckt. Dann also sind alle creaturen / die ob sy glych wol etliche güeter habend / welche sy ouch nit von jnen selbs habend / könnend sy die doch andern nit mitteilen. Dann der Herr von denen Sisternen redt / die das wasser nit behaltend / das ist / die gnaden nit mitteilen könnend. Ob glychwol die säligen in himmlen selbs die gnaden vnd läben Gottes empfangen / habend sy doch die selben nit also empfangen / das sy zuo göttern gemacht / angerüefft söllind werden / vnd die gnaden söllind vnd mögind jren dienern vßteilen. Vnd darumb blybt es endtlich darby / das der mensch by Gott allein alles guots suochen sölle vnd finde.

[550] Darzuo werdend von dem der angerüefft sol

127v.

werden in allerley anligens volgende stuck erforderet. Zuom ersten / das er aller menschen hertzen / die jn anrüeffend / in einem puncten wol vnd eigentlich wüsse: ja das er yederman höre / vnd miteinanderen all jr anligen vnnd schryen mercke / jabaß verstande dann sy selbs sagen könnind. Zuom anderen / das er allenthalben in himmel vnd vff erden gegenwirtig / ouch allmächtig sye / vnnd alle die wäg des hälffens wüsse / bereit vnd in sinem gwalt gerüst habe. Zuom dritten / das er nit nun möge vnd könne / sunder ouch wölle hälffen / ja das er des aller besten willens zuo den menschen sye / vnd nüt wölle / dann das dem anrüeffenden wol kumme. Welcher nun nit also ist vnd jm in deren dry stucken ützid abgat / der wirt zwaren vergäbens angerüefft. Das ist klärer dann das es vil bewärens bedörffe. Wär ist aber der söliche eigenschafften habe / one Gott allein? Darumb volgt das man jn allein sölle anrüeffen. Wenn man den Creaturen ja den Säligen im himmel söliche göttliche krefft zuogibt / macht man sy zuo Göttern / wider Gottes vnnd jren willen. So nun allein in Gott erzelte krefft funden werdend / so ists gwüß das wir alles das wir bedörffend / by jm allein findend / ouch jn allein anrüeffen söllend.

7A7 Das Gott Jesum Christum in himmlen allein zuom mittler vnd fürbitter gesetzt habe.    Cap. VII.

128.

[551] WEnn aber die Sündigen armen menschen erkennend Gottes herrligkeit vnnd heiligkeit / dargegen ouch empfindend jrer nichtigkeit / blödigkeit vnd vnreinigkeit / schühend sy des herrlichen Gottes angesicht / vnnd dörffend darfür als vnwirdige nit kummen. Dahar erwöllend sy jnen hie mittler / vnderhandler / fürsprächen / fürbitter oder patronen / durch welche Gott jnen gnädig werde: vnnd also erwölt diser jm ein apostel / der ander ein heiligen marterer / etc. Das alles aber thuond sy nit vß dem bericht des göttlichen worts / sunder vß jnen selbs / das ist vß jrem guotduncken. Darumb mißfallt dise wyß Gott dem allmächtigen.

[552] Gott vnser trüwer vnd gnädiger vatter / der vnsere mängel vnnd prästen wol weißt / ouch was vns vor jm notwendig ist / hat dem menschlichen geschlächt ein mittler / vnderhandler / fürsprächen / fürbitter vnd patronen / vor sinem angsicht / in dem himmel / gesetzt / namlich Jesum Christum sinen sun vnseren Herren: vnnd wil ouch das wir durch disen allein zuo jm kummind vnd mit jm handlind. Vnangenäm / widerwärtig vnd verhasset ist Gott / was man vnderstadt [553] vsset Christo jm fürzebringen. Dann er wil das wir vff dem einigen altar alle vnsere opffer vfopfferind / vmb allein durch disen einigen ewigen priester

128v.

zuo jm kummind / ja wär disen einigen priester nit hat / kumpt zuo Gott nimmermee: welcher aber ein anderen an sin statt stellt / der bricht Gott sin ordnung vnnd versündet sich schwärlich.

Das wir aber durch den fürbitter Christum / vnnd durch sin fürbitt allein für Gott kummind / Gott angenäm werdind / vnd vnser gebätt erhört werde / mag ein yetlicher vß dem fürnämlich erlernen / das wir ein heiter gebott habend zuo bitten in dem namen Christi / darzuo ouch ein klare verheissung / Gott werde vns hören. Kein gebott aber noch verheissung habend wir wenn wir andere anrüeffend. Vnd hie setzt der glöubig sin grund sines anrüeffens vnd gebätts vff Gottes wort / geheiß vnd verheissung. Vnd diewyl er im wort Gottes kein geheiß noch verheissung hat / onet allein wenn er bättet im namen Jesu Christi / so bättet er allein im nammen Christi. Daruon besich Joan. 16. cap.

Zuo dem ist kein anderer wäg noch zuogang zuom vatter onet allein durch den Sun: darumb gadt zwaren der glöubig kein andern wäg / dann durch den Sun zuom vatter. Daruon besich Joan.10. 14. vnd Paulum zuo den Ephes. am 4. Zuo den Hebr. am 5. cap. stellt er Christum als den gnadenthron allen menschen für / als in mitten der kilchen / vnd vermanet yederman zuo jm zuo kummen / da werde man

129.

finden gnad vnd hilff. Also am 7. vnd 9. cap. zeigt er wie Christus allein vnser einiger / ewiger oberister priester / vnd allein für Gottes angesicht zekommen wirdig sye / vnd ouch allein trüwlich für vns bitte in himmlen. Wär wil hie so vnbedacht syn / der einiche creaturen / wie heilig sy ioch syend / zuo Christo in das priesterlich ampt vnd wirde setzen wölle / das er aber allein vnd mit nieman gmein hat?

Oder wär wil einiche creaturen / wie heilig sy ioch syend / zum Herren Christo in himmlen zuo der gerächten Gottes in glyche eer setzen? Das thuost du aber / wenn du sy zuo mittlern vnd fürbittern näbend Christum setzest. Dann Paulus setzt die grächte Gottes vnd die fürbitt zesamen / Hebr.7. vnd spricht ouch Rom.8. Christus ists / der zuo der grächten Gottes ist / vnnd vertritt vns oder bittet für vns. Besich ouch Ephes.1. cap.

Es muoß ouch der mittler zwüschen Gott vnd den menschen beider arten vnd naturen syn. Das ist aber kein heilig / es ists kein creatur: allein Christus ist war Gott vnd mensch: darumb blybt er ouch der einig ewig mittler vnd fürbitter vor Gott für alle menschen / die Gott allein durch Christum anrüeffend. Vnd dahin wyßt vns Paulus 1.Timoth.2. vnnd Joannes 1.Joan. 2.

129v.

7A8 Das Christus allen sündern zuo jm rüeffe vnnd sich aller gnaden vnd alles guoten gägen jnen embiete.    Cap. VIII.

[554] VNd ob yemants hie sagen wölte / er dörffe zuo Christo nit kommen / von wägen der herrligkeit Christi / vnd von wägen menschlicher sünden / so gedencke der selb wenn er also in sinem vnglouben blybt / also das er zuo Christo durch den glouben nit genahen / vnnd nit glouben wil das er jm sin sünd verzyhen vnd dem vatter versünen wölle / das wenn sich sin die Heiligen glych wol belüedetind / vor Gott doch nüt schüeffind. Dann der Herr forderet glouben von vns / vnnd one glouben / spricht die geschrifft / ist es vnmüglich das yemants zuo Gott komme oder jm gefalle. Darzuo wil er im handel die sünd belangend / nieman hören noch annemmen / dann allein Christum / als die einig begnädigung.

[555] Darumb schicke sich ein yeder zuo Christo / vnd luoge das er glouben habe. Dann sunst hilfft weder Noe noch Job / weder Moses noch Samuel oder ouch Daniel / wie Gott selbs durch sine Propheten redt. Das wir aber Christo mit glouben zuofallen mögind / söllend wir hören sin trostlich / gnädig / truwlich laden / damit er vns zuo jm ladet oder berüefft / vnnd spricht im heiligen Euangelio / Matth.9. Die gesunden dörffend des artzets

130.

nit / sunder die krancken. So bin ich nit kommen die frommen zuo berüeffen / sunder die sünder zuor buoß. Das redt der Herr aber vff das die Phariseer übel zuofriden warend / das er die sünder annam vnd mit jnen früntlich was. Hiehar dienet ouch der spruch Pauli / 1.Timo.1. Dises ist ein gwüsses warhafftigs wort / vnnd wirdig das mit allem ernst angenommen werde / das Christus Jesus kommen ist in die wält / die sünder sälig zemachen / etc. Matt.11. spricht der Herr Christus: Alle ding sind mir übergäben von minem vatter / so kommend har zuo mir / jr alle die da arbeitend vnd beladen sind / ich wil üch ruow gäben / etc. Hiehar dienend ouch die wort Jsaie 55. cap. vnd die wort Pauli Hebr.2. Christus muoßt aller dingen sinen brüedern glych werden / vff das er barmhertzig wurde / vnnd ein trüwer hoher priester / in allem dem das vor Gott zuo handlen ist / zuo versüenen die sünd des volcks. Dann diewyl er gelitten hat vnnd versuocht ist / mag er hälffen denen die versuocht werdend. Darumb vermanet yetzt vnser Herr Christus selbs sine jünger / dz sy wöllind in sinem nammen höuschen oder begären / was sy bedörffind das müesse jnen werden. Jtem alle die sünder die ye zuo jm kommen sind / die hat er gnädigklich vfgenommen / vnd im friden / also das sy ersettiget vnd wol zuo ruowen kommen warend / von jm gelassen. Die aber die

130v.

jm nit vertruwen wöllen / hat er in jren sünden vnd ellend verlassen.

[556] Jn summa / Gott der himmelisch vatter hat vns Christum Jesum sinen sun vnsern Herren geordnet zum einigen / ewigen fürbitter / mittler / schützer vnd schirmer. Der ist der aller best / liebst / werdist vnd angenämist dem vatter. Disem manglet nüt an keinen dingen / die ein rächter mittler vnd fürspräch haben sol / überal. Er ist aller dingen mächtig / ja gar früntlich vnd allen armen sündern gnädig / ladet sy all zuo jm / vnd verheißt jnen alle trüw vnd liebe. Das ist gwüß vnd war. Wär nun dem nit gloubt / vnnd in sinem vnglouben verharret / ist ein vndanckbarer mensch vnd keiner gnaden wärt. Wär aber dem gloubt / der laßt sich Christi vernüegen / vnd begärt keines anderen fürsprächen.

[557] Darumb falt hie hin alles disputieren von der fürbitt der heiligen. Dann was darffst nun von jren zuo reden? Christus ist doch din fürspräch / was manglet dir doch an Christo? So du Christum nit wilt / so ist dir nit zehälffen / vnd mag dir kein heilig hälffen. Oder vermeinst du das die lieben heiligen sich an Christi statt stellind? Sy begärend deren eeren nit. Sy wysend dich selbs zuo Christo / welchen sy allein für jren fürsprächen ouch gehebt habend / vnd darzuo nie kein heilig den andern angerüefft hat. Dann sy ouch allein durch

131.

Jesum Christum sind zuo Gott gefüert. Sy wöllend ouch nit das man sy also eere. Vnd das ist kundbar vß jren selbs leer vnd Exempel.

[558] Vnd so wir das hie sagend / verschmähend wir darumb die lieben heiligen in himmlen nit / sunder weerend allein das nit vß vnbedachte jnen das von vns zuogelegt werde / das allein Christi ist: vnd sy deßhalben deß nit begärend. Sunst sind wir fygend aller deren / die die heiligen verachtend vnd schmähend. Dann wir habend sy lieb in Gott / wir erkennend sy als träffenliche Gottes fründ / die yetzund in der säligkeit sind / deren glouben vnd tugenden wir in der kilchen rüemen vnd nachuolgen söllend / ouch Gott in jnen loben / vnd bitten das er vns zuo jnen nämme / das wir ewige fröud mit Gott by jnen habind / etc.

7A9 Wie man bätten sölle / vnd das vns Christus die beste form zuo bätten angäben habe.    Cap. IX.

[559] DOch mag vns in disem handel des anrüeffens / den besten bericht gäben das heilig Vatter vnser. Das bericht vns aber / das wir allein Gott durch Christum söllind anrüeffen. So kan hie nieman lougnen daß das Vatter vnser das rächt vnd vollkommen gebätt der Christenheit sye. Nun aber müessend alle menschen ouch das bekennen / das es dermassen vom Herren

131v.

gestellt ist vnd lutet / das wir es überal nieman dann allein Gott bätten könnend. Dann zuo welchem heiligen könnend wir sagen / Vatter vnser der du bist in himmlen / geheiliget werde din nam? etc. Diewyl es dann die wort Christi sind / vnd wirs bättend vß dem geheiß Christi / so bättend wir ye Gott allein im nammen Christi vnnd durch Christum. So nun dem allem vnwidersprächlich also ist / so fallt ye hin alles anrüeffen der creaturen / etc. Vnd blybt also vnwidersprächlich / das Gott allein anrüeffen durch Christum die aller eltist vnd best leer sye / dz heilig Vatter vnser lere vns dann nit rächt. Welchs doch kein Christen  mensch in sin hertz nit sol kommen lassen: darumb muoß es rächt syn allein Gott durch Christum anrüeffen.

Es sind noch vsset dem Vatter vnser vilerley formen zuo bätten in der heiligen gschrifft / doch alle vff Gott allein gericht / deren mag sich der glöubig wol gebruchen. [560] Vnder allen denen aber fürtrifft das heilig Vatter vnser. Dann alles das ye vnser Herr Christus geleert vnnd gewürckt hat / hat er vff das allerbest vnd vollkommnist geleert vnd gewürckt. Dann er ist Gottes sun vnd die ewig wyßheit des Vatters / der oberist einig vnd ewig priester siner kilchen.

Es sol aber nieman meinen dz er grad an dise wort des Vatter vnsers gebunden sye / vnd nit ouch Psalmen bätten / oder ioch andere wort

132.

gebruchen möge. Vnser Herr selbs gebrucht mer vnnd andere wort Joan.17. mindere Matt.26. deßglych ouch die apostolisch kilch Act.4. Sy bättend aber mit anderen worten mindern oder meerern nüt frömbds noch anders / dann eben das hierinn begriffen ist. Darumb sol man nit anders bätten / dann wie vns hie der Herr geleert hat: welcher ouch alles das das sunst wytlöuffig möchte gesagt werden vns hie in ein kurtze summ gefasset hat.

Wie könte aber dem vatter yenen ein gebätt vfgeopffert werden / das jm angenämer wäre / dann das Vatter vnser? Dann es sind die wort sines geliebten Suns: der hat dir dise wort in dinen mund gäben / vnd du redst vß sinem mund vnd mit jm wenn du bättest Vatter vnser / etc. Dises bätt kennt der Vatter / vnd nimpt es vf vnd an von dir / als sines lieben Suns wort vnd gebätt / in welchem du lieb vnd werd bist.

[561] Darumb welcher mich fragt / diewyl alle gebätt söllind durch Christum beschähen / wo wir dann im Vatter vnser / des namens Christi gedenckind? Dem gib ich antwurt / das wir da nit dörffind des namens Christi bloß gedencken / vnd sagen: Durch Christum Jesum vnsern Herren / da das gantz bätt selbs Christi ist / vnd wir das vß sinem geheiß vnd mit sinen worten bättend: da wir ouch sunst

132v.

nit dörfftend sagen Vatter vnser / onet in Christo / in welchem wir kinder Gottes worden / also anrüeffen dörffend. Vnd lut das allerheiligist gebätt der Christenheit also / wie es Christus vns vorgesprochen hat / Matth. 6.cap.

Vatter vnser der du bist in den himlen / Geheiliget werde din nam. Zuokumb din rych. Din will beschähe vff erden / wie im himmel. Vnser täglich brot gib vns hütt. Vnd vergib vns vnsere schulden / wie ouch wir vergäbend vnseren schuldneren. Vnd ynfüer vns nit in versuochung / sunder erlöß vns von dem bösen / Amen. Vnd dises ist die aller beste form / wyß vnd maaß zuo bätten.

7A10 Kurtze erklärung des heiligen Vatter vnsers.    Cap. X.

VOlgt yetzund ein kurtze erklärung des heiligen Vatter vnsers / welches sin vorred vnd sechs bitten hat. Dann one verstand bätten / bringt kein andacht. Darumb müessend wir mit verstand der worten die wir bättend / bätten. Vnd [562] grad mit der vorred rüeffend wir Gott an / fallend jm zuo fuossen / vnd ergäbend vns an jn / als vnderthänige

133.

kinder an jren lieben vatter. Dann wir sagend nit Allmächtiger ewiger Gott / sunder Vatter / vnd nit nun vatter / sunder vnser vatter / vertruwend vns / als kind / jm als einem gnädigen vatter / zuo dem wir vns versähend / das er vns wol wölle / vnnd alles das thuon werde / das ein vatter sinen kinden thuot. Wenn wir dann sagend: [563] Der du bist in den himmlen / bekennend wir das er alles vermöge / vns wüsse allenthalben / sähe vnd höre / vnd ouch yetzund lose was wir begärind.

Da ist ouch zuo mercken das wir nit sagend Min vatter / sunder Vnser Vatter. Dann diewyl wir alle eines vatters kind vnnd ein lyb in Christo sind / bättend wir nit allein für vns / sunder für alle glöubigen vff erden: vnd alle glöubigen bättend ouch für vns. Da wir aber sagend / Vnser vatter sye im himmel / vnderscheidend wir den himmelischen vatter von dem irrdischen / vnd bekennend daß der himmel sye vnser rächt vatterland: erinnerend vns ouch das wir vnsere gemüet im bätten von dem irrdischen abziehen / vnd in die himmelische ding setzen söllend.

[564] Vnd diewyl wir yetzund Gott für vnsern vatter bekennt habend / sol billich den kinden des vatters eer vor allen dingen angelägen syn / darumb bittend wir in der ersten bitt / Geheiliget werde din namm. Der Namm / das ist / die eer vnd maiestat Gottes / ist an jren selbs

133v.

alle zyt heilig / fürträffenlich vnnd groß: wir aber erkennend das nit alle zyt / vnd gäbend Gott nit sin gebürliche eer vnd herrligkeit / sunder vil mee vß vnser art entheiligend wir jn / mit gedancken / worten vnd wercken: darumb bittend wir das Gott sin gnad darzuo gäben wölle / das der namm Gottes der an jm selbs heilig vnd herrlich ist / ouch in vns herrlich vnd heilig erkennt vnd gehalten werde / vnd wir sinen nammen anrüeffind / predigind vnd prysind: vnd das alles / das den nammen Gottes schmächt / aller vngloub vnnd vnreinigkeit hinfalle / warer gloub / heiligkeit vnd gerächtigkeit rychßne in aller wält.

[565] Doch mag der heilig Gottes namm nit also in vns geheiliget werden / der Herr rychßne dann in vns: darumb bittend wir in der anderen bitt / Zuokomme dyn rych. Es hat der Tüfel ouch syn rych in der wält / vnd rychßnet in den vnglöubigen durch sünd schand vnd laster / füert sy ouch zuo letst in sin herrligkeit / in ewige verdamnuß. Dargägen hat Christus ouch hie in zyt syn rych / vnd rychßnet in den glöubigen durch sinen heligen geist in allerley tugenden / füert ouch sine vnderthonen zuo letst in sin ewig rych / in die säligkeit. Da so bittend wir yetzund das Gott vnser vatter hälffen wölle / damit des tüfels rych / alle tyrannische vnd des Antichrists boßhafte regierung / zerstört werde / aller irrthumb /

134.

ketzery schand vnd laster abgestelt / wir ouch vor hellischer pyn erlößt werdind / vnd Christus mit sinem geist hie in zyt in siner kilchen vnd in vnsern hertzen rychßne / sin wort / heiligkeit / frid vnd gerächtigkeit / zucht vnd alle eer überhand näme / vnd das vns Christus nach diser zyt in sin ewig rych vnd säligkeit ynfüere.

[566] So aber dz ouch nit mag vollbracht werden one rächte gehorsame vnd gentzlichs ergäben in den willen Gottes / so bittend wir in der dritten bitt / Din will geschähe vff erden als im himmel. Damit bittend wir nit das Gottes will ein fürgang habe / der allwägen ein fürgang haben muoß / wenn wir schon nit wöllend: sunder damit Gott in vns rychßne vnd läbe / begärend wir der gnaden das er vns verlyhe das der will Gottes / der an jm selbs alle zyt sin fürgang hat vnd guot ist / mit dem er ouch wil vnnd gebüt das wir rächt thüegind / ouch von vns als guot erkennt werde / vnd in vns ouch ein fürgang habe / also das wir jn thüegind / vnnd vns gantz vnd gar in sinen willen ergäbind / vnsern willen / als der böß ist / brächind. Also das wenn vns Gott ouch crütz vnd lyden vilfaltig vfleit / wir sin heiligen willen ouch hierinn erkennind / vnd vns gern vnd gedultig daryn begäbind. Jtem so wir ymmer in vnserm gebätt ützid wider Gottes willen begärtind / das wir yetzt daruon abstond / vnnd vns gentzlich in den willen

134v.

vnnd gwalt Gottes befelhend / das er es alles mit vns vnd den vnsern mache nach sinem gefallen.

Vnd ist wol nit minder / das fleisch strytet wider den geist so häfftig / das wir ouch thuond das wir nit wöllend: darumb bittend wir vmb grosse stercke / vnd sprächend: Din will beschähe vff erden wie im himmel. Jm himmel widersetzt sich nieman dem willen Gottes / ja jr gröste fröud ist in dem willen Gottes läben. O vatter gib vns armen prästhafften angefochtnen lüten / das wir vns ouch nit widersetzind dinem willen / sunder gelassen ston vnd vns in dich allein begäben / vnser gröste fröud sye.

[567] Dises aber als ein träfflich göttlich werck mag in vnserm sterblichen lyb nit wol sin fürgang haben / wir werdind dann alle ougenblick gesterckt vnd gemeert von himmlen härab/ darumb bittend wir in der vierdten bitt / Gib vns hütt vnser täglich brot. Die gnad / das wort / der geist vnd stercke Gottes / ist das täglich brot / das ist die vfenthalt / one die wir nit blyben vnnd läben mögend / Dann der mensch geläbt nit allein des brots / sunder eines yetlichen worts das vß dem mund Gottes gadt / Deut.8.  Matth.4. Darumb müessend wir das ouch hütt vnd alle zyt höuschen. Söliches brot nennend wir Vnser / nit das es vß vns sye. Dann es ist allein vß Gott / von dem wirs begärend / vnd sprächend / Gib

135.

vns: sunder darumb nemmend wirs Vnser / das wir sy so notwendig sind / das wir dron nit läben mögend.

Hienäbend begärend wir ouch die lybliche tägliche narung / spyß / tranck / kleider / herberg / vernunfft / verstand / gschickligkeit / gesundtheit / schutz vnd schirm / vnnd alles das wir täglich zuo vnserer vfenthalt bedörffend. Darumb bittend wir ouch vmb friden vnnd wolstand / für die diener des worts / für die oberkeiten / für vatter vnd muoter / vnd für alle die dem menschlichen läben nütz vnnd guot sind / das sy Gott erhalte / vnd zuo siner eer vnd der menschen heil leite. So wir aber der dingen täglich nottürfftig sind / söllend wirs hütt / das ist alle tag für vnd für begären.

[568] Diewyl wir aber in denen grossen bitten / gedencken möchtend / Wir sind sünder ja hund vnd nit wärt / dz vns Gott söliche grosse ding gäbe / fürkumpt der Herr söliche sorg vnnd heißt vns in der fünfften bitt begären / Vnd vergib vns vnsere schuld / etc. O vatter / es ist war / wir sind sünder / vnnd dir vil schuldig / deßhalb nit wärt / das du vnns ützid guots thüegist: aber o Vatter / wir bekennend vnsere sünd / vnnd bittend dich vmb verzyhung / erbarm dich vnser. Wir wüssend wol das wir nit bezalen mögend / darumb bittend wir vmb nachlassung vnd gnädigs verzyhen.

[569] Das nun hinzuo gesetzt wirt / Wie wir vegäbend

135v.

vnsern schuldneren / hat nit den verstand / das vns Gott vmb vnsers verzyhens / (als vmb vnsers wercks willen) vnser sünd verzyhe. Dann das wäre den verdienst Christi vmbkeert vnd vßgelärt: sunder diewyl wir angsthafft sind ob vns villycht vnser schuld von Gott verzigen sye oder nit / vergwüsset vns der Herr mit dem / das so gwüßlich dir din schuld nachgelassen sye / so gwüßlich du weist / das du dinem nächsten sin schuld nachgelassen hast. Die gnad das du dinem nächsten sin schuld nachgelassen hast / hat dir Gott gäben in din hertz / vnd wil ouch yetzund mit der selben dir das anzeigen / das er dir ouch din schuld vergäben habe wie du dinem nächsten vergäben hast. Damit wirdt ouch von vns erforderet dz / diewyl vnsere schuld vns Gott nachgelassen hat / wir ouch anderen jre schulden nachlassen söllend. Daruon besich Matt. 5. 6. vnd 18. Hie söllend wir ouch innigklich bitten / das vns Gott die gnad des verzyhens vnd nachlassens gäbe / vnd vns behüete vor zorn nyd vnd hassz / dargegen verlyhe liebe vnnd einigkeit. Dann [570] die fridsamen sind Gottes kinder / die vnfridsamen tüfels kinder.

[571] Hie müessend wir vns aber deß widerumb erinneren das daoben ouch gesagt ist / das vns vnsere sünd nit dermassen werdend nachgelassen / das kein glust oder begird in vns mee überblybe. Dann der sündig präst vnd

136.

die glüst oder begird blybend biß in dz grab. Die selben werdend durch all vnser läben / durch anfächtung des Tüfels vnd der wält in vnserm fleisch vfgeweckt / darumb bittend wir in der sechßten vnd letsten bitt / Vnd ynfüer vns nit in versuochung. Es ist zuo wüssen das ein vnderscheid ist zwüschen dem versuochen oder versuocht werden / vnd dem ynfüeren oder yngefüert werden in die versuochung. Dann es mag einer versuocht werden / das er darumb nit in die versuochung yngefüert wirt. So wirt der in die versuochung yngefüert / der nit allein versuocht / sunder hinder das gebracht wirdt das ers thuot damit er angefochten worden ist / als mit sünd schand vnd laster / ja das er das yetzund ouch thuot. [572] Vnd also ynfüert Gott nieman in das böß. Wenn wir aber vns vnd vnsern krefften gelassen werdend / denn kummend wir hinder das böß. Darumb bittend wir vnsern vatter / das er in der versuochung / durch die wir versuocht werdend / vns nit verlassen / sunder vns byston vnd hälffen wölle / das wir nit überwunden in die sünd fallind / oder der Tüfel vnser meister werde / vnd wir sinen willen thüegind.

[573] Dann wir sagend das noch klärer mit volgenden worten / Sunder erlöß vns von dem bösen. Der Tüfel ist der böß / als der vrsprung alles bösen: glych wie Gott vom guoten har den namen hat / als der ein brunn ist alles

136v.

guoten. Darumb bittend wir Gott wölle vns vom Tüfel vnd allem bösen erlösen. Deßhalb wir ye ouch darumb bittend / das vns Gott beschirmen vnd behüeten wölle vor allem dem das vns schaden mag an seel / eer / lyb / vnnd guot / es syend vfsätz / praticken / verrädteryen / krieg / brand / hunger / gfengknuß / jamer / leid  / vnd was vns schad ist: dargägen wölle vns Gott (der es allein weißt vnd vermag) gäben was vns guot ist.

[574] Das alles beschliessend wir mit dem gemeinen wörtli Amen / das heißt als vil / das beschähe: oder / das alles ist warhafft  / vnnd halts darfür das es mir waar werde. Wie das wörtli von den alten gebrucht sye / findst Deut.27.  Nehemie 8.  1 Cor.14.

Sich also ist nüt überbliben alles deß das du in allem dinem bätten vnd anrüeffen bitten kanst. [575] Die dancksagung magst du / nach disen Bitten / formen oder gstalten / vnd von hertzen vmb die stuck / die du vom Herren empfangen hast / dancksagen. Du findst ouch ein schöne allgemeine dancksagung im 103. Psalmen.

[576] Wär verstadt aber nit vß diser handlung überal / dz vnsere leer wider das gebätt nit gerichtet ist / wir ouch das bätten weder verbietend noch schältend (als man aber von vns vßgibt) sunder allein die mißbrüch des gebätts widerfächtend / namlich dz man es in  vnuerständiger spraach üebt / den creaturen vfopfferet /

137.

das man es an statt der erlösung Christi verdienstlich macht des ewigen läbens / deßhalb versöldet / koufft vnd verkoufft / darzuo Gott vorzelt / vnnd in vile der worten me dann in andacht stelt / vnnd was derglychen mißbrüchen mee sind. Dann sunst wenn man rächt bättet / ists kundtbar / das die heilig kilch am gebätt ein besondern trost vnd schatz hat / vnd das die diener Gottes in den grösten nöten besunders vnd gmeinlich zum glöubigen gebätt (das ist zuo Gott / den sy ernstlich mit dem gebätt vmb hilff vnd radt angewendt habend) geflohen sind. Darumb muoß es ye ein verfluechter mensch syn / der das Christlich gebätt ring wigt vnd veracht.

137v

8A0 Von den heiligen Sacramenten Christi vnd siner heiligen Christenlichen kilchen.

Der VIII. Artickel.

ALle vnd yede Christen söllend wüssen / das vnser Herr der  Predig des heiligen Euangeliums zuogethon hat die heiligen Sacramenta / namlich den Touff vnd das Nachtmal Christi. Dise  Sacramenta sind heilige actionen / würckungen oder üebungen  der glöubigen in der kilchen Christi: welche der Herr selbs  yngesetzt hat / als zeichen vnd sigel der warhafften Predig  / das er vnser Gott sye / vns zuo gnaden in pündtnuß vfnäme  / von vnsern sünden reinige / vns widergebäre /  ernüwere  / vnd als sine kind

 

 

138.

in sin gmeinschafft empfahe / deren wir vns ouch allein halten  vnd vnschuldig vor jm wandlen söllind: item das wie Gott den  alten Vättern / von anfang / den Messiam verheissen / yetzund  der Christenlichen kilchen warlich geleistet habe vnsern Herren  Christum / welcher sin fleisch vnnd bluot warlich in tod gäben  habe / vff das er vnser heiland wäre / vns spyßte vnd tranckte  mit sinem fleisch vnd bluot zuom ewigen läben / vnd das wir  / als sin erlößte gmeind / disen vnsers Herren tod alle zyt in frischer gedächtnuß behieltind / jn lobtind vnd jm dancksagtind: darnäbend vnser pflicht vnd schuld erinneret wurdind / vnd also in einigkeit des lybs Christi / in rächter gottsforcht vnd brüederlicher liebe wandletind / vnnd vns allein diser religion / mit deren Sacramenten wir von allen anderen religionen abgsünderet sind / hieltind.

138v.

Das aber dem allem also sye / zeigend wir an durch volgende Capitel / mit kundtschafft heiliger gschrifft.

8A1 Von den heiligen Sacramenten / das sy der Predig des heiligen Euangeliums zuogethon / von dem Herren selbs yngesetzt syend.    Cap. I.

JN dem 6. artickel dises wercks / ist gesagt das die heiligen Sacramenta dienind zuo der ordnung / pflantzung vnd meerung des gloubens / diewyl sy syend zuo der predig des gloubens gethon: yetzdan wöllend wir das selb eigentlicher erlütern. [577] Vnser Herr Christus hat selbs zuo dem predigen des heiligen Euangeliums die Sacramenta gebrucht / vnd sinen Apostlen gebotten das sy predigetind / vnnd darnäbend die Sacramenta zuodientind.

Von dem ersten Prediger des heiligen Euangelij stadt geschriben / [578] Joannes was in der wüeste vnd toufft / vnd prediget den touff der buoß / zuo verzyhung der sünden. Von vnserm Herren Christo stadt geschriben / [579] Jesus vnd sine jünger kamend in Judeam / vnd hatt daselbst sin wäsen mit jnen / vnd toufft / wiewol Jesus selber nit toufft / sunder sine junger. Vnd Jesus macht me junger / vnd toufft me dann Joannes. So ists kundtbar [580] das der Herr nach siner vrstände sinen jungern

139.

befilcht das Euangelium zepredigen vnd zetouffen: jtem das er näbend dem predigen / das Nachtmal mit sinen jungern begadt / vnd das selb sy heißt glycher gestalt halten oder begon. Darumb ists klar vnd vnwidersprächlich / das die heiligen Sacramenta zuor Predig / vom Herren selbs / gethon / mit deren söllend geüebt / vnd nit abgesunderet / oder als vnnötig oder vnnütz vnderlassen werden. Also sol ouch das gebätt in diser Gottes ordnung yngeschlossen syn.

[581] Doch ist hie zuo mercken / daß das wort des Herren fürträfflicher ist / dann die Sacramenta syend. Dahar spricht Paulus: Christus hat mich nit gesandt zetouffen / sunder das Euangelium zuo predigen: nit das Paulus nit getoufft habe / oder den Touff verachte / als den Christus nit gebotten habe / sunder das me an dem predigen / dann an dem zuodienen der Sacramenten gelägen ist.

[582] So sol nun der glöubig wüssen / das die heiligen Sacramenta Christi vnd siner Christlichen kilchen / keinen andern anfang oder vrsprung habend / dann Gott allein. Allein von Gott habend wir vnsere Sacramenta / vnnd nieman sol / kan noch mag ynsetzen Sacramenta / dann Gott allein. Dann die Sacramenta sind ceremonien der Christen / dienende zuom dienst Gottes / vnd zeichen / anzeigungen oder zügnussen des willen Gottes. Wär

139v.

kan aber sagen oder wüssen / wie vnd was der willen Gottes ist / dann Gott allein? als ouch Paulus sagt / 1.Cor.2. Wär kan oder sol Gottes dienst ynsetzen / onet Gott allein: als der in aller geschrifft züget / das jm die dienst mißfallind / welche der mensch für sich selbs vnd vß jm selbs erfindt vnd vfsetzt / oder thuot.

[583] Vnnd Gott hat sine Sacramenta nit also yngesetzt das er jren nit me achte / sunder er wil in sinen glöubigen / die sich siner ordnung nachmals haltend / würcken / wie vnd was er in sinem wort zuogesagt hat. Darumb [584] wie die glöubigen das wort Gottes nit hörend predigen als der menschen wort / oder als ob jnen vom Dannhuser gesagt wurde / sunder als von dem höchsten Gott / vnnd als das wort Gottes: also empfahend sy wol von der hand der Dienern die Sacramenta / erkennend aber mithinzuo / das dises also Gottes ordnung ist / vnd Gott in sinen glöubigen würckt / [585] deßhalben sy die Sacramenten / als von der hand des Herren / vff den sy einig sähend / empfahend vnd gebruchend: also das ob glych wol mängel / sünd vnnd prästen am Diener sind / sy (so die Sacramenten empfahend) doch vergwüsset sind / das in der ordnung vnd ynsatzung Gottes gar kein mangel noch prästen ist / sunder das Gott in siner ordnung würckt / vnnd das der mangel des Dieners sölichs nit verhinderet.

140.

8A2 Wie die Sacramenta geheiliget oder gewycht vnd gewandlet werdind.    Cap. II.

HJeruß ist yetzund das ouch ring zeuerston / wie die Sacramenta Christi vnd siner kilchen geheiliget oder gewycht vnd gewandlet werdind. [586] Heiligen ist Gott vnd heiligen brüchen zuoeignen / das ist von dem gmeinen bruch absünderen / vnd nach der ordnung Gottes zuo einem besunderen heiligen bruch widmen oder verwenden. Also züget die gantz heilig gschrifft vnd spricht / der Tabernackel / die priester vnd anders der glychen syend geheiliget / das ist Gott besunders zuo sinem dienst geeignet vnd gewidmet. Das heißt zuo Tütsch sunst ouch Wychen. Dann [587] wasser / brot vnd wyn / wenn sy als Sacramenta gebrucht werdend / vnd das gebätt der glöubigen ordenlich beschicht / wychend sy von jrem gemeinen bruch / vnd kummend durch Gottes ordnung vnd geheiß / zuo einem andern vnd besunderbaren bruch / werdend also das sy vor nit warend. Vor warend sy nun schlächt gemein wasser / brot vnd wyn / in gemeinem bruch der menschen: welche sich vsserlich mit dem wasser gewäschen vnd darinn gebadet / brot vnd wyn aber zuo lyblicher narung gebrucht habend. Daruon wychend sy aber yetzt / wenn sy zuo Sacramenta angenommen werdend: dann sy werdend das durch die ordnung Gottes / das sy vor nit warend /

140v.

 vnd deßhalb ouch vff andere wyß gebrucht: als namlich ist der Touff nit mee wie vor nun ein lyblich bad / sunder ein zeichen oder Sacrament der widergeburt vnd verzyhung der sünden: vnnd das brot vnd der wyn in des Herren nachtmal sind nit me wie vor / ein lybliche spyß / damit man gmeinlich den lyb spyset vnnd tränckt / sunder ein Sacrament des lybs vnd bluots Christi / welcher vns geistlich spyßt vnd tränckt zuom ewigen läben: darumb gebruchends yetzt ouch die glöubigen nit wie vor lyblicher gstalt / sunder mit glouben vnd nach der wyß form vnd gstalt / wie sy der Herr geleert / vnnd jnen bestimpt hat. Vnd das ist yetzt ouch vil ein anders / dann wenn man sunst vsset des Herren ordnung wasser angüßt / brot vnd wyn isset vnd trinckt.

[588] Vnd stadt deßhalb die krafft der wyhung oder heiligung der Sacramenten in keinen charactern / sägnen / oder worten von menschen gemacht oder gesprochen (dann ouch die heiligen apostlen sich deß nit gebrucht habend) sunder in dem willen / wort / geheiß oder ynsatzung vnd anrüeffung Gottes: also das die gmeinen elementa / wasser / brot vnd wyn / darumb heilige Sacramenta heisend vnd sind / das sy Gott darzuo bestimpt / vnd sin bestimmung durch sin wort täglich ernüweret / bezüget vnd heiliget: daby die glöubigen jre gebätt zuo Gott thuond / etc.  Dem wort Gottes

141.

gloubend die glöubigen / vnd gebruchend die Sacramenta / nach dem befälch des Herren / mit dem heiligen gebätt / welches ouch jnen dienet zuor heiligung / [589] glych wie dem Naaman sin gehorsam glöubig wäschen im Jordan dienet zuor reinigung des vßsatzes.

[590] Daruß ouch das guot zeuerston ist / dz ein wandlung in heiligen Sacramenten ist / nit daß das wasser im Touff / oder brot vnd wyn im Nachtmal Christi / an jrem wäsen also verwandlet werdind / das sy nit mee wasser / brot vnd wyn syend. Dann die gschrifft gibt jnen dise namen / darzuo empfindend wir alle kein sölich verwandlen / sunder (wie ouch vorgemeldet worden) das sy yetzund das nit me sind / das sy vor warend. Dann vor warend sy nit Sacramenta / yetzund aber sind sy durch den ynsatz Christi Sacramenta worden: vnd wirt dz wasser im Touff angegossen / nit zuor lyblichen reinigung / sunder zuor ernüwerung vnd innerlicher reinigung: also wirt das brot vnd der wyn im Nachtmal gässen vnd truncken / nit zuor lyblichen sunder geistlichen narung.

8A3 Warumb die Sacramenta von Gott yngesetzt syend / vnd wie sy zeichen heissind.    Cap. III.

[591] DAnn es ist ein alter bruch Gottes / den er von anfang geüebt hat / das er gägen den menschen nit nun mit

141v.

worten oder mit der predig / sunder ouch mit zeichen oder Sacramenten handlet. Dann wie erst gemäldet ist / thuot der Herr die Sacramenta zuo der predig / vnserer blödigkeit etlicher maß zuo hälffen: diewyl [592] ein yetlicher handel durch byspil vil baß dann one byspil verstanden wirt. Dennenhar vnser Herr frylich so vil byspilen in siner leer gäben hat: keiner anderen gestalt hat er vns ouch die Sacramenta gäben: dannenhar [593] die alten sy sichtbare wort genennt habend. Wir erfarend ye an vns selbs / das wenn man vns ein handel nit nun mit worten sagt / sunder ouch mit zeichen oder etwas vsserer anbildung / als für ougen stellt / sölicher handel nit nun ringer vnd rächter verstanden wirt / sunder ouch baß hafftet / vns ynbildet / vnd bewegt. Darumb das der handel vnsers heils durch Christum gewürckt / ouch vnsere pflicht vnd schuld rächt wurde verstanden / vns wol ynbildete vnd alle zyt in frischer gedächtnuß blibe / hat Christus vnser Herr siner kilchen sine Sacramenta gäben.

[594] Darumb sol man in den Sacramenten sähen vff zwey ding / namlich vff das zeichen vnd vff das das mit dem zeichen verzeichnet wirt. Dann ye so hat man ye vnd ye gesagt / wie ouch die warheit ist / das Sacrament sye ein zeichen eins heiligen dings / ja des heiligen dings / das mit dem wort Gottes

142.

bestimpt ist. Dann [595] das zeichen ist das vsser sichtbar / das der Herr zuo sinem wort gesetzt hat / als wasser / brot vnd wyn / ja die gantz action / wie die nach der bestimmung vnd fürschrybung des Herren geüebt vnd gebrucht wirt / als daß das wasser dem menschen angegossen / das brot in der gmeind gebrochen / vßgeteilt / vnd geässen / der wyn vßgossen vnnd getruncken wirt. [596] Das verzeichnet aber / dz durch söliche action oder üebung bedütet vnnd yngebildet wirt / ist der handel vnsers heils durch Christum volbracht / als die widergeburt / die reinigung der sünden / oder das vns Gott in pündtnuß vnd zuo kinderen angenommen hat / vnd das Christus für vns gestorben ist / welches hingegäbner lyb vnd vergosses bluot / die rächt spyß vnd das rächt tranck sind zuom ewigen läben. Weliche heilige ding vns nit allein verkündt werdend mit den worten Christi / die in der action Christi allein gemeldet werdend / sunder durch die gantz predig des heiligen euangeliums / welche doch hie im bruch der heiligen Sacramenten in ein kurtze summam gefasset vnd gebracht ist.

[597] Diewyl dann ein yetlichs zeichen nit sin selbs / sunder eines anderen dings zeichen ist / desse namlich das es verzeichnen bedüten vnd anbilden sol / so empfacht das zeichen ouch den nammen des verzeichneten / also das es mit sinem nammen genennt wirt / als das wasser des

142v.

Touffs / heißt das bad der widergeburt / vnd die reinigung / das brot vnnd der wyn im Nachtmal / der lyb vnd dz bluot Christi: nit daß dz zeichen vfhöre vnd nüt me da sye dann allein das verzeichnet (dann also wäre es kein Sacrament mee / als das nit nun ein ding / sunder zwey anzeigt) sunder das wir in dem bruch der Sacramenten erweckt werdind / nit allein vff das zeichen zuo sähen / sunder vil mee vff das verzeichnet / vnd wüssen das es yetz nit mee gmeine elementa / sunder Sacramenta Christi sind.

[598] Vnnd als ein bruch by den menschen ist / daß sy jre zuosagungen / verträg / pündtnussen / gmächte oder testamenta / nit nun mit worten vßsprächend / sunder ouch in brieff verfassen vnd schryben lassend / die sy dann wyter ouch besiglend / vff das söliche brieff vnd sigel / ouch by den nachkommenden zügnuß / vnd gwüssen bericht der warheit gäbind: also hat vnser Herr mundtlich siner kilchen sine zuosagungen gethon / einen ewigen pundt / vnd ein ewig testament oder gemächt gemacht vnd vfgericht / darzuo er yetzund sine Sacramenta / anstatt der brieffen vnnd siglen thuot / zuor zügnuß der warheit vnsers heils / etc.  Darumb nennt der heilig Paulus [599] das Sacrament der beschnydung nit allein ein zeichen / sunder ouch ein sigel der gerächtigkeit des gloubens. Dannenhar [600] werdend ouch die Sacramenta

143.

warzeichen von vilen genennt. Dann sy sind ye kundtschafften oder sigel vnd sichtbare zügnussen / das / wie das wort Gottes lut / Gott vns gnädig ist / das wir gereiniget Gottes kinder sind / das Christus warlich für vns in tod gäben / vns wider läbend gemachet habe / also das wir in jm läbend vnd er in vns.

[601] Vnd also beuestnend ouch die Sacramenta vnseren glouben / nit das die zeichen das für sich selbs allein thüegind ouch in den vnglöubigen / sunder das die glöubigen beuestnet durch den geist vnd glouben im hertzen / die Sacramenten als vssere warzeichen erkennend vnnd gebruchend / die vssen für (vff jre wyß vnd gattung als Sacramenta) äben das zügend als warhafft / das der geist innerlich in jrem hertzen redt / züget vnd würckt.

[602] Es wil ouch Gott vff erdterich ein sichtbare kilch vnd besundertrut volck haben / das abgesündert oder gescheiden von allen anderen völckeren vnd religionen / jn bekenne / veriähe / pryse vnnd lobe / jn anbätte vnd vereere. Darumb hat er von anfang geordnet den kilchgang / das sine glöubigen in sin gmeind vnnd sinen dienst vnd lob zuo üeben versamlet werdind: darumb hat er ouch die heiligen Sacramenta yngesetzt / als zeichen / damit er sin volck wil verzeichnet / vnd von anderen religionen abgesünderet / vnd in sin gmeind allein yngelybet werden. Dann Paulus spricht

143v.

dahar / [603] wir syend alle in einen lyb getoufft: vnd wir alle syend ein gmeind vnd lyb / diewyl wir von einem brot ässind. Vnd dises sind die fürnemmen vrsachen / darumb Gott siner kilchen die Sacramenten yngesetzt oder gäben hat.

8A4 Wie vil der Sacramenten by den alten gsin / vnd noch in der kilchen syend / ouch von jrem vnderscheid.    Cap. IIII.

[604] ES sind aber ouch Sacramenta by den alten / im alten Testament gsin. Das eltist vnd das von anfang der wält gewäret hat / wz das Opffer: besonders aber wurdend dem volck Gottes hernach yngesetzt vom Herren zwey / die Beschnydung vnd der überschritt  oder das Osterlamb. Von welchen die kürtze nit zuolaßt nach der lenge zuo reden: sy warend alle vorbildungen des künfftigen Messie oder Christi / vnd siner gnaden.

[605] Vnd diewyl sy vff den künfftigen zeigtend / geburt sich nit das sy vom Herren Christo / als der yetzund der wält geleistet was / in der kilchen gelassen wurdend: darumb hat vnser Herr Christus das gantz priesterthuomb / alle opffer vnd Sacramenten des alten Testaments alles miteinandren abgethon: vnd [606] an statt der Beschnydung den Touff / vnd an statt des Osterlambs sin Nachtmal gesetzt: welche ouch die zwey rächten Sacrament des nüwen Testaments

144.

heissend vnd sind.

[607] Dann Paulus sagt ye / wir syend beschnitten one händ / mit der Beschnydung Christi / das ist wir syend toufft: vnd widerumb vnser Osterlamb / namlich Christus / sye geopfferet: ja der selb Paulus gibt ouch vnsere Sacrament den vralten / vnd spricht / [608] Vnsere vätter syend all durch Mosen getoufft / vnd habind einerley geistlicher spyß vnd tranck mit vns gässen vnd truncken / namlich von dem velsen Christo.

[609] Vnd wiewol die Sacramenta der vralten des alten Testaments / vnd vnsere des nüwen Testaments / vil glychnuß miteinandern habend / fürträffend doch die Sacramenta der Christlichen kilchen in volgenden stucken. Die alten Sacrament sind nun vff ein gewüsse bestimpte zyt gäben: vnsere sind [610] vnwandelbar vnd blybend biß in das end. Die alten bedutend vnd zügetend vff das künfftig guot: vnsere aber vff das gägenwürtig / ja geleistet guot. Dann der alten verhiessend Christum: vnsere zügend / das er / sampt allen gnaden / vns geleistet sye. Der alten warend dunckel vnd durch vil ceremonien vnd kosten beschwarlich: vnsere sind klar vnd schlächt / weder mit vile der ceremonien noch kostens überlestig. Der alten dienetend allein der kilchen Jsraels / vnsere Sacramenta sind vil einer grössern gmeind. Dann das Christenthuomb

144v.

herrlicher vnd grösser ist dann dz Judenthuom gsin sye. Es hat ouch die Christenheit rychlicher die gaab des geists empfangen / etc.

[611] Das aber etliche zuo disen zweyen Sacramenten / namlich zuo dem Touff vnd nachtmal Christi / noch fünff Sacramenten zellend / das jren aller sibne werdend / ist von den heiligen Apostlen von anfang nit also geleert. Hiemit erkennend wir aber ouch das die Buoß / die Ordnung der dienern / die Ee / der Bericht der kinden / vnd der Krancken besuochung / guote Ordnungen sind / deren in der heiligen gschrifft gedacht wirt: aber nit das sy darumb Sacramenta syend / wie wir hie von Sacramenten redend: oder das sy von anfang aller dingen also gebrucht worden syend / wie sy yetzt geüebt werdend. Darumb was der glöubig vß kundtschafft des göttlichen worts erlernen mag / das nimpt er an vnd behalts / was nit grund hat in Gottes wort / das laßt er faren.

[612] Jn summa / Christus hat siner kilchen geordnet zwey heilige Sacrament / den heiligen Touff / durch welchen wir in die pündtnuß Gottes yngeschriben / ouch zuor reinigung verzeichnet werdend / vnd in die kilchen Christi kummend: vnd das Nachtmal / welches vns die rächt spyß vnd narung Christum Jesum zeigt / welcher vns spyset zuom ewigen läben / sin erlösung ouch in frischer gedächtnuß behalt / vnnd die glöubigen in rächtem Gottes

145.

dienst üebt. Von deren yetlichem volget fürhin besundere erlüterung.

8A5 Von dem heiligen Christenlichen Touff / vnd das man ouch die kinder touffen sölle.    Cap. V.

[613] DEr heilig Touff hat sin vrsprung oder anfang vß Gott: wie dann vnser Herr Christus im Euangelio sagt / [614] der touff Joannis sye nit von den menschen / sunder vß dem himmel. Daruon ouch im ersten capitel gesagt ist. Darumb ist der Touff ein geheiß vnd ordnung Gottes.

[615] Hie sol aber nieman vermeinen das der h. Touff erst nach der vrstände Christi / als er sine junger zuo predigen in alle wält vßsandt / vfgesetzt sye. Dann [616] mit der predig des heiligen Euangeliums / hat Joannes angehebt touffen: vnnd hat aber mit wasser toufft zuor buoß vnd verzyhung der sünden. [617] Da hernach die Apostlen nit anders getoufft habend. So ist [618] nit me dann nun ein Touff / wie die heilig geschrifft züget: vnnd ist Christus in keinem andern / dann in vnserm Touff getoufft / vnd werdend wir in keinem andern / dann in dem Touff Christi mit Christo getoufft.

Darumb setzt vnser Herr Christus den heiligen Touff nit erst vf nach siner vrstände von todten / sunder ernüweret vnd erlüteret vil me / das sine jünger ouch söllind fürfaren

145v.

mit touffen / vnd wie sy söllind touffen. Daruon schrybend Marcus vnnd Mattheus im 16. vnd 28. cap. also /

Der Herr sprach zuo sinen jungern / Gond hin in alle wält / vnnd predigend das Euangelium aller creatur / welcher gloubt vnd toufft wirdt / der wirt sälig: wär aber nit gloubt / der wirt verdampt werden. Vnd Jesus sprach zuo sinen jungern / Mir ist gäben aller gwalt im himmel vnnd vff erden / darumb gond hin vnd leerend (oder machend mir zuo jungern) alle völcker / vnd touffend sy in den nammen des Vatters/ vnd des Suns / vnnd des heiligen Geists. Vnd leerend sy halten alles was ich üch befolhen hab.

[619] Vß disen worten Christi erlernend wir / das der heilig Touff in der Christenlichen kilchen fürhin vnd allwäg sol gäben werden von dem Diener Christi vnd siner kilchen / mit angiessen des wassers in den nammen / oder im nammen / des Vatters / vnd des Suns / vnd des heiligen Geists / zuor verzyhung der sünden vnd besserung des läbens.

146.

[620] Es heißt aber getoufft werden in den nammen des Herren / yngeschriben / ja verpündet werden Gott / vnnd diewyl wir yetzund vß Gottes gnaden vnd annemmen / Gottes kinder sind / den nammen empfahen im Touff / das wir fürhin Gottes kinder heissend vnnd syend. Wenn man vorzyten beschneid / als man ouch Luce 2. sicht / gab man dem knäblin den nammen / frylich das so vil vnd dick er sinen eignen nammen horte nennen / gedächte wo jm der worden wäre / vnd das er yngeschriben sye in das register der verpündeten vnnd kindern Gottes. Also söllend ouch wir / die vnsere nammen in Touff empfangen habend / gedencken / das wir in Gottes nammen / in Gottes schutz / schirm / heil vnd trost getoufft /vnd darumb als sin eigenthuomb worden sind: als die sinen nammen / als die sinen / tragend.

[621] Darumb welche getoufft sind oder getoufft werdend / habend oder empfahend das zeichen des pundts vnd der kindern Gottes / ja das sigel der widergeburt vnd reinigung. Wir alle werdend in vnser lyblichen geburt vom Adamen vnrein zum tod geboren vnd zuor verdamnuß: Gott aber widergebirt vns mit siner gnad / vnd reiniget vns durch sinen geist mit dem bluot Christi / er ernüweret vns innerlich / welches vsserlich der Touff als ein warzeichen bedütet vnd bezüget. Dann der Touff ist ein kundschafft vnsers pundts mit Gott /

146v.

welcher vns reiniget. Dannenhar er ouch mit wasser gäben wirt. Dann wie das wasser angegossen den onmächtigen erkickt / vnd den menschen reiniget / also thuot ouch die gnad Gottes durch sinen geist mit dem bluot Christi.

[622] Vnd so wir mit Gott verpündet sind / sind wir ouch ein lyb mit jm vnd allen glöubigen. Dannenhar Paulus spricht: Wir sind in einem geist alle zuo oder in einen lyb getoufft / wir syend Juden oder Griechen / knecht oder fry / vnnd sind alle mit einem geist getränckt. 1.Corinth.12. Dann wie alle glider von einem geist läbend / also der lyb Christi / namlich die heilig Kilch.

[623] Wiewol nun der heilig Touff nun einist beschicht oder empfangen wirt im läben des menschen / so wäret er doch durch das gantz läben des menschen / biß in tod. Dann wir habend an vnserm lyb biß an vnser end / den pundt vnsers Herren Gottes / als ein zügnuß / das er wil vnser Gott syn / vns für sine kind erkennen / von vnsern sünden reinigen / ernüweren / schützen vnd schirmen / etc.

[624] Es ist ouch der Touff ein bekanntnuß vnsers gloubens / das wir vns allein Gottes vnnd siner religion halten wöllind / das wir vns / als sünder / die der reinigung vnd wäschens bedörffind / bekennend / ja die reinigung nienen anderßwo har hoffend / dann von dem Vatter / Sun vnd heiligen Geist. Also

147.

stadt Matth. 3. das das volck toufft worden sye / vnd sine sünd bekennt habe. Dann ye bedarff der keines wäschens der suber vnd rein ist. So sagt Paulus / wir syend nit anders dann im nammen Christi getoufft. 1. Cor. 1.

[625] Der Touff erinnert vns ouch / durch vnser gantz läben / vnserer pflicht vnd schuld / das diewyl wir von sünden gewäschen vnnd glider Gottes vnnd siner kilchen worden sind / billich vns hüetind vor aller befleckung / vnd vnschuldig wandlind / den alten Adam täglich tödind / vnnd in einem nüwen menschen vferstandind. Daruon liß wyter Roman.6.cap. Vnd also pflicht vns der Touff vnder ein immerwärende buoß / in deren wir alle ougenblick söllend stryten wider den tüfel / wider die wält / vnd vnser eigen fleisch / etc.

[626] Diewyl aber der Christen kinder in der pündtnuß mit Gott sind / Christus ouch der kindlinen heiland ist / jnen ouch die verheissung der reinigung von sünden / in denen sy erboren werdend / vnd des läbens dienet: als alt vnd nüw Testament bezüget: warumb wolte man dann jnen abschlahen den touff / dz pundtzeichen / das Sacrament der reinigung vnd widergeburt? Daruon anderßwo mee gesagt ist. Hie warnen ich alle frommen Christen / das sy sich wol hüetind vor der gifftigen häderigen Säct der Widertöuffern / die wol ein schyn vnd grosse glychßnery füert / im grund

147v.

aber ein verderbliche Sect ist / die ouch vil alter Secten / welche vor vil hundert jaren die kilchen Christi ouch beunrüewiget vnd trännt habend / begryfft vnd ernüweret / vnd also vil lüten vergifftet.

8A6 Vnd [Von] des Herren Nachtmal / vnd wie es vom Herren vfgesetzt sye.    Cap. VI.

[627] DAs Nachtmal vnsers Herren Jesu Christi / das ander Sacrament der heiligen Christenlichen kilchen / hat disen sinen nammen empfangen vnd behalten von dem letsten Nachtmal vnsers Herren Christi / welches er mit sinen jungern grad vor sinem tod / begangen hat / in welchem er dises Sacrament ynsatzt. Es wirdt ouch genennt [628] der Tisch des Herren vom h. Paulo / vnd die Dancksagung. Was aber in dem letsten Nachtmal Christi gehandlet vnd geredt worden sye / beschrybt Joannes der heilig Apostel vnnd Euangelist insunders wytlöuffig / Joan. am 13. 14. 15. vnd 16.cap. Des brotbrächens aber gedenckt er allein darumb nit / als etliche sagend / dz die anderen dry Euangelisten vnd ouch Paulus eigentlich daruon geschriben hattend. S. Augustin spricht / das er darumb von dem Sacrament des lybs vnd bluots Christi nüt gesagt habe / das er zuouor im 6. cap. Joan. gnuogsamen bericht daruon gäben hatt: aber die anderen dry Euangelisten

148.

vnd Paulus / schrybend einhällig von dem Nachtmal Christi vnd sinem vfsatz wie volget /

Als es abend worden was / der nacht als Jesus verradten ward / ist er zuo tisch gesässen mit den zwölffen / vnnd als sy assend / nam Jesus das brot / vnd dancket / vnd brachs / vnnd gab es sinen jüngern / vnnd sprach / Nemmend / ässend / das ist min lyb / der für üch gäben oder gebrochen wirdt. Das thuond miner zuor gedächtnuß. Also hat er ouch den bächer genommen / als sy zenacht gässen hattend / vnd hat gedanckt / vnnd jnen gäben vnnd gesprochen / Trinckend daruß all. Vnd sy trunckend daruß all. Vnnd er sprach zuo jnen / Dann das ist min bluot des nüwen Testaments (Lucas vnd Paulus setzend den spruch also / Der bächer ist das nüw Testament / in minem bluot) welches für üch vnd für vil vergossen wirt zuor verzyhung der sünden. Vnd so vil vnd dick jr das thuond /

148v.

so thuonds miner zuor gedächtnuß. Dann so vil vnd dick jr von disem brot ässend / vnd von disem bächer trinckend / söllend jr den tod des Herren verkünden biß das er kumpt / etc.

[629] Hie habend wir zum ersten den vrsprung oder anheber dises vnsers Nachtmals vnnd Sacraments / Christum Jesum / der setzt es vf vnd heiligets / als ouch daoben gesagt ist. Zuo Christi tisch vnd maal kumpst du / Christi gast bist du / so vil vnd dick von dem Nachtmal Christi issest vnd trinckst. Darumb nennt es Paulus des Herren Tisch. [630] Vff Christum solt du mit den ougen des gloubens sähen / vnd nit vff den diener / oder nun vff das element / dann es ist ein Sacrament. Dannenhar die vralten / wenn sy das Nachtmal anheben woltend / yederman vermanen liessend / jre hertzen oder gemüet übersich in himmel zuo erheben vnd stellen / vnd sprachend / Sursum corda.

8A7 Mit was maaß / wyß / form vnnd gestalt das Nachtmal Christi sölle begangen werden.    Cap. VII.

[631] Vß obermelten worten des ynsatzes / vnd vß dem byspil Christi / ist guot zuo verston wie fürhin in der Christenlichen gmeind oder kilchen das Nachtmal

149.

sol begangen werden. Dann wir habend ein heiter gebott / das der Herr zuom andern mal meldet / vnnd spricht / Das thuond / Das thuond. Was? Das ich mit minen worten üch vorschryben oder bestimmen / vnd das ich mit minem byspil üch vorgethon hab. Darumb wär nun das vnd also thuot / was vnd wie der Herr befolhen vnnd vns vorgethon hat / der thuot rächt: wär anders thuot / der thuot vnrächt. Darff yemants sagen / Dise vnd yhäne heiligen vätter habend also vnd also Messz gehalten / darumb sol man also vnd also Messz halten: gilt sölichs vil by den menschen? wie vil me dörffend wir sagen? Also vnd also hat Christus vns geleert das Nachtmal halten / vnd also hat ers selbs gehalten. Sin wort / gebott vnd byspil / gilt billich me / dann aller menschen vff erden. Dann er ist vnser obrister priester / er ist vnser leerer / vnnd die wyßheit des vatters. Darzuo setzt er hie vf sin Testament. Da wir wol wüssend (wie ouch Paulus sagt) [632] das wir einem menschen zuo sinem testament nüt thuon / ouch daruon nüt nemmen söllend: wie vil minder sol dem testament des suns Gottes / ützid zuo oder von gethon werden?

 Vnnd muoß hie zuom ersten in des Herren Nachtmal syn ein Samlung oder kilch der glöubigen. Dann ouch Christus die sinen zamen in ein gmeind gsamlet hat: so erforderet ouch Paulus 1.Corinth.11. ein gemeind zuo dem

149v

Nachtmal / vnd das einer des anderen warte: ja er gebüt das sy das Nachtmal mit einanderen begangind / keiner damit fürfare / vnd das mal als sin eigen mal halte. Darumb ist es der ersten ynsatzung nit gemäß / so yemants allein vnd vsset der gemeind dises Nachtmal nüßt.

Demnach sol in diser gemeind geprediget werden der tod Christi / wie er vnsere spyß worden sye / oder das werck vnser erlösung durch Christum / ouch von rächtem glouben / von ynbrünstiger liebe / warer hoffnung der glöubigen / von vnser pflicht vnd schuld / die wir vnserm erlöser schuldig sind. Dann daruon hat vnser Herr Christus ouch vilfaltig in sinem letsten Nachtmal geprediget / als Joannes beschrybt. Hie sol ouch mengklich vermanet werden / das yederman sych hüete / damit niemants dises Nachtmal jm zuom gericht empfahe. Da wir ouch das Christenlich gebätt ynschliessend. Dann one das gebätt / kan weder die predig noch das Nachtmal syn. Dann das Nachtmal forderet insunderheit dancksagung / etc.

Darumb söllend vnd müessend ouch zuo disem handel Diener syn / welche dise ding alle üebind / vnd in dem geheiß vnd nach dem byspil Christi alles das notwendig ist vormäldind vnd thüegind. Dann in der kilchen sol ouch ein Tisch syn / daruff brot vnd wyn. Der Diener

150.

sol nach gethoner predig vnd volbrachtem gebätt / des Herren ynsatzung eigentlich melden: er sol nach dem byspil des Herren das brot brächen vnd vßteilen / also ouch das tranck darbieten. Die kilch sol nach dem geheiß Christi / das brot vnd das tranck empfahen / ässen vnd trincken. Vnd vmb den tod des Herren vnd vmb die spyß deß läbens Gott lob vnd danck sagen.

[633] Vnd dise form / wie im anfang dises Capitels ouch gesagt / ist die einig vnd allein gerächt form: deren sich billich alle glöubige söllend vernüegen lassen. Doch sol man das hie ouch fry bekennen / das in etlichen stucken / die zuo dem Nachtmal dienend / die Christen fry vnd vnuerbunden sind: als in der zyt / wenn oder wie dick man es begange. Dann die geschrifft setzt sömlichs in yeder kilchen gefallen / vnd spricht / So vil vnd dick jr das thuond / etc.  item in der form des gebätts ouch der dancksagung / welche man in dem Nachtmal gebrucht: item in dem sitzen oder zuogon / in der gstalt des brots / in der farw des wyns / in geschirren / vnd was derglychen ist. Doch ist nimmermee fry oder zuogelassen / das man ützid deren dingen vßlasse / die der Herr gebrucht vnd yngesetzt hat / als das er nit nun geheissen das brot ässen / sunder ouch das tranck trincken. Da hat yetzt nieman gwalt das trincken abzuostellen: besunders so er dütlich sagt /

150v.

Trinckend daruß all. Vnnd Marcus darzuo setzt / Vnnd sy trunckend  all daruß. Man sol ouch das Nachtmal zuo keinem anderen end  hin / dann allein zuo dem gebruchen / darzuo es der Herr geordnet  vnd selbs begangen hat. Vnd diewyl er es nit anzuobätten oder  für die todten zuo halten yngesetzt hat / sol es by siner /  das ist Christi / ynsatzung blyben / one alles arguieren vnd  zancken.

8A8 Warumb das Nachtmal von Christo vff sölliche wyß vfgesetzt worden sye: vnd wie der lyb Christi geässen werde.    Cap. VIII.

[634] ALlermeist aber ist an dem gelägen / das wir die geheimnuß dises Sacraments rächt verstandind / vnnd wüssind warumb es der Herr also vfgesetzt habe. Vorhin im 3.cap. hab ich in gemein die vrsachen der Sacramenten erzellt / darumb wil ich hie kurtz erklären / warumb der Herr im Nachtmal brot vnd wyn genommen / die gebrochen vnd vßgossen habe / vnd sy geheissen ässen vnnd trincken. Er selbs meldet zuom andern mal die aller fürnämist vrsach / vnd spricht / Dz thuond miner zuor gedächtnuß. Darumb wil der Herr mit disem Nachtmal in siner kilchen in frischer gedächtnuß behalten sinen tod / durch welchen wir erlößt / gespyßt vnd getrenckt / vnnd heil worden sind: er wil ouch das wir das thüegind das er vns

151.

hat geheissen thuon / ja das wir gloubind vnd jm lob vnd danck sagind. Da so nimpt er brot bricht es / büt es jnen dar / vnd heißt sy ässen. Vnd setzt hinzuo sin vßlegung / Das ist min lyb / der für eüch gäben oder gebrochen / das ist gemarteret vnd getödt / wirt. Das thuond miner zuor gedächtnuß. Also nimpt er den bächer / büt den jnen dar / heißt sy all daruß trincken. Vnd setzt hinzuo sin außlegung / Das ist min bluot / das für üch vergossen wirt: oder / [635] Das ist das nüw testament in minem bluot / welches vergossen wirt zuor verzyhung der sünden der vile oder gmeind. So vil vnd dick jr dz thuond / so thuonds miner zuor gedächtnuß.

Vnd darff hie keiner angsthafften sorg vnd frag / [636] ob hie das brot vnd das tranck der natürlich lyb vnd dz wäsenlich bluot Christi werdind vnd sygind. Dann es ist vorgemäldet / das in den Sacramenten die zeichen den nammen der verzeichneten dingen empfahind / doch in jr wäsen nit verwandlet werdind. Welches die allgemein regel ist die Sacramenten vßlegen / welche ouch von anfang der Christenheit gewäret vnd jren grund in byspilen der gschrifft vilfaltig vnnd einhällig ouch in zügnuß der alten leereren hat. Es habend ye die zeichen ein glychnuß mit den verzeichneten dingen / daruf sy ouch wysend. Dann wie das brot vnd der wyn den menschen lyblich spysend / tränckend / vnd erhaltend / also erhalt

151v.

vns geistlich der hingäben lyb vnd das vergossen bluot Christi. Wie das brot brochen wirdt zuor spyß / vnd der wyn vßgossen zuom tranck: also wirt Christi lyb getödt / vnd sin bluot vergossen / das sy mögind vnser spyß vnd tranck syn. Wie das brot vnnd der wyn weder spysend noch tränckend / sy werdind dann geässen vnd truncken: also wenn wir nit ässend den lyb Christi vnnd trinckend sin bluot / werdend wir kein läben in vns haben. Vnd wie die glöubigen vsserlich mit dem mund ässend das brot des Herren / also ässend sy innerlich durch den glouben den lyb Christi.

[637] Vnd hie muoß man vnderscheiden zwüschend dem lyblichen vnd geistlichen ässen. Der lyb Christi vnd sin bluot / mögend lyblich mit des menschen mund / weder geässen noch truncken werden. Der lyb Christi ist in himmlen in der herrligkeit / vnd nit hieniden vff erden in der zerstörligkeit. [638] Geistlich aber sol vnd muoß Christi lyb gässen vnnd sin bluot getruncken werden. Vnd beschicht sölich ässen / von menschen / mit vnnd durch den glouben. Da der Herr / der ein waaren lyb hat / vnd warlich ein mal gelitten hat / yetzt von himmlen durch sinen geist würckt innerlich inn hertzen der menschen / also das er jnen das läben vnd alles das er jnen mit sinem heiligen fleisch oder lyden erworben hat / mitteilt: die menschen aber sölichs mit dem glouben annemmend. Dann

152.

wie die lyblich spyß durch das ässen angenommen / vnd im menschen krefftenklich würckt vnd empfunden wirt: also wirt Christus der mit sinem tod vns läbendig gemacht / durch waaren glouben von vns angenommen / das er entpfindtlich in vns würckt / in vns wonet vnd läbt / vnnd wir in jm läbend. Dann also spricht Christus selbs / [639] Jch bin das brot des läbens / wär zuo mir kumpt / den wirt nit hungern: vnd wär in mich gloubt / den wirt nimmerme dürsten. Vnnd wär mich ässen wirt / der wirt ouch vmm minetwillen läben. Da ouch mengklich verstadt / das wir durch den glouben nit verstond ein lär gedicht oder müessigs anschouwen (als man vns vftricht) sunder ein göttliche krafft vnd empfindtliche geniessung der himmelischen gaaben / wie ouch anderßwo vom glouben gesagt / vnd geschriben stadt / Der fromm geläbt sines gloubens.

Vnnd sölichs ässen des lybs oder fleischs Christi / vnd trincken sines bluots ist notwendig zuor säligkeit: also das welcher das fleisch Christi nit isset / vnd sin bluot nit trinckt / nimmerme das läben haben wirt: als der Herr selbs vßtruckenlich sagt Joan. am 6.cap. Sölich ässen aber beschicht zuo allen zyten / vnnd an allen orten / ouch vsset dem Nachtmal / so vil vnd dick der mensch gloubt. Daruon hat S.Augustin geredt vnd gesprochen / Quid paras dentem & uentrem? crede & manducasti.

152v.

Du darffst den mund vnd buch nit zuorüsten / gloub so hast jn genossen.

[640] Es ist aber ouch ein Sacramentlich ässen / als da der glöubig nit nun innerlich gloubt / dz der tod Christi sin läben sye / sunder ouch vß sömlichem sinem glouben vsserlich zuo des Herren tisch gadt / oder in des Herren maal sitzt / vnd da gehorsamklich vnnd mit fröuden des Herren maal / nach sinem wort / empfacht / als ein Sacrament des waaren lybs vnd bluots Christi / welche für jn am crütz zuom heil gäben vnd vergossen sind. Da der mund vsserlich des Herren brot vnnd tranck empfacht / die seel aber innerlich des Herren Christi genüßt / sich in jm ergetzt / vnd in jm läbt / als in der einigen / rächten spyß vnd tranck des läbens: welche spyß vnd tranck des läbens er ouch vorhin / do er gloubt / empfangen hat / yetzund aber in disem maal sölichen sinen glouben wyter üebt / vnd Christi tod vnd erlösung genüßt / ouch mit fröuden darumb dancket / welches tod vnd lyden jm ouch hie ernüweret / vnnd widerumb zuo frischer gedächtnuß gebracht wirt. Da ouch mengklich sicht / dz wir hie nit läre zeichen (als man vns aber vflegt) habend / vnd nun brot ässend vnd wyn trinckend. Dann diewyl Christus in siner ynsatzung krefftig würckt / vnnd die glöubigen der würckung empfindend / also das Christus in jnen läbt vnd sy in Christo läbend / ja ein lyb

153.

mit Christo vnnd allen glöubigen sind / wär kan nit sähen das der glöubigen Nachtmal nit nun ein lärs brotässen ist / sunder ouch ein niessung Christi? Welche aber keinen glouben habend / empfahend wol des Herren brot vnd tranck / sy empfahend vnnd empfindend aber Christum vnnd sines läbens nit: darumb versündend sy sich am lyb vnd bluot Christi / welche sy mit waarem glouben nit niessend / vnnd deßhalb den tod Christi verschmähend: welches jnen zum vrteil reicht / Hebr.10.cap.  1.Cor.11.

[641] Also zwingend wir den lyb Christi nit in das brot / wir mischlend ouch das natürlich bluot nit mit dem wyn / so stellend wir den lyb vnd bluot Christi nit zum brot vnd wyn vnsichtbarer / doch lyblicher wyß / vnd machend ouch das brot nit zum lyb / noch verdeckend jn mit den gstalten brots vnd wyns. Dann des alles bedarff sy zuor veruolkomnung des Sacraments / als wenig als dz der heilig Touff ein vollkommen Sacrament sye / erforderet wirt / daß dz wasser des Touffs in das bluot Christi lyblich vnd wäsenlich verwandlet werde / oder vnder der gstalt des wassers natürlich / aber vnsichtbar / verborgen lige. Vnser Herr Christus hat einen waren natürlichen menschlichen lyb / welchem er sin warheit vnnd wäsen ouch nach der vrstände / in der verklärung / nit genommen hat: als die heilig geschrifft

153v.

vnd vnser waarer Christenlicher gloub heiter züget / vnd alle alte Leerer leerend. Welche gar heiter andingend / das wir die Gottheit vnnd Menschheit vnsers Herren Christi [642] in der einigen vnzertrennten person also erkennind vnd veriähind / das wir darumb die beid arten vnd naturen / namlich die Gottheit vnd Menschheit Christi / nit vermischlind / vnd eine oder die ander vnder jnen abthüegind. Dann ob glych wol Christus in himmlen gsin / als er vff erden gewandlet / vnd yetzund ouch / so er zuo himmel gefaren / by sinen glöubigen nütdestminder sye biß zuo end der welt: volge darumb nit das die menschlich natur in himmlen daoben lyblich gsyn / do sy hieniden an das crütz genaglet was / als wenig sy yetzund me vff erdterich sye / so sy in dem himmel ist: damit ouch die einigkeit der person vnzertrennt blybe / diewyl sy die blybende eigenschafften der naturen nit trennen könnind. Dann man sage rächt der sun Gottes habe gelitten / vnd der Herr der eeren sye gecrütziget: nit das die göttlich art vnd natur wandelbar sye vnd lyden möge: sunder diewyl der gelitten hat / nit nun mensch was / sunder ouch waarer Gott blybt / sagt man Gott habe gelitten / vnd wüssend aber alle glöubigen wol / das Christus / der vnzertrennt waar Gott vnd mensch was / an dem gelitten hat / das lyden kondt vnd mocht / namlich an dem fleisch (wie ouch

154.

daoben gesagt ist im 6. artickel) vnd an dem vnlydenhafft bleib / das vnlydenhafft ist / am geist. Hierumb sagt aber nieman / das vmb der zwo blybenden eigenschafften willen Christus darumb in zwo personen zertrennt sye. Also wiewol Christus waarer Gott vnnd mensch ein vnzertrennte person ist vnd blybt / volgt doch nit das der lyb Christi darumb hieniden vnd allenthalben / glych wie die Gottheit / sye. Dann die menschlich natur in Christo behalt jr eigenschafft. Darumb ist sy nit lyblich in oder by dem brot.

Nütdestminder habend wir nit ein Nachtmal one Christo. Dann äben der Christus der zuor gerächten Gottes lyblich ist / hieniden nach menschlicher natur nit ist / der selb gantz Christus ist mit sinem geist / krafft / läben vnd würckung als die rächt Sonn der gerächtigkeit in dem Nachtmal / namlich in der glöubigen gemeind / in der glöubigen hertzen / deren die das Nachtmal mit warem glouben begond. Da läbt vnd ist er / wie die glöubig seel sin hie geniessen mag. Vnd anderer gstalt / form vnd wyß könnend die glöubigen Christum zehaben nit begären.

Dann wie der Herr selbs von dem ässen vnd trincken sines fleischs vnd bluots sagt / redt er vnder anderem / Das fleisch ist nüt nütz: nit allenklich / sunder nun lyblich geässen / dann sunst ist es vil nütz: vnd setzt hinzuo /Der geist

154v.

ists der da läbendig macht. Darumb wenn wir sagend / wir niessind Christi fleisch vnnd bluot geistlich / verstond wir nit ein lär gedicht vnd als vil als nüt. Dann Christus der warlich gelitten vnd vns warlich erlößt hat / der macht vns mit sinem geist siner erlösung teilhafft vnd läbend / etc.

Vnd in disem sinem letsten Nachtmal / da er sagt / Das ist min lyb: Das ist min bluot: gibt er den sinen noch vil wytlöuffiger eigentlichen bericht / das er lyblich vff erdterich nit me syn werde: er wölle aber durch sinen geist / biß an dz end / by siner kilchen syn / vnd durch disen alles / ja alles / ersetzen das sy bedörfffe. Darumb besähe man Joan.14. 15. vnnd 16. Söliche wort vnd sprüch söllend nit minder / dann ouch der / Das ist min lyb / eigentlich ermässen werden / das man kein widerwertigs im glouben ynfüere oder zuolasse.

So ist das die gantz houptsumm der gantzen Christenlichen leer vnd vnsers gloubens / das wir durch den hingäbnen lyb vnd vergossen bluot Christi / erlangt habind verzyhung der sünden vnd die erbschafft des ewigen läbens / welches wir annemmind allein durch den glouben / vnnd das Christus durch den glouben vnnd sinen geist in sinen glöubigen läbe / welcher doch lyblich in himmlen wone / vnd nit me vff erden sye. Ja so yemants daruf tringen wurde / zuo der gerächtmachung des

155.

sündigen menschens sye nit nun notwendig / das Christus dem gesatzt gnuog gethon / einmal am crütz gestorben sye / durch sinen geist vns siner gerächtigkeit oder sines lydens teilhafft mache / oder vns geistlich sin bluot anspränge / wir aber sölichs ouch geistlich / durch den glouben empfahind vnd annemmind / sunder es sye ouch notwendig das Christus täglich vnd lyblich oder fleischlich in vnser yetlichem wone / ja vns sin bluot wäsenlich ansprütze / welchs wir ouch nit nun geistlich / durch den glouben / sunder lyblich mit dem mund empfahen müessind / also das ouch sin fleisch lyblich in vns sye / wurdend nit alle verständige sprächen / sölichs wäre ein vnnötige vnd vnheilsamme leer / ouch nit gemäß der leer des nüwen Testaments? etc.  Diewyl dann die Sacramenta der Christlichen leer / als zeichen / zuogethon werdend / könnend sy zwaren nit das widerspil zügen oder zeichnen.

[643] Vber das alles sagt die heilig prophetisch vnd apostolisch geschrifft / das Gott nit wone in hüsern die mit menschen händen gemachet sind / jm werde ouch mit menschen händen nit gepflägen. Vber das alles warnet vns vnser Herr im Euangelio vnd sagt / [644] Wenn man üch sagt / Sich Christus ist in der wüeste / so gond nit hinuß: sich er ist in verschloßnen gehalteren / so gloubends nit / etc.  Darumb bättend die glöubigen den Herren Christum Jesum an

155v.

zuo der gerächten Gottes: vnd ässend vnd trinckend hie vff erden sin fleisch vnd bluot geistlich durch den glouben / ja sy ässend ouch vnd trinckend nüt dest weniger in dem Nachtmal das Sacrament sines lybs vnd bluots / zuor widergedächtnuß sines lydens vnd sines hingegäbnen lybs vnd vergoßnen bluots / mit lob vnd dancksagung / etc.

8A9 Wyter von der geheimnuß vnd frucht deß Herren Nachtmals.    Cap. IX.

[645] DAnn die glöubigen habend dz Nachtmal Christi nit für dz lyblich opffer selbs / da Christi lyb vnd bluot zuor verzyhung der sünden täglich vfgeopfferet werde / so dick vnd vil das Nachtmal begangen wirt. Dann Christus hat sich selbs nun einist vfgeopfferet: nieman mag jn mee opffern / er darff ouch nüt mee vfgeopfferet zewerden: diewyl sin einist beschähen opffer krefftig gnuog ist aller wält sünd zuo begnädigen vnd hinzenemmen. Daruon besäch wär wil den heiligen Paulum zuo den Hebreern am 7. 8. 9. vnd 10. cap. Darumb ist das Nachtmal ein widergedächtnuß des einist beschächnen vnnd ewig krefftigen opffers Christi am crütz. Vnd wie die alten vil opffer vor Christi zuokunfft gehebt habend / zuor zügnuß dz Christus kummen wurde / vnd mit sinem opffer alle opffer abthuon vnd alle wält von sünden reinigen:

 

156.

also habend wir yetzt das Nachtmal zuor kundtschafft dz Christus kummen ist / alle opffer erfüllt vnd abgethon / vnd das er sich vfgeopfferet vnnd alle glöubigen der gantzen wält Gott versüenet habe.

[646] Darumb sagend wir / als sine erlößte / lob vnd danck in dem Nachtmal. Vnd ist sölich loben vnnd dancksagen das rächt opffer der Christenheit: welchs nit der Diener allein / oder er allein für die gmeind / sunder die gantz gmeind / die das Nachtmal begadt / Gott vfopfferet.[647]  Die selb opfferet sich ouch selbs vf / zuom vernünfftigen vnnd geistlichen opffer / sampt allerley früchten des geists vnd gloubens. Dannenhar das Nachtmal (in welchem sölich opffer beschicht) ein opffer genennt worden ist: vnd nit der gstalt / das der priester etwas habe vmb widergält für die gemeind vfgeopfferet / etc.

 [648] Jn dem nachtmal werdend wir ouch vnser pflicht vnd schuld erinneret. Dann diewyl wir ein gmeind Christi sind / mit dem lyb vnd durch das bluot Christi gereiniget / vnnd also Christo yngelybet / gebürt sich das wir gottsförchtig / eines heiligen wandels syend / wie dann geheiligeten vnnd glidern Christi wol anstadt. Diewyl wir ouch von einem brot ässend / vnd von einem bächer trinckend / söllend wir allen vnsern mitbrüedern verzyhen / eins mit jnen syn / vnd jnen in der liebe dienen.

156v.

Vnd von disem glouben Christi söllend wir keins wägs wychen / noch einiche gmeinsame haben mit andern religionen / Sacramenten / opffern /etc.  Daruon wyter läsen magst Paulum / 1.Cor.10.

8A10 Das sich der mensch bewären sölle ee dann er von disem mal ässe.    Cap. X.

[649] VNnd diewyl dem allem also ist / sol der mensch / wie ouch Paulus leert / vor vnd ee er zuo disem mal gadt / sich selbs probieren / erinnern vnd bewären / vnd als dann erst daruon ässen vnd trincken. Es gebüt aber Paulus nit das wir anderen bychtind / vnnd die selben vns vff die bycht probieren lassind / sunder das vnser yetlicher / vor dem angsicht Gottes / das nieman triegen mag / in sich selbs gange / vnd sich erinnere (diewyl doch nieman baß weißt wie es vmb sin hertz stadt dann ein yeder selbs) wie vnd was er in jm selbs finde. Vnd zwaren werdend wir in vns selbs nüt anders finden / dann sünd vnd verderbung: diewyl in vnser art nüt ist dann sünd vnd fluoch. Vnnd nach der selben rächnung wurde vnser keiner zuom Nachtmal Christi nimmerme kommen. Hie müessend wir vns aber ouch des erinnern / das Christus kommen ist in dise wält / die sünder sälig zuo machen / vnd sin lyb vnnd bluot zuor bezalung vnser sünden zegäben. Hie

157.

ersuoch yetzund din lär hungerig hertz / ob es begäre Christum die spyß des läbens zuo niessen / vnd durch den glouben anzuonemmen / ja ob du schon yetzund ouch glouben habist / vnd Christi trost vnd stercke in dir entpfindist / vnd darumb ouch begärist Gott lob vnd danck zesagen in siner ordnung wie er die selbs angesähen hat: item ob du in dir ein gottsförchtig buoßfertig läben fürgenommen / darzuo yederman verzigen habist / vnnd wöllist dinem nächsten in liebe dienen. Findst das nit alles in dir / verzwyfel darumb nit / flüch nit des Herren tisch: bitt jn vil me vmb gnad / vnd das er dir din glouben meere / vnd dine mängel ersetze. Findst du aber etliche anfäng / so gefall dir nit zewol / bitt abermal vmb meerung der gnaden / vnd gang hinzuo in der forcht des Herren.

157v

9A0 Von den Guoten wercken der glöubigen.

Der IX. Artickel.

ALle vnd yede Christen söllend wüssen / das ob glychwol  die Guoten werck den glöubigen nit rächtfertigend / sunder der  gloub allein / volgend sy doch vß waarem glouben / vnnd sind  nit vnnütz noch zuo verwerffen. Dann welcher vß gnaden in Christo  durch den glouben fromm worden oder gerächtfertiget ist / der  würckt grächtigkeit / oder Guote werck. Vnd söliche werck gefallend Gott also / das er jnen ouch belonung verheißt vnd  ouch leistet. Doch vergässend hie die glöubigen des verdiensts  Christi nimmer: wider welchen sy jren eignen verdienst nit

158.

vfrichtend / noch ützid gestattend das den verdienst Christi  verduncklen mag. Dann sy erkennend jr eigne blödigkeit wol /  vnd gäbend darumb jren wercken das nit zuo / das allein dem  lyden Christi zuohört. Sy erkennend ouch nit alle die für  guote werck / die gmeinlich darfür vßgäben werdend. Dann wie  sich der gloub allein vff Gottes wort verlaßt / also erdenckt  jm selbs der glöubig kein Guote werck / sunder die er im wort  Gottes erlernet / die thuot er: namlich so dienet er Gott mit  geistlichem gottsdienst / er vertruwt Gott wol / er bättet Gott an / rüefft ouch zuo Gott in allem sinen anligen / er dancket Gott / so heiliget er zuo aller zyt sin seel vnd lyb / darumb thuot er ouch abbruch: er duldet vnd lydet willig wz jm Gott zuo lyden gibt: in summa er wandlet in den gebotten Gottes / er dienet dem nächsten in der liebe / vnd flyßt sich in allem sinem läben der ämptern

158v.

pflicht vnnd schulden die jm Gott vorgeschriben hat / vnnd er weißt das er Gott schuldig ist. Das aber dem allem also sye / zeigend wir an durch volgende Capitel / mit kundtschafft heiliger geschrifft.

9A1 Das die guoten werck vß dem glouben volgind / nit vnnütz sygind / sunder Gott wol gefallind.    Cap. I.

[650] JN der heiligen Christenlichen kilchen sol einig vnd vor allen dingen klar vnnd rein geprediget werden / das ouch mit den heiligen Sacramenten bezüget wirt / namlich das wir vß der lutern gnad vnd barmhertzigkeit Gottes / in Christo Jesu / allein durch den glouben / vnd nit durch die werck gerächtfertiget werdend. Söliche Predig aber sol nit dermaß verstanden werden / wie es vil verstond / das der gloub one guote werck nun ein whon sye / oder als ob man allein sagen sölle / Jch gloub / vnd fürhin nieman me keine guote werck zethuon bedörffe / oder das grad die guoten werck nüt syend vnd nüt nützind. Dann [651] die heilig Göttlich geschrifft / welche dem glouben allein die grächtmachung zuogibt / forderet nüt destminder Guote werck von den glöubigen. [652] Sant Johans der töuffer forderet von allen denen / die er in Christum toufft hat / rächtgeschaffne

159.

frücht der buoß oder besserung: er sagt ouch allen vnd yeden ständen was sy für werck zethuon schuldig syend. Daruon besich Luce 3.cap.

Vnser Herr Christus der im Euangelio Joannis so vilfaltig sagt / [653] Wär in mich gloubt vnd vertruwt / der hat das ewig läben: der [654] vermanet ouch zuor liebe / wil das wir vil frucht in jm tragind / vnnd [655] sygind wir kinder Abrahe / das wir Abrahams vnsers vatters werck thüegind. An dem berg in Galilea thet er ein lange Predig von der gerächtigkeit / vnd beschlüßt sy damit / das wir nit nun zuolosen oder zuohören / sunder ouch alles das thuon söllind / das wir gehört habind. Daruon besich Matthei 5. 6. vnd 7.cap.

[656] Deßglychen wie Petrus gar ernstlich prediget das Gott vnsere hertzen durch den glouben reinige / vnd wir werdind durch die gnad vnd nit durch das gsatzt heil: also forderet er ouch von denen / die also begnadet sind / allerley tugenden oder guoter wercken / vnnd sagt daruf / [657] Welcher sölichs nit hat / der ist blind / vnd dappet mit der hand  / vnd vergißt der reinigung siner vorigen sünd. Also spricht ouch Paulus / [658] Welche Christi sind die habend jr fleisch crütziget / sampt jren anfächtungen vnd begirden. Vnd widerumb / [659] Die sünd sol nit herrschen in üch. Dann jr sind nit vnder dem gsatzt / sunder vnder der gnad. Jtem / [660] Sy sagend

159v.

wol sy kennind Gott / mit den wercken aber lougnend sy sin.

Mit diser leer stimpt ouch der heilig Apostel vnd Euangelist Johannes vnd spricht / [661] So wir sagend wir habind gmeinschafft mit jm / vnd wandlend aber in der finsternuß / so liegend wir. Lieben kinder / lassend üch nieman verfüeren / [662] wär rächt thuot der ist gerächt / glych wie er gerächt ist: wär sünd thuot / der ist vß dem Tüfel / etc.  Also spricht der heilig Apostel Jacobus / [663] Sind thäter des worts vnd nit hörer allein / die jr üch selbs betriegind. Der selb Apostel widerfichtet ouch häfftig alle die / die allem sich deß gloubens ruomptend / vnd aber den mit guoten wercken nit erzeigtend. Da er bericht gibt / das die werck den waaren gerächtmachenden glouben anzeigend. Dann er mit Paulo nit vneins / die allgemein Apostolisch leer widerfichtet / sunder die falschen glöubigen. Daruon anderßwo wytlöuffiger gesagt ist.

[664] Darumb ist es gewüß / das alle rächtglöubigen nit ful vnd träg / sunder yferig sind / vß jrem waren glouben guote werck zewürcken. Vnd söliche guote werck der glöubigen sind nit vnnütz oder vergäbenlich. Dann sy gefallend Gott / vnnd deß habend wir in dem wort des Herren vilfaltige kundtschafft. Sy gefallend aber Gott / das sy vß dem glouben beschähend von denen / die in Christo / Gott

160.

lieb sind. Dann ob glych wol in glöubigen prästen überblybend / vnnd sich in jnen biß in das end erzeigend / rächnet jnen doch sölichs Gott nit / vnd das vß gnaden. Daruon Rom.7. vnd 8. meldung beschicht.

[665] Das aber Gott die werck siner glöubigen gfallind / züget das gsatzt Deut.12. vnnd die propheten / als Jsaias am 56. cap. vnd andere. S.Peter spricht / [666] Jch erfaren an der thaat / dz wo oder in was volcks / lüt sind / die Gott fürchtend / vnd rächt thuond / jm lieb vnd angenäm sind. So spricht er ouch [667] vnsere geistliche opffer sygind Gott angenäm / durch Christum. Also redt ouch Paulus zuo den Colossern am 1. cap. vnd spricht / Wir bittend das jr erfüllt werdind mit erkanntnuß sines willens / dz jr wandlind wirdigklich dem Herren zuo allem gefallen. etc.  Vnd ist in disem allem füruß wol zeachten vnd zuo behalten / das weder wir noch vnsere werck / Gott für sich selbs allein / sunder als die in Christo sind vnd blybend / gefallend.

9A2 Das Gott die guoten werck der glöubigen belone / die glöubigen aber keinen eignen verdienst wider den verdienst Christi vfrichtind.    Cap. II.

[668] JA so wol gefallend wir vnd vnsere werck / die vß dem glouben beschähend / Gott / das Gott sinen glöubigen lon vnd vergältung verheißt.

160v.

Dann in sinem gsatzt sagt er für vnd für / [669] Wirst du in miner forcht vnnd in minen gebotten wandlen / so wil ich dich benedyen. Derglychen findst du vil in den propheten. Jm Jsaia läsend wir / [670] Sagend dem frommen / dz jm wol wirt ergon: dann er wirdt niessen die frücht siner thaten. Wee aber dem boßhafften gottlosen / dann jm wirdt nach siner händen wercken vergolten. Vnser Herr spricht im Euangelio / [671] Vnd denn wirdt der richter yedem gäben nach sinen wercken. S. Paulus spricht / [672] Eer pryß vnnd frid sye yedem der guots thuot. Dann ouch der Herr widerumb im Euangelio spricht / [673] Vwere belonung im himmel ist groß.

[674] Vß sömlicher belonung aber machend die glöubigen kein eignen verdienst jrer wercken / als mit denen sy den himmel verdienind. Dann sy lassend nüt zuo / das den verdienst Christi abthuot oder ioch verkleineret vnd verdüncklet. Dann sy behaltend styff vnd in frischer gedächtnuß den houptartickel der waren Christenlichen leer / das alle menschen / vß gnaden / fry / one verdienst / sälig werdind: als Paulus heiter züget Rom.3. vnnd 11. cap. Es ist kein vnderscheid / sy habend alle gsündet vnd manglend der eer Gottes / werdend aber vergäbens fromm gemachet vß siner gnad durch die erlösung Christi. Jsts aber vß gnaden / so ists nit vß den wercken / sunst wurde gnad nit gnad syn / etc.  Jtem / die glöubigen erkennend / das

161.

der verdienst Christi / oder sin menschwerdung / lyden / sterben / bezalung / vrständi vnd erlösung / den himmel allein verdient hat. Da behaltend sy vest den spruch Pauli / [675] Jst die gerächtigkeit durch das gesatzt / so ist Christus vergäbens gestorben. Wyter erkennend sy / das wenn sy glych wol ernüweret den waren glouben vnd geist Gottes habend / nütdestminder das fleisch blybt / widerstrytet vnd nach siner art also würckt vnd fürtruckt / das die Guoten werck der glöubigen dahar an jnen selbs vnuolkomner sind / also das sy die glöubigen nit gedörend für Gott zuor widergält der säligkeit fürbringen. Nütdestweniger diewyl Gott den wercken der glöubigen die belonung verheißt vnd ouch leistet / ouch vnser vnuolkommenheit nit rächnet / nemmend söliche belonung die glöubigen mit danck / vnd ouch als ein gnad / an. Dann sy wüssend dz sy an jnen selbs prästhafft sind / aber das guot vß der gnad Gottes vnd nit vß jnen selbs thuond: diewyl der Herr spricht / [676] One mich vermögend jr nüt. Jtem [677] die thaaten der glöubigen beschähend durch Gott. So spricht Paulus / [678] Wir vermögend vß vns selbs das guot ouch nit gedencken / sunder all vnser gnuogsame ist vß Gott. Vnd / [679] Gott würckt in vns das wöllen vnd das thuon. Ja von wägen der blödigkeit die in glöubigen überblybt / nennend sy jre gerächtigkeit [680] vnreinigkeit. [681] Vnd wenn jnen

161v.

Gott anbüt die belonung / vnd erzelt jnen jre gerächtigkeit / blybend sy in jr demuot / vnd erhebend sich gar nüt: wie man sicht an den frommen am letsten gericht / das Matthei 25. beschriben wirt. Vnd hierhar dienet die leer vnsers Herren Christi vß dem Euangelio Luce 17. die er also beschlüßt / Also ouch jr / wenn jr alles gethon habend / das üch befolhen ist / so sprächend / Wir sind vnnütz knächt / was wir habend gethon / das warend wir schuldig zethuon.

[682] Dahar spricht S.Augustin rächt / Dona sua coronat Deus,non merita tua. Gott belonet sine gaaben / nit dine verdienst. Vnd wilt du verfälen der Gnaden / so rüem dinen verdienst. Diser heilig bischoff hat gar häfftig gestritten wider die kätzery Pelagij / welcher hielt / der mensch möchte durch sinen verdienst erlangen oder verdienen das ewig läben. Welche meinung er häfftig mit der geschrifft niderlegt vnd vertilcket.

 

9A3 Welches die rächt Guoten werck syend / wider die falsch Guoten werck / vnd von der Ergernuß.      Cap. III.

[683] HJe aber muoß man ouch flyssig verhüeten / das wir nit alles das für guote werck haltind / die darfür von menschen gehalten werdend. Dann merteils gadt es also zuo in der wält / das man

162.

die werck nit für guote werck haltet / die Gott gebüt / oder ioch jren nit häfftig achtet: die werck aber die wir selbs erdenckend / für die rächten guoten werck haltend. Man findt lüt die beredt durch falschen whon / sprächend / Jch weiß das was ich vmb Gotts willen thuon / das es ytel guote werck sind. Vnd was ich thuon / nach dem byspil der vättern / das ist alles guot. Darwider aber Paulus redt zuo den Coloss. am 2. cap. Der ouch anderßwo spricht / [684] Was nit vß dem glouben / ist sund. Ja vnser Herr Christus Jesus spricht / [685] Vergäblich dienend sy mir / diewyl sy leerend söliche leer / die nüt dann menschen gebott sind. Noch dennocht gedörend sich vil rüemen / mit sölichen wercken verdienind sy das ewig läben: [686] sy verkouffend ouch söliche jre werck anderen zum heil: wider die Apostolisch vnnd Euangelisch leer / Act. 8. cap. vnnd Matt. 23. Welches so wir schältend / tricht man vns ein schwären lümbden vf / wir schältind guote werck:  vnd schältend aber wir nit rächt guote werck / sunder falsch genannte guote werck.

[687] Gott erforderet von vns glouben vnd gehorsame / welche wir sinem heiligen wort söllind leisten / vnd das thuon das er vns gebüt / vnd das lassen das er vns verbüt. Wenn nun wir sin gebott habend / vß dem wir wüssend / was er vns gebüt / vnd lassend sölichs ston / erwöllend vns darfür andere werck die wir

162v.

erdenckend / vnnd vns guot bedunckend / thuond wir nit allein kein guote werck / sunder wir versündend vns an Gott / wie die kinder Jsraels mit jrem gottsdienst vff den höhinen / wie Hieroboam vnd ouch Saul mit sinem opffer / 1.Samuelis 15. Vnser Herr spricht gar ernstlich zuo den Phariseeren / [688] Jr verlassend die gebott Gottes / vnd haltend der menschen satzungen von krüegen vnd trinckgeschirren ze wäschen / vnd derglychen thuond jr vil: verwärffend also Gottes gebott / vff das jr üwere satzungen haltind / etc.

[689] Vnd was ist anders diser zyt das gantz München vnd Nonnenthuomb? Dann was Gott yngesetzt vnnd gebotten hat / das acht das volck für ring / jren orden vnd patronen / oder ordens stiffter / reglen / sitten vnd brüch achtend sy hoch / vnd für die rächten volkomnen guoten werck: welche aber ouch merteils stond in kleidern / ässen / trincken / in geschirren / vssern gebrüchen / im geliger / im zyt / ort oder statt / vnd derglychen. [690] So doch zyt vnd ort / spyß vnd tranck / kleidung vnd gliger / vnnd was derglychen ist / dem glöubigen also fry ist / das wenn sy die mit bescheidenheit zuor notturfft gebruchend / vnd kein ergernuß anrichtend / nieman sy darumb billich richten sol noch mag. Darumb habend wir heitere leeren vnsers Herren Christi / Matth. 15. cap. vnd Pauli Coloss.2. vnnd Titum 1. Der selb

163.

Apostel nennt [691] das verbieten der spysen vnd der ee / Tüfels leeren. Daruon besich wyter 1.Timothei 4. vnd wüß das dir der Bapst / die spyß die dir Gott geschaffen vnnd gesägnet hat / nit verbieten mag / vnd du zuo allen zyten fry mit dancksagung ässen magst / was dich Gott beradt. Es laßt es jm doch der Bapst mit gält wider abkouffen / vnnd hat glych zuo Rom in der Fasten ein so fleischine kuchi / das es hieruß vnser yedem wol möchte Faßnacht heissen. Darumb laß faren der menschen gebott / halt dich Gottes gebott / vnd iß deren dingen keins die dir Gott verbüt / als bluot / durch wuocher / betrug / bluotuergiessen vnd vndertrucken / etc.

[692] Es ist aber die Ergernuß ein red oder thaat / dardurch der mensch verergeret / das ist verböseret / oder der louff des heiligen Euangelij vfgehalten oder verhindert wirdt. Sölich reden aber vnd thaaten werdend funden in der Leer vnnd in den Sitten der menschen. Die Leer ist ergerlich / wenn sy falsch ist vnd die menschen verfüert: oder so sy rächt ist / aber nit rächt gefüert vnd dargethon wirt / als zuo vnzyten / mit vnfuogen vnd aller vnbescheidenheit: dardurch die menschen ein hassz legend an das Euangelium von wägen des vnkomlichen Predigers / vnd also ymmer vnd ewigklich in irrthumben stäcken blybend. Dise ergernuß ist ein grosse sünd / vnd ein träffenlicher

163v.

schad / den Gott hasset vnd ouch häfftig straafft. Darumb sich yederman daruor hüeten sol. Die Sitten vnnd reden der menschen sind ergerlich / wenn sy beschähend wider das gebott Gottes / wider zucht vnd erbarkeit / also das sich andere darab böserend: als so ein ander by dinem schweeren / by dinem suffen / by dinem huoren / by diner hoffart / ouch lernet glychs thuon / oder er wirt durch din böß bispil böser oder vngottsförchtiger dann er vor was. Wie schwär dz sye liß Matthei am 18. cap. Es sind aber ouch etliche von Gott erloubte ding / welche so mans gebrucht zuo vnzyten oder mit vnfuogen / andere damit verergeret: als so du fleisch issest vor einem schwachen im glouben. Daruon liß Paulum Rom.14. vnd 1.Cor.8. etc.

[693] Doch sol man ouch hie wüssen / das ein ergernuß ist die von vnglöubigen empfangen / nit von glöubigen gäben wirt: als so sich der glöubig guoter dingen vnnd siner fryheit gebrucht / mit keinen vnfuogen / nieman zetratz noch zuo leid / sunder allein zuo der eer Gottes vnd siner notturfft: als so einer von Gott vnd sinen händlen rächt vnd bescheidenlich vß dem Euangelio redt / oder ein Eewyb nimpt / oder fleisch isset zuo verbottner zyt vom menschen / vnd aber lüt die vnglöubig / ja stettig / kybig / nit einfalt / schlächt vnd schwach sind / sich an dem guoten das der glöubig gethon / verergerend.

164.

Sölicher ergernuß leeret vnser Herr Christus vnd Paulus gar nüt achten. Besich Matth. 15. vnd 1.Corinth.10. Dann wo man sömlicher ewigklich müeßte schonen / wurde man nimmer von Gott reden / noch die fryheit / die vns Gott gäben hat / gebruchen. Das aber Gottes meinung nit ist.

9A4 Wyter vnd mee von den rächt guoten wercken.    Cap. IIII.

[694] HJe muoß ich yetzund ouch etlicher maß benamsen die rächt  guoten vnd Gott wolgefelligen werck / deren sich die rächtglöubigen flyssend. Vnd ist aller guoten wercken vrsprung  vß Gott vnd sinem geist / welchen wir empfahend durch den glouben  / vnd mit den guoten wercken erwysend. Darumb mögend wir one  Christo gar nüt / durch jn werdend wir krefftig zuo allem guoten.  S.Paulus spricht / [695] wir syend in Christo zuo guoten wercken  erschaffen / dz wir in den selben wandlind: vnd an einem andern  ort spricht er / [696] Die gnad Gottes ist erschinen / die da heilsam  ist allen menschen / die vnderricht vns / das wir verlougnen söllend das gottloß wäsen / vnd die wältlichen gelüst / vnd  läben in diser zyt / mässig oder züchtig / frommklich vnnd  gottsäligklich / etc.  Jn welchen worten wir ein kurtzen bericht  habend / was wir fliehen vnd wornach wir ringen vnd stellen  söllend. [697] Von

164v.

art vnd natur ist vns angeboren gottlose vnd wältlicher wollust  / die stäckend vns in vnserem fleisch: aber deren söllend wir verlougnen / vnd vns jren entschlahen: dargägen söllend wir vns flyssen aller mässigkeit / in reden / kleidern / ässen / trincken / vnd in allem zytlichen bruch: wir söllend frommklich läben / nit allein das wir nieman vnrächt thüegind / sunder vil mee das wir yederman früntschafft liebs vnd guots bewysind: wir söllend gottsförchtig / nit row vnd verruocht syn. Sölche guote werck hat vns Christus vnser Herr geleert.

[698] Hiehar dienet der rächt geistlich Gott wolgefellig Gottes dienst / daruon ouch gesagt ist in letsten capitlen im andern artickel. Die glöubigen söllend alle zyt / vnd insunders in der gefaar vnnd widerwärtigkeit / Gott als dem allmächtigen getrüwen warhafften vnd güetigen von hertzen wol vertruwen: den söllend sy anrüeffen in allem jrem anligen: dancksagen vmb alles guots: dem söllend sy sich ergäben vnd vfopfferen / vnd in sinem willen allein wandlen / jren eignen willen vndertrucken / vnd sich in jm allein erfröuwen. Das sind die aller herrlichisten werck der glöubigen.

[699] Vnd hie hat platz die heiligung vnd reinikeit wider alle befleckung der seel vnnd des lybs vom fleisch tüfel vnd der wält. [700] One die heiligung wirt nieman Gott sähen. Darumb spricht der heilig Apostel mit so grossem ernst /

165.

[701] Jch bitten vnd vermanen üch in dem Herren Jesu / das wie jr von mir erlernet habend / wandlind / vnd nämind ye lenger ye mee zuo / das jr Gott gefallind. Dann jr wüssend welcherley gebott wir üch in dem Herren Jesu gäben habend. Dann das ist der will Gottes / das jr üch heiligind / dz jr üch enthaltind vor vnküschheit oder huory / vnd das ein yetlicher wüsse sin geschirr (sin lyb) zebesitzen in heiligung vnd in eer: nit in fleischlichem lust / wie die Heiden thuond / die von Gott nüt wüssend. Dann Gott hat vns nit berüefft zuor vnreinigkeit sunder zuor heiligung.

[702] Hierumb thuond die glöubigen jnen selbs in allem jrem läben abbruch / in ässen / trincken / schlaaffen / ruowen. Dann sy wüssend wol das der Christen gloub nit ist ein prassz / muotwill / vnd wollust / sunder ein wacht / müey vnd stryt wider den Tüfel / die wält / vnnd das fleisch. Daruon ouch daruor im sechßten artickel gesagt ist / was ein rächt buoßfertig läben sye. Darumb [703] welche hie vß dem Euangelio nüt anders erlernend dann lybliche oder fleischliche fryheit / die mißbruchend Christliche fryheit / wider die leer Petri / der da spricht: [704] Jr söllend syn als die fryen / vnd nit als hättend jr die fryheit zuom deckel der boßheit / sunder als die knächt Gottes. Liß wyter hieruon im heiligen Petro zuom end des anderen cap. in der anderen epistel.

165v.

9A5 Von dem crütz oder lyden vnd gedult der glöubigen.    Cap. V.

JNsonderheit aber dienend die glöubigen Gott in dem lyden / das sy mit gedult in Christo tragend / vnd darmit allerley guoter wercken würcken könnend. Dann [705] der glöubig sol jm hie in zyt nit fürnemmen allein in wollust fröud vnnd ruowen zuo läben. Dann ob glych wol Gott sinen glöubigen etwan ein zytlang verlycht frid vnnd fröud / versähend sich doch alle zyt alle glöubigen der trüebsalen vnd allerley lydens / das jnen Gott zuosendet. Es weißt ye mengklich wie es ye vnd ye den heiligen vätteren ergangen ist / insonderheit aber Abrahamen / Joben vnd Jacoben / vnd den kinderen Jsraels. Vnser Herr Christus spricht im heiligen Euangelio / [706] So yemants zuo mir kumpt / vnd hasset nit sin vatter / muotter / wyb vnd kind / brüedern vnd schwestern / vnd darzuo ouch sin eigen läben / der kan nit min junger syn. Vnd wär nit treit sin crütz vnd volgt mir nach / der kan nit min junger syn. So spricht S.Paulus / [707] das wir durch vil trüebsal müessend in das rych Gottes gon. Jtem / Alle die gottsälig läben wöllend in Christo Jesu / die werdend veruolgung lyden.

[708] Da so ist zuo wüssen / das die gmeinen trüebsäligkeiten / als frost / hunger / blödigkeit / blösse / kranckheit / tod / vnnd was derglychen ist / vß

 

 

166.

der sünd geuolget sind. Allgemeine trüebsalen sind / krieg / thüre / hunger / brand / zerschleitzung / pestilentz / veruolgung. Die kranckheiten sind vnzalbar / klein vnd groß / kurtz vnd lang. So sind vil lüten die sich selbs pynigend / als die angefochtner sind / dann sy selbs gern habend: könnend jm aber nit anders thuon / blybend also in jnen selbs pynlich vnnd angefochten. Etwan werdend wir von vnsern kinden / fründen vnd verwandten gepyniget: etwan von frömbden heimlich vnd offenlich. Vnd ist des lydens vnzalbar vil / darzuo der mensch / als der vogel zuo fliegen / erboren ist.

[709] Sölich lyden legt Gott der wält vf / vnnd insonders den vnglöubigen / das er damit jren muotwillen demme vnd die vnschuldigen erlöse / ja das er erzeige dz jm der bösen boßheit gar nit gefalle. Wenn er aber die bösen hie in jrem muotwillen vngestraafft fürfaren laßt / ists vngezwyflet das er sy dört / [710] wie den rychenmann im Euangelio / mit ewiger straaff grewlich straaffen wil. Dann etwan straafft Gott hie in zyt die sünder / das er sy mit siner straaff erwecke vnd mundter mache. Es beschicht ouch vil / dz sich die sünder vom bösen zuom guoten durch die straaff bekeerend: wie wir deß vil byspil in der gschrifft habend. Deßglych legt Gott nit allein den bösen / sunder ouch sinen fründen allerley lydens

166v.

vnd trüebsalen vf / jnen zuom heil.

[711] Vnd ist hie wol zegewaren wie sich die vnglöubigen vnd glöubigen in der widerwärtigkeit oder trüebsäligkeit haltind. Die vnglöubigen brummlend im lyden / fluochend / lesterend vnd schweerend / dann sy achtend jnen beschähe vnrächt / vnnd habind söliche trüebsäligkeit nit verdient. Gäbend ouch dem Tüfel vnnd bösen vnglückhafften lüten die schuld. Wendend sich zuo allerley / ouch vngebürlichen mittlen vnnd verbottnen stucken / damit sy jnen selbs hälffen wöllend. Dann sy ye Gott nit still zehalten vnderstond. Vnd sölichen ist die trüebsal oder das crütz ein rächte straaff der sünden / vnd ein anfang zuo grösserm lyden in yhäner wält. Dargägen erkennend die glöubigen / das sy nüt lydind vnbeschuldt. Diewyl sy noch vil me vnd grössers lyden verdient habend. Ja sy achtend sölich crütz yetz nit me als ein straaff der sünden: diewyl sy gloubend das jnen Gott jre sünd verzigen habe / sunder als ein üebung des gloubens / vnd als ein anlaß zuo allerley tugenden vnd guoter wercken. Dann sy habends darfür / Gott als ein trüwer vatter habe jnen sölich lyden zuo guotem vfgelegt. Darumb sind sy gedultig / vnd wendend sich zuo keinen vngebürlichen mittlen / sunder stond willig in der hand Gottes / den prysend vnd rüemend sy / den rüeffend sy an / vnd bittend jn vmb meerung des gloubens / der gedult vnd

167.

aller gnaden. Gebruchend sy dann etliche artznyen oder mittel  / so thuond sy das alles in der krafft jres Herren / dem sy sich todt vnnd läbend übergäben habend. Besunders aber lobend sy Gott / wenn sy lyden müessend vmb sines nammens / oder vmb sines heiligen Euangeliums willen.

 [712] Jn dem vnd anderm lyden allem / tröstend sy sich alle zyt mit dem willen Gottes / den sy vß sinem wort erlernend / vnd wüssend das es Gott also haben wil / das wir mit gedult im lyden / sinen nammen heiligind: das alle heiligen Patriarchen / Vätter / Propheten / Apostlen vnd säligen beider Testamenten vil erlitten / durch glöubige gedultigkeit Gott gefallen habend: ja das der sun Gottes selbs vnser Herr Christus / die sinen allenthalben zuom lyden vermanet / darinn tröst / jnen ein herrlich byspil vortragt / vnd grosses denen verheißt / die biß an das end verharrend: das ouch dise zyt dises lydens kurtz / die herrligkeit ewig ist: vnd das die glöubigen in dem lyden / glych wie das gold im fhür / gelüteret vnnd gereiniget werdend. Daruon läse wytern bericht wär lust hat / Matt.16.  Joan.15.16.  1.Petri 1.2.4.  Hebr.11.12. etc.

Jn summa / der Christ schickt sich durch all sin läben willig vnder das crütz / vnd vergißt nimmer diser trostlichen worten Christi / [713] Jn der wält habend jr angst / aber sind getröst /

167v.

ich hab die wält überwunden. Vnd [714] was hulffe es den menschen / wenn er alle dise wält gewunne / vnd schaden aber an siner seel empfienge? [715] Jr werdend wol gehasset von yederman: aber nit ein härle von üwerm houpt sol verloren werden. Vnd [716] ich wil by üch syn biß zuo end der wält.

9A6 Wyter vnd noch me von den Guoten wercken / welche die glöubigen nach den gebotten Gottes vnd nach jrem ampt vnd pflicht thuond.    Cap. VI.

[717] ES bedarff aber nit vil abteilens der guoten wercken / damit sy rächt von vns erkennt werdind / nemme ein yeder die zähen gebott Gottes / so wirt er haben ein ryche vnd richtige form / rächt guoter wercken: dargägen ouch ein rächte anzeigung der rächt bösen wercken / vor denen wir vns alle zyt hüeten söllend. Wil aber yemants noch ein kürtzere formm haben der guoten wercken / der nämme fürsich [718] die Liebe Gottes vnd des nächsten / als von welcher Paulus schrybt / [719] Die houptsumm des gebotts ist die liebe / von reinem hertzen / von guotem gewüssen / vnnd von vnglychßnetem glouben. Jtem / [720] Sind nieman nüt schuldig / dann das jr einanderen liebind. Dann wär den andern liebet / der hat das gsatzt erfüllt / etc.  Rom.13. cap. Vnd hiehar dienend ouch [721] die werck der

168.

barmhertzigkeit: welche vnser Herr erzelt Matth.25.cap.

Hie habend ouch die guoten werck platz / die rächte guote vnd Gott wolgefellige werck sind / nit minder dann allmuosen gäben / bätten / fasten / gedult / etc.  die wält sy aber nit für guote werck halt / vnd [722] dargägen die für guote werck halt die zwaren nit guote werck sind / vnd nütdestminder für die höchste werck gehalten werdend. So yemants inn Eestand geträtten ist / eeliche beschwärd getragen / gearbeitet / gelitten / kinder vfzogen / vnnd in ander wäg sin pflicht vnd schuld gethon hat / nach dem gebott Gottes / etc.  söliche werck hat man nienerfür gehebt. So aber yemants den Eestand verlassen / sich der arbeit / hußhaltung / des kinder ziehens entschlagen / in ein kloster gangen / vnd da dises oder yhänes münchen vatters regel angenommen hat / söliche werck die er in disem Orden gethon / hat man vßgäben für die volkommniste werck. Da söllend aber alle glöubigen wüssen / wie ouch im 3. cap. dises artickels gemäldet ist / das vnser Herr richtig spricht / [723] Sy vereerend mich vergäbens mit menschen satzungen: vnd das jm die guoten werck gefallend die er yngesetzt / vnd allen vnd yeden stenden vnd altern fürgeschriben hat: deren formen wil ich etliche melden.

[724] Die Bischoff oder Pfarrer vnd prediger oder diener der kilchen söllend ernstlich anhalten

168v.

mit der gesunden leer / die göttlichen Empter volbringen / [725] die irrthumben vßrüten vnd verhüeten / die war Gottes huld pflantzen vnd erhalten / vermanen / straaffen vnd trösten / die krancken besuochen / die armen trüwlich befälhen / ernstlich studieren / bätten / vnd zuom gebätt vermanen /[726]  gastfry / fründtlich vnd in allem jrem ampt geflissen syn. Der zwaren wäre ein vntrüwer Gottes diener / der sölich notwendig ampt verliesse vnd sich in ein kloster verschluffe / nit ander lüten zuo läben / sunder siner ruow zepflägen.

[727] Die fürsten herren vnd oberkeiten söllend gottsförchtig syn / gern das wort Gottes hören vnd selbs läsen / darnach jre sachen richten / Gott vmb wyßheit anrüeffen / willig syn mit allen denen die vor jnen zuo schaffen habend / [728] sy söllend beid teil verhören / nit nach anfächtung / sunder nach der gerächtigkeit vnd billigkeit handlen vnd rächtsprächen / gricht vnd rächt trüwlich halten / friden pflantzen / vnruowen vnd vnzuchten abstellen / die guoten schützen vnd schirmen / die bösen dämmen vnnd straaffen / vnd alles das der Herr von jnen forderet / willig thuon. Welcher das trüwlich thuot / dienet Gott vil herrlicher dann so er sin berüeffung verliesse vnd sich in ein kloster verschluffe: dardurch er ouch nit nun Gott nit dienen sunder jn erzürnen vnd schwär sünden wurde.

169

[729] Die Amptlüt / Schaffner vnd Diener der Oberkeit söllend Gott fürchten / jren Herren trüw syn / früntlich vnd güetig gägen dem gemeinen mann: [730] nieman trängen / vnd sich jrer besoldung vernüegen lassen.

[731] Die vätter / müetern vnnd vögt der kinden söllend die kinder lieb haben / doch jnen vß vnordenlicher liebe nit zeuil nachlassen / sunder sy vferziehen zuor gottsforcht / arbeit / zucht vnd eer. Darumb [732] söllend sy sy straaffen. Doch ouch ein maaß halten / vnd nit zescharpff oder zeruch syn. Die grösten rychtag verlassend sy jnen / wenn sy sy wol erziehend / vnd zum gebätt / zuom wort Gottes / zucht vnnd eer gewennend.

Die kinder söllend den elteren gehorsam syn / sy lieben  / jnen dienen vnd danckbar syn / sich wysen / ziehen vnd leeren  lassen. Sy söllend syn schamhafft / züchtig / rein oder künsch  / einfalt / arbeitsam / trüw vnd gottsförchtig / etc.

[733] Die Herren / meister vnd frouwen / söllend gedencken daß  sy ouch ein Herren vnd meister in himmlen über sich habend  / der gwüßlich straafft / wenn man [734] armen diensten vnbill thuot  / sy jres lidlons vnd haltung übel haltet. Glöubige lüt [735] söllend  den diensten / die sich zimlich haltend vnd gern jr bests thätend  / früntlich syn / vnd jnen guots thuon / sich ouch vernüegen  lassen / vnd mitlyden mit jnen haben. Glöubige dienst aber [736] söllend willig vnd geflissen im

169v.

dienst syn / nit brummlen / schnauwen / alles mit vnwillen thuon  / vnflyß erzeigen / vntrüw syn / abtragen oder verstälen / vnd  den hußplunder verderben / sunder in allem haußhaben / als wenn  sy jnen selbs hußhieltind.

[737] Von den Rychen schrybt Paulus also / Den rychen diser wält  gebüt / das sy nit hochtragen syend / ouch nit hoffind vff die vngewüssen rychtag / sunder auff den läbendigen Gott / der  vns rychlich dargibt allerley zeniessen: dz sy guots thüegind  / rych werdind in guoten wercken / frygäb syend vnd gemeinsam  / jnen schätz samlind zum ewigen läben / etc.  Dise söllend jren  eigenlüten / lähenlüten oder zinßlüten / jren verwandten / nachpuren vnd andern dürfftigen guots thuon. Herwiderumb söllend  dise jnen ouch trüw / dienstbar vnnd früntlich syn. S.Paulus  gebüt ouch nit das du din haab vnd guot dahin gäbist vnd dann vß anderlüten läbist / sunder daß die dinen selbs erziehist.  Besich 2.Cor.8. vnd 1.Timoth.5. cap. Er wil ouch nit dz  starcke bättler / die arbeiten möchtend vnd nit wöllend / müessiggend erzogen werdind: gebüt mengklichem zearbeiten. Darumb  besich 1.Thess.4. vnd 2.Thess.3.cap. Es söllend sich ouch  rächt arme in gedult trucken.

[738] Die Eemann söllend mit vernunfft jrer eewybern höupter  syn / sy dulden / vnderrichten / wysen / leeren / vnd für guot  von jnen haben /

170.

ouch mitlyden mit jnen tragen / vnnd sy lieben. [739] Die eewyber  söllend jre mann lieben / früntlich vnd güetig / nit boßhafft  / räß vnd häderig syn / etc.

[740] Die Alten mann söllend erbar syn / nüechter / züchtig / gsund im glouben vnd gedult / die mit jren worten die jungen vff guots wysind / vnnd mit jrem wandel der jugend ein guot byspil vortragind. Deßglych söllend die jungen nit hochmüetig / fräch vnd vnuernünfftig syn / sunder vnderdienstig / demüetig / still / gwarsam / vnd sich vnderrichten lassen.

[741] Von Alten vnnd jungen wybern schrybt Paulus also / Die alten wyber söllend ein wandel haben der dem glouben wol anstadt / sy söllend nit lesterig / schwätzig vnd vßrichtig / ouch vilem wyn ergäben syn / sy söllend guots leeren / vnd die jungen wyber vff zucht wysen / das sy jre mann vnnd kinder lieb habind / fromm / eerbar / künsch / hußlich / güetig vnd jren mannen gehorsam sygind / etc.

[742] Wie sich aber die Witwen halten söllind / mögend sy erlernen vß dem heiligen Paulo / 1.Timoth.5. cap. Da er vnder andern worten spricht / Der jungen witwen entschlach dich. Dann wenn sy geil worden sind wider Christum / so wöllend sy mannen / vnd habend jr gericht das sy den ersten glouben gebrochen habend: darnäbend sind sy ful / vnd lärnend hin vnd har durch die hüser louffen. Darzuo sind

170v.

sy schwätzig vnd zeuil gschäfftig / vnd redend das nit sin solt. Darumb wil ich das die jungen wyber oder witwen eemannen nemmind / kinder ziehind / hußhaltind / vnd dem widersächer kein vrsach gäbind zeschälten / etc.  Daruß ein yeder verständiger wol erlernen mag / wie wol dem heiligen Paulo die Frouwenklöster gefallen hettend im Bapstuomb / wenn er sy gesähen hette / etc.

[743] Die jungkfrouwen söllend am geist vnnd lyb rein / künsch vnd jungkfrouwen syn: vnufhörlich Gott allein anhangen vnd nachtrachten / vnd sich in der wält händel nit flichten. Besähe man 1.Cor.7.cap.

[744] Jn summa / Sind allsamen (spricht der heilig Petrus) glych gesinnet / mitlydig / brüederlich / barmhertzig vnnd früntlich. Vergältend böses nit mit bösem. Dann wär sines läbens wil gefröuwt werden / vnnd guot tag haben / der meistere sin zung / das sy nit böses rede / er wende sich vom bösen vnd thüeye guots / er suoche friden vnd suoche dem nach / etc.  1.Pet.3. Vnd das sind die rächt guoten werck / mit welchen alle glöubigen dermassen verhafft sind / das sy nun nit gedenckend andere zedichten vnd zeerfinden. Sälig ist der mensch der in den gebotten Gottes wandlet.

171

10A0 Von dem säligen Tod des Menschen / vnd End aller dingen.

Der X. Artickel.

ALle vnd yede Christen söllend wüssen /  das sy sterblich  erboren / ein mal sterben müessend: vnd wie nüt vngewüssers ist dann die Stund des todts / also ist nüt gewüssers dann der Tod. Darumb söllend sy allwäg den tod vor ougen haben / vnd sich alle zyt / insonders in kranckheiten / zuo dem tod rüsten / damit wenn der tod versähen oder vnuersähen herzuo kumpt / ein yetlicher wol zuo friden / zuo Gott / in ewige fröud vnd säligkeit abscheide. Deßglych söllend alle glöubigen warten vff das End aller dingen / vnd

171v.

vff das letste gericht vnsers Herren Jesu Christi. Dann ob glych wol die vnsinnig wält sölichs für ein fabel halt / vnd  die stund des gerichts vnd ends nit kan anzeigt werden / sind  doch heitere vnnd gwüsse prophecyen vnd zügnussen / von dem  gericht vnd end aller dingen. Darzuo sind die zeichen / so dem gericht vnd end vorgon söllend / erfüllt. Deßhalb alle glöubigen billich jre höupter vfhebend / des gerichts vnnd ends  / ouch des ewigen rychs Christi / mit wachen vnd bätten / wartend. Das aber dem allem also sye / zeigend wir an durch volgende Capitel / mit kundtschafft heiliger geschrifft.

10A1 Von dem Tod vnnd  das der mensch den alle zyt vor ougen haben soll.    Cap. I.

VNd diewyl ich mir fürgenommen hab von den fürnemmen stucken die ein Christ wüssen sol / in diser miner arbeit / zereden / kan ich nit wol fürgon / dann das ich ouch von dem tod des menschen vnd end aller dingen etwas sagen muoß.

[745] Die geschrifft gedenckt eins geistlichen vnd

172.

eines lyblichen oder natürlichen todts. [746] Des geistlichen todts gedenckt sy zuo guotem vnnd zuo bösem. Zuo guotem / als wenn sy sagt / [747] die menschen söllind dem alten Adamen abgestorben syn / vnnd in Christo läben. Zuo bösem aber / als so sy sagt / [748] die in wollüsten diser wält läbind / syend läbendig tod. Der Herr spricht ouch / [749] Jr werdend in üweren sünden sterben. Sölichem tod volget dann ouch in yhäner wält der ewig tod: [750] welcher nit ist ein vfhören des läbens / also das wir nit me syn werdind in yhener wält. Dann vnsere seelen blybend dört im läben vnd vergond nit /so werdend ouch vnsere lyb am jüngsten tag von todten vferweckt. Diewyl aber das läben das sy läbend in yhener wält / nüt anders ist / dann ein angst / jamer pyn vnd vnußsprächliche not / nennt die gschrifft sölich läben den ewigen tod.

[751] Also ist ouch ein lyblicher oder natürlicher tod / welcher nüt anders ist / dann das abscheiden der seel von dem lyb / daruf der lyb des natürlichen läbens beroubet / anhebt verdärben vnd verfulen. [752] Die seel aber wenn sy vom lyb abgescheiden ist / hört sy nit vf läben / vergadt ouch gantz vnnd  gar nit. Darumb hüete sich hie ein yetlicher frommer Christ vor denen vyhischen reden / welche von etlichen seelosen menschen gebrucht werdend /Wenn der mensch absterbe / so sye es vmb alles vß. Dann in yhener wält sye kein ander läben. Darumb

172v.

sterbind die menschen glych wie das vych ab: vnd wenn es sich wol lybe so habe es sich wol geseelet / etc. Das doch grewlich ist zuo gedencken / vnd gwüßlich verruochte lüt macht / vnd den Christenen glouben schmächt / das söliche reden nit söltend von der Oberkeit vngestraafft blyben. Dann ist dört kein ander läben / wie veriähend wir dann in articklen des gloubens / Nach disem läben das ewig läben? Jst kein ander rych dann das irrdisch / warumb bättend wir dann: Zuokumb din rych? Aber vnser Herr Christus gibt vns gnuogsamen bericht / dem wir billich für alles das gloubend / das alle dise lychtferige wält schwätzen mag / vnd spricht / [753] Fürchtend die nit die üch den lyb tödend / vnd aber die seel nit mögend töden: fürchtend vil me den / der lyb vnd seel in der hell verdammen mag. Darumb werdend ye die seelen nach dem natürlichen tod erhalten / eintwäders zuor säligkeit oder zuor verdamnuß. Dann der Herr sprach ouch zum mörder am crütz / [754] Hütt wirst by mir syn im paradyß: frylich der seel vnd nit lybs halb. [755] Darumb ouch der heilig Stephanus zum Herren Jesu schrey / als er versteiniget ward / vnd sprach / Herr Jesu empfach minen geist. Dann S.Paulus hat ouch gesprochen / [756] Jch hab lust vnd ein verlangen abzuoscheiden oder vfgelößt werden / vnd by Christo zesyn. Dann ouch vnser Herr Christus als er am crütz

173.

scheiden vnd absterben wolt / schrey mit luter stimm / vnd sprach / [757] Vatter in dine händ befilch ich minen geist. Denen warhafften zügnussen der warheit / sol ein Christ mee glouben / dann aller philosophy vnd allem vnbegründten geschwätz / aller seelosen verruochten buoben. Diewyl doch ouch kein wyser noch verstendiger nie die vntödtligkeit der seel in zwyfel gestelt hat: wie ich das ouch wol möchte vß den wysen der Heyden erwysen. Es bedarff aber des alles nüt / da wir so guote gründ in dem warhafften wort Gottes habend. Dann wär Gott nit gloubt / wäm wirt oder kan der selb glouben?

[758] Vnd der lyblich natürlich tod ist von Gott allen menschen / als ein buoß der sünden / vfgelegt. Er sprach / [759] Erdterich vnd stoub bist (frylich vß der erden gemacht) zuo erden vnd stoub muost wider werden. Dise buoß [760] muoß zwaren vnser yetlicher ein mal bezalen. Da schadet sömlicher lyblicher tod den glöubigen nit mee / dann einem kind die ruoten / da es wol weißt das der vatter mit jm wol zuo friden ist / doch das es einmal gehorsame thüeye vnd die züchtigung annämme. Dann der glöubig weißt wol / [761] das jm der ewig tod in Christo abgenommen / vnd er läben wirt in Christo / also das wenn er die schuld des zytlichen tods bezalt hat / vnd von hinnen gescheiden ist / dört keiner pyn noch tods mee empfinden wirdt: nit von

173v.

siner gehorsame vnd von sines willigen tods wägen / sunder von der gehorsame vnd des tods Christi wägen / in welchem der glöubig sich ouch willig in den tod begibt / vnd also in Christo läbt.

[762] Vnd disem tod mag nieman entfliehen / wie Job spricht am 23. ca. Der Herr hat dem menschen ein zil gesteckt / das wirt er nit übergon. Da hilfft ye kein wyßheit / kein stercke / kein guot / ja nüt überal. Wider die fyend kan man rüsten werinen / gschütz vnd heerzüg / sich zuo retten: wider den tod ist kein weere noch harnisch. Wenn din stündle hie ist / so muoß es syn. Dann wär ist ye aller deren überbliben die hie das zytlich läben ye empfangen habend? Sy sind all gestorben / vnnd  manend vns all hernach.

[763] Diewyl nun dem gwüßlich also ist / so versume sich niemants. Dann die zyt ist vil kürtzer dann du meinist. Etlich sind also in disem armen stärblichen läben verirrt vnd verwildet / das sy ouch vom tod nun nit ein wort hören wöllend: vermeinend sy syend ertrunnen / wennsy nüt vom tod hörend. Du toröchter mensch / du tragst den Tod by dir im buosen / vnd bist kein ougenblick sicher wenn dir Gott din läben abkündt. Lieber liß doch im 12. cap. Luc. wie jm ein rycher mann lang in fröuden zeläben fürnam / vnd aber gächlingen von hinnen muoßt. Darumb keer dich zuo dinem Gott.

174.

vnd  Herren. Volg dem wysen mann / der sagt zuo vns / Gedenck alle zyt an din tod vnd end / so wirst nit sünden. Dann wenn du gedenckst das din lyb bald der würmen spyß wirt / vnd din hab vnd guot verlassen muost / vnnd  dir nit ein haller in din grab volgt / was wilt du din lyb pflantzen zuom verderben / vnd durch allerley vngerächtigkeit zuo schanden vnd dinem ewigen schaden die zytlichen güeter huffen? Zerbrüchlich vnnd hinfellig ist alles das da ist. Wär Gott liebet / blybt ewigklich. Kurtz vnd mee dann kurtz ist das zil dines läbens. Du magst nit wüssen wenn dahin muost: vnd muost aber dahin. Darumb gedenck daran / wach vnd bätt.

[764] Darumb aber hat Gott nit wöllen das vnser yetlichs die stund sines ends vor wüßte / zuom teil das wir vnsere besserung nit biß vff den letsten aathem spartind / sunder all tag vnd ougenblick vns besseretind: zuom teil ouch das wir dester mee ruowen hättind. Dann diewyl der tod allen menschen schützlich vnnd grüwlich ist von natur / vnd wir wüssen söltend die stund vnsers tods / o welch ein ellend läben wurdend wir haben? Sunst stond wir in der hoffnung: vnd sagend / Min läben stadt in mines Herren Gottes vnd vatters henden / da stadt es mir wol: wenn er wil / so ist min end vnd zil. Darnäben tröstend sich die glöubigen in der forcht des tods mit Christo / der

174v.

ouch dem tod entsässen hat / doch gesterckt worden ist / vnd alle sine glöubigen stercken vnd trösten wil. Vnd hie tönt alle zyt in der glöubigen oren des Herren wort / [765] Wachend vnd bättend / jr wüssend nit wenn üwer Herr kumpt / ob er komme am abend / oder zuo mitternacht / oder am morgen / oder im tag / vff das er nit schnäll komme vnd finde üch schlaaffen / etc.

10A2 Wie sich der mensch zuom tod rüsten vnd säligklich absterben möge.    Cap. II.

VNd hie wirt nutz vnnd notwendig syn / das vnser yetlicher habe ein kurtzen bericht / wie er sich zum tod rüsten sölle / damit er säligklich absterben möge. [766] Vorab aber spare nieman dise rüstung vff die letste not / sunder empfälhe sich ein yetlicher alle tag vnd nacht so er vfstadt vnd nidergadt / in den schutz vnnd schirm Gottes / mit gebürlicher trachtung sines tods / vnnd das jm Gott ein sälig end verlyhen wölle. Dann Solomon spricht / [767] Biß in diner jugend yngedenck dines schöpffers / ee das alter / das vollen üblen ist / kumme / vnd ee die jar härzuo ruckind / das du sprächen wirst / Mich verdrüßt zuo läben. Vnd widerumb /[768]  Erfar vnnd straaff dich selbs ee vnd dir das vrteil kumme / so wirst du zuo der zyt der straaff gnad finden. Ee du kranck wirst so demüetig dich / vnd erzeig by zyten das du von sünden abston wöllist.

175.

Laß dich nit hindern zuo rächter zyt zebitten / vnd spar din besserung nit biß zuom tod. Das alles strytet richtig wider die gmeinen reden / Jch bin noch jung / es kumpt noch wol / Guoter arbeiter kam nie zuo spaat. Jst das end guot / so ists alles guot. Cras cras. Morn / Ein andermal / etc. Du magst doch nit wüssen ob du noch morn läbst.

[769] Hie stadt es eeren frommen lüten gar wol an / das sy alle zyt jre zytliche sachen vnd händel dermassen richtind vnd anschickind / wenn sy mit gäher kranckheit überfallen wurdend / nieman zuo verlust vnnd  bärlichem schaden kumme / vnd das man ouch vß den sachen sich verrichten könne. Dann etlich so ellend sind / das sy alle jre händel verhinend / eins an das ander henckend / vnd also jre sachen dermassen verwirrend / dz sy nach jrem tod gfarliche haderspil / verlurst vnd schaden den jren vnnd den frömden hinder jnen verlassend. Darfür sol ein biderman all sin läbenlang husen / so vil müglich ist / vnd all sine sachen richtig machen.

[770] So dann die zuofäl kummend vnd die kranckheit dich überfallt / solt dich richtig an Gott ergäben / vnnd dich yetz so dich schwach empfindst / noch vil mee rüsten dann vor / da du nüt empfandest. Nit alle kranckheiten sind tödtlich / es schadet dir aber nüt / wenn du dich zum tod wol gerüst hast / vnd glych wol widerumb vfkumpst. Verderbklicher vnd ewiger schad

175v.

aber volget dir daruß / wenn du kranck bist vnd aber dich des tods nit versichst / dich nüt rüstest / vnd doch gächlingen dahin verzuckt wirst. Darumb so bald kranckheit vff dich falt / so yl richtig zuo Gott / ergib dich an jn / opffer dich jm tod vnd läbendig / wie er wil / vnd bitt das du wöllist was er wil. So er wil / ist er allmächtig vnnd mag dich wol wider gsund machen vnd vfrichten: er wil ouch / diewyl er din vatter ist / vnd wenn es din heil ist: wil er das nit / so ists nit din heil / vnd vertruw Gott / der tod sye dir wäger / vnnd werde dir Gott bessers gäben.

[771] Es sol aber der glöubig zuo allen zyten Gott vnd sin rych lieber haben / dann sin eigen lyb vnd läben / wyb / kind / fründ / vnd alles was in der wält ist: [772] also das wenn Gott vns von disen dingen berüefft / wir willig alles verlassind / vnd mit vnserm vatter Abrahamen Gott nachziehind. Vnser Herr spricht in dem heiligen Euangelio / [773] Welcher wyb / kind / vatter oder muoter oder hab vnd guot lieber hat dann mich / der füegt mir nit. Darumb   lasse ein yeder die sorg zytlicher dingen hinfaren. Gedenck / do du gsund vnnd frisch gsin bist / hat Gott durch dich din huß versähen / yetzund wil er dich von hinnen nämmen / so wirdt er din huß aber nit verlassen (diewyl er doch ein Gott vnd vatter ist der witwen vnnd der weisen) sunder das in ander wäg versähen. Do vnser

176.

Herr am crütz sin muoter befolhen hatt Joanni / ließ er es darby blyben. Also befilch die dinen Gott vnd dinen vertruwten lüten / vnd laß dich wyter nüt bekümmeren / sunder tracht dem ewigen nach.

[774] Vnd hie weiß ich wol das in des krancken menschen hertzen allerley gedancken / die säligkeit belangend / vfstygend /als das er gedenckt / wie jm ouch im grund ist / Du hast din läbenlang übel zuogebracht / bist voller sünd / lastern  vntreinigkeit vnd wuosts: vnnd  mag aber by Gott kein vnreiner wonen. Dargegen aber gedencke der kranck härwiderumb / wir sind alle sünder vnd kein fleisch mag vor Gottes gericht beston: Gott aber ist gnädig vnd barmhertzig vnd wil den sünder / durch Christum / zuo gnaden vfnemmen. Dann darumb hat Gott sinen Sun in die wält geschickt / das er die sünder sälig mache. Daruon besich was dauor hieuon gesagt im 5. vnd 6. artickel.

[775] Es sol aber der arm kranck sündig mensch sine missethat vnd begangne sünd erkennen in sinem hertzen / berüwen vnd bychten oder veriähen. Gott der himmelisch vatter hat vns allen gesetzt ein einigen ewigen priester / vnsern Herren Christum / welcher ist der einig rächt bychtuatter / als der zuo der gerächten Gottes sitzt / vnd vns in vnsere hertzen sicht / ouch vns absoluieren oder ledigen mag vnd wil von aller vnser sünd / ouch von den sünden

176v.

schuld vnd pyn / vnd darzuo vns sin gnuogthüeung mitteilen: daruon ouch daoben gsagt ist. S.Johans begryfft das alles mit wenig worten / vnd spricht / [776] Das bluot des suns Gottes Jesu Christi machet vns rein von aller sünd. So wir sagend / wir habend kein sünd /so verfüerend wir vns selbs / vnd die warheit ist nit in vns. So wir aber vnsere sünd bekennend / so ist er trüw vnd gerächt das er vns die sünd verzyhe / vnd reinige vns von aller vngerächtigkeit. Dann wir habend einen fürsprächen by dem vatter / Jesum Christum / den gerächten: vnd der selb ist die versüenung für vnser sünd / nit allein für die vnsern / sunder ouch für der gantzen wält.

[777] Hiehar dienend die herrlichen byspil / der armen sünderin Luce 7. die dem Herren zefuossen fiel / vnd volkomne verzyhung der sünden vnd gnad erlangt: item des publicanen Luce 18. der sin angsicht nit gedorfft vferheben in himmel / sunder an sin brust schluog vnnd sprach / O Gott biß mir armen sünder gnädig. Daruf erlangt er volkomne gerächtigkeit. Petrus gedacht an des Herren wort / vnd als er jn verlougnet hatt / weinet er bitterlich / vnd fand gnad by dem Herren. Der arm mörder am crütz schrey zuo dem Herren /Biß min yngedenck / wenn du kumpst in din rych. Vnd der Herr Christus / als der rächt oberist priester / der sich yetzt am crütz vfopfferet /

177.

absoluiert den armen mörder von schuld vnd pyn / vnd satzt jn yn in sin rych / vnnd  sprach / Warlich sag ich dir / hütt wirst by mir syn im paradyß. Diewyl dann der Herr dise sin besundere verheissung anderßwo vßstreckt vff alle arme sünder / die jr sünd bekennend / gloubend / vnd der gnaden begärend / das er ouch den selben verzyhen vnd sin ewig rych verlyhen wil / wir ouch heiter bekennend / Jch gloub ablaß der sünden vnd das ewig läben / so rüeff den Herren an vnd gloub vest dz er dich ouch von schuld vnd pyn absoluiert habe. [778] Laß dich aber insonderheit hie von dem glouben nit abtryben / biß vest / empfindst glych wol blödigkeit des gloubens / so schry vmb meerung des gloubens / vnd vmb gnad vnd barmhertzigkeit. Was dir ye fürfalt / so hafft yemerdar an den articklen des gloubens / Jch gloub ablaß oder verzyhung der sünden / vferstentnuß des lybs / vnd das ewig läben. [779] Gedenck das der Herr vns geleert hat bätten vmb verzyhung der schuld / dz er zwaren nit gethon hette / wenn er vns nit nachlassen vnd verzyhen wölte. Gedenck das ein yetlicher glöubiger dz pundtszeichen Gottes vnd der reinigung / den h. Touff an sinem lyb hat: das vnser yetlicher von des Herren tisch geässen vnd truncken hat / vnd ein glid ist der erlößten gmeind oder kilch durch das bluot Christi / etc. Hierinn stercke sich ein yetlicher: [780] rüeffe ouch Gott ernstlich an mit glöubigem gebätt.

177v.

Vnd ob die kranckheit so groß wäre / das du ordenlich mit geleerten worten nit bätten köndist / so schry mit kurtzen worten / Herr Jesu Christe erbarm dich min. O min Gott biß mir gnädig / vnd hilff mir. Allmächtiger Gott verlaß mich nit. Herr dir trüw ich / errett mich: oder was derglychen ist / als vß dem Vatter vnser / Füer vns nit yn in versuochung. Erlöß vns vom bösen / etc. Dann Gott rächnet vnser gebätt vom hertzen / vnd nit nach der vile der worten. Jst dann ouch das hertz verworren vnd erschlagen / so schry nütdestminder / Herr biß mir armen sünder gnädig.

[781] Jn disem stryt vnd schwären kranckheit / mag der kranck nach dem Diener der kilchen schicken / bericht / sterckung vnd trost von jm zeeentpfahen Dann sömlichen radt gibt ouch der h. Jacobus / Jac. 5.cap. Da er ouch vff das gemein gebätt wyßt / mit anzeigung / das sölichs vor Gott krefftig / vnd dem krancken heilsam sye. An dem selben ort heißt er ouch den krancken mit dem öl salben. Welches kein anderen verstand hat / dann wie Marci 6. geläsen wirt / Vnd die Apostlen salbtend vil siechen mit öl / vnd machtend sy gsund. Dann in der ersten kilchen was die gnad der gsundtheit / das wän die Apostlen mit öl salbtend / gsund ward. [782] Dise gnad aber / wie ouch andere me / hat in der kilchen / in wunderzeichen / vfgehört. Darumb habend wir yetzt kein ander salben der trancken

178.

me / dann das erlaben vnd radtsamen / bätten vnd trösten / etc.

[783] Es sol ouch ein yeder verzyhen sinem nächsten / vnd keinen vnwillen /nyd oder hassz gägen nieman behalten: wie ouch dauor im 7. artickel gsagt worden / vnd Jac. 5. gemeldet ist.

[784] So dann die schmertzen vnd das wee häfftig trängend / so gedenck dich durch gedult zeerhalten / vnd dich Gott ein willig opffer vfzeopffern. Daruon ouch daoben im 9. artickel von der Gedult gesagt ist.

[785] Jn summa / nemme ein yeder für sich das herrlich byspil vnsers Herren Christi / vnd flysse sich dem selben zeuolgen / ja ouch zuo bitten vmb krafft das er möge volgen. Christus vnser Herr reiß sich von sinen jungern / vnd als die todsforcht vnd not groß in jm was / gieng er an den ölberg gen bätten sinen himmelischen vatter. Dann in allen nöten / besonders des tods / sol man zuo Gott fliehen vnd den ernstlich vnd beharrlich bitten. Vnser Herr empfieng ouch trost / das er willig vnd trostlich sich in alles lyden vnd in den bittern tod begab. Jn aller not ist er gedultig /vor dem geistlichen vnd wältlichen gericht / in anklagen / falschen zügnussen / in verschmächt / in streichen / geißlen / krönen / verspüwen vnd in aller widerwertigkeit / erschinen: er widerspricht vnnd brummlet nüt: setzt es alles sinem vatter heim: wie es gadt also nimpt ers vf. So bald er an die richstatt

178v.

kumpt / dahin er sin eigen crütz truog / vnd am crütz yetz vfgericht was / keert er sich grad wider zum gebätt / bittet ouch für sine fyend. Bald empfilcht er Joanni sin muoter. Nimpt den mörder vf (als obgemeldet) zuo gnaden / vns allen zuo trost. Vnd als das lyden groß was vnd lang wäret / rüefft er zuom Vatter vmb errettung vnd erlösung. Er lydet grossen durst: bezüget aber / dz alles das / daß zuom heil dienet / yetz durch sin lyden veruollkomnet sye. Damit gibt er sinen geist vf / vnd spricht / Vatter in dine händ befilch ich minen geist. Das alles faß in din gmüet / üeb es in dinem hertzen / so wirst one zwyfel säligklich absterben. Dann Christus wirt dich an dinem end trösten / stercken vnnd  erhalten / ouch vor dem vatter für dich erschynen / dich retten vnd sälig machen. Disem Herren Christo sye pryß / eer / lob vnd danck in ewigkeit / Amen.

10A3 Das der glöubig gewüßlich vff sinen tod richtig abscheide vnd kumme in das ewig läben.    Cap. III.

[786] VNd diewyl die wält ein zythar yngebildet ist / das sy not vnd pyn nach disem tod lyden werde / ee dann sy in die säligkeit kummen möge / vnd deßhalb die glöubigen das nit glouben oder hoffen gedörend das sy aber im glouben veriähend. Dann sy ye beredt sind / sy kummind nit richtig vom tod in himmel / sunder müessind vorhin im

179.

fägfür gefäget werden / vnd vmb jr sünd gnuog thuon vnd gantz rein werden: so ists notwendig das ein yetlicher Christenmensch sich hie wol gründe vnd vestne / damit er in sinen letsten todsnöten / nit in ein sömliche anfächtung vnd pynlichen zwyfel kumme / sunder by vnd in dem waren glouben trostlich vnd sicher beston möge.

[787] Vnd zuom ersten ermässe doch ein yetlicher was er in sinem glouben bekenne. Vnser yetlicher bekennt / Jch gloub ablaß oder verzyhung der sünden. Gloubst das / so beschicht dir nach dinem glouben. Sind dir nun din sünd verzigen / so wirst du jren nüt entgälten / oder vmb jrentwillen pyniget werden. Darumb bekennst du ouch ein ewigs läben / vnd gedenckst keines Fägfürs. Vnd das ewig läben / fröud vnd wunn gadt grad an vff dises stärblich läben. Jst nun der glouben gerächt / als er nit kan falsch syn / so kumpt der glöubig / wie er gloubt / in das ewig läben. Hat er dann glychwol sünd gehebt / so hat jm Gott durch Christum die selben nachgelassen vnd verzigen. Da muoß yetzt volgen nit fhür / oder fägen / diewyl der mensch schon gefäget ist / sunder das ewig läben. Hat er den glouben nit / so volgt gwüßlich die ewig verdamnuß. Besich Joan.3.

[788] Demnach nennt der Herr die volkommnen verzyhung der sünden das nüw Testament. Daruon lyß Jeremie 31. vnd Hebr.8. vnnd 10.cap. So züget das Euangelium / dz das

179v.

bluot vnsers Herren Christi / das bluot sye des Nüwen Testaments / vergossen zuor verzyhung der sünden Sol nun einem testament der menschen nüt zuo noch von gethon werden / vil mee sol man Christo sin testament blyben lassen. Diewyl er dann sinen glöubigen in sinem Testament jre sünd also verzigen hat / das er der sünden ouch nit me gedencken wil: ists kundtbar / das die glöubigen von jren sünden wägen nüt mee lydend in keinem Fegfhür.

[789] Vnd die warheit des Testaments Christi tröst mich / das ich hoff das vnsere glöubige vordern / ob sy glych wol in allerley irrthumb / nach gelägenheit der ellenden zyt / gestäckt / so sy doch zeletst alle Superstitionen fallen / vnd sich der einfaltigkeit des gloubens vernüegen lassen / vnnd in jrem end den waren glouben veriähen vnd gesprochen habend / Jch gloub in Gott vatter / etc. vß der barmhertzigkeit Gottes in Christo / sälig worden syend. Zuo dem die historia Helie vns ouch wol trösten mag / 3.Reg.19. Dann als er wond / er wäre allein glöubig / erzalt jm der Herr wie vil tusend er jm vorbehalten hätte / die dem Baal jre knüw nie gebogen hättind. So werdend ouch vil tusend menschen der letsten gefarlichen zyt verzeichnet vom Engel Gottes zuom heil. Daruon besich in der Offenbarung das 7. cap. Sölichs alles redend wir fürnämlich von deren wägen / die vns fyendsälig verunglimpffend /

180.

als ob wir alle vnsere vordern / als verdampte / verurteilind. Luogind nun söliche das sy der frommen altuordern exempel nit mißbruchind / vnd so sy das Euangelium heiter predigen hörend / durch verachtung deß selben / jnen nit ein schwär vrtel Gottes vfladind. Dann [790] es ist ein grosse sünd eroffneter häller warheit widersprächen / vnd da dir der Herr zeigt welchen wäg du gon solt / abwäg vnd vßfluchten suochen. Doch keer ich yetz wider zuo minem fürnemmen.

[791] Hie widerhole ouch ein yetlicher vß vorgehandleten articklen / das anzeigt vnd mit der warheit erhalten ist / das Christus allein sye vnsere gnuogthüeung / das wir allein durch sin / nit durch vnser lyden / heil werdind: item das Christus allein vns habe erlößt von aller schuld vnnd pyn / ouch das wir allein in dem bluot Christi gereiniget werdind / vnd sunst weder in himmel noch vff erden kein reinigung oder fägung der sünden weder ist noch immermee syn kan. Deß vesten grunds / ja des Herren Christi vnd sines lydens vnd erlösens / halte sich der glöubig styff vnd allein / vnd lasse sich keins wägs daruon abthädingen.

[792] Dz aber etlich sagend / vnser gloub sye nimmer so vollkommen / als er syn sölte/ darumb müesse der mensch gefäget werden: hat keinen schyn. Dann man wol weißt / das wie andere vnsere prästen / vns vß gnaden durch Christum geheilet werdend / also ouch die blödigkeit des

180v.

gloubens. Kurtz vnd gwüß bericht vns das wort Gottes / dz wir durch die gnad Gottes in Christo / vnd nit durch vnser lyden / sälig werdind. Die houptpuncten des waren gloubens muoß man rein styff vnd vnuerfelscht bewaren.

[793] Es darff aber nit vil disputierens. Liß die wort Christi Joan.3. Wie Moses die schlangen erhöcht hat in der wüeste / etc. vnd ermissz alle wort eigentlich vnd wol / so wirst du sähen / das du dir nüt bedarffst zeentsitzen vor dem fägfhür / sunder das du rächt gloubst nach disem läben das ewig läben. Aber Joan. am 5. cap. redt hierumb der Herr noch heiterer / vnd spricht / Warlich warlich sag ich üch / wär min wort hört / vnd gloubt dem der mich gesendt hat / der hat dz ewig läben / vnd kumpt nit in das gericht / sunder [794] er ist vom tod zuom läben hindurch getrungen. Was könde heiterers gesagt werden / dann das wir klar hörend / [795] der glöubig werde haben das ewig läben / ja er habe das ewig läben / also das er in kein gericht pyn oder straaff kumme / sunder wenn sin seel durch den tod vom lyb scheidet / richtig zuom läben kumme ja tringe? Von disen worten Gottes lasse sich nieman trängen: lasse yederman alle disputationen faren. Wilt du sicher ston / so luog vnd verharr in disen worten Christi / vnd verscheid in jnen / mit vestem glouben / so wirst du läben. Die krafft Christi erhaltet dich ewigklich / dann Gott kan nit liegen.

181.

10A4 Das alle zerbrüchliche ding vergangind / vnnd das end aller dingen härzuo komme.    Cap. IIII.

[796] HJeby ist wyter notwendig zewüssen dz alle zerbrüchliche ding hie in diser wält / so dem menschen zuo guotem erschaffen sind / widerumb müessend geenderet werden vnd vergon / das ouch das end aller dingen härzuo nahet. Vil rouwer torechter lüten achtend himmel vnd erden sampt diser wält / sye allwäg gsyn / es werdind ouch dise ding also blyben / das allwäg ein wält werde syn. Darumb haltend sy das / das man vß dem wort Gottes sagt vom letsten gericht vnd end aller dingen / für ein fabel.

Wider sömlich wüest vnglöubig Heidisch lüt / redt der heilig prophet Dauid / ouch der heilig apostel Paulus vnd sprächend / [797] Vnd du Herr hast von anfang die erden gegründet / vnnd die himmel sind diner händen werck: die selben werdend vergon / du aber wirst blyben ston. Vnnd sy werdend alle veralten wie ein kleid / vnd wie ein gwand wirst du sy zamen winden / vnnd sy werdend sich verwandlen. Du aber bist dir allwäg glych / vnd dine jar werdend nit abnemmen / etc. Läse aber wär lust hat die prophecyen Jsaie am 24.27.66.  Danielis 12.  Malachie 4.cap. insunderheit aber die epistel Jude vnd 2.Pet.3.cap.

[798] Es was zuo den zyten Christi vnglöublich  /

181v.

vnd beduocht die Juden gar vnmüglich / das Hierusalem sölte vndergon / aber der Herr sagt fry häruß / es werde kein stein vff dem anderen blyben. Das ist ouch eigentlich also erfüllt vnd beschähen. Vnnd grad am selben ort / sagt der Herr ouch von dem end der wält: vnd thuot das darumb / das so wir sähend das war worden syn / dz er gesagt von der zerstörung Hierusalem / die man doch nit vermeint müglich mögen syn / das wir dann ouch one allen zwyfel gloubtind die wält wurde ouch enden.

Dann ob glych wol nieman kan den tag vnd die stund des ends aller dingen anzeigen / ist doch das end aller dingen darumb nit vngewüß. Dann der Herr sagt heiter / die stund vnd wyl wüsse nieman dann der vatter allein: darby aber erzelt er allerley zeichen die dem jüngsten tag vorlouffen werdend / das wenn die glöubigen söliche zeichen sähind / verstandind daß das end vnd die erlösung der glöubigen nahe. Daruon läse wär lust hat Matt.24. vnd Luc.21.cap.

10A5 Das die zeichen so dem gericht vorgon söllend / erfüllt syend / darumb die glöubigen billich wachend.    Cap. V.

[799] ES sind aber gedachter zeichen vil erzelt ouch in dem heiligen Propheten / vnd in der leer der heiligen Apostlen vnsers Herren Jesu Christi: deren wil ich nun etliche / zuo warnung der rächt glöubigen /

182.

anziehen / vnd das allein in einem fürgang. Die glöubigen aber söllend in disem handel nit liederlich oder schläfferig syn / sunder gedencken / das Gott sin kilch nit one grosse vrsach sölicher zeichen so ernstlich / vilfaltig vnd trüwlich berichtet hat / frylich das sy sich trüwlich zuo Christo hieltind / vnd ernstlich wachetind vnd bättetind.

[800] Vnser Herr Christus sagt / das vil falscher Christi kommen / vnd vil verfüeren werdind / sy werdind sich vßgäben als ob sy Christus syend / vnd werdind ouch Christum zeigen in wüestinen vnd beschloßnen gehaltern: darnäbend ouch grosse wunder vnd zeichen würcken. Darzuo sagt er aber zuo den sinen / Gond jr nit heruß / gloubends nit.

 Der heilig Apostel Petrus beschrybt vilfaltig söliche [801] falsche Propheten / warnet ouch gar ernstlich vnnd trüwlich die kilch Christi vor jrem falsch vnd betrug. Liß die 2. Epistel Petri am 2.cap.

[802] Der heilig Apostel Paulus wyssaget ouch von den letsten zyten / vnd sagt / man werde nit beston noch verharren by der Euangelischen warheit durch die heilig gschrifft bezüget / sunder abfallen zuo menschlicher leer. Besich wyter 2. Timoth. am 3. vnd 4. cap.

[803] Jtem in der ersten Epistel sagt er ouch / es werdind in letsten zyten etlich von dem glouben abträtten / vnd anhangen den verfüerischen

182v.

geisten / werdind verbieten eelich zewerden / vnnd zemyden die spyß die Gott geschaffen hat zeniessen mit dancksagung. Liß hieruon 1.Timoth.4.cap.

Wyter vnd klarer sagt er in der 2. epistel zuo den Thess. am 2.cap. Der jüngste tag / vnd vnser Herr Christus werde nit zum gericht kommen / der Antichrist sye dann zuo vor kommen vnd habe geregiert. Der werde aber ouch nit kommen / das werde dann hingenommen / das jn dozemal hinderet vnd vfenthielt / das er dozemal nit kommen kondt: welches der heilig Hieronymus vnd andere alte Christliche leerer vßlegend von dem Römischen rych / das müesse zeuor vfgelößt vnd hingenommen oder zerstört werden / [804] demnach erst werde er sich erheben über alles das Gott vnd gottsdienst genennt wirt / also dz er sich in den tempel Gottes setzen werde / vnd sich vßgäben / als ob er Gott sye.

[805] Wenn wir nun die historien besähend / befindend wir daß das alte Römische rych gar von Götthen / Wenden / Tütschen vnnd jren hälffern zerrissen / darzuo Rom verbrennt / vnd me dann 300. jar von dem man vngefarlich zelt hat von Christi geburt 480. zuo Rom kein Römischer Keiser me gsyn ist: biß Carolus der großkünig der Francken zuo Rom vom Leone 3. Bapst / bekrönt ward / vngefarlich vmb die jar / als man von Christi geburt zalt 800. jar. Mittler zyt vnd dz rych ernideret / zerrütt

183.

vnd zerrissen ward / ouch hernach mit der zyt / sind die Bäpst zuo Rom vnd in Jtalia ouch hin vnd har in den landen gewaltige herren worden / habend sich erhebt vnd gesetzt über alle herrschafften / über allen gottsdienst / ja sy habend sich gesetzt in den tempel Gottes / das ist in die Christenlich kilch als ob sy Gott wärend. Dann jre [806] Decreta, decretales / Bullen vnd thaaten zügend noch diser stund / das sy sich dargäben habend / vnd noch dargäbend vnd darstellend als waare Statthalter Jesu Christi / als das houpt der kilchen / als obriste priester vnd allgmeine hirten / denen vollkomner gwalt gäben sye in himmel vnd vff erden / in geistlichen vnd zytlichen händlen. Darumb sy in den himmel setzen vnd in die hellen versencken / ouch gsatzte vnd rächte in der kilchen vnd gloubens händlen machen / die Keiser / Künig / Fürsten vnd Herren vf vnd absetzen / vnd allenklich mit vollkomnem gwalt handlen mögind. Vnd so das alle wält sicht / hört vnd weißt / wär kan dann nit ouch sähen das dise prophecy Pauli erfüllt worden ist? Läse wyter / wär wil / Danielis 7. 8. 11. vnd Zacharie 11. ouch die Offenbarung Joannis.

[807] Wyter sagt vnser Herr Christus / es werde zenächst vor dem gricht ein verruochte gar rouwe wält werden / in deren kein glouben noch liebe funden / aber vollen aller vngerächtigkeit syn werde: die werde verachten vnnd

183v.

verlachen alle warnungen vnd leer des göttlichen worts: die werde gytig / üppig / lychtferig vnd gar frässig vnd vertruncken syn. Er thuot hinzuo zwey byspil / durch welche man disen handel baß verstande: es werde ja ein völcklin werden / wie es gsin sye zuo den zyten Noe vnd Loth. Dann dise habind jr fleischliche wollüst getriben / one alles schüchen / biß das vrteil Gottes sy überfallen vnd gestraafft vnd verderbt habe. Also werde vnd müesse es ouch der letsten verruochten wält ergon. Besich mir aber eigentlich wie yetz die wält sye / so wirst die vßlegung haben.

[808] Was kann sich dann der glöubig anders versähen / dann des ends aller dingen / vnd des gerichts vnsers Herren Jesu Christi? Wie er aber vnuersähenlich / wenn jren die wält noch vil zyts hie zuo wonen vnd guot läben zehaben verheißt / zuom gericht kommen werde / mit grosser klarheit / ouch alle zerbrüchliche ding vergon werdind / liß Apoc.19.cap. vnd 1.Thess.5. vnd 2.Thess.1.cap. ouch 2.Pet.3. Wie aber die todten werdind vferston / vnd die den jüngsten tag erläbend / geenderet werdind / ouch wie der proceß am gericht ergon vnd vßgefüert werde / liß 1.Thess.4.  Matt.25.  1.Cor.15.  Apoc.20.

Daruf wirt denn volgenden vnglöubigen / vngehorsamen / verruochten menschen ewige verdamnuß / angst vnd not: den glöubigen aber / ewige fröud vnd säligkeit: von welcher vnser

184.

Herr Christus / sine Propheten vnd Apostlen vil gesagt habend. Das vns aber söliche säligkeit verlange / so lassend vns / nach dem gebott Christi / trüwlich wachen vnd bätten / in dem glouben Jesu Christi beston / oder verharren / vnd vns reinigen von aller befleckung des lybs vnd geists. Darzuo gib vns gnad / o Herr Jesu Christe / sterck vnd behüet vns / kum vnd erlöß vns. Amen.

Apocal. 14. cap.

Vnd ich sach ein andern Engel fliegen mitten durch den himmel / der hatt ein ewig Euangelium zeuerkunden denen die vff erden wonend / vnd allen Heyden vnd geschlächten vnd zungen vnnd völckern / vnd sprach mit luter stimm / Förchtend Gott / vnd gäbend jm die eer: dann die stund sines gerichts kumpt: vnd bättend an den / der gemachet hat himmel vnd die erden / das meer vnd die wasserbrunnen / etc.

End.

 



[1] Gmeine Klag diser zyt.

[2] Warumb dises buoch geschriben sye.

[3] Vermanung zuor reinigkeit des gloubens.

[4]  Matth.7.

[5]  Mit was ordnung vnd wie dz buoch gschriben sye.

[6]  Wie man dz buoch läsen sölle

[7]  Act.17.

[8]  Allein vff heilige geschrifft gründen.

[9]  Dedicatio

[10]  Gschrifft.

[11]  Bibly

[12]  Alt vnnd nüw Testament.

[13]  Das alt Testament

[14]  Zal / nammen vnd summa der büecheren des alten Testaments

[15]  Zal / nammen vnd summen der büecheren des nüwen Testaments

[16]  Der geschrifft one widersprächen glouben.

[17] Die heilig Biblisch gschrifft ist das wort Gottes

[18] Exod.4.   Jerem.1.   Ezech.3.

[19] Exod.19.

[20] Exod.16.

[21] Luc.10   Joan.13.

[22] Joan.8.

[23]  Joan.17.

[24]  Die heilig gschrifft von Gott yngeistet.

[25] Luc.21.

[26] Vnderscheid der Biblischen büechern von andern büechern.

[27] 1.Tim.1.    Titum.3.

[28] Joan.19. 21

[29]  Der Bibel wirdigkeit.

[30]  Das wort Gottes wirt durch der menschen wort nit gloubwirdig gemacht.

[31] Welcher gstalt das wort Gottes von der kilchen für gloubwirdig dargeben.

[32]  Warumb man dem Euangelio Joannis mee dann Nicodemi gloube?

[33]  Der Geschrifft ursprung.

[34]  Vß was exempel vnd geheiß gschriben worden sye.

[35]  Deut.31

[36]  Die Bibel ungfelscht.

[37]  Vilerley  tolmetschungen der Bibel.

[38] 2.de Doct.Christ.cap.11.etc.12.

[39]  Die heilig gschrifft ist gar vollkommen.

[40]  Alles was den menschen notwendig zur säligkeit / lernet man vß der gschrifft.

[41] Galat.1

[42]  Die Bibel haben vnd läsen.

[43]  Amos 9.  Matth.4.  Deut.8

[44] Gott redt das man jn  verstande.

[45]  Act.2.

[46]  Das gsatzt den Priesteren vnd Leyen gäben.

[47]  Act.8.

[48]  Acto.17.

[49]  Marc.16.

[50] Alle mängel vnd prästen sind von nüt läsen.

[51]  Die Geschrifft dunckel vnnd schwär zuo  verston. 2.Pet.3.

[52]  Psal.119. vnd 19.

[53]  2.Pet.1.

[54]  Wie die vßlegung der gschrifft syn sölle.

[55]  Gott gfallt kein Religion / dann die er yngesetzt hat.

[56]  Die uralten habend alls Religionssachen mit der gschrifft gericht vnd geschlicht.

[57]  Matth.22.

[58]  1.Joan.4.  1.Thess.5.

[59]  Alle frömbde leer fliehen.

[60]  Matth.7.  Luc.6.  Matth.15.

[61]  Marc.8. vnd 12.   Matt.24.   Apoc.18.

[62]  Die Traditionen von vilen gerüempt.

[63]  2.Thess.2.

[64]  Coloss.2.

[65]  Was Traditionen in der Apostel gschrifft.

[66]  Man sol die Traditionen mit gschrifft bewären.

[67]  Von den Vätteren Satzungen vnd was man von jnen halten sölle.

[68]  Isa.29.

[69]  Von elte / heilige / geleerte / einhällige wider die Geschrifft.

[70]  Exodi 23.

[71]  1.Cor.1.3.

[72]  Luc.16.

[73]  3.Reg.11.

[74]  4.Reg.23.

[75]  Beschluß.

[76]  Zwäck und End der heiligen gschrifft.,

[77]  Alein Gottes wort leert Gott rächt kennen.

[78]  1.Cor.2.

[79]  Mit maaß wirt uns Gott zuo erkennen gäben.

[80]  Gott einig

[81]  Deut.6.

[82]  Jsaie 41. 45. 46.  Exodi 20.

[83]  Die heilig dryfaltigkeit.

[84]  Matth.27.  Luc.23.

[85]  Luc.1.

[86]  Matt.3.  Joan.1.

[87]  Matt.28.

[88]  Man sol in disem artickel nit grüblen.

[89]  Gott ein geist / etc.

[90]  Rom.4.

[91]  Gott schöpffer aller dingen.

[92]  Die Engel erschaffen.

[93]  Hebr.1.

[94]  Apoc.19. vnd 22.

[95]  Matth.4.

[96]  Alles zuo guotem dem menschen erschaffen.

[97]  Gott erhaltet noch was er erschaffen hat.

[98]  Epicureier.

[99]  Jacobi 4.

[100]  Mat.5.6.  Luc.12.  1.Pet.5.  Heb.13.

[101]  Matth.10.

[102]  Act.7. [17.25,28]

[103]  Psal.147

[104]  Daniel.2.

[105]  Worzuo die erkanntnuß der fürsähung diene.

[106]  Des menschen eer und herrligkeit.

[107]  Eccli.15.

[108]  Des menschen faal.

[109]  Der tod.

[110]  1.Tim.2.

[111]  Des menschen widerbringen.

[112]  Wie und wodurch dem menschen gehulfen.

[113]  Jsaie 53.

[114]  Der mensch widerumb mit Gott vereiniget vnd zuo sinem dienst gepflicht.

[115]  Die pündtnuß Gottes mit den menschen.

[116]  Gen.17.

[117]  Religio & religiosi.

[118]  Der waar rächt Gottes dienst vnd diener.

[119]  Von vsserem dienst vnnd ceremonien im gsatzt.

[120]  Matt.9.12

[121]  Marc.12.

[122]  1.Pet.2.

[123]  Act.7.

[124]  Rom.12.

[125]  Jacobi 1.

[126]  Wordurch die alten sälig worden / etc.

[127]  Gen.3.12.17.22.  2.Sam.7.  Jerem.23.  Zach.3.

[128]  Joan.8.

[129]  Act.15.  Galat.2.

[130]  1.Cor.10.

[131]  Wo mit die alten Gott gedienet habind.

[132]  Des menschen erkanntnuß.

[133]  Die sünd ist nit vß Gott.

[134]  Gewünderige fragen.

[135]  1.Tim.1. vnd 6.  2.Tim.2.  Titum 3.

[136]  Eccli 3.

[137]  Psal.5.

[138]  Eccles 7.

[139]  Sap.1. vnd 2.

[140]  Exodi 9.  Jsaie 6.  Rom.1.

[141]  Rom.9.

[142]  Vrsprung vnd harkummen der Sünd.

[143]  Vßbruch vnd fürgang oder geburt der Sünd.

[144]  Matth.15.

[145]  Joan.8.

[146]  1.Joan.2.3.

[147]  Jacobi 1.

[148]  Würckung der Sünd.

[149]  1.Cor.2.

[150]  Rom.7.8.

[151]  Rom.6.

[152]  Sich selbs erkennen.

[153]  Dan.9.

[154]  Die Erbsünd vff vns geerbt.

[155]  Was die Erbsünd.

[156]  Rom.3.

[157]  Rom.7.

[158]  Deut.6.  Matth.5.  1.Pet.1.

[159]  Das Gott Adamen zuo gnaden vfgenommen / nimpt nit hin die Erbsünd.

[160]  Joan.3.

[161]  Wz in der Erbsünd zuo ermässen

[162]  Die Beschnydung vnd der Touff.

[163]  Heb.13.  1.Cor.7.

[164]  Joan.3.

[165]  Ephes.2.

[166]  Die Pelagianer.

[167]  Der Erbsünd würckung.

[168]  Vom tod.

[169]  Joan.3.

[170]  Job 14.

[171]  Thaatliche Sünd.

[172]  Galat.5.

[173]  Regel der Sünd das gsatzt Gottes.

[174]  Rom.7.

[175]  1.Joan.3.

[176]  Glüst vnd gedancken.

[177]  Wort.  Matth.12.

[178]  Werck.

[179] Die Sünden sind nit glych.

[180]  Tägliche Sünd und blödigkeiten

[181]  Todsünd vnd houptlaster.

[182]  Schryende Sünd.

[183]  Frömbde Sünd.  1.Tim.5.

[184]  Vnabläßliche Sünd.  Marc.3.

[185]  Vrsachen vnd anleitungen zuo der Sünd in heiligen Geist.

[186]  Joan.5.

[187]  Jsaie 5.  Joan.9.

[188]  Psal.25.

[189]  Rom.6.

[190]  Was die Straaff.

[191]  Das schwärdt vnd die geisel Gottes

[192]  Mittel die Gott zur straaff gebrucht.

[193]  Gott straafft allein.

[194]  Wie vnd wider wän Gott sine straaffen gebruche.

[195]  Job.

[196]  Kein straff.

[197]  Verzug der straaff.

[198]  2.Pet.3.

[199]  Rom.2.

[200]  Got strafft gwüß.

[201]  Gottes gericht nit rächtfertigen.

[202]  Got allein kan vns sines willens berichten.

[203]  Was das Gsatzt sye.

[204]  Das gsatzt nit erst durch Mosen eroffnet.

[205]  Dem volck Jsraels durch Mosen ein geschriben gesatz gäben.

[206]  Der last oder beschwärd des gsatztes.

[207]  Wie vnnd wo das gesatzt von Gott selbs geoffnet worden.

[208]  2.Cor.3.  Psal.19.

[209]  Moses bestelt zuo leeren vnd zuo schryben.

[210]    Die zähen gebott.

[211]  Die Ceremonien Gottes.

[212]  Die gsatzt Gottes von gricht vnd rächt.

[213]  Die zähen gebott sol yederman können.

[214]  Marc.12.

[215]  Summa der zähen ja aller gebotten Gottes.

[216]  Die zähen gebott abteilt in zwo taflen.

[217]  Summa des 1.gebotts.

[218]  Gott ist der rächt Herr vnd Gott.

[219]  Gen.17.

[220]  Gott ist vnser yetlichs Gott.

[221]  Gott füert Jsraelen vß Egypten

[222]  Gott erlößt vns durch Christum.

[223]  Christi handel in den gebotten Gottes.

[224]  Wir söllend allein Gott für vnseren Gott haben.

[225]  Was ein frömbder Gott.

[226]  Abgöttery.

[227]  Man sol das gebott wider die Bilder nit vßlassen.

[228]  Matth.5.

[229]  Das ander gebott wider falschen Gottes dienst.

[230]  Die bilder verbotten.

[231]  Die bilder weder anbätten noch eeren.

[232]  Warumb man Gott nit verbilden / oder  bilder eren sölle.

[233]  Gott ist ein gwaltiger Gott.

[234]  Gott ist ein yferiger Gott.

[235]  Got strafft die boßheit der vätteren in den kinden.

[236]  By dem gebott Gottes styff blyben / vnd sich nit lassen daruon trängen.

[237]  Act.15.17.  1.Cor.5.10.  Rom.1.  1.Joan.5.

[238]  Götz ist ein bildtnuß Gotts.

[239]  Act.17.

[240]  Die menschheit Christi verbilden.

[241]  Joan.6.14.16.17.  2.Cor.5.  Matth.24   Coloss.3.

[242]  2.Cor.7.

[243]  Die bilder / geschrifften vnd leren der leyen.

[244]  Aba.2.

[245]  Jsa.44.  Jere.10. vnd 51.  Ezech.20.

[246]  Gott mit heiligung sines nammens vereeren.

[247]  Wie man den nammen Gottes heilige.

[248]  By des Herren nammen allein schweeren.

[249]  Gen.14.

[250]  Verunheiligen den nammen Gottes.

[251]  Matt 5.  Jacobi 5.

[252]  Straaff deren die den nammen Gottes mißbruchend.

[253]  Sabbath.

[254]  Der geistlich Sabbath.

[255]  Vff den Sabbath nit wercken.

[256]  Deß Sabbaths werck.

[257]  Lybliche ruow.

[258]  Den fyrtag heiligen.

[259]  Die wercktag.

[260]  Marc.3.

[261]  Die rächt religion handhaben.

[262]  Gott fyret ouch.

[263]  Von dem kilchgang.

[264]  Den Sabbath verunheiligen.

[265]  Ephes.6.

[266]  Vatter vnd muoter.

[267]  Eeren.

[268]  Was die Elteren schuldig.

[269]  Von der Oberkeit vnd vnderthonen.

[270]  Der prediger pflicht.

[271]  Vögt vnd Verwalter der weisen.

[272]  Alte lüt.

[273]  Straaff vnd belonung.

[274]  Exodi 23.

[275]  Was in disem gebott verbotten.

[276]  Gschlächt der Todschlegeren.

[277]  3.Reg.20.  Prou.17.

[278]  Krieg.

[279] Luc.6.

[280]  Deut.27.

[281]  Gen.4.

[282]  Num.36. [in der lat.Ausgabe: Num.35]

[283]  Von der Ee.

[284]  Was in dem gebott verbotten.

[285]  Vnmaß verbotten.

[286]  Eigens haben.

[287]  1.Thes.4.

[288]  Ephes.4.

[289] Vberkommen guot.

[290]  Aller betrug verbotten.

[291]  Das guot rächt gebruchen vnd nit vergüden.

[292]  Falsche kundtschafft sagen.

[293]  Prouerb.6.

[294]  Die Zung gemeisteret.

[295]  Jacobi 3.

[296]  Summa dises gebotts

[297]  Dz gebott wider die gelüst oder begird ist ein einig gebott.

[298]  Die begird vnd glüst.

[299]  Leuit.19.  Matth.6.

[300]  Vom vrsprung / vrsach vnd end der Ceremonien.

[301]  Deu.4.12.

[302]  Leuit.17.

[303]  Der Juden hartnäckige.

[304]  Der Ceremonien bruch vnd nutz.

[305]  Vom bruch der Gerichten.

[306]  Das Gesatzt zeigt an die sünd

[307]  Wie das Gsatzt zuo Christo fürt.

[308]  Galat.3.

[309]  Das Gesatzt ein regel vnsers läbens / was guot oder böß.

[310]  Das Gesatzt strafft vnordnung / bewaret ordnung.

[311]  Christus die erfüllung des Gsatztes. Rom.10.

[312]  Das Gesatzt halten.

[313]  Rom.7. vnd 8.

[314]  Wie wir das Gsatzt erfüllind.

[315]  1.Joan.3. vnd 4.

[316]  Wie wir vnder der Gnad / nit vnder dem Gsatzt syend.

[317]  Wie das Gsatzt abgethon.

[318]  Die Ceremonien hingenommen.

[319]  Die geschrifft nit abgethon.

[320]  Wie die Grichte hingenommen.

[321] Durch die gnad Gottes in Christo / nit durch das gsatzt Mosis / werdend wir fromm.

[322] Was die Gnad Gottes sye.

[323] Der ewig radtschlag vom heil des menschen.

[324] In Christo ist alle vollkommenheit.

 [325] Matt.11. vnd 28

 [326] Joan.6.

 [327] Joan.1.

 [328] Joan.3.

 [329] Coloss.1. vnd 2.

[330] Christus vnsere gerechtigkeit.

[331] Hebr.9

[332] Jsaie 53.

[333] Christus ist für vns gestorben.

[334] Christus ist die bezalung vnser sünden.

[335] Apocal.13.

[336] Hebr.10.

[337] Wie vns die sünd vergäben werde.

[338] 2.Cor.5.  Vns wirt vnnsere sünd nit verrächnet.  Rom.4.

[339] Vns wirt die gerächtigkeit Christi vfgrächnet.

[340] Durch den glouben nemmend wir an das heil.

[341] Durch die werck nemmend wir nit an das heil.

[342] Warumb man sage allein der gloub mache fromm.

[343] Rom.3.

[344] Rom.4.  Galat.3.

[345] Von vnser gnuogthüeung für die Sünd.

[346] Der glöubigen pyn vnd lyden.

[347] Jsaie 53

[348] Christus Jesus ist der glöubigen gnüege allein.

[349] Joan.4. vnd 7.

[350] Joan.6.

[351] Rom.5.

[352] Joan.10.

[353] Joan.14.

[354] Vsset Christo ist kein heil.

[355] Act.4.

[356]  Der gloub ein erkanntnuß.

[357]  Ephes.1.

[358]  Der gloub ein vest vertruwen vnd sicher verlassen.

[359]  Rom.8.

[360]  Hebr.11.

 [361]  Waruff sich der gloub gründe.

 [362]  Gott unnd sinem wort glouben.  Joan.5.

 [363]  Joan.17.

 [364]  Rom.10

 [365]  Ephes.2.

[366]  2.Cor.1.

[367]  Von den 12. articklen des Christenen gloubens.

[368]  Abteilung des gloubens.

[369]  Ich gloub in Gott vatter allmächtigen.

[370]  Von der Schöpfung.

[371]  Von der erlösung.

[372]  In Christum glouben.

[373]  Joan.14.

[374]  Joan.10.

[375]  Joan.9.

[376]  Der Sun ein vnderscheidne person.

[377]  Jesus.

[378]  Christus.

[379]  Christus Jesus ist vnser Herr

[380]  Zwo naturen in Christo.

[381]  Luc.1.  1.Cor.1.  Act.20.

[382]  Die empfengknuß Christi.

[383]  Die geburt Christi.

[384]  Jsaie 7.

[385]  Das lyden vnd der tod Christi.

[386]  Christus getödt vnder Pontio Pilato.

[387]  Christus ist crütziget

[388]  Christus fuor hinab zuo den hellen.

[389]  Christus stadt vf von todten.

[390]  2.Tim.1.

[391]  Joan.11.

[392]  Christus ist hinuf in den himmel gefaren.

[393]  Von der gerechten hand Gottes.

[394]  Joan.14.

[395]  Philip.3.

[396]  Christus ist der richter.

[397]  Wir gloubend in den Heiligen Geist.

[398]  1.Cor.6.

[399]  Die heiligung ist des Geists.

[400]  Summa.

[401]  Man sol nit in die kilch glouben.

[402]  Ich gloub ein heilige kilch.

[403]  Von der rächten waren kilchen.

[404]  Die zeichen der waaren kilchen.

[405]  Matt.16.  1.Cor.3.

[406]  Joan.13.  Rom.12.

[407]  Anbildungen der kilchen.

[408]  Der hirt vnd das houpt der kilchen.

[409]  Die allgemein kilch.

[410]  Gmeinschafft der heiligen.

[411]  Die falsch kilch.

[412]  Ablaß der sünden.

[413]  Bekanntnuß der sünden.

[414]  Ware Bycht der sünden.

[415]  Allein Gott verzycht die sünd.

[416]  Luc.7.  Rom.4.

[417]  Alle sünd werdend verzigen.

[418]  Vferstenntnuß des fleischs.

[419]  Vnsere lyb werdend vfston.

[420]  Vnsere lyb werdend verklärt.

[421]  Guot vnd böß werdend vferston.

[422]  Vnd das ewig läben.

[423]  Hieuon besich den 10.artickel.

[424]  Vnglöubig.

[425]  Kätzer.

[426]  Das der gloub nit ein whon sye.

[427]  Luce 7.

[428]  Rom.5.

[429]  Joan.6.

[430]  Rom.1.  Galat.3.

[431]  Galat.2.

[432]  Gott gebrucht die mittel im handel des gloubens.

[433]  Act.9.

[434]  Act.10.

[435]  Die ordnung Gottes / das wort hören.

[436]  Marc.16.