1.Pr.Die Erste Predig.

Von dem wort Gottes / vnd seinem vrsprung / wie vnnd durch wän dasselbig der welt zum ersten eroffnet syge.

ALle leeren vnd artickel deß Christenlichen glaubens /auch alles / wz zuo einem Gottsäligen Christenlichen Läben hat söllen vnd mögen dienen / deßgleich alle rechte vnd ware weißheit / ist ye vnnd ye alles auß den zügknussen deß worts Gottes genommen. Es mögend auch auff den hüttigen tag dise stuck / von allen verständigen glöubigen / vnd von Gott berüefften dieneren der kirchen / nieneruß anders grundtlich geleert vnd bewärt werden / dann auß dem wort Gottes. Darumb wölcher nicht weißt was das wort Gottes ist / vnd wie es ein gstalt darumb hat / der wirt in der gmeynd Gottes / vnd vnder den zuohörerern Christi / ja auch in allem läsen der heilgen gschrifft nicht anders sein / dann wie ein blinder vnd vnsinniger mensch. Vnd das vil leut so mit grosser hinläßigkeyt vnnd verachtung die predgenen deß worts Gottes hörend / wie man an vilen sicht / das kumpt anders nienenhar / dann dz sie die krafft vnd die waare rechnung vnnd art [art vnd eigenschafft] deß worts Gottes nitt recht verstond noch erwägend. Darumb damit alle die / so der waarheyt / vnd deß worts Gottes sonst begirig vnd geflissen sind / hieran nit gehindert werdind / sonder mengklicher in seinem hertzen lerne / was vnd wie er von dem wort Gottes recht halten sölle / so wil ich mitt Gottes hilff E.L. sömlichs erklären / was namlich ein rechtglöubiger mensch vom wort Gottes glauben vnd halten sölle. Jr wöllind aber hiebey Gott ernstlich anrüeffen vnd bitten / das er mir gnad vnd geist verleihe / mitt frucht vnd nachtruck hieuon zuo reden: vnd das er auch euch ewere ohren vnnd gmüet auffschliessen wölle / damit sein Namm in dem allem glopt vnd prisen werde / vnd vnsere seelen vil frucht darauß empfahen mögind. / Amen.

Erstlich so ist zuo erleütteren was das wort Gottes seye. Das wörtli / Wort / streckt sich weit auß / vnd begreifft vil in der heilgen gschrifft / nach der art vnd eigenschafft der Hebraischen spraach. Dann es heißt etwann ein yetlich ding: gleich wie wir Teütschen das wörtli / Ding / brauchend / damit wir vil begreiffend. Also spricht der Engel deß Herren im euangelio Luce zuo der heilgen Jungkfrauwen Maria / Es ist bey Gott kein wort vnmüglich. Das ist so vil geredt / als hette er gesprochen / Gott sind alle ding müglich / oder/ es ist Gott kein ding vnmüglich / usw. Es heißt auch etwann das wörtli / wort / ein wort das ein mensch mitt seinem mund redt. Etwann wirt es braucht für ein befälch. Etwan für ein gantzen spruch / sententz / red / oder für ein Prophecey. Als

Iv. / 1b

dessen vil beyspil in der gschrifft hin vnd wider sind. Wenn es dann zuo einem anderen wörtli gsetzt wirt / vnd nit allein gebraucht / so hat es auch nit einerley oder gleichen verstand. Dann so man spricht / das wort Gottes / so heißt es etwan die krafft vnd macht Gottes. Etwan heißt es / vnd wirt genommen für den sun Gottes / der die ander person ist in der H. dreyfaltigkeyt. Wie dann mengklichem bewißt [bekannt ist] der spruch deß heilgen Euangelisten Joannis: der da lutet / Das wort ist fleisch worden usw. Eigenlich aber so heißt das wort Gottes / wie wir hie daruon handlend / Gottes red / vnd offenbarung seines Göttlichen willens / so erstlich durch den mund Christi vnsers Herren / auch der heiligen Propheten vnd Apostlen mundtlich herfür bracht / vnd demnach auch in die gschrifft verfasset / wölche man recht nennt die heilig vnd die Göttlich gschrifft. Dann ein yedes wort gleichet dem gmüet dessen / von dem es geredt wirt / vnnd auß dem es kompt / also gleichet auch das wort Gottes / Gott dem Herren selb. Gott ist aber von natur / waarhafft / gerecht / guot / rein / vntödtlich [vnsterblich] / ewig usw. Darumb volget das auch das wort Gottes / das auß seinem mund gadt / waarhafft seye / gerecht / on list vnnd falsch / one jrrthumb vnnd böß anfechtungen [neigung] / heilig / rein / guot / vntödtlich / ewig. Dann es spricht der Herr im Euangelio / dein wort ist die waarheit. Vnd der heilig Apostel Paulus / Das wort Gottes ist nit angebunden. So zeüget die gantz gschrifft / das wort Gottes bleibe in ewigkeyt. Vnd Salomon spricht / Alle reden Gottes sind geleütteret. Thuo nichts zuo seinen worten / damit er dich nit straffe / vnd lugenhafftig erfunden werdist. Vnd Dauid / Die reden deß Herren sind lauttere reden / wie das silber das im fewr geschmeltzt /und siben mal von der erden geleüttert wirt.

Dises wirt aber eüwer liebe baß verstan / so ich etwas weitlöuffiger vom vrsprung vnd von der gwißne [gewißheit] deß worts Gottes reden. Das wort Gottes / wie gemeldet / ist die waarheyt. Gott aber ist ein brunn vnnd vrsprung der waarheit / deßhalb volget / das auch Gott der einig brunn / vrsprung / vnnd die einige vrsach deß worts Gottes syge. Vnnd wiewol Gott keine glider hatt wie wir menschen / vnd deßhalb auch keinen leiblichen mund / so wirt jm doch ein mund zuogäben / dieweil der mund ein Jnstrument der stimm ist. Dann Gott hat mitt den menschen geredt in menschlicher stimm / das ist / mit einer sömlichen stimm / die von menschen hat mögen verstanden werden / vnd die nach dem gmeinen brauch deß redens der menschen gestaltet gewesen ist. Das sehend wir auß seinen handlungen mit den heilgen Vätteren / mitt wölchen / als mit vnseren elteren / Adam vnd Eua / Noe vnd andern vättern / er offt vnd dick wie wir läsend / geredt hat. Ja auff dem berg Sinai prediget Gott der gantzen grossen gmeind Jsraels / vnd redt außtruckenlich die Zehen gebott / in denen alle Gottsäligkeit vergriffen wirt. Dann Deut.5.[22] läsend wir also: Dise wort (verstand die Zehen gebott) hatt der Herr geredt / zuo der gantzen versamlung mitten auß dem fewr mit lauter stimm. vnd im 4.Cap.[1] Jr habend gehört die stimm seiner wortten / aber kein gleichnuß habend jhr gesehen / sonder allein die stimm. Es hatt auch Gott meermalen die Engel darzuo braucht / vnd durch jren dienst mit den menschen geredt. So ist einem yeden bekannt / das der Sun Gottes in angenomner menschheyt auff erden gewandlet / vnnd er also waarer Gott vnnd mensch das Jsraelitisch volck selb bey den dreyen Jaren geleert. Darzuo vor vnd ee der Sun Gottes in dise welt geboren ward / hatt sich Gott eingelassen in die gmüetter vnd hertzen der heiligen Vätteren / vnnd demnach auch der Propheten / vnd hat also hernach durch jren mund / vnd durch jre gschrifften die welt vnderrichtet vnd gleert. Also hat auch Christus vnser Herr den heilgen geist / der ein geist ist deß Vatters vnd deß Suns / in seine Apostel gsendt / durch wölcher mund reden vnd schreiben er der welt ist geoffenbaret worden.

II. / 2a

Vnd dise diener Gottes alle / nach dem sie als außerwölte werckzüg Gottes / die offenbarung Gottes von Gott mitt reinen gmüetteren empfangen / habend sie gemälte offenbarungen vnd wort Gottes die sie empfangen / erstlich selb muntlich der welt fürtragen. Darnach als die welt yetz begund alten [anfieng alt zu werden] / habend auch jr etlich / söllichs in gschrifft verfasset. Wie aber vnd durch wölliche söllichs geschehen / ist notwendig zuo wissen / dann vß der selbigen Histori gar fein erscheint / die recht gestalt / rechnung / gwisse [gewißheit] / vnd wirde deß worts Gottes.

So sind nun von anfang der Welt an / biß auff die zeit Mosis keine gschrifften vorhanden / die wir mögend wissen. Wiewol es glöublich ist / das dise erste vnd vralte Welt nit on gschrifft gewesen syge. Dann es wirt auch von dem heiligen Apostel Juda dem bruoder deß heiligen Jacobi / in seiner Epistel citiert vnd anzogen ein geschribne weissagung deß heiligen vatters Enoch / der der sibend gewesen ist in der ordnung nach vnserem vatter Adam. So laßt sich auch das buoch vnd die Histori Job ansehen / als obs zuo gar vralten zeitten geschriben. Wie aber dem joch seye / so haltend doch alle heiligen in der kirchen Gottes / den trüwen diener Gottes Mosen für den eltisten Schreiber göttlicher büechern.

Darumb so hat Gott von anfang der Welt mit den heiligen vättern geredt durch seinen geist / vnd auch durch das zuodienen der Englen. Sie aber habend söllichs das sie von Gott empfangen / jren kinden / kindskinden / vnd allen nachkommen / von mund angeben / seitmalen [dieweil] sie es auch nicht darumb empfangen / das sie es allein jnen selbs behieltind / sonder das sie es auch jren nachkomnen mitteyltind. Dann Gott zeüget jmmerdar / das er nit nur der Vätteren Gott sein wölle / sonder auch jres saamens in ewigkeyt. Das erscheint sonderlich in der Histori Adams / Noes vnd Abrahams der ersten gschlechtvättern. Dann Gen.xviij. läsend wir / das der Engel deß Herren / vnd deßhalben der Herr selb zum Abraham geredt / solt ich Abrahamen verbergen das ich thuon wil / sittmal [sintemal] er ein groß vnd mächtigs volck sol werden / vnnd alle völcker in jm gebenedyet söllend werden? Dann ich kenn jnn dermassen / das er wirt befelhen seinen kinden / vnd seinem hauß nach jm / daßs sie deß Herren weg haltind / vnnd thüegind das recht vnd gericht usw. Deßhalb hat Abraham als ein trüwer gottsäliger liebhaber Gottes (wie auch die vralten Vätter der ersten Welt) hierinn nützit versaumpt / sonder hat die menschen fleißig deß willens vnd der gerichten Gottes berichtet: Darumb er auch von Mose / vnd deßhalb von Gott selbs ein Prophet ist genempt worden. Dise Gottsälige vnd läbliche [-] mundtliche leer vnd angebung der heiligen Vätteren / ist in üebung gewesen vnd gebraucht worden / von anfang der welt biß auff die zeit Mosis. Vnnd hat auch Gott auß seiner güette fürsehen / das zuo allen vnd yeden zeitten fürträffenliche liechter vnd vätter geläpt habend / die da glaubwirdige zeügen vnd höchstes ansehens wärind. Dann die welt vor dem Sündtflußz hat neün fürtreffenliche / nammhaffte / weise vnd heilige männer gehept / den Adam / Seth / Enos / Kenam / Malalehel / Jared / Enoch / Mathusalem vnd Lamech. Vnder wölchen Adam anfacht / Mathusalem aber beschleüßt die Jar / so vor dem Sündtflussz verlauffen / Namlich 1656. Dann Adam hat geläpt 930. Jar: deßhalb gestorben vor dem Sündtflussz 726. Jar. Mathusalem aber hat geläpt 969. Jar / deßhalb gestorben eben deß jars / da der Sündtflussz angangen. Vnd hat gläpt mit Adamen / oder dieweil Adam noch gläpt 243. jar: das er gar wol vom Adam hat mögen berichtet werden deß anfangs aller dingen / Jtem von Gott / vom faal deß menschen / vnd seiner widerbringung / vnd von allen stucken die Religion beträffend / wie er deren von Gott selb berichtet was. Darumb so habend dise zwen Vätter / mitt sampt den vbrigen yetz erzelten andern / die erste gantze Welt wol mögen gnuogsam berichten deß waaren vnd einigen heils

Ilv. / 2b

/ vnd der gerechten wegen deß Herren. Nach dem Sündtflussz / hatt Gott widerumb der welt andere herrliche männer vnd fürtreffenliche liechter gegeben / mit nammen / Noe / Sem / Arphaxat / Sale / Heber / Paleg / Reu / Saruch / Nachor / Thare / Abraham / Jsaac / Jacob. Das sind dreytzehen fürnemme Ertzvätter / vnder wölchen die fürtreffenlichsten sind die zwen ersten Noe vnd Sem. Nach denen aber sind die fürnemsten Abraham / Jsaac vnd Jacob. Noe hat gelebt vberal 950. jar / sechs hundert jar was er alt do der Sündtflussz einbrach. Derhalben so hat er erlebt / gsehen vnd gehört alle heiligen vätter / die da gelebt in der ersten welt vor dem Sündtflussz / allein drey außgenommen / Adam / Seth vnd Enos. Aber mit den vbrigen / die dise drey gesehen / hat er vil jaren gelebt / das jhm also nützit hatt mögen verborgen sein aller deren dingen / die Adam angegeben hat. Es ist auch diser Noe gestorben erst im neünundfünffzigsten jar deß alters Abrahe / das wol zuo verwundern / aber die waarheyt ist. Sem hat vil jar gelebt mit seinem vatter / Jst alt worden vberal sechshundert jar. Er ist dem Noe geboren worden im sechs vnd nüntzigsten jar ongefar [vngefärlich] vor dem Sündtflussz. Derhalben er nit nur sein vatter den Noe / vnd sein großvatter den Lamech gesehen vnd gehört / sonder auch sein äni [großuatter] den Mathusalem / mit wölchem er also die sechs vnd neüntzig jar gelebt hat / vnd hat von jm mögen hören vnd lernen alles das / dz diser vorhin vom Adamen vnd von den andern Ertzvättern auch gehört vnd gelernet hat. Sem aber ist gestorben nach dem Abraham im zwey vnnd fünfftzigsten jar deß alters Jacob / siben vnnd dreißig jar namlich / nach dem tod Abrahe / im hundertundzwölfften jar Jsaacs. Deßhalb also Jacob der heilig Ertzvatter von dem Sem dem dritten zeügen vnd leermeister vom Adam an / selbs hat mögen allen verstand Gottes / wie jnn der vom Mathusalem empfangen hat / lernen. Jacob aber der Ertzvatter hat seinen kinden auch angeben / das er von Gott durch die Vätter empfangen / das ers jnen angebe vnd sie es larte [lehrete] . Disem Ertzvatter Jacob ist in Mesopotamia geboren vnder anderen sünen auch der Levi / dessen sun ist gewesen Kahad / wölcher sein großvatter Jacob gesehen vnd gehört hat / vnd auch nit wenig jaren mit jhm gelebt: dann er wirt auch gezellt vnder die kinder / die mitt Jacoben in Egypten gezogen. Jacob aber hat mit seinen kinden in Egypten sibentzehen jar gelebt. Vnd diser Kahad ist Mosis großvatter gewesen / ein vatter Amrams. Von wölchem Moses grundtlichen erlernet die volkommen vnd gwisse angebung von dem willen / von den gebotten vnd grichten Gottes / wie sein vatter Amram die gelernet von seinem vatter Kahad / Kahad vom Jacob / Jacob vom Sem / Sem vom Mathusalem / Mathusalem aber vom Adam. Das also Moses in der welt stadt [ist] der sibende zeüg erst vom Adamen an. Es erlauffend sich aber von anfang der welt biß auff die geburt Mosis 2368. jar. Das dise abrechnung gerecht vnd warhafft syge / wirt ein yegklicher finden / wölcher die jar / wie die vom Mose im ersten vnd andern buoch nit one vrsach fleißig verzeichnet werdend / eigenlich außrechnet.

Nun ist aber auch notwendig zuo wissen / was die fürnemsten stuck vnd artickel gewesen sygind der angebung / die von den heiligen vätteren auß Gottes ordnung vnd schickung also den nachkommenden allen ist vbergeben / vnd als vil als von hand dargreicht worden. So habend sie nun jren nachkommen dises angeben / Namlich / dz Gott auß seiner natürlichen güete den menschen wol wölle / vnd wölle das alle menschen zuo erkantnuß der warheit kömmind / vnd gnoß werdind der Göttlichen natur / auch fromm / heilig / gerecht vnd sälig werdind. Vnd darumb habe Gott von anfang den menschen erschaffen nach seiner bildtnuß vnd gleichnuß / das er wäre heilig / guot / vntödtlich / sälig vnd theylhafftig aller güetern Gottes. Der mensch aber syge in diser herrligkeit vnd in dem wolstand

III. / 3a

nit bliben / sonder syge durch stifftung deß Teüffels vnd auß eigner schuld gfallen in die sünd / vnnd in alles ellend / auch in den tod / vnd auß der bildtnuß Gottes verwandlet in die gleichnuß deß Teüffels. Da habe aber Gott widerumb angefangen als vil als ein nüw werck deß heils / durch wölches der mensch widerbracht / vnd von allem vbel erlößt / Gott widerumb gleich wurde: vnd habe söllich grosses vnd Göttlichs werck durch ein besonder vnnd wunderbar mittel zuo vollenden fürgenommen / Namlich durch die menschwerdung deß ewigen worts. Dann wie er mit der menschwerdung desselben den menschen Gott vereinbart / also hat er auch durch das sterben im fleisch den menschen gereiniget / geheiliget vnd erlößt / vnd jm geschenckt den heiligen geist / vnd hiemit inn Göttlicher natur widerumb theilhafft / auch vntödtlich vnd sälig gemachet. Er verschaffet auch / das wir yetz ringind vnd fächtind außzuotrucken die art vnd eigenschafft dessen / nach dessen bildtnuß wir erschaffen sind / auff das wir an leib vnd seel heilig sygind. Zuodem / so habend sie auch anzeigt / daß das wort zuo seiner zeyt werde mensch werden. Jtem es werde auch entlich sein ein allgmeiner grosser grichtstag / daran alle menschen versamlet / aber allein die frommen die blonung [belonung] der vntödtlichkeyt vnd Gottheyt empfahen werdind. Diß ist allein ein kurtze summ der angäbung der H. vättern / die wir nun etwas wytlöuffiger vnd eygentlicher erklären wöllend. Zum ersten / so habend die heiligen vätter den jren angeben vnd sie geleert / das allein ein Gott syge in der vnzertrennten heiligen dreyheyt / der Vatter / Sun vnd heilig Geist. Diser syge auch ein Schöpffer vnd regierer deß himels vnd der erden / vnnd alles dessen das darinnen. Von dem syge der mensch beschaffen / vnd alles anders vmb deß menschen willen: der hab es auch alles dem menschen vnderworffen / vnd diene jm alle noturfft zuo [gebe...] als ein trüwer / freygeber vatter. Jtem der mensch syge erschaffen von seel vnd leib / guot / nach der bildtnuß vnd gleichnuß Gottes / aber auß eigner schuld durch trib [treib] deß Teüffels syge er gefallen in sünd / vnnd damit habe er den tod vnd die verdamnuß vnd alles ander vbel / das vnzalbar [vnzehlich] ist / in die welt bracht/ also das yetz alle kinder Ade / so von jm har kömmend / kinder deß zorns vnnd alles elends erboren werdind. Gott aber der da reich an barmhertzigkeyt / der habe sich nach seiner vnergründten güete / deß menschlichen jamers vnd ellends erbarmet / vnd habe auß seiner lautteren gnad verheissen verzyhung der schuld / vnnd die schwäre der buoß / oder der straaff derselben / seinem einigen Sun auffgelegt / das der / nach dem jhm von der Schlangen die versen zerträtten / auch er der Schlangen den kopff zerträtte. Das ist / Gott habe verheissen ein saamen / oder ein Sun / der da von einem besonderen weyb / das ist auß der hochgelopten Jungkfrauwen mensch werden / vnd mit seinem todt / den Todt / vnd vrheber deß tods den Teüffel vberwinden / vnd die glöubigen kinder Ade erlösen / ja auch zuo kinderen Gottes / vnd erben deß ewigen lebens annemmen werde. Vnnd habend also die heiligen Vätter geleert / glauben in Gott vnnd in seinen Sun den erlöser der gantzen welt. So sie auch geopfferet / habend sie damit bedeüttet seinen vnschuldigen todt / vnnd das opffer seins leibs / mitt wölchem er erlösen wurde vnnd versünen die sünd der gantzen welt. Darumb habend sie auch so fleißig gemerckt auff das geschlecht vnnd auff die linien deß geschlächts deß Messzie. Dann die selbig wirt fein ordenlich als an einem schnüerli von dem Adamen gezogen biß auff den Noe: Darnach von dem Noe durch den Sem biß auff den Abraham: Zuo wölchem Gott auch redt / in deinem saamen söllend gebenedeyet werden alle geschlächt der erden. Mit wölchen worten / die erste verheissung dem Adam beschähen von Christo dem erlöser / der den fluoch in den sägen verwandlen solt / wider äferet [widerholet] vnnd erneüweret wirt. Dise linien Christi wirt auch vom Abraham gezogen durch den Jsaac biß auff den Jacob. Wölcher

IIIv. / 3b

mitt dem Geyst gottes erfüllt / anzeygt das Judas vnnder seinen Sünen inn der linien deß gebenedeyeten saamens sein werde / wie man sicht Genes. am neün vnd viertzigsten capitel[10]. Jm stammen Juda aber wirt das hauß Davids außgesünderet / das der heilig saamen vnnd pflantz deß läbens darauß herfür kommen werde. Darüber habend die heiligen Vätter weytter angegeben / wie das Gott mit dem menschlichen geschlecht ein pundt gemachet / vnd sie sich jhm / vnd er jhnen vestigklich verpflicht vnd verbunden. Darauß sie dann die jhren geleert auff Gott vertrauwen / den pundt vnnd glauben halten / Gott anbätten / andere vnnd falsche Götter verachten / Gott allein anrüeffen / vnd andächtigklich verehren. Jtem / das der dienst vnd die verehrung Gottes in geistlichen dingen stande / in glauben / hoffnung / liebe / gehorsamme / gerächtigkeyt / heiligung / vnschuld / gedult / waarheyt / haltung deß rechten / vnd Gottsforcht. Derhalben warend sie den lastern fyend [feind] / schultend vnd hassetend sie / namlich vnglauben / treüwlose / verzweiflung / vngehorsame / vndultigkeit [vngedult] / luginen [liegen] / gleißnerey / hassz / lesterung / vnbill vnd gewalt / vngerächtigkeyt / vnreinigkeit / vberflussz / muotwillen / füllerey / huorey vnd eebruch / boßheyt / vnd vngottsforcht [gottloses wesen]. Sie lartend auch Gott ein beloner sein alles guoten / vnd ein rächer vnd straffer deß bösen. Jtem das der menschen seelen vntödtlich / das auch die leib am gericht wider aufferston wurdind / vermantend deßhalb mengklichen / das man in diser zeyt also lebte / das man das ewig leben nit verlure [verlöre]. Das ist die summ deß worts Gottes / das den Vätteren geoffenbart / vnd von jhnen den nachkommenden menschen jmmerdar von einem an andern ist angeben worden. Ja das ist die heylig angäbung der Vätteren / darinn alle Gottsäligkeyt begriffen ist. Das ist auch der alt vngezweyflet / waarhafft / allgemeyn glaub der heiligen Vättern.

Vber das alles / habend auch gedachte vätter jren kinden / vnd nachkommen angegeben die gwisse zaal vnnd rechnung der jaren von erschaffung der welt an / auch die nutzbar vnd gwissz Histori deren dingen / die von der welt anfang biß auff sie sich verloffen / damit vnd sie auch also wißtind / wie alle ding ein anfang genommen / vnd auffeinandern ergangen / Jtem auch die gerichte Gottes die er geübt / mitsampt den exemplen deren die Gottsförchtigklich oder vngottsförchtigklich gelebt. Diß alles möchte wol feyn heytter vnnd ordenlich auß dem ersten buoch Mosis / das Genesis genennt wirt / erzeygt werden / aber die predig wurde sich zuo weit außhin verziehen. Jch achten auch es sygind wenig oder gar keine vnder euch allen / die nit mercktind das ich diß alles von der vättern angeben / gar nach von wort zuo wort also zereden auß dem ersten buoch Mosis genommen: dz ich deßhalb nun wol mag in fürgnomner histori fürfaren.

Wie nun die ding bißhar der welt von den H. vättern mundtlich vnd also zereden von hand sind vbergeben worden / also hat Moses die selben erstlich in geschrifft verfaßt / mitsampt allem dem / das sich auch bey seinen leben / namlich in cxx.jaren verloffen hat. Vnd damit aber sölliche leer vnd geschrifft Mosis bey aller welt / vnd allen menschen / zuo yeder zeyt / dest mer ansehens vnd glaubens hette / vnd ein yeder sehe vnd wißte / das Mosis geschrifften / dz waarhafft wort Gottes selb wärind / so ist Moses von Gott mit vil wunderbarlichen zeichen vnd wunderthaten geziert vnd fürgstelt worden / wölche der allmächtig Gott durch sein hand / das ist / durch seinen dienst gewürckt hat. Vnd das nit heymlich in einem winckel der welt / oder an eim vnachtbaren ort / sonder im Egyptischen Reich / das dozemal das aller fürträffenlichest vnnd verrüemptest inn der welt was. Der wundern sind mer / sie sind auch grösser vnd fürträffenlicher / dann hie möge mit wenig worten erzelt werden. Es ist auch nit von nöten das ich sie anziehe / dieweyl euwer liebe die selben sonst weißt / vnd jren bericht ist. Demnach

IIII. / 4a

so hatt auch Gott Mosi sein ansehen mit anderen dingen gemeeret / Namlich / das er ganz vil gespräch mit jm gehalten / vnd vnder anderm zuo jm gesprochen / Sihe ich wil zuo dir kommen inn einem dicken wolcken / das daß volck mich höre mit dir reden / vnd dir glaube ewigklich. Dessen vernüegt sich der Herr ouch nit / sonder heißt Mosen das gantz volck besamlen / namlich auff die sechs hundert tausend man / mit sampt weyb vnd kinden. Als nun die besamlet bey dem berg Sinai / da ist Gott erschinen in wunderbarer vnd erschrocklicher gestallt / vnd hat selb zuo dem gantzen volck geredt / vnd jnen erzellet die Zehen gebott. Das volck erschrack aber ab der herrligkeyt Gottes / vnnd begärt das der Herr fürhin nit mer selbs mit der gemeynd redte / sonder sie wöltind sich vernüegen [benüegen] / so er durch Mosen mit jnen handlete. Wölchs begären der Herr vom volck angenommen / vnd hat deßhalb hernach allzeit wenn er etwas mit jnen reden wöllen / durch Mosen dasselbig geredt. Dieweil aber das volck ein halßstarrig volck / vnd in Egypten durch die gmeynschafft der abgöttischen vbel verderbt was / do fieng Moses an in geschrifft verfassen / wz die alten H. vätter angeben hattend / auch was jm der Herr geoffnet hat. Vnd das darumb / damit semliche ding nit bey dem hinläßigen volck / auch sonst nit etwan durch lenge vnnd widerwertigkeyt der zeiten in vergäß kämind vnd zuogrund giengind. Vnd zuo söllichem gab der Herr Mosi selb ein anzeigung mit seinem exempel. Dann er schreib selb alles dz er auff dem berg Sinai zuo der versamlung geredt hat / gleich mit seinem eignen finger inn zwo steine taflen / der eben dasselbig auch vorhin von anfang der welt mitt seinem finger in die hertzen der heiligen vättern geschriben hat. Darzuo so gab er auch Mosi ein heittern befälch / das er auffschribe was er jm eroffnet hat. Disem gebott was Moses gehorsam vnd schreyb. Der heilig geyst aber / der das gantz gemüet Mosis besessen hat / leyttet jhm auch sein hand zuo schreiben. Jm manglet auch sonst nützit alles dessen / das zuo einem volkomnen außpündigen Scribenten hört. Er was von seinen vordern gantz wol aller dingen berichtet: dann er auch geboren was von dem heiligen geschlecht der vättern / die Gott zuo zügen seines willens / seiner gebotten vnd gerichten verordnet vnd erwöllet hatt / namlich Amram / Kahad / Jacob / Sem / Mathusalem / Adam. Derhalben er wol gemögen ein gewisse vnnd waarhaffte histori von der welt anfang biß auff seine zeiten beschriben. Zuo wölcher er auch gethon hat / was zuo seiner zeit vnder dem volck Gottes beschehen / Wölcher dingen er wol hatt mögen ein waarhaffter zeüg sein / als der sie alle selbs gesehen vnd gehört. Was er auch in seinen büechern geschriben / das hat er alles dem volck erzellt vnd fürgehalten. Vnd ist keiner vnder jnen / deren doch so vil tausent warend / erfunden worden / der denen dingen widerspräche. Das deßhalben die einmüetig einhälligkeyt vnd zeügknuß der vberauß grossen versamlung deß volcks Gottes / den geschrifften Mosis nit wenig glaubens vnd ansehens bringt.

Er hat aber beschriben die Histori von anfang der welt biß auff sein tod / darinn auff die 2488.jar vergriffen / inn fünff büechern / die man nennt die Fünff büecher Mosis. Jnn denen erleüttert er weytlöuffig / die eroffnung [offenbarung] deß worts Gottes den menschen beschehen / was auch dasselbig begreiffe vnnd leere. Darinnen habend wir nit nur vilfaltige offnungen [offenbarungen] vnd heitere wort Gottes selb / sonder auch vil klarer zeügknussen / sprüch / beyspil vnd leeren der aller eltisten / fürträffenlichsten / heiligisten / weisesten vnd höchstgeachtesten männern der welt / von allen stucken vnd sachen / die da mögend zuo einem guotten vnd säligen leben dienen. Darumb auch dise büecher bey allen nachkommen für glaubwirdig / vnd als die von vnd auß jhnen selbs ansehens gnuog habind / vnd denen on alles widersprächen alle welt zuo glauben schuldig syge / erkent / angenommen vnd gehalten sind worden. Ja auch vnser Herr Jesus Christus / der eingeborn sun Gottes /

IIIIv. / 4b

weißt seine glöubigen dahin / das sie die gschrifften Mosis läsind: vnd thuot das inn sachen / die die fürnemmsten hauptstuck deß heils antraffend. Als wir sehend Joan. am v. Luc. am xvj. vnd Matth. am v. cap. Da er spricht / jr sond [solt] nit meynen das ich kommen sye das gsatzt vffzuolösen oder die Propheten: Jch bin nitt kommen das ichs aufflöse / sonder erfülle. Dann waarlich sag ich euch / biß das himmel vnd erden zergadt / wirt nit zergon der kleinest buochstab / noch ein tittel vom gsatzt / biß es alles gschicht. Wer nur eins von disen kleinsten gebotten aufflößt / vnd leert die leüt also / der wirt der kleinst heissen im himmelreich / wer es aber thuot vnnd leert / der wirt groß heissen im himmelreich. Es sind wol ettlich funden worden / die Mosi dem diener Gottes widersprochen habend / aber Gott hatt söllichs widersprächen / als ob es seiner Mayestat selb beschähen / auffgenommen / vnnd greülich gestrafft. Wie wir dessen exempel vnnd kundtschafften habend Exod.xvj. vnd Nume.xij. Erstlichen deß volcks Gottes / das wider Mosen murret / Demnach Marie der schwester Mosis die jm jren eignen bruoder widerbäfftzet [widerspricht]. Da sprach aber Gott zum volck / jhr murrend nicht wider die diener / sonder wider den Herren. Maria aber ward mitt grausammem außsatz geplaget. Also ist Theotectus der Tragedischreiber erblindet / vnd Theopompus von sinnen kommen / darumb das sie mit dem wort Gottes vngebürlich gehandlet. Dann ob wol das wort Gottes durch menschen eroffnet [geoffenbaret] / geredt oder geschriben wirt / so hört es doch nit auff Gottes wort sein / vnd wirt nicht ein menschen wort / darumb das es von menschgen prediget oder gehört wird / gleich wie auch deß Künigs gebott / nitt deß Herolden gebott genennt wirt / darumb das es durch den Herolden außgeschrüwen [außgeschrieen] wirt. Darumb wer Mosen verachtet / durch wölchen Gott mit vns redt / vnnd durch wölchen wir alles empfangen habend / was die heilgen Ertzvätter von anfang der welt jren nachkomnen angeben / der verachtet Gott selb / vnnd mitt Gott auch alle heilige Ertzvätter. Vnd ist also kein vnderscheyd zwüschend dem wort Gottes / das da mundtlich geredt vnnd angeben wirt / vnd dem / das mitt der fäder eins menschen geschriben ist / dann allein so vil vnderscheids ist zwüschend einer mundtlichen stimm vnd einer geschrifft / da aber an beyden orten der handel sinn vnd verstand gleich vnd eins ist. Auß disem allem hat nun ewer lieb verstand die eygenlich Histori deß vrsprungs vnd anfangs deß worts Gottes.

Da wöllend wir nun auch besehen / wie dasselbig zuogenommen / vnnd wie es ye lenger ye klärer vnd heitterer der welt eröffnet [geoffenbaret] worden. Als yetzund der heilig Moses auß diser welt gehn himmel genommen / da hat der güettig Gott für vnd für fürträffenliche Propheten seiner kirchen gegeben / wölche er erwölt hat / dz er durch sie sein wort der gantzen welt offnete [offenbarete]. Es sind aber bey den alten die Propheten gewesen / wie by vns die priester / weisen / prediger / hirten / Bischoff / leerer / oder Theologi / die aller Göttlichen dingen fürauß bericht / vnd dem volck von Gott in glaubens sachen zuo füerern gegeben warend. Das aber deren nit wenig / auch nit schlechte vnder dem Volck Gottes gwesen biß vff die Babylonisch gfencknuß an / mag wol ein yeder wissen vnd zeügen / wölcher die Biblisch histori geläsen. Vnder denen werdend gezelt die fürnembsten vnd fürträffenlichsten / Phinees / Samuel / Helias / Heliseus / Jsaias vnd Jeremias. Es sind auch Dauid vnd Salomon nit nur künig sonder auch Propheten gewesen. Jn der Babylonischen gfäncknuß warend Daniel vnd Ezechiel nammhafft. Nach der selben gfäncknuß ist vnder andern Zacharias der sun Barachie der nammhafftest gewesen. Das sind nun wenig von vilen / wölche ob sie wol nicht all zuo einer zeit / vnnd ettwan lang von einanderen gelebt / so habend sie doch all einmüetig erkennt / das Gott durch Mosen mitt der welt geredt habe / vnnd das er auß Gottes ordnung der kirchen inn der welt ein volkommene summ vnnd innhalt deß worts Gottes

V. / 5a

vnd der waaren Theology in geschrifft verlassen habe. Vnd habend dise Priester / weissager vnd Propheten alle / in allen dingen ein fleißig auffsehen gehept auf die leer Mosis. Ja das gsatzt Mosis / das an jm selb Gottes gsatzt ist / vnd recht Thora / das ist ein richtschnuor vnd Regel deß glaubens vnd deß lebens genennt wirt / habend sie fleißig allen menschen einpluwen [eingeblewet] / vnd dasselbig auch ye nach dem vnd die zeitten personen vnd ort warend / den leüten außgelegt: Dann alle Priester vnd Propheten vor der menschwerdung Christi / habend die recht Gottsäligkeit vnd den waaren glauben den menschen so ye zuo jren zeytten geläbt / mundtlich fürtragen. Habend jnen aber auch nichts anders fürtragen / dann was die vätter von Gott / vnd Moses von Got vnd von den vättern empfangen hat. Vnd eben dasselbig habend sie auch gleich in gschrifft allen nachkommenden biß ans end der welt zuo guotem verfasset: dz wir yetz also in den Propheten auch Mosis leer vnd der vättern angebung habend / aber alles etwas heitterer vnd volkomner außgelegt vnd erklärt / nach den vmbständen der orten / zeiten vnd personen. Die leer aber vnd die geschrifften der heiligen Propheten sind allwegen in höchstem ansehen gewesen by allen verständigen der gantzen welt. Dann durch vil anzeigungen offenbar was / dz die nit von jnen erdacht sonder jnen oben herab vom heilgen geist Gottes eingeblasen. Dann Gott ist der der durch seinen geist wonende in den hertzen der heilgen Propheten / durch jren mund mit vns redt [Sintemal Gott der ist / der durch seinen geist / so in den hertzen der Heiligen Propheten wohnet / durch jhren mund mit vns redet].... Derhalben habend sie auch so herrliche zeügnussen von Christo dem sun Gottes / vnd seinen außerwölten Apostlen. Darzuo dienend auch die grossen wunderzeichen vnd thaten / die Gott offtermals durch jhren dienst gewürckt hat / damit wir doch auß den selbigen grossen zeichen lernetind erkennen / das sie alles das sie gethon vnd geleert / auch das sie geschrifftlich hinder jhnen gelassen / alles auß Gottes trib vnd eingäbung gethon. Es gebend auch den heiligen Propheten herrliche kundtschafft der Göttlichen waarheyt alle die fürtreffenlichen gmeynden kirchen vnnd Regiment / die durch sie nach dem wort Gottes gesamlet vnd regiert sind worden. Man preißt hefftig den Platonem / Zenonem / Aristotelem / vnd andre Heidnischen Philisophos vnd weisen / aber wölcher hat vnder denen allen ye gemögen ein gantze gemeind besammlen vnnd darzuobringen / das sie nach jrer fürgschrifft läbte? Die Propheten aber habend die aller fürnempsten vnd berüemptesten Regiment vnd gmeynden der gantzen welt / ja gantze herrliche Küngkreich vnder jrer leer gehept. Den Künig vnd Propheten Salomonem habend alle weisen der gantzen welt / die zuo seiner zeit gelebt / also zereden angebättet / vnd sind von den enden der welt har jm zuogezogen. So ist Daniel der fürnempst gewesen vnder allen weisen in der gantzen vnd fürnempsten Monarchy der Babyloniern. Darzuo ist er auch in höchstem ansehen gewesen bey Dario dem Meder Künig / der ein sun was Astyagis oder Assueri / deßgleichen bey dem fürträffenlichsten Künig Cyro. Jch kan auch nit vnderlassen zemelden / dz Göttlich vnd gwisse vorwissen der h. Propheten / dz sie gehept von denen dingen / die erst nach vil hundert jaren sind geschehen. Dann dz ich andrer geschweige / hat nit Esaias gantz eigentlich vor gsagt alles das / dz hernach durch die Juden an vnserm Herren Jesu Christo ist erfült worden? Darumb er nit vergäbenlich von den alten mee für ein Euangelischen / dann für ein Propheten oder weissager ist ghalten worden. Er hat auch den nammen deß Künigs Cyri genempt vnd vorgsagt zum wenigsten clx. jar eb vnnd [ehe denn] Cyrus yenen geboren wurde. So ist auch Daniel recht von den alten genent worden Polyhistor / dz ist / der vilwissend. Dann alles dz von seiner zeit an biß auff Christum / ja biß vff den letsten tag deß grichts geschehen ist vnd noch geschehen wirt /gar nach in allen reichen der welt / fürnemlich in dem volck Gottes / dz hat er alles so dütlich vorgsagt / dz einen beduncken möchte / er schribe nit von künfftigen sonder von bschehnen dingen.

Vv. / 5b

Das / sprich ich / bezeüget alles heiter / das die leeren vnd gschrifften der heiligen Propheten das waar wort Gottes selb sind / wie dann auch die heilig gschrifft selbs jnen den tittel vnd nammen allenthalben gibt. Dann ye der heilig Apostel Petrus spricht / das die Prophecey nitt auß menschlichem willen herfür bracht seye / sonder die heiligen menschen Gottes habinds geredt / getriben von dem heiligen geist.

Wiewol nun aber Gott sein wort vberflüßig / heiter / klar vnd einfalt der welt durch die heiligen Ertzvätter / durch Mosen / die Priester vnd Propheten eröffnet hat / so hat er doch sömlichs in den letsten zeiten zum aller heitersten vnd einfaltigesten dem gantzen vmbkreiß der erden durch seinen sun fürgelegt. Dann der eingeboren sun deß vatters / ist selbs von himmel kommen / vnd hat alles erfüllt/ was vnd wie es die Propheten vorgesagt / vnd hatt also auff die drey jar alle waare gottsäligkeit geleert. Dann Joannes spricht / Es hat nieman ye Gott gesehen / der eingeboren sun / der da ist in der schoß deß Vatters / der hats vns erzellt. So spricht der Herr selb zuo seinen Jüngern / Alles was ich von meinem vatter ghört hab / das hab ich euch kundt gethon. Jtem / ich bin das liecht der Welt / wer mir nachvolget / der wandlet nicht in der finsternuß / sonder wirt haben das liecht deß lebens. Es hat aber der Herr geleert / das einem yeden der da begärt sälig zewerden vnd gehn himmel zekommen / von nöten syge die himmlisch widergeburt. Dann in der ersten geburt werde der mensch zum tod geboren / in der andern zum leben. Dise widergeburt beschähe aber durch den geist Gottes / der durch den glauben vnsere hertzen ernüwere / ja durch den glauben in Christum / der da gestorben ist für vnsere sünd / vnd wider aufferstanden vmb vnser gerechtmachung willen. Durch disen glauben hat er gleert / werdind die glöubigen grecht gmachet / vnd auß disem glauben entspringind vnd erwachsind vil vnd mengerley frücht der liebe vnd vnschuld / zuo wölchen er die welt mit höchstem ernst vermanet hat. Darzuo hat er geleert / das er dz end vnd die erfüllung deß gsatztes vnd der Propheten sey / vnd hat hiemit die leer Mosis vnd der Propheten bestätiget vnd außgelegt. Näbend der leer / hat er grosse wunderzeichen vnd wolthaten gewürckt / mit wölchen er sich erklärt hat sein das liecht vnd den erlöser der welt. Das auch dise sein leer vnd seine wolthaten der gantzen welt kundtbar wurdind / so hat er jhm hierzuo zeügen erwölt / die er Apostel genennt / darumb das er sie in den gantzen vmbkreiß der erden zuo predigen senden wolt vnd verordnet hat. Dise zeügen warend einfalte / vnschuldige / fromme / waarhaffte leüt / die vmb kein list noch trug ützit [etwas] wißtend / sonder gantz trüw vnd redlich warend. Deren nammen nit on frucht offt in der kirchen gemeldet werdend. Vnd sind deßhalb das jhre nammen / Petrus vnd Andreas / Jacobus vnd Joannes / Philippus vnd Bartholomeus / Thomas vnd Matheus / Jacobus Alphei vnnd Judas sein bruoder / mit dem zuonammen genennt Thaddeus / Simon vnd Judas der Jscarioth / an wölches statt aber / dieweil er den Herren verrathen hatt / der heilig Mathias ist erwölt worden. Dise habend auff die drey jar den Herren / ja sein himmlische leer selb gehört / vnd seine Göttliche thaten vnd werck gesehen. Er hat sie auch nach seiner himmelfart / durch sendung deß heiligen geists vom himmel herab / in allweg geschickt vnnd krefftig gemachet. Dann wie sie der gschrifft wol erfaren / also kontend sie auch mit allerley spraachen reden / vnd warend darinnen wol beredt. Nach wölcher begabung sie von Jerusalem außzogen sind / vnd habend die gantz welt durchstrichen / allen landen vnd völckern geprediget / was jnen zuo predigen vom Herren vnd heyland der welt Jesu Christo selbs befolhen was. Vnd als sie yetzund etlich jar mundtlich geprediget / habend sie auch dz sie prediget / in geschrifft verfasset. Dann etliche habend geschriben die Histori von den leeren vnnd thaten

VI. / 6a

Christi / andere von den leeren vnd thaten der Apostlen / andere habend mancherley Epistlen vnd Sendbrieff hin vnd wider an die kirchen vnd völcker geschriben. Jn wölchen allen sie zuo bezeügung der waarheyt / auch die geschrifften deß alten gsatztes vnnd der Propheten brauchend / wie wir dann sömlichs auch vom Herren selb beschähen sein läsend. Zuo disen zwölff Apostlen gehörend auch die zwey grossen liechter der welt / Joannes der Töüffer / der der gröst von weibern erboren / vnd Paulus der außerwellt werckzeüg / vnd fürträffenlich leerer der Heyden.

Dise aber alle / namlich Joannes der vorbott deß Herren / vnnd die heiligen Apostel Christi / habend nitt on vrsach allwegen in der kirchen Gottes grosses ansehen vnd glauben gehept. Dann zuo dem das sie Botten gewesen deß ewigen Künigs vnd deß Herren der gantzen welt / so sind sie auch mitt dem heiligen geist begabet gewesen / vnd habend von jnen selbs vnd auß jhrem guotduncken nützit [nichts] fürgenommen oder gehandlet. Es hat auch der Herr durch jren dienst grosse wunder gewürckt / das er also damit jren dienst zierete / vnd jr leer dester ansehnlicher vnd dest glaubwirdiger machte. Jch geschweigen das sie mitt dem wort Gottes alle welt bekeert / vnd durch die gantz welt hin fürtreffenliche kirchen gesamlet vnd angerichtet habend. Welches sie durch menschliche rathschleg vnd wort nimmermee hettend mögen zuowegen bringen. Darzuo dienet auch / das sie dermassen an diser leer / als der waaren läbendmachenden leer gehalten / das sie sich nit gewidriget auch darfür zuo sterben. Ja nit nur sie / sonder auch alle die / so der Euangelischen leer geglaubt / habend sich nicht entsässen [entsetztet] / durch wasser / fewr vnnd schwert dises leben zuo enden / vnd das ewig zuo ergreiffen. Das hettend die außerwölten glöubigen nitt gemögen / wenn die leer deren sie glaubt / nicht were Göttlich gewesen. Derhalben wiewol die Apostel menschen gewesen / so ist doch jr leer / die sie erstlich mundtlich geleert vnd angeben / demnach auch mit der fäderen in geschrifft verfaßt habend / die waar Göttlich leer / vnd deßhalb das waarhafft wort Gottes selb. Darumb dann auch der heilig Apostel Paulus zun Thessalonichern schreibt / da jhr empfiengend von vns das wort Göttlicher predig / namend jr es auff / nicht als menschen wort / sonder wie es dann waarhafftig ist / als Gottes wort / welches auch krefftigklichen würckt in euch die jr glaubend.

Nun vorderet [erfordert] die notturfft / das wir auch zemmen läsind vnnd erzellind die heiligen büecher / in denen das wort Gottes / das erstlichen also von den Vättern / demnach von Christo selb vnnd den Apostlen mundtlich herfür bracht / darnach auch von den Propheten vnd Apostlen in gschrifft verfaßt ist / begriffen wirt. Da werdend nun erstlich gesetzt die Fünff büecher Mosis. Auff die volgend / Das buoch Josue / Das buoch der Richteren / Ruth / zwey büecher Samuels / zwey der Künigen / zwey der Chronicken. Jtem die büecher Esdre / Nehemie vnd Hester. Darnach das buoch Job. Jtem Dauid / oder das Psalmenbuoch. Jtem drey büechli Solomons / Die Weisen Sprüch / Der Prediger vnd die hohen Lieder. Darzuo gehörend auch die vier grössern Propheten / Esaias / Jeremias / Ezechiel vnd Daniel. Jtem die zwölff kleinern Propheten / deren nammen einem yeden wol bekannt sind. Diß sind die büecher deß alten Testaments. Das Neüw Testament haltet inn / erstlich die Euangelisch Histori von vnserem Herren Jesu Christo / so beschriben ist von vier männeren / deren zwen Apostel gewesen Mattheus vnd Joannes / die andern zwen aber jünger / Marcus vnd Lucas. Welicher Lucas auch ein vberauß schön vnd nutzlich buoch gemacht hat von den geschichten der Apostlen. Vnder den Apostlen hat Paulus viertzehen Epistlen geschriben zuo etlichen gmeynden vnd besondern personen. Die andern Apostel habend siben geschriben / die man Canonicas vnd Catholicas

Vlv. / 6b

heißt. Zuoletst werdend die büecher deß Nüwen Testaments beschlossen mit der Offenbarung Jesu Christi / die er seinem geliepten jünger dem Euangelisten vnd Apostel Joanni geoffenbaret hat / darinn er jhm vnd der gantzen kirchen anzeigt / wie es der kirchen Gottes ergon werde biß zum tag deß gerichts. Jn disen wenig büecheren / die da gsund / nitt groß / heitter vnd einfalt / nit dunckel oder verworren sind / wirt begriffen die volkommen leer der Göttlichen dingen / ja das wort deß waarhafften ewigen vnd lebendigen Gottes.

Es sind auch die büecher Mosis vnnd der Propheten / gantz vnd vngefelscht durch so vil hundert jar / durch so vil gfaaren / gefangenschafften vnd enderungen deß volcks Gottes kommen / biß vff die zeitten Christi vnd der Apostlen. Dann der Herr Jesus vnnd die heiligen Apostel habend dise büecher als vngefelschte vnnd glaubwirdige gebraucht / das sie freilich nit wurdind gethon haben / oder mögen thuon / so sie eintweders gefelscht / oder aber gar verloren wärind gewesen. Vnd also sind auch die büecher / die die Apostel Christi gemacht vnnd hinzuo gethon / mit sampt dem gsatz vnd den Propheten gantz vnd vngefelscht in der kirchen ye vnd ye durch alle verfolgungen erhalten worden: vnnd auch also vngefelscht vnnd gantz vns / auff die das end der welt kommen / in die hend worden. Vnd ist söllichs auß grosser fürsorg / vnd auß vnaußsprächlicher güette Gottes vnsers treüwen Vatters beschähen / damit man zuo keinen zeitten dises theüren vnd wärden schatzes manglete.

Also hab ich ewer liebe bißhar erklärt / was das wort Gottes syge. Wie das angefangen vnd zuogenommen / wie gwissz vnd wie glaubwirdig es syge. Das es namlich syge Gottes red / vnd offenbarung seines guotten willens gegen den menschen. Welches er von anfang etwan selb mundtlich / etwan aber durch die Engel / den vreltisten vnnd heiligesten vättern geoffnet / die sollichs mit allen trüwen auch jren nachkomnen angeben. Vnder welchen Vnd er welchen vättern die fürnemmsten liechter der welt gewesen sind / Adam / Seth / Mathusalem / Noe / Sem / Abraham / Jsaac / Jacob / Amram / vnd dessen sun Moses. Wölcher auß Gottes befälch die geschichten vnnd angebungen der heiligen Ertzvätteren / auch das gsatzt Gottes vnd desselben außlegung / mit schöner vnd weytlöuffiger beschreibung der geschichten seiner zeit in geschrifft verfasset hat. Nach Mose demnach hatt Gott seiner kirchen andere fürtreffenliche männer geben / Propheten vnd Priester / die auch das / daß sie vom Herren empfangen / mundtlich vnd geschrifftlich angeben habend. Nach disen ist der eingeboren sun Gottes selbs von himmel herab in dise welt kommen / vnnd hat erfüllet alles / das von jm in dem gsatzt vnd in den Propheten geschriben was. Darnebend hat er auch geleert ein volkomnen wäg frombklich vnd säligklich zeleben / vnd dessen hat er die Apostel zuo zeügen angenommen / Wölche harnach alles das jhnen der Herr angeben / erstlich mundtlich geprediget / darnach aber auch damit es nit gefelscht wurde / oder in vergässz käme / auffgeschriben. Das wir also yetz das wort Gottes habend / wie es von den Vätteren / Propheten vnd Apostlen geprediget vnd geschriben ist. Vnd das alles ist har geflossen auß dem einigen geist Gottes / vnd reicht auch alles auff ein end / namlich das die menschen lernind wol vnd Gottsäligklich leben / vnnd nach diser zeyt das ewig leben erreichind. Wer nun denen nicht glaubt / vorauß dem eingebornen Sun Gottes / wem wil er dann glauben? Hie habend wir die aller heiligisten / frömbsten / verrüemptisten / gerechtisten / eltesten / weysesten / Gottseligesten männer / vnder allen die ye vnd ye gelebt in der gantzen welt / vnd denen nun niemand sonst zuo vergleichen ist / deren vns sonst die gantz welt keine köndt anzeigen / wenn sie schon vber tausendt mal in Synodos oder Concilia versamlet wurde. Der fromm Keyser Constantinus hatt auß der gantzen welt zemmen gelesen ein

VII. / 7a

allgemeyn Concilium / vnnd sind dreyhundert vnd achtzehen der aller fürtreffenlichsten männern vnd vättern deß gantzen erdbodens zemmen kommen: Aber vnder allen verständigen ist nieman / der die selben nur als ein schatten achte vnnd vergleiche / gegen denen männern / von denen wir das wort Gottes empfangen. Darumb so söllend wir in allem / dem wort Gottes glauben / das vns in der heiligen geschrifft angeben ist / vnnd wissen / das der waar lebendig ewig Gott selbs durch die geschrifft mitt vns redt. Lassend vns deßhalb sein Nammen vnnd guote zuo allen zeitten loben / der sich also vnser erbarmet / das er vns armen menschen so trülich / volkommenlich vnd eygenlich die gantze weiß wol vnnd Gottsäligklich zuo leben angeben hatt. Jm syge lob vnnd ehr inn ewigkeyt. Amen.

 

2.Pr.Die Ander Predig.

Von dem wort Gottes / wäm / vnnd zuo was end [warzuo] das geoffnet [geoffenbaret] / wie man auch das selbig sölle hören / vnd das es volkommenlich begreiffe vnd leere alles das zuo waarer Gottsäligkeyt dienet [von nöthen ist].

EVwer liebe hat inn der nechsten Predig gelernet was dz wort Gottes sye / wohar es kommen / durch wän es geoffenbaret / wie es zuo gnommen / wie glaubwirdig vnd gewissz es sye. Nun wil ich aber / mit hilff Gottes vnd euwers gebätts euwer liebe auch zuo verstan geben / wäm / vnd zuo was end / es syge geoffenbaret / wie man auch dasselbig hören sölle / was sein krafft / würckung vnd vermögen syge. Gott vnser Gott / ist aller völckeren vnd menschen Gott / der wil nach dem wort Pauli / das alle menschen sälig werdind / vnd zuo erkanntnuß der waarheyt kommind / vnd darumb hat er von wegen aller menschen / jnen zuo guotem / zuo jrem leben vnd säligkeit sein wort geoffnet [geoffenbaret] / damit es syge ein richtschnuor vnd waag [weg] / nach dem die menschen durch den wäg der gerächtigkeyt gefüert werdind zum ewigen leben. Vnd ob wol waar / das sich Gott vorzeitten den Jsraelitern / als seinem besondern volck gheimer auffgethon vnnd zuo erkennen geben hatt / (wie der Prophet spricht / Er erzellt vnd thuot kundt sein wort Jacob / vnd seine rechte dem Jsrael / dergleichen hatt er keinen Heyden thon / vnd seine Rechte jnen nit geoffenbaret.) Noch so hatt er der Heyden auch waar genommen. Dann zuo dem das er den Jonam den Niniuitern geschickt / so habend auch Jsaias / Jeremias / Daniel vnnd andere Propheten mit grossem ernst auch die Heyden geleert vnd gewarnet. Es habend auch die vralten vätter Noe / Abraham vnnd andre / nit nur das Jsraelitisch volck das von jnen / sonder auch andre jre kinder von denen andre völcker kommen / die gerichte deß Herren geleert. Vorab hat vnser Herr Jesus Christus seinen Apostlen die gantze welt auffgethon / vnnd gesprochen / leerend alle völcker / vnd predigend das Euangelium allen Creaturen. Vnnd als S. Peter noch nit volkommenlich verstuond / das die Heyden auch ghortind zur gmeynsamme der kirchen Christi / vnd das die predig deß Euangelij von dem heil das allen glöubigen durch Christum erworben vnd erlanget ist / auch den Heyden zuoghorte / Do vnderrichtet jnn dessen der Herr / durch ein himmelsche gsicht / vnd durch stimmen von himmel / auch durch die bottschafft Cornelij / die mitthin zuo kam / wie euwer liebe weyßt auß der Histori der geschichten der Apostlen. Darumb so söllend wir behalten vnd mercken / das daß wort Gottes vnd die heilige geschrifft allen menschen geoffenbaret ist / zuo was zeitten / inn was alter / geschlecht / stand vnnd wesen sie joch jmmer sygend / dann auch der heilig Apostel Paulus söllichs bezeüget / da er spricht / alles was fürgeschriben ist / das ist vns

7b VIIv. /

zur leer fürgeschriben / auff das wir durch gedult vnd trost der geschrifft hoffnung habind.

Darumb soll niemants sagen / was gadt mich an / was den Juden im alten Testament fürgeschriben syge / oder was die Apostel den Römeren / Corintheren oder anderen völckeren geschriben habind / Jch bin ein Christ / Die Propheten habend jhren leütten / vnnd die Apostel jhren zeyten prediget vnnd geschriben. Dann so wir die sach recht ermessend / so sehend wir das wir eben darumb den geschrifften deß Alten vnnd Neüwen Testaments söllend glauben / darumb das wir Christen sind / dann Christus vnnser Heyland vnnd Leermeyster vns ye auff die geschrifften Mosis vnd der heiligen Propheten weißt. So zeücht auch der außerwölt werckzeüg Christi Paulus der alten Sacrament vnd Exempel auff vns / namlich die Beschneidung im Tauff Coloss. am andern cap.[2.21] vnnd das Osterlamm in der geheymnuß deß Abendtmals 1.Corinth.v.[7 vnd 10.2.] Jn wölcher Epistel im zehenden capitel er auch vilerley exempel der vätteren auff vns zeücht. Vnd zun Römeren am vierten capit.[2] Da er disputiert von dem glauben / wie der gerecht mache on die hilff deß gsatzs vnd der werchen / da füert er in das exempel Abrahe / vnd setzt drauff also. Söllichs ist aber nitt geschriben allein von Abrahams wegen / das jm sye der glaub zur gerechtigkeyt grechnet / sonder auch von vnsert wegen / denen er auch also wirt gerechnet werden so wir glaubend / usw.

Also aber (sprächend ettlich) / werdend wir wider ins gsatzt verstrickt / werdend vns wider müessen beschneiden lassen vnd opfferen thier vnnd bluot / auch das Aaronisch Priesterthum auffrichten mit sampt dem Tempel vnd anderen Ceremonien / Vnd wirt der scheydbrieff wider zuogelassen werden / auch das einer möge vil weiber haben? Antwort. Wir müessend bedencken das im alten Testament ettliche ding sind die allweg wärend / ettliche ding aber Ceremonisch / vnd die allein biß auff die zeit der verbesserung geben sind worden. Die zeit der verbesserung ist die zeit Christi / der dem gsatzt gnuog thon vnd den fluoch deß gsatztes auffgehept hat / der selbig hat auch den Tauff an statt der beschneidung befolhen / vnd hat alle opffer mitt seinem einigen opffer auffgehept / also das wir yetz keine opffer mer habend / dann das einig opffer Christi das ein mal für vns alle geschehen ist / in welchem vnnd durch welches wir auch lernend vnsere leib / gebätt vnd allmuosen als geistliche opffer / Gott dem Herren opfferen. Also hatt der Herr an statt deß Aaronischen Priesterthumbs eingesetzt sein vnd aller Christen Priesterthum. Wir sind der Tempel Gottes / inn welchem Gott durch seinen geist wonet. Alle Ceremonien hat auch Christus abthon / deßgleichen den scheydbrieff vnd vile der weiberen Matth. am neüntzehenden. Vnd wiewol dise Ceremonien vnnd ausseren breüch / durch Christum sind abthon vnd auffgehept / das sie vns nicht mer bindend / so ist doch die geschrifft die von denen dingen lautet / durch Christum nit auffgehept noch abgethon / dann es muoß allwegen inn der kirchen Christi ein gewisse zeügknuß sein / darauß wir lernind / was die alten für eussere dienst vnnd anbildungen Christi gehept habind. Die selben söllend yetz vns in der kirchen Christi geistlich außgelegt / vnd Christus / die verzeihung der sünden / vnd besserung / darauß nit weniger dann auß den geschrifften deß Neüwen Testaments geleert werden. Darumb sind von Gott auch die geschrifften deß alten Testaments allen menschen gegeben / vnd habend auch die heiligen Apostel allen kirchen zuo guottem das geschriben / das sie anfäncklich besondern kirchen zuogeschriben.

Auff das end hin [Darzu] aber ist dz wort Gottes den menschen geoffnet / dz es sie leere Gott vnd seinen willen erkennen wer Gott sye / vnd wie er gegen den menschen gesinnet / das er wölle das sie sälig werdind / vnnd das durch den glauben inn

VIII. / 8a

Christum. Jtem wer Christus syge / vnnd wie es ein gestalt hab vmb den handel der säligkeyt. Was rechten Christen gebüre vnd zuostande zuothuon oder zuo meiden. Dann es ist nit gnuog den willen Gottes nur wissen / wir müessend jnn auch thuon. Darumb dann Moses spricht / Hör Jsrael die gebott vnd rechte / die ich euch leeren / das jrs thüegind vnd läbind. Vnd der Herr im Euangelio bezeüget vnd spricht / Sälig sind die das wort Gottes hörend vnd haltends.

Darinn dann höchlich zuo preysen die vnerschöpfflich güette Gottes / der vnns nützit verhalten von allem dem / das zuo einem guoten vnd säligen läben dienet. Die weisen vnnd geleerten diser welt habend die art / daß sie gern ander leütten die weyßheyt vnnd das wissen mißgunnend / aber vnser Gott nit also / sonder er beüttet vnns selbs an das wissen aller himmelschen dingen / vnnd begert nichts mer / dann das wir darinn zuonemmind / vnnd hilfft vnns so wir fleißig sind. Dann also spricht er selb im Euangelio / Welcher hatt / dem wirt geben / damit er vberflüßig habe. Jtem / Wer da bittet dem wirt geben / wer suocht / der findet / wer klopffet / dem wirt auffgethon. Dahar auch der heilig Apostel Jacobus spricht / Manglet yemandt weißheyt vnder euch / der begäre sie von dem der da gibt / namlich von Gott / der da einfaltigklich gibt / das ist gern vnnd nicht beschwerlich / vnnd verweißts niemandts / so wirt sie jhm gegeben werden. Da wir an einem fürgang [beyleuffig] auch sehend was vnser ampt syge / namlich das wir bey dem läsen vnnd hören deß worts Gottes fleißig vnnd ernstlich bittind / das wir das end erlangen mögind / zuo dem vnd von deß wegen vns das selbig gegeben vnnd eroffnet ist. Von dem wir aber hernach weytter reden wöllend / nach dem wir anzeygt habend wie man das wort Gottes hören sölle.

Jetzund dieweyl wir gemeldet / das daß wort Gottes vnns darzuo syge geoffenbaret / das es vns berichte der wegen Gottes vnd vnsers heils / so wil ich euwer liebe mitt kurtzen wortten erklären / das in dem wort Gottes / so vns durch die heiligen Propheten vnnd Apostel angeben vnd fürgeschriben / alle Gottsäligkeyt / ja alles das / daß zuo einem rechten guotten vnnd säligen läben dienet begriffen syge. Dann es volget ye das die leer inn allwäg volkommen sein muoß / zuo deren vnnd von deren man nützit thuon sol. Also ist aber die leer deß worts Gottes / wie Moses zeüget Deut. am vierten vnd zwölfften / vnnd Salomon in Sprüchen am dreißigsten capitel. Wer wil deßhalben nit bekennen / dann das alles so zuo Gottsäligem wäsen dienet vns inn der heiligen geschrifft sye fürgestellt? Darzuo so kan niemand laugnen / dann das daß ein volkomne leer sein muoß / durch welche der mensch also vervolkommet wirt / das er inn diser welt für ein frommen menschen gehalten / vnd nach diser zeyt zuo der ewigen gemeynschafft Gottes gezellt wirt. Welcher aber dem wort Gottes das durch die Propheten vnd Apostel der welt fürgelegt ist / glaubt / vnd nach demselben lebt / der wirt gerecht genennt vnnd ist ein erb deß ewigen lebens. So volget ye darauß / das dise leer ein volkomne leer syge. Welches auch der heilig Apostel Paulus weytlöuffiger vnd heyterer erklärt / da er spricht / Alle geschrifft von Gott eingeistet [eingegeben] / ist nütz zur leer / zur straff / zur besserung oder auffbauwung / zur züchtigung in der gerechtigkeyt / das ein mensch Gottes sye volkommen / zuo allem guoten werck geschickt. Da habend jhr ye lieben brüeder ein heyttere zeügknuß von der volkommenheyt deß worts Gottes / da habend jhr alle stuck die zuo einer volkomnen leer gehörend. Da habend jr die volkomnen würckung deß worts Gottes / das namlich ein mensch oder diener Gottes / der da recht Gottsförchtig ist / auß diser leer / gantz vnd volkommen mag werden / nit nur zun etlichen / sonder zuo allen guoten wercken bereittet vnd geschickt. Wer hat dann mangel daran? Jch acht nitt das yemand so vnuerständig / der dise

VIIIv. / 8b

wort Pauli allein von dem alten Testament verstande / so doch heytterer dann der tag / das Paulus söllichs zeücht auff seinen Timotheum / der ein Prediger vnd diener deß Neüwen Testaments was. So aber die leer deß alten Testaments volkommen ist / wie vil volkomner wirt sie dann sein so auch die büecher deß Neüwen Testaments darzuo kömmend?

Jch weyß wol das vnser Herr Jesus Christus vil thon vnd geredt hat / das von den Apostlen nit ist geschriben worden / darauß volget aber nicht / das darumb die leer deß worts Gottes so durch die Apostel angeben nitt volkommen sye. Dann der heilig Apostel vnd Euangelist Joannes bekennt offenlich [offentlich] / das der Herr noch vil gethon habe / das nicht in seinem buoch geschriben sye. Dises aber / spricht er / ist geschriben / das jhr glaubind das Jesus sye Christus der sun Gottes / vnd das so jrs glaubend das läben habind durch seinen nammen. Da zeigt er ye an / das in diser seiner leer / die er in geschrifft verfaßt / der glaub volkommenlich geleert werde / vnd das durch den glauben dz ewig leben von Gott werde geben / söllichs leben aber ist das end der volkomnen leer. Dieweyl nun dises den menschen begegnet durch die leer deß heiligen Euangelij / wie die inn geschrifft ist / so volget ye das sie on mangel vnd volkommen sye.

Jch weyß auch wol / das der Herr im Euangelio gesprochen / Jch hab euch noch vil zuo sagen / aber jr mögends yetz nit tragen. Jch weiß aber auch das / das er gleich darauff gesetzt / So aber der geist der waarheyt kommen wirt / so wirt er euch in alle waarheyt füeren. Jch weiß auch das diser geist der waarheit also kommen ist in die Apostel / vnd glaub deßhalb das sie nach der waarhafften verheissung Christi gefüert sygind worden in alle waarheyt / also das offenbar ist das jnen nützit gemanglet. Dieweyl vnd aber söllichs nit mag verlaugnet werden / so wöllend sich etlich mit dem behelffen / vnnd werffend für / die Apostel heyginds wol alles gewißt / vnd alles mundtlich geleert vnd angeben / sie habinds aber nit alles in geschrifft verfasset / das zuo waarer vnd volkomner Gottsäligkeit diene. Gleich als obs der warheit gleich sehe / dz die trüwen Apostel Christi heigind wöllen boßklich [bößlich] der nachkommenden welt etwz verhalten / vnd als ob der gelogen hab / der da spricht / Dises aber ist gschriben / auff dz so jr glaubind / habind dz ewig leben. Darumb so hat Joannes nützit [nichts] vnderlassen alles deß dz da hat mögen zuo volkomnem glauben dienen. Also hat auch Lucas nützit vnderlassen / also auch die andern Apostel vnd jünger vnsers Herren Jesu Christi. Paulus hat viertzehen Episteln geschriben / die der merteyl all eins inhalts / darauß man wol kan abnemen / dz die waar volkommen leer aller Gottsäligkeit darinn begriffen sye / dann sonst wurde er nit ein ding jmmerdar mit so vilen worten einbleüwen / so neißwan [etwa noch] andre stuck werind / die da noch nit gleert / vnd aber zum heyl von nöten werind / Die wurde er on zweifel auch gschriben / vnd nit ein ding so offt wideräferet [widerholet] haben. Jm dritten cap. der Epistel zun Ephesern zeüget er ye heiter / das er inn den zwey ersten Capitlen der selben Epistel außgelegt habe / all sein wissen das er habe vom Euangelio / dann er spricht / Mir ist kundt worden dise gheimnuß durch offenbarung / wie ich daoben geschriben hab auff das kürtzest / daran jr / so jr es läsend mercken mögend meinen verstand in der geheymnuß Christi. Sihe / das schreibt er nur von einer einigen Epistel / ja nur von den zwey ersten Capitlen der selben Epistel. Vnnd so erst zuo deren kömmend so vil langer vnd schöner Epistlen die er auch gmachet / Jtem auch andrer Apostlen Epistel oder sendbrieff / wer wil (er hab dann kein vernunfft) können sagen / dz die H. Apostel in jren gschrifften ein vnuolkomne leer habind hinder jnen verlassen. Aber die leüt die so hefftig darumb zanckend / die Apostel habind allein muntlich aber nit gschrifftlich alles dz zur gotsäligkeit dienet angeben / die gond darauff vmb / dz sie jre / das ist menschliche satzungen an stat deß worts Gottes mögind verkauffen vnd vff bringen.

IX. / 9a

Aber wider das gifft behaltend lieben brüeder dise artzney / Namlichen / conferierend vnnd haltend allweg gegen anderen / die mundtlichen angebungen die die Apostel muntlich aber nit geschrifftlich soltend angeben haben / vnd die heitteren geschrifften der Apostlen / vnd so jr findend / das die angebungen jren geschrifften vngleich vnnd vngemäß / so wissend gewißlich / das sölliche menschen fünd vnd erdencken [gedicht] / nit Apostolische Angebungen sind. Dann dieweil die heiligen Apostel ein einigen geyst der waarheyt gehept / so habend sie nicht eins geschrifftlich hinder jhnen gelassen / ein anders aber mundtlich angeben. Man muoß auch eygentlich erduren [erforschen] / ob dise angebungen meer Gottes ehr suochind oder der menschen / Jtem ob sie mer dienind zuo nutz vnnd wolstand der glöubigen / oder zuo eygnem nutz der Pfaffen. Vnd sol man sich deßhalb wol hüetten vor den menschen satzungen / vorauß dieweyl der Herr selb spricht / Sie ehrend mich vergeben / mitt dem das sie leerend / leeren die gebott der menschen sind. Vnnd ist deßhalb nichts sicherers vnnd gewissers / dann dem wort deß Herren das vnns inn der geschrifft zuokommen ist / anhangen / wölches vberflüßig alles das leert vnd angibt / das zuo waarer säligkeyt dienstlich ist.

Nun müessend wir aber auch von dem reden / wie dise volkomne leer deß heils vnnd aller Gottsäligkeyt / ja das wort Gottes selb / von den glöubigen sölle gehört werden / damitt es mit ettwas / ja mit grosser frucht gehört werde / das wil ich nun in einer summ anzeigen. Das wort Gottes soll man hören mit grosser andacht vnd reuerentz [ehrenbietung] / die man dann billich Gott vnnd allen Göttlichen dingen schuldig ist. Man sol es auch hören fleißig vnd empsig / vnd das mit ernstlichem vnd einbrünstigem gebätt / Man sol es hören mit verstand vnnd nachtrachtung / also das wir vns dardurch erbesserind [bessern] / vnd Gott durch vns geprisen werde. Nitt das wir fürwitzigklich die verborgnen rathschleg Gottes durchforschen wöllind / oder das wir gesehen werdind geleert sein / vnnd viler dingen erfaren. Es sol ein maß darinn vnd ein gwissz end gehalten werden / darauff alles zuohören gange / namlich / waarer glaub / Gottes ehr vnd vnser seligkeyt. Dann im andern buoch Mosis / heißt Gott den Mosen das volck heiligen vnnd vorbereitten zuo der predig / die Gott deß nachgenden tags zuo jhnen thuon wolt. Darumb nam Moses das gantz volck vorhanden / hielt jnen für die gehorsamme die sie Gott vnnd seinen dienern leysten soltind / vnd schuldig werind. Darnach gebot er jnen / das sie jre kleyder wüeschind / das sie sich auch enthieltind von den wyberen / Er stackt jnen auch zil vber die nieman bey seim leben trätten sölte. Auß welchem allem wir feyn sehend / was Gott für zuohörer haben wölle / sölliche namlich / die gehorsam vnd Gottsförchtig sygind inn allen dingen. Dann Gott redt mitt den menschen / wir sind aber Gott alle forcht vnd ehr schuldig / wer sich nun nicht demüettigklich vnnd bittender weyß Gott vnderwirfft vnd jm gehorsammet / der ist ein Gottloser. Darnach wirt auch erfordert von rechten zuohörern deß worts Gottes / das sie sich aller fleischlichen gemeinschafft entziehind / wölches dann durch das wäschen der kleydern bedeütet ward / namlich das wir hinleggind allen vnflat / alle vnreinigkeyt der seelen vnnd deß leibs / das wir vns enthaltind auch von nachgelaßnem [erlaubtem vnnd zugelassenem] wollust. Der heilig geist liebet gereinigete hertzen / die doch nienerdurch anderst [durch nichts anders] dann durch jn selbs mögend gereiniget werden. Da ist notwendig ein auffrichtiger glaub zuo Gott / vnd ein geneigter will / der da begirig syge zuo leben nach allem dem das in dem wort Gottes gebotten wirt. Man sol auch nit zevil wöllen wissen / sonder hinlegen alle vnnötige fürwitzige fragen. Allein lernen das nutz vnnd guot. Zum letsten sol man auch grossen fleiß anwenden inn hören vnnd in lernen / Dann Salomon spricht / wenn du der weißheyt wirst nachforschen wie dem gold / so wirst sie erlangen. Jtem / wer die Mayestet ergründen wil / der wirt

IXv. / 9b

von der grösse der herrligkeyt nider getruckt. Jtem / die ding die dir zehoch vnd zeschwär sind / denen frag nit nach / vnd das deine krefft vbertrifft / das wöllist du nit erfüntelen [darinn wöllest du nicht grübeln] / sonder was dir Gott gebeütet / dem tracht allweg nach / vnd biß in seinen wercken nit zuo fürwitzig / dann es ist dir nitt von nöten das du das verborgen mit deinen augen ansehist. Jtem also auch Paulus / Halte nieman hoch von jhm selb / vermässe sich keiner mer zuo wissen dann man wissen sol / sonder ein yegklicher wisse also / das er bescheyden sye vnd vernünfftig / nach dem vnd yedem Gott außgetheylt hat die maß deß glaubens. Daher auch das gehört / dz er an eim andern ort spricht / Dz wissen blaßt auff / die liebe aber buwet.

Besonders aber sol man sich hie hüetten vor denen üblen / die das wort Gottes ersteckend / vnd außlöschend in den hertzen der zuohörern / das es one frucht bleibt. Welche übel vnd prästen [gebrechen] der Herr fein außtruckt hat in der Parabel deß Säymanns. Dann erstlich so verderbend das wort Gottes / die eytlen vnnd schweiffenden bösen gedancken / die da allweg offen stond den einblasungen deß Teüffels / vnnd dem bösen geschwätz / vnnützer menschen. Darnach so mögend auch alle zärtling vnnd die dem wollust ergeben / vnd deßhalb von Christi vnd deß Euangelij wegen nichts leiden mögind / das wort Gottes nimmer mit rechter frucht hören / ob sie gleich dergleichen thuond als ob sie es mit fröuden hörind vnd auffnemmind. Jtem die sorg diser welt / vnd betrugliche der reichthumben / sind gantz verderbliche prästen [gebrenchen] an den zuohörern deß worts Gottes. Dann sie hinderend nitt nur den saamen deß worts in den hertzen das er nicht frucht bringt / sonder sie machend auch / dz einer anfacht dem wort Gottes widersprächen / vnd leyds zuofüegen denen die sich deß worts Gottes fleissend vnnd annemmend. Darumb wir hie fleißig wachen vnnd auffsehen müessend / das wir nicht durch semliche stuck verböseret [mit solchen stucken behaftet] / vergebne vnd vndanckbare zuohörer deß worts Gottes werdind. Wir müessend auch den güetigen vnd gnädigen Gott allweg empsigklich bitten / das er vnns sein heiligen geist verleihe / durch welchen der saamen deß worts Gottes in vnsern hertzen lebendig gemachet werde / auff das wir als rechte vnnd heilige zuohörer deß worts Gottes vil frucht bringind / vnnd das zum preiß Gottes vnd vnserer seelen ewigem heyl.

Dann was nutzte es / das wort Gottes hören / on glauben / vnd so der heilig geist Gottes nit innwendig inn vnseren hertzen wurckte? Der heilig Apostel spricht / weder der da wässeret noch der da pflantzet ist ettwas / sonder Gott der das wachsen gibt / darumb so ist das gedyen Gottes von nötten / das daß wort Gottes inn vnseren hertzen wachse / zuonemme / vnnd zuo rechter frucht kömme. Es spricht auch gedachter Paulus weyter / Es ist vns auch verkündet dz wort Gottes / gleich wie den vättern. Aber das wort der predig halff jnen nit / do der glaub nit darzuo gethon ward by denen die es hortend. Dann sie sind inn der wüeste gefallen. Vnd bald darauff / so lassend vns nun eylen einzekommen zuo diser ruow [ruhe] / vff das nit yemants falle mit gleichem exempel deß vnglaubens. Darumb wenn wir das wort ausserlich mit den oren hörend / vnd mit hinzuo der heilig geist sein krafft üebt in vnsern hertzen / das wirs mit waarem glauben annemmend / so hat das wort Gottes grosse krafft vnd würckung in vns. Dann es vertreibt die finsternuß der jrrthumb / thuot vns auff die augen / bekeert vnd erleüchtet vnsere gmüet / vnd vnderrichtet die selben volkommenlich in aller warheyt vnd Gottsäligkeyt. Dauon Dauid der heilig Prophet singt vnd zeüget / sprächende / das gsatzt Gottes ist vollkommen / bekeert die seelen. Die zeügknuß deß Herren ist waarhafft / vnd leert die vnberichteten weißheit / das gebott deß Herren ist rein vnd lauter / erleüchtet die augen. Es speißt auch das wort Gottes / sterckt / krefftiget / vnd tröstet vnsere seelen. Es widergebirt / reinigt / erfröwt vns / vereinbart [vereiniget] vns mit Gott / erlangets vns alles von Gott vnd macht vns sälig. Dz also keine

X. / 10a

güetter noch schätz der gantzen welt dem wort Gottes mögend verglichen werden. Vnd söllichs gebend wir dem wort Gottes nit zuo one grund vnd zeügnuß der heiligen geschrifft. Dann im Propheten Amos tröuwet Gott als die höchste straff / den hunger vnd durst / nit deß brotts vnd wassers / sonder deß hörens deß worts Gottes. Darumb stadt auch im gsatzt vnd im Euangelio / das der mensch nit allein im brot läbe / sonder in einem yeden wort das auß dem mund Gotes gadt. Vnd der Apostel Paulus spricht / daß alles das vns fürgeschriben / syge vns zur leer fürgeschriben / auff das wir durch gedullt vnnd trost der geschrifft hoffnung habind. Jtem Petrus / Jr sind widergeborn / nit auß sterblichem / sonder auß vnsterblichem saamen / namlichen durch das wort deß lebendigen Gottes / vnd der do bleibt in ewigkeyt. Das ist aber das wort / das durch das Euangelium zuo euch gebracht ist. Es zeüget auch der Herr im Euangelio vnd spricht / Jr sind yetz rein von deß worts wegen das ich mit euch geredt hab. Jtem er spricht auch / Welcher mich liebet / der wirt mein wort halten / vnd mein vatter wirt jn lieben / vnd wir werdend zuo jm kommen / vnd wonung by jm machen. Also auch Jeremias / dein wort ist mir zur fröud worden. Vnd David / die satzungen deß Herren sind billich / vnd erfröuwend dz hertz. Darzuo dienet auch dz der Herr im Euangelio gesprochen / so jr inn mir bleibend / vnd meine wort inn euch bleibend / was jr wöllend / das werdend jr begern / vnd es wirt euch widerfaren. An eim andern ort spricht der Prophet / wenn jr wöllend vnd hörend / so werdend jr das best im land niessen / so jr aber mein wort nit wöllend hören / so werdend jr vom schwert gefressen werden. Es erzelt auch Moses nach der vile vnd lenge Levit. xxvj. vnd Deut. xxviij.cap. wz guots darauß entstande / so man dem wort Gottes zuohört vnd volget. Darumb haltet auch Dauid dz wort Gottes höher dann alle wollüst vnnd schätz diser welt / da er spricht / Die forcht deß Herrn ist rein vnd steiff in ewigkeit / die vrteil deß Herren sind warhafft vnd gerecht / lustbarlicher dann die menge deß feinesten golds / vnd süesser dann honig oder honigwaben. Die haltet dein diener / dann wer sie haltet / dem wirt ein grosse widergeltung. Vnd dz gsatzt deines munds ist mir besser dann vnzalbar gold vnd silber. Vnd so dein gsatz nit mein wollust were / so were ich verdorben in meinem ellend. Dahar gehört auch die Euangelisch gleichnuß von dem der ein kostlichs pärle kaufft / Jtem von dem der da verkaufft alles das er hat / vnd ein acker darumb kaufft / in dem er wußt ein schatz verborgen sein. Dann disers pärle vnd diser schatz / ist dz Euangelium oder wort Gottes / wölches auch von seiner fürträffenliche wegen in der H. gschrifft etwan genent wirt ein liecht / fewr / schwert / ein hammer der die Felsen zerschlecht / ein schilt / vnd wz dergleichen zuonammen mer sind.

Also hat nun euwer lieb auff dißmal gehört / wie vnser getreüwer Herr vnd Gott / der da wil das alle menschen sälig werdind vnd zuo erkantnuß der waarheyt kömnmind / sein wort habe geoffnet allen menschen inn der gantzen welt / vnd aber darzuo vnd von deß wegen geoffnet / das mengklicher dardurch / er sye was standts / alters oder wäsens er wölle / die waarheit lerne erkennen / vnd berichtet werde der waaren säligkeyt / vnnd ein volkomne anzeigung habe / wie man wol vnd säligklich leben sölle / damit der mensch Gottes volkommen sye / zuo allen guotten wercken bereittet. Dann es hatt der Herr im wort der waarheit seiner kirchen alles das angeben / darinn das heil vnd alle Gottsäligkeit stadt. Ja alles das / das von nöten ist zewissen / von Gott / von seinen wercken / von seinen gerichten / von seim willen vnd seinen gebotten / Auch von Christo / vom glauben in Christum / vnd von allem dz zuo eim heiligen leben gehört / dz ist alles völlig in dem wort Gottes begriffen. Vnnd darff die kirch Gottes nit anderßwo har auß menschen satzungen zebättlen / oder etwas zuohin zeflicken / als ob dem wort Gottes etwz mangle / dann der Herr hat nit nur muntlich vnsere vordern durch

Xv. / 10b

die Apostel geleert alle Gottsäligkeyt vnd alles heyl / sonder hat auch verschaffet das söllichs in gschrifft käme / welches offenbar ist das es von der nachkommen wegen geschehen / das ist von vnser vnd vnser nachkomnen wegen / damit niemandt auß vns oder den vnseren verfüert wurde / oder yemand falsche angebungen für waarhaffte auffgeriben [fürgetragen] wurdind. Darumb sond wir vns alle hüeten / sollend wachen / vnnd vns allein an das wort Gottes das vns durch die Propheten vnd Apostel in der heiligen geschrifft gelassen ist / halten. Sollend vns auch nach allem vnsern vermögen fleissen / das wir mit glauben vnd frucht / wz vns vom Herren verkündt wirt / hörind. Lassend vns hinwerffen vnd vnder die füeß trucken / alle hindernuß der Gottsäligkeyt / die vns vnser eygen fleisch / die welt vnd der Teüffel einwerffen möchte / sittmalen wir wissend wölches die hindernussen sind vnd die vbel / dardurch der saamen deß worts Gottes in den hertzen der menschen verderbt wirt / auch darbey wissend / was krafft das wort Gottes bey glöubigen zuohörern hat. Darumb lassend vns Gott vnsern Herren anrüeffen vnnd bitten / das er sein heiligen geist inn vnsere hertzen giesse / damit durch dessen krafft vnnd würckung der saamen deß worts Gottes bey vns läbendig gemacht werde / vnd vil fruchts bringe zuo vnserer seelen heyl / vnd zum preyß Gottes vnsers vatters. Dem sye lob vnd ehr inn ewigkeyt / Amen.

3.Pr.Die Dritte Predig.

Von dem verstand vnd der rechten außlegung deß worts Gottes / auff was weiß vnd wäg das sölle vnd möge außgelegt werden.

Jch mercken geliebte brüeder vnnd verstan wol / das auß meiner leer von dem wort Gottes mancherley gedancken inn ettlicher hertzen entstond / ja das etliche auch gar vnuernünfftige reden hieruon außstossend. Dann es sind etlich die da meynend die geschrifft / das ist das wort Gottes / sye tünckler / dann das es von yeman mit frucht möge geläsen werden. Andere dann kämpffend dargegegen / das wort Gottes sye so einfalt von Gott dem menschen fürgelegt / das es keiner außlegung bedörffe / vnnd darumb vermeynend sie / es sölle die geschrifft wol von yederman gelesen werden / es möge aber ein yegklicher darbey jm selbs ein verstand fassen vnd schöpffen / den er meyne am rechtesten sein. Vnnd verdammend also hiemit den gmeynen brauch der kirchen / da ein diener der kirchen dem volck die geschrifft außlegt. Jch hoff aber ich wölle mit der hilff Gottes / so ewer lieb den Herren treülich darumb bittet / erzeigen / das die geschrifft den glöubigen nit tunckel syge / vnnd das gäntzlich deß Herren will syge / das wir die verstandind / demnach auch das die geschrifft müesse außgelegt werden / da ich auch anzeigen wil ein einfaltige [einfeltige] weyß vnd maß / wie die geschrifft sölle vnd möge außgelegt werden. Dadurch dann auffgehept mögend werden die ding die vns von dem läsen deß worts Gottes abziehend. Vnd wirt vns ob Gott wil also das lesen vnnd das zuohören deß worts Gottes dest heylsammer vnd dest fruchtbarer werden. Vnd erstlichen / das Gott wölle das sein wort von den menschen verstanden werde / mögend wir fürnemlich darauß abnemmen / das er in dem / vnd er mit seinen dienern geredt / ein gemeyne weiß wie auch die aller einfaltigesten gewon sind zuoreden [gewönlich reden] / gebraucht hatt. Es habend auch weder die Propheten noch die Apostel / die doch außleger gewesen vnd redner der höchsten vnd ewigen weißheyt / andre oder höhere weyß zuo reden gebraucht / ja so gar nit / das vnder allen denen so ye ettwas geschriben habend / keine funden werden / die so einfaltig vnd verstäntlich gschriben als sie.

XI. / 11a

Dann sie brauchend offt vnd vil gemeyne sententz vnnd sprüch / sprüchwörter / gleichnussen / parablen / gegensätz/ angemaßte beyspil / exempel / vnd dergleichen stuck / da nützit ist das den gemeynen verstand deß menschens mer bewege vnd baß leere. Es entstadt wol in der geschrifft etwas tünckle / ist waar / auß vnuerstand der art der geschrifft / vnd den figürlichen reden / auch auß dem vnderscheid vnd vngwone der spraachen. Aber dem mag allem wol geholffen werden / durch fleiß / üebung / treüw vnd wolgeüebte [erfarung] der außlegeren. Es spricht zwar auch der heilig Apostel Petrus / das in den Epistlen S. Pauli etliche ding schwers verstands syend / er setzt aber auch gleich hinzuo / wölche die vngeleerten / vnd leichtfertigen felschend / vnd biegend / wie auch die andern geschrifften zuo jrer eignen verdammnuß. Darauß wir fein sehend / das die heilig geschrifft / den vngelerten / vnerfarnen / vngeüebten / boßhaften vnd verderbten köpffen / nit frommen vnd fleissigen läsern oder zuohörern / dunckel / schwär vnd vnuerstäntlich ist. Darumb auch Paulus (da er spricht / Jst vnser Euangelium verdeckt / so ist es in denen die verloren werdend verdeckt / vnder wölchen der Gott diser welt verblendet hatt die sinn der vnglöubigen / das jnen nit schine die erleüchtung deß Euangelions von der klarheit Christi / wölcher ist die bildtnuß Gottes usw.) Jn wölchen worten er die schuld der dünckle nitt auff das wort Gottes / sonder vff die vngeschickten zuohörer legt. Darumb müessend wir / so wir begirig sind das wort Gottes recht zuo verstan / sorg haben / dz der Teüffel vnsere gemüeter nit behamle [einnemme] / vnd vns die augen verkleibe. Dann es hat auch vnser Heyland im Euangelio gesprochen / dz ist die verdammnuß / dz daß liecht kommen ist inn dise welt / die menschen aber habend die finsternuß mer geliebet dann das liecht. Wir läsend sonst niendert das die heiligen Propheten oder Apostel Gottes das wort Gottes oder die heilig geschrift finsternuß / vnd dünckle genennt habind / sonder vil mer ein heytere [klarheit] vnd ein liecht. Dauid spricht ye / dein wort ist ein kertzen meinen füessen / vnd ein liecht meinen wägen. Was ist nun offenbarers / dann das man in duncklen zweifelhafftigen sachen / die selben zuo erklären / niemand weißt zuo finsteren vngwissen dingen / sonder wz vngwiß vnd vnuerständtlich ist / das erleütteret man durch das das heyterer / klärer vnd verständtlicher ist. Wenn dann nun in glaubens händlen ein frag oder span entstadt / so ist yederman deß sinns das söllichs auß der geschriftft söll gericht vnd entscheiden werden / darauß dann volget / das die geschrifft lauter / klar / verständlich vnd gewissz sye.

Wiewol nun die heilig geschrifft vnd das wort Gottes heyter vnd klar / noch so erforderts ein glöubige vnd Christenliche außlegung / ja ein guote außlegung ziert das wort Gottes wol / vnnd bringt bey einem frommen zuohörer vil frucht. Sittmal aber vil sind die nicht wöllind das man die geschrifft außlege / so wil ich mitt vnwidersprächlichen exemplen anzeygen / das man sie ja außleggen sölle / dann Gott selb die wort deß gsatztes die er vor der gantzen gemeynd Jsraels geredt vnd inn zwo Tafelen geschriben hat / durch Mosen / mit dem er viertzig tag auff dem berg / vnd auch die viertzig gantze jar inn der wüeste vil gespräch gehebt / außgelegt hatt. Wölcher Moses auch ettliche büecher / besonders das Fünfft / geschriben hat als ein außlegung deß gsatzts Gottes. Auff den sind kommen die heiligen Propheten / wölche das gsatzt Mosis außgelegt / vnd es zogen auff die zeit / ort vnd personen / in deren / an dem / vnd mit denen sie gelebt / vnd habend auch jre predgenen gleich als vßlegungen deß gsatzts Gottes in geschrifft hinder jnen gelassen. Jm achten cap. Nehemie läsend wir / wie Esra der priester bracht habe dz gsatzbuoch Mosis für die gmeynd / beide männer vnd weiber / vnd alle dies verston kontend / vnd sye gstanden vff einem höltzinen grüst / namlich vff einer Cantzel / die sie zuo der sach gmacht hattend/ Da habe er dz buoch vffthon / vor dem gantzen volck / vnd die Leuiten sygend bey jm gestanden. Er aber habe

Xiv. / 11b

geläsen auß dem buoch / vnnd die Leuiten habind das volck geleert im gsatzt / das es auffs gsatz merckte / vnd das volck syge gestanden auff seiner statt. Also habend sie gelesen im buoch deß gsatzts Gottes offenlich / vnd mithin zuo näbend dem läsen auch den verstand außgelegt vnd erklärt. Das zeüget Nehemias. Da besich / wie die heiligen vnd treüwen diener Gottes / das wort Gottes nicht nur geläsen / sonder auch außgelegt habind. Disen brauch deß läsens vnnd außlegens der heiligen geschrifft deß worts Gottes / hat auch vnser Herr Jesus Christus als er in dise welt ist kommen / vnd yetzund als ein waarer Prophet / vnd himlischer leerer / ja ein leerer deß Nüwen Testaments vnd deß Christenthums sein volck leeret / weder abthon noch selbs vnderlassen / Dann wie er gehn Nazareth in die versamlung kam / stuond er auff das er läse / vnd es ward jhm geben das buoch Esaie deß Propheten / Do thet er das buoch auff / vnnd laß ein seer schöns ort auß dem lxj. capitel / thet do das buoch wider zuo / gabs dem diener wider / vnd legte das auß / das er vorgeläsen hat / vnd zeygt an / das dise weyssagung yetzund in jm erfült were. Deßgleich nach dem er wider von todten aufferstanden / vnnd sich füegt zuo den zweyen Jüngern die gehn Emaus giengend / Nach dem er vil vnd mancherley mit jnen geredt / huob er zeletst an von Mose vnd allen Propheten / vnd legt jnen auß inn allen geschrifften die von jm warend. Dem exempel deß Herren habend auch die heiligen Apostel gefolget / vnd habend auch sie das wort Gottes außgelegt. Dann Petrus legt im buoch der geschichten der Apostlen am andern capitel / den sechtzehenden Psalmen auß von der vrstände Christi von Todten. Also erklärt auch Philippus dem Fürsten auß Ethyopia gantz eygentlich die weissagung Esaie / vnd füert jn mit der selbigen zum glauben Christi vnd zur gemeynsamme der kirchen. Wer auch sagt das Paulus nit allenthalben die heilig geschrifft außlegge / der gibt damit zuo verstan / das er weder Pauli geschrifften noch thaten ye geläsen noch gesehen habe. Auß welchem allem ich hoff genuogsam erzeygt sein / das man das wort Gottes außleggen sölle.

Die sich aber dem außleggen der geschrifft so hefftig wider setzend / vnnd nitt wöllend das die diener deß worts vnd der kirchen offentlich die gschrifft erleütterind / vnd die auff yede zyt / ort / sachen vnd personen ziehind vnd applicierind / die suochend vil ein anders hierinn dann waare Gottsäligkeyt / dann sie läbend auch nit dermaß wie Gottsäligen leüten gebirt. Sie redend gottlose / vngebürliche / wüeste ding / vnd gond mit wüesten lastern vnd sünden vmb / vnd vmb sölichs werind sie gern vngestrafft / darumb wöltend sie das man die geschrifft nit außlegte. Dann wenn yemand allein die plossen wort der geschrifft läse / vnd nit zuge vnd applicierte auff die vmbständ der sachen / orten / zeiten vnd personen / so wurde er nit geachtet / das er wider jr Gottloß vnd lasterlich läben redte. Darumb so sie schreyend man söll das predigen vnd außleggen der geschrifft vnderlassen / vnd die geschrifft lautter on allen zuosatz lesen / so wöllend sie nichts anders darmit / dann das gantz gsatz Gotts ab jnen werffen / sich aller züchtigung vnd straff entschütten vnd on forcht sünden. Welche aber der grecht Richter zuo seiner zeit so vil übler straffen wirt / so vil fräfenlicher sie sich wider Gott yetz auffböumend.

Darnebend söllend aber alle diener der kirchen sich hüeten / das sie jren eignen anfechtungen hierinn nit platz gebind / vnd die heilig geschrifft mit jren außleggen nit felschind / vnd hiemit der kirchen jr eigen erdencken vnd nit Gottes wort fürtragind. Dann also gleichen jm gethon haben vorzeiten die leerer deß alten volcks / die der Herr im Ezechiel anklagt vnd spricht / Dunckt es euch klein sein dz jr die guote weid abetzend / müessend jr erst dz vbrig ewerer weid darzuo mit ewern füessen zerträtten? was es nit gnuog das jr die lauttern wasser trunckend / muoßted jhr erst das vberig mitt euweren füessen trüeb machen? Das ist ein grosse sünd /

XII. / 12a

wölche Gott nach seiner gerechtigkeyt auff das schwärest straafft. Darumb wie gemäldet / alle fromme außlegger vnnd treüwen diener Christi vnnd der kirchen sorg hand söllind / das sie die geschrifft vngefelscht behaltind / vnnd das rein lauter wort Gottes dem volck Christi fürtragind / Ja also söllend wir mit vmbgan das wirs erleütterind / nit verduncklind oder felschind mit vnsern vngereimpten zwungnen vnd lätzen [verkerten] außlegungen.

Nun ist es aber auch an dem das ich rede wie man die geschrifft vnnd das wort Gottes sölle außleggen. Da ich nun nicht reden wil von den spraachen / vnd dem wüssen der spraachen / oder von den freyen guoten künsten / die einem außleger der geschrifft gantz notwendig sind / sonder allein die gemeynen stuck vberlauffen. Da sol man nun zum ersten wissen / das ettliche ding inn der geschrifft vnnd wort Gottes so heitter werdend fürtragen / das sie keines außleggens bedörffend. Vnnd wer die ding lang wölte mit seinen außlegungen erleütteren / der thete gleich als wenn einer mitt liechtern vnnd facklen der Sunnen wölte helffen / das sie der welt dest heitterer schine. Was aber dermaß ist das es außleggens bedarff / das söllend wir doch nicht außleggen nach dem verstand vnsers gemüets / sonder nach dem verstand / sinn vnnd meynung / dessen von dem die geschrifft har kompt. Dann Sanct Peter spricht / daß die Prophetisch geschrifft nitt syge eygner außlegung / Dann die Prophecey sye nitt auß menschlichem willen herfür bracht / sonder die heiligen menschen Gottes habinds geredt / getriben von dem heiligen geist. Darumb so muoß man den sinn vnnd verstand deß worts Gottes auß der geschrifft selbs schöpffen / vnd nit auß vnserem guotduncken inn die geschrifft tragen. Darbey sind aber etliche reglen vnd anzeygungen zemercken / die wir kurtz durchgon wöllend.

Erstlichen / dieweyl der heylig Apostel Paulus wil / das die Prophecey abgange nach der gleichmäßige deß glaubens / wie stadt zun Römern am zwölfften / vnnd auch weytter spricht inn der anderen zun Corintheren / Dieweyl wir den selbigen geist deß glaubens habend / wie dann geschriben stadt / ich hab glaubt / darumb hab ich geredt / so habend wir auch glaubt / darumb so redend wir auch / So sol vns deßhalb das ein allgemeyne regel sein / das wir im außleggen der geschrifft nichts bringind noch einfüerind / oder von anderen eingefüert annemmind / das den articklen vnsers waaren Apostolischen glaubens oder anderen alten Symbolen oder bekanntnussen vngemeß vnd zuo wider sye. Dann wie auch der Apostel sagt / so vermögend wir nichts wider die waarheyt / aber wol für der waarheyt. Als so wir lesend im Euangelio Joannis den spruch deß Herren / Der vatter ist grösser dann ich / da söllend wir gedencken dz es den articklen deß glaubens zuo wider ist / ein vngleicheyt halten vnd zuolassen / zwischend der Gottheyt deß vatters vnd deß Suns / vnd das deßhalb der Herr inn denen worten ein anders verstanden habe / dann die wort so man sie ploß ansicht lautend. Jtem als da wir bey dem Apostel läsend / Es ist vnmüglich / das die so einmal erleüchtet sind / wo sie entfallend / das sie widerumb erneüweret werdind zuor buoß / da söllend wir nicht meynen / das denen so fallend die buoß vnnd besserung werde gantz abgeschlagen vnnd versagt / dann der allgemeyn glaub haltet / das allen menschen an allen orten vnd zuo allen zeyten / so lang die auff erden lebend / die sich zuo Gott bekeerend / verzeyhung aller sünden zuogesagt sye. Also auch so wir hörend / das der Herr brot genommen / vnd von dem geredt / Das ist mein leib. Da sollend wir eingedenck sein der articklen deß glaubens / die dem Herren zuogebend ein waren menschlichen leib / welcher auffgefaren zun himlen / sitzt zuo der grechten deß vatters / dannenhar er kommen wirt zuo richten die lebenden vnd die todten / Vnd söllend deßhalb gedencken / dz der Herr vom Sacrament geredt / vnd dz er wil dz man die Sacramentlichen wort / sacramentlich vßlege / nit

XIIv. / 12b

transsubstantialisch / das ist das daß wesen dardurch verwandlet werde. Deßgleichen / so wir auch läsend das der Apostel spricht / fleisch vnnd bluot werdind die erbschafft deß Reychs Gottes nicht erlangen / da sollend wir auß disen worten nit schliessen / das deßhalb vnser natürlich vnd substantzlich fleisch nit sälig werde / sonder wir sollend hafften auff dem artickel deß glaubens / der da lauttet / Jch glauben vrstände deß fleischs. Vnd söllend deßhalb durch fleisch vnd bluot verstan die anfechtungen vnd blödigkeyten / nit die natur vnnd substantz vnsers fleischs wie gemeldet.

Demnach so lesend wir auch / das der Herr im Euangelio zemmen lißt vnd setzt ein summ deß gsatzts vnd der Propheten vnd spricht / Du solt lieben den Herren deinen Gott / von gantzem deinem hertzen / von gantzer deiner seel / von gantzem deinem gmüet / das ist das erst vnd groß gebott. Das ander aber ist dem gleich / Namlich / lieb deinen nechsten als dich selb / Jn disen zweyen gebotten / hanget das gantz gsatzt vnd die Propheten / Matth. xxij. Von welcher worten deß Herren wegen der heilig Augusti. de Doctr. Christ. lib.1.cap.36. also spricht / Welcher sich dafür haltet das er die gantz geschrifft oder ein theyl der heiligen geschrifft verstande / vnd aber der selbig verstand nit dienet zuo erbauwung der liebe / beyde Gottes vnd deß nechsten / der verstadt es noch nit recht. Welcher aber auß der geschrifft ein sollichen verstand fasset / der zuo erbauwung der liebe nutz / ob er gleich nit äben die meynung trifft / die aber der gehept hett / der söllichs geschriben vnd den er lißt / so ist doch sein fäler vnschädlich / vnd redt nicht gar die vnwaarheyt / das sagt Augustinus. Darumb man sich sonderlich hüeten sol / das vnser außlegung nit diene zuo vmbkeerung der liebe / sonder das die dardurch gemeeret vnd pflantzet werde. Beyspil / Der Herr hat gesprochen / Jr söllend dem bösen nit widerston / Wenn wir nun wöltend meynen / die wort treffind auch die Oberkeyt an / so wurde die liebe vnd das heyl der vndergetruckten / auch aller schirm der begwaltigten gantz zerstört vnd auffgehept / dardurch dann alle mörder vnd bößwicht / röuber vnd vnglückmacher / witwen vnnd weysen / mitt sampt den armen vnuerhinderet vndertrucken wurdind / vnd wurde alle boßheyt regieren / oben ligen vnd im schwanck gon. Dieweyl nun söllichs heitter / so ist nit von nöten / das ichs mit mer exempeln erlüttere.

Weyter so ist im außlegen der geschrifft / damit wir den rechten vnd waaren verstand haben mögind notwendig zuo erwegen allweg / auß was anlaß ein yedes geredt werde / was vorgang / was nachgang vnnd volge / zuo was zeyt / wie / oder von was personen ein yedes geredt syge worden / dann auß dem anlaß / Jtem auß vorgenden vnd nachgenden sprüchen werdend gmeynlich die exempel vnd gleichnussen außgelegt. Vnd wenn einer nit eygentlich allweg in allen orten der geschrifft wol vnd fleißig acht hat / wie die wort geordnet sygind vnnd wie sie standind / so ist nit müglich das er nit weit vom rechten zweck jrre. Also hat Paulus gar eygentlich gemerckt auff die vmbständ der zeyt / dann darauß hat er geschlossen vnnd bewärt / das Abraham weder durch die beschneidung / noch durch das gsatzt syge gerecht gmachet. Dauon stadt Roma. am iiij. vnd zun Galat. am iij. capitel. Jtem auch da der Herr zuo Petro spricht / steck dein schwert in die scheiden / dann wer das schwert nimpt / sol mit dem schwert vmbkommen / da muoß man bedencken das S. Peter ein Apostel nit ein Oberer gewesen. Dann von der Oberkeyt lesend wir / das jhren das schwert zur raach befolhen sye.

Zuo dem allem dienet auch das wort Gottes außzuoleggen / das man fleißig ein ort gegen dem anderen halte / es syge die ort die ein anderen gleich oder vngleich sind / vnd da allweg die tüncklern durch die heittern / die wenigern durch die merern außlege. Als da der Herr spricht / Der vatter ist grösser dann ich / da

XIII. / 13a

sollend wir gleich gedencken / das er an eim andern ort spricht / Jch vnd der vatter sind eins. Jtem da der heilig Apostel Jacobus spricht / das Abraham vnd auch wir durch die werck werdind gerecht gmachet / da sol man andere vnd die merern sprüch auß dem heiligen Paulo dargegen setzen. Dise weiß die geschrifft außzeleggen lobt S. Peter da er spricht / Wir habend ein vestes Prophetisch wort / vnd jr thuond wol das jr darauff achtend / als auff ein liecht / das da scheinet in einem tuncklen ort / biß der tag anbräche / vnd der morgenstern auffgange in euwern hertzen. Vnd der alt leerer Tertullianus schreibt / das der kätzern vnd abtrünnigen / vnd nicht der rechtglöubigen art vnd gwonheyt sye / etliche ort auß der geschrifft außklauben / vnd auff jren verstand vnd sinn ziehen / darnäbend das ander lassen ston vnd nit ansehen / Also ziehind sie jnen auß ettliche zeügknussen / denen man glauben sölle nach jhr meynung / so gleich darnebend die gantz geschrifft darwider / vnd allwegen die wenigern ort nach den merern söllind verstanden werden.

Zum letsten so gehört auch das zuo einem außlegger deß worts Gottes / vnnd ist das aller best / ein hertz das Gott vnd Gottes ehr lieb habe / daß nit hoffertig vnd auffblasen / spaltungen vnd falschen meynungen auch bösen anfechtungen ergeben sye / sonder das vnabläßlich Gott anrüeffe vmb den heiligen geist / durch welchen die geschrifft angeben vnd eingeistet ist / Das auch der gebe rechte außlegung vnd verstand zum preiß Gottes vnnd wolfart der glöubigen. Es sol auch deß außleggers hertz brünnen von fleiß die tugenden zuo pflantzen / vnd alle laster zuo hassen vnd vnder zetrucken. Vnd besonders sol sich sein hertz vor deß arglistigen Teüffels rathschlegen hüeten / vnd die nienen [nirgends] zuolassen / damit er noch auff den hüttigen tag wie von anfang im Paradeiß / den verstand deß worts Gottes vnderstadt zuo felschen. Er sol auch nit volgen der menschlichen weißheyt / die dem geist Gottes richtig widersträbt. Vnd wenn dann ein guoter vnd getreüwer außleger deß worts Gottes söllichs thuot vnnd sölichen reglen nachgadt / ob er schon etwan nit gar zum zwäck scheüßt / vnd zum eygentlichsten den verborgnen sinn der geschrifft trifft / so wirt doch sein fäler weder verdammlich noch schädlich sein oder gehalten werden. Dann ob gleich ein anderer dem verborgneren / vnd eygentlichern verstand der geschrifft herfür brächte / so wirt er doch den vnvolkomnern verstand deß andern nit verdammen. Gleich wie auch der / der den vnvolkomnern verstand hat / nicht verwerffen wirt / den volkomnern vnd eygentlichern verstand deß anderen / sonder vil mer den mitt dancksagung erkennen vnd annemmen.

Das sye nun geredt von dem verstand vnnd außlegung deß worts Gottes / welches wie es Gott den menschen geoffnet vnd fürtragen / also wil er auch das es verstanden werde. Darumb soll niemand verzweiflen am rechten verstand der geschrifft / den zuo erlangen / von ettlicher dingen wegen die schwär darinn sind. Dann die geschriffte laßt zuo vnd mag wol leiden ein guote vnd rechte außlegung. Es ist das wort Gottes ein regel deß läbens / dienende allen menschen vnd allen zeitten / darumb sol es auch durch die außlegung auff alle menschen / vnnd alle zeitten gezogen werden. Dann auch Gott selb sein gsatzt das er auff dem berg Sinai geben / weytlöuffig durch Mosen außgelegt vnd auff dz volck zogen hat. So ist es auch den alten Propheten gmeyn gewesen / das gsatzt dem volck vor zelesen / vnd mit zuo gethoner außlegung auff sie zuo ziehen. Es hat auch vnser Herr Jesus Christus die geschrifft selb außgelegt / Deßgleichen auch die Apostel. Darumb so sol man ye das wort Gottes außleggen / vnd die es nicht wöllend außgelegt haben / die suochend nichts dann freyheyt zuo sünden. Wiewol aber die gschrifft / außlegung zuolaßt / so laßt sie doch nit ein yede zuo / dann menschliche außlegung verwirfft sie. Darumb wie die geschrifft auß dem geist Gottes

XIIIv. / 13b

geoffenbaret / also sol man auch die durch den selbigen außlegen. Da nun etlich reglen vnnd anzeygungen sind / wie man Gottes wort mit Gottes wort außlegen sölle / namlich / das die außlegung nicht sye wider die artickel deß glaubens / oder mit der liebe Gottes vnd deß nechsten streyte / sonder das sie syge vmbsichtig [wol bedacht] / vnd genommen auß vorgendem vnnd nachgendem / mitt fleißiger betrachtung aller vmbständen / vnd vergleichung andrer geschrifften vnd orten. Vorauß aber das daß gmüet vnd hertz deß außlegers Gottsförchtig sye / vnd begirig die tugenden zepflantzen / die laster außzereütten / vnd das es auch ernstliche vnd stäte gebätt zuo Gott thüege / das er vnsere hertzen erleüchten wölle / damitt sein namm in allem gelobt vnd prisen werde. Jm sye lob ehr vnd preyß in ewigkeyt / Amen.

 

4.Pr.Die Vierte Predig.

Von dem waaren glauben / wohar der kömme / vnd das er sye ein steiffe vnd gwüsse berednuß deß gemüets / vnd allein gründe auff Gott vnd sein wort.

Jnn der nächsten Predig hab ich anzeygt vnd geleert vnder anderen / das die waare vnd gesunde außlegung der geschrifft nit sölle der regel deß glaubens / noch der liebe Gottes vnnd deß nechsten zuo wider sein / dann wölcher verstand der geschrifft mit der regel deß glaubens vnnd der liebe streytet / kan vnd mag nit ein gesunder vnd rechter verstand sein. Vnnd darumb / so müessend wir yetz volgends auch reden von dem waaren glauben vnd von der liebe Gottes vnd deß nechsten / damit hie niemand nützit [nichts] mangle. Erstlich aber wöllend wir mitt der hilff Gottes / (vmb die jhr inn ernstlichem bitten wöllind) vom waarem glauben reden.

Das wörtli glauben streckt sich weyt inn dem gmeynen brauch zereden auß / dann es wirt etwan genommen für ein yede religion vnd Gottsdienst / als wie wir sagend / der Christen glaub / der Juden glaub / der Türckisch glaub. Demnach so wirt glauben auch genommen für ein meynung die do geschöpfft ist vß etwas [gewissen] reden / als so wir hörend etwas sagen von den Jüdischen oder Ethyopischen geschichten / dauon wir wol sagend wir glaubinds / setzend aber kein vertrauwen darein / verhoffend auch nützit [nichts] darauß zuo erlangen. Jn disem verstand / spricht S.Jacob glaube auch der Teüffel vnnd erzittere. Zuoletst / wirt glauben genommen für ein [festes] gwüsses vngezweiflets vertrauwen inn Gott vnd sein wort. Jnn der Hebreischen spraach hat der glaub den nammen har von der waarheyt gwüsse vnd bestand. Jn latin heißt er Fides, vom wörtlin fieri, das do heißt geschehen / darumb das es geschicht was da geredt wirt. Darumb jhener spricht / Jch frag dich ob du glaubist? du sagst / ich glauben / thuo das du sagst / so ists ein glaub. Darumb so vil vnser fürnemmen vnd handlung hie belanget / so ist der glaub ein vngezweiflets gwüsses vertrauwen.

Diser glaub nun der also ein gwüsses vngezweiflets wüssen vnd vertrauwen ist vnnd sich gründet auff Gott vnd auff sein wort / wirt auff mancherley weiß beschriben von den reineren [wahren] Theologis. S. Paul spricht / der glaub ist ein beständig wäsen der dingen die man hofft / vnd ein klare anzeygung der dingen die man nit sicht. Substantz oder hypostasis / welchs wörtli Paulus hie braucht / heißt ein vesten grund oder pfimment [fundament] / darauff wir vns lassend vnd darauff gwiß vnd sicher vertrauwend. Die ding die man hoffet / sind die himmlischen ewigen vnsichtbaren ding. Darumb spricht Paulus / der glaub sye ein vnbewegts / beständigs / gwüsses vertrauwen deren dingen die Gott verheissen / namlich deß

XIIII. / 14a

ewigen lebens vnd aller güetern. Vnd sölliche beschreibung deß glaubens erleüteret Paulus selb mit dem das er gleich darauff setzt: vnd ein klare anzeigung der dingen die man nit sicht. Dann argumentum oder elenchos ist ein heyttere gewisse anzeigung / beweisung vnd erklärung mit deren wir lauter vnd heiter ein ding erzeigend / darin sonst ein zweifel were / also dz der / dem wir söllichs wöllend zuo verstan geben / kein zweiffel mer daran hat. Nun mögend aber die geheymnussen Gottes / die in dem wort Gottes außtruckt sind / an jnen selbs in jrer natur vnd eygenschafft mit leiblichen augen nit gesehen werden. Darumb werdend sie genennt die ding die man nit sicht. Dise ergreifft aber der glaub durch erleüchtung deß gemüets im hertzen / wie die im wort Gottes fürgestelt werdend. Darumb so ist der glaub nach der beschreibung Pauli / ein heiters anschowen vnd sehen deß gemüets / vnd gwüsse begreiffung deß hertzens / der vnsichtbaren / das ist / der ewigen dingen / namlich Gottes / vnd alles dessen / das er vns von seinen Göttlichen händlen in seinem wort fürstellt. Auff dise beschreibung Pauli habend auch gesehen alle die / so den glauben also beschreibend. Der glaub ist ein berednuß [beredung] Göttlicher dingen / wölchen wir mit sölichen gedancken nachtrachten söllend / von der gwüsse wegen der zeügknussen so darinn sind / das wir glaubind / wir sehind sie nit minder mit dem gemüet / dann wir mit den augen aussere / sichtbare vnd sinnbegreiffliche ding sehend. Diser bschreibung ist nit vngleich auch dise / mit welcher ein besonders frommer vnd geleerter man den glauben beschreibt / namlich / Der glaub ist ein steiffe berednuß deß gmüets / da wir bey vns selb vest haltend / das Gottes warheit so gwiß sye / das er nit möge nit halten alles was er zuo thuon inn seinem heiligen wort versprochen vnd zuogesagt hat. Jtem / Der glaub ist ein steiffe gwüssenheit der gwüßne [gewissheit deß gewissen] / die Christum also ergreifft / wie vns der durch das heilig Euangelium angebotten wirt. Es ist auch ein anderer der gar nach auff gleiche weiß den glauben also beschreibt. Der glaub ist ein gab von Gott / inn das gemüet deß menschen eingegossen / mitt deren er on alles zweiflen glaubt waarhafft sein alles das vns Gott durch beyder Testament büecher angegeben vnd verheissen hat. Diser streckt mit seiner beschreibung den glauben auff die vergangen / gegenwirtig vnd auch zuokünfftig zeit / leerende namlich / dz man glauben sölle / das die welt von Gott erschaffen / vnd das waar syge alles das die heilig gschrifft von den alten zeiten mäldet. Jtem das Christus für vns gestorben / vnd das der sye das einig heyl deren die glaubend. Demnach dz eben von dem selbigen Gott auch noch auff den hüttigen tag die wält vnnd kirchen geregiert / vnd die glöubigen in Christo sälig gemacht werdind. Vnd zuo letst / das auch gwüßlich widerfaren werde beyde den Gottlosen vnd den frommen alles das / das die heilig geschrifft jhenen tröwt / denen aber verheißt.

Auff dz wir nun sölichs alles eygentlich bedacht / so mögend wir yetz darauß den glauben nach der gschrifft also beschriben. Der glaub ist ein gaab Gottes / den menschen von oben herab eingeben / dadurch er vnderrichtet sich mit vngezweifelter berednuß vnd vertrauwen auff Gott vnd sein wort verlaßt / durch welches wort vns von Gott in Christo dz leben vnd alles guots auß gnaden on verdienst verheissen / vnd alle waarheyt die man glauben sol fürgestellt wirt. Wölche beschreibung wir nun volgends außleggen / vnd von stuck zestuck mit Gottes hilff erklären / vnd mit zeügknussen der H. gschrifft bewären vnd erleüteren wöllend. Jr wöllind allein wie bißhar fleißig auffmercken / vnd mithinzuo jmmerdar inn euwern hertzen Gott vmb sein gnad anrüeffen.

So wirt nun erstlich hie die vrsach vnd der vrsprung deß glaubens keinen menschen / noch keines menschlichen krefft zuo geben / sonder Gott selb / der den glauben durch den H. geist in vnsere hertzen eingeüßt vnd gibt. Dann der Herr spricht im Euangelio / Nieman kumpt zuo mir / es sye dann dz jn mein vatter ziehe. Jtem

XIIIIv. / 14b

zuo Petro als der jnne Christum sein mit waarem glauben bekannt / sprach er / fleisch vnd bluot hat dirs nit geoffnet [geoffenbaret] / sonder mein vatter der in himmlen ist. Darauff auch der H. Apostel redt do er spricht / Wir sind nit gschickt von vns selbs etwz zuo gedencken als vß vns selbs / sonder all vnser gschickligkeit ist vß Gott / Jtem / üch ist es gegeben / nit allein dz jr in Christum glaubind / sonder auch von seintwegen leidind. Darumb so gibt Gott den glauben in vnsere hertzen / der alles guoten ein brunn vnd vrsprung ist.

An welchem ort man aber auch bedencken muoß / das Gott zuo dem schencken vnd eingiessen deß glaubens nit allweg sein plosse [blosse] krafft braucht / vnnd söllichs on mittel wunderbarer weiß thuot / sonder er braucht mittel vnnd ordnung die den menschen bequem / wiewol er auch on die mittel / den glauben geben mag / wäm / wenn vnd wie er wil. Er hat aber von anfang der wält har dise ordnung braucht / das welchen er hat wöllen den glauben mittheylen / denen hat er leerer geschickt / die da mit dem wort Gottes den waaren glauben lartind [lehreten]. Nit das es an deß menschen gwalt / willen oder dienst stande yemant den glauben zegeben / oder das daß ausser wort so von eim menschen verkündet wirt / für sich selb den glauben mit jm bringe / sonder deß dieners stimm vnd dz verkündt wort Gottes / berichtend die menschen welches der waar glaub sye / vnd was Gott gebiete vnd haben wölle das man glaube: Gott aber thuot allein die hertzen auff / vnd treibt das gmüet durch den heiligen geist / den er in die hertzen vnd gmüeter der menschen herab laßt / der machet das wir von gantzem hertzen das glaubind / das wir auß der vnderrichtung seines worts zuo glauben sein verstanden habend. Also hette der Herr wol mögen dem Cornelio dem Hauptman zuo Cesarea die mit dem zuonammen genennt wirt Stratonis / den glauben inn Christum on alles ausser predigen / von himmel herab vnd wunderbarer weiß geben vnd mitteylen / das thuot er aber nit / sonder weiset jn durch ein Engel zuo der predig S. Peters. Vnd dieweil Petrus prediget / do würcket Gott in dem gmüet Cornelij / durch den h. geist dz er der predig glaubt. Darumb auch S. Paul. spricht / wie wöllend sie dem glauben von dem sie nichts gehört / wie wöllend sie aber hören one Prediger / wie söllend sie aber predigen / wo sie nicht gesendt werdend? So kumpt nun der glaub auß dem gehör / das hören aber auß dem wort Gottes. Jtem an einem andern ort spricht er auch / wer ist Paulus / wer Apollo / dann diener / durch wölche jhr sind glöubig worden / vnnd das nach dem der Herr einem yeden gegeben hat? Jch hab gepflantzet / Apollo hat gewässeret / aber Gott ist der das wachsen gegeben hat. So ist nun weder der da pflantzet etwas / noch der do wässeret / sonder Gott der das wachsen gibt. Mit diser leer S. Peters vnd S. Pauls / stimpt das Augustinus schreibt inn der Vorred der büecheren de Doctr. Christiana, da er spricht: Was man von menschen lernen sol / das lerne ein yeder one stoltz von den menschen / vnnd lassend vns den nit versuochen dem wir glaubend / auff das wir nit betrogen werdind / vnd etwan nit gon wöllind zuo der gmeynd gehn hören / oder vber die büecher gehn läsen / sonder also warten wöllind / biß wir inn den dritten himmel verzuckt werdind. Wir söllend vns hüeten vor söllichen hoffertigen versuochungen / vnd vil mer gedencken / das der heilig Apostel Paulus der doch von himmel herab nider geschlagen / berüefft / vnd vnderricht ist / nütdestminder zuo einem menschen vnd diener geschickt worden ist. Vnd Cornelius / dessen gebätt doch vom Herren erhört / ist Petro vbergeben zuo vnderrichten / nit nur das er die Sacrament von jhm empfienge / sonder das er auch von jhm horte vnd lernete was er glauben / hoffen vnd lieben sölte / das doch alles durch den Engel hette mögen geschehen / usw. Er spricht auch in der Epistel ad Circenses, Der würckt vnnd machet die bekeerung / der durch seine diener aussenfür mit zeichen erinneret / innwendig aber durch vnd von jm selber / mit den waaren dingen selbs leert. Jtem im sechs vnd zweintzigsten Tractat / vber Joannem

XV. / 15a

spricht er / Was thuond die menschen / so sie ausserlich predigend? Ja was thuon ich yetz dieweyl ich reden? Jch tragen ein gethön der worten in ewere oren. Wo aber der / der da jnnen ist eüch nit erleüchtet / was ist mein sagen vnd reden? Der den baum pflantzet / ist der ausser / der Schöpffer aber der jnner usw. dz sagt Augustinus.

Wie aber nun der Herr erforderet / das wir seinem wort glaubind / dann auch der Prophet schryet vnd spricht / Hüt so jr sein stimm hören werdend / so verhertend ewere hertzen nit / Also erfordert er auch von allen zuohörern seines worts / das wir im gebätt nicht hinläßig sygind / dann wenn wir das wort Gottes hörend / so söllend wir bitten vmb die gab deß glaubens / dz der Herr vnsere hertzen auffthüeye / vnsere seelen bekere / die hertigkeyt vnsers gemüets bräche vnd lindere / vnnd so er vns den glauben geben / das er den auch alle zeyt bey vnns wölle meeren. Exempel diser gebätten sind vil in der heiligen geschrifft / als da der Herr im Euangelio einen fragt / Magst du [Kanstu] glauben / dem glaubenden ist es alles müglich / Antwortet er / Jch glaub Herr / aber kumm zehilff meinem vnglauben / So rüeffend auch die Apostel den Herren an vnnd sprächend / Herr meer vns den glauben. Wiewol das gebätt auch selb / mit dem wir bittend das vns Gott den glauben geben wölle / auß der gnad vnd gaab Gottes / nitt auß vnser eignen gerechtigkeit (die vor Gott nichts giltet) kompt. Darumb so volget gewiß vnd vngezweiflet / das der waar glaub ein lautere gaab Gottes sye / wölche von oben herab geben wirt in vnsere hertzen durch den heiligen geist / wirt vns aber fürgehalten in dem wort der warheit durch die leerer / so von Gott gesandt / vnd wirt erlanget durch vnabläßlichs vnd einbrünstigs gebätt. Darauß wir dann lernen söllend / das wir das wort Gottes vil vnnd fleißig hörind / vnd one vnderlaß bättind / auff das wir waaren glauben von Gott erlangind.

Das aber der glaub so vns von oben herab geben / vnnd auß dem wort der waarheyt geschöpfft wirt / das hertz deß menschen gwiß vnd sicher mache / das ist / das wir vest vnd one alles zweiflen vnd hindersich sehen die ding glaubind / die wir dann auß grund deß worts Gottes glaubend / vnnd gewiß sygind / das jmm allem also syge / wie dann der glaub söllichs glaubt / so wöllend wir söllichs erleütteren mit dem exempel deß glaubens Abrahe / wölches der heilig Apostel Paulus mit disen worten beschreibt zun Röm. am vierten Capitel / Vnnd Abraham hatt glaubt auff hoffnung da nichts zehoffen was / vnnd er ward nicht schwach im glauben / nam auch nicht war seines eygnen leybs / wölcher schon außgestorben / dieweyl er fast hundert järig was / auch nicht deß außgestorbnen leibs der Sara. Dann er zweiflet nit an der verheissung Gottes durch vnglauben / sonder ward starck im glauben / vnd gab Gott die ehr / vnd wußt vffs aller gwissest / dz der / ders verheissen hat / auch halten möchte. Jn wölchen worten deß Apostels / wir etliche heitere anzeigungen vnd notas [-] habend / darinn wir sehend / dz der glaub / eins glöubigen menschen hertz vnd gmüet gantz gwiß machet vnd versicheret / vnd dz deßhalb der glaub ein wissenthafft vngezweiflets vertrauwen ist deren dingen die man glaubt / dz ist / dz der glaub nit ein schwäbends vnd fliegends ding ist in eins menschen gmüet / oder vnstät vnd wanckelbar / sonder dz er in Christum tieff eingwurtzlet / vest haffte in einem erlüchteten gmüet. Die anzeigungen vnd gmerck müessend wir wol mercken vnd behalten. Dann es spricht der Apostel zum ersten / Abraham hat glaubt auff hoffnung / da nützit zuo hoffen wz / dz ist / er hat in dem ding steiffe hoffnung gehebt / da aber nach der welt zerechnen nur nützit zehoffen wz. Hoffnung aber ist ein vests vngezweiflets warten vff die ding die wir glaubend. Darbey wir sehend / dz der h. Apostel den glauben erlütert mit dem wörtli Hoffnung / vnd durch die gwisse der hoffnung die sicherheyt deß glaubens außtruckt. Darnach setzt er weiter drauff / Abraham ist nit schwach worden im glauben / vnd hat nit zweiffelt an der verheissung Gottes durch vnglauben / sonder ist starck worden im glauben.

Xvv. / 15b

Zweyerley zweifels ist im menschen / Einer / da der mensch vberwunden durch trüebsal vnd widerwertigkeyt verzweiflet / vnd der verheissungen Gottes nit war nimpt / oder sie verachtet. Ein sölcher zweifel wz in den zehen vßspähern deß glopten lands / von denen stadt Num. xiij. xiiij. Der ander zweifel / ist ein schwacheit deß glaubens / wölcher auch versuocht wirt / vber dz (deß ich doch gschweigen wil) daß vns allen von natur har ein mißtrauwen anerborn ist / vnd deß menschen hertz so wol nimmer erleüchtet oder befestnet wirt / das jm nit jmmerdar etwz vnwissenheit vnd zweifels aufgrolle [anfechte]. Der glaub aber widerstat der versuochung / versinckt vnd gstecket nit in dem zweifel / sonder ergreifft dz verheissen wort der warheyt / vnd entschüttet sich darmit deß zweifels [reisset sich mit gewalt auß dem zweifel] / vnd wirt auch dardurch wider bekrefftiget. Also findend wir / dz by der verheissung Gottes Abraham auch sölliche gedancken gehebt / sölte dir hundert järigen ein sun geboren werden? Sich dz was schon die blöde / der zweifel vnd die schwacheit deß glaubens. Da wil aber yetz der Apostel preisen den starcken vnd obligenden glauben Abrahe / vnd vns leeren / wie der waar glaub gstaltet sey / dz er namlich ein gwisses vests wissen sey / darumb spricht er / Abraham aber ward nit schwach im glauben / nam auch nit war seines eignen außgestorbnen leibs / dieweil er yetz gar nach hundert jar alt wz / auch nit deß vßgestorbnen leibs Sare usw. Sihe / Abraham gedacht wol in seim hertzen / sölte dir hundertjärigen ein sun geboren werden? Aber nütdestminder wirt er nit schwach im glauben. Sein glaub fieng drumb von der versuochung wegen nit an laß werden vnd abnemen / dann er sach nit auff sein eigne schwachheit / vnd vff die ding die der verheissung Gottes in jm vngleich sahend / woruff dann? vff die verheissung Gottes an deren er nit zweifelt durch vnglauben / dz ist ob jn schon der vnglaub versuocht vnd anfacht / so gab er jm doch nit statt / er rechnet vnd forschet jm nit sorgfältigklich nach / wie die thuond die einer sach nit vertrauwend / sonder er satzt jm in seim gmüet für die Göttlich verheissung / hanget an deren vnbeweglich / vnd schluog vß alles zweiflen vnd alles sorgen / dann dz ist deß glaubens art / dz er nit sicht vff die blödigkeit vnd arbeitsäligkeit die allen menschen anhanget / sonder er sicht vnd verlaßt sich vff die Göttlich krafft. Vnd also ist Abraham starck worden im glauben / dz ist er hat vberhand genommen / vnd ist in der versuochung obgelegen / dann dz wirt dem entgegen gsetzt / dz er doben gsprochen / vnd er ist nit schwach worden im glauben. Nun volgt aber in den worten deß Apostels weiter / Vnd Abraham gab Gott die ehr usw. Mit dem namlich / dz er glaubt / dz Gott den menschen wol wölte / warhafft vnd allmächtig were. Dann der gibt Gott die ehr / der da Gott zuogibt dz Gottes eigenschafft ist vnd jm zuoghört / der auch dem wort vnd der verheissung gottes glaubt vnd nit widerspricht. Dann darumb spricht der h. Apostel Joannes / wer Got nit glaubt / der macht Gott zum lugner / Darumb so hat Abraham Gott glaubt / vnd mit disem glauben Gott die ehr geben. Deßhalb stadt auch in den worten deß Apostels gleich drauff / vnd wußt vffs aller gwissest / oder / wz dessen gwiß beredt / dz der jms verheissen hat / dz ers auch möchte halten. Da braucht Paulus in der Griechischen sprach / dz wörtli plêrophorêtheis, dz ist als vil als wenn du sagst / vergwißt / dann plêrophoreô heißt / ich machen ein eins dings gwiß. Dahar ist plêrophoria ein gwisser glaub / der mitt wissenthafften sachen vnd gründen bewert ist / vnd plêrophorêma ist / wie wir sagend / vergwissung / da wir eins dings also gwiß im hertzen jnnen beredt vnd vergwißt sind / das wir nützit daran zweiflend. Darumb so hat der glaub Abrahamen vergwißt / vnd vngezweiflet versichert / also / dz er gantz nit zweiflet / dann dz Got halten möchte vnd wurde wz er zuogsagt hat / darumb hat er sich mit vestem glauben vnuerruckt vff die verheissung Gottes gelassen / vnd eigentlich gwißt / dz er erlangen wurde dz / daß jm Gott zuogesagt. Auß wölchen worten deß Apostels nun gnuogsam bewert ist / dz der war glaub ein vngezweiflets wissen in dem gmüet deß glöubigen sey / dz es namlich alles also sey / wie wirs glaubend / vnd wie es in dem heitern

XVI. / 16a

wort Gottes außgetruckt wirt. Dahar wir dann auch lernend / das der glaub nit ein schwäbende fräfne [leichtfertige] vermessenheit ist / die ein yegklich groß vnd vnmüglich ding glaube / dann der glaub hanget vnd hafftet am wort Gottes / ja am wort Gottes / dz da recht vnd wol verstanden wirt. Dann der fromm [ein Gottsförchtiger] vnd glöubig glaubt nitt ein yetlich ding darumb das Gott allmächtig ist / gleich als ob Gott alles thüe / darumb das er alles mag / oder das man alles glauben sölle / darumb das gschriben ist / dem glöubigen sind alle ding müglich / Sonder der glöubig glaubt darumb / daß das / daß er glaubt / also wie ers glaubt im wort Gottes fürgestellt vnd erleüttert ist. Darzuo / da der Herr im Euangelio spricht / dem glöubigen sind alle ding müglich / söllend wir söllichs nit einfaltig von allen dingen verston / sonder von denen die da mit dem wort vnd willen Gottes stimmend / die auch zuo Gottes ehr vnnd vnser seelen heyl dienend. Dann die ding alle wie gmeldet / die Gott inn seim wort verheissen / vnd haben wil / vnd die da dienend zuo seiner ehr vnd zum heil vnserer seelen / die sind dem glöubigen müglich. Darumb auch der Apostel so lauter vnd heiter sagt / wz Gott verheißt / dz möge er auch halten / dann wz er nit verheißt / wz nit seins willens ist / wz mit seim wort vnd willen streittet / dz mag er auch nit / Nit dz er nit alles möge / sonder dz er nit alles wil. Es möchte Gott auch auß den steinen brot machen / darumb ist aber nit zuo glauben / dz die stein brot sygind. Sie sind auch nit darumb brot / dz Gott alle ding vermag / wölchs wir aber hernach baß [besser] vnd eigentlicher werdend verstan / *so ich bald hernach anzeigen wird / dz der waar glaub nit ein schwäbends vnd schweiffends ding sey / sonder vestigklich haffte vnd gründe auff Gott vnd sein wort.*[-] Jch muoß aber vorhin (dieweil ich auß der zeügknuß Pauli vnd dem exempel Abrahams anzeigt hab / *dz der glaub ein beständigs wäsen / ja ein vngezweifelts wissen deß gmüets sey / vnd aber vil sind die da fürgebend der mensch sey seines heils nit gwiß /)*[was die rechte vnd ware eigenschafft sey deß Glaubens der außerwelten] etliche exempel hinzuosetzen vß dem Euangelio / vß wölchen man eigentlich sehen möge / dz der glaub ein [solch] vests vnd beständigs wäsen sey / ja ein befestnete satte meynung von Gott vnd vnserm heil. Deß habend wir erstlich ein exempel / an dem Euangelischen Centurione vnd Hauptman / der hat ein veste zuouersicht gefasset / sein knecht wurde vom Herren gsund gmacht werden / dann er hat verstanden wz grosser fürtreffenlicher dingen er denen zuosagte die in jn glaubtind. So nam er auch vß den wercken Christi wol ab / dz es jm nit schwär sein wurde seinem knecht zuohelffen. Darumb so füegt er sich zum Herren / vnd vnder anderm / sprach er / Jch bin nit wert das du vnder mein tach gangist / sonder sprich nur ein wort / so wirt mein knecht gsund usw. wölche wort bezeügend / dz in dem hertzen vnd gmüet dises Hauptmans ein gwisse berednuß gwesen ist / der gwissen hilff. Wölchs er auch völliger erklärt vnd außtruckt durch *ein Collation / vnd gegensatz* [ein gleichnus] / sprächende / Dann ich bin ein mensch / eins andern gwalt vnderworffen / vnd hab vnder mir kriegsßknecht / noch wenn ich zuo einem sagen / gang hin / so gadt er / vnd zum andern kumm här / so kumpt er / vnd zuo meinem knecht / thuo dz / so thuot ers usw. Wölche gwisse deß gmüets / do sie der Herr sach vnd gspürt auß disen glaubreichen worten / antwortet er jm bald vnd bezeüget / das er im gantzen Jsrael söllichen glauben nit funden habe. Also preyßt auch der Herr im Euangelio den glauben deß weybs / das mit jhr kranckheit so lange zeit schwärlich beladen wz gewesen / wölcher glaub / dz er ein vngezweiflets wissen vnd veste berednuß deß erleüchteten gmüets gewesen sey / man auß dem abnemmen vnd verston mag / das nach dem vnd sie bewegt wz durch die werck vnd leer deß Herren / sie bey jren selbs also beschloß / das wenn sie nur sein kleyd wurd mögen anrüeren / so wurde sie gsund werden / darumb so tringt sie auch hinein mit gwalt durch alle enge [alles volck] biß sie zum Herren kumpt. Aber was wil ich vil exempel einziehen / so doch deß einigen Cananeischen weiblins glaub vnwidersprächlich bezeüget vnd anzeigt / dz der glaub ein gwisses wissen vnd berednuß

XVIv. / 16b

sye der dingen die man glaubt? Dann ob schon der Herr sie stan ließ vnd als vil als verachtet / schwancket sie doch nit im glauben / sonder volget dem Herren nütdestminder nach / vnd ob sie gleich auch vom Herren hort dz er allein den verlornen schaafen deß hauß Jsraels gsennt were / fart sie doch für vnd bättet jn an / vnd ob sie wol vber dz alles auch verstossen / vnd die schnöde schmach empfieng als wäre sie ein hund / noch dennocht fiel sie vor dem Herren nider / vnd hofft noch von jm jr begeren zuo erlangen. Da sie so beständigklich nit wurde verharret haben / wenn nit der glaub ein sichere vergwißigung were in dem hertzen vnd gmüet deß glöubigen. Darumb auch der Herr durch söllichen glauben bewegt / schryet vnd spricht O weyb / groß ist dein glaub / dir gschech wie du wilt. Vß wölchen zügknussen allen der h. gschrifft / nun offenbar ist / dz der glaub ein gwisses vngezweiflets wissen vnd satte [volkommene] berednuß ist im hertzen vnd gmüet deß glöubigen. Vff dz wöllend wir yetz aber auch bsehen / warauff deß menschen glaub gründe / Daruß dann auch offenbar wirt werden / dz der glaub nit ein eitler vnd schweiffender won ist eins yetlichen dings dz jm der mensch von jm selbs in seim hertzen fürnimpt / wie wir doben daruon hattend angfangen reden / sonder dz er in gwisse ding einzilet vnd eingschlossen ist. Da habend wir nun doben in der bschreibung deß glaubens anzeigt / dz der glaub sich lende [lenke] vnd gründe vff Gott vnd sein wort. Vnd ist deßhalb Got vnd dz wort Gottes deß waren glaubens grundtfeste / dann es muoß ye dz ein beständig vnd vest ding sein / darauff der mensch sich sicher vnd gwiß verlassen sol vnd mag / vnd dz do sälig machen / erhalten / vnd alle völle vnd gnüege geben vnd zuodienen mag / dann die ding suocht vnd erfordert der glaub. Die werdend aber vssert Got nienen funden / darumb volget dz der war glaub vff den einigen Got sich lende vnd verlasse. Dann Gott ist ewig / volkommenlich / guot / weiß / gerecht / gwaltig vnd warhafft / welchs er dann in seinen wercken vnd worten erzeigt vnd bezeüget. Darumb wirt er auch in Propheten genennt ein starcker vnd vnbewegter felß / ein schlossz / maur / turn / vnüberwintliche veste / schatz / vnd vnerschöpffter brunnen. Welcher ewig Gott alle ding vermag / alles weißt / allthalben zuogegen ist / die menschen treffenlich liebet / sie versicht mit aller notturfft / vnd alle ding regiert. Darumb dieweil der glaub ein zuouersicht vnd vertruwen ist von dem guoten willen gotes / von seiner hilff vnd bystand in allen nöten / vnd von der waren säligkeit deß menschens / so lendet [lencket] er sich auch allein vf Gott / vnd mag sich vff keine creaturen verlassen / dieweil in den selbigen die ding nit sind / die aber der war glaub suocht vnd han wil. Wie aber Gott warhafft ist / vnd nit liegen mag / also ist sein wort warhafft vnd betriegt nieman. Durch dz wort wirt der will vnd art gottes vßgetruckt / darumb so sicht vnd buwt der glaub auch vf dz wort Gottes / von wölchem der Herr im Euangelio gsprochen hat / himmel vnd erden werdend zergon / aber mein wort wirt nit zergon. Da wirt Gottes wort vergleicht mitt den aller fürnemsten vnd stercksten elementen / nit mit dem lufft oder wasser / wölchs bewegliche vnstäte element sind / sonder mit dem himmel / welcher ob er gleich auch sein lauff vnd bwegnuß hat / so hat er doch seinen wunderbaren gwissen vnd bstimpten lauff / vnd ist alles vest wz daran ist / Jtem mit der erden / wölche dz aller vestest vnd vnbeweglichst element ist. Darumb wenn es ringer [leichter] ist / dz dise vnauflößliche ding vffglößt werdind vnd zergangind /dann dz Gottes wort zergange / so volget daruß / dz nichts sterckers / vnbeweglichers / vnwandelbarers sey dann dz wort gottes. Darumb auch der Herr by dem Jeremia spricht / Mag auch mein punt den ich mit tag vnd nacht gmachet hab krafftloß werden / dz es nit tag vnd nacht zuo seiner zeit sey / so mag auch kraftloß werden mein punt den ich mit Dauid meinem diener gmacht hab. Nun möchte aber die gantz wält nit zwegen bringen / so sie gleich all jr krafft vnd stercke zesamen thete / dz es tag were / so es nacht ist / ja dz es einer stund ee tag wurde dann es Gott geordnet / Darumb so vermag sie auch nit / ja der gantz vmbkreiß der erden mit aller seiner krafft vnd allem pomp [pracht] / kan vnd mag nit ein einigs pünctli im wort vnnd inn der waarheyt deß worts Gottes / schwecheren / brächen / änderen oder auffheben. Darumb so muoß ye der glaub

XVII. / 17a

dieweil er sich so vff ein vest vnbewegt ding verlaßt ein vngezweifflets wissen vnd vertruwen sein. Sitmals nun dz wort Gottes / deß glaubens grund vnd fundament ist / so mag er deßhalb nit vnstät vnd schweiff sein / vnd sich auff ein yetlich ding lenden. Dann es mag nit ein yeder won / der do aussert dem wort Gottes / oder wider dz wort Gottes geschöpfft vnd gefasset ist / ein warer glaub genennt werden. Darumb auch der H. Apostel Paulus den waren Christenlichen glauben nit hat wöllen gründen oder bauwen auff einige fleischliche gründ vnd stützen / oder auff won der menschen / sonder vff die warheit vnd krafft Gottes. Dann dz sind seine wort mit denen wir dises ort beschliessen wöllend / Der glaub ist auß dem gehör / dz gehör aber auß dem wort Gottes / auß dem wort Gottes spricht er / nit vß dem wort der menschen. Vnd zuo den Corinthern / Mein wort vnd predig wz nit in hüpschen [krefftigen] worten menschlicher weißheit / sonder in beweisung deß geists vnd der krafft / vff dz ewer glaub bestande nit vff menschen weißheyt sonder auff der krafft Gottes. Daruß wir nun deßhalb lernend / dz die one vrsach glauben an vns erforderend / die do wöllend wir söllind die ding glauben / die sie aber mit dem wort Gottes nitt mögend erzeigen / vnd die dem wort Gottes zuo wider sind.

Zuo erlüterung nun yetzgemelter dingen / dienet auch dz / das in der beschreibung deß glaubens da oben gesetzt ist worden ein summ deß worts Gottes vnd deß glaubens. Deß worts Gottes namlich dz vns leert wz wir glauben söllind / vnd deß glaubens / der nichts anders glaubt / dann das man glauben sol. Da werdend nun zwey stuck gemeldet / darinnen der glaub vnd das wort stadt. Das erst / das vns von Gott in Christo dz läben vnd alles guots vmb sunst vnd vergebens auß gnaden verheissen werde. Dann Gott vff den der glaub sicht vnd gründet / dieweyl er von natur läbendig / ewig vnd guot ist / so gebirt er auch von ewigkeit har von vnd vß jm selbs den sun der jm in allweg gleich ist. Welcher dieweil er gleiches wäsens ist mit dem vatter / so ist er auch von natur dz läben vnd alles guots. Vnd damit er vns seinen kindern vnd brüedern das läben vnd alles guots mitteylte / so hat er menschliche natur an sich genommen / hat vnder den menschen gewandlet als ein waarer Gott vnd mensch / vnd bezeüget das sich Gott der vatter durch den sun gantz mit allen seinen güettern inn die glöubigen außgiesse / sie lebendig mache / mit allem guoten erfülle / vnd sie zeletst zuo jm nemme in das ewig leben / vnnd dise guotthat geschähe vergebens on allen verdienst / auff das in allem die glori seiner gnad [genad] gelobt vnd prisen werde. Welches yetzund der war glaub also glaubt. Vnd hiehar dienet ein guoter teyl der h. gschrifft / die da bezüget dz Gott in Christo den glöubigen mitteile dz leben vnd alles guots. Darumb schrüt [schreyet] Joannes der Apostel vnd bezeüget sprächende / Jm anfang was dz wort / vnd dz wort wz bey Gott / vnd Gott wz das wort / vnd das wort ist fleisch worden / vnd hat gewonet vnder vns / vnd wir habend gesehen sein herrligkeyt / als die herrligkeit deß eingebornen vom vatter / voller gnad vnd warheit / vnd von seiner völle habend wir alle genommen usw. Vnd der Herr selb spricht im Euangelio Joannis / Warlich sag ich eüch / alles dz der vatter thuot / das selbig thuot auch der sun / dann wie der vatter die todten aufferweckt vnd läbendig machet / also machet auch der sun läbendig wölche er wil. Dann der vatter richtet niemants / sonder alles gericht hat er dem sun vbergeben / auff dz sie alle den sun ehrind wie sie den vatter ehrend. Wer den sun nit ehret / der ehrt den Vatter nit der jn gsennt hat / Warlich warlich sag ich üch / wer mein wort hört vnd glaubt dem der mich gsennt hat / der hat dz ewig leben / vnd kumpt nit in dz gericht / sonder er ist vom todt zum läben hindurch getrungen. Mit disen Euangelischen worten stimpt auch der spruch S. Pauls / da er spricht / Jn Christo ligend verborgen alle schätz der weißheit vnd der erkantnuß / vnd in jm wonet die gantz völle der Gotheyt wäsenlich / vnd in jm sind jr erfüllet. Dz aber dise grossen guotthaten Gottes den glöubigen vergebens auß gnaden mitgeteilt werdind / das zeüget der außerwelt

XVIIv. / 17b

werckzeüg Gottes Paulus mit disen worten / Gelobt sye Gott vnd der vatter vnsers Herren Jesu Christi / der vns gebenedyet hatt mit allerley geistlicher benedyung / namlich mit himlischen güetteren durch Christum / wie er vns dann darzuo erwöllet hat vnd verordnet / das er vns zuo kinderen annemen wölte durch Jesum Christum / nach dem wolgefallen seines willens / zuo lob der herrligkeyt seiner gnad / durch wölche er vns hat angenem gemachet in dem geliebten / inn wölchem wir habend die erlösung durch sein bluot usw. Jtem da er spricht / Sie habend alle gesündet / vnnd manglend der ehren Gottes / werdend aber on verdienst gerecht gmachet auß seiner gnad / durch die erlösung so durch Christum gschehen ist usw. Darumb so glaubt der war glaub / dz jm von Gott durch Christum dz läben vnd alles guots vß gnaden on verdienst widerfare. Vnd dz ist dz erst stuck deß glaubens / wölches in den articklen deß glaubens wytlöuffiger begriffen wirt.

Das ander stuck deß worts Gottes vnd deß glaubens ist / das in dem wort Gottes alle waarheyt die man glauben sol / vßgelegt werde / vnd das der waar glaub allem dem glaube / das in der geschrifft fürgestelt wirt. Dann die geschrifft leert vns / das ein Gott sye / Jtem wie der sye / wz Gottes werck / gricht / will / gebott / verheissungen vnd tröuwungen sygind / ja es leert vns das wort Gottes / alles das das vns zuo glauben nutzlich vnd notwendig ist. Vnd söllichs ergreifft yetz der waar glaub / vnd nimpts an / vnd glaubt allem dem das da gschriben ist im gsatzt vnd in den Propheten / im Euangelio / vnd in den geschrifften der Apostlen. Was aber auß dem selben nit genommen oder bewärt mag werden / oder wz jm zuo wider ist / dz glaubt der glöubig nit / dann die natur deß glaubens haltet das inn / das er nit glaubt dem das mitt dem wort Gottes streyttet. Darumb so glaubt der recht / der nit den fablen vnd tröumen der menschen glaubt / sonder allein an dem einigen wort Gottes hanget / ja an dem einigen Gott selb / der ein brunn vnd vrsprung aller waarheyt ist. Die materi aber der innhalt vnnd die summ deß glaubens ist vns alles kurtz vergriffen fürgestelt inn den articklen vnsers Christenlichen glaubens. Von denen hernach volgen wirt.

Jetzund habend jhr also die stund har gehört geliebte brüeder im Herren / ein beschreibung deß glaubens / was der selbig sye. Welche beschreibung ich hie wider äferen wil / damit ichs euch dest baß einbilde / vnd ein yeder dest baß verstande wz der glaub sye / vnd wil dann damit dise predig bschliessen. So ist namlich der glaub wie auch doben gmeldet / ein gab Gottes / den menschen von oben herab eingegeben. Dadurch er vnderrichtet / sich mit vngezweifelter berednuß vnd vertrauwen auff Gott vnd sein wort verlaßt / durch wölches wort vns von Gott in Christo das leben vnd alles guots vß gnaden on verdienst verheissen / vnd alle waarheit die man glauben sol fürgestelt wirt. Da lassend vns nun alle Gott vnsern vatter durch seinen eingebornen sun vnsern Herren Jesum Christum anrüeffen vnd bitten / dz er vns allen von oben herab den waren glauben verleihe / durch welchen wir jn recht lernind erkennen / vnd entlich das ewig leben erlangind / Amen.

 

5.Pr.Die fünffte Predig.

Das allein ein einiger waarer glaub sye / vnd was krafft [vnd wirckung] derselbig habe.

DJe zeyt ist mir in nechst vergangner Predig zuo kurtz gewesen / auch der handel an jm selb zuo groß vnd zeschwär / das ich nit hab mögen von dem allem reden / wie ichs aber hat für mich genommen. Darumb was mir von disem handel dozmal ist vber worden / das wil ich yetz mitt der hilff Gottes vollfüeren. Jhr aber bittend den Herren / das er mit seinem

XVIII. / 18a

finger in eüwere hertzen schreiben wölle / das ich euch ausserlich in die oren reden.

So ist nun ein einiger waarer glaub / vnd der laßt sich nit teylen / Dann Paulus spricht / Es ist ein Herr / ein glaub / ein Tauff / ein Got vnd vatter vnser aller / vnd bleibt also von anfang der welt an biß ans end / ein einiger glaub bey allen außerwölten Gottes. Dann es ist ein einiger Gott allwegen / der auch ein einiger vnerschöpffter brunn ist alles guoten. Es ist auch ein einige Göttliche warheyt von anfang aller dingen / die in dem wort Gottes den menschen fürgestellt ist / vnd darumb so hat der glaub den einigen grund vnd dz einig fundament allwegen / namlich Gott vnd sein wort. Vnd also habend alle außerwölten Gottes von anfang har mit vns disen gleichen glauben gehebt / dz vns namlich durch Christum alle güeter vß gnaden geschenckt werdind / vnd dz vns in dem wort deß Herren alle waarheyt die man glauben sol / fürgestellt werde / Darumb habend sie jren glauben allweg allein auff Gott vnd auff sein wort gerichtet / dz also vngezweifelt vnd vest bestat / das allein ein einiger waarer glaub sye. Es sind wol vil Religionen / die man glauben nennt / in der wält / Als wie man nennt den Jndianischen glauben / den Jüdischen glauben / den Machometischen glauben / den Georgianischen glauben / Aber doch so ist allein ein warer glaub / namlich der Christenlich glaub / dessen summ vnd inhalt außtruckt wirt in den articklen deß glaubens / aber sein völle vnd alles was darzuo gehört in den geschrifften Alts vnd Nüws Testaments. Es habend wol darnebend auch die leüt mengerley glaubens / die auff mancherley sachen sich lendend / da sie etwan glaubend sölliche ding die dem waaren glauben zuo wider sind / noch nichts destminder so ist vnd bleibt hiezwüschend allweg allein ein einiger waarer glaub in Gott vnd in seim wort / der da ist ein vngezweiflete berednuß vnnd vertrauwen der ewig gwüssen vnd waaren waarheyt Gottes.

Diser glaub hat auch sein zuonemmen inn den hertzen der glöubigen / dargegen kan er auch wol abnemmen vnd auffhören. Darumb dann die Apostel den Herren batend / Herr meer vns den glauben. Vnd der heilig Paulus wünschet allenthalben in seinen geschrifften den glöubigen / meerung deß geists vnd deß glaubens. Dann also hat auch Dauid vorhin bättet / O Gott schöpff inn mir ein rein hertz / vnd nimm dein heiligen geist nit von mir. Dann er hat gesehen / wie der guot geist vom Saul / auff den er ins Reych kam / gewichen / vnd an dessen statt ein böser geist in sein gemüet kommen was / der jn vbel vexiert vnd vmbtreib. Hiehar gehört auch der Spruch auß dem Euangelio / Welcher hatt / dem wirt gegeben / wer aber nichts hat / von dem wirt auch genommen das er hat / aber sein nichts achtet vnnd nienerfür haltet / vnd wirt geben werden dem der nichts hatt. Also sagt auch der Herr zuo S. Peter / Jch hab für dich gebätten Petre / das dein glaub nit abnemme. Vnd Paulus erzelt das etlich zuo seinen zeiten am glauben Schiffbruch erlitten habind vnd anderer glauben vmbkerind. Vnnd warzuo dienet anders / das wir täglich das wort Gottes hörend vnd Gott anrüeffend / dann das wir hoffend inn aller Gottsäligkeyt zuozenemmen / vnd begärend dz wir vom waaren glauben nit entfallind. Darumb spricht Paulus zuo den Thessalonichern / Wir bittend tag vnd nacht das wir sehen mögind eüwer angesicht / vnd erfüllen wo eüch etwas manglete an eüwerem glauben. Dann gleich daruor hat er auch gesprochen / Jch hab Timotheum außgesent / das ich erfüere eüwern glauben / auff das eüch nit villeicht versuocht hette der versuocher / vnd vnser arbeyt vergäblich wurde. Vnd zun Ephesern spricht er auch / Christus hat etlich zuo Apostlen gesetzt / etlich aber zuo Propheten / etlich zuo Euangelisten / ettlich zuo hirten vnnd leerern / damit die heiligen zuosammen gefüegt wurdind / zuo erbauwung deß leibs Christi / biß das wir alle hindan [hinan] kommind zuo einerley glauben vnnd erkanntnuß deß Suns Gottes / vnnd

XVIIIv. / 18b

ein volkommner mann werdind / der da sye inn der maß deß volkomnen alters Christi / auff das wir nit mer kinder sygind usw. Darumb so lang wir läbend / so lernend wir / auff das vnser glaub volkommen werde / vnd so er etwan durch versuochungen schwach were worden / das er mit dem wort Gottes widerbracht vnd bekrefftiget werde. Vmb diser enderung willen aber / das ist von wegen deß zuonemmens oder abnemmens / vnd schwacheyt deß glaubens / wirt drumb der glaub nit getheylt / dann es bleibt allweg die einig wurtzel / vnnd substantz deß glaubens / ob er wol ettwan grösser ettwan kleiner ist. Also wirt auch der glaub darumb nit geänderet oder zertheylt / das ettlicher genennt wirt ein gemeyner / ettlicher aber ein besonderer glaub / dann der gemeyn glaub / glaubt nichts anders / dann das alle wort Gottes waar sygind / vnd das Gott den menschen wol wölle. Dises glaubt auch der besonder glaub / allein so vil meer / das der glöubig jm selb besonders appliciert vnd auff sich zeücht / das / daß sonst allen anderen gemeyn ist / namlich da er glaubt das Gott nit nur anderen / sonder auch jm besonders wol wölle. Zuo dem / so theylt er auch ab das gemeyn in besondere stuck / dann wie er mit dem gemeynen glauben glaubt / das alle wort Gottes waarhafft sygind / also glaubt er auch mit dem besonderen glauben / das die seelen vntödtlich / das vnsere leyb wider aufferston / die glöubigen sälig werdind werden / die vnglöubigen verdampt / vnd was der dingen mer sind die vns im wort Gottes zuo glauben fürgestellt werdend.

Die Disputation aber die hie entstat (De fide infusa & acquisita, das ist von den eingegoßnen / vnd dargegen dem selbs erlangeten glauben. Jtem de fide informi & formata, das ist von dem vngestalteten oder gestalteten glauben /) die laß ich die außleggen / die von jnen selbs also dise neüwen fragen vnd disputationen on not in die kirchen einfüerend. Der glaub wirt durch keine menschliche krefft oder verdienst erlanget / sonder wirt von Gott eingegossen / vnnd eingegeben / wie ich das in vorgender predig erleüteret hab. Vnd ob er gleich erlanget wirt so der mensch dz wort Gottes hört / so wirt er doch billich allein der gnad Gottes zuogeschriben / dann wenn die selbig innwendig inn deß zuohörers hertz nicht würckt / so schaffet der ausser Prediger vnd pflantzer nichts. Wir läsend bey dem heiligen Augustino im buoch De praedest.sanctorum cap.3. das er etwan inn dem jrrthumb gestecket ist / das er gemeynt der glaub mitt dem wir inn Gott vertrauwend / sye nit ein gaab Gottes / sonder sye inn vns von vns selbs / vnnd mit dem glauben erlangind wir die gaaben Gottes / durch wölche wir mögind Gottsäligklich vnd gerecht läben in diser zeit. Aber dise meynung widerlegt er selbs heytter vnd dapffer in yetzgmeltem buoch. Vnd also ist auch der waar glaub / der allein auff Gott gerichtet ist / vnd nach dem wort Gottes geregiert wirt / gnuog geformiert oder gestaltet / Dann die form oder gestalt deß glaubens wirt inn die hertzen der glöubigen eingetruckt durch den heiligen geist. Vnd ob er schon noch klein / vnd nit biß auffs höchst gewachsen / ist er doch nichts destminder ein waarer glaub / vnd hat sein krafft gleich wie dz senffkorn. Also hat der mörder der mit dem Herren kreützget ward / in Herren Jesum glaubt / vnd ist sälig worden / ob schon der glaub ein kleine kurtze zeyt inn jhm gewesen / vnd noch nit vil frucht guoter wercken getragen hat. Es ist auch diser glaub deß mörders kein anderer glaub gewesen / dann S. Peters oder S. Pauls glaub / sonder eben der selbig / Allein / das er bey denen mer frücht vnd guoter wercken getragen hat. Dann S. Peter vnd S. Paul / ob sie schon vil guotter wercken gethon / sind sie doch on verdienst auß gnaden grecht gmachet / also auch der mörder / ob schon wenig oder gar kein guote werck bey jm funden. Darumb so lassend vns auß disem allem mercken vnd behalten / das der waar glaub ein einiger glaub sye / vnd das der selb auch sein wachsen vnd zuonemmen hab / dargegen

XIX. / 19a

auch möge abnemmen vnd gar erlöschen. Nun ist es yetz aber an dem das wir auch erleütterind die krafft vnd würckung deß waaren glaubens. Welches doch der heilig Apostel Paulus vor mir vil baß / eygentlicher vnd volkommenlicher gethon hat. Vnd wiewol er im xj. cap. der Epistel zun Hebreern vil zuosammen gezogen / so bekennt er doch selbs / das ers nit alles möge erzellen / Darumb wil auch ich allein etliche würckungen deß glaubens mälden / vnd die vbrigen ewer lieb selb zuo bedencken vnd zuo erforschen geben.

So gibt vnd bringt nun der waar glaub dem menschn waares wüssen / vnd macht jn recht weiß. Dann durch den glauben erkennend wir Gott / vnd lernend recht von seinen gerichten vnd vrtheylen / auch von den tugenden vnd lasteren vrtheylen / welches wüssen aber einem sölliche ding gibt / daß muoß ye on zweifel ein rechte vnd waare weißheyt sein. Vil sind die vermeynend sie wöllind waare weißheyt erlangen auß üebung der Philosophy. Die fälend aber weyt / dann die Philosophy vrteylet vnd leert merteyls felschlich vnnd vnrecht / von Gott / von den werchen Gottes / vom höchsten guot / vom end der guoten vnd bösen / von denen dingen die man halten oder fliehen sol. Dise ding werdend aber alle im wort Gottes waarhafftig vnd recht geleert / vnd mit dem glauben verstanden vnd ergriffen / Darumb so ist der glaub die waare weißheyt / vnnd machet auch waarlich weiß. Darumb auch Jeremias spricht / Sihe / sie habend das wort deß Herren verworffen / wie köndtend sie dann weißheyt haben? Jn aller wält ist hoch gehalten die weißheyt Salomons. Noch so läsend wir im Euangelio Matthei dz der Herr wider die Juden also spricht / Es wirt die Künigin von mittag aufferston im gericht mit disem geschlecht / vnnd wirt es verdammen / dann sie kam vom end der erden zuo hören die weißheyt Salomons / vnd sihe hie ist mer dann Salomon. Da wirt Christus höher gehalten dann Salomon / vnd Christi weißheyt höher dann die weißheyt Salomons. Nun mag aber die weißheyt Christi deß suns Gottes nit anders dann mit glauben ergriffen werden / darumb volgt dz der glaub die aller fürträffenlichest weißheyt mit jm bringe. Disere vnsere weißheyt nun ist hohes lobs vnnd ruoms wärt / dann die / so jhren nachstellend / werdend nit hin vnd wider inn andere ort vnd land mit grossem kosten vnd schwärer arbeyt gewisen / weder zuo den Egyptischen pfaffen / noch zuo den Jndischen gymnosophisten / oder zuo den Philosophen der Griechen / noch zun Rabinern der Juden / sonder Gott hat sein wort durch die gantz welt außgossen / das yetzund das wort deß glaubens ist inn aller glöubigen hertzen / Wie Paulus spricht / die gerächtigkeyt auß dem glauben spricht also / Sprich nit in deinem hertzen / wer wil hinauff steigen gehn himmel? das ist nichts anders dann Christum herab ziehen / oder wer wil hinab steigen in die tieffe? das ist nichts anders / dann Christum von den todten holen. Aber was sagt die geschrifft? das wort ist dir nach / namlich in deinem mund vnd in deinem hertzen. Vnd das ist das wort vom glauben das wir predigend / namlich / so du mit deinem mund bekennst den Herren Jesum / vnd glaubst in deinem hertzen das jn Gott von den todten aufferweckt hab / so wirst du sälig. Deßhalben machet vns der glaub nit nur weiß / sonder auch sälig / wie der Herr selb bezeüget / da er spricht zuo seinen Jüngeren / Sälig sind die augen die da sehend das jhr sehend / dann ich sag euch / vil Künig vnd Propheten habend begärt zuo sehen das jr sehend vnd habends nit gesehen / vnd zuo hören dz jr hörend / vnd habends nit gehört.

Darumb werdend wir auch im glauben finden gwüssen entscheid der gemeinen vnd grossen frag / die von anfang der welt har allen geleerten vnd fürtreffenlichsten männern zuo schaffen geben hat / namlich / wie der mensch möge leben / sälig werden / das höchst guot erlangen / mit dem selben vereinbaret [vereiniget] / vnnd deßhalb auch gerecht gmachet werden. Dauon sind ye vnd ye zwyspältig vnd mancherley

XIXv. / 19b

meynungen gewesen / vnd sinds noch auff den heüttigen tag. Da aber wir yetz kurtz vnd mit der waarheyt mögend reden / das der mensch durch den glauben läbe / sälig werde / das höchst guot erlange / mit dem selbigen vereinbaret [vereiniget] / deßgleich gerecht gmachet werde / also vnd dermaß / das Gott yetz in vns läbe vnd wir in jm / vnd also durch den glauben gerecht vnd sälig sygind. Was köndte nun von der krafft vnd würckung deß glaubens herrlichers / grössers vnd Göttlichers geredt werden? Der glaub macht vns läbendig vnd sälig / vereinbaret vns mit dem höchsten guot / also das Gott in vns lebt vnd wir in jm / machet vns auch volkommenlich grecht. Dauon wöllend wir aber zeügknussen der geschrifft hören. Das er sälig mache / sehend wir in der antwort Christi / die er S. Petern gibt / als der jn mit waarem glauben bekennet / da spricht er / Sälig bist du Simon du sun Jone / fleisch vnd bluot hat dir söllichs nit goffnet / sonder mein vatter der in himmlen ist. So zeücht auch S. Paul den spruch Dauids auff den glauben / da er spricht / Sälig sind die / deren mißthat verzigen vnnd deren sünd bedeckt sind / sälig ist der man / dem Gott die sünd nit zuorechnet.

Er machet auch läbendig / dann der gerächt lebt auß dem glauben / welchen Spruch Paulus gar offt auß dem Propheten anzeücht. Er spricht auch / das läben das ich yetz im fleisch leben / das läb ich in dem glauben deß suns Gottes / der mich geliebt hat / vnd sich für mich dargeben. Der glaub vereinbaret [vereiniget] vns auch mit dem ewigen vnd höchsten guot / vnnd machet das wir dasselbig niessen mögend / also das Gott inn vns lebe vnd wir inn Gott. Dann es spricht der Herr Jesus im Euangelio / wer mein fleisch ißt vnd mein bluot trinckt / der bleibt in mir vnd ich in jm / wie mich der lebendig vatter gesendt hat / also leb ich auch vmb deß vatters willen / vnd wer mich essen wirt / der wirt auch vmb meinet willen leben. Essen aber den Herren vnd trincken / ist in jn glauben / das er sich selbs für vns in tod geben habe. Dahar auch Joannes spricht / Wir habends gesehen vnd bezeügends / das der vatter seinen sun den Heyland der welt gesendt hat / vnd welcher bekennen wirt das Jesus sye der Sun Gottes / der bleibt in Gott / vnd Gott in jm. Wie auch Paulus sagt / Jch leben / doch yetz nit ich / sonder Christus lebt in mir. Der glaub machet auch gerecht / Von wölchem dieweyl es vns auff dißmal zelang wurde / wir in der nächsten predig reden wöllend.

Euwer liebe behalte yetz / das allein ein einiger waarer glaub sye / namlich der Christenlich glaub / darin ob schon vil Religionen sind / die man glauben nennt / so ist doch allein ein einiger waarer vngezweifleter glaub / der hat auch sein zuonemmen vnd abnemmen. Jnn denen die jn habend / vnd Gottsäligklich vnd wol brauchend / da würckt er träffenliche krefft vnd tugenden / dann er gibt vnd bringt jnen waare weißheyt / macht sie lebendig vnd ewig sälig. Dem Herren Gott vnserem himmlischen vatter / von dem wir die säligkeyt vnd alles guots habend / sye durch Jesum Christum vnseren Herren lob vnd ehr inn ewigkeyt / Amen.

 

6.Pr.Die Sechszte Predig.

Das die menschen durch den glauben gerächt gmachet werdind / on das gsatzt vnd die wärck.

Djeweyl ich mir fürgenommen hab zuo reden von dem glauben / wie der on die werck die glöubigen gerecht mache / so bitt ich Gott vnseren himmlischen vatter / durch seinen eingebornen Sun vnsern Herren Jesum Christum / das er mir auffthüe mein mund vnd läfftzen / das ich möge außsprächen sein lob vnd preiß / vnd das er auch ewere hertzen wölle erleüchten /

XX. / 20a

das jhr erkennind sein grosse guotthat / jhm danckbar sygind / vnnd heiligklich lebind.

Erstlich aber / so wil ich vor allen dingen reden von ettlichen stucken die zuo diser handlung von nöten sind / Namlich zum ersten von dem wörtlin iustification oder gerechtmachung. Das wörtli iustificieren oder gerecht machen ist bey den Hebreern gar gemeyn vnd breüchlich / vnd streckt sein bedeütnuß weyt auß / zuo vnsern zeiten ist es nit so gemeyn vnd bekannt / wie es aber wol solte sein. Es heißt aber iustificieren / einen ledig sprächen von dem gricht vnnd von der vrteyl vnd verdammnuß die schon vber jn gangen vnd gefellt was / vnd heißt also / die sünd verzeihen / reinigen / sälig vnd ein erben machen deß ewigen lebens. Dann es ist ein grichtswörtli dz am vssern Rechten brüchlich ist. Als laß dir sein [Gedencke alß würde] / ein mensch werde gestellt für den Richtstuol Gottes / vnd werde da anklagt vnd vberzeüget der aller schwärsten sünden / vnd deßhalb erforderet zur straaff vnd verurteylung. Da kömme aber der Sun Gottes / vnd stelle sich dar zum mitler vnd verträtter / vnd begäre das jm alle schuld vnd peyn auffgelegt werde / vnd die nemme er hin vnd versüene sie mit seinem tod / vnd gäbe denen die er also versüent das ewig leben / Vnnd Gott der Oberst vnnd gerecht Richter nemme dise täding also an [were hiemit zufriden] / vnd legge alle schuld vnd peyn auff sein Sun / vnnd ordne / das welcher nur glaube das der Sun Gottes gestorben syge für die sünd der welt / vnd das er damit zerstört habe den gwalt deß Tods vnd vns von der verdammnuß entlediget / das der yetz rein sye von sünden vnd ein erb deß ewigen lebens Wer kan nun da so doll sein / der da nicht sehe das yetz die menschen durch den glauben gerecht gmachet werdend?

Damit es aber alles heytter vnd verstendtlich sye / vnd niemand mangel oder mißverstand hierinn habe / so wil ich das / das ich yetz inn einer summ vnd inn der gleichnuß vnd bildtnuß eins rechtshandels fürgestellt hab / ettwas eygentlicher entscheiden / vnd es alles mit Göttlicher geschrifft beweren vnd erleütern / dermaß / das ein yeder wie grobs verstands er joch sye / heiter verstan muoß / was die krafft vnnd würckung deß glaubens sye / vnnd wie es vmb die Justification vnd gerechtmachung ein gestallt habe.

Vnd erstlich so wil ich anzeygen / das daß wörtli Justification oder gerechtmachung inn disem handel genommen vnnd braucht wirt / für die entledigung vnd verzeyhung der sünden / ja für das sälig machen vnnd annemmen inn die zaal der kinderen Gottes Dann also spricht der heilig Apostel Paulus Acto. am dreitzehenden capitel [38] / Es sye eüch zuowissen / jhr männer lieben brüeder / das eüch durch disen Herren Christum verkündiget wirt verzeyhung der sünd / vnd von allem / da von jr durch das gsatzt Mosis nit habend mögen gerechtgmachet werden / da wirt durch disen gerechtgmachet ein yeder der in jn glaubt. Sihe in Christo wirt vns verkündet verzeyhung der sünden / vnnd wer da glaubt inn Christum der vns verkündiget wirt / vnnd die sünden vergibt / der wirt gerecht gmachet. Darauß volget das die gerechtmachung nichts anders sye / dann die verzeihung der sünden. Vnd zun Röm. am fünfften cap.[18] spricht er auch / Nach dem wir durch sein bluot gerecht gmachet sind / so werdend wir durch jn behalten vor dem zorn. Das bluot Christi aber wäscht vns ab die sünd / darumb so ist die gerechtmachung nichts anders dann die abwäschung oder verzeyhung der sünden. Vnd im selben capitel spricht er noch heitterer / Das vrteyl ist kommen auß einer sünd zur verdammnuß / die gaab aber auß vilen sünden zur gerechtmachung. Da setzt er ye die verdammnuß vnd die gerechtigkeyt gegen einanderen / darauß volget das die grechtmachung ein entledigung vnd erlösung von der verdamnuß sye. Zuo dem so nennt er auch heitter die gerechtmachung ein schencke / das ist ein schenckung oder nachlassung der sünden

Xxv. / 20b

Da har dienend auch die wort die am selben ort weitter volgend / wie durch deß einigen sünd die verdammnuß vber alle menschen kommen ist / also ist auch durch deß einigen gerechtigkeyt die gerechtmachung deß lebens vber alle menschen kommen. Hie wirt abermals die gerechtmachung deß lebens entgegen gesetzt der verdammnuß / die von der sünden wegen auff vns gelegt ist zum tod. Deß halb so ist die gerechtmachung deß lebens / die entledigung von sünden / die erlösung vom tod / die lebendmachung vnd änderung vom tod ins leben Dann im vierten capitel der selben Epistel legt der heilig Apostel Paulus das wörtli Grechtmachen auß / durch das wörtli Säligmachen. Säligmachen aber nennt er die verzeyhung der sünden / dann er disputiert vom glauben / durch welchen wir gerechtgmachet werdend / oder den vns Gott zur gerechtigkeyt rechnet on die werck / vnnd spricht also / Nach welcher weiß auch Dauid die säligmachung außgelegt / vnd anzeigt das die sye allein deß menschen / dem Gott die grechtigkeyt zuorechnet on die werck / da er spricht [Psal.32.1] / Sälig sind die welchen jre vngerechtigkeyten vergeben / vnd welchen jre sünd bedeckt sind usw. Da nichts heytterers köndte herfür bracht werden. Dann er ye heytter die gerechtmachung außgelegt / durch das wörtli Säligmachung / vnd das selbig / durch verzeyhung der sünden Darzuo was ist die säligmachung anders / dann das annemmen / da wir auffgenommen werdend zuo gnaden vnd inn die zaal der kindern Gottes? Wer ist denn der nun nit sehe / das Paulus inn diser gantzen disputation die gerechtmachung für das annemmen nimpt? besonders dieweyl er inn dem selben gantzen capitel darauff tringt / das die erbschafft dem glauben zuogehöre / welchem er auch die gerechtmachung zuogibt Auß welchem allem nun offenbar ist / das die question [-] vnd frag von der gerechtmachung nichts anders innhaltet dann wie man sälig werde / das ist wie vnd wodurch vns die sünd verzigen werde / vnd wir zuo gnaden vnnd inn die zaal der kinderen Gottes angenommen / wie wir auch gerecht vnd erben deß Reychs Gottes werdind

Auff söllichs so wöllend wir auch besehen / ob die geschrifft diß vermöge / das ich gesagt hab / Christus habe vor dem Richtstuol Gottes / als wir yetz von vnser sünden wegen die vrteyl der verdammnuß empfahen soltend / vnser sünd auff sich genommen / vnd die versüent mit dem todt deß Creützes / vnd das Gott auff jhn gelegt hab vnser straff vnnd schuld / also / das er allein vnsere einige gnuogthüeung vnd versüenung sye So leert nun söllichs gantz heytter vnd eygentlich der heilig Apostel Paulus / da er spricht / Wer wil die außerwölten Gottes verklagen? so Gott ist der sie gerecht machet / Wer wil sie verdammen? so Christus ist der da gestorben / vnnd auch von todten aufferstanden ist / vnnd der da sitzt zur rechten deß vatters vnnd vns vertrittet. Jtem / Christus hat vns erlößt von dem fluoch deß gsatzts / mit dem das er für vns worden ist ein fluoch / dann es stadt geschriben / verfluocht sye ein yeder der am holtz hanget / auff das die benedyung Abrahe vnder die Heyden käme in Christo Jesu usw. Dises hat der Apostel auß dem Mose geleert / dann Moses das inn seinen geschrifften offt mäldet / das die sünden auffgelegt werdind den thieren / die man dann opfferet. Die selben opffer aber sind vorbildungen gewesen deß tods vnnd deß opffers Christi. Vnd Esaias spricht mitt außtruckten worten / Er nimpt waarlich hin all vnsere kranckheyten / vnd tregt vnsere schmärtzen. Er ist verwundt vmb vnser vberträttung willen / vnd zerknitst von wegen vnserer boßheyt / dann die buoß vnserer straaff ist jhm auffgelegt / vnd mit seinen masen werdend wir gesund / Wir alle habend gejrret gleich wie die Schaaff / ein yeder keeret sich seinen weg / aber der Herr hat auff jn gelegt vnser aller sünd. Vnnd gleich darnach. Er hat die sünd der menge hingenommen / vnd für die vberträtter gebätten. Da möchte doch nützit heytterers vnnd eygentlichers von diserem vnserem

XXI. / 21a

fürnemmen geredt werden. Darauff sicht auch S. Peter da er spricht / Der Herr hat vnser sünd selbs getragen an seinem leib auff dem holtz / auff das wir der sünden loß wurdind / vnd der gerächtigkeyt läbtind / durch wölches schnatten [wunden] wir sind gesund worden. Jtem es redt auch hier auff der heilig vorlöuffer vnsers Herren Joannes der Töuffer / do er spricht / Nemmend war das ist dz Lamb Gottes / das da hinnimpt die sünd der welt. Vnd der heilig Apostel Paulus bezeüget vnd spricht / Den der von keiner sünd weißt / hatt er für vns zur sünd gemachet / auff das wir wurdind in jm die gerechtigkeyt Gottes. Vnd inn der Epistel zun Collossern / Es ist das wolgefallen deß vatters gewesen / das in jm alle völle wonete / vnd das alles durch jn versüenet wurde gegen jm selbs / vnd das er frid machte allem es sey auff erden oder im himmel / durch das bluot seines creützes durch sich selbs. Das sind nun als ich acht heittere zeügknussen gnuog / die da bewärend das vnsere sünd / vnser fluoch vnnd verdammnuß / die wir mit vnseren sünden verdient / auff Christum gelegt sygend / vnd das er mit seinem bluot die selbigen durchthon / vnnd mitt seinem todt den todt selbs vnd anfänger deß tods den Teüffel / vberwunden vnnd vndertruckt / vnd die straff / die wir verdient vnd leiden soltend / auffgehebt habe.

Dieweil vnnd aber [Geliebten im Herren] deren nit wenig sind / die da laugnend das Christus mit seinem todt den sündern pein vnd schuld auffgehebt vnd hingenommen habe / vnnd ein einige gnuogthüeung für die gantz welt worden sey / so wil ich weyttere kundtschafft anziehen / vnd auch auß dem vor angezognen etlichs wider äfern [widerholen] / darauß wir sehen mögind das Christus ein einige gnuogthüeung für die gantz welt / für schuld vnnd auch für peyn gnuog thon habe Esaias zwar bezeüget heytter das die schuld vnd die peyn mitt einanderen durch jn auffgehebt vnnd hingenommen seyend / da er spricht / Er tregt vnsere schmärtzen / vnnd er ist verwundt von vnser vberträttung wegen / vnnd die züchtigung deß fridens / (wie die wort lautend / ) das ist die züchtigung / buoß vnnd straaff / die den friden machet / oder die buoß vnserer straff / dz ist / die straff die vnns gehort von wegen vnserer sünden / die ist jm auffgelegt. Vnd merck auch auff das daß volget / vnd mit seinen schmertzen werdend wir gesund. Wölches vns ye heytter leert das durch die straaff Christi vnser straaff hingenommen sey / dann die straaff / buoß vnd peyn / die vns gehort / die ist dem Herren auffgelegt / vnd darumb ist er verwundt worden / vnd hat schmärtzen vnd streichmasen empfangen / vnnd mitt denen hat er vnns geholffen. Da er vns aber wenig geholffen hette / wenn wir erst müeßtind verwundt werden / schmärtzen vnd streichmasen [streiche] empfahen / das ist peyn vnnd straaff für vnsere sünd erst erleyden Darumb so ist der todt Christi ein volkomne gnuogthüeung für vnser sünd. Wz hette vns Christus erworben vnd erlanget / wenn wir vmb vnser sünd noch müeßtind gestraafft werden Deßhalb / wenn wir sagend er habe all vnsere sünd getragen an seinem leib auff dem holtz / was wöllend wir anders sagen / vnnd was ist der verstand anders / dann das der Herr mitt seinem vnschuldigen tod hingenommen habe die raach vnd straaff / das wir die nit leiden müeßind? Vnnd so offt Paulus der erlösung gedenckt die durch Christum beschehen / so nennt ers gewonlich inn Griechisch apolytrôsin, wölchs nicht einfaltig / wie mans aber gemeynlich außgelegt / ein erlösung heißt / sonder auch das wärd der erlösung [das Loßgelt] vnnd die gnuogthüeung so darumb geschicht Auff dise weiß schreibt er auch / das Christus sich selb für vns geben habe ein antilytron, das heißt ein gelt oder ein schatzung mitt deren die so im krieg gefangen / von dem fyend gelößt werdend / dann das wir gemeinlich Rantzon nemmend / das heissend die Griechen lytra, antilytron aber ist wenn einer vmb den anderen gelößt wirt. Die aber also gelößt werdend / die habend keiner straaff meer zuo erwarten / dieweyl die selbig von einem auff

XXIv. / 21b

den anderen gelegt ist Zuo dem allem so ist das daß Neüw Testament / das Gott in Christo mit vns auffgericht hat / das er vnser mißthaten nit gedencken wil. Wie were aber das vnser mißthaten nit gedacht / wenn er vns erst darumb straaffen wölte Darumb so volget vngezweiflet / das Christus ein volkomne versüenung / gnuogthüeung vnnd opffer für die sünd / ja für peyn vnnd schuld der gantzen welt seye / vnd das allein. Dann es ist in keinem anderen das heyl / dann es ist auch kein anderer namm dem menschen gegeben / darinn wir mögind sälig werden.

*Darnebend bin ich nicht darwider / sonder bekennen* [ist vnleugbar] / das auch mancherley straaffen den menschen auffgelegt werden von jhr sünden wegen / sie zuo züchtigen vnd zuo üeben / vnd das auff vil vnd mancherley weiß. Die straffen aber / wie gedultigklich sie joch [auch] von den glöubigen auffgenommen vnd gelitten werdend / so wäschend sie doch die sünd nit ab / vnd thuond für die sünd nit gnuog Darum S.Peter spricht / Jr aller liebsten / lassend eüch das fheür vnder eüch nicht befrembden (das eüch widerfart das jr versuocht werdind) als widerfüere eüch ettwas seltzams / sonder fröuwend eüch das jr theylhafftig sind deß leydens Christi / auff das jr auch zur zeit der offenbarung seiner herrligkeyt fröud vnd wunn haben mögind. Das ist das end / der nutz vnd brauch der trüebsalen / vnd darby bleibt Christo allweg sein ehr vnuerletzt.

Nun ist es aber an dem / das ich auch auß der h. gschrifft anzeige / dz es Gott der vatter also verordnet habe / das wer inn Christum seinen eingebornen sun glaube / teylhafft werde der gerechtigkeit Christi / dz ist durch Christum grechtgmacht vnd von sünden glediget / vnd ein erb deß ewigen lebens werde So bezeüget nun Esaias söllichs vnnd spricht / Mein gerechter knecht wirt mit seiner kunst [-] oder mit seiner erkanntnuß die menge gerecht machen / dann er wirt jr sünd hinnemmen. Welches ist aber die *kunst wissen vnnd* [-] erkanntnuß Christi deß Herren anders dann der waar glaub? So spricht auch der Herr Jesus selb im Euangelio Joannis / Gleich wie Moses den schlangen inn der wüeste erhöcht hat / also muoß der Sun deß menschens erhöcht werden / auff das ein yeder der inn jn glaube nit verderbe sonder habe das ewig leben. Es halff inn der wüeste kein artzney wider die gifftigen schlangenbissz / dann allein so man die auffgehenckt ehrin schlang ansach. Es halff die vergiffteten kein pflaster / kein opffer / ja auch kein gebätt zuo Gott / kein werck / kein vernunfft / allein das ansehen der schlangen machet das gifft vnschädlich / so es gleich den gantzen leib durchgangen hat. Also ist kein einig ding das vor dem todt erhalte / dann der einig glaub in Christum / dann mit dem sehend vnnd schauwend wir Christum an / wie der auffgehenckt am stammen deß creützes / wie das erscheint auß dem sechßten Capitel Joannis Es volget auch inn den worten deß Herren bey Joanne weytter / Also hatt Gott die welt geliebet / das er seinen eingebornen Sun gab / auff das ein yeder der inn jhn glaubt / nit verdärbe / sonder habe das ewig leben / dann Gott hat seinen Sun nit gesendet inn dise welt das er die welt verdamme / sonder das die welt durch jnn sälig werde. Wer in jnn glaubt / der wirt nit verdampt / wer aber nit glaubt / der ist schon verdampt / dann er glaubt nit in den nammen deß eingebornen Suns Gottes. Jnn wölchen worten zum dritten mal der glauben gemäldet wirt / durch wölchen wir werdind kinder Gottes vnd theylhafft seines lebens / der säligkeit vnd erlösung / vnd in summa aller güetteren. Vnd im sechßten Capitel deß Euangelij Joannis spricht der Herr auch / Das ist der will deß vatters der mich gesendet hatt / das ein yeder / der den Sun sicht / vnnd glaubt in jnn / habe das ewig läben / vnnd ich wird jnn aufferwecken am Jüngsten tag. Da ye von vnserem fürnemmen nichts heitterers möchte gredt werden. Dann es wirt außtruckenlich gemäldet / es sey der

XXII. / 22a

will Gottes deß vatters / das wir inn den Sun glaubind / vnd durch den glauben sälig werdind. Dahar auch der heilig Euangelist vnd Apostel Joannes in seiner Canonischen ersten Epistel vßbricht in dise wort / Wer Gott nit glaubt der hat jn zum lugner gemacht / dann er hat nit glaubt in die zeügknuß die Gott zeüget hat von seinem sun / vnd das ist die zeügknuß / das vns Gott das ewig leben hat gegeben / vnd söllichs leben ist in seinem sun / wer den sun hat / der hat dz leben / wer den sun nit hat / der hat das leben nit. Das behalte eüwer lieb wol / der eewig vnd vnwandelbar will Gottes ist / das er der welt wil geben das ewig leben Er wil es aber geben durch Christum / der das leben selbs ist von natur vnd lebendig machen mag. Es wil auch Gott / das wir das leben erlangind / vnd in vns habind / vnd dz durch den glauben Dann es lert auch der h. Apostel Paulus / das Christus durch den glauben in vnsern hertzen wone. So bezeüget auch der Herr selbs weiter vnd spricht / Wer mich jsset / der wirt auch von meintwegen leben / Eüwer lieb weißt aber das essen glauben ist. So wöllend wir deßhalb nun das ort beschliessen mit den worten deß h. Petri / da er spricht / Disem Christo gebend zeügknuß alle Propheten / dz verzeihung der sünden empfahen werde durch sein nammen / ein yeder der in jnn glaubt. Jn welchen worten wir ein heitere kundtschafft habend / als vil als der gantzen heiligen geschrifft. Auß welchem allem nun heiter gnuog erzeygt ist / dz es Gott also verordnet habe / dz wer in Christum glaube / dz der gereiniget sey von sünden / vnd ein erb deß ewigen lebens

Dises wöllend wir aber noch heitterer erleüteren [noch heller erklären] / mit anzeigung / das allein der glaub / das ist der glaub von sein selbs / vnnd nit von vnser wercken wegen die glöubigen grechtmache. Von sein selbs wegen aber sagen ich nit der meynung / das der glaub grecht mache so ferr er ein qualitet / oder vnser werck vnd ein thuon in vns ist / sonder so ferr er ein gaab der Göttlichen gnaden ist / vnd die verheissung der gerechtigkeyt vnd deß lebens hat / Jtem auch so ferr er von natur ein gwisses vnd vngezweiflets vertrauwen vnd wissen ist / das sich auff Gott verlaßt / vnd glaubt das vns Gott durch Christum versüent sey / vnd vns durch jnn das leben vnd alles guots geschenckt habe. Darumb so macht vns der glaub gerecht von Christi wegen / vß der gnad vnd verheissung Gottes. Ja der glaub / das ist / das daß wir glaubend / vnd darauff wir vns verlassend / namlich Gott / vnnd die gnad Gottes durch die erlösung Christi / die machet vns gerecht / daß also vnser werck vnd verdienst kein platz habend vnnd nichts bringend zuo der gerechtmachung / sonst habend guote werck wol jren platz in den glöubigen / wie wir an seinem ort wöllend anzeigen Darumb setzt auch der heilig Apostel Paulus Christum vnd Adamen feyn gegen ein anderen / vnd zeigt an das wir von Adamen / ja von vnd auß vnser natur vnnd eignen krefften nichts habind dann sünd / Gottes zorn vnd vngnad / vnd auch den todt. Wölchs er darumb leert / das niemandt in dem fleisch die gerechtigkeyt vnd das leben suoche. Dargegen aber zeigt er an / das wir von vnd in Christo habind alle gerechtigkeyt / Gottes gnad vnd dz leben / ja auch verzeihung aller sünden. Jn wölchem gegensatz er gar offt mäldet / vnd gar hefftig tringt auff das wörtli EJNJGEN / damit wir lernind das allein der glaub gerechtmache.

Vnnd zun Galateren braucht er die vberauß heytter erweisung [beweisung] / das er spricht / Eines menschen Testament / wenn das bestätiget ist / so thuot niemandt ützit [etwas] darzuo oder daruon / wie vil billicher ist es dann das niemandt ützit [etwas] von oder zuo dem Testament Gottes thüege. Das ist aber das Testament das Gott auffgerichtet hat / das er namlich dem saamen Abrahe die benedeyung nicht in vilen oder durch vil / sonder durch einen geben wil / dann er spricht nicht / in den saamen als von vilen / sonder als von einem / vnd in deinem saamen / welcher ist Christus. Disem Testament Gottes gebürt es sich nun nit ützit zuonemmen oder

XXIIv. / 22b

zuogeben / vnnd bleibt deßhalb allein Christus der Heyland / dann die menschen mögend weder sich selb noch ander leüt heyl vnd sälig machen.

Jtem weiter in der selbigen Epistel zun Galatern spricht er / wir wissend dz der mensch durch die werck deß gsatztes nit grecht wirt / sonder durch den glauben Jesu Christi / vnd darumb habend wir auch in Jesum Christum glaubt / auff dz wir grechtgmacht wurdind durch den glauben in Jesum Christum / vnd nit durch die werck deß gsatztes / darumb das durch die werck deß gsatztes kein fleisch wirt grechtgmachet. Da äfert [widerholet] Paulus zum dritten mal / das die menschen nit werdind grechtgmachet durch die werck deß gsatztes / in welchen er allerley werck begreifft. Derhalben machend keine werck grecht. Was dann? der glaub in Christum / ja der glaub allein / dann dz vermag die art zereden die Paulus in dem spruch brucht / dz er spricht / Wir wissend dz der mensch durch die werck deß gsatztes nit grecht wirt / Nisi, das ist sonder / oder / dann allein durch den glauben Jesu Christi / dann es ist gleich vil gredt / wenn man spricht / Allein der glaub macht grecht / vnd / wir werdend nit grechtgmachet dann durch den glauben Jesu Christi Darauff setzt er auch das exempel der Apostlen / dz er spricht / vnd wir habend auch in Jesum Christum glaubt / auff das wir grechtgmachet wurdind durch den glauben in Jesum Christum / vnd nit auß den wercken deß gsatztes. Also nimpt auch Petrus ein argument von dem exempel der Apostlen in den gschichten der Apostlen / da er spricht / Wir glaubend das wir durch die gnad vnsers Herren Jesu Christi sälig werdind / wie auch sie. Vnd in yetz anzognem Capitel der gedachten Epistel zun Galatern [2.21] spricht Paulus auch also / Jch verwirff die gnad Gottes nit / dann so durch dz gsatzt die grechtigkeit kompt / so ist Christus vergeblich gstorben / dann wenn es vns müglich / dz wir für vns selb hettind mögen sälig werden / wz bedorfft es / dz der sun gottes mensch wurde / litte vnd sturbe / Dieweil aber er mensch worden / glitten hat vnd gstorben ist / vnd freilich nit vergeben gstorben / so volgt ye / das es inn vnserem sündtlichen fleisch nicht hab mögen funden werden / dadurch das heyl erworben wurde. Vnd bleibt deßhalb der Sun Gottes / der eynig Heyland / der vns die säligkeyt mitteylt / vnd das durch den waaren glauben.

Vnd in der Epistel zun Römern am anfang vor einhin [am anfang] [Rom.1. vnnd 2.cap.] erzeigt Paulus / das alle menschen sünder sygind / vnd nit habind eigne krefft / durch welche sie grecht gmachet mögind werden / So zeühe auch das gsatzt Gottes die sünd allein fürhin / offne [öffene] vnd entdecke die / nemme sie aber nit hin / reinige vnd seübere sie auch nit / Vnd darumb so mache Gott die glöubigen durch den glauben inn Jesum Christum grecht / vergebens / auß lauter güete vnd gnad / damit sein gschöpfft nit gar verderbe Der worten deß Apostels lautend etliche also / Die grechtigkeit Gottes / spricht er / ist on dz gsatzt geoffenbart / bezeüget durch das gsatzt vnd die Propheten / namlich die grechtigkeit Gottes / die da kompt durch den glauben in Jesum Christum zuo allen / vnd auff alle die da glaubend / dann es ist hie kein vnderscheid / dann sie haben alle gsündet / vnnd manglend der ehren Gottes / vnd werdend aber on verdienst grechtgmachet vß seiner gnad / durch die erlösung / so durch Christum Jesum gschehen ist / welchen Gott hat fürgestellt zuo einem versüener durch den glauben in sein bluot. Disere wort deß Apostels sind als ich achten allen glöubigen verstäntlich vnd heiter gnuog. Paulus nimpt damit heiter vnsern wercken vnd verdiensten die grechtmachung / vnd gibt sie der gnad zuo / vß welcher der sun Gottes der welt ist gschenckt worden zuo dem todt deß creützes / vff dz alle die grecht gmacht sygind so da glaubend dz sie durch dz bluot deß suns Gottes erlößt sygind. Vnd bald drauff spricht der Apostel weiter / So bschleüssend wir nun / dz der mensch grechtgmachet werde on die werck deß gsatztes durch den glauben. Er setzt auch volgends dise argument [beweisungen] hinzuo / Jst Gott allein der Juden? ist er nit auch der Heyden? ja freilich auch der Heyden / sitmals er ist ein Gott / der da grecht machet die

XXIII. / 23a

beschneidung auß dem glauben / vnd die vorhaut durch den glauben. Nun aber / Gott sein / ist nichts anders / dann das leben vnd das heyl sein. Gott aber ist auch der Heyden Gott / nitt allein der Juden / darumb so ist Gott auch der Heyden heyl vnd leben. Dises heyl vnd leben aber gibt er nit durch dz gsatzt / oder durch die beschneidung / sonder durch den glauben in Christum / Darumb machet allein der glaub den menschen gerecht. Söllichs mag auch erzeygt werden mit dem exempel deß Hauptmans Cornelij / welcher von stund an als jm S. Peter Christum prediget hat / vnd er glaubt / gerechtgmachet was / ob er gleich weder beschneidung noch dz gsatzt braucht / auch nit geopfferet noch mit einigen werck die grechtigkeyt verdienet hat / dann vergebens on verdienst vß gnaden durch den glauben in Jesum Christum ist er grechtgmachet worden. Dann auch Petrus sein predig also bschlossen hat / sprächende / disem Christo gebend alle propheten zügnuß dz verzeihung der sünden durch seinen nammen empfahen werde / welcher in jn glaubt.l

Es füert auch der heilig Apostel auff dz alles ein / dz fürtreffenlich außpündig exempel vnsers vatters Abrahe / vnd leert wie der sye grechtgmachet worden. Wölches exempel heiter anzeigt / wie Got auch alle andre menschen grecht machen wölle / dann ye die kind auff kein andre weiß mögend grecht gmachet werden / dann wie der vatter ist grecht gmachet worden. So ist nun Abraham nit grechtgmachet durch die bschneidung oder Sacrament / dann es stadt vorhin / dz er grechtgmachet sye worden / ee dann er beschnitten. Naher ist erst das zeichen der bschneidung darzuokommen / zum zeichen der gerechtigkeit deß glaubens / das ist als ein sigel vnd verpütschierung [versigelung] / das aller saamen Abrahe durch den glauben gerechtgmachet werde. So ist auch vnser vatter Abraham durch das gsatzt nit grechtgmachet worden / dann dz gsatzt ist erst nach vierhundert vnd dreißig jaren zuo der verheissung kommen / nit dz es die sünd auffhaben oder vns grechtmachen möchte / sonder / das es vns die sünd anzeigte / vnd vns aller gerechtigkeyt beraubete / vnnd hiemit füerte vnd trunge [trünge] zuo dem Herren Christo zuofliehen. Es ist auch Abraham durch seine werck nit grecht worden / wiewol als vil vnd als herrliche guote werck ja werck deß glaubens in jhm funden werdend als kaum inn einem anderen. Nichts destminder so spricht der Apostel / was wöllend wir von Abraham vnserem vatter sagen / das er gefunden habe oder verdienet (dann das wörtlin eurêkenai mag auff beyd weg genommen werden) nach dem fleisch? wölcher ja nach dem fleisch vnser vatter ist. Dann ist Abraham durch die werck gerechtgmachet / so hat er wol ruom / aber nit bey Gott / dann Gott ist allein gerecht vnd der da grecht machet / Alle menschen sind verderbt / ja auch Abraham ist ein sünder / vnd manglend alle der ehren Gottes. Deßhalb auch der Prophet gebüt dz man sich nienerinn [nirgend] rüeme / dann in der gnad vnd barmhertzigkeit Gottes. Darumb so hat Abraham sich vor Gott nit gerüempt / sonder er hat sich erkennt ein sünder sein / vnd das er vergeben vß gnaden nit von wegen seiner wercken vnd verdiensten grecht gmachet werde. Dann also volget by dem Apostel gleich daruff / Wz sagt aber die gschrifft? Abraham hat Gott glaubt vnd dz ist jm zur grechtigkeit gerechnet. Da werdend zwey ding gmeldet / Eins / dz Abraham Gott glaubt habe / dz ander / dz jm söllichs zur grechtigkeit sye gerechnet worden. Daruß volget dz ye Abraham durch den glauben sye grechtgmachet worden / vnd nit durch die werck / dann söllichs schleüßt Paulus darauß / dz er also spricht / Dem der mit den wercken die grechtigkeyt verdienet / dem wirt die grechtigkeit nit zuogerechnet. Dem Abraham aber wirt die gerechtigkeit zuogrechnet / darumb so volget das er die grechtigkeit mit seinen eignen wercken nit verdienet habe. Jtem / dem wirt die gerechtigkeit zuo gerechnet / der da glaubt / nit dem der mit wercken vmbgadt. Abraham aber hat Gott glaubt / darumb so ist jhm der glaub zur grechtigkeyt gerechnet worden. Vnd in gemeltem capitel fürt Paulus weiter auch andere vnd nichts minders

XXIIIv. / 23b

krefftige argument ein / mit denen er bewärt das der glaub den menschen on die werck grechtmache / als da er spricht / So die vom gsatzt erben sind / so ist der glaub auß / vnd hört die verheissung auff. Die sind aber vom gsatzt / die durch die werck deß gsatztes gerechtigkeyt suochend. Der glaub aber verlaßt sich auff die barmhertzigkeyt Gottes. Wo bleibt nun Gottes gnad vnd barmhertzigkeyt / wenn wir die gerechtigkeyt verdienend? Was darff ich zeglauben das ich durch das bluot Christi gerecht gmachet werde / wenn mir Gott von meiner verdiensten wegen wider versüent wirt / den ich mitt meinen sünden erzürnet hat? Darzuo so wirt das heil vnnd die grechtigkeyt von Gott verheissen / die verheissung aber hört auff / wo sich vnser verdienst einlaßt [eindringet] / Dann zun Galatern spricht Paulus / So das erb durch das gsatzt erworben wurde / so wurde es nicht durch die verheissung gegeben / Gott aber hats dem Abraham durch die verheissung fry geschenckt / darumb damit die verheissung vest blibe / so machet der glaub vnd nit der verdienst sälig. Vnd zun Römern am vierten capitel / Darumb wirt die erbschafft durch den glauben geben / auff dz es gange nach der gnad / damit die verheissung vest bestande allem saamen / nit dem allein der vom gsatzt ist / sonder auch dem der deß glaubens Abrahams ist. Da meldet er zwo vrsachen / warumb er dem glauben vnnd nit den wercken die gerechtmachung zuoschreibe / Die ein / auff das die gerechtmachung vergeben auß gnaden geschehe / vnnd die gnad Gottes gelobt vnd prisen werde / Die ander / das die verheissung vnd das heil vest bestande / vnd auch den Heyden widerfare / dz aber nit geschehen wurde / so die selbig an dem gsatzt vnd der beschneidung hangete / sittmal die Heyden sölliche ding nit habend. Darzuo so muoß die hoffnung vnsers heils vest sein / vest aber vnd sicher wurde sie nimmer sein / so dasselb an vnsern wercken vnd verdiensten stüende / dann denen manglet allweg etwas / an Gott aber vnd an dem verdienst seines suns ist vberal kein mangel. Darumb so ist das heyl vngezweiflet vnd gwiß / so wir das durch den glauben suochend in dem sun Gottes / der vnser gerechtigkeyt vnd heyl ist. Auff welches alles ich nun noch ein zeügknuß setzen wil deß heiligen Apostels Pauli / da wir kaum als ein heittere vnnd lautere haben möchtind [welches so hell vnd klar ist / als irgend eins sein mag] / Der schreibt zun Ephesern vnder anderem also / Auß gnaden sind jr sälig worden durch den glauben / vnd das selb nit auß eüch. Es ist Gottes schencke / nit auß den wercken / auff das sich niemants rüeme / Dann wir sind sein werck / geschaffen in Jesu Christo zuo guotten wercken / welche Gott vorhin bereittet hat / das wir darinnen wandlen söltind. Bey disem wil ichs nun yetzund bleiben lassen / vnnd auch dise wort S. Pauli nit weytter erklären / dann sie sind heitterer dann die Sunn / vnd bezeügend klar das wir durch den glauben / vnd durch keine werck gerecht gmachet werdind.

Hieby darff man aber nit zuobesorgen / geliebten brüeder [-] im Herren / dz durch dise leer von der grechtmachung deß einigen glaubens / die guoten werck verachtet vnd vffgehebt werdind Dann ye / so habend die h. Apostel vnsers Herren Christi also geleert / vnd warumb wöltend wir dann nit auch also leeren? Wer da vermeynt dz dise leer auff die wir jmmerdar tringend von der grechtmachung deß glaubens on die werck falsch vnnd vngöttlich sye / der schält nicht vns / sonder die Apostel Christi darumb. Darbey aber wenn wir sagend / das die glöubigen allein durch den glauben / oder durch den glauben on die werck gerechtgmachet werdind / so verstond wir nit / wie es vns aber etlich verkerend / dz der glauben allein vnd on guott werck sye oder sein möge / dann wo der glaub ist / da erzeigt er sich durch guotte werck / vnnd der da gerecht ist der würckt auch die gerechtigkeyt Ee vnnd er aber die gerechtigkeyt / das ist guote werck würcke / so muoß er vorhin gerecht sein / vnd kan deßhalb durch nachvolgende werck / die vorgende grechtigkeyt nit erwärbe / dann die selbig wirt allein der gnad Gottes zuogschriben / sitmal die glöubigen

XXIIII. / 24a

vergebens auß gnaden durch den glauben gerecht gmachet werdend / wie die geschrifft lautet / Der gerächt wirt geläben seins glaubens. Nach dem sie aber gerecht gmachet sind / da hebend sie an auch frücht der gerächtigkeyt zuo würcken Darumb wöllend wir mit diser Disputation die guoten werck nit widerfächten [widersprechen] / die jren platz vnd wirde habend inn der kirchen bey den glöubigen vor Gott: sonder das wöllend wir allein erklärt haben / das die gnad Gottes vnnd der verdienst seines Suns / durch welchen wir allein gerecht gmachet werdend / vmbkeert vnd mit füessen trätten werde / wenn wir vnsere wärck vnd verdienst setzend zuo dem verdienst Christi / vnnd zuo dem glauben / mit welchem wir Christum ergreiffend. Dann was köndte ye heytterers geredt werden / dann das der heilig Apostel Paulus redt Roman. am eilfften capitel / Jst es auß gnaden geschehen / so ist es nicht auß den wärcken / sonst wurde gnad nitt gnad sein / Jst es aber auß den wärcken / so ist die gnad nichts / sonst were wärck nicht wärck. Darumb so mögend die zwey ding / gnad / vnnd dargegen verdienst vnd wärck nit bey einanderen beston. Deßhalb damit wir Gottes gnad nitt vmbkeerind vnd auffhebind / auch der frucht deß bitteren leidens vnd sterbens vnsers Herren Jesu Christi nicht schantlich verlaugnind / so gebend wir allein dem glauben die gerächtmachung zuo / dann der schreibt es auch allein der lautteren gnad Gottes zuo durch den todt seines Suns

Darnebend so erkennend wir / das wir nach der leer Pauli / erschaffen sind zuo guotten wärcken / ja zuo denen wärcken die Gott bereittet hat / die er vns namlich in seinem wort fürschreibt / vnd will das wir darinnen wandlind. Ob wir aber schon gleich darinnen wandlend / vnnd reich sind an guoten wärcken / so gebend wir jnen doch die gerächtmachung nit zuo / sonder demüetigend vns nach der leer deß heiligen Euangelij vnder die hand dessen der da spricht / Also auch jr / so jr thuond alles das euch gebotten ist / so sagend dennocht / wir sind vnnütze knächt / was wir schuldig sind gewesen zuo thuon / das habend wir gethon. Vnd deßhalb so offt ein glöubiger lißt vnd hört / das vns vnsere wärck gerecht machind / Jtem das vnsere wärck gerächtigkeyt genennt werdend / das jnen belonung vnd das ewig leben zuogeben wirt / so wirt er drumb nicht stoltz / vergißt drumb deß verdiensts Christi nit / sonder legt söliche ort wol vnd recht auß / vnd erkennt das er alles / das er hat / auß Gottes gnaden hat / vnnd das sölliche ding den wärcken der menschen darumb zuogeben werdend / daß sie yetz schon zuo gnaden sind aufgenommen / vnd schon yetz kinder Gottes sind von Christi wegen / damit entlich alle ehr auff Christum kömme / von welches wegen alle heiligen vnnd glöubigen sich vnd alles dz sie habend erkennend Gott dem vatter lieb vnd angenem sein

Auß disen worten allen / (die wol kurtz sind / so du die großwichtige deß handels selbs von dem wir gredt bedenckest / aber zimlich lang auch / so du sichst vff die zeit die wir gredt / ) hab ich nun euwer lieb erklärt / die gröst krafft vnnd würckung deß glaubens / namlich das er die glöubigen gerecht machet Jnn wölchem wir den gantzen handel der iustification [-] vnd grechtmachung (der eim yeden menschen zuo wissen hoch nutzlich vnd notwendig ist / ) kurtz durchlüffen [durchlauffen] / vnd mer nur angrüert / dann nach der notturfft gehandlet habend. Darumb wöllend wir yetz auch das vberig besehen / Namlich.

So ist der waar glaub auch ein brunn vnd wurtzel aller guoten wercken Jtem er settiget das hertz vnd gmüet deß menschens / macht es rüewig vnd frölich. Dann der Herr spricht im Euangelio / Jch bin dz brot deß lebens / wer zuo mir kumpt / den wirt nit hungern / vnd wer in mich glaubt / den wirt nimmermer dürsten. Dann was wölte einer mer begären / dann wenn er empfindt / das er den Sun Gottes selbs in dem alle himmlische schätz sind / Jtem alle völle vnd gnad / durch den waren glauben hat vnd besitzt? Es macht auch vnsere gwißne gantz luter [frölich] vnd rüewig /

XXIIIIv. / 24b

so wir Christum den Sun Gottes mit waarem glauben ergreiffend / vnd wissend das der vnser gantz eygen ist / vnnd das er vns Gott den vatter versüenet hatt / vnd yetzung vor dem angesicht Gottes für vns erscheint vnd vns vertrittet / Darumb auch Paulus gesprochen / so wir durch den glauben gerecht gmachet sind / so habend wir friden mitt Gott durch vnseren Herren Jesum Christum / durch welchen wir auch ein freyen zuogang habend zum vatter im glauben. Deßhalb wir auch den vatter anrüeffend durch den Sun vnnd erlangend also von jm alles das vns heylsam vnd notwendig ist. Dann der heilig Apostel Joannes spricht recht / vnd das ist die frey sicherheyt die wir habend zuo jm / das so wir etwas bittend nach seinem willen so hört er vns / vnd so wir wissend das er vns hört was wir bittend / so wissend wir das wir die bitt habend / die wir von jm gebätten habend. Darumb welche kein glauben habend / die rüeffend Gott nit an / erlangend auch keine heylsamme gaaben von jm.

Vber das so macht vns auch der glaub Gott angenäm / Jtem er leert vnns die gaaben Gottes wol vnd recht brauchen. Der glaub machet das wir in trüebsal nit abfallend / ja mit dem glauben vberwindend wir die welt / das fleisch / den Teüffel vnd alle widerwärtigkeyt. Dann der heilig Apostel Joannes spricht / Alles was von Gott geboren ist vberwindet die welt / vnd das ist vnser sig / der die welt vberwunden hatt / vnser glaub / vnnd wer ist der die welt vberwindet / dann der da glaubt das Jesus sye der Sun Gottes? Vnd Paulus spricht / Die anderen aber sind außgespannen / vnd habend durch den glauben kein erlösung angenommen / auff das sie die aufferständtnuß die besser ist / erlangetind. Die anderen aber sind mit spott vnd geißlen bewärt worden / darzuo mit banden vnd gefäncknuß. Sie sind versteiniget / zerhouwen / versuocht / durch schlacht deß Schwärts gestorben. Sie sind vmbher gangen inn beltzen vnnd geißfälen / mit mangel / mit trüebsal / mit üblen / deren die welt nitt wärt [wirdig] was / vnnd sind jrr gangen in den wüestinen / auff den bergen / inn den klufften / vnd löcheren der erden. Darumb dann auch der Herr im Euangelio gesprochen / Dises hab ich mit eüch geredt / auff das jr in mir friden habind / inn der welt werdend jr trüebsal haben / aber sind getröst / ich hab die welt vberwunden. Also ist der glaub der recht kärn vnd stercke der gedult Der glaub erhaltet auch / vnderstützt / vnd richtet auff die hoffnung. Die liebe kompt auch auß dem glauben / welche ist ein erfüllung deß gsatztes / vnd die alle guote werck begreifft. Die kan vnnd wirt in vns nimmer sein / wo wir nit waaren glauben in Gott habend Dann der heilig Apostel Joannes spricht / Ein yeder der da liebet den der geboren hat / der liebet auch den der von jm geboren ist. Aber die zeyt ist hin /es bedörffte wol vil stunden / so yemands alle würckungen vnnd krefft deß glaubens eygentlich erzellen wölte.

Auff dißmal so hat euwer lieb also gehört vnd verstanden / das der glaub die einig vnnd waar gerechtmachung sye der kirchen / das ist der glöubigen Gottes / ja ein entledigung von allen sünden / vnnd ein auffnemmung inn die gnad Gottes / Jtem ein annemmung inn die zal der kinderen Gottes / vnd ein gwisse säligmachung / auch ein brunnen vnd vrsprung aller guoten wercken. Da lassend vns nun mitt waarem glauben Gott den vatter durch vnseren Herren Jesum Christum bitten / das er vnsere hertzen also mit söllichem warem glauben erfülle / das wir hie in zeit jm durch den glauben verwant vnd vereinbaret / rechtschaffenlich nach seinem willen vnd gefallen dienind / Vnd so wir von diser zeit scheydend / ewigklich mitt jm / dem wir yetz glaubend läbind.

Jm sye lob vnnd ehr inn ewigkeyt /

Amen.

 

XXV. / 25a

7.Pr.Die Sibende Predig.

Von den vier ersten articklen deß Christenlichen vnnd Apostolischen glaubens.

JNn den nechstvergangnen zweyen predigen han ich gredt vom waaren glauben vnd seinen krefften oder würckungen / vnnd hab vnder anderem gemäldet das die Artickel vnsers Christenlichen glaubens die gantze summ deß waaren glaubens begreiffind. Deßhalb mich nun für guot ansicht / achten auch das mein ampt söllichs erfordere / das ich eüwer liebe nun auch mit kurtzen worten die selben zwölff artickel vnsers glaubens erkläre / welche dann gleich sind als ein [die] materi [vnd der handel] / darinnen der glaub stadt. Dann dieweyl der glaub ein substantz ist deren dingen die man hoffet / so wirt inn disen articklen außtruckt kurtz vnd einfaltig / welches die ding seyend die man hoffen sol. Es sol aber niemandt meynen das ich von disen articklen neyßwan nach der lenge vnnd volkommenlich reden oder disputieren wölle / dann ich sie kurtz vberlauffen vnnd das notwendigest darauß anzeigen wil. Es wirt sonst offt weytlöuffiger daruon geredt. Jr wöllind aber den Herren mit mir anrüeffen vnd bitten / das er vns seine wäg eroffnen [eröffnen] / auch darinn leiten vnd erhalten wölle / zum preyß seines nammens vnd vnser seelen ewigem heyl.

Erstlichen muoß ich eüwer lieb berichten von dem nammen / da man die artickel vnsers glaubens gemeynlich nennt das Symbolum oder den glauben der Apostlen. Symbolum heißt ein zuosammen steürung oder vergleichung vnd ein anzeigung. Also werdend aber die artickel deß glaubens ein Symbolum das ist ein zuosammensteürung genennt oder vergleichung / das sie geschriben vnd gmachet sind auß der zuosammensteürung vnnd vergleichung der leer der heiligen Apostlen / das sie seyend ein regel vnd ein kurtzer innhalt deß glaubens / den die heiligen Apostel prediget / vnd den die heilig allgemeyn kirch hat angenommen. Wer aber dise artickel also zum ersten habe geschriben vnnd geordnet / das ist nit offenbar vnd wirt inn der geschrifft nienen gemeldet. Ettliche gebend söllichs den Apostlen selbs zuo / vnd nennents darumb / das Symbolum der Apostlen / das sie es selbs habind gemachet. Der heilig Marterer Cyprianus inn der außlegung die er vber die artickel deß glaubens geschriben hatt / schreibt vnder anderem ein sölliche meynung. Vnser altvorderen / spricht er / gebend vns ein söllichs an / das namlich nach der auffart deß Herren / als auff allen Aposteln fheürine zungen / durch die zuokunfft deß heiligen geists gesässen / also das sie mitt zertheyltem vnd mancherley sprachen rettend / dadurch jhnen alle völcker / land / zungen vnd nationen als vil als auffgethan wurdend / Vnd jnen der Herr gebotten / daß sie das wort Gottes zuo predigen in alle land vnnd Nationen zugind. Da habind sie nun als sie von ein andern ziehen wöllen / ein gmeyne regel jrer leer vnnd predig mit einanderen gestellt / damit sie nit / wenn sie von ein anderen kämind / vngleiche ding fürtrüegind / denen die durch sie zum glauben Christi berüefft wurdind. Vnd habind deßhalben einhälligklich mit einanderen / erfüllt mit dem heiligen geist / dise kurtze regel vnd anzeigung jrer leer die sie der welt fürtragen / vnnd den glöubigen zuohalten angeben wöltind gestellt vnd geordnet / vnd hierzuo habe ein yegklicher was jnn von nöten sein bedunckt herfür bracht vnnd anzeigt. Das schreibt Cyprianus. Nun / es habind aber die Apostel selbs oder andere Apostolischen männer dises gmachet / so ist doch offenbar / das nützit darinn ist / nach [noch] geleert wirt / dann die waar rein Apostolisch leer. Anzeigungen aber werdend die zwölff artickel vnsers glaubens

XXVv. / 25b

glaubens genennt darumb / das bey disem gmerck / als by einer gwissen anzeigung / die waaren vnd falschen Christen voreinanderen erkennt werdend.

Was ordnung aber ich im außleggen diser articklen halten wölle / muoß ich eüwer lieb auch anzeigen. Sie möchtind wol inn vier teyl getheylt werden / als das die drey ersten teyl begriffind die gheimnussen der dreyen personen der einigen Gottheyt / vnd der vierdte theyl / die frücht deß glaubens / was wir namlich guots auß dem glauben zuo erwarten habind / vnnd was Gott seinen glöubigen schäncke vnd gäbe. Aber wir wöllend vns der ordnung halten vnd vernüegen / wie die artickel all zwölff einanderen nach gesetzt vnd geordnet sind.

So ist nun das der erst artickel deß Christenlichen glaubens / Jch glaub in Gott / vatter den allmächtigen / schöpffer himmels vnnd der erden. Diser erst artickel begreifft zwey ding. Dann zum ersten so sagend wir inn gemeyn / Jch glaub in Gott / darnach gleich darauff setzend wir auch den vnderscheyd der personen / namlich / vatter den allmächtigen / dann es ist ein Gott im wäsen / aber drey personen. Die einigkeyt deß wäsens truckend wir heitter auß / so wir sprächend / Jch glaub inn Gott. Dargegen haltend wir auch den vnderscheyd der personen / vnd vermischend die nit / mit dem das wir gleich darauff setzend / Jnn den vatter allmächtigen / Vnd in Jesum Christum seinen eingebornen sun / vnd in den heiligen geist. Darumb so söllend wir glauben das Gott einfalt / einig vnd lauter sye an seinem wäsen vnd substantz / der personen halb aber dreyfalt / der vatter / sun vnnd heilig geist. Dann im gsatzt stadt geschriben / Hör Jsrael / Der Herr vnser Gott ist ein einiger Gott. Dargegen läsend wir aber auch / dz der Herr im Euangelio gesprochen / Tauffend sie in den nammen deß vatters suns vnd heiligen geists.

Besonders ist aber hie zuo mercken / dz wir im glauben nit sprächend / wir glaubend / als wie wir aber im vatter vnser so wir bättend / sprächend / Vatter vnser der du bist in himmlen / Gib vns vnser täglich brot usw. sonder so wir den glauben bekennen wöllend / so sprächend wir / Jch glaube / vnd nit / Wir glaubend / dann es wirt der glaub von eim yeden besonders erfordert / das er den vest im hertzen halte / vnd einfaltigklich mit dem mund bekenne. Abraham hat nitt mögen glauben für alle seine nachkomnen. So nützt es auch dich nit wenn schon ein andrer glaubt vnd du aber nit glaubst / denn Gott erfordert von eim yeden besonder den glauben. Darumb so wir den glauben bekennen wöllend / sagend wir alle / Jch glauben. Was aber glauben sey / hab ich doben in der vierten predig erleütteret.

Auff das volget inn der bekantnuß das wir sprächend / Jch glaub in Gott. Gott ist der gegensatz vnd der grund vnsers glaubens / als der da ist das ewig / höchst / vnerschöpfft / vnd gnadreich guot. Darumb so glaubend wir in Gott / das ist / wir setzend alle hoffnung hilff vnd trost auff jnn / ja begebend vns selbs gar auff jnn / als auff den / der vns erhalten / vnd alles guots geben kan vnd mag.

Darumb volget auch / wer der Gott sye / auff den wir vns also verlassend vnd begebend / namlich / der allmächtig vatter. Ein vatter wirt vnser Gott genennt / von wegen dz er von ewigkeit har geboren hat ein sun der jm gleich / dann die gschrifft nennt Gott / ein vatter vnsers Herren Jesu Christi. Diser / spricht Paulus / ist der glantz der herrligkeit / vnd ein außtruckt ebenbild deß wäsens deß vatters / zuo wölchem er auch gesprochen / Du bist mein sun / hüt hab ich dich geboren. Vnd abermals / Jch wird jm ein vatter sein / vnd er wirt mir ein sun sein. Darnach so wirt auch Gott ein vatter genennt / von wegen der gleicheit die da ist zwüschend jm vnd eim jrrdischen vatter / das ist von wegen der schöpffung / deß gunsts / der liebt / der fürsorg vnd sorgfeltigkeyt die er zuo vns tregt. Dann von Gott sind wir alle erschaffen / Gott liebet vns / versorget all vnsere sachen / ist sorgfältig für vns / ja vil mer dann kein jrrdischer. Dann Dauid spricht / wie früntlich ein

XXVI. / 26a

vatter ist gegen seinen kinden / also fründtlich ist auch Gott gegen denen die jn förchtend / dann er weißt [weiß] vnser gschöpfft / vnd ist eingedenck das wir staub sind. Vnd Esaias am xlix.cap.[15] Mag auch ein muotter jres kinds vergessen / das sie sich seinen nicht erbarme / vnd ein hertzliche anmuotung trage gegen dem das sie auß jrem leib geboren? Vnd ob schon müglich dz sie sein vergesse / so wil ich doch deinen nit vergessen. Darinn gar eigentlich außtruckt wirt / der guot vnnd geneigt will gegen vns. Vnnd so wir bekennend vnd sprächend / das Gott vnser vatter seye / bekennend vnd verjähend wir damitt auch das wir glaubind / das Gott genädig / güetig vnnd barmhertzig gegen vnns sey / der auch nützit dann guots vnd heilsams gegen vns fürnemme / ja das wir von jm habind alles guots an leib vnd an seel.

Allmächtig aber wirt Gott genennt / darum das er alle ding vermag / aller dingen Herr ist / vnd jm alles vnderworffen ist. Darumb er auch ein Herr der herrscharen genennt wirt / dann himmel vnd erden vnd was darinn ist / dz gestirn / alle element / menschen / Engel / Teüffel / alle thier / alle geschöpfften / sind in dem gwalt deß höchsten vnd ewigen Gottes / was er heißt das müessend sie thuon / vnd nützit ist das seinem willen widerstan möge / was er wil das muoß sein. Er braucht auch dise ding alle nach seinem willen vnd gefallen / vnnd ye nach dem es sein gerechtigkeyt vnd der menschen heyl erforderet. Vnd wie wir gleich hie vor bekennt / das vns Gott wol wölle / also bekennend wir hie / das er auch möge das er wil / dann wir bekennend das Gott allmächtig sey / das ist / das jm nützit vnmüglich alles deß das den menschen nutzlich vnnd notwendig ist / ja das er aller dingen Herr vnd vnser starcker helffer sey.

Das aber Gott vnser Vatter / guot / genädig vnd barmhertzig / auch starck / allmächtig / aller dingen Herr / vnser schirmer vnnd erretter sey / das wirt inn seinen wunderbaren wercken erklärt / dann er ist ein schöpffer deß himmels vnd der erden. Mit welcher schöpffung deß himmels vnnd der erden / er gar eigentlich erklärt hatt / wie er gegen den menschen gesinnet seye / Dann do sie noch nit warend / vnnd deßhalb mit keinen wercken noch verdiensten vmb jnn beschulden mochtend / das er jhnen guots thete / da hatt er auß seiner lautteren gnad / vnnd natürlichen güete / himmel vnnd erden erschaffen / ja den herrlichen schönen Pallast / vnd jhnen den zuo bewonen eingeben / auch alle creaturen diser gantzen welt dem menschen vnderworffen. Was grossen kraffts vnd gwalts er aber erzeigt vnnd geüebt habe in der schöpffung aller dingen / das erscheint auß dem / das er allein geredt / vnnd es ist alles worden / er hatt allein gebotten / vnd es ist alles erschaffen / welches so mans eygentlich besicht vnnd bedenckt / was ee die sechs tag einanderen nach erschaffen / wie ordenlich / wie zierlich alles / wie nutzlich den menschen / wie auch on alle arbeit / als dann söllichs nach der lenge von Mose Gen. am ersten Capit.[1.2.3.4.usw.] beschriben wirt / so muoß man gantz erstaunen ab der vnsaglichen güete vnnd krafft Gottes. Darbey müessend wir aber von Gott dem schöpffer auch also halten / das er nit nur alles durch seinen sun der die ewig weißheyt ist erschaffen habe sichtbars vnd vnsichtbars / vnnd das auß nichts / sonder das er auch yetzund alles nichts weniger durch seinen ewigen geist erhalte / schirme / treibe vnd regiere / on welchen geist es alles bald zerfallen vnd zuo nichte wurde. Darumb so bekennend wir in disen worten auch die fürsichtigkeyt vnd weißheyt deß ewigen Gottes / durch welche alle ding erhalten werdend.

Diß ist nun von dem ersten teyl / vnd vom ersten artickel deß glaubens / in welchem erklärt ist / was da antrifft die eigenschafft Gott deß vatters. Dann er ist ein vatter / ja ein vatter vnsers Herren Jesu Christi / vnd auch ein vatter vnd Herr unser aller / ein schöpffer deß himmels vnd der erden / ein verwalter vnd erhalter aller dingen / auß dem alle ding sind / vnd in dem alle ding bestond. Auß dem wirt

XXVIv. 26b

von ewigkeit har geboren ein ewiger sun / der dem vatter gleich / eins wäsens / eines gwalts vnd einer herrligkeit mit Gott dem vatter / durch welchen er auch die welt gemachet hat. Vnd von denen beyden gadt auß der heilig geist / wie der heilig Dauid auch söllichs bezeüget / da er spricht / durch das wort deß Herren sind die himmel erschaffen / vnd durch den geist seines munds all jre heerzüg.

Nun so volget der ander theyl deß glaubens / in welchem begriffen werdend alle stuck vnd geheimnussen die do anträffend den sun Gottes vnseren Herren Jesum Christum. Vnd lautet der selbig ander artickel vnsers Christenlichen glaubens von wort zewort also. Vnd inn Jesum Christum seinen einigen Sun vnseren Herren. Diser artickel begreifft zwey ding / Eins / das wir glaubind inn den Sun Gottes. Das ander / Wer der Sun Gottes sey. Dann wir bekennend hiemit / das wir glaubind / das ist / alles vertrauwen vnnd hoffnung deß lebens vnd der säligkeyt inn den Sun setzind gleich wie inn den vatter. Darumb sprächend wir außtruckenlich / Jch glaub in Jesum Christum / wie wir doben gesprochen / Jch glaub inn Gott vatter usw. Dann also leert vns der Herr Jesus selbs Joan.xiiij.[1] da er spricht / Ewer hertz werde nit betrüebt / Glaubend jr in Gott / so glaubend auch in mich. Jtem / das ist das werck Gottes / das jr glaubind in den / den er gesendt hat. Vnd / das ist das ewig leben / das sie erkennind dich vatter den einigen waaren Gott sein / vnnd den du gesendt hast Jesum Christum. So läsend wir auch im Euangelio Joannis / das der Herr zuo dem blinden den er sehend gemachet hat gesprochen / Glaubst du inn den sun Gottes? Do antwortet der blind der yetz sehend was worden / Herr / welcher ists / auff das ich in jnn glaube / Do sprach der Herr darauff / du hast jn gesehen vnd der mit dir redt der ists / Er aber sprach / Herr ich glaub / vnd bättet jn an. Also lassend vnns auch glauben vnnd anbätten / ja glauben das Jesus sey der waar sun Gottes deß vatters / gleiches gwalts mit dem vatter / doch ein vnderscheidne person von Gott dem vatter / wie Dauid söllichs außtruckt / da er spricht / Der Herr hatt geredt zuo meynem Herren / sitz zuo meiner gerechten usw.

Wer aber der Sun Gottes sey inn den wir also glaubend / das bekennend wir weytlöuffig. Darinnen drey stuck zuo mercken sind / Das erst ist / das wir jn nennend den einigen Sun. Jst er nun ein Sun / vnd ein Sun Gotts deß vatters / so volget deßhalb das sein natur vnnd wäsen / ein Göttliche natur / vnnd ein Göttlichs wäsen sey. Dann darumb nennt jhn Sanct Paulus ein glantz der herrligkeyt deß vatters / vnnd ein außgetruckt ebenbild seines wäsens. Darumb wirt auch dem Sun von den heiligen vätteren recht zuogeben das er einer substantz vnnd eines wesens mitt Gott dem vatter seye.

Dahar dann auch dienet das er genennt wirt der einig oder eingebornen / vnnd erstgeboren sun Gottes / dann wir menschen werdend auch kinder Gottes genent / aber nit von wegen der gemeynsamme der natur / oder das wir Gott gleich sygind im wesen vnd inn der natur / sonder durch die auffnemmung der gnaden. Vnd das ergeret die Juden nit am Herren das er sich ein sun Gottes nannt / wie dann alle glöubigen kinder Gottes sind vnd genennt werdend / sonder das sie wol verstuondend / das er ettwas grössers von jhm selb fürgab / Namlich das er wäre der natürlich Sun Gottes / Gott gleich / ja Gott selbs. Dann also stadt im fünfften capitel deß Euangelisten Joannis / Darumb trachtetend jhm die Juden vil mer nach / das sie jhn tödetind / das er nitt allein den Sabbath brach / sonder auch sagt Gott sey sein vatter / vnnd sich selbs also Gott gleich machet. Vnnd im zehenden Capitel Joannis [30] / nach dem er gesprochen / Jch vnd der vatter sind eins / do huobend die Juden stein auff / das sie jnn versteinigetind. Jesus aber antwortet jnen / vil guoter wercken hab ich eüch

XXVII. / 27a

erzeigt von meinem vatter / vmb welches willen vnder den selben versteinigend jhr mich? Do antwortend jhm die Juden vnd sprachen / Wir versteinigend dich von keines guotten wercks wegen / sonder von wegen der Gottslesterung / vnd das du der ein mensch bist / dich selbs einen Gott machist. Welches gar heittere zeügnussen sind der natürlichen Gottheyt Christi / Wer denen nun nicht glaubt / der hat auch den vatter nicht / Dann wer den Sun ehret / der ehret auch den vatter / Vnnd wer den Sun nicht hatt / der hatt auch den vatter nicht / Vnd so der Sun nicht were natürlicher Gott / so möchte er nicht sein ein Heyland der welt.

Demnach so wirt aber auch außtruckt der namm diß eingebornen Suns Gottes / vnd wirt genennt Jesus Christus. Der namm wirt darumb gesetzt / damit wir inn der person nicht jrrind / vnnd das wir auß dem nammen verstandind / wer der sey inn den wir also glaubend / das ist Jesus. Welcher namm jhm durch ein himmlische eroffnung [offenbarung] ist geben worden / wie dessen auch ettliche vorbildungen vorgangen sind im alten Testament / als am Hauptmann Josue / vnd an Jesu dem Obersten Priester. Dann der Engel gibt söllichen nammen Josephen an / wie Mattheus schreibt vnnd spricht / Maria wirt einen Sun gebären / deß nammen solt du nennen / Jesus / dann er wirt sein volck sälig machen von jhren sünden. Darumb ist diser Sun Gottes Jesus / der welt Heyland / vnnd der / der vnns alle sünd verzeihet / vnnd vnns von allem widerwertigen gewallt erlößt / welches er aber keins wegs vermöchte / so er nicht waarer Gott wäre.

Er wirt demnach auch Christus genennt / das als vil heißt / als ein gesalbeter. Die Hebreer heissends Meßiam / welches wörtlin gemeyn ist nitt nur den Künigen sonder auch den Priesteren. Dann im alten Testament wurdend die Künig vnnd die Priester gesalbet / mitt ausserem öl / welches sein bedeütnuß hatt auff ein anders. Christus aber ist gesalbet mitt dem rechten waaren öl vnnd waaren salbung / namlich mitt der vollkommenheyt deß heiligen geists / wie Joan. am ersten[16] vnd dritten Capitel anzeigt wirt. Darumb wirt der namm Christus recht vnd eigentlich vnserem Herren Jesu Christo zuogeben. Dann erstlich so ist er ein Künig vnd Priester deß volcks Gottes / Demnach so ist auch der heilig geist vollkommen vnd vberflüßig auff jhn gegossen / vnnd fleüßt von jhm als auß einem lebenden brunnen vnd vrsprung inn alle seine glider. Dann er ist der waar recht Aaron / auff dessen haupt gegossen ist das öl / das hernach herab rünt in seinen bart / vnd in die aussersten endt seines kleids. Dann von seiner völle habend wir alle genommen usw.

Zuo letst ist auch in disem anderen artickel zemercken / das wir den Sun Gottes nennend / Vnseren Herren. Das geschicht fürnemlich von zweyer vrsachen wegen. Zum ersten / von wegen der geheymnuß der erlösung / Dann Christus ist ein Herr aller außerwölten / die er errettet hatt von dem gewallt vnnd von der herrschafft deß Teüffels / der sünden vnd deß Tods / vnd hatt sie jhm gemachet zuo einem volck deß eygenthumbs . Vnnd wirt diß also gleichnußweiß geredt / als so ein Herr diener mitt gelt erkaufft / oder so yemandt ettliche die im krieg gefangen bey dem leben behielte / die er aber wol hette mögen töden / oder so sonst yemandt ettliche verurtheylete von dem Todt erloßte / der wäre yetzund deren allen Herr / erlöser / helffer vnnd behalter. Darauff redt Sanct Paulus da er spricht / Jhr sind theür erkaufft / werdend nicht knecht der menschen. Vnnd Sanct Peter / da er sagt / Jhr sind nit mit silber oder gold erlößt / sonder mitt dem kostlichen bluot deß vnbefleckten Lambs. Darnach wirt auch Christus genennt vnser Herr / von wegen seiner Göttlichen krafft vnnd natur / nach welcher jhm alle ding vnderworffen sind. Vnnd dieweyl

XXVIIv. / 27b

das wörtli Herr weit langet vnd vil begreifft / auch etlicher maß die Gottheyt vnd Mayestet vnsers Herren Jesu Christi / so habend die heiligen Apostel söllichs vil braucht vnd dem Herren Christo gemeynlich zuogeben. Als wie Paulus zun Corintheren spricht / ob schon vil Herren sind / so habend wir doch nur einen Herren Jesum Christum / durch welchen alle ding sind / vnd wir durch jn.

Der dritt artickel deß Christenlichen glaubens lautet also / Der empfangen ist von dem heiligen geist / geboren auß Maria der Jungkfrauwen. Jnn anderen articklen habend wir bekennt / das wir glaubind inn Jesum Christum den Sun Gottes vnseren Herren / darinn wir zuo verston gebend / das wir vest glaubind / das Gott der Vatter vns vnnd zuo vnserem heyl seinen Sun der welt geben habe zum erlöser vnnd Heyland / dann das zeigend an die wörtli / Jesus / vnnd Herr. Nun aber in disem dritten artickel / da erklärend wir weiß vnd maß / wie er inn dise welt sey kommen / namlich durch die menschwerdung / Vnd begreifft der artickel zwey ding / die empfäncknuß namlich vnd auch die geburt Christi. Von denen stucken will ich ein ander nach reden / doch vorhin kurtz erleüteren die vrsachen der menschwerdung deß Herren.

Es stuond vmb die menschen also / das es auß mit jhnen was / vnnd hette das gantz menschlich geschlecht müessen verloren sein / vonn wegen der sündenn die vnns allen anhangend / von vnserem ersten vatter Adamen / dann der sünden sold ist der Todt. Vnd darumb so hettind wir nimmer mögen gehn himmel kommen / sonder hettind müessen inn die hell verstossen werden / wann nicht der Sun Gottes zuo vns herab auff erden kommen vnd vnser waarer Emanuel worden wäre / vnnd vns also mit jhm gehn himmel zogen hette. Darumb so ist die fürnemmest vrsach der menschwerdung Christi / das mittlen zwüschend Gott vnd dem menschen / vnd mitt söllichem mittlen / dise widerwertigen partheyen widerumb versüenen vnnd vereinbaren / Dann wo ein mittler ist / da müessend auch zweyspaltungen vnnd partheyen sein. Die partheyen aber sind Gott eines theyls / anders theyls wir menschen / vrsach der zwispaltung vnd vneinigkeyt ist die sünd. Eines mittlers ampt aber ist / die zwispältigen partheyen widerumb vereinbaren. Diß hatt aber nicht mögen sein / es wurde dann die sünd die ein vrsach der zwispaltung was / auffgehebt. Die sünd mag aber nit versüent noch auffgehebt werden / dann durch bluot vergiessen / vnd volgendem todt / Das zeüget Paulus zun Hebreern am neündten Capitel[12]. Darumb hat vnser mittler müessen vnser fleisch vnd bluot an sich nemmen / damit er sterben vnd auch sein bluot vergiessen köndte. Darzuo so ist auch von nöten das einer der ein schidman vnd mittler inn einer sach sein wil / nit ein sächer parteyisch] sonder beyden partheyen gemeyn sey / die er versüenen wil. Darumb so hat Christus vnser Herr müessen sein / waarer Gott vnnd auch waarer mensch. So er allein Gott gewesen were / were er dem menschen forchtsam vnd erschrockenlich / vnd vnfüeglich gewesen. So er dann allein ein mensch gewesen were / so hette er zuo Gott nicht mögen kommen / der ein verzeerend fewr ist. Darumb so ist vnser Herr Jesus Christus die beyde / waarer Gott vnd waarer mensch / vnd deßhalb für beyde partheyen ein füegklicher bequemer mittler. Daruon zeüget der heilig Apostel Paulus vnd spricht / Es ist ein Gott / vnd ein mittler Gottes vnd deß menschen / der mensch Christus Jesus / der sich selbs geben hatt zur versüenung für yederman. Vnd zun Hebr. am ij. vnd ix. Capitel erzellt er vil dz zuo diser handlung dienet. Vnd im andern Capitel[2.9.] gedachter Epistel setzt er noch ein andere vrsach der menschwerdung Christi vnd spricht / Er hat inn allweg söllen seinen brüedern gleich werden / auff das er were ein barmhertziger vnd treüwer hoher Priester vor Gott zuo versüenen die sünd deß volcks / dann darinnen er gelitten hat vnd versuocht ist / mag er auch helffen denen die versuocht werdend.

XXVIII. / 28a

Es ist auch der Sun Gottes vnser Herr Jesus Christus mensch worden / das er die menschen larte alle Gottsäligkeyt vnnd gerächtigkeyt / auch das er were ein liecht der welt / vnd ein exempel der heiligkeyt deß lebens. Dann Paulus spricht / Es ist erschinen die heilsam gnad Gottes allen menschen / vnnd leert vns / das wir verlaugnind das vngöttlich wäsen vnd heiligklich läbind usw. Jn summa / damitt er vns die wir durch die sünd von Gott abgescheiden warend / mit Gott wider vereinbarete / vnd brächte in die gemeynschafft sein selbs vnd aller seiner güetteren / so hat er sich begeben in die gemeynschafft vnserer natur / vnd die menschheyt an sich genommen.

Nun wöllend wir besehen wie söllichs beschehen sey / da lauttet nun das ein stückli disers artickels wie gemäldet also / Empfangen vom heiligen geist. Wir andern menschen alle werdend empfangen von männlichem vnd deßhalb von vnreinem saamen / vnd werdend darumb sünder geboren / ja wie Paulus sagt / kinder deß zorns. Aber das fleisch Christi / ja Christus vnser Herr wirt in der heiligen Jungkfrauwen Maria nit empfangen von Josephen / oder von anderem männlichen saamen / sonder vom heiligen geist / Nit dz der geist an statt des saamens gewesen sey / dann auß geist wirt nützit geboren dann geist / vnser Herr Jesus aber hatt kein fantästischen leib / sonder ein waaren leib / gleicher substantz vnd wäsens wie auch wir / Darumb so ist er empfangen von dem heiligen geist inn dem leib der Jungkfrauwen / also das der heilig geist durch sein ewige krafft verschaffet hat / das Maria on verletzung jhr jungkfrauwschafft fruchtbar ist worden / vnd empfangen hat vß jrem eignen geblüet / vnd also dem sun Gottes ein reinen vnd doch waren menschlichen leib gegeben hat. Welchs mit vilen worten vom Engel Gabriel erleütert wirt im j. cap.[35] Luce / welches ort ich hie übergon wil / dann ich willens von demselbigen ein andermal weitleüffiger zereden. Vnd das es aber mit diser empfäncknuß also zuogon wurde / das hat Gott gleich von anfang der welt vorgesagt / dann in der ersten verheissung sprach er nit / der saamen deß manns wirt der schlangen den kopff zerträtten / sonder der saamen deß weibs. So spricht auch Gott durch die Propheten / Jch wil dem Dauid einen saamen erwecken. Dann es weißt ein yeder wol das gsatzt Mosis von dem erwecken deß saamens deß abgestorbnen bruoders. Wenn einer starb on kind / so muoßt deß abgestorbnen bruoder das verlassen weib seines bruoders nemmen / vnd kinder von jr zeugen / die wurdend gehalten vnd genennt nit als seine / sonder als seines abgestorbnen bruoders kinder. Dieweil nun von Dauiden keiner geboren was / der do könte von einer Jungkfrauwen gebären den Sun Gottes den Heiland der welt / so erweckt Gott selb dem Dauid einen saamen vnnd machet durch seinen geist die heilig Jungkfrauwen Mariam fruchtbar. Welche wiewol sie von keinem man empfangen hat der vom stammen Dauids were / so was doch sie von dem geschlecht Dauids / vnd also füegt es Gott / das dieweil der Sun Gottes / die substantz seiner menscheyt von jrer substantz hat angenommen / das er also von deßwegen ist vnd genennt wirt ein sun Dauids. So weissagt auch Dauid im cx. Psal. [Psal.103] vnnd spricht / Jnn der zierd der heiligkeyt ist auß dem leib der morgenröte das tow deiner geburt / oder das tow deiner geburt ist vß dem leib der morgenröte / in der zierd der heiligkeit / das ist du wirst mitt zierlicher heiligkeit / vnnd wunderbarer weiß geboren werden / Dann es wirt vmb dein geburt ein gestalt haben / gleich wie vmb das touw / das von heitterer morgenröte / als auß einer gebärmuoter geboren wirt. Dann vnder tagen so zeücht die Sunn die feüchte auß der erden / vnd dieweils nit so vil hitz hat / das sie gar möge auffzogen werden / so truckts die zimlich abendt vnnd nachtkelte wider vnnder sich / vnnd machets zuo wasser. Also hatt Gott die Sonnen der gerechtigkeyt / auß der erden / das ist auß dem leib der vnbefleckten vnd reinen Junckfrauwen Marie / füechte [feuchte]

XXVIIIv. / 28b

das ist geblüet außzogen / vnd also wunderbarer weiß mit aller heiligkeyt vnnd reinigkeyt verschaffet vnd gewürckt / das der heilig sun Gottes von der reinen gebärmuoter Marie empfangen vnd geboren ist worden.

Das aber der Sun Gottes in söllicher reinigkeyt / inn dem leib der heiligen Jungkfrauwen Marie auff dise weiß hatt wöllen empfangen werden / ist die vrsach / Das er / der inn dem leib der Jungkfrauwen empfangen ist / waarer Gott ist. Gott aber ist ein verzeerend fewr / das kein vnreinigkeyt erleiden mag. Jtem / dieweyl er / vnser Gott / kommen ist zuo reinigen vnsere menschliche anerborne vnreinigkeyt / so hat er ye müessen vnserer erbsucht ledig vnnd loß / vnnd in allweg heilig sein / damitt er also möchte sich selbs geben zuo einem heiligen vnnd vnbefleckten opffer das da geopfferet wurde für die sünd der gantzen welt / vnnd auff ein mal hinnemme alle sünd der selbigen. Dann was befleckt ist / das kan kein befleckts reinigen / sonder eines vnreinigkeyt vnnd befleckung wirt nur dest grösser / so auch deß anderen vnreinigkeit darzuo kompt.

Das ander stückli aber dises dritten artickels ist das / das wir sprächend / Geboren vonn Maria der Jungkfrauwen. Dann der Herr ist geboren von Maria / die also sein muotter / vnnd dennocht ein Jungkfrauw bliben. Dieweyl er dann von einem menschen geboren / so ist er auch ein waarer mensch. Sein geburt aber ist rein / dann er ist von einer Jungkfrauwen geboren / die also miteinanderen ein Muoter vnd auch ein Jungkfrauw ist. Dann also hat auch Esaias gesprochen / Nimm war ein Jungkfrauw wirt empfahen vnnd gebären einen Sun. Ein Jungkfrauw spricht er wirt die ding beyde thuon / empfahen namlich vnd auch gebären / vnnd dennocht ein Jungkfrauw bleiben. Darumb so ist die geburt deß Suns Gottes gantz rein / vnd darnebend auch waarhafft / dann sein fleisch nicht nur von dem leib der Jungkfrauwen geboren / sonder auch von der substantz der Jungkfrauwen Marie angenommen ist. Darumb dann auch der Herr ein Sun Dauids genennt wirt / Söllichs reimpte sich nitt / wenn er nitt von der Jungkfrauwen Maria die ein Tochter deß geschlechts Dauids was / sein fleisch vnnd sein menschlichs wäsen hette angenommen. Welches eigentlich außzuotrucken der heilig Euangelist Joannes sagt / Das wort ist fleisch worden. Vnnd der heilig Apostel Paulus / Er nimpt keine Engel an sich / sonder den saamen Abrahe. Vnd am selben ort spricht er weytter / das der Herr seinen brüedern inn allweg sey gleich worden / außgenommen die sünd. Vnd zun Philipperen / Do er Gott gleich was / hat er doch sich selbs ernideret vnnd die gestallt eines knechts an sich genommen / vnd ist worden gleich wie ein anderer mensch / vnd an gestallt als ein mensch erfunden. So zeüget auch der heilig Apostel Joannes vnnd spricht / Welcher geist bekennt den Herren Jesum Christum kommen sein inn das fleisch / der ist auß Gott / Vnnd welcher geist nicht bekennt das Jesus Christus kommen sey im fleisch / der ist nicht auß Gott. Wie aber sölliche geburt geschehen / beschreibt der heilig Lucas weytlöuffig inn dem anderen Capitel[2.3.usw.] seiner Euangelischen Histori / von welchem ein ander mal weytter wirt geredt werden. Wir söllend hie lernen also glauben vnnd bekennen / das Jesus Christus der Sun Gottes empfangen sey von dem heiligen geist / vnd geboren von Maria der Jungkfrauwen.

Der viert artickel vnsers Christenlichen glaubens ist der / Gelitten vnder Pontio Pilato / creütziget / gestorben vnnd begraben. Jst abgefaren zuo den Hellen. Jnn disem vierdten artickel wirdt erkläret / das ende / auch die fürnemmeste / frucht vnnd nutzbarkeyt der menschwerdung

XXIX. / 29a

deß Herren. Dann darumb ist er mensch worden / das er möchte leyden vnnd sterben / vnnd mitt disem seinem leiden vnnd sterben vnns vom ewigen tod vnd von der pein der hellen erlösen / vnnd vns reinigen vnnd zuo erben deß ewigen läbens machen. Dann von deß ends wegen ist der Herr gestorben / wie wir bald anzeigen wöllend / vnnd Paulus erklärt sölichs nach der lenge zun Hebreern am ix. Capitel.

Es hatt aber diser artickel auch seine stuck / die wir kurtz ein anderen nach bsehen wöllend. Zum ersten so bekennen wir das der Herr gelitten habe / ja warhafftigklich vnd nit vermeinter weiß. Dann er hat gelitten ellend vnd trüebsal diser zeit / demnach auch die pein vnd marter von denen die jn creützigtend / deßgleich den bitteren todt selb / hat deßhalb gelitten am leib vnd auch am gemüet / vnd das vilfaltiglich. Dann auch Esaias spricht / er ist ein man der schmertzen wol erfaren hatt / vnd er tregt vnsere kranckheiten vnnd duldet vnsere schmertzen. So spricht auch der Herr im Euangelio selbs / Mein seel ist bekümmeret biß in tod. Das alles aber hat er gelitten von vnseretwegen / dann in jm was kein sünd oder ützit [auch nichts] darumb er leiden sölte.

Zum anderen so wirdt auch gemeldet die zeit vnd der Richter Pontius Pilatus vnder welchem vnser Herr Jesus Christus gelitten vnnd die wält vonn der sünd / vom tod / vom Teuffel vnnd der hellen erlößt hatte. Namlich so hatt der Herr gelitten vnder der Monarchij der Römeren / zun zeiten deß Keisers Tiberij / als ietz das Jüdisch volck nach der weißsagung deß Ertzuatters Jacobs oder Jsraels frembden herren vnderworffen was / vnnd keine eigne künig oder fürsten vom Jüdischen stammen mehr hatte. Dann also hatt Jacob vor gesagt / das zuo der selben zeit / der Meßias kommen würde. So hatt es auch der Herr im Euangelio selb vor seinem leiden offt vorgesagt / er würde in die händ der Heiden vberantwortet vnd von jnen getödt werden.

Zum dritten so truckend wir auch vß die weiß seines leidens / dann wir setzend druff / creützget / vnd am creütz gestorben. Der tod deß creützes was nit nun der aller schmächlichest / sonder auch der aller schmertzlichest todt. Den hatt aber der Herr auff sich genommen / das er für die wält gnuog thäte. Es warend auch im alten testament dessen etliche vorbildungen vorgangen / das der Herr ans holtz würde auffgehenckt werden. Dann do Jsaac solt auffgeopfferet werden / do ward er auff die holtzbigen gelegt. Jtem der ehrin schlang ward von Mose an einem pfal auffgericht vnd auffgehenckt. So spricht auch der Herr selb / Nach dem ich erhöcht wird / wil ich es alles zuo mir ziehen. Am creütz ist er auch gestorben vnd hat Gott seinen geist auffgeben. Jst ja warlich gestorben wie bald hernach volgen wird. Da ich nun kurtz auch muoß anzeigen die frucht deß tods Christi. Erstlichen so warend wir verflüecht von wegen der sünden / den fluoch hat er nun auff sich genommen / ist auffgehenckt ans creütz / damit er den fluoch hinnemme / vnd wir in jhm gebenedeyet vnd gesegnet wurdind. Demnach so hatt vns die erbschafft / so vns durch das testament Gottes verordnet / nit mögen werden / der sturbe dann vor / der das testament verordnet vnd auffgericht. Gott aber hat sölichs testament verordnet vnnd auffgericht. Welcher / damit er sterben möchte / so hatt er die menschheit an sich genommen / vnd ist gestorben nach der menschlichen natur / damit wir die erbschafft erlangeten. / So spricht auch Paulus / Den der von keiner sünd nicht wüßt / den hat Gott für vns zur sünd gmachet / damit wir durch jn wurdind die gerechtigkeit Gottes. Also ist Christus vnser Herr ein versüenlicher mensch vnnd ein sündopffer für vns worden. Auff welchen gleich wie im alten testament auff den bock der die sünd truog / alle sünd der gantzen welt gelegt vnd geladen sind / welche er alle mit seinem sterben hingenommen vnnd versüent hatt /

XXIXv. / 29b

also / das daß einig opffer Christi gnuog thon hat für die sünd der gantzen welt / welchs fürwar die höchst nutzbarkeit vnd die gröst frucht ist des tods Christi / auff welche alle heiligen Apostel Christi allenthalben gar hefftig tringend. Demnach so leert vns auch der todt Christi gedult / vnnd absterbung vnsers fleisches / ja Christus mit seiner gemeinschafft würckt durch seinen heiligen geist inn vns / das die sünd nit in vns regiere vnnd vberhand nemme. Von welchem der heilig Apostel Paulus vil geschriben hat / besonders zun Römern am vj. cap. vnd der Herr im Euangelio spricht / Math. xvj. [24][Marc.8] wer mir nachuolgen wil / der verlaugne sich selber vnd nemme sein creütz auff sich vnnd volge mir nach. Das sind vnder anderen / etliche frücht des leidens vnd sterbens vnsers Herren Jesu Christi.

Zum vierdten stat / vnnd begraben. Dann Christus ist am creütz warhafft gstorben / vnd die warheit seines tods ist bewert durch den kriegßman der jm in sein seiten stach. Demnach ist er vom creütz genommen / vnd glegt in ein grab / vnd werdend im Euangelio / die gnamset / die jn begraben / Joseph nemlich vnd Nicodemus. Es wirdt auch angezeigt / wie sie jn begraben habend. Die frucht aber seiner begrebt / legt der Herr selbs auß mit disen worten / Warlich warlich sag ich euch / es seye dann das daß weitzenkörnlin in die erden falle vnnd ersterbe / so bleibts allein / wo es aber erstirbt / so bringt es vil frucht. Es ermanet vns auch der heilig Apostel Paulus / das wir mit Christo begraben werdind in seinen todt / damit wir in einem newen leben wider aufferstandind / ja das wir ewigklich mit jm läbind vnd regierind. Darumb so vnsere leichnam gleich auch stärbend / sollend wir doch nicht sorgfeltig sein / dann die glöubigen werdend darumb begraben / das sie mit Christo wider aufferstandind. Das fünfft stuck diß iiij. artickels setzend etlich für ein besonderen / vnd namlich für den fünfften artickel des glaubens. Jch gsich aber kein rechtmäßig vrsachen / darumb man das stückli von dem vorgenden absündere / vnnd ein besonderen artickel des glaubens darauß mache. Es lautet also / Jst abgefaren zu den hellen / von disem sind mancherley meinungen der gelerten. S. Augustin inn dem buoch de fide et symbolo / gedenckt der worten nit in der erzelung des glaubens / er legt sie auch nicht auß. S.Cyprianus schreibt ein semmlichs [also]. Man soll wissen das in der bekantnuß des glaubens der Römischen kirchen das nit stat / Jst abgefaren zuo den hellen. So werdend auch die wort nit braucht inn den Orientalischen kirchen. Jch halt aber das die krafft diß wörtlins vergriffen seye / inn dem da man spricht / gstorben vnnd begraben / das sagt Cyprianus. Welche wort sich ansehen lassend als ob deß heiligen Cypriani meinung seye / das daß abfaren Christi zur hellen nichts anders seye dann begraben werden / wie auch der heilig Ertzuatter Jacob spricht / Jr werdend meine grawe har mit schmertzen zur hellen bringen. Dargegen sind aber andere / die da meinend / es habe diser verstand kein ansehen noch rechnung / dann es seye nit wol glaublich / das ein ding / das man einest heiter rede / gleich durch ein duncklere red verfinstere / sonder vil mehr / wenn zwen sententz zuosamen gesetzt werdend / die ein ding heissen vnd außtruckend / so sey allweg der nachgeender sententz heiterer dann der vorgeend / vnd als vil als ein außlegung des vorgeenden. Das sey aber hie nit / dann der vorgeende sententz / Er ist begraben / seye heitterer / dann der nachgend / Jst abgefaren zur hellen / der etwas tünckler seye. S. Augustin in der 99. epistel an Euodium bemüehet sich selb hierinn fast. Vnd ad Dardanum de praesentia Dei schreibt er / der Herr seye wol in die hell gangen / habe aber kein pein noch schmertzen gelitten. Es ist aber vil das einfaltiger das wir den artickel also verstandind / das wir glaubind / das die krafft des tods Christi / auch zuo den abgstorbnen kommen seye / vnd die genützt hab / Das ist / das alle heiligen

XXX. / 30a

Ertzuäter vnd glöubige so vor der zuokunfft Christi abgestorben erhalten sygind worden vor dem ewigen todt / von wegen des tods Christi / wie dann auch S. Peter meldet / das der Herr hingegangen seye / vnnd geprediget habe den geistern inn der gefencknuß die vor zeiten vnglöubig warend. Dann on zweiffel so ist auch denen kund worden durch den todt Christi / die gerechtigkeit vnd billigkeit jrer verdamnuß / das dieweil sie gelebt / nicht glaubt habend mit Noe vnd den seinen in den künfftigen Meßiam. Es mögend auch durch die Inferos, wie es die latinischen nennend verstanden werden / nit die ort da die gottlosen pynget werdend / sonder die abgstorbnen glöubigen / wie wir dann auch inn der selben sprach nennend superos, die / die noch auff erden läbend. Also ist die seel Christi abgfaren ad inferos zur hellen / oder zuo den abgstorbnen / das ist / sie ist genommen worden in die schoß Abrahe / dahin alle abgstorbnen glöubigen versamlet warend. Dann da der Herr zu dem mörder der mit jhm gecreützigt ward / spricht / heüt wirst bey mir sein im Paradyß / da verheißt er jhm die gemeinschafft deß läbens mit den außerwelten seelen. Vonn der schoß Abrahe redt der Herr sonst beym heiligen Luca am xvj. Cap.[22]. Das aber hie stat das der Herr abgefaren sey / das ist nach bsonderer weyß zereden zuo verston / dann sonst so ist offenbar auß dem heiligen Luca / das die schoß Abrahe ein ort ist / das von dem abgrund der hellen weit abgesönderet vnd in der höhe ist. Denen dingen aber zuo geferlich [fürwitziglich] nachfragen / vnnd eigentlich wöllen daruon reden / ist mehr ein spitzfündigkeit dann ein gottseligkeit. Das ist die summ dessen das wir hierinn bekennend / nemlich das die seelen vntödtlich seyend / vnnd das sie angehends vom leiblichen todt gehend in das leben. Das auch alle heiligen vom anfang der welt an durch Christum im glauben sigend geheiliget / vnd in Christo vnd durch Christum empfahend die erbschafft des ewigen läbens.

Auff das volgete nun der v.artickel / aber die stund ist hin / darumb wir den selbigen sparen wöllend in die nechste predig. Jetz aber wöllend wir mit ein anderen Gott vnseren himmlischen vatter bitten / das er durch seinen heiligen geist in vnsere hertzen geben vnd einblasen wölle disen waren vnd läbendmachenden glauben / der sich dann streckt vnnd verlaßt auff Gott den vatter / vnd den Sun / auff den vatter / als auff den schöpffer aller dingen / auff den sun / als auff den heiland der gantzen welt. Welcher darumb von himmel kommen / vnd in dem leib der heiligen junckfrawen Marie ist mensch worden / das er were ein mittler zwüschend Gott vnd dem menschen / vnnd die bede partheyen mit ein anderen versüenete vnd vereinbarte. Auch das er hette / mit dem er der gerechtigkeit Gottes gnuog thuon vnd vnsere sünd reinigen möchte / welche er mit seinem leib tragen vnd hingenommen hat / vnd alle glöubigen gemachet zuo erben deß ewigen läbens. Darumb lassend vns loben die gnad Gottes / vnd danck sagen seinem Sun / dem allein alle ehr vnd glori zuogehört / Amen.

XXXv. / 30b

8.Pr.Die Achteste Predig.

Von den vier volgenden articklen vnsers heiligen Christenlichen Apostolischen glaubens.

LAssend vns jhr geliebten im Herren vor allen dingen Gott den Herren ernstlich anrüeffen vnd bitten / das er vns nach seiner grossen güete vnnd barmhertzigkeyt / geist vnd gnad verleihen wölle / das wir recht vnd ordenlich / vnd mit vil frucht fürfaren mögind / vnnd reden auch von den vbrigen articklen vnsers heiligen waaren Christenlichen glaubens.

Der Fünfft artickel vnnsers glaubens ist diser / Am dritten tag wider aufferstanden von den todten. Dises ist gar nach der fürnemmest artickel deß glaubens / vnnd ist kaum einer / den die heiligen Apostel meer treibind / vnnd den sie eygentlicher erleütterind vnnd bewärind als disen / dann es wäre nicht gnuog gewesen mitt dem / so vnnser Herr Jesus Christus allein für vns gestorben wäre / wann er nicht auch wäre von todten wider aufferstanden. Dann wenn er nicht aufferstanden / sonder im todt bliben wäre / wer wolt die menschen bereden das die sünd durch seinen todt versüenet / der todt vberwunden / der Teüffel gedämpt [sein macht genommen] / vnnd die hell den glöubigen zerbrochen vnd außgelöscht wäre. Es wurdind die bösen Gottlosen menschen erst Gott lestern / vnd also vnseren glauben vnd hoffnung verspotten vnnd sagen / Es ist doch keiner von Todten aufferstanden / der vnns gesagt habe ob ein anders leben nach disem / vnnd was das selbig für ein leben seye / darumb dieweyl keiner widerkeert / so ist nichts was die bladerer [blauderer] vom ewigen leben täperend [klappern] usw. Deßhalb damit der Herr der gantzen welt zuo verston vnd zuo erkennen gebe / das ja nach disem läben ein anders leben seye / vnd das die seelen nicht sterbind mit sampt den leyben / sonder läbind / So ist der Herr am dritten tag wider von todten aufferstanden / vnd hat sich seinen Jüngern erklärt. Mit wölchem er dann auch bewert vnd erzeygt das die sünd versüent / der Todt entkrefftiget / der Teüffel vberwunden / vnd die hell zerstört sey. Dann der stahel deß Tods ist die sünd / vnnd der Tod ist ein lon vnnd besoldung der sünden. Der Teüffel aber ist deß Tods gwaltig / vnd von der sünden wegen wirfft er die menschen inn die hellen. So aber nun Christus widerumb läbendig von todten aufferstanden ist / so hatt der Todt nit mögen vber jn herrschen. Dieweyl nun dann sein herrschafft genommen vnd brochen / so volget gleicher maß das auch der Teüffel vnd die hell durch Christum vberwunden / vnd die sünd darinn alle krafft vnd alles vermögen deß Teüffels vnnd der hellen gestanden / hingenommen vnd versüenet seye. Vnnd also besiglet die aufferständtnuß [aufferstehung] vnsers Herren Jesu Christi / vnser heyl vnd erlösung / vnd machet vns deren gwissz / also das wir daran nit mer zweiflen könnend. Darumb so bekennend wir in disem artickel / das vnser Herr Jesus Christus von todten aufferstanden sey / ja das er vns von todten aufferstanden sey / das ist das er vns die sünd durchtilcket / vns vnd von vnsertwegen den Todt / den Teüffel / vnnd die hell vberwunden habe / wie Paulus spricht / Gott hat vns sälig gemachet / vnd berüefft mit einem heiligen beruoff / nit nach vnseren wercken / sonder nach seinem fürsatz vnd gnad / die vns gegeben ist in Christo Jesu vor der zeyt der welt / yetz aber geoffenbaret durch die erscheinung vnsers Heylands Jesu Christi / wölcher dem Tod hat die macht genommen vnnd das leben / vnd ein vnzergäncklich wäsen an das liecht bracht durch das Euangelium. Dergleichen ist auch noch vil zun Röm.iiij j.Cor.xv. vnd anderßwo. Jm Euangelio Joannis spricht

XXXI. / 31a

der Herr selb / Jch bin die vrstende [aufferstehung] vnd das leben / wer inn mich glaubt / ob er schon sterben wurde / so wirdt er läben / vnd wer da läbt vnd glaubt inn mich / der wirdt nicht sterben ewiglich.

Nun wöllend wir aber auch ein ander nach besehen die wort deß artickels. Da bekennen wir nun zum ersten das der Herr wider aufferstanden sey. Aufferstan / heißt nach eim fal oder nach dem einer gelegen wider auffstan / was falt das stat wider auff / Christi leib ist gfallen / das ist gestorben / darumb so stat Christi leib wider auff / das ist / der leib der vorhin ehe er starb / läbt vnd würcket / stat wider auff / läbt vnd würcket wider. Dann Tertulianus de resurrectione carnis spricht recht / das wörtlin aufferstan / gehört keinem ding zuo / dann dem das vorhin gefallen / dann nichts mag aufferstan dz vorhin nit gefallen / sonder dieweil es gefallen ist / vnd wider auff stat / so nent mans aufferstan. Dann das wörtli (Re) in latin / wie bey vns teütschen dz wörtli (wider) wirdt braucht / wenn ein ding wider wirdt oder geschicht wie vorhin. Darumb da die weiber im Euangelio zum grab giengend den leib deß Herren zuo salben der am creütz was gehangen / do sprach der Engel zuo jhnen / was suochend jhr den läbendigen bey den todten / Er ist nicht hie / sonder er ist wider aufferstanden usw. Die histori aber der aufferstentnuß deß Herren ist bekant auß dem xxiiij. Capitel Luce / vnd dem xvj. Marci / vnd der heilig Apostel Petrus im ij. Capitel der geschichten der Apostlen in seiner ersten predig bezeüget auß Dauiden die war vrstende [aufferstendtnuß] Christi / vnd zeigt heiter an das Christus warlich von den todten wider aufferstanden sey.

Auff dises aber sprechend wir weiter / das der Herr wider aufferstanden sey auß oder von den todten. Mit welchem stückli wir außtruckend die warheit deß tods oder die vrstende [aufferstendtnuß] Christi / dann der leib oder das fleisch stirbt / das aber ietz gestorben ist / wirt wider aufferweckt. Darumb so wirdt der leib oder das fleisch aufferweckt / vnd ist so vil geredt als wölte einer sagen / Christus vnser Herr ist gestorben gleich wie wir anderen menschen alle / ist aber vnder den todten nit bliben / sonder hat eben das fleisch das er ein mal als ein sterblich fleisch hat an sich genommen / vnd durch den tod von jm gelegt / ietz als ein vnsterblich fleisch wider angenommen. Dann Dauid hatt also daruon geweißsaget / du wirst mein seel nit in der gruoben lassen / noch zuogeben das dein heiliger die verwäsung sehe. So ist auch Christus der erstgeboren von den todten / in welchem als inn dem haupt hat söllen erklärt werden / wie es ein gestalt wurde haben vmb die vrstende [aufferstehung] aller seiner glideren am tag deß Gerichts.

Demnach so bekennend wir auch / das dise vrstende [aufferstehung] geschehen sey am dritten tag / verstand nach seinem tod / dann am rüstag / das ist am freytag ward er vom creütz genommen vnd begraben / da rüewet er den gantzen Sabbath oder Sampstag / vnnd am morgen früe deß ersten tags der Sabbathen / das ist deß erstentags in der wuchen / welchen wir den Sontag nennen / stuond er wider von den todten auff. Vnd darumb ob wir wol läsen im xij. Cap. Matthei [40] / das der Herr gesprochen / gleich wie Jonas drey tag vnd drey nächt gewesen ist im bauch deß wallfischs / also wirdt der Sun deß menschen drey tag vnnd drey nächt sein in mitten der erden / so gibt doch der Herr im xvj[21].vnd xx. Capitel sich selbs zuo verstan / das er sölichs durch ein syneckdocham geredt [figürlich geredet] / dann er spricht / ich muoß hingon gehn Jerusalem / vnd vil leiden von den schrifftgelerten vnd eltesten / vnd vmbkommen / vnd am dritten tag wider aufferstan.

Der sechst artickel vnsers glaubens ist diser. Jst auffgefaren zuo den himlen / da er sitzt zuo der gerechten Gotts deß allmächtigen vatters. Ja der leyb ist auffgefaren zuo himmel / vnd sitzt zur gerechten Gottes deß vatters / der mit vns eines wäsens ist / der vonn Maria der junckfrawen genommen / ja

XXXIv. / 31b

von der substantz der junckfrawen Marie ist angenommen / der am creütz gehangen vnd gestorben / der begraben vnd wider aufferstanden ist. Dann nach dem der Herr viertzig tag lang vilfaltig seinen jüngeren die warheit seiner vrstende vnnd das reich Gottes zuo verston geben hatt / da ist er auffgenommen worden gen himmel.

Mit welcher himmelfart er aller wält erklärt vnnd angezeigt hatt / das er ein Herr aller dingen seye / vnnd das es jhm alles vnderworffen seye was im himmel vnd auff erden ist / vnd das er seye vnser stercke / krafft vnd ruom wider die poren [porten] der hellen. Dann mit dem das er auffgefaren ist gen himmel / hatt er die gefencknuß gefangen gefüert / seine feyend beraubet / vnnd sein volck reich gemachet / welches er auch täglich mit allerley geistlichen gaben überschüttet. Dann er sitzt ietz inn der höhe / das er sein krafft vonn dannen vber vns außgiesse / vnns zuo geistlichem läben läbendig mache / vnnd mitt allerley gnaden vnnd gaben ziere / vnnd das er auch sein kirchen wider alles vbel schütze vnd schirme. Dann er ist vnser Gott / heiland / König vnd oberster priester. Darumb do sich die Capernaiter an dem ergertend / das der Herr sich selbs genent hatt das brot deß läbens / das von himmel herab kommen / vnd der wält das läben gäbe / do sprach der Herr / wie? Ergeret eüch das? Wie so jhr sehen werdend den sun deß menschen auffaren dahin da er vor was? als wölte er sagen / jhr werdend freylich auß meiner läbendmachenden vrstende [aufferstehung] / vnnd herrlichen himmelfart erfaren vnnd erkennen das ich das brot deß läbens bin / das von himmel kommen ist / vnnd das ich wider auffgenommen gen himmel / bin / vnd bleib der heiland / vnd das läben der wält / auch ein Herr deß himmels vnnd der erden. So spricht auch der heilig apostel Petrus im buoch der geschichten / So wüsse nun das gantz hauß Jsrael / das Gott disen Jesum den jr creütziget habend / zuom Herren vnd Christo gemacht hatt.

Demnach aber so ist der Herr nitt nur vonn todten wider aufferstanden zuo seinen jüngeren / sonder auch den selben vnder augen gen himmel gefaren / auff das wir all deß ewigen heilßs vergwüßt wurdind / dann mit dem das er auffgefaren / hatt er vns ein ort bereitet / den wäg zuo gerüst / vnnd den glöubigen den himmel auffgethan. Vnd hatt also Gott den waaren menschen den er von vns angenommen / in den himmel gesetzt zur läbendigen vnd vesten zeügknuß das auch alle glöubigen gen himmel werdind genommen werden. Dann es müessend die glider jhrem haupt gleichformig werden / Christus vnser haupt ist von todten aufferstanden / so werdend auch die glider aufferston / vnnd wie die wolcken den Herren hingefüert hatt von den augen der jüngeren / also werdend wir glöubigen alle dem Herren entgegen gezuckt werden in den wolcken / vnd werdend also vberal ewigklich mit seel vnd leib sein vnnd wonen inn himmlen bey vnserem Herren vnnd haupt Christo Jesu. Welches der Herr selb heiter zeüget Johannis am viertzehenden Cap [Joan.4.]. Da er spricht / Jch gehe hin eüch ein ort zuo bereiten / vnnd ob ich schon hingeh eüch die statt zuo bereiten / wil ich doch wider kommen / vnd euch zuo mir nemmen / auff das jr seyend wo ich bin. Vnd der heilig Apostel Paulus spricht / wir / die wir läbend vnd vberbleibend / werdend mit einander mit den selbigen hingezuckt werden inn den wolcken / dem Herren entgegen in den lufft / vnd werdend also bey dem Herren sein alle zeit. Darumb so bekennend wir mit disem artickel / das Jesus Christus gen himmel genommen / ein Herr sey aller dingen / Jtem ein künig / hoher priester / erlöser vnd heiland aller glöubigen inn der gantzen wält. Wir bekennend auch das wir glaubind in Christo vnd von Christi wägen sein ein ewigs läben / welches wir an vnseren leiben am jüngsten tag / an vnseren seelen aber / so bald wir auß diser zeit scheidend empfahen werdind.

XXXII. / 32a

Wir wöllend aber auch die wort dises artickels besehen. So sprechend wir nun / Er ist auffgefaren. Wer ist auffgefaren? Der namlich / der von Maria der junckfrawen geboren / creützget gestorben vnd begraben / vnnd widerumb von todten aufferstanden ist. Der ist auffgefaren / namlich mit seinem leib vnd seiner seel. Wohin ist er aber gefaren? da stat. Zuo den himmlen / das wörtli himmel / wirdt in der geschrifft nit allweg auff gleiche art gebraucht. Etwan wirdt es genommen für das gantz firmament vnd für den vnderschlacht [-] oder veste die ob vns ist / daran dz gestirn ist / welches man nent die zierd der himmlen / oder das himmelisch heer. Etwan aber wirts genommen für den lufft der ob vns ist / darinnen die vögel hin vnd wider fliegend. Dann David spricht / du bist mit liecht gleich als mit einem kleid geziert / du spannest den himmel auß wie ein blachen. Jtem / Jch wil beschawen die himmel / die ein gemächt sind deiner fingeren / den Mon vnd die sternen die du so ordenlich bereitet hast. Jtem / der den himmel mit wolcken deckt / das er der erden rägen rüste. Vnnd weiter / die allmechtigkeit Gottes erzellend vnd kündend auß die himmel / vnnd das firmament verkündet seiner händen werck. Demnach so wirdt auch das wörtli himmel genommen für den stuol oder wonung Gottes / vnd für das ort / den sitz vnnd die wonung der säligen / da sich Gott seinen glöubigen zuo sähen vnnd zuo niessen gibt. Dauon Dauid auch zeüget vnd spricht / Der Herr hat sein stuol im himmel gerüst. Vnnd der Herr im Euangelio / Jr söllend nicht schweeren beim himmel / dann er ist Gottes stuol. Vnd Paulus / wir wüssend / wenn vnser irdisch hauß diser hütten zerbrochen wirdt / das wir ein baw habend vonn Gott / ein hauß nit mit händen gemacht / sonder ein Ewigs im himmel. Jn disem verstand wirdt der himmel genommen für das reich Gottes / für das reich deß vatters / für die ewige fröud vnd säligkeit / ja für die ewige ruow / für den ewigen friden / vnd für das ewig läben. Vnnd wiewol Gott mit keinem ort mag vmbzilet werden / wie er dann spricht / der himmel ist mein thron / vnnd die erden ein schämmel meiner füessen / so wirdt jm doch zuogeben das er im himmel wone / darumb das im himmel sonderlich sein herrligkeit erscheint / vnnd er sich inn himmlen seinen glöubigen zuo sehen vnnd zuo niessen gibt / wie die schrifft redt / wir werdend jhn sehen wie er ist / Jtem niemandt wirdt mich sehen vnd läben spricht der Herr. Es wirdt auch Christus der Herr nach seiner Gottheit mit keinem gewüssen ort vmbzilet noch begriffen / Aber nach seiner menschlichen natur / welche er gen himmel gefüert hat / ist er in himmlen an eim gewüssen ort / vnd nit hieniden auff erden oder allenthalben leiblich / sonder mit seinem leib ist er von vns abgescheiden vnd auffgefaren zuo himmel. Denn das heißt auffaren / wenn einer das verlaßt das da vnden ist / vnnd fart zuo dem das da oben ist. Also hat Christus die erden verlassen / vnnd hat seinem leib einen sitz gemachet vber alle himmel / nit dz er vber alle himmel vßgefaren / sonder dz er auffgefaren in den eüssersten vnd obersten himmel / da die säligen vnd außerwelten jr wonung habend. Welchs Paulus gar eigentlich außtruckt da er spricht / vnser burgerschafft ist in himmlen / von dannen wir auch wartend deß heilands usw. So spricht auch der heilig Euangelist Lucas / vnd als er sie sägnet / trat er von jhnen / vnd fuor auff gen himmel.

Was darffs aber vil außlegens / dieweil in volgenden worten deß glaubens sölichs selbs heiter außgelegt vnd erleüteret wirdt. Dann es volget also / sitzt zuo der gerechten Gottes deß allmechtigen vatters / auß welchen worten wir wol verstond / was der himmel für ein ort sey / vnd was Christus in himmlen thüege. Es gebürt sich wol nit vnser blödigkeit / wöllen die heimligkeiten der himmlen erfüntelen vnd ergründen / darnebend aber so ist nit vnrecht / dem nachforschen / dz was in der schrifft wirt fürgestelt / vnd dz wir es auch also haltind vnd glaubind /

XXXIIv. / 32b

wie es vns fürgestelt wirt. So stat nun hie einfaltig das der Herr sitze / vnd das zuor gerechten Gottes deß allmechtigen vatters. Da wöllend wir nun besehen auß den zeügnußen der geschrifft / was die gerechte deß vatters sey / vnd was es heisse sitzen zuor gerechten deß vatters.

Die gerechte Gottes deß vatters wirt inn der geschrifft auff zweierley weiß genommen. Erstlich für das Ort der säligen / vnnd für die ewig säligkeit selbs so in himmlen ist / Welchs auch Augustinus vor vns gemerckt vnd geleert hat / welcher im büechlin de Agone Christiano am xxvj. Cap. also schreibt / Die gerechte deß vatters ist nichts anders dann die ewige säligkeit / die den glöubigen geben wirt / gleich wie auch die linck genommen wirt für die ewig verdamnuß / die vber die vnglöubigen kommen wirt / das also nitt in Gott / sonder inn den creaturen das sol verstanden werden / das wir also von der gerechten vnd von der lincken Gottes redend. Söllichs schreibt aber der heilig Augustinus nit on grund der geschrifft / dann auch Dauid also sagt / du wirst mir kund thuon den wäg deß läbens / mit deinem angesicht wirst du mich erfröwen / lust vnd wun ist bey deiner gerechten ewigklich. Was ist dz anders geredt / dann hette er gesprochen / du wirst mich füeren in das ewig läben / in den himmel selbs / da wird ich ersettigt werden mit fröuden / so ich dich ansehen beschowen vnd niessen wird / dann in deiner gerechten / das ist in der ewigen säligkeit ist nichts dann immerwerende fröud. Also läsend wir auch im Euangelio das die schaf zuor gerechten / die böck aber zuor lincken werdind gestelt werden. Vnnd nach disem verstand so heißt sitzen nüt anders dann ruowen von aller arbeit / säligklich vnd in friden läben. Wie dann auch der Prophet die weiß zuo reden braucht / da er spricht / Es wirdt ein jeder vnder seiner weinräb sitzen / das ist / es wirt grosser frid ruow vnd sicherheit sein. Vnd also in disem verstand / ist auch die gerechte Gottes endtlich / vnd heißt ein gewüsses ort. Vnnd da wir bekennend das der Herr sitze zuor gerechten deß vatters / da bekennend wir das er aller müehe vnnd menschlichen blödigkeit entladen / ietzund nach seiner menschlichen natur in ruow vnnd fröuden an einem gewüssen ort deß himmels / dahin wir auch glaubend das vnsere leyb vnnd seelen kommen werdind / seye. Wie dann der Herr im Euangelio selbs zeüget / das in seines vatters hauß vil wonungen seyend / vnd er gange hin die selbigen zuo bereiten / vnnd wiewol er hingange / werde er doch wider kommen / vnd vns zuo jm nemmen / auff das wo er seye / auch wir daselbst vnd am selbigen ort sigend. Darumb so glaubend wir das Christus in himmlen ruowe / an dem ort / da er auch vns ein ort der ruow bereitet hatt / an welchem wir ewigklich inn fröuden sein werdind. Vnd dieweil vnsere leib in der ewigen fröud nit werdend allenthalben zuomal / sonder an eim gewüssen ort sein / so spricht der heilig Augustinus recht das Christus nach art eins waaren menschlichen leibs an einem gewüssen ort deß himmels seye. Vnd der heilig Cyprianus / das sitzen zuor rechten deß vatters / seye ein geheimnuß deß angenommen fleischs.

Demnach so wirt die gerechte Gottes auch genommen / für die krafft vnd für den gewalt / für das reich / den schutz vnd schirm Gottes. Als wie Dauid spricht / die gerechte hand deß Herren ist die höchst vnd würcket krafft. Vnd Moses / Herr dein rechte hand ist herrlich in der krafft / Herr dein rechte hand hat die feind zerbrochen. Vnd nach disem verstand so heißt sitzen / regieren / erretten / gewalt üeben / vnd thuon als ein fürst vnd oberer. Also spricht Dauid / Der Herr hat gesagt zuo meinem herren / sitz zuo meiner gerechten / biß ich deine fyend mache zuom schämel deiner füessen. Vnd der prophet Zacharias / Nimm war der man / deß nammen Zwyg ist / der wirt von seinem ort herfür wachsen / vnnd deß Herren tempel buwen / der wirdt auff deß Herren thron sitzen vnd herrschen / vnd er wirt sein ein priester auff seinen thron usw. Vnd also ist die gerechte Gottes vnendlich /

XXXIII. / 33a

vnd wirt mit keinem ort vmbzilet. Vnd so wir bekennend das der Herr sitze zur gerechten deß vatters / so bekennend wir also / das er erhöcht sey vber alles / vnd das jhm alles vnderworffen sey / Wie Paulus spricht zun Ephes.am j. cap. Ja das er also erhöcht / das er alles vermöge / dz er regiere vber die gantze gmeynd vnd kirchen / das er die seinen errette / das er inn himmlen vns bey dem vatter verträtte / das er mit seiner Göttlichen krafft allenthalben zuogegen sey. Dann dahin dienet auch / das in dem artickel bey dem sitzen / auch der allmächtigkeyt gedacht wirt / namlich / sitzet zur gerechten Gottes deß allmächtigen vatters. Darumb er auch im Euangelio Matthei selb spricht / Mir ist gegeben aller gwalt in himmel vnd auff erden / Darumb gond hin vnd füerend mir zuo alle völcker usw.

Also achten ich gnuogsam in disen kurtzen worten außtruckt sein / was das für ein ort deß himmels sey / da vnser Herr Jesus der Sun Gottes nach seiner angenomnen natur sitzt / ist / vnd wonet / namlich das ort der ewigen ruow / fröud vnd säligkeyt / da er yetzund in ewiger fröud / on alle müehe vnnd schmertzen ist / wie auch wir die wir glider Christi sind / an dem ort sein werdend. Vnd wiewol er aller müehe vnd arbeyt entladen / so verstond wir doch nicht das er müeßig da sitze / Dann er ist der waar Künig / Priester vnd Gott in disem waaren Tempel Gottes. Darumb so würckt er auch (wie dann sein art vnd eigenschafft ist / vnd auch sein ampt das von jm erforderet) das heil in seinen außerwölten / vnd thuot alles das einem Gott / Künig vnnd Priester zuostadt / Darauß wir dann auch also sehend / was vnser Herr Jesus inn himlen thüege. Söllichs sein thuon aber vnd würcken ist jhm kein müehe / dann was er thuot / thuot er nicht auß not vnd zwang / sonder auß seiner natur guotwillig.

Also habend auch die alten heiligen Leerer vnnd Vätter disen artickel deß glaubens außgelegt / deren wir etliche kundtschafften besehen wöllend. Sanct Hieronymus inn der außlegung vber das erst Capitel Pauli zun Epheseren schreibt also / Mit diser red wirt durch ein menschliche gleichnuß / die Göttlich krafft außtruckt vnnd zuo verston geben. Nit das neißwan ein Stuol sey / auff dem Gott der vatter sitze / vnd der Sun bey jhm / sonder dieweyl wir nicht anders verston könnend / wie er richte vnd regiere / so redend wir also nach vnserem brauch. Vnd gleich wie Gott nach oder feer sein / nitt zeuerstan ist von nähe oder weite deß orts / sonder von der frommkeyt / durch die die glöubigen Gott nach / die bösen aber (wie auch der Prophet sagt / Sihe die feer von dir abträttend / die kommend vmb) Gott weit sind / Also ist es auch zuo verston / zur gerechten oder zur lincken Gottes sein / Wie sömlichs der Herr selb bezüget im Euangelio / da er spricht / das die Schaaff zur gerechten / die Böck aber zur lincken sygind. So bedeüttet auch das wörtli sitzen / den gewallt der regierung / Durch wölchen er denen guots thuot die er für wirdig haltet das er sich vber sie setze / darumb das er sie regiert / vnd in seinem pfad behaltet / vnd sie nach seinem willen leitet / die vorhin außschweyff vnd zuo fröudig warend.

Vnd S. Augustinus De fide & Symbolo, spricht also / Wir glaubend das der Herr zur gerechten deß vatters sitze / das ist aber nicht also zuo verston / als ob Gott der vatter neißwan menschliche form habe / also das wir wöllind gedencken vnd vns einbilden er habe ein rechte vnd lincke seitten / Oder das er sitze mit gebognen kneüwen / damit wir nicht fallind in die Gottslesterung vnd in den fluoch den Paulus thuot vber die / die die herrligkeyt deß vnzergäncklichen Gottes verwandlend in die gestalt eines zergäncklichen menschens. Dann es were sünd so ein Christ Gott ein sölliche bildtnuß inn einem Tempel auffrichten wölte / wie vil mer ist es dann sünd vnnd sol nicht sein das wir vns Gott in vnseren hertzen also einbildend / welche waarlich Gottes Tempel sind / so sie von den jrrdischen begirden vnd jrrthummen gereiniget werdend. Darumb zur

XXXIIIv.

gerechten Gottes sein / sol verstanden werden inn der höchsten säligkeyt sein / da dann gerechtigkeyt / frid vnd fröud ist. Gleich wie auch die Böck zuo der lincken seitten gestellt werdend / da ist sie werdend in groß jamer / not vnd ellend / von wegen jrer sünden vnd boßheyt kommen. Darumb das von Gott geredt wirt / er sitze / das ist nit von dem sitzen oder der gelegenheyt der glideren / sonder von dem gewalt deß richttens zuo verstan / nach welchem sein Mayestet alle zeyt einem yeden nach dem er handle vergiltet usw.

S. Fulgentius der heilig Bischoff im anderen buoch an den Künig Thrasimundum / schreibt also. Damitt der Herr seinen Jüngeren anzeigte / das sein menschheit vmbzilet / vnd allein an einem ort zuomal were / so spricht er zuo jnen /Jch faren auff zuo meinem vatter vnd zuo eüwerem vatter / zuo meinem Gott vnd zuo eüwerem Gott. Jtem gleich darnach spricht er weitter / Das er aber auch die vnentligkeyt seiner Gottheyt erzeigte / so spricht er zuo seinen Jüngeren / Sihe ich bin bey eüch alle tag biß an das end der welt. Wie ist er dann gehn himmel gefaren / anders dann nach dem er ein waarer mensch vnd allein zuomal an einem ort ist? Oder wie ist er jmmerdar bey seinen glöubigen / anders / dann nach dem er der waar vnentlich Gott ist.

Jtem der heilig Marterer vnnd Bischoff zuo Trient Vigilius / lib.1. contra Haereses spricht also / Zum Vatter gan vnd vns verlassen / was nichts anders dann die natur die er von vns angenommen hatt / von hinnen nemmen. Darumb so sichst du das es diser natur eigenschafft gewesen ist / daß sie von vns hingienge vnd von vns genommen wurde / wie die Engel söllichs bezeügend vnnd sprächend / Diser Jesus / der von eüch genommen ist / wirt also kommen wie jr jn gesehen habend gehn himmel faren. Dann merck auff das wunderzeichen / merck auff die geheymnuß beyder naturen vnd eigenschafften / Nach der menschheyt ist der Sun Gottes von vns gangen / Nach seiner Gottheyt aber spricht er / Sihe ich bin bey eüch alle tag biß ans end der welt. Jst er nun bey vns / wie spricht er dann im Euangelio / Es wirt die zeyt kommen das jhr werdend begären zuosehen einen auß den tagen deß suns deß menschens / vnd werdend jn nit sehen? So ist er ye bey vns / vnnd nit bey vns / dann ob er vns schon verlassen hat / vnd von vns gangen ist nach seiner menschheyt / so hatt er vns doch nit verlassen nach seiner Gottheyt. Das zeüget Vigilius.

Der sibend artickel aber vnsers glaubens ist diser / Von dannen er kommen wirt zuo richten die lebenden vnd die todten. Jnn vorgenden articklen ist vns fürgestellt worden / die güete / gnad vnd barmhertzigkeyt Gottes in Christo Jesu. Nun aber so wirt in disem auch die Göttlich gerechtigkeyt / rach vnd straff inn jhm erklärt / dann es sind zwo zuokunfften vnsers Herren Jesu Christi inn dise welt. Zum ersten ist er kommen nidrig vnd demüetig als ein erlöser vnd Heyland der welt. Zum anderen wirt er kommen inn aller herrligkeyt / als ein Richter vnd vnerbittlicher rächer / wider alle Gottlosen vnd vnbuoßfertigen. Er wirt aber kommen von himmlen / von der gerächten deß Vatters / mit sichtbarem vnnd waarem menschlichen leib / also daß jhn alles fleisch sehen wirt / mitt grosser herrligkeyt vnd glori seiner Gottheyt / mitt allen heiligen Englen. Dann er spricht selbs im Euangelio / sie werdend sehen den Sun deß menschen kommen inn den wolcken deß himmels mitt grosser krafft vnnd herrligkeyt / vnd er wirt senden seine Engel mitt hällen Pausunen.

Richten aber / heißt zuo gricht sitzen / händel hören vnd erwägen / spän zerleggen / erkennen vnd vrtheyl sprächen / den schirmen vnd retten der recht hat / den straaffen der vnrecht hat / vnd also das vnbillich vnd das böß temmen vnd vndertrucken [ausrotten]. Also glaubend wir / das auff den selben tag vnser Herr Jesus Christus alle frommen retten vnd schirmen / alle Gottlosen straaffen vnd

XXXIIII. / 34a

verderben werde / Wie auch Paulus sagt / Es wirt der Herr Jesus offenbar werden vom himmel / sampt den Englen seiner krafft / vnd mit flammendem fewr raach zegeben denen die Gott nit erkennend / vnd die nicht gehorsam sind dem Euangelio vnsers Herren Jesu Christi. Dargegen spricht er aber auch / das er der gerecht Richter gäben werde die Kron der gerächtigkeyt allen denen die sein zuokunfft lieb habind.

Dann wie es zuo werde gon am Jüngsten gericht / stellend vns die Euangelischen vnd Apostolischen geschrifften gar heitter für / Namlichen / nach dem die boßheyt diser welt auffs höchst wirt kommen / vnnd der Entchrist die welt verfüeren wirt / also das wenig glaubens mer wirt überig sein / vnd die gottlosen sprächen werdend / Es ist nichts dann frid vnd sicherheyt / so wirt sie dann das verdärben schnäll vberfallen / dann es wirt als dann der Herr vnser Richter schicken seinen Ertzengel / der wirt mit der stimm der Pausunen erschallen / vnd zuosammen samlen von den vier winden har alles fleisch zum gericht. Auff das wirt auch kommen der Richter selb vnser Herr Jesus Christus mitt allen himmlischen heerschaaren vnd von himmel herab kommen inn die wolcken / vnd sitzen vff den wolcken als auff einem Richterstuol / in der höhe / vnd erscheinen allem fleisch in seiner klarheit. Vnd welche zur selben zeit noch leben werdend / die werdend auff den tag in einem augenblick verwandlet werdend / die aber bißdar abgestorben / werdend eins mals alle wider aufferstan / Denn wirt der Richter die schaf sündern von den böcken / vnd sein billichs vrteyl fellen. Vber die schaf / kömmend jr gebenedeyten / Vber die böck aber / gond jr verflüechten usw. Darauff auch angends [bald] die erstattung [volstreckung]vnd execution diser vrteyl volgen wirt / Dann die schaf werdend angends [als bald] obsich in die wolcken gezuckt werden dem Herren entgegen / vnd werdend mit grossen fröuden mit dem Herren faren gehn himmel zuo der gerächten deß vatters / vnd da ewig leben in aller herrligkeit vnd fröud. Die gottlosen aber werdend alle jämerlich von der erden verschlündet [verschlungen] vnd zur hellen gefüert werden / das sie da ewigklich mit den teüffeln vnd seinen Englen gepeiniget werdind. Vnd das alles wirt nit lange weil brauchen / oder mit auffsatz / list vnd trug auffgeschlagen oder vmbhin zogen werden / wie es hie etwan am vssern rechten vff erden gadt / sonder schnell wirt es geschehen sein / denn aller menschen hertzen werdend offenbar sein / vnd ein yeden wirt sein eigne gwißne anklagen. Dauon vil geschriben wirt Matth. xxiiij[36]. xxx. Sap. iij[10]. vnd am v. Jnn der j. zun Corinth. am xv[42]. Jn der andern zun Corinth. am v[10]. j. Thes. iiij[15]. vnd v. Zun Röm. am ij[Rom.14.10]. Jnn der ij. Pet. am iij[12]. usw.

Außtruckenlich aber bekennend wir hie / das daß gericht gon werde über die läbenden vnnd todten / Welches etliche von den glöubigen vnnd vnglöubigen verstond. Aber dise bekanntnuß ist gestellt für die einfaltigen / denen dienet auch nichts dann einfaltigs / Darumb einfaltig / so sind die todten alle die so von anfang der welt biß auff den letsten tag durch den tod auß diser zeit gescheiden sind. Die läbenden aber sind die / die der tag deß Herren by läben ergreiffen wirt hie in diser zeit. Dann Paulus spricht / Sihe ich sag eüch ein geheymnuß / wir werdend nit alle entschlaffen / wir werdend aber alle verwandlet werden / vnd das schnäll vnd in einem augenblick zur zeit der letsten Pausunen / dann es wirt die Pausunen schellen [schallen] / vnd die todten werdend aufferston vnuerwäsenlich / vnd wir werdend verwandlet werden. Vnd weiter spricht er auch an einem andern ort / Dz sagen wir eüch als ein wort deß Herren / dz wir die wir läbend vnd überbleibend in der zuokunfft deß Herren / werdend denen nit fürkommen die da schlaffend / dann er selb der Herr / wirt mit einem feldtgeschrey vnd stimm deß Ertzengels / vnd mit der Pausunen Gottes herabkommen von den himmel / Vnd die todten inn Christo werdend aufferston zum ersten / darnach wir / die wir lebend vnd überbleibend / werdend mit einander mit den selbigen hingezuckt werden in den wolcken / dem Herren

XXXIIIIv. / 34b

entgegen inn den lufft / vnnd werdend also bey dem Herren bleiben alle zeyt.

Darumb so bekennend wir in summa inn disem vij. artickel / das wir glaubind das alle ding in diser wält ein end werdind nemmen / vnd das der gottlosen wäsen vnd muotwill nit allweg werde wären. Dann Gott seye gerecht / der habe seinem Sun alles gericht vbergeben / welcher widergälten werde auff den tag deß gerichts eim ieden nach seinen wercken / den gottlosen vnentliche pein den glöubigen ewige fröud. Vnd verjehend also mit dem artickel / das wir wartind auff die erlösung / erlabung [erquickung] / vnnd auff die belonungen [belohnung] deß ewigen läbens / dann wie könte der Herr seine glöubigen / sein volck / vnnd seine diener lassen verderben / der in seinem waarhafften wort vnnd Euangelio also redt / warlich sage ich euch / das jr die mir nachgeuolget / in der widergeburt / wenn deß menschen Sun sitzen wirdt auff dem stuol seiner herrligkeit / werdind jhr auch sitzen auff zwölff stüelen / vnnd richten die zwölff geschlächt Jsraels. Also sind gewüsse belonungen den frommen / vnnd gewüsse straffen den gottlosen inn dem wort der waarheit fürgestelt. Dann der ist waarhafft vnnd fält nicht / der zuom Esaia gesprochen / Sagend dem frommen / das es jhm wol gon werde / dann die frücht seiner rathschlegen wirt er niessen / wee aber dem Gottlosen vnd vngerechten / dann übel wirt es jhm gon / Vnnd nach den wercken seiner händen wirt jm vergolten werden. Das seye nun geredt vom anderen theil der articklen deß glaubens. Nun wöllend wir auch den dritten theil zuo handen nemmen.

Vnd ist das der achtend Artickel deß glaubens. Jch glaub inn den heiligen Geist. Diser dritte theil haltet inn die eigenschafft der dritten person inn der heiligen drifaltigkeit / vnd ist billich das wir glaubind inn den heiligen geist / wie auch in den vatter vnnd in den Sun / dann der heilig geist ist mit Gott dem vatter vnd dem Sun ein Gott. Vnnd volget der glaub in den heiligen geist recht auff den glauben in den vatter vnnd den Sun / dann durch den heiligen geist wirt vns die frucht deß heilß das vns Gott inn seinem sun bereitet hatt / besiglet / vnnd wirdt die heiligung vnnd abwäschung der sünden vns durch jhn gegeben vnd in vns gebracht / wie Paulus spricht / Gott ists / der vns gesalbet vnnd versiglet / vnnd inn vnsere hertzen das pfand deß geists gegeben hatt. Vnnd an eim anderen ort / Jr sind etwan befleckt gewäsen mit lasteren / nun aber sind jhr abgewäschen / jhr sind geheiliget / jhr sind gerecht gemachet durch den nammen deß Herren Jesu vnnd durch den geist vnsers Gotts. Es heiliget vns zwar auch der vatter / durch das bluot Jesu Christi / Dise heiligung aber geüßt er inn vns / vnnd eignet vns die zuo / durch den heiligen geist / das es also als vil als deß heiligen geists eigenschafft ist / heiligen. Darumb er dann auch der heilig oder heiligmachend geist genennt wirdt. Darumb so wir hörend den heiligen geist nennen / so söllend wir gedencken an die würckungen / die jhm die heilig geschrifft zuogibt / vnnd an die guothaten die von jhm inn vns fliessend. Dann es ist alles deß heiligen geists werck würckung vnnd krafft / was Gott der vatter auß seinen gnaden durch den Sun in vns würckt / das deßhalb der glaub inn den heiligen geist gantz notwendig ist. Darumb so bekennend wir also inn disem achteten artickel / das wir glaubind das alle glöubigen / gereiniget / gewäschen / widergeboren / geheiliget / erleüchtet / vnnd mit allerley geistlicher gaben vonn Gott begabet werdind vmb Christi willen / vnd das durch den heiligen geist. Dann ausser dem ist kein waare heiligung / darumb man dise gaben keinen anderen mitlen zuoschreiben sol / dise ehr gehört allein dem heiligen geist zuo. Vonn dem wir aber inn anderen predigen etwas mehr vnnd weitleüffiger reden wöllend.

XXXV. / 35a

Dieweil aber die stund yetz auß ist / so ermanen ich eüwer lieb zum beschlussz / das jr von hertzen alle inn vnseren Herren Jesum Christum glauben wöllind / dann den hat vns Gott der himmlisch vatter geschickt in dise welt / Jn dem gibt er sich selbs vns gar zuo erkennen / ja schenckt vnnd vbergibt vns sich selbs selbs [-] in jhm / Den schreibt auch der heilig geist in vnsere hertzen vnd gemüeter / vnnd behaltet jnn auch darinnen / vnd ist das gantz heyl deß menschen vnd alles das darzuo gehört in Christo begriffen. Darumb wir vns hüeten söllend / das wir söllichs sonst niemand zuogebend. Dann Paulus sagt / Es ist das wolgefallen deß vatters / das in jhm alle völle wonen sölte / ja das in jhm alles das zum heil gehört als vil als zuosammen inn ein summ gefaßt wurde / vnd in jm sind die glöubigen erfüllet vnnd veruolkommet. Dann begärt yemandt sälig zwerden / so lernend wir gleich inn seinem nammen / das die säligkeyt in jhm ist / dann er heißt Jesus / das ist ein säligmacher. Habend wir dann ein begird nach dem heiligen geist vnnd seinen vilfältigen gaben / so werdend wirs in Christo / ja in der salbung Christi finden / dann er heißt Christus / das ist ein gesalbeter / ein aller heiligister / vnnd der vns heiliget oder salbet mit seinem geist. Bedarff dann yemands stercke / hilff / rettung vnnd beystand / der hat vnd findt söllichs bey Christo / Welcher ein Herr ist aller dingen. Jn jm findend wir erlösung / dann do wir verkaufft warend vnder das joch vnnd die herrschafft deß Satans / da hatt er vns erlößt. Reinigkeyt habend wir in seiner empfäncknuß / nachlassung in seiner geburt / dann er ist vns gleich worden / damitt er mittleiden mit vns haben möchte. Verzeihung habend wir in seinem leiden / entledigung in seiner verurtheylung / gnuogthüeung in seinem opffer mitt dem er vns versüent / reinigung in seinem bluot / vnd ein allgemeyne versünung in seinem abfaren zun hellen. Absterbung vnsers fleischs habend wir in seiner begrebt / erneüwerung deß lebens / vntödtligkeyt der seel / vnd vrstände deß leibs / in seiner herrlichen aufferständtnuß. Jtem die erbschafft deß himmelischen Reichs / vnd versicherung diser erbschafft habend wir in seiner himmelfart vnd in dem das er sitzt zur gerechten deß vatters. Da er dann vnser mittler / Priester / Künig / vnd haupt / auch vnser schützer / schirmer / vnnd gwisse sicherheyt vnnd zuoflucht ist. Von dannen er auch in vns außgeüßt den vberfluß aller güetteren / namlich seinen heiligen geist / theilt sich vns gar vnd gantz mit / vnd vereinbaret vns mit jhm vnzertrennlicher weiß. Von dannen wir auch auff jhn mitt grossem vertrauwen vnnd fröuden wartend / als auff den allgemeynen Richter / der vnser erretter vnnd fürmünder ist / welcher alle vnsere feyend verdammen vnd mit dem Teüffel zur hellen stürtzen / Vns aber vnd alle glöubigen zuo was zeitten die joch ye gelebt mitt jhm gehn himmel füeren wirt / das wir jhm da singend ein neüw gesang / vnnd vns in jhm erfröwind vnd erspringind [frolocken] inn ewigkeyt. Jhm seye lob vnd ehr zuo allen zeitten / Amen.

 

9.Pr.Die Neündte Predig.

Vonn den vier letsten articklen vnnsers Christenlichen glaubens.

LAssend vnns jhr geliebten Gott vnnseren Vatter in Himmlen anrüeffen vnnd bitten durch vnseren Herren Jesum Christum / das er vnns sein geist vnnd gnad gebe / das wir auch disen letsten theyl der außlegung der articklen vnsers Christenlichen glaubens / mitt vil frucht verrichten mögind.

XXXVv. / 35b

Der neündt artickel deß glaubens lauttet also / Ein heilige allgemeyne Christenliche Kirchen / die da ist ein gemeynsamme der Heiligen. Nach dem vnd wir bekennt habend vnseren glauben inn die heilig dreyfaltigkeyt / vnnd inn die geheymnuß vnsers Herren Jesu Christi / auch inn den heiligen geist / den heiligmacher vnd widerbringer aller dingen / So volget yetz inn disem vierten teyl / die frucht / krafft / würckung vnd das end deß glaubens / was namlich den glöubigen durch den glauben guots widerfare vnd mitgeteylt werde / gemeynsamme namlich mitt Gott vnd allen heiligen / verzeihung der sünden / vrstände [aufferstehung] deß fleischs vnd ewigs leben. Von welchen stucken wir ein ander nach reden wöllend / so vil der Herr gnad geben wirt.

Da müessend wir aber auß dem vorgenden achtenden artickel wider holen / dz wörtli / Jch glauben / das wir also bekennind / Jch glauben ein heilige allgemeyne Christenliche Kirchen. Etliche vngeleerte kunden kämpffend hie / vnd meynend man sölle sagen / Jch glaub in die heilig kirchen / freilich darumb / dz in der Constantinopolitanischen glaubens bekantniß stadt / vnd in den heiligen geist / den Herren der do lebendig machet / der vom vatter vnd vom sun außgadt / vnd mit dem vatter vnd dem sun gleich angebättet vnd verehret wirt / welcher geredt hat durch die Propheten / in ein heilige allgemeyne vnd Apostolische kirchen usw. Dann die wort läsend vnnd punctierend sie also / das wie sie das wörtli / Jch glauben / brauchend zum heiligen geist / namlich also / Jch glaub inn den heiligen geist usw. Also brauchend sie es auch / vnd wöllend es äferen [widerholen] by disem artickel hie / vnd sagend / Jch glaub in ein heilige allgemeyne vnd Apostolische kirchen. Das aber ein gezwungner / vnnötiger / vnd nit rechtglöubiger verstand ist diser worten / dann das inn gemeltem Constantinopolitanischen Symbolo stadt / inn ein heilige allgemeyne vnnd Apostolische kirchen / das referiert sich nit [-] / vnd sol nit gezogen werden auff das wörtli / Jch glauben / sonder auff den heiligen geist / das der namlich durch die Propheten geredt habe inn ein allgemeyne vnd Apostolische kirchen. Dann wir wöllend damit außtrucken vnd zuo verston geben / das es ein geist sey / der es alles gehandlet in beyden Testamenten / wider die meynung deren / die da fürgeben habend es seyend beide Testament nit auß einem / sonder auß zweyen wider wertigen geisteren. Der heilig Cyprianus erklärt aber söllichs in seiner vßlegung vber den glauben gar fein / da er also schreibt / Es stadt nitt / inn die heilig kirchen / auch nitt inn die verzeihung der sünden / noch inn die vrstende [aufferstehung] deß fleischs / dann wenn das wörtli / inn / darzuo gesetzt were / so wurde es gleich so vil vermögen als daoben / da stadt / Jnn den vatter vnd inn den Sun usw. Aber das wörtli wirt allein da gesetzt / da von der Gottheit geredt wirt / auff die der glaub sol gerichtet sein / als / Jn Gott den vatter / vnd inn Jesum Christum seinen Sun / vnnd inn den heiligen geist. Jnn den vbrigen stucken aber / da nit von der Gottheyt / sonder allein von den Creaturen vnnd den geheymnussen geredt wirt / da wirt das wörtli Jnn / nicht hinzuo gethon / dann es stadt nicht das man inn die heilig kirchen glauben sölle als inn Gott / sonder das da sey ein heilige kirchen / als die Gott versammlet hat. Also stadt auch das wir glauben söllind verzeihung der sünden / nit / inn die verzeihung der sünden. Jtem / vrstände [aufferstehung] deß fleischs / nitt / inn die vrstände [aufferstehung] deß fleischs. Vnnd wirt also mit disem kurtzen wörtli vnnd mit diser einigen silben Jnn/ der schöpffer von den geschöpfften entscheyden / vnd ein vnderscheyd gemachet zwüschend dem Göttlichen vnd menschlichen. Das schreibt Cyprianus.

S. Augustinus de fide & Symbolo setzt die wort auch also / Jch glauben ein heilige kirchen / vnd nit Jch glauben inn die heilig kirchen. So werdend auch seine wort die er schreibt ad Neophylos anzogen im Decret de Consecrat. Distinct. 4. cap. prima, die also lautend / Jch hab nicht gesagt / das jhr inn die kirchen als inn

XXXVI. / 36a

Gott glauben söltind / sonder also söllend jhr mich verston / das ich gesagt hab / das jr in der heiligen allgemeinen kirchen wandlen vnnd inn Gott glauben söllind.

Vnd der heilig Paschasius im ersten buoch de spiritu sancto am ersten Capitel spricht noch heiterer also / wir glaubend ein kirchen / als die ein muoter der widergeburt / wir glaubend aber nit in die kirchen / als ob die ein vrhab [vrsach] vnsers heils seye. Wer in die kirchen glaubt / der glaubt in menschen / dann der mensch / ist nicht von der kirchen hie / sonder die kirchen hat von menschen angefangen zuo sein. Darumb so fleüch die berednuß diser lesterung das du wöllest meinen / du söllest in einige creatur glauben / so man doch weder in Engel / noch auch in Ertzengel glauben sol. Also hat der groß vnuerstand etlicher leüten das wörtli / Jnn / dieweil es gleich in vorgendem artickel vnd sententz auch braucht wirt / inn den nachgenden auch gezogen / vnd one not vnfürsichtigklich hinein geflickt. Dises buoch deß heiligen Paschasij in dem das stat ist auch hoch gehalten worden vom Bapst Gregorio Magno.

So spricht auch Thomas vonn Aquin de fide lib. 2. Par. 2. Artic. 9. quaest. i. Wenn man spricht / das man glaube in die heilig kirchen / so sol mans also verston / das der glaub gerichtet werde auff den heiligen geist / der die kirchen heiliget. Aber es ist besser vnnd weger / vnnd dem gemeinen brauch gemäßer / das man das wörtli Jnn / da nit brauche / sonder einfaltig sage / ein heilige allgemeine kirchen / wie auch der Bapst Leo sagt. Das schreibt diser Thomas von Aquin. Also hat ewer lieb vmb disen handel die meinung auch der alten leerern der kirchen / Cyprianj / Augustinj / Gregorij / Paschasij / Leonis des Bapsts / vnd Thome von Aquin / der vor vnlangen jaren geleert vnd gelept hat / darauß jr verstanden durch gründ die auß der heiligen geschrifft genommen sind / das man ein heilige allgemeine kirchen bekennen / aber nitt inn die heilig allgemein kirchen glauben sol.

Nun müessend wir aber auch besehen / was das wörtli kirchen heisse / vnnd was die allgemein kirchen seye. Ecclesia das wir kirchen heissend / ist eigenlich ein gemeind vnd versamlung eins volcks gemeine sachen zuo hören / vnnd wie wirs hie brauchend / so heißt es ein hauffen / versammlung / gemeinschafft / vile / vnd gesellschafft deren die den nammen Christi bekennend. Catholisch aber / das ist allgemein / wirdt dise gesellschafft genent / darumb das sie sich außstreckt in alle ort vnd zeit. Dann alle heiligen vnnd glöubigen werdend einanderen vereinbaret / wie glider an einem leib / die alle ein haupt habend. Darumb so wirdt die gantz vile aller glöubigen / Ecclesia, das ist die kirchen genent. Dann die kirchen Christi ist nit eingespannen inn einen winckel der erden / (wie die Donatisten meintend sie were nur inn jhrem Aphrica / ) sonder sie streckt sich auß durch den gantzen vmbkreiß der erden vnnd inn alle zeyt / vnd begreifft alle glöubigen vom Adamen an / biß auff den letsten frommen / der do sein wirdt vor dem end der wält. Dise allgemein kirchen hatt aber vnd begreifft inn jhr die besonderbaren kirchen / als die kirch vnnd gemein Ade vnd der Patriarchen / die kirch vnnd gemeind Mosis vnnd der Propheten vor der zuokunfft Christi. Demnach auch die kirch vnnd gemeind Christi / die von der zuokunfft Christi also den nammen hatt. Jtem die Apostolisch gemeind vnnd kirchen / die im nammen Christi durch die leer der Apostlen ist besammlet worden. Jtem also die besonderen kirchen durch die stett vnnd land hinweg / als die kirchen vnnd gemeinden zuo Hierusalem / zuo Antiochia / zuo Alexandria / zuo Rom / Jn Asia / in Aphrica / in Europa / die kirch vnd gemeind gegen Auffgang / die kirch vnnd gemeind gegen Nidergang usw. Welche allsammen glich als glider eines leibs vnder dem einigen

XXXVIv. / 36b

haupt Christo ( dann Christus ist allein das haupt seiner kirchen / nit nur deren die im himmel triumphiert / sonder auch deren die noch auff erden hieniden reiset ) ein einige allgemeine Christenliche kirchen machend / inn welcher keine jrthumb noch trennungen sind. Darumb sie auch orthodoxa / das ist rechtglöubig genent wirdt / von wegen das sie von der warheit recht haltet glaubt vnnd leert. Dann allein in der kirchen ist der war glaub / vnd ausser der kirchen Gottes ist kein warheit / vnd auch kein heil.

Da bekennend wir nun mit disem artickel / das alle glöubigen die durch die wält zerströwt sind / auch die / so ietz in himmlen sind / ja alle die so eintweders schon sälig sind / oder biß zum end der wält noch sälig werdend / ein leyb seyend / vnd gemeinschafft habind / eins theils mit Gott / anders theils auch sie vnder einanderen. Vnd dieweil aber niemand mit Gott vereinbaret werden mag / er seye dann auch heilig vnd rein / wie Gott heilig vnd rein ist / so bekennend wir das die kirch heilig sey / das ist geheiliget von Gott dem vatter in dem bluot seines Suns / durch die gab deß heiligen geists. Dessen wir vil zeügnuoßen gehört habend in vorgeenden predigen / darumb wir vns hie diser einigen vernüegen wöllend / die Paulus zun Ephesern schreibt mit disen worten / Christus hat geliebet die gemeind / vnd hat sich selbs für sie geben / auff das er sie heiligete / vnd hat sie gereiniget durch das wasserbad im wort / auff das er jm darstellete ein herrliche gemeind / die nit habe ein fläcken oder runtzel usw. Jnn welchen worten die kirch vnbefleckt vnd gantz rein genennt wirdt / vnd das aber / nit von jren selbs / sonder von Christi wegen. Dann also ist die kirch Christi heilig / das sie nicht dest minder täglich zuonimpt / vnd nimmer für sich selbs so lang sie auff erden läbt / gantz volkommen ist. Jnn Christo aber ist jhr heiligkeit gantz volkommen. Welchs Christus außtruckt mit dem schönen wort da er spricht / Welcher gewäschen ist / der darff nit dann das er die füeß wäsche / sonder er ist gar rein. Dann von Christi wegen / der vns mit seinem bluot wäscht vnnd reiniget / sind die glöubigen volkommenlich rein. Aber dieweil das fleisch dem geist widersträbt / so lang man hie auff erden läbt / so bedörffend die glöubigen das sie die füeß / das ist die nachleibscheten deß fleischs [daß noch vom fleisch in vns vbrig ist] / vnd die fläcken die auß täglicher gemeinschafft der wält an sie sprützend / für vnnd für mit geist vnnd glauben wäschend vnd wüschind.

Was bedeütet aber das / das hinzuo gesetzt wirdt / gemeinsamme der heiligen ? / dise wort werden weder von Cypriano noch von Augustino gesetzt / noch auch von jnen außgelegt / darumb guot abzuonemmen ist / das sie hinzuo gethon seyend als ein außlegung deß vorgeenden / dann damit man sähe / was die allgemein kirch wäre / nemlich ein gesellschafft vnd versamlung der glöubigen / so ist hinzuogethon / gemeinsamme der heiligen / das ist / welche kirchen ist ein gemeinsamme der heiligen / heilig aber hat S. Paul genent die glöubigen / die durch das bluot Christi vnnd den geist Gottes geheiliget sind. So ist auch das wörtli gemeinsamme heiter / vnd hat vil trosts / dann eins theils so erinneret es vns / das ein gemeinschafft / das ist ein gesellschafft vnd theilhafftige seye zwüschend Gott vnd vns / ja ein gemeinschafft aller himlischen güeteren. Anders theils das wir auch gesellschafft vnnd gemeinschafft habend mit allen heiligen sie läbend dann im himmel oder noch auff erden / dann deren glider sind wir / vnder einem haupt / welches ist Christus. Von dem sagt der heilig apostel Joannes / das wir gesehen vnd gehört habend / das verkündend wir euch / auff das auch jhr gemeinschafft mit vns habind / vnd vnsere gemeinschafft sey mit dem vatter vnd seinem Sun Jesu Christo. Dahär auch dienet die schön gleichnuß vonn dem leib vnd den glideren vnder einem haupt / die S. Paulus weitleüffig tractiert. Wer kan aber dise fürtreffenliche gab vnnd guotthat Gottes gnuogsamlich

XXXVII. / 37a

ermessen vnd außsprächen / das wir Gottes theylhafftig / vnd mit jm also jnnigklich vereinbaret sind / vnd gemeynschafft mit jm habend inn allen seinen himmlischen güeteren? Was ist lieblichers vnd fröudenreichers zuohören / dann das alle heiligen im himmel vnd auff erden vnsere brüeder sind / vnd wir jhre glider gesellen vnnd mitgenossen? Hochgelobt sey Gott der vns so reichlich in Christo gebenedeyet hat. Hie were aber nun auch von den Sacramenten zereden / das wirt aber ein andermal geschehen / wir wöllend auch von der kirchen hernach etwan weitleüffiger reden. Jetz aber so vil vnser fürnemmen belanget / wöllend wir vns dessen lassen vernüegen das gesagt ist / Dann hierinn gnuogsamlich außtruckt wirt die frucht deß glaubens inn den Vatter Sun vnnd heiligen geist / Namlich das wir gemeynschafft habind mitt Gott vnd allen heiligen / vnnd das wir inn diser gemeynschafft geheiliget werdind von aller befleckung diser welt / die wir yetz gereiniget vnd heilig sind in Christo vnseren Herren.

Auff dz volget der zehend artickel deß glaubens / Verzeihung der sünden. Jnn disem artickel wirt die ander frucht deß glaubens inn Gott den Vatter Sun vnd heiligen geist anzeigt / namlich die verzeihung der sünden / welche ob sie gleich wol auch im vorgenden artickel von der heiligung der kirchen begriffen ist worden / so wirt sie doch hie ettwas heitterer außtruckt / dann aussert der kirchen gleich wie aussert der Arch Noe ist kein heyl / aber inn der kirchen / inn der gemeynschafft Christi vnd der heiligen / ist volkomne verzeihung aller sünden. Vnnd damitt söllichs dest baß verstanden werde / so merck eüwer lieb dise stuck.

Zum ersten / so ist von nöten das wir vns alle erkennind vnd bekennind sünder sein / vnnd das wir von natur / vnnd vnser eignen wercken halb / kinder deß zorns vnnd der verdammnuß sygind. Dann Sanct Johans nennt den nicht vergebenlich ein lugner / der da sagt er sey nit ein sünder. So hat vns auch der Herr / der allein der menschen hertzen erkennt / geheissen biß vff den letsten athemzug bätten / Verzeich vns vnser schuld. Wir habend auch im Euangelio zwey schöne exempel deren die jre sünd Gott dem Herren offentlich bekennt / namlichen deß verlornen suns / Vnd deß Zollers / oder offnen sünders (wie man jhn nent) im heiligen Euangelio Luce. Darumb wir das vor allen dingen wissen vnnd halten söllend / das wir alle sünder sind / wie Paulus auch söllichs leert vnd bezeüget zun Römeren am dritten capittel. Wir söllend auch dise vnsere sünden Gott frey heraußbekennen / wie Dauid Psal. xxxij[5]. vnd lj. da er spricht / Nach dem ich dir mein sünd offnet [öffnet] / vnd mein mißthat nicht verbarg / So bald ich sprach / ich wil mein überträttung dem Herren verjähen / von stund an hast du die schalckheyt meiner sünd verzigen. Jtem O Gott biß mir genädig nach deiner güete usw. wie dann der Psalm einem yeden kundt ist.

Demnach so müessend wir glauben / das vns dise vnsere sünden verzigen vnd vergeben sygind von Gott. Aber nicht von wegen diser vnser erkanntnuß vnd bekanntnuß der sünden / sonder von wegen deß verdiensts vnd bluots deß Suns Gottes: Nicht von vnser wercken vnd verdienst wegen / sonder von wegen der waarheyt gnad vnnd barmhertzigkeyt Gottes. Darumb wir auch heitter sprächend / Jch glauben verzeihung der sünden. Wir sprächend nicht / Jch erkauffen / oder erlangen mitt gaaben oder verdiensten die verzeihung der sünden / sonder / Jch glauben verzeihung der sünden. So wirt auch durch das wörtli Verzeihung außtruckt / die gnadreich schenckung vnd vergebung / dann es ist ein abzogne red ]-] / oder ein gleichnuß / genommen von schuldneren / da der leiher dem schuldner nachlaßt so er jhn nicht zuo bezalen hat. Da ist die nachlassung ein freye schanckung. Wie auch der Herr im Euangelio die gleichnuß braucht / vnnd spricht / Es hatt einer zwen schuldner / da sie es aber nicht

XXXVIIv. / 37b

hattend zuo bezalen / do schanckt ers beiden. Hieher gehört auch das stückli auß dem vatter vnser / da wir bittend / vergib vns vnsere schulden. Vnsere schulden sind die sünden / vmb die bittend wir das sie vns verzigen werdind. Daher dienend auch die wort deß heiligen Apostels Pauli / der da spricht / dem der mit werchen vmbgat / wirt der lon nit auß gnad zuogerechnet / sonder auß schuld / dem aber der nicht mit wercken vmbgat / glaubt aber in den der die gottlosen gerechtmachet / dem wirt sein glaub gerechnet zur gerechtigkeit / Nach welcher weyß auch Dauid sagt / das die säligkeit sey allein deß menschen / welchem Gott die gerechtigkeit zuorechnet ohn die werck da er spricht / Sälig sind die / welchen jhre vngerechtigkeiten vergeben / vnd welchen jhre sünd bedeckt sind / Sälig ist der man / welchem Gott kein sünd zuorechnet. Darumb so vil vns belanget / so verzeicht vns Gott vergebens vmb sonst auß gnaden / dieweil wir nicht habend damit wirs verdienind vnd vergältind. So vil aber sein gerechtigkeyt belanget / so werdend vns die sünden verzigen vonn wegen deß verdiensts / vnd der gnuogthüeung Christi.

Zum dritten / söllend wir aber auch wüssen / das nicht nur etlichen besonderen personen die sünden vergeben werdend / auch nicht nur denen so ie zuo diser oder jhener zeyt geläbt habend / deßgleichen auch nitt nur etliche sünd / etliche aber nitt / sonder das aller menschen sünd / zuo was zeyten die joch ye geläbt / oder was sünder es joch sigind / wie die jmmer mögind genent werden / es seye erbsünd / tödtliche sünd / frömbde sünd / das ja inn summa die sünden all vns vergeben werdind. Welchs wir also verston sollend / das daß einig opffer Christi gnuogsam sey zur verzeihung aller sünden / aller deren die mitt glauben eylend zuo dem waaren gnadenstuol. Dann wir eerend [lehren] hiemit nitt / das die menschen sünden söllind / darumb das der Herr für alle sünd schon gnuog thon hatt / sonder das so jemandt gesündet hette / das der nit verzweifle / sonder guote hoffnung habe / vnnd eyle zuo dem stuol der gnaden / Christo / namlich / dann Christus der jetz zuor gerechten deß vatters sitze / seye das lamb Gottes / das da hinnemme die sünd der wält. Darumb stadt auch so außtrucklich inn dem artickel / Jch glauben verzeihung der sünden / als von vilen / vnd nit / Jch glaub verzeihung der sünd / als nur von einer. Dann mit dem das wir sprechend / der sünden / da erkennend wir das vns Gott alle sünden verzeihe. Welches auch Paulus vilfaltig bezeüget. Rom. am dritten vnnd fünfften Capitel. Welche zeügnußen ich aber jetz wil stan lassen / vnnd mich allein deren benüegen die der heilig Apostel vnd Euangelist Johannes in seiner ersten epistel setzt / da er spricht / vnnd das bluot Jesu Christi deß Suns Gottes reiniget vnns vonn allen sünden. Da er nun spricht / von allen / da schleüßt er ye kein sünd auß / dann villeicht die / die auch der Herr selb außschleüßt / namlich die sünd inn den heiligen geist / für wölche er Johannes selbs auch nicht wil das man bitte. Jtem so spricht er weiter / So wir vnsere sünd bekennend / so ist er trew vnnd gerecht / dass er vnsere sünd verzeihe / vnnd reinige vns vonn aller vnser übertrettung. Da hatt er nicht gnuog mit dem das er gesprochen / das er vns vnsere sünd verzeihe / sonder das er den handel noch heiterer außtrucke vnnd erkläre / so setzt er darzuo / vnnd reinige vns vonn aller vnser überträttung. Da zuomercken ist / das er abermals spricht / von Aller überträttung. Dieweil aber sölichs jemand hette mögen lesteren vnnd sprächen / dise leer wirdt hinleßig vnd faul leüth machen / dann es wirdt ein yeder auff die gnad Gottes hin yetz wöllen sünden / so verantwortet Johannes söllichs gleich im anfang deß anderen Capitels vnnd spricht / Meine kinder / das schreib ich euch / auff das jhr nicht sündind / so aber jemandt gesündet hette / so habind wir einen fürsprächen bey dem vatter Jesum Christum den gerechten / Welcher ist die

XXXVIII. / 38a

versüenung für vnsere sünd / vnnd nicht allein für vnsere sünd / sonder für die sünd der gantzen welt. Darauß nun offenbar ist das durch den todt Christi allen glöubigen alle sünd vergeben werdind.

Zum vierten / so ist aber Gott allein der / der die sünd verzeicht. Dann dise ehr vnd der preiß ist allein Gottes / das er die sünd verzeihet / vnd auß vngerechten menschen gerechte machet. Darumb ob wol den menschen auch zuogeben wirt / das sie die sünd verzeihind / so ist doch söllichs allein zuo verstan dienstlicher weiß / so vil jren dienst belanget / nit das sie den gwalt selbs habind zuo verzeihen. Dann der diener verkündet dem glöubigen das jm seine sünd von Christi wegen verzigen sygind. Vnd das selb ist auch die waarheit / dann Gott verzeihet die sünd waarlich allen denen die da glaubend / wie der Herr spricht / Welchen jr die sünd vergeben werdend / denen werdend sie vergeben sein. Dises geschicht so offt das wort deß Euangelij verkündet wirt / das man deßhalb nicht darff ein oren beicht / vnd ein besondere absolutz [absolution] deß priesters auffzerichten / als ob die notwendig sey zur verzeihung der sünden. Dann die oren beicht ist weder vor der zuokunfft Christi bey den glöubigen im brauch gewesen / noch von den Apostlen hernach gebraucht worden / dann wir läsend niergend / das sie besonder beicht gehört / vnd besondere absolutzen [absolution] braucht habind in der kirchen Christi. Darumb so ist es gnuog das wir Gott als dem der vnsere hertzen allein sicht vnd bekennt vnd deßhalb der recht waar beichuatter ist vnsere sünd beichtind vnd bekennind. Es ist auch gnuog / wenn nach der leer S. Jacobs einer dem andern bekennt wo wir wider einanderen gehandlet vnd einandern erzürnet habend / vnd also ein andern vmb verzeihung bittend / vnd vns mit einandern widerumb versüenend. Es ist auch die [-] absolutz [absolution] gnuog / so wir das Euangelium hörend / dz vns durch Christum verheißt verzeihung der sünden so wir glaubind. Dem söllend wir glauben / vnd darnebend Gott bitten / dz er vns den glauben verleihen / vnd den selben alle zeit by vns meeren wölle. Dises ist by der ersten kirchen gnuogsam vnd krefftig gnuog gewesen applaß vnd volkomne verzeihung der sünden zuo erlangen. Darumb so ist es on zweifel auch noch auff den hüttigen tag gnuogsam vnd krefftig gnuog.

Zum fünfften / so vergibt aber der Herr die sünden also / nit das sie nit mer sygind / vnd vns in vnserem fleisch nit mer anfächtind vnd växierind [-] / sonder also / das sie vns zur verdammnuß nit gerechnet werdend. Dann die begird hanget vnserem fleisch für vnd für an / bricht auß / vnnd streittet wider den guoten geist Gottes auch in den heiligen vnd glöubigen so lang wir auff erden läbend. Da ist nun von nöten das wir vil wachind / vil fastind / damitt wir dem fleisch die vrsachen vnnd anläß zuo sünden abschneidind / auch das wir vil bättind / vnnd Gott anrüeffind vmb hilff / das wir von dem bösen nicht überwunden werdind. So aber yemand inn der versuochung vnden läge / vnd von jhren überwunden wurde / der lasse sich den Teüffel darumb nicht gar verstricken / sonder stande wider auff durch reüwen vnd besserung / eyle zuo Christo / vnnd glaube das jhm auch diser fal vnd fäler von deß tods Christi wegen verzigen vnd vergeben sey. Vnd das thüee er so offt vnd dick er von der begird vnd sünd überwunden wirt. Dann dahar dienend alle ermanungen der heiligen Propheten vnd Apostlen / die allenthalben also die bekeerung zuo dem Herren leerend.

Zuo letst / so verzeicht vns der Herr vnsere sünd / also / das er deren gar nit mer gedencken wil. Dann also hat ers vorgesagt durch den Propheten Jeremiam im xxxj.[34] Cap. Vnd er hat vns deßhalb nit nur die schuld / sonder auch die pein vnd straff der sünden nachgelassen. Dz er vns aber darnebend gemeinlich strafft / ja von der sünden wegen strafft vnd plaget / wie die geschrifft söllichs heiter anzeigt / dz geschicht nit darumb / das wir mit diser straff für vnsere begangne sünd gnuogthüegind. Dann also wurde der todt Christi eytel gemachet / sonder mit der

XXXVIIIv. / 38b

straff züchtiget vns der Herr / vnd zeigt vns an wie übel jm die sünden mißfallend die wir begangen / vnd die er vns aber auß gnaden verzigen hat. Er stellt vns auch mit der straff / andern zum exempel für dz sie sich vor sünden hüetind. Er entnimpt vns auch selbs mit der straff vil anläßen der sünden / darzuo so bewärt vnd üebt er auch also mit dem creütz vnsere gedult usw. Das sey nun geredt von der verzeihung der sünden / von welcher auch doben inn der predig von der grechtmachung deß glaubens ist geredt worden / vnd auch sonst etwan weiter wirt geredt werden.

Der eilfft artickel deß glaubens lautet also / Vrstände [Aufferstehung] deß fleisches. Die zwen letsten artickel / diser namlich vnnd hernach der zwölfft / begreiffend mitt wenig worten die fürnemsten frucht deß glaubens / vnd die summ der gantzen volkommenheit / ja das end deß glaubens / namlich das ewig leben / vnd dz volkommen heil deß gantzen menschens. Dann der gantz mensch wirt sälig an leib vnd an seel / dann wie er an seel vnd leib verdorben was / also muoßt er auch an seel vnd an leib widerbracht werden / wie dann söllichs durch Christum geschehen ist. Die seel deß menschens ist wol ein geist vnd deßhalb vntödtlich / Aber der leib ist von der erden / darumb stirbt er vnd verfaulet. Darumb meynend vil / die leib verderbind gar / vnd werdind deßhalb weder inn fröud noch in pein kommen. Da bekennend wir aber hie mit disem artickel das widerspil / namlich das diser vnser leib vnd diß vnser fleisch wider aufferston werde / vnd eingon in das ewig leben.

Von dem wörtli aber / Vrstände [Aufferstehung] / habend wir doben geredt inn der außlegung deß artickels. Am dritten tag wider aufferstanden von den todten. Aber das wörtli fleisch das wir hie brauchend truckt vil heiterer auß die vrstände [aufferstehung] diß vnsers fleischs / dann wenn wir sprächind / vrstände [Aufferstehung] deß leibs. Darumb schreibt auch der heilig Cyprianus / das man in etlichen Orientalischen kirchen den artickel also außgesprochen habe. Jch glauben vrstände [aufferstehung] disers fleisches. Dann auch Augustinus De Fide & Symbolo cap.10. schreibt / Man sol on allen zweifel glauben / das diß sichtbar fleisch / das da eigentlich fleisch heißt vnd genennt wirt / wider aufferston werde. Vnd der heilig Apostel Paulus zeyget als vil als mit dem finger darauff / da er spricht Dises verwäsenlich muoß anlegen das vnuerwäsenlich. Dann durch das wörtli Dises / zeiget er gleich als mit dem finger darauff. Das schreibt Augustinus. Vnd der heilig Hieronymus tringt Joannem den Bischoff zuo Hierusalem dahin / das er heitter bekenne nicht nur deß leibs sonder deß fleisches vrstände [aufferstehung] / vnd spricht vnder anderem / Es ist zweyerley fleisch vnd leib / Ein yedes fleisch ist ein leib aber nicht ein yegklicher leib ist fleisch. Fleisch ist eigentlich das von bluot / aderen / beinen vnd nernen [sennadern] an einanderen hanget / vnnd ob schon auch das fleisch ein leib genennt wirt / so wirt doch etwan ein himmlisch vnnd lufftig ding / das man weder sehen noch greiffen mag auch ein leib genennt / ob wol ein leib gemeynlich sichtbar vnd begreifflich ist. Ein wand ist wol ein leib / aber drum nit fleisch / usw. Das schreibt Hieronymus. Darumb söllend wir halten / wüssen vnd glauben / das eben die leib der menschen die von der erden genommen / vnnd die wir hie inn disem leben vmbhin tragend / inn denen wir lebend vnnd sträbend / die auch sterbend / zuo staub vnd äschen werdend / wider aufferston werdind.

Hie möcht aber yemandt fragen / wie es müglich wär / das dises fleisch das zuo staub vnd äschen vnnd so gar zuo nüte wirt / widerumb inn dem vorigen wäsen / vnnd inn der vorigen gestallt aufferston wurde / vorauß so etlichs von den wilden thieren zerzerrt / etlichs gar vom feür verbrennt wirt / vnd man auch inn den greberen anders nichts findet dann ein dünns kleins stöubli? welche also fragend / denen zeig ich die allmächtigkeyt Gottes / Welche auch der heilig Apostel Paulus in diserem handel anzeücht da er spricht / Christus wirt vnseren jrrdischen leib vergstalten / vnd gleichförmig machen dem leib seiner

XXXIX. / 39a

klarheyt / mitt der macht mitt deren er jhm mag alle ding vnderwürffig machen. Dann hatt Gott von anfang do noch gar kein mensch inn der welt was / mögen den menschen von der erden schaffen / so mag er auch freylich zum end der welt / den menschen von der erden wider aufferwecken / wenn er schon gleich wider zuo erden ist worden / von deren er genommen ist: wie er dann spricht / Erden bist vnnd zuo erden muost du wider werden. Darumb so spricht der Herr Christus heitter im Euangelio / Es wirt die zeit kommen / das alle die inn greberen sind / hören werdend die stimm deß Suns Gottes / vnnd werdend herfür gon / die da guots gethon habend zur aufferstäntnuß [aufferstehung] deß läbens / die aber übels gethon habend zur aufferständtnuß [aufferstehung] deß gerichts. Da hatt nun yetz der waar glaub die art / das er (wie der Apostel sagt ) nit zwiflet dann das der der es verheissen / es auch möge halten. Wir habend auch läbliche exempel / vnnd vil heittere zeügknussen der heiligen geschrifft vmb disen handel. Jonas wirt von dem Walfisch verschluckt im Syrischen Meer / vnd zuo erklärung der waren vrstände deß fleischs / am dritten tag läbendig wider auff die erden gegeben / auß dem Walfisch außhin. Darauß man sicht das es nit vnmüglich ist das inn der offenbarung Joannis stadt / das daß Meer wider außhin gebe die todten so darinnen sind. Vnnd hatt der gewallt deß fewrs den dreyen gesellen Daniels nit mögen schaden / habend auch die grimmige Löwen wider jr natur dem Daniel selb verschonet / Was solt es dann wunder sein / wenn schon auch yetz der gewalt deß fewrs / oder die grimmige der Thieren Gott nicht hinderen mag / so der seine geschöpfften aufferwecken wil? Hat nit vnser Herr Christus Lazarum der yetz vier tag im grab gelegen vnd stinckend was / von todten wider aufferweckt? Jtem hat nit er der Herr selbs den gewallt deß tods zerstört / vnnd ist am dritten tag widerumb von todten aufferstanden / ja eben mitt dem fleisch / mit der Substantz vnnd gestallt / wie er am creütz gehanget / vom creütz genommen vnd begraben was? Vnd inn disen Herren Christum / der der erstgeboren ist von den todten / söllend wir billich sehen allweg / so offt wir gedenckend / wie die vrstände [aufferstehung] vnsers fleischs sein werde. Dann wie das haupt aufferstanden ist / also werdend auch die glider wider aufferston / zwar nicht am dritten tag nach vnserem absterben / sonder an dem Jüngsten tag / nach vnnserer maß vnnd ordnung / doch mit disem vnserem waaren leib inn dem wir yetzundt lebend.

Darauff wöllend wir aber auch etliche zügknussen der heiligen gschrifft besehen von der vrstände [aufferstehung] vnsers fleisches. Job bekennt seinen glauben von der vrstände [aufferstehung] der todten / in seiner höchsten schwachheyt / bekümmernuß vnnd anfächtung / vnd spricht also / Jch weiß das mein erlöser läbt / vnd das ich auff den letsten tag wider von der erden aufferston wird / vnnd ich wird widerumb mit meiner haut überzogen werden / vnd in meinem fleisch Gott anschauwen / ja ich selber wird jn anschauwen / nit mit anderen / sonder mit disen meinen augen / ich vnnd kein anderer / Die hoffnung ist mir vorbehalten usw. Das ist ein so heittere zeügknuß das sie nicht weitterer außlegung vnd erklärung bedarff. Nit minders heittere kundtschafften finst / Esai. am xxvj[14.19.]. cap. Ezech. am xxxvij[1.14.. Jm fünfftzehenden Psalmen[Psal.16.10]. Matth. am xxv[31]. Joan. v.vj. vnd xj. cap[Joan.5.25.vnd 11.25]. Deßgleichen wirt im buoch der geschichten der Apostlen allenthalben der vrstände [aufferstehung] von todten gedacht. Vnd in der ersten zun Corintheren am fünfftzehenden capitel / disputiert Sanct Paulus nach der lenge daruon. Vnd in der andern Epistel am vierten Capitel spricht er / Wir die wir läbend / werdend jmmerdar inn todt gegeben vmb Jesu willen / auff das auch das läben Jesu offenbar werde / an vnserem stärblichen fleisch. Was köndt heitterers geredt werden / dann das daß leben Christi werde offenbar werden an vnserem stärblichen fleisch? dann er legts

XXXIXv. / 39b

gleich selb auß vnd spricht / wir wüssend das der den Herren Jesum hatt aufferweckt / vns auch aufferwecken wirt durch Jesum. Vnd im v. Capitel spricht er / wir müessend alle offenbar werden vor dem Richterstuol Christi / das ein yeglicher empfahe an seinem leyb / nach dem er gehandlet hatt / es seye guot oder böß. Darumb so werdend je vnsere waare leyb am tag deß gerichts wider aufferston.

Wie es aber mit der aufferstendtnuß [aufferstehung] werde zuogon / vnnd wie die leyb in der vrstende [aufferstehung] werdind werden / müessend wir auch besehen. Das merck aber ewer lieb also / Es wirt vnser Herr Jesus Christus am end der welt kommen zum gericht mit grosser Maiestet vnnd herrligkeit / vnnd welche der selbig tag noch inn disem leben begreifft / die werdend augenblicklich verwandlet werden / welche aber bißdar abgestorben sind / die werdend all vom ersten an biß auff den letsten / wider aufferston / vnnd inn jhrem eignen fleisch wider bekleidet vor dem Richterstuol Christi vnder den läbenden so jetz verwandlet sind ston / vnd also der letsten vrtheil warten. Welchs Paulus gar heiter außtruckt da er spricht /Sihe ich sag euch ein geheimnuß / wir werdend nit alle entschlaffen / wir werdend aber alle verwandlet werden in eim augenblick zur zeyt der letsten pusaunen. Dann die pusaunen wirt erschallen / vnd die todten werdend wider aufferston vnuerwäsenlich / vnnd wir werdend verwandlet werden / Dann dises verwäsenlich muoß anlegen das vnuerwäsenlich / vnd das sterblich / muoß anlegen die vnsterbligkeit.

Auß welchen worten deß heiligen Apostels Pauli wir auch sehend / wie vnsere leichnam in der vrstende [aufferstehung] werden vnd sein werdind. Es werdend nicht andere leib sein / sonder eben dise vnsere leib die wir jetz habend / aber sie werdend aller zerbrüchlicheit / vnnd aller zergencklichen anfechtungen ledig sein. Dann es spricht Paulus / die todten werdend widerumb aufferston / Jtem wir werdend verwandlet werden. Deßgleichen so zeigt er deütlich gleich als mit dem finger auff dise vnsere leyb / die wir hie auff erden vmbhin tragend vnd spricht / Dises verwäsenlich / Dises sterblich / ja diser leyb wil er sagen / vnnd kein anderer (wie auch Job redt) wirdt wider aufferstan. Er wirt aber jetz vnuerwäsenlich aufferston / der vor verwäsenlich was / er wirt aufferstan vntödtlich / der vor sterblich vnnd tödtlich was. Also wirt vnser leib endtlediget werden / vonn allen bösen vnnd leydenhafften anfechtungen [neigungen] / vnnd vonn aller zergengligkeit. Darnebend wirdt er aber sein Substantz vnnd wäsen auch die gestalt deß leybs nit verlieren / oder zuo eim geist werden. Dann er wirdt wol ein geistlicher / herrlicher vnnd clarificierter leyb genennt / Aber allein von wegen der seüberung vnnd hinlegung aller zerstörligkeyt.

Darumb spricht Paulus zun Philippensern am driten Capittel[20]. Vnser burgerschafft oder gemeinschafft ist inn himmlen / vonn dannen wir auch wartend deß Heilands Jesu Christi / welcher vnnseren jrrdischen leyb vergstallten wirdt / vnd gleichförmig machen dem leyb seiner klarheit. Da merck das er vnsere vrstende [aufferstehung] vonn todten nicht nent ein transsubstantiation, [-] das ist ein verenderung deß wäsens / auch nicht ein annihilation das ist außleerung vnnd vernütung [-] / sonder ein transfiguration, das ist ein vergstaltung vnsers leybs. Darnach aber dz er außtrucke wie der vergstaltet leib sein werde / so nent er jhn ein leyb der herrligkeit / oder klarheit / spricht nit / das er kein form oder gestalt mehr werde haben / sonder das er mit herrligkeit vnnd klarheit werde begabet werden. Vnd stelt vns deß zum exempel für / den leyb vnsers Herren Jesu / vnd zeigt bey dem an / wie vnsere leyb in der herrligkeit vnd klaarheit sein werdind /

XL. / 40a

dann er spricht außtruckenlich / er wirt vnseren leyb gleichförmig machen dem leyb seiner klaarheyt. Darumb so wöllend wir besehen / was vnser Herr Jesus Christus für ein leib gehebt heyge nach seiner vrstände [aufferstehung] . Sein leib was nit inn einen geist verwandlet / oder verschwunden vnnd zuo nichts worden / oder den man nicht mehr bekennen könnte / als der kein form vnd gestallt mer hette. Dann er zeyget seine händ vnnd seine füeß / vnnd daran seine wunden / die er noch hat von den neglen deß creützes / vnnd sprach / Sehend das ichs selbs bin / vnnd eben den leyb wider hab / in dem ich am creütz gehanget bin. Vnnd das ers noch heitterer außtruckte / vnnd zuo verston gebe / das sein leib yetz nicht ein geist wäre / so spricht er / Ein geist hatt nicht fleisch vnnd beyn / wie jhr sehend das ich hab. Deßhalb so hatt ein clarificierter [verklärter] leib auch fleisch vnnd beyn / vnnd keine andere glider / dann eben die / die er gehebt hatt / eb er clarificiert [ehe denn er verkläret] ist worden. Darumb ließ auch der Herr den heiligen Thoman sein seyten vnnd die fünff wunden mäler greiffen vnd anrüeren / damit niemand zweiflen möchte / sein waaren leib wider aufferstanden sein. Darumb aß er auch vnd tranck mitt seinen Jüngeren / Wie Sanct Peter vor dem Cornelio zeüget inn geschichten der Apostlen / damitt ein yeder sehe / das eben der leib wider von todten aufferstanden wäre der gefallen das ist gestorben was.

Vnd wiewol aber diser leib / wie gemäldet / ein waarer leib ist / mit eim gwüssen ort vmbzilet / vnd nit allenthalben zuomal / oder in alle ort außgespreitet / vnd auch sein glidmaaß / sein form vnnd gestallt / sein schwäre / sein geschlecht es sey man oder weyb / vnd sein natur hat / so ist er doch ledig alles leidens / aller zergenckligkeyt vnd schwachheyt. Dann der leyb deß Herren / als er yetz von todten aufferstanden / was nicht mer im grab / sonder in dem garten / Vnnd wie die weyber kamend vnnd jhn woltend salben / vnnd yetz vom grab wider zur Statt giengend / begegnet er jhnen auff dem wäg. Jtem von der Magdalena ward er gesehen im garten / Mitt den zweyen die gehn Emaus giengend / gieng er auch. Vnd dieweil er bey disen was mit seinem leib / was er nicht anderßwo bey anderen. Vnd wie die zwen wider gehn Hierusalem zuo den eilffen kamend / kam auch der Herr auff den abend zuo jhnen. Jtem so gieng er vor seinen Jüngeren hin inn Galileam. Bald kam er wider inn Judeam / da er dann von dem ölberg auff ward genommen gehn himmel. Mitt welchem allem sammen die waarheyt deß leibs Christi bewärt wirt. Dieweil aber dise leib von denen yetz geredt ist worden (die für sich selbs waare leib sind / jrs geschlechts / jhrer orten / jhrer art / gestallt vnnd natur) clarificierte herrliche vnd verklärte leib genennt werdend / so muoß ich auch ettwas reden von der glori / verklärung vnd herrligkeyt / die do kommen wirt zuo der waaren form vnnd zuo der substantz diser aufferweckten leichnammen [cörper].

Erstlich so wirt das wörtli glori oder verklärung hierinn braucht vnd verstanden für ein liecht / glantz vnd klarheit. Dann also sagt auch Paulus von den kinderen Jsraels / das sie nitt habind mögen ansehen das angesicht Mosis / von wegen der glori oder klaarheit seines angesichts / Also wirt auch der aufferweckt leib klar sein vnd leüchten. Dessen hat auch vnser Herr Jesus Christus ein anzeigung geben vor seiner vrstände [aufferstehung] / do er etlich seiner Jüngeren mit jm nam auff einen hohen berg / vnd sie da etlicher maß ein versuoch ließ sehen der künfftigen glori vnnd klarheyt / Dann er ward vor jhnen vergstaltet / also das die gestalt seines angesichts leüchtet wie die Sonn / vnnd seine kleyder weiß wurdend vnnd glantzetend wie ein liecht. Da behielt er die Substantz seines waaren leybs / behielt auch alle seine glider / die wurdend aber vergstaltet / das also die vergstaltung allein inn zuofelligen dingen geschähen ist / nicht inn enderung der Substantz / dann die Substantz vnd form seins

Xlv. / 41b

angesichts vnd leibs bleib / Es kam aber ein glantz vnd schein darzuo / Also das sein angesicht vnd sein gantzer leyb glastet [gläntzte] vnd leüchtet wie die Sunn vnd wie ein liecht. Vnd wiewol man von dem leib deß Herren als er von todten aufferstanden nit lißt / das er die viertzig tag / Jn welchen er sich seinen jüngeren offenbaret hatt / also geleüchtet vnd glantzet habe / so ist doch sölichs auß besonderer ordnung Gottes von der jüngeren wegen geschehen / gleich wie auch das / das er mit seinen jüngeren gessen hatt / da aber die clarificierten leib sonst der narung vnd speiß nit bedörffend. Jetzund aber so leüchtet er also im himmel / wie Sanct Johanns sölichs in seiner offenbarung am j. Cap.[10] zeüget. Das aber auch vnsere leib in der vrstende [aufferstehung] also clarificiert werdind / das bezeüget vnns die heilig geschrifft gar heiter / das wir daran nit zwyflend / dann im Euangelio redt der Herr auß dem Propheten Daniel von dem tag deß gerichts also / Denn werdend die gerechten leüchten wie die Sunn in dem reich jres vatters. Darumb werdend die aufferweckten leib clarificierte oder verklärte leib genent / von wegen der clarheit deß himmelischen liechts / mit dem sie erleüchtet vmbgeben vnd geziert werdend.

Darnach wirt das wörtli glori entgegen gesetzt der Nidrigkeit / vnd genommen für die herrligkeit / wie dann Paulus spricht / Er wirt vergstalten vnseren jrdischen oder nidrigen leib / vnd gleichförmig machen / dem leib seiner glori oder herrligkeit / da werdend nidrikeit vnd herrligkeit gegen ein anderen gesetzt / vnd wirt durch die nidrigkeit verstanden / alle arbendtseligkeit vnnd ellendigkeit / alle schwachheit / alles leyden vnnd anfechtungen / die vnserem leib von wegen der sünd anhangend vnd auffgelegt sind. Von denen allen werdend vnsere leib in der vrstende [aufferstehung] deß läbens entlediget werden / dz also die herrlichen vnd clarificierten leib söliche leib sind / die aller zerbrüchlikeit / alles leydens vnd aller schwacheit entladen / dargegen aber mit jmmerwerende vnd himmelischen sinnen vnnd herrligkeit begabet sind. Dann S. Paul spricht. Es wirt gesäyet verwäsenlich vnd wirt aufferston vnuerwäsenlich. Es wirt gesäyet in der vneer / vnd wirt aufferston in der herrlikeit. Es wirt gesäyet in der schwachheit vnd wirt aufferston in der krafft. Es wirt gesäyet ein natürlicher leib vnd wirt aufferston ein geistlicher leib. Deßhalb so werdend die herrliche vnd clarificierten leib gantz fürtreffenlich sein in vilerley gaben vnd güeteren / in vnzerbrüchlikeit / in herrligkeit / krafft / vnd läblichem geist. Dann S. Paul erleüteret sich selb vnd zeigt an was er durch den natürlichen vnd durch den geistlichen leib verstande / vnd setzt deßhalb drauff / Es ist ein natürlicher leib vnd ist ein geistlicher leib / wie geschriben stadt / Der erst mensch Adam ist erschaffen zuo einer läbendigen seel / vnd der letst mensch zuo einem läbendmachenden geist. Jtem noch heiterer. Aber der geistlich leib ist nit der erst / sonder der natürlich / darnach der geistlich. Der erst mensch ist von der erden irdisch / der ander mensch ist der Herr vom himmel / wie der jrdisch ist / also sind auch die jrdischen / vnd wie der himmlisch ist also sind auch die himmelischen / vnnd wie wir getragen habend das bild deß jrdischen / Also werdend wir auch tragen das bild deß himmelischen. Da nennet Paulus den natürlichen leib disen jrdischen leib den wir habend von vnserem vatter Adam / der von der seel sein tucht [-] läben krafft vnd wachsen hatt / den geistlichen aber / nent er den himmlischen leib / den wir von Christo vnd nach der gleichnuß deß leibs Christi habend / welcher ob er wol ein waarer leib vnd waar fleisch ist / so wirt er doch durch den geist Christi läbendig gemachet vnd erhalten / vnnd bedarff keiner tucht [-] / krafft vnd würckung der läblichen erfrischenden seel. Darumb wiewol dise vnsere leib vnd dise glider die wir jetz habend / nach der vrstende [aufferstehung] im himmel sein werdend / so werdend sie doch keine fleischliche vnnd zerstörliche sinn oder anfechtungen [neigungen] haben / es wirdt auch kein fleischlicher brauch mehr deß leibs vnd der glideren sein / welchs der Herr im Euangelio den Sadduceeren anzeigt /

XLI. / 41a

die da fürwurffend / ob man auch im himmel zur Ee greiffen wurde damit sie dann die vrstende [aufferstehung] der lyben zwyflig [in zweiffel stellen] vnd verdechtig machen woltend. Do sprach er / Die kinder diser wällt die mannend vnd wybend / welche aber wirdig sein werdend jhene wält zuo erlangen / vnnd die aufferstentnuß [aufferstehung] von den todten / die werdend weder mannen noch wyben / dann sie mögend hinfür nit sterben / dann sie sind den englen gleich / vnnd Gottes kinder / dieweil sie kinder sind der aufferstentnuß [aufferstehung]. Also sagt auch Paulus / fleisch vnd bluot mögend das reich Gottes nitt ererben. Welches / damit es niemand von der substantz deß fleisches verstüende / so setzt er gleich drauff / Auch wirt das verwäsenlich nicht erben das vnuerwäsenlich. Darumb bluot vnd fleisch / das ist die fleischlichen anfechtungen [neigungen] vnd begirden werdend nit sein in den außerwelten im himmel. Dann die himmlisch fröud ist vil ein andere fröud / dann ein jrdische fröud / vnd hatt gar ein andere natur. Deßhalb sie söliche zerstörliche erben nit zuolaßt. Darumb müessend die zerstörlichen leib vorhin gereiniget / geseüberet vnd clarificiert werden / von aller vnreinigkeit vnd zerbrüchligkeit. Vnd jrrend deßhalb die Türcken / die neißwan auff vil jrdischer fröuden hoffend.

Darbey aber / so werdend auch der Gottlosen vnd vnglöubigen leib widerumb aufferston / dann Paulus spricht im buoch der geschichten der Apostlen / Jch glaub allem das geschriben stadt im gesatzt vnd in den Propheten / vnd hab die hoffnung zuo Gott / auff welche auch sie selbs wartend / namlich das zuokünfftig seye die aufferstentnuß der todten / der gerechten vnd vngerechten. Da nennet er je heiter auch die vngerechten. Aber es wirt die schwacheit / schmach / arbendseligkeit vnd ellendigkeit durch die vrstende von jren leiben nicht genommen werden / sonder es werdend jre lyb in schmach vnd schand aufferston / vnd durch das gericht vnd die krafft Gottes darinnen behalten vnd bestetiget werden / Ja sie werdend zuor ewigen pyn jmmerwerend / zuo ewigen todt vntödtlich / zur zerbrüchlikeit vnzerbrüchlich gemacht werden. Das / wie man sonst auff erden etliche ding fint / die vom feür nit mögend verzert werden / sonder darin bleibend / also werdend auch die verflüechten lyb der vnglöubigen nit verschlissen noch verzeert mögen werden durch kein pein vnd not / sonder werdend jmmerdar neüwe krafft empfahen zuo leiden / vnd werdend also jr wol verdienete straff leyden in ewigkeit vnentlich. Dann auch der Herr im Euangelio spricht . Die böses gethon habend werdend wider aufferston zur vrstende [aufferstehung] deß gerichts / das ist / zuo jmmerwerender vnd beharrlicher verdammnuß. Also hat auch Daniel vorhin gesagt. Vil auß denen die im staub der erden schlaffend / werdend erwachen / etliche zum ewigen leben / etliche aber zuo ewiger schmach vnd verdrutz [schande] So spricht auch der Herr Christus im Euangelio wyter / Jr wurm wirt nit sterben / vnd jr für nit erlöschen / welchen spruch auch Esaias vorhin brucht im lxvj. ca.[24] Darumb wir allweg auch disem spruch deß Herren in vnseren hertzen haben söllend / da er spricht / förchtend den / der da vermag leyb vnd seel in der hell verderben. Das seye nun geredt von dem artickel der vrstende [aufferstehung] deß fleischs.

Der letst artickel vnsers glaubens / der es alles säligklich endet vnnd beschleüßt ist diser. Vnd ewigs leben. Vorhin habend wir gehört vnnd verstanden / das die seelen der menschen vntödtlich sind / das auch die lyb am end der wält wider aufferston werdind / vnd habend bekennt das wir sölichs glaubind. Nun volget zuom end deß glaubens / wo vnsere vndötliche seel vnd auch der lyb so der aufferweckt wirt / hin kommen werdind. Da sprechend wir / vnnd ein ewigs läben. Verstand allweg. Jch glauben / das ich ein ewigs läben erlangen werde. Ewig aber ist / das immerwärend vnd ohn end ist / wie vorhin auß heiteren zeügnußen der geschrifft erklärt ist.

Dises ewigen läbens aber werdend die seelen genoß vnd theilhafft so bald sie von den lychnammen abscheidend / wie der Herr selb zeüget / da er spricht / wer in den

XLIv. / 41b

Sun Gottes glaubt / der wirt inn kein vrtheil kommen / sonder ist durchtrungen vom todt inns läben. Die leichnam werdend begraben vnnd verfulend. Denn zuo mal werdend sie aber auch in das ewig leben genommen werden / so sie auff den tag deß gerichts aufferweckt Christo entgegen inn die lüfft gezuckt werdend / damit sie allweg bey dem Herren seyend. Dann zur selben zeyt werdend die seelen von himmel widerumb zuo jhren leiben kommen / damit als dann der gantz mensch an leib vnnd seel inn ewigkeyt läbe. Also ist auch die seel Christi deß Herren / als er am creütz verscheiden / von stund an / inn das Paradys genommen worden / vnd am dritten tag ist sie widerumb zuo dem leib kommen / welcher aufferstanden vnd gen himmel gefaren ist / also wirdt es auch widerfaren allen vnd jeden seinen glideren.

Dieweil aber Paulus auß dem Propheten Esaia sagt / das kein aug gesehen habe vnd kein ohr gehört / vnnd das es inn keines menschen hertz gestigen seye / das Gott bereitet habe denen die jhn liebend / so achten ich / das wenn schon daruon geredt wurde alles das / das alle zungen vnd alle menschen die je auff erden geläpt / daruon hettend mögen reden vnd sagen / das doch das wenigist nit daruon möchte recht vnd gnuogsam angezeigt werden. Dann ob vns gleich die heilige geschrifft zum theil durch heitere zum theyl aber durch figürliche reden / Jtem durch anmassungen anbildungen vnnd räterschen [rätzel] das ewig leben vnd die fröud desselbigen fürgestellt / so ist es doch alles klein vnnd gering gegen dem / so der tag kommen wirt / da wir Gott den schöpffer aller dingen selb inn seiner herrligkeyt / Christum vnseren heiland inn seiner Maiestet / deßgleichen alle sälige geister / vnd engel / alle Patriarchen / Propheten / Apostel vnd marterer / vnsere vätter vnnd alle menschen / alle himmlische heerzeüg / auch alle göttliche vnd himmlische glori vnd herrligkeit / mit vnaußsprechlichen fröuden sehen werdend. Darumb redt der heilig Augustinus waar vnd recht de ciuitate dei im xxij. buoch am xxix. Cap. So man mich fraget wz die säligen handlen oder thuon werdind in disem geistlichen leib / so wird ich nicht sagen das ich jetzund sych [sehe] / sonder das / das ich glauben / vnnd sagen deßhalb / das sie Gott sähen werdind inn disem leib. Vnnd weiter spricht er / was aber das für ein ruow vnd muoß sein werde / wenn ich die warheit reden sol / so weiß ichs nitt vnd könte es nit sagen / dann der friden Gottes vbertrifft allen verstand. Jn summa / wir werdend Gott selbs sehen von angesicht zuo angesicht / vnd werdend jhn loben inn ewigkeit / vnd vns inn der fröud Gottes ersettigen ohn allen verdruß. Das angesicht Gottes aber ist nit ein sölichs angesicht wie wir angesicht habend / sonder ein fröudreiche eroffnung [eröffnung] vnd niessung Gottes / die kein menschen zung gnuogsam außsprechen mag. Darumb lieben brüeder vnd schwösteren lassend vns also glauben vnnd leben / das so wir auß diser zeyt abscheidend / an vns selbs erfarind die vnaußsprechlichen fröuden deß zuokünfftigen vnd ewigen läbens / welche wir jetzund glaubend. Also hatt ewer lieb nun inn disen vier letsten articklen verstanden vnnd gehört welches die frucht vnd das end seye / deß waaren Christlichen glaubens. Der glaub ist gerichtet auff einen Gott / den vatter / Sun / vnnd heiligen geist / welcher die glöubigen heiliget / reiniget / vnd jhm eignet zuo einer kirchen vnnd gemein die da gemeinschafft hatt mit Gott vnd allen außerwelten. Diser kirchen verzeicht Gott alle sünd / die macht er sälig an leyb vnnd an seel. Dann wie die seelen vnsterblich sind für sich selbs / also wirt auch Gott die leyb der glöubigen wider erwecken / herrlich vnnd ewig machen / das also der gantz mensch ewigklich bey Gott in himmlen wone. Jm sey lob vnnd ehr inn ewigkeyt. AMEN.

 

XLII. / 42a

10.Pr.Die Zehende Predig

Von der liebe Gottes vnnd deß nächsten.

NAch dem vnd ich yetzund ettliche predgenen dahar geredt hab von dem waaren glauben / so wil ich auff dißmal auch etwas reden von der liebe Gottes vnd deß nechsten. Dann doben in der vierten predig hab ich verheissen das ich nach der handlung deß glaubens auch hieuon etwas reden wölle / dieweil die außlegung der geschrifft von der regel deß glaubens vnd der liebe nit abweichen sol. Wie jr aber bißhar Gott angerüefft vnd gebätten habend / also wöllind auch fürhin thuon / damitt dise heylsamme leer von mir recht fürtragen / vnd von eüch mit vil frucht auffgenommen werde.

Anfäncklich aber wil ich kein vnderscheyd machen / zwüschend denen beyden wörtlinen Charitas vnnd Dilectio, sonder sie beyde für eins nemmen / dann sie auch beyde ein ding heissend / namlich liebe. Was aber die liebe sey / dauon sagt der heilig Augustinus de Doctrina Christiana also: Jch nennen die liebe spricht er / Ein bewegnuß deß gemüets / zuo lieben Gott von seinen selbs / vnnd sich selbs vnd den nechsten von Gottes wegen. Also sprich ich nun auch / das die liebe sey ein gaab die dem menschen von himmel herab geben / dadurch er Gott vor allen dingen vnnd über alle ding von hertzen liebet / vnd seinen nechsten als sich selbs. Darumb so hat die liebe jhren vrsprung von himmel herab / dadannen [von dannen] sie inn vnsere hertzen gegossen wirt. Die selbig nimpt aber zuo / vnnd wachßt durch erinnerung vnnd betrachtung der wolthatten Gottes / Jtem durch gebätt / vnnd zuohören vnnd üeben deß worts Gottes / welches auch alles selbs gaaben Gottes sind. Darumb spricht Sanct Paul / die liebe Gottes ist außgegossen inn vnsere hertzen durch den heiligen geist / welcher vns gegeben ist. Dann die liebe Gottes / mitt welcher er vns liebet / ist der grund vnd vrsach der liebe mitt welcher wir Gott widerumb liebend. Vnnd auß disen beyden fleüßt dann auch die liebe deß nechsten / Wie Joannes der Apostel sagt / Wir liebend jhn / dann er hat vns zum ersten geliebet. Jtem / welcher den liebet der geboren hat / der liebet auch den der von jm geboren ist.

Darauß wir nun auch weitter abnemmend / das die gaab der liebe vnzertrennt / vnd doch auch zwifalt oder zweyerley ist / dann wer Gott waarlich liebet / der hasset seinen nechsten nit. Doch dieweil die liebe auff Gott vnd auch auff den nechsten gerichtet ist / so ist sie zwifalt. Darumb sind auch der Taflen deß gesatzs Gottes zwo / deren die ein die vier gebott / die Gottes liebe beträffend begreifft / die ander / die sechs vberigen gebott / darinn die liebe deß nechsten vergriffen ist / von welchem hiernach wirt geredt werden an seinem ort. Dieweil nun also zweyerley liebe ist / namlich Gottes vnd deß nechsten / so wil ich zum ersten von der liebe Gottes / vnd demnach auch von der liebe deß nechsten reden / dann inn disen zweyen gebotten / spricht der Herr / hanget das gantz gsatzt vnd alle Propheten.

Mit der liebe Gottes liebend wir Gott / hangend Gott an als dem einigen ewigen vnd höchsten guot / belustigend vnd fröwend vns in jm / sind gantz auff jn gelassen / fleissend vns gäntzlich seines willens / vnd sehend in allen dingen allein vff jn vnsern geliebten Gott. Jn welchen worten vil begriffen wirt / das wir nun etwas weitlöuffiger erklären wöllend. Erstlich so liebend wir Gott mit der liebe / wir liebend aber nichts dann was vns lieblich vnd anmüetig ist / vnd das liebend wir nicht nur von vnsers nutzes wegen sonder vil mer von wegen / das wir ein begird habend bey dem zuo sein / vnnd vns gar vnnd gantz zuo ergeben an das / das wir liebend. Also sind wir durch die liebe begirig bey Gott zuo sein /

XLIIv. / 42b

vnd werdend auch durch die liebe Gott zuogethon vnd vereinbaret / wie S. Johans sagt / Gott ist die liebe vnd wär in der liebe bleibt der bleibt inn Gott vnd Gott in jhm. Darnach so hangend wir auch Gott also an / als dem einigen ewigen vnd höchsten guot / in welchem wir vns von hertzen belustigend vnd erfröwend. Auff jn sind wir auch gelassen vnd ergeben / dann wir wüssend das außert jhm kein guot ist / vnd aber dargegen in jm alles guot funden wirt. Darumb liebend wir außert Gott kein anders guot / sonder vil mehr so verachtend vnd vernütend wir alles ander das in der wält möcht guot genent werden / von wegen deß einigen vnd geliebten guots. Ja es vberwindet auch in vns die liebe Gottes / alles das vbel das man sonst für vnüberwintlich achtet / wie Paulus sölichs mit grossem geist meldet vnnd anzeigt Rom. viij[35]. Da er also spricht / wer wil vns scheiden von der liebe Gottes inn Christo Jesu / trüebsal? angst? verfolgung? hunger? blöße? gefärligkeit oder schwärt? wie geschriben stat vmb deinetwillen werdend wir getödtet den gantzen tag / wir sind gerechnet wie die schlachtschaff. Aber in dem allem vberwindend wir vmb deß willen der vns geliebet hatt. Dann ich bin gewüß / das weder tod noch läben / noch engel / noch fürstenthumb / noch gewalt / noch gegenwirtigs noch zuokünfftigs noch hochs / noch tieffs / noch kein andere creatur vns scheiden mag von der liebe Gottes / die in Christo Jesu ist vnserem Herren / das sind alles wort S. Pauli.

Zuo dem allem ( wie gemeldet ) so machet auch die liebe Gottes / das wir vns gantz vnd gar nach dessen willen vnd gefallen richtend / den wir also von hertzen liebend. Darumb ist einem der Gott liebet / nichts lieblichers vnnd lustigers / dann das thuon / das er weißt seinem Gott wolgefellig sein. Darzuo so hatt auch dz gemüet deß liebhabenden ein stäts auffsehen auff den den es liebet / Es wendet seine augen nicht von jhm / hatt in allen dingen allweg allein ein begierd nach jhm. Also hatt auch der der Gott liebet / ein lust vnd fröud offt mit Gott zuo reden / vnd dargegen auch zuo hören die wort Gottes / die er mit vns redt inn der heiligen geschrifft. Dann also sagt der Herr im Euangelio / wer mich liebet / der wirt mein wort halten / wer mich nit liebet / der haltet mein wort nit. Jtem / Bleibend in meiner liebe / So jr meine gebott haltend / so bleibend jhr in meiner liebe / gleich wie ich meines vatters gebott gehalten hab / vnd bleib in seiner liebe. Jtem weiter spricht er / wer mich liebet / der wirt mein wort halten / vnnd mein vatter wirdt jhn lieben / vnd wir werdend zuo jm kommen / vnd wonung bey jm machen usw.

Nun wöllend wir auch besehen auß Mose / wie man Gott lieben müeße / vnd wie groß die liebe bey den außerwelten sein sölle / dann er erleüteret vnnd leert söllichs gar fein da er spricht / du solt lieben den Herren deinen Gott von gantzem deinem hertzen / von gantzer deiner seel / vnnd vonn allen deinen krefften. Welche wort auch vom Herren Christo im Euangelio wider gäferet [widerholet] werdend / da er spricht / du solt lieben den Herren deinen Gott von gantzem deinem hertzen / vnd von gantzer deiner seel / von allen deinen krefften / vnd von gantzem deinem gemüet. Darauß wir sehend das Gott zuo lieben die aller höchst liebe von vns erforderet wirdt / dann darzuo wirt erforderet der gantz mensch mit allem dem dz er ist vnnd hatt. Dann in dem gemüet stat der verstand deß menschen / Jm hertzen ist der will mit allen begirden vnd anfechtungen [neigungen]. Die krefft deß menschen sind / alles dz er vermag / mit worten / wercken / rath vnd that / hab vnd reichtumb / vnd allem das er hatt / So ist das läben in der seel. Das wirt aber alles vonn vns erforderet / das wir es anwendind an die liebe Gottes / da vns gebotten wirdt das wir Gott lieben söllind vonn gantzer seel / vonn allen krefften / auß gantzem gemüet vnd hertzen. Da ist nun nützit außgelassen / dz da nit vergriffen sey. Dann wir sind ie gantz vnnd überal Gottes / so wir deßhalb auch

XLIII. / 43a

Gott gentzlich lieben Vnnd nichts sol vns in der wält liebers sein / dan Gott / nichts sol vns so lieb theür vnd werd sein in allem das wir habend vnnd besitzend / dem wir vonn Gottes wegen wölltind verschonen / das wir nit gern von Gottes wegen nach Gottes geheiß vnd befelch wöllind außgeben / verschetzen [-] / verlassen vnd verlieren. Dann das heißt Gott vor vnnd vber alle ding lieben. Es wirt auch erforderet das wir jhm allein anhangind / jn allein liebind / denn billich ist es / das wir von hertzen gentzlich vnnd volkommenlich alles das wir habend / wendind vnd streckind an sein liebe / dieweil wir nützit sind vnnd habend / dann das wir von jm sind vnd habend. Vnd da werdend nun verdampt / alle / die Gott wöllend lieben / vnnd aber darnebend auch die welt. Gott erforderet das gantz hertz / das gantz gemüet / die gantze seel vnnd alle krefft / ja alles das wir sind vnd habend / vnd laßt vns deßhalb nichts überigs / dz wir an andere verwendind. Wie wilt du dann deinem fleisch / dem Teüffel / anderen Götteren vnd der wält anhencken / das / daß allein Gottes eigenthuomb ist? Gott ist allein der höchst / ewig / grössist / gewaltigest / schöpffer / erlöser vnnd behalter / Er ist der aller gnedigest / der aller gerechtist / der aller best. Er hat ye vnnd ye allein geben / gibt auch noch für vnd für / vnnd wil auch fürohin geben den menschen alles das jnen dienet zuo auffenthalt deß leibs vnd der seelen. Er allein ist vnnd thuot gnuog dem menschen zuo allem dem das zuo eim guoten vnd säligen leben dienet. Darumb sol man jhn auch billich allein lieb haben / ja lieb haben für vnnd vber alle andere ding. Vnd dise liebe Gottes segnet auch alles das dem menschen zuofallt vnd begegnet / Also / das es jnen alles zuo guotem dienet / wie Paulus sagt / Denen die Gott liebend dienend alle ding zuo guotem. Dise liebe Gottes erforderet auch das / daß wir sonst niemand anbättind / verehrind / fürchtind / anrüeffind / gehorsamind noch anhangind / dann allein dem einigen Gott / dem aller preiß / alle glori vnd ehr allein zuogehört. Das seye nun von dem.

Ehe dann wir von der liebe deß nechsten redind / so ist von nöten das wir vor allen dingen besehind wer der nechst seye / dann etliche stossend sich [-] / vnd habend ein zweiffel vnd mißuerstand hierinn. Etlich haltend die bluotsuerwanten allein für die nechsten. Andere dann die / die jhnen guots gethon / dargegen vonn welchen jhnen args vnd böß beschehen / die haltend sie nit für die nächste. Aber vnser Herr Jesus Christus leert vnd zeigt vns fein an inn einer Parabel vnd gleichnuß / das ein jeder der vnser hilff vnd vnsers raths bedarff vnser nächster seye / vnd wann er sonst gleich vnser feynd wer. Dann er füert yn ein gleichnuß von eim Juden der vnder die mörder gefallen / von denen er übel geschlagen vnd verwundt / den habind funden ein Priester vnnd auch ein Leuit die auch seins volcks warend auff dem wäg halb tod ligen voll wunden vnnd streichen / die seyend aber fürgangen / vnnd habind jhn lassen ligen. Da seye ein Samarit kommen / der hab jn auffgenommen vnd jm gepflegen. Vnd wiewol grosse feyentschafft was zwüschend den Juden vnd Samariteren / nichts destminder habe er jhm guots thon / dieweil er gesehen das es die groß not deß armen menschen also erforderet. Dise handlung zeücht nunChristus auff sein fürnemmen / vnd fraget den der da gern gewüßt hette wer sein nechster were gewesen / vnd sprach / welcher vnder disen dreyen bedunckt dich disem der nechst gewesen sein? Vnd er sprach / der die barmhertzigkeit an jm thet. Do sprach der Herr zuo jhm / so gang hin vnd thuo deßgleichen. Als wölte er sagen / gleich wie der Samaritan auch seinen feyendt für seinen nechsten gehalten / vnd jm do er sein bedorfft guots gethon hat / also hallt auch du einen jeden der deiner hilff bedarff / für deinen nechsten und thuo jhm guots. Darumb redt auch der heilig Augustinus recht vnd der gschrifft gemäß do er spricht / den haltend wir für vnseren nechsten / dem man guots zuo thuon vnd barmhertzigkeit zuo beweisen schuldig ist so er sein bedarff / oder schuldig

XLIIIv. / 43b

were so er sein bedörffte. Vnd wir inn der Eydgnoschafft truckend söllichs eygentlich auß da wir vnseren nechsten nennend / den nechsten menschen / das ist ein yetlichen der vns zehanden stoßt / Gott geb wer er sey. Darzuo wirt auch der nechst in vnser sprach genennt der eben mensch [Ebenmensch] / namlich ein yeder der so wol ein mensch ist als wir / damit wir ye alle menschen verstond / sie seyend fründ oder feyend. Vnd hiehar dienet dz Lactantius schreibt lib. 6. cap. ii.wz machst du vil vnderscheyds zwüschend den personen? oder wz sichst du vff deß leibs gestalt / du solt einen yeden für einen menschen halten / der darumb von dir begärt / dz er auch dich für einen menschen haltet / Gib den blinden / schwachen / lamen / verlaßnen / die da sterben müeßtind / wo du jnen nit gebist vnd hulffist. Jtem / wir müessend thuon als menschen / wöllend wir menschen genennt werden. Thuon aber als menschen / was ist das anders / dann den menschen lieben / darumb das er ein mensch vnd eben das ist das auch wir sind. Darumb spricht auch der Herr im Euangelio / da er von der liebe redt / liebend eüwere feyend / wünschend guots denen die eüch verflüechend / thuond guots denen die eüch hassend / bittend für die so eüch beleydigend. Jtem / wer dich bittet / dem gib / vnd so jhr liebend die die eüch liebend / was werdend jr für lon haben? dann die sünder liebend auch die sie liebend. Darumb entlich so ist der nechst ein yeder der vnser hilff bedarff.

Auß welchem aber darumb nit volget / das kein ordnung / maß vnd gebürlicher vnnderscheyd sölle gehalten werden inn üebung der liebe vnnd wolthat. Darumb spricht Augustinus recht de Doctri. Christia. lib. i. cap. 27. Man sol keinen sünder lieben / so ferr vnd darumb das er ein sünder ist. Vnd im xxviij. capitel / Man sol alle menschen gleich lieb haben / Dieweyl du aber nitt einem yeden behilfflich sein magst / so solt du doch denen vorauß vnnd insonderheyt beholffen vnd beraten sein / die dir durch gelegenheyt der zeit vnd orten oder anderer sachen etwas näher verwandt vnnd zuogethon sind. Welches auch der heilig Apostel Paulus vor Sanct Augustin geleert hat / da er spricht / Wer nit arbeitet / sol auch nit essen. Jtem / lassend vns guots thuon dieweil wir zeit habend / an yederman / allermeyst aber an deß glaubens genossen. Jtem an einem andern ort / wil er nitt das man alles ander leüten gebe / vnnd einer darnebend inn seinem hauß mangel leide / sonder er gebeüttet einem yeden das er sein eigen haußgesind versorge / Wie dann einem yeden das ort bekannt ist / j. Tim. v[8].

Nach dem wir aber also erklärt / wer vnser nechster sey / so wöllend wir nun auch besehen / wie man den selbigen lieben sölle. Namlich so soll man den nechsten lieben von hertzen one trug vnd gleißnerey / mit gleicher liebe wie wir vns selbs liebend / oder wie Christus vns geliebet hat / Man sol jhm dienen in allen dingen / alle wolthat vnd früntligkeyt an jhm üeben vnd erzeigen / Darinn wir vier stuck sonderlichen zuo mercken habend.

Erstlich das von vns erfordert wirt / ein söliche liebe deß nechsten / die da vffrecht [auffrichtig] / on allen falsch / trug vnd gleißnerey sey. Dann es sind vil / die jhren nechsten wol vil glatter vnd süesser worten gäbend / vnd dergleichen thuond als ob sie sy mächtig lieb habind / sind jhnen aber im hertzen dainnen feyend / suochend allein wie sie sy mit jren guotten worten betriegen / oder das sie jren nutz dardurch schaffind. Darumb sünderend auch die heiligen Apostel Christi Paulus vnd Joannes die gleißnerey so ernstlich auß von der liebe. Dann Paulus spricht / Die liebe sey vngefärbt. Jtem das end deß gsatztes ist liebe auß reinem hertzen vnd guoter gewüßne vnd vngegleißnetem glauben. Joannes aber spricht / Meine kind / lassend vns nicht lieben mit worten / noch mitt der zungen / sonder mit der that vnd mit der waarheyt. Hierinn wirt aber auch verstanden / die freywillige vnd fröliche deß gemüets / das da nützit mit zwang vnd auß vnwillen beschähe. Dann Paulus spricht / ein yetlicher gebe vnd thüee / nach dem er

XLIIII. / 44a

in seinem hertzen vorhin erwölt hat / nit auß traurigkeyt oder auß zwang / dann einen frölichen gäber hat Gott lieb.

Zum andern so wirt auch von vns erforderet / dz wir vnsern nechsten liebind als vns selbs / Dann der Herr hat also gesprochen / lieb deinen nechsten als dich selbs / das ist einbrünstigklich vnd zum hefftigisten / dann es ist kein anfächtung [affect vnd neigung] im menschen so starck vnd hefftig / als die eigen liebe. Da wil aber der Herr nit / dz einer sich selbs zum ersten / vnd vorab liebe / vnd demnach erst seinen nechsten / sonder er wil hiemit leeren die aller einbrünstigest liebe / namlich das wir *gleiche anfächtung anwendind an*[in gleicher weise gesinnet seyen gegen] vnseren nechsten / wie an vns selbs vnnd an vnser eigne sachen / das wir mit gleicher sorg / mit gleichem eyfer / fleiß vnd ernst / anderen guots thüegind / jren schaden wendind / jhren nutz fürderind / wie wir das vns selbs thuond. Darumb der Herr auch redt / was du wilt das dir geschehe / das thuo auch dem anderen vnd was du wilt das dir nit geschehe / das thuo auch keinem anderen. Da er zwey ding von vns erforderet: Eins / das wir niemant schaden zuofüegind / das ander / das wir yederman guots thüegind / dann es ist nit gnuog niemand nichts böses thuon / wir müessend auch guots thuon so vil vnd inn vnserem vermögen / dann wir auch also gegen vns selbs gesinnet sind / dz wir vns selbs nit nun nichts schadend vnd böses thuond / sonder auch guots thuond so vil wir mögend.

Zum dritten / damit vnd wir destbaß verstandind wie wir vnseren nechsten lieben söllind / so wirt erforderet das wir vnseren nechsten liebind mit gleicher liebe wie vns Christus geliebet hat. Dann es spricht der Herr im Euangelio Joannis / das ist mein gebott das jr eüch vnder einander liebind / wie ich eüch geliebet hab. Da sehend wir wol wie wir vnseren nechsten lieben söllind / namlich wie Christus vns geliebet hatt. Wie hatt aber Christus vns geliebet / das zeigt er im Euangelio selbs an / da er spricht / Niemand hatt grössere liebe / dann das er sein läben setze für seine fründ. Darumb so sind wir schuldig vnseren nechsten also zuo lieben / das wir auch vnser leben für jhn dar streckind. Vnd so wir jm das leben schuldig sind fürzuostrecken / wie vil mer dann das überig alles das wir habend / dieweil nichts köstlichers ist dann das leben? Wer sein leben in gefar setzt / der verscherzt auch das ander alles. Darumb spricht der heilig Apostel Joannes / Daran habend wir erkennt die liebe / das er sein leben für vns gelassen hat vnd darumb söllend auch wir das leben für die brüeder lassen. Das ist nun alles heitter vnd verstäntlich / besonders von wegen deß exempels Christi das vns zum beyspil wirt fürgestelt. Darumb wir Gott fleißig anrüeffen vnd bitten söllend / das er vns gnad gäb / das wir es nicht nur verstandind sonder auch also thüegind / damit wir nit fallind in das vrteyl deß yetzgemelten Apostels / der auch also spricht an gedachtem ort / wenn yemandt diser welt güeter hett / vnnd sehe seinen bruoder mangel haben / vnnd schlusse sein hertz vor jm zuo / wie blibe die liebe Gottes inn jm?

Zum vierdten vnd letsten aber müessend wir auch besehen wie wir dem nechsten in allen dingen dienen / vnd gegen jm alle werck der liebe / wolthat vnd früntligkeit erzeigen vnd üeben söllind. Diß erklärt der Herr gar fein vnd heiter in der Parabel vnd gleichnuß deß Samaritanen / mit deren er leert wer vnser nechster sey. Jnn welcher er auch kurtz vnd doch heiter anbildet vnd außtruckt alle werck vnd stuck der liebe deß nechsten. Dann erstlich so füert er yn den Samaritanen / welcher als er den verwundten menschen sach / erbarmet er sich sein. Also wirt von vns erfordert die hertzlich barmhertzigkeit / dz wir ander leüten jamer vnd ellend vns lassind zehertzen gon / vnd denckind dz es auch vns angange vnd hertzlichs mitleiden darmit habind. Wie vns dann auch Paulus leert da er spricht / bedenckend der gebundnen als die mitgebundnen / vnd deren die übels leidend / als die jr auch selbs im leib [leid] sind. Darnach so stadt / wie der Samaritan hinzuo

XLIIIIv. / 44b

gangen / Er gadt nit für / er klagt [beklagt] den armen verwundten man nit nur mit worten / er fart nit darmit für [lauft ... dauon] seinen sachen vnd händlen nach. Dann es spricht auch Jacobus der Apostel / So ein bruoder oder schwester bloß were / vnd mangel hettend an der täglichen narung / vnd yemand vnder eüch spräche zuo jnen / Gott berate eüch / wermend eüch vnd settigend eüch / vnd gäbe jnen aber nit wz deß leibs notturfft ist / was hulffe es sie? Darumb so gadt der Samaritan hinzuo / nimpt jn zuo handen / vnderstadt jhm zehelffen vnd jhn zeheilen / auffs best als er kondt vnd wußt. Er hat kein scheühen ab dem eiter / wuost vnd geschmack der wunden. Er verband jn / wartet nit biß ein anderer käm der es thäte / Er befilchts auch keinem andern. Er hat nit zewort dz er kein artzet seye / sonder dieweil es die notturfft erforderet / do thet er was er kont vnd vermocht / braucht was er hat / biß ers besser überkeme. Wein vnd öl hat er zuo jm auff den weg genommen gehebt / die braucht er yetz in der not / welche stuck jm auch nit vndienstlich warend / dieweil der wein die wunden seüberet / das öl aber den schmertzen nimpt vnnd linderet. Vnd erspart es also an seinem halß / damit er dem armen menschen möge gehelffen / mit dem ers alles braucht. Darzuo so steig er auch von seinem thier darauff er geritten / vnd satzt jn darauff / ja er selb lupfft jn mit seinen armen vff von der erden auff das thier / dieweil er selb nit mocht darauff kommen / Darzuo so beleittet er jn auch selbs / Befilchts nit ander leüten. Jtem / dieweil er jn nit mocht dahin bringen da er daheim was / so füert er jhn doch an ein guote herberg / da laßt er sich abermals kein kosten vnd kein arbeit thauren / pfligt dem armen menschen selb / dieweil man sonst gmeynlich in Wirts hüseren zun krancken übel sorg hat. Vnd dieweil jn die not trang das er ye für muoßt / gab er dem Wirt gelt für jhn / vnd dessen so vil / so vil er meynt das es gnuog wer / biß er wider vmbhin kommen möchte / vnnd befalhe jn darzwüschend dem Wirt gar fleißig / versprach auch weitter für jhn / vnd sprach zum Wirt / so du etwas meer wirst darthuon / wil ich dir es bezalen wenn ich wider komm / verheißt deßhalb / dz er selbs wölle wider kommen / vnd erklärt sich / das er nit nachlassen vnd nichts sparen wölle biß das der arm wund mensch widerumb gesund werde. Jnn welcher Parabel vnd gleichnuß gar eigentlich ersehen wirt / wie wir vnseren nechsten lieben söllind / Namlich wie der Samaritan sich selbs vnnd alles das er hatt mit aller guotwilligkeyt darstrackt / dem armen menschen zuo hilff vnnd trost / also sind wir auch söllichs vnserem nechsten schuldig vnd verbunden / vnd so wir also thuond / so thuond wir die werck der barmhertzigkeit vnd der früntligkeit.

Auff söllichs wöllend wir aber auch besehen etliche zeügknussen der heiligen gschrifft / auß welchen wir der liebe art vnd eigenschafft dest baß mögind erkennen / wo villeicht etwas in dem das bißhar geredt außgelassen were. So schreibt nun Paulus zun Corintheren also / Die liebe ist langmüetig vnd früntlich / die liebe ist nit verbünstig [eifert nicht] / die liebe ist nit widerbäfftzend [treibet nicht mutwillen] / sie bläyet sich nitt auff [ist nicht auffgeblasen] / sie ist nitt vnzüchtig / sie suocht jren nutz nit / sie laßt sich nit zuo zorn reitzen / sie mißt nichts zuo argem [gedencket nichts böses] / sie fröwet sich nit der vngerechtigkeyt / sonder sie fröwt sich der warheit sie vertregt alles / sie glaubt alles / sie hoffet alles / sie duldet alles. Vnnd zun Römern spricht er / die liebe fürkömme ander leüt mit ehrenbietung / sie nemme sich der heiligen notturfft an / sie sey gastfrey / vnd sträbe darnach / das sie gern beherberge / sie rede wol auch denen die sie verfolgend / sie fröwe sich mit den frölichen / vnnd weine mitt den weinenden / sie habe mitleiden mitt den schwachen. Jtem er spricht auch inn der selbigen Epistel / Sind niemand nichts schuldig / dann das jr einanderen liebind. Dann wer den anderen liebet / der hat das gsatzt erfüllt / Dann das gsatzt / Du solt nit Eebrächen / Du solt nit töden / Du solt nit stälen / Du solt nit falsche zeügknuß geben / Du solt nit begären / vnnd so ein anders gebott mehr ist / das wirt in disem verfasset / namlich / Du solt lieben deinen

XLV. / 45a

nechsten als dich selbs / Die liebe thuot dem nechsten nichts böses / So ist nun die liebe deß gsatztes erfüllung.

Dahar dienend yetzund auch die werck der barmhertzigkeit die auß der liebe fleüssend / welche vom Herren erzellt werdend im Euangelio Matthei / vnd besonders dise / dz man die hungerigen speise / die durstigen träncke / die weyßlosen [frembdling] beherberge / die nackenden decke vnd bekleide / die krancken besuoche / die gefangnen tröste usw. Auff welche auch Lactantius sicht da er spricht lib. Jnstitut. 6. cap.12. Die fürnemste tugend ist gastfrey sein / vnnd die armen neeren. So ist auch die gefangnen erlösen ein groß vnd fürnemm werck der gerächtigkeyt. Nit minders ist auch das ein groß werck der gerächtigkeyt witwen vnd weysen die weder hilff noch rath habend / schützen vnd schirmen / welches dz gsatzt Gottes allenthalben gebeütet. Darzuo die krancken die niemand habend der jnen helff oder außwarte / auffnemmen / vnd rahtsamen / ist ein werck der höchsten früntligkeyt vnd wolthat. Das letst aber vnd höchst stuck der Gottsäligkeyt ist / die frembden vnd dürfftigen begraben usw. Diß sey nun geredt von der früntligkeyt vnd wolthat / welche auß der waaren liebe deß nechsten fliessend.

Hie ist aber nun nit gnuog lieben brüeder / das wir wüßind vnd verstandind / wie wir vnsern nechsten lieben söllind / wir thüeginds dann auch also von hertzen. Darumb so merck E. L. zum beschlussz auff die schön vnd hertzlich vermanung / die der h. Apostel Paulus auß dem schönen vnd volkomnisten exempel Christi deß Herren von der liebe deß nechsten thuot / da er also spricht / Jst nun vnder eüch yenen ein ermanung in Christo / ist yenen ein trost der liebe / ist yenen ein gemeinschafft deß geists / ist yenen ein hertzliche liebe vnd barmhertzigkeyt / so erfüllend mein fröud / das jr eines sinns sygind / gleiche liebe habind / thuond nichts durch zanck oder eytle ehr / sonder durch die demuot / achte ye einer den andern höher dann sich selber / vnd ein yetlicher sehe nit auff seinen nutz / sonder auff den nutz eines andern. Ein yetlicher sey gesinnet wie Jesus Christus auch was / welcher ob er wol in Göttlicher gstallt wz / hat er es nit ein raub geachtet Gott gleich zuosein / sonder hat sich selbs geringeret / vnd die gestalt eines knechts angenommen / vnd ist worden gleich wie ein anderer mensch / vnd an gebärden als ein mensch erfunden / hat sich selb ernideret / vnd ist gehorsam worden biß zum tod / ja zum tod deß creützes. Darumb hat jn auch Gott erhöcht / vnd hat jm einen nammen geben / der über alle Nammen ist / das in dem nammen Jesu sich biegen söllend alle kneüw / die im himmel vnd auff erden / vnnd alle zungen bekennen söllend / das Jesus Christus der Herr sey zum preiß Gottes deß Vatters. Dem sey allein lob vnd ehr inn ewigkeyt / Amen.

 

11.Pr.Die Eilffte Predig.

Von gesatzten / Vnd erstlich von dem gesatzt der natur / Demnach auch von menschlichen satzungen.

DJe summ aller gesatzten ist liebe Gottes vnd deß nechsten. Dieweyl wir nun inn der nechsten Predig von der selbigen geredt habend / so ist es nun an dem / das wir auch besonders von den gesatzten redind / was die selbigen begreiffind vnd wie mancherley jren sygind. Jr wöllind aber vor allen dingen Gott dem vrheber vnd anfang aller guoten gesatzten [der ein vrsach vnd angeber ... ist] bitten / das er vns mit seinem heiligen geist allzeit auff den wäg der warheyt vnd der gerächtigkeit leite / durch vnsern Herren Jesum Christum / Amen.

Was nun gsatzt sey / das beschreibt ein fürnemer weiser man auß den Heyden also / Namlich dz es sey die höchste vernunfft / der natur eingepflantzt / die vns gebiete was wir thuon / vnd verbiete was wir lassen söllind. Vnd im grund / so

XLVv. / 45b

ist gsatzt nichts anders dann ein erklärung vnnd offenbarung deß Göttlichen willens / der vns fürschreibt was wir thuon oder lassen söllind. Vnd ist deßhalb Gott der ein brunnen vnd vrsprung alles guoten / billichen / waaren vnd rechten ist / auch ein vrsprung vnd vrsach der gesatzten / vnd sind alle guotten vnd billichen gesatzt auß Gott selbs / ob sie gleich durch die menschen geordnet vnd auffgesetzt werdend. Die menschlichen gesatzt aber habend jr besondere rechnung [meinung] / von denen hernach volgen wirt. Dann es sind dreyerley gsatzt / das gsatzt Gottes / das gsatzt der natur / vnd menschliche gsatzt. Vom gsatzt Gottes wil ich in der zwölfften predig hernach reden / Jnn diser gegenwirtigen aber vom gsatzt der natur / darnach auch von gsatzten der menschen / vnd das auffs kürtzest.

Das gsatzt der natur ist ein angebung der gwüßne deß menschen [deß gewissens] / vnd ein anleitung die von Gott den hertzen vnd gmüeteren der menschen eingepflantzt ist / die sie erinneret vnd leert was sie thuon oder lassen sölind. Die gwüßne [gewissen] aber ist ein erkantnuß / vrteil vnd verstand deß menschens / dadurch ein yetlicher bey jm selbs *bewüßt in seim gemüet / einer yeden sach halb sie sey geschehen oder nit / jm selbs darinn recht oder vnrecht gibt*[einer jeden sachen / sie sey geschehen oder nicht bewußt / jhm selbst darinn recht oder vnrecht gibt]. Diser verstand aber kumpt von Gott / der also seine rechte inn die hertzen der menschen einschreibt vnd eingibt. Natur aber ist nichts anders dann eins yeden dings art vnd eygenschafft. Deß menschen art ist aber gantz verderbt durch die sünd / blind / vnwüssend vnd böß in allen dingen / erkennt Gott nit / ehret jn auch nit / liebet auch nit den nechsten / sonder liebet vnd suocht vil mer sich selbs vnd jren eignen nutz / Dahar auch Paulus redt / das wir von natur kinder deß zorns sygind. Darumb so hatt das gsatzt der natur sein nammen nit dahar / das neißwan von jhm selbs inn deß menschen natur vnd art / ein sölliche erleüchtung vnd neigung zum guoten / vnd also ein heilige würckung sey / sonder dahar wirt es genennt das gsatzt der natur / das Gott also inn vnsere gemüeter ettliche erkanntnussen vnnd gemeyne anfäng der Gottsforcht / deß billichen vnd deß guotten eingepflantzt hatt / die darumb für natürlich gehalten werdend / das sie vns also eingepflantzet vnd anerboren sind.

Hieruon wöllend wir aber die zeügknuß S. Pauls hören der spricht also / Die Heyden / die das gsatz nit habend / vnd doch von natur thuond deß gsatztes innhalt / Die selben / dieweil sie das gsatzt nit habend / sind sie jnen selbs ein gsatzt / in dem so sie beweisend deß gsatztes werck beschriben sein in jren hertzen / sitmals jr gwüssen sie bezeüget / darzuo auch die gedancken / die sich vndereinandern selbs anklagend oder entschuldigend / auff den tag / da Gott das verborgen der menschen richten wirt durch Jesum Christum / nach laut vnd innhalt meines Euangeliums. Jnn welchen worten Paulus mitt zweyen argumenten erzeigt / das die Heyden sünder sygind. Dann erstlich damitt sie sich nit mit dem entschuldigen möchtind / das sie kein gsatzt gehept / so zeigt er an / das sie ja ein gsatzt habind / Vnd dieweyl sie das überträttind / so sygind sie sünder. Dann ob sie gleich das geschriben gsatzt Mosis nit gehept / so habind sie doch von natur thon deß gsatztes innhalt. Dann deß gsatzts ampt ist anzeigen den willen Gottes / wz man thuon oder lassen sölle. Das habend sie von natur / das ist / sie wüssend söllichs vß dem gsatzt der natur. Welches Paulus selbs also vßlegt / dieweil er grad drauff spricht / die selben / dieweil sie dz gsatzt nit habend / sind sie jnen selbs ein gsatzt / dann sie habend in jnen selbs eben dz das im gsatzt gschriben stadt. Wie habend sie aber söllichs in jnen selbs? Da volgt die vßlegung druff / namlich dz stadt / in dem so sie beweisend deß gsatztes werck gschriben sein in jren hertzen. Wer schreibt aber söllichs inn die hertzen / dann allein Got der ein erforscher der hertzen ist? Wz schreibt er aber darin / dz werck deß gsatzs spricht er / dz ist dz gsatzt selb / welches dz guot gebeütet / vnd dz böß verbeütet. Also dz sie on dz gschriben gsatzt vß angebung der natur / dz ist / vß der erkantnuß die Got der natur eingepflantzt hat / erkennend vnd verstond wz guot

XLVI. / 46a

oder böß seye / was man thuon oder lassen sölle. Auß welchen worten deß Apostels wir sehend / das daß gsatzt der natur / dem geschribenen gesatzt Gottes entgegen gesetzt wirt / vnd dz es das gesatzt der natur genent wirt / darumb dz es der natur also von Gott yngepflantzet ist. Wir sehend auch daruß / dz daß gesatzt der natur welches nit geschriben / sonder yngepflantzt ist / eben dz thuot vnnd außricht / dz auch dz geschriben gesatzt thuot / namlich dz es die menschen vnderrichtet / vnd leert vnderscheiden dz guot vnd dz böß / vnd erkennen wz sünd seye. Wir sehend auch noch weiter das dises gesatz der natur nit entspringt auß der verderbten art deß menschens / sonder auß Gott selbs / der mit seinem finger in die hertzen vnd in die natur der menschen sölichs wüssen / vnd söliche regel deß rechten / billichen vnd guoten einschreibt vnd einpflantzet. Dz ist nun dz ein argument [beweisung] mit dem der h. Apostel Paulus beweiset / dz die Heiden sünder seyend / Dz ander / dz er einfüert / ist genommen von der zeugknuß der gewüssne [deß gewissens] / dann die selbig nach dem sie durch dz gesatzt der natur brichtet ist wz guot oder böß seye / so klagt sie selbs an vnd verdampt dz böß dz begangen ist / vnd ist sie jr selbs wol als vil als tusent zeügen. Dargegen so entschuldiget sie auch den menschen vnd spricht jn ledig / wenn er nichts wider dz gesatzt begangen hat. Vnd ob wir gleich hie in zeit jetzundt deß vrtheil vnd die erkantnuß der gewüssny verachtend / so werdend wir doch dort der anklagung vnd dem vrtheil der gewüßne / wenn der Herr die wält mit seinem gerechten vrtheil richten wirt nit mögen entrinnen. Auß dem allem sammen volget / dz auch alle Heiden sünder seyend / die auch alle müeßtend in jren sünden verderben / wenn sie der Sun Gottes der einig vnnd allgemein heiland der gantzen wält von sünden nicht reinigete.

Damit ich aber widerumb auff dz gesatzt der natur komme / so begreifft dz selbig zwey fürnemme stuck / dz ein / dz man Gott erkenne vnd vereere / dz ander das man liebe vnd freündtschafft gegen dem menschen halte. Von dem ersten stuck / redt Paulus also. Das jenig das kuntlich ist [kan erkennen] an Gott / ist bey jhnen (namlich den Heiden) offenbar / dann Gott hat es jnen geoffenbaret / damit dz sein vnsichtbar wäsen werde ersehen / so man deß war nimpt by den wercken von der schöpffung der wält an / also / dz sie kein entschuldigung habend / dieweil sie erkantend / dz ein Gott ist / habend jn aber nit geehret als ein Gott / noch jhm gedancket usw. Sihe / er spricht / die Heiden habind Gott erkent / ja was an Gott kuntlich [erkentlich] ist / das ist / das an Gott mag erkent werden / das habend sie erkent. Wer hatts jhnen aber zuo erkennen geben? Gott hatt es jnen geoffenbaret / spricht er. Wie aber / vnd durch wz mittel hat er es jnen geoffenbaret? in welchem buoch hat er sie es geleeret? Nit auß den büecheren Mosis oder der Propheten / die mit henden geschriben / sonder auß dem grossen buoch der natur hatt er es jnen zuo verston geben. Dann was sonst an jm selbs vnsichtbar an Gott ist / als da ist sein ewigkeit / sein krafft / sein macht vnd herrligkeit / sein güete vnd Gottheit / das hatt er erzeigt / geoffnet [geöffnet] / vnnd wöllen erkent werden / auß den sichtbaren dingen / das ist auß seinen geschöpfften. Dann Gottes ewige Gottheit wirdt erkennt auß der erschaffung deß menschen / auß dem stäten lauff deß himmels / auß dem jmmerwerenden fliessen der wasseren usw. Dann es muoß je das ein gewaltiger Gott sein / der das alles erhaltet / bewegt / erfrischet / vnd in seim wäsen behaltet / der auch die gantz welt on alle arbeit bewegen mag. Das auch niemand besser seye dann er / erscheint auß dem das er sein Sunn laßt auffgon über guot vnd böß. Warzuo hat er aber sölichs den Heiden geöffnet? darzuo namlich / dz sie Gott erkantind / jn preysetind vnd vereeretind / vnd dem grossen woltheter danckbar wärind. Welche nun dz nitt thuond / die mögend sich nirgent entschuldigen / vnd verderbend billich vnd wolverdient von jres grossen vnglaubens vnd vndanckbarkeit wegen. Dann es ist offenbar / das durch das gesatzt der natur heiter gelert vnnd angezeigt wirdt / das ein Gott seye / vnd das man den selben sölle erkennen vnd ehren.

LVIv. / 56b

Vom anderen stuck / das man liebe vnd freündtschafft vnder den menschen halte / redt der Herr im Euangelio also. Alles das jr wöllend dz euch die menschen thüegind / das thuond auch jr jnen / welchen spruch der keiser Alexander Seuerus also versetzt hatt / was du wilt das dir nit geschehe / das thuo auch keinem anderen. Vnd den spruch hat er so lieb vnd hoch gehalten / das er jn an sein palast vnd an alle gemeine beuwe schreiben ließ. Daher dienend denn auch dise sprüch / die zum gesatzt der natur gehörend / namlich / leb eerlich / thuo niemand leids / gib jederman das sein / schirm was zum leben dienstlich ist / schlach auß was schedlich ist usw. Dieweil nun S. Paulus das gesatzt der natur gegen dem geschribnen gesatzt Gottes haltet / so müessends je ein anderen gleich sein. Darumb so wöllend wir besehen was die weysen vnd die gesatzgeber bey den Heiden gelert habind / dz den zehen gebotten deß geschribnen gesatzes gleich vnd gemäß seye / vnd wie verr die mit einanderen über ein kommind.

So vil nun das erst gebott belanget / so schreibt Pythagoras von Gott also / (wie man findt beim heiligen Cyrillo im j. buoch wider Julianum.) Es ist ein Gott spricht er / vnd der ist nit aussert der regierung der welt / wie vil leüten wänend / sonder er ist in der welt / vnd betrachtet alle ding die da werdend in dem gantzen vmbkreiß / Er ist die ordnung vnd mäßigung aller zeiten / Jtem ein liecht seiner krefften / vnd ein anfang aller wercken / Ein liecht im himmel / Ein vatter / Ein gemüet vnd läben aller dingen / vnd bewegnuß aller himmelischen circklen vnd vmbkreisen. Sich da bekent Pythagoras das ein Gott seye / vnd das der auch seye ein schöpffer / erhalter / regierer / vatter / liecht vnd läben aller dingen. So schreibt Zaleucus in der vorred seiner gesatzten also / Es sol vnd muoß ein jeder / Gott geb er wone in was stetten oder landen er wölle / das gewüß wüssen / vnd dessen beredt sein / das Götter seyen / welches dann offenbar ist vnd erscheint so wir anschawend den himmel vnd die gantzen welt / auch die schöne ordnung anrichtung vnd schickung aller dingen darinn / dann wir söllend nit meinen / das die ding on gefärt vnd menschliche werck seyend. Darnach so söllend auch die Götter vereeret werden / als die da vrsächer sind alles guoten das vns begegnet. Darumb sol vnnd muoß ein jeder sein läben also schicken vnd zuorichten / das es rein sey von allem bösen / Dann von eim vnfrommen menschen mag Gott nit vereeret werden. Er wirt auch nit geeret mit kostligkeit / noch bewegt mit eusserem gepreng / wie ein eytler mensch / sonder mit tugentsamme / vnd üebung guoter vnd gerechter wercken. Deßhalb so ist von nöten das ein jeder der Gott lieb wil sein / nach allem seim vermögen in wercken vnd auch im willen fromm seye usw. Vnd Cicero lib. ij. De natura Deorum schreibt / das ist der best Gottsdienst vnd auch der heiligist vnnd reinist / das wir die Götter allweg mitt reinen frommen vnnd auffrechten gemüeteren vnd worten vereerind. Es schreibt auch Seneca im xv. buoch zum Lucilio also. Man gebeütet vil / wie man die Götter vereeren sölle / verbiete man aber das man an den Fästen keine liechter brenne / dann die Götter bedörffend keins liechts / vnd die menschen selbs habend dz ruoßwerck nit gern. Verbiete man / dz man nit also am morgen vor der thüren der templen sitze / vnd die Götter grüeße. Wz ehrgeitzige menschen sind / die facht man mit söllichen dienstlinen. Wer Gott erkent / der ehret jn. Verbiete man / dz narrenweck dz man treibt mit dem Jupiter vnd der Junone. Gott darff keiner dieneren / dann er dienet selbs dem gantzen menschlichen geschlächt / vnd ist allenthalben bey jederman zuogegen. Vnd wenn einer schon gleich lang hört / wie er Gott dienen sölle in den opfferen / vnd sich hüeten vor beschwerlichem aberglauben / so ist es doch nit gnuog / wenn er jm nitt Gott also in seinem gemüet einbildet wie er sol / als dem / der alle ding hat / alle ding zuodienet / vnd alle guothaten auß gnaden schenckt vnd gibt. Wz ist aber die vrsach / dz die Götter den menschen guots thuond? Die natur. Dann der jrret der da meint dz sie jemands schaden wöllind oder mögind / vnd wie sie

XLVII. / 47a

niemand kein vnbill zuofüegend / also mag jnen auch keine zuogefüegt werden. Denn die zwey ding sind allweg bey einanderen / beleidigen vnnd beleidiget werden. Darumb so ist kein vbels von denen zuo erwarten / die von der höchsten vnd edlesten natur aller dingen / alles übels entladen sind. Deßhalb ist der höchst Gotts dienst / glauben dz Gött seyend / vnd denen jr gebürliche ehr vnd herrligkeit zuoschreiben / ja dz man jr güete erkenne / on welche die herrligkeit nüt ist / Jtem dz man wüsse / dz sie herren seyend der wält / die alle ding / als dz jren verwaltind vnd ordnind / die das menschlich geschlächt in schirm vnd in huot habind / vnd zuo zeiten alle ding erforschind. Sie haben nützit [nichts] übels in jnen / Darumb thuond sie auch niemand nichts übels. Sie straffend wol etwan etliche vnd züchtigend sie / aber vnder der hoffnung deß guoten. Wiltu deßhalb die Götter versüenen / so biß [sey] fromm vnd auffrecht [auffrichtig] / wer jnen nachschlacht / der hat sie geeret gnuog. Jn disen worten senece (wiewol sie hüpsch vnd sich mit dem waaren glauben nit vbel reimend) manglend mir doch zwey ding. Eins / dz er jmmerdar der Götteren gedenckt / so er doch an anderen orten heiter bekent / das nur ein Gott im wäsen sey. So darff ich auch nit sagen / dz er der heiligen geschrifft art hierin braucht habe / welche gemeinlich Gott Elohim / das ist in teütsch als vil als Götter nent / von wegen der geheimnuß der heiligen dryfaltigkeit. Wiewol etliche fürtreffenliche männer vnd Christenliche leerer / habend wöllen probieren [beweisen] auß den büecheren vnd zeügnussen der Heiden / dz auch sie die Heiden die geheimnuß der heiligen dryfaltigkeit erkent habind. Das ander aber das mir manglet / ist / das er (so vil ich mercken mag) nit heiter wie andere weise vnd gelerte bey den Heiden außtruckt vnd leert hertzlichs vertrauwen vnd glauben in Gott.

So vil aber das ander gebott belanget / so findt man das bey den Römeren biß in die clxx. jar von erbauwung an jrer statt kein bildtnuß in keinen templen nirgent gewest ist. Dann Plutarchus schreibt dauon / in der beschreibung deß läbens Numae Pompilij also / Was Numa geordnet hat der bildtnußen halb der Götteren / dz gleichet sich gentzlich dem das Pithagoras geleert hatt. Dann der selbig hat gehalten / das daß erst Principium [-] / der erst vrhab [anfang] aller dingen keiner empfintligkeit oder anfechtung vnderworffen seye / sonder seye ein vnsichtbar vnerschaffen gemüet. Also hat diser den Römeren verbotten / dz sie nit söllind meinen / dz Gott eines menschen oder eines thiers form oder gestalt habe. Dann es ist auch vor jm bey den Römeren kein bildtnuß oder gestalt Gottes gefunden worden / weder gemalet noch sonst gemachet. Dann sie bauwten wol in denen ersten clxx. jaren tempel vnd Capellen / sie machtend aber kein leibliche gestalt oder bildtnuß / sonder hieltend es für ein schmach / wenn sie sölltend dz besser mit dem böseren verglichen haben / vnd meintend Gott möchte nit anders dann im verstand ergriffen werden. Sölichs bezeüget auch M. Varro von den Römeren / wie man findt bey dem heiligen Augustino / de ciuit. Dei, im iiij. buoch am xxxj. cap. Dann er spricht dz die Römer die Gött one bilder clxx. jar verehret habind / vnd setzt auch darauff dise wort / Vnd wenn der brauch also bliben were / so wurdind die Götter rechter / vnd mit mer andacht verehret werden. Er beschleüßt auch das selbig ort also / das er spricht / das die zum ersten bilder den leüthen fürgestelt habind / die habind der wält alle forcht außgenommen / vnd sie in vil jrthumb versteckt. Da er als ein weyser man fein gesehen hatt / dz durch die narrerey der bilderen / die Götter leichtlich wurdind mögen verachtet werden.

Zum dritten / wie theür vnd hoch die Heiden den nammen Gottes gehalten habind / dz erscheint bey dem / dz sie den Eidschwuor so hoch gehalten / dauon man läsen mag ein hübsche histori beim Aulo Gellio im vij. buoch / am xviij. cap. Da vnder anderem auch also stadt. Der eid ist bey den Römeren gar für heilig vnd hoch gehalten worden / Welches man in vilen breüchen vnd satzungen findt vnd sicht. So auch jemand bey den Heiden Gott lesteret / der ward auffs aller höchst gestrafft.

XLVIIv. / 47b

Zum vierdten / so habend auch die Heiden jre breüch / jre Fäst / fyrtag / ceremonien vnd Priester gehabt. Vnder den Heidnischen priesteren sind besonders fürnem gewesen MelchiZedek vnd Jethro / vnd wiewol Paulus sagt / dz was die Heiden geopfferet habind / dz habind sie nitt Gott / sonder dem Teüffel geopfferet / so habend sie doch mit dem dz sie jre ceremonien vnd breüch so für hoch vnd heilig gehalten habend / erzeigt / das Gott den menschen etliche erkantnuß von Gott vnd vom dienst Gottes ynpflantzet habe / welche erkantnuß aber darnach durch falsche leeren vnd meinungen von Gott vnd vom dienst Gottes / zerstört ist worden.

Zum fünfften wie man die elteren vnd die Oberkeit ehren sölle / vnd die kinder ziehen / vnd wz den kinderen gebüre gegen jren elteren / dauon sind vil fürtreffenlicher gebotten vnd sprüchen bey den weysen der Heiden. Hierocles spricht vnder anderem. So gleich jemand die elteren nannte / die anderen oder jrdischen Gött / der wurde nit mechtig jrren / dieweil sey vns von wegen der nähe vnd beywonung / auch schier (so ichs sagen dörffte) etwas mehr dann die götter zuo verehren sind. Wir söllend aber das für notwendig achten / vnd vns befleissen mit höchster vnd stäter guotwilligkeit / das wir der guothat vnser elteren gleiche widergältung thüegind. Vnd Gott geb was wir joch jnen jmmer guots thüegind / so ist es doch alles nit dermaß wie es sein sölt usw. Vnd niemand möchte hie das alles einziehen / dz bey den Heiden hie von funden wirt / die zeyt möchts nit erleyden / darzuo ist es auch nit meins fürnemmens hie.

Zum sechsten. So sind auch von den Heiden treffenliche satzungen gemacht worden wider den todtschlag / wider allen muotwilligen gewalt vnbill vnd fräuel.

Zum sibenden. So ist von jnen gemacht worden / das gesatzt das man nennt legem Iuliam, wider den Ehbruch vnd vngebürliche beyschlaffung. Sie habend auch schöne decret vnd satzungen gemacht von der Eh / wie die bezogen vnd gehalten sölle werden. So leert auch die heilig geschrifft / dz die Chananeer vertilcket seyent von wegen der bluotschanden / vnd vngebürlichen huorery. Leuit.xviij. Es habend auch Lycurgus / Solon vnd die Römer satzungen gemachet / wider des köstlich überflüßig muotwillig läben / Jch geschweig hiebey / das es dem menschen von natur eingepflantzet ist / eigne frucht gebären vnd erziehen.

Zum achtenden / so habend auch die Heiden gar herrliche satzungen wider den diebstal / wider allen beschiß [-] vnd trug [allerley betrug] / wider den wuocher. Jtem wie man guot mit rechten zügen [mit recht] überkommen vnd besitzen möge. Deßgleich von theilung der güeteren / von kauffen verkauffen / enthlenen vnd allen contracten usw. Dauon auch Ansonius schribt.

Was facht die welt doch immer an?
Der wuocher tödt den gmeinen man.

Zum neündten / so ist auch die warheit bey den Heiden hoch geprisen / lugen aber vnd nachred / vnd wz deßgleichen lasteren / sind gar vnd gantz von jnen verhasset worden. Das gesatzt dz man nent xij. Tabularum, gebeütet dz man ein falschen zeügen sölle vber den Tarpeyschen velsen herabstürtzen. Vnd Cherondas Cathanaeus vnder anderen seinen hüpschen sprüchen spricht auch / Es sol ein jeder Ersamkeit vnd warheit lieben vnd ehren / schand aber vnd lugen haßen. Dann in denen stucken werdend tugent vnd laster vnderscheiden. Daran muoß man die leüth von kindswesen auffgewenen / also / das man straffe die da gern liegend / vnd liebe die da waarhafft sind / damit das / dz in der tugent dz best vnd fruchtbarest ist / in eines jeden gemüet als vil als aufferzogen / vnd also zuo reden gar vnd gantz in sein natur verwandlet werde.

Zum zehenden / so wirt auch die begird / mit sampt allen bösen anfechtungen von den weysen der Heiden verdampt. Welche Iuuenalis Saty. 1 4. als ein wurtzel alles bösen schiltet / da er spricht.

Es ist ins menschen hertz vnd gmüet
Kein ding das also tob vnd wüet /

XLVIII. / 48a

Darauß mee böß vnd args entspring
Als todtschlag / gifft vnd ander ding /
Dann die grimm begird / die z'aller frist
Als vnglücks grund vnd vrsprung ist.

Auß disem allem sammen ist nun offenbar / das auch inn die hertzen vnnd gmüeter der Heiden etliche erkantnußen vnd gebott / deren dingen die man halten oder fliehen sol yngeschriben sind / welche sie aber darnach auch durch jhr angefochtnen verstand / vnd durch das verderbt vrtheyl deß fleisches gefelscht vnnd verduncklet habend. Darumb Gott auch vber das gesatzt der natur andere erleüterungen vnnd eroffnungen seines willens geben hatt. Namlich muntliche leer vnd angebungen der heiligen Ertzuätteren / Jtem antworten der englen / eroffnungen Gottes / wunderzeichen / vnnd geschribne gesatzte fürtreffenlicher weyser vnd gottsförchtiger leüten. Mit welchen dingen allen Gott dem gesatzt der natur geholffen hat. Darumb alles was by den Heiden guots vnd warhaffts funden wirt / das sol man alles Gott dem vrsprung alles guoten zuogeben / was aber falsch / das sol man zuoschreiben der verderbten natur vnd den bösen anfechtungen deß menschen.

Jn disem allen sammen söllend wir aber mercken / das ich nit reden hie vom vermögen / was jeder auß jm selbs vermöge / sonder allein vom wüssen / vnnd von der erkantnuß. Das wüssen vnd die erkantnuß deß gesatzts / ist zimmlich heiter / aber das wir dem mittstimmind / jm volgind / vnd vnseren willen drin schickind / das gadt kaum vnd schwerlich zuo / da sind wir schwach vnnd verwirt. Wiewol sie beide von nöten sind / das sie vns von himmel geben werdind / namlich das der verstand erleüchtet werde / vnd das wir auch krefft habind zuo volgen. Dann die natur vermag hie für sich selbs on die gnad nichts / dann ob schon etliche auß den Heiden sind die grechte gerüempt vnd gelobt werdind / als MelchiZedek / Job / Jethro / vnd ander vil / so habend sie doch sölichs nit auß jren eignen krefften / sonder auß der gnad Gottes gehabt / wie man sölichs auß der histori Job gar heiter sicht. Darumb welche auß den Heiden sind sälig worden / die sind nit durch die werck der natur oder durch jr eigen verdienst / sonder durch die barmhertzigkeit Gottes in Christo Jesu vnserem Herren sälig worden. Darzuo so ist dz gesatzt der natur dem menschen von Gott nit darumb eingepflantzet / dz sie dardurch mögind sälig werden außert Christo vnd der gnad Gottes / sonder vil mee darumb / dz es vns leere wz guot vnd was böß seye / vnd wir hiemit überzeügt werdind / das wir sünder seyend / vnd vns vor Gott nit mögind entschuldigen. Darumb Paulus die Heiden nit minder durch dz gsatzt der natur / dann die Juden durch dz gesatzt Mosis der sünden überzeüget / vnd leert dz die gerechtmachung / das läben vnd alles guots allein in Christo Jesu dem sun Gottes seye. So vil vom gesatzt der natur.

Demnach aber so hab ich doben gemeldet / dz ich auch von menschlichen gesatzten wölle reden / dz nenn ich aber menschliche gesatzt / die von menschen gesetzt vnd geordnet werdend / zuo guotem vnd zuo erhaltung der kirchen vnd auch deß gemeinen regiments. Deren sind aber mengerley. Es sind politische oder burgerliche gesatzt / vnd Ecclesiasticae, dz ist kirchen gesatzt / vnd darnach auch Traditiones humanae, dz sind auffsatzungen / vnd ordnungen menschlichs guotdunckens. Burgerliche satzungen sind / die ein Oberkeit machet je nach gelegenheit der zeit / der orten / vnd auch der leüthen / gemeine zucht vnd erbarkeit / auch frid vnd ruow zuo erhalten. Deren sind vil exempel im keiserlichen rechten / besonders in den satzungen Justiniani. Dise burgerliche gesatzt söllend so vil müglich dem gesatzt Gottes vnd der natur gleichförmig / vnd zum wenigsten denen nit zuo wider sein / auch nützit vngöttlichs / grusams oder tyrannischs in halten. Söllichen gesatzten heißt S. Peter gehorsammen / da er spricht / Sind vnderthon aller menschlichen

XLVIIIv. 48b

ordnung umb deß Herren willen / es seye dem Künig als dem obersten / oder den amptleuthen / als den gesannten von jm / zuor rach der vbelthäteren / vnd zuo lob der woltheteren. Dann wiewol Petrus / durch die menschlich ordnung die künig vnd oberkeiten selbs verstadt / wie er sich selbs erleüteret / so wil er doch auch / das wir jren guoten vnd billichen satzungen gehorsammind / dieweil die oberkeiten durch satzungen vnd ordnungen dz regiment verwaltend. Dise burgerliche satzungen aber / so die billich vnd recht sind / so helffend sie vil zuo erhaltung der liebe / fridens / ruow / vnd gemeiner früntligkeit / Die guoten werdend dardurch geschirmpt / die widerspenstigen in ordnung behalten. So dienend sie auch nit wenig der religion. Böse breüch vnd gewonheiten werdend durch sie abthon / vnd die laster außgereütet / wie man sicht in den handlungen Nabuchodonosors / Cyri / Darij / Artaxerxis / vnd anderer Regenten. Aber von der Oberkeit / vonn jrem ampt vnd satzungen / wil ich hernach an eim anderen ort reden.

Kirchen gesatzt nemmen ich die ordnungen / die wol auß dem wort Gottes genommen / aber in der kirchen von der gemeind Gottes je nach gelegenheit der menschen / des zyts vnnd der orten geüebt vnnd gebraucht werdend. Dann dise kirchen gesatzt wil ich nitt menschliche guotduncken nennen / von wegen dessen / das sie auß der heiligen geschrifft genommen / nit auß menschen wolgefallen vnd guotduncken erdacht vnd erfunden sind / auch von denen kirchen vnd gemeinden geüebt vnd braucht werdend / die deß einigen waaren hirten stimm hörend vnnd erkennend / vnd deß frömbden nit annemmend. Als das ein jede kirch nach dem es jhren gelegen ist gewüsse [gewisse] stunden hatt / da sie zuo sammen kumpt / es seye am morgen oder am abend / das wort Gottes zuo hören vnd gemeine gebätt zuohalten. Diß hat ein jede kirch jetz als für ein gesatzt. Also hatt auch ein jede kirch jre gebätt / jre fyrtag vnd fasten / vnd gewüsse ordnungen darinn. Also begadt die kirch vnd gemeind zuo gewüsser zeyt / an gewüssen orten vnd plätzen / vnnd nach gewüsser vorgeschribener ordnung die heiligen Sacrament / nach gemeinem brauch vnd ordnung wie der von einer jeden kirchen ist angenommen. Also taufft die kirch die kinder / Jtem sie laßt auch die weiber zuo deß Herren nachtmal gon / vnd das haltet sie als ein gewüsse satzung. Sie verordnet auch jre gewüsse richter zuo den Eesachen / darinn sie auch bestimpte satzungen vnd ordnungen hatt. Dise breüch vnd satzungen aber all / vnd was dergleichen mehr sind / nimpt die kirch auß der heiligen geschrifft / darinn sie gegründet sind / vnd braucht die / je nach erbuwung / vnd gelegenheit der zeyt orten vnd personen / also / das wol ein vnderscheid bey den kirchen vnd gemeinden hin vnd wider in denen dingen funden wirdt / aber doch kein vneinigkeit vnd zwispaltung.

Dise kirchen gesatzt vnd ordnungen aber / habend jre gewüsse zil vber die sie nit schreiten söllend / namlich das man nichts mache oder annemme wider das wort Gottes / oder das im wort Gottes kein grund habe / Jtem das da wider die liebe vnd gemeinen wolstand seye. Jn summa das da weder zuo vil noch zuo wenig geschehe / vnd in dem allem gehalten werde die regel deß heiligen Apostels der da spricht / Es sol alles erbarlich vnd ordenlich zuo gehn / das es nammlich diene zuo erbuwung der kirchen. Vnnd darumb wenn jemandt den glöubigen vnder dem schein vnd nammen der kirchen ordnungen vnd satzungen / vnnötige / vngereimpte vnd aberglöubische menschen satzungen / die inn der geschrifft kein grund habend auffreiben vnd aufftrucken wölte / so söllend sie es probieren vnnd beweren nach der regel deß worts Gottes / vnnd sich der triegrey entschlahen.

Traditiones humanas aber / das ist die satzungen vnd ordnungen menschlichs guotdunckens / nennen ich die / die von menschen eigens gefallens / torechtiger meinung / oder sonst vß anderen menschlichen anfechtungen / one vnnd wider

XLIX. / 49a

die heilig gschrifft erdacht / gmachet vnd erfunden werdend. Welcherley dann vil funden werdend / als do sind die secten / Jtem der gwalt vnd die gleißnet reinigkeit der genanten geistlichen / vnd jre vnzalbare Ceremonien / breüch vnd ordnungen die sie in der kirchen habend. Von welchen allen sammen der Herr einfaltigklich im Euangelio auß dem Propheten Esaia redt / Warumb überträttend jr Gottes gebott vmb eüwerer satzungen willen / jhr gleißner / es hat wol Esaias von eüch geweissaget vnd gesprochen / Diß volck nahet sich zuo mir mit seinen läfftzen / aber jr hertz ist verr von mir. Aber vergeblich dienend sie mir / dieweil sie leerend sölliche leer / die nichts dann menschen gebott sind. Auff dise wort sicht auch der heilig Marterer Christi Cyprianus im ersten buoch seiner Epistlen inn der achten Epistel / da er spricht / Es ist Eebrächerisch / es ist Gottloß / es ist Gottslesterlich / alles dz da menschliche vnsinnigkeit fürnimpt vnd ordnet / dardurch Gottes ordnung zerbrochen wirt. Fliehend verr von der befleckung diser leütten / vnd meidend jre wort vnd reden als ein böse anhärige [anhörige] verderbliche erbsucht vnd prästen / dann eüch der Herr daruor gwarnet vnd gesprochen / Sie sind blinde vnd blindenfüerer. Also spricht auch der h. Apostel Paulus in der Epistel zun Tito / Straff sie scharpff / vff dz sie gsund sygind im glauben / vnd nit achtind vff die Jüdischen fablen vnd menschen gebott / welche die waarheyt abwendend usw. Das ort S. Pauli aber zun Coloß. am ij. capitel[16] / wil ich hie mit fleiß vnderlassen / dieweyl es einem yeden wol bekannt ist.

Auff diß mal wil ich eüwer lieb nit lenger vff halten mit weiteren erklären diser gesatzten allen / Wer fleißig vnd glöubig ist / der mag sich wol vernüegen der kurtzen anzeigung die ich gethon hab von dem gsatzt der natur / vnd von den menschlichen satzungen / darinn dann begriffen sind die burgerlichen gsatz / auch die kirchen satzungen vnd ordnungen / Jtem die satzungen / breüch vnd ordnungen menschlichs guotdunckens vnd wolgfallens. Jr wöllind es aber alles eigentlicher (so jr nun heim kömmend) by eüch selbs erwegen vnd betrachten / vnd selbs auch läsen vnd erforschen die sprüch der h. gschrifft die ich jmmerdar anzüch. Der Herr verleihe vns allen gnad / dz wir die warnungen deß gsatzts der natur in vnseren gmüeteren zuo keinen zeiten verachtind / auch in den satzungen menschlichs guotdunckens nimmerme verwicklet noch verstrickt werdind / sonder dz wir inn den burgerlichen satzungen die da recht vnd billich / vnd inn den kirchensatzungen die do guot vnd wolgegründt sind / ordenlich wandlind vnd läbind / vnd also dem Herren rechtgschaffenlich dienind. Dem sey lob ehr vnd preiß inn ewigkeyt / Amen.

 

12.Pr.Die zwölffte Predig.

Von dem gsatzt Gottes / vnd von den zweyen ersten gebotten der ersten Tafel.

DAs gsatz Gottes / dz von Gott vnserem Herren selbs außkündt [-] vnd gegeben ist / dz leert vns wz wir thuon vnd lassen söllind / erfordert von vns ghorsamme / verkündet vnd tröwt den vnghorsammen dz verderben / Vnd das wirt abteylt inn das gsatzt der sitten / in dz gsatzt der Ceremonien / vnd in das gsatzt der gerichten. Dise gesatzte alle hat niemand fleißiger geschriben vnd außgelegt dann Moses. Das gsatzt der sitten leert guote sitten vnnd tugenden / vnd zeigt an / was gerechtigkeyt / was heiligkeyt / was gehorsamme / vnd was volkommenheyt Gott von vns erfordere. Das gesatzt der Ceremonien haltet inn die kirchenbreüch vnd ordnungen / vnd was da gehört zuo denen personen vnd sachen die zum kirchendienst verordnet sind. Das gesatzt der gerichten haltet inn die gebott vnnd satzungen von den ausseren burgerlichen rächtßhändlen / vonn erhaltung deß fridens / der billigkeyt vnnd

XLIXv. / 49b

erbarkeyt. Von den selben zweyen nachgenden aber / namlich vom gsatzt der Ceremonien / vnnd vom gsatzt der gerichten wil ich hernach etwas reden / yetz aber allein das gsatzt der sitten vnd tugenden für mich nemmen.

Hie sol aber nieman meynen / dz vor den zeiten Mosis kein gsatzt gewesen sey / vnd das es Moses zum ersten herfür bracht habe. Dann eben die stuck deß gesatzts der sitten / die Moses inn den Zehen gebotten leert / sind den vätteren von anfang der welt an / überauß wol bekannt gwesen. Dann ye so habend sie allein den einigen waaren Gott für jren Gott erkennt / verehret vnd anbättet. So hat Jacob die Syrischen bilder seines schwähers Laban auß seinem haußgesind dennen thon / vnd vergraben zuo Bethel vnder der Eich oder Terpentin stauden / die nit weit von Sichem stuond. So ist auch der Eydschwuor heilig vnd hoch von Abraham gehalten worden. Darauß dann volget dz er auch den nammen deß Herren hoch teür vnd werd ghalten habe. Es habend auch die heiligen vätter alle / jre Ceremonien vnd heiligen breüch gehebt / vnd die mit grosser reuerentz vnd andacht geüebt vnd braucht. Jtem so wirt Cham von seinem vatter verflüecht / darumb dz er sich übel vnd vnerber [vnerbar] an jm gehalten hat. Cain wirt verdampt von wegen deß todtschlags seines bruoders. So wirt dem Noe gebotten / sich vor bluot zuo enthalten. Joseph wirt gelobt vnd prisen / dz er bey eines anderen / namlich seines Herren weib nit wolt schlaffen. Ruben wirt gescholten / von wegen der bluotschand / dz er vff seines vatters bett gestigen. So erzürnet sich Jacob nit on vrsach über seinen schwäher Laban / dz er jn deß diebstals zoch. Jtem so habend alle heilige vätter die lugner vnd falschen zügen ghasset vnd gstrafft / deßgleich auch die bösen begirden. Auß dem allem sehend wir das die heiligen vätter von anfang der welt an / biß auff die zeit Mosis / der stucken der Zehen gebotten nit gemanglet / wiewol sie sy nit hattend weder inn Tafelen noch in perment [pergament] geschriben / so hat es doch Gott mit seinem finger in jre hertzen geschriben. Vnd wurdend dannethin auch sölliche stuck baß vnnd eigentlicher erklärt / durch die leer vnnd mundtlich angebung der heiligen vätteren. Vnd ist deßhalb alles / ein gsatzt / vnd ein einiger will Gottes / Dann es ist auch nur ein einiger Gott / der sich nicht verenderet. Vnder Mose aber sind die ding zum ersten von Gott selbs inn Tafelen verfaßt / vnd darnach auch von Mose selbs in die büecher geschriben worden.

Also habend auch die alten heiligen vätter so vor Mosis zeiten gewesen / jre Ceremonien gericht vnd rechte gehebt. Dann sie habend ghebt jre priester / welches fürnemlich die haußvätter gewesen sind. Jtem sie habend ghebt jre heiligen breüch / jre altär vnd opffer / jre versammlungen / gmeinden vnd reinigungen. Deßgleichen habend sie ghept jre gsatzt vnd ordnungen von den erbschafften / von teylung vnd besitzung der güetern / Von contracten / kauffen / verkauffen / enthlenen usw. Jtem von den straffen der übelthätern / vnd wz der dingen sind. Das hat aber Moses alles inn gwüsse gsatzt vergriffen / vnd vil dings auch eigentlicher erleüteret. Etlichs dann dz die alten nit ghept / oder vff ein andere weiß braucht habend / dz hat er vff ein neüws gesetzt vnd geordnet / Als da ist die hütten der zeügknuß / Jtem die gschirr darzuoghörig / die Puntsladen / der tisch / der leüchter / der altar deß brandopffers vnd röuchwercks / das Leuitisch priesterthumb / die kleidung der priestern / vnd thüecher zuo üebung der Ceremonien ghörig / die feyrtag vnd fäst / vnd was deß dings mer ist / dz alles durch Christum ist auffghept worden / wie wir an seim ort wöllend anzeigen. Dieweil aber die sitten vnd tugenden nit möchtind beston / wo die Zehen gebott auch auffghept wurdind / Darumb so ist das gsatzt der sitten nit auffgheyt / vnd behaltet auch deßhalb allein den nammen deß gsatzts Gottes. Dann es sind die Zehen gebott (in welchen dz gsatzt der sitten vergriffen ist) ein ware volkomne vnd ewige regel / der waren volkomnen ewig Gott gfelligen gerechtigkeit vnd aller tugenden / die da fürgschriben ist vnd dienet / allen orten / zeiten / vnd personen. Dann die summ

L. / 50a

der zehen gebotten ist das wir Gott vnd vns vnder einander liebind. Das erforderet aber der Herr von allen menschen allenthalben vnd zuo yeden zeiten.

*Vnnd hatt das gsatzt der Zehen gebotten den preyß für andere gsatzt alle auß. Dann*[In diesem aber vbertreffen die Zehengebott die andere gesetz alle / daß wol] die gsatzt der Ceremonien vnnd der gerichten sind alle dem Mose von Gott durch die Engel / vnd durch Mosen dem volck geoffenbaret / vnnd von Mose auß dem befelch Gottes geschriben worden. Die Zehen gebott aber sind von keinem menschen vnnd durch keinen menschen sonder von dem Herren dem aller höchsten vnd obersten selb auff dem berg Sinai mit grossen mitlauffenden [-] wundern vnd zeichen in der mercklichen [grossen] versamlung vnnd gegenwirtigkeyt der menschen vnd der Englen / angeben vnd erzellt worden. Sie sind auch nit durch die hand Mosis / sonder mit dem finger Gottes selb / nit inn wächsine / sonder in steinine vnd wärende Tafelen geschriben worden. Vnd dise Tafelen sind auch inn der Pundtsladen / (die von den Tafelen deß Pundts / inn welchen die artickel deß ewigen Pundts vergriffen warend / also genennt ward) als der fürtreffenlichest vnd aller kostlichest schatz / behalten worden. Dise Pundtsladen ward auch gestellt inn das aller heiligest. Welche ding vns dann alle anzeigend die fürtreffenliche der Zehen gebotten / vnnd leerend vns das wir den Gott fürchtind vnd vor augen habind / der dises gsatzt gegeben hat / als der da ist ein Herr deß himmels vnd der erden / vnd der alle element nach seinem willen vnd gfallen wider die so jm widerspänstig sind brauchen vnd bewegen kan / Vnd das wir auch noch auff den hüttigen tag die Zehen gebott haltind / als den aller höchsten vnd köstlichesten schatz inn der welt. Dann von Gott habend wir nichts höhers inn der kirchen dann die Zehen gebott / Die artickel deß glaubens / Das Vatter vnser / vnnd die gantz heilig Biblisch geschrifft. Mit was wunderen aber vnnd zeichen die Zehen gebott vom Herren *promulgiert vnd außkündt*[gegeben] sygind / findend wir im anderen buoch Mosis am xix[15]. vnd im fünfften buoch am vierten [21] vnd fünfften Capitel.

Die Zehen gebott aber sind geteylt in zwo Tafelen. Die erst Tafel halt jnnen vier gebott / Die ander / sechße. Dann das letst gebott / das von ettlichen in zwey getheylt wirt / ist nur eins vnnd sol nicht theylt werden / dann Gott gebeüttet darinn zum ersten inn gemeyn / Du solt nit begären / Darnach so erzellt er aber von stuck zestuck wz wir nit begären söllind / namlich vnsers nechsten weib / hauß / acher / vich vnd guot usw. Darzuo so ist das gebott in der Hebreischen waarheit [sprache] / nur ein verß / vnd ist nit in zwen geteylt. Vnd also theylt auch Josephus die Zehen gebott im vj. buoch am iij. cap. von den alten Jüdischen geschichten. Jtem Origenes in Exod. Homel. viij. Ambrosius in das vj. cap. zun Ephesern. Aber der Lombardus in seinen sententzen / teylt dz letst gebott in zwey / vnd setzt deßhalb inn die erst Tafel allein drü gebott. Villicht hat er söllichs auß dem Augustino genommen / welcher in der lxxj. Question in Exodum / vnd inn der cxix. Epistel zum Januario / auch allein drü gebott zellt der ersten Tafel / welchs er aber thuot von der gheimnuß wegen der heiligen dryfaltigkeit. Doch so laßt er dz gebott von den bildern dz man die weder haben noch verehren sölle nit aussen / dann er wußt wol das wort deß Herren das er im Euangelio sagt / Waarlich sag ich eüch / biß das himmel vnd erden zergadt / wirt nit zergon der kleinest buochstab / noch ein tittel vom gsatzt / biß es alles geschicht / wer nun eins von disen kleinsten gebotten aufflöset / vnnd leeret die leüt also / der wirt der kleinest heissen im himmelreich. Dargegen aber im ersten buoch Quaestionum Veteris & Noui Testamenti am sibenden capitel zellt er auch vier gebott der ersten Tafel / vnd sechße der andern.Jtem im dritten buoch ad Bonifacium schreibt er auch auff die meynung usw.

Es hat aber Gott dise seine gebott also inn zwo ordnungen oder zwo Tafelen geteylt / von wegen deß vnderscheids der dingen die darinn gehandlet werdend.

Lv. / 50b

Dann die erst Tafel belanget Gott / die ander die menschen. Die erst leert / was wir von Gott vnnd vom dienst Gottes halten söllind / ja sie leert rechte Gottsforcht vnd rechten Gottsdienst / vnd wie wir Gottsäligklich leben söllind. Die ander leert / was wir vnserm nechsten schuldig sygind / ja sie leert vns früntligkeit vnd liebe / vnd wie wir rüewig vnd ehrsamklich läben söllind. Jn welchen stucken alles das begriffen wirt / das zuo einem rechtgeschaffnen leben gehört / also das der Gottsäligkeit halb gegen Gott vnd der liebe gegen den nechsten nichts möchte fürbracht werden von allen geleerten der gantzen welt / das inn den Zehen gebotten nit vergriffen sey.

Das erst gebott vnder den zehnen / hatt der Herr mitt disen worten außgesprochen. Jch bin der Herr dein Gott / der dich auß Egypten land vß dem diensthauß gefüert hab / Du solt kein frömbde Götter vor mir haben. Diß gebott hat zwen teyl. Der erst begreifft vil stuck / besonders aber drü ding / Dann zum ersten so erklärt sich Gott wie er gegen den menschen gsinnet sey / vnd beütet sich auch vns an / wie er gegen vns sein wölle. Daruß wir dann fürs ander abnemmend wz er dargegen von vns erfordere / vnd wz vnser ampt sey. Zum dritten / so henckt er denn dran ein heitere erzeigung deß / dz er sich vnsern Got sein gnennt hat.

Nun zum ersten / so spricht er also (Jch bin der Herr dein Gott) Mit welchen worten wie gmeldet / er anzeigt wer er sey / vnd wie er gegen allen menschen gesinnet sein wölle. Vnd lautend die wort gleich wie die wort deß Pundts den Gott mit Abraham vnd allen glöubigen auffgericht hat / da er spricht / Jch bin der Herr / ein starcker Gott / ein Gott Schaddai / dz ist ein Saturnus à Saturando, ein ersettiger vnd volkommne gnuogsamme. Dann Gott ist ein völle aller dingen / der da settiget alles das da ist / ein vnerschöpffter jmmerwerender brunn alles guotens. Welches auch Jeremias fein anzeigt im ij. cap. seiner predgenen. Das alles wirt hie auch in disen wenigen worten begriffen / Jch bin der Herr dein Gott / Jch namlich wil er sagen / der ich yetz mit dir reden mitten auß dem fewr / Jch vnd kein anderer usw. Darinn wirt vßtruckt die Einigkeit Gottes / vnd lernend deßhalb hie erkennen ein einigen Gott sein / nit vil / vnd dem einigen anhangen / die hertzen nit auff vil Gött zerteilen. Demnach spricht er Jch bin dein Herr / Jtem ich bin dein Gott. Vnser Herr ist er / dann er ist gwaltig über alle Creaturen / jm sind alle ding vnderworffen / jm muoß es alles gehorsammen nach seinem gefallen. Er regiert vnd erhaltet auch alle ding / dann er ist der schöpffer / der regierer / der erhalter / der höchst vnd oberst küng vnd Fürst deß himmels vnd der erden / vnd alles deß dz darinnen ist. Darumb so wirt inn dem einigen wörtli / Herr / vergriffen die gantz vnergrüntlich weißheyt / krafft / macht / vnd herrligkeyt Gottes. Deus oder Gott wirt er villeicht vom Hebreischen wörtli Daij genennt / dz da heißt ein gnuogsame. Dann eins teils so ist Gott jm selbs gnuogsam zuo der aller volkomnisten säligkeit vnd heiligkeyt / Anders teyls / auch allen denen die jnn in der waarheit suochend / als der da reich ist gegen allen denen die seinen nammen anrüeffend. Darinn dann außtruckt wirt die volle gnuogsamme / freygäbe / güete vnd barmhertzigkeyt Gottes. Besonders dieweil darbey stadt / Jch bin der Herr Dein Gott / mit nammen Dein Gott / dann Gott ist nit nur jhm selbs guot / sonder auch vns. Er begärt sich selbs mit allen seinen güettern vnd gaben gar vnd gantz außzuoschütten in die glöubigen / Er ist nit kündig [-] vnd karg / nit verbünstig [abgünstig] / Er hat ein fröud dran / das er sich vns mitteile / vnd das wir jn zuo vns ziehend / vnd jn nießind mitt allen fröuden nach vnserem lust / vnd das zuo allen zeiten / besonders inn trüebsalen. Er spricht auch außtruckenlich Dein Gott / spricht nit Euwer Gott / damit ein yeder besonders verstande / dz der ewig / guot / vnd allmächtig Gott / vnser aller Gott vnd Herr / dz ist vnser erhalter vnd erlöser / vnser schatz vnd überflussz aller güettern / der seelen vnd deß leibs / der gegenwirtigen vnd der zuokünfftigen / sein wil.

LI. / 51a

Darauß wie doben auch gmäldet / nemmend wir yetz [-] fürs ander ab / wz der güetig Herr vnd Gott dargegen von vns erfordere / vnd was vnser ampt yetz sey. Dann dz wörtli Dein / *hat ein feine relation / die vns söllichs leert / dann*[diese beide stück begreiffet: Nemlich] so er mein wil sein / so volget dargegen dz ich auch sein sölle sein. Er wil mein Herr vnd Gott sein / vnd ists auch / so sol ich jn auch für meinen Herren vnd Gott halten vnd verehren. Darumb so wirt auch in disem gebott dz von vns erfordert / dz wir nit allein jn / den waren Gott / für ein waren Gott haltind / sonder auch jn für Vnseren Gott vnd Herren / für vnsern schöpffer / erhalter vnd vatter erkennind / vnd jm auch zuogäbind seine eigenschafften die jm gehörend / dz er namlich ein einiger Gott sey / der einig brunnen vnd darreicher aller güetern / dz er ein lebendiger / ewiger / gerechter / waarhaffter / heiliger / säliger / barmhertziger / gwaltiger / höchster vnd oberster Gott sey. Darumb söllend wir jm auch anhangen / jm gehorsammen in allen dingen / in jnn vertrauwen / jn allein anrüeffen / jm alles guots zuoschreiben / alles guots von jm begären / vnd jm für alle seine guotthaten lob vnd danck sagen / jn anbätten vnd verehren mit rechter forcht / auch einbrünstiger vnd standthaffter liebe. Dann dahar ghörend alle die sprüch auß dem Mose vnd dem Euangelio / namlich / Du solt den Herren deinen Gott anbätten / vnd jm allein dienen. Jtem / jr söllend dem Herren eüwerem Gott nachwandlen / vnd jhn förchten / vnd seine gebott halten / vnd seiner stimm losen [hören] / vnd jhm dienen vnd anhangen. Jtem das der Herr im Psalmen sagt / Opffer Gott lob vnd danck / vnd bezaal dem aller höchsten deine gelüpte / vnd rüeff mich an am tag der not usw.

Die erzeigung aber mit deren der Herr hie anzeigt das er sey gewesen / noch sey / vnd auch fürohin sein wölle ein Gott vnd Herr vnser aller / vnserer vätteren vor vns / vnd vnser kinden die nach vns kommen werdend / die ist offenbar vnnd heitter / namlich die erlösung auß Egypten. Welche alle Göttliche tugenden vnd krefft begreifft vnd innhaltet / namlich Gottes weißheyt / güetigkeyt / gerächtigkeyt / waarheyt / vnd krafft / vnd hiemit alles genennt. Jnn deren erzeigt Gott / das er ein Herr sey inn himmel vnnd auff erden / aller elementen vnnd Creaturen mächtig / dann er erlößt sein volck Jsraels gnädigklich / er schirmpts / vnd zierts mit vil vnnd mancherley gaben / wider deß gantzen Egyptischen Reichs willen / rahtschleg vnd fürnemmen. Dargegen strafft er die Egypter grausamlich (wie wol mit billichen vrteyl) mit vilen vnd grossen plagen / Stürtzt sie auch entlich mit jrem Küng ins rot Meer vnd ertränckt sie. Auß welcher einigen that das volck Jsraels wol hat können abnemmen / das kein gwalt über Gottes gwalt sey / vnd das auch Gott jr Gott sein wölte / wie er jrer vättern Gott gwesen wz / dann mit der that hat er erzeigt wie gwaltig vnd güetig er von ye wälten har [je vnd je] gewesen / vnd wie er noch vff den hüttigen tag sey / vnd biß zuo end der welt sein werde. Also hat Gott mit dem volck Jsraels ghandlet. Vns ist aber die erlösung / so vns durch vnseren Herren Jesum Christum begegnet ist / so vil näher / welcher vns nit auß dem jrrdischen Egypten / vnd auß den händen Pharaonis / sonder das so vil mee ist / auß dem gwalt der finsternuß / der sünden / deß Teüffels vnd deß tods errettet hat. Auß welcher that wir auch abnemmend / das wie Gott ein ewiger / waarer / guoter / höchster / säliger vnd gwaltiger Gott ist / dz er auch also vnser Gott sey / vns wol wölle / sorg für vns trage / vnd vns lieb habe. Wie dann S. Paul sagt / Der seinem eignen sun nit verschonet / sonder jn für vns alle geben hat / wie sol er vns mit jm nitt alles schäncken? Dann die geheymnuß vnnserer erlösung / die durch vnnseren Herren Jesum Christum beschehen ist / wirt heitter vergriffen in disem ersten gebott / dann es ist offenbar / dz die erlösung deß volcks Jsraels auß Egypten / ein vorbildung ist gewesen der erlösung der gantzen welt vnd aller völckeren auff erden / die hernach durch Christum beschehen ist / der die gantz welt erlößt hatt

LIv. / 51b

auß der dienstbarkeit deß teüffels vnd der sünden. Vnd wär sölichs nit wüssen wölte [daran zweifelt] / der besehe nur die ceremoni vnnd das Sacrament der leyblichen erlösung auß Egypten / namlich das lamb deß überschritts. Wär ist der nit wüße vnd verstande / das dises lamb ein vorbild gewesen seye vnsers erlösers Christi? Dann je so redt Paulus gar heitter / Christus vnser Osterlamb ist auffgeopfferet. So habend auch alle Apostel mit sampt Joanne dem Töuffer / vnseren Herren Jesum Christum genent das lamb Gottes / das do hin nemm die sünd der wällt. So haltet Esaias am lij. Capitel[1.2.3.usw]. mit heiteren worten gegen einanderen die erlösung Jsraels auß Egypten / vnd die erlösung deß gantzen menschlichen geschlächts auß der sünd durch Christum. Darumb / wie gemeldet / so wirt die geheimnuß vnsers Herren Christi vnnd vnserer erlösung heiter in diserem ersten gebott vergriffen / das wir jetzund / so offt wir dise wort sprechend / mit vnseren augen vnd gemüeteren nit nur auff die alt erlösung deß volcks Jsraels auß Egypten / sonder vil mehr auff die so vns durch Christum begegnet ist / sehen söllend / vnd vnsere hoffnung auffrichten / damit wir keinen zweiffel daran tragind / dann das der almechtig vnd höchst Gott / auch vnser Gott seye vnnd sein wölle. Das ist nun der erst theil / diß ersten gebotts.

Der ander theil / verbeütet vns / das wir keine frömbde gött habind / vnnd schleüßt auß alle hilff vnd allen trost deß läbens / den wir jmmer außert Gott vns selbs erdencken vnd erwellen möchtind. Vnd braucht der Herr hiezuo gar ein hefftige art zuo reden / dann er spricht / du solt kein frembde Götter vor mir haben / du solts nicht haben / spricht er / vnd das / vor mir / oder vor meinem angesicht / mit mir / oder bey mir / zuo mir / oder näbend mir / wie wirs nennen wöllend / oder / laß michs nicht sehen vor meinen augen. Gleich als wenn ein vatter übel erzürnt ist / vnnd seinem sun verbeütet etwas / das vast schantlich vnnd vnehrlich ist / so spricht er / Nun luog [sihe] das du mir mitt dem ding nirgent an die augen gangist [vnder augen kommest] / oder michs laßist sehen vnnd inne werden. Also will Gott hie auch reden. Nun ist er aber allenthalben zuogegen vnd sicht es alles / auch die hertzen / vnd die heimligkeyt der hertzen. Darumb so söllend wir keins wägs / weder heimlich noch offentlich frembde Gött haben / dz ist / es sol kein mensch kein einige creatur / sie seye in himmel oder auff erden / für sein Gott haben / es sol auch niemand den creaturen vnd geschöpfften die eigenschafften Gottes zuogeben / vnd jnen dz thuon / dz wir pflichts halb Gott allein zuothuon schuldig sind. Das sind aber Gottes eigenschafften / allenthalben sein / alle ding sehen vnd wüssen / allmechtig sein / das leben geben / erlösen vnd reinigen von sünden / erhalten / sälig / gerecht vnd heilig machen / vnnd was der dingen sind. So ist vnser pflicht vnnd ampt gegen Gott / das wir jn anbättind / anrüeffind / fürchtind / vereerind / das wir in jn hoffind / jm anhangind / jm losind [jhn hören] / jm glaubind vnd gehorsamind.

Darumb so heißt vnd ist ein frembder Gott alles das / dz wol für sich selb seiner natur halb nit Gott ist / wir es aber vns selbs näbend dem einigen ewigen waren läbendigen Gott erdenckend / darin wir vnser vertrauwen vnnd hoffnung setzend / das wir in nöten anrüeffend / liebend vnd förchtend / in das wir vnser gemüet richtend / an dem wir gar vnd gantz hangend / vnd das wir zuo allen zeyten es sey in wolstand / oder widerwertigkeit vnnd trüebsal / für vnnseren schatz / für vnsere hilff / vnd für vnsere zuoflucht haltend vnd erkennend. Dann also / do Rachel von Jacoben kinder begärt / antwortet er jren / Bin ich dann Gott / dz ich dich vnfruchtbar habe gemacht? Jtem Joram der Künig Jsraels als er von Benhadad dem Künig auß Syrien brieff empfangen hat / Naamans halben / dz er jn von seinem vßsatz reinigete / zerreiß er seine kleider / ward erzürnt vnd sprach / Bin ich dann Gott / dz ich tödten vnd lebendig machen könne? Darumb so söllend wir allein Got für vnseren Gott haben / dz ist für vnser leben / heil / hilff / zuofluocht / schirm /

LII. / 52a

erlösung / hoffnung / forcht vnd schräcken. Vnd wenn wir dise stuck andern dingen zuogebend / vnd nit allein Gott / so machend wir vns frömbde götter daruß. Frömbd wirt auch etwan genommen für das / das von Gott nit befolhen vnd eingesetzt ist. Also stadt von Nadab vnd Adihu / das sie frömbd fewr für den Herren bracht habind / das ist / anders dann jnen der Herr gebotten hat. So wirt auch im buoch der Sprüchen Salomons das ein frömbd weib genennt / die einem andern zuoghört. Also sind dz frömbde Gött / die wir vns selbs erdenckend / denen wir anhangend / vnd jrer hilff begärend / die vns aber Gott nit zuo schirmherren geben noch gmacht hat. Also sind auch die lieben heilgen selb / die yetzund mit Christo dem künig inn himmlen triumphierend vnd frolockend / frömbde götter / nitt sie für sich selbs / oder jrenthalb / sonder vnserthalb / so wir vnrecht von jnen haltend / vnd jnen die ehr gäbend / die aber allein Gott gehört / sie für vnsere schützer vnd schirmer ehrend vnd anbättend. Also werden vns auch die Teüffel selb / vnd alle die mit jnen zuo schaffen habend / zuo frömbden götten / so wir sie mer förchtend dann Gott. Also auch die gestirn / die Planeten / vnd zeichen am himmel / wenn wir vns die Mathematicos [Sterngucker] lassend verfüeren / vnd also am gstirn hangend / das wir inn allen dingen dessen wöllend war nemmen / vnd vnser gantz leben nach dem lauff deß himmels richten. Also wenn wir gelt / oder menschen ehrend vnnd liebend / wie wir aber Gott allein ehren vnd lieben soltend / so machend wir vns das gelt vnnd die menschen zuo frömbden göttern. Also wirt im Künig Asa gescholten das er sich zuo vil auff die Artzet verlassen / ij. Paral. xvij[2]. Darumb so werdend vns auch die krüter vnnd die Artzet zuo frömbden göttern. Jtem es werdend die Juden also gescholten / Esa. am xxx. Capitel [1.2.]/ das sie sich auff die pündtnuß mit den Egypteren zuo vil verliessend vnnd vertrostend / darumb werdend also auch pündt vnd Pundtsgenossen zuo frömbden götteren. Besonders aber werdend auch hie verdampt die pündt vnnd pact die man von der zauberey wegen mitt dem Teüffel machet. Jtem die sägen / die man billicher verflüechungen nannte / vnd das abergleübisch Teüffelbeschweeren / Jn welchem allem auch besonders böß ist / der mißbrauch deß heiligen nammens Gottes usw. Wer wolt es aber alles eigentlich können erzellen / dz wider diß erst gebott geschicht / darinnen geleert wirt die waare Gottsäligkeyt / vnd der recht waar jnner gottsdienst deß hertzens / das wir namlich Gott erkennind / jm glaubind / recht von jm haltind / jn anrüeffind / jm anhangind / vnd jm in allen dingen gehorsam sygind.

Das ander gebott lautet also. Du solt dir kein gegrabne [außgegrabnes] bildtnuß machen / noch yenen ein gleichnuß / weder deren dingen die doben im himmel / noch deren die hieniden auff erden / noch deren die inn den wassern vnder der erden sind / Ehr sie nit / vnnd dien jhnen nit / Dann ich bin der Herr dein Gott / ein starcker eyferer / der ich heymsuoch der vätteren missethat an den kinderen biß inn das dritt vnnd viert geschlächt / deren die mich hassend / vnnd ich thuon barmhertzigkeyt an vilen tausenden / die mich liebend / vnd meine gebott haltend. Jm ersten gebott hat der Herr geleert wz zum jnnern gottsdienst gehört. Jn disem andern aber leert er wie der ausser sein sölle. Vnd so wir von Gott recht hieltind / vnd dem ersten gebott recht vnd wie wir soltend nachgiengind / so hette es diß andern gebotts nichts bedörffen.

Dieweil aber Gott vnsere art wol weißt vnd vns bekennt / so verbeütet er vns das / dz er weißt dz wir sunst thuon wurdind. Dann der merteyl welt haltet darfür / man sölle Gott mit etwas bildtnussen anbilden / vnnd mitt etwas ausseren leiblichen vnnd sichtbaren gottsdiensten verehren / vnnd jm silber gold edelgestein / vnd ander kostlich ding opfferen vnd bringen. Da wil vns nun Gott mit dem

LIIv. / 52b

gebott / von sölichen fleischlichen gedancken ynbildungen vnd vereerungen Gottes / hindersich halten vnd abziehen. Dann wie sein krafft vnaußsprechlich / vnd er ein ewiger geist ist / also mag er auch mit keiner zerstörlichen bildtnuß außtruckt noch anbildet werden / vnd will allein im geist vnd in der warheit verehret sein. Durch die bildtnuß vnd gleichnuß aber / wirt auch verstanden aller außerer Gottsdienst / vnnd dieweyl die bilder verbotten werdend / so wirdt auch aller außerer vnnd frembder gottsdienst verbotten. Dann wo ein götz oder bild ist / da muoß man jhm auch gleich ein sül oder ein fuoß haben / darauff man jhn stelle oder lege / Jtem man muoß gleich ein altar vnnd ein tempel bauwen / hüetter vnd diener oder priester haben / item opffer / schänckinen / ziert / fyrtag vnnd mercklichen kosten on end. Darumb habend die Propheten die bilder gemeinklichen genent / müey vnd arbeit / dann wenn man ein mal götzen annimpt / so muoß man für vnd für grossen kosten müey vnnd arbeit darzuo haben / wie man das wol sicht in der erfarung.

Nun hatt aber diß ander gebott drey theil. Zum ersten so verbeütet Gott gegrabne bildtnussen oder einicherley gleichnußen zuo machen / das ist / er wil nit das man jm einige bildtnuß auffrichte oder consecriere [-] / Gott geb was *materi oder form*[gestalt] es auch sey / dann wie er es nit wil / also mag er auch durch kein bildtnuß anbildet vnd verglichen werden. Darumb er fast auch alle die gestalten erzellt vnd verbeütet / mit denen man ein ding gmeinlich anbildet / dann er spricht / du solt Gott kein bildtnuß machen / noch gleichnuß oder gestalt / weder deren dingen die da oben sind im himmel / Als da sind die himmelischen corpora [-] / Sunn / Mon / planeten / sternen / Jtem auch die vögel deß luffts / die mengerley gestalten habend / vnder welichen gestalten allensammen vil der Heiden Gott vereeret vnd anbättet habend. Oder deren (spricht er auch) solt du Gott kein bildtnuß noch gestalt machen / die hie vnden auff erden sind / alls da sind menschen / thier / kreüter / gewächß / böum usw. Dann es ist offenbar / dz die Heiden Gott vereeret habend vnder der gestalt der menschen vnd der thieren. Es schreibt Cornelius Tacitus von den alten Teütschen also / Sie haltend nit das die Götter in muren yngeschlossen oder das sie menschlicher gestalt gleich seyend / dieweil sie zuo groß darzuo / sonder sie pflantzend vnd wihend jnen wält [welde] vnd boumgarten vnd nennend darnach die selben geheimen abgesündereten ort mit dem nammen der Götteren / vnd sehend sie nimmer on grosse andacht vnd eerenbietung an. Daruß wir sehend / das vnsere altvorderen Gott auch vnder der gestalt der böumen vnd wälden vereeret habend. Jtem es wirt auch verbotten hie / vnd außtruckt / das wir Gott auch mit denen dingen nit verbilden söllind / oder vereeren / oder vnder der gestalt deren dingen / die in wasseren oder vnder den wasseren sind / dann die Philister habend Gott vereeret in der gstalt eines fischs / dann Dagon der Philister Gott hat die gestalt eines fisches. So hat man vor zeiten in Egipten die schlangen vereeret / welchs Paulus alles zuo samen faßt zun Römeren am j. Capitel / da er wider die Heiden disputiert / vnd spricht / jr verstendigs hertz ist verfinsteret / do sie sich weyß hieltend / sind sie zuo narren worden / vnd habend verwandlet die herrligkeit deß vnzergencklichen Gottes durch ein glichnuß eines erdichten bilds /nit allein deß zergengklichen menschens / sonder auch der vöglen / vnd der vierfüeßigen / vnd der kriechenden thieren. Wider dise vnsinnigkeit streitet der erst theil dises gebotts.

Warumb aber Gott nit wölle mit einicher grifflichen oder sichtbaren bildtnuß vereeret werden / ist offenbar / dann Gott ist ein geist / hatt kein end / mag nicht vmbzilt / noch auch mit worten gnuogsam außtruckt werden. Er ist allenthalben zuogegen / erfüllet himmel vnnd erden / ist ewig vnnd ein lebendiger Gott / der auch das läben allen dingen gibt vnd erhaltet / vnd sein Ehr vnd herrligkeit ist erhöcht über die himmel. Sein gewalt vnnd macht hatt kein end maß noch zil. Mit was bildtnuß vnnd materi wil man dann ein geist vergleichen?

LIII. / 53a

Dauid beschreibt dargegen die bilder also / der Heiden götzen sind silber vnnd gold / werck der menschen henden / sie habend einen mund / redend aber nit / augen habend sie vnd sehend nit / oren habend sie vnd gehörend nichts / auch ist kein athem in jrem mund. Nasen habend sie vnd riechend nit / sie habend hend vnd könnend nit greiffen / füeß habend sie vnd könnend nit gon / kein stimm könnend sie in jrem halß zuo wegen bringen usw. Was gleichnuß sol nun sölichs mit Gott haben? Darumb Gott wöllen mit einem sichtbaren bild anbilden vnd außtrucken / dz ist Gott zum gespött vnd zur verachtung machen. Dann Gottes aug sicht alle ding / deß Götzen aug sicht nichts überal. Gottes ohren hörend als / deß Götzen ohren hörend nichts. Durch Gottes krafft läbend vnd bewegend sich alle ding / vnnd wirdt auch alles durch jhn erhalten / die götzen aber habend kein leben in jnen / vnd regend sich nur nit / vnd wo sie nit sonst durch andere hilff werdend gehalten / so zerfallend sie vnd gond zuo scheiteren. Die götzen habend kein athem / Gott aber gibt allen lebenden geist vnd athem. Worinn könnend sie dann ein anderen gleich sein? weder ist die materi oder die form deß götzen Gott gleich? Sagst du die materi / so müeßte Gott ein guldiner / silberiner oder höltziner Gott sein. Sagst du dann die form / so volgete / das die vnsichtbar krafft / hinfellige vnd zerstörliche glider hette / vnd hiemit wurde bestätet der jrthumb der Anthropomorphiten. Hat dann der götz kein gleichnuß mit Gott / warumb werdend dann die götzen [ / ] bilder vnd gleichnußen Gottes genent? wenn vnder vns menschen einer den anderen ein götzen oder ein bild nante / so hättind wirs für ein grosse schmach / dann ein götz sicht wol eim menschen gleich / er ist aber kein mensch / darumb wenn wir von eim faulen / groben vngeschickten vnd vnartigen menschen wöllend reden / der weder vernunfft noch verstand hat / so nennend wir jn ein götzen oder ein bildstock. Warumb woltend wir dann erst die bilder Gottes gleichnuß nennen? Gott ist läbendig / die bilder aber gleichend den todten menschen / wie im buoch der weyßheit stat. Gott ist herrlich vnd gewaltig / vnd seiner herrligkeit vnd Maiestet ist himmel vnd erden voll / die bilder aber habend kein herrligkeit / werdend von meniglichem verspottet vnd verlachet. Die bilder sind zeichen der abwäsenden / Gott aber ist allweg allenthalben zuogegen. Die zeichen aber die Gott vor zeiten seinem volck eingesetzt vnd gegeben hat / sind nit einfaltig zeichen vnd bildtnußen Gottes gewesen / sonder zeichen der gegenwertigkeyt Gottes / die da bedeütend dz Gott der an jm selbs ein geist / vnsichtbar vnd vnbegreifflich vnd vnermessen ist / zuo gegen were. Wie dann söliche zeichen gewesen sind / die wulckensul / der rouch / vnd dz fewr am berg Sina. Also auch die puntsladen / welche darumb von den flüglen der Cherubim bedeckt ward / dz damit anzeigt wurde / das kein sterblicher mensch in dz angsicht Gottes selbs schawen möchte / vnd das man deßhalben / hertz geist vnd gemüet gen himmel auffheben sölte. Darumb auch zum Mose / von dem doch geschrieben stat / dz er Gott von angesicht zuo angesicht gesehen hab / geredt ward / Niemand wirt mich sehen vnd leben. Nach dem wir aber auß diser zeit abscheidend / so werdend wir jn sehen wie er ist / wie der heilig Johannes sagt. Das sind die vrsachen darumb der Herr nit wil durch einicherley materi form oder gestalt verbildet werden.

Vnd daher dienend jetzund die zeügnußen der aller Gottsäligesten vnd fürtreffenlichsten männeren Mosis / Jsaie / vnd Pauli / vnder welchen Moses also spricht. Deu. iiij[12]. Der Herr redt mit euch mitten auß dem fewr / die stimm seiner worten hortend jr / aber kein gleichnuß sahend jhr außerhalb der stimm. Jtem / So hüetend euch nun wol / als lieb euch eürere seel ist / dann jr habend kein gleichnuß gesehen deß tags do der Herr mit euch redt auß dem fewr auff dem berg Horeb / auff das jr euch nit verderbind / vnd euch etwan ein gehawen oder gegraben bild machind / einer gleichnuß einicherley gestallt / es seye eines manns oder weybs / oder vichs auff erden / oder einicherley geflügleten vöglen / die da fliegend vnder dem himmel / oder

LIIIv. / 53b

gewürm auff dem land / oder fisch im wasser vnder der erden / das du nit deine augen auffhebist gen himmel / vnd sehist die Sonn / vnnd den Mon / vnnd die sternen / vnd das gantz heer deß himmels / vnd werdist außgestossen / vnd bätist sie an / vnd dienest jnen / welche der Herr dein Gott außgetheilt hatt allen völckeren vnder dem gantzen himmel. Vnd bald hernach weiter. So hüetend euch nun / das jr deß pundts deß Herren eüwers Gotts nicht vergeßind / den er mit euch gemachet hatt / vnnd nicht bilder machind einicherley gestalt / wie der Herr gebotten hatt. Dann der Herr dein Gott ist ein verzerents feüwr vnd ein eyferiger Gott. So vil auß Mose.

Esaias am xl. Capitel [15.16] spricht also. Nimm war alle völcker sind gegen jhm (verstand Gott) wie ein tropff gegem eimer voll / vnd werdend gegen jm gerechnet wie das wenig das die wag außzeücht. Nimm war die Jnßlen zerwirfft er wie kleinen staub / der Libanus möchte das fewr nicht anzünden / vnnd alle seine thier wärind nit gnuogsam zum brandopffer. Alle völcker sind gegen jm wie nichts / ja eytel öd vnd lär gegen jm gerechnet. Wäm wöllend jhr dann Gott vergleichen? oder was gleichnuß wöllend jr jm auffrichten? Sol jm der zimmerman ein geschnitzts bild machen? vnd der goltschmidt mit guldinen blächen decken? oder mit silberinen kettinen anlöten? Ein armer erwellt auch ein holtz das nit faule damit er auch opffere. Der weyß werckmeister suocht jm auch ein bild zuo bereiten / das sich nit bewege. Jst euch das vnbewüßt? habend jr daruon nichts gehört? ist es euch nit von anfang här geprediget / sind jhr deß nicht berichtet seyt das pfiment [fundament] der erden gelegt ist? das er auff der kuglen der wält sitzt / vnd die inwoner der wält sind gegen jm wie höwstöffel [hewschrecken] / das er die himmel außbreitet wie ein decke / das er sie außspannet wie ein zällt zuo einer hütten außgespannet wirt / das er die fürsten zuo nüte / vnd die richter der erden eytel machet / also das sie nit widerumb gepflantzet oder gesäyet werdend / noch jr stammen widerumb in der erd wurtzlet / dann so bald er sie ankuchet [anbleset] / sind sie erdorret / vnd farend hin wie die stupflen [stoppeln] vonn der windsbrut. Wem wöllend jhr mich nun gleich machen? vnd wem sol ich gleich sein / spricht der heilig? Erhebend ewere augen in die höhe vnnd sähend / wer hat die ding geschaffen / die mit so grossen hauffen außziehend / vnd er kan jnen allen mit dem namen rüeffen / dann der grösse seiner macht / stercke vnd krafft ist keins verborgen usw. So vil auß dem Esaia.

So spricht auch Paulus do er zuo Athen von dem waaren Gottsdienst leeret vnd disputiert vnder anderem also / Gott der die wält gemachet hat / vnd alles was darinnen ist / seittmals [sintemal] er ein Herr ist himmels vnd der erden / so wonet er nicht in templen mit henden gemachet / seinen wirt auch nit vonn menschen händen gepflägt / als der jemands bedörffe / so er selber jederman leben vnnd athem allenthalben gibt / vnd hatt gemachet / das von einem bluot aller menschen geschlächt auff dem gantzen erdboden wonend / vnd hatt zil gesetzt von ewigem fürsehen / wie lang vnd weit sie wonen söllind / das sie den Herren suochen söltind / ob sie jn doch spüren vnd finden möchtind / vnd zwar er ist nicht verr von einem jeglichen vnder vns / dann in jm läbend / sträbend / vnd sind wir. Als auch etlich Poeten bey euch gesagt habend / wir sind seiner art. So wir dann Göttlicher art sind / söllend wir nit meinen das die Gottheit gleich seye dem gold oder dem silber / oder dem bildwerck der menschlichen kunst vnnd dichtung usw. Das sind nur alles so hüpsche heitere vnd lautere zeügnußen / die sich so eigentlich selbs zuo vnserem fürnemen reymend / das es nit von nöten ist / das ich sie weiter außlege. Darumb der heilig Augustinus nit vnbillich vnd nit on grosse vrsach für ein grosse schmach Gottes gehalten hatt / so jemandt ein bildtnuß Gottes deß vatters sitzender weiß auff einem stuol oder thron inn ein tempel oder kirchen

LIIII. / 54a

machete / dann es gebüre vnd zimme sich nit sölichs von Gott zuo gedencken. Seine wort hab ich doben in der achtenden predig anzogen / da ich geredt hab von der gerechten deß vatters / vnd anzeigt was es seye zur gerechten deß vatters sitzen.

So vil aber jetzund andere bilder belanget / die man den creaturen oder Götteren auffrichtet / so sind söliche nit minder verbotten dann Gottes bildtnussen. Dann sol man dem waaren Gott kein bild auffrichten / so sol mans auch vil minder einem frömbden Gott auffrichten. Dann mit den bilderen hatt es die gestalt / dz deß menschen gemüet zum ersten jm erwelt ein Gott zuo vereeren / darnach so bildet es jm yn etwas gstalt / die gibt es jm zuo / vnd dannenthin so macht die hand dz bild / das man deßhalb recht spricht / das gemüet empfahe den götzen / die hand gebäre jhn aber. Nun hatt aber Gott im ersten gebott verbotten / das wir nicht frömbde götter haben söllind. Wer nun keine frömbde götter hatt oder jm selbs erwellt / der erdenckt jhnen auch kein bildtnuß / vnd richt jhnen keine götzen auff / dann er weißt das es vnrecht ist Gott ein bildtnuß wöllen auffrichten / er weißt auch das es wider Gott ist / ein frömbden Gott erwellen / vnnd deßhalb auch eines frömbden Gotts bildtnuß inn der kirchen wellen haben vnnd auffrichten. Darumb läsend wir auch niergent / das die kirch vnnd gemeind Gottes im alten Testament jrgent einiche bilder jhren heiligen (deren sie doch vil hattend / nammlich die alten heiligen Patriarchen / Richter / Künig / Priester / Propheten vnd marterer / auch vil fürnemer ehrlicher frawen vnnd witfrawen /) auffgericht habe. So hat auch die erste kirch zun zeiten Christi vnnd der heiligen Apostlen keine bilder gehabt inn jhren templen oder bätthüseren / weder Christi deß Herren / noch anderer heiligen.

Es ist auch menigklichen bewüsst die that deß heiligen Epiphanij die er inn Syria zuo Anablatha gethon hat / welche funden wirt inn einer Griechischen Epistel an Johannem den Bischoff zuo Jerusalem / welche Epistel vonn Sanct Hieronymo ins latin verdolmetschet ist / Nammlich das er ein tuoch daran ein bildtnuß was / eintweders Christi oder sonst eins heiligen / inn einer kirchen fand hangen / das nam er vnd zerzeeret es / vnnd sagt / das es der Christenlichen religion zuo wider wäre / das inn eim tempel Gottes eines menschen bild sölt hangen.

Es schreibt auch der heilig Augustinus in dem Register der Kätzeren / von einer frawen Marcella genant / die der Carpocratianer sect anhieng / das sie bildtnussen heige gehebt deß Herren Jesu / Jtem Pauli / Homeri vnd Pythagore / vnd das sie die habe vereeret / sie anbättet vnd vor jnen geröucht. Darumb auch Eraßmus von Roterdam / der inn den büecheren der alten vätteren gar treffenlich geüebt / nach dem er vil vnd scharpff von dem bruch der bilderen inn den templen geschriben hatt / sagt er zum letsten wol vnd recht druff also. Das bilder inn der kirchen sein söllind / das leert kein gebott / auch kein menschlichs nit. Vnd es wäre leichter / vnd das sicherer / das man alle bilder auß den kirchen thäte / dann das man dahin möge kommen / das man ein maß darinn halte / vnd kein aberglauben vnd superstition [-] darmit inmische. Dann wie suber vnd rein joch dz gemüet von superstition [-] vnd aberglauben immer seye / so sicht es doch einer superstition [-] vnd aberglauben gleich / wenn einer so er bättet / vor einem höltzinen bild niderknüwet / seine augen auff das setzt / mit jhm redet / vnd es küßt / vnnd nimmer bättet er habe dann ein bild vor jm. Vnd wer jm Gott anderst ynbildet / dann wie er ist / der verehret die geschnitzten bild / wider das verbott dises gebotts. Jtem im selben büechlin schreibt er auch ein söllichs. Es sind biß auff die zeyt deß heiligen Hieronymi sölliche männer gewesen / die inn der religion vnnd am glauben kein fäl hattend / die littend inn jhren templen kein bildtnuß / weder gemalete / noch gegrabne / noch gewürckte / auch die bildtnuß Christi nicht /

LIIIIv. / 54b

vnd das als ich acht von wegen der Anthropomorphiten. Nach vnd nach aber ist der brauch der bilderen in die kirchen eingeschlichen. Diß schreibt Erasmus.

Nun sol man aber auch vnserem Herren vnnd waaren Gott Christo Jesu kein bildtnuß auffrichten / von wegen seiner angenomnen menschlichen natur / dann er ist nit darumb mensch worden / das man jhn verbildete. Darzuo hat er sein menschliche natur gen himmel gefüert / vnnd wil hiemit / das so wir bätten wöllend / das wir die augen vnsers gemüets vnnd auch deß leybs / daselbst hin auffhebind. Auff erden hat er seiner kirchen geschickt an sein stadt die krafft deß heiligen geists / inn welcher er ein geistlichs reich füert / vnnd bedarff keiner leiblichen oder eusserlichen dingen / den armen hat er geheissen gäben / nit seinen bilderen anhencken / was man jm thuon wil. Besonders aber auch dieweil vnwidersprechlich ist / das Christus vnser waarer Gott ist / vnnd der waar Gott verbeütet das man jm kein menschliche oder andere bildtnuß auffrichten sölle / das ist Gott mit menschlicher gestalt verbilde / so volget / das man auch Christo kein bild söll auffrichten / dann er der waar Gott vnd das ewig leben ist. j.Johan v. So vil vom ersten theil dises gebotts.

Im anderen theil wirt aber angezeigt vnd gelert / wie verr man keine bilder Gottes vnd der götteren sölle machen / vnd ob sie jemand machete / wie wir vns dargegen söllind halten. Namlich so sol man die bilder nicht machen zum Gottsdienst / oder das man sie zuo der religion brauchen wölle / vnd so sie jemand also machet / vnd zur religion braucht / so söllend doch die rechten Gottsglöubigen die verachten vnd nichts schetzen / vnd sollend sie weder verehren / noch anbätten / noch jnen inn einigen wäg dienen. Vnd werdend hie zwey ding genent die man mercken muoß / Das ein das da stadt du solt sie nicht anbätten. Anbätten heißt hie nit nur anrüeffen / vnd sie einfaltig anbätten / sonder auch das haupt vor jhnen blössen / niderknüwen sich biegen vnd neigen / es seye mit dem haupt oder mit dem gantzen leyb / vor jnen niderfallen / jhnen ehr erbieten / sie verehren förchten vnnd hoch halten. Die glöubigen habend etwan anbättet / das ist sich geneigt / jr haupt entblößt vnd niderknüwet / gegen der oberkeit vnd den Propheten / gegen den Fürsten vnd leereren deß volcks / auch gegen anderen Ersamen männeren vnd personen / dann Gott hatt sölichs gebotten / vonn wegen das er durch dise leüth das heil vnnd den wolstand der menschen würckt vnnd fürderet / Darzuo so sind auch die menschen läbendige bildtnussen Gottes / Die götzen aber sind todt / stumm / blind / holtz vnd stein / die söllend wir nit anbätten / das ist jnen gantz kein ehr erzeigen wann es gleich Gottes bildtnussen wärind.

Das ander aber ist / das da stadt / du solt sie auch nicht vereeren / oder jhnen nicht dienen. Jn welchem stückli verbotten wirt aller eusserer vnd vngebürlicher Gottsdienst / der Gott oder frembden götteren bewisen wirt mit superstition [-] vnd aberglauben / mit vßerem kirchenpreng [kirchen gepreng] / fyrtagen / vnnd was dergleichen diß sind. Dann dienen / heißt einen vereeren vnd vor augen haben / vnd jhm etwas maiestet vnd Göttlichs zuomessen / vnd zuoschreiben / jnn hoch halten / jm röuchen / opfferen / oder andere dergleichen stuck vnd dienst beweisen / wie dann menigklicher weißt was dienen ist vnd heißt / besonders in religions sachen. Darumb wirt vns hiemit verbotten das lauffen zuo den bilderen / vnnd wenn es gleich Gottes bilder wärind. Es wirdt vns auch verbotten aller dienst / das wir jnen nützit [nichts nützliches] schenckind gäbind oder zuotragind / oder ützit [etwas] Göttlichs zuogebind / dardurch wir vns gegen jhnen verstrickind / ja das wir sie gantz keiner eeren wärt haltind / oder sie zuo vnseren heiligen religions vnd glaubens sachen brauchen wöllind. Dieweil wir jnen nun kein ehr noch dienst entbieten oder beweisen söllend / wie könend wir jnen dann zuogeben / daß allein deß geists vnd deß worts Gottes eigenschafft vnd wolthat ist / namlich dz sie vns leerind erinnerind vnd ermanind /

LV. / 55a

dieweil doch auch der fürtreffenlich Prophet Abakuk / den auch der h. Apostel Paulus anzeücht vnd rüempt / also von jnen schreibt / Was wirt dz bild hälffen / das sein gestalter geschnitzet hat / vnd das gegossen bild das luginen leert vnd falsch weißt / auff das sich sein gstalter vertröstet so er stumme götzen machet? Wee dem der zum holtz spricht / wach auff / vnd zum stummen stein / stand auff. Mag der etwas berichts geben? Nimm war es ist mitt silber vnd gold eingefasset / vnd kein athem ist in jhm / der Herr aber in seinem heiligen Tempel ist der / vor dem alle welt still sein sol. Was köndte heitterers vnd waarhaffters geredt werden? Die bilder sind lugenhafft. Wie köndte aber das offentlich die luge ist / die waarheyt leeren? Die gemäl vnd bildtnussen habend weder bewegnuß noch läben / noch geist / Gott aber sitzt vnd regiert in dem Tempel seiner heiligkeyt / vnd leert durch seinen geist vnd mit seinem wort alles das zur waaren Gottsäligkeit dienet / vnd lebt in den hertzen seiner heiligen vnd außerwölten. Darumb sollend vor jhm schweigen vnd still sein die zungen aller deren inn der gantzen welt / die da vnderstond die abgötterey zuo schirmen vnd zevertädingen [zeuerthedigen].

Im dritten teyl diß gebotts handlet der Herr mancherley. Zum ersten / so zeigt er an das die menschen kein billiche vnd rechtmäßige vrsach habind / das sie sich von dem waaren Gott keerind / vnd jnen selb frömbde götter erwellind / oder dz sie Gott verehrind anderst dann er wil verehret sein. Darumb spricht er / Jch bin der Herr dein Gott ein starcker Gott / als wölte er sagen / Bin ich der Herr / so dienest du mir billich / so bist mir billich gehorsam / vnd ehrest mich billich / ja auch also ehrest du mich billich / wie du weist das ich verehret wil sein. Bin ich dann Gott / so bin ich die volle gnuogsamme aller dingen. Was ist dann das dir an mir mangle / vnd das du bey mir nit findest? Warumb woltest du dich dann zuo frömbden götten keeren? du hast sein doch kein einige vrsach. Darzuo so bin ich ein starcker / gwaltiger vnd allmächtiger Gott. Vnd du wirst kein gwaltigern oder reichern Herren finden / der dich möchte mitt seiner krafft auß meinen händen erretten / oder der dir alles guots überflüßiger könne zuodienen / dann ich auß dem schatz meiner güetteren vnnd meines überflusses / dann ich bin allein der waar / ewig / vnüberwintlich vnd allmächtig Herr der gantzen welt / der waar vnnd einig hälffer vnnd erlöser / ein reichlicher freygäber mittheyler aller güetteren. Darzuo so bin ich dein Herr / vnnd dein Gott / Meine güetter sind dein / dann ich bin auch selbs dein / dein schützer vnd schirmer wider alles übel. So bist du mein / Jch hab dich erschaffen / ich läb in dir / vnd erhalten dich / warumb woltest du dich dann zuo andern vnd frembden götten keeren / was bedarffst du dann der bilderen? Du selbs bist ein Tempel Gottes / empfindest nit das ich in deinem hertzen wonen? vnd was gemeynschafft hat doch der Tempel Gottes mit den bilderen?

Demnach so setzt er aber auch billiche vnnd erschrockliche tröw wort drauff / dann er spricht / Jch bin ein eyferiger Gott. Das mag man auff zwen weg verstan / vnnd ist doch entwäderer [kein] verstand dem anderen zuo wider. Erstlich / als wölte er sagen / Jch wil nit das du andere götter suochest / oder frembden gottsdienst auffrichtist / vrsach / Jch bin ein eyferiger Gott / ich eyferen / vnnd mag schlächtlich vnnd kurtzumb keinen anderen nebend mir leiden / Jch wil das du mich allein lieb habist vnd verehrist / vnd das auch auff kein andere weiß / dann wie ich dirs fürgeschriben hab. Dann es braucht der Herr hie / wie auch sonst gemeynlich in der geschrifft die gleichnuß der Eeleütten / mitt welcher er außtrucken wil die vereinbarung vnnd verknüpffung / mitt deren wir Gott durch den glauben verknüpfft vnd verbunden sind / wie dann auch die religion à religando, das ist von dem verknüpffen vnd verbinden den nammen hat. Dann Gott ist gleich als vnser Eeman / vnd Breütigam / wir sind sein gmahel vnnd Braut. Ein fromme vnd treüwe Eefrauw aber / die volget allein jres manns stimm / sie

LVv. / 55b

hat jn allein lieb / sie gehorsammet jhm allein / sie begärt nebend jhrem Eeman keiner andern mannen. Aber ein vnuerschampts treüwloses weib / die mer ein Eebrächerin vnd ein huor / dann ein Eeweib ist / die hanget wol jhrem man an / aber sie wirt auch anderen zewillen / liebet auch andere / vnd das gmeynlich ynbrünstiger / dann jrem eignen Eeman. Da ist aber yetz Gott eyferig / vnd wil allein / nit nebend anderen geliebt vnd verehret werden. Darumb so ist das ein geistlicher Eebruch vnd ein geistliche huorey / so wol die menschen Gott liebend vnd verehrend / aber nebend jm auch andere vnd frembde götter. Vnd wider dise treüwbrüchige seelenhuorey schrijend die heiligen Propheten allenthalben auff das aller greüselichest vnd häfftigest / dann es ist kein grösser laster / vnnd kein grössere sünd. Gott wöll aber das nit auff den hüttigen tag vil sygind / die es für ein lieben vnd angenämmen dienst Gottes haltind.

Zum anderen / so mag es aber auch in dem verstand genommen werden / als wölte er sagen. Jch wil nit das du dir andere götter suochist / ich wil auch nit das du dir selbs ein eigne weiß erdenckist mich zuo verehren. Vrsach / Jch bin ein eyferiger Gott / der bald erzürnt wird / der ichs vngestrafft nit lassen / wenn man mich vnd mein gebott verachtet. Vnnd auff dise meynung so erklärt er sich selbs weitleüffig / wie er ein eyferer sey / also namlich / das er heimsuoche die boßheyt der vätteren an den kinden / biß ins dritt vnd viert geschlecht / deren die jn haßind. Deßhalb so ist Gott ein gestrenger Richter / vnnd gerächter rächer / erstlich wider alle die / die frembden götteren nachuolgend / auch Gott selbs mit verbottnen sachen dienend / Demnach aber auch wider alle die so sein überig gantz gsatzt überträttend. Dann mit denen worten hie / tröwt er wol fürnemlich allen die abgötterey treibend grosse vnnd schwäre straaff / darnebend aber auch den andern / allen die auch andere gebott Gottes übersähend. Dann das der Herr hie redt / das ist inn gemeyn geredt / vnd dienet wider alles gottloß wäsen / vnd wider alle vngerächtigkeyt der menschen. Doch dieweil Gottes sachen alle menschliche händel weit fürträffend / so sündend die vil übler / die wider die erste / dann die die wider die andere Tafel sündend / vnd darumb so vnderwärffend sie sich auch dest grössere plagen vnd straffen.

Nun spricht aber der Herr er wölle die boßheyt der vätteren heymsuochen oder straffen an den kinden / biß in das dritt vnd viert geschlecht. Das verstand nit also / das Gott vngrecht sey / vnd an den vnschuldigen straffe ein sünd die ein andrer begangen hat / wie die Juden Gott schantlich lestertend / als man findt im Propheten Ezechiel / vnd dz sprüch wort darzuo brauchtend / Die vätter habend vnzeitig trauben gässen / vnd die zän der sünen erckelend [seind...stumpf worden]. Gott thuot nit also / das ist nit sein meinung / sonder ein yetlicher wirt sein sünd tragen / vnd wirt weder der sun deß vatters / noch der vatter deß suns missethat tragen / noch büessen / wie Gott söllichs im gemelten Propheten Ezechiel / vnd in der gantzen heiligen gschrifft heiter leert. Aber wenn die kind vnd nachkommenden jren vättern in der boßheit nachschlahend / vnd auch den götzen dienend wie jre vätter / vnd aber meynend sie werdind sicher darbey sein / vnd es werde jnen nichts schaden / darumb dz sie söllichs von jren vättern glernet vnd empfangen / vnd darumb das jre vätter guot glück ghept / ob sie gleich auch mit abgötterey vmbgangen / Da (wil Got sagen) wil ich die boßheyt der vätteren an den kinden straffen / das ist die sünd / die die kind von den vätteren gelernet habend / vnd für vnd für üebend / vnnd mit dem exempel vnd mit dem glück der vätteren erst schirmen wöllend. Die wil ich an jnen höchlich straffen / wenn ich sie gleich an den vättern nit gestrafft hab. Darumb wirt auch hie außtruckenlich daran gehenckt / deren die mich hassend. Deren exempeln sind vil in büecheren der Küngen / Als da ist das exempel Jeroboams / dessen hauß vnd stamm im grund außgreütet ist worden / von wegen der

LVI. / 56a

abgötterey vnd frömbden gottsdiensten die er in Jsrael auffgericht hat. Also gleich nach jm gadt auch zegrund dz gantz geschlecht deß Künigs Baasa. Also wirt auch inn boden außgereütet dz gantz hauß Achabs / vnd wirt zeletst dz gantz volck Jsraels gefangen hinweg gfüert in Assyrien. Also ward Salomon der aller gwaltigest / reichest / weisest / vnd glückhafftigest Künig Juda / von wegen der abgötterey vnd deß frömbden gottsdienst gächling zenichte. Was auch seinem sun Roboam / Jtem dem sun Josaphats / dem Achas / dem Manasse / dem Jehoiachim vnd dem Zedechia von wegen der abgötterey vnd deß falschen gottsdienst begegnet sey / das weißt yederman / er wüsse dann die Biblischen Historien nicht. Darumb so lassend vns das eigentlich vnd wol behalten vnd mercken / das Gottes tröwungen waarhafft sind / vnd das Gott ein grimmiger aber gerechter rächer vnd straffer ist der abgötterey / vnd aller deren die die selbig treibend / es sey mit frembden götten oder falschen gottsdiensten / ja auch aller andern lastern der menschen. Vnd ob schon Gott sich ein weil ansehen laßt / als ob er schlaffe / so erwachet er doch zur rechten zeit / vnd widergiltet den gottlosen nach jrer gottlose. Er ist langmüetig / vergißt aber der frommen vnd vndergetruckten darumb nicht / er ist der gottlose vnnd den gottlosen drumb nit günstig / sonder gibt jnen also zeit sich zebessern. Welche nun söllichs nit thuond / die werdend darnach dester ein grössere straff empfahen / wie Paulus spricht / warumb verachtest du die reichthum seiner güetigkeit / gedult vnd langmüetigkeit? weist du nit das dich Gottes güete zur buoß leitet / Du aber nach deinem verstockten vnd vnbuoßfertigen hertzen / samlest dir selbs einen schatz deß zorns / auff dem tag deß zorns vnnd der offenbarung deß gerechten gerichts Gottes / welcher geben wirt einem yeden nach seinen wercken usw.

Dargegen so verheißt aber auch der gabreich Gott / grosse ding vnd alles guots / denen die jn vor augen habend / vnd inn waarem glauben vnd gottsforcht beständigklich verharrend. Dann er spricht / vnd ich thuon barmhertzigkeit oder wolthat in vil tausent. Da wir sehend dz er in dem stuck fürtrifft / dann so er erzürnt / so strafft er allein biß in das dritt vnd viert geschlecht / sein barmhertzigkeit vnd wolthat aber üebt er inn vil tausent / Dann seine güete vnd seine wolthaten habend kein maß / noch kein end / vnd sein barmhertzigkeyt ist über alle seine werck. Daran henckt aber Gott widerumb / deren die mich liebend vnd meine gebott haltend. Darinn sind zwey stückli / die Gott erforderet von den seinen / Das erst ist / das sie Gott liebind vnd jn für jren Gott haltind / so das geschicht so nemmend sie kein frömbden Gott an. Dz ander / dz sie Gott gehorsammind / vnd wandlind in den gebotten Gottes / vnd so das auch geschicht / so gond alle götzen vnd alle falsche gotsdienst zegrund / vnd regiert Gott durch sein wort in den hertzen deß gleübigen menschens / den er auch nach seiner güete mit allerley sägen überschüttet. Vnd dises stückli dienet auch fürnemlich auff diß gegenwirtig gebott / doch darbey auch auff alle andere gebott / wie wir auß den wortten Gottes selbs sollichs sehend. Darumb wir das steiff halten vnd wüssen sollend / das denen grosse belonungen von Gott bereittet sind / die in dem gsatzt deß Herren wandlend.

Diß hab ich auff diß mal eüwer lieb wellen fürhalten von disen zweyen gebotten der ersten Tafel / das ich nun nit wider äferen [widerholen] wil / von wegen dz die zeyt hin / vnd sich fast anderthalb stund verlüffen. Jch hoff aber es sey alles dermaß heiter / ordenlich vnd einfalt / dz es keins wider äferens dörffe / jr habinds sonst wol behalten vnd verstanden. Lassend vns yetz den Herren loben / vnnd seiner güete danck sagen / mit welcher er vns seine weg geoffenbaret vnd zeuerstan geben hat. Lassend vns jn auch darbey anrüeffen vnd bitten / das er vns gnad verleihe recht darinn zuo wandlen / damit wir kömmind zuo der himmlischen fröud / Durch vnseren Herren Jesum Christum / Amen.

 

 

13.Pr.Die Dreytzehende Predig.

Von dem dritten gebott der ersten Tafel / vnd von dem Eydschwuor.

Das Dritt gebott der ersten Tafel der Zehen gebotten lauttet vonn wort zewort also / Du solt den Nammen deß Herren deines Gotts nitt vergäblich nemmen / dann der Herr wirt den nicht vnschuldig halten / der seinen Nammen vergäblich nennet. Jm anderen gebott / hatt der Herr anzeigt / welchen gottsdienst er nicht haben noch leiden wölle / Namlich den ausseren / fleischlichen / jrrdischen / vnd verwänten [gewöhnlichen] der da gantz vnd gar inn allweg mit dem geist vnd der natur Gottes streyttet / da man namlich Gott vergleichen vnnd verbilden wil / mit einer materlichen [leiblichen] vnd zergencklichen gstalt vnd bildtnuß eines menschen / oder einer anderen Creatur / vnnd jhn dannenthin auch vnder denen gestalten mit ausseren zerstörlichen dingen / die allein zum brauch vnd vnderhaltung der menschen geordnet vnnd erschaffen sind verehren wil. Dann Gott ist ein geist / der da ewig ist / der alles durchtringt vnnd alles erhaltet / den alle geschöpfften / ja die aller besten vnnd fürnembsten / wenn man sie gleich all zuosammen thäte / nicht außtrucken / ja im aller wenigsten nit verbilden noch vergleichen möchtind. Darzuo so darff Gott keiner ausseren zerstörlichen dingen / der vil mehr vnns darreicht vnnd gibt alles das wir bedörffend. Darumb ist es ein grosse thorheyt / dem vatter vnnd gäber alles liechts / ein liecht / wachßkertzen oder wolriechende facklen wöllen anzünden / Es ist auch ein grosse thorheyt dem ewigen geist / wöllen vichfleisch opfferen / der doch in Psalmen spricht / Es sind alle thier in dem Wald mein / vnnd die tausent hauptvich in den bergen / Alles gefügel [gevögel] der bergen kenn ich / das gefügel deß Felds ist mir bekannt / wo mich hungerte / wurde ich dir es nitt sagen / dann der gantz erdboden ist mein / vnnd was daruff ist usw. Nun aber in disem dritten gebott leert der Herr gar eygentlich / wiewol mit wenig worten / wie er wölle verehret sein vnnd werden / Namlich mit heiligung seines Göttlichen nammens. Gottes Namm aber ist Gott selbs / sein herrligkeyt / waarheyt / allmächtigkeyt / vnnd gerechtigkeyt. Da wirt vns nun gebotten / das wir den Nammen Gottes nicht mißbrauchind / oder jhn nemmind zuo eytelen vnnd leichtferigen dingen / sonder das wir von Gott vnnd allen händlen Gottes herrlich / heiligklich vnnd ehrlich / haltind / gedenckind vnnd redind. Es hatt auch ein besonderen nachtruck auff jm / das er spricht / den Nammen deß Herren deines Gottes / als wölt er sagen / deines höchsten guots / deines schöpffers / erlösers vnnd Vatters. Er verbeüttet aber nicht einfalt / das man seinen Nammen gar nicht nennen sölle / sonder das wir jhn nicht eytel leichtferig oder vergeblich nemmind / das ist on not vnnd on nutz / wider vnnd on die ehr Gottes. Darumb wöllend wir nun besehen wie wir den Nammen Gottes heiligen vnd recht brauchen / vnd deßhalb auch Gott rechtgeschaffenlich verehren söllind.

Erstlich so söllend wir von Gott halten als von dem obersten guot / vnnd vnerschöpfften schatz aller güetteren / als dessen will gegen vnns überauß guot vnnd gantz vätterlich ist / der da wil vnnd begärt / das alle menschen sälig werdind vnnd zuo erkanntnuß der waarheyt kömmind / deß gerichte alle billich vnnd gerecht / dessen werck gantz fürträffenlich / vnnd dessen wort die einig waarheyt sind. Darnach söllend wir disen heiligen nammen deß Herren anrüeffen in allen vnseren nöten vnnd anligen / von jhm allein sollend wir

LVII. / 57a

begären was wir bedörffend an leyb vnnd an seel. Jm söllend wir alle zeyt lob vnd danck sagen vmb seine guothaten die er vns thuot / dann alles guots das wir menschen alle haben vnd vberkommend / das habend wir von niemand anders dann auß dem brunnen seiner Göttlichen gnaden. Dise eer muoß man Gott allweg allein zuoschreiben. Jtem so wir durch widerwertigkeyt vnnd trüebsal geängstiget werdend / so söllend wir nit murmlen [murren] wider den guoten vnd gnedigen willen / auch wider die gerechten gericht Gottes / sonder wir söllend vil mehr gedultig sein / vnd vns demüetigen vnder der gewaltigen vnd vätterlichen hand Gottes / vnd mit Dauiden schreyen / Herr es ist mir guot / das du mich gedemüetiget hast. Wir sollend auch Gott nichts fürschreiben / sonder vns allweg gantz vnd gar jhm vnd seinem heiligen vnnd gerechten willen vnderwerffen. Jtem wir sollend jhm in allen dingen die eer geben / sein nammen vnnd leer bekennen vnd veriehen [-] vor künigen vnd fürsten / ja vor allen menschen der gantzen wält / so offt es die notturfft vnnd Gottes eer erforderet. Da söllend wir vns Gottes vnsers vatters / seiner waarheit vnnd glaubens nicht schämmen / wir söllend vns auch nicht beschämmen Christi vnsers erlösers vnd seines creützes. Beschämmen söllend wir vns aber der jrrthuomb / der abgötterey / der wält / vnd aller eytelkeyt / luginen vnd boßheit. Wir söllend auch vom wort vnd von den wercken Gottes eerlich vnd Christenlich reden vnd halten / Gottes gesatzt sol vns heilig vnd hoch / das Euangelium teür vnd werd / vnd die leer der heiligen Ertzuätteren / Propheten vnd Apostlen hochgeachtet lieb vnnd angenem sein. Wir söllend den nammen deß Herren vnsers Gottes nimmer in mund nemmen one grosse vrsachen. Wir söllend nit schweeren / fluochen oder liegen vnder dem nammen Gottes / wir söllend Gottes wort vnd nammen nicht brauchen / zuo zauberey / gauglerey / vnd sägnen [sägen] / dann mit dem wirdt der nam Gottes gar größlich gelesteret. Wir söllend auch steyff vnd vest halten / was wir bey dem nammen deß ewigen Gottes schweerend. Wir söllend warhafft vnd auffrecht sein in allen dingen / damit so die wält in vns ein sölche hochhaltung vnd heiligung deß nammens Gottes sicht / vnseren vatter preyse der in himmlen ist. Das ist der recht vnd Christenlich brauch deß nammens Gottes / vnnd Gottes wolgefelliger Gottsdienst.

Dargegen aber mißbrauchend wir den nammen Gottes in mancherley wäg. Erstlich so vnsere hertzen kein forcht vnd scheühen gegen Gott tragend / so wir von den gerichten vnd vrtheilen Gottes / von seim wort vnd gesatzt vnzimlich / leichtfertig / schantlich vnnd lesterlich redend / Jtem so wir die wort Gottes leichtfertigklich brauchend / vnd auff andere ding ziehend / dann es sein sol / vnd also die geschrifft in ein groben vnerbaren verstand zühend usw. Deßgleich so entheiligendt wir den nammen deß Herren vnsers Gottes / wenn wir jn nit anrüeffend / sonder vns zuo weiß nit was Götteren keerend / zuo menschen hilff / vnd bösen künsten / zuo verbottnen dingen / zuon götzen / zur zauberey / welchs fürnemlich denn zuo mal beschicht / wenn wir vonn wegen vnser sünden / oder so vns sonst Gott probieren vnd bewären wil / in vnfal kömend / vnd darinnen wider Gott murmlend [murren] / seine gericht vnnd vrtheil scheltend / vnnd also vndultigklich vnd mit lesterung Gottes das tragend / das wir aber billich vnd wol verdient leydend. Dahär dann auch gehört / das etliche vnflät / den aller heiligesten nammen Gottes brauchend zuo vnerberer holdschafft [bulschafft] / item verdorbne oder gestolne ding wider zuo erlangen vnnd zuo finden. Jtem wenn wir jm nit in allen dingen alle eer zuoschreibend / Also so etwas guots durch vns beschehen ist / oder etwas löblichs in vns ist / vnd wir vns selbs das selbig / oder zum wenigsten ein theil daran zuoschreibend vnd zuo mässend / vnnd es nit alles überal Gott zuogebend /

LVIIv. / 57b

der ein schaffer ist alles guoten / so befleckend wir den nammen Gottes / den man allein loben vnnd preysen soll inn die ewigkeyt. Jtem so wir vnns deß Herren verlaugnend / vnns schämmend seiner Euangelischen leer / vnnd das vonn wegen diser schandtlichen vnnd lasterlichen welt. So wir vnns auch mitt vnerbarem wüestem leben besudlend / dardurch der Namm Gottes verlesteret / vnnd der nechst verergeret wirt / so brauchend wir ye den Nammen Gottes vergäblich / ja zuo schand vnnd schmach. Wir mißbrauchendt auch den Nammen Gottes im Eydschwur / wenn wir eintweders von leichtfertiger sachen wegen Eyd schweerend / oder das nit haltend das wir schweerend. Also auch / so wir inn vnnseren täglichen vnnd gemeynen reden jmmerdar vnnd vmb einen yeden habdanck [vmb einer jeden losen Sache willen] / eintwäders auß böser gewonheyt / oder auß zorn / den erschrocklichen Nammen Gottes nemmend vnnd darbey schweerend / oder sonst auch vil flüechen brauchend / bey den wunden / bey dem creütz vnd leiden deß Herren / bey dem himmel vnnd erden / bey den Sacramenten / bey den heiligen vnnd anderen himmelischen oder jridischen dingen. Es wirt auch der Namm Gottes verunehret mitt vnwaarheyt vnnd liegen / als so ein Prediger vnnd Leerer / inn glaubens sachen bezeüget vnnd fürgibt / Also hatt der Herr geredt / so doch der Herr söllichs nicht gesagt hatt / da wendet er den Nammen Gottes seiner triegerey für / vnnd betreügt die einfalten vnnder dem Nammen Gottes. Also so ein Oberkeyt sagt / aller gewallt ist von Gott / darnebend aber vnder dem schein deß Nammens Gottes den vnderthonen gewallt zuofüegt / vnnd nicht nach Oberkeits pflicht sonder tyrannisch handlet. Also so vnnder dem gemeynen man ye einer den anderen betreügt vnnder dem Nammen Gottes / mitt zuosagen kauffen vnnd verkauffen. Jtem auch so ein starcker bättler / der deß allmuosens nicht wärt ist / den Nammen Gottes zuo seim gnieß vnnd zuo seiner faulkeyt mißbraucht / vnnd was dergleichen stucken sind / Denn wär wolt alle weisen mögen erzellen / auff die der Namm Gottes verunehret vnnd entheiliget wirt? Da wir vnns nun hüetten söllend / das wir inn kein weiß noch wäg den Nammen Gottes schmähind / sonder vil mehr heiligind vnnd inn grossen ehren haltind.

Dann es volget inn den worten deß Herren / die straaff deren die den Nammen Gottes mißbrauchend vnnd schmähend / Dann er spricht / Gott wirt den nicht vnschuldig halten / vnnd vngestraafft lassen / der den Nammen deß Herren seines Gottes vergeblich nempt. Welche tröuwunng ob sie wol an jhr selbs grausam vnnd krefftig gnuog ist / die frommen abzuoschrecken vonn der schmähung deß Nammens Gottes / so wil ich doch auch ettliche exempel setzen / deren die von Gott gestraafft sind / vonn wegen das sie den Nammen Gottes geschmächt vnnd entheiliget habend. Dauid spricht / Die fräfler mögend vor dir nicht beston / du hassest alle die schalckheyt treibend / du bringst vmb die lugner usw. Dieweyl nun dem also / wie vil mehr dann wirdt der Herr verderben alle die gottslesterung redend / vnnd den heiligen Nammen Gottes mißbrauchend? Saul / dieweyl er in seiner letsten not den Herren nicht anrüefft / sonder die Häxen fraget / do kam es jhm darzuo / das er sich selbs erstach / vnnd dennocht vor seynem end sehen muoßt sein volck vnnd auch seine eygne Sün von den Philisteren vmbkommen vnnd erschlagen werden. Ananias log dem heiligen geist / vnnd entheiliget hiemitt den Nammen deß Herren / Darumb ward er mitt dem gähen todt geschlagen / vnnd fuor mitt grosser schmach vnnd schand zur Hellen. Sanherib lesteret den Nammen deß ewigen Gottes vor Hierusalem / aber Gott schluog jhm

LVIII. / 58a

gar bald seinen heerzeüg / vnnd ward er selbs von seinen eignen Sünen im Tempel seines abgotts erstochen vnnd vmbbracht. Jehoiachim vnnd Zedechias die Künig Juda entheiligetend den Nammen deß Herren / darumb wurdend sie von dem Nabuchodonosor dem Künig zuo Babel gefangen vnnd vmbbracht. Also wurdend auch Achab / vnnd Jesabel sein weyb / deßgleich die Pfaffen Baals im grund außgereüttet vonn dem Künig Jehu / darumb das sie vnnder dem schein vnnd Nammen Gottes vnnd der waaren Religion / den Nammen Gottes gelesteret vnnd verfolget hattend. Es wirt auch Leuit. am vier vnnd zweintzigsten Capitel[15] versteiniget / der den Nammen Gottes geschmächt vnnd gelesteret hat.

Auß der vrsach schreibt auch der Keyser Justinianus inn seinen Nouellis Constit. 77. den Burgeren zuo Constantinopel also. Dieweyl ettlich sind / die über anderen vnsaglichen muotwillen / auch grausamme wort vnnd schwüer von Gott außlassend / vnnd Gott hiemitt zuo zorn reitzend / so vermanend wir sölliche / das sie sich söllicher schandtlichen worten / auch deß schweerens es sey bey dem haupt vnnd haar / oder anderen dergleichen sachen entschlahind / Dann wenn die schmaachwort die den menschen begegnend nicht vngerochen bleibend / so ist der vil mehr straaffwürdig / der Gott lesteret. Vnd vonn söllicher sünden wegen kömmend theürinen / erdbidem vnnd pestilentzen. Darumb wöllend wir sie gewarnet haben / das sie sich vor söllichen lasteren hüettind / dann wo sie weytter darinnen über disere vnsere vermanung erfunden vnnd ergriffen wurdind / so werdend sie sich fürnemlich vnwirdig machen der liebe vnnd gnaden Gottes gegen den menschen / Darzuo söllend sie auch auß vnserem befälch nach jrem verdienen gestraafft werden. Dann wir habend vnserem Stattvogt befolhen sölliche überträtter zefahen / vnnd auff das höchest zestraaffen / damitt nicht auß kleinachtunng söllicher sünden vnnd verruochten lasteren / nicht allein dise Statt / sonnder auch das gantz Reich vonn Gott geplaget werde. Diß schreibt Justinianus. Darauß wir sehend / das daß grausam fluochen vnnd Gottslesteren / das so gar hatt überhand genommen / vnd das von wenigen oder gar nach keinen Oberkeyten gestraafft wirt / wie es billich solt / nicht den wenigesten theyl schuld tregt an den straaffen vnnd plagen die zuo diser zeyt über vnns gond. Dann es wirt der Namm deß ewig benedeyeten Gottes gemeynklich vonn yederman / hohen vnnd nideren / mann vnnd weyben / jungen vnnd alten dermaß geschmächt vnnd gelesteret / das ich nicht kan dencken das ye vonn anfang der Welt ein söllich Gottslesterlich volck gewesen sey / als yetz inn diser verruochten Welt ist. Darumb plaget vnns auch Gott mitt so grossen vnfälen vnnd straaffen / vnnd wirt nicht auffhören dieweyl wir nicht auffhörendt. Dann Gott ist waarhafft der da spricht / Sie werdind nicht vnschuldig sein / vnnd nicht vngestraffet bleiben / alle die den Nammen Gottes vergäblich nemmend. Da jhn aber dise nicht nun vergäblich nemmend / sonnder boßklich vnnd lesterlich schmähenndt vnnd schändend. Vnnd wölte Gott das die Oberkeytten die ehr vnnd den rechtenn dienst Gottes bey den jhren mitt grösserem ernnst fürdertind / oder wöltind sie ye so vnglöubig sein / das daß nicht möcht bey jhnen erhebt werden / das sie doch zum wenigesten nicht böser vnnd Gottloser wärind dann Caiaphas gewesen / welcher als er hort (wie ers meynt) den Nammen Gottes lesteren / zerreiß er sein kleyd vnnd schrey / Dieweyl er Gott gelesteret / so ist er deß tods schuldig. Darumb wenn die Christenlichen Oberkeiten das Gottslestern nit ernstlicher straffend / so gsich ich nit / das sie in dem fal vil besser sonder

LVIIIv. / 58b

wol böser sind dann Caiphas. Deßhalb so lasse eüwer lieb jren das wol zehertzen gan vnd behaltends eigentlich / das Gott waarhafft ist / vnd gwüßlich straffen wirt so man sein nammen entheiliget / sonderlich aber so man den selben so grob lesteret.

An disem ort muoß ich aber auch ettwas reden von dem schweeren oder von dem Eydschwuor / der da beschicht vnnder dem anrüeffen vnnd bezeügen deß Nammens Gottes. Jn welcher handlung vnd tractation [-] vil zuo erwägen vnnd zuo bedencken wirt sein. Dann erstlich / so ist es bey ettlichen im zweyfel ob man schweeren dörffe oder nitt dörffe / darumb das der Herr im Euangelio Matthei am fünfften Capitel[33] spricht / Jhr habend gehört das zuo den alten gesagt ist / Du solt nicht falsch schweeren oder fluochen / aber deine schwüer solt du dem Herren geben / Jch aber sag eüch / das jhr aller dingen nicht schweeren söllend usw. An welchem ort aber / der Herr das recht vnd alt gsatzt von dem schweeren nicht auffheben wil / sonder allein dasselbig außlegen vnnd zuo seinem rechten verstand widerumb bringen. Dann es was dozmal durch die falschen vnnd erdachten außlegungen der Phariseeren gar verduncklet vnd gefelscht / dann sie lartend das volck wol / das sie sich huotind vor falschem schweeren / aber darnebend achtetend sie nicht / der eytelen leichtferigen vnnd vnnützen täglichen schwüeren / vnnd vermeyntend es schüede [schadet] nichts / wenn schon einer schwüere bey dem himmel oder bey der erden usw. Darumb so erklärt der Herr das gesatzt seines vatters vnnd spricht / das alle schwüer verbotten sygind / ja die durch welche der Namm Gottes vergäblich braucht / vnnd ohne not geschworenn wirt.

Darnebend verdampt er den rechten Eydschwuor nicht / vnnd hebt jhn nit auff. Dann es ist gar ein grosser vnnderscheyd / zwüschend dem rechten vnnd gebürlichen Eydschwuor / vnnd den täglichen schwüeren / welche nichts anders dann flüech vnnd gottslesterungen / vnnd nicht nur vergäblich / sonder auch schädlich sind. Der Eydschwuor aber ist für sich selb guot vnnd notwenndig. Da verbeüttet nun das gesatzt Gottes kein ding das guot vnnd notwendig ist / darumb so verbeüttet es auch den Eydschwuor nicht / sonnder der Eydschwuor wirdt im gesatzt zuogelassen / allein wirdt das vnnütz vergäblich vnnd leichtfertig brauchen vnnd nemmen deß Nammens Gottes verbotten. So ist auch vnnser Herr Jesus Christus nicht kommen / das gesatzt auff zuoheben / sonnder zuo erfüllen / Darumb so hatt er an gemäldetem ort den Eydschwuor nicht verbotten / es wölte dann yemandt sagen das der Sun mitt seiner leer der leer deß Vatters zuo wider wäre / das aber ein vnnleydenliche lesterunng wäre beyde deß Vatters vnnd deß Suns. Darzuo / so schweert doch Gott selbst / das er freylich nicht thuon wurde / wenn Eydschweeren sünd wäre. Dann er spricht ye nach langer außlegung deß gesatztes / Sind heilig / dann auch ich heilig bin. Jtem Christus / Sind volkommen / wie auch eüwer himmelischer Vatter volkommen ist. Also läsend wir auch / das die aller fürträffenlichesten männer deß Alten vnnd Neüwen Testaments inn grossen vnnd wichtigen sachen bey dem anrüeffen vnnd bezeügen deß Nammens Gottes geschworen habendt / vnnd das one sünd. Darumb so ist der Eydschwuor durch das gesatzt Christi nicht auffgehebt noch verbotten / vnnd mögend Christen leüt wol eydschweeren vnnd auch anderen Eyd aufflegen. Vnnd ich gesich nicht wie der eines Christen Nammens wärdt ist / der nicht schweeren wil / wenn er recht vnnd ordenlich zum Eyd erforderet wirdt. Vonn disem allem aber hab

LIX. / 59a

ich inn eim anderen büechli wider die widertöuffer weytleuffiger geschriben.

Zum anderen so ist auch hie zuo bedencken / vonn was sachen wegen man schweeren sölle. Bey vilen oberkeiten vnd regimenten ist breüchlich / das man den eydt braucht zuo einer jeden sach wie leichtfertig sie joch seye / dahär dann kumpt / wie wir sehend / das der eydt nichts vnnd ring [gering] geachtet wirdt. Was ist das anders dann den nammen Gottes vergäblich nennen? Darumb söllend die oberkeiten hie lernen vnnd wüssen / das man den eydt nicht brauchen noch forderen sol / anderst dann in schwären sachen / die Gottes ehr / deß nechsten heil / vnd den gemeinen nutz anträffend. Vnnd ist guot das man eigentlich auffmercke inn der heiligen geschrifft / wenn vnnd warumb die geschworen habind / die Gottes volck gewesen sind. Abraham schweert / do er mit dem Künig Abimelech ein pündtnuß auffrichtet. Also hatt das gantz volck deß Herren vnder den künigen offt geschworen / so sie sich gegen Gott mit pündtnuß verstricktend zuo haltung der waaren religion. Also habend die alten etwan durch eydtschwüer sich grosser argwonen entschlagen / wie wir lesend im anderen buoch Mosis am zwey vnd zwentzigsten capitel[10] / Wenn jemands seinem nechsten / esel oder ochsen / oder schaf / oder jenen ein vich zuobehalten gibt / vnnd es stirbt jhm / oder wirdt beschediget / oder wirdt jhm hinweg getriben / das es niemands sicht / so sol mans vnder jhnen auff einen eydt deß Herren kommen lassen / das er nicht habe sein hand an seines nechsten hab gelegt / vnnd deß guotes herr sol es an nemmen / das es jhener nicht wider geben müesse usw. Darumb auch Paulus zun Hebreern am sechsten Capitel[16] spricht / die menschen schweerend bey einem grösseren dann sie sind / vnd der eyd ist das end alles haders zur befestung vnder jnen. Also sol nun auch ein oberkeyt den eyd brauchen / vnnd fleißig sorg haben das sie auch inn anderen sachen es seye eyd zuo geben oder zuo nemen ernstlich vnnd Gottsförchtigklich handle / das auch sie selbs die oberen fleißig haltind was sie geschworen / Jtem das sie den eyd nimmermer leichtfertigen leüthen vertruwind vnnd aufflegind / auch kein ding sonst so hoch schetzind vnd haltind als den eydt / vnd den allweg erst zuoletsten so sunst nichts helffen wil / brauchind / vnd das mit grosser reuerentz / auch die meineiden / vnnd überträtter deß eyds zum höchsten straffind. Wenn das geschech / so wurde der eyd beim gemeinen man nicht so leichtfertig gehalten werden. Vnnd wee allen oberkeyten wenn vonn jhr vngottsforcht vnnd hinleßige wegen der eyd verachtet wirt / dann der wirdt sie ohn allen zweifel ernstlich straffen / der hie sagt / Jch wil den nicht vnschuldig halten / vnnd deßhalb nicht vngestrafft lassen / der den nammen deß Herren vergeblich nent.

Zum dritten wöllen wir auch besehen was der eydschwuor seye. Der eydschwuor ist / *so wir die warheit vnserer worten mit anrüeffung vnnd bezeügung deß nammens Gottes bestetigend* [so wir mit anrüeffung vnnd bezeugung deß namens Gottes vnd mit auffgereckter hand gehn himmel / die warheit vnserer wort bestetigen]. Vnd ist deßhalb der eydschwuor weit vonn denen schwüeren dardurch Gott gelestert wirt / Jtem auch von denen flüechen / damit wir vnserem nechsten übels vnnd args wünschend. Dann dise schwüer vnd flüech sind nicht wärt das sie schwüer genent werdind. Dieweil aber das wörtli schweeren vil begreifft vnd sich weit außstreckt / so ist es nicht on vrsach geschehen / das man die rechten vnd Göttlichen schwüer bey den latineren [in der Latinischen sprache] nent vnd außstruckt mit dem wörtli / iusiurandum, das zuo eigentlichem teütsch heißt ein rächtschwuor. Dann das wörtli Ius, das da heißt Rächt / wirt hinzuogesetzt / darumb das diser schwuor dem rächten vnnd der gerächtigkeit zuogehört. Die bezeügung aber deß nammens Gottes begreifft auch ein verlüptnuß [verlobnuß] vnd anrüeffung Gottes / dann die gemein form deß eidschwuors ist die / dz wir sprechend / Jch wil diß oder das thuon oder reden warhafftig on allen trug vnd gfar als mir Gott

LIXv. / 59b

helff / Da vnderwerffend wir vns gantz vnnd gar dem zorn vnnd der straff Gottes / wenn wir nicht auffrecht vnnd waarhafft das redind oder handlind / das wir dann zuo reden oder zuo thuon verheissend. Das ist nun gar ein häfftige verlobung / da inn der welt nichts grössers vnd schwerers möcht erdacht werden. Dahin dienet auch die ceremoni die man beim eidschwuor braucht. Dann von je wälten här [von alters här] habend vnsere vätter geschworen mit auffgereckter hand gen himmel / dann in himmlen wonet der Herr vnser Gott. Mit welcher ceremoni wir bezeügend das wir mit vnseren gemüeteren als vil als im himmel seyend / vnd da vor Gottes augen vnd angesicht schweerind / wie wir vor den richteren die hand gen himmel auffstreckend. Ja wir bietend also zuo reden Gott die hand / vnd lobend damit die waarheit / so wir also schweerend bey dem Nammen Gottes. Also hatt auch Abraham der fürgeliebt freünd Gottes / vnd vatter aller glöubigen geschworen.

Hiebey bedarff es aber nit vil disputierens / ob man allein bey Gottes / oder auch bey der heiligen nammen vnd bey der bezeügung deß heiligen Euangelij den eid thuon sölle / dann es ist heiter vnd offenbar / das die glöubigen allein bey deß einigen / ewigen / vnnd aller höchsten Gottes nammen schweeren söllend. Von welchem wir heittere gebott deß Herren habend / die vns eins theils heissend schweeren bey dem nammen deß Herren / anders theils vns aber verbietend bey dem nammen anderer Götteren zuo schweeren. Als wie vom ersten stadt Deut. am vj[13]. vnd x[20]. Cap. Du solt den Herren deinen Gott fürchten / jm dienen / vnd bey seinem nammen schweeren. Jtem im Propheten Esaia am xlv[23]. Cap. spricht Gott / Es werdend sich mir alle knüw bucken [beugen] vnd alle zungen bey mir schweeren. Jtem im lxv. Capitel / welcher sich auff erden benedyen / wirdt sich inn dem waaren Gott benedyen / vnnd welcher auff erden geeydet / der wirt inn dem waaren Gott geeydet usw. Also vom anderen findstu dise zeügknuß der geschrifft Exodi am drey vnd zwentzigsten Capitel[24]. Spricht Gott / Alles was ich euch gesagt hab / das haltend / vnnd anderer Götter nammen söllend jhr nit gedencken / vnd auß eüwerem mund söllend sie nit gehört werden. Also spricht auch Josue am xxiij. Cap[7]. So jhr kommen werdend vnder die völcker / so gedenckend vnd schweerend nit bey dem nammen jrer götteren / vereerend die auch nit vnd bättend sie nit an. Es spricht auch Gott Jer. am v. Cap[7]. Deine kinder habend mich verlassen / vnd habend geschworen bey denen die nit Götter sind / vnnd wiewol sie mir in eyd verpflicht sind gewesen / habend sie doch gEbrächet usw. Also füert der Prophet Sophonias den Herren yn / das er spricht / Jch wil außreütten vnd verderben die / die bey dem Herren / vnd darbey auch bey jrem Malchom schweerend / das ist bey jrem Künig oder Patronen. Vnd sölichs außreütten tröwt der Herr nit vergeben vnd one vrsach denen die also bey den creaturen schweerend / Dann der eydschwuor ist / die höchste eer / die allein Gott zuogehört / mag vnd sol deßhalb keinem anderen zuogeben werden. Dann wir schweerend bey dem aller höchsten / den wir glaubend vnd haltend sein das oberst guot / ein gäber alles guoten / vnd straffer alles bösen. Wenn wir dann auch bey anderen dann allein bey Gott schweerend / so machend wir sie Gott gleich / vnd gäbend jnen Göttliche ehr zuo. Darumb hatt der heilig marterer vnnd diener Christi Policarpus ee sich lassen verbrennen / dann er gewöllen habe bey dem Glück deß keisers schweeren / wie man die histori findet bey dem Eusebio im iiij. buoch am xv. Capitel.

Zum vierdten aber müessend wir auch besehen wie man schweeren sölle / vnd wz zuo eim rechten waaren vnd guoten eidtschwuor gehöre. Das leert Jeremias da er spricht / du wirst schweeren der Herr läbt / in der warheit / in der billigkeit / vnd in der gerechtigkeit / vnd alle völcker werdend in jm gebenedeyet vnd frölich. Da werdend vier stuck

LX. / 60a

gesetzt / die zuo eim rechten billichen eidschwuor gehörend. Das erst das stadt / du wirst schweeren / der Herr läbt. Da wirt dz geleert / dauon ich erst geredt hab / namlich das man allein bey dem namen deß läbendigen Gotts schweeren sölle. Dann die alten hattend ein sölichen brauch zuo schweeren / das sie sprachend / so waar der Herr läbt / wie wir gsehend auß den schrifften der Propheten. Darumb so sollend wir bey keinem anderen schweeren dann bey Gott. Das ander stuck ist / das stadt / du wirst schweeren in der warheit. Damit wirt erforderet / das nit nur die zungen sonder auch das hertz schweere / das wir nit hernach sagind / die zung hat geschworen / aber dz hertz nit. Darumb sollend wir auffrecht schweeren / one trug / nicht luginen oder gfar im schweeren brauchen. Darumb brauchend wir teütschen auch das wörtli / das wir sagend / on alle gfärd / oder ohn gfärdt / das ist / ich wil kein gfar noch trug hierinn brauchen / sonder einfaltig vnd waarhafftigklich handlen. Beim Aulo Gellio im vij. buoch Noct. Att. im xviij. Capitel / findt man (wär wil) ein exempel eines wunderbaren / truglichen vnd lugenhafften eidschwuors. Das dritt stuck aber ist das stadt / du wirst schweeren / inn der billigkeit / oder inn vrtheil / das ist mit vnderscheid / besinntlich vnd bedachtlich / nicht fräfenlich / oder leichtfertig / sonder wol bedacht / vmbsichtigklich / mit eigentlicher erwegung aller dingen / vnnd allein so es nutz vnd notwendig ist. Das vierdte stuck ist das / das stadt / vnd in der gerechtigkeyt / das namlich vnser eid nicht seye wider billichs vnd rechts / das wir nicht sündind wider die gerechtigkeyt / die Gott vnd dem menschen zuogibt / was eim jeden zuogehört / das auch der schwuor nicht zuowider seye der liebe Gottes vnd deß nechsten.

Also hatt euwer lieb in disen kurtzen worten eigentlich außtruckt von Gott selbs / wie wir schweeren söllind / vnd wie die rechten schwüer sein söllind / vnnd was darzuo gehöre. So wir nun schweerend das disen von Gott fürgeschribnen stücklinen zuo wider ist / so sind vnsere eid vnnd schwüer nicht recht / vnnd so wir sie auch dannethin wöltind halten / so wurdind wir Gott vbel erzürnen.

Darumb entstat hie die frag / ob man die eid die vnrecht vnbillich böß vnnd wider Gott sind / halten sölle oder nit / namlich so dem eid oder glüpt wider Gott / wider den waaren glauben / wider das wort Gottes / vnd wider das heil deß rächten were? Da ist nun ein gemeine antwort / die aber waarhafftig vnd in exemplen der heiligen geschrifft wol gegründt / vnd der warheit in allweg gemäß ist / das man spricht / Wenn jemand wurde schweeren dz dem glauben vnd der liebe zuo wider ist / vnd daruß grössers vbel käme / so mans hielte / so sol man sölichen schwuor vil mee enderen dann halten. Darumb spricht auch der heilig Ambrosius / Es ist etwan zun zeyten wider die billigkeit / vnd wider das recht / den eid halten den man thon hat / Als wie man sicht im exempel Herodis. Vnd Jsidorus. Hast du etwas böses verheissen / so halts nit / hast du etwas schantlichs verlobt / so änder dein fürnemmen / Thuo nit / was du vnfürsichtigklich gelobt hast / Es ist ein vngöttliche verheissung / die on sünd vnnd laster nit mag gehalten werden. Vnd weiter spricht gemelter Jsidorus. Man sol den schwuor nit halten / mit dem man auß vnfürsichtigkeit etwas böses zuosagt vnd schwert. Als so einer / einer Ehbrecherin zuosagte vnd gelobte / das er sie nimmer verlassen wölte / Da ist es das leidlicher das er die Zuosagung nicht halte / dann dz er in der huorery vnd in dem Ehbruch verharrete. So spricht auch Beda / So es sich begebe das wir vnbesinnlich etwas schwüerind / darauß aber ergers entstüende so wir es hieltind / so söllend wir wüssen / das wir sölichs frey mit besserem rath änderen mögend / vnd ist das wäger [besser] / so vns die not treibt / das wir diß fals meineidig werdind / dann das wir vns in ein grösser laster begebind / damit wir

LXv. / 60b

dem meineid entrinnen möchtind. Dann Dauid ob er schon bey Gott geschworen hatt / er welte den dorechten menschen den Nabal vmbbringen / noch stuond er daruon / vnd stackt das schwerdt ein / so bald die vernünfftig fraw Abigail sich darin legt vnd darfür bat. Er macht auch jm selbs kein gewüßne vmb das er disen sein schwuor brach vnd nit hielt. Also spricht auch Augustinus / das Dauid sein schwuor bluot zuouergiessen nit gehalten habe / das seye besser gewesen dann hette er jn gehalten. Vnbedachtlich vnd fräfenlich habe er geschworen / aber mit grösserer Gottsforcht habe er den schwuor nit gehalten. Wär also schweere / der sünde / wer aber solche schwüer endere / der thüe wol vnd recht / wers nit endere / der sünde zwifalt / eins theils / das er vnrecht schweere / anders theils das er auch dannethin thüe / das er nit thuon solt. Diß alles sind nit mein / sonder ander leüthen wort / die on zweiffel niemand anders halte dann für recht vnd guot. Auß welchen nun euwer lieb auch wol verston kan vnd mercken / was man von den closter glüpten halten sölle vnd denen so die priester thuon müessend / das sie reinigkeit so vil menschliche blödigkeit zuolasse halten wöllind. Dann der heilig Apostel Paulus sagt / es seye besser sich vereelichen / dann gebränt werden [brunst leiden]. Darumb so ist es weger / man halte die narrechte schädlichen vnd vnreinen glüpt / die nun zuo vil vnreinigkeit vrsachen vnd anlaß gäbend / nit / dann das man vnder dem schein deß glüpts vnd der haltung sie dennocht nit halte vnd vnerbar läbe.

Zum fünfften vnd zum letsten aber / so sind vermant das jhr euch fleissend alle den eid mit höchster Gottsforcht vnd allem ernst zuo halten / vnd gedenckend auch was belonung von Gott denen bereitet seye / die den eid mit trewen haltend wie sie sollen. Dann ist vns Gott lieb / begärend wir auch seinen nammen zuo heiligen / haltend wir den waren Gott für den waaren Gott / erkennend wir jhn auch für vnseren Gott / vnd wöllend wir das er vns gnedig vnnd barmhertzig seye / vns allweg hälffe vnd beystande / so werdend wir mit allem fleiß vnd ernst müessen luogen [zusehen] / das wir nit schweerend anders dann mit grosser Gottsforcht / vnd das wir dannethin auch das wir geschworen habend / mit gleicher Gottsforcht trewlich vnd auffrichtig haltind vnd leistind. Dann wo wir sölichs nit thuond / so sind Gottes tröwungen verhanden / vnd sein erschröckenlich vnd gerecht gericht von himmel über vns bereitet. Es werdend vns auch die Heiden am tag deß gerichts verdammen. Dann wie die historien zeügend / so habend die Saguntiner / die Numantier / vnd die Petiliner / ee wöllen verbrent werden / vnd hunger sterben / dann das sie jr treweid vnd ehr brechen weltind. So lautend alle satzungen der aller fürtreffenlichsten vnd weisesten fürsten herren vnd völckeren die je gewesen / das man die meineiden am läben straffen sölle. Dann wer wil erzellen mögen was ergernuß / was zerrüttung vnd übels entstande / so man den eid nit haltet? Dardurch werdend verwirt zerstört zuo nicht vnnd zuo grund gerichtet alle guoten ordnungen / der gemein wolstand der kirchen vnd auch deß eusseren regiments. Darumb wer das gemein regiment lieb hat / wem das heil seines vatterlands angelegen / wer die kirchen vnd jhr heyl vnnd wolfart suocht vnd liebet / der wirt vnd sol vor allen dingen daran sein / das der eid mit Gottsforcht vnd mit allen treüwen gehalten werde. Es ist auch gar ein herrliche vnd grosse belonung allen denen von Gott verheissen / die den eid hoch vnnd mit treüwen haltend. Dann wie auch doben gemeldet / so spricht Jeremias / alle völcker werdend in jhm gebenedeyet vnd frölich. Da wil er sagen / Es wirt ein söliche glücksäligkeit vnd ein sölcher überfluß aller guoten dingen von Gott über das Judisch volck außgossen werden / so es recht vnd Gottseligklich schweert / das welcher fürohin dem anderen etwas guots wirt wöllen wünschen / der wirt sagen / Gott benedeye dich / wie er vor zeyten die Juden gebenedeyet hat. Jtem / welcher einen wirdt wöllen loben / der wirt sagen / er seye wie die Jsraeliter.

LXI. / 61a

Darumb so ist gwüß / das die mit allerley güeteren werdend begabet werden / vnd alles lobs wärt sein / die dz Sacrament deß Eyds hoch vnd mit treüwen haltend. Darumb bitt ich eüch lieben brüeder / lassend vns geflissen sein den nammen deß Herren zuo heiligen / Lassend vns auch bey disem dritten gebott ernstlich bätten / nach der leer vnsers Herren Jesu Christi / vnnd sprächen / O vnser vatter / der du bist inn himmlen / dein namm werde geheiliget oder heiligklich verehret usw. Dir sey lob vnd ehr inn ewigkeyt / Amen.

14.Pr.Die Viertzehende Predig.

Von dem vierten gebott der ersten Tafel / Namlich von der haltung deß Sabbaths.

1 Das vierdt gebott der ersten Tafel lauttet vonn wort zewort also. Gedenck deß Sabbath tags das du jn heiligest / sechs tag solt du arbeiten / vnnd alle deine werck schaffen / aber am sibenden tag ist der Sabbath deß Herren deines Gotts / daran du kein geschäfft thuon solt / weder du noch dein Sun / noch dein Tochter / noch dein knächt / noch dein Magt / noch dein vich / noch der frömbdling der innerthalb deinen thoren ist / Dann sechs tag hatt der Herr himmel vnd erden gmachet / dz Meer vnd alles dz darinnen ist / vnd ruowet am sibenden tag / darumb freyet der Herr den Sabbath vnd heilget jhn.

2 Die ordnung der gebotten Gottes ist gar schön ordenlich vnd natürlich / dann im ersten gebott hat der Herr geleert / wie man jn sölle lieben vnd jm vertrauwen. Jm andern hat er abgschafft vnd verbotten die götzen / vnd allen falschen gottsdienst. Jm dritten hat er angefangen die menschen zuo berichten deß waren vnd rechten gottsdiensts / welcher stadt in heiligung deß nammens Gottes / das wir den anrüeffind / Jtem mit glauben von hertzen bekennind / auch hoch teür vnd werd von jm haltind vnd redind. Nun aber in disem vierten gebott leert er vns zwar auch Gott verehren / vnd den nammen Gottes heiligen / doch so facht er yetz an minder vnd mer handlen vom aussern gottsdienst. Wiewol dz gebott auch den jnnern gotsdienst antrifft / dann der Sabbath stadt zum teyl im jnnern zum teyl im aussern gottsdienst. Darumb so müessend wir besehen was wir vom Sabbath halten söllind / vnd wie verr [fern] sich der brauch deß Sabbaths strecke / vnd wie wir mit der haltung deß Sabbaths Gott verehrind. Das wörtli Sabbath heißt eigenlich ruowen vnd feyren von aussern arbeytsammen [knechtlichen] wercken. Vnd ist aber zemercken / dz der Herr nit einfaltig [-] spricht / Du solt den Sabbath heiligen / sonder / biß eingedenck dz du den Sabbath heiligist / darmit anzeigt wirt / dz die einsatzung deß Sabbaths nit ein neüw gebott sey / sonder ein alts ding / dz Gott den vättern vor langist befolhen / nun aber wider äfere [widerhole] vnd erneüwere er hiemit dem volck Jsrael disen vralten brauch. Die summ aber diß gantzen gebotts ist / das man den Sabbath heilige. Dise summ erklärt vnd legt er selb weitleüffiger auß / mitt dem das er die tag außtruckenlich zellt / auch das gantz haußgesind nammset / dem auch der Sabbath zuo heiligen vnd zuohalten befolhen wirt. Zum letsten wirt auch hinzuo gesetzt das exempel Gottes / wie auch der selb geruowet / vnd den Sabbath geheiliget habe.

4 So vil aber den Sabbath an jm selb belanget / so begreifft er vil in sich. Dann zum ersten so gedenckt die geschrifft eines geistlichen vnd jmmerwärenden Sabbaths / der ist / so wir feyrend von den knächtlichen wärcken / das ist von sünden / vnd vnseren willen in vns nit lassend meyster sein / auch nitt vnsere werck außrichtend / sonder von denen abstond / vnnd Gott in vns lassend würcken / vnd

LXIv. / 61b

vnsere leib also der regierung deß geists vnderwerffend. Auff disen geistlichen Sabbath volget zeletst der ewig Sabbath / dz ist die ewig ruow. Von welchem Esaias im lviij. vnd im lxvj cap. nach der lenge redt / vnd Paulus zun Hebr. am iiij. cap. Mit disem Sabbath / ehrend wir Gott recht vnd waarhafftigklich / so wir also von allem bösen ruowend vnd abstond / vnd dem heiligen geist Gottes gehorsam sind / vnd vns also fleißig üebend in guoten wercken. Von der Allegory [geistlichen deutung] aber deß Sabbaths / oder von disem geistlichen Sabbath ist nit mein fürnemmen an disem ort vil zereden vnd zedisputieren / acht auch nit das es besonders notwendig / allein lassend vns lieben brüeder dessen fleissen / das wir in disen vnseren stärblichen leiben Gott ein stäten wolgefelligen Sabbath heiligind mitt vnabläßlichem fleiß vnd üebung aller heiligkeyt.

6 Demnach aber so ist der Sabbath ein aussere ordnung der Religion. Dann es wil der Herr in disem gebott leeren ein aussere religion vnd ausseren gottsdienst / in dem wir vns alle üebind. Diser ausser gottsdienst kan nit on gwüsse zeit sein. Darumb so ordnet der Herr ein gwüß zeit / in dem wir vns enthaltind von ausseren vnnd leiblichen wercken / vnnd den geistlichen üebungen obligind. Dann von der vrsach wegen wirt die ausser ruow befolhen vnnd gebotten / darmitt die geistlich üebung / durch die ausseren leiblichen werck nicht verhinderet werde. Die geistlich üebung aber / wie die von den alten vätteren am Sabbath braucht ward / stuond inn vier dingen fürnemlich / Namlich im läsen vnd gmeinem offenlichen außlegen vnd zuohören der heiligen geschrifft / Jtem im anrüeffen vnd gemeynen gebätten / Jn den opfferen vnd üebungen der Sacramenten / auch im auffnemmen deß allmuosens vnd üebung der wolthat gegen den armen / in disen dingen stuond die ausser haltung deß Sabbaths. Also hielt das volck feyrtag / kam zuosammen in die gemeynd / da lasend die Propheten vnd die priester dem volck vor das wort deß Herren / legtend es dann auch auß / vnd vnderwisends in aller waaren Gottsäligkeit. Darnach bättetend sie gemeynlich mit einanderen für alles anligen / lobtend auch den Nammen deß Herren / vnd dancktend jm vmb alle guotthaten. Darzuo so opffertend sie nach der fürgeschrifft deß worts Gottes / vnd begiengend also die geheymnussen vnd Sacrament deß erlösers Christi / vnd üebtend jhren glauben darinn / vereinbartend [vereinigten] sich auch mitt einanderen ob denen opfferen / vnd wurdend darbey jres ampts erinneret / das namlich auch sie sich selbs also Gott opffertind zuo einem läbendingen opffer. Vnnd zuoletst / so steürtend sie auch inn der gemeynd reichlich zuosammen jhre gaaben zum brauch vnnd erhaltung der kirchen / dann die gaaben wurdend braucht zur notturfft der kirchen / vnd außtheylt den dieneren vnd den armen. Das warend nun heilige vnnd Gottssälige werck / mitt denen / dieweyl sie es auß glauben vnd liebe thetend / heiligetend sie den Sabbath / vnnd den Nammen deß Herren / das ist / sie thettend am Sabbath sölliche werck / durch die der Namm Gottes geheiliget ward / die auch jhnen ein ehr vnnd zier / vnnd waare heilige Gottgefellige werck warend. Wer wil / der findt dessen ein heiter vnd schön exempel / das der Sabbath vnnd feyrtag also gehalten / Nehemie am achtenden Capitel / Dann da lasend die Priester das wort deß Herren vnd legtends dem volck auß / lobtend den Nammen deß Herren / vnnd bättetend mitt dem volck / opffertend vnd üebtend gemeyne freygäbe vnnd wolthat / vnd hieltend sich also in allen dingen heiligklich vnd Gottsdächtig.

7 Damitt aber niemandt sagen möchte / auß müeßig gan kumpt nichts guots. Jtem / Jch muoß wercken das ich mich möge erneeren / das ich nicht hungers sterb / vnnd mein haußgesind zegrund richte / So verantworttet der Herr söllichs / als wölte er sagen / dir ist zeits gnuog zewercken nachgelassen / darinn du dir vnd deinem gesind narung überkommen magst / dann sechs solt du arbeiten /

LXII. / 62a

Gott erforderet allein den sibenden tag / das man jm den zuo einer heiligen ruow heilige. Ein yetliche wochen hat siben tag / auß disen siben tagen aber begärt der Herr allein einen den man jm gäbe. Darab kan sich niemand klagen / das Gott vnfrüntlich vnd vnzimlich mit jhm handle / dann es wirt doch ye vil mer zeits der arbeyt gelassen / dann der heiligen ruow zuogeben werde. Darzuo so ist auch Gott / der dise ruow haben wil / ein schöpffer Herr vnd vatter vnser aller.

8 Auff das heißt auch Gott / das ein yeder dise ruow / dise disciplin [zucht] vnd ordnung vnd disen ausseren gottsdienst auch in seinem gantzen haußgesind halte. Darauß wir lernend / das es eins jeden guoten haußvatters ampt ist / dz er sein gantz haußgsind darzuo halte / das es den Sabbath heilige / dz ist die guoten werck daran thüege / die wir vor erzellt hand. Dieweil auch der Herr deß menschen art weißt vnd erkennt / das er gemeynlich wo er gewallt vnd zuogebieten hat rauch vnd vnmilt ist / damit die haußvätter die jren nit zesträng vnd zerauch haltind vnd sie verhinderind an der haltung deß Sabbats / so gebeütet er also mit heiteren außtruckten worten vnd eigentlicher erzellung der glideren deß haußgesinds / das die haußvätter jrem haußgesind vnd allen denen die in jr verwaltung sind / ruow laßind / damit sie auch den heiligen üebungen deß Sabbaths obligen mögind. Darumb er auch den frömbdling nit außschleüßt oder außnimpt / dann er wil nit das die regel gälte / die etlich liederlich leüt gemeynlich brauchend / die da sagend / der glaub vnd die religion sol frey sein / man sol niemand zum glauben zwingen usw. Dann es gebeütet Gott hie / das man auch den frömbdling der jnnert den thoren / das ist in dem gebiet vnnd verwaltung deß volcks Gottes wonet / zuo haltung deß Sabbathtags halten sölle.

9 Die ruow aber vnd das müeßig gan gebeüttet Gott nit von deß müeßiggangs selbs wegen / dann müeßig gon ist nie fast loblich gewesen / sonder von diser vrsach wegen / Er wil das gwüsse zeit vnd ort der religion bestimpt sygind / Dann die mit ausseren geschäfften beladen mögend der religion nit obligen. Der / den sein Herr oder meister über fäld schickt / oder der etwan seinem Herren deß gwerbs am märckt muoß auß warten / Jtem der im Tänn tröschet / oder der auff dem fäld wärcket / oder in der Schmitten am hammer stadt / oder schuoch vnd hosen näyen muoß usw. der kan nit zur heiligen gmeynd vnnd versamlung kommen / der kan das wort Gottes nit hören / der kan mit der gemeynd nitt bätten / oder die Sacrament mit jren üeben vnd begon. Darumb so erfordert der glaub vnd die liebe von dir / das du deinen diensten vnnd deinem haußgesind auch ruow gäbist / vnd sie laßist zuo söllichen dingen kommen. Ja es wil auch Gott / das man die faulen vnd hinläßigen zuo sölichen nutzlichen vnd heiligen üebungen auffmane vnd treibe. Darzuo so wil er auch hiemit den arbeitenden ein erquickung machen / dann was nit zun zeytten auch sein ruow hatt / das mag nicht lang harren noch wären. Darumb so befilcht der güetig Gott / der da seine Creaturen vnnd geschöpfften erhalten wil / das dise maß gehalten werde / damitt die geschöpfft Gottes nit zuo vil vnd zuo hert peinget vnd abtriben werde durch den geyt vnnd vnmilte der Herren. Darumb auch Moses im fünfften buoch da er die Zehen bott beschreibt / setzt er an dem ort (damitt er einen yeden zur erbärmbd vnnd mitleiden bewege ) hinzuo / vnnd biß eingedenck / das auch du etwann knächt bist gewesen in Egypten. Darumb so erforderet die liebe vnnd die menschligkeyt von vns die mäßigung / das wir die vnseren nit mit zevil arbeyt vbertreibend. Zuo dem so ist gwüß / das wenn die haußvätter jr haußgesind fleißig ziehend zur Gottsforcht / das sie damit jr eignen nutz vnd haußhaltung nit hinderend / sonder zum höchsten fürderend / denn was vngottsförchtiger diensten sind / die sind auch der merteil vntreüw vnd diebisch / welche aber Gottsförchtig sind / die sind treüw vnd haußlich. Es ist auch zemercken das er in erzellung deß haußgesinds /

LXIIv. / 62b

auch deß vichs gedenckt / nit allein darumb / das der mensch als vil als ein Gott deß vichs / das er es deßhalb freündtlich vnnd zimlich brauche / sonder auch fürnemlich darumb / das man das vich nit brauchen mag / ohn die arbeit vnd on den dienst der menschen. Vnd werdend also die menschen vonn wegen deß vichs abgezogen von der haltung deß Sabbaths. Darumb damit niemand dardurch abgezogen werde / so gebeütet der Herr heiter das wir auch dem vich sein ruow söllind lassen.

10 Zuo letst so setzt der Herr auch sein eigen exempel hinzuo / vnd leert damit den Sabbath heilig halten. Darumb / spricht er / sechs tag hatt der Herr den himmel vnd die erden gemachet / das meer vnd alles das darinnen ist / am sibenden tag aber hatt er geruowet / darumb sägnet der Herr den Sabbath vnd heiliget jhn. Sechs tag hatt Gott gearbeitet / vnd himmel / erden / das meer vnnd alles das drin ist geschaffen / aber am sibenden tag hat er geruowet vnd den selben auch geheiliget vnd außgesünderet zuo einem gewüssen ruowtag. Darumb man am sibenden tag bedencken sol die werck Gottes die er in sechs tagen erschaffen hat / vnd söllend alle kinder Gottes sich erinneren was grosser guothaten sie die gantz wochen von Gott empfangen / vnd söllend jm darbey danck sagen / jn loben / vnd jn lernen auß seinen wercken erkennen. Wir söllend jm auch heiligen vnsere leib vnd seelen / auch all vnsere wort vnd werck. Vnnd wie Gott wol geruowet hatt am sibenden tag vonn der schöpffung / aber darumb nicht auffgehört alle ding zuo erhalten / Also söllend auch wir ruowen vonn eüsseren arbeitsamen wercken / doch darnebend nit vnderlassen die werck die da gehörend zum dienst Gottes vnd zur wolthat deß nechsten. Wie auch Gottes ruow denen dingen die er erschaffen hat nicht nachteilig noch schedlich ist gewesen / also wirt es auch vnseren sachen nicht schädlich noch nachteilig sein / wenn wir schon ein tag feyrend vnd den Göttlichen dingen obligend / dann darumb stadt / das der Herr den Sabbath gesegnet habe. Darumb wil er auch dich vnd dein hauß / vnd alle deine sachen vnd gewärb vnd handlungen sägnen / so du den Sabbath deß Herren heiligest / das ist / die werck thuost die Gott gebeütet das wir sie am Sabbath thüegind. Darumb jrrend die gröblich / die die ruow vnd haltung deß Sabbaths verachtend / vnd es ein vnnützes müeßiggan nennend / vnnd am Sabbath äben werckend wie an anderen wercktagen / vnd zuo schirm dessen die notwendigkeit der narung vnd die fürsorge für jr haußgesind fürwendend.

12 Sölichs alles aber das jetz vom Sabbath geredt / dienet auch vns vnd vnseren kirchen / vnd sol darauff gezogen werden. Dann so vil den geistlichen Sabbath belanget / so ist offenbar / das der besonders vnd vorauß den Christen gebotten vnd befolhen ist. So vil aber den anderen ausseren Sabbath antrifft / so ist kein zweyfel / dann das der güetig Gott wil / das auch inn vnseren kirchen / gleich wie vor zeyten in den gemeinden der Juden / ein rechte ordnung gehalten werde / besonders in üebung der eusseren religion. Es ist wol der Sabbath ein ceremonialisch werck / so verr er an den opfferen vnnd anderen ceremonien der Juden hanget. So verr [ferne] aber durch den Sabbath die waar religion vnnd Gottsforcht pflantzet / auch rechte vnd guote ordnung inn der kirchen gehalten / vnd die liebe deß nechsten gefürderet wirdt / so ist er nicht ceremonialisch / sonder bleibt / vnd ist nit auffgehept. Dann man je auch auff den heutigen tag noch dem haußgsind schonen / erlabung lassen / vnnd es zur waaren religion ziehen muoß. So hat auch Christus vnser Herr / die gemeinen zuosamenkommnußen vnd versammlungen nit zerstört vnd auffgehept / sonder mit besonderem grossen fleyß zuosamen gehalten. Zuo sölichem muoß man aber nit nur ein gewüsses ort haben / sonder auch ein gewüsse zeyt / vnd deßhalb gemeine feyr vnd ruow. Darumb hat die alt Christenlich kirch den Sabbath geänderet (damit man nit meine dz sie

LXIII. / 63a

an die Jüdischen ceremonien gebunden wäre / vnd hat die versamlungen vnd die feyr gelegt vnd gehalten auff den nechsten tag nach dem Sabbath / welchen S. Johans diem Dominicam, das ist deß Herren tag nent / on zweifel von wegen der herrlichen vrstende [aufferstehung] deß Herren. Vnd wiewol man in keinen schrifften der Apostlen findt das der tag deß Herren gebotten seye zuohalten / noch dieweil in disem vierdten gebott der ersten tafel / so eigentlich die üebung der religion vnd deß eusseren Gottsdiensts befolhen wirt so wäre es dem glauben vnd der Christenlichen liebe vngemäß / wenn wir den tag nit wöltind heiligen / besonders dieweil der eusser Gottsdienst nit mag beston noch erhalten werden / man habe dann gewüsse tag vnd gemeine heilige feyr darzuo. Also ist meins bedunckens auch zuo halten von den anderen Fästen vnd feyrtagen deß Herren Christi / deren doch nit vil sind / an denen wir begond die gedechtnuß der geburt / der menschwerdung / der beschneydung / deß leydens / der vrstende [aufferstehung] vnd der aufffart vnsers Herren Jesu Christi gen himmel / vnd der sendung deß heiligen geists auff seine jünger vnd Apostel. Dann wiewol wir Christen fry / so ist doch die Christenlich freyheit / nit ein vnordnung vnd zerstörung guoter ordnungen vnd breüchen der kirchen / die da dienend die eer Gottes vnd die liebe deß nächsten zuo fürderen vnd zuo meeren. Darbey aber / dieweil der Herr wil das man jm allein Fäst halte vnd feyre / so kan ich mir die feyrtag vnnd Fäst die man den creaturen auffgericht hat nit [mit nichte] gefallen lassen. Dann dise eer vnd diser dienst gehört allein Gott zuo. Das aber Paulus sagt / Es sol euch niemand vrtheilen über eins theils tagen / namlich den feyrtagen / newmonaten oder Sabbathen / welchs der schatt ist von dem das zuokünfftig was. Jtem / Jr haltend tag vnd monat / vnd Fäst vnd jarzeyt / Jch förcht ewer [-] / das ich nit vileicht vmb sonst an euch gearbeitet habe / da wil ich kein Jüdische obseruation [breuche] inn der kirchen Christi auffrichten / damit habend wir nichts zuo schaffen / sonder das wil ich allein / das ein Christenliche obseruation [-] / oder üebung der Christenlichen religion frey gehalten werde.

16 Die heiligung aber vnnd üebung deß Sontags sol auch in vier dingen stan / die man in einer Christenlichen gemeind haben sol. Zum ersten so söllend die glöubigen alle zuo samen kommen in ein heilige gemeind vnd versamlung / inn deren sol man das Euangelium verkünden vnnd das wort Gottes außlegen / das die zuohörer darauß lärnind was sie von Gott halten / was deren ampt seye die Gott vereeren wöllen / vnnd wie sie den nammen Gottes heiligen söllind. Darnach sol man auch in der versamlung gebätt vnnd anrüeffungen Gottes halten für allerley anliggen vnd notwendigkeit / darbey man auch die güete deß Herren loben / vnd jm für seine tägliche vnnd vnaußsprechenlich gaben vnnd guothaten dancken sol. Zum dritten / so es dann die zeyt / gelegenheit vnnd gewonheit der kirchen erforderet / so sol man auch die Sacrament der kirchen ordenlich mit andacht begon. Dann das wirt sonderlich inn disem vierdten gebott von vns erforderet / das wir die heiligen Sacrament vnd die Christenlichen notwendigen vnd nutzbaren breüch der kirchen mit ernst vnnd grosser reuerentz vnd andacht üebind vnd begangind. Zuoletst / so sol auch in einer jeglichen Christenlichen gemeind gehalten werden / das allmuosen / freündtliche vnd wolthat gegen den armen. Da sol ein jeglicher lernen täglich besondere almuosen geben vnd barmhertzigkeyt den armen beweysen / darnebend aber auch in der gemeind freygäb sein / so offt es die notwendigkeyt der zeyt vnnd gelegenheyt der sachen erforderet. Vnnd mit disen stucken wirt auch der Sabbath vnd die ruow deß Herren inn der Christenlichen kirchen geheiliget / besonders so man sich auch den selben gantzen tag aller heiligkeyt vnd vnschuld befleyßt.

17 Dise disciplin vnd ordnung sol auch ein jeder haußuatter inn sein hauß bringen / nicht minder dann wie es vor zeyten bey den Juden gewesen / vnnd sie

LXIIIv. / 63b

vnder den seinen anrichten. Von welchem stuck aber nicht vonn nöten ist jetzund weiter zuo sagen / dieweil ich doben also hieuon geredt hab / das es auch der Christglöubigen kirchen dienet. Das ist aber auff diß mal hie bey zuo melden / das es einer Christenlichen oberkeit / vnd wo die seümig wäre / auch eines guoten haußuatters ampt ist / das die überträtter vnd verachter deß Sabbaths vnnd deß diensts Gottes gestrafft vnd züchtiget werdind. Also versteinigetend die oberen deß Jüdischen volcks mit sampt dem gantzen volck / auß Gottes befelch / den menschen der fräfenlich am Sabbath holtz auffgelesen hatt. Warumb solte dann nicht auch einer Christenlichen oberkeit gebüren an leyb vnnd läben oder am guot zuo straffen / die verachter der religion vnd deß waaren vnd rechten Gottsdiensts vnd deß Sabbaths? Warlich wo ein oberkeit jetz in der verderpten argen zeyt vnd wält so hinlässig liederlich vnnd voll ist / das sie zuo sölichem nit sicht / da sol doch zum wenigisten ein jeder haußuatter sorg haben / das er nicht ein gottloses gesind habe. Straffe sie wie er mag vnnd wie sich gebürt. Es mag auch ein jeder frommer haußuatter wenn er an orten vnnd enden ist / das er vnder abgöttischen leüthen muoß wonen / die keine rechte Christenliche versammlungen habend / noch wöllend haben / daheim in seim hauß ein heilige kirchen sammlen vnnd halten / Wie offenbar ist das Loth zuo Sodom / Abraham Jsaac vnnd Jacob im land Canaan vnnd in Egypten gethon habend. Das ist aber darnebend ein grosse sünd / vnd vnleydenliche trennung / das wenn man in stetten oder dörfferen rechte vnnd ordenliche versammlungen hat / das etlich nichts destminder in die winckel zuo samen schlieffend vnd die waar kirchen Gottes vnd gemeind der heiligen verachtend / wie dann die töuffer thuond.

18 Hierauff muoß ich auch mit kurtzen worten die mißbreuch deß Sabbaths erzellen / vnnd wie man wider dises gebott sünde. Erstlich so sündend hie / die sich nit enthaltend von bösen wercken vnd thaten / sonder die heilig ruow vnd feyr zuo anreitzung deß fleischs vnd aller wollüsten mißbrauchend. Dann söliche leüth feyrend wol Gott / darnebend aber werckend sie dem teüffel / mit spilen / prassen / tantzen / vnd anderen leichtfertigkeiten diser wält / mit welchen wir nit nur von der gemeind Gottes abzogen werdend / sonder befleckend vnd geschendend auch vnsere leib die wir heiligen söltend. Es sündend auch hiewider alle die so eintweders jhr hantwerck brauchend am Sabbath / oder am beth liggend schlaffen biß wie lang inn tag hinein / damit sie sich der gemeind vnnd der kirchen versaumend. Es sündend auch / welche jhre dienst eintweders durch auffgelegte arbeit / oder inn ander wäg vom dienst Gottes abziehend / vnnd andere ding höher haltend dann den selben. Deßgleich sündend auch hiewider für andere auß / welche nit nur den Sabbath nit heiligend / sonder auch anderen mit jhren bösen exempel vnd spottworten vrsach gäbend alle göttliche ding zuo verachten / als die / so die breuch der kirchen / den dienst deß worts / die diener / die schuolen / vnd alle guote studia verspottend / außrichtend vnd verachtend. Es sündend auch vatter vnd muoter / so sie nit fleissig sind bey den jren die heiligung deß Sabbaths an zuorichten vnd ins werck zuo bringen. Vnd ist ein heitere zeügnuß vnd anzeigung einer grossen verruochte vnnd verachtung Gottes / so jemand die haltung vnnd heiligung deß Sabbaths verachtet. Darumb hat auch die heiligung deß Sabbaths im wort Gottes grosse verheissungen / vnd die verachtung vnd überträttung grosse tröwungen / wie das ewer lieb verston wirdt auß den worten deß Propheten Jeremie / der in seiner prophecey am siebentzehenden Capitel also spricht / Weyter hat der Herr also zuo mir geredt / Gang vnd stell dich vnder das thor dadurch das volck vnd die Künig Juda auß vnnd ein gond / ja vnder alle thor Jerusalem / vnd sag zuo jhnen / hörend das wort deß Herren jhr künig Juda / vnd du gantzes volck Juda / vnd alle burger Jerusalem / die durch dise thor gond /

LXIIII. / 64a

also befilcht der Herr / hüetend euch bey ewerem leben / das jhr kein burde am Sabbath auff euch nemmind / das jr sie durch die thor Jerusalem tragind / auch söllend jr kein burdi auß eweren heuseren am Sabbath tragen. Hüetend euch dz jr kein arbeit oder werck thüegind / sonder heiligend den Sabbath / wie ich jhn eweren vätteren gebotten hab / wiewol sie mir nit gehorsam gewesen / vnd mir nie geloset habend [haben jhre ohren nicht geneiget] / sonder vil mer sind sie halßstarrig vnd hartnäckig gewesen / vnd habend weder mir gehorsammet / noch mein straff vnd züchtigung angenommen. Jsts aber sach / das jr mich hörend / spricht der Herr / vnd kein burdi durch die thor diser statt hinein tragend auff den Sabbath / ists sach dz jr den Sabbath heiligend / also dz jr kein werck daran thuond / so werdend durch die porten diser statt gon künig vnd fürsten / die da sitzen werdend auff dem stuol Dauids / auff wägnen werdend sie faren / vnd auff pferden reyten / sie vnd jre fürsten / dz gantz Juda vnd alle burger Jerusalem / vnd wirt dise statt für vnd für yngewonet [bewonet] werden. Es werdend auch von den stetten Ju