1.Pr.Die Erste Predig.
Von dem wort Gottes / vnd seinem vrsprung / wie vnnd durch wän dasselbig der welt zum ersten eroffnet syge.
ALle leeren vnd artickel deß Christenlichen glaubens /auch alles / wz zuo einem Gottsäligen Christenlichen Läben hat söllen vnd mögen dienen / deßgleich alle rechte vnd ware weißheit / ist ye vnnd ye alles auß den zügknussen deß worts Gottes genommen. Es mögend auch auff den hüttigen tag dise stuck / von allen verständigen glöubigen / vnd von Gott berüefften dieneren der kirchen / nieneruß anders grundtlich geleert vnd bewärt werden / dann auß dem wort Gottes. Darumb wölcher nicht weißt was das wort Gottes ist / vnd wie es ein gstalt darumb hat / der wirt in der gmeynd Gottes / vnd vnder den zuohörerern Christi / ja auch in allem läsen der heilgen gschrifft nicht anders sein / dann wie ein blinder vnd vnsinniger mensch. Vnd das vil leut so mit grosser hinläßigkeyt vnnd verachtung die predgenen deß worts Gottes hörend / wie man an vilen sicht / das kumpt anders nienenhar / dann dz sie die krafft vnd die waare rechnung vnnd art [art vnd eigenschafft] deß worts Gottes nitt recht verstond noch erwägend. Darumb damit alle die / so der waarheyt / vnd deß worts Gottes sonst begirig vnd geflissen sind / hieran nit gehindert werdind / sonder mengklicher in seinem hertzen lerne / was vnd wie er von dem wort Gottes recht halten sölle / so wil ich mitt Gottes hilff E.L. sömlichs erklären / was namlich ein rechtglöubiger mensch vom wort Gottes glauben vnd halten sölle. Jr wöllind aber hiebey Gott ernstlich anrüeffen vnd bitten / das er mir gnad vnd geist verleihe / mitt frucht vnd nachtruck hieuon zuo reden: vnd das er auch euch ewere ohren vnnd gmüet auffschliessen wölle / damit sein Namm in dem allem glopt vnd prisen werde / vnd vnsere seelen vil frucht darauß empfahen mögind. / Amen.
Erstlich so ist zuo erleütteren was das wort Gottes seye. Das wörtli / Wort / streckt sich weit auß / vnd begreifft vil in der heilgen gschrifft / nach der art vnd eigenschafft der Hebraischen spraach. Dann es heißt etwann ein yetlich ding: gleich wie wir Teütschen das wörtli / Ding / brauchend / damit wir vil begreiffend. Also spricht der Engel deß Herren im euangelio Luce zuo der heilgen Jungkfrauwen Maria / Es ist bey Gott kein wort vnmüglich. Das ist so vil geredt / als hette er gesprochen / Gott sind alle ding müglich / oder/ es ist Gott kein ding vnmüglich / usw. Es heißt auch etwann das wörtli / wort / ein wort das ein mensch mitt seinem mund redt. Etwann wirt es braucht für ein befälch. Etwan für ein gantzen spruch / sententz / red / oder für ein Prophecey. Als
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dessen vil beyspil in der gschrifft hin vnd wider sind. Wenn es dann zuo einem anderen wörtli gsetzt wirt / vnd nit allein gebraucht / so hat es auch nit einerley oder gleichen verstand. Dann so man spricht / das wort Gottes / so heißt es etwan die krafft vnd macht Gottes. Etwan heißt es / vnd wirt genommen für den sun Gottes / der die ander person ist in der H. dreyfaltigkeyt. Wie dann mengklichem bewißt [bekannt ist] der spruch deß heilgen Euangelisten Joannis: der da lutet / Das wort ist fleisch worden usw. Eigenlich aber so heißt das wort Gottes / wie wir hie daruon handlend / Gottes red / vnd offenbarung seines Göttlichen willens / so erstlich durch den mund Christi vnsers Herren / auch der heiligen Propheten vnd Apostlen mundtlich herfür bracht / vnd demnach auch in die gschrifft verfasset / wölche man recht nennt die heilig vnd die Göttlich gschrifft. Dann ein yedes wort gleichet dem gmüet dessen / von dem es geredt wirt / vnnd auß dem es kompt / also gleichet auch das wort Gottes / Gott dem Herren selb. Gott ist aber von natur / waarhafft / gerecht / guot / rein / vntödtlich [vnsterblich] / ewig usw. Darumb volget das auch das wort Gottes / das auß seinem mund gadt / waarhafft seye / gerecht / on list vnnd falsch / one jrrthumb vnnd böß anfechtungen [neigung] / heilig / rein / guot / vntödtlich / ewig. Dann es spricht der Herr im Euangelio / dein wort ist die waarheit. Vnd der heilig Apostel Paulus / Das wort Gottes ist nit angebunden. So zeüget die gantz gschrifft / das wort Gottes bleibe in ewigkeyt. Vnd Salomon spricht / Alle reden Gottes sind geleütteret. Thuo nichts zuo seinen worten / damit er dich nit straffe / vnd lugenhafftig erfunden werdist. Vnd Dauid / Die reden deß Herren sind lauttere reden / wie das silber das im fewr geschmeltzt /und siben mal von der erden geleüttert wirt.
Dises wirt aber eüwer liebe baß verstan / so ich etwas weitlöuffiger vom vrsprung vnd von der gwißne [gewißheit] deß worts Gottes reden. Das wort Gottes / wie gemeldet / ist die waarheyt. Gott aber ist ein brunn vnnd vrsprung der waarheit / deßhalb volget / das auch Gott der einig brunn / vrsprung / vnnd die einige vrsach deß worts Gottes syge. Vnnd wiewol Gott keine glider hatt wie wir menschen / vnd deßhalb auch keinen leiblichen mund / so wirt jm doch ein mund zuogäben / dieweil der mund ein Jnstrument der stimm ist. Dann Gott hat mitt den menschen geredt in menschlicher stimm / das ist / mit einer sömlichen stimm / die von menschen hat mögen verstanden werden / vnd die nach dem gmeinen brauch deß redens der menschen gestaltet gewesen ist. Das sehend wir auß seinen handlungen mit den heilgen Vätteren / mitt wölchen / als mit vnseren elteren / Adam vnd Eua / Noe vnd andern vättern / er offt vnd dick wie wir läsend / geredt hat. Ja auff dem berg Sinai prediget Gott der gantzen grossen gmeind Jsraels / vnd redt außtruckenlich die Zehen gebott / in denen alle Gottsäligkeit vergriffen wirt. Dann Deut.5.[22] läsend wir also: Dise wort (verstand die Zehen gebott) hatt der Herr geredt / zuo der gantzen versamlung mitten auß dem fewr mit lauter stimm. vnd im 4.Cap.[1] Jr habend gehört die stimm seiner wortten / aber kein gleichnuß habend jhr gesehen / sonder allein die stimm. Es hatt auch Gott meermalen die Engel darzuo braucht / vnd durch jren dienst mit den menschen geredt. So ist einem yeden bekannt / das der Sun Gottes in angenomner menschheyt auff erden gewandlet / vnnd er also waarer Gott vnnd mensch das Jsraelitisch volck selb bey den dreyen Jaren geleert. Darzuo vor vnd ee der Sun Gottes in dise welt geboren ward / hatt sich Gott eingelassen in die gmüetter vnd hertzen der heiligen Vätteren / vnnd demnach auch der Propheten / vnd hat also hernach durch jren mund / vnd durch jre gschrifften die welt vnderrichtet vnd gleert. Also hat auch Christus vnser Herr den heilgen geist / der ein geist ist deß Vatters vnd deß Suns / in seine Apostel gsendt / durch wölcher mund reden vnd schreiben er der welt ist geoffenbaret worden.II. / 2a
Vnd dise diener Gottes alle / nach dem sie als außerwölte werckzüg Gottes / die offenbarung Gottes von Gott mitt reinen gmüetteren empfangen / habend sie gemälte offenbarungen vnd wort Gottes die sie empfangen / erstlich selb muntlich der welt fürtragen. Darnach als die welt yetz begund alten [anfieng alt zu werden] / habend auch jr etlich / söllichs in gschrifft verfasset. Wie aber vnd durch wölliche söllichs geschehen / ist notwendig zuo wissen / dann vß der selbigen Histori gar fein erscheint / die recht gestalt / rechnung / gwisse [gewißheit] / vnd wirde deß worts Gottes.
So sind nun von anfang der Welt an / biß auff die zeit Mosis keine gschrifften vorhanden / die wir mögend wissen. Wiewol es glöublich ist / das dise erste vnd vralte Welt nit on gschrifft gewesen syge. Dann es wirt auch von dem heiligen Apostel Juda dem bruoder deß heiligen Jacobi / in seiner Epistel citiert vnd anzogen ein geschribne weissagung deß heiligen vatters Enoch / der der sibend gewesen ist in der ordnung nach vnserem vatter Adam. So laßt sich auch das buoch vnd die Histori Job ansehen / als obs zuo gar vralten zeitten geschriben. Wie aber dem joch seye / so haltend doch alle heiligen in der kirchen Gottes / den trüwen diener Gottes Mosen für den eltisten Schreiber göttlicher büechern.
Darumb so hat Gott von anfang der Welt mit den heiligen vättern geredt durch seinen geist / vnd auch durch das zuodienen der Englen. Sie aber habend söllichs das sie von Gott empfangen / jren kinden / kindskinden / vnd allen nachkommen / von mund angeben / seitmalen [dieweil] sie es auch nicht darumb empfangen / das sie es allein jnen selbs behieltind / sonder das sie es auch jren nachkomnen mitteyltind. Dann Gott zeüget jmmerdar / das er nit nur der Vätteren Gott sein wölle / sonder auch jres saamens in ewigkeyt. Das erscheint sonderlich in der Histori Adams / Noes vnd Abrahams der ersten gschlechtvättern. Dann Gen.xviij. läsend wir / das der Engel deß Herren / vnd deßhalben der Herr selb zum Abraham geredt / solt ich Abrahamen verbergen das ich thuon wil / sittmal [sintemal] er ein groß vnd mächtigs volck sol werden / vnnd alle völcker in jm gebenedyet söllend werden? Dann ich kenn jnn dermassen / das er wirt befelhen seinen kinden / vnd seinem hauß nach jm / daßs sie deß Herren weg haltind / vnnd thüegind das recht vnd gericht usw. Deßhalb hat Abraham als ein trüwer gottsäliger liebhaber Gottes (wie auch die vralten Vätter der ersten Welt) hierinn nützit versaumpt / sonder hat die menschen fleißig deß willens vnd der gerichten Gottes berichtet: Darumb er auch von Mose / vnd deßhalb von Gott selbs ein Prophet ist genempt worden. Dise Gottsälige vnd läbliche [-] mundtliche leer vnd angebung der heiligen Vätteren / ist in üebung gewesen vnd gebraucht worden / von anfang der welt biß auff die zeit Mosis. Vnnd hat auch Gott auß seiner güette fürsehen / das zuo allen vnd yeden zeitten fürträffenliche liechter vnd vätter geläpt habend / die da glaubwirdige zeügen vnd höchstes ansehens wärind. Dann die welt vor dem Sündtflußz hat neün fürtreffenliche / nammhaffte / weise vnd heilige männer gehept / den Adam / Seth / Enos / Kenam / Malalehel / Jared / Enoch / Mathusalem vnd Lamech. Vnder wölchen Adam anfacht / Mathusalem aber beschleüßt die Jar / so vor dem Sündtflussz verlauffen / Namlich 1656. Dann Adam hat geläpt 930. Jar: deßhalb gestorben vor dem Sündtflussz 726. Jar. Mathusalem aber hat geläpt 969. Jar / deßhalb gestorben eben deß jars / da der Sündtflussz angangen. Vnd hat gläpt mit Adamen / oder dieweil Adam noch gläpt 243. jar: das er gar wol vom Adam hat mögen berichtet werden deß anfangs aller dingen / Jtem von Gott / vom faal deß menschen / vnd seiner widerbringung / vnd von allen stucken die Religion beträffend / wie er deren von Gott selb berichtet was. Darumb so habend dise zwen Vätter / mitt sampt den vbrigen yetz erzelten andern / die erste gantze Welt wol mögen gnuogsam berichten deß waaren vnd einigen heilsIlv. / 2b
/ vnd der gerechten wegen deß Herren. Nach dem Sündtflussz / hatt Gott widerumb der welt andere herrliche männer vnd fürtreffenliche liechter gegeben / mit nammen / Noe / Sem / Arphaxat / Sale / Heber / Paleg / Reu / Saruch / Nachor / Thare / Abraham / Jsaac / Jacob. Das sind dreytzehen fürnemme Ertzvätter / vnder wölchen die fürtreffenlichsten sind die zwen ersten Noe vnd Sem. Nach denen aber sind die fürnemsten Abraham / Jsaac vnd Jacob. Noe hat gelebt vberal 950. jar / sechs hundert jar was er alt do der Sündtflussz einbrach. Derhalben so hat er erlebt / gsehen vnd gehört alle heiligen vätter / die da gelebt in der ersten welt vor dem Sündtflussz / allein drey außgenommen / Adam / Seth vnd Enos. Aber mit den vbrigen / die dise drey gesehen / hat er vil jaren gelebt / das jhm also nützit hatt mögen verborgen sein aller deren dingen / die Adam angegeben hat. Es ist auch diser Noe gestorben erst im neünundfünffzigsten jar deß alters Abrahe / das wol zuo verwundern / aber die waarheyt ist. Sem hat vil jar gelebt mit seinem vatter / Jst alt worden vberal sechshundert jar. Er ist dem Noe geboren worden im sechs vnd nüntzigsten jar ongefar [vngefärlich] vor dem Sündtflussz. Derhalben er nit nur sein vatter den Noe / vnd sein großvatter den Lamech gesehen vnd gehört / sonder auch sein äni [großuatter] den Mathusalem / mit wölchem er also die sechs vnd neüntzig jar gelebt hat / vnd hat von jm mögen hören vnd lernen alles das / dz diser vorhin vom Adamen vnd von den andern Ertzvättern auch gehört vnd gelernet hat. Sem aber ist gestorben nach dem Abraham im zwey vnnd fünfftzigsten jar deß alters Jacob / siben vnnd dreißig jar namlich / nach dem tod Abrahe / im hundertundzwölfften jar Jsaacs. Deßhalb also Jacob der heilig Ertzvatter von dem Sem dem dritten zeügen vnd leermeister vom Adam an / selbs hat mögen allen verstand Gottes / wie jnn der vom Mathusalem empfangen hat / lernen. Jacob aber der Ertzvatter hat seinen kinden auch angeben / das er von Gott durch die Vätter empfangen / das ers jnen angebe vnd sie es larte [lehrete] . Disem Ertzvatter Jacob ist in Mesopotamia geboren vnder anderen sünen auch der Levi / dessen sun ist gewesen Kahad / wölcher sein großvatter Jacob gesehen vnd gehört hat / vnd auch nit wenig jaren mit jhm gelebt: dann er wirt auch gezellt vnder die kinder / die mitt Jacoben in Egypten gezogen. Jacob aber hat mit seinen kinden in Egypten sibentzehen jar gelebt. Vnd diser Kahad ist Mosis großvatter gewesen / ein vatter Amrams. Von wölchem Moses grundtlichen erlernet die volkommen vnd gwisse angebung von dem willen / von den gebotten vnd grichten Gottes / wie sein vatter Amram die gelernet von seinem vatter Kahad / Kahad vom Jacob / Jacob vom Sem / Sem vom Mathusalem / Mathusalem aber vom Adam. Das also Moses in der welt stadt [ist] der sibende zeüg erst vom Adamen an. Es erlauffend sich aber von anfang der welt biß auff die geburt Mosis 2368. jar. Das dise abrechnung gerecht vnd warhafft syge / wirt ein yegklicher finden / wölcher die jar / wie die vom Mose im ersten vnd andern buoch nit one vrsach fleißig verzeichnet werdend / eigenlich außrechnet.
Nun ist aber auch notwendig zuo wissen / was die fürnemsten stuck vnd artickel gewesen sygind der angebung / die von den heiligen vätteren auß Gottes ordnung vnd schickung also den nachkommenden allen ist vbergeben / vnd als vil als von hand dargreicht worden. So habend sie nun jren nachkommen dises angeben / Namlich / dz Gott auß seiner natürlichen güete den menschen wol wölle / vnd wölle das alle menschen zuo erkantnuß der warheit kömmind / vnd gnoß werdind der Göttlichen natur / auch fromm / heilig / gerecht vnd sälig werdind. Vnd darumb habe Gott von anfang den menschen erschaffen nach seiner bildtnuß vnd gleichnuß / das er wäre heilig / guot / vntödtlich / sälig vnd theylhafftig aller güetern Gottes. Der mensch aber syge in diser herrligkeit vnd in dem wolstand
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nit bliben / sonder syge durch stifftung deß Teüffels vnd auß eigner schuld gfallen in die sünd / vnnd in alles ellend / auch in den tod / vnd auß der bildtnuß Gottes verwandlet in die gleichnuß deß Teüffels. Da habe aber Gott widerumb angefangen als vil als ein nüw werck deß heils / durch wölches der mensch widerbracht / vnd von allem vbel erlößt / Gott widerumb gleich wurde: vnd habe söllich grosses vnd Göttlichs werck durch ein besonder vnnd wunderbar mittel zuo vollenden fürgenommen / Namlich durch die menschwerdung deß ewigen worts. Dann wie er mit der menschwerdung desselben den menschen Gott vereinbart / also hat er auch durch das sterben im fleisch den menschen gereiniget / geheiliget vnd erlößt / vnd jm geschenckt den heiligen geist / vnd hiemit inn Göttlicher natur widerumb theilhafft / auch vntödtlich vnd sälig gemachet. Er verschaffet auch / das wir yetz ringind vnd fächtind außzuotrucken die art vnd eigenschafft dessen / nach dessen bildtnuß wir erschaffen sind / auff das wir an leib vnd seel heilig sygind. Zuodem / so habend sie auch anzeigt / daß das wort zuo seiner zeyt werde mensch werden. Jtem es werde auch entlich sein ein allgmeiner grosser grichtstag / daran alle menschen versamlet / aber allein die frommen die blonung [belonung] der vntödtlichkeyt vnd Gottheyt empfahen werdind. Diß ist allein ein kurtze summ der angäbung der H. vättern / die wir nun etwas wytlöuffiger vnd eygentlicher erklären wöllend. Zum ersten / so habend die heiligen vätter den jren angeben vnd sie geleert / das allein ein Gott syge in der vnzertrennten heiligen dreyheyt / der Vatter / Sun vnd heilig Geist. Diser syge auch ein Schöpffer vnd regierer deß himels vnd der erden / vnnd alles dessen das darinnen. Von dem syge der mensch beschaffen / vnd alles anders vmb deß menschen willen: der hab es auch alles dem menschen vnderworffen / vnd diene jm alle noturfft zuo [gebe...] als ein trüwer / freygeber vatter. Jtem der mensch syge erschaffen von seel vnd leib / guot / nach der bildtnuß vnd gleichnuß Gottes / aber auß eigner schuld durch trib [treib] deß Teüffels syge er gefallen in sünd / vnnd damit habe er den tod vnd die verdamnuß vnd alles ander vbel / das vnzalbar [vnzehlich] ist / in die welt bracht/ also das yetz alle kinder Ade / so von jm har kömmend / kinder deß zorns vnnd alles elends erboren werdind. Gott aber der da reich an barmhertzigkeyt / der habe sich nach seiner vnergründten güete / deß menschlichen jamers vnd ellends erbarmet / vnd habe auß seiner lautteren gnad verheissen verzyhung der schuld / vnnd die schwäre der buoß / oder der straaff derselben / seinem einigen Sun auffgelegt / das der / nach dem jhm von der Schlangen die versen zerträtten / auch er der Schlangen den kopff zerträtte. Das ist / Gott habe verheissen ein saamen / oder ein Sun / der da von einem besonderen weyb / das ist auß der hochgelopten Jungkfrauwen mensch werden / vnd mit seinem todt / den Todt / vnd vrheber deß tods den Teüffel vberwinden / vnd die glöubigen kinder Ade erlösen / ja auch zuo kinderen Gottes / vnd erben deß ewigen lebens annemmen werde. Vnnd habend also die heiligen Vätter geleert / glauben in Gott vnnd in seinen Sun den erlöser der gantzen welt. So sie auch geopfferet / habend sie damit bedeüttet seinen vnschuldigen todt / vnnd das opffer seins leibs / mitt wölchem er erlösen wurde vnnd versünen die sünd der gantzen welt. Darumb habend sie auch so fleißig gemerckt auff das geschlecht vnnd auff die linien deß geschlächts deß Messzie. Dann die selbig wirt fein ordenlich als an einem schnüerli von dem Adamen gezogen biß auff den Noe: Darnach von dem Noe durch den Sem biß auff den Abraham: Zuo wölchem Gott auch redt / in deinem saamen söllend gebenedeyet werden alle geschlächt der erden. Mit wölchen worten / die erste verheissung dem Adam beschähen von Christo dem erlöser / der den fluoch in den sägen verwandlen solt / wider äferet [widerholet] vnnd erneüweret wirt. Dise linien Christi wirt auch vom Abraham gezogen durch den Jsaac biß auff den Jacob. Wölcher
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mitt dem Geyst gottes erfüllt / anzeygt das Judas vnnder seinen Sünen inn der linien deß gebenedeyeten saamens sein werde / wie man sicht Genes. am neün vnd viertzigsten capitel[10]. Jm stammen Juda aber wirt das hauß Davids außgesünderet / das der heilig saamen vnnd pflantz deß läbens darauß herfür kommen werde. Darüber habend die heiligen Vätter weytter angegeben / wie das Gott mit dem menschlichen geschlecht ein pundt gemachet / vnd sie sich jhm / vnd er jhnen vestigklich verpflicht vnd verbunden. Darauß sie dann die jhren geleert auff Gott vertrauwen / den pundt vnnd glauben halten / Gott anbätten / andere vnnd falsche Götter verachten / Gott allein anrüeffen / vnd andächtigklich verehren. Jtem / das der dienst vnd die verehrung Gottes in geistlichen dingen stande / in glauben / hoffnung / liebe / gehorsamme / gerächtigkeyt / heiligung / vnschuld / gedult / waarheyt / haltung deß rechten / vnd Gottsforcht. Derhalben warend sie den lastern fyend [feind] / schultend vnd hassetend sie / namlich vnglauben / treüwlose / verzweiflung / vngehorsame / vndultigkeit [vngedult] / luginen [liegen] / gleißnerey / hassz / lesterung / vnbill vnd gewalt / vngerächtigkeyt / vnreinigkeit / vberflussz / muotwillen / füllerey / huorey vnd eebruch / boßheyt / vnd vngottsforcht [gottloses wesen]. Sie lartend auch Gott ein beloner sein alles guoten / vnd ein rächer vnd straffer deß bösen. Jtem das der menschen seelen vntödtlich / das auch die leib am gericht wider aufferston wurdind / vermantend deßhalb mengklichen / das man in diser zeyt also lebte / das man das ewig leben nit verlure [verlöre]. Das ist die summ deß worts Gottes / das den Vätteren geoffenbart / vnd von jhnen den nachkommenden menschen jmmerdar von einem an andern ist angeben worden. Ja das ist die heylig angäbung der Vätteren / darinn alle Gottsäligkeyt begriffen ist. Das ist auch der alt vngezweyflet / waarhafft / allgemeyn glaub der heiligen Vättern.
Vber das alles / habend auch gedachte vätter jren kinden / vnd nachkommen angegeben die gwisse zaal vnnd rechnung der jaren von erschaffung der welt an / auch die nutzbar vnd gwissz Histori deren dingen / die von der welt anfang biß auff sie sich verloffen / damit vnd sie auch also wißtind / wie alle ding ein anfang genommen / vnd auffeinandern ergangen / Jtem auch die gerichte Gottes die er geübt / mitsampt den exemplen deren die Gottsförchtigklich oder vngottsförchtigklich gelebt. Diß alles möchte wol feyn heytter vnnd ordenlich auß dem ersten buoch Mosis / das Genesis genennt wirt / erzeygt werden / aber die predig wurde sich zuo weit außhin verziehen. Jch achten auch es sygind wenig oder gar keine vnder euch allen / die nit mercktind das ich diß alles von der vättern angeben / gar nach von wort zuo wort also zereden auß dem ersten buoch Mosis genommen: dz ich deßhalb nun wol mag in fürgnomner histori fürfaren.
Wie nun die ding bißhar der welt von den H. vättern mundtlich vnd also zereden von hand sind vbergeben worden / also hat Moses die selben erstlich in geschrifft verfaßt / mitsampt allem dem / das sich auch bey seinen leben / namlich in cxx.jaren verloffen hat. Vnd damit aber sölliche leer vnd geschrifft Mosis bey aller welt / vnd allen menschen / zuo yeder zeyt / dest mer ansehens vnd glaubens hette / vnd ein yeder sehe vnd wißte / das Mosis geschrifften / dz waarhafft wort Gottes selb wärind / so ist Moses von Gott mit vil wunderbarlichen zeichen vnd wunderthaten geziert vnd fürgstelt worden / wölche der allmächtig Gott durch sein hand / das ist / durch seinen dienst gewürckt hat. Vnd das nit heymlich in einem winckel der welt / oder an eim vnachtbaren ort / sonder im Egyptischen Reich / das dozemal das aller fürträffenlichest vnnd verrüemptest inn der welt was. Der wundern sind mer / sie sind auch grösser vnd fürträffenlicher / dann hie möge mit wenig worten erzelt werden. Es ist auch nit von nöten das ich sie anziehe / dieweyl euwer liebe die selben sonst weißt / vnd jren bericht ist. Demnach
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so hatt auch Gott Mosi sein ansehen mit anderen dingen gemeeret / Namlich / das er ganz vil gespräch mit jm gehalten / vnd vnder anderm zuo jm gesprochen / Sihe ich wil zuo dir kommen inn einem dicken wolcken / das daß volck mich höre mit dir reden / vnd dir glaube ewigklich. Dessen vernüegt sich der Herr ouch nit / sonder heißt Mosen das gantz volck besamlen / namlich auff die sechs hundert tausend man / mit sampt weyb vnd kinden. Als nun die besamlet bey dem berg Sinai / da ist Gott erschinen in wunderbarer vnd erschrocklicher gestallt / vnd hat selb zuo dem gantzen volck geredt / vnd jnen erzellet die Zehen gebott. Das volck erschrack aber ab der herrligkeyt Gottes / vnnd begärt das der Herr fürhin nit mer selbs mit der gemeynd redte / sonder sie wöltind sich vernüegen [benüegen] / so er durch Mosen mit jnen handlete. Wölchs begären der Herr vom volck angenommen / vnd hat deßhalb hernach allzeit wenn er etwas mit jnen reden wöllen / durch Mosen dasselbig geredt. Dieweil aber das volck ein halßstarrig volck / vnd in Egypten durch die gmeynschafft der abgöttischen vbel verderbt was / do fieng Moses an in geschrifft verfassen / wz die alten H. vätter angeben hattend / auch was jm der Herr geoffnet hat. Vnd das darumb / damit semliche ding nit bey dem hinläßigen volck / auch sonst nit etwan durch lenge vnnd widerwertigkeyt der zeiten in vergäß kämind vnd zuogrund giengind. Vnd zuo söllichem gab der Herr Mosi selb ein anzeigung mit seinem exempel. Dann er schreib selb alles dz er auff dem berg Sinai zuo der versamlung geredt hat / gleich mit seinem eignen finger inn zwo steine taflen / der eben dasselbig auch vorhin von anfang der welt mitt seinem finger in die hertzen der heiligen vättern geschriben hat. Darzuo so gab er auch Mosi ein heittern befälch / das er auffschribe was er jm eroffnet hat. Disem gebott was Moses gehorsam vnd schreyb. Der heilig geyst aber / der das gantz gemüet Mosis besessen hat / leyttet jhm auch sein hand zuo schreiben. Jm manglet auch sonst nützit alles dessen / das zuo einem volkomnen außpündigen Scribenten hört. Er was von seinen vordern gantz wol aller dingen berichtet: dann er auch geboren was von dem heiligen geschlecht der vättern / die Gott zuo zügen seines willens / seiner gebotten vnd gerichten verordnet vnd erwöllet hatt / namlich Amram / Kahad / Jacob / Sem / Mathusalem / Adam. Derhalben er wol gemögen ein gewisse vnnd waarhaffte histori von der welt anfang biß auff seine zeiten beschriben. Zuo wölcher er auch gethon hat / was zuo seiner zeit vnder dem volck Gottes beschehen / Wölcher dingen er wol hatt mögen ein waarhaffter zeüg sein / als der sie alle selbs gesehen vnd gehört. Was er auch in seinen büechern geschriben / das hat er alles dem volck erzellt vnd fürgehalten. Vnd ist keiner vnder jnen / deren doch so vil tausent warend / erfunden worden / der denen dingen widerspräche. Das deßhalben die einmüetig einhälligkeyt vnd zeügknuß der vberauß grossen versamlung deß volcks Gottes / den geschrifften Mosis nit wenig glaubens vnd ansehens bringt.
Er hat aber beschriben die Histori von anfang der welt biß auff sein tod / darinn auff die 2488.jar vergriffen / inn fünff büechern / die man nennt die Fünff büecher Mosis. Jnn denen erleüttert er weytlöuffig / die eroffnung [offenbarung] deß worts Gottes den menschen beschehen / was auch dasselbig begreiffe vnnd leere. Darinnen habend wir nit nur vilfaltige offnungen [offenbarungen] vnd heitere wort Gottes selb / sonder auch vil klarer zeügknussen / sprüch / beyspil vnd leeren der aller eltisten / fürträffenlichsten / heiligisten / weisesten vnd höchstgeachtesten männern der welt / von allen stucken vnd sachen / die da mögend zuo einem guotten vnd säligen leben dienen. Darumb auch dise büecher bey allen nachkommen für glaubwirdig / vnd als die von vnd auß jhnen selbs ansehens gnuog habind / vnd denen on alles widersprächen alle welt zuo glauben schuldig syge / erkent / angenommen vnd gehalten sind worden. Ja auch vnser Herr Jesus Christus / der eingeborn sun Gottes /
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weißt seine glöubigen dahin / das sie die gschrifften Mosis läsind: vnd thuot das inn sachen / die die fürnemmsten hauptstuck deß heils antraffend. Als wir sehend Joan. am v. Luc. am xvj. vnd Matth. am v. cap. Da er spricht / jr sond [solt] nit meynen das ich kommen sye das gsatzt vffzuolösen oder die Propheten: Jch bin nitt kommen das ichs aufflöse / sonder erfülle. Dann waarlich sag ich euch / biß das himmel vnd erden zergadt / wirt nit zergon der kleinest buochstab / noch ein tittel vom gsatzt / biß es alles gschicht. Wer nur eins von disen kleinsten gebotten aufflößt / vnd leert die leüt also / der wirt der kleinst heissen im himmelreich / wer es aber thuot vnnd leert / der wirt groß heissen im himmelreich. Es sind wol ettlich funden worden / die Mosi dem diener Gottes widersprochen habend / aber Gott hatt söllichs widersprächen / als ob es seiner Mayestat selb beschähen / auffgenommen / vnnd greülich gestrafft. Wie wir dessen exempel vnnd kundtschafften habend Exod.xvj. vnd Nume.xij. Erstlichen deß volcks Gottes / das wider Mosen murret / Demnach Marie der schwester Mosis die jm jren eignen bruoder widerbäfftzet [widerspricht]. Da sprach aber Gott zum volck / jhr murrend nicht wider die diener / sonder wider den Herren. Maria aber ward mitt grausammem außsatz geplaget. Also ist Theotectus der Tragedischreiber erblindet / vnd Theopompus von sinnen kommen / darumb das sie mit dem wort Gottes vngebürlich gehandlet. Dann ob wol das wort Gottes durch menschen eroffnet [geoffenbaret] / geredt oder geschriben wirt / so hört es doch nit auff Gottes wort sein / vnd wirt nicht ein menschen wort / darumb das es von menschgen prediget oder gehört wird / gleich wie auch deß Künigs gebott / nitt deß Herolden gebott genennt wirt / darumb das es durch den Herolden außgeschrüwen [außgeschrieen] wirt. Darumb wer Mosen verachtet / durch wölchen Gott mit vns redt / vnnd durch wölchen wir alles empfangen habend / was die heilgen Ertzvätter von anfang der welt jren nachkomnen angeben / der verachtet Gott selb / vnnd mitt Gott auch alle heilige Ertzvätter. Vnd ist also kein vnderscheyd zwüschend dem wort Gottes / das da mundtlich geredt vnnd angeben wirt / vnd dem / das mitt der fäder eins menschen geschriben ist / dann allein so vil vnderscheids ist zwüschend einer mundtlichen stimm vnd einer geschrifft / da aber an beyden orten der handel sinn vnd verstand gleich vnd eins ist. Auß disem allem hat nun ewer lieb verstand die eygenlich Histori deß vrsprungs vnd anfangs deß worts Gottes.
Da wöllend wir nun auch besehen / wie dasselbig zuogenommen / vnnd wie es ye lenger ye klärer vnd heitterer der welt eröffnet [geoffenbaret] worden. Als yetzund der heilig Moses auß diser welt gehn himmel genommen / da hat der güettig Gott für vnd für fürträffenliche Propheten seiner kirchen gegeben / wölche er erwölt hat / dz er durch sie sein wort der gantzen welt offnete [offenbarete]. Es sind aber bey den alten die Propheten gewesen / wie by vns die priester / weisen / prediger / hirten / Bischoff / leerer / oder Theologi / die aller Göttlichen dingen fürauß bericht / vnd dem volck von Gott in glaubens sachen zuo füerern gegeben warend. Das aber deren nit wenig / auch nit schlechte vnder dem Volck Gottes gwesen biß vff die Babylonisch gfencknuß an / mag wol ein yeder wissen vnd zeügen / wölcher die Biblisch histori geläsen. Vnder denen werdend gezelt die fürnembsten vnd fürträffenlichsten / Phinees / Samuel / Helias / Heliseus / Jsaias vnd Jeremias. Es sind auch Dauid vnd Salomon nit nur künig sonder auch Propheten gewesen. Jn der Babylonischen gfäncknuß warend Daniel vnd Ezechiel nammhafft. Nach der selben gfäncknuß ist vnder andern Zacharias der sun Barachie der nammhafftest gewesen. Das sind nun wenig von vilen / wölche ob sie wol nicht all zuo einer zeit / vnnd ettwan lang von einanderen gelebt / so habend sie doch all einmüetig erkennt / das Gott durch Mosen mitt der welt geredt habe / vnnd das er auß Gottes ordnung der kirchen inn der welt ein volkommene summ vnnd innhalt deß worts Gottes
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vnd der waaren Theology in geschrifft verlassen habe. Vnd habend dise Priester / weissager vnd Propheten alle / in allen dingen ein fleißig auffsehen gehept auf die leer Mosis. Ja das gsatzt Mosis / das an jm selb Gottes gsatzt ist / vnd recht Thora / das ist ein richtschnuor vnd Regel deß glaubens vnd deß lebens genennt wirt / habend sie fleißig allen menschen einpluwen [eingeblewet] / vnd dasselbig auch ye nach dem vnd die zeitten personen vnd ort warend / den leüten außgelegt: Dann alle Priester vnd Propheten vor der menschwerdung Christi / habend die recht Gottsäligkeit vnd den waaren glauben den menschen so ye zuo jren zeytten geläbt / mundtlich fürtragen. Habend jnen aber auch nichts anders fürtragen / dann was die vätter von Gott / vnd Moses von Got vnd von den vättern empfangen hat. Vnd eben dasselbig habend sie auch gleich in gschrifft allen nachkommenden biß ans end der welt zuo guotem verfasset: dz wir yetz also in den Propheten auch Mosis leer vnd der vättern angebung habend / aber alles etwas heitterer vnd volkomner außgelegt vnd erklärt / nach den vmbständen der orten / zeiten vnd personen. Die leer aber vnd die geschrifften der heiligen Propheten sind allwegen in höchstem ansehen gewesen by allen verständigen der gantzen welt. Dann durch vil anzeigungen offenbar was / dz die nit von jnen erdacht sonder jnen oben herab vom heilgen geist Gottes eingeblasen. Dann Gott ist der der durch seinen geist wonende in den hertzen der heilgen Propheten / durch jren mund mit vns redt [Sintemal Gott der ist / der durch seinen geist / so in den hertzen der Heiligen Propheten wohnet / durch jhren mund mit vns redet].... Derhalben habend sie auch so herrliche zeügnussen von Christo dem sun Gottes / vnd seinen außerwölten Apostlen. Darzuo dienend auch die grossen wunderzeichen vnd thaten / die Gott offtermals durch jhren dienst gewürckt hat / damit wir doch auß den selbigen grossen zeichen lernetind erkennen / das sie alles das sie gethon vnd geleert / auch das sie geschrifftlich hinder jhnen gelassen / alles auß Gottes trib vnd eingäbung gethon. Es gebend auch den heiligen Propheten herrliche kundtschafft der Göttlichen waarheyt alle die fürtreffenlichen gmeynden kirchen vnnd Regiment / die durch sie nach dem wort Gottes gesamlet vnd regiert sind worden. Man preißt hefftig den Platonem / Zenonem / Aristotelem / vnd andre Heidnischen Philisophos vnd weisen / aber wölcher hat vnder denen allen ye gemögen ein gantze gemeind besammlen vnnd darzuobringen / das sie nach jrer fürgschrifft läbte? Die Propheten aber habend die aller fürnempsten vnd berüemptesten Regiment vnd gmeynden der gantzen welt / ja gantze herrliche Küngkreich vnder jrer leer gehept. Den Künig vnd Propheten Salomonem habend alle weisen der gantzen welt / die zuo seiner zeit gelebt / also zereden angebättet / vnd sind von den enden der welt har jm zuogezogen. So ist Daniel der fürnempst gewesen vnder allen weisen in der gantzen vnd fürnempsten Monarchy der Babyloniern. Darzuo ist er auch in höchstem ansehen gewesen bey Dario dem Meder Künig / der ein sun was Astyagis oder Assueri / deßgleichen bey dem fürträffenlichsten Künig Cyro. Jch kan auch nit vnderlassen zemelden / dz Göttlich vnd gwisse vorwissen der h. Propheten / dz sie gehept von denen dingen / die erst nach vil hundert jaren sind geschehen. Dann dz ich andrer geschweige / hat nit Esaias gantz eigentlich vor gsagt alles das / dz hernach durch die Juden an vnserm Herren Jesu Christo ist erfült worden? Darumb er nit vergäbenlich von den alten mee für ein Euangelischen / dann für ein Propheten oder weissager ist ghalten worden. Er hat auch den nammen deß Künigs Cyri genempt vnd vorgsagt zum wenigsten clx. jar eb vnnd [ehe denn] Cyrus yenen geboren wurde. So ist auch Daniel recht von den alten genent worden Polyhistor / dz ist / der vilwissend. Dann alles dz von seiner zeit an biß auff Christum / ja biß vff den letsten tag deß grichts geschehen ist vnd noch geschehen wirt /gar nach in allen reichen der welt / fürnemlich in dem volck Gottes / dz hat er alles so dütlich vorgsagt / dz einen beduncken möchte / er schribe nit von künfftigen sonder von bschehnen dingen.
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Das / sprich ich / bezeüget alles heiter / das die leeren vnd gschrifften der heiligen Propheten das waar wort Gottes selb sind / wie dann auch die heilig gschrifft selbs jnen den tittel vnd nammen allenthalben gibt. Dann ye der heilig Apostel Petrus spricht / das die Prophecey nitt auß menschlichem willen herfür bracht seye / sonder die heiligen menschen Gottes habinds geredt / getriben von dem heiligen geist.
Wiewol nun aber Gott sein wort vberflüßig / heiter / klar vnd einfalt der welt durch die heiligen Ertzvätter / durch Mosen / die Priester vnd Propheten eröffnet hat / so hat er doch sömlichs in den letsten zeiten zum aller heitersten vnd einfaltigesten dem gantzen vmbkreiß der erden durch seinen sun fürgelegt. Dann der eingeboren sun deß vatters / ist selbs von himmel kommen / vnd hat alles erfüllt/ was vnd wie es die Propheten vorgesagt / vnd hatt also auff die drey jar alle waare gottsäligkeit geleert. Dann Joannes spricht / Es hat nieman ye Gott gesehen / der eingeboren sun / der da ist in der schoß deß Vatters / der hats vns erzellt. So spricht der Herr selb zuo seinen Jüngern / Alles was ich von meinem vatter ghört hab / das hab ich euch kundt gethon. Jtem / ich bin das liecht der Welt / wer mir nachvolget / der wandlet nicht in der finsternuß / sonder wirt haben das liecht deß lebens. Es hat aber der Herr geleert / das einem yeden der da begärt sälig zewerden vnd gehn himmel zekommen / von nöten syge die himmlisch widergeburt. Dann in der ersten geburt werde der mensch zum tod geboren / in der andern zum leben. Dise widergeburt beschähe aber durch den geist Gottes / der durch den glauben vnsere hertzen ernüwere / ja durch den glauben in Christum / der da gestorben ist für vnsere sünd / vnd wider aufferstanden vmb vnser gerechtmachung willen. Durch disen glauben hat er gleert / werdind die glöubigen grecht gmachet / vnd auß disem glauben entspringind vnd erwachsind vil vnd mengerley frücht der liebe vnd vnschuld / zuo wölchen er die welt mit höchstem ernst vermanet hat. Darzuo hat er geleert / das er dz end vnd die erfüllung deß gsatztes vnd der Propheten sey / vnd hat hiemit die leer Mosis vnd der Propheten bestätiget vnd außgelegt. Näbend der leer / hat er grosse wunderzeichen vnd wolthaten gewürckt / mit wölchen er sich erklärt hat sein das liecht vnd den erlöser der welt. Das auch dise sein leer vnd seine wolthaten der gantzen welt kundtbar wurdind / so hat er jhm hierzuo zeügen erwölt / die er Apostel genennt / darumb das er sie in den gantzen vmbkreiß der erden zuo predigen senden wolt vnd verordnet hat. Dise zeügen warend einfalte / vnschuldige / fromme / waarhaffte leüt / die vmb kein list noch trug ützit [etwas] wißtend / sonder gantz trüw vnd redlich warend. Deren nammen nit on frucht offt in der kirchen gemeldet werdend. Vnd sind deßhalb das jhre nammen / Petrus vnd Andreas / Jacobus vnd Joannes / Philippus vnd Bartholomeus / Thomas vnd Matheus / Jacobus Alphei vnnd Judas sein bruoder / mit dem zuonammen genennt Thaddeus / Simon vnd Judas der Jscarioth / an wölches statt aber / dieweil er den Herren verrathen hatt / der heilig Mathias ist erwölt worden. Dise habend auff die drey jar den Herren / ja sein himmlische leer selb gehört / vnd seine Göttliche thaten vnd werck gesehen. Er hat sie auch nach seiner himmelfart / durch sendung deß heiligen geists vom himmel herab / in allweg geschickt vnnd krefftig gemachet. Dann wie sie der gschrifft wol erfaren / also kontend sie auch mit allerley spraachen reden / vnd warend darinnen wol beredt. Nach wölcher begabung sie von Jerusalem außzogen sind / vnd habend die gantz welt durchstrichen / allen landen vnd völckern geprediget / was jnen zuo predigen vom Herren vnd heyland der welt Jesu Christo selbs befolhen was. Vnd als sie yetzund etlich jar mundtlich geprediget / habend sie auch dz sie prediget / in geschrifft verfasset. Dann etliche habend geschriben die Histori von den leeren vnnd thatenVI. / 6a
Christi / andere von den leeren vnd thaten der Apostlen / andere habend mancherley Epistlen vnd Sendbrieff hin vnd wider an die kirchen vnd völcker geschriben. Jn wölchen allen sie zuo bezeügung der waarheyt / auch die geschrifften deß alten gsatztes vnnd der Propheten brauchend / wie wir dann sömlichs auch vom Herren selb beschähen sein läsend. Zuo disen zwölff Apostlen gehörend auch die zwey grossen liechter der welt / Joannes der Töüffer / der der gröst von weibern erboren / vnd Paulus der außerwellt werckzeüg / vnd fürträffenlich leerer der Heyden.
Dise aber alle / namlich Joannes der vorbott deß Herren / vnnd die heiligen Apostel Christi / habend nitt on vrsach allwegen in der kirchen Gottes grosses ansehen vnd glauben gehept. Dann zuo dem das sie Botten gewesen deß ewigen Künigs vnd deß Herren der gantzen welt / so sind sie auch mitt dem heiligen geist begabet gewesen / vnd habend von jnen selbs vnd auß jhrem guotduncken nützit [nichts] fürgenommen oder gehandlet. Es hat auch der Herr durch jren dienst grosse wunder gewürckt / das er also damit jren dienst zierete / vnd jr leer dester ansehnlicher vnd dest glaubwirdiger machte. Jch geschweigen das sie mitt dem wort Gottes alle welt bekeert / vnd durch die gantz welt hin fürtreffenliche kirchen gesamlet vnd angerichtet habend. Welches sie durch menschliche rathschleg vnd wort nimmermee hettend mögen zuowegen bringen. Darzuo dienet auch / das sie dermassen an diser leer / als der waaren läbendmachenden leer gehalten / das sie sich nit gewidriget auch darfür zuo sterben. Ja nit nur sie / sonder auch alle die / so der Euangelischen leer geglaubt / habend sich nicht entsässen [entsetztet] / durch wasser / fewr vnnd schwert dises leben zuo enden / vnd das ewig zuo ergreiffen. Das hettend die außerwölten glöubigen nitt gemögen / wenn die leer deren sie glaubt / nicht were Göttlich gewesen. Derhalben wiewol die Apostel menschen gewesen / so ist doch jr leer / die sie erstlich mundtlich geleert vnd angeben / demnach auch mit der fäderen in geschrifft verfaßt habend / die waar Göttlich leer / vnd deßhalb das waarhafft wort Gottes selb. Darumb dann auch der heilig Apostel Paulus zun Thessalonichern schreibt / da jhr empfiengend von vns das wort Göttlicher predig / namend jr es auff / nicht als menschen wort / sonder wie es dann waarhafftig ist / als Gottes wort / welches auch krefftigklichen würckt in euch die jr glaubend. Nun vorderet [erfordert] die notturfft / das wir auch zemmen läsind vnnd erzellind die heiligen büecher / in denen das wort Gottes / das erstlichen also von den Vättern / demnach von Christo selb vnnd den Apostlen mundtlich herfür bracht / darnach auch von den Propheten vnd Apostlen in gschrifft verfaßt ist / begriffen wirt. Da werdend nun erstlich gesetzt die Fünff büecher Mosis. Auff die volgend / Das buoch Josue / Das buoch der Richteren / Ruth / zwey büecher Samuels / zwey der Künigen / zwey der Chronicken. Jtem die büecher Esdre / Nehemie vnd Hester. Darnach das buoch Job. Jtem Dauid / oder das Psalmenbuoch. Jtem drey büechli Solomons / Die Weisen Sprüch / Der Prediger vnd die hohen Lieder. Darzuo gehörend auch die vier grössern Propheten / Esaias / Jeremias / Ezechiel vnd Daniel. Jtem die zwölff kleinern Propheten / deren nammen einem yeden wol bekannt sind. Diß sind die büecher deß alten Testaments. Das Neüw Testament haltet inn / erstlich die Euangelisch Histori von vnserem Herren Jesu Christo / so beschriben ist von vier männeren / deren zwen Apostel gewesen Mattheus vnd Joannes / die andern zwen aber jünger / Marcus vnd Lucas. Welicher Lucas auch ein vberauß schön vnd nutzlich buoch gemacht hat von den geschichten der Apostlen. Vnder den Apostlen hat Paulus viertzehen Epistlen geschriben zuo etlichen gmeynden vnd besondern personen. Die andern Apostel habend siben geschriben / die man Canonicas vnd CatholicasVlv. / 6b
heißt. Zuoletst werdend die büecher deß Nüwen Testaments beschlossen mit der Offenbarung Jesu Christi / die er seinem geliepten jünger dem Euangelisten vnd Apostel Joanni geoffenbaret hat / darinn er jhm vnd der gantzen kirchen anzeigt / wie es der kirchen Gottes ergon werde biß zum tag deß gerichts. Jn disen wenig büecheren / die da gsund / nitt groß / heitter vnd einfalt / nit dunckel oder verworren sind / wirt begriffen die volkommen leer der Göttlichen dingen / ja das wort deß waarhafften ewigen vnd lebendigen Gottes.
Es sind auch die büecher Mosis vnnd der Propheten / gantz vnd vngefelscht durch so vil hundert jar / durch so vil gfaaren / gefangenschafften vnd enderungen deß volcks Gottes kommen / biß vff die zeitten Christi vnd der Apostlen. Dann der Herr Jesus vnnd die heiligen Apostel habend dise büecher als vngefelschte vnnd glaubwirdige gebraucht / das sie freilich nit wurdind gethon haben / oder mögen thuon / so sie eintweders gefelscht / oder aber gar verloren wärind gewesen. Vnd also sind auch die büecher / die die Apostel Christi gemacht vnnd hinzuo gethon / mit sampt dem gsatz vnd den Propheten gantz vnd vngefelscht in der kirchen ye vnd ye durch alle verfolgungen erhalten worden: vnnd auch also vngefelscht vnnd gantz vns / auff die das end der welt kommen / in die hend worden. Vnd ist söllichs auß grosser fürsorg / vnd auß vnaußsprächlicher güette Gottes vnsers treüwen Vatters beschähen / damit man zuo keinen zeitten dises theüren vnd wärden schatzes manglete. Also hab ich ewer liebe bißhar erklärt / was das wort Gottes syge. Wie das angefangen vnd zuogenommen / wie gwissz vnd wie glaubwirdig es syge. Das es namlich syge Gottes red / vnd offenbarung seines guotten willens gegen den menschen. Welches er von anfang etwan selb mundtlich / etwan aber durch die Engel / den vreltisten vnnd heiligesten vättern geoffnet / die sollichs mit allen trüwen auch jren nachkomnen angeben. Vnder welchen Vnd er welchen vättern die fürnemmsten liechter der welt gewesen sind / Adam / Seth / Mathusalem / Noe / Sem / Abraham / Jsaac / Jacob / Amram / vnd dessen sun Moses. Wölcher auß Gottes befälch die geschichten vnnd angebungen der heiligen Ertzvätteren / auch das gsatzt Gottes vnd desselben außlegung / mit schöner vnd weytlöuffiger beschreibung der geschichten seiner zeit in geschrifft verfasset hat. Nach Mose demnach hatt Gott seiner kirchen andere fürtreffenliche männer geben / Propheten vnd Priester / die auch das / daß sie vom Herren empfangen / mundtlich vnd geschrifftlich angeben habend. Nach disen ist der eingeboren sun Gottes selbs von himmel herab in dise welt kommen / vnnd hat erfüllet alles / das von jm in dem gsatzt vnd in den Propheten geschriben was. Darnebend hat er auch geleert ein volkomnen wäg frombklich vnd säligklich zeleben / vnd dessen hat er die Apostel zuo zeügen angenommen / Wölche harnach alles das jhnen der Herr angeben / erstlich mundtlich geprediget / darnach aber auch damit es nit gefelscht wurde / oder in vergässz käme / auffgeschriben. Das wir also yetz das wort Gottes habend / wie es von den Vätteren / Propheten vnd Apostlen geprediget vnd geschriben ist. Vnd das alles ist har geflossen auß dem einigen geist Gottes / vnd reicht auch alles auff ein end / namlich das die menschen lernind wol vnd Gottsäligklich leben / vnnd nach diser zeyt das ewig leben erreichind. Wer nun denen nicht glaubt / vorauß dem eingebornen Sun Gottes / wem wil er dann glauben? Hie habend wir die aller heiligisten / frömbsten / verrüemptisten / gerechtisten / eltesten / weysesten / Gottseligesten männer / vnder allen die ye vnd ye gelebt in der gantzen welt / vnd denen nun niemand sonst zuo vergleichen ist / deren vns sonst die gantz welt keine köndt anzeigen / wenn sie schon vber tausendt mal in Synodos oder Concilia versamlet wurde. Der fromm Keyser Constantinus hatt auß der gantzen welt zemmen gelesen einVII. / 7a
allgemeyn Concilium / vnnd sind dreyhundert vnd achtzehen der aller fürtreffenlichsten männern vnd vättern deß gantzen erdbodens zemmen kommen: Aber vnder allen verständigen ist nieman / der die selben nur als ein schatten achte vnnd vergleiche / gegen denen männern / von denen wir das wort Gottes empfangen. Darumb so söllend wir in allem / dem wort Gottes glauben / das vns in der heiligen geschrifft angeben ist / vnnd wissen / das der waar lebendig ewig Gott selbs durch die geschrifft mitt vns redt. Lassend vns deßhalb sein Nammen vnnd guote zuo allen zeitten loben / der sich also vnser erbarmet / das er vns armen menschen so trülich / volkommenlich vnd eygenlich die gantze weiß wol vnnd Gottsäligklich zuo leben angeben hatt. Jm syge lob vnnd ehr inn ewigkeyt. Amen.
2.Pr.Die Ander Predig.
Von dem wort Gottes / wäm / vnnd zuo was end [warzuo] das geoffnet [geoffenbaret] / wie man auch das selbig sölle hören / vnd das es volkommenlich begreiffe vnd leere alles das zuo waarer Gottsäligkeyt dienet [von nöthen ist].
EVwer liebe hat inn der nechsten Predig gelernet was dz wort Gottes sye / wohar es kommen / durch wän es geoffenbaret / wie es zuo gnommen / wie glaubwirdig vnd gewissz es sye. Nun wil ich aber / mit hilff Gottes vnd euwers gebätts euwer liebe auch zuo verstan geben / wäm / vnd zuo was end / es syge geoffenbaret / wie man auch dasselbig hören sölle / was sein krafft / würckung vnd vermögen syge. Gott vnser Gott / ist aller völckeren vnd menschen Gott / der wil nach dem wort Pauli / das alle menschen sälig werdind / vnd zuo erkanntnuß der waarheyt kommind / vnd darumb hat er von wegen aller menschen / jnen zuo guotem / zuo jrem leben vnd säligkeit sein wort geoffnet [geoffenbaret] / damit es syge ein richtschnuor vnd waag [weg] / nach dem die menschen durch den wäg der gerächtigkeyt gefüert werdind zum ewigen leben. Vnd ob wol waar / das sich Gott vorzeitten den Jsraelitern / als seinem besondern volck gheimer auffgethon vnnd zuo erkennen geben hatt / (wie der Prophet spricht / Er erzellt vnd thuot kundt sein wort Jacob / vnd seine rechte dem Jsrael / dergleichen hatt er keinen Heyden thon / vnd seine Rechte jnen nit geoffenbaret.) Noch so hatt er der Heyden auch waar genommen. Dann zuo dem das er den Jonam den Niniuitern geschickt / so habend auch Jsaias / Jeremias / Daniel vnnd andere Propheten mit grossem ernst auch die Heyden geleert vnd gewarnet. Es habend auch die vralten vätter Noe / Abraham vnnd andre / nit nur das Jsraelitisch volck das von jnen / sonder auch andre jre kinder von denen andre völcker kommen / die gerichte deß Herren geleert. Vorab hat vnser Herr Jesus Christus seinen Apostlen die gantze welt auffgethon / vnnd gesprochen / leerend alle völcker / vnd predigend das Euangelium allen Creaturen. Vnnd als S. Peter noch nit volkommenlich verstuond / das die Heyden auch ghortind zur gmeynsamme der kirchen Christi / vnd das die predig deß Euangelij von dem heil das allen glöubigen durch Christum erworben vnd erlanget ist / auch den Heyden zuoghorte / Do vnderrichtet jnn dessen der Herr / durch ein himmelsche gsicht / vnd durch stimmen von himmel / auch durch die bottschafft Cornelij / die mitthin zuo kam / wie euwer liebe weyßt auß der Histori der geschichten der Apostlen. Darumb so söllend wir behalten vnd mercken / das daß wort Gottes vnd die heilige geschrifft allen menschen geoffenbaret ist / zuo was zeitten / inn was alter / geschlecht / stand vnnd wesen sie joch jmmer sygend / dann auch der heilig Apostel Paulus söllichs bezeüget / da er spricht / alles was fürgeschriben ist / das ist vns
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zur leer fürgeschriben / auff das wir durch gedult vnd trost der geschrifft hoffnung habind.
Darumb soll niemants sagen / was gadt mich an / was den Juden im alten Testament fürgeschriben syge / oder was die Apostel den Römeren / Corintheren oder anderen völckeren geschriben habind / Jch bin ein Christ / Die Propheten habend jhren leütten / vnnd die Apostel jhren zeyten prediget vnnd geschriben. Dann so wir die sach recht ermessend / so sehend wir das wir eben darumb den geschrifften deß Alten vnnd Neüwen Testaments söllend glauben / darumb das wir Christen sind / dann Christus vnnser Heyland vnnd Leermeyster vns ye auff die geschrifften Mosis vnd der heiligen Propheten weißt. So zeücht auch der außerwölt werckzeüg Christi Paulus der alten Sacrament vnd Exempel auff vns / namlich die Beschneidung im Tauff Coloss. am andern cap.[2.21] vnnd das Osterlamm in der geheymnuß deß Abendtmals 1.Corinth.v.[7 vnd 10.2.] Jn wölcher Epistel im zehenden capitel er auch vilerley exempel der vätteren auff vns zeücht. Vnd zun Römeren am vierten capit.[2] Da er disputiert von dem glauben / wie der gerecht mache on die hilff deß gsatzs vnd der werchen / da füert er in das exempel Abrahe / vnd setzt drauff also. Söllichs ist aber nitt geschriben allein von Abrahams wegen / das jm sye der glaub zur gerechtigkeyt grechnet / sonder auch von vnsert wegen / denen er auch also wirt gerechnet werden so wir glaubend / usw. Also aber (sprächend ettlich) / werdend wir wider ins gsatzt verstrickt / werdend vns wider müessen beschneiden lassen vnd opfferen thier vnnd bluot / auch das Aaronisch Priesterthum auffrichten mit sampt dem Tempel vnd anderen Ceremonien / Vnd wirt der scheydbrieff wider zuogelassen werden / auch das einer möge vil weiber haben? Antwort. Wir müessend bedencken das im alten Testament ettliche ding sind die allweg wärend / ettliche ding aber Ceremonisch / vnd die allein biß auff die zeit der verbesserung geben sind worden. Die zeit der verbesserung ist die zeit Christi / der dem gsatzt gnuog thon vnd den fluoch deß gsatztes auffgehept hat / der selbig hat auch den Tauff an statt der beschneidung befolhen / vnd hat alle opffer mitt seinem einigen opffer auffgehept / also das wir yetz keine opffer mer habend / dann das einig opffer Christi das ein mal für vns alle geschehen ist / in welchem vnnd durch welches wir auch lernend vnsere leib / gebätt vnd allmuosen als geistliche opffer / Gott dem Herren opfferen. Also hatt der Herr an statt deß Aaronischen Priesterthumbs eingesetzt sein vnd aller Christen Priesterthum. Wir sind der Tempel Gottes / inn welchem Gott durch seinen geist wonet. Alle Ceremonien hat auch Christus abthon / deßgleichen den scheydbrieff vnd vile der weiberen Matth. am neüntzehenden. Vnd wiewol dise Ceremonien vnnd ausseren breüch / durch Christum sind abthon vnd auffgehept / das sie vns nicht mer bindend / so ist doch die geschrifft die von denen dingen lautet / durch Christum nit auffgehept noch abgethon / dann es muoß allwegen inn der kirchen Christi ein gewisse zeügknuß sein / darauß wir lernind / was die alten für eussere dienst vnnd anbildungen Christi gehept habind. Die selben söllend yetz vns in der kirchen Christi geistlich außgelegt / vnd Christus / die verzeihung der sünden / vnd besserung / darauß nit weniger dann auß den geschrifften deß Neüwen Testaments geleert werden. Darumb sind von Gott auch die geschrifften deß alten Testaments allen menschen gegeben / vnd habend auch die heiligen Apostel allen kirchen zuo guottem das geschriben / das sie anfäncklich besondern kirchen zuogeschriben. Auff das end hin [Darzu] aber ist dz wort Gottes den menschen geoffnet / dz es sie leere Gott vnd seinen willen erkennen wer Gott sye / vnd wie er gegen den menschen gesinnet / das er wölle das sie sälig werdind / vnnd das durch den glauben innVIII. / 8a
Christum. Jtem wer Christus syge / vnnd wie es ein gestalt hab vmb den handel der säligkeyt. Was rechten Christen gebüre vnd zuostande zuothuon oder zuo meiden. Dann es ist nit gnuog den willen Gottes nur wissen / wir müessend jnn auch thuon. Darumb dann Moses spricht / Hör Jsrael die gebott vnd rechte / die ich euch leeren / das jrs thüegind vnd läbind. Vnd der Herr im Euangelio bezeüget vnd spricht / Sälig sind die das wort Gottes hörend vnd haltends.
Darinn dann höchlich zuo preysen die vnerschöpfflich güette Gottes / der vnns nützit verhalten von allem dem / das zuo einem guoten vnd säligen läben dienet. Die weisen vnnd geleerten diser welt habend die art / daß sie gern ander leütten die weyßheyt vnnd das wissen mißgunnend / aber vnser Gott nit also / sonder er beüttet vnns selbs an das wissen aller himmelschen dingen / vnnd begert nichts mer / dann das wir darinn zuonemmind / vnnd hilfft vnns so wir fleißig sind. Dann also spricht er selb im Euangelio / Welcher hatt / dem wirt geben / damit er vberflüßig habe. Jtem / Wer da bittet dem wirt geben / wer suocht / der findet / wer klopffet / dem wirt auffgethon. Dahar auch der heilig Apostel Jacobus spricht / Manglet yemandt weißheyt vnder euch / der begäre sie von dem der da gibt / namlich von Gott / der da einfaltigklich gibt / das ist gern vnnd nicht beschwerlich / vnnd verweißts niemandts / so wirt sie jhm gegeben werden. Da wir an einem fürgang [beyleuffig] auch sehend was vnser ampt syge / namlich das wir bey dem läsen vnnd hören deß worts Gottes fleißig vnnd ernstlich bittind / das wir das end erlangen mögind / zuo dem vnd von deß wegen vns das selbig gegeben vnnd eroffnet ist. Von dem wir aber hernach weytter reden wöllend / nach dem wir anzeygt habend wie man das wort Gottes hören sölle. Jetzund dieweyl wir gemeldet / das daß wort Gottes vnns darzuo syge geoffenbaret / das es vns berichte der wegen Gottes vnd vnsers heils / so wil ich euwer liebe mitt kurtzen wortten erklären / das in dem wort Gottes / so vns durch die heiligen Propheten vnnd Apostel angeben vnd fürgeschriben / alle Gottsäligkeyt / ja alles das / daß zuo einem rechten guotten vnnd säligen läben dienet begriffen syge. Dann es volget ye das die leer inn allwäg volkommen sein muoß / zuo deren vnnd von deren man nützit thuon sol. Also ist aber die leer deß worts Gottes / wie Moses zeüget Deut. am vierten vnd zwölfften / vnnd Salomon in Sprüchen am dreißigsten capitel. Wer wil deßhalben nit bekennen / dann das alles so zuo Gottsäligem wäsen dienet vns inn der heiligen geschrifft sye fürgestellt? Darzuo so kan niemand laugnen / dann das daß ein volkomne leer sein muoß / durch welche der mensch also vervolkommet wirt / das er inn diser welt für ein frommen menschen gehalten / vnd nach diser zeyt zuo der ewigen gemeynschafft Gottes gezellt wirt. Welcher aber dem wort Gottes das durch die Propheten vnd Apostel der welt fürgelegt ist / glaubt / vnd nach demselben lebt / der wirt gerecht genennt vnnd ist ein erb deß ewigen lebens. So volget ye darauß / das dise leer ein volkomne leer syge. Welches auch der heilig Apostel Paulus weytlöuffiger vnd heyterer erklärt / da er spricht / Alle geschrifft von Gott eingeistet [eingegeben] / ist nütz zur leer / zur straff / zur besserung oder auffbauwung / zur züchtigung in der gerechtigkeyt / das ein mensch Gottes sye volkommen / zuo allem guoten werck geschickt. Da habend jhr ye lieben brüeder ein heyttere zeügknuß von der volkommenheyt deß worts Gottes / da habend jhr alle stuck die zuo einer volkomnen leer gehörend. Da habend jr die volkomnen würckung deß worts Gottes / das namlich ein mensch oder diener Gottes / der da recht Gottsförchtig ist / auß diser leer / gantz vnd volkommen mag werden / nit nur zun etlichen / sonder zuo allen guoten wercken bereittet vnd geschickt. Wer hat dann mangel daran? Jch acht nitt das yemand so vnuerständig / der diseVIIIv. / 8b
wort Pauli allein von dem alten Testament verstande / so doch heytterer dann der tag / das Paulus söllichs zeücht auff seinen Timotheum / der ein Prediger vnd diener deß Neüwen Testaments was. So aber die leer deß alten Testaments volkommen ist / wie vil volkomner wirt sie dann sein so auch die büecher deß Neüwen Testaments darzuo kömmend?
Jch weyß wol das vnser Herr Jesus Christus vil thon vnd geredt hat / das von den Apostlen nit ist geschriben worden / darauß volget aber nicht / das darumb die leer deß worts Gottes so durch die Apostel angeben nitt volkommen sye. Dann der heilig Apostel vnd Euangelist Joannes bekennt offenlich [offentlich] / das der Herr noch vil gethon habe / das nicht in seinem buoch geschriben sye. Dises aber / spricht er / ist geschriben / das jhr glaubind das Jesus sye Christus der sun Gottes / vnd das so jrs glaubend das läben habind durch seinen nammen. Da zeigt er ye an / das in diser seiner leer / die er in geschrifft verfaßt / der glaub volkommenlich geleert werde / vnd das durch den glauben dz ewig leben von Gott werde geben / söllichs leben aber ist das end der volkomnen leer. Dieweyl nun dises den menschen begegnet durch die leer deß heiligen Euangelij / wie die inn geschrifft ist / so volget ye das sie on mangel vnd volkommen sye. Jch weyß auch wol / das der Herr im Euangelio gesprochen / Jch hab euch noch vil zuo sagen / aber jr mögends yetz nit tragen. Jch weiß aber auch das / das er gleich darauff gesetzt / So aber der geist der waarheyt kommen wirt / so wirt er euch in alle waarheyt füeren. Jch weiß auch das diser geist der waarheit also kommen ist in die Apostel / vnd glaub deßhalb das sie nach der waarhafften verheissung Christi gefüert sygind worden in alle waarheyt / also das offenbar ist das jnen nützit gemanglet. Dieweyl vnd aber söllichs nit mag verlaugnet werden / so wöllend sich etlich mit dem behelffen / vnnd werffend für / die Apostel heyginds wol alles gewißt / vnd alles mundtlich geleert vnd angeben / sie habinds aber nit alles in geschrifft verfasset / das zuo waarer vnd volkomner Gottsäligkeit diene. Gleich als obs der warheit gleich sehe / dz die trüwen Apostel Christi heigind wöllen boßklich [bößlich] der nachkommenden welt etwz verhalten / vnd als ob der gelogen hab / der da spricht / Dises aber ist gschriben / auff dz so jr glaubind / habind dz ewig leben. Darumb so hat Joannes nützit [nichts] vnderlassen alles deß dz da hat mögen zuo volkomnem glauben dienen. Also hat auch Lucas nützit vnderlassen / also auch die andern Apostel vnd jünger vnsers Herren Jesu Christi. Paulus hat viertzehen Episteln geschriben / die der merteyl all eins inhalts / darauß man wol kan abnemen / dz die waar volkommen leer aller Gottsäligkeit darinn begriffen sye / dann sonst wurde er nit ein ding jmmerdar mit so vilen worten einbleüwen / so neißwan [etwa noch] andre stuck werind / die da noch nit gleert / vnd aber zum heyl von nöten werind / Die wurde er on zweifel auch gschriben / vnd nit ein ding so offt wideräferet [widerholet] haben. Jm dritten cap. der Epistel zun Ephesern zeüget er ye heiter / das er inn den zwey ersten Capitlen der selben Epistel außgelegt habe / all sein wissen das er habe vom Euangelio / dann er spricht / Mir ist kundt worden dise gheimnuß durch offenbarung / wie ich daoben geschriben hab auff das kürtzest / daran jr / so jr es läsend mercken mögend meinen verstand in der geheymnuß Christi. Sihe / das schreibt er nur von einer einigen Epistel / ja nur von den zwey ersten Capitlen der selben Epistel. Vnnd so erst zuo deren kömmend so vil langer vnd schöner Epistlen die er auch gmachet / Jtem auch andrer Apostlen Epistel oder sendbrieff / wer wil (er hab dann kein vernunfft) können sagen / dz die H. Apostel in jren gschrifften ein vnuolkomne leer habind hinder jnen verlassen. Aber die leüt die so hefftig darumb zanckend / die Apostel habind allein muntlich aber nit gschrifftlich alles dz zur gotsäligkeit dienet angeben / die gond darauff vmb / dz sie jre / das ist menschliche satzungen an stat deß worts Gottes mögind verkauffen vnd vff bringen.IX. / 9a
Aber wider das gifft behaltend lieben brüeder dise artzney / Namlichen / conferierend vnnd haltend allweg gegen anderen / die mundtlichen angebungen die die Apostel muntlich aber nit geschrifftlich soltend angeben haben / vnd die heitteren geschrifften der Apostlen / vnd so jr findend / das die angebungen jren geschrifften vngleich vnnd vngemäß / so wissend gewißlich / das sölliche menschen fünd vnd erdencken [gedicht] / nit Apostolische Angebungen sind. Dann dieweil die heiligen Apostel ein einigen geyst der waarheyt gehept / so habend sie nicht eins geschrifftlich hinder jhnen gelassen / ein anders aber mundtlich angeben. Man muoß auch eygentlich erduren [erforschen] / ob dise angebungen meer Gottes ehr suochind oder der menschen / Jtem ob sie mer dienind zuo nutz vnnd wolstand der glöubigen / oder zuo eygnem nutz der Pfaffen. Vnd sol man sich deßhalb wol hüetten vor den menschen satzungen / vorauß dieweyl der Herr selb spricht / Sie ehrend mich vergeben / mitt dem das sie leerend / leeren die gebott der menschen sind. Vnnd ist deßhalb nichts sicherers vnnd gewissers / dann dem wort deß Herren das vnns inn der geschrifft zuokommen ist / anhangen / wölches vberflüßig alles das leert vnd angibt / das zuo waarer säligkeyt dienstlich ist.
Nun müessend wir aber auch von dem reden / wie dise volkomne leer deß heils vnnd aller Gottsäligkeyt / ja das wort Gottes selb / von den glöubigen sölle gehört werden / damitt es mit ettwas / ja mit grosser frucht gehört werde / das wil ich nun in einer summ anzeigen. Das wort Gottes soll man hören mit grosser andacht vnd reuerentz [ehrenbietung] / die man dann billich Gott vnnd allen Göttlichen dingen schuldig ist. Man sol es auch hören fleißig vnd empsig / vnd das mit ernstlichem vnd einbrünstigem gebätt / Man sol es hören mit verstand vnnd nachtrachtung / also das wir vns dardurch erbesserind [bessern] / vnd Gott durch vns geprisen werde. Nitt das wir fürwitzigklich die verborgnen rathschleg Gottes durchforschen wöllind / oder das wir gesehen werdind geleert sein / vnnd viler dingen erfaren. Es sol ein maß darinn vnd ein gwissz end gehalten werden / darauff alles zuohören gange / namlich / waarer glaub / Gottes ehr vnd vnser seligkeyt. Dann im andern buoch Mosis / heißt Gott den Mosen das volck heiligen vnnd vorbereitten zuo der predig / die Gott deß nachgenden tags zuo jhnen thuon wolt. Darumb nam Moses das gantz volck vorhanden / hielt jnen für die gehorsamme die sie Gott vnnd seinen dienern leysten soltind / vnd schuldig werind. Darnach gebot er jnen / das sie jre kleyder wüeschind / das sie sich auch enthieltind von den wyberen / Er stackt jnen auch zil vber die nieman bey seim leben trätten sölte. Auß welchem allem wir feyn sehend / was Gott für zuohörer haben wölle / sölliche namlich / die gehorsam vnd Gottsförchtig sygind inn allen dingen. Dann Gott redt mitt den menschen / wir sind aber Gott alle forcht vnd ehr schuldig / wer sich nun nicht demüettigklich vnnd bittender weyß Gott vnderwirfft vnd jm gehorsammet / der ist ein Gottloser. Darnach wirt auch erfordert von rechten zuohörern deß worts Gottes / das sie sich aller fleischlichen gemeinschafft entziehind / wölches dann durch das wäschen der kleydern bedeütet ward / namlich das wir hinleggind allen vnflat / alle vnreinigkeyt der seelen vnnd deß leibs / das wir vns enthaltind auch von nachgelaßnem [erlaubtem vnnd zugelassenem] wollust. Der heilig geist liebet gereinigete hertzen / die doch nienerdurch anderst [durch nichts anders] dann durch jn selbs mögend gereiniget werden. Da ist notwendig ein auffrichtiger glaub zuo Gott / vnd ein geneigter will / der da begirig syge zuo leben nach allem dem das in dem wort Gottes gebotten wirt. Man sol auch nit zevil wöllen wissen / sonder hinlegen alle vnnötige fürwitzige fragen. Allein lernen das nutz vnnd guot. Zum letsten sol man auch grossen fleiß anwenden inn hören vnnd in lernen / Dann Salomon spricht / wenn du der weißheyt wirst nachforschen wie dem gold / so wirst sie erlangen. Jtem / wer die Mayestet ergründen wil / der wirtIXv. / 9b
von der grösse der herrligkeyt nider getruckt. Jtem / die ding die dir zehoch vnd zeschwär sind / denen frag nit nach / vnd das deine krefft vbertrifft / das wöllist du nit erfüntelen [darinn wöllest du nicht grübeln] / sonder was dir Gott gebeütet / dem tracht allweg nach / vnd biß in seinen wercken nit zuo fürwitzig / dann es ist dir nitt von nöten das du das verborgen mit deinen augen ansehist. Jtem also auch Paulus / Halte nieman hoch von jhm selb / vermässe sich keiner mer zuo wissen dann man wissen sol / sonder ein yegklicher wisse also / das er bescheyden sye vnd vernünfftig / nach dem vnd yedem Gott außgetheylt hat die maß deß glaubens. Daher auch das gehört / dz er an eim andern ort spricht / Dz wissen blaßt auff / die liebe aber buwet.
Besonders aber sol man sich hie hüetten vor denen üblen / die das wort Gottes ersteckend / vnd außlöschend in den hertzen der zuohörern / das es one frucht bleibt. Welche übel vnd prästen [gebrechen] der Herr fein außtruckt hat in der Parabel deß Säymanns. Dann erstlich so verderbend das wort Gottes / die eytlen vnnd schweiffenden bösen gedancken / die da allweg offen stond den einblasungen deß Teüffels / vnnd dem bösen geschwätz / vnnützer menschen. Darnach so mögend auch alle zärtling vnnd die dem wollust ergeben / vnd deßhalb von Christi vnd deß Euangelij wegen nichts leiden mögind / das wort Gottes nimmer mit rechter frucht hören / ob sie gleich dergleichen thuond als ob sie es mit fröuden hörind vnd auffnemmind. Jtem die sorg diser welt / vnd betrugliche der reichthumben / sind gantz verderbliche prästen [gebrenchen] an den zuohörern deß worts Gottes. Dann sie hinderend nitt nur den saamen deß worts in den hertzen das er nicht frucht bringt / sonder sie machend auch / dz einer anfacht dem wort Gottes widersprächen / vnd leyds zuofüegen denen die sich deß worts Gottes fleissend vnnd annemmend. Darumb wir hie fleißig wachen vnnd auffsehen müessend / das wir nicht durch semliche stuck verböseret [mit solchen stucken behaftet] / vergebne vnd vndanckbare zuohörer deß worts Gottes werdind. Wir müessend auch den güetigen vnd gnädigen Gott allweg empsigklich bitten / das er vnns sein heiligen geist verleihe / durch welchen der saamen deß worts Gottes in vnsern hertzen lebendig gemachet werde / auff das wir als rechte vnnd heilige zuohörer deß worts Gottes vil frucht bringind / vnnd das zum preiß Gottes vnd vnserer seelen ewigem heyl. Dann was nutzte es / das wort Gottes hören / on glauben / vnd so der heilig geist Gottes nit innwendig inn vnseren hertzen wurckte? Der heilig Apostel spricht / weder der da wässeret noch der da pflantzet ist ettwas / sonder Gott der das wachsen gibt / darumb so ist das gedyen Gottes von nötten / das daß wort Gottes inn vnseren hertzen wachse / zuonemme / vnnd zuo rechter frucht kömme. Es spricht auch gedachter Paulus weyter / Es ist vns auch verkündet dz wort Gottes / gleich wie den vättern. Aber das wort der predig halff jnen nit / do der glaub nit darzuo gethon ward by denen die es hortend. Dann sie sind inn der wüeste gefallen. Vnd bald darauff / so lassend vns nun eylen einzekommen zuo diser ruow [ruhe] / vff das nit yemants falle mit gleichem exempel deß vnglaubens. Darumb wenn wir das wort ausserlich mit den oren hörend / vnd mit hinzuo der heilig geist sein krafft üebt in vnsern hertzen / das wirs mit waarem glauben annemmend / so hat das wort Gottes grosse krafft vnd würckung in vns. Dann es vertreibt die finsternuß der jrrthumb / thuot vns auff die augen / bekeert vnd erleüchtet vnsere gmüet / vnd vnderrichtet die selben volkommenlich in aller warheyt vnd Gottsäligkeyt. Dauon Dauid der heilig Prophet singt vnd zeüget / sprächende / das gsatzt Gottes ist vollkommen / bekeert die seelen. Die zeügknuß deß Herren ist waarhafft / vnd leert die vnberichteten weißheit / das gebott deß Herren ist rein vnd lauter / erleüchtet die augen. Es speißt auch das wort Gottes / sterckt / krefftiget / vnd tröstet vnsere seelen. Es widergebirt / reinigt / erfröwt vns / vereinbart [vereiniget] vns mit Gott / erlangets vns alles von Gott vnd macht vns sälig. Dz also keineX. / 10a
güetter noch schätz der gantzen welt dem wort Gottes mögend verglichen werden. Vnd söllichs gebend wir dem wort Gottes nit zuo one grund vnd zeügnuß der heiligen geschrifft. Dann im Propheten Amos tröuwet Gott als die höchste straff / den hunger vnd durst / nit deß brotts vnd wassers / sonder deß hörens deß worts Gottes. Darumb stadt auch im gsatzt vnd im Euangelio / das der mensch nit allein im brot läbe / sonder in einem yeden wort das auß dem mund Gotes gadt. Vnd der Apostel Paulus spricht / daß alles das vns fürgeschriben / syge vns zur leer fürgeschriben / auff das wir durch gedullt vnnd trost der geschrifft hoffnung habind. Jtem Petrus / Jr sind widergeborn / nit auß sterblichem / sonder auß vnsterblichem saamen / namlichen durch das wort deß lebendigen Gottes / vnd der do bleibt in ewigkeyt. Das ist aber das wort / das durch das Euangelium zuo euch gebracht ist. Es zeüget auch der Herr im Euangelio vnd spricht / Jr sind yetz rein von deß worts wegen das ich mit euch geredt hab. Jtem er spricht auch / Welcher mich liebet / der wirt mein wort halten / vnd mein vatter wirt jn lieben / vnd wir werdend zuo jm kommen / vnd wonung by jm machen. Also auch Jeremias / dein wort ist mir zur fröud worden. Vnd David / die satzungen deß Herren sind billich / vnd erfröuwend dz hertz. Darzuo dienet auch dz der Herr im Euangelio gesprochen / so jr inn mir bleibend / vnd meine wort inn euch bleibend / was jr wöllend / das werdend jr begern / vnd es wirt euch widerfaren. An eim andern ort spricht der Prophet / wenn jr wöllend vnd hörend / so werdend jr das best im land niessen / so jr aber mein wort nit wöllend hören / so werdend jr vom schwert gefressen werden. Es erzelt auch Moses nach der vile vnd lenge Levit. xxvj. vnd Deut. xxviij.cap. wz guots darauß entstande / so man dem wort Gottes zuohört vnd volget. Darumb haltet auch Dauid dz wort Gottes höher dann alle wollüst vnnd schätz diser welt / da er spricht / Die forcht deß Herrn ist rein vnd steiff in ewigkeit / die vrteil deß Herren sind warhafft vnd gerecht / lustbarlicher dann die menge deß feinesten golds / vnd süesser dann honig oder honigwaben. Die haltet dein diener / dann wer sie haltet / dem wirt ein grosse widergeltung. Vnd dz gsatzt deines munds ist mir besser dann vnzalbar gold vnd silber. Vnd so dein gsatz nit mein wollust were / so were ich verdorben in meinem ellend. Dahar gehört auch die Euangelisch gleichnuß von dem der ein kostlichs pärle kaufft / Jtem von dem der da verkaufft alles das er hat / vnd ein acker darumb kaufft / in dem er wußt ein schatz verborgen sein. Dann disers pärle vnd diser schatz / ist dz Euangelium oder wort Gottes / wölches auch von seiner fürträffenliche wegen in der H. gschrifft etwan genent wirt ein liecht / fewr / schwert / ein hammer der die Felsen zerschlecht / ein schilt / vnd wz dergleichen zuonammen mer sind.
Also hat nun euwer lieb auff dißmal gehört / wie vnser getreüwer Herr vnd Gott / der da wil das alle menschen sälig werdind vnd zuo erkantnuß der waarheyt kömnmind / sein wort habe geoffnet allen menschen inn der gantzen welt / vnd aber darzuo vnd von deß wegen geoffnet / das mengklicher dardurch / er sye was standts / alters oder wäsens er wölle / die waarheit lerne erkennen / vnd berichtet werde der waaren säligkeyt / vnnd ein volkomne anzeigung habe / wie man wol vnd säligklich leben sölle / damit der mensch Gottes volkommen sye / zuo allen guotten wercken bereittet. Dann es hatt der Herr im wort der waarheit seiner kirchen alles das angeben / darinn das heil vnd alle Gottsäligkeit stadt. Ja alles das / das von nöten ist zewissen / von Gott / von seinen wercken / von seinen gerichten / von seim willen vnd seinen gebotten / Auch von Christo / vom glauben in Christum / vnd von allem dz zuo eim heiligen leben gehört / dz ist alles völlig in dem wort Gottes begriffen. Vnnd darff die kirch Gottes nit anderßwo har auß menschen satzungen zebättlen / oder etwas zuohin zeflicken / als ob dem wort Gottes etwz mangle / dann der Herr hat nit nur muntlich vnsere vordern durchXv. / 10b
die Apostel geleert alle Gottsäligkeyt vnd alles heyl / sonder hat auch verschaffet das söllichs in gschrifft käme / welches offenbar ist das es von der nachkommen wegen geschehen / das ist von vnser vnd vnser nachkomnen wegen / damit niemandt auß vns oder den vnseren verfüert wurde / oder yemand falsche angebungen für waarhaffte auffgeriben [fürgetragen] wurdind. Darumb sond wir vns alle hüeten / sollend wachen / vnnd vns allein an das wort Gottes das vns durch die Propheten vnd Apostel in der heiligen geschrifft gelassen ist / halten. Sollend vns auch nach allem vnsern vermögen fleissen / das wir mit glauben vnd frucht / wz vns vom Herren verkündt wirt / hörind. Lassend vns hinwerffen vnd vnder die füeß trucken / alle hindernuß der Gottsäligkeyt / die vns vnser eygen fleisch / die welt vnd der Teüffel einwerffen möchte / sittmalen wir wissend wölches die hindernussen sind vnd die vbel / dardurch der saamen deß worts Gottes in den hertzen der menschen verderbt wirt / auch darbey wissend / was krafft das wort Gottes bey glöubigen zuohörern hat. Darumb lassend vns Gott vnsern Herren anrüeffen vnnd bitten / das er sein heiligen geist inn vnsere hertzen giesse / damit durch dessen krafft vnnd würckung der saamen deß worts Gottes bey vns läbendig gemacht werde / vnd vil fruchts bringe zuo vnserer seelen heyl / vnd zum preyß Gottes vnsers vatters. Dem sye lob vnd ehr inn ewigkeyt / Amen.
3.Pr.Die Dritte Predig.
Von dem verstand vnd der rechten außlegung deß worts Gottes / auff was weiß vnd wäg das sölle vnd möge außgelegt werden.
Jch mercken geliebte brüeder vnnd verstan wol / das auß meiner leer von dem wort Gottes mancherley gedancken inn ettlicher hertzen entstond / ja das etliche auch gar vnuernünfftige reden hieruon außstossend. Dann es sind etlich die da meynend die geschrifft / das ist das wort Gottes / sye tünckler / dann das es von yeman mit frucht möge geläsen werden. Andere dann kämpffend dargegegen / das wort Gottes sye so einfalt von Gott dem menschen fürgelegt / das es keiner außlegung bedörffe / vnnd darumb vermeynend sie / es sölle die geschrifft wol von yederman gelesen werden / es möge aber ein yegklicher darbey jm selbs ein verstand fassen vnd schöpffen / den er meyne am rechtesten sein. Vnnd verdammend also hiemit den gmeynen brauch der kirchen / da ein diener der kirchen dem volck die geschrifft außlegt. Jch hoff aber ich wölle mit der hilff Gottes / so ewer lieb den Herren treülich darumb bittet / erzeigen / das die geschrifft den glöubigen nit tunckel syge / vnnd das gäntzlich deß Herren will syge / das wir die verstandind / demnach auch das die geschrifft müesse außgelegt werden / da ich auch anzeigen wil ein einfaltige [einfeltige] weyß vnd maß / wie die geschrifft sölle vnd möge außgelegt werden. Dadurch dann auffgehept mögend werden die ding die vns von dem läsen deß worts Gottes abziehend. Vnd wirt vns ob Gott wil also das lesen vnnd das zuohören deß worts Gottes dest heylsammer vnd dest fruchtbarer werden. Vnd erstlichen / das Gott wölle das sein wort von den menschen verstanden werde / mögend wir fürnemlich darauß abnemmen / das er in dem / vnd er mit seinen dienern geredt / ein gemeyne weiß wie auch die aller einfaltigesten gewon sind zuoreden [gewönlich reden] / gebraucht hatt. Es habend auch weder die Propheten noch die Apostel / die doch außleger gewesen vnd redner der höchsten vnd ewigen weißheyt / andre oder höhere weyß zuo reden gebraucht / ja so gar nit / das vnder allen denen so ye ettwas geschriben habend / keine funden werden / die so einfaltig vnd verstäntlich gschriben als sie.
XI. / 11a
Dann sie brauchend offt vnd vil gemeyne sententz vnnd sprüch / sprüchwörter / gleichnussen / parablen / gegensätz/ angemaßte beyspil / exempel / vnd dergleichen stuck / da nützit ist das den gemeynen verstand deß menschens mer bewege vnd baß leere. Es entstadt wol in der geschrifft etwas tünckle / ist waar / auß vnuerstand der art der geschrifft / vnd den figürlichen reden / auch auß dem vnderscheid vnd vngwone der spraachen. Aber dem mag allem wol geholffen werden / durch fleiß / üebung / treüw vnd wolgeüebte [erfarung] der außlegeren. Es spricht zwar auch der heilig Apostel Petrus / das in den Epistlen S. Pauli etliche ding schwers verstands syend / er setzt aber auch gleich hinzuo / wölche die vngeleerten / vnd leichtfertigen felschend / vnd biegend / wie auch die andern geschrifften zuo jrer eignen verdammnuß. Darauß wir fein sehend / das die heilig geschrifft / den vngelerten / vnerfarnen / vngeüebten / boßhaften vnd verderbten köpffen / nit frommen vnd fleissigen läsern oder zuohörern / dunckel / schwär vnd vnuerstäntlich ist. Darumb auch Paulus (da er spricht / Jst vnser Euangelium verdeckt / so ist es in denen die verloren werdend verdeckt / vnder wölchen der Gott diser welt verblendet hatt die sinn der vnglöubigen / das jnen nit schine die erleüchtung deß Euangelions von der klarheit Christi / wölcher ist die bildtnuß Gottes usw.) Jn wölchen worten er die schuld der dünckle nitt auff das wort Gottes / sonder vff die vngeschickten zuohörer legt. Darumb müessend wir / so wir begirig sind das wort Gottes recht zuo verstan / sorg haben / dz der Teüffel vnsere gemüeter nit behamle [einnemme] / vnd vns die augen verkleibe. Dann es hat auch vnser Heyland im Euangelio gesprochen / dz ist die verdammnuß / dz daß liecht kommen ist inn dise welt / die menschen aber habend die finsternuß mer geliebet dann das liecht. Wir läsend sonst niendert das die heiligen Propheten oder Apostel Gottes das wort Gottes oder die heilig geschrift finsternuß / vnd dünckle genennt habind / sonder vil mer ein heytere [klarheit] vnd ein liecht. Dauid spricht ye / dein wort ist ein kertzen meinen füessen / vnd ein liecht meinen wägen. Was ist nun offenbarers / dann das man in duncklen zweifelhafftigen sachen / die selben zuo erklären / niemand weißt zuo finsteren vngwissen dingen / sonder wz vngwiß vnd vnuerständtlich ist / das erleütteret man durch das das heyterer / klärer vnd verständtlicher ist. Wenn dann nun in glaubens händlen ein frag oder span entstadt / so ist yederman deß sinns das söllichs auß der geschriftft söll gericht vnd entscheiden werden / darauß dann volget / das die geschrifft lauter / klar / verständlich vnd gewissz sye.
Wiewol nun die heilig geschrifft vnd das wort Gottes heyter vnd klar / noch so erforderts ein glöubige vnd Christenliche außlegung / ja ein guote außlegung ziert das wort Gottes wol / vnnd bringt bey einem frommen zuohörer vil frucht. Sittmal aber vil sind die nicht wöllind das man die geschrifft außlege / so wil ich mitt vnwidersprächlichen exemplen anzeygen / das man sie ja außleggen sölle / dann Gott selb die wort deß gsatztes die er vor der gantzen gemeynd Jsraels geredt vnd inn zwo Tafelen geschriben hat / durch Mosen / mit dem er viertzig tag auff dem berg / vnd auch die viertzig gantze jar inn der wüeste vil gespräch gehebt / außgelegt hatt. Wölcher Moses auch ettliche büecher / besonders das Fünfft / geschriben hat als ein außlegung deß gsatzts Gottes. Auff den sind kommen die heiligen Propheten / wölche das gsatzt Mosis außgelegt / vnd es zogen auff die zeit / ort vnd personen / in deren / an dem / vnd mit denen sie gelebt / vnd habend auch jre predgenen gleich als vßlegungen deß gsatzts Gottes in geschrifft hinder jnen gelassen. Jm achten cap. Nehemie läsend wir / wie Esra der priester bracht habe dz gsatzbuoch Mosis für die gmeynd / beide männer vnd weiber / vnd alle dies verston kontend / vnd sye gstanden vff einem höltzinen grüst / namlich vff einer Cantzel / die sie zuo der sach gmacht hattend/ Da habe er dz buoch vffthon / vor dem gantzen volck / vnd die Leuiten sygend bey jm gestanden. Er aber habeXiv. / 11b
geläsen auß dem buoch / vnnd die Leuiten habind das volck geleert im gsatzt / das es auffs gsatz merckte / vnd das volck syge gestanden auff seiner statt. Also habend sie gelesen im buoch deß gsatzts Gottes offenlich / vnd mithin zuo näbend dem läsen auch den verstand außgelegt vnd erklärt. Das zeüget Nehemias. Da besich / wie die heiligen vnd treüwen diener Gottes / das wort Gottes nicht nur geläsen / sonder auch außgelegt habind. Disen brauch deß läsens vnnd außlegens der heiligen geschrifft deß worts Gottes / hat auch vnser Herr Jesus Christus als er in dise welt ist kommen / vnd yetzund als ein waarer Prophet / vnd himlischer leerer / ja ein leerer deß Nüwen Testaments vnd deß Christenthums sein volck leeret / weder abthon noch selbs vnderlassen / Dann wie er gehn Nazareth in die versamlung kam / stuond er auff das er läse / vnd es ward jhm geben das buoch Esaie deß Propheten / Do thet er das buoch auff / vnnd laß ein seer schöns ort auß dem lxj. capitel / thet do das buoch wider zuo / gabs dem diener wider / vnd legte das auß / das er vorgeläsen hat / vnd zeygt an / das dise weyssagung yetzund in jm erfült were. Deßgleich nach dem er wider von todten aufferstanden / vnnd sich füegt zuo den zweyen Jüngern die gehn Emaus giengend / Nach dem er vil vnd mancherley mit jnen geredt / huob er zeletst an von Mose vnd allen Propheten / vnd legt jnen auß inn allen geschrifften die von jm warend. Dem exempel deß Herren habend auch die heiligen Apostel gefolget / vnd habend auch sie das wort Gottes außgelegt. Dann Petrus legt im buoch der geschichten der Apostlen am andern capitel / den sechtzehenden Psalmen auß von der vrstände Christi von Todten. Also erklärt auch Philippus dem Fürsten auß Ethyopia gantz eygentlich die weissagung Esaie / vnd füert jn mit der selbigen zum glauben Christi vnd zur gemeynsamme der kirchen. Wer auch sagt das Paulus nit allenthalben die heilig geschrifft außlegge / der gibt damit zuo verstan / das er weder Pauli geschrifften noch thaten ye geläsen noch gesehen habe. Auß welchem allem ich hoff genuogsam erzeygt sein / das man das wort Gottes außleggen sölle.
Die sich aber dem außleggen der geschrifft so hefftig wider setzend / vnnd nitt wöllend das die diener deß worts vnd der kirchen offentlich die gschrifft erleütterind / vnd die auff yede zyt / ort / sachen vnd personen ziehind vnd applicierind / die suochend vil ein anders hierinn dann waare Gottsäligkeyt / dann sie läbend auch nit dermaß wie Gottsäligen leüten gebirt. Sie redend gottlose / vngebürliche / wüeste ding / vnd gond mit wüesten lastern vnd sünden vmb / vnd vmb sölichs werind sie gern vngestrafft / darumb wöltend sie das man die geschrifft nit außlegte. Dann wenn yemand allein die plossen wort der geschrifft läse / vnd nit zuge vnd applicierte auff die vmbständ der sachen / orten / zeiten vnd personen / so wurde er nit geachtet / das er wider jr Gottloß vnd lasterlich läben redte. Darumb so sie schreyend man söll das predigen vnd außleggen der geschrifft vnderlassen / vnd die geschrifft lautter on allen zuosatz lesen / so wöllend sie nichts anders darmit / dann das gantz gsatz Gotts ab jnen werffen / sich aller züchtigung vnd straff entschütten vnd on forcht sünden. Welche aber der grecht Richter zuo seiner zeit so vil übler straffen wirt / so vil fräfenlicher sie sich wider Gott yetz auffböumend. Darnebend söllend aber alle diener der kirchen sich hüeten / das sie jren eignen anfechtungen hierinn nit platz gebind / vnd die heilig geschrifft mit jren außleggen nit felschind / vnd hiemit der kirchen jr eigen erdencken vnd nit Gottes wort fürtragind. Dann also gleichen jm gethon haben vorzeiten die leerer deß alten volcks / die der Herr im Ezechiel anklagt vnd spricht / Dunckt es euch klein sein dz jr die guote weid abetzend / müessend jr erst dz vbrig ewerer weid darzuo mit ewern füessen zerträtten? was es nit gnuog das jr die lauttern wasser trunckend / muoßted jhr erst das vberig mitt euweren füessen trüeb machen? Das ist ein grosse sünd /XII. / 12a
wölche Gott nach seiner gerechtigkeyt auff das schwärest straafft. Darumb wie gemäldet / alle fromme außlegger vnnd treüwen diener Christi vnnd der kirchen sorg hand söllind / das sie die geschrifft vngefelscht behaltind / vnnd das rein lauter wort Gottes dem volck Christi fürtragind / Ja also söllend wir mit vmbgan das wirs erleütterind / nit verduncklind oder felschind mit vnsern vngereimpten zwungnen vnd lätzen [verkerten] außlegungen.
Nun ist es aber auch an dem das ich rede wie man die geschrifft vnnd das wort Gottes sölle außleggen. Da ich nun nicht reden wil von den spraachen / vnd dem wüssen der spraachen / oder von den freyen guoten künsten / die einem außleger der geschrifft gantz notwendig sind / sonder allein die gemeynen stuck vberlauffen. Da sol man nun zum ersten wissen / das ettliche ding inn der geschrifft vnnd wort Gottes so heitter werdend fürtragen / das sie keines außleggens bedörffend. Vnnd wer die ding lang wölte mit seinen außlegungen erleütteren / der thete gleich als wenn einer mitt liechtern vnnd facklen der Sunnen wölte helffen / das sie der welt dest heitterer schine. Was aber dermaß ist das es außleggens bedarff / das söllend wir doch nicht außleggen nach dem verstand vnsers gemüets / sonder nach dem verstand / sinn vnnd meynung / dessen von dem die geschrifft har kompt. Dann Sanct Peter spricht / daß die Prophetisch geschrifft nitt syge eygner außlegung / Dann die Prophecey sye nitt auß menschlichem willen herfür bracht / sonder die heiligen menschen Gottes habinds geredt / getriben von dem heiligen geist. Darumb so muoß man den sinn vnnd verstand deß worts Gottes auß der geschrifft selbs schöpffen / vnd nit auß vnserem guotduncken inn die geschrifft tragen. Darbey sind aber etliche reglen vnd anzeygungen zemercken / die wir kurtz durchgon wöllend. Erstlichen / dieweyl der heylig Apostel Paulus wil / das die Prophecey abgange nach der gleichmäßige deß glaubens / wie stadt zun Römern am zwölfften / vnnd auch weytter spricht inn der anderen zun Corintheren / Dieweyl wir den selbigen geist deß glaubens habend / wie dann geschriben stadt / ich hab glaubt / darumb hab ich geredt / so habend wir auch glaubt / darumb so redend wir auch / So sol vns deßhalb das ein allgemeyne regel sein / das wir im außleggen der geschrifft nichts bringind noch einfüerind / oder von anderen eingefüert annemmind / das den articklen vnsers waaren Apostolischen glaubens oder anderen alten Symbolen oder bekanntnussen vngemeß vnd zuo wider sye. Dann wie auch der Apostel sagt / so vermögend wir nichts wider die waarheyt / aber wol für der waarheyt. Als so wir lesend im Euangelio Joannis den spruch deß Herren / Der vatter ist grösser dann ich / da söllend wir gedencken dz es den articklen deß glaubens zuo wider ist / ein vngleicheyt halten vnd zuolassen / zwischend der Gottheyt deß vatters vnd deß Suns / vnd das deßhalb der Herr inn denen worten ein anders verstanden habe / dann die wort so man sie ploß ansicht lautend. Jtem als da wir bey dem Apostel läsend / Es ist vnmüglich / das die so einmal erleüchtet sind / wo sie entfallend / das sie widerumb erneüweret werdind zuor buoß / da söllend wir nicht meynen / das denen so fallend die buoß vnnd besserung werde gantz abgeschlagen vnnd versagt / dann der allgemeyn glaub haltet / das allen menschen an allen orten vnd zuo allen zeyten / so lang die auff erden lebend / die sich zuo Gott bekeerend / verzeyhung aller sünden zuogesagt sye. Also auch so wir hörend / das der Herr brot genommen / vnd von dem geredt / Das ist mein leib. Da sollend wir eingedenck sein der articklen deß glaubens / die dem Herren zuogebend ein waren menschlichen leib / welcher auffgefaren zun himlen / sitzt zuo der grechten deß vatters / dannenhar er kommen wirt zuo richten die lebenden vnd die todten / Vnd söllend deßhalb gedencken / dz der Herr vom Sacrament geredt / vnd dz er wil dz man die Sacramentlichen wort / sacramentlich vßlege / nitXIIv. / 12b
transsubstantialisch / das ist das daß wesen dardurch verwandlet werde. Deßgleichen / so wir auch läsend das der Apostel spricht / fleisch vnnd bluot werdind die erbschafft deß Reychs Gottes nicht erlangen / da sollend wir auß disen worten nit schliessen / das deßhalb vnser natürlich vnd substantzlich fleisch nit sälig werde / sonder wir sollend hafften auff dem artickel deß glaubens / der da lauttet / Jch glauben vrstände deß fleischs. Vnd söllend deßhalb durch fleisch vnd bluot verstan die anfechtungen vnd blödigkeyten / nit die natur vnnd substantz vnsers fleischs wie gemeldet.
Demnach so lesend wir auch / das der Herr im Euangelio zemmen lißt vnd setzt ein summ deß gsatzts vnd der Propheten vnd spricht / Du solt lieben den Herren deinen Gott / von gantzem deinem hertzen / von gantzer deiner seel / von gantzem deinem gmüet / das ist das erst vnd groß gebott. Das ander aber ist dem gleich / Namlich / lieb deinen nechsten als dich selb / Jn disen zweyen gebotten / hanget das gantz gsatzt vnd die Propheten / Matth. xxij. Von welcher worten deß Herren wegen der heilig Augusti. de Doctr. Christ. lib.1.cap.36. also spricht / Welcher sich dafür haltet das er die gantz geschrifft oder ein theyl der heiligen geschrifft verstande / vnd aber der selbig verstand nit dienet zuo erbauwung der liebe / beyde Gottes vnd deß nechsten / der verstadt es noch nit recht. Welcher aber auß der geschrifft ein sollichen verstand fasset / der zuo erbauwung der liebe nutz / ob er gleich nit äben die meynung trifft / die aber der gehept hett / der söllichs geschriben vnd den er lißt / so ist doch sein fäler vnschädlich / vnd redt nicht gar die vnwaarheyt / das sagt Augustinus. Darumb man sich sonderlich hüeten sol / das vnser außlegung nit diene zuo vmbkeerung der liebe / sonder das die dardurch gemeeret vnd pflantzet werde. Beyspil / Der Herr hat gesprochen / Jr söllend dem bösen nit widerston / Wenn wir nun wöltend meynen / die wort treffind auch die Oberkeyt an / so wurde die liebe vnd das heyl der vndergetruckten / auch aller schirm der begwaltigten gantz zerstört vnd auffgehept / dardurch dann alle mörder vnd bößwicht / röuber vnd vnglückmacher / witwen vnnd weysen / mitt sampt den armen vnuerhinderet vndertrucken wurdind / vnd wurde alle boßheyt regieren / oben ligen vnd im schwanck gon. Dieweyl nun söllichs heitter / so ist nit von nöten / das ichs mit mer exempeln erlüttere. Weyter so ist im außlegen der geschrifft / damit wir den rechten vnd waaren verstand haben mögind notwendig zuo erwegen allweg / auß was anlaß ein yedes geredt werde / was vorgang / was nachgang vnnd volge / zuo was zeyt / wie / oder von was personen ein yedes geredt syge worden / dann auß dem anlaß / Jtem auß vorgenden vnd nachgenden sprüchen werdend gmeynlich die exempel vnd gleichnussen außgelegt. Vnd wenn einer nit eygentlich allweg in allen orten der geschrifft wol vnd fleißig acht hat / wie die wort geordnet sygind vnnd wie sie standind / so ist nit müglich das er nit weit vom rechten zweck jrre. Also hat Paulus gar eygentlich gemerckt auff die vmbständ der zeyt / dann darauß hat er geschlossen vnnd bewärt / das Abraham weder durch die beschneidung / noch durch das gsatzt syge gerecht gmachet. Dauon stadt Roma. am iiij. vnd zun Galat. am iij. capitel. Jtem auch da der Herr zuo Petro spricht / steck dein schwert in die scheiden / dann wer das schwert nimpt / sol mit dem schwert vmbkommen / da muoß man bedencken das S. Peter ein Apostel nit ein Oberer gewesen. Dann von der Oberkeyt lesend wir / das jhren das schwert zur raach befolhen sye. Zuo dem allem dienet auch das wort Gottes außzuoleggen / das man fleißig ein ort gegen dem anderen halte / es syge die ort die ein anderen gleich oder vngleich sind / vnd da allweg die tüncklern durch die heittern / die wenigern durch die merern außlege. Als da der Herr spricht / Der vatter ist grösser dann ich / daXIII. / 13a
sollend wir gleich gedencken / das er an eim andern ort spricht / Jch vnd der vatter sind eins. Jtem da der heilig Apostel Jacobus spricht / das Abraham vnd auch wir durch die werck werdind gerecht gmachet / da sol man andere vnd die merern sprüch auß dem heiligen Paulo dargegen setzen. Dise weiß die geschrifft außzeleggen lobt S. Peter da er spricht / Wir habend ein vestes Prophetisch wort / vnd jr thuond wol das jr darauff achtend / als auff ein liecht / das da scheinet in einem tuncklen ort / biß der tag anbräche / vnd der morgenstern auffgange in euwern hertzen. Vnd der alt leerer Tertullianus schreibt / das der kätzern vnd abtrünnigen / vnd nicht der rechtglöubigen art vnd gwonheyt sye / etliche ort auß der geschrifft außklauben / vnd auff jren verstand vnd sinn ziehen / darnäbend das ander lassen ston vnd nit ansehen / Also ziehind sie jnen auß ettliche zeügknussen / denen man glauben sölle nach jhr meynung / so gleich darnebend die gantz geschrifft darwider / vnd allwegen die wenigern ort nach den merern söllind verstanden werden.
Zum letsten so gehört auch das zuo einem außlegger deß worts Gottes / vnnd ist das aller best / ein hertz das Gott vnd Gottes ehr lieb habe / daß nit hoffertig vnd auffblasen / spaltungen vnd falschen meynungen auch bösen anfechtungen ergeben sye / sonder das vnabläßlich Gott anrüeffe vmb den heiligen geist / durch welchen die geschrifft angeben vnd eingeistet ist / Das auch der gebe rechte außlegung vnd verstand zum preiß Gottes vnnd wolfart der glöubigen. Es sol auch deß außleggers hertz brünnen von fleiß die tugenden zuo pflantzen / vnd alle laster zuo hassen vnd vnder zetrucken. Vnd besonders sol sich sein hertz vor deß arglistigen Teüffels rathschlegen hüeten / vnd die nienen [nirgends] zuolassen / damit er noch auff den hüttigen tag wie von anfang im Paradeiß / den verstand deß worts Gottes vnderstadt zuo felschen. Er sol auch nit volgen der menschlichen weißheyt / die dem geist Gottes richtig widersträbt. Vnd wenn dann ein guoter vnd getreüwer außleger deß worts Gottes söllichs thuot vnnd sölichen reglen nachgadt / ob er schon etwan nit gar zum zwäck scheüßt / vnd zum eygentlichsten den verborgnen sinn der geschrifft trifft / so wirt doch sein fäler weder verdammlich noch schädlich sein oder gehalten werden. Dann ob gleich ein anderer dem verborgneren / vnd eygentlichern verstand der geschrifft herfür brächte / so wirt er doch den vnvolkomnern verstand deß andern nit verdammen. Gleich wie auch der / der den vnvolkomnern verstand hat / nicht verwerffen wirt / den volkomnern vnd eygentlichern verstand deß anderen / sonder vil mer den mitt dancksagung erkennen vnd annemmen. Das sye nun geredt von dem verstand vnnd außlegung deß worts Gottes / welches wie es Gott den menschen geoffnet vnd fürtragen / also wil er auch das es verstanden werde. Darumb soll niemand verzweiflen am rechten verstand der geschrifft / den zuo erlangen / von ettlicher dingen wegen die schwär darinn sind. Dann die geschriffte laßt zuo vnd mag wol leiden ein guote vnd rechte außlegung. Es ist das wort Gottes ein regel deß läbens / dienende allen menschen vnd allen zeitten / darumb sol es auch durch die außlegung auff alle menschen / vnnd alle zeitten gezogen werden. Dann auch Gott selb sein gsatzt das er auff dem berg Sinai geben / weytlöuffig durch Mosen außgelegt vnd auff dz volck zogen hat. So ist es auch den alten Propheten gmeyn gewesen / das gsatzt dem volck vor zelesen / vnd mit zuo gethoner außlegung auff sie zuo ziehen. Es hat auch vnser Herr Jesus Christus die geschrifft selb außgelegt / Deßgleichen auch die Apostel. Darumb so sol man ye das wort Gottes außleggen / vnd die es nicht wöllend außgelegt haben / die suochend nichts dann freyheyt zuo sünden. Wiewol aber die gschrifft / außlegung zuolaßt / so laßt sie doch nit ein yede zuo / dann menschliche außlegung verwirfft sie. Darumb wie die geschrifft auß dem geist GottesXIIIv. / 13b
geoffenbaret / also sol man auch die durch den selbigen außlegen. Da nun etlich reglen vnnd anzeygungen sind / wie man Gottes wort mit Gottes wort außlegen sölle / namlich / das die außlegung nicht sye wider die artickel deß glaubens / oder mit der liebe Gottes vnd deß nechsten streyte / sonder das sie syge vmbsichtig [wol bedacht] / vnd genommen auß vorgendem vnnd nachgendem / mitt fleißiger betrachtung aller vmbständen / vnd vergleichung andrer geschrifften vnd orten. Vorauß aber das daß gmüet vnd hertz deß außlegers Gottsförchtig sye / vnd begirig die tugenden zepflantzen / die laster außzereütten / vnd das es auch ernstliche vnd stäte gebätt zuo Gott thüege / das er vnsere hertzen erleüchten wölle / damitt sein namm in allem gelobt vnd prisen werde. Jm sye lob ehr vnd preyß in ewigkeyt / Amen.
4.Pr.Die Vierte Predig.
Von dem waaren glauben / wohar der kömme / vnd das er sye ein steiffe vnd gwüsse berednuß deß gemüets / vnd allein gründe auff Gott vnd sein wort.
Jnn der nächsten Predig hab ich anzeygt vnd geleert vnder anderen / das die waare vnd gesunde außlegung der geschrifft nit sölle der regel deß glaubens / noch der liebe Gottes vnnd deß nechsten zuo wider sein / dann wölcher verstand der geschrifft mit der regel deß glaubens vnnd der liebe streytet / kan vnd mag nit ein gesunder vnd rechter verstand sein. Vnnd darumb / so müessend wir yetz volgends auch reden von dem waaren glauben vnd von der liebe Gottes vnd deß nechsten / damit hie niemand nützit [nichts] mangle. Erstlich aber wöllend wir mitt der hilff Gottes / (vmb die jhr inn ernstlichem bitten wöllind) vom waarem glauben reden.
Das wörtli glauben streckt sich weyt inn dem gmeynen brauch zereden auß / dann es wirt etwan genommen für ein yede religion vnd Gottsdienst / als wie wir sagend / der Christen glaub / der Juden glaub / der Türckisch glaub. Demnach so wirt glauben auch genommen für ein meynung die do geschöpfft ist vß etwas [gewissen] reden / als so wir hörend etwas sagen von den Jüdischen oder Ethyopischen geschichten / dauon wir wol sagend wir glaubinds / setzend aber kein vertrauwen darein / verhoffend auch nützit [nichts] darauß zuo erlangen. Jn disem verstand / spricht S.Jacob glaube auch der Teüffel vnnd erzittere. Zuoletst / wirt glauben genommen für ein [festes] gwüsses vngezweiflets vertrauwen inn Gott vnd sein wort. Jnn der Hebreischen spraach hat der glaub den nammen har von der waarheyt gwüsse vnd bestand. Jn latin heißt er Fides, vom wörtlin fieri, das do heißt geschehen / darumb das es geschicht was da geredt wirt. Darumb jhener spricht / Jch frag dich ob du glaubist? du sagst / ich glauben / thuo das du sagst / so ists ein glaub. Darumb so vil vnser fürnemmen vnd handlung hie belanget / so ist der glaub ein vngezweiflets gwüsses vertrauwen. Diser glaub nun der also ein gwüsses vngezweiflets wüssen vnd vertrauwen ist vnnd sich gründet auff Gott vnd auff sein wort / wirt auff mancherley weiß beschriben von den reineren [wahren] Theologis. S. Paul spricht / der glaub ist ein beständig wäsen der dingen die man hofft / vnd ein klare anzeygung der dingen die man nit sicht. Substantz oder hypostasis / welchs wörtli Paulus hie braucht / heißt ein vesten grund oder pfimment [fundament] / darauff wir vns lassend vnd darauff gwiß vnd sicher vertrauwend. Die ding die man hoffet / sind die himmlischen ewigen vnsichtbaren ding. Darumb spricht Paulus / der glaub sye ein vnbewegts / beständigs / gwüsses vertrauwen deren dingen die Gott verheissen / namlich deßXIIII. / 14a
ewigen lebens vnd aller güetern. Vnd sölliche beschreibung deß glaubens erleüteret Paulus selb mit dem das er gleich darauff setzt: vnd ein klare anzeigung der dingen die man nit sicht. Dann argumentum oder elenchos ist ein heyttere gewisse anzeigung / beweisung vnd erklärung mit deren wir lauter vnd heiter ein ding erzeigend / darin sonst ein zweifel were / also dz der / dem wir söllichs wöllend zuo verstan geben / kein zweiffel mer daran hat. Nun mögend aber die geheymnussen Gottes / die in dem wort Gottes außtruckt sind / an jnen selbs in jrer natur vnd eygenschafft mit leiblichen augen nit gesehen werden. Darumb werdend sie genennt die ding die man nit sicht. Dise ergreifft aber der glaub durch erleüchtung deß gemüets im hertzen / wie die im wort Gottes fürgestelt werdend. Darumb so ist der glaub nach der beschreibung Pauli / ein heiters anschowen vnd sehen deß gemüets / vnd gwüsse begreiffung deß hertzens / der vnsichtbaren / das ist / der ewigen dingen / namlich Gottes / vnd alles dessen / das er vns von seinen Göttlichen händlen in seinem wort fürstellt. Auff dise beschreibung Pauli habend auch gesehen alle die / so den glauben also beschreibend. Der glaub ist ein berednuß [beredung] Göttlicher dingen / wölchen wir mit sölichen gedancken nachtrachten söllend / von der gwüsse wegen der zeügknussen so darinn sind / das wir glaubind / wir sehind sie nit minder mit dem gemüet / dann wir mit den augen aussere / sichtbare vnd sinnbegreiffliche ding sehend. Diser bschreibung ist nit vngleich auch dise / mit welcher ein besonders frommer vnd geleerter man den glauben beschreibt / namlich / Der glaub ist ein steiffe berednuß deß gmüets / da wir bey vns selb vest haltend / das Gottes warheit so gwiß sye / das er nit möge nit halten alles was er zuo thuon inn seinem heiligen wort versprochen vnd zuogesagt hat. Jtem / Der glaub ist ein steiffe gwüssenheit der gwüßne [gewissheit deß gewissen] / die Christum also ergreifft / wie vns der durch das heilig Euangelium angebotten wirt. Es ist auch ein anderer der gar nach auff gleiche weiß den glauben also beschreibt. Der glaub ist ein gab von Gott / inn das gemüet deß menschen eingegossen / mitt deren er on alles zweiflen glaubt waarhafft sein alles das vns Gott durch beyder Testament büecher angegeben vnd verheissen hat. Diser streckt mit seiner beschreibung den glauben auff die vergangen / gegenwirtig vnd auch zuokünfftig zeit / leerende namlich / dz man glauben sölle / das die welt von Gott erschaffen / vnd das waar syge alles das die heilig gschrifft von den alten zeiten mäldet. Jtem das Christus für vns gestorben / vnd das der sye das einig heyl deren die glaubend. Demnach dz eben von dem selbigen Gott auch noch auff den hüttigen tag die wält vnnd kirchen geregiert / vnd die glöubigen in Christo sälig gemacht werdind. Vnd zuo letst / das auch gwüßlich widerfaren werde beyde den Gottlosen vnd den frommen alles das / das die heilig geschrifft jhenen tröwt / denen aber verheißt.
Auff dz wir nun sölichs alles eygentlich bedacht / so mögend wir yetz darauß den glauben nach der gschrifft also beschriben. Der glaub ist ein gaab Gottes / den menschen von oben herab eingeben / dadurch er vnderrichtet sich mit vngezweifelter berednuß vnd vertrauwen auff Gott vnd sein wort verlaßt / durch welches wort vns von Gott in Christo dz leben vnd alles guots auß gnaden on verdienst verheissen / vnd alle waarheyt die man glauben sol fürgestellt wirt. Wölche beschreibung wir nun volgends außleggen / vnd von stuck zestuck mit Gottes hilff erklären / vnd mit zeügknussen der H. gschrifft bewären vnd erleüteren wöllend. Jr wöllind allein wie bißhar fleißig auffmercken / vnd mithinzuo jmmerdar inn euwern hertzen Gott vmb sein gnad anrüeffen. So wirt nun erstlich hie die vrsach vnd der vrsprung deß glaubens keinen menschen / noch keines menschlichen krefft zuo geben / sonder Gott selb / der den glauben durch den H. geist in vnsere hertzen eingeüßt vnd gibt. Dann der Herr spricht im Euangelio / Nieman kumpt zuo mir / es sye dann dz jn mein vatter ziehe. JtemXIIIIv. / 14b
zuo Petro als der jnne Christum sein mit waarem glauben bekannt / sprach er / fleisch vnd bluot hat dirs nit geoffnet [geoffenbaret] / sonder mein vatter der in himmlen ist. Darauff auch der H. Apostel redt do er spricht / Wir sind nit gschickt von vns selbs etwz zuo gedencken als vß vns selbs / sonder all vnser gschickligkeit ist vß Gott / Jtem / üch ist es gegeben / nit allein dz jr in Christum glaubind / sonder auch von seintwegen leidind. Darumb so gibt Gott den glauben in vnsere hertzen / der alles guoten ein brunn vnd vrsprung ist.
An welchem ort man aber auch bedencken muoß / das Gott zuo dem schencken vnd eingiessen deß glaubens nit allweg sein plosse [blosse] krafft braucht / vnnd söllichs on mittel wunderbarer weiß thuot / sonder er braucht mittel vnnd ordnung die den menschen bequem / wiewol er auch on die mittel / den glauben geben mag / wäm / wenn vnd wie er wil. Er hat aber von anfang der wält har dise ordnung braucht / das welchen er hat wöllen den glauben mittheylen / denen hat er leerer geschickt / die da mit dem wort Gottes den waaren glauben lartind [lehreten]. Nit das es an deß menschen gwalt / willen oder dienst stande yemant den glauben zegeben / oder das daß ausser wort so von eim menschen verkündet wirt / für sich selb den glauben mit jm bringe / sonder deß dieners stimm vnd dz verkündt wort Gottes / berichtend die menschen welches der waar glaub sye / vnd was Gott gebiete vnd haben wölle das man glaube: Gott aber thuot allein die hertzen auff / vnd treibt das gmüet durch den heiligen geist / den er in die hertzen vnd gmüeter der menschen herab laßt / der machet das wir von gantzem hertzen das glaubind / das wir auß der vnderrichtung seines worts zuo glauben sein verstanden habend. Also hette der Herr wol mögen dem Cornelio dem Hauptman zuo Cesarea die mit dem zuonammen genennt wirt Stratonis / den glauben inn Christum on alles ausser predigen / von himmel herab vnd wunderbarer weiß geben vnd mitteylen / das thuot er aber nit / sonder weiset jn durch ein Engel zuo der predig S. Peters. Vnd dieweil Petrus prediget / do würcket Gott in dem gmüet Cornelij / durch den h. geist dz er der predig glaubt. Darumb auch S. Paul. spricht / wie wöllend sie dem glauben von dem sie nichts gehört / wie wöllend sie aber hören one Prediger / wie söllend sie aber predigen / wo sie nicht gesendt werdend? So kumpt nun der glaub auß dem gehör / das hören aber auß dem wort Gottes. Jtem an einem andern ort spricht er auch / wer ist Paulus / wer Apollo / dann diener / durch wölche jhr sind glöubig worden / vnnd das nach dem der Herr einem yeden gegeben hat? Jch hab gepflantzet / Apollo hat gewässeret / aber Gott ist der das wachsen gegeben hat. So ist nun weder der da pflantzet etwas / noch der do wässeret / sonder Gott der das wachsen gibt. Mit diser leer S. Peters vnd S. Pauls / stimpt das Augustinus schreibt inn der Vorred der büecheren de Doctr. Christiana, da er spricht: Was man von menschen lernen sol / das lerne ein yeder one stoltz von den menschen / vnnd lassend vns den nit versuochen dem wir glaubend / auff das wir nit betrogen werdind / vnd etwan nit gon wöllind zuo der gmeynd gehn hören / oder vber die büecher gehn läsen / sonder also warten wöllind / biß wir inn den dritten himmel verzuckt werdind. Wir söllend vns hüeten vor söllichen hoffertigen versuochungen / vnd vil mer gedencken / das der heilig Apostel Paulus der doch von himmel herab nider geschlagen / berüefft / vnd vnderricht ist / nütdestminder zuo einem menschen vnd diener geschickt worden ist. Vnd Cornelius / dessen gebätt doch vom Herren erhört / ist Petro vbergeben zuo vnderrichten / nit nur das er die Sacrament von jhm empfienge / sonder das er auch von jhm horte vnd lernete was er glauben / hoffen vnd lieben sölte / das doch alles durch den Engel hette mögen geschehen / usw. Er spricht auch in der Epistel ad Circenses, Der würckt vnnd machet die bekeerung / der durch seine diener aussenfür mit zeichen erinneret / innwendig aber durch vnd von jm selber / mit den waaren dingen selbs leert. Jtem im sechs vnd zweintzigsten Tractat / vber JoannemXV. / 15a
spricht er / Was thuond die menschen / so sie ausserlich predigend? Ja was thuon ich yetz dieweyl ich reden? Jch tragen ein gethön der worten in ewere oren. Wo aber der / der da jnnen ist eüch nit erleüchtet / was ist mein sagen vnd reden? Der den baum pflantzet / ist der ausser / der Schöpffer aber der jnner usw. dz sagt Augustinus.
Wie aber nun der Herr erforderet / das wir seinem wort glaubind / dann auch der Prophet schryet vnd spricht / Hüt so jr sein stimm hören werdend / so verhertend ewere hertzen nit / Also erfordert er auch von allen zuohörern seines worts / das wir im gebätt nicht hinläßig sygind / dann wenn wir das wort Gottes hörend / so söllend wir bitten vmb die gab deß glaubens / dz der Herr vnsere hertzen auffthüeye / vnsere seelen bekere / die hertigkeyt vnsers gemüets bräche vnd lindere / vnnd so er vns den glauben geben / das er den auch alle zeyt bey vnns wölle meeren. Exempel diser gebätten sind vil in der heiligen geschrifft / als da der Herr im Euangelio einen fragt / Magst du [Kanstu] glauben / dem glaubenden ist es alles müglich / Antwortet er / Jch glaub Herr / aber kumm zehilff meinem vnglauben / So rüeffend auch die Apostel den Herren an vnnd sprächend / Herr meer vns den glauben. Wiewol das gebätt auch selb / mit dem wir bittend das vns Gott den glauben geben wölle / auß der gnad vnd gaab Gottes / nitt auß vnser eignen gerechtigkeit (die vor Gott nichts giltet) kompt. Darumb so volget gewiß vnd vngezweiflet / das der waar glaub ein lautere gaab Gottes sye / wölche von oben herab geben wirt in vnsere hertzen durch den heiligen geist / wirt vns aber fürgehalten in dem wort der warheit durch die leerer / so von Gott gesandt / vnd wirt erlanget durch vnabläßlichs vnd einbrünstigs gebätt. Darauß wir dann lernen söllend / das wir das wort Gottes vil vnnd fleißig hörind / vnd one vnderlaß bättind / auff das wir waaren glauben von Gott erlangind. Das aber der glaub so vns von oben herab geben / vnnd auß dem wort der waarheyt geschöpfft wirt / das hertz deß menschen gwiß vnd sicher mache / das ist / das wir vest vnd one alles zweiflen vnd hindersich sehen die ding glaubind / die wir dann auß grund deß worts Gottes glaubend / vnnd gewiß sygind / das jmm allem also syge / wie dann der glaub söllichs glaubt / so wöllend wir söllichs erleütteren mit dem exempel deß glaubens Abrahe / wölches der heilig Apostel Paulus mit disen worten beschreibt zun Röm. am vierten Capitel / Vnnd Abraham hatt glaubt auff hoffnung da nichts zehoffen was / vnnd er ward nicht schwach im glauben / nam auch nicht war seines eygnen leybs / wölcher schon außgestorben / dieweyl er fast hundert järig was / auch nicht deß außgestorbnen leibs der Sara. Dann er zweiflet nit an der verheissung Gottes durch vnglauben / sonder ward starck im glauben / vnd gab Gott die ehr / vnd wußt vffs aller gwissest / dz der / ders verheissen hat / auch halten möchte. Jn wölchen worten deß Apostels / wir etliche heitere anzeigungen vnd notas [-] habend / darinn wir sehend / dz der glaub / eins glöubigen menschen hertz vnd gmüet gantz gwiß machet vnd versicheret / vnd dz deßhalb der glaub ein wissenthafft vngezweiflets vertrauwen ist deren dingen die man glaubt / dz ist / dz der glaub nit ein schwäbends vnd fliegends ding ist in eins menschen gmüet / oder vnstät vnd wanckelbar / sonder dz er in Christum tieff eingwurtzlet / vest haffte in einem erlüchteten gmüet. Die anzeigungen vnd gmerck müessend wir wol mercken vnd behalten. Dann es spricht der Apostel zum ersten / Abraham hat glaubt auff hoffnung / da nützit zuo hoffen wz / dz ist / er hat in dem ding steiffe hoffnung gehebt / da aber nach der welt zerechnen nur nützit zehoffen wz. Hoffnung aber ist ein vests vngezweiflets warten vff die ding die wir glaubend. Darbey wir sehend / dz der h. Apostel den glauben erlütert mit dem wörtli Hoffnung / vnd durch die gwisse der hoffnung die sicherheyt deß glaubens außtruckt. Darnach setzt er weiter drauff / Abraham ist nit schwach worden im glauben / vnd hat nit zweiffelt an der verheissung Gottes durch vnglauben / sonder ist starck worden im glauben.Xvv. / 15b
Zweyerley zweifels ist im menschen / Einer / da der mensch vberwunden durch trüebsal vnd widerwertigkeyt verzweiflet / vnd der verheissungen Gottes nit war nimpt / oder sie verachtet. Ein sölcher zweifel wz in den zehen vßspähern deß glopten lands / von denen stadt Num. xiij. xiiij. Der ander zweifel / ist ein schwacheit deß glaubens / wölcher auch versuocht wirt / vber dz (deß ich doch gschweigen wil) daß vns allen von natur har ein mißtrauwen anerborn ist / vnd deß menschen hertz so wol nimmer erleüchtet oder befestnet wirt / das jm nit jmmerdar etwz vnwissenheit vnd zweifels aufgrolle [anfechte]. Der glaub aber widerstat der versuochung / versinckt vnd gstecket nit in dem zweifel / sonder ergreifft dz verheissen wort der warheyt / vnd entschüttet sich darmit deß zweifels [reisset sich mit gewalt auß dem zweifel] / vnd wirt auch dardurch wider bekrefftiget. Also findend wir / dz by der verheissung Gottes Abraham auch sölliche gedancken gehebt / sölte dir hundert järigen ein sun geboren werden? Sich dz was schon die blöde / der zweifel vnd die schwacheit deß glaubens. Da wil aber yetz der Apostel preisen den starcken vnd obligenden glauben Abrahe / vnd vns leeren / wie der waar glaub gstaltet sey / dz er namlich ein gwisses vests wissen sey / darumb spricht er / Abraham aber ward nit schwach im glauben / nam auch nit war seines eignen außgestorbnen leibs / dieweil er yetz gar nach hundert jar alt wz / auch nit deß vßgestorbnen leibs Sare usw. Sihe / Abraham gedacht wol in seim hertzen / sölte dir hundertjärigen ein sun geboren werden? Aber nütdestminder wirt er nit schwach im glauben. Sein glaub fieng drumb von der versuochung wegen nit an laß werden vnd abnemen / dann er sach nit auff sein eigne schwachheit / vnd vff die ding die der verheissung Gottes in jm vngleich sahend / woruff dann? vff die verheissung Gottes an deren er nit zweifelt durch vnglauben / dz ist ob jn schon der vnglaub versuocht vnd anfacht / so gab er jm doch nit statt / er rechnet vnd forschet jm nit sorgfältigklich nach / wie die thuond die einer sach nit vertrauwend / sonder er satzt jm in seim gmüet für die Göttlich verheissung / hanget an deren vnbeweglich / vnd schluog vß alles zweiflen vnd alles sorgen / dann dz ist deß glaubens art / dz er nit sicht vff die blödigkeit vnd arbeitsäligkeit die allen menschen anhanget / sonder er sicht vnd verlaßt sich vff die Göttlich krafft. Vnd also ist Abraham starck worden im glauben / dz ist er hat vberhand genommen / vnd ist in der versuochung obgelegen / dann dz wirt dem entgegen gsetzt / dz er doben gsprochen / vnd er ist nit schwach worden im glauben. Nun volgt aber in den worten deß Apostels weiter / Vnd Abraham gab Gott die ehr usw. Mit dem namlich / dz er glaubt / dz Gott den menschen wol wölte / warhafft vnd allmächtig were. Dann der gibt Gott die ehr / der da Gott zuogibt dz Gottes eigenschafft ist vnd jm zuoghört / der auch dem wort vnd der verheissung gottes glaubt vnd nit widerspricht. Dann darumb spricht der h. Apostel Joannes / wer Got nit glaubt / der macht Gott zum lugner / Darumb so hat Abraham Gott glaubt / vnd mit disem glauben Gott die ehr geben. Deßhalb stadt auch in den worten deß Apostels gleich drauff / vnd wußt vffs aller gwissest / oder / wz dessen gwiß beredt / dz der jms verheissen hat / dz ers auch möchte halten. Da braucht Paulus in der Griechischen sprach / dz wörtli plêrophorêtheis, dz ist als vil als wenn du sagst / vergwißt / dann plêrophoreô heißt / ich machen ein eins dings gwiß. Dahar ist plêrophoria ein gwisser glaub / der mitt wissenthafften sachen vnd gründen bewert ist / vnd plêrophorêma ist / wie wir sagend / vergwissung / da wir eins dings also gwiß im hertzen jnnen beredt vnd vergwißt sind / das wir nützit daran zweiflend. Darumb so hat der glaub Abrahamen vergwißt / vnd vngezweiflet versichert / also / dz er gantz nit zweiflet / dann dz Got halten möchte vnd wurde wz er zuogsagt hat / darumb hat er sich mit vestem glauben vnuerruckt vff die verheissung Gottes gelassen / vnd eigentlich gwißt / dz er erlangen wurde dz / daß jm Gott zuogesagt. Auß wölchen worten deß Apostels nun gnuogsam bewert ist / dz der war glaub ein vngezweiflets wissen in dem gmüet deß glöubigen sey / dz es namlich alles also sey / wie wirs glaubend / vnd wie es in dem heiternXVI. / 16a
wort Gottes außgetruckt wirt. Dahar wir dann auch lernend / das der glaub nit ein schwäbende fräfne [leichtfertige] vermessenheit ist / die ein yegklich groß vnd vnmüglich ding glaube / dann der glaub hanget vnd hafftet am wort Gottes / ja am wort Gottes / dz da recht vnd wol verstanden wirt. Dann der fromm [ein Gottsförchtiger] vnd glöubig glaubt nitt ein yetlich ding darumb das Gott allmächtig ist / gleich als ob Gott alles thüe / darumb das er alles mag / oder das man alles glauben sölle / darumb das gschriben ist / dem glöubigen sind alle ding müglich / Sonder der glöubig glaubt darumb / daß das / daß er glaubt / also wie ers glaubt im wort Gottes fürgestellt vnd erleüttert ist. Darzuo / da der Herr im Euangelio spricht / dem glöubigen sind alle ding müglich / söllend wir söllichs nit einfaltig von allen dingen verston / sonder von denen die da mit dem wort vnd willen Gottes stimmend / die auch zuo Gottes ehr vnnd vnser seelen heyl dienend. Dann die ding alle wie gmeldet / die Gott inn seim wort verheissen / vnd haben wil / vnd die da dienend zuo seiner ehr vnd zum heil vnserer seelen / die sind dem glöubigen müglich. Darumb auch der Apostel so lauter vnd heiter sagt / wz Gott verheißt / dz möge er auch halten / dann wz er nit verheißt / wz nit seins willens ist / wz mit seim wort vnd willen streittet / dz mag er auch nit / Nit dz er nit alles möge / sonder dz er nit alles wil. Es möchte Gott auch auß den steinen brot machen / darumb ist aber nit zuo glauben / dz die stein brot sygind. Sie sind auch nit darumb brot / dz Gott alle ding vermag / wölchs wir aber hernach baß [besser] vnd eigentlicher werdend verstan / *so ich bald hernach anzeigen wird / dz der waar glaub nit ein schwäbends vnd schweiffends ding sey / sonder vestigklich haffte vnd gründe auff Gott vnd sein wort.*[-] Jch muoß aber vorhin (dieweil ich auß der zeügknuß Pauli vnd dem exempel Abrahams anzeigt hab / *dz der glaub ein beständigs wäsen / ja ein vngezweifelts wissen deß gmüets sey / vnd aber vil sind die da fürgebend der mensch sey seines heils nit gwiß /)*[was die rechte vnd ware eigenschafft sey deß Glaubens der außerwelten] etliche exempel hinzuosetzen vß dem Euangelio / vß wölchen man eigentlich sehen möge / dz der glaub ein [solch] vests vnd beständigs wäsen sey / ja ein befestnete satte meynung von Gott vnd vnserm heil. Deß habend wir erstlich ein exempel / an dem Euangelischen Centurione vnd Hauptman / der hat ein veste zuouersicht gefasset / sein knecht wurde vom Herren gsund gmacht werden / dann er hat verstanden wz grosser fürtreffenlicher dingen er denen zuosagte die in jn glaubtind. So nam er auch vß den wercken Christi wol ab / dz es jm nit schwär sein wurde seinem knecht zuohelffen. Darumb so füegt er sich zum Herren / vnd vnder anderm / sprach er / Jch bin nit wert das du vnder mein tach gangist / sonder sprich nur ein wort / so wirt mein knecht gsund usw. wölche wort bezeügend / dz in dem hertzen vnd gmüet dises Hauptmans ein gwisse berednuß gwesen ist / der gwissen hilff. Wölchs er auch völliger erklärt vnd außtruckt durch *ein Collation / vnd gegensatz* [ein gleichnus] / sprächende / Dann ich bin ein mensch / eins andern gwalt vnderworffen / vnd hab vnder mir kriegsßknecht / noch wenn ich zuo einem sagen / gang hin / so gadt er / vnd zum andern kumm här / so kumpt er / vnd zuo meinem knecht / thuo dz / so thuot ers usw. Wölche gwisse deß gmüets / do sie der Herr sach vnd gspürt auß disen glaubreichen worten / antwortet er jm bald vnd bezeüget / das er im gantzen Jsrael söllichen glauben nit funden habe. Also preyßt auch der Herr im Euangelio den glauben deß weybs / das mit jhr kranckheit so lange zeit schwärlich beladen wz gewesen / wölcher glaub / dz er ein vngezweiflets wissen vnd veste berednuß deß erleüchteten gmüets gewesen sey / man auß dem abnemmen vnd verston mag / das nach dem vnd sie bewegt wz durch die werck vnd leer deß Herren / sie bey jren selbs also beschloß / das wenn sie nur sein kleyd wurd mögen anrüeren / so wurde sie gsund werden / darumb so tringt sie auch hinein mit gwalt durch alle enge [alles volck] biß sie zum Herren kumpt. Aber was wil ich vil exempel einziehen / so doch deß einigen Cananeischen weiblins glaub vnwidersprächlich bezeüget vnd anzeigt / dz der glaub ein gwisses wissen vnd berednuß
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sye der dingen die man glaubt? Dann ob schon der Herr sie stan ließ vnd als vil als verachtet / schwancket sie doch nit im glauben / sonder volget dem Herren nütdestminder nach / vnd ob sie gleich auch vom Herren hort dz er allein den verlornen schaafen deß hauß Jsraels gsennt were / fart sie doch für vnd bättet jn an / vnd ob sie wol vber dz alles auch verstossen / vnd die schnöde schmach empfieng als wäre sie ein hund / noch dennocht fiel sie vor dem Herren nider / vnd hofft noch von jm jr begeren zuo erlangen. Da sie so beständigklich nit wurde verharret haben / wenn nit der glaub ein sichere vergwißigung were in dem hertzen vnd gmüet deß glöubigen. Darumb auch der Herr durch söllichen glauben bewegt / schryet vnd spricht O weyb / groß ist dein glaub / dir gschech wie du wilt. Vß wölchen zügknussen allen der h. gschrifft / nun offenbar ist / dz der glaub ein gwisses vngezweiflets wissen vnd satte [volkommene] berednuß ist im hertzen vnd gmüet deß glöubigen. Vff dz wöllend wir yetz aber auch bsehen / warauff deß menschen glaub gründe / Daruß dann auch offenbar wirt werden / dz der glaub nit ein eitler vnd schweiffender won ist eins yetlichen dings dz jm der mensch von jm selbs in seim hertzen fürnimpt / wie wir doben daruon hattend angfangen reden / sonder dz er in gwisse ding einzilet vnd eingschlossen ist. Da habend wir nun doben in der bschreibung deß glaubens anzeigt / dz der glaub sich lende [lenke] vnd gründe vff Gott vnd sein wort. Vnd ist deßhalb Got vnd dz wort Gottes deß waren glaubens grundtfeste / dann es muoß ye dz ein beständig vnd vest ding sein / darauff der mensch sich sicher vnd gwiß verlassen sol vnd mag / vnd dz do sälig machen / erhalten / vnd alle völle vnd gnüege geben vnd zuodienen mag / dann die ding suocht vnd erfordert der glaub. Die werdend aber vssert Got nienen funden / darumb volget dz der war glaub vff den einigen Got sich lende vnd verlasse. Dann Gott ist ewig / volkommenlich / guot / weiß / gerecht / gwaltig vnd warhafft / welchs er dann in seinen wercken vnd worten erzeigt vnd bezeüget. Darumb wirt er auch in Propheten genennt ein starcker vnd vnbewegter felß / ein schlossz / maur / turn / vnüberwintliche veste / schatz / vnd vnerschöpffter brunnen. Welcher ewig Gott alle ding vermag / alles weißt / allthalben zuogegen ist / die menschen treffenlich liebet / sie versicht mit aller notturfft / vnd alle ding regiert. Darumb dieweil der glaub ein zuouersicht vnd vertruwen ist von dem guoten willen gotes / von seiner hilff vnd bystand in allen nöten / vnd von der waren säligkeit deß menschens / so lendet [lencket] er sich auch allein vf Gott / vnd mag sich vff keine creaturen verlassen / dieweil in den selbigen die ding nit sind / die aber der war glaub suocht vnd han wil. Wie aber Gott warhafft ist / vnd nit liegen mag / also ist sein wort warhafft vnd betriegt nieman. Durch dz wort wirt der will vnd art gottes vßgetruckt / darumb so sicht vnd buwt der glaub auch vf dz wort Gottes / von wölchem der Herr im Euangelio gsprochen hat / himmel vnd erden werdend zergon / aber mein wort wirt nit zergon. Da wirt Gottes wort vergleicht mitt den aller fürnemsten vnd stercksten elementen / nit mit dem lufft oder wasser / wölchs bewegliche vnstäte element sind / sonder mit dem himmel / welcher ob er gleich auch sein lauff vnd bwegnuß hat / so hat er doch seinen wunderbaren gwissen vnd bstimpten lauff / vnd ist alles vest wz daran ist / Jtem mit der erden / wölche dz aller vestest vnd vnbeweglichst element ist. Darumb wenn es ringer [leichter] ist / dz dise vnauflößliche ding vffglößt werdind vnd zergangind /dann dz Gottes wort zergange / so volget daruß / dz nichts sterckers / vnbeweglichers / vnwandelbarers sey dann dz wort gottes. Darumb auch der Herr by dem Jeremia spricht / Mag auch mein punt den ich mit tag vnd nacht gmachet hab krafftloß werden / dz es nit tag vnd nacht zuo seiner zeit sey / so mag auch kraftloß werden mein punt den ich mit Dauid meinem diener gmacht hab. Nun möchte aber die gantz wält nit zwegen bringen / so sie gleich all jr krafft vnd stercke zesamen thete / dz es tag were / so es nacht ist / ja dz es einer stund ee tag wurde dann es Gott geordnet / Darumb so vermag sie auch nit / ja der gantz vmbkreiß der erden mit aller seiner krafft vnd allem pomp [pracht] / kan vnd mag nit ein einigs pünctli im wort vnnd inn der waarheyt deß worts Gottes / schwecheren / brächen / änderen oder auffheben. Darumb so muoß ye der glaub
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dieweil er sich so vff ein vest vnbewegt ding verlaßt ein vngezweifflets wissen vnd vertruwen sein. Sitmals nun dz wort Gottes / deß glaubens grund vnd fundament ist / so mag er deßhalb nit vnstät vnd schweiff sein / vnd sich auff ein yetlich ding lenden. Dann es mag nit ein yeder won / der do aussert dem wort Gottes / oder wider dz wort Gottes geschöpfft vnd gefasset ist / ein warer glaub genennt werden. Darumb auch der H. Apostel Paulus den waren Christenlichen glauben nit hat wöllen gründen oder bauwen auff einige fleischliche gründ vnd stützen / oder auff won der menschen / sonder vff die warheit vnd krafft Gottes. Dann dz sind seine wort mit denen wir dises ort beschliessen wöllend / Der glaub ist auß dem gehör / dz gehör aber auß dem wort Gottes / auß dem wort Gottes spricht er / nit vß dem wort der menschen. Vnd zuo den Corinthern / Mein wort vnd predig wz nit in hüpschen [krefftigen] worten menschlicher weißheit / sonder in beweisung deß geists vnd der krafft / vff dz ewer glaub bestande nit vff menschen weißheyt sonder auff der krafft Gottes. Daruß wir nun deßhalb lernend / dz die one vrsach glauben an vns erforderend / die do wöllend wir söllind die ding glauben / die sie aber mit dem wort Gottes nitt mögend erzeigen / vnd die dem wort Gottes zuo wider sind.
Zuo erlüterung nun yetzgemelter dingen / dienet auch dz / das in der beschreibung deß glaubens da oben gesetzt ist worden ein summ deß worts Gottes vnd deß glaubens. Deß worts Gottes namlich dz vns leert wz wir glauben söllind / vnd deß glaubens / der nichts anders glaubt / dann das man glauben sol. Da werdend nun zwey stuck gemeldet / darinnen der glaub vnd das wort stadt. Das erst / das vns von Gott in Christo dz läben vnd alles guots vmb sunst vnd vergebens auß gnaden verheissen werde. Dann Gott vff den der glaub sicht vnd gründet / dieweyl er von natur läbendig / ewig vnd guot ist / so gebirt er auch von ewigkeit har von vnd vß jm selbs den sun der jm in allweg gleich ist. Welcher dieweil er gleiches wäsens ist mit dem vatter / so ist er auch von natur dz läben vnd alles guots. Vnd damit er vns seinen kindern vnd brüedern das läben vnd alles guots mitteylte / so hat er menschliche natur an sich genommen / hat vnder den menschen gewandlet als ein waarer Gott vnd mensch / vnd bezeüget das sich Gott der vatter durch den sun gantz mit allen seinen güettern inn die glöubigen außgiesse / sie lebendig mache / mit allem guoten erfülle / vnd sie zeletst zuo jm nemme in das ewig leben / vnnd dise guotthat geschähe vergebens on allen verdienst / auff das in allem die glori seiner gnad [genad] gelobt vnd prisen werde. Welches yetzund der war glaub also glaubt. Vnd hiehar dienet ein guoter teyl der h. gschrifft / die da bezüget dz Gott in Christo den glöubigen mitteile dz leben vnd alles guots. Darumb schrüt [schreyet] Joannes der Apostel vnd bezeüget sprächende / Jm anfang was dz wort / vnd dz wort wz bey Gott / vnd Gott wz das wort / vnd das wort ist fleisch worden / vnd hat gewonet vnder vns / vnd wir habend gesehen sein herrligkeyt / als die herrligkeit deß eingebornen vom vatter / voller gnad vnd warheit / vnd von seiner völle habend wir alle genommen usw. Vnd der Herr selb spricht im Euangelio Joannis / Warlich sag ich eüch / alles dz der vatter thuot / das selbig thuot auch der sun / dann wie der vatter die todten aufferweckt vnd läbendig machet / also machet auch der sun läbendig wölche er wil. Dann der vatter richtet niemants / sonder alles gericht hat er dem sun vbergeben / auff dz sie alle den sun ehrind wie sie den vatter ehrend. Wer den sun nit ehret / der ehrt den Vatter nit der jn gsennt hat / Warlich warlich sag ich üch / wer mein wort hört vnd glaubt dem der mich gsennt hat / der hat dz ewig leben / vnd kumpt nit in dz gericht / sonder er ist vom todt zum läben hindurch getrungen. Mit disen Euangelischen worten stimpt auch der spruch S. Pauls / da er spricht / Jn Christo ligend verborgen alle schätz der weißheit vnd der erkantnuß / vnd in jm wonet die gantz völle der Gotheyt wäsenlich / vnd in jm sind jr erfüllet. Dz aber dise grossen guotthaten Gottes den glöubigen vergebens auß gnaden mitgeteilt werdind / das zeüget der außerwelt
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werckzeüg Gottes Paulus mit disen worten / Gelobt sye Gott vnd der vatter vnsers Herren Jesu Christi / der vns gebenedyet hatt mit allerley geistlicher benedyung / namlich mit himlischen güetteren durch Christum / wie er vns dann darzuo erwöllet hat vnd verordnet / das er vns zuo kinderen annemen wölte durch Jesum Christum / nach dem wolgefallen seines willens / zuo lob der herrligkeyt seiner gnad / durch wölche er vns hat angenem gemachet in dem geliebten / inn wölchem wir habend die erlösung durch sein bluot usw. Jtem da er spricht / Sie habend alle gesündet / vnnd manglend der ehren Gottes / werdend aber on verdienst gerecht gmachet auß seiner gnad / durch die erlösung so durch Christum gschehen ist usw. Darumb so glaubt der war glaub / dz jm von Gott durch Christum dz läben vnd alles guots vß gnaden on verdienst widerfare. Vnd dz ist dz erst stuck deß glaubens / wölches in den articklen deß glaubens wytlöuffiger begriffen wirt.
Das ander stuck deß worts Gottes vnd deß glaubens ist / das in dem wort Gottes alle waarheyt die man glauben sol / vßgelegt werde / vnd das der waar glaub allem dem glaube / das in der geschrifft fürgestelt wirt. Dann die geschrifft leert vns / das ein Gott sye / Jtem wie der sye / wz Gottes werck / gricht / will / gebott / verheissungen vnd tröuwungen sygind / ja es leert vns das wort Gottes / alles das das vns zuo glauben nutzlich vnd notwendig ist. Vnd söllichs ergreifft yetz der waar glaub / vnd nimpts an / vnd glaubt allem dem das da gschriben ist im gsatzt vnd in den Propheten / im Euangelio / vnd in den geschrifften der Apostlen. Was aber auß dem selben nit genommen oder bewärt mag werden / oder wz jm zuo wider ist / dz glaubt der glöubig nit / dann die natur deß glaubens haltet das inn / das er nit glaubt dem das mitt dem wort Gottes streyttet. Darumb so glaubt der recht / der nit den fablen vnd tröumen der menschen glaubt / sonder allein an dem einigen wort Gottes hanget / ja an dem einigen Gott selb / der ein brunn vnd vrsprung aller waarheyt ist. Die materi aber der innhalt vnnd die summ deß glaubens ist vns alles kurtz vergriffen fürgestelt inn den articklen vnsers Christenlichen glaubens. Von denen hernach volgen wirt. Jetzund habend jhr also die stund har gehört geliebte brüeder im Herren / ein beschreibung deß glaubens / was der selbig sye. Welche beschreibung ich hie wider äferen wil / damit ichs euch dest baß einbilde / vnd ein yeder dest baß verstande wz der glaub sye / vnd wil dann damit dise predig bschliessen. So ist namlich der glaub wie auch doben gmeldet / ein gab Gottes / den menschen von oben herab eingegeben. Dadurch er vnderrichtet / sich mit vngezweifelter berednuß vnd vertrauwen auff Gott vnd sein wort verlaßt / durch wölches wort vns von Gott in Christo das leben vnd alles guots vß gnaden on verdienst verheissen / vnd alle waarheit die man glauben sol fürgestelt wirt. Da lassend vns nun alle Gott vnsern vatter durch seinen eingebornen sun vnsern Herren Jesum Christum anrüeffen vnd bitten / dz er vns allen von oben herab den waren glauben verleihe / durch welchen wir jn recht lernind erkennen / vnd entlich das ewig leben erlangind / Amen.
5.Pr.Die fünffte Predig.
Das allein ein einiger waarer glaub sye / vnd was krafft [vnd wirckung] derselbig habe.
DJe zeyt ist mir in nechst vergangner Predig zuo kurtz gewesen / auch der handel an jm selb zuo groß vnd zeschwär / das ich nit hab mögen von dem allem reden / wie ichs aber hat für mich genommen. Darumb was mir von disem handel dozmal ist vber worden / das wil ich yetz mitt der hilff Gottes vollfüeren. Jhr aber bittend den Herren / das er mit seinem
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finger in eüwere hertzen schreiben wölle / das ich euch ausserlich in die oren reden.
So ist nun ein einiger waarer glaub / vnd der laßt sich nit teylen / Dann Paulus spricht / Es ist ein Herr / ein glaub / ein Tauff / ein Got vnd vatter vnser aller / vnd bleibt also von anfang der welt an biß ans end / ein einiger glaub bey allen außerwölten Gottes. Dann es ist ein einiger Gott allwegen / der auch ein einiger vnerschöpffter brunn ist alles guoten. Es ist auch ein einige Göttliche warheyt von anfang aller dingen / die in dem wort Gottes den menschen fürgestellt ist / vnd darumb so hat der glaub den einigen grund vnd dz einig fundament allwegen / namlich Gott vnd sein wort. Vnd also habend alle außerwölten Gottes von anfang har mit vns disen gleichen glauben gehebt / dz vns namlich durch Christum alle güeter vß gnaden geschenckt werdind / vnd dz vns in dem wort deß Herren alle waarheyt die man glauben sol / fürgestellt werde / Darumb habend sie jren glauben allweg allein auff Gott vnd auff sein wort gerichtet / dz also vngezweifelt vnd vest bestat / das allein ein einiger waarer glaub sye. Es sind wol vil Religionen / die man glauben nennt / in der wält / Als wie man nennt den Jndianischen glauben / den Jüdischen glauben / den Machometischen glauben / den Georgianischen glauben / Aber doch so ist allein ein warer glaub / namlich der Christenlich glaub / dessen summ vnd inhalt außtruckt wirt in den articklen deß glaubens / aber sein völle vnd alles was darzuo gehört in den geschrifften Alts vnd Nüws Testaments. Es habend wol darnebend auch die leüt mengerley glaubens / die auff mancherley sachen sich lendend / da sie etwan glaubend sölliche ding die dem waaren glauben zuo wider sind / noch nichts destminder so ist vnd bleibt hiezwüschend allweg allein ein einiger waarer glaub in Gott vnd in seim wort / der da ist ein vngezweiflete berednuß vnnd vertrauwen der ewig gwüssen vnd waaren waarheyt Gottes. Diser glaub hat auch sein zuonemmen inn den hertzen der glöubigen / dargegen kan er auch wol abnemmen vnd auffhören. Darumb dann die Apostel den Herren batend / Herr meer vns den glauben. Vnd der heilig Paulus wünschet allenthalben in seinen geschrifften den glöubigen / meerung deß geists vnd deß glaubens. Dann also hat auch Dauid vorhin bättet / O Gott schöpff inn mir ein rein hertz / vnd nimm dein heiligen geist nit von mir. Dann er hat gesehen / wie der guot geist vom Saul / auff den er ins Reych kam / gewichen / vnd an dessen statt ein böser geist in sein gemüet kommen was / der jn vbel vexiert vnd vmbtreib. Hiehar gehört auch der Spruch auß dem Euangelio / Welcher hatt / dem wirt gegeben / wer aber nichts hat / von dem wirt auch genommen das er hat / aber sein nichts achtet vnnd nienerfür haltet / vnd wirt geben werden dem der nichts hatt. Also sagt auch der Herr zuo S. Peter / Jch hab für dich gebätten Petre / das dein glaub nit abnemme. Vnd Paulus erzelt das etlich zuo seinen zeiten am glauben Schiffbruch erlitten habind vnd anderer glauben vmbkerind. Vnnd warzuo dienet anders / das wir täglich das wort Gottes hörend vnd Gott anrüeffend / dann das wir hoffend inn aller Gottsäligkeyt zuozenemmen / vnd begärend dz wir vom waaren glauben nit entfallind. Darumb spricht Paulus zuo den Thessalonichern / Wir bittend tag vnd nacht das wir sehen mögind eüwer angesicht / vnd erfüllen wo eüch etwas manglete an eüwerem glauben. Dann gleich daruor hat er auch gesprochen / Jch hab Timotheum außgesent / das ich erfüere eüwern glauben / auff das eüch nit villeicht versuocht hette der versuocher / vnd vnser arbeyt vergäblich wurde. Vnd zun Ephesern spricht er auch / Christus hat etlich zuo Apostlen gesetzt / etlich aber zuo Propheten / etlich zuo Euangelisten / ettlich zuo hirten vnnd leerern / damit die heiligen zuosammen gefüegt wurdind / zuo erbauwung deß leibs Christi / biß das wir alle hindan [hinan] kommind zuo einerley glauben vnnd erkanntnuß deß Suns Gottes / vnndXVIIIv. / 18b
ein volkommner mann werdind / der da sye inn der maß deß volkomnen alters Christi / auff das wir nit mer kinder sygind usw. Darumb so lang wir läbend / so lernend wir / auff das vnser glaub volkommen werde / vnd so er etwan durch versuochungen schwach were worden / das er mit dem wort Gottes widerbracht vnd bekrefftiget werde. Vmb diser enderung willen aber / das ist von wegen deß zuonemmens oder abnemmens / vnd schwacheyt deß glaubens / wirt drumb der glaub nit getheylt / dann es bleibt allweg die einig wurtzel / vnnd substantz deß glaubens / ob er wol ettwan grösser ettwan kleiner ist. Also wirt auch der glaub darumb nit geänderet oder zertheylt / das ettlicher genennt wirt ein gemeyner / ettlicher aber ein besonderer glaub / dann der gemeyn glaub / glaubt nichts anders / dann das alle wort Gottes waar sygind / vnd das Gott den menschen wol wölle. Dises glaubt auch der besonder glaub / allein so vil meer / das der glöubig jm selb besonders appliciert vnd auff sich zeücht / das / daß sonst allen anderen gemeyn ist / namlich da er glaubt das Gott nit nur anderen / sonder auch jm besonders wol wölle. Zuo dem / so theylt er auch ab das gemeyn in besondere stuck / dann wie er mit dem gemeynen glauben glaubt / das alle wort Gottes waarhafft sygind / also glaubt er auch mit dem besonderen glauben / das die seelen vntödtlich / das vnsere leyb wider aufferston / die glöubigen sälig werdind werden / die vnglöubigen verdampt / vnd was der dingen mer sind die vns im wort Gottes zuo glauben fürgestellt werdend.
Die Disputation aber die hie entstat (De fide infusa & acquisita, das ist von den eingegoßnen / vnd dargegen dem selbs erlangeten glauben. Jtem de fide informi & formata, das ist von dem vngestalteten oder gestalteten glauben /) die laß ich die außleggen / die von jnen selbs also dise neüwen fragen vnd disputationen on not in die kirchen einfüerend. Der glaub wirt durch keine menschliche krefft oder verdienst erlanget / sonder wirt von Gott eingegossen / vnnd eingegeben / wie ich das in vorgender predig erleüteret hab. Vnd ob er gleich erlanget wirt so der mensch dz wort Gottes hört / so wirt er doch billich allein der gnad Gottes zuogeschriben / dann wenn die selbig innwendig inn deß zuohörers hertz nicht würckt / so schaffet der ausser Prediger vnd pflantzer nichts. Wir läsend bey dem heiligen Augustino im buoch De praedest.sanctorum cap.3. das er etwan inn dem jrrthumb gestecket ist / das er gemeynt der glaub mitt dem wir inn Gott vertrauwend / sye nit ein gaab Gottes / sonder sye inn vns von vns selbs / vnnd mit dem glauben erlangind wir die gaaben Gottes / durch wölche wir mögind Gottsäligklich vnd gerecht läben in diser zeit. Aber dise meynung widerlegt er selbs heytter vnd dapffer in yetzgmeltem buoch. Vnd also ist auch der waar glaub / der allein auff Gott gerichtet ist / vnd nach dem wort Gottes geregiert wirt / gnuog geformiert oder gestaltet / Dann die form oder gestalt deß glaubens wirt inn die hertzen der glöubigen eingetruckt durch den heiligen geist. Vnd ob er schon noch klein / vnd nit biß auffs höchst gewachsen / ist er doch nichts destminder ein waarer glaub / vnd hat sein krafft gleich wie dz senffkorn. Also hat der mörder der mit dem Herren kreützget ward / in Herren Jesum glaubt / vnd ist sälig worden / ob schon der glaub ein kleine kurtze zeyt inn jhm gewesen / vnd noch nit vil frucht guoter wercken getragen hat. Es ist auch diser glaub deß mörders kein anderer glaub gewesen / dann S. Peters oder S. Pauls glaub / sonder eben der selbig / Allein / das er bey denen mer frücht vnd guoter wercken getragen hat. Dann S. Peter vnd S. Paul / ob sie schon vil guotter wercken gethon / sind sie doch on verdienst auß gnaden grecht gmachet / also auch der mörder / ob schon wenig oder gar kein guote werck bey jm funden. Darumb so lassend vns auß disem allem mercken vnd behalten / das der waar glaub ein einiger glaub sye / vnd das der selb auch sein wachsen vnd zuonemmen hab / dargegenXIX. / 19a
auch möge abnemmen vnd gar erlöschen. Nun ist es yetz aber an dem das wir auch erleütterind die krafft vnd würckung deß waaren glaubens. Welches doch der heilig Apostel Paulus vor mir vil baß / eygentlicher vnd volkommenlicher gethon hat. Vnd wiewol er im xj. cap. der Epistel zun Hebreern vil zuosammen gezogen / so bekennt er doch selbs / das ers nit alles möge erzellen / Darumb wil auch ich allein etliche würckungen deß glaubens mälden / vnd die vbrigen ewer lieb selb zuo bedencken vnd zuo erforschen geben.
So gibt vnd bringt nun der waar glaub dem menschn waares wüssen / vnd macht jn recht weiß. Dann durch den glauben erkennend wir Gott / vnd lernend recht von seinen gerichten vnd vrtheylen / auch von den tugenden vnd lasteren vrtheylen / welches wüssen aber einem sölliche ding gibt / daß muoß ye on zweifel ein rechte vnd waare weißheyt sein. Vil sind die vermeynend sie wöllind waare weißheyt erlangen auß üebung der Philosophy. Die fälend aber weyt / dann die Philosophy vrteylet vnd leert merteyls felschlich vnnd vnrecht / von Gott / von den werchen Gottes / vom höchsten guot / vom end der guoten vnd bösen / von denen dingen die man halten oder fliehen sol. Dise ding werdend aber alle im wort Gottes waarhafftig vnd recht geleert / vnd mit dem glauben verstanden vnd ergriffen / Darumb so ist der glaub die waare weißheyt / vnnd machet auch waarlich weiß. Darumb auch Jeremias spricht / Sihe / sie habend das wort deß Herren verworffen / wie köndtend sie dann weißheyt haben? Jn aller wält ist hoch gehalten die weißheyt Salomons. Noch so läsend wir im Euangelio Matthei dz der Herr wider die Juden also spricht / Es wirt die Künigin von mittag aufferston im gericht mit disem geschlecht / vnnd wirt es verdammen / dann sie kam vom end der erden zuo hören die weißheyt Salomons / vnd sihe hie ist mer dann Salomon. Da wirt Christus höher gehalten dann Salomon / vnd Christi weißheyt höher dann die weißheyt Salomons. Nun mag aber die weißheyt Christi deß suns Gottes nit anders dann mit glauben ergriffen werden / darumb volgt dz der glaub die aller fürträffenlichest weißheyt mit jm bringe. Disere vnsere weißheyt nun ist hohes lobs vnnd ruoms wärt / dann die / so jhren nachstellend / werdend nit hin vnd wider inn andere ort vnd land mit grossem kosten vnd schwärer arbeyt gewisen / weder zuo den Egyptischen pfaffen / noch zuo den Jndischen gymnosophisten / oder zuo den Philosophen der Griechen / noch zun Rabinern der Juden / sonder Gott hat sein wort durch die gantz welt außgossen / das yetzund das wort deß glaubens ist inn aller glöubigen hertzen / Wie Paulus spricht / die gerächtigkeyt auß dem glauben spricht also / Sprich nit in deinem hertzen / wer wil hinauff steigen gehn himmel? das ist nichts anders dann Christum herab ziehen / oder wer wil hinab steigen in die tieffe? das ist nichts anders / dann Christum von den todten holen. Aber was sagt die geschrifft? das wort ist dir nach / namlich in deinem mund vnd in deinem hertzen. Vnd das ist das wort vom glauben das wir predigend / namlich / so du mit deinem mund bekennst den Herren Jesum / vnd glaubst in deinem hertzen das jn Gott von den todten aufferweckt hab / so wirst du sälig. Deßhalben machet vns der glaub nit nur weiß / sonder auch sälig / wie der Herr selb bezeüget / da er spricht zuo seinen Jüngeren / Sälig sind die augen die da sehend das jhr sehend / dann ich sag euch / vil Künig vnd Propheten habend begärt zuo sehen das jr sehend vnd habends nit gesehen / vnd zuo hören dz jr hörend / vnd habends nit gehört. Darumb werdend wir auch im glauben finden gwüssen entscheid der gemeinen vnd grossen frag / die von anfang der welt har allen geleerten vnd fürtreffenlichsten männern zuo schaffen geben hat / namlich / wie der mensch möge leben / sälig werden / das höchst guot erlangen / mit dem selben vereinbaret [vereiniget] / vnnd deßhalb auch gerecht gmachet werden. Dauon sind ye vnd ye zwyspältig vnd mancherleyXIXv. / 19b
meynungen gewesen / vnd sinds noch auff den heüttigen tag. Da aber wir yetz kurtz vnd mit der waarheyt mögend reden / das der mensch durch den glauben läbe / sälig werde / das höchst guot erlange / mit dem selbigen vereinbaret [vereiniget] / deßgleich gerecht gmachet werde / also vnd dermaß / das Gott yetz in vns läbe vnd wir in jm / vnd also durch den glauben gerecht vnd sälig sygind. Was köndte nun von der krafft vnd würckung deß glaubens herrlichers / grössers vnd Göttlichers geredt werden? Der glaub macht vns läbendig vnd sälig / vereinbaret vns mit dem höchsten guot / also das Gott in vns lebt vnd wir in jm / machet vns auch volkommenlich grecht. Dauon wöllend wir aber zeügknussen der geschrifft hören. Das er sälig mache / sehend wir in der antwort Christi / die er S. Petern gibt / als der jn mit waarem glauben bekennet / da spricht er / Sälig bist du Simon du sun Jone / fleisch vnd bluot hat dir söllichs nit goffnet / sonder mein vatter der in himmlen ist. So zeücht auch S. Paul den spruch Dauids auff den glauben / da er spricht / Sälig sind die / deren mißthat verzigen vnnd deren sünd bedeckt sind / sälig ist der man / dem Gott die sünd nit zuorechnet.
Er machet auch läbendig / dann der gerächt lebt auß dem glauben / welchen Spruch Paulus gar offt auß dem Propheten anzeücht. Er spricht auch / das läben das ich yetz im fleisch leben / das läb ich in dem glauben deß suns Gottes / der mich geliebt hat / vnd sich für mich dargeben. Der glaub vereinbaret [vereiniget] vns auch mit dem ewigen vnd höchsten guot / vnnd machet das wir dasselbig niessen mögend / also das Gott inn vns lebe vnd wir inn Gott. Dann es spricht der Herr Jesus im Euangelio / wer mein fleisch ißt vnd mein bluot trinckt / der bleibt in mir vnd ich in jm / wie mich der lebendig vatter gesendt hat / also leb ich auch vmb deß vatters willen / vnd wer mich essen wirt / der wirt auch vmb meinet willen leben. Essen aber den Herren vnd trincken / ist in jn glauben / das er sich selbs für vns in tod geben habe. Dahar auch Joannes spricht / Wir habends gesehen vnd bezeügends / das der vatter seinen sun den Heyland der welt gesendt hat / vnd welcher bekennen wirt das Jesus sye der Sun Gottes / der bleibt in Gott / vnd Gott in jm. Wie auch Paulus sagt / Jch leben / doch yetz nit ich / sonder Christus lebt in mir. Der glaub machet auch gerecht / Von wölchem dieweyl es vns auff dißmal zelang wurde / wir in der nächsten predig reden wöllend. Euwer liebe behalte yetz / das allein ein einiger waarer glaub sye / namlich der Christenlich glaub / darin ob schon vil Religionen sind / die man glauben nennt / so ist doch allein ein einiger waarer vngezweifleter glaub / der hat auch sein zuonemmen vnd abnemmen. Jnn denen die jn habend / vnd Gottsäligklich vnd wol brauchend / da würckt er träffenliche krefft vnd tugenden / dann er gibt vnd bringt jnen waare weißheyt / macht sie lebendig vnd ewig sälig. Dem Herren Gott vnserem himmlischen vatter / von dem wir die säligkeyt vnd alles guots habend / sye durch Jesum Christum vnseren Herren lob vnd ehr inn ewigkeyt / Amen.
6.Pr.Die Sechszte Predig.
Das die menschen durch den glauben gerächt gmachet werdind / on das gsatzt vnd die wärck.
Djeweyl ich mir fürgenommen hab zuo reden von dem glauben / wie der on die werck die glöubigen gerecht mache / so bitt ich Gott vnseren himmlischen vatter / durch seinen eingebornen Sun vnsern Herren Jesum Christum / das er mir auffthüe mein mund vnd läfftzen / das ich möge außsprächen sein lob vnd preiß / vnd das er auch ewere hertzen wölle erleüchten /
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das jhr erkennind sein grosse guotthat / jhm danckbar sygind / vnnd heiligklich lebind.
Erstlich aber / so wil ich vor allen dingen reden von ettlichen stucken die zuo diser handlung von nöten sind / Namlich zum ersten von dem wörtlin iustification oder gerechtmachung. Das wörtli iustificieren oder gerecht machen ist bey den Hebreern gar gemeyn vnd breüchlich / vnd streckt sein bedeütnuß weyt auß / zuo vnsern zeiten ist es nit so gemeyn vnd bekannt / wie es aber wol solte sein. Es heißt aber iustificieren / einen ledig sprächen von dem gricht vnnd von der vrteyl vnd verdammnuß die schon vber jn gangen vnd gefellt was / vnd heißt also / die sünd verzeihen / reinigen / sälig vnd ein erben machen deß ewigen lebens. Dann es ist ein grichtswörtli dz am vssern Rechten brüchlich ist. Als laß dir sein [Gedencke alß würde] / ein mensch werde gestellt für den Richtstuol Gottes / vnd werde da anklagt vnd vberzeüget der aller schwärsten sünden / vnd deßhalb erforderet zur straaff vnd verurteylung. Da kömme aber der Sun Gottes / vnd stelle sich dar zum mitler vnd verträtter / vnd begäre das jm alle schuld vnd peyn auffgelegt werde / vnd die nemme er hin vnd versüene sie mit seinem tod / vnd gäbe denen die er also versüent das ewig leben / Vnnd Gott der Oberst vnnd gerecht Richter nemme dise täding also an [were hiemit zufriden] / vnd legge alle schuld vnd peyn auff sein Sun / vnnd ordne / das welcher nur glaube das der Sun Gottes gestorben syge für die sünd der welt / vnd das er damit zerstört habe den gwalt deß Tods vnd vns von der verdammnuß entlediget / das der yetz rein sye von sünden vnd ein erb deß ewigen lebens Wer kan nun da so doll sein / der da nicht sehe das yetz die menschen durch den glauben gerecht gmachet werdend?Damit es aber alles heytter vnd verstendtlich sye / vnd niemand mangel oder mißverstand hierinn habe / so wil ich das / das ich yetz inn einer summ vnd inn der gleichnuß vnd bildtnuß eins rechtshandels fürgestellt hab / ettwas eygentlicher entscheiden / vnd es alles mit Göttlicher geschrifft beweren vnd erleütern / dermaß / das ein yeder wie grobs verstands er joch sye / heiter verstan muoß / was die krafft vnnd würckung deß glaubens sye / vnnd wie es vmb die Justification vnd gerechtmachung ein gestallt habe.
Vnd erstlich so wil ich anzeygen / das daß wörtli Justification oder gerechtmachung inn disem handel genommen vnnd braucht wirt / für die entledigung vnd verzeyhung der sünden / ja für das sälig machen vnnd annemmen inn die zaal der kinderen Gottes Dann also spricht der heilig Apostel Paulus Acto. am dreitzehenden capitel [38] / Es sye eüch zuowissen / jhr männer lieben brüeder / das eüch durch disen Herren Christum verkündiget wirt verzeyhung der sünd / vnd von allem / da von jr durch das gsatzt Mosis nit habend mögen gerechtgmachet werden / da wirt durch disen gerechtgmachet ein yeder der in jn glaubt. Sihe in Christo wirt vns verkündet verzeyhung der sünden / vnnd wer da glaubt inn Christum der vns verkündiget wirt / vnnd die sünden vergibt / der wirt gerecht gmachet. Darauß volget das die gerechtmachung nichts anders sye / dann die verzeihung der sünden. Vnd zun Röm. am fünfften cap.[18] spricht er auch / Nach dem wir durch sein bluot gerecht gmachet sind / so werdend wir durch jn behalten vor dem zorn. Das bluot Christi aber wäscht vns ab die sünd / darumb so ist die gerechtmachung nichts anders dann die abwäschung oder verzeyhung der sünden. Vnd im selben capitel spricht er noch heitterer / Das vrteyl ist kommen auß einer sünd zur verdammnuß / die gaab aber auß vilen sünden zur gerechtmachung. Da setzt er ye die verdammnuß vnd die gerechtigkeyt gegen einanderen / darauß volget das die grechtmachung ein entledigung vnd erlösung von der verdamnuß sye. Zuo dem so nennt er auch heitter die gerechtmachung ein schencke / das ist ein schenckung oder nachlassung der sündenXxv. / 20b
Da har dienend auch die wort die am selben ort weitter volgend / wie durch deß einigen sünd die verdammnuß vber alle menschen kommen ist / also ist auch durch deß einigen gerechtigkeyt die gerechtmachung deß lebens vber alle menschen kommen. Hie wirt abermals die gerechtmachung deß lebens entgegen gesetzt der verdammnuß / die von der sünden wegen auff vns gelegt ist zum tod. Deß halb so ist die gerechtmachung deß lebens / die entledigung von sünden / die erlösung vom tod / die lebendmachung vnd änderung vom tod ins leben Dann im vierten capitel der selben Epistel legt der heilig Apostel Paulus das wörtli Grechtmachen auß / durch das wörtli Säligmachen. Säligmachen aber nennt er die verzeyhung der sünden / dann er disputiert vom glauben / durch welchen wir gerechtgmachet werdend / oder den vns Gott zur gerechtigkeyt rechnet on die werck / vnnd spricht also / Nach welcher weiß auch Dauid die säligmachung außgelegt / vnd anzeigt das die sye allein deß menschen / dem Gott die grechtigkeyt zuorechnet on die werck / da er spricht [Psal.32.1] / Sälig sind die welchen jre vngerechtigkeyten vergeben / vnd welchen jre sünd bedeckt sind usw. Da nichts heytterers köndte herfür bracht werden. Dann er ye heytter die gerechtmachung außgelegt / durch das wörtli Säligmachung / vnd das selbig / durch verzeyhung der sünden Darzuo was ist die säligmachung anders / dann das annemmen / da wir auffgenommen werdend zuo gnaden vnd inn die zaal der kindern Gottes? Wer ist denn der nun nit sehe / das Paulus inn diser gantzen disputation die gerechtmachung für das annemmen nimpt? besonders dieweyl er inn dem selben gantzen capitel darauff tringt / das die erbschafft dem glauben zuogehöre / welchem er auch die gerechtmachung zuogibt Auß welchem allem nun offenbar ist / das die question [-] vnd frag von der gerechtmachung nichts anders innhaltet dann wie man sälig werde / das ist wie vnd wodurch vns die sünd verzigen werde / vnd wir zuo gnaden vnnd inn die zaal der kinderen Gottes angenommen / wie wir auch gerecht vnd erben deß Reychs Gottes werdind
Auff söllichs so wöllend wir auch besehen / ob die geschrifft diß vermöge / das ich gesagt hab / Christus habe vor dem Richtstuol Gottes / als wir yetz von vnser sünden wegen die vrteyl der verdammnuß empfahen soltend / vnser sünd auff sich genommen / vnd die versüent mit dem todt deß Creützes / vnd das Gott auff jhn gelegt hab vnser straff vnnd schuld / also / das er allein vnsere einige gnuogthüeung vnd versüenung sye So leert nun söllichs gantz heytter vnd eygentlich der heilig Apostel Paulus / da er spricht / Wer wil die außerwölten Gottes verklagen? so Gott ist der sie gerecht machet / Wer wil sie verdammen? so Christus ist der da gestorben / vnnd auch von todten aufferstanden ist / vnnd der da sitzt zur rechten deß vatters vnnd vns vertrittet. Jtem / Christus hat vns erlößt von dem fluoch deß gsatzts / mit dem das er für vns worden ist ein fluoch / dann es stadt geschriben / verfluocht sye ein yeder der am holtz hanget / auff das die benedyung Abrahe vnder die Heyden käme in Christo Jesu usw. Dises hat der Apostel auß dem Mose geleert / dann Moses das inn seinen geschrifften offt mäldet / das die sünden auffgelegt werdind den thieren / die man dann opfferet. Die selben opffer aber sind vorbildungen gewesen deß tods vnnd deß opffers Christi. Vnd Esaias spricht mitt außtruckten worten / Er nimpt waarlich hin all vnsere kranckheyten / vnd tregt vnsere schmärtzen. Er ist verwundt vmb vnser vberträttung willen / vnd zerknitst von wegen vnserer boßheyt / dann die buoß vnserer straaff ist jhm auffgelegt / vnd mit seinen masen werdend wir gesund / Wir alle habend gejrret gleich wie die Schaaff / ein yeder keeret sich seinen weg / aber der Herr hat auff jn gelegt vnser aller sünd. Vnnd gleich darnach. Er hat die sünd der menge hingenommen / vnd für die vberträtter gebätten. Da möchte doch nützit heytterers vnnd eygentlichers von diserem vnseremXXI. / 21a
fürnemmen geredt werden. Darauff sicht auch S. Peter da er spricht / Der Herr hat vnser sünd selbs getragen an seinem leib auff dem holtz / auff das wir der sünden loß wurdind / vnd der gerächtigkeyt läbtind / durch wölches schnatten [wunden] wir sind gesund worden. Jtem es redt auch hier auff der heilig vorlöuffer vnsers Herren Joannes der Töuffer / do er spricht / Nemmend war das ist dz Lamb Gottes / das da hinnimpt die sünd der welt. Vnd der heilig Apostel Paulus bezeüget vnd spricht / Den der von keiner sünd weißt / hatt er für vns zur sünd gemachet / auff das wir wurdind in jm die gerechtigkeyt Gottes. Vnd inn der Epistel zun Collossern / Es ist das wolgefallen deß vatters gewesen / das in jm alle völle wonete / vnd das alles durch jn versüenet wurde gegen jm selbs / vnd das er frid machte allem es sey auff erden oder im himmel / durch das bluot seines creützes durch sich selbs. Das sind nun als ich acht heittere zeügknussen gnuog / die da bewärend das vnsere sünd / vnser fluoch vnnd verdammnuß / die wir mit vnseren sünden verdient / auff Christum gelegt sygend / vnd das er mit seinem bluot die selbigen durchthon / vnnd mitt seinem todt den todt selbs vnd anfänger deß tods den Teüffel / vberwunden vnnd vndertruckt / vnd die straff / die wir verdient vnd leiden soltend / auffgehebt habe.
Dieweil vnnd aber [Geliebten im Herren] deren nit wenig sind / die da laugnend das Christus mit seinem todt den sündern pein vnd schuld auffgehebt vnd hingenommen habe / vnnd ein einige gnuogthüeung für die gantz welt worden sey / so wil ich weyttere kundtschafft anziehen / vnd auch auß dem vor angezognen etlichs wider äfern [widerholen] / darauß wir sehen mögind das Christus ein einige gnuogthüeung für die gantz welt / für schuld vnnd auch für peyn gnuog thon habe Esaias zwar bezeüget heytter das die schuld vnd die peyn mitt einanderen durch jn auffgehebt vnnd hingenommen seyend / da er spricht / Er tregt vnsere schmärtzen / vnnd er ist verwundt von vnser vberträttung wegen / vnnd die züchtigung deß fridens / (wie die wort lautend / ) das ist die züchtigung / buoß vnnd straaff / die den friden machet / oder die buoß vnserer straff / dz ist / die straff die vnns gehort von wegen vnserer sünden / die ist jm auffgelegt. Vnd merck auch auff das daß volget / vnd mit seinen schmertzen werdend wir gesund. Wölches vns ye heytter leert das durch die straaff Christi vnser straaff hingenommen sey / dann die straaff / buoß vnd peyn / die vns gehort / die ist dem Herren auffgelegt / vnd darumb ist er verwundt worden / vnd hat schmärtzen vnd streichmasen empfangen / vnnd mitt denen hat er vnns geholffen. Da er vns aber wenig geholffen hette / wenn wir erst müeßtind verwundt werden / schmärtzen vnd streichmasen [streiche] empfahen / das ist peyn vnnd straaff für vnsere sünd erst erleyden Darumb so ist der todt Christi ein volkomne gnuogthüeung für vnser sünd. Wz hette vns Christus erworben vnd erlanget / wenn wir vmb vnser sünd noch müeßtind gestraafft werden Deßhalb / wenn wir sagend er habe all vnsere sünd getragen an seinem leib auff dem holtz / was wöllend wir anders sagen / vnnd was ist der verstand anders / dann das der Herr mitt seinem vnschuldigen tod hingenommen habe die raach vnd straaff / das wir die nit leiden müeßind? Vnnd so offt Paulus der erlösung gedenckt die durch Christum beschehen / so nennt ers gewonlich inn Griechisch apolytrôsin, wölchs nicht einfaltig / wie mans aber gemeynlich außgelegt / ein erlösung heißt / sonder auch das wärd der erlösung [das Loßgelt] vnnd die gnuogthüeung so darumb geschicht Auff dise weiß schreibt er auch / das Christus sich selb für vns geben habe ein antilytron, das heißt ein gelt oder ein schatzung mitt deren die so im krieg gefangen / von dem fyend gelößt werdend / dann das wir gemeinlich Rantzon nemmend / das heissend die Griechen lytra, antilytron aber ist wenn einer vmb den anderen gelößt wirt. Die aber also gelößt werdend / die habend keiner straaff meer zuo erwarten / dieweyl die selbig von einem auffXXIv. / 21b
den anderen gelegt ist Zuo dem allem so ist das daß Neüw Testament / das Gott in Christo mit vns auffgericht hat / das er vnser mißthaten nit gedencken wil. Wie were aber das vnser mißthaten nit gedacht / wenn er vns erst darumb straaffen wölte Darumb so volget vngezweiflet / das Christus ein volkomne versüenung / gnuogthüeung vnnd opffer für die sünd / ja für peyn vnnd schuld der gantzen welt seye / vnd das allein. Dann es ist in keinem anderen das heyl / dann es ist auch kein anderer namm dem menschen gegeben / darinn wir mögind sälig werden.
*Darnebend bin ich nicht darwider / sonder bekennen* [ist vnleugbar] / das auch mancherley straaffen den menschen auffgelegt werden von jhr sünden wegen / sie zuo züchtigen vnd zuo üeben / vnd das auff vil vnd mancherley weiß. Die straffen aber / wie gedultigklich sie joch [auch] von den glöubigen auffgenommen vnd gelitten werdend / so wäschend sie doch die sünd nit ab / vnd thuond für die sünd nit gnuog Darum S.Peter spricht / Jr aller liebsten / lassend eüch das fheür vnder eüch nicht befrembden (das eüch widerfart das jr versuocht werdind) als widerfüere eüch ettwas seltzams / sonder fröuwend eüch das jr theylhafftig sind deß leydens Christi / auff das jr auch zur zeit der offenbarung seiner herrligkeyt fröud vnd wunn haben mögind. Das ist das end / der nutz vnd brauch der trüebsalen / vnd darby bleibt Christo allweg sein ehr vnuerletzt. Nun ist es aber an dem / das ich auch auß der h. gschrifft anzeige / dz es Gott der vatter also verordnet habe / das wer inn Christum seinen eingebornen sun glaube / teylhafft werde der gerechtigkeit Christi / dz ist durch Christum grechtgmacht vnd von sünden glediget / vnd ein erb deß ewigen lebens werde So bezeüget nun Esaias söllichs vnnd spricht / Mein gerechter knecht wirt mit seiner kunst [-] oder mit seiner erkanntnuß die menge gerecht machen / dann er wirt jr sünd hinnemmen. Welches ist aber die *kunst wissen vnnd* [-] erkanntnuß Christi deß Herren anders dann der waar glaub? So spricht auch der Herr Jesus selb im Euangelio Joannis / Gleich wie Moses den schlangen inn der wüeste erhöcht hat / also muoß der Sun deß menschens erhöcht werden / auff das ein yeder der inn jn glaube nit verderbe sonder habe das ewig leben. Es halff inn der wüeste kein artzney wider die gifftigen schlangenbissz / dann allein so man die auffgehenckt ehrin schlang ansach. Es halff die vergiffteten kein pflaster / kein opffer / ja auch kein gebätt zuo Gott / kein werck / kein vernunfft / allein das ansehen der schlangen machet das gifft vnschädlich / so es gleich den gantzen leib durchgangen hat. Also ist kein einig ding das vor dem todt erhalte / dann der einig glaub in Christum / dann mit dem sehend vnnd schauwend wir Christum an / wie der auffgehenckt am stammen deß creützes / wie das erscheint auß dem sechßten Capitel Joannis Es volget auch inn den worten deß Herren bey Joanne weytter / Also hatt Gott die welt geliebet / das er seinen eingebornen Sun gab / auff das ein yeder der inn jhn glaubt / nit verdärbe / sonder habe das ewig leben / dann Gott hat seinen Sun nit gesendet inn dise welt das er die welt verdamme / sonder das die welt durch jnn sälig werde. Wer in jnn glaubt / der wirt nit verdampt / wer aber nit glaubt / der ist schon verdampt / dann er glaubt nit in den nammen deß eingebornen Suns Gottes. Jnn wölchen worten zum dritten mal der glauben gemäldet wirt / durch wölchen wir werdind kinder Gottes vnd theylhafft seines lebens / der säligkeit vnd erlösung / vnd in summa aller güetteren. Vnd im sechßten Capitel deß Euangelij Joannis spricht der Herr auch / Das ist der will deß vatters der mich gesendet hatt / das ein yeder / der den Sun sicht / vnnd glaubt in jnn / habe das ewig läben / vnnd ich wird jnn aufferwecken am Jüngsten tag. Da ye von vnserem fürnemmen nichts heitterers möchte gredt werden. Dann es wirt außtruckenlich gemäldet / es sey derXXII. / 22a
will Gottes deß vatters / das wir inn den Sun glaubind / vnd durch den glauben sälig werdind. Dahar auch der heilig Euangelist vnd Apostel Joannes in seiner Canonischen ersten Epistel vßbricht in dise wort / Wer Gott nit glaubt der hat jn zum lugner gemacht / dann er hat nit glaubt in die zeügknuß die Gott zeüget hat von seinem sun / vnd das ist die zeügknuß / das vns Gott das ewig leben hat gegeben / vnd söllichs leben ist in seinem sun / wer den sun hat / der hat dz leben / wer den sun nit hat / der hat das leben nit. Das behalte eüwer lieb wol / der eewig vnd vnwandelbar will Gottes ist / das er der welt wil geben das ewig leben Er wil es aber geben durch Christum / der das leben selbs ist von natur vnd lebendig machen mag. Es wil auch Gott / das wir das leben erlangind / vnd in vns habind / vnd dz durch den glauben Dann es lert auch der h. Apostel Paulus / das Christus durch den glauben in vnsern hertzen wone. So bezeüget auch der Herr selbs weiter vnd spricht / Wer mich jsset / der wirt auch von meintwegen leben / Eüwer lieb weißt aber das essen glauben ist. So wöllend wir deßhalb nun das ort beschliessen mit den worten deß h. Petri / da er spricht / Disem Christo gebend zeügknuß alle Propheten / dz verzeihung der sünden empfahen werde durch sein nammen / ein yeder der in jnn glaubt. Jn welchen worten wir ein heitere kundtschafft habend / als vil als der gantzen heiligen geschrifft. Auß welchem allem nun heiter gnuog erzeygt ist / dz es Gott also verordnet habe / dz wer in Christum glaube / dz der gereiniget sey von sünden / vnd ein erb deß ewigen lebens
Dises wöllend wir aber noch heitterer erleüteren [noch heller erklären] / mit anzeigung / das allein der glaub / das ist der glaub von sein selbs / vnnd nit von vnser wercken wegen die glöubigen grechtmache. Von sein selbs wegen aber sagen ich nit der meynung / das der glaub grecht mache so ferr er ein qualitet / oder vnser werck vnd ein thuon in vns ist / sonder so ferr er ein gaab der Göttlichen gnaden ist / vnd die verheissung der gerechtigkeyt vnd deß lebens hat / Jtem auch so ferr er von natur ein gwisses vnd vngezweiflets vertrauwen vnd wissen ist / das sich auff Gott verlaßt / vnd glaubt das vns Gott durch Christum versüent sey / vnd vns durch jnn das leben vnd alles guots geschenckt habe. Darumb so macht vns der glaub gerecht von Christi wegen / vß der gnad vnd verheissung Gottes. Ja der glaub / das ist / das daß wir glaubend / vnd darauff wir vns verlassend / namlich Gott / vnnd die gnad Gottes durch die erlösung Christi / die machet vns gerecht / daß also vnser werck vnd verdienst kein platz habend vnnd nichts bringend zuo der gerechtmachung / sonst habend guote werck wol jren platz in den glöubigen / wie wir an seinem ort wöllend anzeigen Darumb setzt auch der heilig Apostel Paulus Christum vnd Adamen feyn gegen ein anderen / vnd zeigt an das wir von Adamen / ja von vnd auß vnser natur vnnd eignen krefften nichts habind dann sünd / Gottes zorn vnd vngnad / vnd auch den todt. Wölchs er darumb leert / das niemandt in dem fleisch die gerechtigkeyt vnd das leben suoche. Dargegen aber zeigt er an / das wir von vnd in Christo habind alle gerechtigkeyt / Gottes gnad vnd dz leben / ja auch verzeihung aller sünden. Jn wölchem gegensatz er gar offt mäldet / vnd gar hefftig tringt auff das wörtli EJNJGEN / damit wir lernind das allein der glaub gerechtmache. Vnnd zun Galateren braucht er die vberauß heytter erweisung [beweisung] / das er spricht / Eines menschen Testament / wenn das bestätiget ist / so thuot niemandt ützit [etwas] darzuo oder daruon / wie vil billicher ist es dann das niemandt ützit [etwas] von oder zuo dem Testament Gottes thüege. Das ist aber das Testament das Gott auffgerichtet hat / das er namlich dem saamen Abrahe die benedeyung nicht in vilen oder durch vil / sonder durch einen geben wil / dann er spricht nicht / in den saamen als von vilen / sonder als von einem / vnd in deinem saamen / welcher ist Christus. Disem Testament Gottes gebürt es sich nun nit ützit zuonemmen oderXXIIv. / 22b
zuogeben / vnnd bleibt deßhalb allein Christus der Heyland / dann die menschen mögend weder sich selb noch ander leüt heyl vnd sälig machen.
Jtem weiter in der selbigen Epistel zun Galatern spricht er / wir wissend dz der mensch durch die werck deß gsatztes nit grecht wirt / sonder durch den glauben Jesu Christi / vnd darumb habend wir auch in Jesum Christum glaubt / auff dz wir grechtgmacht wurdind durch den glauben in Jesum Christum / vnd nit durch die werck deß gsatztes / darumb das durch die werck deß gsatztes kein fleisch wirt grechtgmachet. Da äfert [widerholet] Paulus zum dritten mal / das die menschen nit werdind grechtgmachet durch die werck deß gsatztes / in welchen er allerley werck begreifft. Derhalben machend keine werck grecht. Was dann? der glaub in Christum / ja der glaub allein / dann dz vermag die art zereden die Paulus in dem spruch brucht / dz er spricht / Wir wissend dz der mensch durch die werck deß gsatztes nit grecht wirt / Nisi, das ist sonder / oder / dann allein durch den glauben Jesu Christi / dann es ist gleich vil gredt / wenn man spricht / Allein der glaub macht grecht / vnd / wir werdend nit grechtgmachet dann durch den glauben Jesu Christi Darauff setzt er auch das exempel der Apostlen / dz er spricht / vnd wir habend auch in Jesum Christum glaubt / auff das wir grechtgmachet wurdind durch den glauben in Jesum Christum / vnd nit auß den wercken deß gsatztes. Also nimpt auch Petrus ein argument von dem exempel der Apostlen in den gschichten der Apostlen / da er spricht / Wir glaubend das wir durch die gnad vnsers Herren Jesu Christi sälig werdind / wie auch sie. Vnd in yetz anzognem Capitel der gedachten Epistel zun Galatern [2.21] spricht Paulus auch also / Jch verwirff die gnad Gottes nit / dann so durch dz gsatzt die grechtigkeit kompt / so ist Christus vergeblich gstorben / dann wenn es vns müglich / dz wir für vns selb hettind mögen sälig werden / wz bedorfft es / dz der sun gottes mensch wurde / litte vnd sturbe / Dieweil aber er mensch worden / glitten hat vnd gstorben ist / vnd freilich nit vergeben gstorben / so volgt ye / das es inn vnserem sündtlichen fleisch nicht hab mögen funden werden / dadurch das heyl erworben wurde. Vnd bleibt deßhalb der Sun Gottes / der eynig Heyland / der vns die säligkeyt mitteylt / vnd das durch den waaren glauben.Vnd in der Epistel zun Römern am anfang vor einhin [am anfang] [Rom.1. vnnd 2.cap.] erzeigt Paulus / das alle menschen sünder sygind / vnd nit habind eigne krefft / durch welche sie grecht gmachet mögind werden / So zeühe auch das gsatzt Gottes die sünd allein fürhin / offne [öffene] vnd entdecke die / nemme sie aber nit hin / reinige vnd seübere sie auch nit / Vnd darumb so mache Gott die glöubigen durch den glauben inn Jesum Christum grecht / vergebens / auß lauter güete vnd gnad / damit sein gschöpfft nit gar verderbe Der worten deß Apostels lautend etliche also / Die grechtigkeit Gottes / spricht er / ist on dz gsatzt geoffenbart / bezeüget durch das gsatzt vnd die Propheten / namlich die grechtigkeit Gottes / die da kompt durch den glauben in Jesum Christum zuo allen / vnd auff alle die da glaubend / dann es ist hie kein vnderscheid / dann sie haben alle gsündet / vnnd manglend der ehren Gottes / vnd werdend aber on verdienst grechtgmachet vß seiner gnad / durch die erlösung / so durch Christum Jesum gschehen ist / welchen Gott hat fürgestellt zuo einem versüener durch den glauben in sein bluot. Disere wort deß Apostels sind als ich achten allen glöubigen verstäntlich vnd heiter gnuog. Paulus nimpt damit heiter vnsern wercken vnd verdiensten die grechtmachung / vnd gibt sie der gnad zuo / vß welcher der sun Gottes der welt ist gschenckt worden zuo dem todt deß creützes / vff dz alle die grecht gmacht sygind so da glaubend dz sie durch dz bluot deß suns Gottes erlößt sygind. Vnd bald drauff spricht der Apostel weiter / So bschleüssend wir nun / dz der mensch grechtgmachet werde on die werck deß gsatztes durch den glauben. Er setzt auch volgends dise argument [beweisungen] hinzuo / Jst Gott allein der Juden? ist er nit auch der Heyden? ja freilich auch der Heyden / sitmals er ist ein Gott / der da grecht machet die
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beschneidung auß dem glauben / vnd die vorhaut durch den glauben. Nun aber / Gott sein / ist nichts anders / dann das leben vnd das heyl sein. Gott aber ist auch der Heyden Gott / nitt allein der Juden / darumb so ist Gott auch der Heyden heyl vnd leben. Dises heyl vnd leben aber gibt er nit durch dz gsatzt / oder durch die beschneidung / sonder durch den glauben in Christum / Darumb machet allein der glaub den menschen gerecht. Söllichs mag auch erzeygt werden mit dem exempel deß Hauptmans Cornelij / welcher von stund an als jm S. Peter Christum prediget hat / vnd er glaubt / gerechtgmachet was / ob er gleich weder beschneidung noch dz gsatzt braucht / auch nit geopfferet noch mit einigen werck die grechtigkeyt verdienet hat / dann vergebens on verdienst vß gnaden durch den glauben in Jesum Christum ist er grechtgmachet worden. Dann auch Petrus sein predig also bschlossen hat / sprächende / disem Christo gebend alle propheten zügnuß dz verzeihung der sünden durch seinen nammen empfahen werde / welcher in jn glaubt.l
Es füert auch der heilig Apostel auff dz alles ein / dz fürtreffenlich außpündig exempel vnsers vatters Abrahe / vnd leert wie der sye grechtgmachet worden. Wölches exempel heiter anzeigt / wie Got auch alle andre menschen grecht machen wölle / dann ye die kind auff kein andre weiß mögend grecht gmachet werden / dann wie der vatter ist grecht gmachet worden. So ist nun Abraham nit grechtgmachet durch die bschneidung oder Sacrament / dann es stadt vorhin / dz er grechtgmachet sye worden / ee dann er beschnitten. Naher ist erst das zeichen der bschneidung darzuokommen / zum zeichen der gerechtigkeit deß glaubens / das ist als ein sigel vnd verpütschierung [versigelung] / das aller saamen Abrahe durch den glauben gerechtgmachet werde. So ist auch vnser vatter Abraham durch das gsatzt nit grechtgmachet worden / dann dz gsatzt ist erst nach vierhundert vnd dreißig jaren zuo der verheissung kommen / nit dz es die sünd auffhaben oder vns grechtmachen möchte / sonder / das es vns die sünd anzeigte / vnd vns aller gerechtigkeyt beraubete / vnnd hiemit füerte vnd trunge [trünge] zuo dem Herren Christo zuofliehen. Es ist auch Abraham durch seine werck nit grecht worden / wiewol als vil vnd als herrliche guote werck ja werck deß glaubens in jhm funden werdend als kaum inn einem anderen. Nichts destminder so spricht der Apostel / was wöllend wir von Abraham vnserem vatter sagen / das er gefunden habe oder verdienet (dann das wörtlin eurêkenai mag auff beyd weg genommen werden) nach dem fleisch? wölcher ja nach dem fleisch vnser vatter ist. Dann ist Abraham durch die werck gerechtgmachet / so hat er wol ruom / aber nit bey Gott / dann Gott ist allein gerecht vnd der da grecht machet / Alle menschen sind verderbt / ja auch Abraham ist ein sünder / vnd manglend alle der ehren Gottes. Deßhalb auch der Prophet gebüt dz man sich nienerinn [nirgend] rüeme / dann in der gnad vnd barmhertzigkeit Gottes. Darumb so hat Abraham sich vor Gott nit gerüempt / sonder er hat sich erkennt ein sünder sein / vnd das er vergeben vß gnaden nit von wegen seiner wercken vnd verdiensten grecht gmachet werde. Dann also volget by dem Apostel gleich daruff / Wz sagt aber die gschrifft? Abraham hat Gott glaubt vnd dz ist jm zur grechtigkeit gerechnet. Da werdend zwey ding gmeldet / Eins / dz Abraham Gott glaubt habe / dz ander / dz jm söllichs zur grechtigkeit sye gerechnet worden. Daruß volget dz ye Abraham durch den glauben sye grechtgmachet worden / vnd nit durch die werck / dann söllichs schleüßt Paulus darauß / dz er also spricht / Dem der mit den wercken die grechtigkeyt verdienet / dem wirt die grechtigkeit nit zuogerechnet. Dem Abraham aber wirt die gerechtigkeit zuogrechnet / darumb so volget das er die grechtigkeit mit seinen eignen wercken nit verdienet habe. Jtem / dem wirt die gerechtigkeit zuo gerechnet / der da glaubt / nit dem der mit wercken vmbgadt. Abraham aber hat Gott glaubt / darumb so ist jhm der glaub zur grechtigkeyt gerechnet worden. Vnd in gemeltem capitel fürt Paulus weiter auch andere vnd nichts mindersXXIIIv. / 23b
krefftige argument ein / mit denen er bewärt das der glaub den menschen on die werck grechtmache / als da er spricht / So die vom gsatzt erben sind / so ist der glaub auß / vnd hört die verheissung auff. Die sind aber vom gsatzt / die durch die werck deß gsatztes gerechtigkeyt suochend. Der glaub aber verlaßt sich auff die barmhertzigkeyt Gottes. Wo bleibt nun Gottes gnad vnd barmhertzigkeyt / wenn wir die gerechtigkeyt verdienend? Was darff ich zeglauben das ich durch das bluot Christi gerecht gmachet werde / wenn mir Gott von meiner verdiensten wegen wider versüent wirt / den ich mitt meinen sünden erzürnet hat? Darzuo so wirt das heil vnnd die grechtigkeyt von Gott verheissen / die verheissung aber hört auff / wo sich vnser verdienst einlaßt [eindringet] / Dann zun Galatern spricht Paulus / So das erb durch das gsatzt erworben wurde / so wurde es nicht durch die verheissung gegeben / Gott aber hats dem Abraham durch die verheissung fry geschenckt / darumb damit die verheissung vest blibe / so machet der glaub vnd nit der verdienst sälig. Vnd zun Römern am vierten capitel / Darumb wirt die erbschafft durch den glauben geben / auff dz es gange nach der gnad / damit die verheissung vest bestande allem saamen / nit dem allein der vom gsatzt ist / sonder auch dem der deß glaubens Abrahams ist. Da meldet er zwo vrsachen / warumb er dem glauben vnnd nit den wercken die gerechtmachung zuoschreibe / Die ein / auff das die gerechtmachung vergeben auß gnaden geschehe / vnnd die gnad Gottes gelobt vnd prisen werde / Die ander / das die verheissung vnd das heil vest bestande / vnd auch den Heyden widerfare / dz aber nit geschehen wurde / so die selbig an dem gsatzt vnd der beschneidung hangete / sittmal die Heyden sölliche ding nit habend. Darzuo so muoß die hoffnung vnsers heils vest sein / vest aber vnd sicher wurde sie nimmer sein / so dasselb an vnsern wercken vnd verdiensten stüende / dann denen manglet allweg etwas / an Gott aber vnd an dem verdienst seines suns ist vberal kein mangel. Darumb so ist das heyl vngezweiflet vnd gwiß / so wir das durch den glauben suochend in dem sun Gottes / der vnser gerechtigkeyt vnd heyl ist. Auff welches alles ich nun noch ein zeügknuß setzen wil deß heiligen Apostels Pauli / da wir kaum als ein heittere vnnd lautere haben möchtind [welches so hell vnd klar ist / als irgend eins sein mag] / Der schreibt zun Ephesern vnder anderem also / Auß gnaden sind jr sälig worden durch den glauben / vnd das selb nit auß eüch. Es ist Gottes schencke / nit auß den wercken / auff das sich niemants rüeme / Dann wir sind sein werck / geschaffen in Jesu Christo zuo guotten wercken / welche Gott vorhin bereittet hat / das wir darinnen wandlen söltind. Bey disem wil ichs nun yetzund bleiben lassen / vnnd auch dise wort S. Pauli nit weytter erklären / dann sie sind heitterer dann die Sunn / vnd bezeügend klar das wir durch den glauben / vnd durch keine werck gerecht gmachet werdind.
Hieby darff man aber nit zuobesorgen / geliebten brüeder [-] im Herren / dz durch dise leer von der grechtmachung deß einigen glaubens / die guoten werck verachtet vnd vffgehebt werdind Dann ye / so habend die h. Apostel vnsers Herren Christi also geleert / vnd warumb wöltend wir dann nit auch also leeren? Wer da vermeynt dz dise leer auff die wir jmmerdar tringend von der grechtmachung deß glaubens on die werck falsch vnnd vngöttlich sye / der schält nicht vns / sonder die Apostel Christi darumb. Darbey aber wenn wir sagend / das die glöubigen allein durch den glauben / oder durch den glauben on die werck gerechtgmachet werdind / so verstond wir nit / wie es vns aber etlich verkerend / dz der glauben allein vnd on guott werck sye oder sein möge / dann wo der glaub ist / da erzeigt er sich durch guotte werck / vnnd der da gerecht ist der würckt auch die gerechtigkeyt Ee vnnd er aber die gerechtigkeyt / das ist guote werck würcke / so muoß er vorhin gerecht sein / vnd kan deßhalb durch nachvolgende werck / die vorgende grechtigkeyt nit erwärbe / dann die selbig wirt allein der gnad Gottes zuogschriben / sitmal die glöubigenXXIIII. / 24a
vergebens auß gnaden durch den glauben gerecht gmachet werdend / wie die geschrifft lautet / Der gerächt wirt geläben seins glaubens. Nach dem sie aber gerecht gmachet sind / da hebend sie an auch frücht der gerächtigkeyt zuo würcken Darumb wöllend wir mit diser Disputation die guoten werck nit widerfächten [widersprechen] / die jren platz vnd wirde habend inn der kirchen bey den glöubigen vor Gott: sonder das wöllend wir allein erklärt haben / das die gnad Gottes vnnd der verdienst seines Suns / durch welchen wir allein gerecht gmachet werdend / vmbkeert vnd mit füessen trätten werde / wenn wir vnsere wärck vnd verdienst setzend zuo dem verdienst Christi / vnnd zuo dem glauben / mit welchem wir Christum ergreiffend. Dann was köndte ye heytterers geredt werden / dann das der heilig Apostel Paulus redt Roman. am eilfften capitel / Jst es auß gnaden geschehen / so ist es nicht auß den wärcken / sonst wurde gnad nitt gnad sein / Jst es aber auß den wärcken / so ist die gnad nichts / sonst were wärck nicht wärck. Darumb so mögend die zwey ding / gnad / vnnd dargegen verdienst vnd wärck nit bey einanderen beston. Deßhalb damit wir Gottes gnad nitt vmbkeerind vnd auffhebind / auch der frucht deß bitteren leidens vnd sterbens vnsers Herren Jesu Christi nicht schantlich verlaugnind / so gebend wir allein dem glauben die gerächtmachung zuo / dann der schreibt es auch allein der lautteren gnad Gottes zuo durch den todt seines Suns
Darnebend so erkennend wir / das wir nach der leer Pauli / erschaffen sind zuo guotten wärcken / ja zuo denen wärcken die Gott bereittet hat / die er vns namlich in seinem wort fürschreibt / vnd will das wir darinnen wandlind. Ob wir aber schon gleich darinnen wandlend / vnnd reich sind an guoten wärcken / so gebend wir jnen doch die gerächtmachung nit zuo / sonder demüetigend vns nach der leer deß heiligen Euangelij vnder die hand dessen der da spricht / Also auch jr / so jr thuond alles das euch gebotten ist / so sagend dennocht / wir sind vnnütze knächt / was wir schuldig sind gewesen zuo thuon / das habend wir gethon. Vnd deßhalb so offt ein glöubiger lißt vnd hört / das vns vnsere wärck gerecht machind / Jtem das vnsere wärck gerächtigkeyt genennt werdend / das jnen belonung vnd das ewig leben zuogeben wirt / so wirt er drumb nicht stoltz / vergißt drumb deß verdiensts Christi nit / sonder legt söliche ort wol vnd recht auß / vnd erkennt das er alles / das er hat / auß Gottes gnaden hat / vnnd das sölliche ding den wärcken der menschen darumb zuogeben werdend / daß sie yetz schon zuo gnaden sind aufgenommen / vnd schon yetz kinder Gottes sind von Christi wegen / damit entlich alle ehr auff Christum kömme / von welches wegen alle heiligen vnnd glöubigen sich vnd alles dz sie habend erkennend Gott dem vatter lieb vnd angenem seinAuß disen worten allen / (die wol kurtz sind / so du die großwichtige deß handels selbs von dem wir gredt bedenckest / aber zimlich lang auch / so du sichst vff die zeit die wir gredt / ) hab ich nun euwer lieb erklärt / die gröst krafft vnnd würckung deß glaubens / namlich das er die glöubigen gerecht machet Jnn wölchem wir den gantzen handel der iustification [-] vnd grechtmachung (der eim yeden menschen zuo wissen hoch nutzlich vnd notwendig ist / ) kurtz durchlüffen [durchlauffen] / vnd mer nur angrüert / dann nach der notturfft gehandlet habend. Darumb wöllend wir yetz auch das vberig besehen / Namlich.
So ist der waar glaub auch ein brunn vnd wurtzel aller guoten wercken Jtem er settiget das hertz vnd gmüet deß menschens / macht es rüewig vnd frölich. Dann der Herr spricht im Euangelio / Jch bin dz brot deß lebens / wer zuo mir kumpt / den wirt nit hungern / vnd wer in mich glaubt / den wirt nimmermer dürsten. Dann was wölte einer mer begären / dann wenn er empfindt / das er den Sun Gottes selbs in dem alle himmlische schätz sind / Jtem alle völle vnd gnad / durch den waren glauben hat vnd besitzt? Es macht auch vnsere gwißne gantz luter [frölich] vnd rüewig /XXIIIIv. / 24b
so wir Christum den Sun Gottes mit waarem glauben ergreiffend / vnd wissend das der vnser gantz eygen ist / vnnd das er vns Gott den vatter versüenet hatt / vnd yetzung vor dem angesicht Gottes für vns erscheint vnd vns vertrittet / Darumb auch Paulus gesprochen / so wir durch den glauben gerecht gmachet sind / so habend wir friden mitt Gott durch vnseren Herren Jesum Christum / durch welchen wir auch ein freyen zuogang habend zum vatter im glauben. Deßhalb wir auch den vatter anrüeffend durch den Sun vnnd erlangend also von jm alles das vns heylsam vnd notwendig ist. Dann der heilig Apostel Joannes spricht recht / vnd das ist die frey sicherheyt die wir habend zuo jm / das so wir etwas bittend nach seinem willen so hört er vns / vnd so wir wissend das er vns hört was wir bittend / so wissend wir das wir die bitt habend / die wir von jm gebätten habend. Darumb welche kein glauben habend / die rüeffend Gott nit an / erlangend auch keine heylsamme gaaben von jm.
Vber das so macht vns auch der glaub Gott angenäm / Jtem er leert vnns die gaaben Gottes wol vnd recht brauchen. Der glaub machet das wir in trüebsal nit abfallend / ja mit dem glauben vberwindend wir die welt / das fleisch / den Teüffel vnd alle widerwärtigkeyt. Dann der heilig Apostel Joannes spricht / Alles was von Gott geboren ist vberwindet die welt / vnd das ist vnser sig / der die welt vberwunden hatt / vnser glaub / vnnd wer ist der die welt vberwindet / dann der da glaubt das Jesus sye der Sun Gottes? Vnd Paulus spricht / Die anderen aber sind außgespannen / vnd habend durch den glauben kein erlösung angenommen / auff das sie die aufferständtnuß die besser ist / erlangetind. Die anderen aber sind mit spott vnd geißlen bewärt worden / darzuo mit banden vnd gefäncknuß. Sie sind versteiniget / zerhouwen / versuocht / durch schlacht deß Schwärts gestorben. Sie sind vmbher gangen inn beltzen vnnd geißfälen / mit mangel / mit trüebsal / mit üblen / deren die welt nitt wärt [wirdig] was / vnnd sind jrr gangen in den wüestinen / auff den bergen / inn den klufften / vnd löcheren der erden. Darumb dann auch der Herr im Euangelio gesprochen / Dises hab ich mit eüch geredt / auff das jr in mir friden habind / inn der welt werdend jr trüebsal haben / aber sind getröst / ich hab die welt vberwunden. Also ist der glaub der recht kärn vnd stercke der gedult Der glaub erhaltet auch / vnderstützt / vnd richtet auff die hoffnung. Die liebe kompt auch auß dem glauben / welche ist ein erfüllung deß gsatztes / vnd die alle guote werck begreifft. Die kan vnnd wirt in vns nimmer sein / wo wir nit waaren glauben in Gott habend Dann der heilig Apostel Joannes spricht / Ein yeder der da liebet den der geboren hat / der liebet auch den der von jm geboren ist. Aber die zeyt ist hin /es bedörffte wol vil stunden / so yemands alle würckungen vnnd krefft deß glaubens eygentlich erzellen wölte. Auff dißmal so hat euwer lieb also gehört vnd verstanden / das der glaub die einig vnnd waar gerechtmachung sye der kirchen / das ist der glöubigen Gottes / ja ein entledigung von allen sünden / vnnd ein auffnemmung inn die gnad Gottes / Jtem ein annemmung inn die zal der kinderen Gottes / vnd ein gwisse säligmachung / auch ein brunnen vnd vrsprung aller guoten wercken. Da lassend vns nun mitt waarem glauben Gott den vatter durch vnseren Herren Jesum Christum bitten / das er vnsere hertzen also mit söllichem warem glauben erfülle / das wir hie in zeit jm durch den glauben verwant vnd vereinbaret / rechtschaffenlich nach seinem willen vnd gefallen dienind / Vnd so wir von diser zeit scheydend / ewigklich mitt jm / dem wir yetz glaubend läbind.Jm sye lob vnnd ehr inn ewigkeyt /
Amen.
XXV. / 25a
7.Pr.Die Sibende Predig.
Von den vier ersten articklen deß Christenlichen vnnd Apostolischen glaubens.
JNn den nechstvergangnen zweyen predigen han ich gredt vom waaren glauben vnd seinen krefften oder würckungen / vnnd hab vnder anderem gemäldet das die Artickel vnsers Christenlichen glaubens die gantze summ deß waaren glaubens begreiffind. Deßhalb mich nun für guot ansicht / achten auch das mein ampt söllichs erfordere / das ich eüwer liebe nun auch mit kurtzen worten die selben zwölff artickel vnsers glaubens erkläre / welche dann gleich sind als ein [die] materi [vnd der handel] / darinnen der glaub stadt. Dann dieweyl der glaub ein substantz ist deren dingen die man hoffet / so wirt inn disen articklen außtruckt kurtz vnd einfaltig / welches die ding seyend die man hoffen sol. Es sol aber niemandt meynen das ich von disen articklen neyßwan nach der lenge vnnd volkommenlich reden oder disputieren wölle / dann ich sie kurtz vberlauffen vnnd das notwendigest darauß anzeigen wil. Es wirt sonst offt weytlöuffiger daruon geredt. Jr wöllind aber den Herren mit mir anrüeffen vnd bitten / das er vns seine wäg eroffnen [eröffnen] / auch darinn leiten vnd erhalten wölle / zum preyß seines nammens vnd vnser seelen ewigem heyl.
Erstlichen muoß ich eüwer lieb berichten von dem nammen / da man die artickel vnsers glaubens gemeynlich nennt das Symbolum oder den glauben der Apostlen. Symbolum heißt ein zuosammen steürung oder vergleichung vnd ein anzeigung. Also werdend aber die artickel deß glaubens ein Symbolum das ist ein zuosammensteürung genennt oder vergleichung / das sie geschriben vnd gmachet sind auß der zuosammensteürung vnnd vergleichung der leer der heiligen Apostlen / das sie seyend ein regel vnd ein kurtzer innhalt deß glaubens / den die heiligen Apostel prediget / vnd den die heilig allgemeyn kirch hat angenommen. Wer aber dise artickel also zum ersten habe geschriben vnnd geordnet / das ist nit offenbar vnd wirt inn der geschrifft nienen gemeldet. Ettliche gebend söllichs den Apostlen selbs zuo / vnd nennents darumb / das Symbolum der Apostlen / das sie es selbs habind gemachet. Der heilig Marterer Cyprianus inn der außlegung die er vber die artickel deß glaubens geschriben hatt / schreibt vnder anderem ein sölliche meynung. Vnser altvorderen / spricht er / gebend vns ein söllichs an / das namlich nach der auffart deß Herren / als auff allen Aposteln fheürine zungen / durch die zuokunfft deß heiligen geists gesässen / also das sie mitt zertheyltem vnd mancherley sprachen rettend / dadurch jhnen alle völcker / land / zungen vnd nationen als vil als auffgethan wurdend / Vnd jnen der Herr gebotten / daß sie das wort Gottes zuo predigen in alle land vnnd Nationen zugind. Da habind sie nun als sie von ein andern ziehen wöllen / ein gmeyne regel jrer leer vnnd predig mit einanderen gestellt / damit sie nit / wenn sie von ein anderen kämind / vngleiche ding fürtrüegind / denen die durch sie zum glauben Christi berüefft wurdind. Vnd habind deßhalben einhälligklich mit einanderen / erfüllt mit dem heiligen geist / dise kurtze regel vnd anzeigung jrer leer die sie der welt fürtragen / vnnd den glöubigen zuohalten angeben wöltind gestellt vnd geordnet / vnd hierzuo habe ein yegklicher was jnn von nöten sein bedunckt herfür bracht vnnd anzeigt. Das schreibt Cyprianus. Nun / es habind aber die Apostel selbs oder andere Apostolischen männer dises gmachet / so ist doch offenbar / das nützit darinn ist / nach [noch] geleert wirt / dann die waar rein Apostolisch leer. Anzeigungen aber werdend die zwölff artickel vnsers glaubensXXVv. / 25b
glaubens genennt darumb / das bey disem gmerck / als by einer gwissen anzeigung / die waaren vnd falschen Christen voreinanderen erkennt werdend.
Was ordnung aber ich im außleggen diser articklen halten wölle / muoß ich eüwer lieb auch anzeigen. Sie möchtind wol inn vier teyl getheylt werden / als das die drey ersten teyl begriffind die gheimnussen der dreyen personen der einigen Gottheyt / vnd der vierdte theyl / die frücht deß glaubens / was wir namlich guots auß dem glauben zuo erwarten habind / vnnd was Gott seinen glöubigen schäncke vnd gäbe. Aber wir wöllend vns der ordnung halten vnd vernüegen / wie die artickel all zwölff einanderen nach gesetzt vnd geordnet sind. So ist nun das der erst artickel deß Christenlichen glaubens / Jch glaub in Gott / vatter den allmächtigen / schöpffer himmels vnnd der erden. Diser erst artickel begreifft zwey ding. Dann zum ersten so sagend wir inn gemeyn / Jch glaub in Gott / darnach gleich darauff setzend wir auch den vnderscheyd der personen / namlich / vatter den allmächtigen / dann es ist ein Gott im wäsen / aber drey personen. Die einigkeyt deß wäsens truckend wir heitter auß / so wir sprächend / Jch glaub inn Gott. Dargegen haltend wir auch den vnderscheyd der personen / vnd vermischend die nit / mit dem das wir gleich darauff setzend / Jnn den vatter allmächtigen / Vnd in Jesum Christum seinen eingebornen sun / vnd in den heiligen geist. Darumb so söllend wir glauben das Gott einfalt / einig vnd lauter sye an seinem wäsen vnd substantz / der personen halb aber dreyfalt / der vatter / sun vnnd heilig geist. Dann im gsatzt stadt geschriben / Hör Jsrael / Der Herr vnser Gott ist ein einiger Gott. Dargegen läsend wir aber auch / dz der Herr im Euangelio gesprochen / Tauffend sie in den nammen deß vatters suns vnd heiligen geists. Besonders ist aber hie zuo mercken / dz wir im glauben nit sprächend / wir glaubend / als wie wir aber im vatter vnser so wir bättend / sprächend / Vatter vnser der du bist in himmlen / Gib vns vnser täglich brot usw. sonder so wir den glauben bekennen wöllend / so sprächend wir / Jch glaube / vnd nit / Wir glaubend / dann es wirt der glaub von eim yeden besonders erfordert / das er den vest im hertzen halte / vnd einfaltigklich mit dem mund bekenne. Abraham hat nitt mögen glauben für alle seine nachkomnen. So nützt es auch dich nit wenn schon ein andrer glaubt vnd du aber nit glaubst / denn Gott erfordert von eim yeden besonder den glauben. Darumb so wir den glauben bekennen wöllend / sagend wir alle / Jch glauben. Was aber glauben sey / hab ich doben in der vierten predig erleütteret. Auff das volget inn der bekantnuß das wir sprächend / Jch glaub in Gott. Gott ist der gegensatz vnd der grund vnsers glaubens / als der da ist das ewig / höchst / vnerschöpfft / vnd gnadreich guot. Darumb so glaubend wir in Gott / das ist / wir setzend alle hoffnung hilff vnd trost auff jnn / ja begebend vns selbs gar auff jnn / als auff den / der vns erhalten / vnd alles guots geben kan vnd mag. Darumb volget auch / wer der Gott sye / auff den wir vns also verlassend vnd begebend / namlich / der allmächtig vatter. Ein vatter wirt vnser Gott genennt / von wegen dz er von ewigkeit har geboren hat ein sun der jm gleich / dann die gschrifft nennt Gott / ein vatter vnsers Herren Jesu Christi. Diser / spricht Paulus / ist der glantz der herrligkeit / vnd ein außtruckt ebenbild deß wäsens deß vatters / zuo wölchem er auch gesprochen / Du bist mein sun / hüt hab ich dich geboren. Vnd abermals / Jch wird jm ein vatter sein / vnd er wirt mir ein sun sein. Darnach so wirt auch Gott ein vatter genennt / von wegen der gleicheit die da ist zwüschend jm vnd eim jrrdischen vatter / das ist von wegen der schöpffung / deß gunsts / der liebt / der fürsorg vnd sorgfeltigkeyt die er zuo vns tregt. Dann von Gott sind wir alle erschaffen / Gott liebet vns / versorget all vnsere sachen / ist sorgfältig für vns / ja vil mer dann kein jrrdischer. Dann Dauid spricht / wie früntlich einXXVI. / 26a
vatter ist gegen seinen kinden / also fründtlich ist auch Gott gegen denen die jn förchtend / dann er weißt [weiß] vnser gschöpfft / vnd ist eingedenck das wir staub sind. Vnd Esaias am xlix.cap.[15] Mag auch ein muotter jres kinds vergessen / das sie sich seinen nicht erbarme / vnd ein hertzliche anmuotung trage gegen dem das sie auß jrem leib geboren? Vnd ob schon müglich dz sie sein vergesse / so wil ich doch deinen nit vergessen. Darinn gar eigentlich außtruckt wirt / der guot vnnd geneigt will gegen vns. Vnnd so wir bekennend vnd sprächend / das Gott vnser vatter seye / bekennend vnd verjähend wir damitt auch das wir glaubind / das Gott genädig / güetig vnnd barmhertzig gegen vnns sey / der auch nützit dann guots vnd heilsams gegen vns fürnemme / ja das wir von jm habind alles guots an leib vnd an seel.
Allmächtig aber wirt Gott genennt / darum das er alle ding vermag / aller dingen Herr ist / vnd jm alles vnderworffen ist. Darumb er auch ein Herr der herrscharen genennt wirt / dann himmel vnd erden vnd was darinn ist / dz gestirn / alle element / menschen / Engel / Teüffel / alle thier / alle geschöpfften / sind in dem gwalt deß höchsten vnd ewigen Gottes / was er heißt das müessend sie thuon / vnd nützit ist das seinem willen widerstan möge / was er wil das muoß sein. Er braucht auch dise ding alle nach seinem willen vnd gefallen / vnnd ye nach dem es sein gerechtigkeyt vnd der menschen heyl erforderet. Vnd wie wir gleich hie vor bekennt / das vns Gott wol wölle / also bekennend wir hie / das er auch möge das er wil / dann wir bekennend das Gott allmächtig sey / das ist / das jm nützit vnmüglich alles deß das den menschen nutzlich vnnd notwendig ist / ja das er aller dingen Herr vnd vnser starcker helffer sey. Das aber Gott vnser Vatter / guot / genädig vnd barmhertzig / auch starck / allmächtig / aller dingen Herr / vnser schirmer vnnd erretter sey / das wirt inn seinen wunderbaren wercken erklärt / dann er ist ein schöpffer deß himmels vnd der erden. Mit welcher schöpffung deß himmels vnnd der erden / er gar eigentlich erklärt hatt / wie er gegen den menschen gesinnet seye / Dann do sie noch nit warend / vnnd deßhalb mit keinen wercken noch verdiensten vmb jnn beschulden mochtend / das er jhnen guots thete / da hatt er auß seiner lautteren gnad / vnnd natürlichen güete / himmel vnnd erden erschaffen / ja den herrlichen schönen Pallast / vnd jhnen den zuo bewonen eingeben / auch alle creaturen diser gantzen welt dem menschen vnderworffen. Was grossen kraffts vnd gwalts er aber erzeigt vnnd geüebt habe in der schöpffung aller dingen / das erscheint auß dem / das er allein geredt / vnnd es ist alles worden / er hatt allein gebotten / vnd es ist alles erschaffen / welches so mans eygentlich besicht vnnd bedenckt / was ee die sechs tag einanderen nach erschaffen / wie ordenlich / wie zierlich alles / wie nutzlich den menschen / wie auch on alle arbeit / als dann söllichs nach der lenge von Mose Gen. am ersten Capit.[1.2.3.4.usw.] beschriben wirt / so muoß man gantz erstaunen ab der vnsaglichen güete vnnd krafft Gottes. Darbey müessend wir aber von Gott dem schöpffer auch also halten / das er nit nur alles durch seinen sun der die ewig weißheyt ist erschaffen habe sichtbars vnd vnsichtbars / vnnd das auß nichts / sonder das er auch yetzund alles nichts weniger durch seinen ewigen geist erhalte / schirme / treibe vnd regiere / on welchen geist es alles bald zerfallen vnd zuo nichte wurde. Darumb so bekennend wir in disen worten auch die fürsichtigkeyt vnd weißheyt deß ewigen Gottes / durch welche alle ding erhalten werdend.Diß ist nun von dem ersten teyl / vnd vom ersten artickel deß glaubens / in welchem erklärt ist / was da antrifft die eigenschafft Gott deß vatters. Dann er ist ein vatter / ja ein vatter vnsers Herren Jesu Christi / vnd auch ein vatter vnd Herr unser aller / ein schöpffer deß himmels vnd der erden / ein verwalter vnd erhalter aller dingen / auß dem alle ding sind / vnd in dem alle ding bestond. Auß dem wirt
XXVIv. 26b
von ewigkeit har geboren ein ewiger sun / der dem vatter gleich / eins wäsens / eines gwalts vnd einer herrligkeit mit Gott dem vatter / durch welchen er auch die welt gemachet hat. Vnd von denen beyden gadt auß der heilig geist / wie der heilig Dauid auch söllichs bezeüget / da er spricht / durch das wort deß Herren sind die himmel erschaffen / vnd durch den geist seines munds all jre heerzüg.
Nun so volget der ander theyl deß glaubens / in welchem begriffen werdend alle stuck vnd geheimnussen die do anträffend den sun Gottes vnseren Herren Jesum Christum. Vnd lautet der selbig ander artickel vnsers Christenlichen glaubens von wort zewort also. Vnd inn Jesum Christum seinen einigen Sun vnseren Herren. Diser artickel begreifft zwey ding / Eins / das wir glaubind inn den Sun Gottes. Das ander / Wer der Sun Gottes sey. Dann wir bekennend hiemit / das wir glaubind / das ist / alles vertrauwen vnnd hoffnung deß lebens vnd der säligkeyt inn den Sun setzind gleich wie inn den vatter. Darumb sprächend wir außtruckenlich / Jch glaub in Jesum Christum / wie wir doben gesprochen / Jch glaub inn Gott vatter usw. Dann also leert vns der Herr Jesus selbs Joan.xiiij.[1] da er spricht / Ewer hertz werde nit betrüebt / Glaubend jr in Gott / so glaubend auch in mich. Jtem / das ist das werck Gottes / das jr glaubind in den / den er gesendt hat. Vnd / das ist das ewig leben / das sie erkennind dich vatter den einigen waaren Gott sein / vnnd den du gesendt hast Jesum Christum. So läsend wir auch im Euangelio Joannis / das der Herr zuo dem blinden den er sehend gemachet hat gesprochen / Glaubst du inn den sun Gottes? Do antwortet der blind der yetz sehend was worden / Herr / welcher ists / auff das ich in jnn glaube / Do sprach der Herr darauff / du hast jn gesehen vnd der mit dir redt der ists / Er aber sprach / Herr ich glaub / vnd bättet jn an. Also lassend vnns auch glauben vnnd anbätten / ja glauben das Jesus sey der waar sun Gottes deß vatters / gleiches gwalts mit dem vatter / doch ein vnderscheidne person von Gott dem vatter / wie Dauid söllichs außtruckt / da er spricht / Der Herr hatt geredt zuo meynem Herren / sitz zuo meiner gerechten usw. Wer aber der Sun Gottes sey inn den wir also glaubend / das bekennend wir weytlöuffig. Darinnen drey stuck zuo mercken sind / Das erst ist / das wir jn nennend den einigen Sun. Jst er nun ein Sun / vnd ein Sun Gotts deß vatters / so volget deßhalb das sein natur vnnd wäsen / ein Göttliche natur / vnnd ein Göttlichs wäsen sey. Dann darumb nennt jhn Sanct Paulus ein glantz der herrligkeyt deß vatters / vnnd ein außgetruckt ebenbild seines wäsens. Darumb wirt auch dem Sun von den heiligen vätteren recht zuogeben das er einer substantz vnnd eines wesens mitt Gott dem vatter seye. Dahar dann auch dienet das er genennt wirt der einig oder eingebornen / vnnd erstgeboren sun Gottes / dann wir menschen werdend auch kinder Gottes genent / aber nit von wegen der gemeynsamme der natur / oder das wir Gott gleich sygind im wesen vnd inn der natur / sonder durch die auffnemmung der gnaden. Vnd das ergeret die Juden nit am Herren das er sich ein sun Gottes nannt / wie dann alle glöubigen kinder Gottes sind vnd genennt werdend / sonder das sie wol verstuondend / das er ettwas grössers von jhm selb fürgab / Namlich das er wäre der natürlich Sun Gottes / Gott gleich / ja Gott selbs. Dann also stadt im fünfften capitel deß Euangelisten Joannis / Darumb trachtetend jhm die Juden vil mer nach / das sie jhn tödetind / das er nitt allein den Sabbath brach / sonder auch sagt Gott sey sein vatter / vnnd sich selbs also Gott gleich machet. Vnnd im zehenden Capitel Joannis [30] / nach dem er gesprochen / Jch vnd der vatter sind eins / do huobend die Juden stein auff / das sie jnn versteinigetind. Jesus aber antwortet jnen / vil guoter wercken hab ich eüchXXVII. / 27a
erzeigt von meinem vatter / vmb welches willen vnder den selben versteinigend jhr mich? Do antwortend jhm die Juden vnd sprachen / Wir versteinigend dich von keines guotten wercks wegen / sonder von wegen der Gottslesterung / vnd das du der ein mensch bist / dich selbs einen Gott machist. Welches gar heittere zeügnussen sind der natürlichen Gottheyt Christi / Wer denen nun nicht glaubt / der hat auch den vatter nicht / Dann wer den Sun ehret / der ehret auch den vatter / Vnnd wer den Sun nicht hatt / der hatt auch den vatter nicht / Vnd so der Sun nicht were natürlicher Gott / so möchte er nicht sein ein Heyland der welt.
Demnach so wirt aber auch außtruckt der namm diß eingebornen Suns Gottes / vnd wirt genennt Jesus Christus. Der namm wirt darumb gesetzt / damit wir inn der person nicht jrrind / vnnd das wir auß dem nammen verstandind / wer der sey inn den wir also glaubend / das ist Jesus. Welcher namm jhm durch ein himmlische eroffnung [offenbarung] ist geben worden / wie dessen auch ettliche vorbildungen vorgangen sind im alten Testament / als am Hauptmann Josue / vnd an Jesu dem Obersten Priester. Dann der Engel gibt söllichen nammen Josephen an / wie Mattheus schreibt vnnd spricht / Maria wirt einen Sun gebären / deß nammen solt du nennen / Jesus / dann er wirt sein volck sälig machen von jhren sünden. Darumb ist diser Sun Gottes Jesus / der welt Heyland / vnnd der / der vnns alle sünd verzeihet / vnnd vnns von allem widerwertigen gewallt erlößt / welches er aber keins wegs vermöchte / so er nicht waarer Gott wäre. Er wirt demnach auch Christus genennt / das als vil heißt / als ein gesalbeter. Die Hebreer heissends Meßiam / welches wörtlin gemeyn ist nitt nur den Künigen sonder auch den Priesteren. Dann im alten Testament wurdend die Künig vnnd die Priester gesalbet / mitt ausserem öl / welches sein bedeütnuß hatt auff ein anders. Christus aber ist gesalbet mitt dem rechten waaren öl vnnd waaren salbung / namlich mitt der vollkommenheyt deß heiligen geists / wie Joan. am ersten[16] vnd dritten Capitel anzeigt wirt. Darumb wirt der namm Christus recht vnd eigentlich vnserem Herren Jesu Christo zuogeben. Dann erstlich so ist er ein Künig vnd Priester deß volcks Gottes / Demnach so ist auch der heilig geist vollkommen vnd vberflüßig auff jhn gegossen / vnnd fleüßt von jhm als auß einem lebenden brunnen vnd vrsprung inn alle seine glider. Dann er ist der waar recht Aaron / auff dessen haupt gegossen ist das öl / das hernach herab rünt in seinen bart / vnd in die aussersten endt seines kleids. Dann von seiner völle habend wir alle genommen usw. Zuo letst ist auch in disem anderen artickel zemercken / das wir den Sun Gottes nennend / Vnseren Herren. Das geschicht fürnemlich von zweyer vrsachen wegen. Zum ersten / von wegen der geheymnuß der erlösung / Dann Christus ist ein Herr aller außerwölten / die er errettet hatt von dem gewallt vnnd von der herrschafft deß Teüffels / der sünden vnd deß Tods / vnd hatt sie jhm gemachet zuo einem volck deß eygenthumbs . Vnnd wirt diß also gleichnußweiß geredt / als so ein Herr diener mitt gelt erkaufft / oder so yemandt ettliche die im krieg gefangen bey dem leben behielte / die er aber wol hette mögen töden / oder so sonst yemandt ettliche verurtheylete von dem Todt erloßte / der wäre yetzund deren allen Herr / erlöser / helffer vnnd behalter. Darauff redt Sanct Paulus da er spricht / Jhr sind theür erkaufft / werdend nicht knecht der menschen. Vnnd Sanct Peter / da er sagt / Jhr sind nit mit silber oder gold erlößt / sonder mitt dem kostlichen bluot deß vnbefleckten Lambs. Darnach wirt auch Christus genennt vnser Herr / von wegen seiner Göttlichen krafft vnnd natur / nach welcher jhm alle ding vnderworffen sind. Vnnd dieweylXXVIIv. / 27b
das wörtli Herr weit langet vnd vil begreifft / auch etlicher maß die Gottheyt vnd Mayestet vnsers Herren Jesu Christi / so habend die heiligen Apostel söllichs vil braucht vnd dem Herren Christo gemeynlich zuogeben. Als wie Paulus zun Corintheren spricht / ob schon vil Herren sind / so habend wir doch nur einen Herren Jesum Christum / durch welchen alle ding sind / vnd wir durch jn.
Der dritt artickel deß Christenlichen glaubens lautet also / Der empfangen ist von dem heiligen geist / geboren auß Maria der Jungkfrauwen. Jnn anderen articklen habend wir bekennt / das wir glaubind inn Jesum Christum den Sun Gottes vnseren Herren / darinn wir zuo verston gebend / das wir vest glaubind / das Gott der Vatter vns vnnd zuo vnserem heyl seinen Sun der welt geben habe zum erlöser vnnd Heyland / dann das zeigend an die wörtli / Jesus / vnnd Herr. Nun aber in disem dritten artickel / da erklärend wir weiß vnd maß / wie er inn dise welt sey kommen / namlich durch die menschwerdung / Vnd begreifft der artickel zwey ding / die empfäncknuß namlich vnd auch die geburt Christi. Von denen stucken will ich ein ander nach reden / doch vorhin kurtz erleüteren die vrsachen der menschwerdung deß Herren. Es stuond vmb die menschen also / das es auß mit jhnen was / vnnd hette das gantz menschlich geschlecht müessen verloren sein / vonn wegen der sündenn die vnns allen anhangend / von vnserem ersten vatter Adamen / dann der sünden sold ist der Todt. Vnd darumb so hettind wir nimmer mögen gehn himmel kommen / sonder hettind müessen inn die hell verstossen werden / wann nicht der Sun Gottes zuo vns herab auff erden kommen vnd vnser waarer Emanuel worden wäre / vnnd vns also mit jhm gehn himmel zogen hette. Darumb so ist die fürnemmest vrsach der menschwerdung Christi / das mittlen zwüschend Gott vnd dem menschen / vnd mitt söllichem mittlen / dise widerwertigen partheyen widerumb versüenen vnnd vereinbaren / Dann wo ein mittler ist / da müessend auch zweyspaltungen vnnd partheyen sein. Die partheyen aber sind Gott eines theyls / anders theyls wir menschen / vrsach der zwispaltung vnd vneinigkeyt ist die sünd. Eines mittlers ampt aber ist / die zwispältigen partheyen widerumb vereinbaren. Diß hatt aber nicht mögen sein / es wurde dann die sünd die ein vrsach der zwispaltung was / auffgehebt. Die sünd mag aber nit versüent noch auffgehebt werden / dann durch bluot vergiessen / vnd volgendem todt / Das zeüget Paulus zun Hebreern am neündten Capitel[12]. Darumb hat vnser mittler müessen vnser fleisch vnd bluot an sich nemmen / damit er sterben vnd auch sein bluot vergiessen köndte. Darzuo so ist auch von nöten das einer der ein schidman vnd mittler inn einer sach sein wil / nit ein sächer parteyisch] sonder beyden partheyen gemeyn sey / die er versüenen wil. Darumb so hat Christus vnser Herr müessen sein / waarer Gott vnnd auch waarer mensch. So er allein Gott gewesen were / were er dem menschen forchtsam vnd erschrockenlich / vnd vnfüeglich gewesen. So er dann allein ein mensch gewesen were / so hette er zuo Gott nicht mögen kommen / der ein verzeerend fewr ist. Darumb so ist vnser Herr Jesus Christus die beyde / waarer Gott vnd waarer mensch / vnd deßhalb für beyde partheyen ein füegklicher bequemer mittler. Daruon zeüget der heilig Apostel Paulus vnd spricht / Es ist ein Gott / vnd ein mittler Gottes vnd deß menschen / der mensch Christus Jesus / der sich selbs geben hatt zur versüenung für yederman. Vnd zun Hebr. am ij. vnd ix. Capitel erzellt er vil dz zuo diser handlung dienet. Vnd im andern Capitel[2.9.] gedachter Epistel setzt er noch ein andere vrsach der menschwerdung Christi vnd spricht / Er hat inn allweg söllen seinen brüedern gleich werden / auff das er were ein barmhertziger vnd treüwer hoher Priester vor Gott zuo versüenen die sünd deß volcks / dann darinnen er gelitten hat vnd versuocht ist / mag er auch helffen denen die versuocht werdend.XXVIII. / 28a
Es ist auch der Sun Gottes vnser Herr Jesus Christus mensch worden / das er die menschen larte alle Gottsäligkeyt vnnd gerächtigkeyt / auch das er were ein liecht der welt / vnd ein exempel der heiligkeyt deß lebens. Dann Paulus spricht / Es ist erschinen die heilsam gnad Gottes allen menschen / vnnd leert vns / das wir verlaugnind das vngöttlich wäsen vnd heiligklich läbind usw. Jn summa / damitt er vns die wir durch die sünd von Gott abgescheiden warend / mit Gott wider vereinbarete / vnd brächte in die gemeynschafft sein selbs vnd aller seiner güetteren / so hat er sich begeben in die gemeynschafft vnserer natur / vnd die menschheyt an sich genommen.
Nun wöllend wir besehen wie söllichs beschehen sey / da lauttet nun das ein stückli disers artickels wie gemäldet also / Empfangen vom heiligen geist. Wir andern menschen alle werdend empfangen von männlichem vnd deßhalb von vnreinem saamen / vnd werdend darumb sünder geboren / ja wie Paulus sagt / kinder deß zorns. Aber das fleisch Christi / ja Christus vnser Herr wirt in der heiligen Jungkfrauwen Maria nit empfangen von Josephen / oder von anderem männlichen saamen / sonder vom heiligen geist / Nit dz der geist an statt des saamens gewesen sey / dann auß geist wirt nützit geboren dann geist / vnser Herr Jesus aber hatt kein fantästischen leib / sonder ein waaren leib / gleicher substantz vnd wäsens wie auch wir / Darumb so ist er empfangen von dem heiligen geist inn dem leib der Jungkfrauwen / also das der heilig geist durch sein ewige krafft verschaffet hat / das Maria on verletzung jhr jungkfrauwschafft fruchtbar ist worden / vnd empfangen hat vß jrem eignen geblüet / vnd also dem sun Gottes ein reinen vnd doch waren menschlichen leib gegeben hat. Welchs mit vilen worten vom Engel Gabriel erleütert wirt im j. cap.[35] Luce / welches ort ich hie übergon wil / dann ich willens von demselbigen ein andermal weitleüffiger zereden. Vnd das es aber mit diser empfäncknuß also zuogon wurde / das hat Gott gleich von anfang der welt vorgesagt / dann in der ersten verheissung sprach er nit / der saamen deß manns wirt der schlangen den kopff zerträtten / sonder der saamen deß weibs. So spricht auch Gott durch die Propheten / Jch wil dem Dauid einen saamen erwecken. Dann es weißt ein yeder wol das gsatzt Mosis von dem erwecken deß saamens deß abgestorbnen bruoders. Wenn einer starb on kind / so muoßt deß abgestorbnen bruoder das verlassen weib seines bruoders nemmen / vnd kinder von jr zeugen / die wurdend gehalten vnd genennt nit als seine / sonder als seines abgestorbnen bruoders kinder. Dieweil nun von Dauiden keiner geboren was / der do könte von einer Jungkfrauwen gebären den Sun Gottes den Heiland der welt / so erweckt Gott selb dem Dauid einen saamen vnnd machet durch seinen geist die heilig Jungkfrauwen Mariam fruchtbar. Welche wiewol sie von keinem man empfangen hat der vom stammen Dauids were / so was doch sie von dem geschlecht Dauids / vnd also füegt es Gott / das dieweil der Sun Gottes / die substantz seiner menscheyt von jrer substantz hat angenommen / das er also von deßwegen ist vnd genennt wirt ein sun Dauids. So weissagt auch Dauid im cx. Psal. [Psal.103] vnnd spricht / Jnn der zierd der heiligkeyt ist auß dem leib der morgenröte das tow deiner geburt / oder das tow deiner geburt ist vß dem leib der morgenröte / in der zierd der heiligkeit / das ist du wirst mitt zierlicher heiligkeit / vnnd wunderbarer weiß geboren werden / Dann es wirt vmb dein geburt ein gestalt haben / gleich wie vmb das touw / das von heitterer morgenröte / als auß einer gebärmuoter geboren wirt. Dann vnder tagen so zeücht die Sunn die feüchte auß der erden / vnd dieweils nit so vil hitz hat / das sie gar möge auffzogen werden / so truckts die zimlich abendt vnnd nachtkelte wider vnnder sich / vnnd machets zuo wasser. Also hatt Gott die Sonnen der gerechtigkeyt / auß der erden / das ist auß dem leib der vnbefleckten vnd reinen Junckfrauwen Marie / füechte [feuchte]XXVIIIv. / 28b
das ist geblüet außzogen / vnd also wunderbarer weiß mit aller heiligkeyt vnnd reinigkeyt verschaffet vnd gewürckt / das der heilig sun Gottes von der reinen gebärmuoter Marie empfangen vnd geboren ist worden.
Das aber der Sun Gottes in söllicher reinigkeyt / inn dem leib der heiligen Jungkfrauwen Marie auff dise weiß hatt wöllen empfangen werden / ist die vrsach / Das er / der inn dem leib der Jungkfrauwen empfangen ist / waarer Gott ist. Gott aber ist ein verzeerend fewr / das kein vnreinigkeyt erleiden mag. Jtem / dieweyl er / vnser Gott / kommen ist zuo reinigen vnsere menschliche anerborne vnreinigkeyt / so hat er ye müessen vnserer erbsucht ledig vnnd loß / vnnd in allweg heilig sein / damitt er also möchte sich selbs geben zuo einem heiligen vnnd vnbefleckten opffer das da geopfferet wurde für die sünd der gantzen welt / vnnd auff ein mal hinnemme alle sünd der selbigen. Dann was befleckt ist / das kan kein befleckts reinigen / sonder eines vnreinigkeyt vnnd befleckung wirt nur dest grösser / so auch deß anderen vnreinigkeit darzuo kompt. Das ander stückli aber dises dritten artickels ist das / das wir sprächend / Geboren vonn Maria der Jungkfrauwen. Dann der Herr ist geboren von Maria / die also sein muotter / vnnd dennocht ein Jungkfrauw bliben. Dieweyl er dann von einem menschen geboren / so ist er auch ein waarer mensch. Sein geburt aber ist rein / dann er ist von einer Jungkfrauwen geboren / die also miteinanderen ein Muoter vnd auch ein Jungkfrauw ist. Dann also hat auch Esaias gesprochen / Nimm war ein Jungkfrauw wirt empfahen vnnd gebären einen Sun. Ein Jungkfrauw spricht er wirt die ding beyde thuon / empfahen namlich vnd auch gebären / vnnd dennocht ein Jungkfrauw bleiben. Darumb so ist die geburt deß Suns Gottes gantz rein / vnd darnebend auch waarhafft / dann sein fleisch nicht nur von dem leib der Jungkfrauwen geboren / sonder auch von der substantz der Jungkfrauwen Marie angenommen ist. Darumb dann auch der Herr ein Sun Dauids genennt wirt / Söllichs reimpte sich nitt / wenn er nitt von der Jungkfrauwen Maria die ein Tochter deß geschlechts Dauids was / sein fleisch vnnd sein menschlichs wäsen hette angenommen. Welches eigentlich außzuotrucken der heilig Euangelist Joannes sagt / Das wort ist fleisch worden. Vnnd der heilig Apostel Paulus / Er nimpt keine Engel an sich / sonder den saamen Abrahe. Vnd am selben ort spricht er weytter / das der Herr seinen brüedern inn allweg sey gleich worden / außgenommen die sünd. Vnd zun Philipperen / Do er Gott gleich was / hat er doch sich selbs ernideret vnnd die gestallt eines knechts an sich genommen / vnd ist worden gleich wie ein anderer mensch / vnd an gestallt als ein mensch erfunden. So zeüget auch der heilig Apostel Joannes vnnd spricht / Welcher geist bekennt den Herren Jesum Christum kommen sein inn das fleisch / der ist auß Gott / Vnnd welcher geist nicht bekennt das Jesus Christus kommen sey im fleisch / der ist nicht auß Gott. Wie aber sölliche geburt geschehen / beschreibt der heilig Lucas weytlöuffig inn dem anderen Capitel[2.3.usw.] seiner Euangelischen Histori / von welchem ein ander mal weytter wirt geredt werden. Wir söllend hie lernen also glauben vnnd bekennen / das Jesus Christus der Sun Gottes empfangen sey von dem heiligen geist / vnd geboren von Maria der Jungkfrauwen. Der viert artickel vnsers Christenlichen glaubens ist der / Gelitten vnder Pontio Pilato / creütziget / gestorben vnnd begraben. Jst abgefaren zuo den Hellen. Jnn disem vierdten artickel wirdt erkläret / das ende / auch die fürnemmeste / frucht vnnd nutzbarkeyt der menschwerdungXXIX. / 29a
deß Herren. Dann darumb ist er mensch worden / das er möchte leyden vnnd sterben / vnnd mitt disem seinem leiden vnnd sterben vnns vom ewigen tod vnd von der pein der hellen erlösen / vnnd vns reinigen vnnd zuo erben deß ewigen läbens machen. Dann von deß ends wegen ist der Herr gestorben / wie wir bald anzeigen wöllend / vnnd Paulus erklärt sölichs nach der lenge zun Hebreern am ix. Capitel.
Es hatt aber diser artickel auch seine stuck / die wir kurtz ein anderen nach bsehen wöllend. Zum ersten so bekennen wir das der Herr gelitten habe / ja warhafftigklich vnd nit vermeinter weiß. Dann er hat gelitten ellend vnd trüebsal diser zeit / demnach auch die pein vnd marter von denen die jn creützigtend / deßgleich den bitteren todt selb / hat deßhalb gelitten am leib vnd auch am gemüet / vnd das vilfaltiglich. Dann auch Esaias spricht / er ist ein man der schmertzen wol erfaren hatt / vnd er tregt vnsere kranckheiten vnnd duldet vnsere schmertzen. So spricht auch der Herr im Euangelio selbs / Mein seel ist bekümmeret biß in tod. Das alles aber hat er gelitten von vnseretwegen / dann in jm was kein sünd oder ützit [auch nichts] darumb er leiden sölte. Zum anderen so wirdt auch gemeldet die zeit vnd der Richter Pontius Pilatus vnder welchem vnser Herr Jesus Christus gelitten vnnd die wält vonn der sünd / vom tod / vom Teuffel vnnd der hellen erlößt hatte. Namlich so hatt der Herr gelitten vnder der Monarchij der Römeren / zun zeiten deß Keisers Tiberij / als ietz das Jüdisch volck nach der weißsagung deß Ertzuatters Jacobs oder Jsraels frembden herren vnderworffen was / vnnd keine eigne künig oder fürsten vom Jüdischen stammen mehr hatte. Dann also hatt Jacob vor gesagt / das zuo der selben zeit / der Meßias kommen würde. So hatt es auch der Herr im Euangelio selb vor seinem leiden offt vorgesagt / er würde in die händ der Heiden vberantwortet vnd von jnen getödt werden. Zum dritten so truckend wir auch vß die weiß seines leidens / dann wir setzend druff / creützget / vnd am creütz gestorben. Der tod deß creützes was nit nun der aller schmächlichest / sonder auch der aller schmertzlichest todt. Den hatt aber der Herr auff sich genommen / das er für die wält gnuog thäte. Es warend auch im alten testament dessen etliche vorbildungen vorgangen / das der Herr ans holtz würde auffgehenckt werden. Dann do Jsaac solt auffgeopfferet werden / do ward er auff die holtzbigen gelegt. Jtem der ehrin schlang ward von Mose an einem pfal auffgericht vnd auffgehenckt. So spricht auch der Herr selb / Nach dem ich erhöcht wird / wil ich es alles zuo mir ziehen. Am creütz ist er auch gestorben vnd hat Gott seinen geist auffgeben. Jst ja warlich gestorben wie bald hernach volgen wird. Da ich nun kurtz auch muoß anzeigen die frucht deß tods Christi. Erstlichen so warend wir verflüecht von wegen der sünden / den fluoch hat er nun auff sich genommen / ist auffgehenckt ans creütz / damit er den fluoch hinnemme / vnd wir in jhm gebenedeyet vnd gesegnet wurdind. Demnach so hatt vns die erbschafft / so vns durch das testament Gottes verordnet / nit mögen werden / der sturbe dann vor / der das testament verordnet vnd auffgericht. Gott aber hat sölichs testament verordnet vnnd auffgericht. Welcher / damit er sterben möchte / so hatt er die menschheit an sich genommen / vnd ist gestorben nach der menschlichen natur / damit wir die erbschafft erlangeten. / So spricht auch Paulus / Den der von keiner sünd nicht wüßt / den hat Gott für vns zur sünd gmachet / damit wir durch jn wurdind die gerechtigkeit Gottes. Also ist Christus vnser Herr ein versüenlicher mensch vnnd ein sündopffer für vns worden. Auff welchen gleich wie im alten testament auff den bock der die sünd truog / alle sünd der gantzen welt gelegt vnd geladen sind / welche er alle mit seinem sterben hingenommen vnnd versüent hatt /XXIXv. / 29b
also / das daß einig opffer Christi gnuog thon hat für die sünd der gantzen welt / welchs fürwar die höchst nutzbarkeit vnd die gröst frucht ist des tods Christi / auff welche alle heiligen Apostel Christi allenthalben gar hefftig tringend. Demnach so leert vns auch der todt Christi gedult / vnnd absterbung vnsers fleisches / ja Christus mit seiner gemeinschafft würckt durch seinen heiligen geist inn vns / das die sünd nit in vns regiere vnnd vberhand nemme. Von welchem der heilig Apostel Paulus vil geschriben hat / besonders zun Römern am vj. cap. vnd der Herr im Euangelio spricht / Math. xvj. [24][Marc.8] wer mir nachuolgen wil / der verlaugne sich selber vnd nemme sein creütz auff sich vnnd volge mir nach. Das sind vnder anderen / etliche frücht des leidens vnd sterbens vnsers Herren Jesu Christi.
Zum vierdten stat / vnnd begraben. Dann Christus ist am creütz warhafft gstorben / vnd die warheit seines tods ist bewert durch den kriegßman der jm in sein seiten stach. Demnach ist er vom creütz genommen / vnd glegt in ein grab / vnd werdend im Euangelio / die gnamset / die jn begraben / Joseph nemlich vnd Nicodemus. Es wirdt auch angezeigt / wie sie jn begraben habend. Die frucht aber seiner begrebt / legt der Herr selbs auß mit disen worten / Warlich warlich sag ich euch / es seye dann das daß weitzenkörnlin in die erden falle vnnd ersterbe / so bleibts allein / wo es aber erstirbt / so bringt es vil frucht. Es ermanet vns auch der heilig Apostel Paulus / das wir mit Christo begraben werdind in seinen todt / damit wir in einem newen leben wider aufferstandind / ja das wir ewigklich mit jm läbind vnd regierind. Darumb so vnsere leichnam gleich auch stärbend / sollend wir doch nicht sorgfeltig sein / dann die glöubigen werdend darumb begraben / das sie mit Christo wider aufferstandind. Das fünfft stuck diß iiij. artickels setzend etlich für ein besonderen / vnd namlich für den fünfften artickel des glaubens. Jch gsich aber kein rechtmäßig vrsachen / darumb man das stückli von dem vorgenden absündere / vnnd ein besonderen artickel des glaubens darauß mache. Es lautet also / Jst abgefaren zu den hellen / von disem sind mancherley meinungen der gelerten. S. Augustin inn dem buoch de fide et symbolo / gedenckt der worten nit in der erzelung des glaubens / er legt sie auch nicht auß. S.Cyprianus schreibt ein semmlichs [also]. Man soll wissen das in der bekantnuß des glaubens der Römischen kirchen das nit stat / Jst abgefaren zuo den hellen. So werdend auch die wort nit braucht inn den Orientalischen kirchen. Jch halt aber das die krafft diß wörtlins vergriffen seye / inn dem da man spricht / gstorben vnnd begraben / das sagt Cyprianus. Welche wort sich ansehen lassend als ob deß heiligen Cypriani meinung seye / das daß abfaren Christi zur hellen nichts anders seye dann begraben werden / wie auch der heilig Ertzuatter Jacob spricht / Jr werdend meine grawe har mit schmertzen zur hellen bringen. Dargegen sind aber andere / die da meinend / es habe diser verstand kein ansehen noch rechnung / dann es seye nit wol glaublich / das ein ding / das man einest heiter rede / gleich durch ein duncklere red verfinstere / sonder vil mehr / wenn zwen sententz zuosamen gesetzt werdend / die ein ding heissen vnd außtruckend / so sey allweg der nachgeender sententz heiterer dann der vorgeend / vnd als vil als ein außlegung des vorgeenden. Das sey aber hie nit / dann der vorgeende sententz / Er ist begraben / seye heitterer / dann der nachgend / Jst abgefaren zur hellen / der etwas tünckler seye. S. Augustin in der 99. epistel an Euodium bemüehet sich selb hierinn fast. Vnd ad Dardanum de praesentia Dei schreibt er / der Herr seye wol in die hell gangen / habe aber kein pein noch schmertzen gelitten. Es ist aber vil das einfaltiger das wir den artickel also verstandind / das wir glaubind / das die krafft des tods Christi / auch zuo den abgstorbnen kommen seye / vnd die genützt hab / Das ist / das alle heiligenXXX. / 30a
Ertzuäter vnd glöubige so vor der zuokunfft Christi abgestorben erhalten sygind worden vor dem ewigen todt / von wegen des tods Christi / wie dann auch S. Peter meldet / das der Herr hingegangen seye / vnnd geprediget habe den geistern inn der gefencknuß die vor zeiten vnglöubig warend. Dann on zweiffel so ist auch denen kund worden durch den todt Christi / die gerechtigkeit vnd billigkeit jrer verdamnuß / das dieweil sie gelebt / nicht glaubt habend mit Noe vnd den seinen in den künfftigen Meßiam. Es mögend auch durch die Inferos, wie es die latinischen nennend verstanden werden / nit die ort da die gottlosen pynget werdend / sonder die abgstorbnen glöubigen / wie wir dann auch inn der selben sprach nennend superos, die / die noch auff erden läbend. Also ist die seel Christi abgfaren ad inferos zur hellen / oder zuo den abgstorbnen / das ist / sie ist genommen worden in die schoß Abrahe / dahin alle abgstorbnen glöubigen versamlet warend. Dann da der Herr zu dem mörder der mit jhm gecreützigt ward / spricht / heüt wirst bey mir sein im Paradyß / da verheißt er jhm die gemeinschafft deß läbens mit den außerwelten seelen. Vonn der schoß Abrahe redt der Herr sonst beym heiligen Luca am xvj. Cap.[22]. Das aber hie stat das der Herr abgefaren sey / das ist nach bsonderer weyß zereden zuo verston / dann sonst so ist offenbar auß dem heiligen Luca / das die schoß Abrahe ein ort ist / das von dem abgrund der hellen weit abgesönderet vnd in der höhe ist. Denen dingen aber zuo geferlich [fürwitziglich] nachfragen / vnnd eigentlich wöllen daruon reden / ist mehr ein spitzfündigkeit dann ein gottseligkeit. Das ist die summ dessen das wir hierinn bekennend / nemlich das die seelen vntödtlich seyend / vnnd das sie angehends vom leiblichen todt gehend in das leben. Das auch alle heiligen vom anfang der welt an durch Christum im glauben sigend geheiliget / vnd in Christo vnd durch Christum empfahend die erbschafft des ewigen läbens.
Auff das volgete nun der v.artickel / aber die stund ist hin / darumb wir den selbigen sparen wöllend in die nechste predig. Jetz aber wöllend wir mit ein anderen Gott vnseren himmlischen vatter bitten / das er durch seinen heiligen geist in vnsere hertzen geben vnd einblasen wölle disen waren vnd läbendmachenden glauben / der sich dann streckt vnnd verlaßt auff Gott den vatter / vnd den Sun / auff den vatter / als auff den schöpffer aller dingen / auff den sun / als auff den heiland der gantzen welt. Welcher darumb von himmel kommen / vnd in dem leib der heiligen junckfrawen Marie ist mensch worden / das er were ein mittler zwüschend Gott vnd dem menschen / vnnd die bede partheyen mit ein anderen versüenete vnd vereinbarte. Auch das er hette / mit dem er der gerechtigkeit Gottes gnuog thuon vnd vnsere sünd reinigen möchte / welche er mit seinem leib tragen vnd hingenommen hat / vnd alle glöubigen gemachet zuo erben deß ewigen läbens. Darumb lassend vns loben die gnad Gottes / vnd danck sagen seinem Sun / dem allein alle ehr vnd glori zuogehört / Amen.XXXv. / 30b
8.Pr.Die Achteste Predig.
Von den vier volgenden articklen vnsers heiligen Christenlichen Apostolischen glaubens.
LAssend vns jhr geliebten im Herren vor allen dingen Gott den Herren ernstlich anrüeffen vnd bitten / das er vns nach seiner grossen güete vnnd barmhertzigkeyt / geist vnd gnad verleihen wölle / das wir recht vnd ordenlich / vnd mit vil frucht fürfaren mögind / vnnd reden auch von den vbrigen articklen vnsers heiligen waaren Christenlichen glaubens.
Der Fünfft artickel vnnsers glaubens ist diser / Am dritten tag wider aufferstanden von den todten. Dises ist gar nach der fürnemmest artickel deß glaubens / vnnd ist kaum einer / den die heiligen Apostel meer treibind / vnnd den sie eygentlicher erleütterind vnnd bewärind als disen / dann es wäre nicht gnuog gewesen mitt dem / so vnnser Herr Jesus Christus allein für vns gestorben wäre / wann er nicht auch wäre von todten wider aufferstanden. Dann wenn er nicht aufferstanden / sonder im todt bliben wäre / wer wolt die menschen bereden das die sünd durch seinen todt versüenet / der todt vberwunden / der Teüffel gedämpt [sein macht genommen] / vnnd die hell den glöubigen zerbrochen vnd außgelöscht wäre. Es wurdind die bösen Gottlosen menschen erst Gott lestern / vnd also vnseren glauben vnd hoffnung verspotten vnnd sagen / Es ist doch keiner von Todten aufferstanden / der vnns gesagt habe ob ein anders leben nach disem / vnnd was das selbig für ein leben seye / darumb dieweyl keiner widerkeert / so ist nichts was die bladerer [blauderer] vom ewigen leben täperend [klappern] usw. Deßhalb damit der Herr der gantzen welt zuo verston vnd zuo erkennen gebe / das ja nach disem läben ein anders leben seye / vnd das die seelen nicht sterbind mit sampt den leyben / sonder läbind / So ist der Herr am dritten tag wider von todten aufferstanden / vnd hat sich seinen Jüngern erklärt. Mit wölchem er dann auch bewert vnd erzeygt das die sünd versüent / der Todt entkrefftiget / der Teüffel vberwunden / vnd die hell zerstört sey. Dann der stahel deß Tods ist die sünd / vnnd der Tod ist ein lon vnnd besoldung der sünden. Der Teüffel aber ist deß Tods gwaltig / vnd von der sünden wegen wirfft er die menschen inn die hellen. So aber nun Christus widerumb läbendig von todten aufferstanden ist / so hatt der Todt nit mögen vber jn herrschen. Dieweyl nun dann sein herrschafft genommen vnd brochen / so volget gleicher maß das auch der Teüffel vnd die hell durch Christum vberwunden / vnd die sünd darinn alle krafft vnd alles vermögen deß Teüffels vnnd der hellen gestanden / hingenommen vnd versüenet seye. Vnnd also besiglet die aufferständtnuß [aufferstehung] vnsers Herren Jesu Christi / vnser heyl vnd erlösung / vnd machet vns deren gwissz / also das wir daran nit mer zweiflen könnend. Darumb so bekennend wir in disem artickel / das vnser Herr Jesus Christus von todten aufferstanden sey / ja das er vns von todten aufferstanden sey / das ist das er vns die sünd durchtilcket / vns vnd von vnsertwegen den Todt / den Teüffel / vnnd die hell vberwunden habe / wie Paulus spricht / Gott hat vns sälig gemachet / vnd berüefft mit einem heiligen beruoff / nit nach vnseren wercken / sonder nach seinem fürsatz vnd gnad / die vns gegeben ist in Christo Jesu vor der zeyt der welt / yetz aber geoffenbaret durch die erscheinung vnsers Heylands Jesu Christi / wölcher dem Tod hat die macht genommen vnnd das leben / vnd ein vnzergäncklich wäsen an das liecht bracht durch das Euangelium. Dergleichen ist auch noch vil zun Röm.iiij j.Cor.xv. vnd anderßwo. Jm Euangelio Joannis sprichtXXXI. / 31a
der Herr selb / Jch bin die vrstende [aufferstehung] vnd das leben / wer inn mich glaubt / ob er schon sterben wurde / so wirdt er läben / vnd wer da läbt vnd glaubt inn mich / der wirdt nicht sterben ewiglich.
Nun wöllend wir aber auch ein ander nach besehen die wort deß artickels. Da bekennen wir nun zum ersten das der Herr wider aufferstanden sey. Aufferstan / heißt nach eim fal oder nach dem einer gelegen wider auffstan / was falt das stat wider auff / Christi leib ist gfallen / das ist gestorben / darumb so stat Christi leib wider auff / das ist / der leib der vorhin ehe er starb / läbt vnd würcket / stat wider auff / läbt vnd würcket wider. Dann Tertulianus de resurrectione carnis spricht recht / das wörtlin aufferstan / gehört keinem ding zuo / dann dem das vorhin gefallen / dann nichts mag aufferstan dz vorhin nit gefallen / sonder dieweil es gefallen ist / vnd wider auff stat / so nent mans aufferstan. Dann das wörtli (Re) in latin / wie bey vns teütschen dz wörtli (wider) wirdt braucht / wenn ein ding wider wirdt oder geschicht wie vorhin. Darumb da die weiber im Euangelio zum grab giengend den leib deß Herren zuo salben der am creütz was gehangen / do sprach der Engel zuo jhnen / was suochend jhr den läbendigen bey den todten / Er ist nicht hie / sonder er ist wider aufferstanden usw. Die histori aber der aufferstentnuß deß Herren ist bekant auß dem xxiiij. Capitel Luce / vnd dem xvj. Marci / vnd der heilig Apostel Petrus im ij. Capitel der geschichten der Apostlen in seiner ersten predig bezeüget auß Dauiden die war vrstende [aufferstendtnuß] Christi / vnd zeigt heiter an das Christus warlich von den todten wider aufferstanden sey.
Auff dises aber sprechend wir weiter / das der Herr wider aufferstanden sey auß oder von den todten. Mit welchem stückli wir außtruckend die warheit deß tods oder die vrstende [aufferstendtnuß] Christi / dann der leib oder das fleisch stirbt / das aber ietz gestorben ist / wirt wider aufferweckt. Darumb so wirdt der leib oder das fleisch aufferweckt / vnd ist so vil geredt als wölte einer sagen / Christus vnser Herr ist gestorben gleich wie wir anderen menschen alle / ist aber vnder den todten nit bliben / sonder hat eben das fleisch das er ein mal als ein sterblich fleisch hat an sich genommen / vnd durch den tod von jm gelegt / ietz als ein vnsterblich fleisch wider angenommen. Dann Dauid hatt also daruon geweißsaget / du wirst mein seel nit in der gruoben lassen / noch zuogeben das dein heiliger die verwäsung sehe. So ist auch Christus der erstgeboren von den todten / in welchem als inn dem haupt hat söllen erklärt werden / wie es ein gestalt wurde haben vmb die vrstende [aufferstehung] aller seiner glideren am tag deß Gerichts. Demnach so bekennend wir auch / das dise vrstende [aufferstehung] geschehen sey am dritten tag / verstand nach seinem tod / dann am rüstag / das ist am freytag ward er vom creütz genommen vnd begraben / da rüewet er den gantzen Sabbath oder Sampstag / vnnd am morgen früe deß ersten tags der Sabbathen / das ist deß erstentags in der wuchen / welchen wir den Sontag nennen / stuond er wider von den todten auff. Vnd darumb ob wir wol läsen im xij. Cap. Matthei [40] / das der Herr gesprochen / gleich wie Jonas drey tag vnd drey nächt gewesen ist im bauch deß wallfischs / also wirdt der Sun deß menschen drey tag vnnd drey nächt sein in mitten der erden / so gibt doch der Herr im xvj[21].vnd xx. Capitel sich selbs zuo verstan / das er sölichs durch ein syneckdocham geredt [figürlich geredet] / dann er spricht / ich muoß hingon gehn Jerusalem / vnd vil leiden von den schrifftgelerten vnd eltesten / vnd vmbkommen / vnd am dritten tag wider aufferstan. Der sechst artickel vnsers glaubens ist diser. Jst auffgefaren zuo den himlen / da er sitzt zuo der gerechten Gotts deß allmächtigen vatters. Ja der leyb ist auffgefaren zuo himmel / vnd sitzt zur gerechten Gottes deß vatters / der mit vns eines wäsens ist / der vonn Maria der junckfrawen genommen / jaXXXIv. / 31b
von der substantz der junckfrawen Marie ist angenommen / der am creütz gehangen vnd gestorben / der begraben vnd wider aufferstanden ist. Dann nach dem der Herr viertzig tag lang vilfaltig seinen jüngeren die warheit seiner vrstende vnnd das reich Gottes zuo verston geben hatt / da ist er auffgenommen worden gen himmel.
Mit welcher himmelfart er aller wält erklärt vnnd angezeigt hatt / das er ein Herr aller dingen seye / vnnd das es jhm alles vnderworffen seye was im himmel vnd auff erden ist / vnd das er seye vnser stercke / krafft vnd ruom wider die poren [porten] der hellen. Dann mit dem das er auffgefaren ist gen himmel / hatt er die gefencknuß gefangen gefüert / seine feyend beraubet / vnnd sein volck reich gemachet / welches er auch täglich mit allerley geistlichen gaben überschüttet. Dann er sitzt ietz inn der höhe / das er sein krafft vonn dannen vber vns außgiesse / vnns zuo geistlichem läben läbendig mache / vnnd mitt allerley gnaden vnnd gaben ziere / vnnd das er auch sein kirchen wider alles vbel schütze vnd schirme. Dann er ist vnser Gott / heiland / König vnd oberster priester. Darumb do sich die Capernaiter an dem ergertend / das der Herr sich selbs genent hatt das brot deß läbens / das von himmel herab kommen / vnd der wält das läben gäbe / do sprach der Herr / wie? Ergeret eüch das? Wie so jhr sehen werdend den sun deß menschen auffaren dahin da er vor was? als wölte er sagen / jhr werdend freylich auß meiner läbendmachenden vrstende [aufferstehung] / vnnd herrlichen himmelfart erfaren vnnd erkennen das ich das brot deß läbens bin / das von himmel kommen ist / vnnd das ich wider auffgenommen gen himmel / bin / vnd bleib der heiland / vnd das läben der wält / auch ein Herr deß himmels vnnd der erden. So spricht auch der heilig apostel Petrus im buoch der geschichten / So wüsse nun das gantz hauß Jsrael / das Gott disen Jesum den jr creütziget habend / zuom Herren vnd Christo gemacht hatt. Demnach aber so ist der Herr nitt nur vonn todten wider aufferstanden zuo seinen jüngeren / sonder auch den selben vnder augen gen himmel gefaren / auff das wir all deß ewigen heilßs vergwüßt wurdind / dann mit dem das er auffgefaren / hatt er vns ein ort bereitet / den wäg zuo gerüst / vnnd den glöubigen den himmel auffgethan. Vnd hatt also Gott den waaren menschen den er von vns angenommen / in den himmel gesetzt zur läbendigen vnd vesten zeügknuß das auch alle glöubigen gen himmel werdind genommen werden. Dann es müessend die glider jhrem haupt gleichformig werden / Christus vnser haupt ist von todten aufferstanden / so werdend auch die glider aufferston / vnnd wie die wolcken den Herren hingefüert hatt von den augen der jüngeren / also werdend wir glöubigen alle dem Herren entgegen gezuckt werden in den wolcken / vnd werdend also vberal ewigklich mit seel vnd leib sein vnnd wonen inn himmlen bey vnserem Herren vnnd haupt Christo Jesu. Welches der Herr selb heiter zeüget Johannis am viertzehenden Cap [Joan.4.]. Da er spricht / Jch gehe hin eüch ein ort zuo bereiten / vnnd ob ich schon hingeh eüch die statt zuo bereiten / wil ich doch wider kommen / vnd euch zuo mir nemmen / auff das jr seyend wo ich bin. Vnd der heilig Apostel Paulus spricht / wir / die wir läbend vnd vberbleibend / werdend mit einander mit den selbigen hingezuckt werden inn den wolcken / dem Herren entgegen in den lufft / vnd werdend also bey dem Herren sein alle zeit. Darumb so bekennend wir mit disem artickel / das Jesus Christus gen himmel genommen / ein Herr sey aller dingen / Jtem ein künig / hoher priester / erlöser vnd heiland aller glöubigen inn der gantzen wält. Wir bekennend auch das wir glaubind in Christo vnd von Christi wägen sein ein ewigs läben / welches wir an vnseren leiben am jüngsten tag / an vnseren seelen aber / so bald wir auß diser zeit scheidend empfahen werdind.XXXII. / 32a
Wir wöllend aber auch die wort dises artickels besehen. So sprechend wir nun / Er ist auffgefaren. Wer ist auffgefaren? Der namlich / der von Maria der junckfrawen geboren / creützget gestorben vnd begraben / vnnd widerumb von todten aufferstanden ist. Der ist auffgefaren / namlich mit seinem leib vnd seiner seel. Wohin ist er aber gefaren? da stat. Zuo den himmlen / das wörtli himmel / wirdt in der geschrifft nit allweg auff gleiche art gebraucht. Etwan wirdt es genommen für das gantz firmament vnd für den vnderschlacht [-] oder veste die ob vns ist / daran dz gestirn ist / welches man nent die zierd der himmlen / oder das himmelisch heer. Etwan aber wirts genommen für den lufft der ob vns ist / darinnen die vögel hin vnd wider fliegend. Dann David spricht / du bist mit liecht gleich als mit einem kleid geziert / du spannest den himmel auß wie ein blachen. Jtem / Jch wil beschawen die himmel / die ein gemächt sind deiner fingeren / den Mon vnd die sternen die du so ordenlich bereitet hast. Jtem / der den himmel mit wolcken deckt / das er der erden rägen rüste. Vnnd weiter / die allmechtigkeit Gottes erzellend vnd kündend auß die himmel / vnnd das firmament verkündet seiner händen werck. Demnach so wirdt auch das wörtli himmel genommen für den stuol oder wonung Gottes / vnd für das ort / den sitz vnnd die wonung der säligen / da sich Gott seinen glöubigen zuo sähen vnnd zuo niessen gibt. Dauon Dauid auch zeüget vnd spricht / Der Herr hat sein stuol im himmel gerüst. Vnnd der Herr im Euangelio / Jr söllend nicht schweeren beim himmel / dann er ist Gottes stuol. Vnd Paulus / wir wüssend / wenn vnser irdisch hauß diser hütten zerbrochen wirdt / das wir ein baw habend vonn Gott / ein hauß nit mit händen gemacht / sonder ein Ewigs im himmel. Jn disem verstand wirdt der himmel genommen für das reich Gottes / für das reich deß vatters / für die ewige fröud vnd säligkeit / ja für die ewige ruow / für den ewigen friden / vnd für das ewig läben. Vnnd wiewol Gott mit keinem ort mag vmbzilet werden / wie er dann spricht / der himmel ist mein thron / vnnd die erden ein schämmel meiner füessen / so wirdt jm doch zuogeben das er im himmel wone / darumb das im himmel sonderlich sein herrligkeit erscheint / vnnd er sich inn himmlen seinen glöubigen zuo sehen vnnd zuo niessen gibt / wie die schrifft redt / wir werdend jhn sehen wie er ist / Jtem niemandt wirdt mich sehen vnd läben spricht der Herr. Es wirdt auch Christus der Herr nach seiner Gottheit mit keinem gewüssen ort vmbzilet noch begriffen / Aber nach seiner menschlichen natur / welche er gen himmel gefüert hat / ist er in himmlen an eim gewüssen ort / vnd nit hieniden auff erden oder allenthalben leiblich / sonder mit seinem leib ist er von vns abgescheiden vnd auffgefaren zuo himmel. Denn das heißt auffaren / wenn einer das verlaßt das da vnden ist / vnnd fart zuo dem das da oben ist. Also hat Christus die erden verlassen / vnnd hat seinem leib einen sitz gemachet vber alle himmel / nit dz er vber alle himmel vßgefaren / sonder dz er auffgefaren in den eüssersten vnd obersten himmel / da die säligen vnd außerwelten jr wonung habend. Welchs Paulus gar eigentlich außtruckt da er spricht / vnser burgerschafft ist in himmlen / von dannen wir auch wartend deß heilands usw. So spricht auch der heilig Euangelist Lucas / vnd als er sie sägnet / trat er von jhnen / vnd fuor auff gen himmel.
Was darffs aber vil außlegens / dieweil in volgenden worten deß glaubens sölichs selbs heiter außgelegt vnd erleüteret wirdt. Dann es volget also / sitzt zuo der gerechten Gottes deß allmechtigen vatters / auß welchen worten wir wol verstond / was der himmel für ein ort sey / vnd was Christus in himmlen thüege. Es gebürt sich wol nit vnser blödigkeit / wöllen die heimligkeiten der himmlen erfüntelen vnd ergründen / darnebend aber so ist nit vnrecht / dem nachforschen / dz was in der schrifft wirt fürgestelt / vnd dz wir es auch also haltind vnd glaubind /XXXIIv. / 32b
wie es vns fürgestelt wirt. So stat nun hie einfaltig das der Herr sitze / vnd das zuor gerechten Gottes deß allmechtigen vatters. Da wöllend wir nun besehen auß den zeügnußen der geschrifft / was die gerechte deß vatters sey / vnd was es heisse sitzen zuor gerechten deß vatters.
Die gerechte Gottes deß vatters wirt inn der geschrifft auff zweierley weiß genommen. Erstlich für das Ort der säligen / vnnd für die ewig säligkeit selbs so in himmlen ist / Welchs auch Augustinus vor vns gemerckt vnd geleert hat / welcher im büechlin de Agone Christiano am xxvj. Cap. also schreibt / Die gerechte deß vatters ist nichts anders dann die ewige säligkeit / die den glöubigen geben wirt / gleich wie auch die linck genommen wirt für die ewig verdamnuß / die vber die vnglöubigen kommen wirt / das also nitt in Gott / sonder inn den creaturen das sol verstanden werden / das wir also von der gerechten vnd von der lincken Gottes redend. Söllichs schreibt aber der heilig Augustinus nit on grund der geschrifft / dann auch Dauid also sagt / du wirst mir kund thuon den wäg deß läbens / mit deinem angesicht wirst du mich erfröwen / lust vnd wun ist bey deiner gerechten ewigklich. Was ist dz anders geredt / dann hette er gesprochen / du wirst mich füeren in das ewig läben / in den himmel selbs / da wird ich ersettigt werden mit fröuden / so ich dich ansehen beschowen vnd niessen wird / dann in deiner gerechten / das ist in der ewigen säligkeit ist nichts dann immerwerende fröud. Also läsend wir auch im Euangelio das die schaf zuor gerechten / die böck aber zuor lincken werdind gestelt werden. Vnnd nach disem verstand so heißt sitzen nüt anders dann ruowen von aller arbeit / säligklich vnd in friden läben. Wie dann auch der Prophet die weiß zuo reden braucht / da er spricht / Es wirdt ein jeder vnder seiner weinräb sitzen / das ist / es wirt grosser frid ruow vnd sicherheit sein. Vnd also in disem verstand / ist auch die gerechte Gottes endtlich / vnd heißt ein gewüsses ort. Vnnd da wir bekennend das der Herr sitze zuor gerechten deß vatters / da bekennend wir das er aller müehe vnnd menschlichen blödigkeit entladen / ietzund nach seiner menschlichen natur in ruow vnnd fröuden an einem gewüssen ort deß himmels / dahin wir auch glaubend das vnsere leyb vnnd seelen kommen werdind / seye. Wie dann der Herr im Euangelio selbs zeüget / das in seines vatters hauß vil wonungen seyend / vnd er gange hin die selbigen zuo bereiten / vnnd wiewol er hingange / werde er doch wider kommen / vnd vns zuo jm nemmen / auff das wo er seye / auch wir daselbst vnd am selbigen ort sigend. Darumb so glaubend wir das Christus in himmlen ruowe / an dem ort / da er auch vns ein ort der ruow bereitet hatt / an welchem wir ewigklich inn fröuden sein werdind. Vnd dieweil vnsere leib in der ewigen fröud nit werdend allenthalben zuomal / sonder an eim gewüssen ort sein / so spricht der heilig Augustinus recht das Christus nach art eins waaren menschlichen leibs an einem gewüssen ort deß himmels seye. Vnd der heilig Cyprianus / das sitzen zuor rechten deß vatters / seye ein geheimnuß deß angenommen fleischs. Demnach so wirt die gerechte Gottes auch genommen / für die krafft vnd für den gewalt / für das reich / den schutz vnd schirm Gottes. Als wie Dauid spricht / die gerechte hand deß Herren ist die höchst vnd würcket krafft. Vnd Moses / Herr dein rechte hand ist herrlich in der krafft / Herr dein rechte hand hat die feind zerbrochen. Vnd nach disem verstand so heißt sitzen / regieren / erretten / gewalt üeben / vnd thuon als ein fürst vnd oberer. Also spricht Dauid / Der Herr hat gesagt zuo meinem herren / sitz zuo meiner gerechten / biß ich deine fyend mache zuom schämel deiner füessen. Vnd der prophet Zacharias / Nimm war der man / deß nammen Zwyg ist / der wirt von seinem ort herfür wachsen / vnnd deß Herren tempel buwen / der wirdt auff deß Herren thron sitzen vnd herrschen / vnd er wirt sein ein priester auff seinen thron usw. Vnd also ist die gerechte Gottes vnendlich /XXXIII. / 33a
vnd wirt mit keinem ort vmbzilet. Vnd so wir bekennend das der Herr sitze zur gerechten deß vatters / so bekennend wir also / das er erhöcht sey vber alles / vnd das jhm alles vnderworffen sey / Wie Paulus spricht zun Ephes.am j. cap. Ja das er also erhöcht / das er alles vermöge / dz er regiere vber die gantze gmeynd vnd kirchen / das er die seinen errette / das er inn himmlen vns bey dem vatter verträtte / das er mit seiner Göttlichen krafft allenthalben zuogegen sey. Dann dahin dienet auch / das in dem artickel bey dem sitzen / auch der allmächtigkeyt gedacht wirt / namlich / sitzet zur gerechten Gottes deß allmächtigen vatters. Darumb er auch im Euangelio Matthei selb spricht / Mir ist gegeben aller gwalt in himmel vnd auff erden / Darumb gond hin vnd füerend mir zuo alle völcker usw.
Also achten ich gnuogsam in disen kurtzen worten außtruckt sein / was das für ein ort deß himmels sey / da vnser Herr Jesus der Sun Gottes nach seiner angenomnen natur sitzt / ist / vnd wonet / namlich das ort der ewigen ruow / fröud vnd säligkeyt / da er yetzund in ewiger fröud / on alle müehe vnnd schmertzen ist / wie auch wir die wir glider Christi sind / an dem ort sein werdend. Vnd wiewol er aller müehe vnd arbeyt entladen / so verstond wir doch nicht das er müeßig da sitze / Dann er ist der waar Künig / Priester vnd Gott in disem waaren Tempel Gottes. Darumb so würckt er auch (wie dann sein art vnd eigenschafft ist / vnd auch sein ampt das von jm erforderet) das heil in seinen außerwölten / vnd thuot alles das einem Gott / Künig vnnd Priester zuostadt / Darauß wir dann auch also sehend / was vnser Herr Jesus inn himlen thüege. Söllichs sein thuon aber vnd würcken ist jhm kein müehe / dann was er thuot / thuot er nicht auß not vnd zwang / sonder auß seiner natur guotwillig.
Also habend auch die alten heiligen Leerer vnnd Vätter disen artickel deß glaubens außgelegt / deren wir etliche kundtschafften besehen wöllend. Sanct Hieronymus inn der außlegung vber das erst Capitel Pauli zun Epheseren schreibt also / Mit diser red wirt durch ein menschliche gleichnuß / die Göttlich krafft außtruckt vnnd zuo verston geben. Nit das neißwan ein Stuol sey / auff dem Gott der vatter sitze / vnd der Sun bey jhm / sonder dieweyl wir nicht anders verston könnend / wie er richte vnd regiere / so redend wir also nach vnserem brauch. Vnd gleich wie Gott nach oder feer sein / nitt zeuerstan ist von nähe oder weite deß orts / sonder von der frommkeyt / durch die die glöubigen Gott nach / die bösen aber (wie auch der Prophet sagt / Sihe die feer von dir abträttend / die kommend vmb) Gott weit sind / Also ist es auch zuo verston / zur gerechten oder zur lincken Gottes sein / Wie sömlichs der Herr selb bezüget im Euangelio / da er spricht / das die Schaaff zur gerechten / die Böck aber zur lincken sygind. So bedeüttet auch das wörtli sitzen / den gewallt der regierung / Durch wölchen er denen guots thuot die er für wirdig haltet das er sich vber sie setze / darumb das er sie regiert / vnd in seinem pfad behaltet / vnd sie nach seinem willen leitet / die vorhin außschweyff vnd zuo fröudig warend. Vnd S. Augustinus De fide & Symbolo, spricht also / Wir glaubend das der Herr zur gerechten deß vatters sitze / das ist aber nicht also zuo verston / als ob Gott der vatter neißwan menschliche form habe / also das wir wöllind gedencken vnd vns einbilden er habe ein rechte vnd lincke seitten / Oder das er sitze mit gebognen kneüwen / damit wir nicht fallind in die Gottslesterung vnd in den fluoch den Paulus thuot vber die / die die herrligkeyt deß vnzergäncklichen Gottes verwandlend in die gestalt eines zergäncklichen menschens. Dann es were sünd so ein Christ Gott ein sölliche bildtnuß inn einem Tempel auffrichten wölte / wie vil mer ist es dann sünd vnnd sol nicht sein das wir vns Gott in vnseren hertzen also einbildend / welche waarlich Gottes Tempel sind / so sie von den jrrdischen begirden vnd jrrthummen gereiniget werdend. Darumb zurXXXIIIv.
gerechten Gottes sein / sol verstanden werden inn der höchsten säligkeyt sein / da dann gerechtigkeyt / frid vnd fröud ist. Gleich wie auch die Böck zuo der lincken seitten gestellt werdend / da ist sie werdend in groß jamer / not vnd ellend / von wegen jrer sünden vnd boßheyt kommen. Darumb das von Gott geredt wirt / er sitze / das ist nit von dem sitzen oder der gelegenheyt der glideren / sonder von dem gewalt deß richttens zuo verstan / nach welchem sein Mayestet alle zeyt einem yeden nach dem er handle vergiltet usw.
S. Fulgentius der heilig Bischoff im anderen buoch an den Künig Thrasimundum / schreibt also. Damitt der Herr seinen Jüngeren anzeigte / das sein menschheit vmbzilet / vnd allein an einem ort zuomal were / so spricht er zuo jnen /Jch faren auff zuo meinem vatter vnd zuo eüwerem vatter / zuo meinem Gott vnd zuo eüwerem Gott. Jtem gleich darnach spricht er weitter / Das er aber auch die vnentligkeyt seiner Gottheyt erzeigte / so spricht er zuo seinen Jüngeren / Sihe ich bin bey eüch alle tag biß an das end der welt. Wie ist er dann gehn himmel gefaren / anders dann nach dem er ein waarer mensch vnd allein zuomal an einem ort ist? Oder wie ist er jmmerdar bey seinen glöubigen / anders / dann nach dem er der waar vnentlich Gott ist. Jtem der heilig Marterer vnnd Bischoff zuo Trient Vigilius / lib.1. contra Haereses spricht also / Zum Vatter gan vnd vns verlassen / was nichts anders dann die natur die er von vns angenommen hatt / von hinnen nemmen. Darumb so sichst du das es diser natur eigenschafft gewesen ist / daß sie von vns hingienge vnd von vns genommen wurde / wie die Engel söllichs bezeügend vnnd sprächend / Diser Jesus / der von eüch genommen ist / wirt also kommen wie jr jn gesehen habend gehn himmel faren. Dann merck auff das wunderzeichen / merck auff die geheymnuß beyder naturen vnd eigenschafften / Nach der menschheyt ist der Sun Gottes von vns gangen / Nach seiner Gottheyt aber spricht er / Sihe ich bin bey eüch alle tag biß ans end der welt. Jst er nun bey vns / wie spricht er dann im Euangelio / Es wirt die zeyt kommen das jhr werdend begären zuosehen einen auß den tagen deß suns deß menschens / vnd werdend jn nit sehen? So ist er ye bey vns / vnnd nit bey vns / dann ob er vns schon verlassen hat / vnd von vns gangen ist nach seiner menschheyt / so hatt er vns doch nit verlassen nach seiner Gottheyt. Das zeüget Vigilius. Der sibend artickel aber vnsers glaubens ist diser / Von dannen er kommen wirt zuo richten die lebenden vnd die todten. Jnn vorgenden articklen ist vns fürgestellt worden / die güete / gnad vnd barmhertzigkeyt Gottes in Christo Jesu. Nun aber so wirt in disem auch die Göttlich gerechtigkeyt / rach vnd straff inn jhm erklärt / dann es sind zwo zuokunfften vnsers Herren Jesu Christi inn dise welt. Zum ersten ist er kommen nidrig vnd demüetig als ein erlöser vnd Heyland der welt. Zum anderen wirt er kommen inn aller herrligkeyt / als ein Richter vnd vnerbittlicher rächer / wider alle Gottlosen vnd vnbuoßfertigen. Er wirt aber kommen von himmlen / von der gerächten deß Vatters / mit sichtbarem vnnd waarem menschlichen leib / also daß jhn alles fleisch sehen wirt / mitt grosser herrligkeyt vnd glori seiner Gottheyt / mitt allen heiligen Englen. Dann er spricht selbs im Euangelio / sie werdend sehen den Sun deß menschen kommen inn den wolcken deß himmels mitt grosser krafft vnnd herrligkeyt / vnd er wirt senden seine Engel mitt hällen Pausunen. Richten aber / heißt zuo gricht sitzen / händel hören vnd erwägen / spän zerleggen / erkennen vnd vrtheyl sprächen / den schirmen vnd retten der recht hat / den straaffen der vnrecht hat / vnd also das vnbillich vnd das böß temmen vnd vndertrucken [ausrotten]. Also glaubend wir / das auff den selben tag vnser Herr Jesus Christus alle frommen retten vnd schirmen / alle Gottlosen straaffen vndXXXIIII. / 34a
verderben werde / Wie auch Paulus sagt / Es wirt der Herr Jesus offenbar werden vom himmel / sampt den Englen seiner krafft / vnd mit flammendem fewr raach zegeben denen die Gott nit erkennend / vnd die nicht gehorsam sind dem Euangelio vnsers Herren Jesu Christi. Dargegen spricht er aber auch / das er der gerecht Richter gäben werde die Kron der gerächtigkeyt allen denen die sein zuokunfft lieb habind.
Dann wie es zuo werde gon am Jüngsten gericht / stellend vns die Euangelischen vnd Apostolischen geschrifften gar heitter für / Namlichen / nach dem die boßheyt diser welt auffs höchst wirt kommen / vnnd der Entchrist die welt verfüeren wirt / also das wenig glaubens mer wirt überig sein / vnd die gottlosen sprächen werdend / Es ist nichts dann frid vnd sicherheyt / so wirt sie dann das verdärben schnäll vberfallen / dann es wirt als dann der Herr vnser Richter schicken seinen Ertzengel / der wirt mit der stimm der Pausunen erschallen / vnd zuosammen samlen von den vier winden har alles fleisch zum gericht. Auff das wirt auch kommen der Richter selb vnser Herr Jesus Christus mitt allen himmlischen heerschaaren vnd von himmel herab kommen inn die wolcken / vnd sitzen vff den wolcken als auff einem Richterstuol / in der höhe / vnd erscheinen allem fleisch in seiner klarheit. Vnd welche zur selben zeit noch leben werdend / die werdend auff den tag in einem augenblick verwandlet werdend / die aber bißdar abgestorben / werdend eins mals alle wider aufferstan / Denn wirt der Richter die schaf sündern von den böcken / vnd sein billichs vrteyl fellen. Vber die schaf / kömmend jr gebenedeyten / Vber die böck aber / gond jr verflüechten usw. Darauff auch angends [bald] die erstattung [volstreckung]vnd execution diser vrteyl volgen wirt / Dann die schaf werdend angends [als bald] obsich in die wolcken gezuckt werden dem Herren entgegen / vnd werdend mit grossen fröuden mit dem Herren faren gehn himmel zuo der gerächten deß vatters / vnd da ewig leben in aller herrligkeit vnd fröud. Die gottlosen aber werdend alle jämerlich von der erden verschlündet [verschlungen] vnd zur hellen gefüert werden / das sie da ewigklich mit den teüffeln vnd seinen Englen gepeiniget werdind. Vnd das alles wirt nit lange weil brauchen / oder mit auffsatz / list vnd trug auffgeschlagen oder vmbhin zogen werden / wie es hie etwan am vssern rechten vff erden gadt / sonder schnell wirt es geschehen sein / denn aller menschen hertzen werdend offenbar sein / vnd ein yeden wirt sein eigne gwißne anklagen. Dauon vil geschriben wirt Matth. xxiiij[36]. xxx. Sap. iij[10]. vnd am v. Jnn der j. zun Corinth. am xv[42]. Jn der andern zun Corinth. am v[10]. j. Thes. iiij[15]. vnd v. Zun Röm. am ij[Rom.14.10]. Jnn der ij. Pet. am iij[12]. usw. Außtruckenlich aber bekennend wir hie / das daß gericht gon werde über die läbenden vnnd todten / Welches etliche von den glöubigen vnnd vnglöubigen verstond. Aber dise bekanntnuß ist gestellt für die einfaltigen / denen dienet auch nichts dann einfaltigs / Darumb einfaltig / so sind die todten alle die so von anfang der welt biß auff den letsten tag durch den tod auß diser zeit gescheiden sind. Die läbenden aber sind die / die der tag deß Herren by läben ergreiffen wirt hie in diser zeit. Dann Paulus spricht / Sihe ich sag eüch ein geheymnuß / wir werdend nit alle entschlaffen / wir werdend aber alle verwandlet werden / vnd das schnäll vnd in einem augenblick zur zeit der letsten Pausunen / dann es wirt die Pausunen schellen [schallen] / vnd die todten werdend aufferston vnuerwäsenlich / vnd wir werdend verwandlet werden. Vnd weiter spricht er auch an einem andern ort / Dz sagen wir eüch als ein wort deß Herren / dz wir die wir läbend vnd überbleibend in der zuokunfft deß Herren / werdend denen nit fürkommen die da schlaffend / dann er selb der Herr / wirt mit einem feldtgeschrey vnd stimm deß Ertzengels / vnd mit der Pausunen Gottes herabkommen von den himmel / Vnd die todten inn Christo werdend aufferston zum ersten / darnach wir / die wir lebend vnd überbleibend / werdend mit einander mit den selbigen hingezuckt werden in den wolcken / dem HerrenXXXIIIIv. / 34b
entgegen inn den lufft / vnnd werdend also bey dem Herren bleiben alle zeyt.
Darumb so bekennend wir in summa inn disem vij. artickel / das wir glaubind das alle ding in diser wält ein end werdind nemmen / vnd das der gottlosen wäsen vnd muotwill nit allweg werde wären. Dann Gott seye gerecht / der habe seinem Sun alles gericht vbergeben / welcher widergälten werde auff den tag deß gerichts eim ieden nach seinen wercken / den gottlosen vnentliche pein den glöubigen ewige fröud. Vnd verjehend also mit dem artickel / das wir wartind auff die erlösung / erlabung [erquickung] / vnnd auff die belonungen [belohnung] deß ewigen läbens / dann wie könte der Herr seine glöubigen / sein volck / vnnd seine diener lassen verderben / der in seinem waarhafften wort vnnd Euangelio also redt / warlich sage ich euch / das jr die mir nachgeuolget / in der widergeburt / wenn deß menschen Sun sitzen wirdt auff dem stuol seiner herrligkeit / werdind jhr auch sitzen auff zwölff stüelen / vnnd richten die zwölff geschlächt Jsraels. Also sind gewüsse belonungen den frommen / vnnd gewüsse straffen den gottlosen inn dem wort der waarheit fürgestelt. Dann der ist waarhafft vnnd fält nicht / der zuom Esaia gesprochen / Sagend dem frommen / das es jhm wol gon werde / dann die frücht seiner rathschlegen wirt er niessen / wee aber dem Gottlosen vnd vngerechten / dann übel wirt es jhm gon / Vnnd nach den wercken seiner händen wirt jm vergolten werden. Das seye nun geredt vom anderen theil der articklen deß glaubens. Nun wöllend wir auch den dritten theil zuo handen nemmen.
Vnd ist das der achtend Artickel deß glaubens. Jch glaub inn den heiligen Geist. Diser dritte theil haltet inn die eigenschafft der dritten person inn der heiligen drifaltigkeit / vnd ist billich das wir glaubind inn den heiligen geist / wie auch in den vatter vnnd in den Sun / dann der heilig geist ist mit Gott dem vatter vnd dem Sun ein Gott. Vnnd volget der glaub in den heiligen geist recht auff den glauben in den vatter vnnd den Sun / dann durch den heiligen geist wirt vns die frucht deß heilß das vns Gott inn seinem sun bereitet hatt / besiglet / vnnd wirdt die heiligung vnnd abwäschung der sünden vns durch jhn gegeben vnd in vns gebracht / wie Paulus spricht / Gott ists / der vns gesalbet vnnd versiglet / vnnd inn vnsere hertzen das pfand deß geists gegeben hatt. Vnnd an eim anderen ort / Jr sind etwan befleckt gewäsen mit lasteren / nun aber sind jhr abgewäschen / jhr sind geheiliget / jhr sind gerecht gemachet durch den nammen deß Herren Jesu vnnd durch den geist vnsers Gotts. Es heiliget vns zwar auch der vatter / durch das bluot Jesu Christi / Dise heiligung aber geüßt er inn vns / vnnd eignet vns die zuo / durch den heiligen geist / das es also als vil als deß heiligen geists eigenschafft ist / heiligen. Darumb er dann auch der heilig oder heiligmachend geist genennt wirdt. Darumb so wir hörend den heiligen geist nennen / so söllend wir gedencken an die würckungen / die jhm die heilig geschrifft zuogibt / vnnd an die guothaten die von jhm inn vns fliessend. Dann es ist alles deß heiligen geists werck würckung vnnd krafft / was Gott der vatter auß seinen gnaden durch den Sun in vns würckt / das deßhalb der glaub inn den heiligen geist gantz notwendig ist. Darumb so bekennend wir also inn disem achteten artickel / das wir glaubind das alle glöubigen / gereiniget / gewäschen / widergeboren / geheiliget / erleüchtet / vnnd mit allerley geistlicher gaben vonn Gott begabet werdind vmb Christi willen / vnd das durch den heiligen geist. Dann ausser dem ist kein waare heiligung / darumb man dise gaben keinen anderen mitlen zuoschreiben sol / dise ehr gehört allein dem heiligen geist zuo. Vonn dem wir aber inn anderen predigen etwas mehr vnnd weitleüffiger reden wöllend.XXXV. / 35a
Dieweil aber die stund yetz auß ist / so ermanen ich eüwer lieb zum beschlussz / das jr von hertzen alle inn vnseren Herren Jesum Christum glauben wöllind / dann den hat vns Gott der himmlisch vatter geschickt in dise welt / Jn dem gibt er sich selbs vns gar zuo erkennen / ja schenckt vnnd vbergibt vns sich selbs selbs [-] in jhm / Den schreibt auch der heilig geist in vnsere hertzen vnd gemüeter / vnnd behaltet jnn auch darinnen / vnd ist das gantz heyl deß menschen vnd alles das darzuo gehört in Christo begriffen. Darumb wir vns hüeten söllend / das wir söllichs sonst niemand zuogebend. Dann Paulus sagt / Es ist das wolgefallen deß vatters / das in jhm alle völle wonen sölte / ja das in jhm alles das zum heil gehört als vil als zuosammen inn ein summ gefaßt wurde / vnd in jm sind die glöubigen erfüllet vnnd veruolkommet. Dann begärt yemandt sälig zwerden / so lernend wir gleich inn seinem nammen / das die säligkeyt in jhm ist / dann er heißt Jesus / das ist ein säligmacher. Habend wir dann ein begird nach dem heiligen geist vnnd seinen vilfältigen gaben / so werdend wirs in Christo / ja in der salbung Christi finden / dann er heißt Christus / das ist ein gesalbeter / ein aller heiligister / vnnd der vns heiliget oder salbet mit seinem geist. Bedarff dann yemands stercke / hilff / rettung vnnd beystand / der hat vnd findt söllichs bey Christo / Welcher ein Herr ist aller dingen. Jn jm findend wir erlösung / dann do wir verkaufft warend vnder das joch vnnd die herrschafft deß Satans / da hatt er vns erlößt. Reinigkeyt habend wir in seiner empfäncknuß / nachlassung in seiner geburt / dann er ist vns gleich worden / damitt er mittleiden mit vns haben möchte. Verzeihung habend wir in seinem leiden / entledigung in seiner verurtheylung / gnuogthüeung in seinem opffer mitt dem er vns versüent / reinigung in seinem bluot / vnd ein allgemeyne versünung in seinem abfaren zun hellen. Absterbung vnsers fleischs habend wir in seiner begrebt / erneüwerung deß lebens / vntödtligkeyt der seel / vnd vrstände deß leibs / in seiner herrlichen aufferständtnuß. Jtem die erbschafft deß himmelischen Reichs / vnd versicherung diser erbschafft habend wir in seiner himmelfart vnd in dem das er sitzt zur gerechten deß vatters. Da er dann vnser mittler / Priester / Künig / vnd haupt / auch vnser schützer / schirmer / vnnd gwisse sicherheyt vnnd zuoflucht ist. Von dannen er auch in vns außgeüßt den vberfluß aller güetteren / namlich seinen heiligen geist / theilt sich vns gar vnd gantz mit / vnd vereinbaret vns mit jhm vnzertrennlicher weiß. Von dannen wir auch auff jhn mitt grossem vertrauwen vnnd fröuden wartend / als auff den allgemeynen Richter / der vnser erretter vnnd fürmünder ist / welcher alle vnsere feyend verdammen vnd mit dem Teüffel zur hellen stürtzen / Vns aber vnd alle glöubigen zuo was zeitten die joch ye gelebt mitt jhm gehn himmel füeren wirt / das wir jhm da singend ein neüw gesang / vnnd vns in jhm erfröwind vnd erspringind [frolocken] inn ewigkeyt. Jhm seye lob vnd ehr zuo allen zeitten / Amen.
9.Pr.Die Neündte Predig.
Vonn den vier letsten articklen vnnsers Christenlichen glaubens.
LAssend vnns jhr geliebten Gott vnnseren Vatter in Himmlen anrüeffen vnnd bitten durch vnseren Herren Jesum Christum / das er vnns sein geist vnnd gnad gebe / das wir auch disen letsten theyl der außlegung der articklen vnsers Christenlichen glaubens / mitt vil frucht verrichten mögind.
XXXVv. / 35b
Der neündt artickel deß glaubens lauttet also / Ein heilige allgemeyne Christenliche Kirchen / die da ist ein gemeynsamme der Heiligen. Nach dem vnd wir bekennt habend vnseren glauben inn die heilig dreyfaltigkeyt / vnnd inn die geheymnuß vnsers Herren Jesu Christi / auch inn den heiligen geist / den heiligmacher vnd widerbringer aller dingen / So volget yetz inn disem vierten teyl / die frucht / krafft / würckung vnd das end deß glaubens / was namlich den glöubigen durch den glauben guots widerfare vnd mitgeteylt werde / gemeynsamme namlich mitt Gott vnd allen heiligen / verzeihung der sünden / vrstände [aufferstehung] deß fleischs vnd ewigs leben. Von welchen stucken wir ein ander nach reden wöllend / so vil der Herr gnad geben wirt.Da müessend wir aber auß dem vorgenden achtenden artickel wider holen / dz wörtli / Jch glauben / das wir also bekennind / Jch glauben ein heilige allgemeyne Christenliche Kirchen. Etliche vngeleerte kunden kämpffend hie / vnd meynend man sölle sagen / Jch glaub in die heilig kirchen / freilich darumb / dz in der Constantinopolitanischen glaubens bekantniß stadt / vnd in den heiligen geist / den Herren der do lebendig machet / der vom vatter vnd vom sun außgadt / vnd mit dem vatter vnd dem sun gleich angebättet vnd verehret wirt / welcher geredt hat durch die Propheten / in ein heilige allgemeyne vnd Apostolische kirchen usw. Dann die wort läsend vnnd punctierend sie also / das wie sie das wörtli / Jch glauben / brauchend zum heiligen geist / namlich also / Jch glaub inn den heiligen geist usw. Also brauchend sie es auch / vnd wöllend es äferen [widerholen] by disem artickel hie / vnd sagend / Jch glaub in ein heilige allgemeyne vnd Apostolische kirchen. Das aber ein gezwungner / vnnötiger / vnd nit rechtglöubiger verstand ist diser worten / dann das inn gemeltem Constantinopolitanischen Symbolo stadt / inn ein heilige allgemeyne vnnd Apostolische kirchen / das referiert sich nit [-] / vnd sol nit gezogen werden auff das wörtli / Jch glauben / sonder auff den heiligen geist / das der namlich durch die Propheten geredt habe inn ein allgemeyne vnd Apostolische kirchen. Dann wir wöllend damit außtrucken vnd zuo verston geben / das es ein geist sey / der es alles gehandlet in beyden Testamenten / wider die meynung deren / die da fürgeben habend es seyend beide Testament nit auß einem / sonder auß zweyen wider wertigen geisteren. Der heilig Cyprianus erklärt aber söllichs in seiner vßlegung vber den glauben gar fein / da er also schreibt / Es stadt nitt / inn die heilig kirchen / auch nitt inn die verzeihung der sünden / noch inn die vrstende [aufferstehung] deß fleischs / dann wenn das wörtli / inn / darzuo gesetzt were / so wurde es gleich so vil vermögen als daoben / da stadt / Jnn den vatter vnd inn den Sun usw. Aber das wörtli wirt allein da gesetzt / da von der Gottheit geredt wirt / auff die der glaub sol gerichtet sein / als / Jn Gott den vatter / vnd inn Jesum Christum seinen Sun / vnnd inn den heiligen geist. Jnn den vbrigen stucken aber / da nit von der Gottheyt / sonder allein von den Creaturen vnnd den geheymnussen geredt wirt / da wirt das wörtli Jnn / nicht hinzuo gethon / dann es stadt nicht das man inn die heilig kirchen glauben sölle als inn Gott / sonder das da sey ein heilige kirchen / als die Gott versammlet hat. Also stadt auch das wir glauben söllind verzeihung der sünden / nit / inn die verzeihung der sünden. Jtem / vrstände [aufferstehung] deß fleischs / nitt / inn die vrstände [aufferstehung] deß fleischs. Vnnd wirt also mit disem kurtzen wörtli vnnd mit diser einigen silben Jnn/ der schöpffer von den geschöpfften entscheyden / vnd ein vnderscheyd gemachet zwüschend dem Göttlichen vnd menschlichen. Das schreibt Cyprianus.
S. Augustinus de fide & Symbolo setzt die wort auch also / Jch glauben ein heilige kirchen / vnd nit Jch glauben inn die heilig kirchen. So werdend auch seine wort die er schreibt ad Neophylos anzogen im Decret de Consecrat. Distinct. 4. cap. prima, die also lautend / Jch hab nicht gesagt / das jhr inn die kirchen als innXXXVI. / 36a
Gott glauben söltind / sonder also söllend jhr mich verston / das ich gesagt hab / das jr in der heiligen allgemeinen kirchen wandlen vnnd inn Gott glauben söllind.
Vnd der heilig Paschasius im ersten buoch de spiritu sancto am ersten Capitel spricht noch heiterer also / wir glaubend ein kirchen / als die ein muoter der widergeburt / wir glaubend aber nit in die kirchen / als ob die ein vrhab [vrsach] vnsers heils seye. Wer in die kirchen glaubt / der glaubt in menschen / dann der mensch / ist nicht von der kirchen hie / sonder die kirchen hat von menschen angefangen zuo sein. Darumb so fleüch die berednuß diser lesterung das du wöllest meinen / du söllest in einige creatur glauben / so man doch weder in Engel / noch auch in Ertzengel glauben sol. Also hat der groß vnuerstand etlicher leüten das wörtli / Jnn / dieweil es gleich in vorgendem artickel vnd sententz auch braucht wirt / inn den nachgenden auch gezogen / vnd one not vnfürsichtigklich hinein geflickt. Dises buoch deß heiligen Paschasij in dem das stat ist auch hoch gehalten worden vom Bapst Gregorio Magno. So spricht auch Thomas vonn Aquin de fide lib. 2. Par. 2. Artic. 9. quaest. i. Wenn man spricht / das man glaube in die heilig kirchen / so sol mans also verston / das der glaub gerichtet werde auff den heiligen geist / der die kirchen heiliget. Aber es ist besser vnnd weger / vnnd dem gemeinen brauch gemäßer / das man das wörtli Jnn / da nit brauche / sonder einfaltig sage / ein heilige allgemeine kirchen / wie auch der Bapst Leo sagt. Das schreibt diser Thomas von Aquin. Also hat ewer lieb vmb disen handel die meinung auch der alten leerern der kirchen / Cyprianj / Augustinj / Gregorij / Paschasij / Leonis des Bapsts / vnd Thome von Aquin / der vor vnlangen jaren geleert vnd gelept hat / darauß jr verstanden durch gründ die auß der heiligen geschrifft genommen sind / das man ein heilige allgemeine kirchen bekennen / aber nitt inn die heilig allgemein kirchen glauben sol. Nun müessend wir aber auch besehen / was das wörtli kirchen heisse / vnnd was die allgemein kirchen seye. Ecclesia das wir kirchen heissend / ist eigenlich ein gemeind vnd versamlung eins volcks gemeine sachen zuo hören / vnnd wie wirs hie brauchend / so heißt es ein hauffen / versammlung / gemeinschafft / vile / vnd gesellschafft deren die den nammen Christi bekennend. Catholisch aber / das ist allgemein / wirdt dise gesellschafft genent / darumb das sie sich außstreckt in alle ort vnd zeit. Dann alle heiligen vnnd glöubigen werdend einanderen vereinbaret / wie glider an einem leib / die alle ein haupt habend. Darumb so wirdt die gantz vile aller glöubigen / Ecclesia, das ist die kirchen genent. Dann die kirchen Christi ist nit eingespannen inn einen winckel der erden / (wie die Donatisten meintend sie were nur inn jhrem Aphrica / ) sonder sie streckt sich auß durch den gantzen vmbkreiß der erden vnnd inn alle zeyt / vnd begreifft alle glöubigen vom Adamen an / biß auff den letsten frommen / der do sein wirdt vor dem end der wält. Dise allgemein kirchen hatt aber vnd begreifft inn jhr die besonderbaren kirchen / als die kirch vnnd gemein Ade vnd der Patriarchen / die kirch vnnd gemeind Mosis vnnd der Propheten vor der zuokunfft Christi. Demnach auch die kirch vnnd gemeind Christi / die von der zuokunfft Christi also den nammen hatt. Jtem die Apostolisch gemeind vnnd kirchen / die im nammen Christi durch die leer der Apostlen ist besammlet worden. Jtem also die besonderen kirchen durch die stett vnnd land hinweg / als die kirchen vnnd gemeinden zuo Hierusalem / zuo Antiochia / zuo Alexandria / zuo Rom / Jn Asia / in Aphrica / in Europa / die kirch vnd gemeind gegen Auffgang / die kirch vnnd gemeind gegen Nidergang usw. Welche allsammen glich als glider eines leibs vnder dem einigenXXXVIv. / 36b
haupt Christo ( dann Christus ist allein das haupt seiner kirchen / nit nur deren die im himmel triumphiert / sonder auch deren die noch auff erden hieniden reiset ) ein einige allgemeine Christenliche kirchen machend / inn welcher keine jrthumb noch trennungen sind. Darumb sie auch orthodoxa / das ist rechtglöubig genent wirdt / von wegen das sie von der warheit recht haltet glaubt vnnd leert. Dann allein in der kirchen ist der war glaub / vnd ausser der kirchen Gottes ist kein warheit / vnd auch kein heil.
Da bekennend wir nun mit disem artickel / das alle glöubigen die durch die wält zerströwt sind / auch die / so ietz in himmlen sind / ja alle die so eintweders schon sälig sind / oder biß zum end der wält noch sälig werdend / ein leyb seyend / vnd gemeinschafft habind / eins theils mit Gott / anders theils auch sie vnder einanderen. Vnd dieweil aber niemand mit Gott vereinbaret werden mag / er seye dann auch heilig vnd rein / wie Gott heilig vnd rein ist / so bekennend wir das die kirch heilig sey / das ist geheiliget von Gott dem vatter in dem bluot seines Suns / durch die gab deß heiligen geists. Dessen wir vil zeügnuoßen gehört habend in vorgeenden predigen / darumb wir vns hie diser einigen vernüegen wöllend / die Paulus zun Ephesern schreibt mit disen worten / Christus hat geliebet die gemeind / vnd hat sich selbs für sie geben / auff das er sie heiligete / vnd hat sie gereiniget durch das wasserbad im wort / auff das er jm darstellete ein herrliche gemeind / die nit habe ein fläcken oder runtzel usw. Jnn welchen worten die kirch vnbefleckt vnd gantz rein genennt wirdt / vnd das aber / nit von jren selbs / sonder von Christi wegen. Dann also ist die kirch Christi heilig / das sie nicht dest minder täglich zuonimpt / vnd nimmer für sich selbs so lang sie auff erden läbt / gantz volkommen ist. Jnn Christo aber ist jhr heiligkeit gantz volkommen. Welchs Christus außtruckt mit dem schönen wort da er spricht / Welcher gewäschen ist / der darff nit dann das er die füeß wäsche / sonder er ist gar rein. Dann von Christi wegen / der vns mit seinem bluot wäscht vnnd reiniget / sind die glöubigen volkommenlich rein. Aber dieweil das fleisch dem geist widersträbt / so lang man hie auff erden läbt / so bedörffend die glöubigen das sie die füeß / das ist die nachleibscheten deß fleischs [daß noch vom fleisch in vns vbrig ist] / vnd die fläcken die auß täglicher gemeinschafft der wält an sie sprützend / für vnnd für mit geist vnnd glauben wäschend vnd wüschind. Was bedeütet aber das / das hinzuo gesetzt wirdt / gemeinsamme der heiligen ? / dise wort werden weder von Cypriano noch von Augustino gesetzt / noch auch von jnen außgelegt / darumb guot abzuonemmen ist / das sie hinzuo gethon seyend als ein außlegung deß vorgeenden / dann damit man sähe / was die allgemein kirch wäre / nemlich ein gesellschafft vnd versamlung der glöubigen / so ist hinzuogethon / gemeinsamme der heiligen / das ist / welche kirchen ist ein gemeinsamme der heiligen / heilig aber hat S. Paul genent die glöubigen / die durch das bluot Christi vnnd den geist Gottes geheiliget sind. So ist auch das wörtli gemeinsamme heiter / vnd hat vil trosts / dann eins theils so erinneret es vns / das ein gemeinschafft / das ist ein gesellschafft vnd theilhafftige seye zwüschend Gott vnd vns / ja ein gemeinschafft aller himlischen güeteren. Anders theils das wir auch gesellschafft vnnd gemeinschafft habend mit allen heiligen sie läbend dann im himmel oder noch auff erden / dann deren glider sind wir / vnder einem haupt / welches ist Christus. Von dem sagt der heilig apostel Joannes / das wir gesehen vnd gehört habend / das verkündend wir euch / auff das auch jhr gemeinschafft mit vns habind / vnd vnsere gemeinschafft sey mit dem vatter vnd seinem Sun Jesu Christo. Dahär auch dienet die schön gleichnuß vonn dem leib vnd den glideren vnder einem haupt / die S. Paulus weitleüffig tractiert. Wer kan aber dise fürtreffenliche gab vnnd guotthat Gottes gnuogsamlichXXXVII. / 37a
ermessen vnd außsprächen / das wir Gottes theylhafftig / vnd mit jm also jnnigklich vereinbaret sind / vnd gemeynschafft mit jm habend inn allen seinen himmlischen güeteren? Was ist lieblichers vnd fröudenreichers zuohören / dann das alle heiligen im himmel vnd auff erden vnsere brüeder sind / vnd wir jhre glider gesellen vnnd mitgenossen? Hochgelobt sey Gott der vns so reichlich in Christo gebenedeyet hat. Hie were aber nun auch von den Sacramenten zereden / das wirt aber ein andermal geschehen / wir wöllend auch von der kirchen hernach etwan weitleüffiger reden. Jetz aber so vil vnser fürnemmen belanget / wöllend wir vns dessen lassen vernüegen das gesagt ist / Dann hierinn gnuogsamlich außtruckt wirt die frucht deß glaubens inn den Vatter Sun vnnd heiligen geist / Namlich das wir gemeynschafft habind mitt Gott vnd allen heiligen / vnnd das wir inn diser gemeynschafft geheiliget werdind von aller befleckung diser welt / die wir yetz gereiniget vnd heilig sind in Christo vnseren Herren.
Auff dz volget der zehend artickel deß glaubens / Verzeihung der sünden. Jnn disem artickel wirt die ander frucht deß glaubens inn Gott den Vatter Sun vnd heiligen geist anzeigt / namlich die verzeihung der sünden / welche ob sie gleich wol auch im vorgenden artickel von der heiligung der kirchen begriffen ist worden / so wirt sie doch hie ettwas heitterer außtruckt / dann aussert der kirchen gleich wie aussert der Arch Noe ist kein heyl / aber inn der kirchen / inn der gemeynschafft Christi vnd der heiligen / ist volkomne verzeihung aller sünden. Vnnd damitt söllichs dest baß verstanden werde / so merck eüwer lieb dise stuck. Zum ersten / so ist von nöten das wir vns alle erkennind vnd bekennind sünder sein / vnnd das wir von natur / vnnd vnser eignen wercken halb / kinder deß zorns vnnd der verdammnuß sygind. Dann Sanct Johans nennt den nicht vergebenlich ein lugner / der da sagt er sey nit ein sünder. So hat vns auch der Herr / der allein der menschen hertzen erkennt / geheissen biß vff den letsten athemzug bätten / Verzeich vns vnser schuld. Wir habend auch im Euangelio zwey schöne exempel deren die jre sünd Gott dem Herren offentlich bekennt / namlichen deß verlornen suns / Vnd deß Zollers / oder offnen sünders (wie man jhn nent) im heiligen Euangelio Luce. Darumb wir das vor allen dingen wissen vnnd halten söllend / das wir alle sünder sind / wie Paulus auch söllichs leert vnd bezeüget zun Römeren am dritten capittel. Wir söllend auch dise vnsere sünden Gott frey heraußbekennen / wie Dauid Psal. xxxij[5]. vnd lj. da er spricht / Nach dem ich dir mein sünd offnet [öffnet] / vnd mein mißthat nicht verbarg / So bald ich sprach / ich wil mein überträttung dem Herren verjähen / von stund an hast du die schalckheyt meiner sünd verzigen. Jtem O Gott biß mir genädig nach deiner güete usw. wie dann der Psalm einem yeden kundt ist. Demnach so müessend wir glauben / das vns dise vnsere sünden verzigen vnd vergeben sygind von Gott. Aber nicht von wegen diser vnser erkanntnuß vnd bekanntnuß der sünden / sonder von wegen deß verdiensts vnd bluots deß Suns Gottes: Nicht von vnser wercken vnd verdienst wegen / sonder von wegen der waarheyt gnad vnnd barmhertzigkeyt Gottes. Darumb wir auch heitter sprächend / Jch glauben verzeihung der sünden. Wir sprächend nicht / Jch erkauffen / oder erlangen mitt gaaben oder verdiensten die verzeihung der sünden / sonder / Jch glauben verzeihung der sünden. So wirt auch durch das wörtli Verzeihung außtruckt / die gnadreich schenckung vnd vergebung / dann es ist ein abzogne red ]-] / oder ein gleichnuß / genommen von schuldneren / da der leiher dem schuldner nachlaßt so er jhn nicht zuo bezalen hat. Da ist die nachlassung ein freye schanckung. Wie auch der Herr im Euangelio die gleichnuß braucht / vnnd spricht / Es hatt einer zwen schuldner / da sie es aber nichtXXXVIIv. / 37b
hattend zuo bezalen / do schanckt ers beiden. Hieher gehört auch das stückli auß dem vatter vnser / da wir bittend / vergib vns vnsere schulden. Vnsere schulden sind die sünden / vmb die bittend wir das sie vns verzigen werdind. Daher dienend auch die wort deß heiligen Apostels Pauli / der da spricht / dem der mit werchen vmbgat / wirt der lon nit auß gnad zuogerechnet / sonder auß schuld / dem aber der nicht mit wercken vmbgat / glaubt aber in den der die gottlosen gerechtmachet / dem wirt sein glaub gerechnet zur gerechtigkeit / Nach welcher weyß auch Dauid sagt / das die säligkeit sey allein deß menschen / welchem Gott die gerechtigkeit zuorechnet ohn die werck da er spricht / Sälig sind die / welchen jhre vngerechtigkeiten vergeben / vnd welchen jhre sünd bedeckt sind / Sälig ist der man / welchem Gott kein sünd zuorechnet. Darumb so vil vns belanget / so verzeicht vns Gott vergebens vmb sonst auß gnaden / dieweil wir nicht habend damit wirs verdienind vnd vergältind. So vil aber sein gerechtigkeyt belanget / so werdend vns die sünden verzigen vonn wegen deß verdiensts / vnd der gnuogthüeung Christi.
Zum dritten / söllend wir aber auch wüssen / das nicht nur etlichen besonderen personen die sünden vergeben werdend / auch nicht nur denen so ie zuo diser oder jhener zeyt geläbt habend / deßgleichen auch nitt nur etliche sünd / etliche aber nitt / sonder das aller menschen sünd / zuo was zeyten die joch ye geläbt / oder was sünder es joch sigind / wie die jmmer mögind genent werden / es seye erbsünd / tödtliche sünd / frömbde sünd / das ja inn summa die sünden all vns vergeben werdind. Welchs wir also verston sollend / das daß einig opffer Christi gnuogsam sey zur verzeihung aller sünden / aller deren die mitt glauben eylend zuo dem waaren gnadenstuol. Dann wir eerend [lehren] hiemit nitt / das die menschen sünden söllind / darumb das der Herr für alle sünd schon gnuog thon hatt / sonder das so jemandt gesündet hette / das der nit verzweifle / sonder guote hoffnung habe / vnnd eyle zuo dem stuol der gnaden / Christo / namlich / dann Christus der jetz zuor gerechten deß vatters sitze / seye das lamb Gottes / das da hinnemme die sünd der wält. Darumb stadt auch so außtrucklich inn dem artickel / Jch glauben verzeihung der sünden / als von vilen / vnd nit / Jch glaub verzeihung der sünd / als nur von einer. Dann mit dem das wir sprechend / der sünden / da erkennend wir das vns Gott alle sünden verzeihe. Welches auch Paulus vilfaltig bezeüget. Rom. am dritten vnnd fünfften Capitel. Welche zeügnußen ich aber jetz wil stan lassen / vnnd mich allein deren benüegen die der heilig Apostel vnd Euangelist Johannes in seiner ersten epistel setzt / da er spricht / vnnd das bluot Jesu Christi deß Suns Gottes reiniget vnns vonn allen sünden. Da er nun spricht / von allen / da schleüßt er ye kein sünd auß / dann villeicht die / die auch der Herr selb außschleüßt / namlich die sünd inn den heiligen geist / für wölche er Johannes selbs auch nicht wil das man bitte. Jtem so spricht er weiter / So wir vnsere sünd bekennend / so ist er trew vnnd gerecht / dass er vnsere sünd verzeihe / vnnd reinige vns vonn aller vnser übertrettung. Da hatt er nicht gnuog mit dem das er gesprochen / das er vns vnsere sünd verzeihe / sonder das er den handel noch heiterer außtrucke vnnd erkläre / so setzt er darzuo / vnnd reinige vns vonn aller vnser überträttung. Da zuomercken ist / das er abermals spricht / von Aller überträttung. Dieweil aber sölichs jemand hette mögen lesteren vnnd sprächen / dise leer wirdt hinleßig vnd faul leüth machen / dann es wirdt ein yeder auff die gnad Gottes hin yetz wöllen sünden / so verantwortet Johannes söllichs gleich im anfang deß anderen Capitels vnnd spricht / Meine kinder / das schreib ich euch / auff das jhr nicht sündind / so aber jemandt gesündet hette / so habind wir einen fürsprächen bey dem vatter Jesum Christum den gerechten / Welcher ist dieXXXVIII. / 38a
versüenung für vnsere sünd / vnnd nicht allein für vnsere sünd / sonder für die sünd der gantzen welt. Darauß nun offenbar ist das durch den todt Christi allen glöubigen alle sünd vergeben werdind.
Zum vierten / so ist aber Gott allein der / der die sünd verzeicht. Dann dise ehr vnd der preiß ist allein Gottes / das er die sünd verzeihet / vnd auß vngerechten menschen gerechte machet. Darumb ob wol den menschen auch zuogeben wirt / das sie die sünd verzeihind / so ist doch söllichs allein zuo verstan dienstlicher weiß / so vil jren dienst belanget / nit das sie den gwalt selbs habind zuo verzeihen. Dann der diener verkündet dem glöubigen das jm seine sünd von Christi wegen verzigen sygind. Vnd das selb ist auch die waarheit / dann Gott verzeihet die sünd waarlich allen denen die da glaubend / wie der Herr spricht / Welchen jr die sünd vergeben werdend / denen werdend sie vergeben sein. Dises geschicht so offt das wort deß Euangelij verkündet wirt / das man deßhalb nicht darff ein oren beicht / vnd ein besondere absolutz [absolution] deß priesters auffzerichten / als ob die notwendig sey zur verzeihung der sünden. Dann die oren beicht ist weder vor der zuokunfft Christi bey den glöubigen im brauch gewesen / noch von den Apostlen hernach gebraucht worden / dann wir läsend niergend / das sie besonder beicht gehört / vnd besondere absolutzen [absolution] braucht habind in der kirchen Christi. Darumb so ist es gnuog das wir Gott als dem der vnsere hertzen allein sicht vnd bekennt vnd deßhalb der recht waar beichuatter ist vnsere sünd beichtind vnd bekennind. Es ist auch gnuog / wenn nach der leer S. Jacobs einer dem andern bekennt wo wir wider einanderen gehandlet vnd einandern erzürnet habend / vnd also ein andern vmb verzeihung bittend / vnd vns mit einandern widerumb versüenend. Es ist auch die [-] absolutz [absolution] gnuog / so wir das Euangelium hörend / dz vns durch Christum verheißt verzeihung der sünden so wir glaubind. Dem söllend wir glauben / vnd darnebend Gott bitten / dz er vns den glauben verleihen / vnd den selben alle zeit by vns meeren wölle. Dises ist by der ersten kirchen gnuogsam vnd krefftig gnuog gewesen applaß vnd volkomne verzeihung der sünden zuo erlangen. Darumb so ist es on zweifel auch noch auff den hüttigen tag gnuogsam vnd krefftig gnuog. Zum fünfften / so vergibt aber der Herr die sünden also / nit das sie nit mer sygind / vnd vns in vnserem fleisch nit mer anfächtind vnd växierind [-] / sonder also / das sie vns zur verdammnuß nit gerechnet werdend. Dann die begird hanget vnserem fleisch für vnd für an / bricht auß / vnnd streittet wider den guoten geist Gottes auch in den heiligen vnd glöubigen so lang wir auff erden läbend. Da ist nun von nöten das wir vil wachind / vil fastind / damitt wir dem fleisch die vrsachen vnnd anläß zuo sünden abschneidind / auch das wir vil bättind / vnnd Gott anrüeffind vmb hilff / das wir von dem bösen nicht überwunden werdind. So aber yemand inn der versuochung vnden läge / vnd von jhren überwunden wurde / der lasse sich den Teüffel darumb nicht gar verstricken / sonder stande wider auff durch reüwen vnd besserung / eyle zuo Christo / vnnd glaube das jhm auch diser fal vnd fäler von deß tods Christi wegen verzigen vnd vergeben sey. Vnd das thüee er so offt vnd dick er von der begird vnd sünd überwunden wirt. Dann dahar dienend alle ermanungen der heiligen Propheten vnd Apostlen / die allenthalben also die bekeerung zuo dem Herren leerend. Zuo letst / so verzeicht vns der Herr vnsere sünd / also / das er deren gar nit mer gedencken wil. Dann also hat ers vorgesagt durch den Propheten Jeremiam im xxxj.[34] Cap. Vnd er hat vns deßhalb nit nur die schuld / sonder auch die pein vnd straff der sünden nachgelassen. Dz er vns aber darnebend gemeinlich strafft / ja von der sünden wegen strafft vnd plaget / wie die geschrifft söllichs heiter anzeigt / dz geschicht nit darumb / das wir mit diser straff für vnsere begangne sünd gnuogthüegind. Dann also wurde der todt Christi eytel gemachet / sonder mit derXXXVIIIv. / 38b
straff züchtiget vns der Herr / vnd zeigt vns an wie übel jm die sünden mißfallend die wir begangen / vnd die er vns aber auß gnaden verzigen hat. Er stellt vns auch mit der straff / andern zum exempel für dz sie sich vor sünden hüetind. Er entnimpt vns auch selbs mit der straff vil anläßen der sünden / darzuo so bewärt vnd üebt er auch also mit dem creütz vnsere gedult usw. Das sey nun geredt von der verzeihung der sünden / von welcher auch doben inn der predig von der grechtmachung deß glaubens ist geredt worden / vnd auch sonst etwan weiter wirt geredt werden.
Der eilfft artickel deß glaubens lautet also / Vrstände [Aufferstehung] deß fleisches. Die zwen letsten artickel / diser namlich vnnd hernach der zwölfft / begreiffend mitt wenig worten die fürnemsten frucht deß glaubens / vnd die summ der gantzen volkommenheit / ja das end deß glaubens / namlich das ewig leben / vnd dz volkommen heil deß gantzen menschens. Dann der gantz mensch wirt sälig an leib vnd an seel / dann wie er an seel vnd leib verdorben was / also muoßt er auch an seel vnd an leib widerbracht werden / wie dann söllichs durch Christum geschehen ist. Die seel deß menschens ist wol ein geist vnd deßhalb vntödtlich / Aber der leib ist von der erden / darumb stirbt er vnd verfaulet. Darumb meynend vil / die leib verderbind gar / vnd werdind deßhalb weder inn fröud noch in pein kommen. Da bekennend wir aber hie mit disem artickel das widerspil / namlich das diser vnser leib vnd diß vnser fleisch wider aufferston werde / vnd eingon in das ewig leben. Von dem wörtli aber / Vrstände [Aufferstehung] / habend wir doben geredt inn der außlegung deß artickels. Am dritten tag wider aufferstanden von den todten. Aber das wörtli fleisch das wir hie brauchend truckt vil heiterer auß die vrstände [aufferstehung] diß vnsers fleischs / dann wenn wir sprächind / vrstände [Aufferstehung] deß leibs. Darumb schreibt auch der heilig Cyprianus / das man in etlichen Orientalischen kirchen den artickel also außgesprochen habe. Jch glauben vrstände [aufferstehung] disers fleisches. Dann auch Augustinus De Fide & Symbolo cap.10. schreibt / Man sol on allen zweifel glauben / das diß sichtbar fleisch / das da eigentlich fleisch heißt vnd genennt wirt / wider aufferston werde. Vnd der heilig Apostel Paulus zeyget als vil als mit dem finger darauff / da er spricht Dises verwäsenlich muoß anlegen das vnuerwäsenlich. Dann durch das wörtli Dises / zeiget er gleich als mit dem finger darauff. Das schreibt Augustinus. Vnd der heilig Hieronymus tringt Joannem den Bischoff zuo Hierusalem dahin / das er heitter bekenne nicht nur deß leibs sonder deß fleisches vrstände [aufferstehung] / vnd spricht vnder anderem / Es ist zweyerley fleisch vnd leib / Ein yedes fleisch ist ein leib aber nicht ein yegklicher leib ist fleisch. Fleisch ist eigentlich das von bluot / aderen / beinen vnd nernen [sennadern] an einanderen hanget / vnnd ob schon auch das fleisch ein leib genennt wirt / so wirt doch etwan ein himmlisch vnnd lufftig ding / das man weder sehen noch greiffen mag auch ein leib genennt / ob wol ein leib gemeynlich sichtbar vnd begreifflich ist. Ein wand ist wol ein leib / aber drum nit fleisch / usw. Das schreibt Hieronymus. Darumb söllend wir halten / wüssen vnd glauben / das eben die leib der menschen die von der erden genommen / vnnd die wir hie inn disem leben vmbhin tragend / inn denen wir lebend vnnd sträbend / die auch sterbend / zuo staub vnd äschen werdend / wider aufferston werdind. Hie möcht aber yemandt fragen / wie es müglich wär / das dises fleisch das zuo staub vnd äschen vnnd so gar zuo nüte wirt / widerumb inn dem vorigen wäsen / vnnd inn der vorigen gestallt aufferston wurde / vorauß so etlichs von den wilden thieren zerzerrt / etlichs gar vom feür verbrennt wirt / vnd man auch inn den greberen anders nichts findet dann ein dünns kleins stöubli? welche also fragend / denen zeig ich die allmächtigkeyt Gottes / Welche auch der heilig Apostel Paulus in diserem handel anzeücht da er spricht / Christus wirt vnseren jrrdischen leib vergstalten / vnd gleichförmig machen dem leib seinerXXXIX. / 39a
klarheyt / mitt der macht mitt deren er jhm mag alle ding vnderwürffig machen. Dann hatt Gott von anfang do noch gar kein mensch inn der welt was / mögen den menschen von der erden schaffen / so mag er auch freylich zum end der welt / den menschen von der erden wider aufferwecken / wenn er schon gleich wider zuo erden ist worden / von deren er genommen ist: wie er dann spricht / Erden bist vnnd zuo erden muost du wider werden. Darumb so spricht der Herr Christus heitter im Euangelio / Es wirt die zeit kommen / das alle die inn greberen sind / hören werdend die stimm deß Suns Gottes / vnnd werdend herfür gon / die da guots gethon habend zur aufferstäntnuß [aufferstehung] deß läbens / die aber übels gethon habend zur aufferständtnuß [aufferstehung] deß gerichts. Da hatt nun yetz der waar glaub die art / das er (wie der Apostel sagt ) nit zwiflet dann das der der es verheissen / es auch möge halten. Wir habend auch läbliche exempel / vnnd vil heittere zeügknussen der heiligen geschrifft vmb disen handel. Jonas wirt von dem Walfisch verschluckt im Syrischen Meer / vnd zuo erklärung der waren vrstände deß fleischs / am dritten tag läbendig wider auff die erden gegeben / auß dem Walfisch außhin. Darauß man sicht das es nit vnmüglich ist das inn der offenbarung Joannis stadt / das daß Meer wider außhin gebe die todten so darinnen sind. Vnnd hatt der gewallt deß fewrs den dreyen gesellen Daniels nit mögen schaden / habend auch die grimmige Löwen wider jr natur dem Daniel selb verschonet / Was solt es dann wunder sein / wenn schon auch yetz der gewalt deß fewrs / oder die grimmige der Thieren Gott nicht hinderen mag / so der seine geschöpfften aufferwecken wil? Hat nit vnser Herr Christus Lazarum der yetz vier tag im grab gelegen vnd stinckend was / von todten wider aufferweckt? Jtem hat nit er der Herr selbs den gewallt deß tods zerstört / vnnd ist am dritten tag widerumb von todten aufferstanden / ja eben mitt dem fleisch / mit der Substantz vnnd gestallt / wie er am creütz gehanget / vom creütz genommen vnd begraben was? Vnd inn disen Herren Christum / der der erstgeboren ist von den todten / söllend wir billich sehen allweg / so offt wir gedenckend / wie die vrstände [aufferstehung] vnsers fleischs sein werde. Dann wie das haupt aufferstanden ist / also werdend auch die glider wider aufferston / zwar nicht am dritten tag nach vnserem absterben / sonder an dem Jüngsten tag / nach vnnserer maß vnnd ordnung / doch mit disem vnserem waaren leib inn dem wir yetzundt lebend.
Darauff wöllend wir aber auch etliche zügknussen der heiligen gschrifft besehen von der vrstände [aufferstehung] vnsers fleisches. Job bekennt seinen glauben von der vrstände [aufferstehung] der todten / in seiner höchsten schwachheyt / bekümmernuß vnnd anfächtung / vnd spricht also / Jch weiß das mein erlöser läbt / vnd das ich auff den letsten tag wider von der erden aufferston wird / vnnd ich wird widerumb mit meiner haut überzogen werden / vnd in meinem fleisch Gott anschauwen / ja ich selber wird jn anschauwen / nit mit anderen / sonder mit disen meinen augen / ich vnnd kein anderer / Die hoffnung ist mir vorbehalten usw. Das ist ein so heittere zeügknuß das sie nicht weitterer außlegung vnd erklärung bedarff. Nit minders heittere kundtschafften finst / Esai. am xxvj[14.19.]. cap. Ezech. am xxxvij[1.14.. Jm fünfftzehenden Psalmen[Psal.16.10]. Matth. am xxv[31]. Joan. v.vj. vnd xj. cap[Joan.5.25.vnd 11.25]. Deßgleichen wirt im buoch der geschichten der Apostlen allenthalben der vrstände [aufferstehung] von todten gedacht. Vnd in der ersten zun Corintheren am fünfftzehenden capitel / disputiert Sanct Paulus nach der lenge daruon. Vnd in der andern Epistel am vierten Capitel spricht er / Wir die wir läbend / werdend jmmerdar inn todt gegeben vmb Jesu willen / auff das auch das läben Jesu offenbar werde / an vnserem stärblichen fleisch. Was köndt heitterers geredt werden / dann das daß leben Christi werde offenbar werden an vnserem stärblichen fleisch? dann er legtsXXXIXv. / 39b
gleich selb auß vnd spricht / wir wüssend das der den Herren Jesum hatt aufferweckt / vns auch aufferwecken wirt durch Jesum. Vnd im v. Capitel spricht er / wir müessend alle offenbar werden vor dem Richterstuol Christi / das ein yeglicher empfahe an seinem leyb / nach dem er gehandlet hatt / es seye guot oder böß. Darumb so werdend je vnsere waare leyb am tag deß gerichts wider aufferston.
Wie es aber mit der aufferstendtnuß [aufferstehung] werde zuogon / vnnd wie die leyb in der vrstende [aufferstehung] werdind werden / müessend wir auch besehen. Das merck aber ewer lieb also / Es wirt vnser Herr Jesus Christus am end der welt kommen zum gericht mit grosser Maiestet vnnd herrligkeit / vnnd welche der selbig tag noch inn disem leben begreifft / die werdend augenblicklich verwandlet werden / welche aber bißdar abgestorben sind / die werdend all vom ersten an biß auff den letsten / wider aufferston / vnnd inn jhrem eignen fleisch wider bekleidet vor dem Richterstuol Christi vnder den läbenden so jetz verwandlet sind ston / vnd also der letsten vrtheil warten. Welchs Paulus gar heiter außtruckt da er spricht /Sihe ich sag euch ein geheimnuß / wir werdend nit alle entschlaffen / wir werdend aber alle verwandlet werden in eim augenblick zur zeyt der letsten pusaunen. Dann die pusaunen wirt erschallen / vnd die todten werdend wider aufferston vnuerwäsenlich / vnnd wir werdend verwandlet werden / Dann dises verwäsenlich muoß anlegen das vnuerwäsenlich / vnd das sterblich / muoß anlegen die vnsterbligkeit. Auß welchen worten deß heiligen Apostels Pauli wir auch sehend / wie vnsere leichnam in der vrstende [aufferstehung] werden vnd sein werdind. Es werdend nicht andere leib sein / sonder eben dise vnsere leib die wir jetz habend / aber sie werdend aller zerbrüchlicheit / vnnd aller zergencklichen anfechtungen ledig sein. Dann es spricht Paulus / die todten werdend widerumb aufferston / Jtem wir werdend verwandlet werden. Deßgleichen so zeigt er deütlich gleich als mit dem finger auff dise vnsere leyb / die wir hie auff erden vmbhin tragend vnd spricht / Dises verwäsenlich / Dises sterblich / ja diser leyb wil er sagen / vnnd kein anderer (wie auch Job redt) wirdt wider aufferstan. Er wirt aber jetz vnuerwäsenlich aufferston / der vor verwäsenlich was / er wirt aufferstan vntödtlich / der vor sterblich vnnd tödtlich was. Also wirt vnser leib endtlediget werden / vonn allen bösen vnnd leydenhafften anfechtungen [neigungen] / vnnd vonn aller zergengligkeit. Darnebend wirdt er aber sein Substantz vnnd wäsen auch die gestalt deß leybs nit verlieren / oder zuo eim geist werden. Dann er wirdt wol ein geistlicher / herrlicher vnnd clarificierter leyb genennt / Aber allein von wegen der seüberung vnnd hinlegung aller zerstörligkeyt. Darumb spricht Paulus zun Philippensern am driten Capittel[20]. Vnser burgerschafft oder gemeinschafft ist inn himmlen / vonn dannen wir auch wartend deß Heilands Jesu Christi / welcher vnnseren jrrdischen leyb vergstallten wirdt / vnd gleichförmig machen dem leyb seiner klarheit. Da merck das er vnsere vrstende [aufferstehung] vonn todten nicht nent ein transsubstantiation, [-] das ist ein verenderung deß wäsens / auch nicht ein annihilation das ist außleerung vnnd vernütung [-] / sonder ein transfiguration, das ist ein vergstaltung vnsers leybs. Darnach aber dz er außtrucke wie der vergstaltet leib sein werde / so nent er jhn ein leyb der herrligkeit / oder klarheit / spricht nit / das er kein form oder gestalt mehr werde haben / sonder das er mit herrligkeit vnnd klarheit werde begabet werden. Vnd stelt vns deß zum exempel für / den leyb vnsers Herren Jesu / vnd zeigt bey dem an / wie vnsere leyb in der herrligkeit vnd klaarheit sein werdind /XL. / 40a
dann er spricht außtruckenlich / er wirt vnseren leyb gleichförmig machen dem leyb seiner klaarheyt. Darumb so wöllend wir besehen / was vnser Herr Jesus Christus für ein leib gehebt heyge nach seiner vrstände [aufferstehung] . Sein leib was nit inn einen geist verwandlet / oder verschwunden vnnd zuo nichts worden / oder den man nicht mehr bekennen könnte / als der kein form vnd gestallt mer hette. Dann er zeyget seine händ vnnd seine füeß / vnnd daran seine wunden / die er noch hat von den neglen deß creützes / vnnd sprach / Sehend das ichs selbs bin / vnnd eben den leyb wider hab / in dem ich am creütz gehanget bin. Vnnd das ers noch heitterer außtruckte / vnnd zuo verston gebe / das sein leib yetz nicht ein geist wäre / so spricht er / Ein geist hatt nicht fleisch vnnd beyn / wie jhr sehend das ich hab. Deßhalb so hatt ein clarificierter [verklärter] leib auch fleisch vnnd beyn / vnnd keine andere glider / dann eben die / die er gehebt hatt / eb er clarificiert [ehe denn er verkläret] ist worden. Darumb ließ auch der Herr den heiligen Thoman sein seyten vnnd die fünff wunden mäler greiffen vnd anrüeren / damit niemand zweiflen möchte / sein waaren leib wider aufferstanden sein. Darumb aß er auch vnd tranck mitt seinen Jüngeren / Wie Sanct Peter vor dem Cornelio zeüget inn geschichten der Apostlen / damitt ein yeder sehe / das eben der leib wider von todten aufferstanden wäre der gefallen das ist gestorben was.
Vnd wiewol aber diser leib / wie gemäldet / ein waarer leib ist / mit eim gwüssen ort vmbzilet / vnd nit allenthalben zuomal / oder in alle ort außgespreitet / vnd auch sein glidmaaß / sein form vnnd gestallt / sein schwäre / sein geschlecht es sey man oder weyb / vnd sein natur hat / so ist er doch ledig alles leidens / aller zergenckligkeyt vnd schwachheyt. Dann der leyb deß Herren / als er yetz von todten aufferstanden / was nicht mer im grab / sonder in dem garten / Vnnd wie die weyber kamend vnnd jhn woltend salben / vnnd yetz vom grab wider zur Statt giengend / begegnet er jhnen auff dem wäg. Jtem von der Magdalena ward er gesehen im garten / Mitt den zweyen die gehn Emaus giengend / gieng er auch. Vnd dieweil er bey disen was mit seinem leib / was er nicht anderßwo bey anderen. Vnd wie die zwen wider gehn Hierusalem zuo den eilffen kamend / kam auch der Herr auff den abend zuo jhnen. Jtem so gieng er vor seinen Jüngeren hin inn Galileam. Bald kam er wider inn Judeam / da er dann von dem ölberg auff ward genommen gehn himmel. Mitt welchem allem sammen die waarheyt deß leibs Christi bewärt wirt. Dieweil aber dise leib von denen yetz geredt ist worden (die für sich selbs waare leib sind / jrs geschlechts / jhrer orten / jhrer art / gestallt vnnd natur) clarificierte herrliche vnd verklärte leib genennt werdend / so muoß ich auch ettwas reden von der glori / verklärung vnd herrligkeyt / die do kommen wirt zuo der waaren form vnnd zuo der substantz diser aufferweckten leichnammen [cörper].
Erstlich so wirt das wörtli glori oder verklärung hierinn braucht vnd verstanden für ein liecht / glantz vnd klarheit. Dann also sagt auch Paulus von den kinderen Jsraels / das sie nitt habind mögen ansehen das angesicht Mosis / von wegen der glori oder klaarheit seines angesichts / Also wirt auch der aufferweckt leib klar sein vnd leüchten. Dessen hat auch vnser Herr Jesus Christus ein anzeigung geben vor seiner vrstände [aufferstehung] / do er etlich seiner Jüngeren mit jm nam auff einen hohen berg / vnd sie da etlicher maß ein versuoch ließ sehen der künfftigen glori vnnd klarheyt / Dann er ward vor jhnen vergstaltet / also das die gestalt seines angesichts leüchtet wie die Sonn / vnnd seine kleyder weiß wurdend vnnd glantzetend wie ein liecht. Da behielt er die Substantz seines waaren leybs / behielt auch alle seine glider / die wurdend aber vergstaltet / das also die vergstaltung allein inn zuofelligen dingen geschähen ist / nicht inn enderung der Substantz / dann die Substantz vnd form seinsXlv. / 41b
angesichts vnd leibs bleib / Es kam aber ein glantz vnd schein darzuo / Also das sein angesicht vnd sein gantzer leyb glastet [gläntzte] vnd leüchtet wie die Sunn vnd wie ein liecht. Vnd wiewol man von dem leib deß Herren als er von todten aufferstanden nit lißt / das er die viertzig tag / Jn welchen er sich seinen jüngeren offenbaret hatt / also geleüchtet vnd glantzet habe / so ist doch sölichs auß besonderer ordnung Gottes von der jüngeren wegen geschehen / gleich wie auch das / das er mit seinen jüngeren gessen hatt / da aber die clarificierten leib sonst der narung vnd speiß nit bedörffend. Jetzund aber so leüchtet er also im himmel / wie Sanct Johanns sölichs in seiner offenbarung am j. Cap.[10] zeüget. Das aber auch vnsere leib in der vrstende [aufferstehung] also clarificiert werdind / das bezeüget vnns die heilig geschrifft gar heiter / das wir daran nit zwyflend / dann im Euangelio redt der Herr auß dem Propheten Daniel von dem tag deß gerichts also / Denn werdend die gerechten leüchten wie die Sunn in dem reich jres vatters. Darumb werdend die aufferweckten leib clarificierte oder verklärte leib genent / von wegen der clarheit deß himmelischen liechts / mit dem sie erleüchtet vmbgeben vnd geziert werdend.
Darnach wirt das wörtli glori entgegen gesetzt der Nidrigkeit / vnd genommen für die herrligkeit / wie dann Paulus spricht / Er wirt vergstalten vnseren jrdischen oder nidrigen leib / vnd gleichförmig machen / dem leib seiner glori oder herrligkeit / da werdend nidrikeit vnd herrligkeit gegen ein anderen gesetzt / vnd wirt durch die nidrigkeit verstanden / alle arbendtseligkeit vnnd ellendigkeit / alle schwachheit / alles leyden vnnd anfechtungen / die vnserem leib von wegen der sünd anhangend vnd auffgelegt sind. Von denen allen werdend vnsere leib in der vrstende [aufferstehung] deß läbens entlediget werden / dz also die herrlichen vnd clarificierten leib söliche leib sind / die aller zerbrüchlikeit / alles leydens vnd aller schwacheit entladen / dargegen aber mit jmmerwerende vnd himmelischen sinnen vnnd herrligkeit begabet sind. Dann S. Paul spricht. Es wirt gesäyet verwäsenlich vnd wirt aufferston vnuerwäsenlich. Es wirt gesäyet in der vneer / vnd wirt aufferston in der herrlikeit. Es wirt gesäyet in der schwachheit vnd wirt aufferston in der krafft. Es wirt gesäyet ein natürlicher leib vnd wirt aufferston ein geistlicher leib. Deßhalb so werdend die herrliche vnd clarificierten leib gantz fürtreffenlich sein in vilerley gaben vnd güeteren / in vnzerbrüchlikeit / in herrligkeit / krafft / vnd läblichem geist. Dann S. Paul erleüteret sich selb vnd zeigt an was er durch den natürlichen vnd durch den geistlichen leib verstande / vnd setzt deßhalb drauff / Es ist ein natürlicher leib vnd ist ein geistlicher leib / wie geschriben stadt / Der erst mensch Adam ist erschaffen zuo einer läbendigen seel / vnd der letst mensch zuo einem läbendmachenden geist. Jtem noch heiterer. Aber der geistlich leib ist nit der erst / sonder der natürlich / darnach der geistlich. Der erst mensch ist von der erden irdisch / der ander mensch ist der Herr vom himmel / wie der jrdisch ist / also sind auch die jrdischen / vnd wie der himmlisch ist also sind auch die himmelischen / vnnd wie wir getragen habend das bild deß jrdischen / Also werdend wir auch tragen das bild deß himmelischen. Da nennet Paulus den natürlichen leib disen jrdischen leib den wir habend von vnserem vatter Adam / der von der seel sein tucht [-] läben krafft vnd wachsen hatt / den geistlichen aber / nent er den himmlischen leib / den wir von Christo vnd nach der gleichnuß deß leibs Christi habend / welcher ob er wol ein waarer leib vnd waar fleisch ist / so wirt er doch durch den geist Christi läbendig gemachet vnd erhalten / vnnd bedarff keiner tucht [-] / krafft vnd würckung der läblichen erfrischenden seel. Darumb wiewol dise vnsere leib vnd dise glider die wir jetz habend / nach der vrstende [aufferstehung] im himmel sein werdend / so werdend sie doch keine fleischliche vnnd zerstörliche sinn oder anfechtungen [neigungen] haben / es wirdt auch kein fleischlicher brauch mehr deß leibs vnd der glideren sein / welchs der Herr im Euangelio den Sadduceeren anzeigt /XLI. / 41a
die da fürwurffend / ob man auch im himmel zur Ee greiffen wurde damit sie dann die vrstende [aufferstehung] der lyben zwyflig [in zweiffel stellen] vnd verdechtig machen woltend. Do sprach er / Die kinder diser wällt die mannend vnd wybend / welche aber wirdig sein werdend jhene wält zuo erlangen / vnnd die aufferstentnuß [aufferstehung] von den todten / die werdend weder mannen noch wyben / dann sie mögend hinfür nit sterben / dann sie sind den englen gleich / vnnd Gottes kinder / dieweil sie kinder sind der aufferstentnuß [aufferstehung]. Also sagt auch Paulus / fleisch vnd bluot mögend das reich Gottes nitt ererben. Welches / damit es niemand von der substantz deß fleisches verstüende / so setzt er gleich drauff / Auch wirt das verwäsenlich nicht erben das vnuerwäsenlich. Darumb bluot vnd fleisch / das ist die fleischlichen anfechtungen [neigungen] vnd begirden werdend nit sein in den außerwelten im himmel. Dann die himmlisch fröud ist vil ein andere fröud / dann ein jrdische fröud / vnd hatt gar ein andere natur. Deßhalb sie söliche zerstörliche erben nit zuolaßt. Darumb müessend die zerstörlichen leib vorhin gereiniget / geseüberet vnd clarificiert werden / von aller vnreinigkeit vnd zerbrüchligkeit. Vnd jrrend deßhalb die Türcken / die neißwan auff vil jrdischer fröuden hoffend.
Darbey aber / so werdend auch der Gottlosen vnd vnglöubigen leib widerumb aufferston / dann Paulus spricht im buoch der geschichten der Apostlen / Jch glaub allem das geschriben stadt im gesatzt vnd in den Propheten / vnd hab die hoffnung zuo Gott / auff welche auch sie selbs wartend / namlich das zuokünfftig seye die aufferstentnuß der todten / der gerechten vnd vngerechten. Da nennet er je heiter auch die vngerechten. Aber es wirt die schwacheit / schmach / arbendseligkeit vnd ellendigkeit durch die vrstende von jren leiben nicht genommen werden / sonder es werdend jre lyb in schmach vnd schand aufferston / vnd durch das gericht vnd die krafft Gottes darinnen behalten vnd bestetiget werden / Ja sie werdend zuor ewigen pyn jmmerwerend / zuo ewigen todt vntödtlich / zur zerbrüchlikeit vnzerbrüchlich gemacht werden. Das / wie man sonst auff erden etliche ding fint / die vom feür nit mögend verzert werden / sonder darin bleibend / also werdend auch die verflüechten lyb der vnglöubigen nit verschlissen noch verzeert mögen werden durch kein pein vnd not / sonder werdend jmmerdar neüwe krafft empfahen zuo leiden / vnd werdend also jr wol verdienete straff leyden in ewigkeit vnentlich. Dann auch der Herr im Euangelio spricht . Die böses gethon habend werdend wider aufferston zur vrstende [aufferstehung] deß gerichts / das ist / zuo jmmerwerender vnd beharrlicher verdammnuß. Also hat auch Daniel vorhin gesagt. Vil auß denen die im staub der erden schlaffend / werdend erwachen / etliche zum ewigen leben / etliche aber zuo ewiger schmach vnd verdrutz [schande] So spricht auch der Herr Christus im Euangelio wyter / Jr wurm wirt nit sterben / vnd jr für nit erlöschen / welchen spruch auch Esaias vorhin brucht im lxvj. ca.[24] Darumb wir allweg auch disem spruch deß Herren in vnseren hertzen haben söllend / da er spricht / förchtend den / der da vermag leyb vnd seel in der hell verderben. Das seye nun geredt von dem artickel der vrstende [aufferstehung] deß fleischs. Der letst artickel vnsers glaubens / der es alles säligklich endet vnnd beschleüßt ist diser. Vnd ewigs leben. Vorhin habend wir gehört vnnd verstanden / das die seelen der menschen vntödtlich sind / das auch die lyb am end der wält wider aufferston werdind / vnd habend bekennt das wir sölichs glaubind. Nun volget zuom end deß glaubens / wo vnsere vndötliche seel vnd auch der lyb so der aufferweckt wirt / hin kommen werdind. Da sprechend wir / vnnd ein ewigs läben. Verstand allweg. Jch glauben / das ich ein ewigs läben erlangen werde. Ewig aber ist / das immerwärend vnd ohn end ist / wie vorhin auß heiteren zeügnußen der geschrifft erklärt ist.Dises ewigen läbens aber werdend die seelen genoß vnd theilhafft so bald sie von den lychnammen abscheidend / wie der Herr selb zeüget / da er spricht / wer in den
XLIv. / 41b
Sun Gottes glaubt / der wirt inn kein vrtheil kommen / sonder ist durchtrungen vom todt inns läben. Die leichnam werdend begraben vnnd verfulend. Denn zuo mal werdend sie aber auch in das ewig leben genommen werden / so sie auff den tag deß gerichts aufferweckt Christo entgegen inn die lüfft gezuckt werdend / damit sie allweg bey dem Herren seyend. Dann zur selben zeyt werdend die seelen von himmel widerumb zuo jhren leiben kommen / damit als dann der gantz mensch an leib vnnd seel inn ewigkeyt läbe. Also ist auch die seel Christi deß Herren / als er am creütz verscheiden / von stund an / inn das Paradys genommen worden / vnd am dritten tag ist sie widerumb zuo dem leib kommen / welcher aufferstanden vnd gen himmel gefaren ist / also wirdt es auch widerfaren allen vnd jeden seinen glideren.
Dieweil aber Paulus auß dem Propheten Esaia sagt / das kein aug gesehen habe vnd kein ohr gehört / vnnd das es inn keines menschen hertz gestigen seye / das Gott bereitet habe denen die jhn liebend / so achten ich / das wenn schon daruon geredt wurde alles das / das alle zungen vnd alle menschen die je auff erden geläpt / daruon hettend mögen reden vnd sagen / das doch das wenigist nit daruon möchte recht vnd gnuogsam angezeigt werden. Dann ob vns gleich die heilige geschrifft zum theil durch heitere zum theyl aber durch figürliche reden / Jtem durch anmassungen anbildungen vnnd räterschen [rätzel] das ewig leben vnd die fröud desselbigen fürgestellt / so ist es doch alles klein vnnd gering gegen dem / so der tag kommen wirt / da wir Gott den schöpffer aller dingen selb inn seiner herrligkeyt / Christum vnseren heiland inn seiner Maiestet / deßgleichen alle sälige geister / vnd engel / alle Patriarchen / Propheten / Apostel vnd marterer / vnsere vätter vnnd alle menschen / alle himmlische heerzeüg / auch alle göttliche vnd himmlische glori vnd herrligkeit / mit vnaußsprechlichen fröuden sehen werdend. Darumb redt der heilig Augustinus waar vnd recht de ciuitate dei im xxij. buoch am xxix. Cap. So man mich fraget wz die säligen handlen oder thuon werdind in disem geistlichen leib / so wird ich nicht sagen das ich jetzund sych [sehe] / sonder das / das ich glauben / vnnd sagen deßhalb / das sie Gott sähen werdind inn disem leib. Vnnd weiter spricht er / was aber das für ein ruow vnd muoß sein werde / wenn ich die warheit reden sol / so weiß ichs nitt vnd könte es nit sagen / dann der friden Gottes vbertrifft allen verstand. Jn summa / wir werdend Gott selbs sehen von angesicht zuo angesicht / vnd werdend jhn loben inn ewigkeit / vnd vns inn der fröud Gottes ersettigen ohn allen verdruß. Das angesicht Gottes aber ist nit ein sölichs angesicht wie wir angesicht habend / sonder ein fröudreiche eroffnung [eröffnung] vnd niessung Gottes / die kein menschen zung gnuogsam außsprechen mag. Darumb lieben brüeder vnd schwösteren lassend vns also glauben vnnd leben / das so wir auß diser zeyt abscheidend / an vns selbs erfarind die vnaußsprechlichen fröuden deß zuokünfftigen vnd ewigen läbens / welche wir jetzund glaubend. Also hatt ewer lieb nun inn disen vier letsten articklen verstanden vnnd gehört welches die frucht vnd das end seye / deß waaren Christlichen glaubens. Der glaub ist gerichtet auff einen Gott / den vatter / Sun / vnnd heiligen geist / welcher die glöubigen heiliget / reiniget / vnd jhm eignet zuo einer kirchen vnnd gemein die da gemeinschafft hatt mit Gott vnd allen außerwelten. Diser kirchen verzeicht Gott alle sünd / die macht er sälig an leyb vnnd an seel. Dann wie die seelen vnsterblich sind für sich selbs / also wirt auch Gott die leyb der glöubigen wider erwecken / herrlich vnnd ewig machen / das also der gantz mensch ewigklich bey Gott in himmlen wone. Jm sey lob vnnd ehr inn ewigkeyt. AMEN.
XLII. / 42a
10.Pr.Die Zehende Predig
Von der liebe Gottes vnnd deß nächsten.
NAch dem vnd ich yetzund ettliche predgenen dahar geredt hab von dem waaren glauben / so wil ich auff dißmal auch etwas reden von der liebe Gottes vnd deß nechsten. Dann doben in der vierten predig hab ich verheissen das ich nach der handlung deß glaubens auch hieuon etwas reden wölle / dieweil die außlegung der geschrifft von der regel deß glaubens vnd der liebe nit abweichen sol. Wie jr aber bißhar Gott angerüefft vnd gebätten habend / also wöllind auch fürhin thuon / damitt dise heylsamme leer von mir recht fürtragen / vnd von eüch mit vil frucht auffgenommen werde.
Anfäncklich aber wil ich kein vnderscheyd machen / zwüschend denen beyden wörtlinen Charitas vnnd Dilectio, sonder sie beyde für eins nemmen / dann sie auch beyde ein ding heissend / namlich liebe. Was aber die liebe sey / dauon sagt der heilig Augustinus de Doctrina Christiana also: Jch nennen die liebe spricht er / Ein bewegnuß deß gemüets / zuo lieben Gott von seinen selbs / vnnd sich selbs vnd den nechsten von Gottes wegen. Also sprich ich nun auch / das die liebe sey ein gaab die dem menschen von himmel herab geben / dadurch er Gott vor allen dingen vnnd über alle ding von hertzen liebet / vnd seinen nechsten als sich selbs. Darumb so hat die liebe jhren vrsprung von himmel herab / dadannen [von dannen] sie inn vnsere hertzen gegossen wirt. Die selbig nimpt aber zuo / vnnd wachßt durch erinnerung vnnd betrachtung der wolthatten Gottes / Jtem durch gebätt / vnnd zuohören vnnd üeben deß worts Gottes / welches auch alles selbs gaaben Gottes sind. Darumb spricht Sanct Paul / die liebe Gottes ist außgegossen inn vnsere hertzen durch den heiligen geist / welcher vns gegeben ist. Dann die liebe Gottes / mitt welcher er vns liebet / ist der grund vnd vrsach der liebe mitt welcher wir Gott widerumb liebend. Vnnd auß disen beyden fleüßt dann auch die liebe deß nechsten / Wie Joannes der Apostel sagt / Wir liebend jhn / dann er hat vns zum ersten geliebet. Jtem / welcher den liebet der geboren hat / der liebet auch den der von jm geboren ist. Darauß wir nun auch weitter abnemmend / das die gaab der liebe vnzertrennt / vnd doch auch zwifalt oder zweyerley ist / dann wer Gott waarlich liebet / der hasset seinen nechsten nit. Doch dieweil die liebe auff Gott vnd auch auff den nechsten gerichtet ist / so ist sie zwifalt. Darumb sind auch der Taflen deß gesatzs Gottes zwo / deren die ein die vier gebott / die Gottes liebe beträffend begreifft / die ander / die sechs vberigen gebott / darinn die liebe deß nechsten vergriffen ist / von welchem hiernach wirt geredt werden an seinem ort. Dieweil nun also zweyerley liebe ist / namlich Gottes vnd deß nechsten / so wil ich zum ersten von der liebe Gottes / vnd demnach auch von der liebe deß nechsten reden / dann inn disen zweyen gebotten / spricht der Herr / hanget das gantz gsatzt vnd alle Propheten. Mit der liebe Gottes liebend wir Gott / hangend Gott an als dem einigen ewigen vnd höchsten guot / belustigend vnd fröwend vns in jm / sind gantz auff jn gelassen / fleissend vns gäntzlich seines willens / vnd sehend in allen dingen allein vff jn vnsern geliebten Gott. Jn welchen worten vil begriffen wirt / das wir nun etwas weitlöuffiger erklären wöllend. Erstlich so liebend wir Gott mit der liebe / wir liebend aber nichts dann was vns lieblich vnd anmüetig ist / vnd das liebend wir nicht nur von vnsers nutzes wegen sonder vil mer von wegen / das wir ein begird habend bey dem zuo sein / vnnd vns gar vnnd gantz zuo ergeben an das / das wir liebend. Also sind wir durch die liebe begirig bey Gott zuo sein /XLIIv. / 42b
vnd werdend auch durch die liebe Gott zuogethon vnd vereinbaret / wie S. Johans sagt / Gott ist die liebe vnd wär in der liebe bleibt der bleibt inn Gott vnd Gott in jhm. Darnach so hangend wir auch Gott also an / als dem einigen ewigen vnd höchsten guot / in welchem wir vns von hertzen belustigend vnd erfröwend. Auff jn sind wir auch gelassen vnd ergeben / dann wir wüssend das außert jhm kein guot ist / vnd aber dargegen in jm alles guot funden wirt. Darumb liebend wir außert Gott kein anders guot / sonder vil mehr so verachtend vnd vernütend wir alles ander das in der wält möcht guot genent werden / von wegen deß einigen vnd geliebten guots. Ja es vberwindet auch in vns die liebe Gottes / alles das vbel das man sonst für vnüberwintlich achtet / wie Paulus sölichs mit grossem geist meldet vnnd anzeigt Rom. viij[35]. Da er also spricht / wer wil vns scheiden von der liebe Gottes inn Christo Jesu / trüebsal? angst? verfolgung? hunger? blöße? gefärligkeit oder schwärt? wie geschriben stat vmb deinetwillen werdend wir getödtet den gantzen tag / wir sind gerechnet wie die schlachtschaff. Aber in dem allem vberwindend wir vmb deß willen der vns geliebet hatt. Dann ich bin gewüß / das weder tod noch läben / noch engel / noch fürstenthumb / noch gewalt / noch gegenwirtigs noch zuokünfftigs noch hochs / noch tieffs / noch kein andere creatur vns scheiden mag von der liebe Gottes / die in Christo Jesu ist vnserem Herren / das sind alles wort S. Pauli.
Zuo dem allem ( wie gemeldet ) so machet auch die liebe Gottes / das wir vns gantz vnd gar nach dessen willen vnd gefallen richtend / den wir also von hertzen liebend. Darumb ist einem der Gott liebet / nichts lieblichers vnnd lustigers / dann das thuon / das er weißt seinem Gott wolgefellig sein. Darzuo so hatt auch dz gemüet deß liebhabenden ein stäts auffsehen auff den den es liebet / Es wendet seine augen nicht von jhm / hatt in allen dingen allweg allein ein begierd nach jhm. Also hatt auch der der Gott liebet / ein lust vnd fröud offt mit Gott zuo reden / vnd dargegen auch zuo hören die wort Gottes / die er mit vns redt inn der heiligen geschrifft. Dann also sagt der Herr im Euangelio / wer mich liebet / der wirt mein wort halten / wer mich nit liebet / der haltet mein wort nit. Jtem / Bleibend in meiner liebe / So jr meine gebott haltend / so bleibend jhr in meiner liebe / gleich wie ich meines vatters gebott gehalten hab / vnd bleib in seiner liebe. Jtem weiter spricht er / wer mich liebet / der wirt mein wort halten / vnnd mein vatter wirdt jhn lieben / vnd wir werdend zuo jm kommen / vnd wonung bey jm machen usw. Nun wöllend wir auch besehen auß Mose / wie man Gott lieben müeße / vnd wie groß die liebe bey den außerwelten sein sölle / dann er erleüteret vnnd leert söllichs gar fein da er spricht / du solt lieben den Herren deinen Gott von gantzem deinem hertzen / von gantzer deiner seel / vnnd vonn allen deinen krefften. Welche wort auch vom Herren Christo im Euangelio wider gäferet [widerholet] werdend / da er spricht / du solt lieben den Herren deinen Gott von gantzem deinem hertzen / vnd von gantzer deiner seel / von allen deinen krefften / vnd von gantzem deinem gemüet. Darauß wir sehend das Gott zuo lieben die aller höchst liebe von vns erforderet wirdt / dann darzuo wirt erforderet der gantz mensch mit allem dem dz er ist vnnd hatt. Dann in dem gemüet stat der verstand deß menschen / Jm hertzen ist der will mit allen begirden vnd anfechtungen [neigungen]. Die krefft deß menschen sind / alles dz er vermag / mit worten / wercken / rath vnd that / hab vnd reichtumb / vnd allem das er hatt / So ist das läben in der seel. Das wirt aber alles vonn vns erforderet / das wir es anwendind an die liebe Gottes / da vns gebotten wirdt das wir Gott lieben söllind vonn gantzer seel / vonn allen krefften / auß gantzem gemüet vnd hertzen. Da ist nun nützit außgelassen / dz da nit vergriffen sey. Dann wir sind ie gantz vnnd überal Gottes / so wir deßhalb auchXLIII. / 43a
Gott gentzlich lieben Vnnd nichts sol vns in der wält liebers sein / dan Gott / nichts sol vns so lieb theür vnd werd sein in allem das wir habend vnnd besitzend / dem wir vonn Gottes wegen wölltind verschonen / das wir nit gern von Gottes wegen nach Gottes geheiß vnd befelch wöllind außgeben / verschetzen [-] / verlassen vnd verlieren. Dann das heißt Gott vor vnnd vber alle ding lieben. Es wirt auch erforderet das wir jhm allein anhangind / jn allein liebind / denn billich ist es / das wir von hertzen gentzlich vnnd volkommenlich alles das wir habend / wendind vnd streckind an sein liebe / dieweil wir nützit sind vnnd habend / dann das wir von jm sind vnd habend. Vnd da werdend nun verdampt / alle / die Gott wöllend lieben / vnnd aber darnebend auch die welt. Gott erforderet das gantz hertz / das gantz gemüet / die gantze seel vnnd alle krefft / ja alles das wir sind vnd habend / vnd laßt vns deßhalb nichts überigs / dz wir an andere verwendind. Wie wilt du dann deinem fleisch / dem Teüffel / anderen Götteren vnd der wält anhencken / das / daß allein Gottes eigenthuomb ist? Gott ist allein der höchst / ewig / grössist / gewaltigest / schöpffer / erlöser vnnd behalter / Er ist der aller gnedigest / der aller gerechtist / der aller best. Er hat ye vnnd ye allein geben / gibt auch noch für vnd für / vnnd wil auch fürohin geben den menschen alles das jnen dienet zuo auffenthalt deß leibs vnd der seelen. Er allein ist vnnd thuot gnuog dem menschen zuo allem dem das zuo eim guoten vnd säligen leben dienet. Darumb sol man jhn auch billich allein lieb haben / ja lieb haben für vnnd vber alle andere ding. Vnd dise liebe Gottes segnet auch alles das dem menschen zuofallt vnd begegnet / Also / das es jnen alles zuo guotem dienet / wie Paulus sagt / Denen die Gott liebend dienend alle ding zuo guotem. Dise liebe Gottes erforderet auch das / daß wir sonst niemand anbättind / verehrind / fürchtind / anrüeffind / gehorsamind noch anhangind / dann allein dem einigen Gott / dem aller preiß / alle glori vnd ehr allein zuogehört. Das seye nun von dem.
Ehe dann wir von der liebe deß nechsten redind / so ist von nöten das wir vor allen dingen besehind wer der nechst seye / dann etliche stossend sich [-] / vnd habend ein zweiffel vnd mißuerstand hierinn. Etlich haltend die bluotsuerwanten allein für die nechsten. Andere dann die / die jhnen guots gethon / dargegen vonn welchen jhnen args vnd böß beschehen / die haltend sie nit für die nächste. Aber vnser Herr Jesus Christus leert vnd zeigt vns fein an inn einer Parabel vnd gleichnuß / das ein jeder der vnser hilff vnd vnsers raths bedarff vnser nächster seye / vnd wann er sonst gleich vnser feynd wer. Dann er füert yn ein gleichnuß von eim Juden der vnder die mörder gefallen / von denen er übel geschlagen vnd verwundt / den habind funden ein Priester vnnd auch ein Leuit die auch seins volcks warend auff dem wäg halb tod ligen voll wunden vnnd streichen / die seyend aber fürgangen / vnnd habind jhn lassen ligen. Da seye ein Samarit kommen / der hab jn auffgenommen vnd jm gepflegen. Vnd wiewol grosse feyentschafft was zwüschend den Juden vnd Samariteren / nichts destminder habe er jhm guots thon / dieweil er gesehen das es die groß not deß armen menschen also erforderet. Dise handlung zeücht nunChristus auff sein fürnemmen / vnd fraget den der da gern gewüßt hette wer sein nechster were gewesen / vnd sprach / welcher vnder disen dreyen bedunckt dich disem der nechst gewesen sein? Vnd er sprach / der die barmhertzigkeit an jm thet. Do sprach der Herr zuo jhm / so gang hin vnd thuo deßgleichen. Als wölte er sagen / gleich wie der Samaritan auch seinen feyendt für seinen nechsten gehalten / vnd jm do er sein bedorfft guots gethon hat / also hallt auch du einen jeden der deiner hilff bedarff / für deinen nechsten und thuo jhm guots. Darumb redt auch der heilig Augustinus recht vnd der gschrifft gemäß do er spricht / den haltend wir für vnseren nechsten / dem man guots zuo thuon vnd barmhertzigkeit zuo beweisen schuldig ist so er sein bedarff / oder schuldigXLIIIv. / 43b
were so er sein bedörffte. Vnd wir inn der Eydgnoschafft truckend söllichs eygentlich auß da wir vnseren nechsten nennend / den nechsten menschen / das ist ein yetlichen der vns zehanden stoßt / Gott geb wer er sey. Darzuo wirt auch der nechst in vnser sprach genennt der eben mensch [Ebenmensch] / namlich ein yeder der so wol ein mensch ist als wir / damit wir ye alle menschen verstond / sie seyend fründ oder feyend. Vnd hiehar dienet dz Lactantius schreibt lib. 6. cap. ii.wz machst du vil vnderscheyds zwüschend den personen? oder wz sichst du vff deß leibs gestalt / du solt einen yeden für einen menschen halten / der darumb von dir begärt / dz er auch dich für einen menschen haltet / Gib den blinden / schwachen / lamen / verlaßnen / die da sterben müeßtind / wo du jnen nit gebist vnd hulffist. Jtem / wir müessend thuon als menschen / wöllend wir menschen genennt werden. Thuon aber als menschen / was ist das anders / dann den menschen lieben / darumb das er ein mensch vnd eben das ist das auch wir sind. Darumb spricht auch der Herr im Euangelio / da er von der liebe redt / liebend eüwere feyend / wünschend guots denen die eüch verflüechend / thuond guots denen die eüch hassend / bittend für die so eüch beleydigend. Jtem / wer dich bittet / dem gib / vnd so jhr liebend die die eüch liebend / was werdend jr für lon haben? dann die sünder liebend auch die sie liebend. Darumb entlich so ist der nechst ein yeder der vnser hilff bedarff.
Auß welchem aber darumb nit volget / das kein ordnung / maß vnd gebürlicher vnnderscheyd sölle gehalten werden inn üebung der liebe vnnd wolthat. Darumb spricht Augustinus recht de Doctri. Christia. lib. i. cap. 27. Man sol keinen sünder lieben / so ferr vnd darumb das er ein sünder ist. Vnd im xxviij. capitel / Man sol alle menschen gleich lieb haben / Dieweyl du aber nitt einem yeden behilfflich sein magst / so solt du doch denen vorauß vnnd insonderheyt beholffen vnd beraten sein / die dir durch gelegenheyt der zeit vnd orten oder anderer sachen etwas näher verwandt vnnd zuogethon sind. Welches auch der heilig Apostel Paulus vor Sanct Augustin geleert hat / da er spricht / Wer nit arbeitet / sol auch nit essen. Jtem / lassend vns guots thuon dieweil wir zeit habend / an yederman / allermeyst aber an deß glaubens genossen. Jtem an einem andern ort / wil er nitt das man alles ander leüten gebe / vnnd einer darnebend inn seinem hauß mangel leide / sonder er gebeüttet einem yeden das er sein eigen haußgesind versorge / Wie dann einem yeden das ort bekannt ist / j. Tim. v[8]. Nach dem wir aber also erklärt / wer vnser nechster sey / so wöllend wir nun auch besehen / wie man den selbigen lieben sölle. Namlich so soll man den nechsten lieben von hertzen one trug vnd gleißnerey / mit gleicher liebe wie wir vns selbs liebend / oder wie Christus vns geliebet hat / Man sol jhm dienen in allen dingen / alle wolthat vnd früntligkeyt an jhm üeben vnd erzeigen / Darinn wir vier stuck sonderlichen zuo mercken habend. Erstlich das von vns erfordert wirt / ein söliche liebe deß nechsten / die da vffrecht [auffrichtig] / on allen falsch / trug vnd gleißnerey sey. Dann es sind vil / die jhren nechsten wol vil glatter vnd süesser worten gäbend / vnd dergleichen thuond als ob sie sy mächtig lieb habind / sind jhnen aber im hertzen dainnen feyend / suochend allein wie sie sy mit jren guotten worten betriegen / oder das sie jren nutz dardurch schaffind. Darumb sünderend auch die heiligen Apostel Christi Paulus vnd Joannes die gleißnerey so ernstlich auß von der liebe. Dann Paulus spricht / Die liebe sey vngefärbt. Jtem das end deß gsatztes ist liebe auß reinem hertzen vnd guoter gewüßne vnd vngegleißnetem glauben. Joannes aber spricht / Meine kind / lassend vns nicht lieben mit worten / noch mitt der zungen / sonder mit der that vnd mit der waarheyt. Hierinn wirt aber auch verstanden / die freywillige vnd fröliche deß gemüets / das da nützit mit zwang vnd auß vnwillen beschähe. Dann Paulus spricht / ein yetlicher gebe vnd thüee / nach dem erXLIIII. / 44a
in seinem hertzen vorhin erwölt hat / nit auß traurigkeyt oder auß zwang / dann einen frölichen gäber hat Gott lieb.
Zum andern so wirt auch von vns erforderet / dz wir vnsern nechsten liebind als vns selbs / Dann der Herr hat also gesprochen / lieb deinen nechsten als dich selbs / das ist einbrünstigklich vnd zum hefftigisten / dann es ist kein anfächtung [affect vnd neigung] im menschen so starck vnd hefftig / als die eigen liebe. Da wil aber der Herr nit / dz einer sich selbs zum ersten / vnd vorab liebe / vnd demnach erst seinen nechsten / sonder er wil hiemit leeren die aller einbrünstigest liebe / namlich das wir *gleiche anfächtung anwendind an*[in gleicher weise gesinnet seyen gegen] vnseren nechsten / wie an vns selbs vnnd an vnser eigne sachen / das wir mit gleicher sorg / mit gleichem eyfer / fleiß vnd ernst / anderen guots thüegind / jren schaden wendind / jhren nutz fürderind / wie wir das vns selbs thuond. Darumb der Herr auch redt / was du wilt das dir geschehe / das thuo auch dem anderen vnd was du wilt das dir nit geschehe / das thuo auch keinem anderen. Da er zwey ding von vns erforderet: Eins / das wir niemant schaden zuofüegind / das ander / das wir yederman guots thüegind / dann es ist nit gnuog niemand nichts böses thuon / wir müessend auch guots thuon so vil vnd inn vnserem vermögen / dann wir auch also gegen vns selbs gesinnet sind / dz wir vns selbs nit nun nichts schadend vnd böses thuond / sonder auch guots thuond so vil wir mögend. Zum dritten / damit vnd wir destbaß verstandind wie wir vnseren nechsten lieben söllind / so wirt erforderet das wir vnseren nechsten liebind mit gleicher liebe wie vns Christus geliebet hat. Dann es spricht der Herr im Euangelio Joannis / das ist mein gebott das jr eüch vnder einander liebind / wie ich eüch geliebet hab. Da sehend wir wol wie wir vnseren nechsten lieben söllind / namlich wie Christus vns geliebet hatt. Wie hatt aber Christus vns geliebet / das zeigt er im Euangelio selbs an / da er spricht / Niemand hatt grössere liebe / dann das er sein läben setze für seine fründ. Darumb so sind wir schuldig vnseren nechsten also zuo lieben / das wir auch vnser leben für jhn dar streckind. Vnd so wir jm das leben schuldig sind fürzuostrecken / wie vil mer dann das überig alles das wir habend / dieweil nichts köstlichers ist dann das leben? Wer sein leben in gefar setzt / der verscherzt auch das ander alles. Darumb spricht der heilig Apostel Joannes / Daran habend wir erkennt die liebe / das er sein leben für vns gelassen hat vnd darumb söllend auch wir das leben für die brüeder lassen. Das ist nun alles heitter vnd verstäntlich / besonders von wegen deß exempels Christi das vns zum beyspil wirt fürgestelt. Darumb wir Gott fleißig anrüeffen vnd bitten söllend / das er vns gnad gäb / das wir es nicht nur verstandind sonder auch also thüegind / damit wir nit fallind in das vrteyl deß yetzgemelten Apostels / der auch also spricht an gedachtem ort / wenn yemandt diser welt güeter hett / vnnd sehe seinen bruoder mangel haben / vnnd schlusse sein hertz vor jm zuo / wie blibe die liebe Gottes inn jm? Zum vierdten vnd letsten aber müessend wir auch besehen wie wir dem nechsten in allen dingen dienen / vnd gegen jm alle werck der liebe / wolthat vnd früntligkeit erzeigen vnd üeben söllind. Diß erklärt der Herr gar fein vnd heiter in der Parabel vnd gleichnuß deß Samaritanen / mit deren er leert wer vnser nechster sey. Jnn welcher er auch kurtz vnd doch heiter anbildet vnd außtruckt alle werck vnd stuck der liebe deß nechsten. Dann erstlich so füert er yn den Samaritanen / welcher als er den verwundten menschen sach / erbarmet er sich sein. Also wirt von vns erfordert die hertzlich barmhertzigkeit / dz wir ander leüten jamer vnd ellend vns lassind zehertzen gon / vnd denckind dz es auch vns angange vnd hertzlichs mitleiden darmit habind. Wie vns dann auch Paulus leert da er spricht / bedenckend der gebundnen als die mitgebundnen / vnd deren die übels leidend / als die jr auch selbs im leib [leid] sind. Darnach so stadt / wie der Samaritan hinzuoXLIIIIv. / 44b
gangen / Er gadt nit für / er klagt [beklagt] den armen verwundten man nit nur mit worten / er fart nit darmit für [lauft ... dauon] seinen sachen vnd händlen nach. Dann es spricht auch Jacobus der Apostel / So ein bruoder oder schwester bloß were / vnd mangel hettend an der täglichen narung / vnd yemand vnder eüch spräche zuo jnen / Gott berate eüch / wermend eüch vnd settigend eüch / vnd gäbe jnen aber nit wz deß leibs notturfft ist / was hulffe es sie? Darumb so gadt der Samaritan hinzuo / nimpt jn zuo handen / vnderstadt jhm zehelffen vnd jhn zeheilen / auffs best als er kondt vnd wußt. Er hat kein scheühen ab dem eiter / wuost vnd geschmack der wunden. Er verband jn / wartet nit biß ein anderer käm der es thäte / Er befilchts auch keinem andern. Er hat nit zewort dz er kein artzet seye / sonder dieweil es die notturfft erforderet / do thet er was er kont vnd vermocht / braucht was er hat / biß ers besser überkeme. Wein vnd öl hat er zuo jm auff den weg genommen gehebt / die braucht er yetz in der not / welche stuck jm auch nit vndienstlich warend / dieweil der wein die wunden seüberet / das öl aber den schmertzen nimpt vnnd linderet. Vnd erspart es also an seinem halß / damit er dem armen menschen möge gehelffen / mit dem ers alles braucht. Darzuo so steig er auch von seinem thier darauff er geritten / vnd satzt jn darauff / ja er selb lupfft jn mit seinen armen vff von der erden auff das thier / dieweil er selb nit mocht darauff kommen / Darzuo so beleittet er jn auch selbs / Befilchts nit ander leüten. Jtem / dieweil er jn nit mocht dahin bringen da er daheim was / so füert er jhn doch an ein guote herberg / da laßt er sich abermals kein kosten vnd kein arbeit thauren / pfligt dem armen menschen selb / dieweil man sonst gmeynlich in Wirts hüseren zun krancken übel sorg hat. Vnd dieweil jn die not trang das er ye für muoßt / gab er dem Wirt gelt für jhn / vnd dessen so vil / so vil er meynt das es gnuog wer / biß er wider vmbhin kommen möchte / vnnd befalhe jn darzwüschend dem Wirt gar fleißig / versprach auch weitter für jhn / vnd sprach zum Wirt / so du etwas meer wirst darthuon / wil ich dir es bezalen wenn ich wider komm / verheißt deßhalb / dz er selbs wölle wider kommen / vnd erklärt sich / das er nit nachlassen vnd nichts sparen wölle biß das der arm wund mensch widerumb gesund werde. Jnn welcher Parabel vnd gleichnuß gar eigentlich ersehen wirt / wie wir vnseren nechsten lieben söllind / Namlich wie der Samaritan sich selbs vnnd alles das er hatt mit aller guotwilligkeyt darstrackt / dem armen menschen zuo hilff vnnd trost / also sind wir auch söllichs vnserem nechsten schuldig vnd verbunden / vnd so wir also thuond / so thuond wir die werck der barmhertzigkeit vnd der früntligkeit.
Auff söllichs wöllend wir aber auch besehen etliche zeügknussen der heiligen gschrifft / auß welchen wir der liebe art vnd eigenschafft dest baß mögind erkennen / wo villeicht etwas in dem das bißhar geredt außgelassen were. So schreibt nun Paulus zun Corintheren also / Die liebe ist langmüetig vnd früntlich / die liebe ist nit verbünstig [eifert nicht] / die liebe ist nit widerbäfftzend [treibet nicht mutwillen] / sie bläyet sich nitt auff [ist nicht auffgeblasen] / sie ist nitt vnzüchtig / sie suocht jren nutz nit / sie laßt sich nit zuo zorn reitzen / sie mißt nichts zuo argem [gedencket nichts böses] / sie fröwet sich nit der vngerechtigkeyt / sonder sie fröwt sich der warheit sie vertregt alles / sie glaubt alles / sie hoffet alles / sie duldet alles. Vnnd zun Römern spricht er / die liebe fürkömme ander leüt mit ehrenbietung / sie nemme sich der heiligen notturfft an / sie sey gastfrey / vnd sträbe darnach / das sie gern beherberge / sie rede wol auch denen die sie verfolgend / sie fröwe sich mit den frölichen / vnnd weine mitt den weinenden / sie habe mitleiden mitt den schwachen. Jtem er spricht auch inn der selbigen Epistel / Sind niemand nichts schuldig / dann das jr einanderen liebind. Dann wer den anderen liebet / der hat das gsatzt erfüllt / Dann das gsatzt / Du solt nit Eebrächen / Du solt nit töden / Du solt nit stälen / Du solt nit falsche zeügknuß geben / Du solt nit begären / vnnd so ein anders gebott mehr ist / das wirt in disem verfasset / namlich / Du solt lieben deinenXLV. / 45a
nechsten als dich selbs / Die liebe thuot dem nechsten nichts böses / So ist nun die liebe deß gsatztes erfüllung.
Dahar dienend yetzund auch die werck der barmhertzigkeit die auß der liebe fleüssend / welche vom Herren erzellt werdend im Euangelio Matthei / vnd besonders dise / dz man die hungerigen speise / die durstigen träncke / die weyßlosen [frembdling] beherberge / die nackenden decke vnd bekleide / die krancken besuoche / die gefangnen tröste usw. Auff welche auch Lactantius sicht da er spricht lib. Jnstitut. 6. cap.12. Die fürnemste tugend ist gastfrey sein / vnnd die armen neeren. So ist auch die gefangnen erlösen ein groß vnd fürnemm werck der gerächtigkeyt. Nit minders ist auch das ein groß werck der gerächtigkeyt witwen vnd weysen die weder hilff noch rath habend / schützen vnd schirmen / welches dz gsatzt Gottes allenthalben gebeütet. Darzuo die krancken die niemand habend der jnen helff oder außwarte / auffnemmen / vnd rahtsamen / ist ein werck der höchsten früntligkeyt vnd wolthat. Das letst aber vnd höchst stuck der Gottsäligkeyt ist / die frembden vnd dürfftigen begraben usw. Diß sey nun geredt von der früntligkeyt vnd wolthat / welche auß der waaren liebe deß nechsten fliessend. Hie ist aber nun nit gnuog lieben brüeder / das wir wüßind vnd verstandind / wie wir vnsern nechsten lieben söllind / wir thüeginds dann auch also von hertzen. Darumb so merck E. L. zum beschlussz auff die schön vnd hertzlich vermanung / die der h. Apostel Paulus auß dem schönen vnd volkomnisten exempel Christi deß Herren von der liebe deß nechsten thuot / da er also spricht / Jst nun vnder eüch yenen ein ermanung in Christo / ist yenen ein trost der liebe / ist yenen ein gemeinschafft deß geists / ist yenen ein hertzliche liebe vnd barmhertzigkeyt / so erfüllend mein fröud / das jr eines sinns sygind / gleiche liebe habind / thuond nichts durch zanck oder eytle ehr / sonder durch die demuot / achte ye einer den andern höher dann sich selber / vnd ein yetlicher sehe nit auff seinen nutz / sonder auff den nutz eines andern. Ein yetlicher sey gesinnet wie Jesus Christus auch was / welcher ob er wol in Göttlicher gstallt wz / hat er es nit ein raub geachtet Gott gleich zuosein / sonder hat sich selbs geringeret / vnd die gestalt eines knechts angenommen / vnd ist worden gleich wie ein anderer mensch / vnd an gebärden als ein mensch erfunden / hat sich selb ernideret / vnd ist gehorsam worden biß zum tod / ja zum tod deß creützes. Darumb hat jn auch Gott erhöcht / vnd hat jm einen nammen geben / der über alle Nammen ist / das in dem nammen Jesu sich biegen söllend alle kneüw / die im himmel vnd auff erden / vnnd alle zungen bekennen söllend / das Jesus Christus der Herr sey zum preiß Gottes deß Vatters. Dem sey allein lob vnd ehr inn ewigkeyt / Amen.
11.Pr.Die Eilffte Predig.
Von gesatzten / Vnd erstlich von dem gesatzt der natur / Demnach auch von menschlichen satzungen.
DJe summ aller gesatzten ist liebe Gottes vnd deß nechsten. Dieweyl wir nun inn der nechsten Predig von der selbigen geredt habend / so ist es nun an dem / das wir auch besonders von den gesatzten redind / was die selbigen begreiffind vnd wie mancherley jren sygind. Jr wöllind aber vor allen dingen Gott dem vrheber vnd anfang aller guoten gesatzten [der ein vrsach vnd angeber ... ist] bitten / das er vns mit seinem heiligen geist allzeit auff den wäg der warheyt vnd der gerächtigkeit leite / durch vnsern Herren Jesum Christum / Amen.
Was nun gsatzt sey / das beschreibt ein fürnemer weiser man auß den Heyden also / Namlich dz es sey die höchste vernunfft / der natur eingepflantzt / die vns gebiete was wir thuon / vnd verbiete was wir lassen söllind. Vnd im grund / soXLVv. / 45b
ist gsatzt nichts anders dann ein erklärung vnnd offenbarung deß Göttlichen willens / der vns fürschreibt was wir thuon oder lassen söllind. Vnd ist deßhalb Gott der ein brunnen vnd vrsprung alles guoten / billichen / waaren vnd rechten ist / auch ein vrsprung vnd vrsach der gesatzten / vnd sind alle guotten vnd billichen gesatzt auß Gott selbs / ob sie gleich durch die menschen geordnet vnd auffgesetzt werdend. Die menschlichen gesatzt aber habend jr besondere rechnung [meinung] / von denen hernach volgen wirt. Dann es sind dreyerley gsatzt / das gsatzt Gottes / das gsatzt der natur / vnd menschliche gsatzt. Vom gsatzt Gottes wil ich in der zwölfften predig hernach reden / Jnn diser gegenwirtigen aber vom gsatzt der natur / darnach auch von gsatzten der menschen / vnd das auffs kürtzest.
Das gsatzt der natur ist ein angebung der gwüßne deß menschen [deß gewissens] / vnd ein anleitung die von Gott den hertzen vnd gmüeteren der menschen eingepflantzt ist / die sie erinneret vnd leert was sie thuon oder lassen sölind. Die gwüßne [gewissen] aber ist ein erkantnuß / vrteil vnd verstand deß menschens / dadurch ein yetlicher bey jm selbs *bewüßt in seim gemüet / einer yeden sach halb sie sey geschehen oder nit / jm selbs darinn recht oder vnrecht gibt*[einer jeden sachen / sie sey geschehen oder nicht bewußt / jhm selbst darinn recht oder vnrecht gibt]. Diser verstand aber kumpt von Gott / der also seine rechte inn die hertzen der menschen einschreibt vnd eingibt. Natur aber ist nichts anders dann eins yeden dings art vnd eygenschafft. Deß menschen art ist aber gantz verderbt durch die sünd / blind / vnwüssend vnd böß in allen dingen / erkennt Gott nit / ehret jn auch nit / liebet auch nit den nechsten / sonder liebet vnd suocht vil mer sich selbs vnd jren eignen nutz / Dahar auch Paulus redt / das wir von natur kinder deß zorns sygind. Darumb so hatt das gsatzt der natur sein nammen nit dahar / das neißwan von jhm selbs inn deß menschen natur vnd art / ein sölliche erleüchtung vnd neigung zum guoten / vnd also ein heilige würckung sey / sonder dahar wirt es genennt das gsatzt der natur / das Gott also inn vnsere gemüeter ettliche erkanntnussen vnnd gemeyne anfäng der Gottsforcht / deß billichen vnd deß guotten eingepflantzt hatt / die darumb für natürlich gehalten werdend / das sie vns also eingepflantzet vnd anerboren sind. Hieruon wöllend wir aber die zeügknuß S. Pauls hören der spricht also / Die Heyden / die das gsatz nit habend / vnd doch von natur thuond deß gsatztes innhalt / Die selben / dieweil sie das gsatzt nit habend / sind sie jnen selbs ein gsatzt / in dem so sie beweisend deß gsatztes werck beschriben sein in jren hertzen / sitmals jr gwüssen sie bezeüget / darzuo auch die gedancken / die sich vndereinandern selbs anklagend oder entschuldigend / auff den tag / da Gott das verborgen der menschen richten wirt durch Jesum Christum / nach laut vnd innhalt meines Euangeliums. Jnn welchen worten Paulus mitt zweyen argumenten erzeigt / das die Heyden sünder sygind. Dann erstlich damitt sie sich nit mit dem entschuldigen möchtind / das sie kein gsatzt gehept / so zeigt er an / das sie ja ein gsatzt habind / Vnd dieweyl sie das überträttind / so sygind sie sünder. Dann ob sie gleich das geschriben gsatzt Mosis nit gehept / so habind sie doch von natur thon deß gsatztes innhalt. Dann deß gsatzts ampt ist anzeigen den willen Gottes / wz man thuon oder lassen sölle. Das habend sie von natur / das ist / sie wüssend söllichs vß dem gsatzt der natur. Welches Paulus selbs also vßlegt / dieweil er grad drauff spricht / die selben / dieweil sie dz gsatzt nit habend / sind sie jnen selbs ein gsatzt / dann sie habend in jnen selbs eben dz das im gsatzt gschriben stadt. Wie habend sie aber söllichs in jnen selbs? Da volgt die vßlegung druff / namlich dz stadt / in dem so sie beweisend deß gsatztes werck gschriben sein in jren hertzen. Wer schreibt aber söllichs inn die hertzen / dann allein Got der ein erforscher der hertzen ist? Wz schreibt er aber darin / dz werck deß gsatzs spricht er / dz ist dz gsatzt selb / welches dz guot gebeütet / vnd dz böß verbeütet. Also dz sie on dz gschriben gsatzt vß angebung der natur / dz ist / vß der erkantnuß die Got der natur eingepflantzt hat / erkennend vnd verstond wz guotXLVI. / 46a
oder böß seye / was man thuon oder lassen sölle. Auß welchen worten deß Apostels wir sehend / das daß gsatzt der natur / dem geschribenen gesatzt Gottes entgegen gesetzt wirt / vnd dz es das gesatzt der natur genent wirt / darumb dz es der natur also von Gott yngepflantzet ist. Wir sehend auch daruß / dz daß gesatzt der natur welches nit geschriben / sonder yngepflantzt ist / eben dz thuot vnnd außricht / dz auch dz geschriben gesatzt thuot / namlich dz es die menschen vnderrichtet / vnd leert vnderscheiden dz guot vnd dz böß / vnd erkennen wz sünd seye. Wir sehend auch noch weiter das dises gesatz der natur nit entspringt auß der verderbten art deß menschens / sonder auß Gott selbs / der mit seinem finger in die hertzen vnd in die natur der menschen sölichs wüssen / vnd söliche regel deß rechten / billichen vnd guoten einschreibt vnd einpflantzet. Dz ist nun dz ein argument [beweisung] mit dem der h. Apostel Paulus beweiset / dz die Heiden sünder seyend / Dz ander / dz er einfüert / ist genommen von der zeugknuß der gewüssne [deß gewissens] / dann die selbig nach dem sie durch dz gesatzt der natur brichtet ist wz guot oder böß seye / so klagt sie selbs an vnd verdampt dz böß dz begangen ist / vnd ist sie jr selbs wol als vil als tusent zeügen. Dargegen so entschuldiget sie auch den menschen vnd spricht jn ledig / wenn er nichts wider dz gesatzt begangen hat. Vnd ob wir gleich hie in zeit jetzundt deß vrtheil vnd die erkantnuß der gewüssny verachtend / so werdend wir doch dort der anklagung vnd dem vrtheil der gewüßne / wenn der Herr die wält mit seinem gerechten vrtheil richten wirt nit mögen entrinnen. Auß dem allem sammen volget / dz auch alle Heiden sünder seyend / die auch alle müeßtend in jren sünden verderben / wenn sie der Sun Gottes der einig vnnd allgemein heiland der gantzen wält von sünden nicht reinigete.
Damit ich aber widerumb auff dz gesatzt der natur komme / so begreifft dz selbig zwey fürnemme stuck / dz ein / dz man Gott erkenne vnd vereere / dz ander das man liebe vnd freündtschafft gegen dem menschen halte. Von dem ersten stuck / redt Paulus also. Das jenig das kuntlich ist [kan erkennen] an Gott / ist bey jhnen (namlich den Heiden) offenbar / dann Gott hat es jnen geoffenbaret / damit dz sein vnsichtbar wäsen werde ersehen / so man deß war nimpt by den wercken von der schöpffung der wält an / also / dz sie kein entschuldigung habend / dieweil sie erkantend / dz ein Gott ist / habend jn aber nit geehret als ein Gott / noch jhm gedancket usw. Sihe / er spricht / die Heiden habind Gott erkent / ja was an Gott kuntlich [erkentlich] ist / das ist / das an Gott mag erkent werden / das habend sie erkent. Wer hatts jhnen aber zuo erkennen geben? Gott hatt es jnen geoffenbaret / spricht er. Wie aber / vnd durch wz mittel hat er es jnen geoffenbaret? in welchem buoch hat er sie es geleeret? Nit auß den büecheren Mosis oder der Propheten / die mit henden geschriben / sonder auß dem grossen buoch der natur hatt er es jnen zuo verston geben. Dann was sonst an jm selbs vnsichtbar an Gott ist / als da ist sein ewigkeit / sein krafft / sein macht vnd herrligkeit / sein güete vnd Gottheit / das hatt er erzeigt / geoffnet [geöffnet] / vnnd wöllen erkent werden / auß den sichtbaren dingen / das ist auß seinen geschöpfften. Dann Gottes ewige Gottheit wirdt erkennt auß der erschaffung deß menschen / auß dem stäten lauff deß himmels / auß dem jmmerwerenden fliessen der wasseren usw. Dann es muoß je das ein gewaltiger Gott sein / der das alles erhaltet / bewegt / erfrischet / vnd in seim wäsen behaltet / der auch die gantz welt on alle arbeit bewegen mag. Das auch niemand besser seye dann er / erscheint auß dem das er sein Sunn laßt auffgon über guot vnd böß. Warzuo hat er aber sölichs den Heiden geöffnet? darzuo namlich / dz sie Gott erkantind / jn preysetind vnd vereeretind / vnd dem grossen woltheter danckbar wärind. Welche nun dz nitt thuond / die mögend sich nirgent entschuldigen / vnd verderbend billich vnd wolverdient von jres grossen vnglaubens vnd vndanckbarkeit wegen. Dann es ist offenbar / das durch das gesatzt der natur heiter gelert vnnd angezeigt wirdt / das ein Gott seye / vnd das man den selben sölle erkennen vnd ehren.LVIv. / 56b
Vom anderen stuck / das man liebe vnd freündtschafft vnder den menschen halte / redt der Herr im Euangelio also. Alles das jr wöllend dz euch die menschen thüegind / das thuond auch jr jnen / welchen spruch der keiser Alexander Seuerus also versetzt hatt / was du wilt das dir nit geschehe / das thuo auch keinem anderen. Vnd den spruch hat er so lieb vnd hoch gehalten / das er jn an sein palast vnd an alle gemeine beuwe schreiben ließ. Daher dienend denn auch dise sprüch / die zum gesatzt der natur gehörend / namlich / leb eerlich / thuo niemand leids / gib jederman das sein / schirm was zum leben dienstlich ist / schlach auß was schedlich ist usw. Dieweil nun S. Paulus das gesatzt der natur gegen dem geschribnen gesatzt Gottes haltet / so müessends je ein anderen gleich sein. Darumb so wöllend wir besehen was die weysen vnd die gesatzgeber bey den Heiden gelert habind / dz den zehen gebotten deß geschribnen gesatzes gleich vnd gemäß seye / vnd wie verr die mit einanderen über ein kommind. So vil nun das erst gebott belanget / so schreibt Pythagoras von Gott also / (wie man findt beim heiligen Cyrillo im j. buoch wider Julianum.) Es ist ein Gott spricht er / vnd der ist nit aussert der regierung der welt / wie vil leüten wänend / sonder er ist in der welt / vnd betrachtet alle ding die da werdend in dem gantzen vmbkreiß / Er ist die ordnung vnd mäßigung aller zeiten / Jtem ein liecht seiner krefften / vnd ein anfang aller wercken / Ein liecht im himmel / Ein vatter / Ein gemüet vnd läben aller dingen / vnd bewegnuß aller himmelischen circklen vnd vmbkreisen. Sich da bekent Pythagoras das ein Gott seye / vnd das der auch seye ein schöpffer / erhalter / regierer / vatter / liecht vnd läben aller dingen. So schreibt Zaleucus in der vorred seiner gesatzten also / Es sol vnd muoß ein jeder / Gott geb er wone in was stetten oder landen er wölle / das gewüß wüssen / vnd dessen beredt sein / das Götter seyen / welches dann offenbar ist vnd erscheint so wir anschawend den himmel vnd die gantzen welt / auch die schöne ordnung anrichtung vnd schickung aller dingen darinn / dann wir söllend nit meinen / das die ding on gefärt vnd menschliche werck seyend. Darnach so söllend auch die Götter vereeret werden / als die da vrsächer sind alles guoten das vns begegnet. Darumb sol vnnd muoß ein jeder sein läben also schicken vnd zuorichten / das es rein sey von allem bösen / Dann von eim vnfrommen menschen mag Gott nit vereeret werden. Er wirt auch nit geeret mit kostligkeit / noch bewegt mit eusserem gepreng / wie ein eytler mensch / sonder mit tugentsamme / vnd üebung guoter vnd gerechter wercken. Deßhalb so ist von nöten das ein jeder der Gott lieb wil sein / nach allem seim vermögen in wercken vnd auch im willen fromm seye usw. Vnd Cicero lib. ij. De natura Deorum schreibt / das ist der best Gottsdienst vnd auch der heiligist vnnd reinist / das wir die Götter allweg mitt reinen frommen vnnd auffrechten gemüeteren vnd worten vereerind. Es schreibt auch Seneca im xv. buoch zum Lucilio also. Man gebeütet vil / wie man die Götter vereeren sölle / verbiete man aber das man an den Fästen keine liechter brenne / dann die Götter bedörffend keins liechts / vnd die menschen selbs habend dz ruoßwerck nit gern. Verbiete man / dz man nit also am morgen vor der thüren der templen sitze / vnd die Götter grüeße. Wz ehrgeitzige menschen sind / die facht man mit söllichen dienstlinen. Wer Gott erkent / der ehret jn. Verbiete man / dz narrenweck dz man treibt mit dem Jupiter vnd der Junone. Gott darff keiner dieneren / dann er dienet selbs dem gantzen menschlichen geschlächt / vnd ist allenthalben bey jederman zuogegen. Vnd wenn einer schon gleich lang hört / wie er Gott dienen sölle in den opfferen / vnd sich hüeten vor beschwerlichem aberglauben / so ist es doch nit gnuog / wenn er jm nitt Gott also in seinem gemüet einbildet wie er sol / als dem / der alle ding hat / alle ding zuodienet / vnd alle guothaten auß gnaden schenckt vnd gibt. Wz ist aber die vrsach / dz die Götter den menschen guots thuond? Die natur. Dann der jrret der da meint dz sie jemands schaden wöllind oder mögind / vnd wie sieXLVII. / 47a
niemand kein vnbill zuofüegend / also mag jnen auch keine zuogefüegt werden. Denn die zwey ding sind allweg bey einanderen / beleidigen vnnd beleidiget werden. Darumb so ist kein vbels von denen zuo erwarten / die von der höchsten vnd edlesten natur aller dingen / alles übels entladen sind. Deßhalb ist der höchst Gotts dienst / glauben dz Gött seyend / vnd denen jr gebürliche ehr vnd herrligkeit zuoschreiben / ja dz man jr güete erkenne / on welche die herrligkeit nüt ist / Jtem dz man wüsse / dz sie herren seyend der wält / die alle ding / als dz jren verwaltind vnd ordnind / die das menschlich geschlächt in schirm vnd in huot habind / vnd zuo zeiten alle ding erforschind. Sie haben nützit [nichts] übels in jnen / Darumb thuond sie auch niemand nichts übels. Sie straffend wol etwan etliche vnd züchtigend sie / aber vnder der hoffnung deß guoten. Wiltu deßhalb die Götter versüenen / so biß [sey] fromm vnd auffrecht [auffrichtig] / wer jnen nachschlacht / der hat sie geeret gnuog. Jn disen worten senece (wiewol sie hüpsch vnd sich mit dem waaren glauben nit vbel reimend) manglend mir doch zwey ding. Eins / dz er jmmerdar der Götteren gedenckt / so er doch an anderen orten heiter bekent / das nur ein Gott im wäsen sey. So darff ich auch nit sagen / dz er der heiligen geschrifft art hierin braucht habe / welche gemeinlich Gott Elohim / das ist in teütsch als vil als Götter nent / von wegen der geheimnuß der heiligen dryfaltigkeit. Wiewol etliche fürtreffenliche männer vnd Christenliche leerer / habend wöllen probieren [beweisen] auß den büecheren vnd zeügnussen der Heiden / dz auch sie die Heiden die geheimnuß der heiligen dryfaltigkeit erkent habind. Das ander aber das mir manglet / ist / das er (so vil ich mercken mag) nit heiter wie andere weise vnd gelerte bey den Heiden außtruckt vnd leert hertzlichs vertrauwen vnd glauben in Gott.
So vil aber das ander gebott belanget / so findt man das bey den Römeren biß in die clxx. jar von erbauwung an jrer statt kein bildtnuß in keinen templen nirgent gewest ist. Dann Plutarchus schreibt dauon / in der beschreibung deß läbens Numae Pompilij also / Was Numa geordnet hat der bildtnußen halb der Götteren / dz gleichet sich gentzlich dem das Pithagoras geleert hatt. Dann der selbig hat gehalten / das daß erst Principium [-] / der erst vrhab [anfang] aller dingen keiner empfintligkeit oder anfechtung vnderworffen seye / sonder seye ein vnsichtbar vnerschaffen gemüet. Also hat diser den Römeren verbotten / dz sie nit söllind meinen / dz Gott eines menschen oder eines thiers form oder gestalt habe. Dann es ist auch vor jm bey den Römeren kein bildtnuß oder gestalt Gottes gefunden worden / weder gemalet noch sonst gemachet. Dann sie bauwten wol in denen ersten clxx. jaren tempel vnd Capellen / sie machtend aber kein leibliche gestalt oder bildtnuß / sonder hieltend es für ein schmach / wenn sie sölltend dz besser mit dem böseren verglichen haben / vnd meintend Gott möchte nit anders dann im verstand ergriffen werden. Sölichs bezeüget auch M. Varro von den Römeren / wie man findt bey dem heiligen Augustino / de ciuit. Dei, im iiij. buoch am xxxj. cap. Dann er spricht dz die Römer die Gött one bilder clxx. jar verehret habind / vnd setzt auch darauff dise wort / Vnd wenn der brauch also bliben were / so wurdind die Götter rechter / vnd mit mer andacht verehret werden. Er beschleüßt auch das selbig ort also / das er spricht / das die zum ersten bilder den leüthen fürgestelt habind / die habind der wält alle forcht außgenommen / vnd sie in vil jrthumb versteckt. Da er als ein weyser man fein gesehen hatt / dz durch die narrerey der bilderen / die Götter leichtlich wurdind mögen verachtet werden. Zum dritten / wie theür vnd hoch die Heiden den nammen Gottes gehalten habind / dz erscheint bey dem / dz sie den Eidschwuor so hoch gehalten / dauon man läsen mag ein hübsche histori beim Aulo Gellio im vij. buoch / am xviij. cap. Da vnder anderem auch also stadt. Der eid ist bey den Römeren gar für heilig vnd hoch gehalten worden / Welches man in vilen breüchen vnd satzungen findt vnd sicht. So auch jemand bey den Heiden Gott lesteret / der ward auffs aller höchst gestrafft.XLVIIv. / 47b
Zum vierdten / so habend auch die Heiden jre breüch / jre Fäst / fyrtag / ceremonien vnd Priester gehabt. Vnder den Heidnischen priesteren sind besonders fürnem gewesen MelchiZedek vnd Jethro / vnd wiewol Paulus sagt / dz was die Heiden geopfferet habind / dz habind sie nitt Gott / sonder dem Teüffel geopfferet / so habend sie doch mit dem dz sie jre ceremonien vnd breüch so für hoch vnd heilig gehalten habend / erzeigt / das Gott den menschen etliche erkantnuß von Gott vnd vom dienst Gottes ynpflantzet habe / welche erkantnuß aber darnach durch falsche leeren vnd meinungen von Gott vnd vom dienst Gottes / zerstört ist worden. Zum fünfften wie man die elteren vnd die Oberkeit ehren sölle / vnd die kinder ziehen / vnd wz den kinderen gebüre gegen jren elteren / dauon sind vil fürtreffenlicher gebotten vnd sprüchen bey den weysen der Heiden. Hierocles spricht vnder anderem. So gleich jemand die elteren nannte / die anderen oder jrdischen Gött / der wurde nit mechtig jrren / dieweil sey vns von wegen der nähe vnd beywonung / auch schier (so ichs sagen dörffte) etwas mehr dann die götter zuo verehren sind. Wir söllend aber das für notwendig achten / vnd vns befleissen mit höchster vnd stäter guotwilligkeit / das wir der guothat vnser elteren gleiche widergältung thüegind. Vnd Gott geb was wir joch jnen jmmer guots thüegind / so ist es doch alles nit dermaß wie es sein sölt usw. Vnd niemand möchte hie das alles einziehen / dz bey den Heiden hie von funden wirt / die zeyt möchts nit erleyden / darzuo ist es auch nit meins fürnemmens hie. Zum sechsten. So sind auch von den Heiden treffenliche satzungen gemacht worden wider den todtschlag / wider allen muotwilligen gewalt vnbill vnd fräuel. Zum sibenden. So ist von jnen gemacht worden / das gesatzt das man nennt legem Iuliam, wider den Ehbruch vnd vngebürliche beyschlaffung. Sie habend auch schöne decret vnd satzungen gemacht von der Eh / wie die bezogen vnd gehalten sölle werden. So leert auch die heilig geschrifft / dz die Chananeer vertilcket seyent von wegen der bluotschanden / vnd vngebürlichen huorery. Leuit.xviij. Es habend auch Lycurgus / Solon vnd die Römer satzungen gemachet / wider des köstlich überflüßig muotwillig läben / Jch geschweig hiebey / das es dem menschen von natur eingepflantzet ist / eigne frucht gebären vnd erziehen. Zum achtenden / so habend auch die Heiden gar herrliche satzungen wider den diebstal / wider allen beschiß [-] vnd trug [allerley betrug] / wider den wuocher. Jtem wie man guot mit rechten zügen [mit recht] überkommen vnd besitzen möge. Deßgleich von theilung der güeteren / von kauffen verkauffen / enthlenen vnd allen contracten usw. Dauon auch Ansonius schribt.Was facht die welt doch immer an?
Der wuocher tödt den gmeinen man.
Es ist ins menschen hertz vnd gmüet
Kein ding das also tob vnd wüet /
XLVIII. / 48a
Darauß mee böß vnd args entspring
Als todtschlag / gifft vnd ander ding /
Dann die grimm begird / die z'aller frist
Als vnglücks grund vnd vrsprung ist.
Auß disem allem sammen ist nun offenbar / das auch inn die hertzen vnnd gmüeter der Heiden etliche erkantnußen vnd gebott / deren dingen die man halten oder fliehen sol yngeschriben sind / welche sie aber darnach auch durch jhr angefochtnen verstand / vnd durch das verderbt vrtheyl deß fleisches gefelscht vnnd verduncklet habend. Darumb Gott auch vber das gesatzt der natur andere erleüterungen vnnd eroffnungen seines willens geben hatt. Namlich muntliche leer vnd angebungen der heiligen Ertzuätteren / Jtem antworten der englen / eroffnungen Gottes / wunderzeichen / vnnd geschribne gesatzte fürtreffenlicher weyser vnd gottsförchtiger leüten. Mit welchen dingen allen Gott dem gesatzt der natur geholffen hat. Darumb alles was by den Heiden guots vnd warhaffts funden wirt / das sol man alles Gott dem vrsprung alles guoten zuogeben / was aber falsch / das sol man zuoschreiben der verderbten natur vnd den bösen anfechtungen deß menschen.
Jn disem allen sammen söllend wir aber mercken / das ich nit reden hie vom vermögen / was jeder auß jm selbs vermöge / sonder allein vom wüssen / vnnd von der erkantnuß. Das wüssen vnd die erkantnuß deß gesatzts / ist zimmlich heiter / aber das wir dem mittstimmind / jm volgind / vnd vnseren willen drin schickind / das gadt kaum vnd schwerlich zuo / da sind wir schwach vnnd verwirt. Wiewol sie beide von nöten sind / das sie vns von himmel geben werdind / namlich das der verstand erleüchtet werde / vnd das wir auch krefft habind zuo volgen. Dann die natur vermag hie für sich selbs on die gnad nichts / dann ob schon etliche auß den Heiden sind die grechte gerüempt vnd gelobt werdind / als MelchiZedek / Job / Jethro / vnd ander vil / so habend sie doch sölichs nit auß jren eignen krefften / sonder auß der gnad Gottes gehabt / wie man sölichs auß der histori Job gar heiter sicht. Darumb welche auß den Heiden sind sälig worden / die sind nit durch die werck der natur oder durch jr eigen verdienst / sonder durch die barmhertzigkeit Gottes in Christo Jesu vnserem Herren sälig worden. Darzuo so ist dz gesatzt der natur dem menschen von Gott nit darumb eingepflantzet / dz sie dardurch mögind sälig werden außert Christo vnd der gnad Gottes / sonder vil mee darumb / dz es vns leere wz guot vnd was böß seye / vnd wir hiemit überzeügt werdind / das wir sünder seyend / vnd vns vor Gott nit mögind entschuldigen. Darumb Paulus die Heiden nit minder durch dz gsatzt der natur / dann die Juden durch dz gesatzt Mosis der sünden überzeüget / vnd leert dz die gerechtmachung / das läben vnd alles guots allein in Christo Jesu dem sun Gottes seye. So vil vom gesatzt der natur. Demnach aber so hab ich doben gemeldet / dz ich auch von menschlichen gesatzten wölle reden / dz nenn ich aber menschliche gesatzt / die von menschen gesetzt vnd geordnet werdend / zuo guotem vnd zuo erhaltung der kirchen vnd auch deß gemeinen regiments. Deren sind aber mengerley. Es sind politische oder burgerliche gesatzt / vnd Ecclesiasticae, dz ist kirchen gesatzt / vnd darnach auch Traditiones humanae, dz sind auffsatzungen / vnd ordnungen menschlichs guotdunckens. Burgerliche satzungen sind / die ein Oberkeit machet je nach gelegenheit der zeit / der orten / vnd auch der leüthen / gemeine zucht vnd erbarkeit / auch frid vnd ruow zuo erhalten. Deren sind vil exempel im keiserlichen rechten / besonders in den satzungen Justiniani. Dise burgerliche gesatzt söllend so vil müglich dem gesatzt Gottes vnd der natur gleichförmig / vnd zum wenigsten denen nit zuo wider sein / auch nützit vngöttlichs / grusams oder tyrannischs in halten. Söllichen gesatzten heißt S. Peter gehorsammen / da er spricht / Sind vnderthon aller menschlichenXLVIIIv. 48b
ordnung umb deß Herren willen / es seye dem Künig als dem obersten / oder den amptleuthen / als den gesannten von jm / zuor rach der vbelthäteren / vnd zuo lob der woltheteren. Dann wiewol Petrus / durch die menschlich ordnung die künig vnd oberkeiten selbs verstadt / wie er sich selbs erleüteret / so wil er doch auch / das wir jren guoten vnd billichen satzungen gehorsammind / dieweil die oberkeiten durch satzungen vnd ordnungen dz regiment verwaltend. Dise burgerliche satzungen aber / so die billich vnd recht sind / so helffend sie vil zuo erhaltung der liebe / fridens / ruow / vnd gemeiner früntligkeit / Die guoten werdend dardurch geschirmpt / die widerspenstigen in ordnung behalten. So dienend sie auch nit wenig der religion. Böse breüch vnd gewonheiten werdend durch sie abthon / vnd die laster außgereütet / wie man sicht in den handlungen Nabuchodonosors / Cyri / Darij / Artaxerxis / vnd anderer Regenten. Aber von der Oberkeit / vonn jrem ampt vnd satzungen / wil ich hernach an eim anderen ort reden.
Kirchen gesatzt nemmen ich die ordnungen / die wol auß dem wort Gottes genommen / aber in der kirchen von der gemeind Gottes je nach gelegenheit der menschen / des zyts vnnd der orten geüebt vnnd gebraucht werdend. Dann dise kirchen gesatzt wil ich nitt menschliche guotduncken nennen / von wegen dessen / das sie auß der heiligen geschrifft genommen / nit auß menschen wolgefallen vnd guotduncken erdacht vnd erfunden sind / auch von denen kirchen vnd gemeinden geüebt vnd braucht werdend / die deß einigen waaren hirten stimm hörend vnnd erkennend / vnd deß frömbden nit annemmend. Als das ein jede kirch nach dem es jhren gelegen ist gewüsse [gewisse] stunden hatt / da sie zuo sammen kumpt / es seye am morgen oder am abend / das wort Gottes zuo hören vnd gemeine gebätt zuohalten. Diß hat ein jede kirch jetz als für ein gesatzt. Also hatt auch ein jede kirch jre gebätt / jre fyrtag vnd fasten / vnd gewüsse ordnungen darinn. Also begadt die kirch vnd gemeind zuo gewüsser zeyt / an gewüssen orten vnd plätzen / vnnd nach gewüsser vorgeschribener ordnung die heiligen Sacrament / nach gemeinem brauch vnd ordnung wie der von einer jeden kirchen ist angenommen. Also taufft die kirch die kinder / Jtem sie laßt auch die weiber zuo deß Herren nachtmal gon / vnd das haltet sie als ein gewüsse satzung. Sie verordnet auch jre gewüsse richter zuo den Eesachen / darinn sie auch bestimpte satzungen vnd ordnungen hatt. Dise breüch vnd satzungen aber all / vnd was dergleichen mehr sind / nimpt die kirch auß der heiligen geschrifft / darinn sie gegründet sind / vnd braucht die / je nach erbuwung / vnd gelegenheit der zeyt orten vnd personen / also / das wol ein vnderscheid bey den kirchen vnd gemeinden hin vnd wider in denen dingen funden wirdt / aber doch kein vneinigkeit vnd zwispaltung.Dise kirchen gesatzt vnd ordnungen aber / habend jre gewüsse zil vber die sie nit schreiten söllend / namlich das man nichts mache oder annemme wider das wort Gottes / oder das im wort Gottes kein grund habe / Jtem das da wider die liebe vnd gemeinen wolstand seye. Jn summa das da weder zuo vil noch zuo wenig geschehe / vnd in dem allem gehalten werde die regel deß heiligen Apostels der da spricht / Es sol alles erbarlich vnd ordenlich zuo gehn / das es nammlich diene zuo erbuwung der kirchen. Vnnd darumb wenn jemandt den glöubigen vnder dem schein vnd nammen der kirchen ordnungen vnd satzungen / vnnötige / vngereimpte vnd aberglöubische menschen satzungen / die inn der geschrifft kein grund habend auffreiben vnd aufftrucken wölte / so söllend sie es probieren vnnd beweren nach der regel deß worts Gottes / vnnd sich der triegrey entschlahen.
Traditiones humanas aber / das ist die satzungen vnd ordnungen menschlichs guotdunckens / nennen ich die / die von menschen eigens gefallens / torechtiger meinung / oder sonst vß anderen menschlichen anfechtungen / one vnnd widerXLIX. / 49a
die heilig gschrifft erdacht / gmachet vnd erfunden werdend. Welcherley dann vil funden werdend / als do sind die secten / Jtem der gwalt vnd die gleißnet reinigkeit der genanten geistlichen / vnd jre vnzalbare Ceremonien / breüch vnd ordnungen die sie in der kirchen habend. Von welchen allen sammen der Herr einfaltigklich im Euangelio auß dem Propheten Esaia redt / Warumb überträttend jr Gottes gebott vmb eüwerer satzungen willen / jhr gleißner / es hat wol Esaias von eüch geweissaget vnd gesprochen / Diß volck nahet sich zuo mir mit seinen läfftzen / aber jr hertz ist verr von mir. Aber vergeblich dienend sie mir / dieweil sie leerend sölliche leer / die nichts dann menschen gebott sind. Auff dise wort sicht auch der heilig Marterer Christi Cyprianus im ersten buoch seiner Epistlen inn der achten Epistel / da er spricht / Es ist Eebrächerisch / es ist Gottloß / es ist Gottslesterlich / alles dz da menschliche vnsinnigkeit fürnimpt vnd ordnet / dardurch Gottes ordnung zerbrochen wirt. Fliehend verr von der befleckung diser leütten / vnd meidend jre wort vnd reden als ein böse anhärige [anhörige] verderbliche erbsucht vnd prästen / dann eüch der Herr daruor gwarnet vnd gesprochen / Sie sind blinde vnd blindenfüerer. Also spricht auch der h. Apostel Paulus in der Epistel zun Tito / Straff sie scharpff / vff dz sie gsund sygind im glauben / vnd nit achtind vff die Jüdischen fablen vnd menschen gebott / welche die waarheyt abwendend usw. Das ort S. Pauli aber zun Coloß. am ij. capitel[16] / wil ich hie mit fleiß vnderlassen / dieweyl es einem yeden wol bekannt ist.
Auff diß mal wil ich eüwer lieb nit lenger vff halten mit weiteren erklären diser gesatzten allen / Wer fleißig vnd glöubig ist / der mag sich wol vernüegen der kurtzen anzeigung die ich gethon hab von dem gsatzt der natur / vnd von den menschlichen satzungen / darinn dann begriffen sind die burgerlichen gsatz / auch die kirchen satzungen vnd ordnungen / Jtem die satzungen / breüch vnd ordnungen menschlichs guotdunckens vnd wolgfallens. Jr wöllind es aber alles eigentlicher (so jr nun heim kömmend) by eüch selbs erwegen vnd betrachten / vnd selbs auch läsen vnd erforschen die sprüch der h. gschrifft die ich jmmerdar anzüch. Der Herr verleihe vns allen gnad / dz wir die warnungen deß gsatzts der natur in vnseren gmüeteren zuo keinen zeiten verachtind / auch in den satzungen menschlichs guotdunckens nimmerme verwicklet noch verstrickt werdind / sonder dz wir inn den burgerlichen satzungen die da recht vnd billich / vnd inn den kirchensatzungen die do guot vnd wolgegründt sind / ordenlich wandlind vnd läbind / vnd also dem Herren rechtgschaffenlich dienind. Dem sey lob ehr vnd preiß inn ewigkeyt / Amen.
12.Pr.Die zwölffte Predig.
Von dem gsatzt Gottes / vnd von den zweyen ersten gebotten der ersten Tafel.
DAs gsatz Gottes / dz von Gott vnserem Herren selbs außkündt [-] vnd gegeben ist / dz leert vns wz wir thuon vnd lassen söllind / erfordert von vns ghorsamme / verkündet vnd tröwt den vnghorsammen dz verderben / Vnd das wirt abteylt inn das gsatzt der sitten / in dz gsatzt der Ceremonien / vnd in das gsatzt der gerichten. Dise gesatzte alle hat niemand fleißiger geschriben vnd außgelegt dann Moses. Das gsatzt der sitten leert guote sitten vnnd tugenden / vnd zeigt an / was gerechtigkeyt / was heiligkeyt / was gehorsamme / vnd was volkommenheyt Gott von vns erfordere. Das gesatzt der Ceremonien haltet inn die kirchenbreüch vnd ordnungen / vnd was da gehört zuo denen personen vnd sachen die zum kirchendienst verordnet sind. Das gesatzt der gerichten haltet inn die gebott vnnd satzungen von den ausseren burgerlichen rächtßhändlen / vonn erhaltung deß fridens / der billigkeyt vnndXLIXv. / 49b
erbarkeyt. Von den selben zweyen nachgenden aber / namlich vom gsatzt der Ceremonien / vnnd vom gsatzt der gerichten wil ich hernach etwas reden / yetz aber allein das gsatzt der sitten vnd tugenden für mich nemmen.
Hie sol aber nieman meynen / dz vor den zeiten Mosis kein gsatzt gewesen sey / vnd das es Moses zum ersten herfür bracht habe. Dann eben die stuck deß gesatzts der sitten / die Moses inn den Zehen gebotten leert / sind den vätteren von anfang der welt an / überauß wol bekannt gwesen. Dann ye so habend sie allein den einigen waaren Gott für jren Gott erkennt / verehret vnd anbättet. So hat Jacob die Syrischen bilder seines schwähers Laban auß seinem haußgesind dennen thon / vnd vergraben zuo Bethel vnder der Eich oder Terpentin stauden / die nit weit von Sichem stuond. So ist auch der Eydschwuor heilig vnd hoch von Abraham gehalten worden. Darauß dann volget dz er auch den nammen deß Herren hoch teür vnd werd ghalten habe. Es habend auch die heiligen vätter alle / jre Ceremonien vnd heiligen breüch gehebt / vnd die mit grosser reuerentz vnd andacht geüebt vnd braucht. Jtem so wirt Cham von seinem vatter verflüecht / darumb dz er sich übel vnd vnerber [vnerbar] an jm gehalten hat. Cain wirt verdampt von wegen deß todtschlags seines bruoders. So wirt dem Noe gebotten / sich vor bluot zuo enthalten. Joseph wirt gelobt vnd prisen / dz er bey eines anderen / namlich seines Herren weib nit wolt schlaffen. Ruben wirt gescholten / von wegen der bluotschand / dz er vff seines vatters bett gestigen. So erzürnet sich Jacob nit on vrsach über seinen schwäher Laban / dz er jn deß diebstals zoch. Jtem so habend alle heilige vätter die lugner vnd falschen zügen ghasset vnd gstrafft / deßgleich auch die bösen begirden. Auß dem allem sehend wir das die heiligen vätter von anfang der welt an / biß auff die zeit Mosis / der stucken der Zehen gebotten nit gemanglet / wiewol sie sy nit hattend weder inn Tafelen noch in perment [pergament] geschriben / so hat es doch Gott mit seinem finger in jre hertzen geschriben. Vnd wurdend dannethin auch sölliche stuck baß vnnd eigentlicher erklärt / durch die leer vnnd mundtlich angebung der heiligen vätteren. Vnd ist deßhalb alles / ein gsatzt / vnd ein einiger will Gottes / Dann es ist auch nur ein einiger Gott / der sich nicht verenderet. Vnder Mose aber sind die ding zum ersten von Gott selbs inn Tafelen verfaßt / vnd darnach auch von Mose selbs in die büecher geschriben worden. Also habend auch die alten heiligen vätter so vor Mosis zeiten gewesen / jre Ceremonien gericht vnd rechte gehebt. Dann sie habend ghebt jre priester / welches fürnemlich die haußvätter gewesen sind. Jtem sie habend ghebt jre heiligen breüch / jre altär vnd opffer / jre versammlungen / gmeinden vnd reinigungen. Deßgleichen habend sie ghept jre gsatzt vnd ordnungen von den erbschafften / von teylung vnd besitzung der güetern / Von contracten / kauffen / verkauffen / enthlenen usw. Jtem von den straffen der übelthätern / vnd wz der dingen sind. Das hat aber Moses alles inn gwüsse gsatzt vergriffen / vnd vil dings auch eigentlicher erleüteret. Etlichs dann dz die alten nit ghept / oder vff ein andere weiß braucht habend / dz hat er vff ein neüws gesetzt vnd geordnet / Als da ist die hütten der zeügknuß / Jtem die gschirr darzuoghörig / die Puntsladen / der tisch / der leüchter / der altar deß brandopffers vnd röuchwercks / das Leuitisch priesterthumb / die kleidung der priestern / vnd thüecher zuo üebung der Ceremonien ghörig / die feyrtag vnd fäst / vnd was deß dings mer ist / dz alles durch Christum ist auffghept worden / wie wir an seim ort wöllend anzeigen. Dieweil aber die sitten vnd tugenden nit möchtind beston / wo die Zehen gebott auch auffghept wurdind / Darumb so ist das gsatzt der sitten nit auffgheyt / vnd behaltet auch deßhalb allein den nammen deß gsatzts Gottes. Dann es sind die Zehen gebott (in welchen dz gsatzt der sitten vergriffen ist) ein ware volkomne vnd ewige regel / der waren volkomnen ewig Gott gfelligen gerechtigkeit vnd aller tugenden / die da fürgschriben ist vnd dienet / allen orten / zeiten / vnd personen. Dann die summL. / 50a
der zehen gebotten ist das wir Gott vnd vns vnder einander liebind. Das erforderet aber der Herr von allen menschen allenthalben vnd zuo yeden zeiten.
*Vnnd hatt das gsatzt der Zehen gebotten den preyß für andere gsatzt alle auß. Dann*[In diesem aber vbertreffen die Zehengebott die andere gesetz alle / daß wol] die gsatzt der Ceremonien vnnd der gerichten sind alle dem Mose von Gott durch die Engel / vnd durch Mosen dem volck geoffenbaret / vnnd von Mose auß dem befelch Gottes geschriben worden. Die Zehen gebott aber sind von keinem menschen vnnd durch keinen menschen sonder von dem Herren dem aller höchsten vnd obersten selb auff dem berg Sinai mit grossen mitlauffenden [-] wundern vnd zeichen in der mercklichen [grossen] versamlung vnnd gegenwirtigkeyt der menschen vnd der Englen / angeben vnd erzellt worden. Sie sind auch nit durch die hand Mosis / sonder mit dem finger Gottes selb / nit inn wächsine / sonder in steinine vnd wärende Tafelen geschriben worden. Vnd dise Tafelen sind auch inn der Pundtsladen / (die von den Tafelen deß Pundts / inn welchen die artickel deß ewigen Pundts vergriffen warend / also genennt ward) als der fürtreffenlichest vnd aller kostlichest schatz / behalten worden. Dise Pundtsladen ward auch gestellt inn das aller heiligest. Welche ding vns dann alle anzeigend die fürtreffenliche der Zehen gebotten / vnnd leerend vns das wir den Gott fürchtind vnd vor augen habind / der dises gsatzt gegeben hat / als der da ist ein Herr deß himmels vnd der erden / vnd der alle element nach seinem willen vnd gfallen wider die so jm widerspänstig sind brauchen vnd bewegen kan / Vnd das wir auch noch auff den hüttigen tag die Zehen gebott haltind / als den aller höchsten vnd köstlichesten schatz inn der welt. Dann von Gott habend wir nichts höhers inn der kirchen dann die Zehen gebott / Die artickel deß glaubens / Das Vatter vnser / vnnd die gantz heilig Biblisch geschrifft. Mit was wunderen aber vnnd zeichen die Zehen gebott vom Herren *promulgiert vnd außkündt*[gegeben] sygind / findend wir im anderen buoch Mosis am xix[15]. vnd im fünfften buoch am vierten [21] vnd fünfften Capitel. Die Zehen gebott aber sind geteylt in zwo Tafelen. Die erst Tafel halt jnnen vier gebott / Die ander / sechße. Dann das letst gebott / das von ettlichen in zwey getheylt wirt / ist nur eins vnnd sol nicht theylt werden / dann Gott gebeüttet darinn zum ersten inn gemeyn / Du solt nit begären / Darnach so erzellt er aber von stuck zestuck wz wir nit begären söllind / namlich vnsers nechsten weib / hauß / acher / vich vnd guot usw. Darzuo so ist das gebott in der Hebreischen waarheit [sprache] / nur ein verß / vnd ist nit in zwen geteylt. Vnd also theylt auch Josephus die Zehen gebott im vj. buoch am iij. cap. von den alten Jüdischen geschichten. Jtem Origenes in Exod. Homel. viij. Ambrosius in das vj. cap. zun Ephesern. Aber der Lombardus in seinen sententzen / teylt dz letst gebott in zwey / vnd setzt deßhalb inn die erst Tafel allein drü gebott. Villicht hat er söllichs auß dem Augustino genommen / welcher in der lxxj. Question in Exodum / vnd inn der cxix. Epistel zum Januario / auch allein drü gebott zellt der ersten Tafel / welchs er aber thuot von der gheimnuß wegen der heiligen dryfaltigkeit. Doch so laßt er dz gebott von den bildern dz man die weder haben noch verehren sölle nit aussen / dann er wußt wol das wort deß Herren das er im Euangelio sagt / Waarlich sag ich eüch / biß das himmel vnd erden zergadt / wirt nit zergon der kleinest buochstab / noch ein tittel vom gsatzt / biß es alles geschicht / wer nun eins von disen kleinsten gebotten aufflöset / vnnd leeret die leüt also / der wirt der kleinest heissen im himmelreich. Dargegen aber im ersten buoch Quaestionum Veteris & Noui Testamenti am sibenden capitel zellt er auch vier gebott der ersten Tafel / vnd sechße der andern.Jtem im dritten buoch ad Bonifacium schreibt er auch auff die meynung usw. Es hat aber Gott dise seine gebott also inn zwo ordnungen oder zwo Tafelen geteylt / von wegen deß vnderscheids der dingen die darinn gehandlet werdend.Lv. / 50b
Dann die erst Tafel belanget Gott / die ander die menschen. Die erst leert / was wir von Gott vnnd vom dienst Gottes halten söllind / ja sie leert rechte Gottsforcht vnd rechten Gottsdienst / vnd wie wir Gottsäligklich leben söllind. Die ander leert / was wir vnserm nechsten schuldig sygind / ja sie leert vns früntligkeit vnd liebe / vnd wie wir rüewig vnd ehrsamklich läben söllind. Jn welchen stucken alles das begriffen wirt / das zuo einem rechtgeschaffnen leben gehört / also das der Gottsäligkeit halb gegen Gott vnd der liebe gegen den nechsten nichts möchte fürbracht werden von allen geleerten der gantzen welt / das inn den Zehen gebotten nit vergriffen sey.
Das erst gebott vnder den zehnen / hatt der Herr mitt disen worten außgesprochen. Jch bin der Herr dein Gott / der dich auß Egypten land vß dem diensthauß gefüert hab / Du solt kein frömbde Götter vor mir haben. Diß gebott hat zwen teyl. Der erst begreifft vil stuck / besonders aber drü ding / Dann zum ersten so erklärt sich Gott wie er gegen den menschen gsinnet sey / vnd beütet sich auch vns an / wie er gegen vns sein wölle. Daruß wir dann fürs ander abnemmend wz er dargegen von vns erfordere / vnd wz vnser ampt sey. Zum dritten / so henckt er denn dran ein heitere erzeigung deß / dz er sich vnsern Got sein gnennt hat. Nun zum ersten / so spricht er also (Jch bin der Herr dein Gott) Mit welchen worten wie gmeldet / er anzeigt wer er sey / vnd wie er gegen allen menschen gesinnet sein wölle. Vnd lautend die wort gleich wie die wort deß Pundts den Gott mit Abraham vnd allen glöubigen auffgericht hat / da er spricht / Jch bin der Herr / ein starcker Gott / ein Gott Schaddai / dz ist ein Saturnus à Saturando, ein ersettiger vnd volkommne gnuogsamme. Dann Gott ist ein völle aller dingen / der da settiget alles das da ist / ein vnerschöpffter jmmerwerender brunn alles guotens. Welches auch Jeremias fein anzeigt im ij. cap. seiner predgenen. Das alles wirt hie auch in disen wenigen worten begriffen / Jch bin der Herr dein Gott / Jch namlich wil er sagen / der ich yetz mit dir reden mitten auß dem fewr / Jch vnd kein anderer usw. Darinn wirt vßtruckt die Einigkeit Gottes / vnd lernend deßhalb hie erkennen ein einigen Gott sein / nit vil / vnd dem einigen anhangen / die hertzen nit auff vil Gött zerteilen. Demnach spricht er Jch bin dein Herr / Jtem ich bin dein Gott. Vnser Herr ist er / dann er ist gwaltig über alle Creaturen / jm sind alle ding vnderworffen / jm muoß es alles gehorsammen nach seinem gefallen. Er regiert vnd erhaltet auch alle ding / dann er ist der schöpffer / der regierer / der erhalter / der höchst vnd oberst küng vnd Fürst deß himmels vnd der erden / vnd alles deß dz darinnen ist. Darumb so wirt inn dem einigen wörtli / Herr / vergriffen die gantz vnergrüntlich weißheyt / krafft / macht / vnd herrligkeyt Gottes. Deus oder Gott wirt er villeicht vom Hebreischen wörtli Daij genennt / dz da heißt ein gnuogsame. Dann eins teils so ist Gott jm selbs gnuogsam zuo der aller volkomnisten säligkeit vnd heiligkeyt / Anders teyls / auch allen denen die jnn in der waarheit suochend / als der da reich ist gegen allen denen die seinen nammen anrüeffend. Darinn dann außtruckt wirt die volle gnuogsamme / freygäbe / güete vnd barmhertzigkeyt Gottes. Besonders dieweil darbey stadt / Jch bin der Herr Dein Gott / mit nammen Dein Gott / dann Gott ist nit nur jhm selbs guot / sonder auch vns. Er begärt sich selbs mit allen seinen güettern vnd gaben gar vnd gantz außzuoschütten in die glöubigen / Er ist nit kündig [-] vnd karg / nit verbünstig [abgünstig] / Er hat ein fröud dran / das er sich vns mitteile / vnd das wir jn zuo vns ziehend / vnd jn nießind mitt allen fröuden nach vnserem lust / vnd das zuo allen zeiten / besonders inn trüebsalen. Er spricht auch außtruckenlich Dein Gott / spricht nit Euwer Gott / damit ein yeder besonders verstande / dz der ewig / guot / vnd allmächtig Gott / vnser aller Gott vnd Herr / dz ist vnser erhalter vnd erlöser / vnser schatz vnd überflussz aller güettern / der seelen vnd deß leibs / der gegenwirtigen vnd der zuokünfftigen / sein wil.LI. / 51a
Darauß wie doben auch gmäldet / nemmend wir yetz [-] fürs ander ab / wz der güetig Herr vnd Gott dargegen von vns erfordere / vnd was vnser ampt yetz sey. Dann dz wörtli Dein / *hat ein feine relation / die vns söllichs leert / dann*[diese beide stück begreiffet: Nemlich] so er mein wil sein / so volget dargegen dz ich auch sein sölle sein. Er wil mein Herr vnd Gott sein / vnd ists auch / so sol ich jn auch für meinen Herren vnd Gott halten vnd verehren. Darumb so wirt auch in disem gebott dz von vns erfordert / dz wir nit allein jn / den waren Gott / für ein waren Gott haltind / sonder auch jn für Vnseren Gott vnd Herren / für vnsern schöpffer / erhalter vnd vatter erkennind / vnd jm auch zuogäbind seine eigenschafften die jm gehörend / dz er namlich ein einiger Gott sey / der einig brunnen vnd darreicher aller güetern / dz er ein lebendiger / ewiger / gerechter / waarhaffter / heiliger / säliger / barmhertziger / gwaltiger / höchster vnd oberster Gott sey. Darumb söllend wir jm auch anhangen / jm gehorsammen in allen dingen / in jnn vertrauwen / jn allein anrüeffen / jm alles guots zuoschreiben / alles guots von jm begären / vnd jm für alle seine guotthaten lob vnd danck sagen / jn anbätten vnd verehren mit rechter forcht / auch einbrünstiger vnd standthaffter liebe. Dann dahar ghörend alle die sprüch auß dem Mose vnd dem Euangelio / namlich / Du solt den Herren deinen Gott anbätten / vnd jm allein dienen. Jtem / jr söllend dem Herren eüwerem Gott nachwandlen / vnd jhn förchten / vnd seine gebott halten / vnd seiner stimm losen [hören] / vnd jhm dienen vnd anhangen. Jtem das der Herr im Psalmen sagt / Opffer Gott lob vnd danck / vnd bezaal dem aller höchsten deine gelüpte / vnd rüeff mich an am tag der not usw. Die erzeigung aber mit deren der Herr hie anzeigt das er sey gewesen / noch sey / vnd auch fürohin sein wölle ein Gott vnd Herr vnser aller / vnserer vätteren vor vns / vnd vnser kinden die nach vns kommen werdend / die ist offenbar vnnd heitter / namlich die erlösung auß Egypten. Welche alle Göttliche tugenden vnd krefft begreifft vnd innhaltet / namlich Gottes weißheyt / güetigkeyt / gerächtigkeyt / waarheyt / vnd krafft / vnd hiemit alles genennt. Jnn deren erzeigt Gott / das er ein Herr sey inn himmel vnnd auff erden / aller elementen vnnd Creaturen mächtig / dann er erlößt sein volck Jsraels gnädigklich / er schirmpts / vnd zierts mit vil vnnd mancherley gaben / wider deß gantzen Egyptischen Reichs willen / rahtschleg vnd fürnemmen. Dargegen strafft er die Egypter grausamlich (wie wol mit billichen vrteyl) mit vilen vnd grossen plagen / Stürtzt sie auch entlich mit jrem Küng ins rot Meer vnd ertränckt sie. Auß welcher einigen that das volck Jsraels wol hat können abnemmen / das kein gwalt über Gottes gwalt sey / vnd das auch Gott jr Gott sein wölte / wie er jrer vättern Gott gwesen wz / dann mit der that hat er erzeigt wie gwaltig vnd güetig er von ye wälten har [je vnd je] gewesen / vnd wie er noch vff den hüttigen tag sey / vnd biß zuo end der welt sein werde. Also hat Gott mit dem volck Jsraels ghandlet. Vns ist aber die erlösung / so vns durch vnseren Herren Jesum Christum begegnet ist / so vil näher / welcher vns nit auß dem jrrdischen Egypten / vnd auß den händen Pharaonis / sonder das so vil mee ist / auß dem gwalt der finsternuß / der sünden / deß Teüffels vnd deß tods errettet hat. Auß welcher that wir auch abnemmend / das wie Gott ein ewiger / waarer / guoter / höchster / säliger vnd gwaltiger Gott ist / dz er auch also vnser Gott sey / vns wol wölle / sorg für vns trage / vnd vns lieb habe. Wie dann S. Paul sagt / Der seinem eignen sun nit verschonet / sonder jn für vns alle geben hat / wie sol er vns mit jm nitt alles schäncken? Dann die geheymnuß vnnserer erlösung / die durch vnnseren Herren Jesum Christum beschehen ist / wirt heitter vergriffen in disem ersten gebott / dann es ist offenbar / dz die erlösung deß volcks Jsraels auß Egypten / ein vorbildung ist gewesen der erlösung der gantzen welt vnd aller völckeren auff erden / die hernach durch Christum beschehen ist / der die gantz welt erlößt hattLIv. / 51b
auß der dienstbarkeit deß teüffels vnd der sünden. Vnd wär sölichs nit wüssen wölte [daran zweifelt] / der besehe nur die ceremoni vnnd das Sacrament der leyblichen erlösung auß Egypten / namlich das lamb deß überschritts. Wär ist der nit wüße vnd verstande / das dises lamb ein vorbild gewesen seye vnsers erlösers Christi? Dann je so redt Paulus gar heitter / Christus vnser Osterlamb ist auffgeopfferet. So habend auch alle Apostel mit sampt Joanne dem Töuffer / vnseren Herren Jesum Christum genent das lamb Gottes / das do hin nemm die sünd der wällt. So haltet Esaias am lij. Capitel[1.2.3.usw]. mit heiteren worten gegen einanderen die erlösung Jsraels auß Egypten / vnd die erlösung deß gantzen menschlichen geschlächts auß der sünd durch Christum. Darumb / wie gemeldet / so wirt die geheimnuß vnsers Herren Christi vnnd vnserer erlösung heiter in diserem ersten gebott vergriffen / das wir jetzund / so offt wir dise wort sprechend / mit vnseren augen vnd gemüeteren nit nur auff die alt erlösung deß volcks Jsraels auß Egypten / sonder vil mehr auff die so vns durch Christum begegnet ist / sehen söllend / vnd vnsere hoffnung auffrichten / damit wir keinen zweiffel daran tragind / dann das der almechtig vnd höchst Gott / auch vnser Gott seye vnnd sein wölle. Das ist nun der erst theil / diß ersten gebotts.
Der ander theil / verbeütet vns / das wir keine frömbde gött habind / vnnd schleüßt auß alle hilff vnd allen trost deß läbens / den wir jmmer außert Gott vns selbs erdencken vnd erwellen möchtind. Vnd braucht der Herr hiezuo gar ein hefftige art zuo reden / dann er spricht / du solt kein frembde Götter vor mir haben / du solts nicht haben / spricht er / vnd das / vor mir / oder vor meinem angesicht / mit mir / oder bey mir / zuo mir / oder näbend mir / wie wirs nennen wöllend / oder / laß michs nicht sehen vor meinen augen. Gleich als wenn ein vatter übel erzürnt ist / vnnd seinem sun verbeütet etwas / das vast schantlich vnnd vnehrlich ist / so spricht er / Nun luog [sihe] das du mir mitt dem ding nirgent an die augen gangist [vnder augen kommest] / oder michs laßist sehen vnnd inne werden. Also will Gott hie auch reden. Nun ist er aber allenthalben zuogegen vnd sicht es alles / auch die hertzen / vnd die heimligkeyt der hertzen. Darumb so söllend wir keins wägs / weder heimlich noch offentlich frembde Gött haben / dz ist / es sol kein mensch kein einige creatur / sie seye in himmel oder auff erden / für sein Gott haben / es sol auch niemand den creaturen vnd geschöpfften die eigenschafften Gottes zuogeben / vnd jnen dz thuon / dz wir pflichts halb Gott allein zuothuon schuldig sind. Das sind aber Gottes eigenschafften / allenthalben sein / alle ding sehen vnd wüssen / allmechtig sein / das leben geben / erlösen vnd reinigen von sünden / erhalten / sälig / gerecht vnd heilig machen / vnnd was der dingen sind. So ist vnser pflicht vnnd ampt gegen Gott / das wir jn anbättind / anrüeffind / fürchtind / vereerind / das wir in jn hoffind / jm anhangind / jm losind [jhn hören] / jm glaubind vnd gehorsamind. Darumb so heißt vnd ist ein frembder Gott alles das / dz wol für sich selb seiner natur halb nit Gott ist / wir es aber vns selbs näbend dem einigen ewigen waren läbendigen Gott erdenckend / darin wir vnser vertrauwen vnnd hoffnung setzend / das wir in nöten anrüeffend / liebend vnd förchtend / in das wir vnser gemüet richtend / an dem wir gar vnd gantz hangend / vnd das wir zuo allen zeyten es sey in wolstand / oder widerwertigkeit vnnd trüebsal / für vnnseren schatz / für vnsere hilff / vnd für vnsere zuoflucht haltend vnd erkennend. Dann also / do Rachel von Jacoben kinder begärt / antwortet er jren / Bin ich dann Gott / dz ich dich vnfruchtbar habe gemacht? Jtem Joram der Künig Jsraels als er von Benhadad dem Künig auß Syrien brieff empfangen hat / Naamans halben / dz er jn von seinem vßsatz reinigete / zerreiß er seine kleider / ward erzürnt vnd sprach / Bin ich dann Gott / dz ich tödten vnd lebendig machen könne? Darumb so söllend wir allein Got für vnseren Gott haben / dz ist für vnser leben / heil / hilff / zuofluocht / schirm /LII. / 52a
erlösung / hoffnung / forcht vnd schräcken. Vnd wenn wir dise stuck andern dingen zuogebend / vnd nit allein Gott / so machend wir vns frömbde götter daruß. Frömbd wirt auch etwan genommen für das / das von Gott nit befolhen vnd eingesetzt ist. Also stadt von Nadab vnd Adihu / das sie frömbd fewr für den Herren bracht habind / das ist / anders dann jnen der Herr gebotten hat. So wirt auch im buoch der Sprüchen Salomons das ein frömbd weib genennt / die einem andern zuoghört. Also sind dz frömbde Gött / die wir vns selbs erdenckend / denen wir anhangend / vnd jrer hilff begärend / die vns aber Gott nit zuo schirmherren geben noch gmacht hat. Also sind auch die lieben heilgen selb / die yetzund mit Christo dem künig inn himmlen triumphierend vnd frolockend / frömbde götter / nitt sie für sich selbs / oder jrenthalb / sonder vnserthalb / so wir vnrecht von jnen haltend / vnd jnen die ehr gäbend / die aber allein Gott gehört / sie für vnsere schützer vnd schirmer ehrend vnd anbättend. Also werden vns auch die Teüffel selb / vnd alle die mit jnen zuo schaffen habend / zuo frömbden götten / so wir sie mer förchtend dann Gott. Also auch die gestirn / die Planeten / vnd zeichen am himmel / wenn wir vns die Mathematicos [Sterngucker] lassend verfüeren / vnd also am gstirn hangend / das wir inn allen dingen dessen wöllend war nemmen / vnd vnser gantz leben nach dem lauff deß himmels richten. Also wenn wir gelt / oder menschen ehrend vnnd liebend / wie wir aber Gott allein ehren vnd lieben soltend / so machend wir vns das gelt vnnd die menschen zuo frömbden göttern. Also wirt im Künig Asa gescholten das er sich zuo vil auff die Artzet verlassen / ij. Paral. xvij[2]. Darumb so werdend vns auch die krüter vnnd die Artzet zuo frömbden göttern. Jtem es werdend die Juden also gescholten / Esa. am xxx. Capitel [1.2.]/ das sie sich auff die pündtnuß mit den Egypteren zuo vil verliessend vnnd vertrostend / darumb werdend also auch pündt vnd Pundtsgenossen zuo frömbden götteren. Besonders aber werdend auch hie verdampt die pündt vnnd pact die man von der zauberey wegen mitt dem Teüffel machet. Jtem die sägen / die man billicher verflüechungen nannte / vnd das abergleübisch Teüffelbeschweeren / Jn welchem allem auch besonders böß ist / der mißbrauch deß heiligen nammens Gottes usw. Wer wolt es aber alles eigentlich können erzellen / dz wider diß erst gebott geschicht / darinnen geleert wirt die waare Gottsäligkeyt / vnd der recht waar jnner gottsdienst deß hertzens / das wir namlich Gott erkennind / jm glaubind / recht von jm haltind / jn anrüeffind / jm anhangind / vnd jm in allen dingen gehorsam sygind.
Das ander gebott lautet also. Du solt dir kein gegrabne [außgegrabnes] bildtnuß machen / noch yenen ein gleichnuß / weder deren dingen die doben im himmel / noch deren die hieniden auff erden / noch deren die inn den wassern vnder der erden sind / Ehr sie nit / vnnd dien jhnen nit / Dann ich bin der Herr dein Gott / ein starcker eyferer / der ich heymsuoch der vätteren missethat an den kinderen biß inn das dritt vnnd viert geschlächt / deren die mich hassend / vnnd ich thuon barmhertzigkeyt an vilen tausenden / die mich liebend / vnd meine gebott haltend. Jm ersten gebott hat der Herr geleert wz zum jnnern gottsdienst gehört. Jn disem andern aber leert er wie der ausser sein sölle. Vnd so wir von Gott recht hieltind / vnd dem ersten gebott recht vnd wie wir soltend nachgiengind / so hette es diß andern gebotts nichts bedörffen. Dieweil aber Gott vnsere art wol weißt vnd vns bekennt / so verbeütet er vns das / dz er weißt dz wir sunst thuon wurdind. Dann der merteyl welt haltet darfür / man sölle Gott mit etwas bildtnussen anbilden / vnnd mitt etwas ausseren leiblichen vnnd sichtbaren gottsdiensten verehren / vnnd jm silber gold edelgestein / vnd ander kostlich ding opfferen vnd bringen. Da wil vns nun Gott mit demLIIv. / 52b
gebott / von sölichen fleischlichen gedancken ynbildungen vnd vereerungen Gottes / hindersich halten vnd abziehen. Dann wie sein krafft vnaußsprechlich / vnd er ein ewiger geist ist / also mag er auch mit keiner zerstörlichen bildtnuß außtruckt noch anbildet werden / vnd will allein im geist vnd in der warheit verehret sein. Durch die bildtnuß vnd gleichnuß aber / wirt auch verstanden aller außerer Gottsdienst / vnnd dieweyl die bilder verbotten werdend / so wirdt auch aller außerer vnnd frembder gottsdienst verbotten. Dann wo ein götz oder bild ist / da muoß man jhm auch gleich ein sül oder ein fuoß haben / darauff man jhn stelle oder lege / Jtem man muoß gleich ein altar vnnd ein tempel bauwen / hüetter vnd diener oder priester haben / item opffer / schänckinen / ziert / fyrtag vnnd mercklichen kosten on end. Darumb habend die Propheten die bilder gemeinklichen genent / müey vnd arbeit / dann wenn man ein mal götzen annimpt / so muoß man für vnd für grossen kosten müey vnnd arbeit darzuo haben / wie man das wol sicht in der erfarung.
Nun hatt aber diß ander gebott drey theil. Zum ersten so verbeütet Gott gegrabne bildtnussen oder einicherley gleichnußen zuo machen / das ist / er wil nit das man jm einige bildtnuß auffrichte oder consecriere [-] / Gott geb was *materi oder form*[gestalt] es auch sey / dann wie er es nit wil / also mag er auch durch kein bildtnuß anbildet vnd verglichen werden. Darumb er fast auch alle die gestalten erzellt vnd verbeütet / mit denen man ein ding gmeinlich anbildet / dann er spricht / du solt Gott kein bildtnuß machen / noch gleichnuß oder gestalt / weder deren dingen die da oben sind im himmel / Als da sind die himmelischen corpora [-] / Sunn / Mon / planeten / sternen / Jtem auch die vögel deß luffts / die mengerley gestalten habend / vnder welichen gestalten allensammen vil der Heiden Gott vereeret vnd anbättet habend. Oder deren (spricht er auch) solt du Gott kein bildtnuß noch gestalt machen / die hie vnden auff erden sind / alls da sind menschen / thier / kreüter / gewächß / böum usw. Dann es ist offenbar / dz die Heiden Gott vereeret habend vnder der gestalt der menschen vnd der thieren. Es schreibt Cornelius Tacitus von den alten Teütschen also / Sie haltend nit das die Götter in muren yngeschlossen oder das sie menschlicher gestalt gleich seyend / dieweil sie zuo groß darzuo / sonder sie pflantzend vnd wihend jnen wält [welde] vnd boumgarten vnd nennend darnach die selben geheimen abgesündereten ort mit dem nammen der Götteren / vnd sehend sie nimmer on grosse andacht vnd eerenbietung an. Daruß wir sehend / das vnsere altvorderen Gott auch vnder der gestalt der böumen vnd wälden vereeret habend. Jtem es wirt auch verbotten hie / vnd außtruckt / das wir Gott auch mit denen dingen nit verbilden söllind / oder vereeren / oder vnder der gestalt deren dingen / die in wasseren oder vnder den wasseren sind / dann die Philister habend Gott vereeret in der gstalt eines fischs / dann Dagon der Philister Gott hat die gestalt eines fisches. So hat man vor zeiten in Egipten die schlangen vereeret / welchs Paulus alles zuo samen faßt zun Römeren am j. Capitel / da er wider die Heiden disputiert / vnd spricht / jr verstendigs hertz ist verfinsteret / do sie sich weyß hieltend / sind sie zuo narren worden / vnd habend verwandlet die herrligkeit deß vnzergencklichen Gottes durch ein glichnuß eines erdichten bilds /nit allein deß zergengklichen menschens / sonder auch der vöglen / vnd der vierfüeßigen / vnd der kriechenden thieren. Wider dise vnsinnigkeit streitet der erst theil dises gebotts. Warumb aber Gott nit wölle mit einicher grifflichen oder sichtbaren bildtnuß vereeret werden / ist offenbar / dann Gott ist ein geist / hatt kein end / mag nicht vmbzilt / noch auch mit worten gnuogsam außtruckt werden. Er ist allenthalben zuogegen / erfüllet himmel vnnd erden / ist ewig vnnd ein lebendiger Gott / der auch das läben allen dingen gibt vnd erhaltet / vnd sein Ehr vnd herrligkeit ist erhöcht über die himmel. Sein gewalt vnnd macht hatt kein end maß noch zil. Mit was bildtnuß vnnd materi wil man dann ein geist vergleichen?LIII. / 53a
Dauid beschreibt dargegen die bilder also / der Heiden götzen sind silber vnnd gold / werck der menschen henden / sie habend einen mund / redend aber nit / augen habend sie vnd sehend nit / oren habend sie vnd gehörend nichts / auch ist kein athem in jrem mund. Nasen habend sie vnd riechend nit / sie habend hend vnd könnend nit greiffen / füeß habend sie vnd könnend nit gon / kein stimm könnend sie in jrem halß zuo wegen bringen usw. Was gleichnuß sol nun sölichs mit Gott haben? Darumb Gott wöllen mit einem sichtbaren bild anbilden vnd außtrucken / dz ist Gott zum gespött vnd zur verachtung machen. Dann Gottes aug sicht alle ding / deß Götzen aug sicht nichts überal. Gottes ohren hörend als / deß Götzen ohren hörend nichts. Durch Gottes krafft läbend vnd bewegend sich alle ding / vnnd wirdt auch alles durch jhn erhalten / die götzen aber habend kein leben in jnen / vnd regend sich nur nit / vnd wo sie nit sonst durch andere hilff werdend gehalten / so zerfallend sie vnd gond zuo scheiteren. Die götzen habend kein athem / Gott aber gibt allen lebenden geist vnd athem. Worinn könnend sie dann ein anderen gleich sein? weder ist die materi oder die form deß götzen Gott gleich? Sagst du die materi / so müeßte Gott ein guldiner / silberiner oder höltziner Gott sein. Sagst du dann die form / so volgete / das die vnsichtbar krafft / hinfellige vnd zerstörliche glider hette / vnd hiemit wurde bestätet der jrthumb der Anthropomorphiten. Hat dann der götz kein gleichnuß mit Gott / warumb werdend dann die götzen [ / ] bilder vnd gleichnußen Gottes genent? wenn vnder vns menschen einer den anderen ein götzen oder ein bild nante / so hättind wirs für ein grosse schmach / dann ein götz sicht wol eim menschen gleich / er ist aber kein mensch / darumb wenn wir von eim faulen / groben vngeschickten vnd vnartigen menschen wöllend reden / der weder vernunfft noch verstand hat / so nennend wir jn ein götzen oder ein bildstock. Warumb woltend wir dann erst die bilder Gottes gleichnuß nennen? Gott ist läbendig / die bilder aber gleichend den todten menschen / wie im buoch der weyßheit stat. Gott ist herrlich vnd gewaltig / vnd seiner herrligkeit vnd Maiestet ist himmel vnd erden voll / die bilder aber habend kein herrligkeit / werdend von meniglichem verspottet vnd verlachet. Die bilder sind zeichen der abwäsenden / Gott aber ist allweg allenthalben zuogegen. Die zeichen aber die Gott vor zeiten seinem volck eingesetzt vnd gegeben hat / sind nit einfaltig zeichen vnd bildtnußen Gottes gewesen / sonder zeichen der gegenwertigkeyt Gottes / die da bedeütend dz Gott der an jm selbs ein geist / vnsichtbar vnd vnbegreifflich vnd vnermessen ist / zuo gegen were. Wie dann söliche zeichen gewesen sind / die wulckensul / der rouch / vnd dz fewr am berg Sina. Also auch die puntsladen / welche darumb von den flüglen der Cherubim bedeckt ward / dz damit anzeigt wurde / das kein sterblicher mensch in dz angsicht Gottes selbs schawen möchte / vnd das man deßhalben / hertz geist vnd gemüet gen himmel auffheben sölte. Darumb auch zum Mose / von dem doch geschrieben stat / dz er Gott von angesicht zuo angesicht gesehen hab / geredt ward / Niemand wirt mich sehen vnd leben. Nach dem wir aber auß diser zeit abscheidend / so werdend wir jn sehen wie er ist / wie der heilig Johannes sagt. Das sind die vrsachen darumb der Herr nit wil durch einicherley materi form oder gestalt verbildet werden.
Vnd daher dienend jetzund die zeügnußen der aller Gottsäligesten vnd fürtreffenlichsten männeren Mosis / Jsaie / vnd Pauli / vnder welchen Moses also spricht. Deu. iiij[12]. Der Herr redt mit euch mitten auß dem fewr / die stimm seiner worten hortend jr / aber kein gleichnuß sahend jhr außerhalb der stimm. Jtem / So hüetend euch nun wol / als lieb euch eürere seel ist / dann jr habend kein gleichnuß gesehen deß tags do der Herr mit euch redt auß dem fewr auff dem berg Horeb / auff das jr euch nit verderbind / vnd euch etwan ein gehawen oder gegraben bild machind / einer gleichnuß einicherley gestallt / es seye eines manns oder weybs / oder vichs auff erden / oder einicherley geflügleten vöglen / die da fliegend vnder dem himmel / oder
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gewürm auff dem land / oder fisch im wasser vnder der erden / das du nit deine augen auffhebist gen himmel / vnd sehist die Sonn / vnnd den Mon / vnnd die sternen / vnd das gantz heer deß himmels / vnd werdist außgestossen / vnd bätist sie an / vnd dienest jnen / welche der Herr dein Gott außgetheilt hatt allen völckeren vnder dem gantzen himmel. Vnd bald hernach weiter. So hüetend euch nun / das jr deß pundts deß Herren eüwers Gotts nicht vergeßind / den er mit euch gemachet hatt / vnnd nicht bilder machind einicherley gestalt / wie der Herr gebotten hatt. Dann der Herr dein Gott ist ein verzerents feüwr vnd ein eyferiger Gott. So vil auß Mose.
Esaias am xl. Capitel [15.16] spricht also. Nimm war alle völcker sind gegen jhm (verstand Gott) wie ein tropff gegem eimer voll / vnd werdend gegen jm gerechnet wie das wenig das die wag außzeücht. Nimm war die Jnßlen zerwirfft er wie kleinen staub / der Libanus möchte das fewr nicht anzünden / vnnd alle seine thier wärind nit gnuogsam zum brandopffer. Alle völcker sind gegen jm wie nichts / ja eytel öd vnd lär gegen jm gerechnet. Wäm wöllend jhr dann Gott vergleichen? oder was gleichnuß wöllend jr jm auffrichten? Sol jm der zimmerman ein geschnitzts bild machen? vnd der goltschmidt mit guldinen blächen decken? oder mit silberinen kettinen anlöten? Ein armer erwellt auch ein holtz das nit faule damit er auch opffere. Der weyß werckmeister suocht jm auch ein bild zuo bereiten / das sich nit bewege. Jst euch das vnbewüßt? habend jr daruon nichts gehört? ist es euch nit von anfang här geprediget / sind jhr deß nicht berichtet seyt das pfiment [fundament] der erden gelegt ist? das er auff der kuglen der wält sitzt / vnd die inwoner der wält sind gegen jm wie höwstöffel [hewschrecken] / das er die himmel außbreitet wie ein decke / das er sie außspannet wie ein zällt zuo einer hütten außgespannet wirt / das er die fürsten zuo nüte / vnd die richter der erden eytel machet / also das sie nit widerumb gepflantzet oder gesäyet werdend / noch jr stammen widerumb in der erd wurtzlet / dann so bald er sie ankuchet [anbleset] / sind sie erdorret / vnd farend hin wie die stupflen [stoppeln] vonn der windsbrut. Wem wöllend jhr mich nun gleich machen? vnd wem sol ich gleich sein / spricht der heilig? Erhebend ewere augen in die höhe vnnd sähend / wer hat die ding geschaffen / die mit so grossen hauffen außziehend / vnd er kan jnen allen mit dem namen rüeffen / dann der grösse seiner macht / stercke vnd krafft ist keins verborgen usw. So vil auß dem Esaia.
So spricht auch Paulus do er zuo Athen von dem waaren Gottsdienst leeret vnd disputiert vnder anderem also / Gott der die wält gemachet hat / vnd alles was darinnen ist / seittmals [sintemal] er ein Herr ist himmels vnd der erden / so wonet er nicht in templen mit henden gemachet / seinen wirt auch nit vonn menschen händen gepflägt / als der jemands bedörffe / so er selber jederman leben vnnd athem allenthalben gibt / vnd hatt gemachet / das von einem bluot aller menschen geschlächt auff dem gantzen erdboden wonend / vnd hatt zil gesetzt von ewigem fürsehen / wie lang vnd weit sie wonen söllind / das sie den Herren suochen söltind / ob sie jn doch spüren vnd finden möchtind / vnd zwar er ist nicht verr von einem jeglichen vnder vns / dann in jm läbend / sträbend / vnd sind wir. Als auch etlich Poeten bey euch gesagt habend / wir sind seiner art. So wir dann Göttlicher art sind / söllend wir nit meinen das die Gottheit gleich seye dem gold oder dem silber / oder dem bildwerck der menschlichen kunst vnnd dichtung usw. Das sind nur alles so hüpsche heitere vnd lautere zeügnußen / die sich so eigentlich selbs zuo vnserem fürnemen reymend / das es nit von nöten ist / das ich sie weiter außlege. Darumb der heilig Augustinus nit vnbillich vnd nit on grosse vrsach für ein grosse schmach Gottes gehalten hatt / so jemandt ein bildtnuß Gottes deß vatters sitzender weiß auff einem stuol oder thron inn ein tempel oder kirchen
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machete / dann es gebüre vnd zimme sich nit sölichs von Gott zuo gedencken. Seine wort hab ich doben in der achtenden predig anzogen / da ich geredt hab von der gerechten deß vatters / vnd anzeigt was es seye zur gerechten deß vatters sitzen.
So vil aber jetzund andere bilder belanget / die man den creaturen oder Götteren auffrichtet / so sind söliche nit minder verbotten dann Gottes bildtnussen. Dann sol man dem waaren Gott kein bild auffrichten / so sol mans auch vil minder einem frömbden Gott auffrichten. Dann mit den bilderen hatt es die gestalt / dz deß menschen gemüet zum ersten jm erwelt ein Gott zuo vereeren / darnach so bildet es jm yn etwas gstalt / die gibt es jm zuo / vnd dannenthin so macht die hand dz bild / das man deßhalb recht spricht / das gemüet empfahe den götzen / die hand gebäre jhn aber. Nun hatt aber Gott im ersten gebott verbotten / das wir nicht frömbde götter haben söllind. Wer nun keine frömbde götter hatt oder jm selbs erwellt / der erdenckt jhnen auch kein bildtnuß / vnd richt jhnen keine götzen auff / dann er weißt das es vnrecht ist Gott ein bildtnuß wöllen auffrichten / er weißt auch das es wider Gott ist / ein frömbden Gott erwellen / vnnd deßhalb auch eines frömbden Gotts bildtnuß inn der kirchen wellen haben vnnd auffrichten. Darumb läsend wir auch niergent / das die kirch vnnd gemeind Gottes im alten Testament jrgent einiche bilder jhren heiligen (deren sie doch vil hattend / nammlich die alten heiligen Patriarchen / Richter / Künig / Priester / Propheten vnd marterer / auch vil fürnemer ehrlicher frawen vnnd witfrawen /) auffgericht habe. So hat auch die erste kirch zun zeiten Christi vnnd der heiligen Apostlen keine bilder gehabt inn jhren templen oder bätthüseren / weder Christi deß Herren / noch anderer heiligen.Es ist auch menigklichen bewüsst die that deß heiligen Epiphanij die er inn Syria zuo Anablatha gethon hat / welche funden wirt inn einer Griechischen Epistel an Johannem den Bischoff zuo Jerusalem / welche Epistel vonn Sanct Hieronymo ins latin verdolmetschet ist / Nammlich das er ein tuoch daran ein bildtnuß was / eintweders Christi oder sonst eins heiligen / inn einer kirchen fand hangen / das nam er vnd zerzeeret es / vnnd sagt / das es der Christenlichen religion zuo wider wäre / das inn eim tempel Gottes eines menschen bild sölt hangen.
Es schreibt auch der heilig Augustinus in dem Register der Kätzeren / von einer frawen Marcella genant / die der Carpocratianer sect anhieng / das sie bildtnussen heige gehebt deß Herren Jesu / Jtem Pauli / Homeri vnd Pythagore / vnd das sie die habe vereeret / sie anbättet vnd vor jnen geröucht. Darumb auch Eraßmus von Roterdam / der inn den büecheren der alten vätteren gar treffenlich geüebt / nach dem er vil vnd scharpff von dem bruch der bilderen inn den templen geschriben hatt / sagt er zum letsten wol vnd recht druff also. Das bilder inn der kirchen sein söllind / das leert kein gebott / auch kein menschlichs nit. Vnd es wäre leichter / vnd das sicherer / das man alle bilder auß den kirchen thäte / dann das man dahin möge kommen / das man ein maß darinn halte / vnd kein aberglauben vnd superstition [-] darmit inmische. Dann wie suber vnd rein joch dz gemüet von superstition [-] vnd aberglauben immer seye / so sicht es doch einer superstition [-] vnd aberglauben gleich / wenn einer so er bättet / vor einem höltzinen bild niderknüwet / seine augen auff das setzt / mit jhm redet / vnd es küßt / vnnd nimmer bättet er habe dann ein bild vor jm. Vnd wer jm Gott anderst ynbildet / dann wie er ist / der verehret die geschnitzten bild / wider das verbott dises gebotts. Jtem im selben büechlin schreibt er auch ein söllichs. Es sind biß auff die zeyt deß heiligen Hieronymi sölliche männer gewesen / die inn der religion vnnd am glauben kein fäl hattend / die littend inn jhren templen kein bildtnuß / weder gemalete / noch gegrabne / noch gewürckte / auch die bildtnuß Christi nicht /LIIIIv. / 54b
vnd das als ich acht von wegen der Anthropomorphiten. Nach vnd nach aber ist der brauch der bilderen in die kirchen eingeschlichen. Diß schreibt Erasmus.
Nun sol man aber auch vnserem Herren vnnd waaren Gott Christo Jesu kein bildtnuß auffrichten / von wegen seiner angenomnen menschlichen natur / dann er ist nit darumb mensch worden / das man jhn verbildete. Darzuo hat er sein menschliche natur gen himmel gefüert / vnnd wil hiemit / das so wir bätten wöllend / das wir die augen vnsers gemüets vnnd auch deß leybs / daselbst hin auffhebind. Auff erden hat er seiner kirchen geschickt an sein stadt die krafft deß heiligen geists / inn welcher er ein geistlichs reich füert / vnnd bedarff keiner leiblichen oder eusserlichen dingen / den armen hat er geheissen gäben / nit seinen bilderen anhencken / was man jm thuon wil. Besonders aber auch dieweil vnwidersprechlich ist / das Christus vnser waarer Gott ist / vnnd der waar Gott verbeütet das man jm kein menschliche oder andere bildtnuß auffrichten sölle / das ist Gott mit menschlicher gestalt verbilde / so volget / das man auch Christo kein bild söll auffrichten / dann er der waar Gott vnd das ewig leben ist. j.Johan v. So vil vom ersten theil dises gebotts. Im anderen theil wirt aber angezeigt vnd gelert / wie verr man keine bilder Gottes vnd der götteren sölle machen / vnd ob sie jemand machete / wie wir vns dargegen söllind halten. Namlich so sol man die bilder nicht machen zum Gottsdienst / oder das man sie zuo der religion brauchen wölle / vnd so sie jemand also machet / vnd zur religion braucht / so söllend doch die rechten Gottsglöubigen die verachten vnd nichts schetzen / vnd sollend sie weder verehren / noch anbätten / noch jnen inn einigen wäg dienen. Vnd werdend hie zwey ding genent die man mercken muoß / Das ein das da stadt du solt sie nicht anbätten. Anbätten heißt hie nit nur anrüeffen / vnd sie einfaltig anbätten / sonder auch das haupt vor jhnen blössen / niderknüwen sich biegen vnd neigen / es seye mit dem haupt oder mit dem gantzen leyb / vor jnen niderfallen / jhnen ehr erbieten / sie verehren förchten vnnd hoch halten. Die glöubigen habend etwan anbättet / das ist sich geneigt / jr haupt entblößt vnd niderknüwet / gegen der oberkeit vnd den Propheten / gegen den Fürsten vnd leereren deß volcks / auch gegen anderen Ersamen männeren vnd personen / dann Gott hatt sölichs gebotten / vonn wegen das er durch dise leüth das heil vnnd den wolstand der menschen würckt vnnd fürderet / Darzuo so sind auch die menschen läbendige bildtnussen Gottes / Die götzen aber sind todt / stumm / blind / holtz vnd stein / die söllend wir nit anbätten / das ist jnen gantz kein ehr erzeigen wann es gleich Gottes bildtnussen wärind. Das ander aber ist / das da stadt / du solt sie auch nicht vereeren / oder jhnen nicht dienen. Jn welchem stückli verbotten wirt aller eusserer vnd vngebürlicher Gottsdienst / der Gott oder frembden götteren bewisen wirt mit superstition [-] vnd aberglauben / mit vßerem kirchenpreng [kirchen gepreng] / fyrtagen / vnnd was dergleichen diß sind. Dann dienen / heißt einen vereeren vnd vor augen haben / vnd jhm etwas maiestet vnd Göttlichs zuomessen / vnd zuoschreiben / jnn hoch halten / jm röuchen / opfferen / oder andere dergleichen stuck vnd dienst beweisen / wie dann menigklicher weißt was dienen ist vnd heißt / besonders in religions sachen. Darumb wirt vns hiemit verbotten das lauffen zuo den bilderen / vnnd wenn es gleich Gottes bilder wärind. Es wirdt vns auch verbotten aller dienst / das wir jnen nützit [nichts nützliches] schenckind gäbind oder zuotragind / oder ützit [etwas] Göttlichs zuogebind / dardurch wir vns gegen jhnen verstrickind / ja das wir sie gantz keiner eeren wärt haltind / oder sie zuo vnseren heiligen religions vnd glaubens sachen brauchen wöllind. Dieweil wir jnen nun kein ehr noch dienst entbieten oder beweisen söllend / wie könend wir jnen dann zuogeben / daß allein deß geists vnd deß worts Gottes eigenschafft vnd wolthat ist / namlich dz sie vns leerind erinnerind vnd ermanind /LV. / 55a
dieweil doch auch der fürtreffenlich Prophet Abakuk / den auch der h. Apostel Paulus anzeücht vnd rüempt / also von jnen schreibt / Was wirt dz bild hälffen / das sein gestalter geschnitzet hat / vnd das gegossen bild das luginen leert vnd falsch weißt / auff das sich sein gstalter vertröstet so er stumme götzen machet? Wee dem der zum holtz spricht / wach auff / vnd zum stummen stein / stand auff. Mag der etwas berichts geben? Nimm war es ist mitt silber vnd gold eingefasset / vnd kein athem ist in jhm / der Herr aber in seinem heiligen Tempel ist der / vor dem alle welt still sein sol. Was köndte heitterers vnd waarhaffters geredt werden? Die bilder sind lugenhafft. Wie köndte aber das offentlich die luge ist / die waarheyt leeren? Die gemäl vnd bildtnussen habend weder bewegnuß noch läben / noch geist / Gott aber sitzt vnd regiert in dem Tempel seiner heiligkeyt / vnd leert durch seinen geist vnd mit seinem wort alles das zur waaren Gottsäligkeit dienet / vnd lebt in den hertzen seiner heiligen vnd außerwölten. Darumb sollend vor jhm schweigen vnd still sein die zungen aller deren inn der gantzen welt / die da vnderstond die abgötterey zuo schirmen vnd zevertädingen [zeuerthedigen].
Im dritten teyl diß gebotts handlet der Herr mancherley. Zum ersten / so zeigt er an das die menschen kein billiche vnd rechtmäßige vrsach habind / das sie sich von dem waaren Gott keerind / vnd jnen selb frömbde götter erwellind / oder dz sie Gott verehrind anderst dann er wil verehret sein. Darumb spricht er / Jch bin der Herr dein Gott ein starcker Gott / als wölte er sagen / Bin ich der Herr / so dienest du mir billich / so bist mir billich gehorsam / vnd ehrest mich billich / ja auch also ehrest du mich billich / wie du weist das ich verehret wil sein. Bin ich dann Gott / so bin ich die volle gnuogsamme aller dingen. Was ist dann das dir an mir mangle / vnd das du bey mir nit findest? Warumb woltest du dich dann zuo frömbden götten keeren? du hast sein doch kein einige vrsach. Darzuo so bin ich ein starcker / gwaltiger vnd allmächtiger Gott. Vnd du wirst kein gwaltigern oder reichern Herren finden / der dich möchte mitt seiner krafft auß meinen händen erretten / oder der dir alles guots überflüßiger könne zuodienen / dann ich auß dem schatz meiner güetteren vnnd meines überflusses / dann ich bin allein der waar / ewig / vnüberwintlich vnd allmächtig Herr der gantzen welt / der waar vnnd einig hälffer vnnd erlöser / ein reichlicher freygäber mittheyler aller güetteren. Darzuo so bin ich dein Herr / vnnd dein Gott / Meine güetter sind dein / dann ich bin auch selbs dein / dein schützer vnd schirmer wider alles übel. So bist du mein / Jch hab dich erschaffen / ich läb in dir / vnd erhalten dich / warumb woltest du dich dann zuo andern vnd frembden götten keeren / was bedarffst du dann der bilderen? Du selbs bist ein Tempel Gottes / empfindest nit das ich in deinem hertzen wonen? vnd was gemeynschafft hat doch der Tempel Gottes mit den bilderen? Demnach so setzt er aber auch billiche vnnd erschrockliche tröw wort drauff / dann er spricht / Jch bin ein eyferiger Gott. Das mag man auff zwen weg verstan / vnnd ist doch entwäderer [kein] verstand dem anderen zuo wider. Erstlich / als wölte er sagen / Jch wil nit das du andere götter suochest / oder frembden gottsdienst auffrichtist / vrsach / Jch bin ein eyferiger Gott / ich eyferen / vnnd mag schlächtlich vnnd kurtzumb keinen anderen nebend mir leiden / Jch wil das du mich allein lieb habist vnd verehrist / vnd das auch auff kein andere weiß / dann wie ich dirs fürgeschriben hab. Dann es braucht der Herr hie / wie auch sonst gemeynlich in der geschrifft die gleichnuß der Eeleütten / mitt welcher er außtrucken wil die vereinbarung vnnd verknüpffung / mitt deren wir Gott durch den glauben verknüpfft vnd verbunden sind / wie dann auch die religion à religando, das ist von dem verknüpffen vnd verbinden den nammen hat. Dann Gott ist gleich als vnser Eeman / vnd Breütigam / wir sind sein gmahel vnnd Braut. Ein fromme vnd treüwe Eefrauw aber / die volget allein jres manns stimm / sieLVv. / 55b
hat jn allein lieb / sie gehorsammet jhm allein / sie begärt nebend jhrem Eeman keiner andern mannen. Aber ein vnuerschampts treüwloses weib / die mer ein Eebrächerin vnd ein huor / dann ein Eeweib ist / die hanget wol jhrem man an / aber sie wirt auch anderen zewillen / liebet auch andere / vnd das gmeynlich ynbrünstiger / dann jrem eignen Eeman. Da ist aber yetz Gott eyferig / vnd wil allein / nit nebend anderen geliebt vnd verehret werden. Darumb so ist das ein geistlicher Eebruch vnd ein geistliche huorey / so wol die menschen Gott liebend vnd verehrend / aber nebend jm auch andere vnd frembde götter. Vnd wider dise treüwbrüchige seelenhuorey schrijend die heiligen Propheten allenthalben auff das aller greüselichest vnd häfftigest / dann es ist kein grösser laster / vnnd kein grössere sünd. Gott wöll aber das nit auff den hüttigen tag vil sygind / die es für ein lieben vnd angenämmen dienst Gottes haltind.
Zum anderen / so mag es aber auch in dem verstand genommen werden / als wölte er sagen. Jch wil nit das du dir andere götter suochist / ich wil auch nit das du dir selbs ein eigne weiß erdenckist mich zuo verehren. Vrsach / Jch bin ein eyferiger Gott / der bald erzürnt wird / der ichs vngestrafft nit lassen / wenn man mich vnd mein gebott verachtet. Vnnd auff dise meynung so erklärt er sich selbs weitleüffig / wie er ein eyferer sey / also namlich / das er heimsuoche die boßheyt der vätteren an den kinden / biß ins dritt vnd viert geschlecht / deren die jn haßind. Deßhalb so ist Gott ein gestrenger Richter / vnnd gerächter rächer / erstlich wider alle die / die frembden götteren nachuolgend / auch Gott selbs mit verbottnen sachen dienend / Demnach aber auch wider alle die so sein überig gantz gsatzt überträttend. Dann mit denen worten hie / tröwt er wol fürnemlich allen die abgötterey treibend grosse vnnd schwäre straaff / darnebend aber auch den andern / allen die auch andere gebott Gottes übersähend. Dann das der Herr hie redt / das ist inn gemeyn geredt / vnd dienet wider alles gottloß wäsen / vnd wider alle vngerächtigkeyt der menschen. Doch dieweil Gottes sachen alle menschliche händel weit fürträffend / so sündend die vil übler / die wider die erste / dann die die wider die andere Tafel sündend / vnd darumb so vnderwärffend sie sich auch dest grössere plagen vnd straffen. Nun spricht aber der Herr er wölle die boßheyt der vätteren heymsuochen oder straffen an den kinden / biß in das dritt vnd viert geschlecht. Das verstand nit also / das Gott vngrecht sey / vnd an den vnschuldigen straffe ein sünd die ein andrer begangen hat / wie die Juden Gott schantlich lestertend / als man findt im Propheten Ezechiel / vnd dz sprüch wort darzuo brauchtend / Die vätter habend vnzeitig trauben gässen / vnd die zän der sünen erckelend [seind...stumpf worden]. Gott thuot nit also / das ist nit sein meinung / sonder ein yetlicher wirt sein sünd tragen / vnd wirt weder der sun deß vatters / noch der vatter deß suns missethat tragen / noch büessen / wie Gott söllichs im gemelten Propheten Ezechiel / vnd in der gantzen heiligen gschrifft heiter leert. Aber wenn die kind vnd nachkommenden jren vättern in der boßheit nachschlahend / vnd auch den götzen dienend wie jre vätter / vnd aber meynend sie werdind sicher darbey sein / vnd es werde jnen nichts schaden / darumb dz sie söllichs von jren vättern glernet vnd empfangen / vnd darumb das jre vätter guot glück ghept / ob sie gleich auch mit abgötterey vmbgangen / Da (wil Got sagen) wil ich die boßheyt der vätteren an den kinden straffen / das ist die sünd / die die kind von den vätteren gelernet habend / vnd für vnd für üebend / vnnd mit dem exempel vnd mit dem glück der vätteren erst schirmen wöllend. Die wil ich an jnen höchlich straffen / wenn ich sie gleich an den vättern nit gestrafft hab. Darumb wirt auch hie außtruckenlich daran gehenckt / deren die mich hassend. Deren exempeln sind vil in büecheren der Küngen / Als da ist das exempel Jeroboams / dessen hauß vnd stamm im grund außgreütet ist worden / von wegen derLVI. / 56a
abgötterey vnd frömbden gottsdiensten die er in Jsrael auffgericht hat. Also gleich nach jm gadt auch zegrund dz gantz geschlecht deß Künigs Baasa. Also wirt auch inn boden außgereütet dz gantz hauß Achabs / vnd wirt zeletst dz gantz volck Jsraels gefangen hinweg gfüert in Assyrien. Also ward Salomon der aller gwaltigest / reichest / weisest / vnd glückhafftigest Künig Juda / von wegen der abgötterey vnd deß frömbden gottsdienst gächling zenichte. Was auch seinem sun Roboam / Jtem dem sun Josaphats / dem Achas / dem Manasse / dem Jehoiachim vnd dem Zedechia von wegen der abgötterey vnd deß falschen gottsdienst begegnet sey / das weißt yederman / er wüsse dann die Biblischen Historien nicht. Darumb so lassend vns das eigentlich vnd wol behalten vnd mercken / das Gottes tröwungen waarhafft sind / vnd das Gott ein grimmiger aber gerechter rächer vnd straffer ist der abgötterey / vnd aller deren die die selbig treibend / es sey mit frembden götten oder falschen gottsdiensten / ja auch aller andern lastern der menschen. Vnd ob schon Gott sich ein weil ansehen laßt / als ob er schlaffe / so erwachet er doch zur rechten zeit / vnd widergiltet den gottlosen nach jrer gottlose. Er ist langmüetig / vergißt aber der frommen vnd vndergetruckten darumb nicht / er ist der gottlose vnnd den gottlosen drumb nit günstig / sonder gibt jnen also zeit sich zebessern. Welche nun söllichs nit thuond / die werdend darnach dester ein grössere straff empfahen / wie Paulus spricht / warumb verachtest du die reichthum seiner güetigkeit / gedult vnd langmüetigkeit? weist du nit das dich Gottes güete zur buoß leitet / Du aber nach deinem verstockten vnd vnbuoßfertigen hertzen / samlest dir selbs einen schatz deß zorns / auff dem tag deß zorns vnnd der offenbarung deß gerechten gerichts Gottes / welcher geben wirt einem yeden nach seinen wercken usw.
Dargegen so verheißt aber auch der gabreich Gott / grosse ding vnd alles guots / denen die jn vor augen habend / vnd inn waarem glauben vnd gottsforcht beständigklich verharrend. Dann er spricht / vnd ich thuon barmhertzigkeit oder wolthat in vil tausent. Da wir sehend dz er in dem stuck fürtrifft / dann so er erzürnt / so strafft er allein biß in das dritt vnd viert geschlecht / sein barmhertzigkeit vnd wolthat aber üebt er inn vil tausent / Dann seine güete vnd seine wolthaten habend kein maß / noch kein end / vnd sein barmhertzigkeyt ist über alle seine werck. Daran henckt aber Gott widerumb / deren die mich liebend vnd meine gebott haltend. Darinn sind zwey stückli / die Gott erforderet von den seinen / Das erst ist / das sie Gott liebind vnd jn für jren Gott haltind / so das geschicht so nemmend sie kein frömbden Gott an. Dz ander / dz sie Gott gehorsammind / vnd wandlind in den gebotten Gottes / vnd so das auch geschicht / so gond alle götzen vnd alle falsche gotsdienst zegrund / vnd regiert Gott durch sein wort in den hertzen deß gleübigen menschens / den er auch nach seiner güete mit allerley sägen überschüttet. Vnd dises stückli dienet auch fürnemlich auff diß gegenwirtig gebott / doch darbey auch auff alle andere gebott / wie wir auß den wortten Gottes selbs sollichs sehend. Darumb wir das steiff halten vnd wüssen sollend / das denen grosse belonungen von Gott bereittet sind / die in dem gsatzt deß Herren wandlend. Diß hab ich auff diß mal eüwer lieb wellen fürhalten von disen zweyen gebotten der ersten Tafel / das ich nun nit wider äferen [widerholen] wil / von wegen dz die zeyt hin / vnd sich fast anderthalb stund verlüffen. Jch hoff aber es sey alles dermaß heiter / ordenlich vnd einfalt / dz es keins wider äferens dörffe / jr habinds sonst wol behalten vnd verstanden. Lassend vns yetz den Herren loben / vnnd seiner güete danck sagen / mit welcher er vns seine weg geoffenbaret vnd zeuerstan geben hat. Lassend vns jn auch darbey anrüeffen vnd bitten / das er vns gnad verleihe recht darinn zuo wandlen / damit wir kömmind zuo der himmlischen fröud / Durch vnseren Herren Jesum Christum / Amen.
13.Pr.Die Dreytzehende Predig.
Von dem dritten gebott der ersten Tafel / vnd von dem Eydschwuor.
Das Dritt gebott der ersten Tafel der Zehen gebotten lauttet vonn wort zewort also / Du solt den Nammen deß Herren deines Gotts nitt vergäblich nemmen / dann der Herr wirt den nicht vnschuldig halten / der seinen Nammen vergäblich nennet. Jm anderen gebott / hatt der Herr anzeigt / welchen gottsdienst er nicht haben noch leiden wölle / Namlich den ausseren / fleischlichen / jrrdischen / vnd verwänten [gewöhnlichen] der da gantz vnd gar inn allweg mit dem geist vnd der natur Gottes streyttet / da man namlich Gott vergleichen vnnd verbilden wil / mit einer materlichen [leiblichen] vnd zergencklichen gstalt vnd bildtnuß eines menschen / oder einer anderen Creatur / vnnd jhn dannenthin auch vnder denen gestalten mit ausseren zerstörlichen dingen / die allein zum brauch vnd vnderhaltung der menschen geordnet vnnd erschaffen sind verehren wil. Dann Gott ist ein geist / der da ewig ist / der alles durchtringt vnnd alles erhaltet / den alle geschöpfften / ja die aller besten vnnd fürnembsten / wenn man sie gleich all zuosammen thäte / nicht außtrucken / ja im aller wenigsten nit verbilden noch vergleichen möchtind. Darzuo so darff Gott keiner ausseren zerstörlichen dingen / der vil mehr vnns darreicht vnnd gibt alles das wir bedörffend. Darumb ist es ein grosse thorheyt / dem vatter vnnd gäber alles liechts / ein liecht / wachßkertzen oder wolriechende facklen wöllen anzünden / Es ist auch ein grosse thorheyt dem ewigen geist / wöllen vichfleisch opfferen / der doch in Psalmen spricht / Es sind alle thier in dem Wald mein / vnnd die tausent hauptvich in den bergen / Alles gefügel [gevögel] der bergen kenn ich / das gefügel deß Felds ist mir bekannt / wo mich hungerte / wurde ich dir es nitt sagen / dann der gantz erdboden ist mein / vnnd was daruff ist usw. Nun aber in disem dritten gebott leert der Herr gar eygentlich / wiewol mit wenig worten / wie er wölle verehret sein vnnd werden / Namlich mit heiligung seines Göttlichen nammens. Gottes Namm aber ist Gott selbs / sein herrligkeyt / waarheyt / allmächtigkeyt / vnnd gerechtigkeyt. Da wirt vns nun gebotten / das wir den Nammen Gottes nicht mißbrauchind / oder jhn nemmind zuo eytelen vnnd leichtferigen dingen / sonder das wir von Gott vnnd allen händlen Gottes herrlich / heiligklich vnnd ehrlich / haltind / gedenckind vnnd redind. Es hatt auch ein besonderen nachtruck auff jm / das er spricht / den Nammen deß Herren deines Gottes / als wölt er sagen / deines höchsten guots / deines schöpffers / erlösers vnnd Vatters. Er verbeüttet aber nicht einfalt / das man seinen Nammen gar nicht nennen sölle / sonder das wir jhn nicht eytel leichtferig oder vergeblich nemmind / das ist on not vnnd on nutz / wider vnnd on die ehr Gottes. Darumb wöllend wir nun besehen wie wir den Nammen Gottes heiligen vnd recht brauchen / vnd deßhalb auch Gott rechtgeschaffenlich verehren söllind. Erstlich so söllend wir von Gott halten als von dem obersten guot / vnnd vnerschöpfften schatz aller güetteren / als dessen will gegen vnns überauß guot vnnd gantz vätterlich ist / der da wil vnnd begärt / das alle menschen sälig werdind vnnd zuo erkanntnuß der waarheyt kömmind / deß gerichte alle billich vnnd gerecht / dessen werck gantz fürträffenlich / vnnd dessen wort die einig waarheyt sind. Darnach söllend wir disen heiligen nammen deß Herren anrüeffen in allen vnseren nöten vnnd anligen / von jhm allein sollend wirLVII. / 57a
begären was wir bedörffend an leyb vnnd an seel. Jm söllend wir alle zeyt lob vnd danck sagen vmb seine guothaten die er vns thuot / dann alles guots das wir menschen alle haben vnd vberkommend / das habend wir von niemand anders dann auß dem brunnen seiner Göttlichen gnaden. Dise eer muoß man Gott allweg allein zuoschreiben. Jtem so wir durch widerwertigkeyt vnnd trüebsal geängstiget werdend / so söllend wir nit murmlen [murren] wider den guoten vnd gnedigen willen / auch wider die gerechten gericht Gottes / sonder wir söllend vil mehr gedultig sein / vnd vns demüetigen vnder der gewaltigen vnd vätterlichen hand Gottes / vnd mit Dauiden schreyen / Herr es ist mir guot / das du mich gedemüetiget hast. Wir sollend auch Gott nichts fürschreiben / sonder vns allweg gantz vnd gar jhm vnd seinem heiligen vnnd gerechten willen vnderwerffen. Jtem wir sollend jhm in allen dingen die eer geben / sein nammen vnnd leer bekennen vnd veriehen [-] vor künigen vnd fürsten / ja vor allen menschen der gantzen wält / so offt es die notturfft vnnd Gottes eer erforderet. Da söllend wir vns Gottes vnsers vatters / seiner waarheit vnnd glaubens nicht schämmen / wir söllend vns auch nicht beschämmen Christi vnsers erlösers vnd seines creützes. Beschämmen söllend wir vns aber der jrrthuomb / der abgötterey / der wält / vnd aller eytelkeyt / luginen vnd boßheit. Wir söllend auch vom wort vnd von den wercken Gottes eerlich vnd Christenlich reden vnd halten / Gottes gesatzt sol vns heilig vnd hoch / das Euangelium teür vnd werd / vnd die leer der heiligen Ertzuätteren / Propheten vnd Apostlen hochgeachtet lieb vnnd angenem sein. Wir söllend den nammen deß Herren vnsers Gottes nimmer in mund nemmen one grosse vrsachen. Wir söllend nit schweeren / fluochen oder liegen vnder dem nammen Gottes / wir söllend Gottes wort vnd nammen nicht brauchen / zuo zauberey / gauglerey / vnd sägnen [sägen] / dann mit dem wirdt der nam Gottes gar größlich gelesteret. Wir söllend auch steyff vnd vest halten / was wir bey dem nammen deß ewigen Gottes schweerend. Wir söllend warhafft vnd auffrecht sein in allen dingen / damit so die wält in vns ein sölche hochhaltung vnd heiligung deß nammens Gottes sicht / vnseren vatter preyse der in himmlen ist. Das ist der recht vnd Christenlich brauch deß nammens Gottes / vnnd Gottes wolgefelliger Gottsdienst.
Dargegen aber mißbrauchend wir den nammen Gottes in mancherley wäg. Erstlich so vnsere hertzen kein forcht vnd scheühen gegen Gott tragend / so wir von den gerichten vnd vrtheilen Gottes / von seim wort vnd gesatzt vnzimlich / leichtfertig / schantlich vnnd lesterlich redend / Jtem so wir die wort Gottes leichtfertigklich brauchend / vnd auff andere ding ziehend / dann es sein sol / vnd also die geschrifft in ein groben vnerbaren verstand zühend usw. Deßgleich so entheiligendt wir den nammen deß Herren vnsers Gottes / wenn wir jn nit anrüeffend / sonder vns zuo weiß nit was Götteren keerend / zuo menschen hilff / vnd bösen künsten / zuo verbottnen dingen / zuon götzen / zur zauberey / welchs fürnemlich denn zuo mal beschicht / wenn wir vonn wegen vnser sünden / oder so vns sonst Gott probieren vnd bewären wil / in vnfal kömend / vnd darinnen wider Gott murmlend [murren] / seine gericht vnnd vrtheil scheltend / vnnd also vndultigklich vnd mit lesterung Gottes das tragend / das wir aber billich vnd wol verdient leydend. Dahär dann auch gehört / das etliche vnflät / den aller heiligesten nammen Gottes brauchend zuo vnerberer holdschafft [bulschafft] / item verdorbne oder gestolne ding wider zuo erlangen vnnd zuo finden. Jtem wenn wir jm nit in allen dingen alle eer zuoschreibend / Also so etwas guots durch vns beschehen ist / oder etwas löblichs in vns ist / vnd wir vns selbs das selbig / oder zum wenigsten ein theil daran zuoschreibend vnd zuo mässend / vnnd es nit alles überal Gott zuogebend /LVIIv. / 57b
der ein schaffer ist alles guoten / so befleckend wir den nammen Gottes / den man allein loben vnnd preysen soll inn die ewigkeyt. Jtem so wir vnns deß Herren verlaugnend / vnns schämmend seiner Euangelischen leer / vnnd das vonn wegen diser schandtlichen vnnd lasterlichen welt. So wir vnns auch mitt vnerbarem wüestem leben besudlend / dardurch der Namm Gottes verlesteret / vnnd der nechst verergeret wirt / so brauchend wir ye den Nammen Gottes vergäblich / ja zuo schand vnnd schmach. Wir mißbrauchendt auch den Nammen Gottes im Eydschwur / wenn wir eintweders von leichtfertiger sachen wegen Eyd schweerend / oder das nit haltend das wir schweerend. Also auch / so wir inn vnnseren täglichen vnnd gemeynen reden jmmerdar vnnd vmb einen yeden habdanck [vmb einer jeden losen Sache willen] / eintwäders auß böser gewonheyt / oder auß zorn / den erschrocklichen Nammen Gottes nemmend vnnd darbey schweerend / oder sonst auch vil flüechen brauchend / bey den wunden / bey dem creütz vnd leiden deß Herren / bey dem himmel vnnd erden / bey den Sacramenten / bey den heiligen vnnd anderen himmelischen oder jridischen dingen. Es wirt auch der Namm Gottes verunehret mitt vnwaarheyt vnnd liegen / als so ein Prediger vnnd Leerer / inn glaubens sachen bezeüget vnnd fürgibt / Also hatt der Herr geredt / so doch der Herr söllichs nicht gesagt hatt / da wendet er den Nammen Gottes seiner triegerey für / vnnd betreügt die einfalten vnnder dem Nammen Gottes. Also so ein Oberkeyt sagt / aller gewallt ist von Gott / darnebend aber vnder dem schein deß Nammens Gottes den vnderthonen gewallt zuofüegt / vnnd nicht nach Oberkeits pflicht sonder tyrannisch handlet. Also so vnnder dem gemeynen man ye einer den anderen betreügt vnnder dem Nammen Gottes / mitt zuosagen kauffen vnnd verkauffen. Jtem auch so ein starcker bättler / der deß allmuosens nicht wärt ist / den Nammen Gottes zuo seim gnieß vnnd zuo seiner faulkeyt mißbraucht / vnnd was dergleichen stucken sind / Denn wär wolt alle weisen mögen erzellen / auff die der Namm Gottes verunehret vnnd entheiliget wirt? Da wir vnns nun hüetten söllend / das wir inn kein weiß noch wäg den Nammen Gottes schmähind / sonder vil mehr heiligind vnnd inn grossen ehren haltind.
Dann es volget inn den worten deß Herren / die straaff deren die den Nammen Gottes mißbrauchend vnnd schmähend / Dann er spricht / Gott wirt den nicht vnschuldig halten / vnnd vngestraafft lassen / der den Nammen deß Herren seines Gottes vergeblich nempt. Welche tröuwunng ob sie wol an jhr selbs grausam vnnd krefftig gnuog ist / die frommen abzuoschrecken vonn der schmähung deß Nammens Gottes / so wil ich doch auch ettliche exempel setzen / deren die von Gott gestraafft sind / vonn wegen das sie den Nammen Gottes geschmächt vnnd entheiliget habend. Dauid spricht / Die fräfler mögend vor dir nicht beston / du hassest alle die schalckheyt treibend / du bringst vmb die lugner usw. Dieweyl nun dem also / wie vil mehr dann wirdt der Herr verderben alle die gottslesterung redend / vnnd den heiligen Nammen Gottes mißbrauchend? Saul / dieweyl er in seiner letsten not den Herren nicht anrüefft / sonder die Häxen fraget / do kam es jhm darzuo / das er sich selbs erstach / vnnd dennocht vor seynem end sehen muoßt sein volck vnnd auch seine eygne Sün von den Philisteren vmbkommen vnnd erschlagen werden. Ananias log dem heiligen geist / vnnd entheiliget hiemitt den Nammen deß Herren / Darumb ward er mitt dem gähen todt geschlagen / vnnd fuor mitt grosser schmach vnnd schand zur Hellen. Sanherib lesteret den Nammen deß ewigen Gottes vor Hierusalem / aber Gott schluog jhmLVIII. / 58a
gar bald seinen heerzeüg / vnnd ward er selbs von seinen eignen Sünen im Tempel seines abgotts erstochen vnnd vmbbracht. Jehoiachim vnnd Zedechias die Künig Juda entheiligetend den Nammen deß Herren / darumb wurdend sie von dem Nabuchodonosor dem Künig zuo Babel gefangen vnnd vmbbracht. Also wurdend auch Achab / vnnd Jesabel sein weyb / deßgleich die Pfaffen Baals im grund außgereüttet vonn dem Künig Jehu / darumb das sie vnnder dem schein vnnd Nammen Gottes vnnd der waaren Religion / den Nammen Gottes gelesteret vnnd verfolget hattend. Es wirt auch Leuit. am vier vnnd zweintzigsten Capitel[15] versteiniget / der den Nammen Gottes geschmächt vnnd gelesteret hat.
Auß der vrsach schreibt auch der Keyser Justinianus inn seinen Nouellis Constit. 77. den Burgeren zuo Constantinopel also. Dieweyl ettlich sind / die über anderen vnsaglichen muotwillen / auch grausamme wort vnnd schwüer von Gott außlassend / vnnd Gott hiemitt zuo zorn reitzend / so vermanend wir sölliche / das sie sich söllicher schandtlichen worten / auch deß schweerens es sey bey dem haupt vnnd haar / oder anderen dergleichen sachen entschlahind / Dann wenn die schmaachwort die den menschen begegnend nicht vngerochen bleibend / so ist der vil mehr straaffwürdig / der Gott lesteret. Vnd vonn söllicher sünden wegen kömmend theürinen / erdbidem vnnd pestilentzen. Darumb wöllend wir sie gewarnet haben / das sie sich vor söllichen lasteren hüettind / dann wo sie weytter darinnen über disere vnsere vermanung erfunden vnnd ergriffen wurdind / so werdend sie sich fürnemlich vnwirdig machen der liebe vnnd gnaden Gottes gegen den menschen / Darzuo söllend sie auch auß vnserem befälch nach jrem verdienen gestraafft werden. Dann wir habend vnserem Stattvogt befolhen sölliche überträtter zefahen / vnnd auff das höchest zestraaffen / damitt nicht auß kleinachtunng söllicher sünden vnnd verruochten lasteren / nicht allein dise Statt / sonnder auch das gantz Reich vonn Gott geplaget werde. Diß schreibt Justinianus. Darauß wir sehend / das daß grausam fluochen vnnd Gottslesteren / das so gar hatt überhand genommen / vnd das von wenigen oder gar nach keinen Oberkeyten gestraafft wirt / wie es billich solt / nicht den wenigesten theyl schuld tregt an den straaffen vnnd plagen die zuo diser zeyt über vnns gond. Dann es wirt der Namm deß ewig benedeyeten Gottes gemeynklich vonn yederman / hohen vnnd nideren / mann vnnd weyben / jungen vnnd alten dermaß geschmächt vnnd gelesteret / das ich nicht kan dencken das ye vonn anfang der Welt ein söllich Gottslesterlich volck gewesen sey / als yetz inn diser verruochten Welt ist. Darumb plaget vnns auch Gott mitt so grossen vnfälen vnnd straaffen / vnnd wirt nicht auffhören dieweyl wir nicht auffhörendt. Dann Gott ist waarhafft der da spricht / Sie werdind nicht vnschuldig sein / vnnd nicht vngestraffet bleiben / alle die den Nammen Gottes vergäblich nemmend. Da jhn aber dise nicht nun vergäblich nemmend / sonnder boßklich vnnd lesterlich schmähenndt vnnd schändend. Vnnd wölte Gott das die Oberkeytten die ehr vnnd den rechtenn dienst Gottes bey den jhren mitt grösserem ernnst fürdertind / oder wöltind sie ye so vnglöubig sein / das daß nicht möcht bey jhnen erhebt werden / das sie doch zum wenigesten nicht böser vnnd Gottloser wärind dann Caiaphas gewesen / welcher als er hort (wie ers meynt) den Nammen Gottes lesteren / zerreiß er sein kleyd vnnd schrey / Dieweyl er Gott gelesteret / so ist er deß tods schuldig. Darumb wenn die Christenlichen Oberkeiten das Gottslestern nit ernstlicher straffend / so gsich ich nit / das sie in dem fal vil besser sonderLVIIIv. / 58b
wol böser sind dann Caiphas. Deßhalb so lasse eüwer lieb jren das wol zehertzen gan vnd behaltends eigentlich / das Gott waarhafft ist / vnd gwüßlich straffen wirt so man sein nammen entheiliget / sonderlich aber so man den selben so grob lesteret.
An disem ort muoß ich aber auch ettwas reden von dem schweeren oder von dem Eydschwuor / der da beschicht vnnder dem anrüeffen vnnd bezeügen deß Nammens Gottes. Jn welcher handlung vnd tractation [-] vil zuo erwägen vnnd zuo bedencken wirt sein. Dann erstlich / so ist es bey ettlichen im zweyfel ob man schweeren dörffe oder nitt dörffe / darumb das der Herr im Euangelio Matthei am fünfften Capitel[33] spricht / Jhr habend gehört das zuo den alten gesagt ist / Du solt nicht falsch schweeren oder fluochen / aber deine schwüer solt du dem Herren geben / Jch aber sag eüch / das jhr aller dingen nicht schweeren söllend usw. An welchem ort aber / der Herr das recht vnd alt gsatzt von dem schweeren nicht auffheben wil / sonder allein dasselbig außlegen vnnd zuo seinem rechten verstand widerumb bringen. Dann es was dozmal durch die falschen vnnd erdachten außlegungen der Phariseeren gar verduncklet vnd gefelscht / dann sie lartend das volck wol / das sie sich huotind vor falschem schweeren / aber darnebend achtetend sie nicht / der eytelen leichtferigen vnnd vnnützen täglichen schwüeren / vnnd vermeyntend es schüede [schadet] nichts / wenn schon einer schwüere bey dem himmel oder bey der erden usw. Darumb so erklärt der Herr das gesatzt seines vatters vnnd spricht / das alle schwüer verbotten sygind / ja die durch welche der Namm Gottes vergäblich braucht / vnnd ohne not geschworenn wirt. Darnebend verdampt er den rechten Eydschwuor nicht / vnnd hebt jhn nit auff. Dann es ist gar ein grosser vnnderscheyd / zwüschend dem rechten vnnd gebürlichen Eydschwuor / vnnd den täglichen schwüeren / welche nichts anders dann flüech vnnd gottslesterungen / vnnd nicht nur vergäblich / sonder auch schädlich sind. Der Eydschwuor aber ist für sich selb guot vnnd notwenndig. Da verbeüttet nun das gesatzt Gottes kein ding das guot vnnd notwendig ist / darumb so verbeüttet es auch den Eydschwuor nicht / sonnder der Eydschwuor wirdt im gesatzt zuogelassen / allein wirdt das vnnütz vergäblich vnnd leichtfertig brauchen vnnd nemmen deß Nammens Gottes verbotten. So ist auch vnnser Herr Jesus Christus nicht kommen / das gesatzt auff zuoheben / sonnder zuo erfüllen / Darumb so hatt er an gemäldetem ort den Eydschwuor nicht verbotten / es wölte dann yemandt sagen das der Sun mitt seiner leer der leer deß Vatters zuo wider wäre / das aber ein vnnleydenliche lesterunng wäre beyde deß Vatters vnnd deß Suns. Darzuo / so schweert doch Gott selbst / das er freylich nicht thuon wurde / wenn Eydschweeren sünd wäre. Dann er spricht ye nach langer außlegung deß gesatztes / Sind heilig / dann auch ich heilig bin. Jtem Christus / Sind volkommen / wie auch eüwer himmelischer Vatter volkommen ist. Also läsend wir auch / das die aller fürträffenlichesten männer deß Alten vnnd Neüwen Testaments inn grossen vnnd wichtigen sachen bey dem anrüeffen vnnd bezeügen deß Nammens Gottes geschworen habendt / vnnd das one sünd. Darumb so ist der Eydschwuor durch das gesatzt Christi nicht auffgehebt noch verbotten / vnnd mögend Christen leüt wol eydschweeren vnnd auch anderen Eyd aufflegen. Vnnd ich gesich nicht wie der eines Christen Nammens wärdt ist / der nicht schweeren wil / wenn er recht vnnd ordenlich zum Eyd erforderet wirdt. Vonn disem allem aber habLIX. / 59a
ich inn eim anderen büechli wider die widertöuffer weytleuffiger geschriben.
Zum anderen so ist auch hie zuo bedencken / vonn was sachen wegen man schweeren sölle. Bey vilen oberkeiten vnd regimenten ist breüchlich / das man den eydt braucht zuo einer jeden sach wie leichtfertig sie joch seye / dahär dann kumpt / wie wir sehend / das der eydt nichts vnnd ring [gering] geachtet wirdt. Was ist das anders dann den nammen Gottes vergäblich nennen? Darumb söllend die oberkeiten hie lernen vnnd wüssen / das man den eydt nicht brauchen noch forderen sol / anderst dann in schwären sachen / die Gottes ehr / deß nechsten heil / vnd den gemeinen nutz anträffend. Vnnd ist guot das man eigentlich auffmercke inn der heiligen geschrifft / wenn vnnd warumb die geschworen habind / die Gottes volck gewesen sind. Abraham schweert / do er mit dem Künig Abimelech ein pündtnuß auffrichtet. Also hatt das gantz volck deß Herren vnder den künigen offt geschworen / so sie sich gegen Gott mit pündtnuß verstricktend zuo haltung der waaren religion. Also habend die alten etwan durch eydtschwüer sich grosser argwonen entschlagen / wie wir lesend im anderen buoch Mosis am zwey vnd zwentzigsten capitel[10] / Wenn jemands seinem nechsten / esel oder ochsen / oder schaf / oder jenen ein vich zuobehalten gibt / vnnd es stirbt jhm / oder wirdt beschediget / oder wirdt jhm hinweg getriben / das es niemands sicht / so sol mans vnder jhnen auff einen eydt deß Herren kommen lassen / das er nicht habe sein hand an seines nechsten hab gelegt / vnnd deß guotes herr sol es an nemmen / das es jhener nicht wider geben müesse usw. Darumb auch Paulus zun Hebreern am sechsten Capitel[16] spricht / die menschen schweerend bey einem grösseren dann sie sind / vnd der eyd ist das end alles haders zur befestung vnder jnen. Also sol nun auch ein oberkeyt den eyd brauchen / vnnd fleißig sorg haben das sie auch inn anderen sachen es seye eyd zuo geben oder zuo nemen ernstlich vnnd Gottsförchtigklich handle / das auch sie selbs die oberen fleißig haltind was sie geschworen / Jtem das sie den eyd nimmermer leichtfertigen leüthen vertruwind vnnd aufflegind / auch kein ding sonst so hoch schetzind vnd haltind als den eydt / vnd den allweg erst zuoletsten so sunst nichts helffen wil / brauchind / vnd das mit grosser reuerentz / auch die meineiden / vnnd überträtter deß eyds zum höchsten straffind. Wenn das geschech / so wurde der eyd beim gemeinen man nicht so leichtfertig gehalten werden. Vnnd wee allen oberkeyten wenn vonn jhr vngottsforcht vnnd hinleßige wegen der eyd verachtet wirt / dann der wirdt sie ohn allen zweifel ernstlich straffen / der hie sagt / Jch wil den nicht vnschuldig halten / vnnd deßhalb nicht vngestrafft lassen / der den nammen deß Herren vergeblich nent. Zum dritten wöllen wir auch besehen was der eydschwuor seye. Der eydschwuor ist / *so wir die warheit vnserer worten mit anrüeffung vnnd bezeügung deß nammens Gottes bestetigend* [so wir mit anrüeffung vnnd bezeugung deß namens Gottes vnd mit auffgereckter hand gehn himmel / die warheit vnserer wort bestetigen]. Vnd ist deßhalb der eydschwuor weit vonn denen schwüeren dardurch Gott gelestert wirt / Jtem auch von denen flüechen / damit wir vnserem nechsten übels vnnd args wünschend. Dann dise schwüer vnd flüech sind nicht wärt das sie schwüer genent werdind. Dieweil aber das wörtli schweeren vil begreifft vnd sich weit außstreckt / so ist es nicht on vrsach geschehen / das man die rechten vnd Göttlichen schwüer bey den latineren [in der Latinischen sprache] nent vnd außstruckt mit dem wörtli / iusiurandum, das zuo eigentlichem teütsch heißt ein rächtschwuor. Dann das wörtli Ius, das da heißt Rächt / wirt hinzuogesetzt / darumb das diser schwuor dem rächten vnnd der gerächtigkeit zuogehört. Die bezeügung aber deß nammens Gottes begreifft auch ein verlüptnuß [verlobnuß] vnd anrüeffung Gottes / dann die gemein form deß eidschwuors ist die / dz wir sprechend / Jch wil diß oder das thuon oder reden warhafftig on allen trug vnd gfar als mir GottLIXv. / 59b
helff / Da vnderwerffend wir vns gantz vnnd gar dem zorn vnnd der straff Gottes / wenn wir nicht auffrecht vnnd waarhafft das redind oder handlind / das wir dann zuo reden oder zuo thuon verheissend. Das ist nun gar ein häfftige verlobung / da inn der welt nichts grössers vnd schwerers möcht erdacht werden. Dahin dienet auch die ceremoni die man beim eidschwuor braucht. Dann von je wälten här [von alters här] habend vnsere vätter geschworen mit auffgereckter hand gen himmel / dann in himmlen wonet der Herr vnser Gott. Mit welcher ceremoni wir bezeügend das wir mit vnseren gemüeteren als vil als im himmel seyend / vnd da vor Gottes augen vnd angesicht schweerind / wie wir vor den richteren die hand gen himmel auffstreckend. Ja wir bietend also zuo reden Gott die hand / vnd lobend damit die waarheit / so wir also schweerend bey dem Nammen Gottes. Also hatt auch Abraham der fürgeliebt freünd Gottes / vnd vatter aller glöubigen geschworen.
Hiebey bedarff es aber nit vil disputierens / ob man allein bey Gottes / oder auch bey der heiligen nammen vnd bey der bezeügung deß heiligen Euangelij den eid thuon sölle / dann es ist heiter vnd offenbar / das die glöubigen allein bey deß einigen / ewigen / vnnd aller höchsten Gottes nammen schweeren söllend. Von welchem wir heittere gebott deß Herren habend / die vns eins theils heissend schweeren bey dem nammen deß Herren / anders theils vns aber verbietend bey dem nammen anderer Götteren zuo schweeren. Als wie vom ersten stadt Deut. am vj[13]. vnd x[20]. Cap. Du solt den Herren deinen Gott fürchten / jm dienen / vnd bey seinem nammen schweeren. Jtem im Propheten Esaia am xlv[23]. Cap. spricht Gott / Es werdend sich mir alle knüw bucken [beugen] vnd alle zungen bey mir schweeren. Jtem im lxv. Capitel / welcher sich auff erden benedyen / wirdt sich inn dem waaren Gott benedyen / vnnd welcher auff erden geeydet / der wirt inn dem waaren Gott geeydet usw. Also vom anderen findstu dise zeügknuß der geschrifft Exodi am drey vnd zwentzigsten Capitel[24]. Spricht Gott / Alles was ich euch gesagt hab / das haltend / vnnd anderer Götter nammen söllend jhr nit gedencken / vnd auß eüwerem mund söllend sie nit gehört werden. Also spricht auch Josue am xxiij. Cap[7]. So jhr kommen werdend vnder die völcker / so gedenckend vnd schweerend nit bey dem nammen jrer götteren / vereerend die auch nit vnd bättend sie nit an. Es spricht auch Gott Jer. am v. Cap[7]. Deine kinder habend mich verlassen / vnd habend geschworen bey denen die nit Götter sind / vnnd wiewol sie mir in eyd verpflicht sind gewesen / habend sie doch gEbrächet usw. Also füert der Prophet Sophonias den Herren yn / das er spricht / Jch wil außreütten vnd verderben die / die bey dem Herren / vnd darbey auch bey jrem Malchom schweerend / das ist bey jrem Künig oder Patronen. Vnd sölichs außreütten tröwt der Herr nit vergeben vnd one vrsach denen die also bey den creaturen schweerend / Dann der eydschwuor ist / die höchste eer / die allein Gott zuogehört / mag vnd sol deßhalb keinem anderen zuogeben werden. Dann wir schweerend bey dem aller höchsten / den wir glaubend vnd haltend sein das oberst guot / ein gäber alles guoten / vnd straffer alles bösen. Wenn wir dann auch bey anderen dann allein bey Gott schweerend / so machend wir sie Gott gleich / vnd gäbend jnen Göttliche ehr zuo. Darumb hatt der heilig marterer vnnd diener Christi Policarpus ee sich lassen verbrennen / dann er gewöllen habe bey dem Glück deß keisers schweeren / wie man die histori findet bey dem Eusebio im iiij. buoch am xv. Capitel. Zum vierdten aber müessend wir auch besehen wie man schweeren sölle / vnd wz zuo eim rechten waaren vnd guoten eidtschwuor gehöre. Das leert Jeremias da er spricht / du wirst schweeren der Herr läbt / in der warheit / in der billigkeit / vnd in der gerechtigkeit / vnd alle völcker werdend in jm gebenedeyet vnd frölich. Da werdend vier stuckLX. / 60a
gesetzt / die zuo eim rechten billichen eidschwuor gehörend. Das erst das stadt / du wirst schweeren / der Herr läbt. Da wirt dz geleert / dauon ich erst geredt hab / namlich das man allein bey dem namen deß läbendigen Gotts schweeren sölle. Dann die alten hattend ein sölichen brauch zuo schweeren / das sie sprachend / so waar der Herr läbt / wie wir gsehend auß den schrifften der Propheten. Darumb so sollend wir bey keinem anderen schweeren dann bey Gott. Das ander stuck ist / das stadt / du wirst schweeren in der warheit. Damit wirt erforderet / das nit nur die zungen sonder auch das hertz schweere / das wir nit hernach sagind / die zung hat geschworen / aber dz hertz nit. Darumb sollend wir auffrecht schweeren / one trug / nicht luginen oder gfar im schweeren brauchen. Darumb brauchend wir teütschen auch das wörtli / das wir sagend / on alle gfärd / oder ohn gfärdt / das ist / ich wil kein gfar noch trug hierinn brauchen / sonder einfaltig vnd waarhafftigklich handlen. Beim Aulo Gellio im vij. buoch Noct. Att. im xviij. Capitel / findt man (wär wil) ein exempel eines wunderbaren / truglichen vnd lugenhafften eidschwuors. Das dritt stuck aber ist das stadt / du wirst schweeren / inn der billigkeit / oder inn vrtheil / das ist mit vnderscheid / besinntlich vnd bedachtlich / nicht fräfenlich / oder leichtfertig / sonder wol bedacht / vmbsichtigklich / mit eigentlicher erwegung aller dingen / vnnd allein so es nutz vnd notwendig ist. Das vierdte stuck ist das / das stadt / vnd in der gerechtigkeyt / das namlich vnser eid nicht seye wider billichs vnd rechts / das wir nicht sündind wider die gerechtigkeyt / die Gott vnd dem menschen zuogibt / was eim jeden zuogehört / das auch der schwuor nicht zuowider seye der liebe Gottes vnd deß nechsten.
Also hatt euwer lieb in disen kurtzen worten eigentlich außtruckt von Gott selbs / wie wir schweeren söllind / vnd wie die rechten schwüer sein söllind / vnnd was darzuo gehöre. So wir nun schweerend das disen von Gott fürgeschribnen stücklinen zuo wider ist / so sind vnsere eid vnnd schwüer nicht recht / vnnd so wir sie auch dannethin wöltind halten / so wurdind wir Gott vbel erzürnen.
Darumb entstat hie die frag / ob man die eid die vnrecht vnbillich böß vnnd wider Gott sind / halten sölle oder nit / namlich so dem eid oder glüpt wider Gott / wider den waaren glauben / wider das wort Gottes / vnd wider das heil deß rächten were? Da ist nun ein gemeine antwort / die aber waarhafftig vnd in exemplen der heiligen geschrifft wol gegründt / vnd der warheit in allweg gemäß ist / das man spricht / Wenn jemand wurde schweeren dz dem glauben vnd der liebe zuo wider ist / vnd daruß grössers vbel käme / so mans hielte / so sol man sölichen schwuor vil mee enderen dann halten. Darumb spricht auch der heilig Ambrosius / Es ist etwan zun zeyten wider die billigkeit / vnd wider das recht / den eid halten den man thon hat / Als wie man sicht im exempel Herodis. Vnd Jsidorus. Hast du etwas böses verheissen / so halts nit / hast du etwas schantlichs verlobt / so änder dein fürnemmen / Thuo nit / was du vnfürsichtigklich gelobt hast / Es ist ein vngöttliche verheissung / die on sünd vnnd laster nit mag gehalten werden. Vnd weiter spricht gemelter Jsidorus. Man sol den schwuor nit halten / mit dem man auß vnfürsichtigkeit etwas böses zuosagt vnd schwert. Als so einer / einer Ehbrecherin zuosagte vnd gelobte / das er sie nimmer verlassen wölte / Da ist es das leidlicher das er die Zuosagung nicht halte / dann dz er in der huorery vnd in dem Ehbruch verharrete. So spricht auch Beda / So es sich begebe das wir vnbesinnlich etwas schwüerind / darauß aber ergers entstüende so wir es hieltind / so söllend wir wüssen / das wir sölichs frey mit besserem rath änderen mögend / vnd ist das wäger [besser] / so vns die not treibt / das wir diß fals meineidig werdind / dann das wir vns in ein grösser laster begebind / damit wirLXv. / 60b
dem meineid entrinnen möchtind. Dann Dauid ob er schon bey Gott geschworen hatt / er welte den dorechten menschen den Nabal vmbbringen / noch stuond er daruon / vnd stackt das schwerdt ein / so bald die vernünfftig fraw Abigail sich darin legt vnd darfür bat. Er macht auch jm selbs kein gewüßne vmb das er disen sein schwuor brach vnd nit hielt. Also spricht auch Augustinus / das Dauid sein schwuor bluot zuouergiessen nit gehalten habe / das seye besser gewesen dann hette er jn gehalten. Vnbedachtlich vnd fräfenlich habe er geschworen / aber mit grösserer Gottsforcht habe er den schwuor nit gehalten. Wär also schweere / der sünde / wer aber solche schwüer endere / der thüe wol vnd recht / wers nit endere / der sünde zwifalt / eins theils / das er vnrecht schweere / anders theils das er auch dannethin thüe / das er nit thuon solt. Diß alles sind nit mein / sonder ander leüthen wort / die on zweiffel niemand anders halte dann für recht vnd guot. Auß welchen nun euwer lieb auch wol verston kan vnd mercken / was man von den closter glüpten halten sölle vnd denen so die priester thuon müessend / das sie reinigkeit so vil menschliche blödigkeit zuolasse halten wöllind. Dann der heilig Apostel Paulus sagt / es seye besser sich vereelichen / dann gebränt werden [brunst leiden]. Darumb so ist es weger / man halte die narrechte schädlichen vnd vnreinen glüpt / die nun zuo vil vnreinigkeit vrsachen vnd anlaß gäbend / nit / dann das man vnder dem schein deß glüpts vnd der haltung sie dennocht nit halte vnd vnerbar läbe.
Zum fünfften vnd zum letsten aber / so sind vermant das jhr euch fleissend alle den eid mit höchster Gottsforcht vnd allem ernst zuo halten / vnd gedenckend auch was belonung von Gott denen bereitet seye / die den eid mit trewen haltend wie sie sollen. Dann ist vns Gott lieb / begärend wir auch seinen nammen zuo heiligen / haltend wir den waren Gott für den waaren Gott / erkennend wir jhn auch für vnseren Gott / vnd wöllend wir das er vns gnedig vnnd barmhertzig seye / vns allweg hälffe vnd beystande / so werdend wir mit allem fleiß vnd ernst müessen luogen [zusehen] / das wir nit schweerend anders dann mit grosser Gottsforcht / vnd das wir dannethin auch das wir geschworen habend / mit gleicher Gottsforcht trewlich vnd auffrichtig haltind vnd leistind. Dann wo wir sölichs nit thuond / so sind Gottes tröwungen verhanden / vnd sein erschröckenlich vnd gerecht gericht von himmel über vns bereitet. Es werdend vns auch die Heiden am tag deß gerichts verdammen. Dann wie die historien zeügend / so habend die Saguntiner / die Numantier / vnd die Petiliner / ee wöllen verbrent werden / vnd hunger sterben / dann das sie jr treweid vnd ehr brechen weltind. So lautend alle satzungen der aller fürtreffenlichsten vnd weisesten fürsten herren vnd völckeren die je gewesen / das man die meineiden am läben straffen sölle. Dann wer wil erzellen mögen was ergernuß / was zerrüttung vnd übels entstande / so man den eid nit haltet? Dardurch werdend verwirt zerstört zuo nicht vnnd zuo grund gerichtet alle guoten ordnungen / der gemein wolstand der kirchen vnd auch deß eusseren regiments. Darumb wer das gemein regiment lieb hat / wem das heil seines vatterlands angelegen / wer die kirchen vnd jhr heyl vnnd wolfart suocht vnd liebet / der wirt vnd sol vor allen dingen daran sein / das der eid mit Gottsforcht vnd mit allen treüwen gehalten werde. Es ist auch gar ein herrliche vnd grosse belonung allen denen von Gott verheissen / die den eid hoch vnnd mit treüwen haltend. Dann wie auch doben gemeldet / so spricht Jeremias / alle völcker werdend in jhm gebenedeyet vnd frölich. Da wil er sagen / Es wirt ein söliche glücksäligkeit vnd ein sölcher überfluß aller guoten dingen von Gott über das Judisch volck außgossen werden / so es recht vnd Gottseligklich schweert / das welcher fürohin dem anderen etwas guots wirt wöllen wünschen / der wirt sagen / Gott benedeye dich / wie er vor zeyten die Juden gebenedeyet hat. Jtem / welcher einen wirdt wöllen loben / der wirt sagen / er seye wie die Jsraeliter.LXI. / 61a
Darumb so ist gwüß / das die mit allerley güeteren werdend begabet werden / vnd alles lobs wärt sein / die dz Sacrament deß Eyds hoch vnd mit treüwen haltend. Darumb bitt ich eüch lieben brüeder / lassend vns geflissen sein den nammen deß Herren zuo heiligen / Lassend vns auch bey disem dritten gebott ernstlich bätten / nach der leer vnsers Herren Jesu Christi / vnnd sprächen / O vnser vatter / der du bist inn himmlen / dein namm werde geheiliget oder heiligklich verehret usw. Dir sey lob vnd ehr inn ewigkeyt / Amen.
14.Pr.Die Viertzehende Predig.
Von dem vierten gebott der ersten Tafel / Namlich von der haltung deß Sabbaths.
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Das vierdt gebott der ersten Tafel lauttet vonn wort zewort also. Gedenck deß Sabbath tags das du jn heiligest / sechs tag solt du arbeiten / vnnd alle deine werck schaffen / aber am sibenden tag ist der Sabbath deß Herren deines Gotts / daran du kein geschäfft thuon solt / weder du noch dein Sun / noch dein Tochter / noch dein knächt / noch dein Magt / noch dein vich / noch der frömbdling der innerthalb deinen thoren ist / Dann sechs tag hatt der Herr himmel vnd erden gmachet / dz Meer vnd alles dz darinnen ist / vnd ruowet am sibenden tag / darumb freyet der Herr den Sabbath vnd heilget jhn.2
Die ordnung der gebotten Gottes ist gar schön ordenlich vnd natürlich / dann im ersten gebott hat der Herr geleert / wie man jn sölle lieben vnd jm vertrauwen. Jm andern hat er abgschafft vnd verbotten die götzen / vnd allen falschen gottsdienst. Jm dritten hat er angefangen die menschen zuo berichten deß waren vnd rechten gottsdiensts / welcher stadt in heiligung deß nammens Gottes / das wir den anrüeffind / Jtem mit glauben von hertzen bekennind / auch hoch teür vnd werd von jm haltind vnd redind. Nun aber in disem vierten gebott leert er vns zwar auch Gott verehren / vnd den nammen Gottes heiligen / doch so facht er yetz an minder vnd mer handlen vom aussern gottsdienst. Wiewol dz gebott auch den jnnern gotsdienst antrifft / dann der Sabbath stadt zum teyl im jnnern zum teyl im aussern gottsdienst. Darumb so müessend wir besehen was wir vom Sabbath halten söllind / vnd wie verr [fern] sich der brauch deß Sabbaths strecke / vnd wie wir mit der haltung deß Sabbaths Gott verehrind. Das wörtli Sabbath heißt eigenlich ruowen vnd feyren von aussern arbeytsammen [knechtlichen] wercken. Vnd ist aber zemercken / dz der Herr nit einfaltig [-] spricht / Du solt den Sabbath heiligen / sonder / biß eingedenck dz du den Sabbath heiligist / darmit anzeigt wirt / dz die einsatzung deß Sabbaths nit ein neüw gebott sey / sonder ein alts ding / dz Gott den vättern vor langist befolhen / nun aber wider äfere [widerhole] vnd erneüwere er hiemit dem volck Jsrael disen vralten brauch. Die summ aber diß gantzen gebotts ist / das man den Sabbath heilige. Dise summ erklärt vnd legt er selb weitleüffiger auß / mitt dem das er die tag außtruckenlich zellt / auch das gantz haußgesind nammset / dem auch der Sabbath zuo heiligen vnd zuohalten befolhen wirt. Zum letsten wirt auch hinzuo gesetzt das exempel Gottes / wie auch der selb geruowet / vnd den Sabbath geheiliget habe.4
So vil aber den Sabbath an jm selb belanget / so begreifft er vil in sich. Dann zum ersten so gedenckt die geschrifft eines geistlichen vnd jmmerwärenden Sabbaths / der ist / so wir feyrend von den knächtlichen wärcken / das ist von sünden / vnd vnseren willen in vns nit lassend meyster sein / auch nitt vnsere werck außrichtend / sonder von denen abstond / vnnd Gott in vns lassend würcken / vndLXIv. / 61b
vnsere leib also der regierung deß geists vnderwerffend. Auff disen geistlichen Sabbath volget zeletst der ewig Sabbath / dz ist die ewig ruow. Von welchem Esaias im lviij. vnd im lxvj cap. nach der lenge redt / vnd Paulus zun Hebr. am iiij. cap. Mit disem Sabbath / ehrend wir Gott recht vnd waarhafftigklich / so wir also von allem bösen ruowend vnd abstond / vnd dem heiligen geist Gottes gehorsam sind / vnd vns also fleißig üebend in guoten wercken. Von der Allegory [geistlichen deutung] aber deß Sabbaths / oder von disem geistlichen Sabbath ist nit mein fürnemmen an disem ort vil zereden vnd zedisputieren / acht auch nit das es besonders notwendig / allein lassend vns lieben brüeder dessen fleissen / das wir in disen vnseren stärblichen leiben Gott ein stäten wolgefelligen Sabbath heiligind mitt vnabläßlichem fleiß vnd üebung aller heiligkeyt.
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Demnach aber so ist der Sabbath ein aussere ordnung der Religion. Dann es wil der Herr in disem gebott leeren ein aussere religion vnd ausseren gottsdienst / in dem wir vns alle üebind. Diser ausser gottsdienst kan nit on gwüsse zeit sein. Darumb so ordnet der Herr ein gwüß zeit / in dem wir vns enthaltind von ausseren vnnd leiblichen wercken / vnnd den geistlichen üebungen obligind. Dann von der vrsach wegen wirt die ausser ruow befolhen vnnd gebotten / darmitt die geistlich üebung / durch die ausseren leiblichen werck nicht verhinderet werde. Die geistlich üebung aber / wie die von den alten vätteren am Sabbath braucht ward / stuond inn vier dingen fürnemlich / Namlich im läsen vnd gmeinem offenlichen außlegen vnd zuohören der heiligen geschrifft / Jtem im anrüeffen vnd gemeynen gebätten / Jn den opfferen vnd üebungen der Sacramenten / auch im auffnemmen deß allmuosens vnd üebung der wolthat gegen den armen / in disen dingen stuond die ausser haltung deß Sabbaths. Also hielt das volck feyrtag / kam zuosammen in die gemeynd / da lasend die Propheten vnd die priester dem volck vor das wort deß Herren / legtend es dann auch auß / vnd vnderwisends in aller waaren Gottsäligkeit. Darnach bättetend sie gemeynlich mit einanderen für alles anligen / lobtend auch den Nammen deß Herren / vnd dancktend jm vmb alle guotthaten. Darzuo so opffertend sie nach der fürgeschrifft deß worts Gottes / vnd begiengend also die geheymnussen vnd Sacrament deß erlösers Christi / vnd üebtend jhren glauben darinn / vereinbartend [vereinigten] sich auch mitt einanderen ob denen opfferen / vnd wurdend darbey jres ampts erinneret / das namlich auch sie sich selbs also Gott opffertind zuo einem läbendingen opffer. Vnnd zuoletst / so steürtend sie auch inn der gemeynd reichlich zuosammen jhre gaaben zum brauch vnnd erhaltung der kirchen / dann die gaaben wurdend braucht zur notturfft der kirchen / vnd außtheylt den dieneren vnd den armen. Das warend nun heilige vnnd Gottssälige werck / mitt denen / dieweyl sie es auß glauben vnd liebe thetend / heiligetend sie den Sabbath / vnnd den Nammen deß Herren / das ist / sie thettend am Sabbath sölliche werck / durch die der Namm Gottes geheiliget ward / die auch jhnen ein ehr vnnd zier / vnnd waare heilige Gottgefellige werck warend. Wer wil / der findt dessen ein heiter vnd schön exempel / das der Sabbath vnnd feyrtag also gehalten / Nehemie am achtenden Capitel / Dann da lasend die Priester das wort deß Herren vnd legtends dem volck auß / lobtend den Nammen deß Herren / vnnd bättetend mitt dem volck / opffertend vnd üebtend gemeyne freygäbe vnnd wolthat / vnd hieltend sich also in allen dingen heiligklich vnd Gottsdächtig.7
Damitt aber niemandt sagen möchte / auß müeßig gan kumpt nichts guots. Jtem / Jch muoß wercken das ich mich möge erneeren / das ich nicht hungers sterb / vnnd mein haußgesind zegrund richte / So verantworttet der Herr söllichs / als wölte er sagen / dir ist zeits gnuog zewercken nachgelassen / darinn du dir vnd deinem gesind narung überkommen magst / dann sechs solt du arbeiten /LXII. / 62a
Gott erforderet allein den sibenden tag / das man jm den zuo einer heiligen ruow heilige. Ein yetliche wochen hat siben tag / auß disen siben tagen aber begärt der Herr allein einen den man jm gäbe. Darab kan sich niemand klagen / das Gott vnfrüntlich vnd vnzimlich mit jhm handle / dann es wirt doch ye vil mer zeits der arbeyt gelassen / dann der heiligen ruow zuogeben werde. Darzuo so ist auch Gott / der dise ruow haben wil / ein schöpffer Herr vnd vatter vnser aller.
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Auff das heißt auch Gott / das ein yeder dise ruow / dise disciplin [zucht] vnd ordnung vnd disen ausseren gottsdienst auch in seinem gantzen haußgesind halte. Darauß wir lernend / das es eins jeden guoten haußvatters ampt ist / dz er sein gantz haußgsind darzuo halte / das es den Sabbath heilige / dz ist die guoten werck daran thüege / die wir vor erzellt hand. Dieweil auch der Herr deß menschen art weißt vnd erkennt / das er gemeynlich wo er gewallt vnd zuogebieten hat rauch vnd vnmilt ist / damit die haußvätter die jren nit zesträng vnd zerauch haltind vnd sie verhinderind an der haltung deß Sabbats / so gebeütet er also mit heiteren außtruckten worten vnd eigentlicher erzellung der glideren deß haußgesinds / das die haußvätter jrem haußgesind vnd allen denen die in jr verwaltung sind / ruow laßind / damit sie auch den heiligen üebungen deß Sabbaths obligen mögind. Darumb er auch den frömbdling nit außschleüßt oder außnimpt / dann er wil nit das die regel gälte / die etlich liederlich leüt gemeynlich brauchend / die da sagend / der glaub vnd die religion sol frey sein / man sol niemand zum glauben zwingen usw. Dann es gebeütet Gott hie / das man auch den frömbdling der jnnert den thoren / das ist in dem gebiet vnnd verwaltung deß volcks Gottes wonet / zuo haltung deß Sabbathtags halten sölle.9
Die ruow aber vnd das müeßig gan gebeüttet Gott nit von deß müeßiggangs selbs wegen / dann müeßig gon ist nie fast loblich gewesen / sonder von diser vrsach wegen / Er wil das gwüsse zeit vnd ort der religion bestimpt sygind / Dann die mit ausseren geschäfften beladen mögend der religion nit obligen. Der / den sein Herr oder meister über fäld schickt / oder der etwan seinem Herren deß gwerbs am märckt muoß auß warten / Jtem der im Tänn tröschet / oder der auff dem fäld wärcket / oder in der Schmitten am hammer stadt / oder schuoch vnd hosen näyen muoß usw. der kan nit zur heiligen gmeynd vnnd versamlung kommen / der kan das wort Gottes nit hören / der kan mit der gemeynd nitt bätten / oder die Sacrament mit jren üeben vnd begon. Darumb so erfordert der glaub vnd die liebe von dir / das du deinen diensten vnnd deinem haußgesind auch ruow gäbist / vnd sie laßist zuo söllichen dingen kommen. Ja es wil auch Gott / das man die faulen vnd hinläßigen zuo sölichen nutzlichen vnd heiligen üebungen auffmane vnd treibe. Darzuo so wil er auch hiemit den arbeitenden ein erquickung machen / dann was nit zun zeytten auch sein ruow hatt / das mag nicht lang harren noch wären. Darumb so befilcht der güetig Gott / der da seine Creaturen vnnd geschöpfften erhalten wil / das dise maß gehalten werde / damitt die geschöpfft Gottes nit zuo vil vnd zuo hert peinget vnd abtriben werde durch den geyt vnnd vnmilte der Herren. Darumb auch Moses im fünfften buoch da er die Zehen bott beschreibt / setzt er an dem ort (damitt er einen yeden zur erbärmbd vnnd mitleiden bewege ) hinzuo / vnnd biß eingedenck / das auch du etwann knächt bist gewesen in Egypten. Darumb so erforderet die liebe vnnd die menschligkeyt von vns die mäßigung / das wir die vnseren nit mit zevil arbeyt vbertreibend. Zuo dem so ist gwüß / das wenn die haußvätter jr haußgesind fleißig ziehend zur Gottsforcht / das sie damit jr eignen nutz vnd haußhaltung nit hinderend / sonder zum höchsten fürderend / denn was vngottsförchtiger diensten sind / die sind auch der merteil vntreüw vnd diebisch / welche aber Gottsförchtig sind / die sind treüw vnd haußlich. Es ist auch zemercken das er in erzellung deß haußgesinds /LXIIv. / 62b
auch deß vichs gedenckt / nit allein darumb / das der mensch als vil als ein Gott deß vichs / das er es deßhalb freündtlich vnnd zimlich brauche / sonder auch fürnemlich darumb / das man das vich nit brauchen mag / ohn die arbeit vnd on den dienst der menschen. Vnd werdend also die menschen vonn wegen deß vichs abgezogen von der haltung deß Sabbaths. Darumb damit niemand dardurch abgezogen werde / so gebeütet der Herr heiter das wir auch dem vich sein ruow söllind lassen.
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Zuo letst so setzt der Herr auch sein eigen exempel hinzuo / vnd leert damit den Sabbath heilig halten. Darumb / spricht er / sechs tag hatt der Herr den himmel vnd die erden gemachet / das meer vnd alles das darinnen ist / am sibenden tag aber hatt er geruowet / darumb sägnet der Herr den Sabbath vnd heiliget jhn. Sechs tag hatt Gott gearbeitet / vnd himmel / erden / das meer vnnd alles das drin ist geschaffen / aber am sibenden tag hat er geruowet vnd den selben auch geheiliget vnd außgesünderet zuo einem gewüssen ruowtag. Darumb man am sibenden tag bedencken sol die werck Gottes die er in sechs tagen erschaffen hat / vnd söllend alle kinder Gottes sich erinneren was grosser guothaten sie die gantz wochen von Gott empfangen / vnd söllend jm darbey danck sagen / jn loben / vnd jn lernen auß seinen wercken erkennen. Wir söllend jm auch heiligen vnsere leib vnd seelen / auch all vnsere wort vnd werck. Vnnd wie Gott wol geruowet hatt am sibenden tag vonn der schöpffung / aber darumb nicht auffgehört alle ding zuo erhalten / Also söllend auch wir ruowen vonn eüsseren arbeitsamen wercken / doch darnebend nit vnderlassen die werck die da gehörend zum dienst Gottes vnd zur wolthat deß nechsten. Wie auch Gottes ruow denen dingen die er erschaffen hat nicht nachteilig noch schedlich ist gewesen / also wirt es auch vnseren sachen nicht schädlich noch nachteilig sein / wenn wir schon ein tag feyrend vnd den Göttlichen dingen obligend / dann darumb stadt / das der Herr den Sabbath gesegnet habe. Darumb wil er auch dich vnd dein hauß / vnd alle deine sachen vnd gewärb vnd handlungen sägnen / so du den Sabbath deß Herren heiligest / das ist / die werck thuost die Gott gebeütet das wir sie am Sabbath thüegind. Darumb jrrend die gröblich / die die ruow vnd haltung deß Sabbaths verachtend / vnd es ein vnnützes müeßiggan nennend / vnnd am Sabbath äben werckend wie an anderen wercktagen / vnd zuo schirm dessen die notwendigkeit der narung vnd die fürsorge für jr haußgesind fürwendend.12
Sölichs alles aber das jetz vom Sabbath geredt / dienet auch vns vnd vnseren kirchen / vnd sol darauff gezogen werden. Dann so vil den geistlichen Sabbath belanget / so ist offenbar / das der besonders vnd vorauß den Christen gebotten vnd befolhen ist. So vil aber den anderen ausseren Sabbath antrifft / so ist kein zweyfel / dann das der güetig Gott wil / das auch inn vnseren kirchen / gleich wie vor zeyten in den gemeinden der Juden / ein rechte ordnung gehalten werde / besonders in üebung der eusseren religion. Es ist wol der Sabbath ein ceremonialisch werck / so verr er an den opfferen vnnd anderen ceremonien der Juden hanget. So verr [ferne] aber durch den Sabbath die waar religion vnnd Gottsforcht pflantzet / auch rechte vnd guote ordnung inn der kirchen gehalten / vnd die liebe deß nechsten gefürderet wirdt / so ist er nicht ceremonialisch / sonder bleibt / vnd ist nit auffgehept. Dann man je auch auff den heutigen tag noch dem haußgsind schonen / erlabung lassen / vnnd es zur waaren religion ziehen muoß. So hat auch Christus vnser Herr / die gemeinen zuosamenkommnußen vnd versammlungen nit zerstört vnd auffgehept / sonder mit besonderem grossen fleyß zuosamen gehalten. Zuo sölichem muoß man aber nit nur ein gewüsses ort haben / sonder auch ein gewüsse zeyt / vnd deßhalb gemeine feyr vnd ruow. Darumb hat die alt Christenlich kirch den Sabbath geänderet (damit man nit meine dz sieLXIII. / 63a
an die Jüdischen ceremonien gebunden wäre / vnd hat die versamlungen vnd die feyr gelegt vnd gehalten auff den nechsten tag nach dem Sabbath / welchen S. Johans diem Dominicam, das ist deß Herren tag nent / on zweifel von wegen der herrlichen vrstende [aufferstehung] deß Herren. Vnd wiewol man in keinen schrifften der Apostlen findt das der tag deß Herren gebotten seye zuohalten / noch dieweil in disem vierdten gebott der ersten tafel / so eigentlich die üebung der religion vnd deß eusseren Gottsdiensts befolhen wirt so wäre es dem glauben vnd der Christenlichen liebe vngemäß / wenn wir den tag nit wöltind heiligen / besonders dieweil der eusser Gottsdienst nit mag beston noch erhalten werden / man habe dann gewüsse tag vnd gemeine heilige feyr darzuo. Also ist meins bedunckens auch zuo halten von den anderen Fästen vnd feyrtagen deß Herren Christi / deren doch nit vil sind / an denen wir begond die gedechtnuß der geburt / der menschwerdung / der beschneydung / deß leydens / der vrstende [aufferstehung] vnd der aufffart vnsers Herren Jesu Christi gen himmel / vnd der sendung deß heiligen geists auff seine jünger vnd Apostel. Dann wiewol wir Christen fry / so ist doch die Christenlich freyheit / nit ein vnordnung vnd zerstörung guoter ordnungen vnd breüchen der kirchen / die da dienend die eer Gottes vnd die liebe deß nächsten zuo fürderen vnd zuo meeren. Darbey aber / dieweil der Herr wil das man jm allein Fäst halte vnd feyre / so kan ich mir die feyrtag vnnd Fäst die man den creaturen auffgericht hat nit [mit nichte] gefallen lassen. Dann dise eer vnd diser dienst gehört allein Gott zuo. Das aber Paulus sagt / Es sol euch niemand vrtheilen über eins theils tagen / namlich den feyrtagen / newmonaten oder Sabbathen / welchs der schatt ist von dem das zuokünfftig was. Jtem / Jr haltend tag vnd monat / vnd Fäst vnd jarzeyt / Jch förcht ewer [-] / das ich nit vileicht vmb sonst an euch gearbeitet habe / da wil ich kein Jüdische obseruation [breuche] inn der kirchen Christi auffrichten / damit habend wir nichts zuo schaffen / sonder das wil ich allein / das ein Christenliche obseruation [-] / oder üebung der Christenlichen religion frey gehalten werde.
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Die heiligung aber vnnd üebung deß Sontags sol auch in vier dingen stan / die man in einer Christenlichen gemeind haben sol. Zum ersten so söllend die glöubigen alle zuo samen kommen in ein heilige gemeind vnd versamlung / inn deren sol man das Euangelium verkünden vnnd das wort Gottes außlegen / das die zuohörer darauß lärnind was sie von Gott halten / was deren ampt seye die Gott vereeren wöllen / vnnd wie sie den nammen Gottes heiligen söllind. Darnach sol man auch in der versamlung gebätt vnnd anrüeffungen Gottes halten für allerley anliggen vnd notwendigkeit / darbey man auch die güete deß Herren loben / vnd jm für seine tägliche vnnd vnaußsprechenlich gaben vnnd guothaten dancken sol. Zum dritten / so es dann die zeyt / gelegenheit vnnd gewonheit der kirchen erforderet / so sol man auch die Sacrament der kirchen ordenlich mit andacht begon. Dann das wirt sonderlich inn disem vierdten gebott von vns erforderet / das wir die heiligen Sacrament vnd die Christenlichen notwendigen vnd nutzbaren breüch der kirchen mit ernst vnnd grosser reuerentz vnd andacht üebind vnd begangind. Zuoletst / so sol auch in einer jeglichen Christenlichen gemeind gehalten werden / das allmuosen / freündtliche vnd wolthat gegen den armen. Da sol ein jeglicher lernen täglich besondere almuosen geben vnd barmhertzigkeyt den armen beweysen / darnebend aber auch in der gemeind freygäb sein / so offt es die notwendigkeyt der zeyt vnnd gelegenheyt der sachen erforderet. Vnnd mit disen stucken wirt auch der Sabbath vnd die ruow deß Herren inn der Christenlichen kirchen geheiliget / besonders so man sich auch den selben gantzen tag aller heiligkeyt vnd vnschuld befleyßt.17
Dise disciplin vnd ordnung sol auch ein jeder haußuatter inn sein hauß bringen / nicht minder dann wie es vor zeyten bey den Juden gewesen / vnnd sieLXIIIv. / 63b
vnder den seinen anrichten. Von welchem stuck aber nicht vonn nöten ist jetzund weiter zuo sagen / dieweil ich doben also hieuon geredt hab / das es auch der Christglöubigen kirchen dienet. Das ist aber auff diß mal hie bey zuo melden / das es einer Christenlichen oberkeit / vnd wo die seümig wäre / auch eines guoten haußuatters ampt ist / das die überträtter vnd verachter deß Sabbaths vnnd deß diensts Gottes gestrafft vnd züchtiget werdind. Also versteinigetend die oberen deß Jüdischen volcks mit sampt dem gantzen volck / auß Gottes befelch / den menschen der fräfenlich am Sabbath holtz auffgelesen hatt. Warumb solte dann nicht auch einer Christenlichen oberkeit gebüren an leyb vnnd läben oder am guot zuo straffen / die verachter der religion vnd deß waaren vnd rechten Gottsdiensts vnd deß Sabbaths? Warlich wo ein oberkeit jetz in der verderpten argen zeyt vnd wält so hinlässig liederlich vnnd voll ist / das sie zuo sölichem nit sicht / da sol doch zum wenigisten ein jeder haußuatter sorg haben / das er nicht ein gottloses gesind habe. Straffe sie wie er mag vnnd wie sich gebürt. Es mag auch ein jeder frommer haußuatter wenn er an orten vnnd enden ist / das er vnder abgöttischen leüthen muoß wonen / die keine rechte Christenliche versammlungen habend / noch wöllend haben / daheim in seim hauß ein heilige kirchen sammlen vnnd halten / Wie offenbar ist das Loth zuo Sodom / Abraham Jsaac vnnd Jacob im land Canaan vnnd in Egypten gethon habend. Das ist aber darnebend ein grosse sünd / vnd vnleydenliche trennung / das wenn man in stetten oder dörfferen rechte vnnd ordenliche versammlungen hat / das etlich nichts destminder in die winckel zuo samen schlieffend vnd die waar kirchen Gottes vnd gemeind der heiligen verachtend / wie dann die töuffer thuond.
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Hierauff muoß ich auch mit kurtzen worten die mißbreuch deß Sabbaths erzellen / vnnd wie man wider dises gebott sünde. Erstlich so sündend hie / die sich nit enthaltend von bösen wercken vnd thaten / sonder die heilig ruow vnd feyr zuo anreitzung deß fleischs vnd aller wollüsten mißbrauchend. Dann söliche leüth feyrend wol Gott / darnebend aber werckend sie dem teüffel / mit spilen / prassen / tantzen / vnd anderen leichtfertigkeiten diser wält / mit welchen wir nit nur von der gemeind Gottes abzogen werdend / sonder befleckend vnd geschendend auch vnsere leib die wir heiligen söltend. Es sündend auch hiewider alle die so eintweders jhr hantwerck brauchend am Sabbath / oder am beth liggend schlaffen biß wie lang inn tag hinein / damit sie sich der gemeind vnnd der kirchen versaumend. Es sündend auch / welche jhre dienst eintweders durch auffgelegte arbeit / oder inn ander wäg vom dienst Gottes abziehend / vnnd andere ding höher haltend dann den selben. Deßgleich sündend auch hiewider für andere auß / welche nit nur den Sabbath nit heiligend / sonder auch anderen mit jhren bösen exempel vnd spottworten vrsach gäbend alle göttliche ding zuo verachten / als die / so die breuch der kirchen / den dienst deß worts / die diener / die schuolen / vnd alle guote studia verspottend / außrichtend vnd verachtend. Es sündend auch vatter vnd muoter / so sie nit fleissig sind bey den jren die heiligung deß Sabbaths an zuorichten vnd ins werck zuo bringen. Vnd ist ein heitere zeügnuß vnd anzeigung einer grossen verruochte vnnd verachtung Gottes / so jemand die haltung vnnd heiligung deß Sabbaths verachtet. Darumb hat auch die heiligung deß Sabbaths im wort Gottes grosse verheissungen / vnd die verachtung vnd überträttung grosse tröwungen / wie das ewer lieb verston wirdt auß den worten deß Propheten Jeremie / der in seiner prophecey am siebentzehenden Capitel also spricht / Weyter hat der Herr also zuo mir geredt / Gang vnd stell dich vnder das thor dadurch das volck vnd die Künig Juda auß vnnd ein gond / ja vnder alle thor Jerusalem / vnd sag zuo jhnen / hörend das wort deß Herren jhr künig Juda / vnd du gantzes volck Juda / vnd alle burger Jerusalem / die durch dise thor gond /LXIIII. / 64a
also befilcht der Herr / hüetend euch bey ewerem leben / das jhr kein burde am Sabbath auff euch nemmind / das jr sie durch die thor Jerusalem tragind / auch söllend jr kein burdi auß eweren heuseren am Sabbath tragen. Hüetend euch dz jr kein arbeit oder werck thüegind / sonder heiligend den Sabbath / wie ich jhn eweren vätteren gebotten hab / wiewol sie mir nit gehorsam gewesen / vnd mir nie geloset habend [haben jhre ohren nicht geneiget] / sonder vil mer sind sie halßstarrig vnd hartnäckig gewesen / vnd habend weder mir gehorsammet / noch mein straff vnd züchtigung angenommen. Jsts aber sach / das jr mich hörend / spricht der Herr / vnd kein burdi durch die thor diser statt hinein tragend auff den Sabbath / ists sach dz jr den Sabbath heiligend / also dz jr kein werck daran thuond / so werdend durch die porten diser statt gon künig vnd fürsten / die da sitzen werdend auff dem stuol Dauids / auff wägnen werdend sie faren / vnd auff pferden reyten / sie vnd jre fürsten / dz gantz Juda vnd alle burger Jerusalem / vnd wirt dise statt für vnd für yngewonet [bewonet] werden. Es werdend auch von den stetten Juda / vnd auß dem vmbkreiß Jerusalem / auch von dem land Beniamin / vnd auß den ebninen / bergen / vnd von mittag kommen / die werdend brandopffer / schlachtopffer / speißopffer vnd wierauch bringen / auch werdend sie lob auffopfferen in dem hauß deß Herren. Wo jr aber nit gehorsam sein werdend den Sabbath zuo heiligen / vnnd das jr die burdinen am Sabbath durch die thor Jerusalem tragen werdend / so wird ich die thor Jerusalem mit fewr anzünden / vnnd wirdt das fewr die köstlichen heuser Jerusalem verbrennen / vnd es wirt nit löschen.
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Auß disem grund schreibend auch die frommen keiser Leo vnd Anthemius an den Armasium / vnnd gebietend auß billichen vrsachen dise meinung / wir wöllend nit das die Fäst vnd fyrtag die der höchsten maiestet Gottes geweicht vnd geheiliget sind / durch einigerley muotwillens oder durch schindery vnd gält ynziehen entheiliget werdind. Besonders gebietend wir / das der hochlöblich tag deß Herren / das ist der Sontag / in hohen ehren gehalten werde / also das er frey seye von aller rechtlichen exequution, das auch niemand daran getrengt noch getriben werde usw. Das kein bürgschafft daran werde genötiget / das man niemand fürbiete / das kein gericht besamlet werde / in summa das der tag ledig seye von allen gerichtshendlen vnd erkantnußen. Vnd bald hernach stadt weiter. Ob wir aber gleich die ruow vnd feyr dises heiligen tags nachlassend / so wöllend wir doch nit leiden das die zuo schantlichem muotwillen mißbraucht vnd angelegt werde. Dann auff den tag sol kein spil / kein kampff / noch die spectackel der wilden thieren gehalten werden / vnd so schon auff vnseren geburts tag ein solche solennitet [begengnuß] zuohalten fiele / so sols verzogen werden. Es sol auch ein jeglicher seins solds vnd diensts deßgleich seins vätterlichen erbtheils entsetzt werden / welcher auff diser tagen einen bey sölichen spectacklen sein / vnd diß vnser gebott überträtten wurde / ob es gleich ein gemeiner weibel wäre / vnd welchem richter er joch [auch] zuo höre / oder was er könne fürwenden das er gemeiner oder besonderer geschefften halb darbey habe müessen sein.21
Näbend disem allem aber söllend Christen leüth allweg auch ingedenck sein der worten deß Herren Christi da er im Euangelio spricht / der mensch seye nit von deß Sabbaths wegen geschaffen / sonder der Sabbath vonn wegen deß menschen / vnd darumb so seye der Sun deß menschen ein Herr auch deß Sabbaths. Darauß die glöubigen wol verstond das der Sabbath vonn Gott eingesetzt ist den menschen zuo erhalten / nit zuo verderben / *vnnd das deßhalb in der haltung deß Sabbaths wol mag dispensiert werden / vnd man nit gerad an die gestreng* [Darumb man auch nicht so hart vnnd streng an die ] haltung deß Sabbaths gebunden ist / so es die vnuermeidenliche notturfft vnd das heil deß menschen erforderet. Von welchem vnser Herr Christus selb vil disputiert hat Math. am xij. Luc. am xiij. vnnd xvj. Capitel. DannLXIIIIv. / 64b
in disen stucken stadt die Christenliche freyheit / habend die priester vnd Leuiten vorzeiten am Sabbath dörffen offenlich im Tempel schlachten / außschinden / verbrennen vnd kochen / dz ist jre opffer verbringen / vnd doch nit gehalten sind worden als überträtter deß Sabbaths / so mag man ye billich auch am Sabbath rüsten alles das / dz dem vsseren gottsdienst dienet vnd dienstlich ist. Zuo gleicher weiß mag man auch kochen vnd speiß rüsten / vnd dem leib nach notturfft rath anthuon. Also mag man auch am Sabbath den krancken mit artzney helffen / Jtem sie heimsuochen / den armen vnd dürfftigen zehilff kommen / damit wir die geschöpfft Gottes erhaltind. Söllichs leert vns auch dz exempel vnsers Herren Jesu Christi / der auch am Sabbath gwürckt vnd geüebt die werck der liebe vnd der barmhertzigkeit / deß wir nit nur eins sonder vil exempel inn seiner Euangelischen Histori habend / besonders Luc. am vj. vnd xiij. Joan. am v. cap. Dieweil man dann am Sabbath ein thier oder vich auß der gruoben ziehen mag / warumb solte man dann nit auch dörffen ein hauß dz vmbfallen wölte vnderbuwen vnd vnderstützen? warumb solt man auch nit dörffen korn frücht oder höw / das lang am wätter gelegen / einsammlen / damit es nit gar erfaulete? Der fromm Keiser Constantinus schreibt in seinen satzungen zum Elpidio vnder anderem also / Es söllend an Sontagen alle Richter alle gemeynden inn Stetten vnd alle handtwerck fyren / aber die auff dem land sind die mögend wol vnd frey jr fäld bauwen / Dann es gibt sich offt das man an keinem andern tag kommlicher zuoacker gon vnd säyen / vnd die weinräben gruoben mag / dann eben an disem / darumb man die gelegenheyt die auß Gottes fürsehung gegeben wirt / nit sol von deß zeits wegen lassen verderben vnd dahin gon. Mit disen worten laßt er darumb den baurßleütten nit zuo / das sie den Sabbath gar nit oder nimmer halten söllind / dann es wirt der dienst Gottes vnd die haltung diß vierdten gebotts gleich als wol von den baurßleüten als von denen die in den Stetten wonend erforderet / sonder im fal der not wirt allein die freyheyt nachgelassen. Jn welchem allem aber rechte Gottsforcht vnd liebe wol leeren wirt / wie man sich halten sölle / das man nit etwan vnder dem schein der freyheyt vnnd der notwendigkeyt wider Gott handle / auß geyt / vnd nit auß Gottsforcht. So vil vom anderen brauch deß Sabbaths.
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Zum dritten aber / so hat der Sabbath auch gar ein herrliche bedütung / dann er ist ein jmmerwärend zeichen / das Gott allein der ist / der die heiliget die jn verehrend. Dann also spricht der Herr zum Mose / Haltend meinen Sabbath / dann der selb ist ein zeichen zwüschend mir vnd eüch / vnd eüwern nachkommen / das jr wüßind das ich der Herr bin der eüch heiliget usw. wie daß stadt Exo. am xxxj. Cap. Vnd Ezechielis am xx. wider geäferet wirt. Zuo disem brauch deß Sabbaths ist gemäldet worden / dann wie Gott seine glöubigen heiliget durch den heiligen geist / Also verkündet er auch söllichs der kirchen durch das wort deß Euangelij / er bezeügets auch vnd besiglets mit den Sacramenten / er wil auch das wir also dise heiligung von jm mit vnabläßlichem gebätt begärend. Welche ding alle besonders an den Sabbathtagen geüebt werdend / damit wir die heiligung von dem allein heiligen Gott erlangind.Also hatt nun eüwer lieb kurtz gehört die erste Tafel der gebotten Gottes / darinn vns die verehrung deß nammens Gottes gar eigentlich fürbildet vnd fürgeschriben wirt. Dieweil aber nit die kinder Gottes sind / die den willen Gottes allein verstond / sonder die [die so] jn auch thuond / so lassend vns Gott vnseren himmlischen vatter bitten / das er vnsere hertz vnd gemüetter erleüchte / das wir auch mit rechtgeschaffnen vnnd jm gefelligen wercken jnn / der da ist der gebenedeyet Gott inn ewigkeyt / verehrind.
AMEN.
LXV. / 65a Orig. 69b: asorgoi {?}
15.Pr.Die Fünfftzehende Predig.
Von dem ersten gebott der anderen Tafel / wölches inn der ordnung das fünfft ist / Namlich von der ehrung der elteren.
JEtzund volget die ander Tafel deß gsatzts Gottes / wölche ich mit Gottes hilff vnnd gnad deß Herren eüwer lieb auff das kürtzest / wie auch die erste fürhalten wil. Wie aber die erste geleert hat die liebe Gottes / also leert dise ander die liebe deß nechsten / vnnd vnderrichtet vnns / was wir vnnserem nechsten zuo thuon schuldig sygind / vnnd wie wir in diser zeit fründtlich still vnd ersamklich läben söllind vnnd mögind / dann es wil ye der güetig Gott / das wir wol vnd rüewig läbind. Vnd dieweyl wir söllichs nit erkennen / noch seinen guoten heylsammen gebotten gehorsam sein wöllend / so ladend wir vns selb alles übel auff vnsere hälß mit vnseren sünden vnd lasteren. Dise Tafel haltet aber sechs gebott inn / vnnder wölchen das erst also lautet / Ehr dein vatter vnd dein muotter auff das du lang läbist in dem land / das dir der Herr dein Gott geben wirt. Es facht der Herr dise andere Tafel recht an / an der verehrung der elteren / dann nach der liebe Gottes / ist das nechst die liebe gegen den elteren / von welchen wir nach Gott das leben habend / die vns auch mit vnsaglicher müey vnd arbeyt / von jugend auff aufferziehend. Vnd haltet hierinn also die natürlich ordnung / die da erforderet / das allwegen das / das daß fürnemmer ist / vorgange.
Damitt wirs aber alles dest baß verstandind / so wöllend wir diß gebott abteylen inn drey teyl / vnd zum ersten anzeigen wer als vnder dem wörtli vatter vnd muoter verstanden vnd begriffen werde. Zum anderen was das für ein ehr sey / vnnd was sie begreiffe / die Gott heißt den elteren geben. Zum letsten wöllend wir auch besehen die verheissung / die hie den frommen kinden beschicht / darauß wir dann auch werdend können abnemmen vnd verston / was straff den bösen vnd vnfrommen kinden verordnet sey.
Wer nun die elteren / das ist vatter vnnd muoter sygind / weißt ein yeder. Die selben hat vns Gott geben vnd verordnet / dz wir von jnen har den anfang vnsers lebens empfahind / vnd das sie vns ziehind vnd erneerind / vnd also zereden auß wilden groben Creaturen zuo rechten menschen machind. Vnd ist die guotthät / die den kinden von den elteren bewisen wirt / auch die arbeit vnnd der kosten / Jtem / die sorg / der schmärtz / die angst / die sie an sie legend / grösser dann keinem müglich sey außzuosprächen / vnd wenn er schon der aller wolberettist wäre auff erden. Es wirt aber außtrucklich nitt nur deß vatters sonder auch der muoter namm in disem gebott gesetzt vnd gemäldet / damit man nit meynen möchte / die wurde von der blödigkeyt wegen deß weiblichen geschlechts verachtet / Dann gemeinlich so erleidend auch die müeteren mer arbeit vnd mer schmertzens mitt den kinden / es sey in der geburt / im aufferziehen / vnd im erneeren / dann die vätter. Darumb wirt der muotter namm nit vergeben so heiter in disem gebott genamset vnd außtruckt. Wir verstond aber auch hie vnder dem nammen deß vaters vnd der muoter / großvätter vnd großmüetern / äni vnd anen usw. Zum andern aber / so wirt vnder dem nammen deß vatters vnd der muotter auch das vatterland verstanden / in dem ein yeder geboren ist / das jhn erneert erzogen vnnd fürbracht hatt. Zum dritten / werdend auch verstanden die Fürsten vnnd Oberkeyten / dann die selben werdend auch inn der heiligen geschrifft / Vätter vnd Hirten deß volcks genennet. So spricht auch Xenophon das ein guotter Fürst vnndLXVv. / 65b
ein vatter kein vnderscheid habind. Zum vierdten werdend auch verstanden die schirm vögt [Vormünder] / die witwen vnd weisen zuo schirmeren vnd beyständeren geben werdend. Dann die kommend jetz an statt der abgestorbnen elteren / vnd nemmend auff sich die fürsorg vnd den schirm der kinden / erziehend / schützend / schirmend / vnd fürderend sie als wärind sie jr eigen vnd von jnen erboren / dann also sol ein jeder gegen seinen vogtkinden [gegen denen / welcher Vormünder er ist] gesinnet sein. Zu denen söllend aber auch zellt werden die meister von denen man die handtwerck oder anders dz rechtgeschaffen ist [andere ehrliche künste] lernet. Dann die selben leerend die jungen wercken [arbeiten] damit sie sich mit eeren mögent erneeren / sie leerend sie auch zucht vnd guote gebärden [sitten] / vnd polierend sie erst auß / vnd machend rechtschaffne menschen auß jnen. Zum fünfften werdend auch durch die elteren verstanden die diener leerer vnd hirten der heiligen kirchen / die S. Paul selbs vätter genent hat / nit nur von wegen der liebe vnd fürsorg die sie tragend gegen jren zuohöreren vnd schäflinen / sonder auch von wegen dessen das wir Christo durch das Euangelium widergeboren werdend. Zum sechsten werdend auch verstanden / freünd / schwäger / brüeder / schwesteren / kindskind / schwäher / schwiger / tochtermannen / sunsfrawen usw. Vnd alle die freündschafft halb an ein ander gleich als glider hangend vnd verwant sind. Zum letsten werdend auch verstanden / alt leüth / witwen / weisen / krancke vnd schwache / die vns dann allenthalben auch in der heiligen gschrifft befolhen werdend. Das ist nun das erst / auß dem jr sehend / wän wir alles verstandind in disem ersten gebott diser anderen tafel / wär als darinn begriffen / vnd vns vnder dem nammen der elteren zuo eeren befolhen werde. Nun wöllend wir aber auch hören was dz für ein eer seye die wir jnen schuldig sind.
Das wörtli eeren heißt in der heiligen gschrifft vil vnd mancherley / hie aber heißt es / groß / tewr / werd / vnd vor augen halten / eeren als ein ding das von Gott verordnet / als ein besondere guothat Gottes / auch erkennen lieben vnd loben als ein Göttlich / heilig / nutzlich vnd notwendig ding. Eeren heißt auch vnderthenig / gewertig [-] vnd gehorsam sein / ja also gehorsamen / als Got selbs / der vns die gehorsamme gebotten / vnd denen wir vorauß vnd vor allen dingen söllend gehorsam sein. Dann sonst so söllend wir vnseren elteren vnd vorgengeren nit volgen noch ghorsamen / so sie etwz thuond / oder vns heissend thuon / dz vnrecht ist. Dann die ersten gebott in disen beden tafelen söllend allweg vorgon / nun habend wir aber im anderen gebott doben gehört vnd gelernet / dz Gott die boßheit der vätteren an den kinden wil heimsuochen / darumb söllend wir den elteren nitt volgen noch gehorsamen / so sie vns heissend dz wider Gott vnd sein gesatzt ist. Also volget Jonathan seinem vatter Saul nit / do er jn hieß den Dauiden verfolgen / vnd damit hat er in der heiligen gschrifft grosses lob erlanget. Also die drey gesellen Daniels / die warend dem Nabuchodonosor sonst in allen dingen gehorsam / sie liebtend vnd eeretend jn / als den grösten gewaltigsten mechtigsten künig / aber do er jnen abgötterey gebot / verachtetend sie sein gebieten. Also auch S. Peter ob er gleich gar eigentlich leert die eer vnd die gehorsamme / die wir vnseren elteren vnd der oberkeit schuldig sind / noch do jhm die oberen vnnd vätter deß volcks gebuttend / das er fürohin nit mehr den creützigeten Christum predigen sölte / antwortet er jhnen / man muoß Gott mee gehorsammen dann den menschen. Was darff aber söllichs vil erzellens / dieweil der Herr Christus dises vnd was der gleichen ist alles inn disen kurtzen spruch zuosamen faßt / da er spricht / Welcher zuo mir kumpt / vnd nicht hasset sein vatter vnd sein muoter / sein weyb / seine sün vnd töchteren / seine brüeder vnd schwösteren / darzuo auch sein eigen läben / der mag nit mein jünger sein. Zuo dem allem aber so eerest auch deine elteren / so du sie nicht verachtist / so du jhren kein verdruß hast / vnd dich jhren nicht beschämpst / von wegen etwan das sie arm sind oder jhnen übel gat. Jtem du eerest sie auch / wenn du jnen beholffen vnd beraten bist / vnd jnen das best thuost /wenn sie jetz alters oder armuot halb nichts vermögend / oder soLXVI. / 66a
du jhnen auch sonst in jhrer arbeit redlich zuo hilff kumpst. Denn das heißt recht vnd eigentlich die elteren eeren / wie Christus selb sölichs bezeüget vnd außlegt Math. xv. Cap.[30. Ephes.6.2.] namlich so man jnen ratet vnd hilfft / sie schützt vnd schirmpt / ja sich gar vnd gantz / auch mit dem leben für sie dar streckt.
Damit aber söllichs alles dest baß verstanden werde / so wöllend wir dises dz ich ietz geredt hab von der eer die man den elteren schuldig ist / ziehen vnd applicieren auff die siben grad vnd glider / die ich doben im ersten theil anzogen hab / die vnder dem nammen der elteren verstanden werdend / damit also ein jeglicher verstande vnd lerne wie er den elteren dem vatterland / der oberkeit vnd den überigen erzellten / jr gebürende vnd schuldige eer zuogeben sölle. So vil dann nun die elteren vatter vnd muoter belanget / dieweil vnd wir denen eer schuldig sind / so söllend wir sie also eeren / dz wir tür vnd hoch von jnen haltind / vnd gedenckind dz vns die von Gott geben sind / dz wir sie eerind liebind vnd in allweg vor augen habind / vnd dz von deß Herren wegen / der auch selb verachtet wurde / so wir die elteren verachtetind vnd leichtlich von jhnen hieltind / vnd ligt nichts doran / die elteren seyend dessen wirdig oder nitt. Dann sie seyend gleich wie sie wöllind / so sind sie doch nicht ohn Gottes fürsichtigkeit vnsere elteren / Darumb wil auch Gott das sie vereeret werdind. Deßhalb was die kind jmmer von jren elteren reden oder sagen wöllend / so soll allweg darinn die kindtlich liebe vnd ehrenbietung gespürt werden. Vnd mit sölicher liebe vnnd ehrenbietung sollend sie dann auch jhnen gehorsam sein. Vnd ob gleich die elteren etwan seltzam / vnd vnrecht an einer sach wärind / so stadt doch vns zuo / das wirs jhnen mit bescheidenheit übersähind / vnd das wo sie gleich vns zuo bösem reitzen vnd treiben wöltind / das wir vns daruor hüetind / vnd doch mitthin zuo allweg die sach also mäßigind / das wir sie so wenig wir jmmer mögind erzürnind. Darinn sol vns Jonathas der fromm vnd Gottsförchtig sun Sauls ein exempel sein. Der sach mit grossem schmertzen vnnd hertzleid / seins vatters zorn gegen dem Dauid / auch die vnbill die er an jhm braucht / Noch tuldet er es / vnnd ließ es alles übergon mit grosser bescheidenheit. Wenn er auch fuog vnnd gelegenheit hatt / so redt er darwider / vnnd halff seim vatter zuo keinem vnrechten nie / hanget allweg dem frommen vnnd gerechten an / vnnd was jhm seins vatters hartneckige hertzlich leid. Vnnd do gleich sein eigner vatter gewalt an jhn leggen wolt / widerstuond er jhm nicht fräfenlich / sonder gieng jhm auß den zänen / vnnd liebet jhn doch nichts destminder allweg / bättet für jhn / vnnd hielt sich inn allen anderen dingen / als ein gehorsamer vnd vndertheniger sun. Das ist nun das ampt eines frommen suns. Dem exempel sollend wir all fleißig nachuolgen / vnnd darinn lernen / wie wir vnsere vätter vor augen haben söllind / wenn sie gleich vnwirsch vnnd vnrecht an der sach sind. Man sol jhnen nicht trutzlich widerreden / ja gar nicht widerbäfftzen / man sol auch vatter vnd muoter nicht fluochen / einer wölle dann deß höchsten vnd gerechten Gotts fluoch auff sich laden. Wenn auch gleich vnsere elteren arm wärind / vngstaltig am leyb vnnd lasterhafft [streflich] am läben / dennocht sollend wir sie nicht verspotten / oder verachten / vnnd nicht vndanckbar gegen jnen sein / dieweil sie so gar wol vmb vns verdient sind / wir söllend sie neeren / zuo vns ziehen / jhnen inn allen dingen helffen / vnd vns selb vnd alles das wir habend jhnen mitteilen vnd fürstrecken / dann alles das wir habend das ist jhren / wir habend es alles vonn jhnen / vnnd wann sie nicht werend so werend wir auch nicht. Darumb wir wol ingedenck sein söllend / wie treüwlich vnns der Herr im Euangelio diß gebott befolhen hatt / wie man gesehen mag Matthei am fünfftzehenden Capitel. Wir sollend auch gedencken an das heidnisch sprichwort antipelargein das da heißt empfangne guothat vergelten / sonderlich aber die guothat / das einer die neere
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vnd zuo jm trucke von denen er etwan erzogen vnd erneert ist worden / als wenn die kind jre elteren die nun veraltet [alt worden] sind / auch hinwider erneerend vnd sie zuo jnen truckend [zu sich nemmen]. Vonn welchem bey den Heiden auch ein billichs gesatzt ist gewesen / darinn gebotten ward / das die kind jre elteren söltind erneeren vnnd erhalten / oder in gefencknuß geworffen werden. Vnd dises gesatzt das von vilen menschen verachtet vnd nicht gehalten wirdt / das haltet vnder allen thieren / allein der Storch / dann die vbrigen alle liebend wol vnd erkennend jre elteren / so lang sie jrer hilff bedörffend / damit sie erneert vnd erzogen werdind / allein der Storch / der neert auch seine elteren so die alt werdend / vnd so sie nicht mehr fliegen mögend / nimpt er sie auff den rucken / vnd füerts daruon. Man findt auch bey den Heiden vil schöner vnd feiner sprüchen von der vereerung der elteren. Jsocrates spricht / halt dich also gegen deinen elteren / wie du wöltist das sich deine kind gegen dir hieltind. Anaximenes sprach / der liebet seinen vatter recht / der sich fleißt das er seinen vatter nirgent erzürne / sonder jhm vil fröuden zuogstatte. So schreibt auch Plato in legibus, das der ein grossen schatz inn seinem hauß habe / welcher sein vatter vnd muotter / großuatter vnnd großmuoter daheim erneere vnd erhalte / vnd vermeint darbey man bedörffe keiner anderen bilderen im hauß / dieweil ein jeder all sein fleiß dahin wenden sölle / das er seine elteren recht vereere. Er spricht auch weiter / Die eltest vnd grössest schuld die wir schuldig sind / die sind wir den elteren schuldig / die söllend wir auch jnen dieweil sie noch bey läben sind bezalen. Dann es sol ein jeder also halten vnd gesinnet sein / das alles das er hatt vnd besitzt / deren seye / die jhn erboren vnd erzogen habend / vnd sol wüssen / das er sölichs alles jnen nach allem seinem vermögen fürzuostrecken schuldig ist / erstlich was außerer güeteren sind / demnach auch sein leib / vnd zum dritten alle güeter deß gmüets. Dann das alles hatt ein jeder als vil als entlehnet von jnen / vnd sols jnen deßhalb / wo sie dessen am meisten bedörffend widerlegen vnd bezalen / vnd jnen für jr alte sorg vnd schmertzen / jetz in jrem alter neüwe vnd andere sorg dargegen widergelten. Darzuo so gebürt es sich auch / das wir vnsere elteren / vnser gantz läben lang auch mit worten vereerind / dann über leichtfertige vnd fliegende wort ist ein grosse straff vorhanden. Dann es ist [Weil ...] der engel deß gerichts vnd die rach die sölichs alles sicht vnd weißt / allen menschen fürgestelt vnd verordnet. Darumb so die elteren etwan gleich zornig werdend vnd außbrechend / es seye mit worten oder mit wercken / so sol man jnen weichen / vnd gedencken / das sich ein vatter nit vnbillich über ein sun erzürnt / wenn er meint das jm args vnd leids von jhm geschehe. Wenn aber die elteren verscheiden vnd abgestorben sind / so gebürt es sich vns / das wir jhnen eerliche begrebtnußen / doch das auch maß darinn gehalten werde verordnind. Vnnd so wir sölichs haltend / so werdend wir grosse belonung von Gott darumb empfahen. Das alles schreibt Plato. So spricht der heilig Hieronymus von den müeteren also / Leistend den müeteren die schuldige ehr / die euch eb jr geboren werdind / mit jres leibs arbeit dienend / vnd die schwär burdi ewer leyben tragend / ja euch tragend die sie noch nit bekennend [kennet] / da die muoter nit nur für sich selbs hungeret / auch die speiß nit allein vertöwt [vertewet] die sie gässen / sonder durch der muoter speyß wirt auch der gfüeret der in jr noch verborgen ist / vnd werdend seine glider geneert durch eines anderen ässen / also das der / der ein mensch werden sol durch eines anderen ässen ersettiget wirt. Vnd was sol ich sagen von der narung selb / vnd von dem müeterlichen hertzen / mit was liepliche sie den zorn der zarten juget verstat vnd auffnimpt / was sol ich auch sagen von der speyß / die nach dem sie von der muoter verzeert wirt / jren gang hat durch die weiblichen brüst vnd zuo eim lieblichen safft vnd milch verwandlet wirt / mit deren das zart mündli deß kleinen kindts erfröwt vnnd übergossen wirt. Dann die natur zwingt also die
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kind / das sie jr tranck von der muoter empfahend / vnd dieweyl sie noch keine zän habend / so saugend sie mit schmatzerendem mund von den müeteren dise narung / die keines beissens bedarff / vnd dienend also die müetterlichen brüst jhren nachkommen / in jrer kindtheyt / vnd sind alle jre glider jrer dienstbarkeyt mit höchster fröud ergeben. Es begärt auch die muoter jmmerdar das daß kindlin wachse / vnd bald groß werde. Dieweil dann so vil vnd so grosse guotthaten der müeteren vorgond / so ist billich das man auch den müetteren mitt aller guotwilligkeyt diene / vnd dz man der natur die schuldig pflicht leiste / deßgleich auch den nachkommenden / das man jnen schuldig ist. Darumb O Sun bezal das du schuldig bist / vnd verdien die guotthaten die du empfangen so weit vnd ferr du yenen vermagst / dann niemand mag den elteren gnuogsam bezalen das / daß man jnen schuldig ist. Das sagt S. Hieronymus.
Zum anderen aber / so vil das vatterland belanget / so ist es billich dz ein yeder das selbig hoch halte / liebe / fürdere / vnnd ziere mit allem dem das jhm Gott verlihen hat / jm helffe mit allerley wolthaten / auch treüwlich beschirme / vnnd dapffer darfür / so es die notturfft erforderet / das man es muoß vor röuberen vnd fyenden erretten / streyte. Dann wie jhener sagt / so ists nichts lieblichers / dann ein sölliche form vnd gestalt einer policey burgerschafft oder gmeynd / darinn erstlich die kirchen Gottes recht angerichtet vnd geordnet ist / darinnen man Gott rechtgeschaffenlich verehret / (namlich mit glauben vnd liebe / so vil vnd Gott eim yeden gnad verleicht) vnd dem wort Gottes gehorsammet. Darinn darnach auch ein Oberkeit guote disciplin / auch gerechte vnd billiche satzungen hat vnd haltet. Jtem / da die burger vnd vnderthonen gehorsam fridlich vnnd einig sind / vnd jre ehrliche versammlungen habend / es sey zuo kirchen der religion halb / oder zegricht vnd zerath ausserer dingen halb / Jtem da man schuolen hat tugend vnd geschrifft zuo lernen. Da man sich auch erneert mit ehrlichen handtierungen vnnd gwärben / deren man zuo erhaltung deß lebens bedarff / als mitt dem ackerbauw / mitt kauffmanschatz / mitt handtwercken / da man die kind ehrlich zeücht / den elteren guots thuot / deßgleich auch den armen vnnd frömbdlingen / da man allerley leüten findt / töchteren / weiber / kind / alt leüt / witwen / weysen usw. Da man die straafft / die (wie denn der menschen art ist) wider die satzungen handlend / vnd die selben überträttend / Dargegen aber die frommen vnd vnschuldigen schirmpt / da friden gerächtigkeyt vnd früntligkeit regiert. Welcher möchte nun mit dultigkeyt zuosehen / das ein söllicher wolstand / vnd sein liebs vatterland eintweders von auffrüerigen burgeren oder landtleüten / oder von frömbden fyenden zerstört / zerreüttet / vexiert [geplaget] vnnd verderbt wurde? Dann durch krieg vnd auffruor werdend alle tugenden / alle studia / vnnd alles guots zerstört / weiber vnnd töchteren geschendt / alt leüt mißhandlet / vnnd gadt alle religion aller glaub vnnd Gottsforcht vnder. Darumb do Joab der dapffer vnnd redlich Hauptman in Jsrael / für das vatterland wider die Syrier streitten solt / do sprach er zuo seinem bruoder Abisai / werdend mir die Syrier überlägen sein / so kumm mir zehilff / werdend aber die kinder Ammon dir überlägen / so wil ich dir zehilff kommen / Biß redlich vnd laß vns dapffer streiten für vnser volck / vnnd für die Stett vnsers Gottes / der Herr aber thüe was jm gefalle in seinen augen. Also vermanet auch der aller fürträffenlichest kriegßman vnder allem volck Jsrael / vnd erhalter seines vatterlands Judas Machabeus / sein volck / als er yetz mitt den fyenden streytten wolt vnd sprach / Nemmend war sie ziehend wider vns mit grosser macht vnnd hoffart / das sie vns vnd vnsere weib vnd kinder vmbbringind vnd verderbind / wir aber streitend / zuo beschirmen vnser läben vnd vnser gsatzt. Deßhalb sind vnuerzagt / vnd forchtend eüch nichts vor jnen / der Herr wirt sie zerströwen vor vnseren augen.LXVIIv. / 67b
Also ermant auch das volck sich selber vnd sprach / wir wöllend vnser erschrocken volck widerumb trösten vnd stercken / das wir mannlich streitind für vnsere religion glauben vnd gsatzt. Hie kan aber mit grund niemand sagen / das dises stuck vnd werck deß gsatzts sygind / die vns / die wir inn der kirchen Christi sind / nichts angangind / Dann Paulus do er inn der Epistel zun Hebr. am xj. cap.[32] vom Christlichen glauben redt / da spricht er / Dise habend durch den glauben die küngreich eroberet / die gerächtigkeit gwürcket / sind starck worden im streit / habend verjagt die heerläger der frömbden. Dieweil vnnd wir nun auch mit jnen ein glauben habend / so gebürt es sich auch vns so es die notturfft vnd gerechtigkeit erforderet / dz wir vnser vatterland / vnsere religion / weib vnd kind / töchtern vnd alt leüt / vnser guot vnd freyheit mit dem krieg vnd mit der hand schirmind. Vnd sind alle die vntreüw vnd nit redlich am vatterland / vnd sündend wider diß gegenwirtig gebott / welche jr vatterland so das mit krieg angefochten wirt / vnder dem fürwenden vnd schein deß glaubens verlassend / vnd es nitt helffend retten vor frömbden Nationen vnd fyenden / vnd jr leben für das vatterland in kein gfar setzen wöllend. S. Johanns spricht / daran habend wir erkennt die liebe / das er sein leben für vns gelassen hat / vnd darumb söllend auch wir das leben für die brüeder lassen. Die verruochten kriegßleüt / die allein von gälts wegen kriegend / vnd auch den vngerechten kriegen nachziehend / vnd jr leib vnd leben vmb gelt feyl tragend / die werdend sölliche leüt / die also jr vatterland verlassend / richten vnd vrteylen. Dann die selben setzend jr leben dar / allein von wenig gelts wegen / da aber die plüttling vnnd kunckelspinneren kein gfar leiden wöllend zuo guotem vnd schutz der religion / der Oberkeit / auch jr weiben kinden vnd güeteren. Was wöllend sölliche verlasser deß vatterlands antworten an jhenem tag / so Gott widergälten wirt eim yeden / wie er sich gegen seim vatterland tragen / da sie sehen werdend dz die Heyden sie weit in tugenden überträffen werdend.
Curtius ein edler junger man zuo Rom / sprangt in ein tieffe gruob zuo Rom / die am marckt eingefallen was / damit er mit seinem freywilligen tod dem vatterland hulffe. Also habend beyde Decij / der vatter vnd der sun / jr leben dargestreckt für den wolstand deß gemeynen Regiments / habend sich mitt grosser dapfferkeyt erschlahen lassen / allein auß liebe deß vatterlands. Also Codrus der fromm künig zuo Athen / als der auß der antwort Apollinis deß abgotts verstanden hat / das Athen sein vatterland nit möchte erhalten werden / dann durch sein deß Künigs tod / vnd die fyend deßhalb ein gebott hattend lassen außgon / das jn niemand verwunden sölte / do zoch er sein künigkliche zierd auß / vnd legt gemeyne kleider an / vnd fiel also inn die fyend / vnd reitzt einen selbs an / das er jn erschlüege. Also die Phileni / so gebrüeder warend / woltend lieber das jr vatterland groß vnd weits gebiet hette / dann sie langs leben / vnd liessend sich deßhalb lebendig vergraben. Das habend alles Heyden thon / Vnd was thuond wir zuo guotem vnd zuo erhaltung deß vatterlands? Hierocles spricht / Das vatterland ist gleich als ein anderer Gott / vnd als der erst vnd oberst vatter / darumb der jm den nammen in latin geben hat Patria, der hats nitt on grosse vrsach also genennt. Dann dieweil Pater ein vatter heißt / so hat ers vom vatter har genennt Patriam, das ist vatterland. *Vnd damit er aber auch die muoter darein brächte / so hat ers in fœminina terminatione pronunciert vnd genennt Patriam,*[-] welcher namm also als vil als von vatter vnd muotter zuosammen gesetzt ist. Mitt diser rechnung zeigt er an / das daß vatterland gleich als vil söll geehret vnd geliebet werden / als beide elteren / vnd erhebt die ehr deß vatterlands so hoch / das er nit wil das beide elteren vatter vnnd muotter höher gehalten werdind dann das vatterland / sonder zuo gleich werdind verehret.Zuo der ehr aber vnnd der liebe die wir dem vatterland schuldig sind / gehört
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auch das / das wir für den wolstand desselbigen ernstlich bättind. Dann Babylon / ob es schon nit der Juden vatterland was / noch dennocht dieweil sie von Gott von wegen jrer sünden dahin sibentzig jarlang verschickt warend / so wirt Babylon yetz als vil als jhr vatterland gerechnet / vnnd darumb spricht Jeremias am xxix. Cap. Bauwend heüser darinn zewonen / pflantzend gärten / dz jr jre frücht nießind / nemmend weiber / das jhr Sün vnd Töchteren gebärind / gebend eüweren sünen weiber / vnd eüweren töchtern mannen / das sie sün vnd töchteren überkommind / das eüwer vil am selben ort werdind / vnd suochend den friden vnd wolstand der Statt / in deren jr gefangen sind / vnd bittend den Herren für sie / dann in jrem friden werdend auch jr friden haben. Vnd darumb so sündend auch die gar schwärlich / die dz vatterland verrathend / welche auch billich von wegen der grösse deß lasters vnd der vnmenschlichen sünd nach vermög der satzungen gefierteilet werdend.
Zum dritten aber so vil die Oberkeit belanget / da wöllend wir von der selben ein ander mal reden / so vil aber den gegenwirtigen handel betrifft / so sagt S. Peter also / Förchtend Gott / vnd ehrend den Künig. Darumb so söllend wir erkennen / das die Oberkeyt von Gott vns menschen zuo guotem verordnet ist / vnd dz vns Gott durch die Oberkeit grosse guotthaten beweißt. Dann die Oberen so sie jr ampt thuond / vnd nit Tyrannen sein wöllend / so wachend sie für das gemeyn Regiment / richtend dz volck / zerleggend die spän / erhaltend die gerächtigkeit / straaffend die überträtter / schirmend die vnschuldigen / streittend für dz volck. Vnnd von wegen der fürtreffenliche dises jhres ampts / da nichts höhers vnd notwendigers ist / gibt Gott der Oberkeit seinen nammen zuo / das er sie Götter nennt / damit sie also auch bey disem nammen jrs ampts erinneret werde / vnnd dargegen auch die vnderthonen sie lernind vor augen haben. Dann Gott ist guot / vnd gerecht / der kein person ansicht noch gaben nimpt / Also sol auch ein guoter Richter vnd Oberer sein. Die Münch vnd Einsidel habend jren stand treffenlich gerüempt / vnd also zereden biß in himmel erhept / Jch halt aber das vest / das mer warer vnd rechter tugenden in eim man sygind / der ein Oberer ist / vnd der sein ampt recht außricht / dann in vil tausend Einsidlen oder München / Gott geb wie fromm sie sygind. Vnd dieweil sie jrs stands vnd fürnemmens kein außtruckt wort oder geheiß Gottes habend / so verdreüßt es mich nun den heiligen stand der Oberkeit mit jnen zuo vergleichen / die doch nichts habend / dz mit dem möge vergleicht werden / dann sie fliehend die arbeit / vnd die heilsamm notwendig ordnung Gottes. Vnd so ein Oberer sein ampt inn der verwaltung deß Regiments auß glauben recht verwaltet / so sammlet er jm selb ein mercklichen grossen hauffen recht waarer guoten wercken / vnd ein ewigs lob darzuo. Darumb so sol man der Oberkeit / vnd jren guoten vnd billichen satzungen ghorsam sein / vnd kein auffruor wider die selbig anrichten / jren auch nit fluochen / wie dann Gott söllichs auch im gesatzt verbeüttet vnd spricht / Du solt den Götteren nit übelreden / vnd dem Oberen deines volcks nit fluochen / Vnd ob schon ein Oberkeit fälete vnd sündete / so söllend wir vns doch gegen jren halten / als gegen einem vatter / von dem aber doben ist geredt worden. Es begibt sich offt / das Oberen vnd Räth der religion wol wöllend / vnd gemeyne gerechtigkeit fürderend / ob den satzungen haltend / aller ersamkeit beystond vnd günstig sind / aber darnebend auch jre fäler vnd laster habend / von deren wegen sol aber sie der gmeyn man nit verachten / oder hinab wöllen stürtzen. Dann es hat auch Dauid seine laster / der sonst ein guoter Fürst wz / Er fuogt dem gantzen Reich vil übels zuo mit seinem Eebruch / noch so sündet Absalon gar schwärlich / dz er jn vnderstuond vom reich zetringen. Also sind auch in andern Fürsten vnd Obern nit wenig laster / die doch ein fromm Gotsförchtig volck nit bewegen söllend zuo auffruor / vorauß so sonst die gerechtigkeytLXVIIIv. / 68b
nichts destminder giltet / der gmeyn friden / vnd guote satzungen geschützt vnnd geschirmpt werdend. Man sol vil mer fleißig vnnd ernstlich für die Oberkeyt bätten / vnd jren helffen mit rhat vnd that / so offt es die sach vnd notturfft erhöuschet / da sol man weder leib noch guot sparen. Dann also habend ye vnd ye die glöubigen all jr vermögen dargestreckt / vnd zur Oberkeit gsetzt / so offt der gmein wolstand das erforderet hat. Also habend die Jsraeliter / vnd alle andern völcker die ützit etwas rechten verstands vnd vernunfft gehept habend / ye vnd ye zuo allen zeitten für jhre Richter Künig vnd Oberkeyten gestritten / dargegen auch die Fürsten vnd Oberen für jr volck. Sölliche stuck söllend auch noch vff den hüttigen tag vnder vns / in allen Küngreichen Fürstenthummen Stetten vnd Regimenten gehalten / geüebt vnd braucht werden. Vnd sol auch ein yedes volck seiner oberkeit geben alles dz jren von rechts oder von gwonheit wegen schuldig ist / oder so vil die notturfft erfordert. Dann also spricht auch S. Paul / Gebend yederman wz jr schuldig sind / wäm steür / steür / wäm zoll / zoll / wäm forcht / forcht / wäm ehr / ehr.
Zum vierten / dieweil die schirmvögt [Vormünder] an statt der abgestorbnen eltern kömmend / vnd an den kinden das ampt der elteren erstattend / so verdienend sie damit auch den danck / das ist die liebe / die ehrentbietung / die danckbarkeit vnd gehorsamme / die die kind den elteren schuldig sind. Zuo gleicher weiß vrteylen ich auch von den leer vnd handtwercks meisteren / welche wie sie gegen jhren leerjungen ein vätterlichs gemüet / vätterliche liebe / fleiß vnd treüw tragen vnd anwenden söllend / also söllend auch dargegen die jungen sie billich als vätter lieben / ehren / förchten / vnd jnen gehorsammen. Da aber zuo beyden seiten mangel ist / eins teyls so die meister mit den leerkinden hinläßig vnd vnfleißig sind / anders teyls dann auch / so die jungen / fräfen / grob vnpändig vnd vngmeisteret sind / welches dann nit zuo leiden ist. Darumb so söllend hie alle leermeister lernen / dz sie vätter sygind an jren leerjungen / vnd nit anders gegen jnen gesinnet sygind / dann als gegen jren eignen kinden / dz sie sy die handtwerck mit treüwen leerind / auch darnebend in guoten sitten / vnnd allem dem / das zuo rechtgeschaffnem leben dienet / nit minder fleißig vnd treülich vnderrichtind dann wärind sie jr eigne kind. Dargegen lernind die jungen / das sie jr anerborne grobheit brächind vnd mäßigind / vnd den begirden jhrer jugent das bissz [gebiß] einlegind / Jtem das sie sich demüetig / vnderthänig vnd ehrenbietig haltind / schweigind / jre meister förchtind / liebind / vnd jnen gehorsamm sind / daß sie erkennind / das jnen jre meister von Gott geben vnd verordnet sygind / vnd das Gott in jnen verachtet wirt / wenn sies verachtend. Das sie auch fleißig ämpsig vnd treüw sygind in jrer arbeit / das der meister gespüren möge jren fleiß vnd geneigten willen gegen jm vnd gegen dem handtwerck selbs. Da sol ein yeder fleißig nachsinnen vnnd sich üeben / in dem / was jn sein meister leert vnd heißt / daran sol er sich kein müey noch arbeit tauren lassen. Er sol auch danckbar sein gegen seim meister / der jn mit treüwen leert / damitt wenn er jhn auch vmb alle ding fraget / wie man disem oder jhenem thuon müesse / das er jms dest lieber alles anzeige. Dann wenn die leerjunger vndanckbar vnd vnfleißig sind / so werdend auch die leermeister vnderweilen verdrüßig vnd laß. Vorab aber so lern Gott förchten vnd vor augen haben. Aussert dem hauß gsell dich niendert zur gottlosen muotwilligen rott / sonder trag vnd halt dich ersammlich / thuo nieman leids / veracht niemants / red niemant übel / fleiß dich allweg deß fridens / biß ehrenbietig gegen yederman / fleiß dich yederman guots zuo thuon. Daheim so luog / das du den nutz vnd frommen deines meisters fürderest / füeg weder jm noch den seinen keinen schaden zuo / vnd so ein anderer dz thuon wölte / so zeig jms by zeit an / wo etwan zanck vnd hader sich erheben wölte / so still es nach allem deinem vermögen. Vnd wz du daheim hörst / das trag nit hinauß / dargegen trag auch nichts hinein / wz du da aussen hörst vnd vernimpst. Biß [Sey] verschwigen / fridsam / auffrecht / rein / mäßig /LXIX./ 69a
bescheiden / waarhafft / dienstbar vnd guotwillig zuo allen ehrlichen dingen die man im hauß zuo schaffen hat. Hüet dich auch vor allen denen dingen / auß denen böser vnd schädlicher argwon entspringen mag. Greiff weder deins meister weib noch töchtern fräfenlich an / auch die haußmägt nit / red nit zevil mit jnen weder offenlich noch heimlich. Deins meisters wyb / halt als dein muoter / wie sie dann ist / vnd seine töchtern / halt als deine schwestern / vnd denen schand zuofüegen ist ein grosse schwäre sünd. Ein jüngling sol auch suber vnd nit vnflätig sein / freyes ferigs dings [hortig / rüstig] / vffrecht / vnd zimlicher gmeiner speiß / nit schläckerhafft vnd vngnüegig / vnd was deß dings als ist. Jn summa behalte ein yeder jüngling dz wol in seim hertzen / das dz eines jungen menschen ampt ist / sich sauber vnd rein enthalten von aller vnreinigkeit / Jtem vnderthänig sein / nit wöllen herrschen / sonder yederman dienen / allweg etwas rechts lernen / wenig reden / nimmer nichts hochmüetigs vnd hochtragens reden oder rüemselen [rhümen] / nit widerbefftzen [widerbellen] / sonder vil leiden vnd lassen übergon.
Zum fünfften / von der ehrentbietung gegen den dienern der kirchen / die da hirten leerer vnd vätter sind der Christenlichen gmeynden / wirt vil geredt / besonders von denen die lieber ein herrschafft hettend / dann ein dienst. Wir söllend aber erkennen das sie vns von Gott geben sind / vnd dz er durch sie mitt vns rede. Das sag ich aber von denen / die vns nit jr eigne tröum fürtragend / sonder das wort der waarheit / von wölchem der Herr im Euangelio redt / wer eüch hört / der hört mich / wer eüch verachtet / der verachtet mich. Darumb so ist diser dienst vom Herren / durch welchen er vnser heil würckt / Vnd deßhalb sol man den dienern ghorsammen / so sie jr ampt recht brauchend vnd verrichtend. Man sol sie auch lieben / wol vnd ehrlich von jnen halten / vnd ämpsig für sie bitten. Vnd dieweil sie vns säyend das geistlich / so sol man jnen nitt vergunnen noch abschlahen zuoschneiden das fleischlich vnd zeitlich / Dann der arbeiter ist seines lons werdt. Vnd dieweil der Römisch Landtvogt bey den Juden / dem heiligen Apostel Paulo sein hilff vnd beystand erzeigt / vnd nit abgschlagen hat / do die Juden jn vnderstuondend zemürden [zu mörden] / vnd offnen gwalt an jn zeleggen / so sol vil minder ein Christenliche Oberkeit / den treüwen dieneren Christi vnd der kirchen / jr hilff schutz vnd schirm abschlahen. Dahar dienend yetzund die zeügnussen deß heiligen Apostels Pauli / der da spricht / j.Theß. am letsten Capitel[6.12] / Wir bittend eüch lieben brüeder / das jr erkennind die an eüch arbeitend / vnd eüch vorstond in dem Herren / vnnd vermanend eüch / das jhr sie haltind dester mehr in der liebe vmb jres wercks willen / vnd sind fridsam mit jnen. Vnd zun Hebr. am xiij. Capitel[13.17.] spricht er / Sind gehorsam eüwern vorstehern / vnd volgend jnen / dann sie wachend über eüwere seelen / als die da rechenschafft darfür geben söllend / auff das sie das mit fröuden thüegind / vnd nit mit seüfftzen / dann das ist eüch nit nutzlich. Dann was jamers vnnd übels gantzen Künigreichen vnd völckern entstande auß der verachtung deß worts Gottes vnnd der dieneren / das mag man sehen auß vilen exempeln / sonderlich aber vß dem dz beschriben wirt im andern buoch der Chronick am letsten capit. da also stadt / Vnd der Herr jrer vätteren Gott sandt zuo jnen seine botten früe (dann er schonet seines volcks vnd seiner wonung) aber sie spottetend der botten Gottes / vnd verachtetend seine wort / vnnd äffetend seine Propheten / biß der grimm deß Herren über sein volck wuochß / das kein heilen mer da was. Vnnd mit disen worten stimmend auch die / die der Herr Jesus im Euangelio redt Matth. am xxiij[34]. Capit. da er spricht / Sihe ich senden zuo eüch Propheten vnd weisen / vnd gschrifft geleerten / vnd der selbigen werdend jhr etlich töden vnd creützigen / vnd etlich werdend jhr geißlen in eüweren schuolen / vnd werdend sie verfolgen von einer statt biß zur anderen / auff das vff eüch komme alles das gerecht bluot das vergossen ist auff erden / von dem bluot an Abels deß gerechten / biß auff das bluot Zacharie deß suns Barachie / welchenLXIXv. / 69b
jr getödt habend zwüschend dem Tempel vnd dem Altar usw. Darumb wir vns träffenlichen hüetten sollend / das wir Gott nit verachtind / der durch seine diener die Propheten in seinem wort mit vns redet.
Zum sechßten so sind wir auch auß krafft diß gebotts vnseren fründen vnnd verwandten liebe / ehr / hilff / rath / trost vnd alle früntschafft zuo erzeigen schuldig. Vnnd werdend in disem gebott gleich wie auch in den Apostolischen geschrifften verdampt / die asorgoi {?}, das ist die vnfrüntlichen / die durch kein natürliche anfächtung vnd neigung gegen den jren bewegt werdend. Dann es ist gemeynlich ein natürliche neigung / anmuotung / guotwilligkeit / liebe vnd mittleiden (welche anfechtung [welches] die geschrifft gemeynlich die eingeweid oder jnnere anfechtung [bewegung] nennt) in vatter vnd muoter gegen den kinden / in einem bruoder gegen dem anderen / in einem bluotsfründ oder verwandten / gegen dem anderen. Wie vns dessen vil schöner exempel inn der geschrifft werdend fürgestelt. Als am Abraham / der auß vätterlichem eingeweid vnnd hertzen seinen Sun Jsaac liebet. Also am Joseph / der auch seinen vatter Jacob vnd seine brüeder also liebet / besonders aber sein leiblichen bruoder den Benjamin. Also habend auch schwiger vnd sunsfrauwen ein schön exempel dem sie nachfolgen söllend an der Naemi vnnd der Ruth / dann es ist sonst gemeyn das die schwigeren vnnd die sunsfrauwen einanderen hassend / darauß vil vnglücks offt vnd dick vnder den haußgesinden entstadt. Darumb söllend sie lernen bey disem lieblichen exempel / wie sie sich zuo beiden seiten gegen einanderen halten vnd tragen söllind / Die schwiger halte die sunsfrauw als jr tochter / wie sie dann waarlich ist / Die sunsfrauw ehre die schwiger vnd halte sie vor augen als jhre muoter. Vnnd da muoß man zuo beiden seiten einanderen vil übersehen / alles im besten verstan vnnd auffnemmen / vnnd mitt einanderen verguot haben / Einanderen vil nachlassen vnnd verzeihen / auch kein statt geben bösen klaffen vnnd rätschen [geschwetzen] / oder bösen argwonen. Es ist ein grosser schatz einigkeyt in einem haußgesind / dargegen ein vnsaglich vnnd verderblich übel zwitracht. Wie auch ein yeder die seinen versorgen sölle / ist einem yeden wol zuowissen auß dem ort deß heiligen Apostels Pauli / j. Tim. v. Zum letsten / so vil die alten leüt belanget / so ist ein besonder gesatzt in dem wort Gottes wie man die verehren sölle / Namlich / das man vor einem grawen haar sölle auffstan. Darumb man alt leüt inn ehren haben vnnd billich hoch halten sol / dann man sol in jhnen die besonder guotthat Gottes erkennen die er jhnen bewisen / das er jhnen langes leben gunnen / Jtem das sie auch durch lange erfarung viler dingen grosse weißheyt vnnd verstand überkommen / dahar sie vns dann mit jhren guoten räthen mögend behilfflich sein. Darumb man sie loben vnnd ehren sol / damitt yederman erkenne vnnd sähe das grawe haar ein kron der ehren sygind. Vnd so alten leüten ettwas an jhr notturfft abgienge / sollend wir jhren mangel mit vnserem überflussz zehilff kommen / vnnd kurtz daruon zereden so söllend wir alten leüten alle früntschafft ehr vnd wolthat beweisen.Zuo gleicher weiß werdend vns hiebey auch befolhen / witwen / weysen / arme / krancke vnd bekümmerte leüt. Dann darumb habend auch vorzeiten die frommen vnd glöubigen jhre güeter reichlich dargestreckt vnnd vergabet / damit alt vnnd arme leüt / wittwen vnnd weysen jhr notturfft möchtind haben. Welche güetter man yetz die kirchen güetter nennt / Die werdend dennzuomal recht braucht / wenn man sie an die verwennt / denen sie vergaabet sind. Jnn Keiserlichen rechten findt man / wie vorzeiten an allerley ständ der armen / gmeyne heüser vnnd auch einkommen / sind verordnet vnnd vergaabet worden. Als man findt von den Orphanotrophijs / das ist weysen heüseren /
LXX. / 70a
Gerontocomijs / Das ist aller leüthen spitäl / Ptochotrophijs / das ist armer leüthen heüser / Nosocomijs / das ist krancker leüthen heüser / vnnd Brephotrophijs / das ist jungerkinden heüser. Zuo diser zeyt hatt man allein klöster vnd Spitäl / inn denen der mehrteilen disen stenden allen / namlich weysen / alten armen krancken leüthen auch den jungen kinden besondere gemach vnd behausungen verordnet sind. Vnd darumb so begond alle die / grosse vnnd merckliche sünd / die söliche güeter heüser vnnd plätz / die also den alten vnnd den armen verordnet sind / an andere breüch / dann an die krancken / hungerigen / alten vnd armen verwendend vnnd darnebend die güeter der armen üppenklich verschwendend. Das seye nun geredt vonn dem / wie man die elteren / vnnd die / die vnder vatter vnnd muoter nammen verstanden werdend / vereeren sölle.
Nun volget das dritt vnd letst stuck / das wir auch besehen müessend / Namlich was Gott denen verheisse die vatter vnnd muoter inn eeren habend / darauß wir dann auch wol werdend können spüren vnd abnemen wie Gott die halten werde / die die selben verachtend. So spricht nun der Herr hie inn disem gesatzt also / Auff das du lang läbist inn dem land / das dir der Herr dein Gott geben wirdt. Das ist so vil geredt / Eer dein vatter vnnd dein muoter / damit du die besitzung deß lands lang niessen mögist / das ich dir gäben wil zur zeügnuß meiner gnaden. Sölichs belanget fürnemmlich die Juden. Darnebend aber ist auch noch vnd recht geredt / das ein fürnemer vnd trewer diener Christi über dises ort also schreibt / namlich. Dieweil das gantz ertrich den glöubigen gebenedeyet vnnd gesegnet ist / so haltend wir diß gegenwertig läben billich vnder den sägen vnnd benedeyungen Gottes / vnnd darumb so dienet dise verheissung auch vns / so verr langs läben hie inn zeyt ein anzeigung ist der gnad vnd guotwilligkeit Gottes gegen vns. Dann gewüß ist es / das Gott allen denen die jhre elteren inn ehren habend / Gott geb wo sie auff ertrich wonind / zuosagt vnd verheißt allerley sägen / glücksäligkeit / vnd überfluß aller zeitlichen güeteren / mit sampt langem vnd seligem läben. Dann sölichs legt der heilig Apostel Paulus auß zun Ephes. am v.[Eph.6.3.] Da er spricht / auff das dir wol seye / vnd lang läbist auff erden. Mit welchem er ein jedes land verstat / vnd allerley zeytlichs sägens verheißt. Darauß wir / wie gemeldet / im gegentheil auch wol verstond / was denen tröwt werde vnd bereitet seye / die die elteren verachtend. Welches auß etlichen exemplen vnnd sprüchen der geschrifft heiterer mag verstanden werden. Namlich auß dem exempel Chams / der von seinem vatter Noe verfluocht ward / darumb das er sich vngebürlich vnd vnzüchtig an jm ob er gleich truncken was gehalten hat. Dargegen Joseph ward zum grossen Herren in Egypten / darumb das er von juget auff fromm an Gott was / vnd seinen vatter Jacob in hohen vnnd grossen eeren hielt. So spricht auch Salomon im buoch der sprüchen am xvij. Cap. der vndanckbar ist / vnnd böses vmb guots widergiltet / vonn deß hauß wirdt vnglück nimmer kommen. Jtem / welcher sein vatter schmecht / vnd verachtet das alter seiner muoter / der wirt geschent [geschendet] vnd geschmecht werden. Der seinem vatter oder muoter übel redt oder fluochet / deß liecht wirdt mitten in der finsternuß abgelöscht. Dann es sind ie mee dann vnuernünfftige thier / ich wil geschweigen menschen / die vatter vnd muoter nit lieb vnd werd haltend / besonders die / so sie nit nun verachtend vnd nichts schetzend / sonder sie auch etwan schlahend vnd mißhandlend / welche Gott töden vnd vmbbringen heißt / als die da nicht wärt das sie läbind / dieweil sie nit erkennend die guothat vnd hilff deren / durch die sie in das läben kommen sind / dann also stadt Exod. xxj. Wär vatter vnnd muoter fluochet der sol deß todts sterben / vnd gleich daruor auch / wär vatter vnd muoter schlecht / der sol deß todts sterben. So ist auch menigklichem bekant das gesatztLXXv. / 70b
Pompeij wider die vatter vnd muoter mörder / vonn welchem allem wir auch etliche zeügnußen etlicher Heidnischen Poëten hören wöllend / Homerus spricht,
Sinr elteren müey hat er nit zallt
Drumb muoßt er sterben / ward nit allt.
Vnd der vralt Poet Orpheus schreibt.
Gott sicht vnd weißt wer d Eltren eert
Wer auch so schantlich vnd verkeert
Jst / das er sie verachten thuot
Den ersten gibt er alles guot
Die anderen plagt er grusammklich
Jr gwüßne jameret [quelet] ewigklich.
Deßgleich Euripides der Tragedischreiber.
Wenn deine Elteren eerst wie dsott
Stirb oder läb so gfallst du Gott.
Vnd der Comedi schreiber Menander.
Was zanckst du mit den Eltern dein
Die dir als vil als Gott sond sein?
Also Vergilius / da er beschreibt mit was treffenlichen vnd grausamen pyn die grossen überschwencklichen sünd vnnd laster inn jhenem läben gestrafft werdind / da erzellt er auch dise vnd spricht.
Die jre brüeder ghasset hand
Vnd jre Elteren bracht vom land
Die lydend da groß pyn vnd schand.
Vnd bald hernach weyter.
Wers vatterland vmb gält verschetzt
Vnd auff das selb ein herren setzt /
Vnd gsatzte macht vnd wider bricht
Vmb gält vnd guot / der wirt hie gricht usw.
Vnd Horatius inn seinen odis.
Groß Eer erwirbt Wer dapffer stirbt
Fürs vatterland Jst jm kein schand.
Vnd Silius Jtalicus.
Es ist auff erd kein grösser schand
Dann hassen das lieb vatterland.
Dise zeügnußen zeüch ich nit vergebens an / sonder darumb das ewer lieb vß denen ersehe die grösse dises lasters / das so groß das auch die Heiden das selbig treffenlich gefecht vnd gehasset habend. Dahär auch dise exempel dienend / Das Cain seinen bruoder Abel vmbbracht / damitt er jhm selb ein ewige schand vnnd schmach auff den halß geladen. Jtem dz Semei schantliche *schmach vnd schmützwort*[schmechwort] außschutt über seinen ordenlichen oberen den Dauid / darumb er dann sein wol verdienten lohn empfieng. Also Absolon / der auffrüerig vnd schantlich handlet wider seinen vatter den Dauid / deßhalb behanget er mit seinem har inn eim boum vnnd ward also jemmerlich hangende zwüschend himmel vnnd erden erstochen. Jtem also nennt der Herr die so die Propheten vmbbracht habend / natergeschlecht vnd teüffels kind. Welche auch je alth leüth geschmecht / vnnd witwen vnnd weisen leyd zuogefüegt habend / die sind nie vngestrafft bliben / dann der Herr gebeütet in seim gesatzt / wittwen vnd weisen solt du nitt
LXXI. / 91a
bekümmeren / wirst du sie betrüeben / so werdend sie zuo mir schreyen / vnnd ich wird jhr schreyen erhören so wirdt mein zorn ergrimmen / das ich euch mit dem schwärdt ertöde / vnd ewere weiber witwen / vnd ewere kinder weisen werdind. Nun so vil von dem.
Diß gebott aber zeucht S. Paulus in der ersten Epistel zun Ephesern am vj. Cap.[6.1. 2.2.usw.] an / vnnd braucht es gar fein zuo vnser vnderrichtung. Dann er spricht also / Jr kinder sind gehorsam eweren elteren in dem Herren / dann das ist billich / Eer dein vatter vnd dein muoter (welchs dz erst gebott ist / dz ein verheissung hat) auff das es dir wol gange vnd lang läbist auff erden. Vnd jr vätter reitzend ewere kinder nit zuo zorn / sonder ziehend sie auff in der vnderrichtung vnd züchtigung deß Herren. Mit welchen worten er nit nur den kinderen / sonder auch den elteren jr ampt vorschreibt. Vnd erforderet darin drey ding von den elteren / namlich das sie die kind erziehind / vnderrichtind / vnd züchtigind oder straffind. Dann so vil das erst belanget / so gebürt es sich / das die elteren die kind erziehind / neerind vnnd erhaltind / biß das sie auff jr zimlich alter kommend / das sie jetz sich selbs mit eigner arbeit mögind erneeren / vnd nicht mehr der fürsorg vnnd deß kostens der elteren bedörffend. Demnach aber fürs ander / so stadt auch den elteren zuo / das sie die kind recht leerind vnd vnderrichtind. Dise leer vnnd vnderrichtung aber / stadt in dreyen stucken / namlich das man sie leere vnd vnderrichte inn der religion / inn guoten sitten vnd berden [-] / vnd in eerlicher handarbeit vnnd hantwercken. So vil die religion belanget / so begreifft die selb erstlich etliche anfeng als den Catechismum oder kinderbericht / demnach die gantz heilig geschrifft inn deren vns das wort Gottes fürgestellt wirdt / vnnd aller göttlichen sachen volkomnere außlegung vnd erklärung / darzuo auch der brauch der heiligen zeichen geheimnußen vnnd Sacramenten. Wo nun ein haußuatter bey einem volck ist vnd wonet / das die recht religion / den waaren Gottsdienst / vnd trewe rechte vnd Gottsförchtige diener Christi vnnd leerer hatt / so sol er verschaffen das seine kind fleißig zuo kirchen gangind / vnnd da von dem diener der kirchen den waaren glauben vnd die waar religion lernind. Darnebend aber lasse er es bey dem selben nicht bleiben / sonder frage nichts destminder daheimen auch was sie in den predigen gelernet habind. Vnd ist von nöten / das vatter vnnd muoter daheim fleißig anhaltind / das sie die kind die gebott Gottes leerind / Jtem die artickel deß glaubens / vnnd das vatter vnser. Jtem darbey jhnen auch kurtz vnnd einfaltig auß der heiligen schrifft erleüterind / wie es ein gestalt vmb die heiligen Sacrament habe / was jhr brauch vnd ordnung seye. Das sie auch den kinder bericht vil mit jhnen üebind / vnnd mitthinzuo jnen auch einbildind was hüpscher sprüchen sind / die vns glauben vnd rechtgschaffen läben leerend. So es sich aber begäbe / dz ein haußuatter bey eim sölichen volck wäre vnd wonete / dz den glauben vnd die leer Christi verfolgete / vnd den rechten Gottsdienst haßete / vnd kein Christenliche versamlung noch rechtschaffne vnnd waare diener Christi hette / als wie es denen gadt / die vnder dem Türcken gefangen / vnnd auch jetz vilen inn denen grossen vnnd schwären verfolgungen / die zuo vnseren zeyten sind / der sol sich hüeten vor aller abgötterey / vnnd zuo keinen vngöttlichen gemeinden vnnd versamlungen nienan gan / auch die seinen nicht darzuo lassen / sonder sol vil mehr selbs sein haußgesind im waaren glauben vnnd religion vnderrichten / erstlich vnnd anfencklich im kinderbericht / darnach auch inn der volkommneren Theology [-] vnnd leer vonn Gott. Darnebend sol er auch so offt es die notturfft vnd die sach erhöuscht / frey vnd offentlich Christum vnd sein heiligs Euangelium bekennen vnnd verjähen [-]. Dann das vil sölicher kirchen vnd versammlungen inn den heüseren hin vnnd wider bey den grossen stetten gewesen seyend / zun zeyten der heiligen Apostlen vnd in den schwären verfolgungen
LXXIv. / 71b
der kirchen / das ist offenbar vnnd heiter auß den Epistlen deß heiligen Apostels Pauli vnd auß den historien. Also ist es auch glaublich das die Juden inn der Babylonischen gefencknuß / wiewol sie kein eußer opffer hattend / dennocht nit gar on allen Gottsdienst gewesen seyend. Dann Daniel / ob er schon nicht opfferet / so hat er doch seine gewüssen stunden im tag / in denen er bättet in seinem eignen hauß. Also was auch das hauß Cornelij zuo Cesarea als vil als ein kirchen / in deren Petrus prediget in beysein einer zimmlichen gemeind vnd versammlung. Deßgleichen do gedachter Petrus noch zuo Joppe was / vnd kein tempel hatt darinn er bättet / gieng er in das ober gemach deß hauses zuo bätten. Also ist auch kein zweyfel / dann das der hoffmeister der künigin Candaces dessen in geschichten der Apostlen gedacht wirdt / auch in Morenland ein söliche kirchen habe angerichtet. Darumb so söllend alle die / so den gemeinen vnd rechten brauch der Sacramenten nicht haben mögend / dessen wol ingedenck sein / das jhnen söliche besondere versamlungen vnnd üebungen nichts schaden werdend / noch zuo argem gerechnet werden / dann nicht sie daran sonder ander leüth schuldig sind. Wiewol auch in disem fal der Herr den seinen wol guot räth kan ingeben / wie sie sich halten söllind. Wo man aber durch die gnad Gottes gemeine vnd Christenliche versamlungen mag haben / vnd das Euangelium frey offenlich vnd waarhafftig mag hören predigen / vnd die Sacrament Christi üeben vnd brauchen / da hörend dann die besonderen haußkirchen auff. Nit das nit nichts dest minder eins jeden frommen vnd glöubigen haußuatters hauß ein kirch Christi seye / vnd allweg bleibe / sonder darumb / das daß zuohören deß worts Gottes. Jtem das gebätt / vnd die üebung der heiligen Sacramenten / offentlich / vnd allen glöubigen gemein sein sol. Dann billich werdend verdampt vnd gescholten alle verstolne zuosamenrottungen der Töufferen vnd anderer Secten.
Darauff wöllend wir aber auch hören etliche zeügnußen der heiligen geschrifft / darinnen allen haußuätteren gebotten wirt dz sie jr haußgesind also trewlich vnderrichtind in dem waaren glauben / vnd auch jren kinden den brauch der Sacramenten fleyssig außleggind. Dauon schreibt Moses also Deut. vj. Cap.[4.5.6.usw.] Hör Jsrael / der Herr vnser Gott ist ein einiger Gott / vnd du solt den Herren deinen Gott lieb haben / von gantzem deinem hertzen / von gantzer deiner seel / vnd von allem deinem vermögen / vnd dise wort die ich dir heut gebeüt / solt du zuo hertzen nemmen / vnd solt sie deinen kinderen fleyßig inscherpfen vnd dauon reden / wenn du in deinem hauß sitzest / oder auff dem wäg gast / wenn du dich nider legst oder auffstehst / vnd solt sie binden zum zeichen auff dein hend / vnd söllend dir ein denckzedel vor deinen augen sein / vnd solt sie über deines haußes pfosten schreiben / vnd an die thor. Vnd bald hernach weiter / wenn nun dich dein kind heüt oder morgen fragen wirt vnd sagen / wz sind dz für zeugnuß sitten vnd recht / die euch der Herr vnser Gott gebotten hat? so solt du deinem sun sagen / wir warend knecht deß Pharaons in Egypten / vnd der Herr füert vns auß Egypten mit mechtiger hand / vnd der Herr thet grosse vnd erschröckliche zeichen vnd wunder in Egypten an Pharao vnd allem seinem hauß / vor vnseren augen / vnd füert vns von dannen / auff dz er vns einfüerte vnd gäbe dz land / das er vnseren vätteren geschworen hatt / vnd darumb hat vns der Herr gebotten zuo thuon nach allen disen sitten / das wir den Herren vnseren Gott förchtind / auff dz es vns wolgange all vnser läbtag / wie es gadt heüt deß tags. Hiehär dienet auch vil dessen das im lxxviij.[3] Psal. geschrieben stadt. So spricht auch der Herr Exo. am xiij.[1.2]. Cap. also. Heilige mir alle erste geburt / vnd wenn dich hüt oder morgen dein kind wirt fragen / wz ist dz? so solt du jm sagen / der Herr hat vns mit mechtiger hand auß Egypten von dem diensthuß gefüert usw. Darumb opfferen ich dem Herren alles dz die gebärmuoter bricht / dz ein männli ist. Deßgleich Exod. xij.[26] Capitel/ Do der Herr / oder Moses inn deß Herren nammen die geheimnuß deß Osterlambs vnnd überschritts außlegt / da spricht er auch vnder anderem /LXXII. / 72a
vnnd wenn ewere kinder werdend zuo euch sagen / was habend jhr da für ein dienst? söllend jr sagen / Es ist die schlachtung deß überschrytens deß Herren / der vor den kinderen Jsrael fürgieng in Egypten do er die Egypter schluog vnnd vnsere heüser errettet usw. Das sind nun alles heitere zeügnußen / die keiner wyteren außlegung bedörffend. So vil seye nun geredt von der vnderrichtung in der religion / die die elteren den kinderen schuldig sind. Nun wöllend wir aber auch die anderen stuck besehen inn denen die elteren die kind vnderrichten söllend.
Namlich in guoten sitten vnd geberden. Dann wir habend gemeinlich vonn natur wüeste vnd grobe sitten an vns / vnd sind fast alle kind vnpärtigs [vngeberdiges] dings. Welchs übel nach einist böser [noch eins so böß] wirt / durch böse gewonheit vnnd vnpärtige gesellschafft. Darumb sol ein jeder vatter bey zeyten sein kind guote sitten leeren / die es zierind / es seye daheim oder duß / vnnd sols leeren wie es sich zierlich vnd sittig halten sölle / im gang / in bewegnuß deß leybs / in sitten / in bekleidung vnd geberden / in der kirchen / auff der gassen / beim tisch / vnder den leüthen vnd allenthalben wo es ist. Vonn welchem stuck vil hüpscher büechlinen im truck sind außgangen / dz es deßhalb nit von nöten ist / dz ich vil gebott hieuon fürschreibe. Zum dritten vnd letsten / so söllend die elteren auch jre kind vbergeben trewen vnd geschickten hantwercksmeisteren / die sie leerind eerliche hantwerck / mit denen sie jnen selbs vnd den jren hernach jr speyß vnnd narung gewinnen mögind. Vor allen dingen aber sol man inn dem stuck eigentlich acht haben / auff die art der kinden / zuo was hantwercken sie am geschicktisten seyend / vnd zuo welchem sie am aller grösten lust tragind / dann Inuita minerua wie man sagt / das ist so der lust vnd die neigung nit da ist / wirt man nicht vil außrichten vnd schaffen. Wo dann kind sind die zum studieren geschickt sind / so ists Göttlich vnnd recht gethon so du die zur schuolen haltist / vnnd zum dienst der kirchen widmist vnnd erziest. Die elteren sind aber höchlich zuo schälten / die jhre kind in faulkeit vnd müeßiggang erziehend / dann heigind [hetten] sie gleich groß hauffen zytlichs guots / die sie jnen gebind oder verlassind / so ist doch kein guot so groß / das nicht inn wenig stunden eim genommen vnnd entwent mög werden / war will dann ein sölcher schlufe [schliffel] vnd faulboum [faulentzer] hin / der nichts hat gelernet? Was wil ein sölche vnnütze burdi [ein solcher vnnützer Mensch] anfangen? Die Maßilienser namend vor zyten keinen zuo einem burger an / er könte dann ein hantwerck / dann was ist verderblichers in einer statt / dann ein verdorbner burger? Wär ist aber mee für ein verdorbnen burger zuo achten vnd zuo halten / dann der / der allein müeßiggangs vnd alles wollusts gewonet hatt? Dann wenn der vmb das sein kumpt / es seye durch gähe [-] vnuersehne vnfäl / oder das er es selbs verschwennt / vnnd also zuo armuot kumpt / so trachtet er wie er kan vnnd mag / nach mittlen / wie vngerecht vnnd auffrüerisch sie joch seyend / das er ander guot überkomme. Es ist auch bey den alten das sprüchwort gar gemein gewesen / das alle elteren fleißig behalten vnnd mercken söllend / das man spricht / Artem quaeuis alit terra, das ist / die kunst wirdt vonn allen landen erneert / damit sie außtrucktend vnd zuo verston geben woltend / das etwas können die best zeerung oder narung wer / die einer haben möchte / dann das könnend eim keine mörder nemen / keine dieb stälen / sonder wohin du auff ertrich jmmer kumpst / so hasts bey dir / vnnd ist darzuo keim kein burde zuo tragen. Gange es wie es wölle / wenn gleich deine kind durch vnfal vmb das jren kämind / so habend sie doch wenn sie könnend wercken damit sie sich erneeren mögend. Es begibt sich etwan das auch künig vonn jhrem guot vnnd von jhrer künigklichen wirde hinab gestürtzt werdend / vnd vmb alles kommend / vil mee mag sölichs denen begegnen die vil minder sind dann künig / das sie etwan vmb das jhr kommend vnd vertriben werdend.LXXIIv. / 72b
Dionysius der Syracusaner tyrann / ward von wegen seiner tyranney vom land vertriben / Do zoch er gen Corinthum / vnnd ob er schon vor ein künig gewesen was / so richt er doch da ein schuol auff / vnd lart die kind die Music vnd anders / vnd ernart sich also darmit. Hette er nun nie nichts gelernet / vnd allein auff sein künigliche reichthumb vnd güeter gehoffet / so wer er ein arbeitsäliger verdorbner mensch gewesen / vnd wurde jn sein eitele hoffnung betrogen vnnd verderbt haben / hette müessen hunger sterben. Nun so vil von der vnderrichtung die die elteren den kindern schuldig sind.
Zuo letst aber müessend wir auch reden von der züchtigung vnnd straaff / die stadt [stehet] eins theils in worten / anders theils in streichen / Da jetwederer theil sein maß haben sol / damit nit zuo vil dran thon werde. Die warnung oder straaff so mit worten geschicht / sol nit rüher [rauher] sein dann einer wol verdient hat [dann die missethat] / Sie sol auch ernsthafft sein / doch nit allweg wären. Stete vnd jmmerwärende bescheltung / kumpt gleich [endlich] in verachtung / Man findt auch wol kindt / bey denen man mee mit güete schaffet vnd außrichtet. Vnd wenn man sie nit etwan auch lobt / vnd von jnen verguot hat [gut heisst] / wenn sie in eim ding fleiß habend / ob sie es schon nicht als [-] zum eigentlichsten vnd besten machend / so wirst sehen vnd erfaren das sie bald kleinmüetig werdend werden. Man sol jhnen auch nicht zuo vil auffladen vnd zuo muoten / wenn sie guotwillig vnd von jhnen selbs gnuog [gut] thuond. So vil die streich belanget / so sol man sie nit schlagen anderst dann von grosser vrsachen wegen / auch nit auß zorn / vnd nit vnzimlich damit sie besser vnnd nit das sie zuo nichts werdind. Vnd da söllend alle elteren den edlen spruch Pauli fleißig im hertzen haben da er spricht / Jr vätter reitzend ewere kind nicht zuo zorn. Dann durch vngestüems wüeten werdend auch guote ingenia der kinden verderbt vnd zuo nichte gemacht. Von der zimlichen vnd mäßigen straff redt Salomon / do er spricht / Die ruoten vnd straff gebend weyßheit / das kindt aber deß man kein acht hatt / ist seiner muoter ein schand. Jtem vnderweiß vnd züchtige dinen sun / so wirt er dir ruow geben / vnd dein gemüet ergetzen. Mit welchen worten Salomon die elteren strafft / die jren kinden zuo vil nachlassend / dardurch dann vil kinden verderbt werdend / vnd wirt damit nit minder gesündet von den elteren / dann mit zuouil rühe vnnd grimmige [mit vnmässiger hartigkeit vnd grimmigkeit]. Heli wirt gar hefftig gescholten inn der geschrifft von wegen das er seinen kinden zuo vil nach ließ / darumb kam er jämmerlich vmbs läben / vnd verdarbt auch seine gottlosen vnd muotwilligen fräfnen sün mit jhm. Deut. am xxj.[18] Capitel / wirdt den elteren befolhen / das sie jre vngehorsamen kinder für recht stellen söllind / vnd da auff jhr leib vnnd läben klagen. Mit welchem strengen exempel / Gott die anderen kind hat wöllen in zucht vnd meisterschafft behalten / dann er ist ein Gott deß heilß / vnnd nicht ein Gott deß verderbens / vnd das die vngehorsamen widerspenstigen verdärbend vnd vmbkommend / das verwendet vnd braucht er zum guoten vnnd zum heil deren die gehorsam sind. Darumb so behaltind alle vätter den spruch deß Herren Jesu Christi wol vnd vest in jren hertzen / da er im Euangelio spricht / Es ist nit der will vor ewerem vatter im himmel / das iemand von disen kleinen verloren werde / vnd wer diser geringsten einen ergeret / dem were besser / das jm ein mülstein an halß gehenckt / vnnd ertrenckt wurde im meer da es am tieffesten ist. Dargegen aber vom ampt der kinden / habend wir doben geredt / da wir anzeigt wie man die elteren vereeren sölle. Paulus begreiffts mit eim wort fast alles / da er spricht / Jr kinder sind gehorsam eweren elteren in dem Herren. Darauff er auch die vrsach setzt / dann das ist billich. Jtem ein andere vrsach / dann Gott hat das gebotten. Darumb so lernind alle kind / das sie erkennind die müey vnd arbeit jrer elteren / die sie an sie gelegt eb sies erzogen / vnd seyend deßhalbLXXIII. / 73a
danckbar / vnd laßind sich vernüegen deß das jnen Gott geben hat. Vnd so vatter vnd muoter sie etwas leerend / so lernind sie fleißig / vnd sygind Gottsförchtig vnd fromm wie Jacob / nit gottloß wie Esau. Gewonind guoter sitten / vnnd lernind gern / sygind vnderthänig der straaff / vnd reitzind die elteren nit zuo zorn / thüegind ein ding vil lieber mit güete vnd von jhnen selbs / dann das man sie mit streichen vnd bösen worten darzuo bringen vnd zämen müesse. Wenn die elteren sterbend / vnd den kinden nit vil hinder jnen verlassend / so söllend jnen die kind nit nach jhrem tod übel nachreden. Hat dich dein vatter ein handtwerck oder sonst etwas rechts geleert / so hat er dir houptguots gnuog verlassen. Sparen vnd haußlich sein ist ein groß einkommen. Hat dich dann dein vatter auch wol vnd recht vnderrichtet in guotten sitten / in rechtgeschaffner weißheit vnnd waarem glauben / so hat er dir dz aller best erb verlassen / dann was ist zeitlich guot anders / so das einem Narren vnd vngottsförchtigen menschen inn die hend wirt / dann ein ploß schwerdt inn der hand eins wüetigen vnsinnigen menschens? Darumb so bist reich gnuog vnnd hast gnuog geerbt / wenn du Gottsförchtig arbeitsamm fleißig vnd fromm bist. Es ergibt [-] vnnd erscheüßt auch das guot gemeynlich vil baß / vnd schlacht vil mer glücks darzuo / das wir mitt vnser eignen arbeit überkömmend selbs / dann das wir von anderen ererbend.
Also hab ich nun eüwer lieb abermals fast anderthalb stund auffgehalten / inn der erleütterung dises handels / von der verehrung der elteren. Jr wöllind aber söllichs meinem fleiß vnd meiner liebe gegen eüch zuogeben / dann ich weiß wol / wie notwendig dise materi [dises] vilen ist / darumb hab ich mich etwas dest lenger darinnen gesaumpt / Dann ich wölt eüch gern alles das / das ich eüch wüßt nutzlich vnnd notwendig sein / nit nur einfaltig fürhalten / sonder so vil an mir gelegen eigentlichen eingiessen vnnd einbleüwen. Der Herr gebe gnad vnnd verleihe eüch das jhr auß dem saamen deß worts Gottes das in eüwere hertzen gesäyet ist / vil vnd überflüßige frucht empfahind / Amen.
16.Pr.Die Sechtzehende Predig.
Von dem anderen gebott der anderen Tafel / welches inn der ordnung der Zehen gebotten das sechßt ist / Namlich / Du solt nit töden. Jtem von der Oberkeyt.
AUff das gebott von dem gewallt vnd ansehen der Elteren vnd der Oberkeit / volget yetz ordenlich vnnd recht diß sechßt gebott von der gerechtigkeyt vnd vnschuld / in welchem gemeyner vnnd besonderbarer [sonderlicher] frid erforderet vnd aller wolstand befestiget wirt. Vnd dieweil in der welt nichts grössers ist dann deß menschen läben / dem die anderen ding alle / wie fürtreffenlich sie jmmer sygind / dienen müessend / auch deß menschen leib alle andere güetter vnd gaben übertrifft / So volget deßhalb natürlich vnnd ordenlich yetz das Sechßt gebott / welches von Gott selb mit disen kurtzen worten außtruckt wirt. Du solt nit töden. Dann inn disem gebott wirt befolhen die gerechtigkeyt vnd vnschuld / vnd wirt verbotten das niemand den anderen weder an leib noch am leben verletze / vnd wirt also einem yeden frid vnd ruow befolhen vnd gebotten.
An disem ort aber muoß man auch bedencken die mittel / die anläß / vnnd die stafflen [wege] / durch die man zum todtschlag kumpt / Jtem auch die vrsachen der todschlegen / vnd in wie mancherley weiß vnd wäg die selbigen geschähind. Dann der Herr verbeütet hie in disem gebott nit allein den todschlag an jm selb / sonder auch alles das / darauß der selb entspringt. Vnd wirt deßhalb hierinn verbotten
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alles anreitzen vnd außbieten / alle schmach vnd schältwort / aller zanck / zorn / *eyfer vnd verbunst*[neid] usw. wie dann Christus der Herr selb dises gsatzt also vßlegt / da er im Euangelio Matthei also spricht. / Jr habend ghört / dz zuo den alten gesagt ist / Du solt nit töden / wer aber tödet / der sol deß grichts schuldig sein / Jch aber sag eüch / wer mit seinem bruoder zürnet / der ist deß grichts schuldig / vnd wer zuo seinem bruoder sagt / Racha / der ist deß raths schuldig / wer aber sagt / du Narr / der ist deß helschen feürs schuldig. Da hörst du ye / das auch der zorn verbotten wirt / deßgleich schmäch vnd schältwort / ja alle anzeigungen eins gmüets dz zuo schälten bewegt ist. Wie sol man jm dann thuon sprichst du? Also namlich / man sol sich mit dem den man erzürnt hat widerumb versüenen / vnd allen hassz zorn vnd eyfer lassen auß sein / wir wöllind dann verdampt werden / vnd dz vns aller der dienst den wir Gott beweisend für sünd oder für eytel gerechnet werde. Dann darumb volget im heiligen Euangelio Matthei weitter also / Darumb wenn du dein gaab auff den Altar opfferist / vnd wirst da eingedenck / das dein bruoder etwas wider dich hat / so laß da vor dem Altar dein gaab / vnd gang vorhin versüene dich mit deinem bruoder / vnd denn gang vnd opffer dein gaab. Jtem noch weiter / Biß wilfertig deinem widersächer bald / dieweil du noch mit jm auff dem wäg bist / auff das dich der widersächer nit der mal eins überantworte dem Richter / vnd der Richter überantworte dich dem diener / vnd werdist inn kärcker geworffen / waarlich ich sag dir / du wirst von dannen nit heraußkommen / biß du auch den letsten haller bezaalest. Dise heylsam leer gibt vns Christus / Dieweil wir nun deren nit volgend / sind so grosse vnruowen / vnnd so vil widerwertigkeit inn der welt / dann die disem gebott volgend vnnd gehorsammend / ob sie schon etwas dest minder gelt vnd guot haben müessend / so habend sie aber dest mer fridens vnd ruowen. Was hilfft oder fröwt aber den menschen wenn er schon vnsaglich guot hat / vnd hat aber darnebend in seinem gemüet grosse sorgen / vil vnd mancherley verwirrter händlen / vnd nimmer kein ruow. Darumb dieweil das fürnemmen dises gsatztes ist / das es den menschen leere ein fridsamm still vnd rüewig läben füeren / so verbeüttet es deßhalb auch / alle böse vnnd vngemeisterte [vnmessige] anfächtungen [bewegungen] deß gemüets / besonder zorn vnnd hassz / welches die zwey aller verderblichsten übel sind inn dem gantzen läben deß menschen.
Vom zorn aber bin ich nit willens hie vil zereden / wie auch von dem eyfer vnd haß nicht / dann es sind deren vil / die von dem zorn gar hüpsch vnnd subtil disputiert habend. Das ist aber dennocht zuo mercken / dz ein zorn ist / den die heilig gschrifft nit schiltet / welcher dermaß ist / das einer kein biderman wäre / der sich also nit erzurnte / das ist namlich der eyfer Gottes / den hat ein yeder frommer mensch / auß dem erzürnt er sich über das gottloß wäsen vnd über die sünd vnd laster der welt / dessen wir inn der heiligen geschrifft vil hüpscher exempel habend. Diser zorn streckt sich aber meer auff das laster an jm selb / dann auff die person die das laster begadt / dann so das laster auff hört / so hört bey dem auch der hassz vnd der zorn auff. Dennzuomal wirt aber der zorn gescholten wenn er auß bösen anfechtungen [affecten] kompt vnd keine billiche vrsachen hat / wenn einer auß zorn sein anfächtung erfüllt [seine begierden ins werck bringt] / vnd dem schaden zuofüegt oder vnderstadt [gedenckt] zuo zefüegen über den er erzürnt ist. Das ist ein grosses laster / vnnd ein vrsprung viler grossen vnd außsprächlichen üblen. Darumb gibt der heilig Apostel Paulus allen menschen den rath / das sie dem zorn kein statt gäbind / ob er gleich das gemüet etwan überfalt / vnnd sich ein weil bey vns enthaltet / das wir jhn doch vns nit gar anhangen [daß er vns doch nichtbgantz vnd gar einneme] noch bey vns wurtzlen laßind. Darumb spricht er / Zürnend vnd sündend nit / lassend die Sonn nicht nidergan über eüweren zorn / gäbend auch nit statt dem lesterer / oder dem Teüfel. Da er also wil sagen / So jr etwan erzürnet werdend / so sündend doch nicht / das ist / gestillend den zorn. Dann esLXXIIII. / 74a
sagt der Apostel nit / das wir nicht söllind zornig werden / sonder er wil das der zorn nicht lang were / vnd nicht in sünd vnd vnbill außbräche. Vnd das wörtli parorgismos, das Paulus an dem ort braucht / das heißt wol zorn / doch eigentlicher / ein bewegung vnd erzürnung. Mit dem er vns leeren wil / das wenn einem schon ettwas zuogefüegt wurde / darab er schmärtzen vnnd zorn empfienge / so sölle doch der zorn nicht lang wären / vnd sölle man deßhalb keins wegs zuolassen / das der lesterer oder der Teüffel sich sädle [sich sättle] / der also stillschweigend sich durch den zorn in vnnsere gemüeter einlaßt / vnnd auß langwerendem zorn ein inuidiam, das ist ein hassz / vnd vnwillen vnnd verbunst [vergunst] machet / durch welchen er dann den gantzen menschen / ja sein gantzen verstand / all seine wort vnnd werck verkeert vnd zenichte bringt.
Dann hassz oder verbunst ist ein veralteter zorn / der yetz den eyferenden verbünstigen / häßigen selb mer plaget brennt vnd vexiert [martert] / dann den / gegen dem einer hassz vnd eyfer tregt. Wiewol hassz ein sölliche plag ist / die nimmer auffhört böses zuozegstatten dem / dem er neidig vnd auffsetzig ist. Es ist auch ein überschwencklichs vnd vnuersüenlichs [-] übel vnd laster. Darumb auch die Heyden das selbig selbs so hoch gehasset vnd gescholten / deren ich mich nit wil verdriessen lassen ettliche kundtschafften anzuoziehen / damitt sich doch die genannten vnnd falschen Christen / die so gar dem laster ergeben sind / lernind schämmen / wenn es ächt ettwas an jhnen bescheüßt / das sie von den Heyden selbs gestrafft werdend.So spricht nun Virgilius Maro.
Der böß verbunst so fräßig ist
Das ß’Margk im bein nit sicher ist /
Er zeücht es auß mit grossem keib /
Er laßt kein bluot im gantzen leib.
Vnd Horatius Flaccus.
Wie grausamm die Tyrannen gsyn
Die gwonet in Sicilia
Noch hands nit funden grösser pyn
Dann syge die inuidia.Silius Jtalicus spricht.
Es ist kein grösser plag auff erd
Dardurch der nechst mer ghindert werd /
Vnd die sein lob mög minder leiden /
Dann jnn mit eyfer hassen neiden.
Es beschreibt auch Ouidius Naso die Inuidiam, das ist den verbunst vnnd hassz also.
Er sach wie sie dainnen saß
Wüest schlangen fleisch sie inn sich fraß /
Darauß sie dann nüt wirt geneert /
Sonder jr sünd wirt darmit gmeert.
Sie hat kein guote farb an jhr /
Jr leib ist mager vnd auch dür.
Kein rechten blick kans niemand gän /
Jn jrem maul wüest rostig zän /
Jr brust von gallen grüen / jhr mund
LXXIIIIv. / 74b
Voll böses giffts zuo aller stund /
Kein lächli sie auch gar nit lat /
Wo es nit anderen übel gat.
Kein schlaaff vnd ruow mags auch nit han /
Es ligt jr allweg etwas an.
Sie sicht wenns anderen wol gan wil /
Da sech sie lieber ß' widerspil /
Gnagt ander leüt vnd auch sich selb /
Wenns eim wol gat / so sicht sie schelb.
Vnd ist jr selb die höchste pein /
Sie kan vnd mag nit rüewig sein.
Wo sie hingat / verderbt sie vil /
Das fäld / die kreütter / butz vnd stil /
Thuot sie verbrennen vnd außreütten /
Gantzen stetten landen leüten
Schlat sie gar bald an greülich masen /
Mit jrem gifftigen anblasen / usw.
Dieweil nun [Geliebten im Herren] hassz vnd verbunst ein söllichs grosses übel ist / vnnd vns Gott das selb in disem gebott verbeütet / so sehend wir darinn / wie guot Gott ist / wie guot vnnd nutzlich auch sein gsatzt / das vnns von söllichem übel zuo erlösen begärt. Wir gesehend auch an einem fürgang / das es vnser vnnd nicht Gottes schuld ist / das vil inn diser zyt hie / kein friden vnd kein ruow habend / sonder jmmerdar peinget vnnd plaget werdend. Dann dieweil sie nicht auffhörend ander leüten verbünstig [vergünstig] sein / so machend sie selbs allen vnfriden vnd vnruow / vnd leidend deßhalb jres lasters eigne wol verdiente pein vnd straff.
Demnach so wirt in disem gebott nit nur die bewegnuß deß gemüets / so durch zorn vnd eyfer geschicht verbotten / sonder auch alle verletzung die darauß entspringt / welches dann auff vilerley weiß vnd weg geschicht / als mitt schlahen / stossen / niderwerffen / schleipffen / vexieren vnd anderen dergleichen dingen / ob schon der nechst dardurch nit verwundet wirt. Denn aber ist die sünd so vil grösser / so du erst einen darzuo verwundist / mit was Jnstrument oder waaffen dann das selbig geschehe. Vnnd noch grösser ists / so du einem ein glid brächist oder abhüwist [abhiebest] / als so einem ein aug außgestochen oder ein zan außgeschlagen wirt. Vnd nimpt die grösse der sünd jmmer zuo / ye nach dem vnd das glid ist / das einem verletzt oder abgehauwen wirt. Dahar dann auch on zweifel lex talionis, das ist das gsatzt gleicher vergeltung sein vrsprung genommen / das da gebeütet / das man dem ein hand abhauwen sölle / der dem anderen ein hand abgehauwen / vnd dem ein aug außstechen / der den anderen vmb ein aug bracht hat. Darbey ist auch zuobedencken auff was weiß der todtschlag geschäch. Der Herr gebeütet hie einfaltig Du solt nicht töden. Nun tödend wir aber eintweders selbs / oder durch ander leüt / offentlich oder heimlich. Welches auch inn vil wäg geschicht / als durch stillschweigen / durch gleichßnen als ob wirs nicht wüßind / durch anschleg / durch wolgefallen vnnd bewilligung. Jtem / so wir anderen darzuo helffend / oder ander leüt anreisend / vnnd vnderweisend. Dann mancher thete nit das er thuot / wenn er nicht wüßte das es dir gefiele / oder das er dir ein dienst daran thete / vnd du jhm kein hilff darzuo bewisist. Darumb wenn du gleich mitt eigner hand nicht tödist / so wirt doch der todtschlag deßLXXV. / 75a
anderen / den du darzuo triben vnd angereisest hast / dir nit anderst zuogerechnet werden / dann hettest du den mit eigner hand zetodt geschlagen. Welches dann kein wunder ist / dieweil auch der heilig Euangelist vnd Apostel Joannes den hassz einen todtschlag nennt.
Vber das müessend wir auch weiter bedencken auß was vrsachen der todtschlag oder der zuogefüegt schaden beschähe / dann nach dem vnnd die vrsachen sind / nach dem nimpt auch das laster zuo. Dann es geschehend etwan todtschleg / vnnd wirt dem nechsten schaden zuogefüegt / eintweders auß vnwüssenheit ongeferd / oder auß boßheit vnd bösen fürnemmen / auß vnwüssenheit vnd ongeferd / so einem etwan die sach mißrath / vnnd vnfal darzuoschlacht / oder es Gott auß seiner fürsichtigkeit also schickt / das einer den anderen / das er doch nit im sinn hat vmb bringt. Als wenn ich zuo einem hirtzen oder gewild schusse / vnnd träffe aber etwan ein menschen / der inn dem Wald holtz hüwe / von dem ich nicht wüßte / oder so ich ongeferd einem gifft gebe / da ich aber meynte ich gebe jhm guote heylsamme artzney. Für sölliche fäl hat Gott im gsatzt vnnd bey allen völckeren freyheiten auffgerichtet. Auß boßheit aber geschehend todtschleg / als so ich auß böser begird verblendet / einem vnderstüende das sein zenemmen / vnd so er sich wölte weeren / ich jn darzuo zetodt schlüege / wie dann der mertheil krieg etlicher maß der gattung sind / vorauß aber mörderey vnnd was dergleichen. Oder so ich mich mitt todtschlag an einem anderen rächen wölte / von wegen das er mir schaden zuogefüegt hat / Jtem so mich der zorn / oder trunckenheit überwindt / das ich den andern zetodt schlahen / den ich sonst lieb hette vnd guots gonnte / wenn mich die böß anfechtung nit begriffen hette. Das sey nun von den vrsachen deß todtschlags geredt. Wz grossen sünd vnd laster aber todtschlag sey / der also auß boßheit kompt / müessend wir yetz auch bsehen vnd erwegen. Dann so wir söllichs eigentlich bedächtind / so wurde on zweifel der todtschlag nit so gmeyn sein / vnd wurde sich ein yeder dest mer fleissen / dz er seinen zorn im zaum behielte / vnd die bildtnuß Gottes nitt verdarpte. Dann todtschlag streitet stracks vnd fräfenlich wider den ewigen waaren Gott / der dz heil vnd dz leben der welt ist / dann er löscht auß die bildtnuß Gottes / den menschen namlich / der nach der bildtnuß vnd gleichnuß Gottes erschaffen ist. Wenn nun yemand auff der gassz etwan eins künigs oder Fürsten bildtnuß vmbwurffe / der wurde müessen sterben / als der die Maiestet vnd Oberkeit verletzt vnd geschmächt hette. Wie vil mer sündet dann der / der ein vernünfftige lebendige seelhaffte bildtnuß Gottes / namlich ein menschen vmbbringt vnd tödet? Wir läsend vom Keiser Theodosio / das er jm auff ein zeit fürgenommen habe vil burger zuo Antiochia vmbzebringen / von keiner anderen vrsach wegen / dann das sie hattend die seül vnd bildtnuß der Keiserin Placille auff dem marckt vmbgeworffen. Da seye aber ein Einsidel mitt nammen Macedonius zuo deß Keisers anwälten kommen vnd hab gesprochen / O lieben Herren vnd fründ / sagend dem Keiser also / Du bist nicht nur ein Keiser / sonder auch ein mensch / vnnd darumb so solt du die bildtnuß Gottes nicht so grimmigklich lassen vmb bringen / dann du erzürnest den schöpffer so da sein bildtnuß vmbbringst.Bedenck das du dich allein von einer ehrinen bildtnuß wegen also bekümmerist vnd erzürnist. Wie vil grösser aber ein ding sey das da lebt / seel vnnd vernunfft hatt / dann dz / das es nit hat / ist einem yeden offenbar. Darzuo so ist es ring [leichtlich] zethuon / das man für ein ehrine seül vnd bildtnuß / vil andere mache / denen aber die erschlagen sind / ist vnmüglich ein haar wider zebringen usw. Demnach so streittet auch todtschlag gar vnnd gantz mitt der natur deß menschen / dann es ist dem menschen also einpflantzet das er sein leben liebet / vnd das daß fleisch sich selb nicht vmb bringt / sonder vil mer erhaltet vnd neert. Nun sind aber wir menschenLXXVv. / 75b
alle von einem leimklotzen vnd von einem fleisch. Darumb so ist es je der natur zuowider / einen menschen vmbbringen. Darzuo so sind alle menschen eins vatters kinder / eins geschlechts vnd härkommens / darumb so streytet der todschlag mit der menschligkeyt selbs / vnnd ist ein verderbnuß deß menschlichen geschlächts. Jch geschweig erst dessen / das vnser Herr vnd erlöser vonn vns allen nützit mee erforderet dann liebe / vnnd söliche liebe / die jhr läben darsetze für den nechsten. Da ist aber diser liebe vnnd disem gebott Christi vnnd vnser gantzen Christenlichen religion nichts mehr zuowider dann den nechsten töden vnd vmbbringen. Dahär dann auch das gehört / das daß bluot das also durch todschlag vergossen wirt / von der erden im himmel vmb rach schreyet. Dann also sagt der Herr zum Cain dem todschleger / deines bruoders bluot schreyt zuo mir vonn der erden / Vnnd inn der warheit / so vermasget [verunreiniget] bluot das land inn dem es vergossen wirdt / vnd machets verflüecht / Es mag auch dauon nicht bald gereiniget geseübert noch versüent werden / es schlucke dann auch das schuldig bluot deren die das vnschuldig bluot vergossen habend. Zum letsten gebirt auch todschlag den todschlegeren immerwerende schand vnnd schmach / darzuo auch die ewig verdamnuß. Darumb spricht Salomon in seinen sprüchworten also / Mein sun / gang nit mit den schälcken so sie dich mit süessen worten verläckeren werdend vnd sprächen / Gang mit vns / wir wöllend heimlich lussen [lauren] / vnnd mit auffsatz [-] halten auff das vnschuldig bluot / wir wöllend sie gantz vnd gar / vnd also läbendig frässen / gleich wie ein tieffe gruoben / vnd die frommen wie die die [so] in die gruoben hinabfarend. Da wöllend wir mancherley köstlicher hab vnnd reychtag [güter] finden vnnd vnsere heüser voll raubs füllen. Wirff das loß mit vns / wir wöllend alle ein gemeinen seckel haben. Du aber mein sun gang nicht mit jhnen auff dem wäg / sonder zeüch deinen fuoß vonn jhrer straß / dann jhre füeß lauffend zuo schalckheit / vnd eylend bluot zuo vergiessen. So spricht auch Dauid / Du bringst vmb die lugner / du hast ein scheühen [du hassest] O Herr ab den bluotdürstigen vnd falschen usw.
Jn disem gebott aber wirdt außgenommen die oberkeyt so vonn Gott geordnet ist / deren Gott befilcht das sie töde / vnnd jhr zum höchsten tröwt / wann sie die nicht töde / die er heißt töden. Darumb so wirdt inn disem sechsten gebott allein verbotten / das niemand auß eignem gewalt vnnd muotwillen töde. Denn aber tödet die oberkeit nach Gottes befelch vnd geheiß / wenn sie die übelthäter mit recht verurtheilet vnnd vmbbringt / oder so sie zuo schutz vnnd schirm der jhren sich inn billichen vnnd notwendigen krieg vnnd gegenweer begibt. Wiewol die oberkeyt an denen beden orten auch fälen mag / vnnd das inn zwen weg / Eintweders so sie die vnschuldigen vnder dem schein vnnd fürwenden deß rechtens vmbbringt / damit sie jhrem muotwillen / jhrem haß vnd geyt / oder anderen anfechtungen gnuog thüege / wie man vonn der Jezabel lißt das sie die Propheten deß Herren / besonders auch den frommen Naboth habe vmbbracht. Oder aber so sie auß verkerter gnad vnd milte ledig laßt vnnd nicht tödet die / die aber Gott geheissen hatt töden / Als wie wir läsend das Saul vnnd Achab gesündet / mit dem das sie ledig liessend die bluotigen künig / die aber Gott geheissen hatt vmbbringen. Also zeüget auch Salomon im buoch der sprüchen am sibentzehenden Capitel [15. Es.5.25] das der Herr zuo gleicher weyß hasse / den der ein übeltheter gon laßt / vnd den der ein vnschuldigen verurtheilt vnd vmbbringt. So vil aber die krieg belanget / da wirdt auch auff zwen wäg gefält / Eintweders so die oberkeit vnbillichen krieg wider ander leüth fürnimpt / vnnd jhre vnderthonen also inn krieg verwicklet / oder so sie die feyend laßt die jhren verhergen vnnd schedigen / vnnd sies nicht schirmpt vnd deß feyends offentlichem vnd vnbillichem gewallt nit nach allem jrem vermögen widerstat.LXXVI. / 76a
Das sind zuo beiden seiten grosse vnd schwäre sünden / Dann also läsend wir von den frommen Küngen die etwan in Jsrael gewesen / das sie wider niemand kein krieg fürgenommen / Gott hieß es dann. Dargegen das sie auch dapffer habind gestritten für jr volck / vnnd sie nitt lassen von dem fyend verderbt werden. Also jagt der heilig vatter Abraham den vier Küngen / ja den vier röuberen auß Orient nach / vnnd errettet den Loth vnd sein hab / auch das gantz hingefüert volck von Sodoma von jnen mit geweerter hand. Was nun söllicher kriegen sind / die nimpt man für von fridens wegen / eintweders das man den behalte / oder so man jn verloren / das man jhn wider erlange. Das deßhalben die Oberkeiten die von diser vrsachen wegen kriegend waarlich kinder Gottes sind / dann sie suochend den friden / vnnd sind fridsam / Welche aber fridsam sind / die sind kinder Gottes.
Hie erforderet aber diß ort vnd dise materi / das wir yetz auch von der Oberkeit redind / das wöllend wir thuon mit der hilff Gottes / doch nitt dermaß / das wirs als anziehen wöllind / wz von deren mag geredt werden / sonder allein das / dz am notwendigsten ist / vnd dz am eigentlichsten jr ampt stand vnd wäsen vßtruckt. Das wörtli Oberkeit / heißt in latin Magistratus vnd hat sein vrsprung vom wörtli Magister das heißt Meister / mit welchem anzeiget wirt das die so an der Oberkeit sind / meister / füerer vnd Oberen deß volcks sygind. Die werdend auch der Gwalt von Gott genent / von wegen deß gwalts den sie von Gott empfangen. Es wirt auch die Oberkeit genennt ein herrschafft / von wegen der herrschafft die jren Gott auff erden geben vnd zuogelassen hat / vnd die also herrschend / werdend Fürsten genennt / vom vorston / dann sie sind die vordersten vnder dem volck. Also heissend sie auch räth vom rathen / vnnd reges das ist künig vom regieren vnd können / gebieter vom gebieten. Darumb so ist die Oberkeit an jr selb ein ampt vnd ein handlung [-] oder verwaltung. Aristoteles beschreibt die Oberkeyt also / das sie sey ein hüetere vnd erhaltere der gsatzten. Vnnd Plutarchus spricht in dem büechli / in dem er leert / das an einem Oberen kunst vnd geleerte notwendig sey / vnder anderem / Die Oberen sind diener Gottes / zum heyl vnd zur fürsorg der menschen / eins theils / das sie jhnen außtheilind / anders theyls auch sie bey dem erhaltind / das jhnen Gott geben hat. Auß der heiligen geschrifft aber mag die Oberkeyt also beschriben werden / das sie sey ein ordnung vnd würckung Gottes / da durch mittel hilff vnd rath der fürnempsten die guoten geschützt vnnd geschirmpt / die bösen aber gestrafft / vnd also waare Gottsforcht / gerechtigkeyt / ehrsamkeyt vnnd ruow / auch gemeyner vnnd besonderer frid erhalten werde. Darauß dann volget / das im Regiment fürgesetzt sein / vnd der Oberkeit ampt treülich außrichten ein Gottsdienst sey. Dann söllichs gefallt Gott / vnnd ist ein Oberkeyt ein guot ding / darauß träffenlich vil guotter wercken entspringend / wie ich dann inn vorgender Predig söllichs erleüteret hab. Es sind aber dreyerley gattungen vnnd gestalten der Oberkeyt / Namlich / die Monarchy Aristocracey / vnd Democracey. Die Monarchy mögend wir nennen ein reich in dem einer den obersten gwalt füert vnd alle ding verwaltet durch gerechte vnd billiche satzungen / dann wenn ein sölcher regent die grechtigkeit vnd billigkeit hindan setzt / vnd alle ding nach seinem muotwillen wider rechts vnd billichs handlet so ist er ein Tyrann / vnnd sein gwalt ein tyranney / das ist ein grimme übergwaltigung. Welches laster dem Reich vnd der Monarchey gern anhanget vnd entgegen gsetzt wirt. Aristocracey aber ist ein regierung der fürnembsten vnd besten vnder dem volck / da man die aller besten frömbsten vnnd redlichisten auff ein gewüsse zaal erwölt vnnd außzeücht / die dem volck vorstond. Dise regierung ist erwachsen vß der tyranney. Dann do man anfieng sehen wieLXXVIv. / 76b
mißlich es was einem man allen gewalt lassen / do hatt man also angefangen der gewalt vilen vnd den besten befelhen. Wenn aber jetzund söliche fürnempsten vnder dem volck mit bösen künsten vnd fünden ans regiment kommend / vnd jren eignen nutz vnd frommen mee suochend / dann den gemeinen nutz / vnd den gemeinen wolstand / so ist jhr regierung jetzundt nicht mee ein aristocracij / sonder ein olygarchij zuo nennen / das ist ein muotwilliger gewalt weniger leüthen / nicht ein billiche regierung der besten vnd fürnempsten. Vnd werdend also dise olygarche entgegen gesetzt den optimatibus / das ist den besten vnnd fürnempsten. Democracij dem nach ist ein söliche regierung / do aller gwalt beim gemeinen man stadt. Disere regierung ist auß der olygarchij erwachsen. Dann do der gmein man gesehen / das die fürnempsten vnd außzognen / auch etwan jhren gewalt mißbrauchtend vnnd zuo olygarchen wurdend / hatt er sie entsetzt / vnd er den gewalt behalten / vnd mit meerer hand angefangen alle ding verwalten vnd regieren. Dise Democracij aber / bricht etwan auch auß vnd geratet zuo einem Systremma [-] / das ist zuo einer auffruor vnnd zemmenrottung / wenn sich niemand will paschgen lan [regieren lassen] / vnd ein jeder thuon wil / was er wil [was jm gefellet] / darumb das er auch als wol als ein anderer einer ist vom gemeinen man / bey dem aller gewalt stadt. Welche aber vnder deren regierungen allen die best seye / wil ich nicht vrtheilen. Vil sind / die die Monarchij für die best gegäben habend / doch hinzuo gesetzt / so der Fürst guot seye / Welchs aber selten geschicht. Die aber diser meinung gewesen sind / die habend gemeinlich vnder den Monarchen geläbt / wider die böß zuo reden ist. Jm volck Juda vnnd Jsrael findt man wenig guoter künigen / oder die doch zum wenigesten mittelmässig gewesen seyend. Das es deßhalb nit vergebens geschehen ist / das Gott selb dem volck durch den Samuelem ratet / das sie die Aristocracij / die durch die aller weisesten vnd fürtreffenlichisten männer Mosen vnnd Jethro vnder jhnen was auffgerichtet / behaltind. Wiewol darbey niemand laugnen kan / dann das auch bey der aristocratij grosse gefaren vnnd vnkommligkeyten mittlauffend / Vil mehr aber bey der democratij. Aber es stadt vmb vns menschen inn disem fleisch nicht anders / dann das nützit ist noch funden wirdt / dem überal nützit präste vnd mangle [das nicht jrgend einen mangel hette]. Darumb so wirdt das für das best gehalten / das ob es schon nicht gar on fäler ist / doch am aller wenigisten derselben hatt so mans gegen anderen dingen haltet. Dem seye aber allem wie es wölle / so heissend vns die Apostel vnsers Herren Jesu Christi einfaltig der oberkeyt gehorsam sein / die seye dann ein künig / oder ein besamleter rath vonn den besten vnder dem volck / das giltet gleich. Dann Paulus spricht inn der Epistel zum Tito am dritten Capitel[1] / Erinnere sie / das sie den fürgesetzten vnnd dem gewalt vnderthon seyend / der oberkeyt gehorsam seyend. Vnnd zun Römeren / Jederman seye vnderthon der oberkeyt vnd dem gewalt / dann es ist kein gewalt dann von Gott / der gewalt aber der allenthalben ist / ist von Gott verordnet. Vnd zum Timotheo spricht er / So ermanen ich nun vor allen dingen das man thüege gebätt / fürbitt / für die künig vnd für alle oberkeit usw. Darumb ist jemand vnder einem Monarchen vnd künig / so seye dem selben gehorsam / Jst er vnder einer anderen regierung / Burgermeisteren / Schultheßen / Zunfftmeisteren / rathsherren / so seye er jnen auch deßgleichen. Denn es ist weger [besser] man gehorsamme der ordnung Gottes / dann das man spitzfündigklich vil disputieren wölte von dem vnderscheid der regierungen vnd welche vnder denen die best seye.
Das aber ein oberkeit seye / ist vns menschen höchlich vonn nöten / ja so gar von nöten / dz vnsere sachen on ein oberkeit in keinem wolstand sein noch bleiben möchtind. Dann vom volck Jsrael findt man nit dz jre sachen ie wirs [böser] gestanden seyend / dann do sie nach dem todt Sampsons biß auff den Heli kein rechte oberkeytLXXVII. / 77a
hattend / sonder ein jeder thet was jm wol gefiel. Dann allen menschen wirdt die philautía, das ist die liebe sein selbs vnnd das eigen gefallen also anerboren / das ein jeder allein zuo jhm selbs luoget / jhm selbs wolgefallt inn allem das er thuot / vnd ander leüthen wort vnd werck verachtet / ja es kumpt auch vnser böse begird vnnd vnabläßliche eigen liebe dahin / das wir auch böse sachen vnnd hendel mit dem rechten vnderstond zuo schirmen / vnnd für gerecht vnnd guot außgebend / vnd mit den selben vnderstond fürzuobrächen. Wär das nit glaubt / der weißt nit was menschen sind. Sich / das volck Jsrael was erst auß Egypten erlößt / vnd hatt erschröckliche vnd grosse wunder gesehen / vnd ward inn der wüeste von himmel herab wunderbarlich erneert / vnnd sach all tag neüwe wunderzeichen. Noch merck / was Moses der aller miltest vnd senfftmüetigest vnder allen menschen / vonn disem heiligen volck / von dem volck Gottes / das Gott selb sein eigenthumb nent / rede / Er spricht also zum volck / wie kan ich allein sölche müehy vnd last / vnd hader von euch ertragen? Also thet sich auch deß fleisches art inn der heiligen gesellschafft vnnd aller hertzlichisten gemeinschafft der ersten Apostolischen kirchen / ja in den widergebornen selb / herfür / dann es erhuob sich ein gemürmel vnder den Griechen wider die Hebreer / darumb das jre witwen übersehen wurdend in der täglichen handreichung. Also zancketend auch die Corinther vor den heidnischen richteren / darumb sie vom heiligen Apostel Paulo gar hefftig bescholten werdend / der sie heißt vnder den glöubigen selb schidleüth erwellen / die jhre sachen entscheidind. Deßhalben kan vns hierinn niemand fürwerffen / das alt volck Jsraels seye ein fleischlich volck gewesen / vnd noch nicht widergeboren / dieweil wir sehend / das auch in denen die widergeboren sind / noch die überleipscheten [vberbliebene schwachheit] deß fleischs hangend / die sich jmmerdar / wo jhnen lufft vnd anlaß wirdt herfür thuon / zanck vnnd vnruow auff bringend / da sie wol möchtind zuofriden sein. Jch geschweig erst dessen das der mehrteil wält / dem geist nichts nachfraget / sonder nur dem fleisch nach läbt vnd nachhengt. Darumb dieweyl Gott ein liebhaber vnd günner der menschen ist / vnd ein erhalter deß menschlichen geschlächts / alles fridens vnd aller ruowen / so hatt er die oberkeit yngesetzt / als zuo einer artzney vnnd hilff / denen grossen üblen der menschen zuo weeren / das sie sich mit billigkeyt vnnd gerechtigkeyt zwüschend die yn lege / die mit einanderen zanckend / vnd sie von einanderen entscheide / den bösen anfechtungen weere / vnnd so jemand gewalt mit dem anderen brauchen wölte / die vnschuldigen schirme. Vnnd darumb wer die Göttlich ordnung wölte brechen vnnd auffheben / (wir menschen wurdind dann alsammen zuo englen) der wurde nichts anders anrichten / dann ein Confuß [zerrüttung] vnnd zerstörung aller dingen / vnnd machen / das welcher baß möchte [am besten vermöchte] / das der die frommen vnd anderen all wurde vndertrucken vnd außreütten. Darumb wir auß disem allem / das bißhär erzellt heiter sehend / das die oberkeit von Gott yngesetzt ist zuo schirm deß guoten / vnd zuo straff deß bösen / das ist zuo guotem vnd zum wolstand aller menschen. Dahär dann auch dienet / das wir findend / das von anfang der wält allweg oberkeyten gewesen sind. Jtem es befestigend sölichs die zeügnußen der heiligen geschrifft. Als das Moses im gesatzt die Richter Götter nennt / vnnd spricht / das daß gericht Gottes seye. Auß welchen worten auch Josaphat genommen hatt / das er zuo den Richteren spricht / Sehend zuo was jhr thüegind / dann jhr haltend das gericht nicht den menschen / sonder dem Herren / vnnd er ist mit euch im gericht / darumb lassend die forcht deß Herren bey euch sein usw. Also heißt Sanct Peter der oberkeit gehorsam sein vmb deß Herren willen / vonn welchem die selbig verordnet ist / zur rach der übeltheteren / vnd zum lob der wolthäteren. So spricht auch Paulus der leerer der Heiden / Es ist kein gewalt /
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dann von Gott / vnnd der gewalt der da ist / der ist vonn Gott geordnet / vnnd welcher dem gewalt widerstat / der widerstat der ordnung Gottes / wär aber deren widerstat / der wirt ein vrtheil über sich empfahen. Dann die gewaltigen sind nit denen die guots thuond / sonder den bösen zuo förchten / dann sie sind diener Gottes / dir zuo guotem / vnd zur straff deß der böses thuot. Deßhalb / wie gemeldet / so ist die oberkeit von Gott / vnd jr ampt / guot / heilig / Gott gefellig / recht / nutzlich vnd notwendig allen menschen / vnnd die so an der oberkeit sind / vnd diß ampt wol vnd recht verwaltend / die sind freünd diener vnd außerwelte werckzeüg Gottes / durch die Gott das heil vnnd den wolstand der menschen würckt vnd außrichtet. Dessen wir exempel habend am Adam / an allen Ertzuätteren / an vnserem vatter Noe / am Joseph / am Mose / am Josue / am Gedeon / Samuele / Dauide / Josaphat / Ezechia / Josia / Daniele / vnd vilen anderen / die auch nach den zeyten vnsers Herren Jesu Christi das ampt der oberkeit tragen vnd verwalten habend.
Nun machend aber der mertheil / zweyerley oberkeit / guote vnnd böse. Ein guote oberkeyt ist / die recht erwelt ist / vnd auch jr ampt recht verwaltet. Ein böse oberkeit ist / die nicht mit rechten mittlen an das regiment kommen ist / vnnd das selbig auch nicht recht sonder nach jrem muotwillen verwaltet. Darbey entstat aber die frag. Ob die böß vnd tyrannisch oberkeyt auch von Gott seye? Antwort. Gott ist nicht ein vrhab deß bösen / sonder deß guoten. Dann Gott ist vonn natur guot / vnnd all sein fürnemmen ist guot / vnnd dienet zuo guotem vnnd zum heyl / nicht zuo schaden vnnd verderbung deß menschen. Also ist auch die oberkeyt als ein guote nutzliche ordnung / ohn allen zweyfel vonn Gott / der ein vrsprung vnnd vrhab alles guoten ist. Da muoß man aber vnderscheiden zwüschend der ordnung Gottes / das ist / dem ampt an jhm selb / vnnd zwüschend der person die das ampt das an jhm selb guot ist / nicht verrichtet wie sie sölte. Darumb so inn der oberkeit böses funden wirdt / vnnd nicht das guot / vonn deß wegen sie yngesetzt ist / so entspringt das selbig böß auß anderen vrsachen / vnnd tragend andere schuld dran / nammlich die personen oder menschen / die Gott nicht volgend / vnnd die guot ordnung mißbrauchend. Vnnd ist Gott oder die ordnung Gottes an jhr selb nicht schuldig dran. Dann eintweders so fält der böß oberer für sich selb / vnnd wirdt vom Teüffel verfüert / das er die wäg Gottes verlaßt / vnnd auß seim selb übertrittet / das er billicher ein Teüffelischer dann ein Göttlicher gewalt genent wirdt. Als wie wir sehend inn der oberkeit zuo Hierusalem / welche ob sie wol den anfang vnnd vrsprung jhres gewalts biß auff Mosen / ja auff Gott selbs hette mögen rechnen / noch dieweyl sie den Herren Christum im garten ließ fahen vnnd binden / so spricht der Herr zuo jhren dieneren / Jr sind als zuo einem mörder mit schwerten vnnd mit kolben außgangen / Jch bin täglich bey euch im tempel gewesen / vnnd jhr habend kein hand an mich gelegt. Aber diß ist ewer stund vnnd der gewalt der finsternuß. Sich da nennt er die ordenlich oberkeyt / die aber jhren gewalt mißbraucht / ein gewalt deß Teüffels. Was könte heiterers geredt werden? Sölichs redt aber der Herr nicht auff das ampt / sonder auff jhre personen. Also was wol das Römisch reych vonn Gott verordnet vnnd angesehen / wie das heiter erscheint auß den gesichten deß Propheten Daniels / wie aber Nero darinnen regiert / zwar nicht one Gottes ordnung / noch so handlet er nicht auß Gott / sonder auß dem Teüffel / ob er schon ein künig vnd ein keyser was / dieweil er nit thet als ein guoter Herr vnnd oberer thuon sol. Dann das was auß dem Teüffel / das er die Apostel Christi creützget / vnd enthauptet / vnd also ein bluotige verfolgung in der kirchen Christi anfieng. Also muoß man luogen [sehen] / das man nimmer sölichem tyrannischemLXXVIII. / 78a
gewalt für Göttlich schirme. Dann tyrannische regierung ist auß dem teüffel vnd nicht auß Gott / vnd die tyrannen sind eigentlich nicht Gottes / sonder deß teüffels diener. Oder aber es begibt sich / das etwan ein volck mit seim vngöttlichen lasterhafften läben verdient / das es für ein künig ein tyrannen haben muoß / vnd kumpt deßhalb also die schuld / abermal nicht auff Gott / sonder auff den menschen der sündet / von dessen wegen Gott sölichs verhengt / vnnd den gleichßner zum regenten machet. Vnd ist also die böß oberkeit von Gott / gerad wie auch auffruor / krieg / pestilentzen / hagel / reyffen vnd andere plagen vnd vnfäl der menschen von jm sind / als straffen der sünden vnd lasteren / die damit von dem gerechten Gott also gestrafft werdend / welcher darumb auch spricht / Jch wird jhnen kinder zuo Fürsten gäben / vnnd junge kind werdend sie beherrschen / darumb das jre reden vnd rathschläg wider den Herren sind / zuo erzürnen das angesicht seiner maiestet. Also hatt Gott wider sein volck vnnd statt erweckt die grausamen künig der Assyriern vnd Babylonieren / darumb das sie seinem wort nicht volgetend / vnd nit thetend das sie soltend.
Wie aber nun die vnderthonen gegen sölichen grimmen vnnd ruhen [rohen] Fürsten vnnd tyrannen söllind gesinnet sein / lernend wir auß dem exempel Dauids / Jeremie / vnd der heiligen Apostlen. Dauid wußt wol wie Saul was / das er ein gottloser vnnd grausamer todtschleger / noch so floch er / vnnd ob sich schon einist oder zwürend anlaß zuotruog / das er jhn wol hett mögen vmbringen / thett ers doch nicht / sonder verschonet sein / vnnd ehret jhn als seinen vatter. Also Jeremias / der bättet für den Joakim vnnd den Zedekiam / ob sie schon bed [beide] Gottlose künig warend / vnnd was jhnen gehorsam / so verr / wider Gott nicht. Dann do ich doben geredt hab von dem gebott / der vereerung der elteren / do hab ich auß der geschrifft anzeigt / das man den gebotten der gottlosen die wider Gott sind nicht sölle gehorsamen. Dann es zimpt keiner oberkeit / das sie etwas handle vnnd fürnemme / das wider das Gesatzt Gottes vnnd der natur seye. Wie sich auch die heiligen Apostel gehalten habind gegen den tyrannischen oberkeyten bezeügend jhre geschichten. Darumb welche durch tyranney getrengt / ja vonn gottlosen lasterhafften oberkeyten wider alles billich vnd recht vndertruckt werdend / die faßind disen rath. Erstlich / so gedenckind / was grosser sünden vor Gott seyend Abgötterey vnd vnreinigkeyt der lasteren / mit welchen sie den jetz straffenden zorn Gottes verdient vnd wol beschuldet habend. Demnach so gedenckind auch / das Gott mitt sölicher geysel vnnd ruoten nicht wirdt auffhören / wo sie den falschen Gottsdienst nicht dannen thuond vnd jhr läben besserend. Darumb so ist von nöten / das man vor allen dingen die religion recht anrichte vnd reformiere / vnd das läben ändere vnnd bessere. Demnach so sol man auch ernstlich vnd empsig bätten / das Gott die vndergetruckten erretten / vnnd auß allem übel erlösen wölle. Dann den rath gibt auch der Herr selb den vndergetruckten Luce am achtzehenden Capitel / vnd verheißt darbey gewüsse hilff vnd erlösung. Was aber vnd wie die vndergetruckten bätten söllind / deß haben wir hüpsche exempel vnd formular Danielis am neündten vnd Actorum am vierdten Capitel. Mitthin zuo aber söllend alle hertzen / die also beschwärt sind / auch dessen ingedenck sein / das die fürnempsten Apostel Christi beide Petrus vnd Paulus gelert habend / da jhener spricht / Gott kan die seinen wol auß trüebsal erretten wie er auch den Loth errettet hat. Diser aber spricht / Gott ist trew der die seinen nit wirt lassen versuocht werden vber das sie ertragen mögend / sonder wirdt machen nebend der versuochung ein glücksäligen außgang auff dz sie es ertragen mögind. Darbey söllend sie auch gedencken der gefencknuß deß volcks Gottes / da sie sibentzig gantzer jaren in Babylonia sind gefangen gewesen / Jtem der schönen trösten / mitLXXVIIIv. / 78b
denen sie sind getröstet worden / Welche Esaias beschreibt vom viertzigsten Capitel an seiner prophecey / biß auff das neün vnd viertzigst. Wir söllend ingedenck sein / das der Herr guot gnedig vnd allmechtig ist / deßhalb er vns wol helffen mag / vnd hat auch vil mittel / durch die er vns mag hälffen / nicht mee / dann das wir luogind das wir nicht den tyrannen jhr sach sterckind mit vnserem lasterhafften vnd gottlosen läben. Es mag der Herr die hertzen vnnd gemüeter der regenten (wie dann die hertzen der künigen in seiner hand sind wie die wasserbäch / vnd mag sie leiten wohin er wil) gechling [bald] enderen / also das die / so bißhär am aller grimmisten wider vns gewesen sind / von stund an güetig vnd freündtlich werdend / Vnd die so die waar religion zuo aller grüsenlichisten [grausamlichsten] verfolget habend / jetzund die selbig zuo aller inbrünstigisten liebend / vnd mit grossem fleiß fürderend. Dessen wir gar hüpsche vnnd heitere zeügnußen habend inn den historien der küngen / Jtem in den büecheren Eßdre vnnd Nehemie / auch inn der prophecey Daniels. Als am Nabuchodonosor / der vnderstuond die getrewen vnd dapferen marterer Gottes im fürinen [fewrigen] ofen zuo braten vnd zuo vertilgken von wegen deß waaren glaubens / bald aber wirt er dermaß / das er Gott lobt vnd preyßt / vmb das er sach das sie im feür erhalten warend / vnd facht an selbs durch [publicierte] edict vnd mandat *die er ließ außgon*[-] / den waaren Gott vnnd die waare religion predigen vnd außbreitten. Also Darius der sun Assueri ließ Danielem inn die löwengruoben werffen / Aber es änderet jhn Gott gleich dermaß / das er jn wider herauß zoch / vnnd alle feyend Daniels inn die selb gruoben den löwen zuo zerzerren fürwarff. Cyrus der aller gewaltigist künig der Persen fürderet auch also die waar religion. Jtem Darius Hystaspis / der mit dem zuonammen Artaxerxes genent ward / halff dem volck Gottes gar treffenlich in jrem fürnemmen / die statt vnd den tempel zuo Jerusalem wider zuo bawen. Darumb so sollend wir an der hilff Gottes nit zweiflen. Es plaget auch Gott die tyrannen etwan oder nimpts gar hinwäg durch gähe [schnelle] vnd grausame erschröckliche kranckheiten / Als wie wir sehend das es dem Antiocho / dem grossen Herodi vnnd seinem enckli Herodi Agrippe / Jtem dem Maxentio vnnd anderen Gotts vnnd der wält feyenden gangen ist. Etwan so erweckt auch Gott helden vnnd dapffere männer / die sölche tyrannen erwürgend vnd das volck Gottes erlösend. Welcher exempel vil sind im buoch der Richteren / auch in künigbüecheren. Damit aber die selben exempel niemand mißbrauche / so muoß man eigentlich darinnen auff die berüeffung Gottes sehen. Dann welcher die selb nit hat / oder vor der selben etwas anfacht / der wirt mit seinem vmbbringen der tyrannen nichts schaffen noch außrichten / sonder ist vil mer zuo sorgen / das übel werde noch einest böser. Das seye nun von disem geredt. Nun damit ich aber wider auff mein fürnemmen komme / so wirt hie zuo reden sein auch von der erwellung der oberkeit / vnnd zum ersten / wäm es zuostande vnd gebüre die oberkeit zuo setzen vnnd zuo erwellen / demnach wän vnd was man für leüth an die selbig erwellen sölle. Vnd zum letsten von dem einsetzen oder fürstellen deren die jetzund erwellt sind.
Vom ersten stuck wäm es zuostande vnd gebüere die oberkeit zuo erwellen / da mag kein gewüß gesatzt noch regel gegeben oder fürgeschrieben werden. Denn an etlichen orten erwellt ein gantze gemeind die oberkeit. An etlichen aber die oberen selbs ein anderen. So werdend auch an etlichen orten die Fürsten als oberen geboren. Bey welchen ordnungen man bleiben sol / vnd hierinn kein vnruow vnd neüwerung anrichten. Dann billich werdend einem jeglichen reich / vnd einer jeden statt jre alte breüch vnnd gewonheiten gelassen / Es seye dann sach / das sölliche breüch vnd gewonheiten gar vnbillich vnd vnleidenlich seyend. Wo aber Fürsten vom stammen vnd geschlecht här erboren werdend / da sol man Got allweg trewlich anrüeffen vnd bitten / das er guote Fürsten geben wölle.LXXIX. / 79a
Zum anderen aber / wän / vnnd was man für leüt darzuo erwellen sölle / das stellt vns Gott selbs für mitt disen worten / Sich dich vmb vnder allem volck nach redlichen leüten / die Gottsförchtig / waarhafftig vnnd dem geyt feyend sygind / die setz über sie zuo Oberen über tausendt / über hundert / über fünfftzig / vnnd über zähen / das sie das volck alle zeit richtind. Da erforderet Gott vier ding an einem guoten rathsfründ vnd Oberen. Zum ersten / das er sey ein hertzhaffter dapfferer redlicher man / das ist der das hinder jhm hab [-] / vnnd es vermöge / von deß wegen er erwölt wirt. Das vermögen aber stat mehr im gemüet / dann inn leibs krefften vnd güeteren / dann es wirt hierinn erforderet / das er nit ein tor seye / sonder weiß vnnd erfaren. Gleich wie auch an einem Hauptman vnd heerfüerer erforderet wirt / das er könne ein ordnung machen / vnd an einem Bauwmeyster / das er gemeyne beüw rüsten vnd anrichten könne / vnnd an einem Fuorman / das er könne den wagen leiten. Also auch an einem Oberen / das er das Regiment könne verwalten. Darbey dann auch dapfferkeyt erforderet wirt / das er auch das dörffe das er kan vnnd verstat / dann diß ampt darff wol grosser dapfferkeit vnd gedult. Zum anderen wirt gesetzt das daß aller gröst ist / Namlich das er Gottsförchtig sey / rechtglöubig / nitt superstitiosus vnd aberglöubig. Keiner der mit abgötterey vmbgat wirt das regiment erhalten / sonder vil mer verderben. Vnd wz gottloser leüten sind die fürderend die waarheit vnd die religion nit / sonder verfolgends vnd reütends auß. Darumb wir die erwöllen sollend / die der waaren leer anhengig / vnd gesundes glaubens sind / die dem wort Gottes glaubind / vnd wüßind dz Gott allweg bey den menschen zuogegen ist / vnnd einem yeden vergiltet nach seinem verdienen. Darumb auch der keiser Justinianus in seinen Nouellis Constitut. 109. offentlich bekennt / das aller sein schirm von Gott sey / darumb es auch billich sey / das die gsatzgebungen auff jnn gesehen sygind / Vnnd setzt gleich darauff / Es weißt ein yeder das die so vor vnns das Keiserthumb verwalten habend / als Leo säliger gedächtnuß / vnd der theüre Fürst Justinus vnser Vatter / in jren Constitutionibus [-] vnnd ordnungen überal verbotten habend allen kätzeren / das die in kein reiß [Heerzug] angenommen werdind / noch einiche gemeynschafft haben söllind inn verwaltung der gemeynen ämpteren / damitt sie nit durch anlaß dessen das sie mitreisend / oder durch die verwaltung gemeyner händlen vnnd geschäfften / den glauben vnd die einigkeyt der heiligen Catholischen vnnd Apostolischen kirchen zertrennind vnd verderbind / vnd söllichs habend auch wir gethon. Diß schreibt gedachter Keiser. Vnnd zwar welcher Gottsförchtig ist / der rüefft Gott an / vnd empfacht auch weißheit von Gott. Vnd wenn die Oberen fründ Gottes sind / vnnd sich offt mitt Gott ersprachend [besprechen] / so ist guote hoffnung / das es ein säligs Regiment sein werde / Dargegen ist nichts anders zewarten [zugewarten] dann alles vnglück / wenn fyend Gottes am Regiment sind. Zum dritten wirt auch erforderet an einem den man an die Oberkeyt berüeffen vnd erwöllen sol / das er waarhafft sey / nitt ein gleißner / nitt ein lugner / betrogens dings [betrieger] / arglistig / vnd häl / der auß einem mund kalts vnnd warms könne blasen / sonder das er sey treüw / einfaltig / offenbar vnnd auffrecht. Das er nicht mehr verheisse / denn er aber halte / das er den Eyd nit gering achte / oder eydbrüchig sey. Zum vierdten / dieweyl vil in der Oberkeit nichts anders suochend dann reichthumb vnd meerung jres zeitlichen guots / so heißt Gott sölliche nebend sich stellen / vnnd verbeütet allen guoten Oberen den geyt / ja erforderet das sie den geyt haßind. Gleich wie er auch an einem anderen ort / nicht nur verbeütet gaaben zenemmen / sonder heißt auch das mans außschlahen sölle / Dann geyt vnnd begird der gaaben / sind ein verderbnuß auch der guoten Oberkeit. Wer geitig ist / vnd gaaben lieb hat / dem ist es alles feyl / gricht vnnd recht / vrteylen / freyheit /LXXIXv. / 79b
gerechtigkeit / ja das vatterland selb. Vnd wiewol Gott hie nun [nur] das aller schedlichist laster allein nennt / so ist doch kein zweifel / dann das er mitthinzuo auch was anderer dergleichen lastern vnd vntugenden mer sind verbiete / vnd wölle das die selben weit seyend von einer guoten Oberkeit / als da ist / hoffart / verbunst / neid / hassz / zorn / spilsucht / völle [füllerey] / trunckenheit / huorey / eebruch / vnnd was dergleichen mer ist.
Dises yetz anzogen ort wirt aber auch selb durch andere ort deß gsatztes erleüteret / so man die gegen disem haltet / Als das Moses Deut. am j.[16] capit. zum volck spricht / Schaffend här weise verständige leüt / die vnder eüweren stammen bekannt sind. Jn welchen worten Moses abermals drü ding erforderet an denen / die man an die Oberkeit setzen wil. Zum ersten das sie sygind weiß / der anfang aber der weißheit ist die forcht Gottes. Darumb sol man ordnen sölche lüt / die Gottes vnd der waaren religion fründ sygind / die auch weiß vnd witzig [verstendig] / nitt toren vnnd narren sygind. Zum anderen das sie sygind verständig [-] / das ist fürsichtig / wolgeüebt durch lange erfarnuß in allerley händlen / das sie könnind yede fäl [zufallende sachen] nach vermög der satzungen richten. Zum dritten / das sie bekannt sygind / das ist / deren frombkeit vnnd redliche yederman wüsse / von deren vortragnem vnd gehaltnem leben vnnd sitten mencklicher nichts dann guots wüsse vnd zeügen möge. Das sie auch grosses vnd guots ansehens sygind / nit verachtet als leichtferig vnnütz leüt.
Numeri am xxvij.[16] Cap. spricht Moses / der Herr der Gott der geisten alles fleisches / wölle einen man setzen über die gemeynd / der vor jhnen auß vnnd eingange / vnd sie auß vnnd ein füere / das die gemeynd deß Herren nicht sey wie die schaaff on hirten. Jn welchen worten deß theüren Propheten Gottes / wir auch lernend wän man zur Oberkeit erwöllen / vnnd wie auch das selbig geschehen sölle. Moses bittet zum Herren vmb ein geschickten man. Also sollend auch wir Gott den erforscher aller hertzen bitten vnnd anrüeffen / das er sölliche leüt gebe / an denen kein mangel oder fäler sey. Dann wir werdend offt an der ausseren gestalt eins menschen betrogen / das wir etwan einen haltend für ein frommen auffrechten Gottsförchtigen man / der aber nichts dann ein grosser gleißner ist. Gott aber bekennt allein die hertzen / den sol man bitten / das er vns im erwellen nicht lasse jrren oder fälen. Keiner wirt aber besser sein / dann welcher den heiligen geist Gottes hat / vnd der selbig sol dann auch in allen dingen was zuothuon ist / zehinderest vnd zeforderst daran sein. Faulböum [Faulbeuche] die richtend vnnd treibend nun [nur] ander leüt an / vnnd luogend sie das sie sich nitt zeweit fürhin stellind [sehen daß sie nicht in die spitze gestellet werden]. Es ist auch ein grosse vngerechtigkeit vnd vnbill / wenn einer ander leütten vil fürschreibt / vnnd er aber nimmer nichts rechts oder guots anfacht. Es sol einer der an die Oberkeit erwöllt ist / ein hirt sein / der da tag vnnd nacht wache vnnd hüete / das die herd Gottes nitt in gefar kömme oder zerströwt vnnd verderbt werde. Also söllend nur die sein / die man dem volck Gottes zuo Oberen fürstellen wil.
Zuoletst so vil die fürstellung oder einweihung der Oberkeit belanget / da sind vngleiche breüch hin vnd wider / es sey in Stetten oder Landen / da aber einem yeden volck sein gewonheit frey zuo lassen ist. Doch ist das der best brauch / do man am aller wenigisten aussers prängs / aber am aller meesten gebätt braucht. Es ist aber nicht on frucht sonder nutzlich / das man die so an die Oberkeyt erwellt sind / mit einer gwüssen vnnd zimlichen Ceremoni einsetze vnd fürstelle / vnd das vor dem gantzen volck / damit ein yeder wüsse / welche vätter deß volcks sygind / vnnd welchen er die ehr schuldig sey / vnnd gehorsammen sölle / auch für welche er sölle bätten. Also ist auch vnder dem volck Gottes ein bestimpte Ceremoni gewesen / die sie braucht habend jhre Künig vnd Oberkeiten einzuoweihen.LXXX. / 80a
Welches gwüßlich von Gott nit vergebenlich / sonder nutzlich vnnd von notwendigen vrsachen wegen befolhen vnd eingesetzt ist worden. Was aber weiter von der Oberkeit zereden ist / wöllend wir sparen biß morn / yetz aber den Herren loben / vnd anrüeffen. Jm sey lob vnd ehr in ewigkeit / Amen.
17.Pr.Die Sibentzehende Predig.
Von dem ampt der Oberkeyt / was jhren zuostande zuo ordnen. Ob sie sich [auch] der Religion anzuonemmen vnd inn der selbigen etwas zuo ordnen gewallt habe. Demnach auch von jhren Satzungen.
GEster habend wir geredt von dem / was die Oberkeyt sey / wie mancherley gestalten der Oberkeyten vnd regierungen sygind / Wohar auch die Oberkeyt jren vrsprung hab / vnd von wz vrsachen wegen die selbig verordnet vnd eingesetzt sey / Deßgleich wie man die Oberen erwöllen / wer auch zuo disem ampt sölle erwölt vnd berüefft werden. Darauff wir nun yetz auch anzeigen wöllend / worinn eigentlich das ampt der Oberkeit stande / dann das dz gröst vnd höchst in der Oberkeit ist / dz stat inn der betrachtung jres ampts.
So mag nun das gantz ampt der Oberkeit in drü stuck geteylt werden / dann es stat in denen dreyen dingen / das sie ordne / richte vnd straffe. Von denen stucken wöllend wir einander nach reden. So vil das ordnen der Oberkeit belanget / so ist dasselbig nichts anders / dann ein ordnung vnnd anrichtung / dardurch die Religion / auch ehrsamkeit gerechtigkeyt vnd gemeyner frid erhalten werde. Vnd stat deßhalb das ordnen in zweyen dingen / Namlich / das die Religion vnd der gottsdienst recht geordnet vnd angericht werde / demnach auch gemeyner friden / ersamkeyt vnnd gerechtigkeyt. Ee wir aber von der ordnung vnnd anrichtung der Religion redind / so wöllend wir kurtz besehen dise frag / da man fraget / ob die religion auch die Oberkeyt antreff [angehe] oder nit / das ist / ob ein Oberkeyt in religions sachen etwas zuohandlen habe oder nit. Dann ich gsich das vil deß sinns sind [Denn ja gewiß / daß viel meinen] / das sie meynend / die religions sachen vnd ordnungen gehörind allein den Bischoffen zuo / vnnd nicht auch den Künigen Fürsten vnd anderen Oberkeiten. Da leert vns aber die waar [-] allgemeyn waarheyt / das die religions sachen sonderlich der Oberkeit zuogehörind / vnd das die selbige nicht nur mag [kan /] sonder auch sol vnd schuldig ist die religion anzuorichten vnnd zuo fürderen. Dann bey den alten / warend die Künig zuomal auch Priester / vnd vorstender der religion. Es wirt inn der heiligen geschrifft geprisen der fromm weiß vnd Gottsälig Fürst vnd Künig der Chananeer Melchisedeck / welcher auch vnserem Herren Jesu Christo ein vorbild vortragen hat [gewesen] / Diser was mitt einanderen Künig vnnd auch Priester. Also im vierdten buoch Mosis / als Josue yetz erwölt vnd verordnet was zuo einem Oberen deß volcks / da werdend gleich darauff gsatzte geben / die religion beträffend. So habend auch die Künig Juda / vnd die oberen deß volcks Gottes / grosses lob erlanget durch das ordnen vnd anrichten der religion / wie ich söllichs bald hernach mit vilen exemplen erleüteren wil. Dargegen müessend alle die da faul vnd hinläßig gewesen sind im fürderen vnd anrichten der religion / vnnd sich der selben nichts beladen habend / ewigklich deß in schmach vnd schand haben. Darzuo so ist nieman / der nit wüsse / das daß der Oberkeyt höchstes vnd fürnemstes ampt ist / das sie das gemeyn regiment in gemeynem vnd guoten wolstand erhalte. Söllichs mag aber nit sein / wenn sie nit verschaffet / das den jren das wort Gottes verkündet / vnd waarer gottsdienst bey jhnen angerichtet werde / vnnd sie also / als vil als ein dienere der waarenLXXXv. / 80b
religion ist. Jm dritten vnnd fünfften buoch Mosis erzellt der Herr nach der lenge / was guots denen bereitet sey / die von hertzen der waaren Religion anhengig sind / dargegen was straff vnd übels denen begegnen werde / die die religion verachtend. Nun wirt aber einer yeden guoten Oberkeit befolhen / das sie bey jren vnderthonen gmeynen wolstand fürdere vnd erhalte / vnd vnfal abwende / das kan aber nit sein / dann mit fürderung der waaren religion. Von welchem handel auch der aller weisest Salomon im buoch der weisen sprüchen also redt. Frombkeyt vnd treüw behaltend den Künig / vnd durch Gottsforcht bleibt sein stuol steiff. Jtem / wo fromb leüt regierend / da fröwet sich ein volck / wenn aber ein wüeterich regiert da seüfftzet es / Vnd / mitt billigkeit vnd gerechtigkeyt machet der Künig sein Reich vest / der aber das volck schätzt / der kerts vmb. Jtem wenn die gottlosen hinauffkömmend / so wachsend die laster / aber die frommen werdend jrem fal zuoschawen. Jtem / wo kein Göttlicher bericht ist / da wirt dz volck zerströwet / vnd wol dem / der das gsatzt haltet. Auß welchem wir sehend / das die nützit anders suochend dann zerrüttung aller dingen / vnd zerstörung der Oberkeit / vnd auch deß gmeinen mans / darzuo vndertruckung vnd verachtung der armen / die da kempffend vnd wöllend / die religion gange die Oberkeit nichts an. Dann über söllichs alles / so gebeütet auch Gott der Oberkeit / dz sie ein auffsehen hab auff die falsche leer / vnd auch die bey dem leben straffe / die da fräfenlich vnd verharrlich wider die heilig gschrifft leerend / vnd die menschen von Gott abziehend vnd abfüerend / wie du das heiter finst Deut. am xiij.[5] Capit. So verbeütet auch Gott der Oberkeit / dz sie keine wäld pflantze bey dem altar deß Herren / auch keine seül auffrichte / Deut. xvij [4]. Da bey dem mindern dz meerer verstanden wirt / namlich / dz sie kein aberglauben oder abgötterey anrichte / fürdere / pflantze usw. darinn er jren dann im gegenteyl auch gebeütet / das sie die waare religion fürdere. Auß welchem deßhalb allem volget / dz auch die religions sachen die Oberkeit antreffend / ich geschweigen erst dessen / das alle fromme vnd Gottsgeliebte Fürsten vnd Regenten deß volcks Gottes / sich ye vnd ye der religion beladen / als die jnen fürnemlich zuogstanden zuo fürderen zuo üeben vnd zuo verwalten / als vorstenderen der religion. Wie wir lesend vom Josue / der auff dem berg Hebal einen altar aufrichtet / vnd alles verbracht / wie das durch Mosen gebotten was. Also ist Dauid wunderbar fleißig gewesen in dem beleiten vnd stellen der Pundtsladen Gottes / vnd im ordnen vnd anrichten deß diensts deß Herren. Deßgleichen auch sein sun Salomon. So acht ich nit dz yemand syge der nit wüsse / was Abia / Josaphat / Ezechias vnd Josias gehandlet habind inn reformierung vnd widerauffrichtung der zerstörten vnd gefelschten religion. Es wirt auch inn den Heidnischen küngen vnd Fürsten glopt vnd prisen / das sie nach erkanter waarheit mandat habind lassen außgon zuo schirm der waren religion wider die schmäher der selbigen. Als Nabuchodonosor auß Chaldea / der aller gwaltigist Monarch der gantzen wält / da ich nit weiß ob ye ein fürträffenlicherer oder gwaltigerer gregiert habe / der ließ ein mandat außgon / das alle die zerstucket vnd jre heüser zuo sprachheüseren [stinckgruben] söltind werden / die da etwas schmächlichs rettind wider den waaren Gott / den schöpffer himmels vnd der erden / wie das stat Danielis am iij.[96] Capit. Also Darius der Meder der sun Assueri / deß künigs Cyri muoter bruoder / der gebot ein söllichs / Man sol im gantzen gebiet meines reichs (lautend die wort) den Gott Daniels förchten vnd wol vor augen halten / wie man das läsen mag Daniel. am vj.[26] Cap. Also ließ Cyrus der Persier Künig / die Juden ledig von jrer gefencknuß / vnd gebot jnen den Tempel widerumb zuo bauwen / vnd die religion auffzuorichten. Vnd Darius der Persier Künig / der sun Hystaspis spricht also / von mir ist sölcher befelch geschehen / Vnd welcher mensch dise wort veränderet / von deß hauß sol man einen balcken nemmen / vnd auffrichten / vnnd jhn
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daran hencken / vnnd sein hauß sol von deß wegen zum misthauffen werden. Vnnd gleich hernach gebeütet diser Künig (welcher auch Artaxerxes ist genennt worden) vnd schreibt an den Esdram also / Vnnd alle die nitt mitt fleiß thuon werdend das gesatzt deines Gottes / vnnd das gesatzt deß Künigs / die söllend jhr vrtheil vmb der that willen haben / es sey zum tod / oder außzuowurtzlen / oder zur buoß am guot / oder in die gefencknuß. Söllichs findt man alles in dem buoch Esdre.
Da sprächend aber nun yetzund / die do meynend die religions sachen gangind die Oberkeit nichts an sonder standind allein den Bischoffen zuo zeverwalten / dise yetz anzogne exempel gangind vns die wir Christen sygind nichts an / das sygind Jüdische exempel. Da antworten ich ein sölichs / probierend sie [Sie sollen beweisen] / das der Herr Jesus oder seine heilige Apostel / die fürsorg vnd anrichtung [anstellung] der religion der Oberkeit neißwan habind abgenommen / vnd allein den Bischofen auffgelegt vnnd befolhen / das werden sie aber nimmer mögen. Wir aber mögend vnd wöllend mit kurtzen worten probieren [-] vnnd bewären / das die gedachten alten Fürsten vnd Regenten deß volcks Gottes / als Josue / Dauid vnd andere / waare Christen gewesen sind / vnd das deßhalb jre exempel gältend / vnd wol mögend auff die Christenlichen Oberkeiten gezogen werden. Jch wil auch hernach die Prophecey Esaie hinzuo setzen / dz man darauß sehe / das auch noch auff den hüttigen tag in der kirchen Christi / aller Künigen vnnd Oberkeiten ampt ist / das auch der alten Küngen ampt / in der Jüdischen kirchen / wie sies nennend gewesen ist. Niemand ist der nit wüsse / das die für waare Christen zuo halten sygind / die mit dem geist Christi gesalbet sind / vnd theilhafft werdend der Sacramenten Christi. Dann Christus heißt so vil als ein gesalbter / darumb so heissend Christen die gesalbeten. Dise salbung ist nach der außlegung deß heiligen Apostels Pauli / der geist Gottes / oder die gab deß heiligen geists. Dz aber der geist Christi in den Propheten vnd in disen küngen gwesen sey / zeügt S. Peter gantz überflüßig. So spricht S. Paul gar heiter / dz wir mit den alten einen geist habind. Jtem er zeücht auch vnsere Sacrament vff die alten / da er spricht / Sie sygind getaufft vnder den wolcken / vnd habind alle von dem geistlichen felsen getruncken der hernach kam / namlich von Christo. Dieweil nun dem also ist / so gältend freylich vnd söllend gälten / die exempel der alten Küngen / sie standind dann inn worten oder wercken / die man zuo schirm deß glaubens vnd der liebe anzeücht. Wiewol ich darnebend wol weiß / dz darumb nit ein yetlich ding volget / ob man schon gleich vil exempel zuosammen zeücht. Wir habend aber hie über söliche exempel ein heitere vnd offenbare kundtschafft vnd vorsagung deß heiligen Propheten Esaie / der vorhin gweissaget vnd verkündet hat / dz die künig vnd Fürsten nach den zeiten Christi / vnd nach der eroffnung deß Euangelij / sich der kirchen Gottes treülich werdind annemmen vnd beladen / ja das sie werdind als vil als Ammvätter vnd Ammmüetern der glöubigen werden / das ist / sie neeren vnd erhalten / vnd als vil als jre vätter vnd müeteren sein. Dz könte nun mitt der warheit nit geredt werden / wenn die religions sachen vnd die verwaltung der religion die Oberkeiten vnd Fürsten nichts angienge / sonder allein die Bischoff. Die wort aber deß Propheten Esaie lautend also / Nemmend war / ich wil mein hand auffheben zuo den Heyden / vnd zuo den völckeren mein zeichen auffstecken / die werdend dir sün in der schoß bringen / vnd dir töchteren auff den achßlen herzuo tragen / dann die Künig werdend deine Ammvätter / vnnd jhre Künginen deine Ammmüetteren. Sie werdend vor dir mitt dem angesicht auff die erd fallen / vnnd den staub deiner füessen läcken usw. Welches wir erkennen müessend gnuogsamlich erfüllt sein in etlichen Christenlichen Fürsten vnnd Künigen. Vnder welchen zum ersten der fromm Keiser Constantinus / ein Synodum ließ zuosammen berüeffen / mittLXXXIv. / 81b
welchem er vnderstuond die war vnd recht leer Christi in der kirchen anzuorichten vnd zuo erhalten / Die falsch aber vnd kätzerisch außzuoreüthen. Er beschalt auch die bischöff selb gar hefftig / do sie nit auffrecht wandletend vnd handletend / nach der regel deß heiligen Euangelij vnd der liebe / vnd erzalt jnen die grausamme handlungen der tyrannen wider sie / die vor jm gewesen warend / vnd was grossen fridens Gott durch jn den kirchen verlihen vnd gäben hette. Zeigt auch an wie übel es stüende so sie / die bischöff / also Gott vndanckbar sein wöltind / vnd selbs ein anderen lestertind / vnd mit schmach büechlinen *byßind vnd vexiertind* [büssen] / mit welchen sie allen gottlosen götzendieneren ein fröud vnd glächter / vnd sich selb bey jnen zuospott machtind / so sie doch vil mee auß der heiligen gschrifft alle sachen handlen vnd zerleggen söltind. Dann er sprach / Wir habend die Euangelischen vnd Apostolischen büecher / deßgleich die geschrifften vnd weyssagungen der alten Propheten / die sollend vns leeren wz wir von dem heiligen willen Gottes halten söllind. Darumb lassend vns allen fyentlichen zanck vnd streyt hindan legen / vnd auß den von Gott yngegebnen worten zerlegung diser fragen mit vnseren hertzen vnd gemüeteren nemmen vnd schöpffen.
Dahär dienet auch dz die frommen keiser / Gratianus Valentinianus vnd Theodosius auff dise meinung gebotten habend / nammlich / Wir wöllend dz alle völcker / so vnder vnser gnaden regierung vnd verwaltungen sind / in der religion wandlind vnd läbind / die der heilig Apostel Petrus den Römeren angäben hat / wie dann sölichs vnser religion so von jm biß auff vns här kommen außweyßt usw. Jn welchem ewer lieb sicht / wie die künig vnd Fürsten deß volcks im neüwen testament der kirchen Ammvätter vnnd Ammmüeteren gewesen seyend / vnnd gehalten habind das die sorg der religion sonderlich jnen zuogehöre vnd zuostande. Da werffend sie vns aber entgegen den außsatz Osie deß künigs Juda / welchen er überkam von wegen dessen / dz er dem priester in sein ampt griffen / vnd röuchwerck auff dem rouchaltar auffopfferet vnd anzündt hatt. Jtem sie werffend für das gebott / da Gott den Josua hieß vor dem priester Eleazar ston. Jtem das dem künig befolhen wirdt / das er das buoch deß gesatztes von den Leuiten empfahe. Aber vnsere disputation dienet nicht dahin [vnser meinung ist nicht] / das wir wöllind das die ämpter vnd ständ der oberkeit vnd der dieneren der kirchen confundiert [-] vnnd vermischt söllind werden / das nammlich der künig predige tauffe oder deß Herren Nachtmal zuo diene / oder das dargegen der priester zuo gericht sitze vnnd vrtheile vber den todschleger / oder mit recht vnnd vrtheil die eusseren spän der menschen zerlegge vnnd entscheide. Dann es hatt die kirchen Christi hierinn vnderscheidne ämpter / vnd behaltet auch die selbigen in jren vnderscheid / darzuo so ist auch Gott ein Gott der ordnung / nit der confusion [-] vnd vnordnung. Sonder dahin reicht vnsere disputation [ist alles gerichtet] / dz wir erzeigind vnd bewysind vor menigklichem / das es der oberkeit von ampts wegen zuostande / sich der religion annemmen / einstheil also / dz die selbig so sie zuo scheiteren gangen wäre widerumb auffgerichtet / anderstheils das die auffgerichtet / auch in jrem wäsen erhalten vnd nach der regel deß worts Gottes geüebt vnd braucht werde. Dann darumb ward das gesatzt Gottes durch die priester den künigen in die händ gäben / damit der künig den willen Gottes in eüsseren vnd auch in kirchen sachen wüßte / vnd nach dem selben alle ding verhandlete vnd regierte. War ist es / das Josue der Hertzog vnd füerer deß volcks Gottes für Eleazar den priester gestelt ward. Aber man findt dargegen das auch er den priesteren gebott geben hatt. Vnd werdend also in jm als vil als beide personen / eins kirchen dieners vnd eins oberen in einen leib zemmen gfüegt. Dem oberen wirt befolhen dz er den kirchendiener höre / dargegen sol auch der kirchendiener dem oberen volgen in allen denen dingen / die im gesatzt gebotten sind. Deßhalb so ist die oberkeit vonn Gott den priesteren oder dieneren der kirchen / nicht als herren / sonder als dieneren deß Herren Gottes / vnndLXXXII. / 82a
deßhalb vil mer also Gott selb vnnd seinem gsatzt vnderworffen / welchem die diener der kirchen gleich als wol als die oberen vnderworffen sind. Dann so die läfftzen deß priesters dz wort Gottes nit redend / vnd er nur mit dem nammen ein priester ist / so sol jn auch keiner auß der gantzen gmein hören noch vor augen haben / ich wil gschweigen der Fürst oder Ober. Malachias spricht / Die läfftzen deß priesters söllend mit wüssenheit vnd kunst berichtet [begabet] sein / dz man dz gsatzt von seinem mund frage / dann er ist ein bott deß Herren der herrscharen. Söliche priester nit wöllen hören die also sind / ist als vil als Gott selb verwerffen. Vnd sölichen priesteren sind die frommen Fürsten in Jsrael allweg beholffen vnd berathen gewesen. Aber falsche pfaffen habend sie abgstossen vnd entsetzt / auch bescholten so sie etwan jr ampt liederlich versahend. Sie habend auch darbey etwan ordnungen vnd gsatzte gemacht von den ämpteren wie die recht vnd ordenlich söllind versehen vnd verwalten werden.
Also stat vom Salomon geschriben. Vnd Salomon verstieß den Abiathar das er nit priester wäre deß Herren / auff dz er erfüllete dz wort deß Herren / dz er über dz hauß Eli geredt hat zuo Silo / vnd Zadock den priester satzt der künig an die statt Abiathars. Vnd im ij. buoch der Chronicken am viij. cap.[2.Par.8.14] lißt man auch also von jm. Vnd Salomon stellet die priester in jrer ordnung zuo jrem ampt / wie es Dauid sein vatter gesetzt hat / vnd die Leuiten vff jre huot / zeloben vnd zedienen vor den priestern / yetliche vff jren tag. Vnd im selbigen buoch stat wol auch von Joiada dem priester / dz er den künig Joas gesalbet habe vnd ins Reich gesetzt / Es stat aber auch dargegen / dz der künig den priester beschickt habe vnd jm befelch geben / die stür einzuoziehen vnd den tempel zeerneüweren. Also stat vom frommen vnd Gottsäligen Künig Ezechia / das er die Priester vnd Leuiten beschickt habe / vnd gesprochen / hörend mir zuo jhr Leuiten / heiligend eüch nun / das jhr heiligind das hauß deß Herren eüwerer vätteren Gotts / vnnd thuond herauß den vnflat auß dem heiligthumb. Jtem / Nun meine Sün / sind nit hinläßig / dann eüch hat der Herr erwölt / das jr vor jhm ston söllind / vnnd jm dienen. Vnd gleich hernach stat auch / das er sie geheissen hab opfferen auff dem Altar deß Herren. Jtem das er habe geordnet sänger in dem hauß deß Herren / die auch auff Jnstrumenten spiltind im Tempel. Deßgleich so stallt er auch die Priester vnd Leuiten in jre ordnungen / einen yegklichen nach seinem ampt. Jtem er verordnet den Priesteren jre theil vnd besoldungen / vnd ließ jnen die durch andere darzuo verordnete Priester außteilen. So beschreib er auch alles volck in Jsrael vnd Juda / das sie kämind zum hauß deß Herren gehn Jerusalem den überschritt zuo halten dem Herren dem Gott Jsraels. Deßgleich schreib er gar herrliche brieff / als ob er gleich selb ein Priester gewesen were / an alles volck / mitt denen er sie zur waaren Religion vnd zur buoßwürckung vermanet. Auff welches alles sammen zuo letst von jm also geschriben stat. Also thet Ezechias im gantzen Juda / vnd thet was guot / recht vnd waarhafftig was vor dem Herren seinem Gott. Vß dem allem nun volget / dz so die Oberkeiten die religion verordnend vnd anrichtend nach dem wort Gottes / dz sie Gott ein wolgfallen daran thuond. Dergleichen wirt auch vom frommen vnd gottsäligen künig Josia gmäldet. Derhalben niemant mit grund sagen kan / dz die sorg vnd verwaltung der religion allein den Bischoffen zuoghöre. Also habend auch die Christenlichen Keiser dise exempel der yetzgemälten vralten küngen vnd Fürsten als jrer vätteren für sich gsetzt / vnd jnen nachgfolget / vnd habend deßhalb die religions sachen in der kirchen Christi zum fleißigsten vnd höchsten gefürderet vnd sich deren angenommen. Arcadius vnd Honorius schreibend recht / dz so von der religion etwz zehandlen sey / so gebüre es sich dz die Bischof sölichs thüegind. Noch so habend Gratianus Valentinianus vnd Theodosius vor jnen auch ein Göttliche satzung gmachet / in deren sie sich gegen aller welt erklärt habend / wz religionLXIIv. / 82b
vnd glaubens sie wöllind von jederman angenommen vnd gehalten werden / nammlich die leer vnd den glauben Sanct Peters. Jnn welchem mandat sie auch für kätzer erkennend vnnd declarierend / alle die darwider haltend vnnd leerend / für Catholisch aber vnd recht glöubig alle die / so inn dem glauben S. Peters verharrend. Auß welchem wir sehend / das es wol eigentlich den dieneren der kirchen zuostadt von der religion vnnd vonn dem wort Gottes zuohandlen / darnebend aber das es auch der oberkeyt vnnd den Fürsten gebürt / das sie den dieneren inn sölchem beholffen seyend / vnnd die waar religion schirmind vnd fürderind. Vnd sonderlich wo die diener hinleßig sind oder jhr ampt nicht thuond / da ist dann eigentlich der oberkeyt ampt / das sie es inn ordnung wider bringe / vnd in der religion handle / nach lauth vnd fürschrifft deß worts Gottes. Dann also schreibt der keiser Justinianus inn seinen nouellis Constit. 3. an Epiphanium den Ertzbischoff zuo Constantinopel. Wir habend in einer gemeinen satzung / von der erwellung vnd ordnung der heiligen Bischöffen vnd eerwirdigen priesterschafft / geordnet alles das / das vns bedunckt Eerlich vnd zierlich / vnd den heiligen reglen vnd ordnungen gleichförmig sein. Vnd in der 7. constit. spricht er / wir wöllend vnd gebietend / das kein Bischoff in allen landen vnsers Reichs vnd gebiets gewalt habe / etwas was nitt farende haab ist / zuo veränderen / es seye inn den heüseren oder güeteren / so den kirchen zuogehörig sind. Jtem constit. 57 verbeütet er das man die heiligen Sacrament inn besonderbaren [eigenen] heüseren nicht üeben noch brauchen sölle vnd setzt die straff darauff / das wo sölichs beschähe / so söllind die heüser inn denen sölichs fürgange publiciert vnd deß keisers schatzkammer verfallen sein. Vnd constit. 67. Gebeütet er allen Bischöffen / das sie bey jhren kirchen bleibind / vnnd so sie das nicht thüegind / so söll jnen kein einkommen oder besoldung von den vögten vnd amptleüthen gegäben / sonder es söllind söliche güeter sonst an der kirchen brauch vnd notwendigkeit verwendet werden. Also gebeütet er auch constit. 123 den landtvögten hin vnd wider / das wo die Bischöff wurdind seümig sein / so söllind sie die Synodos zemmen berüeffen / vnd die kirchen ordnungen üeben vnd hanthaben. Vnd bald hernach spricht er weiter / Wir verbietend auch allen Bischöffen vnd priesteren / auch allen clericis was stands vnd wäsens die jmmer sind / das sie nicht auff der tafel spilind / Oder sich gesellind zuo denen / die sölich spil brauchend / jhnen auch nicht zuosähind / deßgleich auch zuo keinem anderen spectackel zuo zuosähen gangind. Das sind alles gedachtes keisers ordnungen. Welche ich nicht anzeüch als seyend sie heilige gschrifft / sonder allein als anzeigungen inn denen wir dennocht sehend / das die Christenlichen Fürsten vor zeyten den gewalt den brauch vnnd die gewonheit gehabt habend / das sie den Bischöffen fürgeschrieben / gebott geben / vnd ordnungen die religion beträffend in der kirchen Christi gemacht habend. Wie jnen dann sölichs (nach der weyssagung Esaie) von Gott nachgelassen / vnd durch die exempel der alten vorbildet was.
Die aber jetzund hie die priuilegia Ecclesiastica das ist der kirchen freyheiten fürwerffend / die söllend wüssen das keinem Fürsten oder keiner oberkeyt / ja gar keinem menschen nachgelassen ist iemand söliche freyheiten zuo gäben / die da mit dem gebott vnd der warheit deß worts Gottes streyttend. S. Pauls spricht / Jm seye macht gegeben zur auffbauwung nit zur zerstörung. Jch geschweig erst dz söliche leüth / auch zimmlicher vnd billicher freyheiten nit wärt sind / die wol bischoff vnd diener Christi genent werdend / aber nichts minders sind / sonder sind kriegßleüth darfür / vnd behafftet mit vilen lasteren. Von denen man lißt im geistlichen recht (wie mans nent) Distinct. 40. vnder anderem also / Sehend zuo lieben brüeder / wie jhr auff dem stuol sitzind / Dann der stuol macht nit den Bischoff / sonder der Bischoff macht den stuol (verstand zuo einem bischofflichen stuol) das ort macht denLXXXIII. / 83a
menschen nit heilig / sonder der mensch das ort. Nicht ein jeglicher priester ist heylig / sonder ein jeder heiliger ist ein priester / wär recht auff dem stuol sitzt / der empfacht die eer deß stuols / wär vnrecht darauff sitzt / der schmächt den stuol. Vnd darumb so erlanget ein priester der sich übel haltet / von seinem priesterampt kein wirdi / sonder nichts dann schand vnnd laster. Das sey nun bißhär von disem stuck geredt.
Nach dem vnd wir aber nun ewer lieb anzeigt habend / das die sorg vnd verwaltung der religion nit nur den Bischöffen sonder auch der oberkeit zuostande / vnd das auch die oberkeit satzungen mache vnd machen möge in religions sachen / so wöllend wir nun volgends auch besehen was das für satzungen seyend / die ein oberkeyt also in religions sachen machen mag. Dann es sol hie kein künig oder oberkeit vermeinen / das jren gewalt geben seye neüwe satzungen zuomachen / von Gott / vom dienst Gottes / von Sacramenten / was waar vnd guot / oder was nit waar vnd nit guot seye. Dann wie ein jede oberkeit von Gott geordnet / vnd Gottes dienerin ist / also sol sie auch Gott vnd seinem wort gehorsammen / vnd auff das allein sehen / an dem allein hangen. Dann die heilig geschrifft die das wort Gottes ist / leert vns gnuogsam alles das zur waaren religion gehört. Darzuo gebeütet Gott dz man jm zuo seinem wort nichts thüege / auch nichts daruon nemme. Deßhalb so gebürt es keiner oberkeit neüwe satzungen zuomachen von Gott oder vom dienst Gottes / sonder ein oberkeit sol die alten gebott vnd satzungen die Got selb gemachet hat / mit höchster andacht vnd Gottsforcht auffnemmen vnd hanthaben / vnd die bey dem volck vnd bey dem reich das jren Gott befolhen vnd gegeben hat / fürderen / applicieren [brauchen] / vnd ins werck bringen. Darumb ward den künigen Jsraels das buoch deß gesatzts Gottes gäben / das sie auß dem selbigen ein regel nämind alles das zuo handlen / das dann jr ampt erforderet. Vnd also sprach auch Gott zum Josue / luog [Sihe] das du haltist vnnd thüegist aller ding / nach dem gesatz / das dir Mose mein diener gebotten hatt / weych nicht daruon / weder zur rechten noch zur lincken / auff das du weyßlich handlen mögist wo du hingast / vnnd laß das buoch dises gesatztes nicht vonn deinem mund kommen / sonder *besprach vnd ertracht* [erforsche] dich darinnen tag vnnd nacht / auff das du haltist vnd thüegist aller dingen nach dem das darinnen geschrieben stadt / vnd denn so wirdt dir gelingen in deinen wägen / vnnd wirst weyßlich faren. Von deß wegen haben alle frommen vnd Gottsförchtigen Fürsten vnd oberen mit höchstem fleyß vnd gröster treüw dahin gearbeitet / das sie möchtind die predig deß worts Gottes / auch die satzungen / breüch vnnd ordnungen Gottes / vnder das volck bringen / vnnd sie bey dem selbigen erhalten / ja auch sölichs vnder andere alle außbreiten / vnd nach gelegenheit jeder zeyten vnnd orten accommodieren [brauchen] vnnd ins werck bringen / vnnd darnebend falsche leer / falsche Gottsdienst vnd lesterungen abschaffen vnnd außreütten. Also sprich ich / habend die frommen oberkeiten Christenliche satzungen vnd ordnungen in religions sachen gemachet vnnd geordnet / Also habend sie sich der religion mit trewen vnd ernst angenommen. Also warend vor zeiten die Leuiten stett in Jsrael / schuolen / welche stett Josue gar eigentlich absünderet vnd verordnet dz man da studierte / vnd Gottseligkeit da pflantzet wurde. Also wz Ezechias nit minder sorgfeltig / dz die pfrüenden vnd besoldungen der dieneren recht geordnet / vnd widerumb in gang bracht wurdind / dann er wz im reformieren vnd wider auffrichten der ämpteren selbs. Dann kunst wil geeret sein / vnd armuot erdenckt vil böses vnd machet auch / dz alle Göttliche ding / (ich gschweig die vnstandhafft zungen deß menschen) feil werdend. Also schickt Josaphat mit den priesteren vnd leereren / auch seine Fürsten vnd räth hinumb in dem gantzen reich / dann er suocht in allwäg dz daß wort Gottes mit grossem ansehenLXXXIIIv. / 83b
vnd wirde verkündt / vnd dannenthin auch geschützt vnd geschirmpt vnd inn guoten wercken außtruckt wurde. Jtem der künig Josias thet mit sampt aller abgötterey vnd falschem Gottsdienst auch die falschen Propheten ab wäg / vnd satzt die rechten vnd waaren leerer deß worts Gotts wider yn / vnd richtet den rechten waaren Gottsdienst wider auff. Gleich wie auch der künig Joas die Leuiten beschalt / vnd die zergangnen [eingefalne] beüw deß tempels wider erneweret. Der exemplen sind vil / die ich nit alle mag erzellen. Es wölle aber ein jeder frommer Fürst vnd oberer / bey disen wenigen exemplen lernen / wie vnd was er in der religion ordnen sölle vnd möge. Dargegen aber habend wir andere exempel deren die das widerspil gehandlet. Als Jeroboam / der hat vom Propheten Ahia dem Siloniter ein sölche meinung gehört. Also spricht der Herr / sihe ich wil dich nemmen das du regierist über alles wz dein hertz begärt / vnd solt künig sein über Jsrael. Wirst du nun volgen allem das ich dir gebieten wird / vnd inn meinen wägen wandlen / vnd thuon was mir gefalt / dz du haltist meine sitten vnd gebott / wie mein knecht Dauid gethon hatt / so wil ich mit dir sein / vnd dir ein bestendig hauß bauwen. Aber er verachtet dise grossen verheissungen Gottes / vnd warff hin das wort Gottes / vnd den tempel deß Herren zuo Jerusalem / vnd den rechten dienst Gottes / auch die Leuiten selbs / vnd machet jm priester auß den geringsten deß volcks / buwet newe tempel / zieret oder (recht zuo reden) gschendet vil mee die selbigen mit götzen vnd bilderen / vnd richtet an vnd opfferet opffer / die im wort Gottes nit gelert noch gebotten warend / vnd erdacht also ein newe religion vnd einen newen Gottsdienst. Vnd wiewol er in dem allem wolt gesehen sein als eerete er Gott / so wirt er doch darumb vonn Gott als ein gottloser gescholten vnd verdampt. Dann merck eigentlich was vrtheil der mund deß Herren selb über jn spricht / dann also sagt Ahia zuo jm auß geheiß vnd befälch deß Herren / Du hast übel gethon über alle die vor dir gewesen sind / dann du bist hingangen / vnd hast dir andere götter gemachet / vnd gegossne bilder / das du mich zuo zorn reitztist / vnd hast mich hinder deinen rucken geworffen / Darumb sihe / ich wil vnglück über das hauß Jeroboams füeren / vnnd außreütten an dem Jeroboam / auch den der an die wand bruntzet / den verschloßnen vnd verlaßnen in Jsrael / vnd wil die nachkomnen deß hauses Jeroboams außfägen / wie man dräck außfäget / biß es gantz mit jm auß seye usw. Welchs alles von wort zuo wort an jm erfüllt sein die heilig geschrifft mit disen worten zeüget / Als Baasa künig was / schluog er das gantz hauß Jeroboams / vnd ließ nichts über von allem dem das den athen hatt usw. Also gieng es hernach auch disem Baasa selb / dann do er sich an disem grausamen vnd erschrockenlichen exempel seines vorfarens nit stieß / vnd nit besser oder witzig drab ward / sonder fürfuor die frembd vnnd dem wort Gottes widerwertig religion / so vonn Jeroboam erdacht vnnd angefangen was / zuo hanthaben / dem volck anzuogeben / vnnd dasselbig darzuo zuo halten / do ward auch jhm vonn Gott durch die predig Hanani deß Propheten ein sölichs verkundet / dieweil ich dich auß dem kat erhaben hab / vnnd zum Fürsten gemacht über mein volck Jsrael / vnnd wandlist in dem wäg Jeroboams / vnnd machist mein volck Jsrael sündigen / das du mich erzürnist durch jhre sünd / sihe so wil ich die nachkomnen Baasa / vnnd die nachkomnen seines hauses außreütten / vnnd wil dein hauß setzen wie das hauß Jeroboams deß suns Nebat. Welches auch die geschrifft anzeigt geschehen sein / durch Simri den obersten väldherren / welcher den künig Hela den sun Baasa / als er truncken vnd voll was / überfiel / vnd mit sampt dem gantzen hauß vnd allen nachkomnen Baasa außreüttet. Auff den kam ins reich Amri der vatter deß gottlosen buobens deß Achabs welcher von Syreren in einer schlacht vmbkam. Auff welchen seine sün Ochosias vnd Joram regiertend. Dieweil aber auch die selben die waar religion
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die im wort Gottes angeben wz verliessend / vnd der küngischen aber nüwen tradition vnd auffsatzung Jeroboams nachuolgetend / vnd über das als sammen auch den dienst deß schantlichen götzens deß Baals auffgericht hattend / da wurdend sie im grund außgereütet durch den strengen aber gerechten Fürsten den Jehu. Vnd hat also das geschlächt Amri geregiert ongfar auff die xl. jar / mit vergiessung vil vnschuldigs bluots / Aber wie die maß jres gottlosen läbens voll ward / sind sie also auß gerechtem vrtheil Gottes im grund außgereütet worden. Auß welchen erschrockenlichen exemplen alle Fürsten vnd oberkeiten lernen söllend / das sie sich hüetind vor newerungen der waaren religion / vnd das sie den rechten Gottsdienst / vnd die alten breüch die Gott selbs yngesetzt vnd befolhen hat nit änderind. Dann es hat vnser trewer vnd güetiger Gott / die waar religion vnd den rechten Gottsdienst in seim wort volkommen gantz vnd einfaltig außtruckt vnd fürgeschriben / vnd den allein vnd zuo allen zeyten den menschen zuohalten befolhen vnd angäben. Darumb jederman ob dem halten soll / vnd darbey sterben / welcher ächt [-] ewig bey Gott läben wil. Dann es werdend alle die von Gott gestrafft / die zuo oder von der religion vnd dem Gottsdienst / den er yngesetzt hat / etwas thuond. Das merckend wol jr Fürsten vnd oberen alle / dann auß disem stuck entstat alles glück vnd auch alles vnglück. Darumb wär oren hat zuo hören der höre. Lasse sich niemand durch guote meinung / die aber im grund ytel vnd wider Gott ist verfüeren. Gehorsamme ist Gott vil angenämer dann opffer / so dörffend auch Gottes ordnungen vnserer zuosätzen nichts.
Auff sölichs volget aber nun das ander stuck / darinn der oberkeyt ordnungen ston söllend / nammlich das eersammkeyt vnd grechtigkeit / auch gemeiner frid / recht geordnet vnd angericht wärdind. Welches abermals durch guote vnd billiche satzungen geschicht vnd zuogadt. Wiewol etlich sind die da vermeinend es seye tyrannisch gehandlet / so man leüthen die frey sind satzungen aufflege / gleich als joch [ein joch] / man sölle vil mee einen jeden lassen handlen nach seinem willen vnd wolgefallen. Es spricht zwar Paulus das gesatzt seye dem gerechten nicht gäben / sonder dem vngerechten / Aber wir müessend mercken / dz darumb dem gerechten das gesatzt nit gäben ist / darumb das er gerecht ist / dann ein gerechter würckt die gerechtigkeit / vnd thuot von jm selber / dz sonst das gesatzt von einem jeden menschen erforderet. Darumb so ist dz gesatzt keinem gerechten beschwerlich / dann es vergleicht sich mit dem hertzen vnd dem gemüet deß gerechten / vnd deß gerechten gemüet nimpt sölichs begirlich vnd mit fröuden an. Ein vngerechter aber / der thete gärn wz jn gelustete / vnd ist deßhalb dem gesatzt in allweg zuowider gesinnet. Darumb muoß man jn mit gesatzten zwingen / damit er weder jm selbs noch ander leüthen schedlich seye. Auß dem allen volget nun / das dieweil guote gesatzt den frommen nit beschwerlich sind / sonder vil mee lieb vnd angenem / vnd dargegen aber auch von wegen der vngerechten notwendig sind / vnd geben werdend damit man die selben paschgen [im zaum halten] möge / dz sie deßhalb menigklichen nütz vnd guot vnd keins wegs zuo verwerffen seyind. Voruß dieweil Gott der vorhin gwüßt wie die menschen sein wurdind / vnd der der waren freyheit günstig ist / vnd begärt dz die vnder seim volck erhalten werde / vnd der da nützit vergäblich oder vmb sonst thuot oder fürnimpt / selbs ein gesatzt geben hatt / vnd kein volck nie gar on gesatzt hat lassen läben. Zuo dem so sind auch je vnd je die regiment glückhafft vnd sälig gewesen / welche guote gesatzt habend angenommen / vnd sich von denen lassen regieren. Vnglückhafft aber vnd vnsälig sind alle die gewesen / vnd durch krieg vnd auffruor zerrüttet worden / die guote gesatzte verstossen / vnd verachtet / vnd also jre freyheit / jr eigen wolgefallen / vnd jren willen / dz ist jren vihischen muotwillen vnd grobheit habend wöllen erhalten. Darumb so sind guote satzungen heilsam vnd notwendig / zuo erhalten frid vnd wolstand eines jeden reychs oder regiments. Vnd ist zuo verwunderen / das etliche Christen so toll vnnd vnsinigLXXXIIIIv. / 84b
sind / das sie gern aller gesatzten ab [loß] werind / so doch die Heiden gar eerlich von den selbigen gehalten habend. Dann sie habend jhre gesatztgäber für Gott gehalten / vnd damit bezeüget / das sie bekennind das guote satzungen ein gab Gottes seyend. Kein gab Gottes aber kan vnnütz oder vergeben sein. Plutarchus nent die gesatzt / der stetten läben. Demosthenes bekennt heiter / das die gesatzt gaben Gottes seyend. Cicero nents / band der burgerschafft (als die on gesatzt ein zerlumpet vnd zerströwt ding sein wurde) Jtem grund veste der freyheit vnd billigkeit / vnd brunnen der erbarkeyt. Vnd sind auch in der warheit die gesatzt / die stercksten krefft eins jeden regiments / vnd als vil als seelen vnd läben der oberkeyten. Dann weder die oberkeiten ohn gesatzt recht läben vnd regieren mögend / noch die gesatzt jr läben vnd würckung oder stercke haben ohn die oberkeyt. Vnd ist deßhalb also ein oberkeit als vil als ein läbendig gesatzt / das gesatzt aber ist als vil als ein stumme oberkeit. Durch den brauch vnd das hanthaben werdend die gesatzt läbendig / vnd redhafft. Das verstond die oberkeiten nicht / die do sagen dörffend / Wir sind das recht / welches sie also verstond / das sie nach jhrem gefallen vnd muotwillen mögind gebieten was sie wöllind / vnd das sölle vnd müesse von stund an von jederman als ein gesatzt angenommen werden. Welches on alles widersprächen gar tyrannisch ist / vnnd dem gleich / das der Poët spricht / Sic uolo, sic iubeo, sit pro ratione uoluntas, das ist / So wil ichs haben / so muoß es sein / Es ist rechts gnuog der wille mein. Es ist zwar ein oberer als vil als ein läbendig gesatzt / Ja so verr sein gemüet dem geschribnen gesatzt gehorsam ist / vnnd dem gesatzt der natur nicht widerstreitet. Vnnd wirdt deßhalb alle oberkeyt vnnd alle herrschafft den gesatzten vnderworffen. Dann wenn eines oberen gemüet mit dem gesatzt nicht stimpt / vnd ein oberer das gesatzt nicht im hertzen geschrieben hat / vnd das selbig haltet vnnd außtruckt in worten vnd wercken / so ist er auch nit ein redlicher man zuo nennen / ich geschweig ein Fürst oder oberer. Dargegen so ist aber auch ein guoter Fürst vnd oberer gewaltig über die gesatzt / vnd als vil als ein meister der gesatzten / Nitt das er die selben möge mit füeßen trätten / auffheben / durchthuon / machen vnnd widerumb brechen / sonder darumb / das er die selben vnder dem volck üeben / vnd nach gestalt der sachen auff die händel ziehen / vnnd also die selbigen außlegen / leiten vnd regieren mag.
Darumb so jrrend vnd fälend die übel / die da meinend / sie mögind guote satzungen gantz vnd gar auffheben vnd durchthuon / vnd läben wider alles billich vnd rächt / von wegen etlicher freyheiten vnnd priuilegien / die man hatt vonn keiseren vnd künigen / die den oberkeiten zuo lassend / das sie etwan zun zeyten mögind die satzungen meeren minderen vnnd änderen usw. Dann wie es keinen keyseren oder künigen zuogelassen ist / söliche priuilegia oder freyheiten jemand zuo gäben / die da mit dem dz Göttlich billich erbar vnd rächt ist streytind / Also / ob sie schon gleich iemand etwz sölichs gäbind vnd schancktind / so sols doch von eerlichen leüthen nit als ein schäncke vnd guothat erkent vnd angenommen / sonder vil mehr für ein verderbnuß / wie es dann warlich ist / vnd für ein übelthat gehalten werden. Es bleibt allweg bey allen völckeren / vnd zuo allen zeyten die substantz vnd das gemüet der gesatzten von der ersamkeit / gerechtigkeyt vnnd vom gemeinen friden vnuerwent. Jn den vmbstenden aber beschicht allein etwan änderung / da wirdt die außlegung gebrucht nach notturfft vnd gestalt der sachen / wie die billigkeyt vnd gerechtigkeyt das ertragen mag. Als namlich / Es ist ein satzung das niemand den anderen töde / wers thüege / der sölle auch getödet werden. Die satzung bleibt allweg / vnd ist vnwandelbar / vnnd zimpt sich nicht zuo keinen zeyten / das die von jemand brochen vnd auffgehebt werde. Die scherpffe aber diser satzung mag wol gemilteret vnnd die satzung kommlichLXXXV. / 85a
außgelegt werden / namlich so yeman den anderen ongfärt / vnd nit mit fleiß / nit vß neid oder hassz vmbbrächte / der jm sonst überauß lieb / vnd den er theür widerkauffte vnd vergulte / so es yenen müglich were. Ein sölicher ist yetz nit zuo töden / *vnd dispensiert deßhalb vnd mitlet hie ein Oberkeit in der scherpffe diser satzung* [vnd derhalben sol eine Oberkeit hie nicht mit strengigkeit deß Gesetzes handeln]. Dargegen ist dann einer / der den anderen lang vnd hefftig gehasset hat / vnnd bringt jn zeletst vmb / doch auch vnder dem schein als ob es ongfert gschehen sey / hat aber lang anlaß gsuocht / damit er der sach ein schein möcht machen als obs ongfärt zuogangen wäre. Jn einem sölichen fal / da kan yetz ein Oberkeit nützit an der satzung änderen / sonder ist schuldig den zuo töden / den das gmüet vnd der sinn deß gesatztes heißt töden. Dergleichen exempel möcht ich auch andere mer anzeigen / *aber ich fleiß mich so vil müglich / dz ich eüwer lieb nit mit verlängerung überlägen sey* [aber solches geschehe mit verlängerung der zeyt]. Vß dem aber dz bißhar gredt vnd disputiert [angehört] ist worden / ist offenbar gnuog / dz die gsatzt an jnen selbs guot vnd jmmerwärend sind / vnd wie ferr sie aber darnebend zuolaßind der Oberkeit mäßigung / milterung / vnnd außlegung nach vermög der billigkeit / damit nit nach dem gemeinen spruch summum ius summa iniuria das ist das höchste recht die höchste vnbilligkeyt werde.
*Nach dem ich aber nun anzeigt / dz die gsatzte guot / nutz vnd notwendig / auch ewig sygind / so* [Auff diß] muoß ich volgends auch mälden / wz für gsatzt ein Oberkeit fürnemlich brauchen sölle vnd möge / damit sie also / erbarkeit / gerechtigkeit / vnd gmeinen friden nach vermög jres ampts auffrichten vnd erhalten möge. Etliche sind der meinung gwesen / ein Oberkeit sölle kein gschribne gsatzt brauchen / sonder allein nach natürlicher billigkeit / vnd nach notturfft vnd gelegenheit der zeiten der personen vnd der sachen selbs / vrteilen / wz sie billich vnd recht sein erkennen möge. Andere dargegen vnderstond allen Reichen / regimenten vnd landen / die gerichtssatzungen Mosis auffzuotrucken. Etliche aber schlahend dise gar auß / vnd brauchend nichts / dann was auß den satzungen der Heydnischen Fürsten gnommen ist. Dieweil aber die so an der Oberkeit sind / eintweders guot oder aber böß leüt sind / vnd darnebend auch guot lüt etwan / bösen begirden / zorn / hassz / gunst / schmärtzen / forcht vnd andern anfechtungen vnderworffen sind / so luogind die [so sehen die zu] / wäm sie das regiment zuo regieren befälhind / die alle gschribne recht vnd satzungen verwerffend / vnd also wöllend dz ein jeder der an der Oberkeit ist / allein nach seim guotdüncken vrteile. Wirt nit dz regiment also als vil als eim vnuernünftigen thier vnderworffen? Jch geschweig erst so böse menschen an der Oberkeit wärind / da einer dem teüfel selb also zereden dz reich vnderwurffe / der es so schantlicher vnd lasterhafften leüten erkantnussen vnd guotduncken befälhe. Ja sprächend sie / wir wöllend aber / dz sie vrteilind nach der natürlichen billigkeit / nit nach dem muotwillen jres zerstörten gmüets. Sag du wz du wöllist / sie werdend dich wol sagen lassen / aber darnebend nit anders vrteilen dann nach dem muotwillen jres zerstörten gmüets / vnd so man sie darumb wirt wellen schälten / so werdend sie sagen / sie habind nach der natürlichen billigkeit gevrteilet / werdend auch sprächen / sie können nit anders vrteilen / oder die sach anderst verston / dz duncke sie dz best das sie erkennt habind / vnd habind hierinn nützit wider jr gwüßne gehandlet / vnd werdend dich mit recht für nemmen / wenn du jr vrteil wirst vnderstan zeschälten. Also wirt aber der gerecht zegrund gon / vnd alle vihische anfechtungen [affecten] mit sampt den lasterhafftigsten [schnödesten] leüten regieren. Vnd ob wir schon gleich zuogäbind / dz nichts dann guot vnd fromm leüt an die Oberkeit geordnet wurdind / so werdend doch die vngleichen vrteilen vnd meinungen vil jmmerwärends zancks vnd spans bey jnen erwecken. Darumb so wir es alles bedenckend vnd erwegend / so ist nützit bessers / dann das man geschribne satzungen brauche. Vnd das sol vns auch das exempel vnsers einigen ewigen höchsten vnd allein weisen Gottes leeren / der also auch seinem volck / dz er jm zum eigenthumb erwellet hat / geschribne gsatzt hat geben. Die OberkeitenLXXXVv. / 85b
werdend sonst noch zeschaffen gnuog haben mit entscheiden / vnd dz sie die sachen auff die satzungen richtind vnd ziehind / vnd bedenckind wie ferr sie sich mit denen vergleichind oder nit / wer die selben überträtten habe oder nit usw.
Jm gsatzt Mosis aber / besonders im gsatzt der gerichtßhändlen / ist vil dings / dz besonders vnd eigentlich auff dz Jüdisch volck gerichtet / vnd nach rechnung der selben zeit / der selben personen vnd desselben orts also geordnet ist / dz wir by guoter vernunfft müeßtind vnsinnig sein so wir söllichs auch andern völckern vfflegen / vnd vff andre ziehen wöltind. So vil aber die Heidnischen gsatzt belanget / wz ists von nöten / dz man jre vnreinigkeiten / die nun vor langist vßgfäget sind / in dem Christen gricht vnd recht wider einfüere. Darumb habend die Apostel vnsers Herren Jesu Christi nieman verstrickt oder beschwärt mit den Mosaischen satzungen / Darnebend habend sie auch keine Heidnische satzungen / die guot vnd grecht sind verdampt. Welche aber böß vnd vnrecht / die habend sie auch nieman gerüempt / sonder habend den gleübigen freiheit glassen zuo erwellen welche sie wöltind / vnd zuobrauchen wie sie wöltind. Aber gottsforcht / glauben / liebe / grechtigkeit vnd mäßigkeit habend sie yederman fleißig einpluwen [eingeblauhen] / dieweil die gmüeter die mit disen tugenden geziert sind / onzwungen vnd one not / eintweders selbs guote satzungen machend / oder vß andern allein die besten erwellend. Dann es giltet gleich / ein oberkeit erwölle jren selbs satzungen so vil von nöten vß den Jüdischen satzungen Mosis / oder vß den guoten vnd bewärten satzungen der Heiden / oder bhalte jre alten vnd gwonlichen satzungen / allein dz sie die so wider Gott / vnbillich vnd vnerber [vnerbar] sind abthüege. Vnd meines verstands so söllend sich alle oberkeiten hüeten vor vil spitzfündige vnd nüwerungen / dann es gat sälten on vffruor vnd vnruow zuo / dz man den kräyen die augen vßsteche / wie dz sprüchwort lautet / dz ist dz man weise leüt überliste / vnd die sach besser mache / sonder gmeinlich gschichts dz es böser ist wz von sölchen wundergeben vnd spitzfündigen witzbütlen [grüblern] gemacht wirt.Alle satzungen aber lutend eintweders vnd dienend zur religion vnd dem vsseren gottsdienst / oder zuo vsserem leben vnd burgerlichen sitten. Von den satzungen die religion beträffend ist doben gredt worden. Von den burgerlichen vnd vssern satzungen aber wölle E.L. noch dz mercken / das dz die besten sind / die nach gelegenheit der orten / personen / sachen vnd zeiten / vffs aller nechst sich vergleichend mit den zehen gebotten vnd der regel der liebe / vnd nichts vnbillichs nichts leichtferigs noch schädlichs in jnen habend / auch kurtz vnd einzogen [rund] sind / nit weitleüffig / noch mit vilen vßlegungen verworren / die auch vff ein gwüssen zwäck gerichtet vnd zur sach dienend / nit überflüßig vnd vnnötig sind. Dise burgerlichen satzungen aber / stond fürnemlich in dryen puncten / in ersamkeit / in grechtigkeit / vnd in friden. Darumb so söllend sölliche satzungen dahin grichtet sein vnd dienen / dz in den regimenten vnd gmeinden zucht vnd ersamkeit pflantzet vnd erhalten werde / dz nichts vngebürlichs muotwilligs oder schantlichs fürgange. Es sol durch sölche gsatz alle grobheit / vnzucht / geilheit / leichtfertigkeit / muotwill vnd überfluß / in kleidungen / in büwen / in spyß vnd tranck verbotten werden. Dargegen verschaffet dz die Ee ehrlich vnd wolghalten / huoren vnd huorey abgschafft werde / Deßgleich auch eebruch / raub vnd gschendung der töchtern vnd vngebürliche byschlaffung der gfründeten usw. Dz die malzeiten zimmlich on überfluß ghalten werdind / dz zimligkeit vnd haußligkeit die dz gröst einkommen ist / brucht vnd geüebt werde. Jn summa dz alles dz verbotten werde / dz do streitet mit zucht vnd ehrsammkeit. Mit gedachten satzungen sol auch die grechtigkeit gschützt vnd geschirmpt werden / vnd verbotten / dz nieman weder heimsch noch frömbd / weder an seinen ehren noch an seinem guot / weder an leib noch an leben verletzt werde. Wer aber den anderen verlatzte mit gwalt oder durch vffsatz / dz der nach laut der satzungen gestrafft werde. Es söllend auch billiche vnd gerechte satzungen sein / von den erbfälen / von contracten / von zuosagen vnd versprächen / von bürgschafften / von kauffen / von gwicht vnd mäß / von außleihen vnd enthlenen / von behaltnem
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vnd empfangnem guot / von nutzungen der güetern / von zinß vnd wuocher. Es sol auch ordnung ghalten werden zwüschend den elteren vnd den kinden / zwüschend Eelüten / zwüschend Herren vnd knechten. Jn summa dz einem yeden dz sein zuogeben werde wie es jm gehört. Dann es nit meins fürnemmens ist / dz ich hie alle tittel vnd artickel der rechten erzellen wölle. Zum dritten sol auch durch die gsatzt der friden angerichtet werden / das ein yeder deß seinen mit ruowen geniessen möge. Da sol aller gwallt vnd vnbill abtriben / aller vnwillen vnnd auffsatz auffgehept vnd gestillet werden. Es sollend auch die krieg / eintweders mit weißheit vnd vernunfft zerlegt [gestillet] / oder wo dz nichts hilfft mit mannlicher dapfferkeit zuo end bracht werden.
Dz vns aber ein söliche oberkeit vnd auch ein sölichs leben vnder jren begegne / so hat vns der h. Apostel Paulus ernstlich gleert bätten / vnd gsprochen / So ermanen ich nun vor allen dingen / dz man thüege bitt / ernstliche gebätt / fürbitt / vnd dancksagungen für alle menschen / für die Künig vnd für alle Oberkeit / auff das wir ein stills vnd rüewigs läben füeren mögind in aller Gottsäligkeyt vnnd erbarkeyt. Nun die zeit ist hin / ich muoß auffhören / Es ist noch etwas mer überigs von diser materi zereden / das wöllend wir sparen biß morn. Jr wöllind yetz eüwere gmüeter auffheben inn himmel vnd fleißig bätten. Vatter vnser usw.
18.Pr.Die Achtzehende Predig
Von gerichten / Jtem vom ampt eines Richters. Auch das den Christen gricht nit verbotten sygind. Von der raach vnnd straaff / Jtem ob ein Oberkeit / am leben straffen möge die so es verschuldet. Warumb / wenn / wie / vnd was ein Oberkeyt straffen sölle / Vnd ob sie von der Religion vnd deß glaubens wegen yemand straaffen möge.
Gester hab ich von den ordnungen der Oberkeit geredt. Nun ist aber noch überig zereden von den zwey andern stucken / darinn der Oberkeit ampt auch stat / Namlich vom richten vnd vrteilen / vnd von der straff / von welchen yeden stucken ich auff diß mal / auff das kürtzest / so vil vnd mir der Herr gnad verleihen wirt / reden wil. Jr wöllind eygentlich auffmercken / vnd Gott vmb sein gnad anrüeffen vnd bitten.
Dz wörtlin richten wirt in mancherley wäg gnommen [gebraucht] / hie nennen ichs ein vrteil vnd entscheid der Richtern zwüschend personen die stößig sind / so gnommen [gesprochen] wirt auß den satzungen [rechten] / nach der maß deß billichen vnd rechten / ye nach dem es der fürbracht handel erfordert / vnd außgesprochen wirt zuo entscheid deren so spänig sind / damit yederman dz sein werde [bleibe]. Als exempels weiß / Es kömmend partheyen für ein gmein gricht / die zanckend vmb ein erbschafft / oder vmb etwas güetern / da ein yeder teyl vermeynt vnd verhoffet es ghöre jm von rechtem zuo / vnd da thuot yede parthey dar jre gründ vnd argument mit denen sie jr recht vnd ansprach / vnderstat zuo erzeigen vnd zuobewären. Das hörend nun die Richter fleißig / fassends / vnd erwegends vnder jnen selbs eigentlich / haltends auch gegen den satzungen / vnd fellend dann auff dz die vrteyl / mit welcher sie die besitzung deß guots darumb der span ist / dem einen teyl zuo / dem andern ab bekennend. Also hat es auch in andern händlen ein gstalt. Das ist yetz ein vrteyl / namlich ein außspruch vnd volstreckung der grechtigkeit. Dise weiß aber zuo richten vnd zuo entscheiden ist vil milter dann die ander weiß von deren hernach volgen wirt / namlich durch die rach vnd straff / da nit allein mit worten vnd sprüchen / sonder auch mit streichen vnd mit dem schwärt gehandlet wirt. Wie aber der händlen mancherley sind / also mögend ettlich nit anders dann mit dem schwert geändet [geendet] werden / etlich aber auff vil miltere weiß / namlich allein mit vrteilen vnd erkantnussen. Jn disen beiden stucken aber stat dz heil vnd der wolstand eines yeden reichs oder regiments / vnd ist im gantzen ampt der oberkeit nichts fürtreffenlichers / dann dz richten vnd straffen. Wiewol dz selbig für ruch vnd grausammLXXXVIv. / 86b
ghalten wirt / wo aber die selbig grausamkeit (wie mans achtet) nit geüept wirt / da müssend hernach alle ständ / jungs vnd alts / weib vnd man / vil grausammers / ja das aller grausammist erfaren. Dann die straff die auß Gottes geheiß zuo schirm der vnschuldigen vnd zuo erhaltung gemeiner ruow vnnd fridens / geüept vnnd braucht wirt / ist kein grausamme oder grimmige / sonder vil mee ein billicher vnnd gerechter ernst. Laß dir aber sein es seye ein regiment / das die aller besten satzungen habe / denen nichts mangle / weder der religion noch eusserer dingen halb / darnebend laß dir aber auch sein / es seye in dem selben regiment kein oberkeit / die dise satzungen üebe vnd handthabe / vnd der menschen hendel wort vnd werck nach disen satzungen richte vnd vrtheile / vnd breche deßhalb ein jeder auß nach seinem muotwillen vnd thüege was er wölle / was werdend da die geschribnen gesatzt ein burgerschafft nützen? Nichts überal. Darumb wie gemeldet / so stadt der oberkeit ampt fürnemlich im richten dz ist vrtheilen vnd im straffen. Sölichs erforderet aber ein dapfferen auffrechten man vnd richter. Wie dann Gott ein sölichen / Jtem auch das ampt eines sölichen / in seinem gesatzt gar eigentlich beschreibt / wie er es haben wölle / welche beschreibung wir erzellen vnnd erklären wöllend / dieweil es fürnemlich hierinnen alles / an deß richters person gelegen ist.
So spricht nun Moses auß befelch deß Herren zuo den richteren also / Verhörend ewere brüeder / vnd richtend recht zwüschend jederman vnd seinem bruoder vnd den frömbdlingen. Kein person söllend jr im gericht kennen / sonder söllend den kleinen hören wie den grossen / vnd vor niemands person üch förchten / dann das gericht ist Gottes. Jn welchen worten der heilig Prophet Gottes zwey ding handlet / Eins / das er anzeigt was deß richters ampt seye / das ander / wz laster den richter am meisten hinderind / dz er seinem ampt nit gnuog thüege. So vil das erst / das ist das ampt eines guoten richters belanget / so wirt zum ersten erforderet / dz er niemand verstosse / sonder mencklichem lose [jederman höre] / er seye klein / groß heimisch oder frömbd / burger / bekant oder vnbekant. Vnd das er auch die partheyen verhöre fleißig / eigentlich [wol] vnd guotwilligklich. Da dann außgeschlossen wirt faulkeit / vnnd das so einer sein gemüet abwendet vonn dem der da redet. Es werdend auch außgeschlossen vnnd verbotten alle vorurtheil / die das gemüet deß richters entfremdend. Dann die notturfft erforderet sölichs / das man vorhin ein sach eigentlich höre vnd verstande / eb man daruon richte vnnd vrtheile. So weißt auch mengklicher / das man nit nur den einen / sonder auch den anderen theil hören sol. Darumb jener richter weißlich sprach / er hette dz ein or dem kläger darbotten / dz ander aber dem verantworter behalten. Jn disem wirt auch begriffen eigentliche erkundigung / dz der richter nit eyle in sachen die er noch nit volkommen vnd satt verstanden hat / sittmal er richten sol vnd muoß nach grund der sach selb / nit nach anzeigung der partheyen. Darnach zum andern erforderet er vom richter / das er richte / ja das er gerecht richte. Richten aber ist entscheiden vnd vrtheilen nach den satzungen / vnd nach billigkeit vnd gerechtigkeyt / was guot oder böß / was recht oder vnrecht seye. Wir Eidtgnossen [Bey vns Schweitzern] brauchend das wörtli vrtheilen oder ertheilen / oder richten / das ist als vil geredt / als ein ding nach eigentlicher betrachtung entscheiden / vnnd das krumm ist / eben vnd richtig machen. Dann die partheyen so durch die anfechtungen verbländet sind / machend die richtigen sachen krumm. Der richter aber haltets zum richtscheyt der billigkeyt vnd der satzungen / vnnd nach dem selben macht er es richtig vnd schlächt. Vnd ist also richten als vil als rächtmachen. Darzuo so heißt vnd ist auch richten / durch schirmen oder durch straffen jemand erretten. Dann der richter richtet / wenn er den vnschuldigen errettet / vnd den verschuldeten strafft. Rächt aber sol man richten / das ist nach der gerechtigkeit vnd nach den satzungen / die einem jeden das sein zuosprächend. Vnrecht richtet der richter / wenn erLXXXVII. / 87a
wider die satzungen vnnd wider die gerechtigkeyt / auß angefochtnem gemüet vrtheilet. Das ist nun vom ampt der richteren. Auff das wöllend wir auch die anlaster so die richter am meisten hinderend / das sie jr ampt nicht thuond / besehen.
Deren sind wol vil / doch fürnemlich zwey. Das ein / dardurch eins richters gemüet zerstört wirt / das er sein ampt nit recht verrichtet / ist das ansehen vnd annemmen der person / so nammlich ein richter am gericht vnd in der vrtheil nicht die händel oder die sachen wie die an jhnen selbs sind / vnnd mit jhren vmbstenden / sonder diß oder jhenes ansehen / gewalt / geschlächt / gunst vnnd hilff / oder dargegen nidrigkeyt vnd armuot oder was der dingen sind / ansicht. Das verbeütet der Herr / mit dem das er spricht / Richtend rächt / vnnd kein person söllend jhr im gericht bekennen / sonder söllend den kleinen hören wie den grossen. Das ander anlaster ist / die forcht / welche gar ein hefftige vnd starcke anfechtung ist / die alle guote räth bricht / vnnd alle tugenden ersteckt. Vnder der forcht aber verstond wir auch hoffnung deß geniessens / vnnd verblendung der gaben. Dann welcher seins läbens oder seines guots förchtet / oder besorget er erzürne etwan ein gewaltigen / oder er lade deß gemeinen mans nachred vnnd vngunst auff sich / Jtem welcher gaben nimpt / oder hoffet vonn eintwederem theil zuo empfahen / der fält an der gerechtigkeit / vnnd fürderet das vnrecht. / Darumb spricht der Herr / vnd söllend euch vor keinem menschen förchten / jr söllend von niemand keine gaben verhoffen / vrsach / Es ist nit ewer sach / Jr sind nit dahin berüefft oder gesetzt / dz jr ewer sach machind / sonder dz gericht ist Gottes. Darumb man auff den willen vnd auff das gesatzt Gottes sehen sol / vnd Gott kan auffrechte vnd fromme richter wol schirmen vor aller menckliches haß vnd gewaltsamme. Das auch stadt / das gericht seye deß Herren / das leert vns / das die richter jnen söllend das exempel Gottes deß aller obersten richters fürsetzen / vnnd dem nachfolgen. Wie vnd was aber das exempel Gottes seye / erleüteret Moses auch in disem x.[17] cap. Deut. da er spricht / Gott nimpt keine gaben / vnd schaffet recht dem weißlin vnd der witwen / vnnd hatt die frömbdling lieb / das er jnen speiß vnnd kleider gäbe / Darumb söllend jhr auch die frömbdling lieben. Also söllend auch Göttliche richter handlen in Gottes gericht. Vnnd also redt auch der fromm vnnd gottsförchtig künig Josaphat zuo den richteren die er verordnet hatt / Sehend zuo was jr thüegind / dann jr haltend das gericht nit den menschen sonder dem Herren / vnnd er ist mit euch im gericht / darumb lassend die forcht deß Herren bey euch sein / vnd hüetend euch vnd thuonds / dann bey dem Herren vnserem Gott ist kein vnrecht / noch ansehen der person / noch annemmen deß geschäncks.Hiehär dienend auch noch andere ort der geschrifft / die eins teils die jetz anzognen ort erleüterend / anders theils auch eigentlicher außtruckend vnd beschreibend das ampt eines richters. Als dz wir Deut. xvij.[Deut.18.19] läsend / Du solt dz recht nit biegen / vnnd solt kein person kennen noch gaben nemmen / dann die gaben blendend die augen der weysen / vnd verkerend die wort der frommen / dem rechten jag mit recht nach / auff das du läben vnnd ynnemmen mögist das land das dir der Herr dein Gott gäben wirt. Jtem Exod. am xxiij.[2] Du solt nicht volgen der menge zum bösen / vnd nit antworten vor gericht / das du der menge nach vom rechten weichest. Du solt den armen nit zieren in seiner sach. Du solt dz recht deines armen nit biegen in seiner sach. Biß verr von falschen sachen / den vnschuldigen vnd gerechten solt du nit töden / dann ich sprich nit gerecht keinen gottlosen. Du solt nit gaben nemmen / dann die gaben bländend die scharpffsichtigen / vnnd krümmend vnd zerstörend die rechten sachen. Jtem Leuit. am xix.[35] Jr söllend nit vnrecht handlen am gericht. Du solt nicht annemmen das angesicht der armen / noch eeren deß grossen ansehen / sonder du solt deinem nechsten recht richten.
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Vnd weiter / Jr söllend nit vngleich handlen am gricht / mit der ellen / mit gwicht / mit maß. Rechte wag / rechte pfund / rechte Epha / recht hin sol bey euch sein. Dann ich bin der Herr ewer Gott. Jn disen kurtzen worten vnd gebotten deß Herrn achten ich alles dz vergriffen sein / dz die weysen bey den Heiden vnd die Juristen kümmerlich [kümerlich] mit vilen büecheren außgericht habend. Vnd über dz alles so schreibt auch der h. Prophet Jeremias vnd spricht / haltend gricht vnd gerechtigkeit / errettend den beraubten von dem gwalt deß fräflers / den frömdling / dz weißlin / vnd die witwen söllend jr nit beleidigen noch berauben / vnd kein vnschuldig bluot vergießen. So vil vom ampt der richteren.
Dises wäre aber biß här alles bey etlichen vergeben geredt / wenn ich nit auch hie ableinete jre gegenwürff / mit denen sie vnderston zuo erzeigen dz alle gericht abthon seyend / vnd Christen leüth söllind kein gericht mee haben / Dieweil der Herr im Euangelio spricht / So jemands mit dir rächten wil / vnd deinen rock nemmen / dem laß auch den mantel. Jtem / Biß wilfertig deinem widersächer bald / dieweil du noch mit jm auff dem weg bist / vff dz du nit dem diener überantwortet vnd in kärcker geworffen werdist usw. Sie sprechend auch / die gerichts händel vnd spän seyend vom h. Apostel Paulo j. Cor. vj.[1] verdampt. Auff dz antwortend wir aber also. Gleich wie die leer deß Euangelij vnd der heiligen Apostlen / die haußhaltung nit auffhebt oder verdampt / also auch die gerichtshaltung nit. Der Herr Christus weißt wol ab vnd beschiltet im Euangelio Luce / den jüngling der von jm begärt dz er mit seinem bruoder verschüeffe [handelte] / das er jm gleichen theil deß erbs gebe / nit dz er damit verdamme / so jemand gleiche vnd billiche theilung erforderet / oder das daß jm von rechten zuogehört / sonder darumb / das er damit anzeigt / dz sölichs nit sein / sonder der richteren ampt seye. Darumb sprach er auch / mensch / wär hat mich zuo richter oder Erbtheiler über euch gesetzt? Zuodem / wie wir im Euangelio geschriben findend / wär mit dir rechten wil vnd deinen rock nemmen / dem laß auch den mantel / Also wirt dargegen in der gantzen leer deß Euangelij / nichts mee noch fleißigers von vns erforderet / dann liebe vnnd wolthat. Mag aber jener mit wolthat erzeigt vnd bewisen werden / so mags mit gericht vnd gerechtigkeit sonderlich bewisen werden. Vnd dieweil die gericht darumb erfunden sind / das gericht vnd gerechtigkeit gehalten vnd geüept möge werden / so ist offenbar / das söliche durch das Euangelium nicht auffgehept noch abthon seyend. Es schryend beide Propheten Esaias vnd Zacharias gar hefftig / Esaias also / hörend auff übels thuon / lernend guots thuon / fleyssend euch der billigkeit / rettind die vndertruckten / hälffend dem weißlin zuo rächt / lassend der witwen klag für euch kommen. Zacharias aber / Richtend mit trewen vnd warheit / handle ein jeder mit seinem nechsten mit freündtliche vnd erbärmd / lassend die witwen / weisen / frömdling vnd armen vnbegwaltiget [vnuberwältiget]. Darumb sündend die übel / welche die gericht vnderstond zuo zerstören / vnnd die richter vonn den stüelen ab hin zuo setzen. Dann zuo dem das sie ein guoten theil deß diensts Gottes damit auffhebend / so thuond sie auch allem übergwaltigen / rauben vnnd vndertrucken der armen thür vnd thor auff. War ist es / das sölichs vom Herren gebotten ist / das sie vns (wie gemäldet) entgegen werffend / vnnd hatt Gott also mit dem selben den menschen wöllen ruow schaffen / dieweil aber der menschen boßheit vnzempt ist / vnnd die schälck nur böser vnnd frecher werdend / ab der gedult der vnschuldigen / so hatt deßhalb der Herr den zimlichen vnnd rechten brauch der gerichten nicht verdampt noch abthon. Dann wir läsend auch von Sanct Paulo inn den geschichten der Apostlen nicht nur an eim ort / das er auch die gericht braucht hatt / nicht vonn gält oder guots wegen / sonder vonn wegen seins läbens / dasselbig zuo schirmen vnnd zuo erhalten vor den todschlegeren vnd mörderen. Er bewilliget auch nit in die vnbillich vrtheil deß landtvogtsLXXXVIII. / 88a
Festi / sonder appelliert für den Keyser / Jn welchem allem wir doch wol wüssend das Sanct Paul wider die Euangelisch leer nicht gesündet hatt. Darzuo so schiltet er die Corinther nicht einfaltig darumb / das sie vonn wegen zeytlicher güeteren vnnd narung mitt einanderen rechtetend / sonder darumb das sie vor vnglöubigen Richteren also zancketend. Es were wol fein / das man vnrecht mit gedullt litte / vnd ist vnrecht / so yemand dem anderen vnbill zuofüegt / Dieweil es aber Gott gewöllen / vnnd also geordnet / das denen mit gricht vnd recht geholffen wurde / die vnbill vnnd gwalt leidend / so sündet der nicht / der sich vor vnbill begärt zuo ledigen / nit durch eigne raach / sonder durch billiche vrtheil vnd erkanntnuß deß Rechten. Vnd darumb befilcht der heilig Apostel den Corintheren das sie jnen selbs Richter erwöllind auß den glöubigen / die sie vmb zeitliche sachen entscheidind.
Nach dem vnnd wir aber nun auch also von dem anderen theyl darinn der Oberkeyt ampt stat / geredt / namlich von dem richten / so wöllend wir yetz auch den dritten vnd letsten theyl zuohanden nemmen / namlich die raach oder straff. Dann der Oberkeyt ampt ist / das schwärt tragen / mitt dem wirt sie von Gott geheissen die guoten schirmen vnd retten / die bösen aber straaffen. Dann das wörtli schwert / heißt hie die raach Gottes / vnd das mittel mitt dem Gott seine fyend straafft / vnd sich richt an denen die gegen jhm vnbillich handlend. Vnd also wirt es gemeynlich genommen in der gschrifft für raach vnd straaff / Als wie der Herr by dem Jeremia spricht / Jch wil dem schwert rüeffen über alle einwoner der erden. Jtem bey dem Ezechiel / Das schwert ist scharpff / vnd außpoliert / das es das opffer schlachte. Jtem / Jch wil mein schwert geben in die hand deß Künigs zuo Babel. Darumb habend auch die Egypter jre Künig Pharaones genennt / das ist als vil geredt / als rächer. Deß schwärts brauch aber ist zwifalt bey der Oberkeyt / eintweders so sie damit straafft die / die anderen vnbill zuogefüegt / oder andere übelthaten (wie dann deren mancherley sind) begangen habend. Oder so sie mit krieg den verderbenden fyend abtreibt / vnd jre eignen Burger vnnd Landtleüt so die vngehorsam vnnd auffrüerisch sind / vndertruckt.
Da wirt vns aber widerumb entgegen geworffen / es möge vnnd sölle nach der leer deß Euangelij niemand töden noch getödet werden / Darumb das der Herr geredt hatt / Jr söllend dem bösen nicht widerston. Jtem zuo S. Peter / steck dein schwert in sein scheiden / dann wer das schwärt nimpt / wirt mitt dem schwärt vmbkommen. Darauff wir die antwort gäbend / das in der gantzen heiligen gschrifft allein die besonder bsonderer leüten [die eigene vnd der priuatpersonen raach] / nicht die gemeyn das ist der Oberkeyt raach verbotten ist. Das was aber ein besondere [eigene] vnnd vnordenliche raach / die Sanct Peter wolt fürnemmen / dieweyl er berüefft was das wort Gottes zuo predigen / nicht das er ein Richter oder kriegßman were / vnnd waaffen brauchen sölte. Wider sölliche vnordenliche vnnd besondere [eigene] raach wirt recht vom Herren geredt / welcher das schwärt nimpt / wirt mit dem schwärt vmbkommen. Das aber die gmeyn raach / vnd der ordenlich brauch deß schwerts von Gott in der kirchen nit verbotten sey / bewären ich mit der zeügknuß deß heiligen Apostels Pauli / Der leert zun Röm. am xij.[19] Capitel was die Euangelisch volkommenheyt von vns erfordere / vnnd spricht vnder anderem also / Meine liebsten / rächend eüch selber nit / sonder gebend statt [raum] dem zorn / Dann es stat geschriben / die rach ist mein / ich wils vergälten spricht der Herr. Dieweil aber auff söllichs yemand hette mögen fürwerffen / Mit der weiß wurde sölliche Christenliche gedullt / wenn man es also alles litte / vilen todschlegen vnd grossem mord anlaß geben / so setzt er gleich im volgenden xiij.[4] Capitel drauff / Die Oberkeyt ist Gottes dienerin dir zuo guotem / vnnd zuo forcht denen die bösesLXXXVIIIv. / 88b
thuond / dann der gwaltig tregt dz schwärt nit vergäben / dann er ist Gottes diener / ein recher zur straff über den der böses thuot. Vß welcher leer deß h. Apostels wir abnemmend / dz von vns allen erfordert wirt / dz wir Gott die raach laßind / vnd dz es sich nit gebüre / dz yeman sich selbs räche. Die gmein vnd ordenlich rach aber ist drumb nit verbotten / dann Gott der da spricht / Mein ist die rach ich wils vergälten / der befilcht vnd übergibt diß sein rach / die jm gegeben vnd heimgsetzt ist worden / der Oberkeit. Darumb so stat der Oberkeit zuo / das sie mit dem schwärt straffe / so yeman vnbill vnd gwallt geschicht / vnd das vß gheiß / in nammen vnd an statt Gottes. Deßhalb wenn ein Oberkeit strafft / so strafft Gott / deß alle rach ist / durch sie / die auch darumb mit Gottes nammen genennt wirt. Zuo dem allem so stat auch heiter geschriben / den übelthäter solt du nit leben lassen. Jtem / Ein weiser Künig zerströwt die gottlosen / vnd laufft über sie mit dem rad. Jtem / Der Herr hasset äben als wol den / der den übelthäter vngestrafft hinlaßt / als den der den vnschuldigen verurteylet vnd strafft. So sind auch exempel in der gschrifft / die vns anzeigend vnnd bezeügend / das etliche Gott damit hefftig erzürnet / das sie mit verkerter gnad denen verschonet habend / die aber Gott mit dem schwärt hat geheissen vmb bringen. Von dem Saul reden ich namlich vnd von Achab. Dargegen sind auch vnzalbar vil exempel frommer redlicher Fürsten / die da bezeügend / das sie groß lob erlangt durch das / dz sie die lasterhafften gestrafft habend / dann es versündet sich kein Fürst noch Oberer / vnd darff jm nichts drumb zeförchten wenn er ein schädlichen lasterhafften menschen richtet vnd an dem leben strafft. Darumb wirt das im gsatzt so offt vnd dick gemäldet / sein bluot sey auff jhm. Denn aber wirt das bluot deß lasterhafften der Oberkeit zur sünd gerechnet / wenn sie in jrem ampt hinläßig vnd liederlich ist / vnd denen gnad erzeigt / die jhr nit wärt sind / vnd so sie den vnschuldigen nicht schirmpt vnd rettet. Dann dennzuomal wirt sie teylhafft der vnbill vnd deß vergoßnen gerechten bluots / welches sie nitt richt / so sie dem verschonet / auff dessen halß Gott das schwärt hat geheissen richten. Vnnd ist söllicher ernst vnnd sölliche reühe [-] der Oberkeyt im straaffen der lasterhafften / kein grausamme noch grimmige / wie man es aber mitt vnwaarheyt nennt / sonder die verkert gnad / die man den lasterhafften vnd denen die deß läbens vnd das sie vnder den menschen wonind / nit wärt sind / beweißt / die ist ein rechte grimmige grausamkeit. Dann wenn ein Oberkeyt die mit dem läben vnd vngestrafft hinlaßt / die mitt jren schantlichen mißthaten den todt wol beschuldet vnd verdient habend / so werdend auch die dest fräfner in jrem wesen fürzuofaren / die auch mit gleichem laster behafftet sind / dann sie sehend das man anderen jres gleichen verschonet hatt. Demnach so werdend auch die dest leichter überwunden / dz sie sich in alle schand / vnd sünd begebend / die noch nit so gar in die tieffe der lasteren gefallen sind / aber täglich vnd all stund treffenlich versuocht werdend / dann sie sehend wie gnädig sölliche leüt gehalten werdend. Zuo letst so werdend auch die denen man schonet vnd also daruon laßt / nichts dest besser / sonder nur vil dest böser / vnnd kumpt darzuo / das du einen zuoletst von viler todtschlegen wegen straffen muost / den du vorhin von eines todtschlags wegen nitt hast wöllen straaffen / da du hiezwüschend vil vnschuldiger bey dem läben hettest mögen behalten / die der lotter vnd mörder darzwüschend vmb bracht hat. Darumb welche sölliche schantliche buoben ledig lassend / die schickend nichts dann Löwen vnnd Bären vß die leüt zuo verderben. Auff das wir aber nun also den brauch deß schwärts anzeigt / vnd dz es ein Oberkeit möge rächen / so yeman gwalt geschicht / vnd die übelthäter töden vnd vmbbringen / so wöllend wir auch besehen vnd erwegen / von was vrsachen wegen Gott die übeltheter heisse töden / vnd wenn man töden sölle / auch wie / vnd waß töden vnd straffen den übelthetern von der Oberkeit anzethuon sygind.
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Die fürnemsten vrsachen von deren wegen Gott die übeltheter heiter straffen heißt / sind dise / Dz Gott gwalt mit gwalt vertreibt / vnd also der menschen heyl vnd wolfart fürdert / die vndertruckten rettet / vnd widerbringt wz da mag widerbracht werden. Er erzeigt auch damit sein grechtigkeit / mit welcher er einem yeden widergiltet / nach dem vnd er ghandlet / darumb vergiltet er schantliche thaten mit schantlichen töden. Er erinneret auch damit die übelthäter jres übels / zeücht sie zur begird der buoß vnd deß heils. Dann wenn ein übelthäter sein begangen sünd vnd übel erkennt / vnd reüwen darüber tregt / vnd von gantzem hertzen in Christum glaubt / so wirt jm sein sünd verzigen vnnd wirt sälig / wie wir dessen ein heiter exempel habend an dem gecreützigten mörder / welchem zwar sein tod ein anlaß gewesen ist zum heil / Der ander mörder ward aber nit sälig / dieweil er in Christum nit glaubt vnd ab seiner straff nit witzig [weiß] ward. Zuo dem allem so wirt auch mit dem offentlichen richten vnd mit der straff / allen andern menschen ein exempel gegäben / bey dem sie sich lernind vor sölichen lasteren hüeten / damit sie nit auch in gleiches vrteyl fallind.
Es sol aber ein Oberkeit keinen straffen / es sey dann sach / dz offenbar sey / dz der übelthäter die straff die der richter erkennt / verdienet habe / vnd das Gott geheissen habe dz sölliche überträttung gestrafft werde / das ist das söllichs auch im Göttlichen rechten gestrafft werde. Söllichs wirt aber offenbar / eintweders auß eigner vnd freyer bekanntnuß deß den man straffen sol / oder auß bewärten kuntschafften so wider jn auffgenommen sind / deßgleich auch / so man die satzungen vnd die verwürckungen deren so man straffen sol gegen ein anderen haltet. Darumb so gebürt es einer Oberkeit nit / das sie die tugenden / waaren glauben / fromm ehrlich vnnd gottsförchtig leüt straaffe / Dann die Oberkeyt ist von Gott verordnet zuo forcht nit den guoten / sonder den übelthäteren. Von den straffen aber an jnen selb / wie die sein söllend / darff es keiner spitzfündigen [vnd sonderbarn] Disputation Behalte ein yede statt vnd ein yedes land hierinn sein weiß vnnd gewonheyt / es sey dann sach das in disen gwonheiten etwas grausams vnnd vnzimlichs [vnbilliches] sey / dann es kan niemand laugnen / dann das dasselbig nach der regel deß billichen vnnd rechten sölle gemäßiget werden. Ettliche geschlecht der straaffen sind / verweisung / entsetzung der ehren / gältstraaffen / gefencknussen / mit ruoten streichen / zeichen vnd mäler anschlahen / glider abhauwen / vnd gar töden / welches dann geschicht eintweders durch schwärt / feür / wasser / strick / oder auff andere wäg / nach weiß vnd brauch eines yeden lands. Es werdend auch sölliche jämerliche stuck inn der geschrifft selb gemeldet / Dann wir läsend also im buoch Eßdre / Vnnd alle die nitt mit fleiß thuon werdend das gsatz deines Gottes vnd das gsatzt deß Künigs / die söllend jr vrteil vmb der that willen haben / es sey zum tod / oder zuo verweisen / oder zur buoß am guot / oder in die gefencknuß. Das züch ich nicht vergeben an / sonder von deren wegen die da meynend sölliche ding sygind vnder den gleübigen nur nicht zuo nemmen [auch nicht zunennen]. Jn disem allem aber müessend die Richter auch ein maß vnd ein vnderscheyd halten / also das die grossen laster / auch größlich gestrafft werdind / die minderen aber mitt minderen straffen / was dann geringer sachen sind / das man mit denen zimlich [leidenlich] fare. Ein yeder weißt hieruon das gsatzt Gottes / das da heißt den übelthäter schlahen nach der maß vnd zaal seiner mißthat. Da dann auch der Richter ein rechnung haben muoß der gnad vnd der barmhertzigkeyt / Dann der thäter wirt offt entschuldiget auß den vmbständen / so man bedenckt ob er ein weib oder ein man / jung oder alt sey. Es werdend auch dadurch etwan händel die an jhnen selb nicht guot / entschuldiget / so man die vmbständ eygentlich erwigt. Deßhalb muoß von einem Richter eygentlich bedacht werden / was läbens der thäter vornaher [zuuor] gefüert / findet er dann / das er sich bißhar frommklich vnnd erbar tragen / so ist er dest baß [mehr] der gnaadenLXXXIXv. / 89b
wärt / es seye dann sein gegenwertige handlung vmb die er jetz gefangen ist so groß vnd böß / das sie kein gnad zuolasse. Hierinn wirt aber eim richter gottßforcht vnd fleißigs anrüeffen Gottes / auch eigentliche betrachtung der übelthat die best regel sein / die jn leeren wirt wenn er nach der rüche [scherffe] oder nach gnaden richten sölle / dann sonst hat gebürliche gnad grossen ruom bey Gott vnd auch bey den menschen.
Also hat nun ewer lieb ghört dz ein oberkeit die übelthäter sölle vnd möge straffen / warumb auch Gott habe wöllen dz söliche offentlich gstrafft werdind / Jtem / wenn / wie vnd wie schwär sie zuo straffen seyend. Nun ist noch überig / dz wir auch anzeigind / warumb vnd von wz lasteren wegen man straffen sölle / dz mag aber mit eim wort verstanden werden. Nammlich / dz alle die wort vnd werck die Gottes vnd der oberkeit satzungen zuo wider sind / dz ist / wider die gsatzt gschehend / gstrafft werdind. Nun begriffend aber alle satzungen eintweders religions vnd glaubens hendel oder eussere sachen / welche eussere sachen stond in ersammkeit / grechtigkeit vnd friden. Daruß so volget / dz man alle die straffen sölle / welche die eersammkeit / grechtigkeit auch den gmeinen vnd besonderen friden / zerstörend / vmbkerend / verderbend vnd zuo nichts machend. Darumb so sol gestrafft werden alle vnflätigkeit / schand / vnzucht / geilheit / huorery / Ehbruch / bluotschand / sodomij / überfluß / trunckenheit / völle / geytz / beschiß vnd betrug / schädlicher übernutz vnd wuocher / verräterey / todtschlag da einer die seinen oder andere tödt / auffruor vnd was deß dings ist. Dessen vns ein zimmlich lang register der Herr selb Leuit. am xviij. vnd xx. fürstelt. Damit aber niemand meine das sölichs jetz auffgehept / vnd vns nichts angange / so merckend was S. Paul spricht / Der sagt also / Den gerechten ist kein gsatzt gegäben / sonder den vngerechten vnd vnghorsammen / den gottlosen vnd sünderen / den vnheiligen vnd vngeistlichen / den vattermörderen vnd muotermörderen / den todtschlegeren / den huoreren / den knabenschänderen / den menschendieben / den lugneren / den meineiden / vnd so etwz anders der heilsammen leer zuo wider ist. Wider die satzungen aber so die religion belangend / sündend die abfelligen / abtrünnling / götzen diener / gottslesterer / kätzer / falsche leerer / auch die verachter deß glaubens vnd der religion. Da ist aber vil von disputiert worden / vnd disputiert man noch auff den heütigen tag daruon / ob einer oberkeit zuostande jre vnderthonen zuostraffen von wegen der religion / so die von jnen verachtet oder glesteret wirt. Die Manicheer vnd Donatisten sind der meinung gewesen / dz man niemand von wegen deß glaubens vnd der religion zwengen / vil minder töden sölle / sonder einem jeden hierinn sein freiheit lassen. Aber die h. gschrifft gebeütet der oberkeit heiter vnd außtrucklich / dz sie den falschen propheten nit schonen sölle / vnd wirt befolhen / dz die so Gott / guoten satzungen vnd der glöubigen oberkeit widerspenstig sind / on barmhertzigkeit vom läben zum tod gerichtet werdind. Die ort der gschrifft / die sölichs leerend sind offenbar / vnd meniglichen wol bekant. Nammlich eins Deut. xiij. dz ander am xvij. Capitel desselben buochs. So wirdt auch im anderen buoch Mosis am xxij.[18] cap. ein sölichs gsatzt gäben. Wär den götteren opfferet / on dem Herren allein / der sol außgereütet werden. Jtem im iij. buoch Mosis [Leu.24.15] wirt der getödet vnd versteiniget / der Gott glesteret hat. Jm iiij. buoch [Num.15.32] wirt auch der vmbbracht der den Sabbath überträtten hatt. Vnd wie vil meinst dz deren gewesen seyend / die mit dem schwärt sind vmbkommen / von wegen dz sie das kalb in der Wüeste auffgericht vnd anbättet hattend? Helias opfferet vnd metzget etlich hundert falscher propheten auff dem berg Carmel. So salbet Eliseus den Jehu zum künig auß befelch deß Herren dz er das hauß Achab außreütete / vnd alle Baalßpfaffen mit einanderen vfopfferte. Also bracht der priester Joiada die Athaliam vmb. Vnd der Gottsgeliebt künig Josias thet zuo mal mit einanderen ab wäg alle gottßlesterische vnd halßstarrige pfaffen der höhinen. Es disputiert auch S. Augustin im II. Tract. über Joan. wider die Donatisten vß dem exempel Nabuchodonosors / vnd zeigt daruß an / dz Christenliche vnd glöubige Fürsten vnd oberkeiten dieXC. / 90a
Donatisten so Christum vnd sein leer verachtind / wol vnd mit guoten rechten mögind straffen / vnd spricht vnder anderem also. Hat der künig Nabuchodonosor Gott die eer geben / das er die drey knaben auß dem feür genommen hatt / Ja söliche eer geben / das er ein sölich gebott ließ in allem seinem reich außgon / wie soltend dann vnsere künig vnnd oberkeiten nicht bewegt werden / die da sehend das nit nur drey knaben vom feür errettet / sonder das sie selbst vom helschen [hellischen] flammen erlößt sind worden / so sie also gesehend dz Christus der sie erlößt hat / in den Christen verspottet wirt / so sie hörend dz man Christen leüthen zuo muotet / dz sie sagen söllind / sie seyend nit Christen? vnsere widersecher wöllend sölichs wol anderen thuon / aber gleiches nit von anderen leiden. Dann sehend zuo / wz sie thuond vnd wz sie dargegen lydind. Sie tödend die seelen vnd werdend aber dargegen allein am leib gepeyniget. Sie bringend vil in ewigen todt vnd klagend sich / dz sie den zeitlichen müeßind lyden. Das spricht S. Augustin. Also habend wir auch im neüwen Testament heitere exempel beider der fürnempsten Apostlen vnsers Herrn Jesu Christi Petri vnd Pauli. Vnder welchen der ein Ananiam vnd Saphiram mit dem gähen tod vmbbringt von wegen jrer glichßnery vnd luginen / oder jres glichßneten [geleichßeten] glaubens. Der ander bländet Elyman den zauberer dermaß als hette er jhm die augen außgestochen. Vnd ist hierin nichts dran gelegen / einer werde mit dem schwärt / mit gifft / oder mit worten tödet. Töden ist töden / Gott geb wie oder mit wz instrument vnd mittel dz geschech. Vnd Gott hat sölichs durch die Apostel gehandlet / der handlet auch noch durch die oberkeit. Dann die rach ist Gottes / der übergibt sie der oberkeit vnd den fürgesetzten / dz sie die üebind vnd erstattind an den übeltheteren. So sind auch vil gesatzt der Christenlichen künigen vnd keiseren / die die religion belangend / darinn gebotten wirt / dz die götzendiener / die abtrünnigen / die kätzer vnd gottßlesterer söllind vmbbracht werden. Auß vilen wil ich ewer lieb allein eins fürhalten welches deß Christenlichen keisers Constantini ist. Der schreibt zuo Tauro dem teüren man also / Vnser will vnd meinung ist / dz angends in allen stetten vnd orten die götzen tempel zuogeschlossen werdind / damit dem verderbten volck durch sölichen verbottnen zuogang / vrsach vnd freyheit zuo sünden abgestrickt werde. Wir wöllend auch dz sich menigklicher aller götzen opfferen müeßige. So aber etliche hiewider wurdind handlen / die söllend mit dem schwärt gestrafft / vnd jre güeter confisciert werden. Zuo gleicher weiß söllend auch die amptleüt gestrafft werden / wo sie söliche übertrettungen zuostraffen seümig sein wurdind. Gar nach gebietend sölichs auch in offnen außgangnen edicten vnd mandaten / die keiser Theodosius vnd Valentinianus / wie man solichs findt in codice Theodosiano Tit.2. Jtem Valentinianus vnd Martianus in codice Justiniano Tit.ll.lib.l. Zuo welchem allem dienet / dz on alles widersprechen mit Gott vnd allem rechten die Eebrecher / todschleger / auffrüerer / verfüerer vnd gottßlesterer gestrafft werdend. Darauß dann volget dz auch die falschen leerer / vnnd trenner der waaren kirchen Christi mit guotem rechten mögind getödet vnd vmbbracht werden / dann was sind söliche anders / dann verfüerer / Gottßlesterer vnd todschleger?
Jm straffen aber sölicher lüthen muoß man guoten vnderscheid halten / erstlich der personen / demnach der jrthummen / vnd zuo letst auch der straffen. Dann in den personen ist grosse vngleichheit / Etlich sind redlifüerer [vrsächer vnd stiffter] der jrthummen / vnd gantz halßstarrig kybig [-] vnd fräfen [vnuerschempt] / die wol glichßnen vnd vil schwätzen könnend / vnd deßhalb gschickt zuo verfüeren. Die nit nur selb one enderung [-] vnd besserung in jr eigen verderben fallend / sonder auch ander mit jnen ziehend. Söliche muoß man als verderptnussen der kirchen in allweg zemmen vnd paschgen [wehren] / damit jr übel nit wie der kräps wyter vmb sich frässe. Dargegen aber sind denn etlich / die von anderen verfüert vnd betört sind / die nit auß boßheit jrrend oder vß kyb / sonder die sich weisen lond / vnd by zyten abstond. Die muoß man nit gleich verdammen / sonder tulden [dulden] vnd den Herren für sie bitten / vnd mit senfftmüetigem geist leeren vnd vnderwysen / biß sie wider zuo recht kommend.Xcv. / 90b
Darnach so sind auch vnder den falschen leeren vnd meinungen / etliche böser vnd schwärer dann die anderen / Etliche sind so gar gottloß gottßlesterisch vnd schantlich / das sie nur nicht zuohören / ich wil geschweigen zuo leiden sind. So sind auch etliche / die richtig dienend vnd langend zuo zerstörung deß gemeinen regiments / wenn man jnen nicht bey zeyten wert. Da muoß man aber mit heiliger geschrifft vnd heiterer warheit erweisen vnnd erzeigen / das söliche ding die zuo klag kommend / dermaß seyend / darfür mans außgibt. Vnnd so sich dann die warheit durch heitere ort der geschrifft erfindt / so mag man dann wol söliche gottßlesterer / vnd zerstörer der kirchen vnd deß gemeinen regiments ernstlich straffen. Dargegen aber gehört dann ein leichtere vnd miltere straff denen die in leichten / nicht inn grossen wichtigen jrthummen stäckend. Dann etliche jrrend also / das Gott durch jhren jrthumb nicht gelesteret wirt / die kirch auch wol beston mag / vnd das regiment nicht beunrüewiget wirdt / da muoß man sich dessen brauchen / das der heilig Apostel Paulus leert / Einer trage deß anderen burde. Jtem / den schwachen im glauben nemend auff / vnnd verwirrend die gewüßne nicht usw.
Zum dritten / so ist auch in dem straffen grosser vnderscheid / welche in jhrem keyb [jrrthumb halsstarriglich] wöllend beharren / vnd ander mit jnen verfüeren vnd in jrthumb mit aller macht behalten wöllend / auch gottßlesterer vnd bereüber [-] ja zerstörer der kirchen sind / die mögend mit guotem rechten wol tödt werden. Darauß volget aber nit / das man darumb gleich einen jeden töden sölle der da jrret. Was mit worten vnd tröwungen mag verbessert werden / das darff nit mit grösserem vnd rüherem [rauhen straffen] auffgehept vnd gestrafft werden. Maß halten ist in allen dingen das best. Also hatt man gält straffen / man hat gefäncknußen / darein mans legen mag damit söliche leüth die vollen giffts falscher leer vnd falsches glaubens stäckend / nicht auch ander mit jnen vergifftind. So hat man auch andere leib straffen / mit denen söliche jrrenden mögen gezämpt werden / damit sie ander leüthen nit schadind vnd doch auch sie mögind erhalten werden / vnnd nit gar verderbind / sonder sich vil mer besserind. Aber Gottsforcht / billigkeit vnd weyßheit / wirt ein jeden richter wol leeren auß den vmbstenden abnemmen / wie söliche falsche leer vnd muotwillige widerspenstige / oder dagegen das / so einer auß torheit vnd nit auß boßheit gern eim jeden glaubt / zuo straffen seye.
Ernstliche vnd fleißige warnung hat kein statt in schantlichen lasteren / die schon begangen sind / vnd mit dem schwert söllend außthon werden / Darumb ein oberkeit luogen sol / das sie bey zeyten warne die so zuo warnen sind / dann fleißige vnd ernstige warnung wirt gar eigentlich allen fürgesetzten befolhen zuo üeben gegen jren vnderthonen / die jetz die gfar schon begriffen hatt. So habend die Gottsäligen oberkeiten offt verschonet denen so auß vnwüssenheit gesündet / vnd sich aber ab ernstiger warnung vnd vermanung besseretend. Der Herr Christus heißt auch im Euangelio den sünder warnen / vnd jm verschonen so er sich bessere / so er es aber nicht thüege / das man denn rüher mit jm handle. Also eb [ehe] Josue zun waffen griffe vnd vßzuge / schickt er zum ersten ein bottschafft zuo den Rubeniteren vnd hieß sie mit sampt jren mituerwanten / den altar brächen / den sie seins dunckens wider das wort Gottes auffgericht hattend. Also hatt auch der keiser Justinianus denen gnad erzeigt die sich endertend / vnd auff dz besser fielend. Constit. 109. So tödet auch Josias nicht alle die so in jrthumben behafft / sonder die / die nicht zuo heilen warend. Söliche mäßigung sol nur ein oberkeit halten im straffen der bösen vnd vbelthäteren. Hie mag ich aber nicht überhupffen vnd hinlassen gon / das etliche sind / die disem das ich jetz von der straff der verfüereren geredt hab / das engegen werffend / nammlich S. Paul habe nicht gebotten / das man einen verfüerischen menschenXCI. / 91a
oder kätzer nach einer oder zweyen vermanungen töden vnd am leben straffen / sonder allein meyden sölle. Jtem es seye der glaub ein gaab Gottes / die mit dem schwärt niemand gegeben oder ynpflantzet möge werden / darzuo so sölle man niemand zwingen / wär einen zwinge der mache jhn nur zum gleichßner / aber nit glöubig / So habind auch die Apostel kein hilff begärt von den künigen vnnd oberkeyten die religion Christi weder zuo schützen / noch zuo fürderen / oder die lesterer vnnd feyend deß glaubens zuo straffen. Auff welche gegenwürff ich kurtz also antworten. Sanct Paul da er zum Tito schreibt / da schreibt er an jhn / als an einen Apostel / vnd leert deßhalb was eines Apostels ampt seye / vnnd wie sich der gegen eim kätzer vnd verfüerer an dem kein besserung zuo verhoffen ist halten solle. Hette er aber an Sergium Paulum / oder an ein anderen Landtuogt oder oberen geschriben / so wurde er auch ohn zweiffel dem selben sein ampt vorgeschriben haben. Dann do äben er Sanct Paulus vor Sergio Paulo dem landtuogt in Syrien stuond / do zeigt er gedachtem Sergio an mit seiner that / was der oberkeit zuostüende / Dann er beschalt Elyman den falschen Propheten nit nur mit rauhen worten / item er meydet vnd floch sein gesellschafft nit nur / wie S. Johans der Apostel den Cerinthum / sonder er schluog jn auch mit leiblicher blindtheit.
So vil dann den glauben belanget / so bekenn ich auch das der selbig ein gab Gottes seye in dem hertzen deß menschen / dessen ergründer allein Gott ist. Die menschen werdend aber gerichtet vnd gestrafft von wegen der worten oder werchen die da außbrechend. Darumb seye gleich / das ein jrrende meinung deß hertzens vnd gemüets nit zuo straffen seye / so ist doch ein gottlose verfüerische vnd verderpliche leer vnd profeßion [bekenntnuß nicht zuo leiden. Niemand strafft hie inn diser zeit an jemand böse gottlose vnd schantliche gedancken / so aber die in offne gottslesterung außbrechend / so werdend jetz jre gottslesterische wort vonn frommen oberen gestrafft. Vnd machet dennocht ein oberkeit niemand fromm oder glöubig. Also ist gerechtigkeit ein eigne gab Gottes / die allein von Gott geben wirt. Wär wil aber so tolpecht [tölpisch] sein das er darauß schliessen wölle / man sölle darumb die vngerechten röuber / todschleger / vergiffter vnd zauberer nit straffen / dann ein oberkeit mache mit dem straffen den vngerechten nit gerecht? Darumb muoß man vnderscheiden zwüschend dem glauben / wie der ein gab Gottes inn dem gemüet vnd hertzen deß menschens ist / vnd wie er dargegen ein eussere profeßion [bekenntnuß] ist / die sich vor den menschen auffthuot vnnd außbricht. Dann dieweil falscher glaub im hertzen drinnen verborgen ligt / vnd niemand weiter vergifftet / dann allein die vnglöubigen selb / so mag er nicht gestrafft werden. Wenn aber der verborgen falsch glaub jetzund in gottßlesterung außbricht vnd Gott offentlich schmecht vnd lesteret / auch ander leüth vergifftet / da sol ein sölicher lesterer vnd verfüerer von stund an paschget [gewehret] werden / damit das übel nit weiter vmb sich frässe / vnd so man ein sölichen nit zwingen vnd paschgen [-] wölte / das wäre gleich gehandlet / als wenn man einem vnsinnigen menschen ein schwärt in die händ gäbe / das er die schwachen vnd die so sich sein nit versähind / damit außmachte. Der glaub ist wol ein gab Gottes / aber Gott gibt dise sein gaab auch durch mittel / vnd wil das die nit verachtet werdind. Es weißt auch ein haußuatter das der glaub ein gaab Gottes ist / nichts dester minder so vnderrichtet er seine kind in dem wort deß glaubens / vnd heißt sie zuo predig gan / vnd Gott vmb glauben anrüeffen / vnd den glauben auß dem wort deß leerers lernen. Vnnd wurde es ein guoter vatter nit verguot haben / ja nicht leiden / wenn der sun sagen wölte / vatter leer mich nit / schick mich nit zuor predige / schlach mich nicht wenn ich schon hinleßig bin / dann der glaub ist ein gaab Gottes die man mit der ruoten nicht ynschlagen wirdt. Wär wolt dann die mögen leyden / oder vonn denen verguot [für guot]XCIv. / 91b
haben / die da schreyend / der glaub seye ein gab Gottes / Vnnd darumb so sölle man niemand vons glaubens / das ist von der felschung deß glaubens / vnd von der gottßlesterung wegen straffen.
Also schrey auch Petilianus vnnd sprach / das seye verr verr von vnserer gewüßne / dz wir iemand zuo vnserem glauben zwingind / wie Augustinus sölichs meldet im anderen buoch contra Petiliani literas cap. 83. Woltend wir nun auch also mit den kätzeren schryen? oder sagen das Gott der Herr gleichßnerey pflantze in der geschrifft / da er vns mit tröwungen vnd straffen zum guoten zwingt vnd treibt? Dauid spricht / Herr es ist mir guot / das du mich gezüchtiget hast / vnnd Jeremias / O Herr / du hast mich gestrafft / vnd dein züchtigung hab ich angenommen wie ein vngebraucht kalb. So man niemand zum guoten zwingen sol / warumb heißt dann der aller weisest Salomon so offt vnnd dick / das man die kind straffen sölle? Wär die ruoten spart / spricht er / der hasset seinen sun / Du schlagst jhn wol / aber mit der ruoten erledigest sein seel vom todt. So zeigt auch die täglich erfarung / vnd die natur aller dingen an / das in dem menschen starcke anfechtungen sind / welche so man jhnen nicht weert / vnd den zaum ynlegt / sie sich selbs vnnd ander verderbend / dem aber wol durch ein kleine vnnd ringe straff möchte fürkommen werden. Dieweil die leüth vnsinnig vnd nit bey jhnen selbs sind / so scheltend sie es wol / wenn man sie strafft vnd gwalt an sie legt / wenn sie aber widerumb zuo recht kommend / vnd jetz gsehend / von was grossem übel sie durch die erlediget sind / die gewalt an sie gelegt vnd sie zwungen habend / so fröwend sie sich / das sie so mit grossem nutz sind gestrafft worden / vnd lobend jetzund den gewalt / den sie vor gescholten habend. Wir wöllend aber auch hören was der heilig vnnd wol geüept Augustinus hieruon geleert vnnd gehalten habe der schreibt / De ui cohercendis haereticis ad Vincentium contra Donatilias Epist. 48. also. Mein meinung (spricht er) ist auch etwan gewesen / das man niemand zuo der einigkeyt Christi sölte zwingen / sonder man sölte mitt worten handlen / mit disputieren streyten / mit vrsachen überwinden / damit wir die nicht zuo gleichßneten Christen vnnd glöubigen machtind / die wir wußtend offne kätzer sein. Aber diß mein meinung ward überwunden nicht mit worten / sonder mit krafft der exemplen die mir fürgehalten wurdend. Dann erstlich so ward mir fürgeworffen mein statt (Hippone nammlich) welche gantz vnnd gar auff deß Donati seyten was / aber durch forcht der keiserlichen satzungen / ist sie zuo der Catholischen vnnd rechtglöubigen einigkeit wider bekert worden / also / das sie wie man jetz sicht / ewer Donatisten verderpliche fräfenheit dermassen scheucht vnnd hasset / als were sie nie inn jren gewesen. Also auch vil andere mee die mir genent wurdend / das ich deßhalb inn der warheit sahe / das auch inn dem fall / das recht mocht verstanden werden das geschrieben stadt / Gib dem weysen anlaß / so wirdt er noch weyser daruon. Jtem / nit ein jeder der eim schonet / ist sein guoter freünd / auch nicht ein jeder der einen schlat sein feyend. Vnd die wunden deß freünds sind besser / dann die kuß deß feyends. Jtem / es ist besser lieben mit rühe [ernsthafftigkeit] / dann mit senfftmütigkeyt betriegen. Vnd welcher einen vnsinnigen bindet / vnd ein schlaffsüchtigen auffweckt / der ist beden überlegen [verdrießlich] / vnd liebet sie doch bede. Wer kan vnd mag vns mee lieben dann Gott? noch so leert er vns nitt nur freündtlich vnd lieblich / sonder er hört auch nicht auff vns jmmerdar zuo schrecken. Du meinst man sölle niemand zur gerechtigkeyt zwingen / so du doch lisest das der haußuatter im Euangelio zuo den knechten sprach / welche jhr findend die zwingend hinein zuo gon / Jtem so du doch auch lisest / das Saulus der naher Paulus ward / mit grossem gewalt vonn Christo gezwungen vnnd getriben ist worden die warheit zuo erkennen vnd zuo behalten? Vnd ad Bonifacium comitemXCII. / 92a
in der fünfftzigsten Epistel spricht er / Wo ist nun das / das dise gewon [gewonet] sind zuo schrijen / es seye frey glauben oder nicht glauben / Jtem / an wen hatt Christus ye gewallt gelegt / wen hatt er ye zwungen? usw. Sihe / die habend den heiligen Apostel Paulum / erkennind in dem Christum / der jhn zum ersten zwingt / hernach leert / zum ersten schlat / hernach tröstet. Vnd es ist zuo verwunderen / das er / der durch leib straaff zwungen ist worden zum Euangelio zekommen / mer im Euangelio gearbeytet hatt / dann die all / die allein mitt dem wort darzuo sind berüefft worden. Vnnd den die grösser forcht zur liebe getriben hat / dessen volkomne liebe hat die forcht außtriben. Warumb solt dann die kirch die verlornen kinder nit zwingen das sie widerkartind [widerkehreten] / so doch die verlornen kind die anderen zwungen habend das sie verdurbind?
Vnd weiter inn der selbigen Epistel spricht Augustinus abermals also / Dz die (so nit wöllend das man billiche vnd gerechte satzungen mache wider jhres gottloß wesen /) sprechend vnd fürwerffend / es habind doch die Apostel von den Künigen der erden söllichs nit begärt / Da bedenckend vnd betrachtend sie nit / das es dozmal ein andere zeit was / vnnd das ein yedes zuo seiner zeit geschicht. Dann welcher Keiser hatt noch dozmal inn Christum glaubt? Do ward noch erfüllt der Prophetisch spruch / Wie auffruorend die völcker / wie nemmend jnen die leüt so eytele ding für? es lauffend die Künig der welt zuosammen vnnd rottend sich / vnnd die Fürsten habend jre gerün [rathschlagen] mitt einanderen wider den Herren vnnd seinen gesalbten. Vnnd was das noch nicht im werck / da von bald im selbigen Psalmen weyter volget / Namlich / Vnd nun werdend weiß O jhr Künig / vnnd jhr Richter der erden werdend verständig / dienend dem Herren mit forchten / vnd frolockend jm mit zitteren. Wie dienend aber die Künig dem Herren mitt forchten anders / dann wenn sie mitt Göttlichem eyfer vnnd ernst verbietend vnd straaffend das / das wider Gottes geheiß vnnd befelch ist? Dann ein Künig dienet Gott anderst so ferr er ein mensch ist / vnd anderst / so ferr ein Künig ist. So ferr er ein mensch ist / so dienet er jhm mit frommem gleübigem leben. So ferr er aber auch ein Künig ist / so dienet er Gott / so er mitt gebürendem nachtruck / satzungen macht / durch welche guote vnnd gerechte sachen gebotten / die bösen aber vnd vngerechten verbotten werdend. Also dienet im Ezechias mitt dem das er die götzen / wäld / Tempel / vnnd höhinen / die wider Gottes gebott auffgericht warend / zegrund richtet vnnd zerstöret. Also dienet jhm auch Josias / der auch dergleichen thet. Also dienet jhm der Künig zuo Niniue / mitt dem das er die gantze Statt treib Gott den Herren zuo versüenen. Also dienet jhm Darius mitt dem das er dem Daniel gwalt gab den götzen zuo zerstören / vnd seine feyend dem Löwen fürzewerffen. Also dienet jm auch Nabuchodonosor / mit dem das er mit einem erschrockenlichen vnd strengen mandat allen denen so inn seinen landen vnnd gebieten warend / verbot den waaren Gott zuo lesteren. Darumb so dienend die Künig so ferr sie Künig sind Gott in dem vnnd mitt dem / so sie jhm zuo dienst das thuond / das niemand thuon mag / dann Künig. Deßhalb do zun zeiten der heiligen Apostlen die Künig dem Herren nicht dienetend / sonder jhnen selb noch eytele ding fürnamend wider Gott vnd wider seinen gesalbeten / damitt alle vorsagungen der Propheten erfüllt wurdind / Do mochtend freilich sölliche vngöttliche händel durch keine gsatzt verbotten / aber wol geüebt vnd braucht werden. Dann also was es dozmal an dem zeit / das eins theyls die Juden die Prediger Christi vmb brachtend / vnd meyntend sie thetind Gott ein dienst daran / wie Christus vorgesagt hatt / Anderstheyls das auch die Heyden auffruoretend vnnd kirschetend [tobeten] wider die Christen / auff das also alle krafft der heiligen marterer überwunde. Nach dem sich aber angefangen hatt erfüllen das soXCIIv. / 92b
geschriben ist / vnnd jhn werdend anbätten die Künig der erden / vnnd alle völcker werdend jhm dienen / welcher vernünfftiger wolte yetz da zuo den Künigen können sagen / fragend jhr jhm nichts nach in eüwerem Reych / Gott gäb von wäm die kirch eüwers Herren Gotts geschirmpt oder widerfochten werde / es gat eüch nichts an in eüwerem gebiett / wer züchtig oder vnzüchtig sein wölle usw. Dann dieweyl dem menschen von Gott ein freyer will geben ist / warumb soltend die Eebrüch nach den satzungen gestrafft / vnd aber die gottslesterungen nachgelassen werden? Jst es dann ringer wenn ein seel Gott jhr treüw nicht haltet / dann wenn es ein weib jhrem man nicht haltet? Oder so man gleich das nicht bey dem reüchsten [auffs scherpffeste] straafft / das nicht auß verachtung sonder auß vnwüssenheyt der Religion etwan geschicht / sol man es darumb gar lassen hingon? Es ist wol das besser / darwider ist niemand / das die menschen durch die leer Gott zuo dienen eingefüert / dann daß sie durch schmärtzen vnnd forcht der straaff zwungen werdind / Aber darauß volget darumb nicht / das dieweyl jhene die besseren sind / das man darumb der anderen so nicht also sind / nichts achten sölle. Dann die erfarnuß zeygt an / das es vil wol genützt hatt / das sie zum ersten durch schmärtzen vnnd forcht zwungen sind worden / damitt sie hernach möchtind geleert werden / oder dem das sie auß den worten gelernet mitt der that köntind volgen. Das sind alles wort deß heiligen Augustini / mitt welchen er antwortet auff die gegenwürff deren / die da meynend man habe kein recht in glaubens sachen / die vngehorsammen / widerspänstigen / verfüerten vnnd verfüerer zuo straaffen.
Nun es mag nicht sein / wie ich aber gehoffet hatt / das ich inn diser predig vollkommenlich enden möge / das ich mir aber fürgenommen hatt von der Oberkeyt zereden. Darumb ich hie muoß auffhören / ich wölte dann eüwer lieb zuo gar überlägen sein. Morn wil ich von dem überigen reden wil es der Herr. Fallend jhr yetz nider für den Herren / vnd thuond eüwer gebätt zuo jhm mit hertzlicher andacht vnnd gond darnach hin im friden. Der Herr seye mitt eüch. Amen.
19.Pr.Die Neüntzehende Predig.
Von dem kriegen. Ob einer Oberkeyt zuo kriegen gebüre / vnnd was die geschrifft von dem krieg leere. Ob auch ein Christ möge ein Oberer sein. Jtem von dem ampt der vnderthonen.
ZV der gerächtigkeyt vnnd zuo dem brauch deß schwärts so der Oberkeyt von Gott gegäben vnnd befolhen ist / gehört auch der krieg. Dann wie ich auch in vorgender Predig geleert hab / so ist der brauch deß schwärts inn der hand der Oberkeyt zwifalt / eintweders so straafft ein Oberkeyt damit die übelthäter / Oder sie treibt damit den feyend ab / der die jhren schediget / oder zuo schedigen vnderstat / tempt auch damitt jhre vnnderthonen / so sie sich wider sie auff leynennd vnnd auffrüerisch sind.
Nun ist es bey vilen in zweifel / ob es einer Oberkeyt gezimme krieg zuofüeren? Da aber zuo verwunderen das leüt in einer so heiteren sach so blind sind. Dann mag ein Oberkeyt mitt Göttlichem rechten die mörder übelthäter vnd andere dergleichen schädliche menschen straaffen / vnd nichts daran gelegen ist / jren sygind gleich vil oder wenig / wie ich inn der vorgenden predig erzeigtXCIII. / 93a
hab / so mag sie auch mitt gleichem rechtem jhre auffrüerische vnnderthonen / auch den frömbden fyend / (so der vnder dem schein vnnd nammen deß kriegs offentlich das vnderstat zehandlen / das die mörder heimlich verbringend) mit krieg verfolgen abtreiben vnnd vertilcken. Waar ist es / das der heilig Prophet von den Christen vnder anderen weissaget vnd spricht / Sie werdend jhre schwärter zuo hauwen / vnnd jhre glän zuo Sichlen verschmiden. Dann Christen leüt habend mit yederman friden / vnd brauchend keine waaffen / dann ein yeder thuot dem anderen / das er wölte jhm auch von einem anderen geschehen. Dieweyl aber nicht alle menschen also gesinnet sind / sonder vil vnrüewiger vnnd lasterhaffter leüten vnnd vndertruckeren / vnder frommen erbaren vnnd fründtlichen Burgeren vnnd Landtleüten wonend / gleich wie wilde thier vnnd bestien vnder vnschuldigen thierlinen / so hatt Gott der Oberkeyt von himmel herab das schwert zuo schutz vnnd schirm der vnschuldigen dargereicht vnnd befolhen. So findend wir niendart [nirgend] das es verbotten sey Wölff / wilde schwein / Bären / vnnd andere dergleichen wilde thier / die leüten oder vich schaden thuond / vmb bringen vnnd verderben. Warumb solte man dann nicht dörffen / mitt rechtem vnnd ordenlichem krieg den vnbillichen gwallt der feyenden mörderen vnnd bösen buoben abtreiben? Dieweyl vnnd sölliche buoben mörder / röuber / krieger / deßgleich auch auffrüerische vnderthonen nichts anders sind dann wilde bestien? Zwar die heilig gschrifft gibt jhnen kein anderen nammen. Vnnd mitt dem stimpt auch der gemeyn verstand der natur / Jtem die leer deß glaubens. Sanct Paul spricht / zun Römeren am zwölfften [18] / Jst es müglich / so vil an eüch ist / so habend mitt allen menschen frid / rächend eüch selber nicht. Sich er spricht / so vil an eüch ist / vnnd / so es müglich ist. Wo aber söllichs nicht / so sagt er gleich hernach darauff / die Oberkeyt tregt das Schwärt nicht vergäben / sonder wil er sagen / von deren wegen welche die / so gern im friden läbtind / nicht wöllend mitt friden lassen / sonnder alle vnruow anrichtend. Mitt disem stimmend auch die exempel der aller heiligisten vnnd theüristen Helden / so ye in der welt gewesen / die sich kriegs vnderwunden habend zuo schirm jhres vatterlands vnnd der vnschuldigen / wie ich söllichs doben im fünfften gebott auß der Epistel deß heiligen Apostels Pauli zuo den Hebreern anzogen hab / do ich anzeigt / was ehr ein yeder seinem vatterland schuldig sey. Jch muoß auch hie mälden was der heilig Augustinus wider Faustum Manicheum hieruon disputiert / Da er vnder anderem lib. 22. Cap. 75. also spricht / Er darff auch nützit [nicht] die krieg zescheühen oder sich jhren zuo verwunderen / die Moses gefüert hatt / dann er in den selbigen Gottes befelch nachgangen / gehorsam vnnd nicht grausam gewesen ist. Es was auch Gott nicht grausamm do er jhn söllichs hieß / sonder er gab den rechten lon hiemitt denen die es verdient / vnnd bracht zuo forcht die so sein wärt warend / Dann was schiltet man am krieg? Das die die sonst bald sturbind vmb kömmend / damitt die da läbend im friden herrschind? Söllichs schälten ist forchtsammer / nicht glöubiger leüten. Aber lust zuo schaden / begird sich grimmigklich zuo rächen / vnfridliche vnuersüenliche gemüet haben / sich abwerffen vnnd auffböumen / begird haben zuo herrschen / vnd was dergleichen ding sind / die werdend in kriegen billich gescholten / also das sie auch billich gestraafft werdend. Fromme leüt aber vnderwindend sich kriegs / wider den gwalt deren so sich wider sie setzend / so Gott oder ein ordenliche Oberkeyt sie söllichs heißt / vnnd sie inn söllichem stand vnnd wäsen sind / das eintweders jhnen söllichs zuo gebieten / oder denen gebotten zuo gehorsammen auß schuldiger pflicht / vnnd billicher ordnung gebürt. Sonst wurde Joannes den kriegßleüten die zuo jhm kamend / das sie von jhm getaufft
XCIIIv. / 93b
wurdind / vnnd sprachend was söllend wir thuon / geantwortet haben / Legend die waaffen von eüch / lassend eüwer kriegen faren / schlahend / verwundend vnnd tödend niemand. Dieweyl er aber wußt das dieweyl sie söllichs als kriegßleüt thetend / nicht todtschleger warend / sonder diener deß gesatzts / nicht rächer jhrer eygnen vnbill sonnder schirmer deß gemeynen wolstands / darumb sprach er zuo jhnen / Thuond niemand gewallt vnnd vnrecht / vnnd lassend eüch vernüegen eüwerer besoldungen. Dieweyl aber der Manicheern brauch ist / das sie Joannem offentlich lesterend / so hörind doch den Herren Jesum Christum selb / der da heißt die besoldunng dem Keyser gebenn / deren Joannes sich den Kriegßmann heißt vernüegenn lassen / Dann er spricht / Gebend dem Keyser was deß Keysers ist / vnnd Gott was Gottes ist. Dann darumb werdend tribut vnnd schatzungen geben [gegeben] / das man inn notwendigen kriegen den kriegßleüten den sold zuogeben habe. Zuo dem / so lobt auch der Herr billich den glauben deß Centurionis oder Hauptmanns / der da sprach / Jch bin auch ein mensch der Oberkeyt vnderthon / vnnd hab vnnder mir kriegßknecht / Noch wenn ich sag zuo einem / gang hin / so gat er / vnnd zuo dem anderen kumm här / so kumpt er / Vnnd zuo meinem knächt / thuo das / so thuot ers usw. Vnnd hieß jhn nicht von seinem kriegen abston. Dahin dienet auch das volgend fünff vnnd sibentzigst vnnd sechs vnnd sibentzigst Capitel gedachtes buochs deß heiligen Augustini. *Aber ich mag eüch nicht mitt langem anziehen söllicher sprüchen betöuben* [*-*:-].
Das seye nun also geredt von dem / das ein Oberkeyt möge mitt Gottes gefallen krieg füeren. Darauß wir dann auch das schliessend vnnd abnemmend / das auch die vnnderthonen on sünd / vnnd mit guotem rechten / sich mögend in krieg begeben / so sie söllichs thuond auß geheiß vnnd gebott der Oberkeyt. Wenn aber ein Oberkeyt vnderstüende fromb vnnd vnschuldig leüt durch sie vmbzebringen / so ist in vorgenden predgenen gnuogsam anzeigt / das man vnbillichen gebotten der Oberkeyt nicht gehorsammen sölle. Darumb sehe ein Oberkeyt zuo / das sie jhren gewallt vnnd jhr recht nicht mißbrauche. Vnnd wiewol es der Oberkeyt zimpt krieg fürzenemmen von gerechter vnnd notwendiger vrsachen wegen / noch [Dennoch] so ist krieg ein gefaarlich ding / ja ein ding das da ein vnerzellichen hauffen übels mitt jhm zeücht vnnd bringt. Dann ob gleich wol die darmitt auß gerechtem vrtheyl Gottes gestraafft werdend / an denen kein vätterliche warnung hatt wöllen beschiessen [erschiessen] / so werdend doch der mertheyl auch vnschuldig leüt darmitt eingemischet. Vnnd gschicht gemeynlich / das die kriegßleüt sich jhres rechtens mißbrauchend / vnnd damitt auch auff sich selbs Gottes schwären zorn ladend. Vnnd so man es eygentlich bedenckt / so kumpt im krieg zuosammen alles das übel / das sonst in der gantzen welt ist. Auß krieg entstat gächling theüre aller dingen / vnnd tödtlicher hunger / Dann da werdend die straassen verlegt / die säyten [die saat] verderbt / die dörffer verbrennt / korn vnnd andere güeter vnnützklich zeschanden vnnd zenüte gemacht. Da hörend auff alle gewärb vnd handtwerck / vnd verdärbend reiche vnnd arme miteinanderen. Die besten werdend erschlagen / die forchtsammen fliehend / vnnd machend damit das sie hernach nur dest mit grösserer not müessend plaget werden. Dann da werdend erhöcht die aller ergisten / die mitt den leüten nitt anders dann mitt dem vich vmbgond. Da süfftzet yederman / da weynend wittwen vnd weysen. Da wirt geraubet alles das man auff künfftige not fürgeschlagen [-] vnd erspart hat. Gantze stett werdend verbrennt / töchteren vnd vnmannbare jungkfrauwen gschent / alle scham auffgehebt / allt leüt mißhandlet. Da hörend auff alle satzungen / alles billich vnd recht / die religion vnd alle guote künst gond zegrund / gottloß vnnd lasterhafft leüt schwäbend embor.
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Darumb wirt der krieg inn der geschrifft Gottes geysel genennt / dann mit deren geißlet er gemeinlich die / an denen sonst nichts helffen wil / vnd die mit vermessenheit sein wort verachtend. Dann von der vrsach wegen ist die Statt Jerusalem mit dem gantzen Jüdischen volck außgereütet worden / dann sie erkannt nicht (wie der Herr im Euangelio sagt ) den tag jhrer heimsuochung / sonder vergoß das bluot der heiligen Apostlen deß Herren / mitt welchem sie auff sich luod alles das bluot das vergossen was vom bluot Abel deß gerechten / biß auff das bluot Zacharie. Also stadt auch von Chananeeren / das sie vonn todschlags / abgötterey / bluotschand vnnd jhrs greülichen muotwillens wegen / seyend außgereütet worden. So sind auch die Moabiter / wie Esaias zeüget / verdorben vnnd vmbkommen vonn wegen jhr grausammen vnmenschligkeit / vnd verachtung der armen. Die Niniuiter hattend lang andere völcker mit vnbillichen kriegen plaget / vnd gytigklich [-] beraubet / darumb messend jhnen hernach auch andere mit der maß / wie man im Propheten Nahum lißt / mit deren sie anderen gemessen hattend. So zellt Micheas am sechsten Capitel [12.13] das Gott über die vngerechten krieg schicke / von wegen deß gyts [geitzes] vnd betrugs. Beym Jeremia werdend hoffart vnnd eergeyt / beim Esaia trunckenheit vnnd vberfluß / vnder die vrsachen deß kriegs gezelt. Zuo dem allem so hanget die plag deß kriegs den künigreichen / landen vnnd regimenten also an / das sie nicht mag (wenn wir es schon gern wolltend) denen bracht vnd auffgehept oder abgeschüttlet werden / durch kein menschliche weißheit / durch keine pündtnußen / durch kein zeitlich guot / durch keine befestungen / durch kein stercke oder gewalt / wie man im Propheten Abdia sehen mag / Sonder allein hilfft da hertzlichs bekeren zuo Gott / welches auch Jeremias am fünfften Capitel bezeüget. Dises bekeeren aber stadt inn erkantnuß vnnd fryem bekennen der sünden / vnnd inn waarem glauben vonn der verzeihung der sünden durch die gnad Gottes vnnd den verdienst Jesu Christi / Jtem inn verlaugnung vnd haß aller vngerechtigkeyt / inn fleyß vnd üebung der gerechtigkeyt vnschuld liebe vnd aller tugenden / deßgleich auch in ernstlichem vnd empsigem gebätt vnd anrüeffen. Dargegen sehend wir aber auch das krieg etwan etlichen grossen nutz vnnd vnsaglich guot bringt / das sie ohn allen schaden oder doch mit kleinem schaden überkommend. Also was das ein krieg / den die Jsraeliter vnder dem hauptman Josue wider die Chananiter füertend. Hie wil ich aber darumb nicht / das sich jemand die hoffnung deß gewinns von dem rechten vnd billichen abziehen lasse. Es meinend die Oberkeyten offt / sie habind guot fuog vnd recht ander zuo überziehen vnd zuostraffen / so zeücht sie aber Gott also durch den anlaß herfür / damit jhre sünden gestrafft werdind vonn denen / an denen sie das übel straffen woltend. Dessen man heitere exempel in der heiligen geschrifft findet. Die eylff stammen Jsraels namend ein göttlichen vnnd billichen krieg für wider die Beniamiter / vnnd woltend die schantlich that rechen so vonn etlichen bösen buoben begangen was / denen sich der gantz stamm Beniamin anhanckt / vnnd sich jhrs lasters theilhafft macht. Aber sie wurdend zum anderen mal vonn den lasterhafften Beniamiteren geschlagen. Also woltend die Jsraeliter vnder dem Heli der Philisteren gewalt vonn jhrem vatterland abtriben / aber sie wurdend geschlagen / vnnd ward die pundtsladen deß Herren gefangen hin gefüert inn die stett der götzendieneren. Also ward der fromm Künig Josias vonn den Egypteren erschlagen / Dieweyl jhm Gott fürgenommen hatt das gantz volck zuo straffen / vnnd übels über sie zuo bringen / vnnd nicht wolt das der fromm Fürst / der bessers verdienet hatt / das sehen müeßte / darumb nam er jhnn vor dennen.XCIIIIv. / 94b
Auß welchem wir dann auch das lernend / das man die warheit vnd rechte deß glaubens vnd der religion / nicht vrtheilen vnnd schetzen sol auß jemands glück oder vnglück / Sig oder Flucht / das man wölle meinen dessen glaub seye warhafft vnd gerecht / der obligge / der aber falsch / dessen genossen vnder ligend / dann man muoß vnderscheiden zwüschend dem glauben / vnd den personen oder menschen / welche offt nicht vons glaubens sonder vonn anderer vrsachen wegen vom Herren heimgesuocht vnd gestrafft werdend.Diß alles aber leert vns / das ein Oberkeit wol darff grosser Gottsforcht inn sölichen hendlen / krieg für zuo nemen oder hinzuoleggen / damit sie nicht eim kleinen vnglück weren wölle vnd etwan inn ein grössers falle / oder da sie meint sie wölle ein übel ab dem halß schütten / das sie damit vnbedacht vil mehr vnnd grössere übel auff sich lade. Darumb sollend die vrsachen der kriegen fleißig vonn den oberkeiten bedacht werden / dann deren sind vil vnnd mancherley / Doch sind dises die fürnempsten / Erstlich so ein Oberkeit getrungen wirdt die jhren / die sie hin vnnd wider inn jhre Stett vnnd plätz zuo zuosätzen [zur besatzung] gelegt hatt / vnd jetz belegeret sind / zuo entschütten vnd den feyend abzuotreiben / dann es were ein lasterliche sünd / so man treüwe Stett vnnd zuosätz [besatzungen] inn höchster gefahr vnnd not also treüwloßigklich wölte verlassen. Zum anderen / so ein Oberkeit von ampts wegen gezwungen wirdt / das sie die / an denen kein besserung zuo verhoffen ist / vnnd bey denen kein gleichs oder billichs nichts giltet / überziehe / die auch Gottes sententz vnd vrtheil verdampt / vnd sie ohn barmhertzigkeyt heißt vmbbringen. Als da gewesen sind die krieg / die Moses wider die Madianiter vnd Saul wider die Amalekiter gefüert hatt. Dergleichen krieg sind auch das / durch welche die vndertruckt werdend / die inn jhr schantlichen boßheit verderben / vnnd auch andere mit jhnen inn das verderben ziehen wöllend / die alle gerechtigkeit vnd billigkeyt verachtend / vnnd fräfenlich inn allen lasteren beharren wöllend / wie dann die Beniamiter warend / da sie mit schwärt vnnd brand vonn den einlyff [eylff] stammen Jsraels verwüestet wurdend. Dergleichen auch auff den heütigen tag etlich fräfen auffrüerig vnnd abfellig sind / die gantze land vnd reich vnrüewig machend / gleich wie vor zeyten Absolon vnnd Seba der sun Bochri / deren gedacht wirdt im andern buoch Samuels. Hiehär dienend auch die krieg / die wider die abgöttischen vnd vndertrucker deß waaren rechten Christenlichen glaubens / zuo schirm der waaren religion vnd deß waaren glaubens fürgenommen werdend. Dann es jrrend hie / die da meinend man sölle vons glaubens wegen nicht kriegen. Der Herr hatt Sanct Petern als ein Apostel / do er fächten wolt / geheissen einstecken / er hatt aber darumb die Oberkeit nicht geheissen / das sie der religion nichts nach fragen sölle / oder das sie die reinigkeit deß glaubens nicht sölle schützen vnnd schirmen. Dann gebürt sich einer Oberkeyt das sie das weniger schirme / als da ist freyheit / zeytlich guot / scham / lyb usw. [?] Warumb solte sie dann nicht auch schützen vnd schirmen das daß grösser / ja das aller grössest ist? Dann was habend wir grössers / dann den waaren glauben vnnd rechte religion? Zuo dem so ist ein heiter gebott Gottes hieuon Deut. am dreyzehenden Capitel [12]. Da Gott heißt das man die statt / (verstand / nach dem vnnd die einer jeden Oberkeit zuogehörig ist) die vonn Gott vnd vom dienst Gottes abgefallen / mit krieg überziehen / vnnd so sie nicht abston wil / im grund außreütten sölle. Wirdt dann der Oberkeyt befolhen das sie die abfelligen vom glauben mit krieg straffen sölle / so volgt je / das sie auch möge die recht waar glöubig kirch mit vnd durch krieg schirmen / so ein frembder vnglöubiger Fürst vnderstüende die selbig vom waaren zum falschen glauben zuo bringen. Josue wolt die Rubeniter mit sampt jhren zuogewanten überzogen haben / von wegen
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deß altars / den er vermeint von jnen wider das wort Gottes auffgericht sein. Judas Machabeus streit für das volck Gottes / wider das volck vnnd die kriegßleüth Antiochi / der jm fürgenommen hatt die Jüdisch religion / welche dozuomal die recht was / zuo vertilcken / vnnd sein heidische superstition [-] vnnd aberglouben jederman auffzuotrucken. So werdend auch von S. Paulo die heerfüerer Jsraels gerüempt vnnd gelopt / die durch den glauben die heerläger der frömbden veriagt habend. Vnd Paulus selb hat als vil als krieg gefüert in der Jnsel Cypro / wider Elyman den zauberer vnnd falschen Propheten / den er mit blindheit schluog. Dessen er vrsach nam vom glauben här vnnd sprach / Du hörst nicht auff die richtigen wäg deß Herren zuo verkeeren. Acto. xiij [8]. Also do viertzig man auch über gedachten Paulum sich zuosamen verbundend / vnd auff jn hieltend / vermeinende wenn nur er dahin were / so were die predig deß Euangelij zuo guotem theil erlöschen / vnd die Jüdisch religion die aber falsch was / erhalten / Do wz er nit faul / er huob [reichet] auch nit den anderen baggen dar / sonder suocht mit grosser sorgfeltigkeit vnd bittlicher weyß schirm vnd rettung. Ja er suocht vnd begärt sölichen schirm nit von einer Christenlichen Oberkeit / deren noch keine was / sonder vom Römischen Hauptman. Begärt er es dann von der Heidischen oberkeit / wie vil mee wurd er es von Christenlichen oberkeiten / so deren etlich gewesen weren begärt haben? Darzuo so redt er auch nit mit eim wort darwider / do jhm gedachter hauptman vierhundert wolgerüster vnd wolgeordneter fuoßknecht vnd sibentzig reüter zuogab / die jn also zuo reden in der ordnung von Hierusalem biß gen Antipatrida füertend. Also ward der außerwelt werckzeüg Gottes Paulus durch ein gewaffneten hauffen Römischer kriegßleüthen erhalten. So schreibt Eusebius Eccles. hist. lib. ix. Cap. viij. Von den Armenijs / die vom Keiser Maximino geuexiert vnnd plaget wurdend also. Als die Armenier (so vor zeiten deß Römischen volcks guote freünd gewesen / vnd jnen offt wol erschossen [fast nütz] warend) vom keiser Maximino gezwungen wurdend jhr Christenliche religion / deren das gantz volck mit grossem andacht ergeben was / in götzen dienst zuo verwandlen / vnd die teüffel an Gottes statt zuo vereeren / do wurdend sie für freünd feyend / vnd für zuogewante widersächer / vnd rustend [rüsteten] sich / mit der hand sich wider seine gottlosen gebott zuoschirmen / vnd namend deßhalb eigens willens den krieg gegen jm für / vnd trungend auff jhn ernstlich vnd hefftig. Das zeüget Eusebius. Darumb gebürt es sich der oberkeit das sie jre vnderthonen schütze vnd schirme wider die Abgöttischen vnd götzendiener / vnd das sie auch mit waffen die waar religion rette vnd erhalte. Zum dritten / so etwan ein frembder feyend deine land vnd leüth so dir befolhen überfalt / sie grusambklich schediget vnd verderpt / wie ein wolff so er vnder ein härd schaffen kumpt / vber das du jhm aber zum ersten darzuo kein anlaß gegeben hast / sonder jhm billiche mittel deß fridens fürgeschlagen / Jnn sölichem fal wirdt die Oberkeit geheissen wie ein Löw herfür springen / vnd die jhren schirmen wider disen offnen gewalt / vnd söliche mörder vnnd röuber. Deß gibt vns Moses ein exempel da er auch also streytet wider die Amorreischen künig / Arad Seon vnd Og. Deßgleichen exempel ist vns Josaphat / da er wider die Ammoniter / vnd die ynwoner deß gebirgs Seir streytet. Also Dauid / da er auch also abtreib den krieg den die Syrer wider jn fürgenommen hattend. Zum vierten / so zeücht etwan ein Oberkeit zuo vnnd hilfft denen / so jhren mit pündtnuß verwannt / die durch vnbillichen gewalt benötiget werdend. Dann es mag ein Oberkeyt auch mit nachpauren vnd vmbliggenden völckeren püntnussen machen / so verr [ferne] dz nichts darinn wider das wort Gottes gehandlet werde. Also erloßt Josue die Gabaoniter von der belägerung / vnd Saul die burger der statt Jabes Galaad / streytende wider
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den tyrannischen künig Naas. Vonn sölicher vrsachen wegen werdend krieg von den Fürsten vnnd oberkeiten recht vnnd ordenlich fürgenommen. Hierinn gehorsammend auch die kriegßleüth vnnd vnderthonen der oberkeit billich / ja es ist jhnen auch ein grosse ehr / vnnd kein nachtheil so sie also vonn billicher vrsachen wegen / für die religion / für die gesatzt Gottes / für das lieb vatterland / für weib vnd kind streytend / sterbend vnnd vmbkommend. Derhalben so man sich in krieg begibt / vnnd die schwär arbeit deß kriegs auffnimpt / so sol man nicht auff genieß oder auff wollust sehen / deß man nach überwundner gfar pflegen wölle / sonder jedermans auffsehen sol sein auff gerechtigkeit / auff gemeinen friden / auff rettung der warheit vnnd vnschuld / das nammlich nach erlangtem sig / nach dem der feyend überwunden vnd in ordnung bracht ist / die religion / der glaub / gericht vnd gerechtigkeit / die kirchen Gottes / alle heilige breüch / ordnung / disciplin vnnd zucht der kirchen / alle studia vnd guote künst gruonind / den armen geholffen vnd geraten / witwen vnnd weisen guots bewisen werd / vnnd das alle ersammen alten / alle fromme töchteren / alle erbaren frawen vnd haußmüeteren läben / ja rüewig läben / Gott dienen / Gott loben / vnd Gott vereeren mügind. Darauff habend die dapfferen helden vnsere lieben altuorderen / Nammlich Abraham / Moses / Josue / Dauid vnnd andere / auch vnsere vätter säliger gedechtnuß / mit deß gemüets vnd auch mit deß leybs augen gesehen / vnd das einig allweg bedacht / so offt sie wider die feyend zuo schirm der kirchen vnd des regiments krieg fürgenommen habend vnnd inn streyt zogen sind. Welchen man mit sampt anderen dapfferen vnnd gottsförchtigen kriegsleüthen allen / inn der gmeind der heiligen / ewigs lob schuldig ist. / Dargegen den faulen forchtsammen / gottlosen / eigennützigen / gottslesterischen / leichtfertigen vnnd inn allem muotwill versoffnen kriegßgurglen / durch welcher faulkeit / frässen / sauffen / geilheit vnd gottlose / auch auff den heütigen tag vil fürnemmer Reychstett vnd land / auch herrliche wolgezierte regiment zerstört werdend vnnd zuo grund gond / gehört nichts dann ewige schmach vnd schand / vnnd Gott selb hatt söliche verderpte leüth verfluocht inn die ewigkeit.
Auß dem allem sehend wir nun / das man keine krieg sol fürnemmen / anders dann wider feyend / vnd wider lasterhaffte vnbesserliche menschen. Dann das sind überauß vngerechte krieg / die man fürnimpt wider verwante / oder wider vnschuldige / oder auch wider die / bey denen noch hoffnung der besserung ist. Es sind auch das vngerechte krieg / die nit auff rechte weiß vnd maß / vnd allein von ringer [geringer] sachen wegen fürgenommen werdend. Dann man je alles vorhin sonst versuochen sol / eb [ehe] man zum waffen greiffe. Niemand sol man fräfenlich inn sein land fallen / niemand sol man sein freyheit nemmen vnd vndertrucken / es seyend gleich frembde völcker oder deine vndertonen. Man sol hierin keiner bösen anfechtung volgen / die das gemüet verzuckt vnnd verfüert / als wie da ist begird zuo herschen / gytz / liebe der gaben / yfer vnd verbunst [abgunst] / vnnd was der anfechtungen meer sind. Krieg ist wol ein artzny / aber ein gefarliche vnd tödliche / gleich wie das auffhawen vnd abschniden der glideren. Wenn eim ein hand brünt / vnnd gefar ist / der gantz arm werde dauon entzünt / ja der [gantze] mensch müeße sein überal [-] sterben / noch so hawst die hand nit ab / biß dz du es alles versuochst vnd innen wirst / das dir sonst niener mit mag gholffen werden. Also sol man auch krieg nit fürnemmen / es wölle dann sonst alles nit helffen / Doch söllend aber darbey die oberkeiten auch indenck sein vnnd luogen / das sie sich hierinn nit etwan zuo gar verspätigind. Vnd so verr [ferne] ists / dz daß wort Gottes rechte krieg verbüte / dz es auch kriegßrecht vnd satzungen fürschreibt / vnd darzuo auch vil byspil der kriegen vnd allerXCVI. / 96a
dapffersten vnd fürsichtigsten kriegßlüten fürstellt. Die satzungen hieruon findest Deut.xx.cap. die gantz nutzlich vnd notwendig / darzuo auch so heiter vnd offenbar sind / das sie meiner außlegung nit bedörffend. So mögend auch sonst gmeyne gsatzt / den krieg belangend / auß der gschrifft gezogen werden / namlich / das vor allen dingen die religion auch in den kriegßlägeren geüebt vnd braucht werde / dann auch Gott selbs die priester im krieg als diener der waren religion braucht hat. Demnach so söllend auch im fäld guote satzungen vnd ordnungen nichts minders gälten vnd gehalten werden / dann in den stetten / dz die knecht in guoter disciplin gehalten / ein erbar fromm vnd rechtgeschaffen leben füerind. Dann das man gmeynlich spricht / Sileant inter arma leges, das ist auff teütsch / wo krieg angat / da hört alle billigkeit auff / das ist nitt auß Gott / sonder auß dem Teüffel entsprungen. Darzuo sol man auch luogen [sehen] / das ein frommer / auffrechter / gleübiger / dapfferer / weiser vnd glückhaffter Hauptman zuo krieg erwölt werde / wie bey den alten gewesen sind / Josue / Dauid / Judas Machabeus / Constantinus / Theodosius / Mascelzer vnnd vil andere meer / dem gebe man zuo redlich dapffer kriegßleüt. Dann man muoß ein vßzug vnd vnderscheid haben / dz nit der hauff anders nichts sey / dann ein zuosammen gelesens verzagts vnberichts völckli / vnd ein hauffen böser treüwloser gottslesterischer vnd trunckner zapffen vnd Seüwen / dann es stat der sig nicht in vile der menschen / sonder in der gnad Gottes / vnd in einem wolgerüsten außerleßnen volck. Es ist ein gemeyner vnd waarer spruch / Wo die vile ist / da ist auch ein confuß [-] vnd vnordnung / Grosse hauffen vnd heerzeüg die geschendend vnd hinderend nur selbs ein anderen / das sehend wir in täglicher erfarnuß / zuo dem dz söllichs alle Historien vnd exempel aller zeiten bezügend.
Darbey so stat es dann auch kriegßleüten treffenlich übel an / wenn sie faul sind. Darumb ein kriegßman / der ein Christ sein wil / sich fleissen muoß dz er jmmerdar etwz thüege / handtlichs dings / treüw / arbeitsamm / den haupt vnd befelchßleüten gehorsam sey / kein glegenheit versaume noch übersehe / sich in aller kriegßüebung frey tummle / Nit weich vnd verzagt / sonder dapffer / nit grausamm vnd grimm [grimmig] / sonder ernsthafft vnd dennocht barmhertzig sey / ye nach dem es die zeit erfordert / das er nit muotwillig verderbe was er behalten mag. Vor allen dingen aber / das er aussert der gfar vnd auch in gfar ernstlich zuo Gott bätte / alle ding mit Gott anfahe / one Gott nichts zehanden nemme / Wenn es übel gat / dz er nit verzage / wenn es glücklich vnd wol gat / das er sich da nit erhebe / sonder Gott dancksage / vnd den sig senfftmüetigklich brauche / gar an Gott hange / vnnd nicht mer begäre / dann das daß gmeyn Regiment / die satzungen / die religion vnnd der glaub / die gerechtigkeyt vnd die vnschuldigen geschützt vnd gschirmpt werdind. Das wirt aber weiß ich wol vil leüt wunder nemmen / das ich sölichs von kriegßleüten erforderen / die da meynend / man sölle söllichs von München vnd geistlichen nitt von kriegßlüten erforderen / grad als ob niemand dann allein die kriegßleüt vngottsförchtig vnd gottloß sein könnend. Waar ists dz sie der merteyl also sind / Wz frucht schneidend wir aber vff den hüttigen tag von sölchem samen? Die namlich / dz wir vom Türcken überwunden werdend / vnd ein gespött sind aller völckeren / das gantze Küngreich vndergond / vnd dem Mahometischen greüwel vnderworffen / vnnd wir täglich in vnaufflößliche übel verwicklet werdend. Wie aber vorzeiten die kriegßleüt gwesen sygind / die auch glider der kirchen vnd vß der zal der Christen sich inn kriegßüebung begeben habend / dz mögend wir vß der einigen / aber fürtreffenlichen Histori mercken vnd abnemmen / welche Tertullianus ad Scapulam mitt disen worten beschreibt / sprächende / Marcus Aurelius der Keiser / als er wider die Teütschen zoch / erlanget er regen in grosser hitz vnd durst / durch das gebätt zuo Gott etlicher kriegßleüten die Christen warend / vnd wenn sind ye dürrinen durch vnser gebätt vnd fasten nit abtriben? Dozmal schrey auchXCVIv. / 96b
das volck dem Gott aller götteren zuo / vnnd der allein mächtig gab vnder dem nammen Jouis / vnserem Gott zeügknuß. Welche Histori der heilig Euseb. Eccl.hist.lib.5.cap.5 etwz weitleüffiger vnd volkomner beschreibt / sprächende / Die Historien bezeügend / das wie Marcus Aurelius der bruoder Antonini deß Keisers / die Teütschen vnd Sarmaten bekrieget / vnd sein zeüg von durst not leyd / vnnd er in der grossen hitz vnd angst suocht vnnd nahen fragt / wie der sach zuothuon were / da fande er in einem regiment etliche knecht / die Christen warend / welche als sie niderkneüwet / wie dann vnser Christen aller brauch ist / vnd bättet / do hat Gott jr gebätt erhört / vnd ist da von stund an vnuerhoffet vnd vnuersehen ein sölicher treffenlicher regen kon / dz dardurch der durst deß heerzeügs für den die Christen gebättet hattend / erlöscht / die fygend aber / die yetz auff jhnen warend durch straal vnd feür so vom himmel auff sie gefallen / hinder sich triben vnd inn die flucht bracht sind worden. Welche geschicht auch von den Heidnischen geschichtschreiberen selbs beschriben wirt / doch so mäldend sie nit das söllichs durch der vnseren gebätt sey erlanget worden / dann bey jhnen gältend auch andere wunderzeichen nichts / die von den vnseren geschehen sind. Auß den vnseren aber mäldet söllichs Tertullianus / vnnd bey den Griechen Apollinaris / Welcher auch spricht / das diser legion / oder disem Regiment von wegen deß wunderzeichens diser fürträffenlichen that / vom Keiser der namm sey veränderet / vnd das sie fulminea legio, das ist dz Straalregiment sey genennt worden. Tertullianus mäldet auch darbey / das noch etliche brieff deß Keisers Marci vorhanden sygind / in denen söllichs heitterer anzeigt werde. Das schreibt alles Eusebius. Auß welchem wir nun yetz gesehend vnnd abnemmend / wie vor zeiten die Christenlichen kriegßleüt / nicht nur so geneigt sind gewesen zebätten / sonder wie fromms auffrechts vnnd redlichs wäsens vnd lebens sie auch gewesen. Dann wer ist der nit wüsse das S. Jacob der heilig Apostel sagt / das gebätt deß gerächten ist krefftig bey Gott. Helias was ein mensch gleichen anfechtungen vnderworffen wie auch wir / der bättet ernstlich / do gab der himmel rägen / vnd das erdtrich sein frucht. Darumb so ist offenbar wie die alten kriegßleüt so fromme vnd gottsförchtige männer gewesen sind. Dieweil aber vnsere auff den hüttigen tag mertheyls gar gottloß sind / auff kein Religion nichts haltend / ja feyend sind der waaren Religion / so erlangend sie für den sig verlurst / vnd zerstörungen der Stetten vnd landen. Vnd ist kein wunder wenn schon auch die inn Stetten söllichs leidend / dieweil sie auff sölliche lasterhaffte kriegßgurglen jhr vertrauwen vnnd hoffnung setzend / dann es ist grad als wenn sie jr hoffnung in den Teüffel selb satztind / denen dise kriegßleüt mit wüeste / mit vnreinigkeyt / mit grausamme / vnd nüt söllenden sachen nützit beuor [zuuor] gebend.
Exempel aber vnnd beyspil rechts vnnd göttlichs kriegens / auch frommer Fürsten vnd Hauptleüten / gibt vns das wort Gottes vnzalbar vil. Abraham vnser vatter jagt mit kleinem zeüg nach den vier gwaltigisten Küngen oder röuberen auß Orient / schluog vnd verjagt sie / errettet vnd bracht wider hinumb die seinen mit all jhrem guot vnd hab / vnd dancket Gott / der jm den tröstlichen sig gegeben hat. Moses vnd Josue erschluogend bey neün vnd dreißig Küngen / strafftend die vnsaglichen laster mit grossem ernst / vnd satztend dz volck das jnen befolhen in das land das jnen Gott verheissen vnnd versprochen hat. Die Richter in Jsrael habend treffenliche grosse krieg gefüert / wider die Heyden vnd vnglöubigen / vnd habend damit die Tyranney der gottlosen so sie gegen dem volck Gottes üebtend / gebrochen / vnd das volck wider zuo jrer Religion vnd freyheit gebracht. Vnder welchen fürtreffenlichen füereren vnd Hauptleüten deß volcks Gottes auch billich Samuel gezellt wirt. So ist auch JonathasXCVII. / 97a
der Sun Sauls der aller dapfferisten Fürsten einer gewesen / vnnd ein besonder exempel waarer gottsforcht. Keiner aber ist nammhaffter dann Dauid / welcher die Philister / Jdumeer vnnd Syrer bezwungen / vnnd durch krieg zuogefüegte schmach gerochen / auch die freyheit deß volcks geschirmpt / vnnd vnzalbar vil übels von dem volck Gottes abtriben hat. Vnnd ob er schon söllichs gehandlet / noch wirt er genennt ein man nach dem hertzen deß Herren / ja auch nach dem fleisch ein vatter vnsers Herren Jesu Christi. Vnd vnder den nachkomnen Dauids findest du auch gar vil nammhaffter verrüembter kriegßleüten vnnd dapffere Hauptleüt / Abiam / Asam / Josaphat / Amasiam / Osiam / Ezechiam vnnd andere meer. Vnder welchen auch Judas Machabeus der fürnembsten einer ist / der mitt grosser dapfferkeit für das gsatzt / für den dienst vnnd für das volck Gottes streit / vnnd kam auch zuoletst an der schlacht vmb / streytende für die Religion vnnd den gemeynen nutz. Jch geschweig hie der exempeln Constantini / Gratiani / Theodosij vnd anderer so in söllichen kriegs sachen grossen nammen erlanget habend. Von denen vnd anderen der heilig Augustinus im end deß fünfften buochs de Ciuit. Dei, Vnd Orosius weitlöuffig im sibenden buoch seiner Histori vom acht vnd zwentzigsten Capitel an biß ans end geschriben habend. Diser anzognen exemplen aber mögend sich wol alle fromme Oberkeiten vernüegen. So vil sey nun geredt von dem krieg / wie der von der Oberkeyt sölle gefüert werden / vnnd von dem brauch deß schwerts / von welchem ich auch doben in der außlegung deß fünfften gebotts etwas meldung gethon hab.
Auff söllichs muoß ich aber auch anzeigen / das daß ampt der Oberkeit wol mög von Christen leüten geüebt vnnd braucht werden / vnnd das muoß ich thuon von wegen dessen / das die vnsinnigen Töuffer / vnd etliche andere mer / die gern etwas schluraffen [ein schlauraffenländisch] Regiments anrichtetind / dises daruon ich yetz geredt hab widerfächtend / vnd wöllend es möge vnd sölle kein Christ ein Oberer sein / vnd das ampt der Oberkeit verwalten / dann Christen leüt zanckind vnnd rechtigind nit / tödind auch niemand / vnd vorderind nit wider / was jnen durch krieg genommen worden / rächind auch kein zuogefüegte vnbill. Vnd wiewol auff dises alles an seinem ort schon geantwortet ist / so wil ich doch noch etliche argument kurtz zuosammen fassen / auß denen ein yeder ehren vnd Christenman / wider die vnsinnigkeit vnd falsche tröum der Töufferen / verston möge / das wenn er zum ampt der Oberkeit berüefft wirt / das er da Gott sölle vnnd auch möge dienen im auffnen vnd verwalten dises ampts. Dann das sie sprächend / die leer deß heiligen Euangelij hebe auff allen menschlichen schirm / vnd was dem selben anhanget / das ist erdacht vnd jrrig. Die waarheit leert vns vil ein anders / dann alles das so von Gott geordnet ist zum heil vnd guotem der menschen / das stat einem Christen man so gar nitt übel an / so er sich dessen braucht / vnnd sich dem gleichförmig haltet / das wenn er söllichs nit thuot / vnd nit thuon wil / er kein waarer Christ sein kan / dann es sol eines yeden Christen höchste vnnd oberste sorg sein / das er mitt höchstem fleiß das heyl vnnd den wolstand der menschen fürdere. Nun ist aber ein Oberkeyt nit von menschen / sonder von Gott selb geordnet / zum heyl vnnd wolstand der menschen / wie söllichs die heiligen Propheten vnd Apostel heitter bezeügend / insonders Paulus zun Röm. xiij cap. [Rom.13.4.] derauß ein yeder wol kan gedencken vnd schliessen / das deßhalb ein Christ wol mag mit lob vnd ehr das ampt der Oberkeit tragen vnd verwalten. Darzuo so kan niemand laugnen / weiß ich fast wol / dann das es einem Christen zuostande / seinen glauben nicht nur mit worten / sonder vil mer mit wercken / besonders mit wercken der gerächtigkeyt vnd barmhertzigkeit / zebezeügen / vnd mit allem fleiß zefürderen alles das zuo gemeynem friden vnd ruowen dienet / deßgleich auchXCVIIv. / 97b
gricht vnd recht halten / witwen vnd weisen schützen vnnd schirmen / vnnd die vndertruckten retten. Da auch ein Christ die anläß weyß ort mittel vnnd wäg braucht / vnd nicht verachtet / durch welche er söliche werck vnd guothaten üeben vnd brauchen mag. Darumb so wirdt ein Christ das ampt der oberkeit nicht außschlagen / noch sich dessen wideren / dieweyl der Oberkeyt ampt ist / gricht vnnd recht halten / vnd den gemeinen friden fürderen. Zuo dem so ist auch vngezwyflet vnnd doben gnuogsamm erwisen worden / das Moses / Samuel / Josue / Dauid nit söllend außgeschlossen werden vom Christenlichen nammen. Dieweil nun sie das ampt der Oberkeyt tragen vnd gefüert / so kan man freylich auch auff den heütigen tag keim Christen verbieten das ampt zuo tragen. Darzuo so werdend auch im neüwen testament etliche fürtreffenliche leüth gebrisen [gepriesen] / die auch oberen gewesen sind / vnd vonn deß glaubens wegen vonn jrem ampt nit abgsetzt worden. Vonn Josephen vonn Arimathea läsend wir also beim heiligen Euangelisten Luca vnd sihe / ein man mit nammen Joseph ein zechner [-] oder rathsherr / vnnd (wie auch im Marco stadt / ein erbarer rathßherr) der was ein guoter frommer man / der nicht bewilliget hatt inn jhren rath vnd handel / der was von Arimathea bürtig der Jüdischen statt / der auch auff das reich Gottes wartet usw. Da merck eigentlich was herrlicher kuntschafft das von jhm seye. Er was ein zechner [-] oder rathsherr / vnnd ein erbarer rathsherr. Der saß auch in dem rath vnnd vnder denen richteren / die Christum verurtheilt hattend / dieweil er aber in jre vrtheil nicht bewilliget hatt / so wirt jhm das vnschuldig bluot nicht zuogrechnet. Es stadt auch von jm / das er ein guoter frommer man gewesen / vnnd einer auß denen die auff das reych Gottes wartetend / das ist auß der zal der Christen. Vnd sich / nichts destminder ist vnd bleibt er ein zechner [-] / oder ein rathsherr in der statt Jerusalem. Darumb so mag ein Christ wol das ampt der Oberkeyt tragen vnnd verwalten. Dahär dienet auch das exempel deß Fürsten auß Morenland Acto. viij [27 vnd 10.1]. Jtem das exempel Cornelij Centurionis Actorum am zehenden Capitel. Jtem das exempel Erasti deß seckelmeisters der statt Corinthen Rom. xvj [23]. ij.Tim.iiij [19]. Da wir nun gern wöltend das die Töuffer mit heiliger geschrifft bewärtind vnd erzeigtind das / das sie sagend / dise habind die Oberkeyt vnd das schwärt von jnen gleit / nach dem sie zum glauben seyend bekert worden / dann wir habend dargegen doben mit den worten deß heiligen Augustini / auß der antwort deß heiligen Johannis deß Töuffers / der auch das Euangelium prediget hat erzeigt / dz die getaufften kriegßleüth vonn jrem ampt nicht sind abgesetzt / auch jhnen vonn Johanne nicht gebotten worden / das sie auffhortind kriegßleüth zuo sein.
Sie werffend aber auch noch ein anders engegen / Namlich das der Herr gewichen / do jhn das volck zum Künig machen wolt / das er aber nicht wurde gethon haben / wenn er nicht mit disem seinem exempel / alle Christen demuot hette wöllen leeren / vnnd als vil als gebieten / das sie jhnen nimmermee die verwaltung deß regiments vnnd der Oberkeit liessend aufflegen. Bey welchem sie dann auch gemeinlich die sprüch deß Herren ynfüerend vnd bruchend / als das er spricht / Mein reych ist nicht von diser wält / Jtem die Künig der erden herrschend vber sie / Jr aber nicht also usw. Antwort darauff / der Herr floch [flohe] das volck / das nicht mit guoter vernunfft vnnd nach dem willen Gottes handlen wolt / sonder das durch anfächtungen verblendet / allein das suocht vnnd vnderstuond zuo wegen zuo bringen / das dem bauch dienet. Dann dieweyl er sie wunderbarlich gespeyset hatt / darumb meintend sie / der Künig wurde für sie sein / der also seine vnderthonen ohn allen kosten speysen köndte. Darzuo so was vnser Herr Christus nit kommen das er auff erden herrschete / wie es dann inn diser Wält zuogadt / vnnd wie jhnen die JudenXCVIII. / 98a
ynbildetend / vnd meintend / Moses wurde gleich wie Salomon regieren / wie dann auch Pilatus sölichs forcht. Darumb spricht der Herr recht / Mein reych ist nicht von diser wält / dann er ist auffgefaren zuo den himmlen / vnd hatt sich gesetzt zuo der gerechten deß vatters / vnnd jhm vnderworffen alle Künig vnnd die gantze wält / inn deren er durch sein wort vnd geist regiert / welche er auch am end der zeyt kommen wirdt zuo richten. Vnd wiewol Christus spricht / das sein reych nicht vonn diser wält seye / so hatt er doch nirgent verlaugnet / das nicht Künig vnd Fürsten der wält werdind inn die Christenlich kirchen kommen vnd darinn dem Herren nicht allein als menschen / sonder auch als künig dienen. Nun mögend aber Künig als Künig dem Herren nicht anderst dienen / dann so sie das thuond vnd außrichtend / darumb sie künig genent werdend. Vnd wie könte Christus ein künig aller künigen / vnnd ein beherrscher aller herrschenden genent werden / wenn die künig / nach dem sie Christen worden / inn jhrem ampt nit blibind / vnd jre reych nach der regel vnd nach den gesatzten Christi nicht regiertind? Darumb do er gesprochen hatt / die künig der erden herrschend über sie / jhr aber nicht also / da hatt er mit den Apostlen geredt / die mit einanderen zancktend welcher der gröst vnnd oberest vnder jhnen sein wurde. Als wölte er sagen / die Fürsten vnnd oberen so auff erden regierend / die werdend durch mein leer nicht von den stüelen vnnd vonn jhrem sitz vnd ampt entsetzt. Dann die oberkeyt bleibt vnd wirdt bleiben in diser wält / vnnd auch inn der kirchen / vnnd die selb wirdt regieren / jhr aber nicht also / Jr werdend nicht regieren / jhr werdend nicht Fürsten / sonder leerer der wält vnnd diener der kirchen sein. Das seye nun kurtz geantwortet auff die gegenwürff der Widertöufferen welche wir an anderen orthen auch offt widerleit habend. Auß welchem allem ich achten gnuogsamlich erzeigt sein / das ein Christ nicht nun möge / sonder auch sölle das ampt der oberkeit zuo handen nemen / so er zuo dem selben recht vnd ordenlich erwelt wirdt.
Ee vnnd [Ehe] wir aber die disputation dises orths gar beschliessind / so wöllend wir noch vorhin kurtz besehen was das ampt der vnderthonen / vnnd was ein jeder seiner Oberkeit schuldig seye. Zum ersten so ist der vnderthonen ampt / das sie hoch wol vnd ehrlich / nicht schlächtlich vnd verachtlich von jren Fürsten vnd oberkeiten haltind / das sis vor augen vnd in eeren habind / als botten vnd diener deß ewigen Gotts / das sie jnen auch eussere eer beweisind vnd anthüegind / nach eines jeden reichs vnd lands brauch vnd gewonheit / dann es stadt treffenlich übel wenn sich vnderthonen vngebürlich gegen jrer oberkeit haltend. So machts auch ein grosse verachtung / nit nun der personen so an der oberkeit sind / sonder auch alles dessen dz sie handlend vnd thuond / wenn man nit recht / sonder leichtfertig vnd schlecht von jren personen oder handlungen haltet. Darumb muoß man zuosammenlesen etliche heitere zeügnußen der heiligen geschrifft / vnd die wol zuo hertzen fassen / damit darauß rechts ansehen vnd rechte haltung von der oberkeit entspringe vnd erhalten werde. Es müessend aber auch die fürgesetzten vnd oberen guot sorg haben / das sie sich selb nicht mit vnreinem vngebürlichem läben verachtlich vnnd zuo spott machind / vnd also durch jhr selbs eigne schuld alles ansehen vnder dem volck verlierind. Gott der Herr selbs / gibt den fürgesetzten vnd oberen deß volcks / seinen eignen nammen / vnd nent sie Götter / wie man findt Exod.xxj . Psalm.lxxxij . So habend die heiligen Apostel sie genent botten vnd diener Gotts / wie man läsen mag j.Pet.ij . Rom.xiij . Wär wolt nun die götter / vnd Gottes botten vnd diener / durch welche Gott das heil vnnd den wolstand deß volcks würckt / nicht hoch halten? Wär ein botten verachtet / der verachtet auch den / der jhn gesent hatt / Wär ein botten ehret / der wirt gehalten als der mee den eere der den botten außgesent / denn den botten selbst. So spricht auch Salomon Prou.xvj.XCVIIIv. / 98b
weyssagung ist inn den läfftzen deß künigs / darumb fält sein hertz nicht im gericht. Vnd Eccles.viij. Mein ampt ist halten das geheiß vnnd das gebott deß Künigs / vnnd nicht überträtten den eid / den ich Gott gethon hab. Vnnd Prouerb. am vier vnd zwentzigsten / Mein sun / förcht den Herren vnd den künig / zuo den klapperleüthen aber gsell dich nit / dann gar schnäll kumpt jr verderptnuß. So hat auch S. Paul gesagt / Welcher dem gewalt widerstrebt / der widerstrebt Gottes ordnung / welche aber widersträbend / die werdend ein vrtheil über sich empfahen. Sölichs vnd dergleichen mer hab ich auch doben anzogen im v. gebott.
Darnach so ist auch der vnderthonen ampt / das sie für jre Fürsten vnd oberkeiten bättind / das jnen Gott weißheit / verstand / dapfferkeit / bescheidenheit / gerechtigkeit / rechten ernst / vnd barmhertzigkeit / vnd andere herrliche tugenden verleihen / vnd sie in seinen wägen leiten vnd vor allem übel behüeten wölle / damit wir ein still vnd rüewig läben hie in diser zeit füeren mögind. Sölichs erforderet Sanct Paulus inn der ersten Epistel zum Timotheo am anderen Capitel vnnd Jere. am xxix.Cap. Wie wir das anderschwo anzogen habend. Da aber viler leüthen gemüeter gantz träg vnd hinläßig sind / darumb begegnet jhnen auch offt sölichs das sie lieber nicht hettind / vnd das jhnen übel kumpt. Aber billich / dann thetind sie jhr ampt treüwlich / vnnd bättetind ernstlich für die Oberkeit / so gienge es jnen baß. Wie yferig die alt Christenlich kirch gewesen seye für die Oberkeit zuo bätten / mag man sehen in disen worten Tertulliani die man in seinem Apologetico am xxx.Cap. also lißt. Wir bittend allweg für alle keiser / begärend vnd wünschend jnen langs läben / fridsamme regierung / sichere hüser / dapffere heerzüg / getrewe räth / frombs volck / rüewige wält / vnnd was jnen als menschen vnd keiseren wol kumpt. Weiter so ist auch deß volcks vnnd der vnderthonen ampt das sie den guoten vnd billichen satzungen der oberkeit gehorsam seyend / ja gehorsam seyend inn Gott / mit rechtem auffsehen vnd Eerenbieten / auß Gottsförchtigem gemüet / nicht nun als gesatzten der menschen / sonder als gesatzten der dieneren vnnd botten Gottes. Dann Petrus heißt vns also gehorsam sein vmb deß Herren willen / vnd Paulus / Man müesse vnderthon sein *auß not* [-] / nicht allein vmb deß zorns willen / sonder auch vmb der gewüßne willen / das ist / wir söllind der oberkeit nicht nur vonn deß wegen vnderthon sein / das wir von der vngehorsamme wegen vnd verachtung der selben nicht gestrafft werdind / sonder das wir vns hiemit auch an Gott nicht versündind / vnd vnsere gewüssne vns der sünden straffe. Das man aber den gottlosen Oberkeiten / so vns die etwas heissend oder gebietend das wider Gott ist / vnnd heiter mit dem wort Gottes streytet / nicht gehorsammen sölle / hab ich doben in außlegung deß fünfften gebotts mit heiteren zeügnußen vnnd exemplen der heiligen geschrifft anzeigt. Dann es habend die heiligen Apostel / vnd die glöubigen menschen der ersten kirchen sich ee [ehe] lassen inn gefencknuß werffen / ins ellend verweisen / Jtem lassen jhrer güeteren berauben / den wilden thieren fürwerffen / oder das man sie mit dem schwärt mit feühr oder strick vom läben zum tod richtete / eb [ehe] sie habind wöllen denen gebotten gehorsamm sein / die wider Gott warend. Also antwortet der heilig Bischoff vnd marterer Polycarpus dem Römischen landtspfleger vnd sprach / wir werdend also geleert / das wir den Fürsten vnnd oberkeiten so von Gott sind / eer embietind / ja söliche eer / die der religion vnd dem glauben nicht zuo wider seye. Vnnd der heilig Joannes Chrysostomus spricht ad Gainam / Es gebürt sich keinem gottsäligem keiser / das er etwas wider Gottes gebott fürnemme oder vnderstande.Zuo letst so stadt auch den vnderthonen zuo / das sie der oberkeit gebind schatzung / vnd was sie jren schuldig sind / ja das sie auch so es die notturfft erforderet /
XCIX. / 99a
jr eigen leib vnd läben darstreckind für die oberkeit / vnnd für das vatterland / wie dauon im v. gebott da oben ist geredt worden. Der Herr spricht im Euangelio einfaltig / gebend Gott was Gottes / vnd dem keiser was deß keisers ist. Darumb handlend die übel die in disem fal vntreüw / boßhafft / karg vnd abzügig sind. Man ist der oberkeit tribut schuldig / als ein lon jrer arbeit / vnnd als ein ding darin die krafft vnd stercke gemeines fridens vnd der notwendigkeit gelegen ist / dann welcher krieget je über sich selber / wie Paulus sagt? Ein jeder geläpt auß der arbeit die er treibt vnd üept. Ein Fürst aber vnd oberer / arbeitet in dem / das er das gemein regiment verwaltet / vnd in friden erhaltet / laßt seine eignen vnd besonderen geschefft dardurch er sonst sein narung vnnd was jhm zum läben notwendig ist haben möchte / liggen. Darumb so were es je vnbillich / wenn jm nit auß gemeinem kosten geholffen vnd narung verordnet wurde.
Zuodem so ist von nöten das alle reich vnd regiment gefaßt seyind mit güeteren / die sie könnind in kriegß / in hungers / in feürs vnd anderen gemeinen nöten angreiffen vnd brauchen / zuo widerbringung deß das zuo grund gangen / oder zuo abwendung grösserer üblen. Jch geschweig der gemeinen beüwen / das die in eeren gehalten / als ringkmauren / thürn / wäl / gräben / thor / bruggen / strassen / brunnen / tünchel [wasserleitung] / rath vnd gerichtheuser / vnd was der dingen / deren vnzalbar vil sind. Darbey so sind auch gemeine personen / als weibel / wächter / vnd dergleichen vil / die man auß gemeiner besoldung erneeren vnnd erhalten muoß / vnd wo deßhalb nicht bar gelt ist / da mag kein reich oder regiment lang auffrecht bestan. Darumb welche nicht tribut geben wöllend / die behaltend den lon von der arbeit vor / vnnd suochend nichts anders dann zerstörung vnnd zerrüttung deß gemeinen regiments. Welche auch inn gemeinen werchen faul vnd hinläßig sind / wie bey vilen im brauch ist / die sind nicht nur an eim herren sonder an eim gantzen regiment vntrew. Vnnd darumb sicht man auch das söliche vntrewe arbeiter vnd werchleüth / nicht vil glücks vnd sägens von Gott habend. An disem ort sind aber auch die Oberkeiten vnd Fürsten zuo vermanen / das sie jhr volck / das jhnen vertruwet vnd vnderthon ist / liebind / vnd jm freündtlich so vil müglich verschonind / vnd es nicht mit vnzimlichen beschwerden vnd schatzungen belestigind. Das mag denn geschehen / so die Oberkeiten zimlich sind / sich eins kleinen vernüegen lassend / vnd sich vor aller hoffart vnnd allem vberfluß enthaltend. Da sol ein guoter Fürst gedencken / wie vnzimlich vnd vnbillich das seye / wenn sein hoff voller trunckenheit / voller muotwillens / vnd vollen alles überflusses ist vnd aber darnebend die stett dörffer vnnd land durch hunger vnd mangel vexiert [geplaget] vnd außgemärglet werdend. Es söllend auch alle fürgesetzten an der Oberkeit gedencken / das schatzung / tribut / zöll usw. Gemeine vnd nicht besondere güeter sind. Gott hasset gar treffenlich übel die expilatores, das ist die schinder vnnd röuber. Jtem Gott verflüecht auch die vnzimmlichen [vnmessigen] schatzungen vnd tyrannen die also schindend vnnd schabend / dargegen benedyet er alle bescheidne vnd zimliche [messige] oberen. Zuo dem so nützt einigkeit vnd bringt mee / es seye in friden oder in vnfriden / dann wenn man gleich vil gält hatt / das aber vnrecht vnd vnbillich ist / vnd ist das regiment vnd das reych vil stercker vnd mechtiger / inn dem liebe vnd einigkeit der oberkeit vnnd deß volcks bey kleinem schatz vnd guot ist / dann da grosse vnsagliche reichtumb vnd schätz sind / die auß dem margk deß gemeinen mans außgesogen vnnd erschunden / vnd aber darnebend die oberen vnnd vnderthonen mit einanderen vneins sind / grollen / feyendschafft vnnd haß gegen einanderen tragend. Jch erdenck hie nützit [nichts] auß mir selb / dann die erfarnuß von allen zeiten här gibt disem kuntschafft / das es die warheit seye.Das hab ich nun von der oberkeit auß anlaß diß sechsten gebotts / dz da lautet
XCIXv. / 99b
du solt nicht töden / eüwer lieb auff das kürtzest also wöllen fürhalten vnnd anzeigen / warumb die von Gott eingesetzt / was jhr ampt sey gegen den vnderthonen / vnnd dargegen auch der vnderthonen gegen jhren. Da lassend vnns aber yetz Gott den Herren treülich anrüeffen vnd bitten / dz er zuo beyden seyten der Oberkeyt vnd auch den vnderthonen gnad verleihen wölle / das ein yeder teyl in seiner berüeffung wie es sich gebürt / wandle. Amen.
20.Pr.Die Zwentzigste Predig.
Von dem dritten gebott der anderen Tafel / welches vnder den Zehen gebotten das sibend ist / Du solt nicht Eebrächen. Von der Ee / von dem Eebruch vnd aller vnreinigkeyt. Jtem auch von abbruch bescheydenheyt vnd mäßigkeyt.
DAs nächst das der mensch hatt nach seinem leib vnnd leben / ist sein Eegemahel / dann durch die Ee werdend zwey menschen zuosammen gefüegt das sie ein leyb werdend / wie der Herr gesprochen hatt / Es werdend zwey ein fleisch sein. Darumb so wirt in disem dritten gebott / zuonächst auff das gebott vonn dem todtschlag befolhen / vnd gebotten künsche vnnd reine haltung der Ee vnnd waare heyligung deß leybs / wider den Eebruch / vnnd alle schweyffende geylheyten muotwillen vnnd vnmäßigkeyten. Vnnd wirdt also mitt disem gebott die Ee bewaret / damitt bey allen frommen menschen zucht vnnd ersambkeyt gefürderet / vnnd die kind wol vnnd recht in Gottsforcht erzogen werdind. Es wirdt aber auch dises gebott mitt wenig worten begriffen vnnd außtruckt / vnnd lautet namlich also . Du solt nicht Eebrächen. Dises gebott will ich nun mitt Gottes hilff also außleggen. Zuo dem ersten wil ich reden vonn der heiligen Ee / darnach vonn dem Eebruch / zuo dem dritten was alles vnnder dem nammen deß Eebruchs hie verstanden vnnd verbotten werde. Vnnd zuo letst von der bescheydenheyt abbruch vnnd mäßigkeyt.
So vil das erst belanget / so ist die Ee ein göttliche verbindung vnnd zuosammenfüegung eines manns vnnd eines weybs / die da beschicht vnd zuosammen gefüegt wirt mitt jhr beyder bewilligung / also / das sie zwey alle ding gemeyn mitt einander haben vnnd brauchen / frombklich vnnd ehrlich läben / vnnd so sie kinder überkommend / die selben inn Gottes forcht aufferziehen wöllind. Vnnd also nennt auch das Euangelium die Ee ein göttliche zuosammenfüegung / Dann es spricht der Herr Jesus / Was Gott zuosammengefüegt hatt / das sol der mensch nicht scheyden. So könnend wir auch den vrsprung vnnd einsatz der Ee niemand anders zuogeben dann allein Gott / welcher ob er wol vil anderer güeter vnnd notwendiger ordnungen den menschen eintweders durch seine Engel oder durch besondere menschen befolhen eingesetzt vnnd angeben hatt / so hatt er doch die Ee selbs selbs on eynige mittel eingesetzt / vnnd selbs anzeigt wie die sölle gehalten werden. Vnnd hatt ja die ersten eeleüt selbs zuosammen geben / vnnd sie selbs als der der einig waar vnnd oberst Priester ist eingesägnet Auß wölchem wir yetzund abnemmen mögend / wie ein herrlich vnd wirdig ding die Ee sey / sittmal Gott die selb eingesetzt hat / vnd das im Paradeiß / auch dozmal do der mensch noch keinen arbeitsäligkeiten vnderworffen was. Dann Gott sach das Adam auch im Paradeyß nicht wol vnnd nicht lieblich genuog hette können leben / er hette dann ein Eegemahel / Darumb sprach er /C. / 100a
Es ist nicht guot das der mensch allein sey / ich wil jhm ein gehilffen machen der bey jm wone. Dann es fuort Gott dem Adamen zuo alle thier die er erschaffen hatt / das er jhnen allen nammen gäbe. Aber vnder denen allen was keins / zuo dem Adam ein lust vnd begird hette / sein gemüet art vnnd natur hatt ein abscheühen von jrer vermischung vnnd beywonung / deßhalb ließ Gott ein tieffen schlaff auff Adamen fallen / vnnd bauwet ein weyb auß der seyten seinen deß schlaffenden / vnnd wie jhm die vonn Gott zuogefüert ward / do schrey er gleich so bald er sie sach / das wär deß rechten das er haben vnnd lieben möchte mit rechter neigung seiner art vnd natur / dann er sprach / das ist jetz gebein von meinem gebein / vnd fleisch von meinem fleisch / als wölte er sagen / da hab ich ein gehilffen funden der für mich ist / der meins fleischs meins bluots meiner substantz vnd natur ist. Dahär kumpt auch noch die natürlich neigung der mannen gegen den wyberen / Jtem das man mit dem feür strafft / die schantlich vermischung etlicher verflüechten lüthen mit den thieren vnd Sodomij die auch der natur deß menschen gar zuo wider ist. Es sprach auch der Herr dozuomal vnder anderem / darumb wirt der mensch vatter vnd muoter verlassen / vnd seinem Ehgmahel anhangen / vnnd werdend sie zwey sein ein fleisch. Nun habend wir aber doben gehört wie groß vor dem Herren seye die liebe vnd die trüw der kinden gegen den elteren / vnd wie ernstlich Gott gebeüte vnd haben wölle das man die selbigen eere. So muoß deßhalb die Ee ein überauß göttlich werck vnd heilige ynsatzung sein / dieweyl sie für die Eer der elteren gesetzt vnnd erhept wirdt. Nicht das durch das gesatzt der Ee / das gesatzt vonn der vereerung der elteren auffgehept vnd durchthon werde / sonder es wirdt allein weyß vnd wäg anzeigt / wie sich Eeleüth söllind halten / wenn etwan die elteren vnderstüendind zwytracht vnnd vneinigkeit vnder jhnen zuo säyen / das sie sich dadurch die elteren nicht laßind von ein anderen trännen. Sonst in anderwäg söllend sie die elteren nichts destminder inn Eeren haben. Hiehär dienet auch / das vnsere heilige vätter vnd altuorderen das gesatzt der Eh vnnd die Eh selbs so inn grossen Eeren gehalten. Es beschembt sich sein auch der heilig geist Gottes nitt / jre Ehen nach der lenge vnnd mit vil worten zuo beschreiben / dann das erst buoch Mosis / welches das aller fürnempst buoch vnder allen büecheren der heiligen gschrifft ist / das wirt zuo guotem theil verzeert in beschreibung der Ehen der heiligen vätteren / So hatt auch Mosen den fürtreffenlichsten diener Gottes / dem kein anderer zuo vergleichen ist / nicht duret / die Ehlichen geschefft vnd Ehlichen werck / als reine vnd guote werck zuo mälden / die aber auff den heütigen tag vonn vilen als böse vnnd vnreine werck geschetzt vnnd gehalten werdend. Es hatt auch Christus / (welcher selbs inn der Eh / doch vonn einer reinen junckfrawen als der waar natürlich Sun Gottes ist geboren worden) die Eh geeret vnd gebrisen / mit dem das er auff einer hochzeyt sein ersts wunderzeichen gewürckt vnnd thon hatt / ja auch ein sölichs wunderzeichen / das da anzeigt / das er der Herr was bitters inn der Eh ist wol könne süeß machen / vnnd der armuot mit reychlichem überfluß zuo hilff kommen. So sind auch die Apostel / nach dem exempel der alten heiligen Ertzvätteren / künigen / Fürsten / priesteren vnd Propheten Ehmänner gewesen. Vnd der fürnempst vnder jhnen Paulus bezüget vnnd spricht / Die Eh ist eerlich bey allen / vnd das bett der Ehleüthen vnbefleckt / die huorer aber vnnd Ehbrecher wirt Gott richten. Er spricht die Eh sey eerlich bey allen / verstand völckeren. Dann du findst wenig völckeren auff erden / die nicht die Eh treffenlich gelobt habind. Xenophon ist der meinung dz vnder allen ordnungen vnd ynsatzungen Gottes kein hüpschere vnd nützlichere seye dann die Eh. Musonius Hierocles vnd andere alte weyse verständige männer / haltend die Eh zuo guotem
Cv. / 100b
vnd rechtgeschaffnem läben so für notwendig / das sie meynend deß menschen läben sey aussert der Ee nicht gantz. Vnd so erkennend sie auch / das was böses vnd vnkommlichs inn der Ee einfalt / das daß nit auß der Ee selb / sonder auß den Eeleüten kömme. Dann die Ee ist für sich selb guot / deren sind aber vil / die das guot nit wol vnd recht brauchend / vnd darumb leidend sie billiche straff jres mißbrauchs. Gleich wie mit der trunckenheit / da yederman wol weißt / das man dz böß dz darauß entstat nit der guoten vnd heilsammen creatur Gottes dem wein sol zuogeben / sonder dem überschwencklichen trincken / vnd der bösen begird deß menschens / der also die guot creatur Gottes mißbraucht. Dann was auß dem mund deß menschen gat / spricht der Herr im Euangelio / das verunreiniget jn / nicht das / das durch den mund eingat. Dahar dienet auch / das der heilig Apostel Paulus der Ee die heiligung zuogibt / dann er spricht / Das bett der Eeleüten ist vnbefleckt. Vnd an eim anderen ort bezeüget er / das der vnglöubig man / durch das glöubig weib / so ein Ee zwüschend jhnen ist / geheiliget werde. Er spricht auch das die kind / so auß der Ee geboren werdend / heilig oder rein sygind. Er stellt vns auch Christum für zum exempel eelicher treüw vnd liebe / vnnd bildet durch die Ee für / die geheimnuß Christi vnd seiner kirchen / Welchen göttlichen handel er also durch dise heilige vnd gottgefellige anbildung außtruckt. Vnd an einem anderen ort spricht er / Das dises gar ein Teüffelische leer sey / deren / die da verbietend ehelich zewerden. Darauß dann im gegenteyl volget / das dises ein göttliche leer sey / die die Ee allen menschen vnuerhinderet zuolaßt / die selb preiset vnd in ehren haltet.
Nach dem wir nun also verstond wie ein herrlich wirdig ding es vmb die Ee ist / so wöllend wir auch besehen die vrsachen / von deren wegen Gott die Ee hat eingesetzt. Gott richtet alles das er einsetzt vnd befilcht / nach seiner guoten art vnd natur / zuo nutz vnd guotem den menschen. Darumb so hat er auch die Ee eingesetzt zuo erhaltung deß menschlichen geschlechts / vnnd das deß menschen leben guot / kommlich / angenem vnd lieblich sein möchte. Es mögend aber alle vrsachen der einsatzung der Ee / in dry fürnemlich gezogen werden. Zum ersten / so spricht Gott selb / Es ist nitt guot das der mensch allein seye / wir wöllend jm ein gehilffen machen / der vor jm sey / oder der bey jm wone. Darumb so ist das die erst vrsach / darumb die Ee ist eingesetzt worden / deß menschen wolstand / das mit jm sein leben dest lieblicher vnd dest kommlicher wäre / dann es sach Gott / dz Adam on ein Eegemahel nit wol vnd kommlich leben mocht. Die selb wirt nun von Gott nitt ein hindernuß deß menschen / oder ein notwendigs übel genennt / wie es etlich Poeten weiber feyend vnd böß bestien nennend / vnd jhr göucherey damit treibend / sonder sie wirt genennt ein behilff vnd arm deß manns. Vnnd Antipater der doch ein Heyd gewesen / in Sermone de Nuptijs, der legt es auß / wie vnd was für ein arm vnd behilff das weib dem man sey / vnnd schreibt hievon ein sölliche meynung / die sich überauß wol hiehar reimpt / vnd spricht. Welcher nie weder weib noch kind gehept / dem ist zwifalte vnd die beste vnd waarhafftigeste liebe vnd früntligkeit vnbekannt / dann es vermischt sich die ehelich liebe zuo allen seiten / in dem / das die Eeleüt nicht nur das zeitlich guot / die kind / die gemüeter / sonder auch die leib / sie allein mitt ein anderen gemeyn habend. Darumb schreyb Euripides / nach dem er den hassz den er zuo den weyberen hatt verließ / dise verß.Ein weyb das fromm vnd haußlich ist /
Das gibt eim krancken man auch frist /
Vnd ist jhm trostlich in vnfal /
Nimpt jhm den zorn hin überal /
CI. / 101a
So jhm von yemand beschehe leyd /
Mitt jhrer zucht vnnd früntligkeyt.
Dann gleich als wenn einer nur ein hand hette / vnnd überkäme anderßwo har noch ein andere / oder der nur ein fuoß hette / vnd überkäme auch anderßwo har noch ein andern / der wurde vil dest leichter alle ding mögen greiffen / oder wandlen wohin er wölte. Also welcher ein weib nimpt / der wirt vil dest leichter mögen geniessen vnnd gefröwt werden der heilsammen vnd nutzlichen gelägenheiten dises lebens. Dann eeleüt habend für zwey augen viere / vnd für zwo händ noch einist als vil / mit welchen sie sammenhafft alle ding vil dest baß mögend außrichten / vnd wenn die einen müed sind / so mögend doch die anderen jhr ampt volbringen / vnnd mag also die Ee / die an statt eines glids zwey hat / vil dest baß alles das in disem leben ist thuon vnd außrichten. Das schreibt alles gedachter Antipater. Vnnd Hierocles in seinem buoch de Nuptijs spricht / Es ist die beywonung deß weibs nutzlich / auch hindan gesetzt das gebären der kinden / Dann erstlich / so einer mit ausserer arbeit ermüedet / so nimpt sie jn auff / thuot jm güetlich / vnd erfrischet jn wider mit allem fleiß. Demnach so machet sie jn auch vergessen der traurigkeit deß gemüets / dann widerwertige zuofäl deß lebens / vnnd in summa alle sorg vnnd arbeit / es sey zegricht oder zerhat [zu rath] / auff dem fäld oder bey den gesellen / ist sonst alles böß zetragen / vorauß / wenn einer mit anderen schwären geschäfften beladen ist. Wenn aber einer die selben außgericht / vnd wider heimkumpt / vnd sein gemüet widerumb zuo ruowen vnnd in freyheit setzt / so wirt jm das ander alles leichter / vnd hört jhm durch den anlaß auff zeschaffen geben. Vnd inn der waarheyt so ist ein Eeweib nit ein last vnd burde / sonder ein söllich ding / dardurch einem der last vnnd burdi geleichteret wirt / dann nützit ist so schwär das eeleüt nicht leichtlich tragind / so die eins sind / vnd guotwillig ein anderen alle ding helffend tragen usw. So vil Hierocles.
Die ander vrsach darumb die Ee eingesetzt / ist das kindergebären / zuo erhaltung deß menschlichen geschlechts / vnnd das die selbigen in der forcht Gottes erzogen werdind. Dann es benedyet Gott den Adam vnd die Euam vnnd sprach / Wachsend vnd meerend eüch / vnnd erfüllend die erden. Vnd Sanct Pauls zum Tito spricht / Die alten weiber leer / das sie guots leerind / das sie die jungen weiber verständig vnd witzig machind / das sie lernind jre männer vnd kind lieb haben / züchtig sein / künsch / haußlich / güetig / jhren eignen mannen gehorsamm. Vnnd zum Timotheo / Adam ward nicht verfüert / sonder das weib ward verfüert / Sie wirt aber sälig werden durch kindergebären / so sie bleibt im glauben vnd in der liebe / vnd in der heiligung mit der zucht. Nun wäre aber das kindergebären vergeben / wo nicht auch das auffziehen darzuokäme / Vnd welche jhre kind recht liebet / die wirt die selben auch inn der forcht Gottes auffziehen / auß welchen dann der kirchen vnd dem gemeynen Regiment gar grosse frucht entstat. - Es wirt auch dardurch die ehr vnnd der dienst Gottes gar treffenlich gefürderet / so also auß der Ee entspringt ein grosse zaal leüten / die Gott waarhafftigklich erkennend / anrüeffend / vnd verehrend. Die dritte vrsach der einsatzung der Ee / wirt vom heiligen Apostel Paulo mit disen worten anzeigt. Huorey / spricht er / zuo vermeiden / so habe ein yeder sein eigen weib vnnd ein yede jhren eignen man. Es were wol guot vnd füegklich das der mensch kein weib berüerte vnd allein lebte on ein weyb. Dieweyl aber söllichs nit einem yeden geben ist / wie der Herr im Euangelio spricht / Vnd die begird deß fleisches etlich oder mertheyl alle menschen brennt / so hatt Gott die Ee als ein artzney eingesetzt / wie dann der heilig Apostel söllichs auch bezeüget vnnd spricht / Wer sich nicht enthalten mag / der greiffe zuo der Ee / dann es ist besser Eelich werden dann gebrennt werden. Darauß wir dann auchClv. / 101b
lernend das natürliche vnd eeliche beyschlaffung der Eeleüten von Gott nitt für sünd oder vnreinigkeyt gehalten wirt / Das werck der huorey vnnd deß Eebruchs ist vnreinigkeyt / dann das streytet mit dem gsatzt Gottes. Aber die Ee hat Gott zuogelassen / vnd sie gesägnet / darumb werdend eeleüt durch den sägen Gottes geheiliget / so sie glöubig vnd gehorsam sind. Dessen habend wir vil argument vnd zeügnussen deß heiligen Apostels Pauli / der spricht inn der Epistel zun Hebreern / Die Ee ist ehrlich bey yederman / vnd das bett der Eeleüten vnbefleckt / die huorer aber vnd Eebrächer wirt Gott richten. Da redt der Apostel züchtig von der sach / dann durch das bett / verstat er eeliche werck vnd beyschlaffung / vnd zeüget daruon / das die vnbefleckt sey. Wer wil nun das vnrein nemmen / das Gott gereiniget hat. Wer ist der nit wüsse / das es den reinen alles rein ist? Darumb hat auch der heilig Bischoff vnd beichtiger oder bekenner Christi Paphnutius im Synodo zuo Nicea recht daruon geurtheilet / da er sprach / beyschlaffung der Eeleüten ist ein keüschheyt. So hatt sich auch der heilig züchtig vnd ersamb Apostel Christi Paulus nit geschämpt fürzuoschreiben / wie man sich in denen sachen halten sölle / dann er spricht / Der man leiste dem weib pflichtige guotwilligkeyt / desselben gleichen auch das weib dem man / Das weib ist jres leibs nit mächtig / sonder der man. Desselben gleichen der man / ist seines leibs nit mächtig / sonder das weib. Entziehe sich nit eins dem anderen / es sey dann auß beyder bewilligung ein zeit lang / das jhr eüch zum fasten vnnd bätten weil nemmind / vnd wider zesammen kommind / auff das eüch der Teüffel nit versuoche vmb eüwer vnmaß willen. Das sind nun heitere wort / die keiner weitteren außlegung bedörffend. Es spricht auch gedachter Apostel weyter zun Corintheren / So du zur Ee greiffest / so hast du nicht gesündet. Jtem / So ein Jungkfrauw zur Ee greifft / so hat sie nitt gesündet. Was ist aber reiners vnd heiligers dann die Jungkfrauwschafft? Noch so sündet ein Jungkfrauw nit / so sie jhr Jungkfrauwschafft mitt der heiligen Ee verwandlet. Darumb spricht der heilig Chrysostomus recht in einer Homelij [predig] / die erst stafflen zur reinigkeit / ist vngefelschte Jungkfrauwschafft / die ander aber / treüwe Ee. Es nennt auch der heilig Augustinus die Ee ein reinigkeit vnd mäßigkeit / wie man das bey jm findet de Bono coniugali cap.19. et 20. Jtem inn der 198. Epistel. Vnd auß disem Brunnen entstat vnd fleüßt der mertheil alle gemeyne ersambkeit / dann es gefalt die Ee Gott / huorey aber vnd alle vnreinigkeit mißfalt jm. Darumb wil er mit diser seiner heiligen ordnung vnnd einsatzung / alle schand vnd vnerbarkeit von seinen glöubigen abschaffen vnd außschliessen. Deßhalb so luogind alle glöubigen / besonders aber die Oberkeiten / das sie hierinn nit faul vnd hinläßig / sonder fleißig vnd dapffer sygind / die heilig Ee zuo schirmen / vnd alle huorey / grobheit vnd vnreinigkeit / mit höchstem ernst zuo straaffen.
Das hab ich nun bißhar nach der lenge auß der heiligen gschrifft wöllen anziehen / damit ein yeder sähe vnd verstande / das die Ee ein heilig ding sey / durch welche / so man sie recht vnnd ersambklich braucht / niemand mög verunreiniget werden / vnd das sie deßhalb allen menschen zuogelassen sey. Dann es spricht auch Paulus / Der Bischoff sol sein / eins weibs man / der seinem hauß wol vorstande / der glöubige kinder habe. So mag man auch mit heiligen vnd anderen geschrifften probieren [-] vnd bewären / das die heiligen Apostel Christi / vnd andere heilige Apostolische männer hirten vnd vorständer der kirchen / Eeweiber gehept heigind. Vnd ist nach falscher leer nichts / das der kirchen mer schade / vnd alle zucht vnd ordnung der kirchen mer zerstöre / dann wenn die diener der kirchen die als liechter vorleüchten soltend / huorer vnd ehebrächer sind. Durch dise ergernuß wirt alle ersamkeit mer verderbt vnd verhönt [geschendet vnd verderbet] / dann durch die anderen all. Von welchen ich aber vff diß mal nit nach der lenge reden oder disputieren wil.CII. / 102a
Das wöll eüwer lieb aber mercken / das daß band der Ee vnaufflößlich vnd eewig ist / dz ist nit mag zertrennt werden / dann auß zweyen wirt ein fleisch vnnd ein leib / wenn du den zerschneidist / so verderbst jn. Darumb was Gott zuosammen gefüegt hatt / das sol der mensch nicht scheyden / welche deßhalb die Ee brächend / die tödend als vil als den leib. Dann dennzuomal so laßt das göttlich vnd das menschlich recht die schidigung [scheidung] zuo zwüschend dem Eeman vnnd der Eebrächerin. Da sol aber kein mindere vnd geringere vrsach zuogelassen werden / von deren wegen die schidigung ergange / dann der Eebruch. Was aber grössere vrsachen sind / die hat der Herr im Euangelio nit verbotten / dieweil er die minder vnd geringer zuogelassen. Es bezeügend auch etlicher Christenlicher Fürsten vnd Keiseren sendbrieff vnd ordnungen die noch vorhanden sind / das auch bey der alten Christenlichen kirchen / nit nur der Eebruch / sonder auch andere ding vrsachen der schidigung gewesen sygind. Damit aber diß band / dest steiffer vnnd stäter haffte / so ist vil daran gelegen / das die Ehen Christenlich vnnd recht / mitt forcht Gottes vnd guoter vernunfft bezogen werdind / das niemand darzuo zwungen oder genötiget werde / sonder / das die so hernach offentlich jhre verwilligung bekennend / vnd ausserlich zuosammen verbunden söllend werden / vorhin ein neigung zuosammen habind / vnd in jhren gemüetern zuosammen stimmind vnnd ein anderen gefallind. Das auch sölliche personen zuosammen verehelichet werdind / die weder sipschafft noch magschafft [Magdschafft] halb ein anderen zenach verwant / sonder die nach göttlichem vnd menschlichem rechten / mit raht vnd bewilligung der Elteren / zuosammen mögend verehlichet werden. Es sol auch in denen so sich verehlichen wöllend / ein frey auffrecht gemüet sein / das nichts anders suoche dann ewige wolfart vnd säligkeit / das ist / das allein auff den willen Gottes sehe / vnnd sich da kein böse anfechtung niendert abfüeren lasse. Hierocles in lib. de Nuptijs spricht / vnfürsichtigkeit ist ein schwär ding / das auch leichte sachen schwär machet / vnnd vnnder annderem auch die Ee / Dann vil habend jhnenn selbs mitt weyben ein grosse vntragliche burde auff den halß geladen / Nicht das die Ee an jhr selb von jhrer natur also seye / sonnder wenn wir nemmend die wir nicht soltend / so kumpt es dann / das vnns die Ee vntraglich wirt. Vnnd also werdend waarlich der mehrteyl Ehen bezogen / dann deren sind vil die nicht weybend / vonn wegen das sie kinder gebärind / vnnd ein mittgehilffen jhres läbens habind / sonder ettlich von wegen deß zeytlichen guots / etlich von wegen der schöne deß leibs / ettlich lassend sich dann durch andere dergleichen vrsachen vnnd anfechtungen / gleich als durch böse rathgäben verfüeren / vnnd nemmend nicht acht deß gemüets / der art / sitten vnnd gebärden / deren mitt denen sie sich vereelichen wöllend vnnd thuond söllichs mitt jrem grossen vnheil vnd verderbnuß. Dahar dienet auch / das Plutarchus in dem Büechlin De liberis educandis, Die Elteren warnet vnd vermanet / das sie jren Sünen sölliche weyber vermächlind [vertrawen vnd geben] / die nicht vil reycher vnnd gewaltiger sygind dann sie / Dann es wirdt weyßlich geredt das Sprüchwort / da man spricht / Wilt weyben so nimm deines geleichen. Vnnd in summa / in disem allem / sol vnns vorleüchten vnd vorgon / die forcht Gottes / das wort Gottes vnnd ernstlichs gebätt zuo Gott. Jn der Ee aber söllend nicht mer dann zwey menschen sein / die zuosammen vnder ein joch gwätten [verbunden] werdind / Dann ob gleich vnnsere altvätter vil wyber gehept / so machend doch jhre exempel vnns kein gsatzt. Es ist yetz erschinen die zeit der verbesserung / vnd ist der Meßias inn die Wält kommen / der es alles gelert vnd reformiert hatt / er hat auch das gsatzt von der Ee widerumb dem ersten gsatzt vnd der ersten regel gleich gmachet / vnd hat gesprochen /CIIv. / 102b
Es werdend sein zwey ein fleisch. Vnd S. Paul / Es sol ein jeder sein weyb haben / vnnd ein jede jren man. Darumb so gadt vns nicht an / das Salomon gantze scharen weyber ghept / Jtem das man von Jacoben lißt / das er zwey weyber ghept. Darzwüschend aber so verdampt das wort der warheit nicht / so man sich gleich zum anderen / dritten vnd noch mermalen nach tod vnnd abgang deß Ehgmahels verehlichet / dann Paulus gibt ein gemeine vnd allweg wärende regel / da er spricht / welche sich nicht enthaltend / die greiffind zuo der Eh / dann es ist wäger [besser] verehlichet / dann geprennt werden [brunst leiden] / welcher spruch auß den Euangelischen worten vnsers Herren Jesu Christi genommen ist / der da spricht / das wort fasset nicht jederman / sonder die / denen es gegäben ist / dann es sind etlich verschnitten / die sind von muoter leib also geboren / vnnd sind etlich verschnitten / die von menschen verschnitten sind / vnd sind etlich verschnitten / die sich selbs verschnitten habend vmb deß himmelreichs willen. Wär es fassen mag / der fasse es. Darumb so volget / das wär es nicht fassen mag / das der sich so offt verehliche / so offt es jhm von nöten ist.
Besonders ist aber zuo bedencken / vnd wol von nöten zuo wüssen / wie wir die Eh halten söllind / worauff Ehleüth sehen / vnd all jhr ding richten söllind / was sie in der eh zuo thuon schuldig / vnnd wie sie gegen der heiligen ordnung Gottes gehertzt vnd angefochten söllind sein. Daruon wil ich nun auch ein wenig reden / vnd allein die fürnempsten puncten erzellen / vnd damit eim jeden anlaß geben nach weiterem vnd meererem zuotrachten. Erstlich so söllend Ehleüth das für gewüß vnd vngezweiflet wüßen / das so sie in der Eh läbend / das sie in Gottes dienst vnnd werck seyend / das sie Gott gefallind / vnnd ein Gottgfellig werck thüegind / vnd das von wegen deß worts Gottes / mit welchem Gott disen stand gesegnet / vnd alle Ehleüth die also mit glauben in dem werck vnnd in der ynsatzung Gottes läbend / geheiliget hat. Darumb wenn Ehleüth / die müey vnd beschwerden so auß der Eh volgend gedultigklich tragend / treüwlich arbeitend / vnd das thuond das Ehleüten gebürt vnd wol anstadt / Als so das weyb den man liebet / jm dienet wie dann jr ampt ist / die kinder mit schmertzen gebirt / vnd die selben dann neert / liebet / vnd mit grossem fleyß vnd arbeit erzücht / Jtem so dargegen der man das weib liebet / jren treüwlich beholffen vnd beraten ist / vnd inn allweg thuot als eim guoten haußuatter zimpt / so gefallend sie in sölichem Gott nützit minder / dann wenn sie zuo kirchen gond / das wort Gottes hörend / vnd Gott anrüeffend. Dann dise werck / die in die Eh gehörend / werdend nit minder für guote werck gehalten / dann allmuosen / gerechtigkeit vnd friden. Darumb ist Christen leüthen vor allen dingen von nöten waarer glaub inn Gott den vrheber deß Ehstands / dann also durch den glauben mögend sie Gott gefallen. Auff sölichs habend die münch nitt hefftig trungen noch geschruwen / Da aber das wort Gottes heißt das man die ding träffenlich treiben sölle / sonder allein habend sie jr gleichßnete [gleißnerische] reinigkeit vnd glüpt biß in himmel erhept. Demnach so wirt auch von Ehleüthen erforderet / das sie indenck seyend der treüw die sie einanderen gelopt vnd versprochen habend / vnd deßhalb ein ander nicht betriegind / brüchig vnd mißtreüw an ein anderen werdind / sonder das sie jren glauben vnd jre verlüptnuß ein anderen treüwlich haltind / ja haltind auffrecht / gemüet vnd leibs halb. Da sol keins in sein gmüet lassen kommen die begird eins anderen / oder den haß vnd verdruß seins Ehgmahels. Dann es ist dein leib (wenn du ein Ehman bist) nit dein / sonder deß weybs / Also deß weybs leyb / ist nicht jren / sonder dein. Darumb so begast du ein roub vnd diebstal / wenn du nimpst das eins anderen ist / oder entfrömdist das / das einem anderen herren zuogehört vnd gibsts dem anderen / dem es nit gehört. Darumb sol das gemüet der Ehleüthen auffrecht / auch jr leib vnbefleckt sein. Es verspricht ein jedes / soCIII. / 103a
man die Ee mit ausserer Ceremoni zuosammen gibt / vnder dem anrüeffen vnnd bezeügen deß Nammens Gottes vor Gott vnnd der gantzen gemeynd / das es seim eegmahel treüw vnd glauben wöll halten / das es sich deß vnnd keines anderen wölle halten vnd gebrauchen / das es dem allein anhangen vnnd das allein lieben wölle. Welches nun sölliche versprochne treüw nicht haltet / sonder bricht / das ist mißtreüw / meyneyd / vnd brüchig [trewloß] an der göttlichen verbindung vnd an der heiligen waarheyt.
Es ist aber auch nicht gnuog / wenn du schon deinem eegemahel treüw vnnd glauben haltest / so du nicht auch fründtlich bist / vnnd mitt vernunfft bey deinem weib wonist / wie Sanct Peter sagt / Es sol der man deß weibs haupt sein / jhr gemüet vnd jhr weißheyt / jhr vernünfftiger regierer vnd wägweiser / früntlich bey jhr läben / sie in allen dingen füegklich vnderweisen vnnd warnen / sie treülich schützen vnnd schirmen. Dargegen sol das weyb jhm gehorsammen / wie wir sehend das die glider am leib dem haupt gehorsam sind. Sie sol sich lassen von jhm füeren vnd regieren / sol seine geheiß vnd gebott so die zimmlich vnd billich sind nit verachten / vnd söllend also beyde gedencken / dz sie ein leib sind vnd glider eines leibs / darumb sie auß der regierung deß menschlichen leibs lernen söllend wie sie sich in der Ee söllind halten. Die fürnemmeren glider verachtend nicht die schlächteren / sonder gäbend jhnen vor / nemmend jhnen die arbeit ab vnnd helffend jhnen / die schlächteren glider aber haltend die fürnemmeren inn ehren vnnd sind nicht verbünstig [verguonnen jhnen nichts] gegen jhnen. Ein glid schlat vnnd bekümmeret das ander nicht / sonder sie liebend einanderen / thuond einanderen guots / vnnd schirmend einanderen vor vnbill. Sölliche verwanntnuß / wolthat / guotwilligkeyt / liebe / fleiß vnnd gemeynschafft sol auch zwüschend Eeleüten sein. Dann darumb ist auch das weib genommen worden von dem leib deß manns / dz der man also sie als sein eignen leib vnd sein eigen fleisch in ehren / vnd lieb hette. Darumb spricht S. Paul / Die man söllend lieben jhre weyber / als jre eignen leib / Wer sein weyb liebet / der liebet sich selbs / Dann niemand hat ye sein eigen fleisch gehasset / sonder er neeret es vnnd auffenthaltets / gleich wie auch der Herr die gemeynd. Deßgleich stellt auch der Apostel am selben ort den sun Gottes selb / vnnd die heilig kirch vnd gemeynd / allen Eeleüten zum exempel für / vnd erforderet von dem man das er sein weib lieb habe / wie Christus die gemeynd geliebet habe / dargegen das daß weib dem man vnnderthänig sey / vnnd jnn liebe / gleich wie die gmeynd Christum liebe. Da kein wirdiger vnnd hefftiger exempel in der gantzen welt ist. Dann kein liebe ist so groß / als die liebe Christi gegen der kirchen. So ist auch kein reinere vnderthänigkeit / vnd reinere auffsähung [verehrung] / dann der kirchen gegen Christo. Darumb so wirt also von den Eeleüten erforderet / das sie gantz einbrünstigklich vnd hertzlich einanderen liebind / alle ding gmeyn habind / guots vnd böses / am joch gleich mit einanderen ziehind / vnd ye eins deß anderen burdi [bürde] trage / Vnd in summa das sie sygind glider eines leibs. Von welchem allem ich weitlöuffiger geschriben hab / in dem büechli vom Eestand. Zum letsten / So söllend auch Eeleüt jhre kinder in guoter zucht vnd Gottes forcht aufferziehen / zuo guotem vnd wolstand / nit nur jres eignen hauses / sonder auch deß gemeynen Regiments. Dauon spricht S. Paulus / Jch wil das die jungen witwen Eeman nemmind / kinder tragind / haußhaltind / dann söllichs ist ehrlich vnd Gott gefellig vnd angenem. Vom aufferziehen aber der kinderen hab ich doben inn der fünfftzehenden predig geredt. Vnd ist der Eestand in disem fal fürauß nutzlich vnd dienstlich / nicht nur einem yeden hauß vnd geschlächt / sonder auch dem gantzen gmeinen Regiment / Jch geschweig erst auch / das der dienst vnd die ehr Gottes dardurch gar träffenlich gefürderet vnndCIIIv. / 103b
erbreiteret [außgebreitet] wirt / so man namlich nicht nur kinder gebirt / sonder auch dieselben in Gottes forcht vnd aller gottsäligkeit aufferzeücht. Hierocles spricht / Jch halt die meynung / das die Ee nutzlich sey / Erstlichen das auß deren waarlich ein göttliche frucht herfür wachßt / namlich das gebären der kinderen / welche vns so wir noch gsund vnd vermüglich sind als vnsere nächsten bluots verwanten / in allen gschäfften mögend behilfflich sein. Werdend wir dann alt vnd schwach / so sind sie vns aber guote behilffen / vnd sind also im wolstand angenämme gmeynder [-] vnd gesellen vnserer fröuden / in widerwertigkeit aber mitleidende mitgenossen vnd nachkömmlig vnser traurigkeit usw. Antipater aber spricht / Es muoß ein mensch der ein burgerlich gemüet vnd art hat / den gemeinen handel deß vatterlands jmmerdar meeren / sonst möchtind die stett nicht erhalten werden / wo nit die ehren burger / vnd ehren leüten sün (so die vorderen jmmerdar wie bletter eines hüpschen baums abreisend [verwelcken] vnd dahin fallend) zuo rechter zeit weyber nämind / vnd kinder als edle zwy vnd schoß [als edle zweyge] deß vatterlands zeügetind vnd nach jnen verließind / vnd also nach allem jrem vermögen vnderstüendind das vatterland allweg im bluost vnd auffgang [wolstand] zuo erhalten / vnd es also gegen allen feyenden vnüberwintlich zemachen. Dann dieweil sie auff das sehend / das sie todt oder läbendig das vatterland schirmind vnd dem selbigen hälffind / so haltend sie deßhalb das es überauß von nöten vnd gebürlich sey sich zuo vereelichen. Vnnd begärend also alles das zuo verbringen das die natur erforderet / insonderheyt aber das / das zum wolstand vnd zuo auffnung deß vatterlands / vnnd vor allen dingen zum dienst Gottes reicht vnd langet usw.
Dieweil nun zuo guotem vnnd säligem läben / souil an rechter Ee gelägen ist / so ist es nit one vrsach / das die glöubigen die selbig anhebend mitt der religion vnd einer Christenlichen Ceremoni / Dann Gott selb der vnsere ersten elteren zuosammen geben hat / der hat sie auch gleich anfencklich gebenedeyet vnnd gesägnet. Dahar der brauch in der kirchen Gottes ist angenommen worden / das die so sich mitt einanderen vereelichen / zum ersten ee dann sie bey einanderen anfahind wonen / inn die kirchen kömmend / da sie dann mitt anrüeffung deß Nammens Gottes / mitten vnnder der gemeynd / die auch Gott für sie bittet / vonn dem diener Gottes / in nammen vnnd an statt Gottes zuosammen geben vnnd eingesägnet werdend. Darumb so sol in der Ee / das fürnemmest vnnd erst sein / das die Eeleüt Gott ernstlich vnnd ämpsig bittind / das er die mann weiß / verständig / gottsförchtig / züchtig / güetig / fromb / arbeytsam vnnd dultig mache / das sie jre weiber lieb habind / Die weyber aber / das sie gehorsamm / güetig / künsch [keusch] / treüw / haußlich vnnd fruchtbar werdind / das sie jhre man vnd kinder lieb habind. Dann was übels vnnd vnglücks allein auß einer eintzigen bösen vnd verkerten Ee entstande / das mag niemand gnuog außsprächen. Es werdend dardurch die haußgesind verwirrt vnnd vnrüewig gemacht / da geht alle scham vnnd zucht zescheyteren / man kumpt vmb das guot / die kind werdend übel verderbt / vnd Gott treffenlich erzürnet / vnd kömmend auch gantze Regiment etwan dardurch in not vnd angst. Darumb man Gott trülich anrüeffen vnd bitten sol / das er alle Eeleüt sägnen wölle / damitt die ehr seines heiligen Nammens / vnnd der wolstand deß gemeynen Regiments gefürderet werde. Nun kumm ich aber auch vff den eebruch / Welches ein sölich laster ist / so eintweders der eeman mit einer andern zeschaffen hat / oder dz eeweib einen andern man zuo jr laßt / dem sie jres leibs (der do nit jren sonder jres mans leib ist) gwalt gibt. Etlich wöllend sich selb hie schönen [beschönen] / vnd meynend sie sygind deß eebruchs nit schuldig / wenn sie allein mit ledigen personen zeschaffen habind / vermeinende sölichs sey nit ein eebruch sonder allein ein huory. Aber die gschrifft haltet vil anderst darvon.CIIII. / 104a
Dann wenn du zuo einer anderen gast / so bist ein Ehbrecher / haltist dein treüw vnd glauben nicht / vnd bist glüptbrüchig / dann dein leib ist nicht dein / sonder deines weybs. Darumb wenn du den einer anderen gibst / so begast ein Ehbruch. Brichst dann dein Eh mit einer anderen / die auch in der Eh ist / so ist die sünd so vil grösser vnd zwifalt. Vnd sölichs laster ist je vnd je von anfang der wält här zum höchsten gestrafft worden. Pharao der Künig in Egypten ließ Saram die haußfrawen Abrahe an sein hoff füeren / das sie sein weib were / dann er meint sie wäre allein Abrahams schwöster / Aber die geschrifft spricht also / vnd der Herr plaget Pharaonem vnd sein hauß mit grossen plagen von wegen Sare der haußfrawen Abrahams. Sich da wirt der Künig in Aegypten mit grossen vnd schwären plagen gestrafft von wegen deß Ehbruchs / ob er schon nicht wußt / das Sara Abrahams weyb was. Was straffen vnd plagen sind dann denen bereitet / die wüssenthafft [wissentlich] / muottwillig vnnd vnuerschampt die Eh brächend. Es sprach auch der Herr zum Abimelech dem Künig der Philister / sihe du wirst deß todts sterben von wegen deß weibs das du vonn jhrem man genommen hast (dann es hat diser Künig auch die Saram hingefüert / doch vnwüssend dz es Abrahams weib wäre.) So sprach auch Joseph einfaltig / do jhn seins herren weyb zuo vnlauterkeit anreitzt / wie sölte ich ein sölich grosses übel oder laster begon / vnd wider Gott sündigen? Jn welchen worten ein jedes sein besonderen nachtruck hatt / dann Ehbruch ist freilich ein groß übel vnd ein groß laster. So läsend wir auch im buoch Job / das Job also spricht / Jst mein hertz je geneigt gewesen zuo meines nechsten weib / oder hab ich neißwan [jemals] bey seiner thüren gelußet [gelauret] / ä so werde mein weib auch einem anderen zuo theil / vnnd andere ligind zuo jren / dann das ist ein schalckheit vnnd mißethat / die der straff wärt ist / ja deß fhürs das gar verzeere / vnd all mein hab von der wurtzen auß reüte. Job spricht / er hab nicht nur die Eh nie brochen / sonder er habe nur [auch] nie vnderstanden eines anderen weyb zuo überfüeren [zuschwechen]. Er bekennt auch / das der Ehbruch ein sölich groß laster vnd ein söliche schand seye / die da wärt seye / das dem Ehbrecher auch sein weib beschissen [geschwecht] vnd gschent [geschändet] werde / Er spricht auch / das der Ehbruch ein feür seye / das gar verzeer vnnd außreüte / vnnd ein söliche sünd die mit höchster straff sölle gestrafft werden. Dann es spricht auch der aller weysest Salomon / Mag einer auch fhür inn der schoß tragen / vnd das kleid vnuerseert behalten / oder mag einer auff einer gluot gon / vnd die füeß nicht verbrennen / Also mag auch ein jeglicher / der zuo seines nechsten weyb gadt / vnd sie berüert / nitt vnuermaßget [vnbefleckt oder vngestrafft] bleiben. Dem dieb / der auß hungers not / das er sich spyse stilt / ists nicht verwißlich / dann so er ergriffen / muoß ers sibenfaltig / oder all sein hab wider leggen. Der aber seiner vernunfft also beraubet wirt / das er mit einem anderen weyb Ehbrechet / der bringt eintweders sich selbs vmb / oder aber er rüstet jhm selbs streich vnd schmach zuo / welche schmach nimmermee abgetilcket mag werden / dann der zorn vnd yfer deß Ehmans / wo er fuog hatt zuo rächen / wirt es nit nachlassen / Er laßt sich auch mit bitt nicht abwenden / vnnd ob du jm schon grosse gaben schancktist / so nimpt ers nit an. Jn welchen worten Salomons vil zuo bedencken ist / Erstlich / das wie es nit müglich / das einer das kleid nit verbrennt / wenn er feür darinnen treit / also werde der Ehbruch vngestrafft nicht bleiben. Darnach / so werdend die dieb vnd Ebrecher gegen ein anderen gesetzt / nit das der diebstal geschirmpt [vertediget] werde / sonder das die dieb / wie vneerlich sie joch handlend / doch minder sünden geachtet werdend dann die Ehbrecher / dann der dieb mag mit widergeben / dem gnuog thuon / dem er etwas gestolen hat / der Ehbruch aber mag nicht widerbracht werden. Vnd ist keiner / der nit lieber wölte / das jm von den dieben die kisten suber außgerumpt / dann das jhm sein lieber Ehgmahel geschent wurde. Es wirt auch der Ehbrecher hie von Salomon
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vnsinnig genennt / vnd als einer der der vernunfft beraubet. So ist auch Ehbruch ein vnabwäschliche schand / vnd ein laster deß tods wärt. Dann es spricht der Herr in seim gesatzt nit allein du solt nit Ehbrechen / sonder er spricht an eim anderen ort auch also / wer die Eh bricht mit jemands wyb / der sol deß tods sterben beide Ehbrecher vnd Ehbrecherin / darumb das er mit seines nechsten wyb die Eh gebrochen hat. Vnd dise straff deß Ehbruchs / dz der beim läben sölle gestrafft werden / ist auch von Heiden nit auffgehept noch geänderet worden / dann mencklichem ist bekannt Lex Iulia so bey den Römeren gewesen / nach welchem gesatzt die Ehbrecher beim läben gestrafft wurdend. Welches gsatzt auch noch zun zeyten Hieronymi im bruch ist gewesen / wie man kan abnemen auß der histori / die gedachter Hieronymus schreibt / De muliere adultera septies icta. Vnnd ist warlich kein wunder das der Ehbruch bey den alten / vnnd auch noch auff den heütigen tag nach den satzungen für malefitzisch [peinlich vnd halßbrüchig] gehalten ist vnd wirt / dann es ist ein laster / darinn vil sünden begriffen vnd begangen werdend. Dann erstlich so ist der Ehbrecher als vil als treüwloß vnd meineid / dann er bricht vnd vbersicht die trüw / die er vor Gott vnd der gmeind offenlich / bey der bezeügung der heiligen Göttlichen drifaltigkeit / mit dem zuosammen geben der henden so vom diener Christi gschehen / versprochen vnnd verlobt hat. Darnach so begat er auch ein raub vnd diebstal / dann wenn die Ehbrecherin einen anderen jres lybs laßt gwaltig werden / so schendet vnd verderpt sie nit jren / sonder jres Ehmans leyb. Vber das dann auch das volget / das die basthart / so auß dem Ehbruch geboren werdend / offt mit den rechten vnnd Ehlichen kinderen zuo gleicher erbschafft kommend / welches nit kan sein vnd geschehen on grossen nachteil vnd vnbill der Ehlichen kinden. Dann die werdend vnbillich deß jren beraubet / vnd müessend auch vnbillich die erbschafft theilen mit denen / denen es mit keinem rechten gehört. So entstond auch andere vnzalbare übel mee auß dem Ehbruch. Dieweils deßhalb ein schlang ist / die so vil köpfen hat / auß deren so vil böses entstat / so ist es nicht vergäben / das daß göttlich vnd menschlich gesatzt die Ehbrecher am läben strafft.
Das sind mir aber guot leüth / ja hindersich / die auß dem Ehbruch ein gspött vnd glechter machend / vnd meinend es diene jnen das exempel deß Ehbruchs Dauids / Jtem das man von Christo lißt dz er dem wybli gnedig gewesen seye / dz am Ehbruch bezogen [-] vnd ergriffen was worden. Warumb bedenckend söliche leüth nit wie schwär vnd hefftig Dauid von Gott darumb ist gestrafft worden? Dann es ward sein hauß gantz vngfellig / vnnd bald mit einer wüesten bluotschand vermaßget [-] vnd befleckt / dann sein sun Ammon schendet mit gewalt sein eigne schwöster die Thamar. Bald darauff volget auch ein grausammer todschlag / das Absolon sein eignen bruoder den Ammon ob dem mal erstach vnd zuo tod schluog. Jtem es schendet vnd beschlieff gedachter Absolon auch seinem eignen vatter seine weyber / vnd das offenlich an der Sonnen / on alle scham. So treib er den vatter auß dem reich / den er auch eylet vmbzuobringen. Dauid aber erkannt das er sölichs billich von wegen deß begangnen Ehbruchs vnnd todschlags litte. Zuo letst wurdend auch vil tusend deß volcks / in offnem väldstryt erschlagen / vnd kam Dauid kum wider zum reich / da er auch hernach sein läbenlang buoß würcket vnd thett. Darumb so ist es zuo verwunderen das söliche Ehbrecher dennocht noch dörffend jhnen zuo schirm das exempel Dauids anziehen vnd ynfüeren. So was auch der Herr in dise wält nicht kommen als ein richter / sonder als ein heiland vnd säligmacher / vnd hatt die gerechtigkeit deß schwerts an keinem ort nie brucht / darumb ists kein wunder das er die Ehbrecherin nicht heißt versteinigen. Er fragt sie aber / hatt dich niemand verurtheilt? Damit er anzeigt / das so sie verurtheilt were gewesen / das er es darbey wurde haben lassen bleiben. Dann er ist nit kommen / die Ebrecher zuo schirmen /CV. / 105a
oder das gsatzt auffzelösen sonder zuo erfüllen. Gefallt aber ye den Eebrächern so wol / das diß Eebrächerisch weib vom Herren zum tod nit ist verdampt vnd verurteylet worden / ä so gfalle jhnen auch das / das der Herr zum beschlussz der selben Histori hinzuo setzt vnd spricht / Gang hin vnd sündige fürhin nicht mer. Also hörind auch sie auff / sich selb mit Eebruch zuobeflecken vnd zuo verderben.
Ob wol aber der Herr hie in seinem gsatzt allein den eebruch genennt hat / so hat er doch auch allen muotwill / geylheit vnd überflussz / vnd alles das / das zur geylheit fürdernuß vnd anlaß gibt / verstanden / welches er nitt mitt minderem ernst vnd gerechtigkeit verbotten hat / dann den eebruch selbs. Es verbeütet der Herr im Euangelio heiter / nicht nur das ausser werck deß eebruchs / sonder auch die muotwillig vnd geyl anfechtung vnd begird deß gemüets / Dann er spricht / Jr habend gehört dz zuo den alten gesagt ist / Du lt nit eebrächen / Jch aber sagen eüch / das welcher ansicht eines anderen weib jren zuobegären / der hat die Ee mit jren gebrochen in seinem hertzen. Er leert auch am selben ort / dz man die augen außreissen vnd die händ abhauwen sölle / so sie vns ergerend / dz ist / man sölle den bösen anfächtungen bey zeiten weeren / ee dann sie inn das werck außbrächind. Darumb so wirt in disem gebott alle vnlautere anfächtung / alle vnreinigkeyt vnd schand / es sey deß munds oder deß gantzen leibs verbotten. Vnd deßhalb so wirt auch huorey verbotten / welche geschicht so ledige personen mit einanderen zeschaffen habend / Welches von vilen für gar kein oder doch für ein gar kleine sünd gerechnet wirt / Also kan der Teüffel den leüten ein ding eingeben vnd sie verzauberen. Die Euangelisch vnnd Apostolisch leer leeret vns vil ein anders / Dann die heiligen Apostel verbietend die huorey gar heiter inn jhrem Sendbrieff / den sie auß jrem Synodo in der Statt Jerusalem gehalten / zuo allen Heyden außgeschickt vnd geschriben habend. So zellt auch S. Peter die huorey vnder die aller gröbsten laster / mit denen er die Christen gar vnnd gantz nicht wil zuo thuon haben. Es spricht auch S. Paulus / Fliehend die huorey / Jtem / lassend vns auch nit huorey treiben / wie etlich vnder jhnen sich damit befleckt habend vnd auff einen tag drey vnd zwentzig tausend fielend. Es streytet die huorey mit dem Pundt / mit welchem wir Gott vnd Gott vns verwannt vnd verpündet [verpflichtet vnd verbunden] ist. So wirt auch durch huorey Gott sein ehr entzogen / vnd der Tempel Gottes schanntlich verwüestet vnd verunreiniget. Dauon der heilig Apostel Paulus also bezeüget vnd spricht / Wüssend jhr nicht das eüwere leib / Christi glider sind? Sol ich nun die glider Christi nemmen vnnd zuo huoren glideren machen? das sey ferr / Oder wüssend jhr nicht / das wer an der huoren hanget / der ist ein leib? Dann es werdend sein zwey in einem fleisch / Wer aber dem Herren anhanget / der ist ein geist. Fliehend die huorey / Alle sünd die der mensch thuot / sind aussert seinem leib / Wer aber huoret / der sündet an seinem eignen leib. Oder wüssend jhr nicht / das eüwere leib Tempel sind deß heiligen geists / den jhr habend von Gott / vnnd sind nicht eüwer selbs? dann jhr sind theur erkaufft. Darumb so schleüßt huorey die huorer auß dem Reich Gottes / Dann es spricht Paulus auch am selben ort / Weder die huorer / noch die eebrächer werdend das Reich Gottes ererben. Darumb er auch an einem anderen ort nicht wil / das huorey vnder den Christen genennt werde / so ferr ist es das der treüw diener Jesu Christi huorenheüser vnnd huorenwinckel gelitten hette. / Zuo dem so füllt auch huorey den leib deß menschen mit mancherley kranckheiten / bringt jn vmb hab vnd guot vnd alles das er hat / bringt jhn zuo grosser armuot vnd arbeitsäligkeit [jammer] / vnd zuoletst auch zuo verzweiflung / Jtem in grosse schand. Deß wir ein läblich exempel habend in der heiligen gschrifft / an dem aller stercksten Jsraeliter dem Sammson. Darumb warnet der weiß Salomon wol vnd recht alle menschen / das sie sich hüetind vor der süessen zungen der huoren / dann jhr letstesCvv. / 105b
sey gifft / vnd falle der mensch dardurch in den tieffen abgrund alles übels.
Es wirt auch durch das gebott geschendung schwechung vnd raub der töchteren verbotten / da etwan die kind den Elteren mitt gewalt entfüert vnnd geschwecht werdend. Da aber ein vnderscheyd ist zwüschend der schwechung so mit gwalt / vnd deren so on gwalt geschicht. Sichem der schwecht Dinam die Tochter Jacobs / vnd wiewol er sie nach diser schwechung gern zur Ee gehebt / vnnd sein glauben vnnd religion von jhrent wegen geänderet hette / so ward er doch von dem Leui vnnd Simeon den brüederen Dine erstochen / vnd ward die gantz Statt vmbkeert / vnd mit dem bluot der erschlagnen erfüllt / wie man lißt Gen. am vier vnd dreißigsten. Also ward auch garnach das gantz Land Hispania mitt brand vnnd bluot erfüllt / von wegen das der Gotther Künig Radrychus der dozemal Hispanien innhat / die Tochter Juliani deß Vogts schwecht vnd schendet. Daruon Volatteranus lib. 2. Geograph. also schreibt / Radrychus regiert drü jar / dessen schandtlicher muotwill das gantz Gothisch geschlecht vnnd allen friden deß Reichs / durch die zuokunfft der Saracener zuo grund richtet. Dann als er die Tochter Juliani deß Landtvogts / vnnd verwalters inn Tingitana schwechet / da thet es dem vatter so wee / das jhn sein schmärtz zur raach beweget / vorauß dieweyl die gelegenheyt deß orts jhm vil anlaß vnnd fürdernuß darzuo gab. Dann er bracht heimlich die Saracener auff auß Aphrica / die kamend durch die enge deß Herculischen Meers in das Land / im jar nach Christi geburt gezellt sibenhundert vnd viertzehen / mitt jhrem Hauptman Murra genannt / geschickt von Mirmomeliano / der dozemal jhr Künig was / vnnd namend jnnert zwey jaren gar nach das gantz Hispaniam in / biß an die Astures. Jnnert wölcher zeit man sagt das zuo beyden seyten / biß auff die siben mal hundert tausent menschen vmbkommen sygind. Jn wölchem krieg auch der Künig selb der Jungkfrauwschänder / mitt allem seynem Adel vmbkam vnnd erschlagenn ward. Also wurdend in dem volck Jsraels vonn wegen deß Leuiten Kebßweybs die vonn den Gabaoniteren mitt gewallt genotzoget vnnd geschennt ward / der Benjamiteren biß auff die 25000. erschlagen / Jch geschweig erst deren die vonn den anderen einliff [eilff] stammen sind vmbkommen / deren zal sich verlaufft auff die viertzig tausent. So weißt auch ein yeder / das die Künig darumb auß Rom vertriben / Vnnd Troij durch ein Zehenjärigen krieg / in wölchem alle Reych deß auffgangs vnnd nidergangs wider ein anderen warend / ist vertilcket vnnd in dem grund außgereütet worden / Darumb das Tarquinius zuo Rom Lucretiam mitt gwalt beschlaaffen / Vnnd Alexander Paris von Troy / dem Menelao auß Griechenland sein weyb Helenam entfüert hatt. Vnnd deren exemplen findt man zuo allen zeiten vil geschehen sein / dann der gerecht Gott / hatt allweg mitt söllichen beyspilen erklärt vnnd anzeygt / wie träffenlich er erzürnet werde ab dem schänden der Töchteren / vnnd rauben der weyberen. Darumb sind auch wider sölche schälck vnnd buoben / gar träffenliche satzungen vnd straaffen etwan verordnet worden. Die Keiserlichen recht heissend ein söllichen röuber / oder der ein Tochter mit gwallt schwecht / an leib vnd leben straaffen. Wölcher aber eine nicht mitt gwallt schwecht / dem gebeüt Gott / das er jhr ein Morgengab gäbe vnnd sie zuo der Ee nemme. Andere satzungen haltend auch ein anders inn / von wölchem man in Keyserlichen Rechten vil findet. Besonders aber wirt in disem gebott verbotten / Bluotschand / das ist / da gefründete vnd bluotsverwannte / on scheühen deß geblüets mit einanderen zuothuon habend / das in latin incestus genennt wirt. Dann Cestus heißt ein hochzeitgürtelCVI. / 106a
so die brut anhatt am hochzyt / der bedeütet das es ein rechte Eh wäre. Wir teütschen nennend das laster ein bluotschand / nammlich ein schand so dem bluot vnd den bluotsuerwanten anthon wirt. Von welchem der Herr im dritten buoch Mosis nach erzellung der verbottnen graden also spricht / Jr söllend euch inn diser keinem verunreinigen / dann inn disem allem habend sich verunreiniget die Heiden / die ich vor euch här wil außstossen / vnd das land ist dardurch verunreiniget / vnd ich wil jr mißthat / an jnen heimsuochen / das daß land seine ynwoner vßspüwe. Darumb haltend jr meine breüch vnd recht vnnd thuond diser grüwlen keinen / dann welche dise grüwel thuond / deren seelen söllend außgereütet werden von jrem volck. Vnd weiter Leuit.xx.Cap.[11] setzt er die straff deß läbens auff söliche bluotschand. Welche straff auch in keiserlichen rechten bliben / vnd nit verenderet worden ist.
Jtem es wirt verbotten die schantlich sünd der Sodomij / vnd vermischung mit den vnuernünfftigen thieren. Wider welche schand vnnd sünd / auch offne vnd außtruckte satzungen funden werdend Leuit. am achtzehenden vnd zwentzigsten Capitel. So findend wir auch mit was grausammer / aber gerechten straff Gott der gerecht richter / die Sodomiter gestrafft habe. Dann er die schantlichen vnfläter mit feür vnd stinckendem schwäbel vom himmel herab zuo bulfer vnd zuo äschen verbrennt hatt / vnd darnach die äschen auch zerflößt mit dem Todten meer / damit nun kein stöubli von denen lasterhafften leüthen über blibe. Da auch gantze stett vnd überauß fruchtbare välder verbrunnen sind / dann es muoßt gar vnd gantz nüt überbleiben von allem dem das deß schantlichen volcks gewesen was. Es hatt auch das ort den nammen behalten das Todt meer. Darauß wir wol könnend abnemen / das der gerecht Gott keinem volck verschonen wirt / das mit gleichem laster behafftet ist / ob er jnen gleich wol ein weil zuosicht / so werdend sie doch auch verbrennt werden sie vnnd was sie haben / ja ewigklich in der hellen werdend sie brünnen / vnnd wirdt nichts vonn jhnen überbleiben / dann ein vneerlicher schantlicher namm vnd gedechtnuß. Dann wir läsend also in der Theology vnsers Herren Jesu Christi Apo. am xx. Cap. vnd es fiel das feür von Gott auß dem himmel / vnd verzeeret sie / vnnd der Teüfel der sie verfüert / ward geworffen inn den fhürinen teich vnnd schwäbel / da das thier vnd der falsch Prophet was / vnd wurdend gepeiniget tag vnd nacht von ewigkeit zuo ewigkeit. Vber das wirt auch in disem gebott alles das verbotten / das zuo verbottnem wollust zuo muotwill vnd geilheit anreitzen vnnd bewegen mag. Als da ist vnzimmliche ziert deß leybs / böse muotwillige gesellschafft / füllerey / überfluß vnd trunckenheit. Dann Ezechiel spricht vnder anderem / die sünd Sodome ist gewesen / stoltzer übermuot / völle der speyß / alle gnüege vnnd müeßiggang usw. Zur geilheit reitzend auch nicht wenig üppige vnd grobe lieder vnd sprüch / so man die lißt oder hört / Jtem muotwillig täntz / vnzüchtige schowspil / wüeste grobe reden vnd exempel. Deßglich werdend durch dises gesatzt auch alle die verdampt / so die huory fürderend / darzuo schweigend vnd durch die finger sehend / auch etwan huoren vnd buoben zemmen helffend vnd verkupplend. Zum gottlosen spricht Gott in Psalmen also / Warumb kündest du meine gesatzte auß / vnnd nimpst meinen pundt inn deinen mund? So du doch zucht hassest / vnnd meine wort zuoruck wirffest? Findst du einen dieben / so lauffest du mit jhm / vnnd hast mit den Ehbrecheren gemein usw. Sölichs alles strafft nun Gott der gerecht Richter an denen die es übertrettend / ein jeder nach seiner grösse vnnd schwäre. Dann ein sünd ist grösser dann die ander. Welcher deß anderen Ehweyb in seinem hertzen begärt / der ist ein Ehbrecher. Schwärer aber sündet er / wenn er auch mit der that / das laster erfült / Noch schwärer wenn er es denn nochCVIv. / 106b
ein mal thuot / vnd also jmmer für / je öffter je schwärer. Jtem also sündet wol der Ehbrecher / aber der sündet auch / der dem Ehbrecher hilfft / vnnd jn schirmpt [verthediget]. Ein huorer sündet schwärlich / vil schwärlicher aber sündet / der sich mit bluotschand befleckt / aller schwärest aber / welcher handlet wie die schantlichen Sodomiter. Darumb so wirt in disem sibenden gebott / zucht / scham / nüechterkeit / mäßigkeit / reinigkeit gemeine Eersammkeit vnd heiligung beide deß leybs vnd auch deß gemüets gebotten. Nun ist es aber an dem das ich auch etwas rede von der mäßigkeit vnd bescheidenheit.
Mit bescheidenheit [-] oder mäßigkeit enthaltend wir vns vor allem dem das nit vnser ist / damit wir niemand das sein nemmind. Etlich meinend mäßigkeit strecke sich weiter dann abbruch vnnd entziehung / oder bescheidenheit / dann dises seye allein ein stuck vnd ein theil der mäßigkeit. Jch setzen aber bescheidenheit abbruch vnd enthaltung hie einfaltig der vnmäßigkeit engegen vnd dem so [dessen] sich einer nicht mag enthalten / dann bescheidenheit / ist ein tugend vnd krafft deß gemüets so vom geist Gottes kumpt / welche die anfechtungen dämpt vnd vndertruckt / vnd keinen vnzimmlichen wollust jrgent zuolaßt. Die üept sich aber vnd stat in der red deß menschens / Jtem in nachglaßnem wollust / in kleidungen in wonungen vnd büwen / in spyß vnd tranck / vnd in andren derglichen dingen. Wir wöllend aber allein von den jetzgemelten stucken auff diß mal reden. Zum ersten so wirt von vns erforderet / dz wir vnser zungen innhaltind / vnd nit außbrechen laßind / weder zuo schmach der Eeren Gottes / noch zuo nachteil vnsers nechsten. Dann es sol eines Christen menschen red sein / Ersam / nützlich / vernünfftig / verr von aller leichtfertigkeit / eytelkeit / liegen / schand vnd grobheit. Von der zungen schreibt S. Jacob vil in seiner Epistel am iij. Capitel[Jac.1.19]. Jm ersten Cap. spricht er / Ein jeglicher mensch seye schnäll zuohören / langsam aber zuo reden / vnd langsamm zuo zorn. Vnd S. Pauls spricht / lassend kein faul geschwätz vß ewerem mund gon / sonder wz nützlich zuo erbuwung ist / da es not thuot / dz es holdsälig seye zuohören. Vnnd betrüebend nicht den heiligen geist Gottes / damit jhr versiglet sind auff den tag der erlösung. Jtem / huory vnd alle vnreinigkeit / oder gyt lassend nicht vnder euch genennt werden / wie den heiligen zuostat / auch schampare wort vnnd narrentäding / zuo vil leichtfertige schimpf / vnnd was sich nicht zur sach reymet / sonder vil mee sol ewere red dancksagung sein / vnnd lassend euch niemands verfüeren mit vnnützen worten / dann vmb der selben lastern willen kumpt der zorn Gottes über die kinder deß vnglaubens. So füert er auch an eim anderen ort disen spruch yn / auß dem Menandro / Böse geschwätz verderbend guote sitten. Es wirdt auch eins jeden menschen hertz vnnd gemüet inn seiner red erkent / dann auß dem überfluß deß hertzens redt der mund. Darumb gebürt es sich Christenleüten yenerinn [in jrgend einer sachen] das sie bescheiden vnnd meßig seyend / so gebüt es sich jnen in disem stuck sonderlich wol. Demnach so hatt der Herr dem menschen nachgelassen [zugelassen] etliche wollüst / dann es mag der mensch sein leib wol ehrlich zieren mit kleideren nach zimmligkeyt / vnd sich mit denen vor frost vnd vngewitter bewaren. Er hatt auch Eerliche Ehliche byschlaffung nachgelassen. Deßgleichen kummliche [bequemliche] behusungen vor vngewitter. Dann er erfordert nicht von vns / das wir wie das vnuernünfftig vich / vnnd die wilden thier auff dem väld oder inn wälden vns enthaltind. Jtem er hatt auch nachgelassen speyß vnd tranck zur notturfft vnd auch zuo frölicher erlabung vnnd ersettigung / deßgleichen / ruow vnnd schlaff / durch welchen die krefft deß menschen so sie ermüedet wunderbarlich widerbracht vnnd gesterckt werdend. Darumb wenn ein frommer mensch söliche ding braucht vnd neüßt / vnd sich darinn mit Eerlichem wollust belustiget / so dancke Gott / vnnd brauche die selbigen zimmlich vnnd mit forcht Gottes / dann er sündetCVII. / 107a
damit nit wider den Herren. Aber durch mißbrauch vndanckbarkeit vnd vnmäßigkeyt deren dingen versündiget man sich. Dann was Eeleüten hierinn nachgelassen sey / hab ich doben in diser Predig erklärt / das es nicht von nöten ist hie widerumb zuo äferen. Salomon spricht / Fröuw dich mitt dem Eeweib / das du in deiner jugent genommen hast / die sol dir sein wie ein geliebte außerwölte Hind / vnd wie ein lieblich Reech / jre brüst söllend dich settigen alle zeit / in jrer liebe solt du stäts behafft sein usw. Darbey aber sol sich ein yeder enthalten von allem mißbrauch vnnd vnmäßigkeit / vnd wo es die notturfft erforderet / so söllend auch eeleüt von einanderen liggen / nach dem rath S. Pauli / vnd deß Propheten Johels der also spricht / Gebietend ein fasten / berüeffend ein gmeynd / vnd versamlend das volck usw. Der Breütgam gange auß seiner kammer / vnd die Braut von jrem fürhang.
So vil aber die bekleidung belangt / so söllend die selben sein sauber vnd ersamm nach eins yedens lands brauch / es wäre dann sach das es ein vnerbarer brauch wäre / Decken söllend sie den menschen vnnd zieren / nichts sol daran vnratsamm vnd vnflätig / oder gleichßnerisch / frömbd / leichtferig vnd vngebürlich sein. Es habend sich die fürnembsten Apostel vnsers Herren Jesu Christi Petrus vnd Paulus nit geschämpt lange gebott fürzeschreiben von der geziert vnd bekleidung der weibern / dieweil die selbigen in disem stuck besonders gern hoffart treibend. Da sol nun ein yeder glöubiger bedencken was jm zimme vnd wol anstande / nit allein seins stats stands vnd wäsens / sonder fürnemlich seins glaubens halb / überflussz vnd vnmaß stat Christen leüten inn allen dingen übel an / Vnd besonders / warzuo dienet es doch / die kleider / so gmachet werdend den leib deß menschen zuobedecken / also zuo zerhauwen / dann dz man auß dem vngeschickten vnerberen [vnerbaren] zerfätzen einem yeden anzeigt vnd zuo verston gibt / wie wir dainnen in vnseren hertzen gstaltet sygind / zerhauwen namlich / zerfätzet / zerlemppet [zerlumpet] / vnstandthafft / eitel vnd leichtferig? Darzuo so bedeckt vnd ziert ein leinin oder wullin kleid den menschen eben so wol / als ein Dammastin oder Sammetins. Ja welche kleider so vngebürlich vnnd überflüßig sind / die beschwärend vnd verungstaltend dich mer dann daß sie dich zierind. Darnach so vil das buwen belangt / da wirt nit verbotten das man sauber vnd nach notturfft buwe / sonder da man allein auff schöne buwt / vnnd mit vnmaß / dann es werdend auch gemeynlich die köstlichen beüw nitt auffgerichtet one vndertruckung der armen / vnd one grosse vngerechtigkeit. Jeremias füert den Herren yn wider den küng Juda also redende / Wee dem der sein hauß mit vngerechtigkeit buwet / vnd seine summerlauben nit mit recht / der seinem nechsten nichts vmb sein arbeit gibt / vnd jm sein taglon nit bezalt / der in jm selb gedenckt / Jch wil mir ein weit hauß bauwen / vnd kostlich Säl / laßt jhm fänster darein hauwen / vnd machet getäflete bogen auß Cedern / vnd streichts auß mit Zinnober / Meynest du wöllest yetz regieren / so du mit Cederholtz zuo eyfer vnd verbunst tratzist? Hat nicht dein vatter / do er billich vnnd recht gehandlet hat / auch gässen vnd truncken vnd was jm wol? usw. Darumb sol jm niemand kostliche grosse heüser bauwen auß raub / vnd auß dem schweiß der armen. Wone ein yeder in einem söllichen hauß / das seinem glauben / ampt / stand vnd wäsen zimme. S. Hieronymus schiltet auch den überflussz der beüwen an den Templen vnd kirchen. So sich ich auch nit / was auß kostlichen schönen heüseren vnd beüwen dem menschen guots volge vnnd entstande / wir scheidend gar vngern auß söllichen Pallästen / vnnd fürchtend den todt vil dest wirß [mehr]. Die heiligen Ertzvätter haben inn hütten gewonet / vnd damit anzeigt das sie hie bilgerin vnnd frömbdling auff erden wärind / vnnd deßhalb ein anders / namlich das himmlisch vatterland suochtind.CVIIv. / 107b
Bescheidenheit demnach in speiß vnd tranck stat nit in dem / vnnd erforderet nit / das wir speiß vnd tranck haßind / sonder das wir es zimlich brauchind zur notturfft / nitt zum überflussz vnd füllerey. Es wirt in der geschrifft allein die vnmaß / in essen vnnd trincken / Jtem füllerey / schlämmen / vnd in sonderheit / trunckenheyt verbotten / Dann auß deren kömmend vnzalbare übel / vnd laster / schwäre kranckheiten / armuot vnd ellend. Salomon spricht / Wo heület man? wo schrijt man? wo sind zänck? wo tantet man [ist klagen]? wo werdend wunden fräfenlich geschlagen? wo sind rote augen? Bey denen die dem wein nachziehend / vnd fragend wo man einschencke. Nit beschauw den wein wie er rot sey / vnd wie er sein farb in dem glaß gäbe / er gat wol glat hinein aber sein letstes wirt beissen wie ein schlang / vnd gifft außgiessen wie ein Basilisc. Hie wil ich nit erzellen alles das so auch auß Heidnischen Scribenten wider die füllerey vnd trunckenheit möchte herfür bracht vnd anzogen werden / Salomon begreifft es allein der mertheil alles in disem yetz anzognen spruch. Wer auch Christum nit hören wil / der wirt freilich andere alle auff der gantzen erden vil minder hören. Der streicht aber im Euangelio vnder der gleichnuß deß reichen prassers gar wunderbarlich vnd eigentlich auß / was ends söllichen prasseren vnd füllerichen begegnen werde. Jtem er straafft auch die füllerey vnd trunckenheit vnserer zeit in deren wir yetz läbend / das ist in der letsten vnnd nechsten zeit so vor dem Jüngsten gericht sein werde / vnd spricht / Wie es geschach zuo den zeiten Noe / also wirt es auch gschehen in den tagen deß menschen suns / Sie assend / sie trunckend / sie mannetend / sie weibetend / biß auff den tag do Noe in die Arch gieng / do kam der Sündtflussz vnd bracht sie alle vmb. Desselben gleichen wie es geschach zun zeiten Loth / sie assend / sie trunckend usw. Do regnet es fewr vnd schwäbel von himmel / vnd bracht sie alle vmb. Auch spricht er hernach weiter darauff / Luogend vnd hüetend eüch / das eüwere hertzen nit beschwärt werdind mitt frässen vnd sauffen / vnd mit sorg diser welt / vnd diser tag schnell über eüch kömme / dann wie ein strick wirt er kommen über alle / die auff der gantzen erden wonend. Darumb sind wacker alle zeit / vnd bättend / das jr dem allem mögind entfliehen / vnd ston vor dem Sun deß menschen. Gott wölte das yederman den herrlichen kostlichen himmlischen spruch / vnnd die göttlich warnung vnsers Heylands / nit allein in alle Säl / Palläst / herbergen vnd wirtsheüser da man mäler haltet / sonder auch ein yeder in sein hertz / einschribe. Dann dieweil trunckenheit auff den heütigen tag bey allen ständen vnd geschlächteren der menschen / bey hohen vnd nideren / bey weib vnd man / bey jungen vnd alten / so gar hat überhand genommen / So erfarend wir auch täglich alle die plaagen vnnd übel / die der Herr den truncknen tröwet hat / Esaie am v. vnd xxviij.Capitel. Vnd ist übel zebesorgen / der tag deß Herren werde der truncknen vil überfallen vnd ergreiffen zuo jrem eignen verderben. Darumb wer oren hat zehören der höre. Hie mag ich mich aber nit überheben eüwer lieb zuo erzellen die schöne leer vnd vermanung die der heilig S. Martin / Bischoff / (nit der zuo Turonen / sonder der) zuo Damiens / so zun zeiten deß Keisers Justiniani geläbt / in seinem büechlin an Mironem den Künig in Gallicia von der mäßigkeyt / bescheidenheyt / abbruch vnnd entziehung geschriben hat. Der spricht nun also / Hast du maß vnd bescheidenheit lieb / so schneid ab alles was überflüßig ist / vnnd stell deine begirden hindersich in ein winckel. Bedenck bey dir selb / was die natur erfordere vnd haben muoß / nit was dein begird gelustet vnd gern hette. Leg deiner begird ein zaum ein / vnd ein maß / vnd wirff von dir alles das dir geliebet vnd dich gelustet / das ein heimlichen wollust mit jm bringt. Jß das du verdöwen mögist / Trinck nit das du truncken werdist. Biß nit ergeben an schläck [leckerbißlein] die du hast / vnd die du nit hast / die begär auch nicht / Dein narung sol ring [gering] sein / SetzCVIII. / 108a
dich nit zum schläck [zutisch] dich zuo füllen / sonder zur speyß dich zuo settigen / der hunger thüege dir den mund auff / nit der seltzam geschmack der speyß. Den glust büeß mit geringem / dann dz solt du allein suochen dz der selb auffhöre / vnd yl dich selb so vil dir müglich nach dem exempel deß Herren / vom fleisch auff den geist zuobringen vnd zuofüeren. Wilt du dich auch der maß vnd bescheidenheit fleyssen / so suoch nit wie lustig / du behuset seyest / sonder allein das du wonist / da du dein gesuntheit behalten mögist. Du solt nit wöllen das der Herr vom huß ein nammen überkomm vnd bekant werde / sonder das huß vom Herren. Schreib dir selb nit zuo / dz du nit bist / noch sein wirst / du solt auch nit grösser wöllen gehalten werden / dann du bist. Deß fleyß dich vil mee / dz du nit vnreine armuot [in armut nicht vnsauber] / schmürtzelachtige kündigkeit [in sparsamkeit nicht karg vnd geitzig] / hinleßige einfalte [in einfaltigkeit nicht hinlessig]/ träge vnd fule senfftmüetigkeit an dir habist [in lindigkeit nicht faul seyest]. Vnnd hast du glich nit vil so luog doch das du nit mangel habist. Laß dich deß dinen vernüegen / verwunder dich nicht was ein anderer habe. Liebest du auch maß vnd bescheidenheit / so flüch was vnerbar vnd schantlich ist / eb [ehe denn] es dir begegne / vnd fürcht keinen anderen wirs / dann dich selbs [scheme dich für keinem andern mehr / denn für dir selber]. Glaub das alle ding traglich [leidlich] seyend / on allein schand nit. Enthalt dich auch vor vnerbaren worten / dann der selbigen gwonheit / machend vnuerschampt. Nützliche reden hab lieber / dann liebliche vnd holdsälige / vnd auffrechte reden lieber / dann söliche die dir gwunnens gebend. Vnder der ernsthaffte [in ernstlichen sachen] magst auch zun zyten wol schimpfwort lassen lauffen / doch bescheidne / dardurch weder dein ansehen noch zucht geringeret werde / dann [Denn] lachen ist sträfflich so es vnmäßig ist / kintlich vßgossen / vnd auff wybische art gebrochen wirt [kindisch vnd weibisch ist]. Höfligkeit vnd sittige sol dir angnemer sein / dann lichtfertige schamparkeit. Deine speiwort [höfliche reden] söllend nit bißig sein / vnd die schimpfwort nit one nutzbarkeit / dz lachen one gachlen vnd kitteren [nicht vnmessig] / die red on gschrey / der gang sittig one zablen [getümmel]. Dein ruow sol kein fulkeit sein. Wenn andere spilend / solt du etwz heiligs vnd Eerlichs handlen. Bist du auch behuotsam mäßig vnd bescheiden / so myd alle schmeichelwort / vnd laß dich als [eben so] vngern vnerbar leüth loben / als wenn du von vnerbarer sachen wegen gelobt wurdist. Biß frölich wenn du bösen leüthen mißfalst / vnnd wenn sie dich schältend / so habs für das gröst lob. Das aller schwärest werck der behuotsam vnd bescheidenheit / ist / das flatieren [liebkosen] der schmeichleren / deren wort dz gemüet gar mit wollust erlindend [erweichet] außschlahen. Biß auch nit fräfen [khuon] / noch ruomsüchtig [vermessen]. Biß vnderthenig / doch mach dich selb nit gar zuo nichte / sonder behalt dein ansehen. Laß dich gern warnen / vnnd gedultigklich beschelten. Beschiltet dich einer / vnnd du es verdient hast / so wüß / das er dir nutz gewesen ist / hast du es aber nicht verdient / so wüß doch das er dir hatt wöllen nutz sein. Nicht förcht ruhe [rauhe] / sonder liebliche wort. Fleüch die laster für dich selb / ander leüthen lasteren frag nicht zuo gnaw nach / bered sie auch nicht mit bitterkeit / sonder beschilt sie ohn verweyssen / also das du ein fröligkeit vor der warnung erzeigist / vnnd so iemand gefält [jrret] / dem verzeich gern. Erheb niemand zuo gar / schilt auch niemand zuo übel / hör zuo mit stille den redenden / die zuohörenden aber nimm guotwillig auff. Dem fragenden gib freündtlich antwort / dem der dich verachtet weich gern / vnd brich nicht auß in flüech vnnd schältwort. Wiltu auch behuotsam vnnd mäßig sein / so merck auff die bewegungen deines gemüets vnd auch deines leybs / das die nicht vnzüchtig seyend / verachts auch nit / vnd laß dirs nit gleich gälten darumb dz sie niemand sicht vnd weißt / dann es ligt nichts dran obs schon sonst niemand sicht / wenn nur du es sihest. Laß dich auch gern bewegen / biß aber drumb nit leichtfertig / standhafft biß aber nit halßstarck. Biß gegen jederman güetig / schmeichlen aber niemand / mach dich wenigen gmein / vnd biß doch gegen jederman früntlich / Glaub nit bald eim jeden geschrey / einer jeden nachred oder argwon / verachts aber auch nit gar. Setz nüt auff eytele Eer / vnd züch deine güeter / so dir verlihen sind nit zuo gnaw herfür.
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Red wenig / die aber redend hör mit gedult. Biß ernsthafft / aber darumb nit grimm / noch das du einen der frölich ist verachten wöllist. Biß begirig der wyßheit / vnd lern gern. Was du kanst / das mittheil one ruomsucht vnd hoffart dem der es von dir begärt / Was du nit kanst / deß schemm dich nit / das du es von eim anderen begärist zuo lernen. Ein weyser mensch wirt auch nichts wider gemeine sitten anfahen / noch das volck durch besondere vnd neüwe gattung deß läbens an sich häncken usw. Das hab ich also vonn der bescheidenheit auß dem heiligen Bischoff Martino ewer lieb wöllen vorläsen. Gott aber sol man treülich anrüeffen vnd bitten / das er vns sein heiligen geist verlihen wölle / damit die tugend der bescheidenheit enthaltung vnd mäßigkeit / durch deß selben krafft bey vns in disen stucken allen grüene. *Dann wo vns der nicht hertz vnd gemüet darzuo gibt / so hörend wir vergäbenlich so vil gebott daruon / vnd wo wir nit nüechter bescheiden vnd mäßig läbend / so sind wir deß Christenlichen nammens nicht wärt.* [*bis*: -]
Hiehär gehört jetz auch die betrachtung deß fastens / von welchem wir auch ein wenig reden wöllend. Christenliche fasten ist ein disciplin / verwarung vnd züchtigung deß leybs / so on zwungen auß freyer guotwilligkeit / von wegen gegenwirtiger not auffgenommen wirt / dadurch wir vns vor Gott demüetigend / vnd dem leib die sterckung vnd anreitzung deß fleischs entziehend / damit es dem geist gehorsamme. Dann so lang wir in disem stärblichen leyb läbend / so streitet das fleisch jmmerdar wider den geist / besonders aber denn zuomal so wir in aller gnüege vnd wollust läbend. Da entzücht nun das fasten / dem leyb / alles das / dadurch er angereitzt vnnd gesterckt wirt zuohandlen wider den willen vnnd das gefallen Gottes. Die not aber von deren wegen das fasten auffgenommen wirt ist zweyerley. Ein gemeine / vnd ein besondere. Von gemeiner not wegen wirt das fasten fürgenommen / wenn etwan ein gemeiner vnfal einer gantzen gemeind begegnet / oder auff dem halß ligt. Sölicher fasten exempel habend wir in den Propheten. Als Joëlis am andern / Jone am dritten Capitel. Vnd sölichs fasten ist auch noch zur Apostel zeyt braucht worden / wie die histori der geschichten der Apostlen sölichs bezeüget. Dises fasten laßt sich ansehen / als ob es nicht vil anders / ja nichts anders gewesen seye / dann ein gemeine klag vnd trurigkeyt. Vnd deren exemplen begegnend eim in der geschrifft hin vnd wider gar vil / die da anzeigend vnd leerend / wie sich die heiligen je vnd je vor Gott demüetiget vnd waare buoß gewürckt habind. Von besonderer not wegen aber / nimpt jm ein jeder selb zuo fasten für / so er empfindet / das er von seiner eignen begird angefochten wirt. Da entzeücht er dann der selbigen die materi [vrsach] / damit er dest minder in der selben entbrünne. Dann also spricht auch der Herr im Euangelio / das die kinder deß breütgams denn fastind / wenn der breütgam von jnen genommen wirt / das ist zur zeit der trüebsal. Dann durch die hochzyt wirt verstanden das band / mit welchem wir Christo durch den glauben vnd geist verbunden vnd vereinbaret werdend. Dieweil das gantz ist / so fröwt sich der glöubig allweg / Er ißt vnnd trinckt mit dancksagung vnd bescheidenheit so vil er darff / vnd fröwt sich auch in denen ausseren gaben Gottes. So er aber empfindet / das der breütgam hinweg wil / oder jm gar nach auß dem hertzen entwichen ist / das ist / so er empfindet das der geist durch den gwalt deß fleischs erlöschen / vnd der glaub erkalten wil / so facht er an bätten vnd fasten / damit er den breütgam behalte / oder so er hinweg wölte / jn wider hinumb bringe. Das fasten aber / es seye gemein oder sonderbares fasten / so wil es vngenöt vnnd vnzwungen sein. Dann es muoß nicht erzwungen werden / sonder auß frölichem freywilligem gemüet kommen. Was einer vngern thuot das thuot er nitCIX. / 109a
volkommen / vnd erforderet Gott einen frölichen gäber. Es sol auch das fasten zimmlich vnd mäßig sein / vnd ye nach gelägenheit vnd grösse der orten / der personen / der gfaren vnd versuochungen auffgesetzt vnd fürgenommen werden. Mag es schon nitt sein so lang biß wir erlößt werdend / so sey doch dest öffter / biß wir erlößt werdend. Es sol auch sein on alle superstition [aberglauben] vnd gleichßnerey / wie vns dann Christus vnser Herr geleert hat Matth. am vj. cap[16]. Dahar besonders wol dienend die wort S. Hieronymi / der vom fasten an den Nepotianum also schreibt / Leg dir zuo fasten ein sölliche maß auff / das du es ertragen mögist. Dein fasten sol sein rein / künsch / einfalt / zimmlich / vnd nit aberglöubisch. Was sol es nützen wenn einer nit öl jsset / vnd aber darnebend seltzame vnbekommliche speiß suocht / als dür feigen / pfäffer / nussz / dattlen / simmelmäl / honig usw. Man hat inn allen gärten zeschaffen / allein das wir gemeyn brot nit äßind. So wir aber also schläcklinen [den leckerbißlein] nachgond / so werden wir vom Reich der himmlen abzogen. Jch vernimm dz auch etlich sygind / die wider aller menschen vnd anderer dingen natur kein wasser trinckind / vnd kein brot äßind / sonder allein neißwas schläckerhaffter brüelinen [süplein] supfind / vnd den safft auß Mangolt vnd anderen kreüteren außtruckt / nit auß bächeren / sonder auß schalen oder muschelen trinckind. Pfuch [pfui] der schanden / schämmend wir vns nit söllicher vngschickter dingen / verdreüßt vns nit sölcher superstition vnnd aberglaubens? Das schreibt Hieronymus. Nun ist aber offenbar / das dises laster auff den heütigen tag bey den reichen vnd genanten geistlichen gar gemeyn ist.
Das end aber vnd der zweck deß fastens sol sein / dz sich die gmeynd oder der sünder vor Gott demüetige / vnd das dz fleisch dem geist gehorsam vnd vnderthänig sey / dz es sich nit widersetze / so er thuon wil das recht ist / vnd das sein andacht vnd anfächtung dest grösser sey gegen Gott / so er bätten wil. Dann das fasten ist der wercken eins / die nit für sich selb bloß guote werck sind / sonder eingesetzt vnd angesehen zuo einem anderen vnd von anderer dingen wegen. Also ist fasten / ein behilff vnd fürdernuß der glöubigen zum gebätt vnd zuo allen tugenden. Darumb lißt man auch in den Propheten / das der Juden fasten Gott mißfallen habe / dann sie thetend anders nichts / dann das sie fastetend / das ist / sie enthieltend sich zuo gwüsser vnd bestimpter zeit von gewonter speiß / darnebend enthieltend sie sich aber nit vor sünden vnd lasteren / sonder liessend dem fleisch nichts dest minder den zoum [zaum] / so sie vil mee dem selbigen söltend alle anläß vnd fürdernussen entzogen haben / damitt es dest schwecher / der geist aber guote werck zuo würcken dest stercker gewesen wäre. Darumb spricht auch der Herr Söllichs fasten gefalt mir nit / vnd anders mer das dann am selben ort darauff volget / namlich Esa. am lviij[5]. vnd Zachar. am sibenden vnd achten Capitel[Zach.7.5]. Paulus der heilig Apostel vnsers Herren Jesu Christi spricht heiter / Die speiß fürderet vns vor Gott nüt / essend wir / so werdend wir darumb nit besser sein / essend wir nit / so werdend wir darumb nit minder sein. Darumb so fastet der nit recht / der nichts anders thuot dann das er sich zuo gwüsser zeit enthaltet von gwüsser speiß / besonders der sich darumb enthaltet von allem dem dardurch dz fleisch gesterckt wirt / damit er das fleisch dem geist vnderwerffe / vnnd gott gefellige werck deß glaubens vnd der liebe würcke. Darumb wilt du recht fasten / so iß trinck schlaaff / vnd thuo deinem leib also in allweg / das er sich nicht erhebe. Fast von allen sünden / iß kein speiß der boßheit / nieß keine trachten deß wollusts / laß dich nicht den wein deß muotwillens entzünden. Fast von bösen handlungen / enthalt dich von bösen worten vnnd reden / entzeüch dich von allen bösen gedancken. Dann es spricht auch Basilius / Das recht fasten / ist aller lasteren ledig sein / Jtem bescheidenheyt der zungen / hinderhaltung deß zorns / abschneidung der bösen begirden / nachred / luginen / meyneyd usw. Wie aber auchCIXv. / 109b
die guoten werck / die gleich auß glauben geschähend / das Reich der himmlen nitt verdienend / (dann die ehr gehört dem einigen verdienst Christi zuo /) also verdienet auch das fasten / das allein ein behilff vnnd fürdernuß ist zuo guoten wercken / das Reich der himmlen nit.
Hie disputierend aber der mertheyl Theologi zuo vnseren zeiten gar hefftig / von der zeit vnd maß deß fastens / Jtem vom vnderscheid der speisen. Etliche sind die wöllend die viertzigtägig fasten / Jtem die vier fronfasten / vnd anders mer für göttliche fasten halten vnd schirmen. Etliche sind / die meynend / du heigest nit gefastet / vnd könnist nit fasten wenn du fleisch eßist. Etliche bestimmend denn dem fasten gwüsse stunden. Jch finden aber nitt / das vns deß dings ützit [etwas] in der heiligen geschrifft fürgestellt werde. Dann der Herr hat im Euangelio die xl. [viertzig] tag nit also gefastet / sonder er hat gar nichts gässen / vnd sich von aller menschlichen speiß enthalten / wie auch Moses vnd Helias / vnd hat vns deßhalb mitt diser that kein gebott deß fastens fürgeschriben. So leert er auch im Euangelio gar heiter / das was durch den mund eingange / dz verunreinige den menschen nicht / sonder was auß dem hertzen herauß gange. Den reinen ist es alles rein. Vnd Paulus spricht / Jch weiß vnd bins gwüß in dem Herren Jesu / das nichts vnrein ist an jm selbs / on dem der es rechnet für vnrein / dem selben ist es vnrein. Jtem / welcher jsset / der verachte den nitt / der nit jsset / vnd welcher nitt jsset / der richte den nit der da jsset / dann Gott hat jn auffgenommen. (verstand den der da jsset) So ist auch einem yeden bekannt das ort deß heiligen Apostels Pauli j. Tim. iiij. Da er das verbieten der speisen / nennt ein leer der Teüfflen. Vnd darff sein nicht das vns yemand hie entgegen wärffe die Tacianer vnnd Encratiter / dann die selbigen lestertend gantz vnnd gar die guote geschöpfft Gottes. Paulus redt von denen die den brauch der speiß verbietend / ob sie gleich die speiß vnd die Ee vberal nit verdammend. Dahar dienet auch / das gleich inn der nächsten zeit / nach dem vnnd die heyligen Apostel prediget / wir niendert läsend / das einige gesatzt deß fastens halb sygind auffgesetzt / darinn gwüsse maß vnnd zeit zuo fasten / oder einiger vnderscheyd der speisen für werde geschriben. Dauon wil ich euwer lieb vor läsen die wort deß heiligen Marterers Jrenei / welche in Ecclesiastica Historia Eusebij stond vnnd also lautend / Es ist nicht nur span von dem Osterfäst / sonnder auch von der form deß fastens. Dann ettlich meynend man sölle allein ein tag fasten halten / Ettliche aber zwen / ettlich meer / ettlich auch viertzig / tag vnd nacht für ein tag rechnende / Welche vngleiche haltung / nicht erst yetzund vnd zuo vnseren zeiten angefangen hat / sonder vor langest / von denen als ich acht / die nit einfaltig bey dem bliben sind / das von anfang an gäben was. Deßhalb sie naherwärts also eintweders durch hinläßigkeyt / oder aber durch vnuerstand vnd vnkönnende in ein andere weiß geraten sind. Vnd sind doch dise allsammen / ob sie schon nit gleiche breüch gehebt wie wir / mit vns eins vnnd wol zefriden gewesen / vnd sinds noch / vnnd hat die vngleichheyt deß fastens die einigkeyt deß glaubens nit gehinderet noch zerbrochen. Das schreibt Jreneus. Dise vngleichheyt aber ist auch noch in der kirchen gewesen / als Theodosius der jünger geregiert hatt / ongefar nach deß Herren geburt 453. jar / Wie söllichs Socrates bezeüget in Tripart. hist.lib.9.cap.38. Da er also schreibt / Sie haltend auch nit gleiche fasten in den speisen. Dann etlich enthaltend sich von allem das daß läben gehebt hat / Etlich aber ässend vnder allen läbenden thieren allein die fisch. Ettlich ässend mit sampt den fischen / auch was gefügel ist / Von wegen (wie sie sagend) dz Moses schreibt / das sie jr substantz vnnd vrsprung auß dem wasser habind. Etliche dann ässend auch weder kraut noch eyer. Etlich ässend allein trochen brot. Andere ässend aber auch das selb nit.CX. / 110a
Etlich fastend biß auff die neündte stund / darnach so essend sie on allen vnderscheid der speißen / was sie Gott beratet. Vnd der vngleichen breüchen vnnd gewonheiten sind vil hin vnd wider. Es setzt auch gedachter Socrates diser vngleichen breüchen halb / sein meinung vnd vrtheil hinzuo / vnd spricht. Dieweil man nun bey den alten nichts hierinn geschriben findet / so achten ich / das die Apostel sölichs eines jeden willen vnd wolgefallen heimgesetzt habind / das ein jeder hierinn handle was guot vnd recht ist / on forcht vnd one not oder zwang. Dz ist Socratis meinung hieruon. Darumb so sol das fasten der Christen frey / vnd mit keinen satzungen verstrickt sein. Es ist ein alter vnd Christenlicher scribennt mit nammen Apollonius / der disputiert wider Montanum den kätzer / vnd spricht vnder anderem / diser ists / der da geleert hat die Ee zertrennen vnd aufflösen / vnd der zuom ersten gebott vnd satzungen deß fastens halb fürgeschrieben hat. Sölichs fint man beim Euseb. Eccl. hist.lib.5.cap.18. Vnd ist zwar ein grosse vnsinnigkeit / allen menschen vnd allen landen gleiche form deß fastens / in zeyt weyß vnd maß / vnd vnderscheid der speysen / wöllen fürschreiben / dann es sind auch die leyb der menschen vngleicher art / je nach dem sie auch in vngleichen landen vnder vngleichem himmel vnd lufft läbend. Vnd macht gleiche speiß / die leib so vngleicher complexion [art] sind / nit gleich gesinnet / Darumb so ist der kirchen das daß nutzlichest vnd best / wenn die vorstender allenthalben all mäßigkeit vnd nüechtere / vnd rechts wares fasten trewlich leerend / vnd jhnen keine gesatzt weder von der zeyt noch von vnderscheid der speißen fürschreibend / sonder einem jeden land vnd eim jeden menschen sein freyheit lassend / So wirt on zweifel ein jeder sich besonders dessen maßgen [messigen] / vnd sich von dem entziehen / von dem er am meesten gfar seiner fromkeit empfindt / vnd besonders auch zuo der zeit / so das fleisch sich am hefftigisten auffböumt / vnd so die not vnd gfar am grösten ist. Dann die zeit zuo fasten verzücht vnd streckt sich nit auß auff gewüsse jar oder tag / sonder allein biß deß fleischs wüeten / Jtem die versuochungen vnd anfechtungen nachlassend vnd auffhörend. Vnd wie das fasten / so mans also braucht / ein üebung ist der gottsäligkeit / also hat es dann auch grosses lob in der kirchen vnd gemeind Gottes. Das seye nun vom fasten geredt.
Damit ich aber diß sibend gebott beschliesse / so verbeütet es in einer summ alle vnmaß / gebeütet heiligung rechten vnnd reinen brauch deß gantzen leybs / vnd aller glideren. Vnd wirt deßhalb in disem kurtzen gebott vergriffen ein guoter theil der Christenlichen vnnd Apostolischen leer. Dann Paulus spricht zun Thessalonichern / Lieben brüeder wir bittend vnnd ermanend euch in dem Herren Jesu / nach dem jr von vns empfangen habend / wie jr söllend wandlen vnd Gott gefallen / das jr jmmer völliger werdind / dann jr wüssend welche gebott wir euch geben habend durch vnseren Herren Jesum. Dann das ist der will Gottes / ewer heiligung / das jr euch enthaltind vor huory / dz ein jeglicher wüsse sein geschirr (das ist seinen leib) zuobehalten inn heiligung vnd eer / nicht inn fleischlichem lust / wie die Heiden die von Gott nichts wüssend. Dann der Herr ist rächer über das alles / wie wir euch vorhin gesagt vnd bezeüget habend. Dann Gott hat vns nicht berüefft zur vnreinigkeit / sonder zuor heiligung. Vnnd im volgenden Capitel hernach weiter / Der Gott deß fridens heilige euch durch vnd durch / damit ewer gantzer geist / seel vnd leib / behalten werde vnsträfflich / auff die zuokunfft vnsers Herren Jesu Christi.Jch halt euch aber lieben brüeder auff vbers zil / vnnd lenger dann es vnser brauch ist. Jr wöllend mir sölichs nicht für übel halten / dann ich hoff es sey nit ohn nutzbarkeit abgangen / das ich euch also gar nach zwo stund auffgehalten hab. Bättend nun vnd gond hin im friden. Die gnad vnsers Herren vnnd heilands Jesu Christi / seye mit euch Amen.
Cxv. / 110b
21.Pr.Die Ein vnd zwentzigste Predig
Von dem vierdten gebott der anderen Tafel / welches in der ordnung der Zehen gebotten das achtet ist / namlich / Du solt nit stälen. Bey wölchem geredt wirt von der eygenschafft zeitlicher güetteren / vnd wie man die recht vnd mitt Gott überkommen sölle. Auch von mancherley geschlächten vnd gattungen deß diebstals.
DAmit der mensch sein eigen läben / deßgleich auch sein haußgesind erhalten vnd erneeren möge / so ist jm von nöten / das er jrrdische zeitliche güeter vnnd vermögen darzuo habe. Darum wirt geich zenächst auff das gebott / von der erhaltung deß läbens / Jtem auff das / Von der erhaltung der Ee / yetz in disem vierdten gebott befelch geben / zeitlicher hab vnnd güeteren halb / wie man die recht überkommen / besitzen / brauchen vnd verwalten sölle. Das wir sie namlich nit mit diebstal / oder anderen bösen sünden vnderstandind zuo erlangen / dz wir sie auch mit keiner vngerechtigkeit besitzind / noch auch vnordenlich vnnd vnrecht brauchind vnd verthüegind. Dann die gerechtigkeit erforderet / dz wir alle ding recht bruchind / vnd einem yeden dz sein gäbind. Dieweil nun Gottes satzungen / satzungen der gerächtigkeyt sind / so wirt recht vnd notwendigklich hie gebotten / Du solt nit stälen. Jn welchem gebott wir abermals überauß wenig wort habend / deren verstand sich aber gar weyt außstreckt. Dann es wirt in disem gebott verbotten der diebstal / Jtem alle böse künst / fünd vnd list / aller beschissz vnd betrug / deßgleich auch der gyt selbs. Jtem es wirt geweert vnd verbotten der müeßiggang / liederliche vnd verthüeige [die vnheußligkeit vnd verschwendung der güeter] / vnnd in summa alle vngerächtigkeit. Dargegen wirt befolhen vnd gebotten gerächtigkeit vnd auffrechte / besonders in kauffen vnd verkauffen / vnd in allem das man mit einanderen zehandlen hat. Dann es entstadt vnder den menschen in der welt vil vnnd mancherley vnruow von wegen deß zeitlichen guots / es seye im überkommen / im besitzen / oder auch im außgeben deß selben. Darumb so hat Gott inn seinem gesatzt (mit welchem er der welt heil vnnd ruow wöllen schaffen) auch ein maß vnd zil wöllen stecken / vnd ein gwüsse rechnung der zeitlichen güeteren anzeigen. Welches er in disem gegenwürtigen gebott thon hat. Das wir aber das selbig dester baß verstandind / so wöllend wir auf dißmal mitt der hilff Gottes reden von der Eigenschafft der zeitlichen güeteren / auch wie man die selben recht vnd mit Gott überkommen möge. Jn welchem sich dannethin [denn] die gantz handlung deß diebstals / mit allen seinen gattungen vnnd anhengen [mit allen darzugehörigen vmbständen] / auffthuon [angezeiget vnd erkläret] wirt.
Dann es wirdt in disem gebott die Eigenschafft vnd besitzung der zeitlichen güeteren nitt verbotten / sonder das wirdt verbotten / das wir die selben nit mitt vngerächtigkeit vnd bösen künsten an vns bringind / oder mit vnbill besitzind / vnd vnrecht außgebind oder verthüegind. Vnd wirt deßhalb die eigenschafft der güeteren in disem gebott vil mer geleert vnd bestätiget. Dann dieweil der Herr den diebstal darinn verbeütet / so gebeütet vnd bestätiget er ye die eigenschafft der güeteren. Dann was köndtest du einem stälen / wenn es alles gemeyn wäre? Du nämest doch nur das dein / nicht das frömbd / wenn du einem anderen sein guot stälist. Gott verbeütet aber das stälen / darumb so bestätet er mit gebung dises gesatztes / die eigenschafft der zeitlichen güeteren. Dieweil aber vil der vnsinnigen Widertöufferen sind / die sölliche eigenschafft der zeitlichen güeteren nit zuolassen wöllend / so wil ich sie mit etlichen mer heiteren zügknussen der h. gschrifft überzeügen. Vom Abraham / der in der gschrifft ein Vatter deß glaubens gnennt wirt / züget sein diener Eliezer vnd spricht : Der Herr hat meinen herren reichlich beraten / vnd ist groß / reich vnd gwaltig worden / vnd hat jm schaaff / ochsen / silberCXI. / 111a
vnd gold / knächt vnd mägdt / kameel vnd esel gäben / vnd er hat seinem sun geben alles was er hat. Da sichst du / dz Abraham reich gewesen / vnd das er das / dz jm der Herr geben / durch eigenthumb recht besässen hat / vnd es alles seinem sun / als seinem rechten erben / vnd als sein eigen guot / verlassen. Deßhalb so habend auch Jsaac vnd Jacob eigen guot besessen. Also hat auch Gott sein volck Jsrael durch Mosen in dz globt land gefüert / welches er durch den Josue den stämmen mit dem loß außteylt / vnd eim yeden sein teyl vnd besitzung vßzilet hat. Auch gebotten das die selbigen nit wider vermischt wurdind. So findt man auch vil sententz vnnd sprüch in Salomone vnd in den Propheten / die zuo disem handel dienend. Was aber die vnrüewigen leüt hie fürwerffend / weiß ich wol / namlich / dise zeügnussen seyend vß dem alten Testament / vnd bindind deßhalb die Christen nit. Da möchte ich aber dargegen wol erzeigen / das dise ort in einer sölichen sach vns ja bindind / Jch wil aber den näheren weg gon / vnd von kürtze wegen etliche gwüsse zeügnussen auß den gschrifften deß Nüwen Testaments hieuon anzeigen. Namlich / so preißt vnd lobt der Herr Jesus an den seinen die jn verehrend / die werck der barmhertzigkeit / das sie die hungerigen spysind / die durstigen tränckind / die nackenden bekleidind / die gefangnen vnd krancken besuochind / die vertribnen vnd weißlosen [frembdling] beherbergind vnd heimfüerind. Darauß volget ye / das er den seinen die eigenschafft der güeteren / auß denen sie anderen armen mögind guots thuon / zuolaßt. Dann so die eigenschafft der güeteren auffgehebt wurde / so wurde auch alle guotthat / vnd alles allmuosen auffgehebt / vnd so es alles gmeyn sein sölte / so gebist du nichts von dem deinen / sonder allein von den gmeynen güeteren. Der Apostel Paulus heißt aber zun Corinthern /dz ein yeder by jm selb dz allmuosen hindersich behalte / damit er es von jhnen empfahe so er wider gehn Corinthum komme. Er gebütet auch dz ein yeder so vil gäbe / so vil sein guoter will sey / Jtem / nach dem einer besitze / auch dz er nit also gäbe / dz es dem empfahenden ein überfluß / dem vßgebenden aber ein not vnd mangel sey. Er spricht auch weiter an einem anderen ort / Wir ermanend eüch lieben brüeder / dz jr darnach ringind / dz jr still sygind / vnd dz eüwer schaffind / vnd arbeitind mit üwern eignen händen / wie wir eüch befolhen habend / auff dz jr erbarlich wandlind gegen denen die daussen sind / vnd dz jr nichts manglind. Vnd diß dings möchte ich wol vil auch vß andern Epistlen anziehen / aber es ist dessen vff diß mal gnuog / anzuozeigen dz die eigenschafft der güeteren Christen leüten beide im alten vnd im nüwen Testament von Gott nachgelassen sey.
Jn den geschichten der Apostlen läsend wir zwar / dz die alten in der Apostolischen kirchen alle ding gmein gehebt habind. Es wirt aber im selbigen buoch anders hinzuo gesetzt / durch welches erleüteret wirt / wz dises für ein gemeinschafft gewesen sey. Dann es spricht Lucas also / Keiner auß denen die etwas hattend oder besassend / sprach es were sein. Da sehend wir / das die ersten Christen auch eigne heüser / eigne güeter / vnd andere eigne haab besässen vnd gehebt habend. Darnebend habend sie es aber also besässen / nit als obs jr eigen / sonder als ob es auch anderer gmeyn were / das also dz recht der eigenschafft nichts dester minder jnen den besitzern bleib. So es aber die notturfft erforderet / so verkaufftend sie heüser vnd güeter / vnd kamend der not der dürfftigen zuo hilff. Dieweil sie es nun verkaufftend / so muoßt ye das jhr eigen sein das sie verkaufftend / dann kein biderman verkaufft ützit frömbds / sonder dz / daß sein ist / oder das er als dz sein zuouerwalten auff sich genommen hat. So zerlegt auch S. Peter disen gantzen span / da er zum Anania spricht / Wäre dir der acker nicht bliben? vnd do er verkaufft / was er nit in deinem gwalt? was hast du dann dem heiligen geist wöllen zeliegen / vnd zeuerschlahen [liegen vnd verschlagen] vom gelt deß ackers / vnd nichts desterminder fürgeben / als ob du das gantz gelt dargegeben habist? Es hette ye Ananias sein acker wol mögen behalten / vnd nit müessen verkauffen / vnd nach dem er jn gleichCXIv. / 111b
verkaufft / hette er nichtsdestminder auch dz gantz gelt mögen behalten. Er wäre von deßwegen von der gemeynd der glöubigen weder außtriben noch außgeschlossen worden. Darumb so was es frey dozemal / wie es auch noch vff den hüttigen tag ist / verkauffen wz einer hat / vnd dz selbig in die gmeind dargäben vnd darschiessen zuo erhaltung der armen. Deßhalb so hebt das obgemält ort in den Geschichten der Apostlen dz recht der eigenschafft nit auff / Es gebeütet vnd leert auch nit ein söliche gmeinschafft wie die Widertöuffer eine auffrichten wöllend. Dieweil ich aber weiß / das etliche sind / die gar häfftig auff dem buochstaben ligend [an den buchstaben hangen] / vnd vff die gmeinschafft tringend / so wil ich mich nit verdriessen lassen üwer lieb vorzeläsen dz vrteil von disem handel auch anderer / ja deren die vß der Collation [auß gleichstimmenden orten] der geschrifft disen handel überauß heiter vnnd lauter gemacht habend. Dz man lißt Acto.2. Alle aber die glöubig warend worden / warend bey einanderen / dz ist nit zuo verston / dz sy / wie die münch / ein yeder sein eigen hauß verlassen / vnd by einandern gmeinlich in einem hauß gewonet habind / sonder wie am selbigen ort bald drauff volget / Sie blibend beständig im Tempel täglich einmüetig / nit das sie darzwüschend in jren heüseren nit gässen / oder der notturfft der natur nit rath thon [gepfleget] / oder das sie all jre heüser verkaufft habind / dieweil gleich drauf volget / dz sie dz brot durch alle heüser brochen habind. Habend sie nun dz brot brochen durch alle heüser / so sagind vns dise / welches die heüser gewesen sygind / in denen die Christen dz brot gebrochen? Der vnglöubigen heüser? dz acht ich nit. So habend sie deßhalb dz brot in der glöubigen heüseren gebrochen / vnd die speiß genommen. Wie habend sie dann all jre heüser verkaufft oder verlassen? Wie habend sie by einander gewonet als die klosterleüt? Darumb so ist es nichts anders dz Lucas sagt / Alle die glöubig warend worden / die warend by einanderen / dann sie warend gmeinlich vnd offt im Tempel. Vnd ist auch die gemeynsame der güeteren vnder den Christen anders nichts gewesen / dann das die reicheren jre heüser / güeter / fälder vnd äcker verkaufftend / damit durch das gmeyn gält / dz sie zuosamen schussend / den armen geholffen wurde / dz sie nitt durch die hungers not getriben / in das Judenthuomb wider fielind. So läsend wir auch in der merteyl orten der Gschichten der Apostlen / das die Christen vnd glöubigen jre heüser deßgleich die verwaltung jrer eignen güetern jnen selbs behalten habind. Als wie man lißt Act.9. von der Tabitha / die voller guoten wercken gwesen / vnd röck vnd kleider den witwen vnd armen gemachet hat. Jtem im xij.cap. läsend wir / das wie der heilig Apostel Petrus auß der gefencknuß erlediget / da sey er kommen zuo dem hauß Marie der muoter Joannis / der mit dem zuonammen Marcus hieß / da vil versamlet gewesen sygind / die alda bättetend. Da spricht er nit / Die alda wonetend / sonder / Die alda bättetend / damit du verstandist / das die gemeynd in dem huß zuosammen kommen sie zuo gebätt. Jtem im ix. cap bleib Petrus bey Simon dem gärwer ein lange zeit / freilich bey eim Christen mann / vnd der noch auch sein eigen hauß hat vnd behielt. Jm xj. cap. schicktend die jünger / nach dem eins yeden vermögen wz / steür den brüederen die da wonetend in Judea. Da merck / daß stat / Nach dem ein yeder vermocht. Was hettend sie aber vermögen / wenn sie nichts gehebt vnd besässen hettind? Jm xvj. cap. als die Lydia die purpurkrämerin getaufft was / sprach sie zuo Paulo vnd seinen geferten / So jr mich achtend glöubig sein in [an] den Herren / so kommend in mein hauß / vnd bleibend da. Warumb spricht sie nit / So verkauffend mein hauß / sonder / So kommend in mein hauß / anders / dann dz sie / nach dem sie glöubig wz worden / jr hauß also besaß / dz sie es auch den Apostlen gmein machet. Vnd im xx. cap. rüempt sich Paulus / das er keines silber / noch gold / noch kleid begärt habe. Was hette aber das für ein rächnung / wenn keinem Christen geburte zebehalten die besitzung seiner güeteren. Jm xxj. ca. hat Philippus zuo Cesarea ein hauß vnd vier töchteren. Warumb hat er sein huß nit verkauft?
CXII. / 112a
So hat auch Philemon / bey dem Paulus zuo herberg gewesen / nicht allein ein hauß / sonder auch ein leibeignen knächt. Darumb auß dem allem heiter volget / daß das deß heiligen geists gemüet [will] vnd meinung nit gewesen ist / das man ein sölichs läben zuohand neme / wie es dise erdenckend / sonder das er hiemit leeren wöllen / das ein jeder sein hauß wol verwalte / vnd der brüederen notturfft nach seinem vermögen zuohilff kömme. Dahär dienend auch andere ort / als in der j. zun Timoth. am v. Tit.ij. j.Thes.iiij. ij.Thes.iij. Vnd dieweil Paulus gar nach inn allen epistlen / den elteren / den kinden / den eeleüten / den herren vnd den knächten fürschreibt vnd gebeütet / wie sie sich söllind halten / was thuot er damit anders / dann das er ein rechte haußhaltung anrichtet? So vil von dem.
Jch geschweig erst dessen / das man im Euangelio / vnd in den geschrifften der Apostlen von vil reichen leüten lißt / die dennocht glöubig vnd diener Gottes gewesen / als Joseph von Arimathea / der den Herren / wie er creütziget / begraben hat / von dem stadt / das er seye gewesen reich vnd ein jünger Christi. So warend auch die weiber reich / die dem Herren nachgfolget auß Galilea / welche jm vnd seinen jüngeren von jrem vermögen mitteiltend. Also was auch der Eunuchus / der künigin Candaces schatzmeister / reich. So ist auch die Tabitha zuo Joppe reych gewesen / die S. Peter vom tod zuo läben widerumb erweckt hat / welche auch jr guot reichlich vnder die armen hat außgeteilt. Reich ist auch gewesen Lydia die purpurkrämerin / deßgleich vnzalbar vil glöubiger frommer vnd Gottsförchtiger leüten mer. Darumb das der Herr zuo jhenem jüngling spricht / So du wilt volkommen sein / so gang hin / verkauff was du hast / vnd gibs den armen / so wirst du einen schatz im himmel haben / vnd komm dann volg mir nach usw. Das ist nicht ein gemein gesatzt / oder ein einfaltige leer / die allen menschen zuogehöre / sunder allein ein erklärung vnd beweisung / das der selbig jüngling / zuo dem der Herr das sagt / das gesatzt noch nit so gar volkommen erfült hette / wie er aber sich selbs darfür hielt / dann er vermeint jm präste nichts / vnnd hielt auch sein guot höher dann Gott vnd den befelch Gottes / dann er gieng traurig daruon / vnd thet nit das jhn der Herr geheissen / damit er anzeigt / daß er das gesatzt noch nicht erfüllt hatt. So mögend wir wol auch auß anderen orten bewären / das der Herr seine diener nit hat wöllen an bättelstab richten [weisen]. Es beschämpt [schemet] sich auch der heilig Apostel Paulus nit / den reichen gesatzt vnd gebott fürzuoschreiben / wie sie sich halten söllind / dann er spricht / Den reichen diser wält gebeüt / das sie nit stoltz vnd hochtragen seyend / auch nit hoffind inn die vngewüsse reichthumb / sonder in den läbendigen Gott / der vns dargibt reichlich allerley zuo niessen / das sie guotthäter seyend / reich seyend in guoten wercken / dz sie gern gäbind / gemeinsam seyend / jnen selbs schätz samlind zuo einem guoten grund auffs zuokünfftig / das sie ergreiffind das ewig läben. Vnd hiehär dienend jetzund auch die warnungen vnsers Herren vnd heilands Jesu Christi selb / der da spricht / Jr mögend nit Gott dienen vnd dem Mammon. Jtem / Die dörn sind die reichtag die den somen deß worts Gottes ersteckend.Jtem / Warlich ich sag euch / der reich wirt kümmerlich [schwerlich] yngon in das reich der himmlen / dann ringer ists / das ein Cameel durch ein nadelöre gange / dann das ein reicher yngange inn das reich der himmlen. Darumb wie man die gemüeter der reichen nit sol erschrecken vnd in verzweifflung bringen / als ob keine reichen mögind sälig werden / also sol man sie dargegen auch der gfaar erinnern / damit sie nicht so [zu] sicher ob jhrem guot entschlaffind / vom Teüffel verfüert werdind / vnd die rychtumb mißbruchind / sonder das sie es vil mer recht bruchind nach der Apostolischen regel vnd fürgeschrifft die ich erst erzellt.
Das Gangrensisch Concilium / das dennocht zimlich alt ist / hat die verdampt / die da lartend / das die glöubigen reichen / die nicht alles das verliessind das sie hettind / kein hoffnung bey Gott hettind. So setzt der heilig AugustinusCXIIv. / 112b
in seinem Catalogo haereticorum / das ist / im Register der kätzeren vnd falschen leereren / auch die Apostolicos / die sich selb mit grosser hochfart also nanntend / die keine in jr gemeinschafft namend die da weiber hattend / vnd etwas eigens besassend. Vnd setzt Augustinus hinzuo / Darumb sind dises kätzer / das sie sich von der kirchen sünderend / vnd meinend / die habind kein hoffnung / welche die ding brauchind deren sie manglend. Die sind gleich den Encratiten / dann sie werdend auch Apotactitae genennt. Vnd reichthumb zwar sind für sich selb nit böß / sonder gaaben Gottes / der mißbrauch macht sie aber böß. Aber vom brauch der selben wirdt hernach geredt werden.
Auff das volget jetzund auch das bedencken vom überkommen deß guots / das zuo erhaltung deß läbens vnd deß haußgesinds also notwendig ist. Daruon disputierend die Juristen vil / dann sie leerend das ein ding überkommen werde iure gentium vnd iure ciuili / das ist / durch das allgemein vnd inn allen landen gältend recht / vnd durch das burgerlich recht. Von welchen stucken ein ander nach zuoreden zuo vil müey brauchen wurde / darzuo wurde es auch ewer lieb nit besonders dienstlich vnd nutzlich sein. Darumb so wil ich dise vnsere Predig allein auff vnsere breüch vnd gewonheiten richten / vnd daruon reden / was das notwendigest sein wirt. Vnd erstlich / so müessend wir vor allen dingen hie zuothuon das schalckhafftig aug / das wir nicht durch die überflüssig begird verfüert werdind / dann es spricht der Herr im Euangelio / Das aug ist deß leibs liecht / wenn dein aug einfaltig ist / so wirt dein gantzer leib liecht sein / wenn aber dein aug ein schalck ist / so wirt dein gantzer leib finster sein. So dz gemüet deß menschen glöubig / vnd nit durch böse anfechtungen verderbt vnd zerstört ist / so leüchtet es dem menschen vor in allen dingen / wenn aber das zerstört ist / so wirdt es auch alles verderbt sein / was der mensch zuohanden nimpt. Darumb muoß man den gyt vnd die bösen begirden / die auß mißglauben entspringend / vnd alle radtschleg wort vnd werck deß menschen geschendend vnd zuo nichte machend / mit glauben vnd rechter vernunfft demmen vnnd vndertrucken. Das wir aber sölichs mögind / gehört die göttlich gnad zuo / deren ein jeder glöubiger mit ernstlichem gebätt begären sol. Es wirdt auch von nöten sein das wir die leer vnsers Herren Jesu Christi von disem handel / wie wir vns hierinn söllind halten / deßgleich die leer seiner heiligen Apostlen stäts vor augen habind / vnnd inn vnsere hertzen wol ynbildind. Die ist auch nicht zuo groß / dann das man sie wol behalten mag. Daruon ich ewer lieb drey ort vorläsen wil / zwey auß dem Euangelio / das dritt auß Paulo / in welchen drey orten jr als in einer volkomnen summ haben werdend begriffen alles das inn disem fal vonn rechten Gottsfründen mag erforderet werden. Jm Euangelio Matthei spricht der Herr also / Jr söllend euch nit schätz samlen auff erden / da sie der rost vnd die schaben frässend / vnd da die dieb nachgrabend vnd stälend. Samlend euch aber schätz im himmel / da sie weder rost noch schaben frässend / vnd da die dieb nit nachgrabend noch stälend. Dann wo ewer schatz ist / da ist auch ewer hertz. Niemand kan zweyen herren dienen. Eintweders / er wirdt einen hassen vnd den anderen lieben / oder wirdt einem anhangen / vnd den anderen verachten. Jr könnend Gott nit dienen vnd dem Mammon. Darumb sag ich euch / Sorgend nit für ewer läben was jr essen vnd trincken werdind / auch nit für eweren leib / was jr anziehen werdend. Jst nit das läben mer dann die speiß / vnd der leib mer dann die bekleidung? Sehend an die vögel vnder dem himmel / sie säyend nit / sie erndend nit / sie samlend auch nit in die scheüren / vnd ewer himmelischer vatter neeret sie doch. Sind jr dann nit vil mer dann sie? Wär ist vnder euch / der seiner glidmaß ein eln zuosetzen möge / ob er schon fleißigklich darnach trachtet? Warumb sorgend jr dann für die bekleidung? Schouwend die Gilgen [Lilien] auff dem fäld wie sie wachsind / sie arbeitend nit / auch näyend [nehen] sie nit. Jch sag euch / das auchCXIII. / 113a
Salomon in aller seiner herrligkeit nit bekleidet gewesen ist / als der selbigen eins. So dann Gott das graß auff dem fäld also bekleidet / dz doch hüt stadt vnd morgen in den ofen geworffen wirt / solt er das nicht vil mer euch thuon? O jhr kleinglöubigen. Darumb söllend jr nicht sorgen vnd sagen / Was werdend wir essen? was werdend wir trincken? wormit werdend wir vns bekleiden? Nach sölichem allem trachtend die Heiden / Dann ewer himmelischer vatter weißt das jr deß alles bedörffend. Trachtend aber am ersten nach dem reych Gottes vnd nach seiner gerechtigkeit / so wirdt euch sölichs alles hinzuogethon werden. Darumb sorgend nit für den morndrigen tag / dann der morndrig tag wirt für das sein sorgen. Es ist gnuog das ein jeder tag sein eigen übel hab.
Jtem im Euangelio Luce am xij. Capitel spricht der Herr also / Sehend zuo vnd hüetend euch vor dem gyt / dann keines läben wirt erhalten in überfluß seiner güeteren / das ist / Das läben bedarff keines überflusses / oder / Keines läben bedarff etwas überigs. Vnd er sagt jnen ein gleychnuß. Es wz ein reicher mensch / deß fäld stuond wol / vnd er gedacht by jm selbs vnd sprach / Wz sol ich thuon / ich hab nichts da ich meine frücht hin samle / vnd sprach / Dz wil ich thuon / Jch wil meine schüren abbrächen vnd grösser buwen / vnd wil darein samlen alles wz mir gewachsen ist / vnd meine güeter / vnd wil sagen zuo meiner seel / Liebe seel / du hast ein grossen vorradt auff vil jar / hab nun ruow / iß / trinck vnd biß [sey] frölich. Aber Gott sprach zuo jm / Du narr / dise nacht wirt man dein seel von dir vorderen / vnd weß wirt sein dz du bereitet hast? Also gadt es / wär jm schätz samlet / vnd ist nit rych in Gott.
Diser leer seines herren vnd meisters volget auch gentzlich Paulus / der außerwelt werckzüg deß Herren / da er spricht / Es ist ein grosser gnieß wär gottsälig ist vnd sich benüegen laßt / dann wir habend nichts in die welt bracht / darumb offenbar ist / wir werdind auch nichts hinauß bringen / wenn wir aber narung vnd decke habend / so lassend vns benüegen. Dann die da reich wöllend werden / die fallend in versuochung vnd strick / vnd vil torechtige vnd schädliche lüst / welche die menschen versenckend inns verderben vnd verdamnuß. Dann gyt oder geltsucht / ist ein wurtzel alles übels / welcher etliche gelustet hat / vnd sind vom glauben jrr gangen / vnd habend sich selbs yngefüert in vil schmertzen. Aber du mensch Gottes fleüch sölichs / jag aber nach der gerechtigkeit / der gottsäligkeit / der treüw / der liebe / der gedult / der senfftmuot usw.
Welcher deßhalb nun mit arbeit vnd etwas handtierung vnderstadt [jhm selbs fürnimpt] sein vnd der seinen narung vnd notwendigkeit zuo suochen / der beware mit diser triaxs [-] vnd artzney sein hertz vnd gemüet zum ersten wol / wider alle böse vergifftige begirden / vnd wider den verderblichen gyt.
Darnach / nach dem er jetzund also sein gemüet mit diser artzny diser Euangelischen vnd Apostolischen leer bewaret vnd versorget hat / so dencke dannethin nach etwz arbeit vnd gwerb. Erwelle jm aber auch ein jeder ein nutzlichen vnd ein eerlichen / nit ein vnnötigen gwerb / oder der jemant schädlich sey. Hüete sich auch vor müeßiggang / den fliehe ein jeder als ein schädlich gifft. Von welchem wir abermals die schönen herrlichen wort S. Pauli hören wöllend / die er vonn disem handel schreibt / da er also spricht / Wir gebietend euch lieben brüeder / in dem nammen vnsers Herren Jesu Christi / das jr euch entziehind von einem jeglichen bruoder / der da vnordenlich wandlet / vnd nit nach der angebung die er von vns empfangen hat. Dann do wir noch bey euch warend / ermanetend wir euch sölichs / dz so jemand nit wölte arbeiten / der sölte auch nit essen. Dann wir hörend / das etlich vnder euch wandlind vnordenlich / vnd arbeitind nichts / sonder treibind zuo vil fürwitz. Sölichen aber befelhend wir / vnd ermanend sie durch vnseren Herren Jesum Christum / das sie mit stillem wäsen arbeitind / vnd jr eigen brot essind usw. Also sind auch müessiggang / vnd fürwitzige vnnötige gewerb vnd hendel / je vnd je zuo allenCXIIIv. / 113b
zeiten vnd von allen verständigen menschen gehasset vnnd gescholten worden.
Hesiodus spricht /
Den fulbaum hasset Gott vnd dwelt
Der gleich wie dhummel in dem ghelt
Ald bynkorb / nüt dann dspyß auffnagend /
Die d‘Ymben lang zeit zemmentragend.
Vnd Sophocles
Auß müeßiggang nichts guots entstadt /
Dann Gott dem selben nit beystadt.
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der seinen sägne / das wie sie in tugenden also auch in eusseren dingen gruonind [grüenen] vnd zuonemmind. Deß habend wir exempel an Abraham / Jsaac vnd Jacob. So leerend vns auch die Apostel nicht / das wir keinen gewünn hoffen söllind / sonder das wir nit schantlichs gewünns begirig seyend.
Es sind aber mancherley gewerb vnnd handtierungen der menschen / dann auch deß menschen notturfft mancherley bedarff. Es ist ein grobe arbeit / die mer mit den henden vnd leibs krefften / dann mit kunst (wiewol es auch sein art vnd neigung haben muoß [geschickligkeit bedarff] ) zuogadt. Es ist darnach ein subtilere arbeit deß gemüets / welche / ob sie wol auch nit vssert dem leib vnd one deß menschen krefft geschicht / so brucht sie doch mer sinn dann leibs stercke vnd krefft. Der ersten gattung sind der merteil alle künst / die man handtwerck nennt / zuo welchen wir auch zellend / kauffmanschafft / ackerbuw / vychgewerb. Der anderen gattung aber ist / studieren vnd üebung in der geschrifft / als in der artzny / in wältlichen rechten / besonders in der Theology vnd heiligen geschrifft / auch in der philosophy vnd natürlichen künsten / darzuo dann auch dienet deß regiments verwaltung. Also sind die heiligen Ertzvätter / die gar vernampt [vberauß] fromb vnschuldig leüt warennd / der merteil purslüth gwesen / vnd mit dem vychgewerb vmbgangen. Deß wir exempel habend / den Abel / Noe / Abraham / Jsaac / Jacob / vnd andere. Die Leuiten aber vnd Propheten / habend sich erneert in üebung der geschrifft vnd im kirchendienst. So wirt kauffmanschafft inn der heiligen geschrifft nirgent gescholten noch verdampt / die kauffleüt werdend aber gescholten vnd verdampt / die Gott nit förchtend / vnd jm nichts nachfragend / mit arglist / bschiß [-] vnd betrug vmbgond. Dann es spricht der heilig Apostel deß Herren S. Jacob / Wolan / die jhr nun sagend / heüt oder morn wöllend wir gon in die oder die statt / vnd wöllend ein jar da ligen / vnnd handtieren oder gewünnen / die jr nit wüssend was morn sein wirt. Dann was ist ewer läben? Ein dampff ists / der ein kleine zeit wäret / darnach aber verschwynet [verschwindt] er / dafür jr soltend sagen / Läbend wir vnd wils Gott / so wöllend wir diß oder das thuon. Jn den Geschichten der Apostlen wirt die Lydia nit gescholten / das sie purpur verkaufft / dann in dem lob einer frommen eerlichen haußmuoter / wirt auch die kauffmanschatz [-schaft] gemäldet. So habend auß der verwaltung deß regiments geläbt alle fromme Künig / Joseph der erhalter Aegypti / Daniel der Fürst in Babylonia vnd Media usw. Dann gleich wie an deß menschen leib vil glider sind / vnd mancherley brauch der selbigen ist / vnd aber die selbigen alle in höchster einhelligkeit gerichtet sind zuo erhaltung deß gantzen leibs vnnd seines wolstands / also hat auch Gott mancherley künst vnd handtierungen angericht vnnd verordnet / welche er wil / das sie alle dienind dem wolstand deß gemeinen nutzes vnd regiments. Welcher aber jetzund auß disen gewerben vnd handtierungen allensamen / einem frommen vnd glöubigen menschen fürnemlich zuo erkiesen vnd zuo erwellen seye / das kan ich nit sagen. Ein jeder bedencke hie bey jm selb das / daß ich bißhär anzogen / vnd erforsche dannethin sich selb / worzuo jm sein gemüet aller meest stande / worzuo er geschickt vnd tugenlich seye / bedencke auch welche handtwerck vnd gewerb am einfaltigsten / vnd der natur am bequemlichisten / welche auch am aller minsten gemeinschafft heigind mit beschiß [-] vnd betrug / vnd am wenigisten von Gott vnd der gerechtigkeit abziehind. So dann einer das bedacht / so erwelle jm dannethin welches er jm das bequemlichest vnnd das heilsamest vnd nutzlichest zuo seel vnd leib vermeint zuo sein. Wir mögend nit all zuo acker gon / so reimbt sich studieren nit für jederman / wenig sind deren die das regiment verwaltind / so ist nicht ein jeder allenthalb geschickt zun handtwercken. Ein jeder hat sein art / sein neigung vnd ynsprechung vom Herren / ein jeder hat auch hilff vnd radt von seinen freunden vnd verwanten / auch mancherley glegenheit vndCXIIIIv. / 114b
anlaß / besonders aber hat ein jeder die regel deß worts Gottes. Deren dingen allen halte er sich also / das er dem gebot deß Herren inn allen dingen den vorzug lasse.
Welcher nun jetzund also arbeitet vnd wirbt / der behalte über die vorerzelten reglen auch dise. Zum ersten / das er sich hüete vor vertüeyge [verschwendung] / vnd allem überfluß / in speyß / in tranck / in kleidungen vnd zierdt deß leibs / in bauwen usw. Das er da allen ytelen vnnd vnnützen kosten fliehe vnnd myde / dann der Herr wil nit das einer sein ding vergeüde / sonder behalte. Er hasset vnnd schiltet allen überfluß / allen vnnützen kosten vnd hochfart / dann es geschicht auch gern / das wer das sein vergeüdet / das der anderen auff das jr stellt / dahär dann vil übels entstadt / diebstal / auffsatz / beschiß [hinderlist] vnd trug / auch etwan todtschlag vnd auffruor. Darnach so muoß einer der arbeiten vnd handlen wil / ernsthafft vnd yfferig sein / wacker vnd arbeitsam / nit träg / hinlessig vnd liederlich / sonder fleißig vnd mit trewen alle ding thuon. Faulkeyt vnd tragheit mißfallt Gott / vnd so einer so liederlich vnd sorgloß ist in seiner haußhaltung. Die geschrifft lobt trewe arbeiter / fromme vnnd geschickte gewerbsleüt. Daruon wir hören wöllend die überauß schön leer deß aller weysesten Salomons / der also spricht / Gang zuo der ambeissen [Omeissen] du fauler / vnd nimm jr üebung war / das du weyß werdist. Sie hat keinen Fürsten / keinen treyber noch herren / noch samlet sie speyß im summer / vnd tregt in der ernd narung zuosamen. Du träger / wie lang wilt du schlaaffen? wenn wilt du von deinem schlaaff auffston? Ein wenig schlaaffen / ein wenig fulen / ein wenig die hend zuosamen schlahen zuo schlaffen. Darzwüschend kumpt dein armuot wie ein löuffer / vnnd dein mangel wie ein gewapneter. So spricht auch Dauid in Psalmen / Wol allen denen die den Herren förchtend / vnnd in seinen wägen wandlend / denn wirst du das niessen / das du mit deiner hand arbeit überkommen hast. Sälig bist du / vnd wol wirt dir sein. So hat auch Gott der Herr den Adamen im Paradyß / da er jn dennocht in den aller säligesten stand deß läbens gesetzt hat / nit lassen müessig gon / oder wöllen das er müessig gange / dann er hatt jm den garten zuo pflantzen vnnd in eeren zuo halten befolhen. Darumb ist kein ellender volck dann die müessiggenger. Vnnd sölich fulböum sind anders nichts / dann ein vnnütze burde [vnnütze läst] der wält. Zum letsten / so sol auch ein gewerbsmann sich fleyssen / das er mit seinem gewerb niemands schaden zuo füege. Vnd da sol er jm in allen seinen handlungen die regel für die augen stellen / Was du wilt das dir geschäch / das thuo auch einem anderen / vnnd was du wilt das dir nit geschech / das thuo auch du keinem anderen. Es wirdt aber in zween wäg dem menschen schaden zuogefüegt / als mit behalten vnd mit nemmen. Namlich / so du behaltest vnd vorhaltest / das du einem anderen schuldig bist / vnd das nit das dein ist / oder so du nimpst das eines anderen ist / das er dir nit schuldig ist. Von disem zuofüegen deß schadens / der also auff die zwen wäg / mit vorbehalten oder mit nemmen geschicht / wil ich jetzund etwas weytlöuffiger reden / damit das gebott deß Herren / Du solt nit stälen / deßgleich die geschlächter vnd gestalten deß diebstals dester baß darauß verstanden werdind. Diebstal nennend die rächtsuerstendigen / ein betrugliche angreiffung eins beweglichen vnd leiblichen dings / das einem anderen zuogehört / die da geschicht von gewünns wegen / eintweders ein ding selb / oder seinen brauch nutzung vnd besitzung zuo erlangen / vnd das aber one vnd wider den willen dessen deß es ist. Vnd darumb so haltend sie / das wenn einer seiner sinnen beraubt vnnd etwas nemme / das der nit ein diebstal begange / dieweil er kein heiteren trug darinn brauche. Der möge auch deß diebstals nicht gezigen werden / der auß vnwüssenheit vnd nicht auß boßheit ein anders für das sein nemme. Das angreiffen aber heißt nit nur einfaltig mit den henden anrüeren / sonder alle die weyß / damit einerCXV. / 115a
ein ding dem ordenlichen besitzer entzeücht. On vnd wider den willen aber dessen deß es ist / sprechend sie / nit allein so jm sölichs mit gewalt / sonder auch so es jm vnwüssend genommen wirdt / oder so er es gleich weißt / nit hinderen mag / vnd so er es gleich hinderen möchte / vonn gewüsser vrsachen wegen nicht thuot. Es wirt auch das nit vergebens gemäldet / das der diebstal beschäch vonn gewünns wegen / dann wenn einer ein ding nimpt in eim schimpff / oder sunst von ehrlicher vrsachen wegen / der begadt kein diebstal. Zweyerley diebstals aber sagend sie das da seyend / Ein offner / als in dem der dieb ergriffen wirdt / vnd ein heimlicher / da einer nach der thaat erst deß diebstals bezeüget wirt. Von disem allem wirt nach der lenge disputiert Digestorum lib.47. Tit.2. usw. Wir wöllend aber widerumb vff vnser fürnemmen von dem zuofüegen deß schadens / dz selbig zuo erlüteren.
So füegst du nun deinem nächsten schaden zuo im behalten / so du in kauffen vnd verkauffen nit rechte maaß / vnd nit rechts gewicht haltest / dahär auch dienet der vnbillich vnd betruglich abzug im wächsel. Von welchem allem wir hören wöllend die sprüch vnd gebott Gottes vnsers Herren / der spricht Leuit.xix. also / Jr söllend nit vngleich handlen am gericht / mit der ellen / mit gwicht / mit maaß / rechte waag / rechte pfund / rechte Epha (das ist vierteil / trochenmäß) vnd rechts hin (das ist / naß / feüchtmäß) sol bey euch sein / dann ich bin der Herr ewer Gott / der euch auß Egyptenland gefüert hat. Vnd im fünfften buoch Mosis am xxv. cap. läsend wir / Du solt nit zweyerley gwicht in deinem sack / groß vnd klein haben / vnd in deinem hauß nit zweyerley Epha groß vnd klein sein (das du im ynnemmen vnd kauffen ein grosses brauchen wöllist / im außgeben aber vnd verkauffen ein kleins) sonder du solt ein völlig vnd recht gwicht / ein völlig vnnd recht Epha haben / auff das dein läben lang were auff dem land / das dir der Herr dein Gott geben wirt. Dann wer sölichs thuot / der ist dem Herren deinem Gott ein greüwel / ja alle die übels thuond. Dahär dienet auch der spruch auß den weysen sprüchen Salomons / Zweyerley gwicht oder mäß bruchen / die beide hasset vnd verflüecht der Herr. Was kan aber schwärers vnd grausamers ghört oder erdacht werden / dann so ein mensch Gott ein greüwel ist? Michee am vj. cap.[1.2] tröuwt Gott auch mengerley schwärer straaffen / die er über die wölle gon lassen / die vnrechts gwicht vnd vnrächts mäß bruchend. Darumb söllend wir söliche vntrew vnd vngerechtigkeit meiden / vnnd alsmär [viel lieber] wöllen glückhafft als vnglückhafft sein / vnd vil mer den Herren hören der da spricht / Ein volle getruckte gerüttlete vnd überflüssige maaß werdend sie euch in ewer schooß geben / dann mit welcher maß jr mässend / mit deren wirt auch euch gemässen werden. Darumb söllend wir das gwüß halten vnd glauben / daß das guot / daß mit trug vnd diebstal erlanget wirt / nit lang beston / vnd vns zuo guotem nimmer dienen wirt. Jtem so füegend auch im behalten dem nächsten schaden zuo / die so erbschafften innhaltend die anderen zuogehörend / Jtem die in kauffen vnd verkauffen / in zuosagungen vnd verträgen / betruglich vnnd vorteilig handlend / die der gleichen thuond / als ob sie eimen ein ding gäbind / das sie aber mit betrug eintweders behaltend oder verwechßlend / vnd ein anders ergers vnd bösers darfür gebend. Welchs dann ein rechter betrug vnd falsch ist. Vonn denen aber / die also vnrechte erbschafften innhabend vnd besitzend / ist offenbar / das sie weder langs läben noch guot glück immer habend. Von den betriegeren zeüget Salomon / das sie keinen gwün finden werdind. Dann wie groß joch vnbillicher gwün seye / so wirt er doch billicher ein schaden vnd nachteil / dann ein gwünn vnnd nutz genennt vnd gerechnet. Dahär dienet auch gefunden guot / wenn du das selbig verhaltest / so mans von dir forderet / als ob du es nit funden / oder als ob es das dein seye. Jtem so du das / das hinder dich gelegt ist / als pfand vnd dergleichen ding / nit härfür geben / sonder verhalten wilt. Als wenn einer der über fäld zogen / dir silbergschirr oderCXVv. / 115b
ein summa gälts zuoghalten [auffzuheben] geben / von wegen das er gehofft / es were wol bey dir behalten / vnd du gäbists jm aber nit wider / sonder verlougnetist sein / so er wider käme vnd es von dir forderte / so hettest du jms gstolen / vnd darzuo trew vnd glauben an dem fründ gebrochen / vnd also die sünd gemeret. Jtem so dir ein armer mann etwas das jhm lieb vnd wärd versetzt hette / vnnd er kem vnd brechte dir dein gält das du jm gelihen wider / vnd du lougnetist jm denn deß pfands / vnd erdechtist faule stempanien / vnd brauchtist also beschiß vnd betrug / damit du den armen vmb sein pfand brechtist / so hettist du das pfand gestolen. Es sind auch noch andere gesatzte / die Gott seinem volck gäben / wie man sich mit den pfanden halten sölle / die auch hiehär dienend. Dann Deut.xxiiij. Cap. läsend wir / Du solt nicht zum pfand nemmen den vndersten vnnd obersten mülistein / dann du pfendist jm sein narung / das ist so vil geredt / Nimm von deinem nechsten das nit zuo pfand / mit dem er jm selb vnd den seinen die narung gewünnt vnnd überkumpt / dann sunst nimpst jm sein läben vnd sein narung. Jtem bald hernach spricht er weiter / Wenn du deinem nechsten etwan ein schuld borgest / so solt du nicht in sein hauß gon / vnnd jhm ein pfand nemmen / sonder du solt daussen ston / vnd er / dem du borgist / sol sein pfand zuo dir herauß bringen. Mit welchem er alle gnäwe verbieten wil / das die reichen nicht zuo gnaw der armen heüser durchnüsteren [durchkriechen] wöllind / vnd im pfand höuschen zuo streng seyend. Darumb setzt er auch noch weiter hinzuo / Jst er aber benötiget / so solt du dich nit schlaaffen legen mit seinem pfand / sunder solt jhm sein pfand wider geben wenn die Sonn vnder gadt / das er in seinem kleid schlaaffe / vnd dich lobe / so wirdt dir das vor dem Herren deinem Gott zur gerechtigkeit gerechnet werden.
Zuoletst so füegend auch die im behalten dem nechsten grossen schaden zuo / die dem arbeiter den verdienten lidlon [lon] vorhaltend. Der wirt aber in zwen wäg vorgehalten / Eintweders so du den nimmer / oder doch kum vnd langsam außrichtest vnd bezalst / lang auffzeüchst / vnd allweg etwas daran abzeüchst. Durch arbeiter aber werdend auch alle handtwercks leüt verstanden / welche die reichen gemeinlich vil brauchend / vnd heissends alles auffschreiben in jre rechenbüecher / vnd wenn sie schon wüssend / das sie deß jren bedörfftind / so gebends jnen doch nichts / sunder wenn sie es glych etwan höuschend / so empfahend sie es mit bösen worten / vnd lassend jnen nüt mit lieb werden. Darnebend sind sie stoltz vnd hochfertig / vnd verthuond dz jren / ja nit nur dz jren / sunder auch dz ander leüten ghört / schantlich vnd muotwillig. Von welchem wir aber hören wöllend die gsatzt vnd vrteil Gottes / der spricht Deut. xxiiij. also / Du solt nit innhalten den lon deß benötigeten vnd armen vnder deinen brüederen / oder frömbden der in deinem land vnd in deinem thor ist / sonder solt jm seinen lon deß tags geben / dz die Sonn nit drüber vndergange / dieweil er benötiget ist vnd arm / vnd sein gemüet erhebt zuo dem lon / das ist / die hoffnung deß läbens darein setzt / als auß dem er geläben muoß / auff das er nit wider dich den Herren anrüeffe / vnd dir sölichs zur sünd geradte. Mit disem gebott Gottes stimmend auch die wort deß heiligen Apostels Jacobi / der also spricht / Sihe / der lon ewer arbeiteren / die ewer land yngeärndet habend / vnd von euch verkürtzt ist / der schreyet / vnd das anrüeffen der ärnderen ist kommen für die oren deß Herren Sabaoth. Was köndte grausamers gehört werden / dann dz der vorbehalten lidlon schrye? Ja in himmel schryet / vnd in die oren deß gerechten / deß gestrengen / deß allmechtigen Gottes tringt? was habend dann die / so armen leüten jren lon also vorhaltend / anders dann grausamer straaff zuo erwarten? Darumb Tobias disen handel recht vnd kurtz zuosamenfaßt / vnd menigklichem wol radtet / da er spricht / Welcher dir arbeitet / dem gib seinen lon gleich schnäll / vnd luog das deß taglöners lon nicht übernacht bey dir bleibe.Auff das volget nun auch das ander stuck / namlich das schaden zuofüegen / das
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da gschicht durchs nemmen. Welches auch in vil wäg beschicht. Zum ersten durch diebstal / von dem ich daoben schon etwas geredt hab. Der gschicht aber nit allein so einer einem gält entregt vnd entfrömbdet / sunder auch inn allerley wahren vnd güeteren / in acker vnd matten / so man die marchstein verruckt vnd versetzt / auch in eines jeden rechten / so das verenderet / abgschlagen / auffgehebt / oder one wüssen vnd bewilligung deß anderen / das ist / deß rechten besitzers / auffzogen wirt. Dann Leuit.xix. spricht der Herr / Jr söllend nit stälen noch liegen / noch falschlich handlen einer mit dem anderen. Vnd Paulus zun Epheseren / Legend hin die lugen / vnd redend die warheit ein jeder mit seinem nechsten / sittmal wir vnder einander glider sind. Wär gstolen hat / der stäle nit mee / sunder arbeite / vnd schaffe mit den henden etwas redlichs / auff das er habe zuo geben dem dürfftigen. Vnd dises mag auch gar nach auff alle ämpter deß menschen gezogen werden. Dann welcher sein pflichtig vnd schuldig ampt nit thuot / ja nit thuot das er von rechtem thuon solt / der sündiget wider dz gebott. Als so ein vatter sein ampt nicht thuot gegen seinem gesind / dargegen auch dz gesind deß vatters guot durchhin richt [verschwendet] / vnd den vatter der gern wol hauß hette / betreügt / vnd mit kippen [verschwendung] vnd abtragen verderbt. Jtem so ein herr (wiewol das mag gezogen werden zum Titel de dato damno retinendo) seinen lehleüten zuostreng ist / oder dargegen die lehenleüt müessig gond / vnd dem herren das sein verthuond / vnfleissig bauwend / vnd muotwillig ein ding verschwendend. Also sündet auch der knecht wider dises gebott / so er nit mit allen trewen seins herren sachen vnd nutz fürderet vnd schaffet. Deß selben gleichen sündend auch die mägdt hiewider inn jrem ampt wider jhre frouwen / so sie das selb vnderlassend. Dann auff dises gebott sicht der heilig Apostel Paulus / da er dem Tito gebütet vnd spricht / Die knecht verman / das sie jren herren vnderthenig seyend / in allen dingen gefellig / nit widerbällind / nit entragind / sunder alle guote trew erzeigind / auff das sie die leer Gottes vnsers heilands zierind in allen stucken. Dergleichen leert er auch Eph. vj. Colos. iij. j.Tim.vj. Dann hiehär gehört die leer von dem ampt der herren vnd der diensten (so vil die haußhaltung belanget) vnd was dergleichen mer ist.
Es gehört auch hiehär raub vnd betrug / die sich beide weit außstreckend. Betrug ist vnermäßlich / dann deß menschen list vnd boßheit ist ein tieffer abgrund. So habend die menschen vil vnd mengerley künsten vnd rencken / die niemand all erzellen kan. So vil den raub belanget / so gschicht er nit allweg mit gwaltiger hand / sunder etwan auch mit list / vnd mit der zungen / vnd sind die röuber nit all in den wälden vnd auff der weite / sunder auch etwan mitten in den stetten. Du raubist deinem nechsten das sein vnder dem tittel vnd schein deß rechten / so du mit arglistigem schwätzen / mit miet vnd gaaben / vnd anderen bösen künsten die richter dahin bringst / das sie vrteilend das dir wol kumpt / da du aber kein recht hast. Etlich beraubend auch etwan die rechten erben grosser erbschafften mit dem tittel vnd nammen der schenckungen vnd vergabungen. Söliche list vnd beschissz [list vnd praticken] / gehörend all vnder den raub vnd betrug / vnd werdend mit einander alle vnder den diebstal gezelt. Das spilen auch / ob es gleich mit bewilligung geschicht deren die da spilend / noch dieweil ein jeder ynbrünstig begärt dem anderen das sein abzuogwünnen / vnd darüber das blind glück / das ist / die würffel vnd karten / seines guots richter vnd außteiler sein laßt / so ist es billich je vnd je vonn den gottsgelerten verworffen vnd verdampt worden. Es hat auch der Keiser Justinianus / wie man findt Cod.lib.3. Tit.ultimo / auß betrachtung deß nutzes aller seiner vnderthonen / gesetzt vnd geordnet / das niemand sölle spilen / weder in besonderen / noch in offnen vnd gemeinen heüseren. Dann wie wol das brättspil ein alt ding / noch seye offt vil weinens darauß eruolget / dann vil verspilend damit all jr guot / vndCXVIv. / 116b
brechind zuo letst auch auß in lesterung wider Gott. Sunst ist niemand der nitt wüsse / das deß leibs vnd deß gemüets üebungen / so mit dem gifft der gwünsucht nicht befleckt / vnd mit denen einer weder jm selb noch ander leüten schadet / nit vnzimlich vnd nit verbotten sind.
Darnach gehört auch der wuocher hiehär. Wuocher aber ist / so du einem anderen dein guot gibst zuo nutzen vnd zuo bruchen / als dein acker / dein huß / dein gält / oder etwas anders / dauon du järlich etwas nutzes von jm empfachst. Dann hast ein hof / ein guot / acker / matten / weiden / wynräben / hüser / gält / die lyhest du einem anderen / mit einer gewüssen verkommung / was er dir für nutzung darfür geben wil. Diser contract vnd söliche verkomnuß ist für sich selb nit vnrecht / noch in der h. gschrifft verdampt. Vnd das wörtli wuocher / ist an jm selb nit vnerlich / sunder der mißbruch macht jm ein bösen nammen / dermaß das es nit vnbillich auff den hüttigen tag von jederman gschohen [gescheuhet] vnd gehasset wirt. Der wuocher wirt in der gschrifft verdampt / so verr er geschicht auß boßheit / vnd mit nachteil vnd schaden deß menschen. Dann wär wolt sunst einem verbieten / das er nicht möchte sein acker / sein huß / sein gält / einem anderen fürsetzen zuo nutzen vnd zuo bruchen umb ein zimliche billiche nutzung? Kauffen je vnd vßlyhen / vnd was der Contracten [verträge vnd handtierungen] sind / die sind nit vnrecht noch verbotten. Vnd wie der / der vßlycht [außleihet] / dem anderen guots thuon sol / also sol auch der / der empfacht / der guotthat nicht vergebens begären / oder die selb vergäbens bruchen zuo nachteil deß der jm fürsetzt vnnd guots thuot. Nit red ich hie von lauterem guots thuon / welches ein andere gestalt vnd ein anders bedencken hat / von welchem man lißt Luce am vj. cap. So jr lyhend denen / von denen jrs hoffend wider zuo empfahen usw. So haltend die rechtsuerstendigen von disem also / daß das nicht ein wuocher seye / wenn zuo der summa die einer empfacht / noch etwas weiteren vorschusses gestellt wirt / den der schuldner dem der jm fürsetzt über das hauptguot bezalen sol / so verr das geschicht mit geding deß widerkauffs / dann es hört jetzund auff ein gelihen gält sein / wenn es dermassen inn deß anderen gewalt gestellt wirdt / das wenn der schuldner nit wil / das es der / der es außlycht / nit wider forderen darff / biß das er die nutzung / deren sich der schuldner verbunden hat / widerlegt vnd bezalt. Dann ein sölichs lyhen ist als vil als ein kauff. Sie sagend aber dz der wuocher nit im kauffen / sonder allein jm lyhen (welches vergäben geschähen sol) begangen werde. Darumb sähe man in disen hendlen zuo beden seiten auff die regel / Was du wilt das dir geschech / das thuo auch einem anderen / vnd was du wilt das dir nicht geschäch / das thuo auch ander leüten nicht. Jtem der heilig Apostel Paulus sagt / Niemands betriege vnd verfortheile seinen bruoder in einichem handel. Jch weiß wol was man hie ynwirfft vom gält / daß das nit also bleibe wie acker / räben usw. sonder es brauche sich hinweg / darumb so möge man mit keinem rechten vom gält einige nutzung empfahen. Wenn aber einer dem anderen gält gibt / mit dem er güeter / höf / acker oder räben kaufft / oder sunst damit wirbt vnd gewünt / so sihe ich nit vrsach / dz ein biderman nit äben als wol zimliche nutzung von seinem gält nemmen möge / als gleich von einem ligenden guot. Der das gält vßglihen / hette mögen ein guot darumb kauffen / von welchem er alle nutzung gehabt hette / Nun aber / so gibt er sein gält einem anderen zuo nutzen vnd zuo brauchen / der kaufft vnd überkumpt jm selb mit dem gält / das er also empfangen / ein guot / auß dem er sein gantz gsind erneert. Darnebend gibt er dem von dem er das gält empfangen ein gwüssen teil der nutzung. Vnd wenn er jms gar wider erlegt / so ist dann das guot sein eigen / vnnd ist deß järlichen zinßgäbens auch entprosten [-] vnnd entlediget. Jn einem sölichen Contract acht ich nicht das jemandt sagen könne / das der arm durch wuocher getruckt werde / dieweil es offenbar ist / das dem armen vil mer mit sölichem wuocher geholffen wirt. Darumb so wirt der wuocher inn demCXVII. / 117a
wort Gottes verbotten / so verr er den nächsten beißt (wie die gschrifft daruon redt) das ist / so verr er jm schadet vnd jn verderbt. Dann also spricht der Herr im Leuitico / Wenn dein bruoder verarmet / vnd sein hand schwach bey dir wirt / das ist / sein guot bey dir anfacht abnemen / es seye gleich ein frömbdling oder ein ynheimscher / so sterck jn das er bey dir läben möge / vnd nimm nit wuocher von jm / noch mer dann billich seye / sonder fürcht den Herren deinen Gott / dz dein bruoder näbend dir läben könne. Du solt jm dein gält nit auff wuocher geben / noch dein speiß auff übernutz vnd übersatz / dann ich bin der Herr ewer Gott. Da schiltet der Herr alle böse künst / fünd vnd griff aller gytigen wuochereren / mit denen sie nitt nur im zinß vnd wuocher alle vnmaß treibend vnd brauchend / sonder jr gält vnd guot anderen allein vonn deßwegen leyhend vnnd fürsetzend / das sies durch das mittel vmb alles das bringind das sie habend. Was aber das für künst / list vnd finantzen alles seyend / wirt niemand gnuogsam können erzellen / dieweil jr täglich je lenger je mer entspringend vnd erdacht werdend. Darumb ich euch hie allein vorläsen wil das vrteil Gottes wider etliche schantliche list vnnd finantzen der wuochereren / die sie brauchend im außleihen / fürsetzen / vnd verkauffen / auff das ein jeder darnach zuo gleicher weiß auch vonn den anderen vrteilen könne. So spricht nun der Prophet Amos also am viij. cap. Hörend das o jr die die armen verschluckend / vnd die dürfftigen auß dem land bringend / sprechende / Wenn ist der monat hin / so wöllend wir das getreidt feil haben vnd verkauffen. Lassend etlich wuchen verlouffen / so wöllend wir vnseren schatz auffthuon / das Epha [scheffel] kleiner vnd den sickel [das gelt] grösser machen / vnd das gwicht felschen / das wir die armen mit gält / vnd die dürfftigen vmb schuoch an vns bringind / vnd das nütsöllend vnd außgryteret korn [sprewr für korn] verkauffind. Der Herr hat bey der herrliche vnd maiestet Jacobs geschworen / Jrer thaten vnd schalckheiten wil ich nimmermer vergessen / sölt nicht das land ab sölichem erbidmen [erbeben] / vnd alle die darinnen wonend trauren? sölt nit jr verhergung [-] vnd verderbnuß über sie kommen wie ein wasserstrom / vnd sie übergiessen vnd verflötzen wie der Nilus Egypten?
Darumb damit nicht der zorn Gottes enbrünne über die Reich vnd land von wegen deß vnbillichen wuochers / vnd der grossen verderpten vnd verderbenden wuocherern / so sol ein Oberkeit sie mit guoten satzungen zuosamen vnd innhaben / vnd ordnen / je nach gelegenheit der zeit / der orten / der personen / vnd nach gestalt der sachen / was billich recht vnd mit Gott ist / damit die wuocherer nit mit außlyhen / mit handlen / mit kauffen vnd verkauffen / den armen gemeinen mann verderbind / sonder das ein billigkeit vnd gerechtigkeit in allen dingen gehalten werde. Disers jres ampts hat ein jede Oberkeit ein schön exempel am Nehemia / wie der den grusamen gyt / vnd die groß vngerechtigkeit der wuocherern / die dz arm Jsraelitisch volck vndertrucktend vnd schundend / paschget vnd ynthet [hinder sich helt vnd jhm wehret]. Daruon nach der lenge geschriben wirt in der histori Nehem. am v. Capitel. Darumb so wil ich hie die vnbillichen vnd vngerechten kauffleüt vnd wuocherer / deßgleich jren gyt nicht schönen noch vertädigen / sonder sag das rund herauß / das sy läbend auß dem schweiß vnd bluot der armen / vnd das sie Gott verdammen wirt / wo sie sich nit besserend vnd abstond von dem laster. Vnd wirff jhnen das gesatzt der natur für / das da lautet / Was du nit wilt das dir gschech / das thuo auch einem anderen nit. Es kamend auch die zoller zuo Joanne / das sie von jm getaufft wurdind / vnd sprachend / Meister / was söllen wir thuon? Er aber sprach zuo jhnen / Nemmend nit mer dann euch verordnet ist. Dise zoller gläbtend auß den gemeinen zöllen vnnd ynkommen / die sie vmb ein gewüß bar gält den Römeren abkaufftend. Die hieß aber Johannes nicht / das sie jhren gewerb gar verliessind / sonder das sie sich deß verordneten ynkommens liessind genüegen. Also sag ich auch allen wuocherern vnd gewerbsleüten / vnd bleüw jnen das wol yn / NemmendCXVIIv. / 117b
nicht mer dann euch verordnet ist. Habend jhr aber kein gewüsse ordnung von der Oberkeit / so gälte doch sunst billigkeit freündtligkeit vnd liebe bey euch / Jtem das allgemein gesatzt / Alles das jhr wöllend das euch die leüt thüegind / das thuond auch jhr jhnen. Vnnd so dein aug / spricht der Herr / einfaltig ist / so wirdt dein gantzer leib liecht sein / Wenn aber das liecht das in dir ist / finsternuß ist / wie groß wirt dann die finsternuß selber sein?
Hiehär gehört auch kirchenraub / welcher ist ein diebstal vnnd raubung gehelgeter dingen / das ist / deren dingen die Gott vnd der kirchen zuogehörend. Dann es hat die gemeind Gottes auch jre güeter vnd ynkommen / damit sie zum teil die waar leer vnd den dienst der kirchen / zum teil aber die glöubigen armen / die sie hat / erhaltet. Sie hat auch güeter / die kirchen beüw / priesterheüser vnd spitäl in tach vnd in gmach vnd in eeren zuo haben / Jtem zuo einem vorradt so etwan gemeine not vnd vnfal ynfallt. Darumb so sind das kirchenröuber / die dise kirchengüeter nit dahin bruchend da sie soltend / sonder zuo anderen eusserlichen dingen die wider Gott sind / sie etwan mit jagen / mit pomp vnd pracht / mit huory / spilen / trincken vnd muotwillen verthuond. Jn welchem auff den heütigen tag treffenlich übel gesündet wirdt / eins teils von den Bischoffen / anders teils von den Oberkeiten. Vnd wirt auch gewißlich auff den schantlichen mißbruch der güeteren nichts anders volgen / dann grosser vnfal / mengerley trüebsal vnd not. Dann zuo dem das der sun Gottes vnser Herr Jesus Christus selbs in den armen also beraubet vnd vmb das sein bracht wirt / so gadt auch die recht waar leer der Gottsäligkeit damit zuogrund / alle guote vnnd eerliche studia werdend znüte / den schäfflinen Christi werdend die guoten vnd trewen hirten entnommen / vnd werdend sie zum raub den wölffen vnd röuberen. Vnder die kirchenröuber söllend aber hie nicht gezellt werden / die frommen vnd redlichen vorstender der religion / als etliche künig in Juda gewesen / besonders Ezechias / vnd etliche hirten vnd Bischöff der alten kirchen / die etwan in schwären kriegslöuffen / vnd so sunst hungers oder andere not die Rych vnd Land / vnd besonders dz arm volck ängstiget vnd nötiget / den schätzen vnd güeteren der kirchen nit geschonet habend / sonder ee alles das sie ghan herfür thon / vnd den armen damit zuo hiff kommen sind. Dann sie wärind rechte vnd grobe kirchenröuber gewesen / wenn sie den jrdischen todten gschirren vnd kleinoten hettind wöllen verschonen / vnd aber die läbendigen vor dem tod nit erhalten hettind. Da von du gar ein hüpschs ort findst beim Ambrosio Officiorum lib. 2. cap. 28. So hat man auch hüpsche exempel dessen in Ecclesiastica historia. Vnder die kirchenröuber werdend von den Theologis auch die Simoniaci / dz ist / Chananeer / vnd kirchenkrämer / die Gottes vnd der kirchen sachen vmb gält gebend vnd nemmend / gezellt. Dann sölichs hat auch jr haupt vnd ertzuatter Simon der zauberer gethon in Geschichten der Apostlen. Jtem nach dem Keyserlichen rechten / *welche mit miet vnd gaaben jnen selb wellstimmen eergytigklich erkaufftend / damit sie an gmeine eer vnd ämpter kommen möchtind / die* [-] wurdend beschuldiget der vneerlichen werbung / vnd wurdend auch vor zeyten mit entsetzung der eeren vmb hundert guldin gestraafft. Dieweil aber sölichs zum kirchenraub nichts dienet / so wil ich wider auff das selb. So sind auch kirchenröuber / welche die güeter / so der kirchen zuogehörend / als zinß vnd zähenden / nit außrichtend vnd bezalend / oder doch mit grosser vntrew vnd boßlich bezalend. Wider söliche kirchenröuber alle findt man grosse tröuwungen Gottes by den Propheten. Haggeus bezeüget / es seye kein andere vrsach darumb die frücht nicht oder übel gratind / dann daß das volck nicht bezale vnd außrichte was sie zum tempel schuldig warend. Jm Propheten Malachia verheißt Gott dem volck fruchtbare / so es der kirchen jre schatzung vnd ynkommen frey bezale. Söliche ynkommen aber mögend die diener der kirchen wol mit guotem rechten niessen / gleich wieCXVIII. / 118a
ein anderer neüßt die frucht deß ackers den er selbs bauwen hat. Söllichs bezeüget der Herr Num. am xviij.ca. vnd stimpt auch mit jm S. Paulus j.Cor.ix. So hat auch vnser Herr Jesus Christus den armen allmuosen auß seinem Stipendio außteylt / wie wir sehen mögend Joan am xiij. capitel.
Es sind auch die bättler kirchenröuber / die den nammen Christi mißbruchend / vnd die faulkeit mit der armuot verdeckend. S. Paulus gebeütet dem Timotheo dz er sölich faulböum vnd gleichßner nitt auffnemmen in die vnderhaltung der gemeind. Der gröst kirchenraub aber ist / so die ehr Gottes den creaturen zuogeben wirt. Es ist auch ein diebstal / der da begangen wirt an gemeynem gält / das eim Fürsten oder einer Oberkeit zuogehört. Dises wirt in Latin genennt peculatus. Dises laster gebirt vil nüwer auffsätzen vnd schatzungen [viel newer satzungen] / damit der dest mer anlaß vnd fuog habe zuo kippen vnd zuo stälen. Von diser dieben wegen hat on zweifel Cato der Römer vorzeiten gesprochen / Die besonderen dieb müessend jhr läben in stock vnd banden / die gmeynen aber in gold vnd purpur verschleissen. Sölliche peculatores sind auch alle die / die steür / zöll vnd gleit / die sie der Oberkeyt schuldig sind / nit bezalend / oder doch vntreülich vnd boßlich bezalend. Jtem die die güeter mißbrauchend / die da gmeyn sind. Vnder die so schaden zuofüegend / gehörend auch die Plagiarij, als die freyelüt / welche sie wüssend frey sein / zuo leibeignen leüten verkauffend / oder yemant seine leibeigne leüt entfüerend. Söllichs entfrömbden oder entfüeren nennt man zuo Latin Plagium. Jn dise zal gehörend alle die / so durch vffruor oder berednuß / oder durch vfrüerische leer / leibeigenleüt / die sygind knecht oder mägt / jren Herren / vnd die kinder jhren elteren vngehorsam vnd abtrüllig machend. Vnd so dann auch deß verlönten kriegs heerfüerer den vätteren jre sün / wider jren willen / mit verheissen vnd andern listen bedört / hinweg füerend / das sie vmb / vnd nimmer zuo jren elteren kommend / mögend sie auch hie etlicher gestalt / als von deß hinfüerens wegen gezellt werden. Vor zeiten ward das Plagium an leib vnd läben gestraafft / wie man sicht Exodi.xxj. vnd in Codice lib. 9.titulo 20. Noch ist ein geschlecht deß schädigens mit dem abfüeren / da yemant dem anderen sein vych nimpt vnd hinweg treibt. Die heissend in Latin abigei. Vnder welche auch die mögend gezellt werden / die etwan vych oder thier enthlenend / vnd es aber denn gar mißbrauchend. Jtem die dem armen vich / so es sich etwan vergat / vnd in gfar ist / nit zehilff kömmend. Darumb hat auch Gott im gsatzt gebotten / das man dz jrrend vych wider hinumb füeren / vnd seinem Herren zuostellen sölle.Das sey nun bißhar also geredt von den mancherley gattungen vnnd geschlächteren deß diebstals / Jtem wie man zeitlich guot recht vnd mit Gott überkommen sölle / Auch von dem eigenthuomb der güeteren. Dem Herren sey vmb alles guot lob vnd ehr in ewigkeit. Amen.
22.Pr.Die Zwey vnd zwentzigste Predig.
Von rechtem brauch zeitlicher güeteren / das ist / Wie man rechtferigs guot recht besitzen vnnd brauchen sölle. Da auch vom widergeben deß vnrechtferigen guots / vnnd von der wolthat geredt wirt.
JN der vorgenden Predig hab ich eüwer lieb zuo verston geben / wie das zeitlich guot recht mög überkommen vnnd erlanget werden / wie mancherley gattungen auch deß diebstals vnnd vnrechter mittlen sygind guot zuo überkommen. Nun ist es an dem das ich auch anzeige vnnd leere / welches der recht brauch [gebrauch] sey deß guots / das man also recht vnnd mit Gott
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überkommen hat / wie wir namlich dz selbig recht vnd wol besitzen / deßgleich auch brauchen vnd außgeben söllind. Dann der gerächtigkeit art vnd eigenschafft ist / dz sie nit nur niemand betreügt / sonder auch yederman / so vil jr müglich ist / guots thuot. Vnd einem frommen menschen ist es nit gnuog / das er niemand kein schaden zuofüege / er thüeye dann auch yederman guots wäm er mag. Vnd wirt hierinnen von vilen übel gefält / die da meynend sie habind jhr ampt wol außgericht / wenn sie niemand nichts böses thüegind / vnd das jren also mit ruowen besitzind / darnebend aber so habend sie deß kein rechnung vnd nachtrachtung [fragen sie nichts darnach] / wäm sie guots thüegind vnd nutz sygind. Nun sündet aber der vor Gott eben als wol / der gleich rechtferigs guot nit recht braucht / als der da guot mit vnbill vnd vnrechten zügen [künsten] überkumpt. Darumb so wil ich auff diß mal / so vil der Herr gnad verleicht / von dem reden / wie fromm leüt jr guot recht besitzen vnd brauchen söllind.
Zum ersten aber / damit das guot mit nutz vnd heyl möge braucht werden / so nemmend die glöubigen eigentlich war / ob sie etwas habind vnnd besitzind das nit jr sey. Da sünderend sie dann das rechtferig fleißig vom vnrechtferigen / vnd gebend mit trüwen das wider / das sie findend in jrem guot von rechtem anderen zuogehören / dann sie haltends eigenlich darfür vnd wüssend / daß denn das überig guot / ob es sich schon durch das widergeben minderet / vil dest glückhaffter / dest wäriger / vnd dest fruchtbarer sein wirt. Söllichs widergeben ist auch notwendig / vnd von Gott gebotten / dann Gott befilchts im gsatzt eigentlich vnd vilfaltig / wie man sehen mag Exo. xxij. Vnd wenn ye diß heilig vnd billich gebott Gottes / von wegen deß gyts vnd vnbills der menschen / nit ist gehalten worden / so hat Gott allweg grosse übel vnd straffen erweckt / vnd das vnrechtferig guot mit krieg / mit vnfal vnd anderen plagen heimgesuocht vnd zerströuwt. Dauon schryet Esaias vnd spricht / Der Herr wirt kommen zuo richten die Rathßherren vnd Fürsten seines volcks / vnd also außsprächen / Jr sind die meinen weingarten anzündt habend / vnd der raub deß armen ist in üwerem hauß. Jtem Amos am iij. cap. spricht der Herr also / Die schätz der reichtagen [reichthumb] die mit fräfel / vnbill [vnbilligkeit] vnd schaden gewunnen / sind in jren Palästen. Deßhalb redt der Herr Gott also / Man wirt dises land ringweiß vmblägeren / dich von deiner macht herab stürtzen / vnd deine Paläst plünderen. Darumb läsend wir im Euangelio / Das Zacheus von jhm selb vierfaltig / das ist gantz vnd vollkommenlich / verheißt wider zegeben was er yemand vnrechtfertig abgenommen / welches er auch on allen zweifel gehalten. Dann er erkannt vnd verstuond auß eingäbung deß heiligen geists wol / das sölichs widergäben hoch von nöten / vnd das er nimmer sälig wurde / wo er es nit alles widergebe. Darumb hatt auch S. Augustinus recht geurteilet / da er in der liiij. Epistel an Macedonium also schreibt / Wenn ein ding das eines anderen ist / nicht widergäben wirt / so thuot man nit rechte buoß / sonder gleichßnete allein [es ist ein lautere heucheley]. So man aber gleich warlich reüwen hat / so wirt doch die sünd nit verzigen / wo das entnommen nit widergäben wirt / Ja wie ich geredt hab / so es mag widergäben werden. Wenn man aber söllichs widergäben sölle / leert das exempel Zachei / der verhieß es gleich wider zegäben / vnd thet es auch von stund an / so bald er von Christo zuo gnaden angenommen ward / vnnd er den handel der waarheyt vnnd der gerächtigkeyt verstuond. Darumb sol das widergeben nicht verzogen werden / dann sunst meerete einer die sünd / vnnd sündete zwifalt / dann wenn du einen vmb das sein bracht / es sey mit list oder mit gwalt / so ist es jhm schadens gnuog / das er sein so lang hat müessen manglen / das es nit von nöten ist / das du jm erst mit langem auffziehen den schaden vnd nachteyl meerist. Fragst du dann / wäm du es söllist widergäben? So antworten ich / Dem / dem du es genommen hast / so du ächt [anderst] weist wär der ist dem du es genommen /CXIX. / 119a
vnd den du beschissen [betrogen] hast. Sprichst du / Also machte ich aber mich selb zeschanden. Nein / das ist nit mein meynung. Hast du können ein wäg finden / dz du jn darumb brächtist / ä [-] so gedenck auch nach einem fuogklichen wäg vnd mittel / dardurch du es jm wider zuostellist on dein schand / vnd bitt Gott / das er dir kummliche [bequeme] mittel vnd wäg darzuo geben wölle. Vnd freilich wenn dir ernst ist mit dem widergeben / so wirst du wol wäg finden die dir nit schandtlich noch vneehrlich sind. Jst dir aber nit ernst vor Gott / so wirst du wol tausenderley vßfluchten vnd entschuldigungen finden / deren dir doch keine dein gemüet vnd gwüßne stillen wirt. Dann Gott laßt sein nit spotten. Sprichst du / Jch weiß nit von wäm ichs hab / darumb weiß ich nit wem ichs sol widergeben? Antwort / Jsts war / dz du es nit weist wäm es gehört / so hast die armen vnd dürfftigen / denen gibs / an die sol man söllich vnrechtferig guot / nit an falsche gottsdienst vnd diener deß selben verwenden.
So vil sol aber auch ein yeder wider geben / so vil er genommen / vnd so vil jm müglich ist wider zegeben. Dann vil habend das / daß sie ander leüten also entzogen / verthon / das es jnen nit müglich wider zegeben. Die erkennind jre sünd / vnd laßind es jnen von hertzen leyd sein / vnd gibt jhnen Gott daß sie etwan guot überkommend / so sygind denn dest freygäber von dem jren / so vil mer sie geüdet [verschwendet] habend auß dem das nit jren. Wenn aber alles das du hast vnd besitzest ander leüten ist / vnd du es also mit diebstal vnd raub überkommen hast / das wenn du es alles söltist wider geben / das dir nichts überblibe / vnd sein [du] an bättelstab müeßtist / so bist du fürwaar arbeytsälig vnd vnglückhafftig gnuog. Vnsinnig aber wärist du vnd toub / wenn du erst noch mer wöltist fürfaren in ander leüten guot hochfart zetreiben / vnd dein muotwillen zeerfüllen im schweiß vnnd bluot der armen. Vil mer demüetige dich selb / vnd brauch das vnrechtferig guot nitt anders dann wie die armen das allmuosen brauchend / dann du läbst ye auß dem das der armen ist. Darumb thuo von dir die hoffart vnnd den überflussz. Gedenck eigenlich wär du sygist / vnd worauß du läbist. Darnebend fleiß dich jmmerdar das du widergebist was du magst / vnd laß dirs leyd sein / wo du es nitt alles völlig widergeben magst. Wenn du dich auch nicht beschämmen wilt ein weyl armuot zeleiden / zearbeiten / vnd etwas ehrlichs zewerben [zuerwerben] / auch deine kind darzuo zuo ziehen vnd zeleiten / so wirst du nichts destminder zuo läben haben / wenn du es schon alles wider gibst / das du solt. Aber es ist bey der merteyl wält wenig oder gar kein glauben / darumb ist es nicht müglich das man yemand / oder doch fast wenig berede / das sie also das vnrechtferig guot widergäbind. Sonderlich aber söllend die dem widergeben vnnd erstatten nachdencken / die mitt schädlichen reden einfaltige gemüeter verderbt hand / Jtem die mit nachred ander leüten guoten lümbden verletzt [gutes gericht verfelscht] / die auch mit verkeerten rathschlegen die gwaltigen wider die schwecheren vffgewiglet [aufgebracht] hand / dann an denen stucken ist vil mer dann an zeitlichem guot gelegen. Das hab ich also vom widergeben deß vnrechtferigen guots wöllen anzeigen / von welchem stuck / andere grosse disputationes geschriben / die aber nit notwendig [das aber hie vnuonnöthen alles einzufüeren] / *dann ich sich das diser handel vom widergeben / einem frommen vnd glöubigen gmüet / kurtz einfalt vnd offenbar ist / dann ein söllich gmüet begärt von hertzen dem gsatzt Gottes zuo gehorsamen / vnnd darumb rüefft es Gott vmb hilff vnd gnad an / vnd sint leichtlich mittel vnd wäg daß es das widergeben zuowegen bringe. Welche aber lieber fromm geachtet werdend dann das sie es sygind / vnnd dise wält mer liebend dann sich gebürt / die machend den handel vom widergeben deß vnrechtfertigen guots mit jren seltzamen fragen vnd falen die sie einwerffend gantz vnuerstäntlich vnd dunckel.* [* bis* gekürzt] Denen wil ich aber nichts weiters antworten / dann das sie jhr eigne gwüßne fragind / was sie die heisse / dann das wölte ich gern / das eines yeden gwüßne mitt disem allgemeynen gsatzt stimpte / Was du wilt das dir geschäch / das thuo auch einem anderen /CXIXv. / 119b
vnd was du wilt das dir nit geschäch / das thuo auch du keinem anderen.
Auff dz wir nun also verstanden / wie man das vnrechtfertig guot wider geben sölle / so kan ich yetz dest freyer reden von dem rechtferigen guot / wie dz recht besässen / braucht vnd außgeben sölle werden. Vnd erstlich / so sol man gar kein vertruwen darein setzen / dieweil es ein ding dz hinfellig vnd zergengklich ist. Nieman sol sich draufflassen / niemand sol sich darab verwunderen / sonder es sol ein yeder fleißig für sich sehen vnd sich hüeten / das es jn nit zum götzendiener mache / vnd dz es jn nit an seinem fürgenomnen lauff / da wir alle gehn himmel lauffend / verhindere. Da söllend wir alle mercken auff die göttlich himmlisch leer / die vns Dauid gibt da er spricht / O jr völcker / hoffend alle zeit auff Gott / schüttend eüwere hertzen vor jm auß / dann er ist vnser hoffnung / die menschen aber sind leichtferig vnd eytel / vnd also lugenhafft / das so du sie auff die wag gegen der leichtfertigkeit legst / sie alle mit einanderen weit leichter sind. Vertröstend üch nit vff fräfel vnd raub / sind nit gar eitel / fliessend üch schon reichtagen [reichtumb] zuo / so kleibend [henget] doch eüwer hertz nit daran. Vß gleichem geist leert vns auch S. Paul / dz wir die welt vnd was in der welt ist also brauchind / als brauchtind wirs nit. Jtem er nennt den gyt ein götzendienst / vnd gebeütet den reichen / dz sie nit hoffind in die vngwüssen reichthumb / sonder in den läbendingen Gott / der vns dargibt reichlich allerley zuo niessen weß wir bedörffend. Vß der vrsach verbütet vns auch der Herr im Euangelio schätz auff erden zuo samlen. Dargegen wirt vns aber darumb nit gebotten / das wir das vnser vergüdind [verschwenden] vnd muotwillig verthüegind. Dann wäm Gott etwas gibt / das sol er nit zuo muotwill vnnd hochfart mißbrauchen / wie aber vil sind / die dz jr muotwilligklich verschwändend mit spilen / mit kostlichen beüwen / mit frömbden außlendischen kleidungen / mit kostlicher speiß vnd tranck / deren end vnd verderben vns der Herr gar fein / doch nit on grausen aller zuohöreren / fürstelt in der gleichnuß deß reichen prassers / der auff das köstlich wolläben vnd auff die schön bekleidung die er hie in zeit braucht hat / dört in der hellen vnsaglichen durst leiden / vnd ewigklich brünnen vnd braten muoßt. Darumb sol man luogen / das man dz zeitlich guot zimlich mit gottsforcht vnd mäßigklich braucht. Es sol auch ein yeder erkennen dz dise jrrdische güeter gaaben sind vnsers güetigen himmlischen vatters / vnd das wir sie nit durch vnsern verdienst / oder durch vnsere werck verdient vnd erlanget habend. Dann wir habends vß Gottes frygäbe alles das vns zuo erhaltung vnsers läbens von nöten ist. Gott ist der / der vnsere arbeyt glücket vnd sägnet. So sind die gaaben Gottes nit böß / sonder guot / vnnd die gibt er das läben zuo erhalten / nicht zuo verderben / wir machend sie vns selbs etwan zum strick vnnd verderben. Es erforderet auch der Herr in seinem wort / das wir jhm danckbar sygind vmb seine empfangne gaaben / das wir sie mit dancksagung nießind vnd brauchind / vnd in allem den nammen deß Herren lobind / vnd vns in jhm fröuwind. Dann also gebeütet Moses der diener Gottes Deut. viij. Der Herr dein Gott füert dich in ein guot land / darinn dir nichts manglen wirt. So luog nun dz wenn du gässen hast vnd satt bist / dz du den Herren deinen Gott lobist für das guot land das er dir gäben hat. Vnd hüet dich das du deß Herren deines Gottes nit vergäßist / das du seine gebott seine sitten vnd recht / die ich dir hüt gebeüt / nit haltist / das wenn du nun gässen hast vnnd satt bist / vnd schöne heüser erbuwst vnd darinnen wonist / vnd deine rinder vnd schaaff / vnd silber vnd gold / vnd alles was du hast / sich meeret / dein hertz sich denn nitt erhebe / vnd vergäßist deß Herren deines Gottes / der dich auß Egyptenland gefüert hat / auß dem diensthauß / vnd sagist in deinem hertzen / Meine krefft / vnd meiner händ stercke habend mir diß vermögen zuowegen bracht / sonder das du gedenckist an den Herren deinen Gott / dann er ists der dir krefft gibt sölichs zuo überkommen usw. So spricht auch der heilig Apostel Paulus / das alle creaturCXX. / 120a
Gottes guot sey / vnd sey erschaffen zuo guotem vnd vnderhaltung deß menschen / vnd heißt die selbigen brauchen vnd niessen mit gottsforcht vnd dancksagung. Vnnd an einem anderen ort / Jr äßind oder trinckind / oder was jhr thuond / so thuond es alles zuo Gottes ehr. Jtem / Eüwer wandel sey on gyt / vnd lassend üch benüegen an dem das da ist / dann er hat gesagt / Jch wil dich nit verlassen noch versaumen / also das wir dörffend sagen / Der Herr ist mein hälffer / vnd ich wil mir nit förchten was mir der mensch thüeye.
Es sol aber das guot dienen vnd gespannen ston [-] vnserer notturfft. Die notturfft erforderet kummliche [gelegene] vnnd geschickte behausung vnd herberg / auch speiß vnd narung so vil man bedarff / deßgleichen zimmliche vnd gebürliche kleidung / vnd das wir ehrlich vnder den menschen vnd vnsers gleichen mögind leben. Dz sol ein yeder / erstlich von seiner person / demnach auch von seinem haußgesind verston. Dann einem haußvatter stadt zuo / fürsehung zuo thuon das seinem haußgesind an der notturfft nichts mangle noch abgange / deß wir heitere zeügnussen der gschrifft habend / Pauli insonders j. Tim.v. Die notturfft begreifft aber alles das deß der leib vnd dz läben deß menschens bedarff / auch was die ersamkeit vnd eins yeden wolstand nach gebür erhöuschet vnd erforderet. Also vnd von deß ends wegen mag man auch etwas hindersich behalten vnd sparen auff das zuokünfftig. Wer auch vil gsinds hat / der bedarff mer dann der wenig hat. Ein anders gebürt auch dem der ein ampt hat vnd ein gmeyne person ist / dann dem der allein ein besondere person ist. Ein yeder bedencke aber bey jm selb / wz die notturfft hie erfordere / oder wz der überfluß vnd der muotwill gern hette / wz jm auch wol oder übel anstande. Dann die notturfft deß menschen ziehend wir hie nit so eng vnd so gnaw yn / das wir allen wollust vnd zimmliche gnüege / als ein muotwillen vnd überfluß verdammind. Dann ich weiß das dem menschen von Gott nitt nur der brauch der notwendigkeit vergunnt vnd nachgelassen ist / dz ist / der brauch deren dingen deren wir menschen äben über ein nit manglen mögend / sonder auch zimmlicher wollust der die menschen erfröwt vnd belustiget. Darumb sol jm selbs niemand hierinn ein gwüßne machen / wenn er etwan das zeitlich guot auch mit fröuden vnd liebligkeit / doch recht vnd zimlich braucht als ob er mit diser ergetzligkeyt wider den Herren sünde. Dann Gott hat fröud / wollust vnd ergetzligkeit (so ferr nichts vnzimlichs / vngebürlichs / oder vndanckbarlichs darinn gehandlet wirt) nienen verbotten. Jeremias der Prophet sicht auff die verheissungen deß gsatzts Gottes / welche stond Leuit.xxvj. vnd Deu.xxviij. vnd spricht darumb also / Vnd sie werdend kommen vnd frolocken auff dem berg Zion / vnd überflüßige güeter werdend sie haben / die jnen der Herr geben wirdt / namlich weitzen / most / öl / junge schaaff vnd kelber / vnd vmb jr gemüet wirt es sein wie vmb einen wolgewässerten garten / sie werdend nit mer trauren. Denn wirt sich die tochter am reyen fröuwen / darbey auch jung vnd alt / dann ich wil jr trauren in fröud verkeeren / vnd wil sie trösten vnd erfröwen von jrem vnmuot. Die gemüete der priesteren wil ich mit feißte überschütten / vnd mein volck wirt mit guotem gesettiget werden / spricht der Herr. So läsend wir auch in der Biblischen Histori iij. Reg. iiij[20]. Juda aber vnd Jsrael / deß was vil vnder Salomon wie das sand am Meer / vnnd assend vnd trunckend vnd warend frölich. Deßgleich läsend wir auch am viij. cap[65]. desselben buochs / Vnd Salomon machet zuo der zeit ein fäst / vnnd alles Jsrael mit jm ein grosse versamlung / von dem das man kumpt gehn Hemath biß an den bach Egypti vor dem Herren / siben tag vnd aber siben tag / das warend viertzehen tag / vnd ließ das volck deß achtenden tags gon. Vnd sie sägnetend den künig vnd giengend hin zuo jren hütten frölich vnd guots muots / ob allem dem guoten das der Herr an Dauid seinem knecht vnd an seinem volck Jsraels gethon hatt.CXXv. / 120b
Mit disem stimpt auch das Nehem. am viij.capitel[9] auff dise meynung geläsen wirt / Vnd Esdras mit sampt den Leuiten / sprachend zuo allem volck / Diser tag ist heilig dem Herren eüwerem Gott / darumb sind nit traurig / vnnd weynend nit / gond hin vnd ässend die feißte / vnnd trinckend das süeß / vnd sendend denen auch teyl / die nichts für sich bereit habend usw. Es erforderet der Herr nicht von vns menschen / dz wir wie die stöck vnd stein kein empfindtnuß habind / vnd nicht bewegt werdind ab den wolthaten vnd lüsten / mit denen er vns auß seinen gnaden überschüttet. Dann er hat vns darumb allen empfindtnuß deß guoten vnnd bösen / deß bitteren vnd süessen eingäben. So hat er auch nach seiner ewigen güete vnd weißheit allen seinen geschöpfften ein anerborne schöne einpflantzet / vnnd sie also geziert / so lustig vnd lieblich gmachet / das wir müessend ein begird vnnd neigung darzuo haben / also hat er jnen die eigenschafft vns zuo belustigen eingäben vnd eingepflantzet. Dann Dauid spricht also / Vnnd den wein (hast du erschaffen) welcher deß menschen hertz erfröuwt / vnd das öl / das angesicht lauter zemachen / vnd das brot / dz es deß menschen hertz stercke. So sind auch die böum voll guots saffts / vnd die Cedern Libani / die du gepflantzet hast / das die vögel daselbst nistind vnd singind. So lißt man auch vom Ertzuatter Jacob / das er truncken habe vnd sey frölich worden. Also redt auch die gschrifft vom Joseph vnd seinen brüederen / sie habind truncken vnd sygind frölich worden vor jm. Dz sol niemand von muotwilliger oder überflüßiger trunckenheit verston / welche die geschrifft allenthalben verdampt / sonder von frölicher ersettigung / das sie ersettiget / mit fröuden sind ergetzt vnd guoter dingen worden. Dann die vnsinnig voll trunckenheit macht allen verstand zenichte / vnnd macht den menschen nit recht frölich vnd guoter dingen / sonder vnrichtig / vnwirsch / traurig / vnflätig / zur sauw vnd zum wilden schwein. Ein söliche art zereden braucht auch der heilig Prophet Haggeus da er spricht / Trachtend eüwere wäg in üweren hertzen / Jr säyend vil / aber wenig einkommens habend jr / Jr ässend / aber jr werdend nit satt / Jr trinckend / aber jr werdend nit truncken / das ist / jhr werdend nit satt vnd frölich / dz jr gnuog habind vnd frölich sygind / vnd nützit mer wunschtind / vnd deßhalb dem Herren eüwerem guotthäter dancketind. Dises alles erklären ich dest weitlöuffiger von wegen der Töufferen vnnd etlicher semperer [störrigen] apostützleren / vnd neüwen gleichßneren vnd Cartheüseren / welche wie sie auß den leüten vnderstond gar stöck zemachen / also verdammend sie auch [ + ins gegentheil /] mit grossem vngestüemem geschrey allen zimmlichen vnd nachgelaßnen wollust / vnd mißbrauchend vil ort der gschrifft / diß jr fürnemmen zuo färben vnd den leüten auffzuotrucken / als namlich das / Wee eüch / die jr yetz satt sind / vnd die jr yetz lachend / es kumpt die zeit das jhr werdend weynen vnd trauren. Dise vnd dergleichen wort der heiligen gschrifft sind von dem Herren geredt worden / wider die gottlosen / vndanckbaren / vnd die so die guotthaten Gottes mißbrauchend. Doch so ist das mein meynung in dem allem sammen das ich bißhar von disem handel geredt / das sich alle frommen träffenlich hüetind / das sie der geylheit / dem muotwillen / vnd dem überfluß niendert statt gäbind / vnnd weder zuo vil noch zuo wenig dran thüegind / dann wie in allen anderen dingen / also sol in disem auch maß vnd bescheidenheyt gebrucht vnd gehalten werden.
Demnach so sol auch das zeitlich guot dienen den ehren vnd der früntligkeit / dann ehr vnnd fründtligkeyt sind wir schuldig vnseren fründen / verwandten / gesellen / bekannten / heimschen vnd auch frömbden. Dann wir söllend nit nur den vnseren allein / sonder auch den frömbden guots thuon vnnd gastfrey gegen jnen sein / so ferr es in vnserem vermögen ist / dann wenn einer kaum hat das er sein eigen haußgesind erneeren mag / so ist er weder von Gottes noch von anderer billicher rechten wegen schuldig dz sein anderen anzehencken. Es ist gnuogCXXI. / 121a
wenn er denn nun also hauß hat / das die seinen nicht etwan hernach ander leüten beschwärlich vnd überlägen werdind. Also darff er auch / wenn er nichts hat / weder von eeren noch von freüntligkeit wegen außgeben / das daß er nicht hat / es ist gnuog wenn er allein sein armuot dultigklich tregt / vnd sich hüetet / das er nit von deren wegen etwas vnrechts vnd vnfromms anfahe. Welche aber zimlich oder groß guot habend / die söllend freüntlich vnd gastfrey sein / eersamkeit vnd freygebe / nit gyt vnd vntrew / in jren sachen erzeigen. Man findt aber deren vil / die ob sie schon zimlich guot habend / noch sind sie auff das zuosamenlegen vnd reich werden so gar ergeben / das sie nit ein spagürli [nit ein heller] weder von eeren noch von freüntligkeit wegen weder an heimsche noch frömbde wagtind. Söliche verbergend sich allweg / ligend auff jhnen selb [stäcken immer im geltkasten] / kömmend nirgent fürhin [gehen auch nit auß] / damit sie kein anlaß überkommind das sie müessind gastfreye vnd freüntliche gegen ein anderen üeben vnd erzeigen. Die heilig geschrifft stelt vns vil anders für inn vnseren heiligen vnd loblichen altuätteren. Loth saß vnder der porten zuo Sodom / vnd wartet auff gest / ob er etlich überkommen möchte / die er mit jm heim füerte / vnd freüntlich empfienge vnd hielte / vnd denen er freüntschafft vnnd wolthat bewise / vnd so er etliche ankam / so luod ers nit nur oben anhin [mit worten] gleichßnerischer weyß / sonder hielt jhnen an ernstlich vnd in all wäg. Also läsend wir auch von vnserem vatter Abraham im ersten buoch Mosis / das wie er in der thür seiner hütten gesessen als der tag am heissesten was / da habe er gesehen drey menner die über fäld kamend / vnd habe die / so bald er sie ersehen / vnd noch nit wußt wer sie warend / gantz freündtlich empfangen. Dann er wartet nicht biß sie zuo jhm kamend vnd jn vmb etwas batend / sonder er lieff jhnen engegen von der thür seiner hütten / vnd redt sie zum ersten an / neigt sich auch eerenhalb nach lands brauch demüetigklich gegen jhnen / vnd luod sie gar freüntlich vnd sprach / Mein herr / hab ich gnad funden vor deinen augen / mag ich das an dir haben / so bitt ich dich / das du nicht vor deinem knecht fürgangist. Sihe er nennt ein frömbden vnbekannten mann seinen herren (wie auch wir in der Eydgnoschafft den brauch habend die frömbden also zuo empfahen / das wir sprächen / Sind mir Gott wol kommen / lieben herren vnd guoten freünd) Vnd wie wol Abraham in dem land vnd volck da er wonet gar ein fürträffenlicher Fürst vnd herr was / der eins gar grossen nammens vnnd verrüempt / noch so vergißt er sein selbs als vil / vnd spricht / Lieber gang nit für deinen knecht. Nennt sich selbs ein knecht der frömbden. Er spricht auch weiter / Man sol ein wenig wassers bringen / vnd euch ewer füeß wäschen / vnnd setzend euch vnder den baum / so wil ich euch ein bißen brot bringen / das jr eüwer hertz labind / darnach so gond für. Jn welchen wenig worten er alle stuck der freündtschafft außtruckt vnd begreifft. Er ist aber auch nicht nur mit worten also freüntlich vnd freygäb / sonder da sie jm zuo willen wurdend vmb das daß er mit worten an sie begärt hat / da eilt er in die hütten zuo der Sara vnd sprach / Schnäll / nimm drey mäß deß aller reinisten semmelmäls vnd knitts vnd mach kuochen. Es setzt auch die geschrifft noch wyter hinzuo / Er aber lieff zuo den rinderen vnd holet ein zart guot kalb / vnd gabs dem knaben / der ylt vnd bereitet es zuo. Er truog auch vff ancken vnd milch / vnd von dem kalb dz er zuobereitet hat vnd satzts jnen für / vnd wie sie assend / da stuond er bey jnen vnder dem baum vnd dienet jnen zuo tisch. Das sind fürwar wunderbare stuck / vnd die eigentlich zuo bedencken sind. Billich was er reich / der freygäb freüntlich vnd gastfrey Abraham / der sein guot mit sölichen eeren vnd mit sölichem lob bruchen kont. So wz nit er allein in seim hußgsind also freygäb / sonder sein hußfrouw vnd seine diener / die warend sein auch güebt vnd gantz guotwillig vnd dienstbar zuo diser heiligen gastung. Dann von stundan was es alles bereitet. So keerend sie auch im bereiten allen besten fleiß an / vnd haltend ein vnderscheid / nemmend nit das nechst dz jnen wirt /
CXXIv. / 121b
sonder läsend das best auß das sie habend. Es laufft auch der Herr selb mitten vnder den diensten vnd rüstet zuo. Er tregt herfür sein peürische schläck [seine peürische bißlein] / milch vnd ancken / die aber aller Küngen vnd Fürsten trachten [-] vnd kostlichen speysen weyt übertraffend / setzt jnen auch guots wolgemests vnd wolgerüsts kalbfleisch für. Laßt sich auch noch an dem allem nit benüegen / sonder er stadt auch beym tisch dieweil sie ässend / vnd dienet jhnen zuo tisch / ja er dienet jnen zuo tisch / der so treffenliche verheissungen von Gott hatt / der ein vatter was aller glöubigen / ein großuatter vnd äni vnsers Herren Jesu Christi / der ein pundtsman [Bundgenoß] Gottes was vnd viler gewaltigen künigen / der so ein hochgeachteter Fürst in dem selben gantzen land was vnd gehalten ward / der die vier gewaltigen künig von Orient mit dem streyt überwunden / vnnd die gefangnen künig mit sampt jhren anderen gefangnen vnd gantzem raub wider bracht vnd erlediget hat. Diser fürnemm held vnnd mann / gibt hiemit ein exempel allen reychen / wie man die frömbden eeren sölle / auch freündtligkeit vnd gastfreye gegen mencklichem üeben vnd brauchen. Zuo dem allem auch dienet / das wie das mal [Mahl] auß was / das er jnen auch das gleit auff den wäg gibt / vnd sie etwan [zimlich] weit füert. Darumb pfuch schämmind [mögen sich schämen] sich alle reychen jres gyts vnd nisseriche [kargheit]. Was fröuwt dich doch dein guot? wen nützt es? wen eeret es? oder was lobs vnd eeren erlanget es jm selbs bey den menschen? Loß du [Höre] was dir der heilig Apostel Paulus sagt / der also spricht / Der gastfreye sind yngedenck / dann durch die habend etlich die engel vnwüssend beherberget / da er freylich vom Loth vnd Abraham redt. So ist es auch kein zweyfel / dann das wir die engel Gottes / ja Christum selb auffnemmend / so offt wir frommen vnd fürnemmen leüten dienstbarkeit / freüntliche vnd gastfreye erzeigend vnd bewysend.
Zum letsten so söllend aber auch die reychen jhr guot nicht nun brauchen zuo eerenbietung fürnemmen vnd eerlichen leüten / sonder vorauß vnd besonders zuo trost vnd hilff den dürfftigen vnd armen. Vnnd söllend da abermals yngedenck sein der leer deß heiligen Apostels Pauli / die ich doben anzogen / der da spricht / Den reichen gebeüt / das sie guots thüegind / reych seyend inn guoten wercken / gern gebind / gemeynsam seyend / vnd jhnen selbs ein guoten schatz ein guot fundament machind auffs zuokünfftig / das sie erlangind das ewig läben. Mit diser Apostolischen leer stimpt auch in allweg die prophetisch. Dann Esaias spricht von der statt Tyro also / Es werdend all jhr gewerb vnnd gewün dem Herren geheiliget / dann da werdend sie nichts hindersich oder zuo huffen legen / sonder der gewerb Tyri wirt der burgeren deß Herren sein / zuo narung vnnd vffenthalt / vnnd zuo kleidung der alten. Da leert Esaias fein / wie wir vns ein wirigen [jmmerwerenden] schatz samlen söllind. Sölichs lißt man auch Matt. am vj. wie ich doben anzogen hab vnd ewer lieb vorgelesen. Es wölle auch hie ein jeder bey jhm selb zuo hertzen füeren vnd yndenck sein der schönen leeren vnnd sprüchen / die vns Gott der Herr allenthalb in der geschrifft fürstelt / vnd wölle sich selb damit zur wolthat auffmunteren. Moses spricht im gesatzt / Du solt dein hertz nit verherten / noch dein hand zuohalten gegen deinem armen bruoder / sonder solt sie jm vffthuon vnd jm geben / vnd dein hertz nit verdriessen lon das du jhm gebist / dann vmb söliches willen wirt dich der Herr dein Gott sägnen inn allen deinen wercken / vnd was du fürhanden nimpst. Es werdend nit auffhören arme zuo sein im land / darumb gebeüt ich dir vnd sag / das du dein hand auffthüegist deinem bruoder / der getrengt vnd arm ist in deinem land. Also läsend wir auch in Psalmen / Ein frommer mann der hat mitliden vnd lycht [leihet] / vnd seine sachen handlet er mit rechtem vrteil. Er teilt vß vnd gibt den armen / sein frommkeit bstadt ewigklich / sein horn wirt in eeren erhöcht. So spricht auch Salomon / Laß freüntliche vnd treüw nimmer von dir weichen / henck sie an deinen halß / schreib sie in die taflen deines hertzens / dann mitCXXII. / 122a
disen dingen wirst du angenäm / vnd eins guoten nammens vor Gott vnd den menschen. Jtem / Thuo dem Herren vereerung von deiner haab / vnd von den erstlingen aller deiner früchten gib den armen / so werdend deine scheüren gantz voll / vnd deine trotten von most überlouffen. Vnd weiter / Der sein or vor dem gschrey deß armen verstopfft / der wirt auch nit erhört so er schreyen wirt. Mit disem stimmend auch in allweg die Apostolischen vnd Euangelischen sprüch / als das der Herr sagt / Einem jeden der von dir begärt dem gib. Jtem / Warlich sag ich euch / was jhr dem wenigsten auß meinen brüederen guots thuond / dz thuond jr mir. Welches in der warheit ein grosses ist / vnd das ein jeder wol in seinem hertzen bedencken vnd betrachten sol / dann der Herr Jesus wils rechnen als obs jm geschehen seye / was du einem jeglichen armen thuost / er wils auch halten / als ob er verachtet vnd verlassen seye / so du einen armen verachtest vnd verlassest. Vnd dises ist gewüssz vnd vngezweiflet / dann er der Herr vnd richter selb bezeüget / das er am end der welt im letsten gericht / die letste vrteil also fellen werde vnd sprechen / Kommend jr gebenedyeten meines vatters / vnd besitzend das reich das euch bereitet ist von anfang der welt / dann ich bin hungerig gewesen / vnd jr habend mich gespeißt / Jch bin durstig gewesen / vnd jr habend mich trenckt / usw. wie man sölichs lißt Math. am xxv.cap. Dahär dienet auch der spruch deß h. Apostels vnd Euangelisten Joannis / Wenn jemands haab vnd güeter diser welt hette / vnd sehe seinen bruoder mangel haben / vnd schlusse sein hertz vor jm zuo / wie blibe die liebe Gottes bey jm? Dahär ist es auch on zweifel kommen / das die alten gemeinlich gesprochen / Wenn du ein armen sichst hungers sterben vnd hilffst jm nit / so du magst / so bist ein todschleger an jm. Darumb wär haab vnd guot diser welt hatt / der wüsse das vnnd seye desse beredt in seinem hertzen / das er den armen vor allen dingen guots thuon sölle.
Es sol aber auch ein reicher jederman wem er mag guots thuon / dann der Herr spricht / Gib einem jeden der dich bittet. Vnd Tobias / Wend dein angsicht von keinem armen. Bist du aber nit deß vermögens / das du einem jeden guots thuon mögist / so thuo doch sonderlich denen guots / die du sichst das sie sich aller gottsäligkeit fleyssend / vnd aber darnebend müessend mangel haben. Dann S. Paulus spricht also / Lassend vns guots thuon jederman / sonderlich aber den haußgnossen deß glaubens. Darumb söllend wir fürnemmlich helffen witwen / weisen / alten vnd krancken leüten / vnd denen die verfolgung leidend vonn der warheit wegen / vnd mit anderen plagen vnd vnfälen beschwärdt vnd beladen sind. Wir söllend auch fürderen alle guote vnnd heilige künst / studierende knaben / vnd waare diener Gottes / so sie armuot leydend / auch frömbde leüt / vnnd welchen wir jmmer gehelffen mögend. Helffen söllend wir jnen aber mit radt / trost / hilff / gelt / speiß vnd tranck / herberg / kleidung / mit fürdernuß / vnnd mit allem dem / darinn sie vnser hilff manglend vnnd bedörffend. Von welchem ich aber auch daoben etwas geredt hab in der zehenden Predig. Was wir jnen auch thuon wöllend / das söllend wir gern / mit willen / mit geneigtem vnd frölichem gemüet thuon / dann ein frölichen geber erforderet Gott. Wir söllend auch reichlich vnd freygeblich helffen. Tobias spricht / Nach deinem vermögen beweiß erbermbd [barmhertzigkeit] / hast du vil / so gib reichlich / hast du wenig / so fleiß dich das selb wenig auch gern mitzuoteilen / dann also wirt Gott dich vnd die deinen alle sägnen.Das seye nun also geredt von dem rechten brauch deß zeytlichen guots. Das wölle ein jeder zuo hertzen fassen / vnnd es bald ins werck bringen. Wir wöllind auch Gott anrüeffen vnd bitten / das er vns in seinen wägen also leite vnd füere / das wir von der zergengklichen güeteren wegen / die ewigen nicht verlierind. Amen.
CXXIIv. / 122b
23.Pr.Die Drey vnd zwentzigste Predig.
Von trüebsalen / deren vil vnd mancherley sind / wie man die selben gedultigklich tragen. Auch von der hoffnung vnd vilfaltigem trost der glöubigen.
Mich bedunckt nit auß dem wäg sein fromme glöubigen / dz ich auff die Disputation [Predigt] vom zeitlichen guot / Jtem von desselben brauch vnd mißbrauch / auch von den trüebsalen / deren vil sind vnd denen das gantz menschlich gschlecht hie auff erden vnderworffen ist / rede. Dann dieweil mancher etwan vmb zeitlich guot kumpt / oder dasselbig nitt mag überkommen / vnd er deßhalben armuot vnd mangel leiden muoß / so ist es einem yeden frommen vnd glöubigen wol von nöten / das er der trüebsalen auch weß er sich in trüebsalen trösten sölle gwüsse rechnung auß dem wort Gottes habe / damit er nit inn widerwertigkeyt vnd verzweiflung verstrickt / sich etwan dem Teüfel gar zuo eigen übergäbe. Es dienet auch dise Tractation [handlung] wol zum gantzen läben deß menschens / dann ich wil nit nur von einer widerwertigkeit vnd trüebsal / als von mangel vnd armuot / sonder inn gemeyn von allerley trüebsalen reden. Dann dieweil der mensch zuo arbeit vnd widerwertigkeit / gleich wie der vogel zum flug vnd der fisch zum schwimmen geboren ist / so wirt er nimmer mögen rüewig noch zefriden sein / er habe dann der trüebsalen ein gwüsse rechnung. Wenn er aber die auß dem wort Gottes hat / vnd sich deren mit waarem glauben haltet / so kan vnd mag er wol ein rüewig vnd fridsamm läben füeren / das jm aber sonst bitter sein wurde. Dann ob gleich deß menschen gemüet durch trüebsal träffenlich truckt vnd geängstiget wirt / so wirt es doch durch waare erkantnuß der selben / vnd durch den heiligen trost der auß dem wort Gottes kumpt / gar träffenlich auffgericht vnd gesterckt.
Zum ersten aber so dienet zuo diser sach / dz wir die fürnemsten gschlechter vnd gattungen der trüebsalen vns fürsetzind vnd anschouwind. Deren sind nun vnzalbarlich vil / die vns also exercierend vnd üebend [mit welchen wir beladen vnd geengstiget werden]. Die gemeynsten aber sind die / pestilentz / vil vnd mancherley kranckheiten / todt vnd forcht deß tods / die etwan böser ist dann der todt selbs. Jtem auch sterben vnd vngfelliger abgang fürnemmer leüten / oder deren die vns treffenlich lieb. Beraubung / vndertruckung / mancherley vnfal / armuot vnnd mangel aller dingen. Jtem so einer von yederman verlassen wirt / von ehren kumpt / ins ellend muoß / verfolget / gefangen / peinget / gemartert vnd gerichtet werden / vnd das mit mancherley scheützlichen vnd nüwerdachten töden. Also auch vngwitter / vnfruchtbarkeit / hunger / frost / reiffen / hagel / gwässer / erdbidem / da etwan stett vndergond / gantze land vnd fälder verderbt werdend. Jtem brunsten / fäl [fäll] vnd einbrüch [der gebew] / hassz / partheyen / auffsatz / neid / verrätterey / auffruor / krieg / schlachten / verlursten / gefangenschafften / stoltz vnd muotwill der feyenden / tyranney. Jtem weyßlose [beraubung der kinder] / trüebsal / widerwertigkeyt / sorg vnd angst von wegen böser Eehen / oder der kinden so die vngfellig [so die zu vnfall kommen] oder böß sind vnd nit geraten wöllend / vngehorsam vnd vndanckbar sind. Auch stäte vnd vilerley sorg allerley dingen halb die vns anliggend vnnd vns plagend. Vnd der üblen deren also allen das menschlich geschlecht vnderworffen / vnd von denen es täglich gepeiniget wirt / sind so vil / das niemand die selbigen nach der lenge alle erzellen möchte. Es entspringend auch täglich neüwe plagen / von denen vnsere vorderen nichts gewüßt habend. Das gehört vnns aber / die wir täglich mitt neüwen sünden neüwe straaffen verdienend / so doch sonst gnuog / ja nun zeuil übel sind die den menschen växierend vnd plagend damit die menschen beladen sein].Mit söllichen üblen vnd widerwertigkeiten aber / werdend beyde die frommen vnd gottsförchtigen / auch die gottlosen vnd verachter Gottes geüebt vnd exerciert [geplaget] /
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ja die frommen vnd glöubigen werdend gemeynlich mer vnd gar nach jr gantz läbenlang bekümmeret vnnd plaget / so dargegen die rauwen vnd gottlosen in allem wollust vnd muotwillen läbend. Dahar dann bey den frommen schwäre klagen vnd versuochungen entstond. Dann die gottlosen nemmend vß dem glück vnd wolstand jres lebens ab / jr gottsdienst / auch jr läben [jhr Gottesdienst vnd leben] gfalle Gott / vnd werdend also in jren jrrthummen bestättet [gestercket] vnd verhertet. So fallend auch etwan die frommen von jhrer frombkeit vnd von jhrer gottsforcht zuo den gottlosen / von wegen der lang erlitnen trüebsalen / vnnd das sie meynend es gange den gottlosen baß [baß denn jhnen]. Söllichs wirt aber nutz vnd von nöten sein dz wir es auß der gschrifft einander nach erdurind vnd [einander nach] erwägind.
Das nun die frommen vnd glöubigen eben als wol als die gottlosen trüebsal erleidind / sicht man gleich von anfang der wält im exempel Abels vnnd Cains. Dann wie der ein vom anderen ellendigklich vmbbracht / vnd von deß besseren gottsdienst wegen ab der wält gericht ward / also ward der ander von wegen deß begangnen todtschlags flüchtig forchtsamm vnd schräckhafft / vnnd hat auff erden kein ort daran er möchte rüwig sein. Also lißt man auch vom Jacob Jsrael / das er mit vil vnd mancherley trüebsalen beladen. So wirt auch anzeygt in der geschrifft was die Egypter erlitten / die das volck Jsrael verfolgetend vnd vndertrucktend. Saul ist plaget worden. Dauid ist auch plaget worden. Vnser Herr vnnd heyland Jesus Christus mitt sampt seinen Jüngeren hatt auch ein schwäres creütz erlitten. Dargegen aber sind auch die Juden die verfolger Christi vnd der Apostlen mit grausammer doch wol verdienter straaff außgereütet worden. Vnsagliche trüebsal hat die heilig kirch Christi erlitten in den zehen bluotigen vnd grausammen verfolgungen / die vor dem Reich deß grossen Keisers Constantini über sie gangen. Es mäldet aber auch dargegen der fürnemm / fleißig vnnd waarhafft geschichtschreiber Orosius / das die verfolger gleich darauff jre verdiente straff auch empfangen / von welchem ich etwz weyter hernach an seinem ort reden wil. Deßhalb wir also auß Göttlicher vnd menschlicher kuntschafft / darzuo auch vß vilfaltiger erfarnuß sehend gnuogsam bewärt sein / das bey den frommen vnd vnfrommen / gottsäligen vnnd gottlosen angst vnd not vnd vil trüebsalen auffgelegt werdend. Ja gmeinlich geschicht söllichs nur den aller besten / so dargegen die gottlosen vnd die aller bösten etwan der trübsal entprosten [vberhaben] / in guoter ruow wollust vnd müeßiggang läbend. Zuo dem dz die bösen auch gmeinlich der frommen dran spottend / so sie also verfolgung vnd trüebsal erleidend. Dann der Herr spricht im Euangelio zuo seinen jüngeren / Waarlich waarlich sag ich eüch / jr werdend weinen vnd heülen / aber die wält wirt sich fröuwen / jr aber werden traurig sein. Was aber auß söllicher trüebsal für versuochungen inn den gmüeteren der glöubigen entstandind / vnd was auch die / so nit weit von Gott sind / ja auch die feyend Gottes selb auß dem wolstand der gottlosen abnemmind / das findt man allenthalben in der h. geschrifft / besonders aber in der wunderbaren Disputation [gesprech] Jobs vnnd seiner fründen. So klagt auch sölichs der fürnemb Prophet Abakuk / vnd spricht / Ach Herr wie lang muoß ich doch rüeffen / dz du nit hören wilt? Wie lang hab ich nun zuo dir geschrüwen fräfel vnd gwalt leidende / vnd du kumpst nit zuo hilff. Warumb lassest du mich müey vnd arbeit fräfel vnd gwalt vor mir sehen? Warumb sichst du den gottlosen schälcken zuo / vnd schweigest darzuo / so der gottloß den frömmeren verschluckt. Der schalck hindergat den frommen / Vnd dz ist die vrsach / dz falsche vnd verkerte vrteil außgond. So schrijend die gleichßner im Propheten Malachia vnd sprächend / Es ist vergäbens das man Gott dienet. Wz nützt es vns dz wir seine ordnungen ghalten vnd vor dem Herren der herrscharen demüetigklich gewandlet habend? Darumb sprächend wir billich das die stoltzen fräfler glücksäligCXXIIIv. / 123b
sygind / dann die die gottloß handlend / werdend geauffnet [nemen zu] / vnd die Gott versuochend werdend errettet. Söllichs begreifft auch alles heiter vnd vollkommenlich der heilig Prophet Asaph / vnd singt deßhalb also daruon / Meine füeß wärind schier abgeträtten / meine gäng wärind schier abschweiff worden / Dann mich hat ein torechter eyfer bestanden / do ich sach das es den gottlosen vnd narren in allen dingen glücklich vnd wol gieng. Sie habend keine band zum tod / das ist keine kranckheiten / mit denen sie als vil als zum todt zogen werdend / sonder sie sind feißt vnd starck / Es truckt sie kein ellend vnd trüebsal wie andere menschen / der üblen die ander leüten zehanden gond sind sie entprosten [werden nicht ... geplaget]. Darumb erböumend [erheben] sie sich inn hoffart / mit fräfel vnd gwallt sind sie wie mit eim kleid vmbgäben. Jre augen gond jnen herauß vor feißte / vnd in den begirden jhres hertzens farend sie für / dieweil es jhnen alles gat nach jhrem wunsch. Sie streckend jren mund biß in himmel / vnd jr zungen schweifft affter der [durch die] wält hin / Ja sie dörffend reden wie wolt es Gott wüssen? solt auch wüssen bey dem aller höchsten sein. Also wil er sagen / sind dise gottloß / vnd sind dennocht in diser wält glücksälig / vnnd überkömmend vil reichthumb /usw. Worfür ist es dann das ich mein hertz rein halten oder das ich meine händ in vnschuld wäschen? worfür ist es das ich den gantzen tag geschlagen / vnd alle morgen gekestiget [geplaget] wird? Ja do ich also by mir selb gedacht / da wz ich gar nach abgefallen von der gsellschafft der kindern Gottes.
Dieweyl nun dem also ist / so ist von nöten dz wir auch die vrsachen der trüebsalen eigentlich bedenckind / denn also werdend wir dest baß können vrtheilen / von den trüebsalen der gottsäligen vnnd auch der gottlosen. Der vrsachen sind nun vil vnd mancherley. Die allgmeyn vrsach aber wirt gehalten die sünd / dann durch die vngehorsamme ist die sünd inn die welt kommen / vnd durch die sünd auch der tod / alle kranckheiten / vnd alles übel in der welt. Vnd sind die deßhalb groß fantasten / vnd eytele menschen / die sölichs neißwan den Constellationen vnd weiß nit was gestirns zuogäbend. Mit bösen begirden vnd anfächtungen hauffend wir täglich eins übel auff das ander. Darzuo hilfft vnnd blaßt denn auch redlich zuo der Teüffel. Es hälffend auch böse vnd arge menschen / vnd entstond täglich mancherley mittel der trüebsalen / durch welche der gerächt vnnd allein weiß Gott gemeynlich alle menschen üeben vnd plagen laßt [üebet vnd plaget]. Es sind aber nitt allwäg gleiche vrsachen der trüebsalen in den frommen dieneren Gottes / vnd in den gottlosen die Gott verachtend. Die frommen vnnd glöubigen werdend offt gekestiget [gezüchtiget] / das durch jre trüebsal die ehr Gottes offenbar vnd bekannt werde. Dann wie die jünger vnsers Herren Jesu Christi im Euangelio / den blinden sahend der von geburt an blind gewesen wz / Do sprachend sie zuo dem Herren / Meister wär hat gesündet / diser oder seine elteren dz er blind geboren ist? Do sprach er / weder er hat gesündet noch seine elteren / dz er blind geboren wurde / sonder dz die werck Gottes an jm geoffenbaret wurdind. Also wie der Herr vernam dz Lazarus kranck wz / sprach er / Dise kranckheit ist nit zum todt / sonder zuo der ehr Gottes / das der sun Gottes dardurch geehret werde. Wiewol so mans im grund erwägen wil / so wirt keiner in der wält so rein funden / dann dz (so der Herr auff die sünd mercken wil /) er allwäg an vnns finden wirt das er straaffe. Wie das weitlöuffig erklärt wirt im buoch Job. Zuodem so laßt der herr sein geliebte gspons die Christenlich kirch bekümmeret werden vnd trüebsal erleiden / auch von der vrsach wegen / das er erzeige / daß die außerwölten allein durch Gottes macht vnd gwalt / vnd nit durch menschliche hilff vnd rathschleg geschützt geschirmpt erhalten vnd erlößt werdind. Dann Paulus spricht / Wir habend disen schatz in jrdischen geschirren / auff das die krafft die obligt / Gottes sey vnd nit von vns. Wir werdend geträngt / aber wir werdend darumb nitt angsthafft / wir leidend arbeit /aber wir verzagend nitt /CXXIIII. / 124a
wir leidend verfolgung / aber wir werdend nitt verlassen / wir werdend vndertruckt / aber wir kommend nit vmb / Wir tragend herumb alle zeit das sterben deß Herren Jesu an vnserem leib / auff das auch das läben deß Herren Jesu an vnserem leib offenbar werde / dann wir die wir läbend / werdend jmmerdar inn todt gegäben vmb Jesu willen / auff das auch das läben Jesu offenbar werde an vnserem stärblichen fleisch. Jtem so spricht er auch an einem anderen ort / Die krafft wirt durch schwachheyt nun [nur] stercker.
Weyter wie die trüebsalen der heiligen Marterern vnd der glöubigen Christi / zeügknussen sind der leer deß glaubens/ (wie dann der Herr im Euangelio sagt / Sie werdend eüch überantworten in jre Concilia / vnd in jren versammlungen werdend sie eüch geißlen / Man wirt eüch auch für Fürsten vnnd Künig füeren vmb meinentwillen / zur zeügknuß über sie vnnd über die Heyden.) Also werdend vns auch der heiligen trüebsalen zum exempel fürgestellt / das wir bey jnen lärnind die wält überwinden vnd mit füessen trätten / vnd nach den himmlischen dingen fächten [trachten]. Durch creütz vnd trüebsal bewärt auch der Herr die seinen / er reiniget sie wie das gold im feür / vnnd schneidet vnns damitt vil anlaß deß bösen ab / vnnd fürderet vnns das wir dest mer frucht bringind. Vnnd handlet Gottes weißheyt hierinn wie ein goldschmid / der das gold inn das feür legt / nicht das er es verderbe / sonder das er es leütere vnnd seübere. Jtem wie die paurßleüt / die den samen wenn er zuo geyl ist etwan abmäyend. Welche auch die böum vonn keiner anderen vrsach wägen beschneidend / dann das sie dest meer frucht tragind. Dann wenn wir frid vnnd ruow habend vnnd es wol gadt / so ist vnnser fleisch gemeynlich faul / träg / laß / vnnd zuo allen guoten dingen gantz vngeschickt / hanget zuo gar am zeitlichen / ergibt sich inn die wollüst / vergißt Gottes vnnd aller himmelischen dingen. Darumb ist es nicht nun guot / sonder auch notwendig / das es durch trüebsal vnnd verfolgung auffgemunteret vnnd geüebt werde. Vnnd geschicht hie den außerwölten wie dem eysen / so man das braucht / so schleißt es sich wol ettwas / so man es aber nicht üebt vnnd braucht / so frißt es der rost noch vil mehr. Darumb Sanct Peter wol vnnd recht redt / Jr allerliebsten / lassend eüch das feür vnder eüch nit befrömbden / (welches eüch widerfart das jr versuocht werdind) als widerfüere eüch etwas seltzams / sonder fröuwend eüch das jr teylhafftig sind deß leidens Christi / auff dz jr euch zur zeyt der offenbarung seiner herrligkeyt / fröud vnd wunn [wunne] haben mögind. Jtem Paulus zum Timotheo / Gedenck das Jesus Christus von todten aufferstanden ist / auß dem samen Dauids / nach meinem Euangelio / von welches wegen ich mich auch leiden biß an die band als ein übelthäter. Aber ich dulden es alles vmb der außerwölten willen / auff das auch sie die säligkeyt erlangind in Christo Jesu mit ewiger herrligkeyt. Das ist ein gewüsses wort / Sind wir mit gestorben / so werdend wir auch mitläben / dulden wir / so werdend wir mitherrschen / verlöugnend wir / so wirt er vns auch verlaugnen. So schreybt er auch zun Römeren / Welche er vorhin fürsehenn hatt / die hatt er auch verordnet / das sie gleichförmig sein söllind dem äbenbild seines geliebten suns / auff das der selbig der erstgeboren seye vnder vilen brüederen. Welche er aber fürordnet hatt / die hatt er auch berüefft / Welche er aber berüefft hatt / die hatt er auch gerächt gemachet / die hatt er auch herrlich gemachet. Vnd wytter inn der selbigen Epistel spricht er / Wir rüemend vnns auch der trüebsalen / dieweyl wir wüssend / das trüebsal gedult bringt / Die gedult aber bringt erfarung / die erfarung aber bringt hoffnung / aber die hoffnung laßt vns nicht zuoschanden werden usw.. Vnnd sölliches bezeügend yetzund die besondern aller heiligen / vnd die gmeynen der gantzen kirchen exempel. AbrahamCXXIIIIv. / 124b
Jsaac vnd Jacob hettend Gottes getreüwer vnd gegenwertiger hilff nicht so wol empfunden / wärind auch inn der hoffnung so vest nicht gewesen / hettind auch so schöne früchte der gedult nit fürbracht / wenn sie nicht also durch vil gefar vnd trüebsal geüept vnnd truckt werind worden. Dahär zeüget auch Dauid vnd spricht / Es ist mir nütz vnd guot o Herr / das du mich gedemüetiget hast. Die gemeind deß volcks Jsraëls in Egypten ward wol vndertruckt / aber das sie hernach dest mit grösseren eeren erlößt / in das verheissen land zuge. Also ward wol das Jüdisch volck von den Babylonieren vnd Assyriern geplaget / der tempel ward zerrissen / vnd guot vnd böß mit einanderen dahin gefüert in gefencknuß / Aber die glöubigen empfundend inn der gefencknuß auch Gottes wunderbare hilff / vnd wurdend durch die trüebsalen vil dest leüterer / ja der nam deß Herren ward weit vnd breit durch die Assyrier / Chaldeer / Meder / vnd Perser erkant / vnd das mit grosser herrligkeit / wie dann sölichs weitlöuffig beschriben wirt in der histori Danielis / Hester vnd Esdre.
Dahär dienet auch / das gemeinlich gewüssen sünden vonn Gott gewüsse straffen auffgelegt werdend / vnd das einer etwan [viel vnd dick] äben durch die ding gestrafft wirt / durch welche er gesündet vnd Gott erzürnet hatt. Als Dauid / der hatt wider den Herren gesündet mit mord vnd Ehbruch / darumb wirt er auch gestrafft mit schanden / Ehbrüchen / bluotschanden vnd grüsenlichen todtschlegen der seinen / nach welchem allem er auch selb in das ellend vertriben vnd verjagt ward. Also hat Nabuchodonosor gesündet mit stoltz vnd hochpracht / darumb ward er seiner sinnen beraubet / das er wie ein wilde vnuernünfftige bestia ein gewüsse zeit vnder den wilden thieren sein vnd läben muoßt. Wie aber er zuo seiner zeit widerumb in das reich gesetzt ward / also widerfuor auch dem Dauid barmhertzigkeit vom Herren. Dann es bleibt das wort deß Herren / das er nicht nur dem Dauiden / sonder auch eim jeden glöubigen verheissen hat / welches wir in der heiligen geschrifft läsend / steyff vnd war / das also lautet. Ob aber seine kinder mein gsatz verlassen / vnd inn meinen rechten nicht wandlen / wo sie meine breüch vnd ordnungen entheiligen / vnnd meine gebott nit halten wurdind / so wil ich jre überträttungen mit der ruoten straffen / vnd jhre mißthat mit streichen / doch wil ich mein erbermbd vnd gnad nit gar von jm nemmen / ich wil jm auch an meiner trew nit fälen. Meinen punt wird ich nit krafftloß machen / vnd das nicht änderen / das auß meinem mund außgangen ist. Darumb so dienet es vns zuo guotem / so wir von dem Herren gestrafft werdend / wie er auch selbs sagt inn seiner offenbarung dem heiligen Euangelisten vnd Apostel Johanni beschehen / da er spricht / welche ich lieb hab / die straffen vnd züchtigen ich. Es spricht auch Salomon / veracht die straff deß Herren nicht mein sun / vnd habs nit für vnmär [nit vngern] wenn er dich beschiltet / dann den der Herr lieb hat / den strafft er / vnnd hatt ein wolgefallen an jm / wie ein vatter an seinem kind. Also wiewol die verfolgungen vnnd die grusammen trüebsalen die vor zeyten eintweders über die gantz gemeind Gottes / oder über besonderbare marterer gangen / fürnemlich geschehen sind von wegen der bekantnuß vnd zeügnuß deß glaubens vnd der Euangelischen warheit / noch so sind gemeinlich auch die sünd vnd fäler [fälle] der glöubigen daran schuldig gewesen / welche die gerechtigkeit Gottes an jnen also hat heimgesuocht / doch jnen zuo nutz vnd guotem. Dann von der fürnemmen verfolgung der Christen / die geschehen ist vnder den keiseren Diocletiano vnd Maximiano / in welcher vil tausent fürnemmer marterern vmbkommen sind / läsend wir beim Eusebio Cesariensi / der sölichs alles nitt nun gehört sonder selber gesehen hatt also. Wie vnder den Christen durch die groß freyheit vnd ruow alle guoten sitten / alle zucht vnd ordnungen zergiengend vnd vnder vns einer dem anderen verbünstig [abgünstig] vnd auffsetzig was/ einer den anderen verkleineret / vnndCXXXV. / 125a
wir selbs einanderen bissend vnd verklagtend / vnnd mit einanderen selbs innerliche krieg füertend / gleichßnerey vnder augen / betrug inn hertzen / vnd beschiß [verfortheilung] in worten truogend vnnd brauchtend / vnnd sich inn allen dingen als übel huffet vnnd zuo nam / da fieng vns der Herr als wir also fallen woltend / nach vnd nach an zöumen vnd züchtigen / vnnd dieweil dennocht die versammlungen noch auffrecht blibend / ließ er zum ersten die durch verfolgung angriffen werden / die vnder den Heiden kriegtend vnd reisetend [-]. Do aber auch durch sölichs creütz das volck sein selbs nit war nemmen wolt / noch sein selbs empfinden / sonder in seinen üblen verharret vnd fürfuor / auch die höupter vnnd füerer deß volcks selb / vningedenck deß gebotts deß Herren / mit zanck / yfer / verbunst / hoffart / fyentschafft / wider einanderen enbrunnend / dermaß das sie tyrannen gleicher dann priesteren handletend / vnd Christenlicher redlikeit vnnd reinigkeit vergassend / do fiengend erst an die bättheüser vnd kirchen deß läbendigen Gottes auff den boden geschlissen / vnnd die heiligen geschrifften mitten auff den gassen mit feür verbrennt werden. Dises lißt man also vonn wort zuo wort im 8. buoch Ecclesiasticae historiae Eusebij.
Zwüschend den sünden aber vnderscheiden ich hie. Dann es sündend wol auch die glöubigen / sie enthaltend sich aber vor den grossen vnd groben lasteren / wiewol sie auch in die selben etwan fallend / wie wir sehend am exempel Dauids / Doch so flühend [fliehen] sie gmeinlich / diebstal / todschlag / huory / Ehbruch vnd andere dergleichen laster / die deß tods wärt sind. Wenn sie aber von den tyrannen peyniget vnd getödt werdend / so geschicht jnen sölichs von jnen nicht von wegen diser jhrer sünden / oder von wegen das sie nicht recht glaubend / sonder das sie den aberglauben verachtend vnd dem waaren glauben standhafftigklich anhangend. Darumb so verzeicht der Herr jhnen jhre sünd / vnnd wäscht jhnen die ab mit dem bluot Christi / vnd rechnet jnen jren todt / nit nach jren sünden / sonder nach dem glauben / von deß wägen sie jn erlitten. Es strafft auch Gott die tyrannen von wegen deß tods der martereren / vnd das sie tyranny / nit Gottes gerechtigkeit sie zuo straffen braucht habend. Dann ob wol der Herr die seinen durch die tyrannen straffen vnd züchtigen wil vnd laßt / so rechnends doch die tyrannen nicht also /(wie Esa. am x.Cp. auch stadt) sonder sie volgend jren anfechtungen vnd haltend kein maß in der straff / vnd sehend nicht auff die gerechtigkeit / darumb werdend sie vom Herren gestrafft / als die so die vnschuldigen getödet habend. Dann die tyrannen verfolgend vnd straffend das nit / das der Herr an den seinen verfolget vnd strafft / nammlich sünd vnd laster / sonder das / daß der Herr lobt vnd haben wil / nammlich üebung deß waren glaubens / Jtem abscheühen vnd haß der abgötterey / das verfolgend sie in jnen mit schwärdt vnd brand. Darumb gehört hiehär der spruch S. Peters / Niemands vnder euch lyde als ein mörder / oder dieb / oder übelthäter / oder frömbdes guots begirig. Lydet aber jemand als ein Christ / der schäme sich nit / sonder lobe Gott in sölichem fal. Darnäbend aber wil ich drumb nit / das die übelthäter so sie von jrer übelthaten wegen etwan gestrafft werdend verzweiflind / dann dise habend das exempel deß mörders der mit Christo creützget ward / dem volgend nach / erkennind die sünd / glaubind in Christum / befelhind sich dem selben / vnd leidend jre straff gedultig. So sie sölichs thuond / so ist kein zweifel / dann das sie auch von Christo in das Paradiß auffgenommen werdind / das sie da ewigklich mit dem glöubigen mörder bey Christo läbind. Wiewol aber auch etwan der fromb vnder den aller bösten vmbkumpt / so wirdt er doch äben als [so] wenig durch die gemeinschafft jhres leydens befleckt / als wenig Christus der Herr befleckt ist worden / do er zwüschend den mörderen auffgehenckt war. Dann ob sie schon etwan inn ein straffCXXVv. / 125b
fallend / glöubige vnd vnglöubige / so erlangend sie doch vngleiches end. Daß der vnglöubig vnd gottloß wirt von dem zeitlichen tod zur hellen gerissen / das er da ewigklich brünne / der glöubig aber vnd fromb fart von stund an gen himmel / das er da bey seinem Herren Christo / dem er sich vertrauwt vnnd auffgeopffert hatt / läbe. Von welchem handel deßgleich auch vonn den vrsachen der trüebsalen der heiligen Gottes / ich mich nicht beschwären wil ewer lieb vor zuoläsen das schön ort deß heiligen Augustini / das da stadt inn seinem ersten buoch de ciuitate Dei / da er also spricht. Es sol niemand meinen / das die guoten vnnd bösen die gleiche straff vnd trüebsal leidend / darumb nit vnderscheiden seyend / darumb das daß nicht vnderscheiden ist / das sie zuo beden seyten lydend. Dann wie in einem feür das gold glantzet / der spreüwer aber reücht / vnd vnder einem pflegel das strow zerschlagen / das korn aber gesüberet wirt / vnnd die öltrüesen darumb nit vnder das öl kumpt / darumb das es vnder einer präßen außtruckt wirt / Also bewärt / reiniget vnnd leüteret ein trüebsal die guoten / die bösen aber verdampts / verderbts vnd reütets auß. Darumb fluochend auch in einer trüebsal die bösen vnd lesterend Gott den Herren / die guoten aber bättend zuo jhm vnd lobend jn. Sölicher vnderscheid ist nicht in dem / was einer leyde / sonder wer der seye der also leydet. Dann wenn man kat vnnd köstlich salb gleich vil rüert / so stinckt das ein vnmenschlich übel / das ander aber schmöckt lieblich vnd wol. Darumb was habend die Christen inn diser grossen zerstörung vnnd ynfal der frömbden völckeren gelitten / das jhnen (so sies eigentlich vnnd mit glauben bedenckend) nicht mee zuo guotem dienet haben? Erstlich / das sie darbey gelernet den sünden mit reüwen nachdencken / von welcher wegen Gott erzürnt / die wält mit sölicher angst vnd trüebsal erfüllt hatt. Dann wiewol sie weit sind von den grossen übeltheteren vnd gar gottlosen vnnd lasterhafften / noch so haltend sie sich selbs so gar für rein vnnd lauter von sünden nit / das sie drumb meinind / sie seyend nit wärt / das sie zeitliche übel vnd straffen darfür leiden söllind. Dann über das / das ein jeder / wie frombklich eerlich vnnd loblich er joch jmmer läpt / etwarinn der fleischlichen begird statt gibt vnd weicht / ob wol nicht zuo grossen lasteren vnd wuost aller sünden vnnd allem greüwel deß gottlosen wäsens / doch zuo etlichen sünden / die er eintweders dest weniger / oder dest öffter begadt / so vil sie grösser oder kleiner sind. Vber das / sprich ich / wo wirst du bald einen finden / der die (von deren grausammen hoffart / muotwillen / gyts / auch schantlichen sünden / boßheiten vnd gottlosen wäsens wägen Gott wie er es tröwt vnd vorgesaget hat das land verderpt vnnd schleitzt [-].) also halte / wie man sie halten sol / vnd also mit jnen läbe / wie man mit sölichen leüthen läben sol? Dann der mertheil / übersicht jnen vnd entzeücht sich sie zuo leeren / zuo warnen / auch etwan zuo schälten vnd zuo straffen / dann eintweders so verdreüßt vns der arbeit / oder wir wöllend sie nit erzürnen / so wir bey jhnen sind / oder wir ladend jhr feyentschafft nit gern auff vns / damit sie vns in zeitlichen dingen die eintweders vnsere begird noch gern überkäme / oder die vnsere schwacheit besorget / das sie es verliere / nit verhinderind / noch vns schadind. Also / das wiewol der bösen läben den guoten mißfalt / vnd sie deßhalb nicht mit jhnen fallend inn die verdammnuß / die sölichen leüthen nach disem läben zuobereitet ist / noch dieweil sie jnen von wegen jrer verdammlichen sünden verschonend / darumb das sie jrer lichten vnd verzichlichen sünden halb förchtend / so werdend sie billich zeytlichen mit jhnen geschlagen / wiewol sie ewigklich drumb nit mit jnen gestrafft vnd verdampt werdend. Vnd wirt jnen dises läben billich mit jnen so sie also von Gott gestrafft werdend bitter / dieweil sie sich von desselben süesse wägen / den sündenden nicht habend wöllen bitter machen. Vnd bedunckt mich dises nit ein geringe vrsach sein / von deren wegen die guoten mit den bösen so es Gott also gefalt die sünd auch
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mit zeitlichen trüebsalen zestraffen) gestrafft werdend / Dann sie werdend mit einanderen geißlet / nit dz sie mit einanderen ein lasterhaffts läben füerind / sonder darumb dz sie mit einandern dz zeitlich läben lieb habend / wiewol sie sölichs auch vngleich / aber ye doch mit einandern thuond. Welches die glöubigen verachten söltend / damit jhene gestrafft vnd gwarnet dz ewig erlangtind / oder so sie ye zuo dem selbigen jre geferten vnd mitgnossen nitt sein wöltind / so duldetind vnd liebtend sies doch / dieweil (so lang sie läbend) niemand wüssen mag / ob sie sich etwan änderen vnd besseren werdind. Darumb ob wol die / denen durch den Propheten gesagt wirt / der sünder wirt in seiner sünd sterben / sein bluot aber wil ich von der hand deß wächters erforderen (dann darumb sind wächter / vnd fürgsetzte inn den gmeinden verordnet / dz sie die sünd straffind vnd niemand verschonind) nit ein gleiche / sonder vil ein schwächere sach habend / Noch so ist drumb der von söllicher schuld nit gar ledig / der / ob er wol kein fürgsetzter ist / weißt aber an denen by vnd mit denen er läbt vil dz warnens vnd straffens wärt wäre / thuots aber nit vnd laßts hingan / damit er sie nit erzürne / von der dingen wägen / die er in disem läben nitt braucht wie er solt / sonder mer liebet dann er solt usw. Das sind bißhar alles wort deß heiligen Augustini.
Weiter so gehört zuo den vrsachen der trüebsalen der außerwölten Gottes auch die / das der Herr mitt dem das er die seinen strafft / ein heitere anzeigung gibt seines gerechten grichts / das über die gottlosen vnd über die verachter Gottes gon wirt. Dann S. Peter spricht / Es ist zeit / das dz gricht / dz ist die trüebsal vnd widerwertigkeit / anfahe am huß deß herren. Facht es dann an vns nun an / wie wirts dann erst denen gon / die dem Euangelio Gottes nit glaubend? vnd so der gerecht kaum erhalten wirt / wo wil der gottloß vnd der sünder erschinen? Dahar dienet auch der mercklich spruch deß Herren / den er geredt als er hinauß an die richtstat gefüert ward / So man das am grüenen holtz thuot / was wil am türren [dürren] werden? So die heiligen/ die fruchtbaren böum / die die aller schönesten frücht der guoten wercken tragend / in diser zeit auß Gottes verhängung also gar ellendigklich plaget vnnd verjämeret [gemarteret] werdend / was wöllen wir dann von den gottlosen sagen / die gar ferr von aller tugend vnnd von allen guoten wercken sind? Die werdend freilich mit vnsaglichen straaffen vnd plagen gepeiniget werden. Dann so vil die vrsachen deren trüebsalen belanget / mitt denen die gottlosen gestraafft werdend / so könnend deren keine andere sein / dann die laster die sie täglich begond. Darumb werdend sie gestraafft auß gerächtem gricht Gottes / damitt ein yeder sehe das Gott mitt sampt den gottlosen alles gottloß wäsen hasse. Also läsend wir das Pharao plaget syge. Also fiel Saul an sein eygen schwärdt / vnnd kam vmb auff dem berg Gelboe mitt vilen tausenden auß Jsrael / darumb das er wider den Herren gesündet hatt / der jhn also zuo einem exempel seines gerächten grichts / vnnd anderen zuo einem schräcken hatt verderben vnnd vmb bringen wöllen. Also wurdend Antiochus Epiphanes / der groß Herodes / Jtem Herodes Agrippa / vnd der Keiser Galerius Maximianus mitt grausammen kranckheiten getödet / darumb das sie wider Gott vnnd seine glöubigen grausamklich gehandlet hattend / welche Gott also rächen / vnnd sein gerächt gricht hatt wöllen zuo erkennen geben / vnd dise also zum exempel machen allen Tyrannen / in denen sie sähind vnnd lernetind was straaffen die verfolger der glöubigen zuo erwarten habind. Vnd wiewol der güetig Gott alle ding zuo guotem seinen geschöpfften thuot / vnd gmeynklich alle trüebsalen darumb schickt / dz er vns von sünden vnd lasteren abziehe / Noch dieweil die gleichßner vnd die gottlosen die rathschleg Gottes verachtend / vnd den straffenden Gott nit erkennen / noch sich zuo jm keeren wöllend / so dienet es jnen alles zum verderben / gleich wie denen die Gott liebend alle ding zuo guotem dienend. Darumb kömmend sie vmb vnd verderbend in jhren trüebsalen /CXXVIv. / 126b
vnnd fahend an hie inn zeit deß zorns Gottes durch so greüsenliche [grausamliche] vrteil vnnd straffen empfinden / vnd so sie dann von hinnen scheidend / so müessend sie erst im künfftigen läben / noch vil grössers vnd grausammers ewigklich leiden vnd tragen.
Vnd ob sie gleich hie in zeit nichts übels noch widerwertigs empfindend vnd erfarend / so werdend sie doch dest wirs [grewlicher] nach disem leben gestrafft werden. Wie man das heiter sicht inn der Euangelischen gleichnuß die yederman bekannt ist / von dem reichen schlemmer / welcher hie inn zeit gelebt hatt in grossem wollust / nach diser zeit aber ward er peiniget mit durst / vnd muoßt im hellischen feür ellendigklich brünnen vnd braten. Darumb ist der gottlosen wolstand hie in zeit nicht anders / dann die höchste arbeitsäligkeyt. Dann es spricht auch der heilig Apostel Jacobus / Jhr habend wol geläbt auff erden / vnnd eüwere wollüst gehebt / vnd eüwere hertzen geweydet als auff einen schlacht tag. Es wirt eüch gon wil er sagen / wie dem gemesteten vich [viehe] / das man zur schlachtung mestet. Von welchem auch Jeremias etwas heiterer redt / da er spricht / O Herr du bist gerechter dann das ich mitt dir zancken sölle / ye doch so gönn mir das ich mitt dir rede / das mich billich dunckt / Wie gat es zuo / das der gottlosen fürnemmen so glückhafft ist? Vnnd das es allen denen die vnuerschampt überträttend / so wol gadt? Du pflantzest sie / sie wurtzlend / sie wachsend / vnnd bringend frucht. Vnd gleich darauff spricht er / Du aber Herr zuckest sie hin / wie man ein schaff zum schlachthauß füert / vnnd schrämmest [bereitest] sie zum tag deß metzgens. Zuo disem dienet auch das Asaph nach langer vnd schöner beschreibung vnd erzellung deß wolstands der gottlosen / hernach ein söllichs darauff setzt. Waarlich du hast sie häl vnd schlipfferig [auffs schlipfferige] gestellt / dannen du sie herab stürtzest vnd verderbst / O wie schnäll werdend sie außgereütet / verderbt / vnnd mitt jamer außgemacht: Gleich als ein troum nach dem einer erwachet / also wirst du O Herr jhr bildtnuß auß der statt außreüten. So spricht auch Dauid / Es ist noch vmb ein kleines zethuon / so wirt der gottloß niendert [nirgend] mer sein / vnd so du war wilt nemmen wo sein ort sey / wirt er nit mer vorhanden sein. Jtem / ich hab wol etwan gesehen / das der gottloß Tyrann eingewurtzet vnd starck auffgewachsen was wie ein gruonender Lorbeerbaum / aber sich / gleich schnäll was er niendert mer / vnd do ich jhn suocht / ward er niendert funden. Also bezeüget auch der Prophet Malachias / dz am tag deß grichts gar ein grosser vnderscheid sein werde zwüschend dem der Gott ehret / vnd dem er jhn nit ehret / zwüschend dem gerechten vnd dem gottlosen / dann es werde der tag deß Herren kommen / der alle stoltzen fräfler / mit sampt allen denen die gottloßlich handlend mitt dem feür von himmel wie das strow verzeeren vnnd verflacken [-] werde / das jnen weder zwyg noch wurtzel überbleibe. Darumb wer witzig [klug] ist / der wirt sich nicht ergeren an dem wolstand vnd glück der gottlosen / er wirt nit begären gnoß vnd theylhafft zewerden dises vnglückhafftigen glücks. Er wirt auch dest minder scheühen die trüebsal vnnd das creütz / das er hört den gnädigen Gott seinen heiligen aufflegen / mit dem er sie probiert vnd bewärt / auch von dem schaum vnd den schlacken deß fleischs vnd diser vnreinen welt seüberet. Das sey nun geredt von den vrsachen der trüebsalen. Nun wöllend wir lieben brüeder auch besehen / wie sich ein glöubiger vnd vffrechter diener Gottes in allerley trüebsalen vnd widerwertigkeyten halte. Zum ersten so wirt er nitt kleinmüetig / sonder truckt alle verzweiflung vnder die füeß / vnd weißt das er dapfferlich alles übel im glauben dulden vnd tragen sol / wapnet sich deßhalb mit hoffnung / mit gedullt vnd mitt gebätt. Vil leüt sind / wenn sie ützit etwas ein wenig leiden söllend / so sagend sie gleich wie dz gemeyn sprüchwort lautet / Es wäre wäger [besser] nie geboren sein oder bald stärben / Das ist aber ein glaubloß wort/ das eim Christen menschen übel anstadt. Vil gottloser aberCXXVII / 127a
sind die / die an sich selbs hand anlegend / vnnd sich selb entleibend / darmitt sie trüebsal vnd schmach diser welt nicht leiden müeßind. Es sol aber auch hiebey niemand so gar vnempfindtlich sein / das jhm kein ding nichts zeschaffen gäbe / wie die Stoici ein hürneni [hürnene vnd fast vngereimpte] meynung gehept. Von welchem handel ich eüwer lieb vorläsen wil ein gar schöne Disputation eines fürnemmen dieners der kirchen Christi / der hieuon also schreibt.
Wir sind zuo vil vndanckbar / wenn wir trüebsal nicht gern vnnd mitt fröligkeyt vonn der hand deß Herren auffnemmend. Darbey aber wirt nicht ein sölliche fröligkeyt von vnns erforderet / die da gar aufhebe alle empfindtnuß der widerwertigkeyt vnnd deß schmärtzens. Sonst wäre die gedult der glöubigen vnder dem creütz nützit / wenn sie nicht schmärtzen vnnd empfindtligkeyt der trüebsal hette. Wenn inn der armuot kein not wäre / in der kranckheyt kein schmärtzen / inn der schmach kein hertzenstich / im todt kein scheühen noch schräcken / so wäre es kein dapfferkeyt oder tugend sölliche ding verschetzen vnnd verachten. Dieweil aber die ding alle von natur vnnsere hertz vnnd gemüeter mitt jhrer angebornen bitterkeyt beissend vnnd ängstigend / so kan sich eines glöubigen menschen dapfferkeyt darinn erzeigen / so er mitt der empfindtnuß diser bitterkeyt versuocht / dapfferlich widerstat vnd überwindet / gott gäb wie überlegen es jhm sey. Vnnd thuot sich die gedult dennzuomal herfür / wenn einer peiniget / vnd doch durch die forcht Gottes hinderhalten vnnd im zuoum gehalten wirt / das er nit in vndult außbräche vnd jm selbs entgange. Es erscheint auch die freydigkeyt deß gemüets dennzuomal / wenn der / der also durch traurigkeyt vnnd schmärtzen verwundet ist / nichts destminder an den heiligen vnd geistlichen trost Gottes sich haltet vnd auff dem selben beruowet. Disen kampff / den also die glöubigen wider die natürlich empfindtnuß deß schmärtzens kämpffend / mit dem das sie sich der gedult vnd der bescheidenheyt haltend / beschreibt der heilig Apostel Paulus gar fein mitt disen worten / Wir werdend geträngt / aber wir werdend darumb nitt angsthafft / wir leidend arbeyt / aber wir verzagend nitt / wir leidend verfolgung / aber wir werdend nicht verlassen / wir werdend vndertruckt / aber wir kommend nicht vmb. Da sichst du / das daß creütz gedultig tragen / nit heißt / gar erstaunen [erstarren] / vnd kein empfintnuß deß schmärtzens haben / wie die Stoici vor zeiten vnweißlich den für ein großmüetigen vnnd dapfferen menschen gehebt / dem guots vnnd böß / glück vnd vnfal / fröud vnnd leyd gleich vil zeschaffen gäbe / vnnd der also zereden on alle menschligkeyt / wie ein stein ab keinen dingen bewegt wurde. Was habend sie aber mit diser jrer hohen gedult außgricht? Nichts dann das sie ein bild gemalet sölicher gedult / dergleichen vnder den menschen nie ist funden worden / noch müglich ist zefinden. Vnd habend deßhalb mit dem daß sie ein zuo gar grosse gedult habend wöllen haben vnd auffrichten / alle krafft der gedult auß dem läben der menschen auffgehebt. Es sind auch noch vnder den Christen neüwe Stoici / die nitt nur seüfftzen vnd weynen / sonder auch traurig vnd sorgfältig sein für sünd habend. Sölliche stempanyen [vnerhörte meinungen] aber kömmend nun von müeßigen leüten / die sich mer in der speculation vnd sinnen dann im thuon vnnd wärcken üebend / die erdenckend denn söliche ding. Wir habend aber mitt diser vnempfindtlichen vnnd stächlinen [stählenen] Philosophy kein gemeynschgafft / welche vnnser Herr vnnd meyster Jesus Christus nicht nur mit seinem wort sonder auch mit seinem eignen exempel verworffen vnnd verdampt hat / Dann er selb hat geseüfftzet vnnd geweinet über seine vnd über ander leüten trüebsal / hat auch seine jünger nit anderst geleert thuon. Er spricht / Die wält wirt sich fröwen / jr aber werdend truren vnd weinen. Vnd damit sölichs niemand für sünd zuogerechnet wurde / so hat er in einem offnen [offentlichen] gebott dieCXXVIIv. / 127b
sälig gnennt / die do trurend / vnd das mit vergeben [nicht ohne vrsach] / dann so alles weinen vnrecht wäre / was wöltend wir vom Herren selbs sagen / auß dessen lyb bluotige trähen [trenen] geflossen sind? Jtem / so alle forcht sol für ein vnglauben gerechnet werden / wofür wöllend wir die forcht vnd den schräcken deß Herren rechnen / von dem wir läsend / das er jhm nicht wenig zuoschaffen geben? Mißfalt vns alle trurikeit / wie will vns dann das gefallen / das der Herr sagt / sein seel seye trurig biß auff den todt? Das hab ich darumb wöllen anzeigen / damit ich den frommen einfalten hertzen vor verzwiflung seye / das sie an der gedullt nit nachlaßind / darumb das sie die anfechtung vnd empfintlikeit deß schmertzens nit gar hin leggen noch verlassen mögend. Welches aber von nöten denen begegnet / die auß der gedult / ein erstunen vnd sinnlose [erstarren] / vnd auß eim dapferen standhafften man ein stock vnd block machen wöllend. Den glöubigen gibt die heilig geschrifft das lob der gedult denn / wenn sie also durch trüebsal angefochten werdend / das sie darnebend nit fallend noch abwichend / Jtem also mit widerwertigkeit durchstochen werdend / das sie darnebend auch mit geistlicher fröud begossen / auch also durch angst vnnd not gedruckt werdend / das sie nichts destminder durch Gottes trost erfröwt vnd erlabet werdend. Dann der stryt ist jmmerdar in jhrem hertzen / das einstheils die empfintlikeit vnnd die sinn der natur / schühend vnnd flühend das sie empfindend jnen vngschmack vnd zuo wider sein / dargegen aber anderßtheils dz der glaub durch dise widerwertikeiten alle hinzuo / der gehorsamme deß willens Gottes tringt. Disen streit truckt der Herr vß / da er zuo Petro sprach / do du jünger warest / gurtest du dich selbs / vnnd wandletist wohin du woltest / wenn du aber alt wirst / wirt dich ein anderer gürten / vnd füeren wo du nit hin wilt. Nun ist aber nit zuo vermuoten das do es die not forderet / das Petrus den Herren mit seinem tod preysete / das er sölichs vngern thon vnd sich gespert habe / sonst hette sein tod vnd marter wenig lobs. Wie mit grosser freidigkeit vnd freiwillige aber joch er sich der ordnung vnd dem willen Gottes vndergab / noch dieweil er im mensch was / so ward er durch zwen willen zerzogen. Dann eins theils / wenn er allein vnd für sich selb gedacht an den grausammen tod / den er leyden muoßt / so erschrackt es jn / das er lieber wäre entrunnen. Andersteils aber so er dargegen gedacht dz er vß Gottes willen vnd gheiß darzuo berüefft wurde / so schluog er alle sorg vnd forcht vß/ vnd begab sich gern vnd mit fröuden darin. Darumb so wir Christi jünger sein wöllend / so müessend wir vns dessen fleissen / dz wir vnsere gemüeter an sölichs vfsehen vnd an söliche ghorsamme gegen Gott gewännind / dz wir dardurch alle widerwertigen anfächtungen temmen / vnd den ordnungen Gottes vnderthenig machen mögind. Daruß wirt dann volgen / dz mit wz creütz vnd trüebsäligkeit wir joch jmmer angfochten werdend / dz wir die gedult dapferlich auch in höchster widerwertigkeit deß gmüets behalten mögend. Dann trüebsal wirt jr lyden haben / vnd vns beissen. Als wenn wir kranck / so werdend wir süfftzen / vnrüewig sein / vnd der gsuntheit begären / sind wir arm / so werdend wir sorgfeltig vnd trurig sein / sind wir in schmach vnd vnehr / so wirt vns verachtung vnd vnbill vexieren vnd plagen / Sterbend vns die vnseren / so werdend wir der natur jre schuldigen trähen bezalen. Aber der bschluß wirt allsweg darby sein / Gott hatts also gewöllen / darumb söllend wir seinem willen volgen. So vil schreibt diser hieuon. Darumb wenn die glöubigen mit trüebsal überfallen vnd vmbgäben werdend / so bruchend sie vor allen dingen die artzny der gedult / die ist wie Lactantius schribt / ein guotwilligs tragen der üblen / die vns anthon werdend oder zuofallend. Dann der glöubig ist / richtet seine augen styff vff dz wort Gottes / vnd hanget mit glauben vnd hoffnung gantz vnd gar an Gott vnd an seiner verheissung / vnd duldet also wz jm widerwertigs begegenet. Meßiget auch den schmertzen seines gemüets vnd die pein deß leibs mit der himmelischen wyßheit dermaß / dz er sich in keinem wäg durch die grösse deß schmertzens abtreiben laßt von Gott vnd seinen gebotten /
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das er thüege das der Herr verbotten hat. Vnd vberwindet also der gedultig sich selb vnd seine anfechtungen / seine schmertzen / vnnd alle trüebsal / verharret inn fridsamme vnd ruow seines gemüets / deßgleich auch in warem glauben vnd gottsforcht. Vnd wiewol er durch gedult alles duldet vnd leydet / so mag er doch darnebend was wider Gott ist / jm nit gefallen lassen / noch lyden was falsch ist. Dann vnser Herr Jesus Christus / der das einig vnd recht volkommen exempel aller gedult ist / hat den gotlosen seine hend / ja auch sein gantzen leib gedultigklich übergäben zuo binden / darnebend aber hat er auch jre boßheit verworffen / gschulten vnd gesprochen / Jr sind hinuß gangen mit schwärten vnd kolben als zuo einem mörder / so ich doch teglich bey euch gewesen bin im tempel / aber diß ist ewere stund vnd der gewalt der finsternuß.
Hiehär dienet auch die schön beschreibung vnd abcontrafactur [-] der gedult beim Tertulliano / der sie also beschreibt vnd spricht. Wir wöllend aber auch die bildtnuß vnd gestalt der gedult begreiffen vnd außtrucken. Jr angesicht ist früntlich vnd sittsamm / jr stirnen rein vnd glatt / vnd weder von traurigkeit noch von zorn gerümpfft vnd geruntzlet / die augbrawen eben auff fröliche gestalt zerthon / die augen von demuot / nit von vnfals wegen vndergeschlagen. Jr mund ist beschlossen mit zierlicher stille / jr farb wie deren die sicher rüewig vnd vnschuldig sind. Das haupt bewegt sie offt wider den teüffel / tröwender wyß lachende. Jr bekleidung vmb die brust weiß / vnd nach am leib / als die da nit vffgeblasen noch vnrüewig wirt / dann sie sitzt auff dem thron deß aller miltisten vnd senfftmüetigisten geists / der durch kein windsbrut sich zuosammen träyt / der kein schwartz vnd böß gewülch gibt / sonder der nichts dann hälle schöne gibt / heiter vnd einfalt ist / welchen Helias zum dritten mal gesehen. Dann wo Gott ist / da ist auch sein tochter die er erzogen hat / die gedult. Es fasset auch der heilig marterer Cyprianus die krefft vnd würckungen der gedult fein zuosammen / vnd erzellt die selbigen in der sermon de bono patientiae / vnd spricht also. Die gedult ist die / die vns erhaltet / vnd Gott angnem machet. Sie ist die / die den zorn stillet / die zungen zämpt / das gemüet leitet / den friden erhaltet / die straff vnd disciplin mäßiget / die anfechtung der geilheit bricht / den gewalt der hoffart vnd der vfblaßne vndertruckt / das feür deß vfsatzes nyds vnd hasses erlöscht / sie paschget den gewalt der rychen / sie ergetzt den mangel der armen. Jn den junckfrawen schirmpt vnd erhaltet sie die sälige reinigkeit / in den witfrauwen die arbeitsamm küscheit [keuschheit] / in den vereelichten die vnzertrennte liebe / in wolfart machet sie demüetig / in widerwertigkeit dapffer / in vnbill vnd schmach senfftmüetig vnd milt. Sie leert denen die fälend bald verzihen / lang aber vnd vil bätten / so du fälen wurdist. Alle versuochungen überwindet sie / alle verfolgungen tuldet sie / alle durächtung vnnd marter vollendet sie. Sie ist die / die vnsers glaubens grundveste steyff legt / sie ist die / die das zuonemmen der hoffnung hoch auffüert. Sie leitet alle handlung / das wir den wäg Christi behalten mögind /so wir in seiner gedult ynher gond / sie machet das wir kinder Gottes bleibend vnd verharrend / so wir der gedult deß vatters nachschlahend. So vil Cyprianus. Zuo welchem wir auch als zum beschluß brauchen mögend den kurtzen aber heiteren spruch vnsers Herren Jesu Christi auß dem Euangelio da er spricht / Jn ewerer gedult werdend jhr ewere seelen besitzen. Jtem die wort deß Apostels Pauli / der da spricht. Werffend nicht vonn euch ewere freidigkeyt / die ein grosse belonung hat. Gedult aber ist euch not / auff das jhr / nach dem jhr den willen Gottes volbracht habend / die verheissung empfahind / dann noch vber ein kleine zeyt so wirt kommen der da kommen sol / vnnd nicht verzichen. Der gerächt aber wirt deß glaubens läben / vnnd so er weichen wirt / so wirt mein seel kein gefallen an jhm haben. Wir aber sind nit die wir wychind [weichen] zurCXXVIIIv. / 128b
verdamnuß / sonder gehörend zum glauben / die seel zuo erretten. Dieweyl aber die gedullt nit ein ding ist / das in vns von jhm selb wachse / so müessend wir allweg den himmelischen vatter anrüeffen vnnd bitten / das er vns die selbig geben vnd verleihen wölle / Vnd das nach der leer deß heiligen Apostels Jacobi / der da spricht / Die gedullt hatt ein volkommen werck. So aber yemand vnder eüch mangel hatt an weißheyt / der bitte von Gott / der da gibt einfaltigklich / vnnd verweißts niemants [rückets niemand auff] / so wirt sie jhm gegäben werden. Er bitte aber mitt vertruwen vnd zweifle nit.
Dise Christenlich gedullt wirt aber yetzund vnderstützt durch die steiffe hoffnung der glöubigen. Welche als etlich sagend ein haltung vnd meynung ist von künfftigen dingen / sie sygind guot oder böß. Aber im grund / so ist hoffnung / ein gwüsses warten vff die ding / die heiter vnd warhafftig von Gott verheissen sind / vnd die der glaub glaubt. Vnd sind deßhalb hoffnung vnd glaub einander nach verwant vnd verknüpft. Dann der glaub glaubt dz Gott warhafft sey / vnd richtet seine augen steiff vff Gott / die hoffnung aber wartet vff die ding / die der glaub glaubt. Dann wie könntest du vff ein ding warten / wenn du nit wüßtist / das es von Gott verheissen / dz du es zuo seiner zeit empfahen söltest? Als namlich / der glaub glaubt das vns die sünd verzigen vnd das ewig läben bereitet sey durch Christum / die hoffnung aber wartet darauff / das sie die ding die Gott also verheissen hatt zuo seiner zeit empfahe / Gott geb was jhren darzwüschend jmmer widerwertigs begegne. Dann die hoffnung gat nit zegrund vnd wirt nit zenichte / ob sie schon die ding nit sicht die sie hoffet / ja wenn jren schon gleich dz widerspil zuo handen stoßt als ob an dem nichts sey das sie hoffet. Darumb spricht auch Paulus / Wir sind sälig worden in der hoffnung / die hoffnung aber die man sicht / ist nit hoffnung / dann wie kan man hoffen das man sicht / So wir aber das hoffend / das wir nit sehend / so wartend wir sein durch gedult. Also hatt Abraham gehoffet das er das gelobt land / darinn er doch nit eines schuochs breit hat / vnd das er sach von starcken vnnd gewaltigen völckeren besässen werden / empfahen wurde. Also hoffet Moses er wurde das volck Jsraels auß Egypten erlösen / vnd in das gelobt land bringen / wiewol er weder weiß noch wäg sach söllichs zuo erstatten. Also Dauid / hoffet das er über Jsrael wurde regieren / wiewol er sach das Saul vnd sein anhang starck vnd gwaltig auff jn trang / dermaß / das er offt in gfar seines läbens wz. Also habend die Apostel vnd heiligen marterer Gottes gehoffet das ewig läben zuo empfahen / vnd das sie Gott nit verlassen wurde / wiewol sie aller menschen hassz empfundend / verjagt vnd vertriben / vnnd zuoletst durch mancherley marter getödet wurdend. Also sprich ich ist die hoffnung ein hoffnung deren dingen die nit zuogegen vnnd die man nicht sicht / Auch ein warten / ja ein gwüsses / vnd überauß gwüsses warten / Vnd das / nit eines yeden dings / sonder deren dingen / die wir mit waarem glauben ergriffend / vnd die vns von dem waaren ewigen vnd läbendigen Gott selbs verheissen sind. Dann Sanct Peter spricht / Setzend eüwere hoffnung volkommenlich auff die gnad die eüch angebotten wirt. Die hoffend aber volkommenlich / die sich vngezweyflet gantz vnnd gar an die gnad vnnd barmhertzigkeyt Gottes ergebend / vnnd on alles zweyflen auff die erbschafft deß ewigen läbens wartend. Darumb nennet auch Sanct Paul die hoffnung einen sicheren vnd vesten ancker der seelen. Dann so vil die verheissung Gottes steyffer vnnd vester ist / so vil gwüsser vnnd sicherer ist auch die hoffnung. Dann sie wartet nitt auf ein yetlich ding / sonnder auff die ding deß glaubens / das ist / die wir glaubend / vnnd die wir wüssend vnns im wort Gottes verheissen sein. Darumb legt Sanct Paul den glauben auß durch die hoffnung / da er spricht / der glaub ist ein Substantz vnnd gwüsse zuouersicht deren dingen die man hoffet / vnndCXXIX. / 129a
eine klare offenbarung deren dingen die man nit sicht. Deßhalb so ist der glaub als ein grund vnd fundament [der grund vnd das fundament derselben] / darauff sich die hoffnung laßt / ja Gott selb vnd sein vnbetruglich wort ist das obiectum vnd der grund vnserer hoffnung / Darumb nennt auch Paulus Gott den Herren vnsere hoffnung. Deßgleichen thuond auch die Propheten. Hiehar dienet der xcj. Psalm / in welchem der glöubig schrijt / Du O Herr bist mein hoffnung / dein wonung hast du inn die höhe gesetzt usw. Vnd diser exemplen findest du vil in Psalmen. Es mag aber die hoffnung nit steiff sein / wo der glaub nit vest vnd die verheissung Gottes nitt lauter vnd heiter ist. Wie auch die selbig verheissung zeitliche vnd ewige ding begreifft / also ist auch die hoffnung auff zeitliche vnd ewige ding gerichtet.
Vnd wie der glaub ein gaab ist der gnaden Gottes / nit ein vermögen vnserer natur / also wirt vns auch die hoffnung von himmel herab geschänckt / vnd darnach bestätiget durch den geist Gottes. Dann wo man wartet / da ist seüfftzen vnd verlangen / da tringend die versuochungen auff vns vnnd ängstigend vns / gleich als ob nichts auß dem werde / das vns verheissen / dieweil es so lang verzogen wirt / oder als ob Gott von vnseren sachen nichts wüsse / dieweil er vns so lang warten laßt / vnd nichts darzuo thuot. Darumb so bedarff vnsere hoffnung wol vil trosts vnd krafft vom heiligen geist / vnd so die selb vest ist / so richtet sie das gemüet das gleich wol zum guoten grosse begird hat / aber mit blödigkeyt vnd schwachheyt beschwärt ist / wider auff / vnd vnderstützt es. Dann wenn der Herr seine verheissungen verzeücht / vnd sich ansehen laßt / als ob er gar zuo lang sich vnser nichts annemmen / vnnd vns mitt zevil trüebsal beladen wöll / die wir sonst bschwärt gnuog sygind / so laufft da die hoffnung hinzuo / thuot jr ampt / vnd heißt vns langmüetigklich vnd gedultig vff den Herren warten / welcher / wie er die nit kan hassen die jn vor augen habend / also betreügt er auch niemand / vnd gibt kein vnwarheit für / auch im geringsten nit / sitmal er die ewig warheit vnd güete ist. Dahar dienend yetzund die ort der geschrifft / die da redend von der gewüsse [gewißheit] vnd sicherheyt der hoffnung / vnnd das die nit seyend zuoschanden worden die inn Gott gehoffet / wie lang er joch sein hilff verzogen. Als das Gott / dem samen Abrahe das Land Chanaan verhieß / welches er jhnen aber erst nach vierhundert vnnd dreißig jaren zuo besitzen eingab / ja sie auch noch vorhin durch die wilde wüeste viertzig jar füert. Jtem das er das volck auß der Babilonischen gefäncknuß erloßt / aber erst nach sibentzig jaren. Vnnd der exemplen sind in der geschrifft vnzalbar vil / besonder das / das er seinen eingebornen sun / den er von anfang der welt har verheissen / erst im end also zereden der welt geleistet hatt. Darumb so müessend die glöubigen nur verharren vnd warten / vnd sich deß trösten / das der / der die waarheit ist / niemand betriegen mag / vnd das alle die vff jn gehoffet habend / erhalten sind worden. Also schrijt Dauid / Jn dich habend gehoffet vnsere vätter / ja sie hofftend auff dich / vnd du hast jnen geholffen / Sie rüefftend zuo dir vnd wurdend errettet / auff dich vertrauwtend sie / vnd kamend nit zuo schanden. Jtem / früntlich ist der Herr / wol einem yeden der vff jn hoffet. Jtem / die auff den Herren vertrauwend / die sind vest wie der berg Zion / vnnd mögend inn die ewigkeit nit entwegt [bewegt] werden. So sagt auch Paulus in seiner trüebsal / Jch weiß das mir dises dienet zur säligkeyt / wie ich dann entlich warten / vnd hoff das ich in keinerley stuck zuo schanden werde. Das sey nun also bißhar von dem geredt / wie sich die glöubigen in allerley trüebsalen haltind. Namlich das sie nit verzweiflend / sonder sich selb mit steiffer hoffnung befestnend / vnd alles übel gedultigklich leidend / in allem auff den Herren / der die einig hoffnung der glöubigen ist wartende. Auff söllichs wil ich nun zum end auch etliche gemeyne tröst setzen / mit welchen die hoffnung der glöubigen weyter gesterckt / gedultigkeyt im tragen deß crützes geleert / vnd alleCXXIXv. / 129b
bekümmerten vnd beschwärten / in allerley fälen [fällen] vnd trüebsalen auffgericht werdend.
Zum ersten bedencke ein yeder der in trüebsal vnd widerwertigkeit ist vor allen dingen / von wäm die trüebsal har fliesse vnd kömme. Es beleidigend vns wol etwan böse leüt / Jtem der böß geist / kranckheiten / auch die wält. Aber nicht on Gott / das ist / allein auß verhencknuß Gottes. Dann den Job mocht der Teüfel weder am guot noch am leib plagen anderst dann so ferr im Gott verhangt. So spricht auch Dauid / Du bist der / der mich auß muoter leib gezogen hast / vnd auff dich hab ich vertruwt / do ich meiner muoter an brüsten hing / von meiner geburt an bin ich auff dich gelassen gewesen / von muoter leib an bist mein Gott / Mein stündli stadt in deiner hand. Es spricht auch der Herr im Euangelio / Kaufft man nit zwen sparen [sperling] vmb ein pfennig / noch fallt der selbigen keiner auff die erden on üweren vatter / Nun aber sind auch üwere haar auff dem haupt alle gezellt. Diser Gott aber durch dessen geheiß vnd gwalt alle ding geregiert werdend / ist nit nur der menschen Herr vnd Gott / sonder auch jhr vatter. Vnd sein will ist den menschen nutz vnd heilsamm. Er handlet vnd thuot auch alle ding mit ordnung vnd gerechtigkeit. So nun der will Gottes gegen vns guot ist / so muoß auch alles guot sein / das auß dessen willen vnd nachlassung vns begegnet der vns liebet. Vnd ist grosser vnderscheid hierinn zwüschend den kinderen Gottes / vnd den kinderen diser wält. Dann die kinder Gottes / tröstend sich selb in jhren trüebsalen vnnd gedenckend / Ey lyd vnnd schilt nicht was du nicht enderen magst / Gott wil es also haben / dem mag niemand widerston / darumb so erdulde den willen vnd dz geheiß deß Herren / du wöllist dir dann zwifalts übel vnd vnglück vff den halß richten. Die anderen aber / so man sie fragt / wie sie sich haltind vnder der hand vnd straff deß Herren / vnd ob sie sich dem willen Gottes vnderwerffind / so gebend sie ze antwort / Jch muoß wol / dieweil ich jm nit widerston mag. So gehör ich wol was du thuon wurdist wenn du anders möchtist? Die glöubigen lydend Gottes hand vnd straff gedultig / nit von deß wegen / das sie jm nit widerston mögend / vnd dz es also muoß sein / sonder darumb / das sie glaubend dz Gott gerecht / deßgleich auch jhr güetiger vatter sey. Darumb erkennend sie das Gott das übel an jnen straffe auß gerechtem gericht / vnd das sie wol schwärers vnd bösers verdient hettind. Darnäbend erkennend sie aber auch / dz Gott als ein güetiger vatter sey zur besserung vnnd zur gesundtheit von jres nutzes vnd frommen wegen strafft. Darumb sagend sie auch Gott für die straff groß lob vnd danck / verlaugnend vnd übergebend sich selbs vnd jren willen / vnd ergebend sich gantz vnd gar todt vnd läbend Gott dem Herren. Söllichs erforderet der h. Apostel Paulus von den glöubigen da er spricht / Mein sun / acht nit gering die züchtigung deß Herren / vnd verzag nit wenn du von jm gestraafft wirst / dann welchen der Herr lieb hat / den strafft er. Er geißlet [steuppet] aber einen yetlichen sun den er auffnimpt. So jr die züchtigung erduldend so erbeüt sich eüch Gott als den kinderen. Wo ist aber ein sun / den der vatter nit züchtiget? Sind jr aber on züchtigung / deren sie all sind teylhafft worden / so sind jr Basthart vnd nit Eekinder. Darumb so wir die vätter vnsers fleischs zuo züchtigern gehebt habend / söltend wir dann nit vil mer dem vatter der geisten vnderthon werden vnd läben? Demnach sol auch der göubig der inn trüebsal ist bedencken die vrsachen von deren wegen er trüebsal leidet. Dann eintweders wirt er von wegen der gerechtigkeit vnd deß glaubens von der wält plaget vnd verfolget / oder aber er wirt billich gestrafft von wegen seiner begangnen sünden. Welche nun verfolgung leidend von der gerechtigkeit wegen / die fröwind sich vnd danckind Gott mit den heiligen Apostlen / das sie für wirdig sind gehalten worden / etwas zeleiden von deß nammens Christi wegen. Dann es spricht der Herr im Euangelio / Sälig sind die verfolgung leidend von wegen der gerächtigkeit / dann jren ist dz reich der himmlen.CXXX. / 130a
Sälig sind jr / so eüch die leüt schmähend vnd verfolgend / vnd allerley args wider üch redend / so sie daran liegend / vmb meinet willen / fröwend eüch vnd frolockend / dann üwer lon ist groß inn himmlen / Dann also habend sie auch die Propheten verfolget / die vor üch gwesen sind. Leidet aber yeman übels von wegen siner begangnen sünden / der erkenne an jm selb das gerecht gricht vnd vrteyl Gottes / vnd demüetige sich vnder der gwaltigen hand Gottes / bekenne Gott seine sünd / begere mit vnderthänigen vnd innigklichem gebätt seiner gnaden vnd leide guotwillig / sittmal er es wol beschuldet hat. Vnd volge hierinn dem exempel Daniels vnd Dauids. Dann Daniel bekannt auch also seine sünd dem Herren vnd sprach / Wir habend gesündet / wir habend mißhandlet / wir sind gottloß gwesen vnd abgefallen / so habend wir auch den Propheten deinen knächten / die zuo vns in deinem nammen geredt habend / nie wöllen volgen. Vns ghört nichts dann schand zuo / Dir aber O Herr gebürt barmhertzigkeit vnd verzeihung. Du hast vns heimgesuocht vnd gestrafft / wie du durch Mosen deinen diener vorgsagt hast. Dauid aber / als er fliehen muoßt vnd vertriben ward / vnd die Priester die Pundtsladen jm nachbrachtend / da sprach er / Nun tragend die laden Gottes wider in die statt / Wird ich gnad finden vor dem Herren / so wirt er mich wider holen / vnd wirt mich jnn vnd sein wonung sehen lassen. Spricht er aber also / Jch hab nit lust zuo dir / Sihe / so bin ich hie / er mache es mit mir wie es jhm gefallt. Es ist auch vil dz nutzlicher besser vnd wäger / wir werdind hie in diser zeit gestrafft / vnnd läbind dannethin nach dem wir auß diser wält abgescheydend ewigklich / dann das wir hie alles vnglücks entprosten [von allem vnglück frey] / nach diser zeit ewige pein vnd verdamnuß leiden müeßtind. S. Paulus spricht ye heiter / So wir gerichtet werdend / so werdend wir gestraafft / damit wir nitt mitt der welt verdampt werdind. So ist auch kein ander end aller trüebsalen / straaffen vnd plagen / mit denen die glöubigen geüebt werdend / dann das sie die wält lernind verachten vnd mit füessen trätten / sich besserind / zum Herren keerind vnd sälig werdind. Von dem end aber der trüebsalen hand wir doben geredt.
Darzuo so setzend jnen selb die glöubigen die in trüebsal sind auch die heiteren vnd vilfaltigen verheissungen Gottes für / von denen wendend sie jre augen nit ab / deßgleichen auch von den exemplen der h. außerwölten Gottes / deren vnzalbar vil sind / wie Gott den seinen geholffen vnd sie erlößt. Es sagt aber der güetig Gott nit nur denen hilff vnd erlösung zuo / die von der grechtigkeit wegen trüebsal erleidend / sonder auch denen die von jrer sünden wegen vom Herren heimgesuocht werdend. Dann Dauid spricht / Der Herr heilet die die eins zerbrochnen hertzens sind / vnd verbindet jre wunden. Jtem der Herr lößt auff die gefangnen / der Herr erleüchtet die blinden / der Herr richtet auff die nidergetruckten. Jtem / Er haderet nit allweg / zürnet auch nit ewigklich / Er thuot vns nitt nach vnseren sünden / vnd widergiltet vns nit nach vnseren mißthaten. Als wyt als der auffgang der Sonnen ist vom nidergang / also weyt thuot er vnsere überträttungen von vnns. Hiehar dienet auch das gantz dreißigest Capitel deß Propheten Jeremie. Es bezeüget auch Paulus vnnd spricht / Gleich wie deß leidens Christi vil über vns kompt / also kumpt auch vil trosts über vns durch Christum. So sind auch vil exempel die hieruon zeügend / vnd vns die gegenwertig hilff vnd erlösung / den glöubigen (ja auch den sünderen die sich besseret / wie in grosser trüebsal sie joch gewesen) von Gott beschähen / heiter für die augen stellend. Vnsere lieben vätter Noe vnd Loth wurdend beyd mit sampt jren haußgesinden errettet vnnd erlößt / jhener do Gott mit gewaltiger hand alles fleisch das vnder dem himmel was / durch den Sündtflussz ertranckt / Diser aber do Sodoma grausamlich vnd erschrockenlich verbrennt vnd vertilcket ward. Also Jacob vnd Joseph / wiewol sie in vilerley trüebsalen verwicklet / noch sind sie von dem früntlichen güetigen Gott erlediget worden. Also ward auch dz volck Jsraels erledigetCXXXv. / 130b
vnd außgefüert auß der schwären vnd gantz eisinen [eysernen] Egyptischen knechtschafft. Jn der wüeste / deßgleich hernach vnder den richteren vnd küngen sündiget das gedacht volck offt vnd übel wider den Herren / ward auch schwärlich von jm gestrafft / aber bald so erlößts der Herr wider / wenn es seine sünd erkant / vnd sich zum Herren bekeret. Besondere vnnd schöne exempel der erlösung vnnd hilff Gottes hast auch im Dauid / Josaphat / Ezechia / Manasse vnd vilen anderen. So werdend auch im Euangelio vnzalbar vil erlösungen beschriben / die durch Christum beschehen / von sünden / von kranckheiten / von üblen / von gfar / vom teüffel selbs. Deßgleichen läsend wir auch in den geschichten der Apostlen gar herrliche exempel sölicher erlösungen. Als das die Apostel gefangen gelegt / aber vom Engel Gottes wider auß der gefencknuß gefüert / vnd inn den tempel das Euangelium zuo predigen gestelt wurdend. Also ward auch der heilig Apostel Petrus auß dem kercker erlößt / do jn Herodes Agrippa deß nachgenderen tags vnderstuond zuo töden. Also der heilig Apostel Paulus / der doch vnzalbar vil übels erlitten / dennocht hat er allweg erfaren den beystand vnd die hilff Gottes. Vnd diß exempel diser seiner trüebsal vnd erledigung / stellt er allen glöubigen zuo trost für / da er zum Timotheo also schreibt / Du weist mein gedult / mein verfolgung / mein leyden / was mir begegnet ist zuo Antiochia / zuo Jconio / zuo Lystra / was verfolgung ich da erlitten. Aber auß disem allem hat mich der Herr erlößt. Vnd aber alle die gottsälig läben wöllend inn Christo Jesu / die müessend verfolgung leyden. Jtem zun Hebreeren am xiij. Capitel / fasset er der exemplen noch vil meer zuo sammen. Nun das alles sprich ich läsend die glöubigen zuosamen / tröstend vnd richtend sich selbs zur zeit der versuochung vnnd trüebsal damit auff. Dann also leert vns auch Paulus thuon / da er spricht / Alles das geschriben ist / das ist vns zur leer fürgeschriben / auff das wir durch gedult vnnd trost der geschrifft hoffnung habind. Nicht allein dz aber thuond die glöubigen / sonder sie sind auch ingedenck der gebotten vnsers Herren Christi / mit welchen er vns allen gedultigkeit gebotten / vnd das creütz auffgelegt hatt. Dann er spricht im Euangelio / wil mir jemands nachfolgen / der verlöugne sich selbs / vnd nemme sein creütz auff sich vnd volge mir / Dann wer sein leben wil erhalten der wirts verlieren / wer aber sein läben verleürt vmb meinet willen / der wirts finden. Was hulffe es den menschen / so er die gantzen wält gewunne / vnd thete aber verlurst seiner seel? oder was kan der mensch gäben / damit er sein seel wider löse? Dann es wirt je geschehen / das der sun deß menschen kommen wirt inn der herrligkeit seines vatters / mit seinen englen / vnd als dann wirt er vergälten einem jeglichen nach seinen wercken. Vnd an einem anderen ort / So jemands zuo mir kumpt / vnd hasset nit seinen vatter / muoter / weyb / kinder / brüeder / schwöster / auch darzuo sein eigen läben / der kan nit mein jünger sein. Vnnd wär nicht tregt sein creütz vnd volget mir nach / der kan nit mein jünger sein. Auff welche wort der Herr etliche gleichnussen setzt / mit denen er leert / wie wir vnsere krefft vorhin erduren vnd [- fleißig] erforschen söllind / ob wir vns deß Euangeliums außthuon wöllind [ehe wir vns zum Euangelium bekennen]. Auff dise gebott Christi jres leermeisters sehend auch die zwen trüwen Apostel Petrus vnd Paulus / vnd ermanend vns deßhalb auch also das creütz gedultigklich zuo tragen. Dann Petrus spricht / Christus hatt gelitten für vns / vnd vns ein vorbild gelassen / das jr söllind nachuolgen seinen fuoßstapffen. Paulus aber spricht / Wir müeßind durch vil trüebsalen yngon in das reich Gottes.
Zuo dem so tröstet auch die glöubigen / die mit mancherley trüebsalen beladen sind das die zeit der trüebsal kurtz ist / das auch die belonung vnnd die fröud vnaußsprechlicher weiß die trüebsal übertrifft / ja dermassen das sie nun nit zuo vergleichen sind. Jtem auch das / das vns der güetig Gott nit mee vnnd schwärer aufflegt dann wir wol ertragen mögend. Von dem allen wir aber kuntschafftenCXXXI. / 131a
vnd zeügnussen der heiligen geschrifft hören wöllend. Es nennt S. Peter selb die zeyt der trüebsal ein kurtze zeyt / dann vor jm hat auch Esaias / oder Gott bim Esaia gesprochen / Bring mein volck in dein kammer / vnd bschlüß die thür nach dir / vnd verbirg dich ein wenig / joch nun [ja nur] ein augenblick biß mein zorn vergange. Vnd Paulus. Die vätter vnsers fleischs habend vns züchtiget wenig tag nach jrem duncken / der vatter aber der geisteren züchtiget vns ein kleine zyt / zuo ewerem nutz / auff das er euch sein heiligung mitteile. Alle züchtigung aber wenn sie da ist / so wirt sie nicht angesehen für ein frölich / sonder für ein traurig ding / aber hernach gibt sie ein fridsamme frucht der gerechtigkeit denen / die dardurch geüept sind. Jtem / wir leydend mit Christo / auff das wir auch mit jhm zur herrligkeyt erhaben werdind. Dann ich halts darfür / das diser zeyt leyden nicht zuo vergleichen seye der herrligkeit die an vns wirt geoffenbaret werden. Dann vnsere trüebsal / die zeytlich vnd leycht ist / schaffet ein ewige / vnnd über alle maß schwäre herrligkeyt / vns die da nicht auffsehend auff das sichtbar / sonder auff das vnsichtbar. Dann was sichtbar ist / das ist zeytlich / was aber vnsichtbar ist / das ist ewig. Widerumb spricht er auch inn der ersten Epistel zun Corintheren / Gott ist warhafftig / der wirt üch nit lassen versuocht werden über ewer vermögen / sonder wirdt machen näbend der versuochnuß ein außkommen / auff das jhr es ertragen mögind. So vns aber beduncken wil / Gott wölle die trüebsal zuo lang auff vns liggen lassen / so söllend wir gedencken / das man dem willen Gottes kein zil sol fürstecken oder fürschreiben / sonder jhn lassen machen / das er die so seiner hand vnderworffen / frey / so lang so vil / vnd dermassen straffe wie er wil nach seinem gefallen. Er der die ewig weyßheit ist / vnd der die menschen innigklichen liebet / der weißt wol wenn er auffhören / vnd vns vom bösen erlösen sol. Wir habend auch exempel / die denen trostlich sind die lange trüebsal erlydend. Nammlich das wybli im Euangelio / das zwölff jar den bluotfluß ghan hatt / dermaß das sie dran verzweifflet. Jtem ein andere die contract gewesen was achtzehen jar. So lag auch bey der wetty [bey dem Weiher am ...] beym schlachthuß ein armer mensch / der gar mit einer schwären kranckheit xxxviij. jar was behafftet gewesen. Welches doch gar ein überlegne [beschwerliche lange] zeyt was / Noch kam der Herr denen allen zuo rechter zeyt zuo hilff / der am basten [besten] weißt wenn die hilff dem menschen nutzlich vnd kommlich seye. Darumb söllend wir vns seinem guoten / gerechten / vnd weysen willen gar vnd gantz ergeben / das er vns erlöse wie vnd wenn er wölle.
Besonders aber so ist das in allen trüebsalen ein stuck das voller trosts vnd voller zuouersicht ist / das nit bald einiger gewalt noch einigs übel die glöubigen vnd außerwelten Gottes von Gott absünderen mag / dann es spricht der Herr im Euangelio / Meine schaff hörend meine stimm / vnd ich kenn sie / vnd sie volgend mir nach / vnd ich gib jnen das ewig läben / vnd sie werdend ewigklich nit vmbkommen / vnd niemand wirt sie mir auß meiner hand reissen. Der vatter der mir sie gegäben hat / ist grösser dann alles / vnnd niemand mag sie auß meines vatters hand reissen / Jch vnd der vatter sind eins. Dahär dienet auch das fröuden geschrey vnd die vermanung S. Pauls / der do spricht. Wär wil vns scheiden von der liebe Gottes? Trüebsal? oder angst / oder verfolgung? oder hunger / oder blöße / oder gefärlikeit / oder schwärt? Wie geschrieben stat / vmb deiner willen werdend wir getödtet den gantzen tag / wir sind gerechnet für schlacht schaff. Aber inn dem allem vberwindend wir weyt vmb deß willen der vns geliebet hatt. Dann ich bin gewüß / das weder todt noch läben / noch Engel / noch Fürstenthumb / noch gewalt / noch gegenwirtigs / noch zuokünfftigs / noch hochs / noch tieffs / noch kein andere creatur vns scheiden möge vonn der liebe Gottes / die in Christo Jesu ist vnserem Herren.CXXXIv. / 131b
Wiewol auch die glöubigen in trüebsalen vil schmertzen vnd anders das jnen nit wol kumpt erfarend / so haben sie doch in den vnkomlikeiten [vngelegenheiten] anders vnd vil mee das jnen wol kumpt / vnd zuo guotem dienet / also das ob jnen schon in eim etwas abgat / so gat jhnen im anderen dest mee auff / das deßhalb jhnen das creütz nit ein verderbung sonder ein üebung vnnd ein heilsamme artzny ist. Bey welchem wir widerumb ingedenck sein söllend deß edlen spruchs S. Pauli / da er spricht / wir werdend geträngt / aber darumb nit angsthafft / wir leidend arbeit / aber wir verzagend nicht / wir leydend verfolgung / aber wir werdend nit verlassen / wir werdend vndertruckt / aber wir kömmend nit vmb. Es verlierend die glöubigen etwan in diser zeit jre jrdische güeter / verlierend sie aber drumb gerad auch den glauben? die gottsforcht? vnnd die inneren güeter deß menschen / welches die rechten waren reychthummen vor Gott sind? Nein. Paulus sagt / Gottsäligkeit ist ein grosser genieß mit einem gemüet das sich vernüegen laßt. Dann wir habend nichts in dise wält bracht / nichts mögend wir auch mit vns druß tragen / Darumb so wir habend narung vnd decke / so lassend vns vernüegt sein. Dann es wirt gewüß der güetig Gott / der himmel vnd erden vnd alles das darinnen ist von deß menschen wägen erschaffen hat / der auch die jungen rappen [Raben] speißt / die seel deß gerechten nit hungers töden. So verlürend die jren schatz hie in diser zeit nicht / die also schätz sammlend / wie es der Herr gebotten hatt / bey welchem alle die wüssend jnen ein reichen schatz behalten sein / die von deß Herren wegen jrer jrdischen güeteren beraubet werdend. Darumb schrey auch Job der fürtreffenlich diener Gottes / vnd sprach / Nackend vnd bloß bin ich auß meiner muoter leib gangen / bloß wird ich wider zur erden gon / Der Herr hat geben / der Herr hatt wider genommen / gelopt seye der nam deß Herren. Darbey ist denn auch das zuo bedencken / das durch verlaugnung der warheit / vnd durch das fliehen der trüebsalen reichtumb vnd ruow nit erhalten / sonder vil mee verloren wirt / ja das wir ein schantlichen bösen nammen dardurch bey allen frommen zuo ewigen zeiten überkömmend. Dann wir gsehend vnd erfarend das die / die jr guot nit habend wöllen in gfar setzen von Christi vnnd seiner warheit wegen / sonder mit gleißnen vnd verlaugnung der warheit jr guot habend wöllen behalten vnd meeren / das die nichts dann grosse schand vnd schmach überkommen / vnd jnen selb schwäre vnd grausame peyn der gewüssne [deß gewissens] auffgeladen / vnd dennocht zuo letst vmb jr guot auch kommen / aber jetz nit mee in Christi / sonder ins teüffels nammen. Welche aber je sich selb vnd alles was sie ghan [gehabt] inn gfar begeben / vnd alle gfar von wegen der warheit verachtet habend / die habend allweg grosser fröuden vnd grosses trosts in jren hertzen empfunden. Dann sie sagend mit Paulo / wir habend gelernet / vnder welchem wir sind / vns benüegen zuo lassen / wir könnend nider sein / dargegen auch fürtreffenlich sein / wir sind allenthalben vnd in allen dingen geschickt / beide satt zuo sein vnd hungeren / überig zuo haben vnnd mangel zuo leyden / wir vermögend es alles durch den der vns krefftig machet / welcher ist Christus. Sie wüssend auch das Paulus wyter gesagt. Jr habend den raub ewerer güeteren mit fröuden auffgenommen / als die jr wüssend in euch selbs / das jr ein bessere vnnd bleibende hab im himmel habend. Jtem das auch der Herr im Euangelio spricht / Warlich sag ich euch / ein jeglicher der da verlaßt heüser / oder brüeder / oder schwösteren / oder vatter / oder muoter / oder weyb / oder kind / oder äcker / vmb meines nammens willen / der wirts hundertfaltig hie in diser zeit wider empfahen mit verfolgung / vnd inn der zuokünfftigen zeit das ewig läben ererben. Also werdend die glöubigen vnd frommen in diser zeyt wol vndertruckt vnd in knechtschafft bracht / aber sie wüssend das der Herr selbs vorhin von wegen der menschen ein knecht worden ist / ja das die so in der wält knecht sind / durch Christum frey sind worden / vnd das jhnenCXXXII. / 132a
durch die weltlich knächtschafft der zuogang gmachet wirt zuo der himmlischen fryheyt. Jtem sie werdend vertriben vnd verjagt / Aber es sagt doch jhener Heyd / Ein yedes land ist eins bidermans heimen vnd vatterland / vil mer sind die glöubigen also gesinnet. Dann wir sygind gleich auff erden wo wir wöllind / so sind wir im ellend. Vnser vatter ist inn himmlen / darumb so ist der himmel vnser vatterland / vnd so wir sterbend / so werdend wir auß dem ellend erlößt / vnd in dz himmlisch vnd waar sälig vatterland gesetzt. Also auch wenn gleich etwann ein Tyrann yemand hungers tödete / so ist der hunger jnen grad wie ein andere kranckheit dardurch sie von vnzalbar vil üblen erlediget vnd erlößt werdend / Welche aber der hunger nit tödet / sonder sonst peiniget vnd växiert / die leert er eben / dz sie dest schlächter gläbind / vnd dest lenger fastind [...sollen]. Söliche glöubige hungerigen / setzend jnen selbs auch für die exempel der alten heiligen / von welchen der Apostel redt vnd spricht / Sie sind herumb gangen / in beltzen vnd geißfälen / mit mangel / mit trübsal / mit üblen / deren die welt nit wärt was / vnd sind irr gangen in den wüestinen / auff den bergen / in den klufften vnd löcheren der erden. Es bedenckend auch die waaren Christen / dz deß hungerigen Lazari teyl (der vnder den zungen der hunden / die jm seine geschwär läcketend starb/) vil besser gewesen ist / dann deß vollen prassers vnd schlemmers der inn die hell begraben ward. Dz ist wol greülich schwär vnd abschüchlich / dz etwan von grausammen verruochten kriegßlüten / nit nur weiber vnd frowen / sonder auch vnzeitige töchteren geschennt werdend. Aber es tröstet vns dennocht inn dem grossen laster / vnd in der vnleidenlichen schand / dz künscheit vnd zucht ein tugend deß gmüets ist / dann dieweil sölichs ist / so wirt die selbig nit verloren / obschon gleich der leib geschwecht wirt. Wie auch der glaub deß menschens darumb nit überwunden ist / ob schon sein gantzer leib verbrennt wirt. Also wirt auch die reinigkeit / ob schon der leib geschennt / nit verloren / darumb dz der will die selbig recht zuo brauchen vnd zuo behalten so vil jm jmmer müglich bstat. Dann es ist auch der leib nit darumb rein / darumb dz seine glider vnbefleckt sind / vnd nit angrüert werdend. Dann es mag sich zuotragen in mengerley fälen / dz so sie verwunnt [verwundt] / dz man etwan auch hand muoß anleggen / vnd bruchend die artzet etwann an söllichen orten / damit sie dem menschen zuo hilff kömmind / söliche ding / die eim grusete anzuosehen. Darumb so der fürsatz deß hertzens / von dessen wegen auch der leib geheiliget wirt / guot bleibt / so mag der gwalt deß muotwillens deß anderen / dem leib sein heiligung nit nemmen / dann die wirt behalten durch die beständigkeit seines künschen gemüets. Darnebend aber ist kein zweifel zehaben / dann das der grächt Gott / dise bestien / vnd vnmenschen / die so schantliche ding fürnemmen dörffend / grausamlich straaffen werde.
Es tröstend auch die glöubigen / so sie also durch trüebsal angefochten vnd vexiert [-] werdend / die exempel der heiligen / deren vnzalbar vil sind / Dann sie lerend drauß / dz jnen nichts nüws begegne / dieweil Gott von anfang har sein liebe kirchen vnd seine diener mit so vil versuochungen vnd trüebsalen geüebt vnd examiniert [bewehret] hat. Jch halt auch dz es wol diene vnd vil nütze bekümmerte vnd angefochtne gmüeter zuo trösten / dz ein yeder die besten vnd außerleßnesten exempel vssen [außwendig] könne vnd zur hand habe / deren dann gar vil sind / gmeiner vnd auch besonderer leüten trüebsalen. Besonderer leüten / als (damit ich vil der vralten übergange) die fäl vnd reisen der nachgenden ertzvätteren. Als Abrahams vnsers vatters / welchen Gott bruofft [beruffen] vß Ur in Chaldea in dz land Chanaan / vß welchem jnn widerumb der hunger in Egypten treib / da er vil vnfals erfuor vnd erleid. Vnd do er gleich wider in Palestinam kam / was er doch nimmer biß an sein end on trüebsal / sonder hatt allweg etwas / das jm sein gemüet bekümmeret vnd betrüebet. Also växiert vnnd peyniget den Jsaac auch der hunger / vnnd andere anheimsche vnfäl / deren jm für vnd für vil zuohanden giengend. Also Jacob der von Gott Jsrael ist genennt worden / So den yemand den aller trüebsäligisten menschen nemmen wurde /CXXXIIv. / 132b
der thete nicht vnrecht. Dann dieweil er noch in muoter leib was / ee dann er geboren / hat er kampf mit seinem bruoder Esau / deß bluotigen henden er auch kum in seiner jugent entgieng / da er vor jm biß in Syriam floch. An welchem ort er doch auch kein ruow hat / sonder ward auch daselbst als auff einen rechten kampfplatz vnd werchstat aller trüebsalen / wol gefeßlet vnd geüept. Do er widerumb in sein heimat kam / vmbgab jn erst vil übels vnd geferlikeit. Es todtend auch [schier] den guoten alten man nach hinzuo seine eignen kind / mit jren schantlichen vnerbaren lasteren. Jn seim alter / muoßt er erst hunger leyden / zoch hinab in Egypten / daselbst aber in warem glauben vnd gedult Gott seinen geist auff. So bezeüget auch die heilig geschrifft von Mose dem aller fürtreffenlichesten vnd treüwisten diener Gottes / das er wol am hoff deß künigs in Egypten erzogen / als er aber groß worden / hab er nicht wöllen ein sun der tochter Pharaonis genennt werden / sonder habe vil lieber erwellet mit dem volck Gottes übels zuo leiden / dann die zeitliche ergetzung der sünden zuo haben / vnd habe die schmach Christi für grösser reichthumb gehalten / dann die schätz Egypti. Er hat auch grosse verfolgungen erlitten / zum ersten / von Pharaone vnd seinen Fürsten / demnach auch von seinen eignen haußgnossen / vnnd von seim volck / das er auß Egypten gefüert hatt. Also hat auch Dauid der gsalbet deß Herren lang geflohen die grimmige deß künigs Sauls / vnd nach dem er ins reich kam / ward er mit vilen schwären kriegen überfallen / das er gnuog zuo schaffen hatt. Zuo letst nach viler vnd grosser müey vnd arbeit die er erlitten / ward er vonn seim eignen sun auß dem reych gestossen / vnd kam eins mals in vil vnfals / aber der Herr halff jm auß allem wider hinumb.
So sindt auch im newen testament gantz außpündige exempel. Nammlich vnser Herr vnd heiland Jesus Christus selb / deßgleich auch sein besonderer diener vnd Apostel Paulus. Dann der Herr hat gleich von seiner juget an müessen fliehen den auffsatz vnd die bluotigen händ der tyrannen. So hatt er auch in seim gantzen läben vnzalbar vil übels erlitten. Zuo letst ist er vnder den mörderen creützget worden. So spricht Paulus vonn jm selbs also / sind ander diener Christi / so bin ich wol meer / in arbeiten überflüßiger / inn schlegen überschwäncklicher / in gefäncknussen vil meer / im sterben öffter. Vonn den Juden hab ich fünff mal empfangen viertzig streich / minder einen / Jch bin drey mal mit ruoten geschwungen / ein mal gesteiniget / drey mal schiffbruch erlitten / tag vnd nacht bin ich gewesen in der tieffe deß meers / ich hab offt gewandlet / ich bin in gefärlikeit gewesen zuo wasser / vnder den mörderen / vnder den Juden / vnder den Heiden / in stetten / in der wüeste / auff dem meer / vnd vnder den falschen brüederen / in müey vnd arbeit / in wachen / in hunger vnd durst / in vil fasten / in frost vnd blösse. On was deß außwendigen ist / nammlich mein täglich anhalten / mein sorg für alle gemeinden / das sind nun alles besonderer leüthen exempel. Gemeiner trüebsal exempel aber / ist die gemeind deß volcks Jsraëls / welches zum ersten in Egypten gepyniget /darnach auch vnder den Richteren vnd Künigen vil übels erlitten hatt / hernach von den Assyriern vnd Babyloniern in gefencknuß hinweg gefüert ist worden. Vnnd do es durch die gnad Gottes wider ins land bracht ward / hat es doch jmmerdar vil vnd mengerley vnfals erlitten / vnder dem Persischen / Griechischen / vnnd auch vnder dem Römischen reych. Was sol ich aber von der Apostolischen kirchen Christi sagen / die von anfang an vil creützes erfaren / vnnd inn trüebsalen allwegen säligklich gruonet [gegrüenet] hat / mit welchen sie auch auff den heütigen tag treffenlich beschwärt vnd beladen ist. Es mäldend die historien zähen verfolgungen / mit denen die kirch Christi innert drey hundert vnd achtzehen jaren / von dem achtenden jar an deß keisers Neronis biß auff das keiserthumb deß grossen Constantini / schwärlich ist angefochtenCXXXIII. / 133a
worden. Wiewol jhren hiezwüschend allweg lufft vnd frid ist geben worden / (doch kurtz gnuog/) das sie sich widerumb erlaben vnnd erquicken möcht. Der erst / der die verfolgung wider die Christen hatt angerichtet / ist gewesen die wilde grausamme vnnd vnmenschlich geile bestia der Nero / in welcher auch die zwen fürnemsten Apostel Christi Petrus vnnd Paulus söllend vmbkommen sein. Die ander hatt erweckt Fl. Domitianus / welcher auch den heiligen Apostel Joannem in Pathmon verschickt hat. Der dritt nach Nerone / der da schwäre vnnd grausamme gebott wider die Christen hat lassen außgon / ist gewesen der Traianus. Vnder welchem der fürträffenlich Leerer vnd Marterer Christi Jgnatius / mit vilen anderen fürnemmen dieneren Christi / den wilden thieren zuo zerzerren grausamlich für ist geworffen. Die vierdte verfolgung wider die kirchen hat durch das gantz Franckreich vnnd Asiam erweckt der Keyser Verus / Jn welcher der heilig Polycarpus lebendig verbrennt / vnd der heilig Jreneus Bischoff zuo Lyon mitt dem schwärt ist gerichtet worden. Jn der fünfften verfolgung / hatt der Keyser Septimius Seuerus in vilen landen vil leüt mitt der Kron vnnd dem sigkrantz der Marterer begabet / vnder welchen auch gezellt wirt Leonidas der vatter Origenis. Julius Maximinus ist der sechßt gewesen nach Nerone / der tyranney wider die kirchen gewürckt hat. Jn welcher verfolgung fürnemlich die leerer vnd diener der kirchen vor anderen sind herfür zogen vnnd tödt worden. Da sind vnder vilen anderen vernampten leüten / auch zegrund gangen die zwey fürträffenlichen liechter / Pamphilus vnd Maximus. Der sibend nach Nerone ist gewesen Decius / der gar grausamme Edict vnnd mandat hat lassen außgon. Vnder dem ist der heilig diener vnd außspender [Almosenpfleger] der kirchen S. Laurentius auff einem eysinen roost gebraten worden. Vnd die lobwirdig Jungfrauw S. Apollonia in das zuobereitet feür guotwillig gesprungen. Eben als grimm als dise all / ist auch gwesen Licinius Valerianus / der der kirchen die achtend verfolgung ausgelegt. Welche vil tausend Christen verschluckt hatt / auch die verrüempten leerer in der gantzen welt S. Cornelium vnnd S. Cyprianum. Die neündte verfolgung ist vom Keiser Aureliano mer angefangen vnd erkennt [fürgenommen] / dann in das werck bracht worden. Dann es schoß die straal [fiel der donner] gleich vor jhm / mit grossem schräcken aller die darbey warend / vnd ward er gleich darnach auff der straaß erschlagen / do hort er auff zuo wüeten. An dem erschrockenlichen exempel aber stieß sich der Keiser C. Aurel. Val. Diocletianus nit / Jtem Maximianus / Maxentius / vnd M. Julius Licinius / sonder bewegtend die zehende verfolgung wider die kirchen Christi / welche zehen jar wärt / vnnd ein vnzalbarliche vile Christen leüten in dem gantzen vmbkreiß der erden hin nam / welche Eusebius Cesariensis gar eigentlich / als der selb deren kämpffen vnd töden vil gesehen hat / beschreibt vnd abmalet im achten buoch historiae ecclesiasticae. Jn diser schlachtung sind auch vmbkommen vnd gemarteret worden / die heiligen Marterer vnd Prediger deß Euangeliums Christi S. Felix / vnd sein leibliche schwöster S. Regula / die vnserer kirchen zuo Zürich erste Apostel vnd leerer deß Christenlichen glaubens gewesen sind. Nach disen zehen verfolgungen sind auch vil anderer mer vnd noch grausammere gefolget / vnd von vilen Küngen / vnd grausammen wüeterichen erweckt worden in vilen orten vnd landen der welt. Es sind auch gefolget die bluotigen geißlen der Sarracenen / der Tartaren / vnd der Türcken. So habend auch die falschen Bischoff vnd Bäpst die kirchen Gottes grausamlich geplaget / vnd durch frömbder vnd heimscher völckeren waffen vnd hilff mer Christen bluots vergossen / dann einige menschliche stimm außsprächen möge. Darumb so begegnet vns auff den hüttigen tag nichts nüws / ob wir schon in der kirchen Christi vil vnd mancherley verfolgungen vnd trüebsalen erleidend / vnd
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werdend also durch dise alte vnnd neüwe exempel krefftigklich gesterckt vnnd getröstet.
Hiehar dienet auch das die heiligen Propheten vnnd Apostel vnnd jhr aller Künig vnnd Herr Jesus Christus / dise gefaaren / trüebsalen vnnd verfolgungen all vorgesagt habend / damitt wir all stund vnnd augenblick vnsere gemüeter wider dise übel starcktind / auff das wir nicht durch vnuersechnen [vnuersehenen] fal vnnd trüebsal von dem glauben abfielind. Dieweyl ich eüch von der wält erwöllet hab / spricht der Herr im Euangelio zuo seinen jüngeren / darumb hasset eüch die welt / Gedenckend meines worts das ich eüch gesagt hab / Der knecht ist nicht grösser dann der Herr. Habend sie mich verfolget / so werdend sie auch eüch verfolgen / Habend sie mein wort gehalten / so werdend sie eüwers auch halten. Aber das alles werdend sie eüch thuon vmb meines nammens willen / dann sie kennend den nicht der mich gesendt hat. Jtem / Sölichs hab ich zuo eüch geredt / das jhr eüch nit ergerind. Sie werdend eüch auß der versamlung schliessen / vnd es kumpt die zeit / dz wär eüch tödet / wirt meynen er thüege Gott ein dienst daran. Sölche vnd dergleichen sprüch mer / deren inn den Prophetischen vnd Apostolischen gschrifften vil sind / wil ich yetz nicht anziehen / dann es möchte mit wenigen worten nit geschähen. Ein yeder nemme vnd erwölle jm selb die heiteristen darauß / die jm allenthalben begegnend. Wiewol aber auch die glöubigen sich deß vndergangs jrer verfolgeren nicht fröuwend / sonder lieber wöltind / das sie sich bekartind [bekehreten] vnnd sälig / dann das sie hie inn zeit gestraafft / vnnd dort ewig verdampt wurdind / so fröuwend sie sich doch vnd werdend getröst / so sie sehend das der Herr die verfolger vnd durächter [-] straafft / dann sie erkennend vnd gespürend darinn das die glöubigen Gott angelegen sind. Sie nemmend auch ab auß söllichen gegenwirtigen straaffen Gottes / die den gottlosen bereitet sind / das die trüebsalen / jnen den glöubigen nur zuo guotem dienind / dargegen aber den gottlosen zum verderben. Dann mitten in der glöubigen trüebsal werdend sie zenichte / vnd in dem sie die kirchen deß läbendigen Gottes verfolgend / so trächend [laden] sie jnen selb ein vnaußlöschlich feür auff den halß. Dann also lisest bey dem Propheten Zacharia / das der Herr von seiner kirchen also redt / Sich ich wil Jerusalem zuo einem bächer machen / von dem alle völcker vmb sie här enschlaffen vnd trümmlen [daumeln] werdend / ja er muoß auch über Juda kommen Jerusalem zuo belägern. Auff die selbig zeit wil ich Jerusalem zuo einem last stein machen allen völckeren / an dem sich alle die jn vfflupffen wöllend übel geschenden / vnnd wider den sich alle völcker der erden versammlen werdend. Zuo gleicher weiß spricht er auch im Propheten Jeremia / Nimm den bächer weins / der zuo zorn reitzet von meiner hand / das du damitt tränckist alle völcker zuo denen ich dich schicken wird / auff das so sie getruncken habend / wüetind / vnd vnsinnig werdind / auß forcht deß schwerts / das ich vnder sie schicken wird. Dann nemmend war / ich fahen an straaffen an der statt / deren mein nammen gegäben ist / vnd meynend jr das jr söltind ledig aussgon? Jr werdend nitt ledig sein. Auff wölches auch der heilig Apostel Petrus sicht / da er spricht / Es ist zeit / das daß gricht anfahe an dem hauß Gottes. So es aber zum ersten an vns anfacht / was wil es dann für ein end werden mit denen / die dem Euangelio Gottes nit glaubend? vnd das sehend wir auch in exemplen. Jch hab hiervor ein andern nach erzellt zehen verfolgungen / die die Römischen Keyser wider die kirchen Christi geüebt habend / Es bezeügend aber auch die Historien / das keine vnder denen sey gewesen / die nicht mit etwas grossen straaff vnd verfal sey widergolten worden. Dahar auch dienet / das der gerächt Gott / nach dreyhundert vnd zwey vnd viertzig jaren (dann so vil werdend gezellt vom letsten jar deß keyserthumbs Neronis / biß auff das ander jar der keisern Honorij vndCXXXIIII. / 134a
Theodosi) noch vil überflüßiger der bluotigen Statt Rom jren lon hat geben. Dann innert 139. jaren / ist sie zum sechßten mal eroberet / vnnd inn die händ frömbder völckeren kommen. Zum ersten im jar Christi 412. welches das ander jar deß Keyserthumbs Honorij vnd Theodosti der Keysern gewesen ist / gewan Alarichus mitsampt den Visigotthen die Statt Rom vnd plünderet sie / die hieltend sich doch in jrem sig gnädig. Darnach aber fiel Genserich mitt den Wenden in die Statt / plünderet vnnd verdarbt sie grausamlich. Nach denen kam Odoacer mitt den Herulis / die nach [noch] überblibne warend von deß Attile heerzeüg / die gewunnend die Statt auch / vnnd besassend sie / vnnd regiertend da / also das auff diß mal das Römisch Reich in Occident gar erlasch [erlöschete] vnnd zegrund gieng. Darnach bey viertzehen jaren ongefar kam Dietrich von Bern mitt den Ostrogotthen / der schluog die Herulos / vnnd gewan er die Statt. Die ward bey langem durch grosse arbeyt vnnd redligkeyt deß fürträffenlichen kriegsfürsten Bellisarij Justiniano dem Keiser in Orient wider gewonnen vnd vnderworffen. Bald aber drauff gewan sie Totilas der Gothen Fürst / vnd schleifft sie mit feür vnd brand / zerzart [schleiffet] auch die gemeynen beüw / vnd brach ein guoten theyl der ringgmaur ab / also / das daß gantz Rom so verwüest was / das etlich tag nit ein mensch mer was der darinnen wonete. Dise verwüestung der Statt geschach als man nach Christi geburt zallt 548. jar. Also hat sich Christus an dem bluotigen Rom mitt billicher vnnd wol verdienter straff gerochen. Jch geschweig erst dessen / was es über das alles von den Hunnen vnnd Longobarden erlitten hat / Mich benüegt das ich anzeigt hab / wie übel die verfolgungen der Statt Rom außgeschlagen sygind / die sie an der kirchen Christi geüebt / welche kirch darnäbend sälig vnnd sighafft bliben / vnd wirt auch regieren mitt Christo dem Herren jmmer vnnd ewigklich. Also sind auch die Saracenen / nachdem sie vil schaden vnnd vnfals erlitten / vnnd durch die gantz wält vmbtriben vnnd plaget sind / zuoletst gar vertilgket worden. Es empfindend auch die Türcken der straaff Gottes täglich / vnnd werdend jhr hernach noch vil wirß empfinden. Die Bäpst habend auch einanderen selb mit gifft gefergget [abgethan] / vnd leidend grosse schräcken vnd forcht auch noch auff den hüttigen tag / dann sie sind im läben niergend sicher / auch mitten vnder jhren fründen sind sie mitt vil üblen vmbgeben / vnnd müessend also allweg vnnd ewigklich arbendsälig sein. Vnnd denen gleich am aller basten vnder jhnen ist / die erfaulend vnnd ermurwend [-] in schandtlichem muotwillen vnnd wollust / da doch kein schanntlicheren vnnd müeysäligeren tod auff erden nicht ist. Die auch / die jhnen anhangend / vnnd auß jhrem geheiß oder bewilligung die kirchen Christi verfolgend / die erfaulend eintweder auch in schanntlichen wollüsten / oder sie werdend durch Antiochische vnnd Herodianische kranckheyten / vnnd langsamme schwäre töd verzeert. So machend auch sie sich selb offt vnder einanderen mitt inheymischen kriegen auß [bringen sich vmb]. Darumb sehend wir / das der Herr gerächt ist / vnnd auch seine vrtheyl billich vnnd gerächt sind / der seiner fründen nimmer vergißt / dargegen aber seine vnd auch der seinen fyend allweg findt / vnd nach jhrem verdienen straafft vnd außmachet.
Dieweyl nun dem also ist / lieben brüeder / so lassend vnns die hand deß Herren vnnsers Gotts gedultigklich tragen / so offt wir von jhm mitt trüebsal angriffen vnd versuocht werdend / vnd wüssend gwüß / das der güetig Gott vns darumb schlat das er vns heyle / vns darumb ängstiget / das er vnns tröste vnnd inn die ewig fröud auffnemme. Damitt wir aber söllichs thuon mögind / dieweyl wir für vns selbs blöd vnd schwach sind / so lassend vons Gott vnseren himmlischen vatter durch vnseren Herren Jesum Christum treülich anrüeffen vnnd bitten / das er vns in vnseren versuochungen beystande / vnnd vns leite auff denCXXXIIIIv. / 134b
wäg der dapfferkeyt / deß fridens vnd der gerächtigkeyt. Es setze jm hierin ein yeder für das exempel vnnsers Herren Meysters vnnd Heylands Jesu Christi / der sein leiden auch im gebätt anhuob. Dann er gieng auff den ölberg vnnd bättet da zuo seinem Vatter / vnnd das mitt höchstem ernst. Er wideräferet auch sein gebätt etliche mal / vnnd hielt also dem Vatter mitt seinem gebätt sträng an / Doch also / das er es alles seinem willen vnnderwarff. Das wöllind auch wir thon / damitt wir der gegenwirtigen hilff vnnsers Vatters / auch seines krefftigen trosts in vnseren hertzen empfindind / vnnd also sein güete lobind vnd preysind jmmer vnnd ewigklich. Amen.
24.Pr.Die Vier vnd zwentzigste Predig.
Von dem fünfften / deßgleich auch von dem sechßten gebott der anderen Tafel / welche in der ordnung der Zehen gebotten / die zwey letsten / namlich das neündt vnnd zehend sind / vnd also lautend Du solt nicht falsche zeugknuß geben wider deinen nächsten. Jtem / Du solt nit begären das hauß deines nächsten / usw.
NVn kömmend wir auff die außlegung der zweyen letsten gebotten in den Zehen gebotten Gottes / Da das Neündte also lautet. Du solt nitt falsche zeügknuß reden wider deinen nächsten. Mit welchem gebott glaub vnd treüw in allerley händlen vnd Contracten [-] zuo brauchen befolhen / die zung deß menschen eingezöumpt [eingezämet] / die waarheyt / die die Kron aller tugenden ist / deßgleich auch frombkeyt vnd auffrechte [auffrichtigkeit] in worten vnd wercken / geprisen vnd geleert wirt. Dann bißhar habend wir in den gebotten Gottes noch nichts gehört von der zungen / dann allein ein wenig im dritten gebott. Da aber vß der zungen vil guots vnd auch vil übels in dem läben deß menschens entstat. Dann die zung / wie der heilig Apostel Jacobus sagt / ist ein klein glid / vnd richtet grosse ding an. Sihe ein klein feür / wie es ein wald anzündt / vnd die zung ist auch ein feür / ein wält voll vngerächtigkeyt / Also ist die zung vnder vnseren glideren / vnd befleckt den gantzen leib / vnd zündt an allen vnseren wandel / wenn sie von der hellen entzündet ist. Dann alle natur der thieren / vnd der vöglen / vnd der schlangen / vnd der Meerthieren / werdend gezämet / vnnd sind gezämet von der menschlichen natur / aber die zung mag kein mensch zämen / dz vnrüewig übel / voll tödlichs giffts. Durch sie lobend wir Gott den vatter / vnd durch sie verflüechend wir die menschen / die nach der gleichnuß Gottes gemacht. Auß einem mund gat loben vnd fluochen. Darumb so ist es recht / notwendig / vnd nutzlich / das in disem neündten gebott deß menschen zung informiert [gelehret] wirt. Es begreifft aber dises gebott / vnd gebeüt in einer summ / das wir die zung recht vnd wol brauchind. Das wir weder heimlich noch offenlich vnserem nächsten damit schadind / weder an seinem leib / noch an seinen ehren / noch an seim guot / weder mit worten / noch mit gschrifften / noch mit gmälden / mit gleißnen [heucheley / verschweigen] oder einigen weiß vnnd pärden [anderley geberden]. Vnnd wirt hiemit alles das der waarheyt vnd ersamkeyt zuo wider ist verbotten. Dargegen wirt aber von vnser yedem einfalte / auffrechte / redligkeyt vnd frombkeyt erforderet. Jn summa vns wirt gebotten / das wir alle die waarheit mit vnd vnder einanderen brauchind. Dann Exo. xviij[7].läsend wir auch dz der Herr gebotten / Biß ferr von allen falschen sachen. Vnnd Leuit. am xix[11]. cap. Jr söllend nit stälen / noch liegen / noch falschlich handlen einer mit dem anderen. Vnd Sanct Jacob / gleich auff das er geredt von dem übel das auß der zungen entspringt / besonders das auß einem mund guotes vnd böses herfür kömme / setzt er weiter vnd spricht. Es sol nit /CXXXV. / 135a
meine brüeder / also sein / quillet auch ein brunn auß einem loch süsses vnd bitters? Mag auch / meine lieben brüeder / ein feygenbaum öl / oder ein weinstock feygen tragen / also mag auch ein brunn nicht saltzigs vnd süesses wasser geben? Vnd zwar dieweil Gott dem menschen die zungen gegeben / das durch deren mittel ein mensch deß anderen hertz vnd gemüet erkennen vnd verston könne / vnd das er damit Gott lobe / vnd allen menschen auch jm selb nütz seye / so ist es je billich / das die bildtnuß / dem / deß bildtnuß sie ist / gleich sehe / vnd deßhalb der mensch auß dem guoten hertzen guote reden herfür bringe / die da verr seyend vonn allem betrug / nachteil / gottslesterung / scheltung vnd vnzucht.
Es ist aber guot das wir die fürnempsten stuck so zuo disem handel dienend etwas eigentlicher einander nach besehind. Zum ersten / so wirt in disem gebott verbotten / das niemand am gericht vnd recht vmb zeügnuß erforderet / falsche kuntschafft sage. Vnd wirt deßhalb das kuntschafft sagen an jm selb nit verbotten / sonder allein das falsch kuntschafft sagen. Darumb stat / du solt nit falsche zeügnuß sagen. So zimpt es sich je / ware kuntschafft zuo sagen / besonders so ein Oberkeit sölichs von dir erforderte. Darumb wir auß grund der Hebraischen warheit außtrucklich also hie läsend / du solt nit antworten wider deinen nechsten mit falscher zeügnuß. Dann der antwortet / den man fraget. Vnd sol deßhalb der / der kuntschafft reden sol / allein auff Gott vnnd die blosse warheit sehen / alle bösen anfächtungen / haß / forcht / vnd partheyen hindan setzen / nützit verhalten noch verhälen [verhelen] / nützit von dem seinen darzuo thuon / noch den verstand der sach änderen vnd feltschen / wie die falschen zeügen im Euangelio thetend / die vor den richteren dar thetend / Christus hette gesagt / Jch wil disen tempel abbrächen / vnd in dreyen tagen wider auffrichten / dann sie verkartend [verkehrten] hiemit den verstand der worten deß Herren. Es spricht Gott im gsatzt. Du solt nit achten auff vngegrünten lümbden [vngegründtes geschrey] / das du mit einem gottlosen dein hand auff hebist / vnd ein vnrechter zeüg seyest. Du solt nit volgen der menge zum bösen / das du der menge nach vom rechten wychist. Wär deßhalb falsche kuntschafft redt / der sündet wider Gott / vnd wider den nechsten. Dann erstlich so befleckt er sich gegen Gott mit meineide / vnd [ja] lesteret Gott mit dem dz er vnder seinem nammen luginen redt / darnach so schadet er seinem nechsten an leib eer guot vnnd läben / vmb so vil / so vil er denn an denen dingen von dem richter nachteils vnd schaden empfacht. Dann der richter wirt durch dessen falsche kuntschafft dahin bewegt / das er den straafft am leib / am guot / am läben / das er nit thete / wenn er nit durch dein falsche kuntschafft darzuo verursachet vnd bewegt wurde. Darumb das nit ein vnbilliche satzung ist / die Moses mit disen worten fürschreibt. Wenn ein falscher zeüg ergriffen wirt / so söllend jr jm thuon / wie er gedacht seinem bruoder zuo thuon / das du das böß von dir außreütist / auff das die anderen hörind / sich forchtind / vnd nit mer söliche böse stuck fürnemmind zuo thuon vnder dir. Dein aug sol seinen nit schonen / Seel vmb seel / aug vmb aug / zan vmb zan / hand vmb hand / fuoß vmb fuoß. Dahin gehört auch das Salomon in Sprüchworten spricht / Einen falschen zeügen der luginen anrichtet haßet Gott. Jtem / der falsch zeüg bleibt nit vngestrafft. Als wir dann dessen ein exempel habend an denen die über die fromm vnd keüsche Susannam falsch zeügetend. Darnach so werdend auch mit disem gebott verbotten alle falschen auffsetzigen vnnd erdichten [verkehrete] anklegten [anklagen] so etwan offentlich vor gericht geschehend. Deßgleich auch alle falsche vnnd erkauffte vrtheilen. Vnd werdend deßhalb hierinn alle die verdampt / die feile zungen habend / die also zuo reden vmb ein stuck brot sich dingen lassend / frommen vnschuldigen leüthen wol oder übel zuo reden. Wie man dann der bösen hälen beißigen klappertäschen [der bösen lasterlichen vnd schmeichlerischen meuler] vil findt bey oberen vnd nideren / bey geistlichen vnd wältlichen.CXXXVv. / 135b
Darzuo wirt vns hie befolhen / Contract [vertrag] / zuosagungen / püntnussen / vnd wz der dingen sind treülich zuohalten / vnnd werdend dargegen verdampt alle böse list trug vnd gferden. Von denen doben geredt ist worden / do wir vom diebstal ghandlet.
Besonders aber wirt allen glöubigen hiemitt verbotten / die luge / da die vnwaarheit eintweders auß begird zuo schaden / oder sonst auß leichtfertigkeit vnd andern bösen anfächtungen von yemants geredt wirt. Es werden aber mancherley gschlecht der luginen zellt. S. Augustin ad Consentium de mendacio cap.14 erzellt der geschlechten achte / deren ich allein etliche hie mälden wil. Erstlich so ist ein schimpfliche luge / als da ich selb sag / ich liege / vnd andere söllichs auch wol wüssend das ich liegen / empfahend aber vß diser meiner schimpffluge etwz nutzbarkeit / oder vil mer wollusts. Welches liegen wiewol es nit hefftig sünd / so hat es doch vil leichtferigkeyt / die der Apostel an den glöubigen schiltet / wie wir habend in dem fünfften capitel der Epistel zuo den Epheseren. Hiehar acht ich aber nit zuo zellen sein die fablen / sprüchwörter / vnd angemaßte reden / welche wie sie in der gschrifft zuo den aller schwärsten händlen gebraucht werdend / also sind sie auch gantz lieblich nutzlich vnd notwendig. Sanct Augustin zellt auch schimpffwort nit vnder die luginen. Darnach ist auch ein dienstbars liegen / als so ich die vnwarheit gleichßnen [erdencke] oder reden / von ampts oder diensts wegen / damit ich meinem nächsten vor grossem schaden sey / wie der exemplen vil in der h. gschrifft funden werdend. Als die Egyptischen Hebammen / die behieltend die Hebreischen neüwgebornen kindlin beim läben / die aber Pharao vmbzuobringen gebotten hat / vnd als sie dessen / als überträttern deß gsatztes vor dem künig verklagt wurdend / wantend sie für durch ein gschwinde dienstbare luge / die schnälle deß gebärens der Hebreischen wybern / mit deren sie die Egyptischen wyt überträffind. Also betrog Rahab jre burger zuo Jericho mit eim wunderbaren fund / vnd erhielt also durch jr liegen die vßspeher deß volcks Gottes. Also erhielt Michol Dauids hußfrow jren man durch ein luge / vnd fercket [fertiget] jres vatters Sauls diener vngschaffter sach daruon. Es erdacht auch Jonathan vil ob dem tisch seins vaters / damit er Dauiden schirmpte / dem er auch mit wunderbaren künsten vnd göttlichen listen vß den bluotigen henden seins vatters Sauls daruon halff. Also kam die h. witfraw Judith mit liegen vnd gleißnen in dz läger Holofernis / den sie mannlich ertödet / vnd dz bekümmert volck Gottes erloßt [erlößt]. Nun ist aber von den fürnempsten Theologis hieuon disputiert worden / ob dise / deren exempel wir yetzund anzogen mit disem liegen gesündet habind oder nit. Vnd zwar Origenes mitsampt denen die jm nachgefolget sind / der laßt zuo das ein weiser vnnd frommer mensch auch liegen möge / so ferr die luge denen zum heyl dienet / von deren wegen sie geschicht. Vnnd diser meynung Origenis ist auch der heilig Hieronymus verdacht gewesen. Dann er schreibt inn die Epistel Pauli zun Galateren / das auch Petrus vnd Paulus nach gelegenheyt der zeit gleichßnet habind. S. Augustin aber warnet Hieronymum dises stucks halb / vnd wil nit das einiger argwon der luge in der heiligen geschrifft zuo zuolassen sey. S. Hieronymus aber zeigt an das die aller besten vnd fürnemmsten leerer der alten kirchen seiner meynung gewesen sygind. Vnd sind von jnen beyden dises handels halb vil langer vnd geleerter Epistlen gegen einandern gschriben worden / welche dieweil sie noch bey handen / so ist nit von nöten dz ich mich hierinn lenger sume [seumen]. Augustinus ad Consentium contra mendacium cap.15 spricht also / Welcher sagt / dz etliche luginen grecht sygind / der ist zuo halten als einer der nüt sagt / es sey dann dz etliche sünd grecht sygind / vnd deßhalb etwz dz vngrecht ist / grecht sey. Da aber nüt vngreimpters könte grett werden. Denn wohar ist die sünd / dann dz sie der grechtigkeit zuo wider ist? wz aber wider dz gsatz Gottes gschicht / dz mag nit grecht sein. Nun ist aber von Gott gsagt / dein gsatzt ist die warheit / Wz nun wider die warheit ist / dz kan nit grecht sein / Wer ist aber der nit wisse dz alle luge widerCXXXVI. / 136a
die warheit ist? Darumb so kan kein luge grecht sein usw. Hiergegen bedunckt aber etliche glerte lüt / Augustinus sey den liegen in dem fal zuo gar vil feyend gwesen / vnd sind deßhalb wol etlich / die den mitlen weg gond / vnd dz liegen deren / (deren exempel wir erst anzogen) nit gar von aller sünd entschuldigend / Doch nit für ein schwäre sonder für ein ringe sünd haltend. Welche nun hierinn jhnen selbs etwas zuogeben wöltind / die hüetind sich doch fleißig / das sie jren anfechtungen nit zuo vil zuogäbind / vnd das für ein dienstbare lugen haltind / die aber im grund schädlich ist. Dann das letst geschlecht der luginen / sind die schädlichen luginen / die auß bösem willen entspringend / vnd zuo nachteil deines nechsten / der nit übels verdient / reichend. Dise luge wirt in der gschrifft allenthalben gscholten vnd verdampt / vnd ist je so vil böser / so vil grösser der schad ist / der je daruß entspringt. Dann kein luge ist schädlicher dann so die Theologi vnd leerer der kirchen liegend / als die mit jren luginen vnd falschen leer die seelen der menschen vmbbringend / auch deren die sie verfüerend leib vnd guot / dem fluoch Gottes vnd vnzalbaren üblen vnderwärffend. Hiehär ghört auch die gleißnery die vnser herr Jesus im Euangelio wunderbarlich schiltet vnd vßgat. Dieselbig wirt aber nit nun in truglichen [betrieglichen] worten brucht / sonder auch vil mer im gantzen läben vnd wandel / als da wir dz glichßnend vnd barend [als wenn wir etwas fürgeben] / daran aber nüt ist / damit wir denn Gott liegend vnd vnsern nechsten betriegend.
Wyter wirt auch in disem gebott / alles verschwätzen / vßrichten / nachreden / orenblasen / vnd böser argwon / so dann hieruß gmeinlich entspringt / verbotten. Jtem es werdend hiemit verdampt die muotwilligen gmüeter / die jederman zuo schälten vnd übels zuo reden wunderbarlich gerüst vnd geschickt sind. Deren du vil findst die sich nüt schemmend mencklichem hohen vnd nideren / bsonderen vnd gmeinen personen übels vnd nachzuoreden / schlahend den leüten schandzädel an / Machend pasquillos / vnd schmächliche gemäld darzuo / vnd dunckend sich selb mechtig verr anhin [-] vnd wol beredt / wenn sie mit bitteren schmützworten [schmehworten] jederman schlötterli [einen schandfleck] anhenckend / vnd sölche vngezämpte fräche der zungen / vnnd vnuerschampts gschwätz / wirt denn für ein feyne freyheit vnd dapferkeit zuo reden gehalten. Sie sündend aber gar schwärlich / die in sölichem lesteren ein wollust habend / das ist solche müler vmbher tragend / die so voller bitterkeit / schältens vnnd boßheit sind / gleich wie auch die on sünd nicht sind / die ein fröud drab habend / söliche gifftige lesterungen zuo hören. Billiche klegten [-] vnd anklagungen aber sie geschehind muntlich oder gschrifftlich / deßgleich die bescheltungen vnd straffen / so in den predgenen geschähend / zellend wir nicht vnder die sünd vnnd schältwort. Dann welche also die laster straffend vnnd verfolgend / die sehend auff kein ander end / dann auff die eer Gottes vnd der seelen heil / die begärend sie in allweg zuo fürderen / nit jr gallen außzuostossen / vnd jren bösen anfechtungen statt zuo thuon [geben]. Das aber zuo reden vnd nachreden dem nechsten [dem nechsten nachreden / vnnd jhm sein gerüchte abschneiden] / der schwärsten grösten lasteren eins seye / mag mit vil argumenten erwisen werden. Dann es ist kum [kaum] ein laster das vns so gar entgstalte [so gar vbel anstehe] als nachred / dann wir sind erschaffen nach der bildtnuß vnd gleichnuß Gottes / das wir kinder Gottes seyend / nachred aber vnnd schmächwort machend vnns auß kinderen Gottes zuo kinderen deß Teüffels. Vnd wiewol wir alle ein groß abscheühen habend ab dem nammen Teüffel / noch wenn du dein nechsten schmächst vnd lesterist mit nachred / so bist du eben das / das du scheüchst. Dann der Teüffel hat sein nammen von der nachred / das er diabolus das ist Teüffel heißt / welchs nichts anders ist dann ein lesterer / hinderreder [-] vnd falscher nachreder. So stat auch in weysen sprüchen Salomons / das Gott die lesterer vnd hinderreder haße. Jtem wir läsend weyter Prou. xxiiij.[Prou.23] Der vermässen fräuel deß toren ist sünd / vnd der lesterer ist ein grüwel der menschen. Dann wie auch Salomon zeüget / so ist ein guoter namm vnd lümbd [-] ein kostlicher schatz. Darumb wenn deß menschen guoter lümbd [-] durch nachred vnd lesterwortCXXXVIv. / 136b
zegrund gat / so gat sein bestes zegrund / das deßhalb ein sölcher lesterer wirß [schwerer] also zereden sündet / dann ein dieb / Es sey dann das yemand die stinckenden reichthumb lieber habe / dann ein ehrlichen lümbden [-] vnnd nammen. Deßhalb es zuo verwunderen dz man auff den hüttigen tag den dieben die am diebstal ergriffen werdend nit verschonet / vnnd aber sölichen lesterern vnd hinderredern wenig oder gar nichts thuot. Gott wöll das die Oberkeyten ernstlicher einsehens thüegind / vnd alle übel / insonders aber sölliche schwäre laster straffind mit jren billichen vnd wol wirdigen straaffen. Gott erforderet ye das von vnnser yedem / das wir vnserem nechsten / zuo erhaltung der waarheyt / auch zuo schirm vnd rettung seiner ehren vnd guots / so vil vns müglich treülichen beholffen vnd beraten sygind.
Ich halt auch / das schmöuchlerey [schmeichlerey] in disem gebott verbotten sey / welche / wie man gemeynlich sagt / narren gar vnsinnig / vnd insanos gar insanabiles das ist vnsinnige also machet das jhnen nitt mer zehälffen ist. Darumb spricht Salomon / Der schmöuchler [schmeichler] sey wärt / das er von yederman verflüecht werde. Der zum schalck sagt / spricht er / du bist fromm / dem wirt das volck fluochen / vnnd die gemeynd wirt jm feyend sein. Jtem an einem anderen ort / Die wort der ohrenblaseren sind wie deren die sich verdeckend / aber sie tringend biß inn das jnner hinein. So er mit seiner red früntlich ist / so vertrüwe jm nit / dann siben schalckheyten schlecht er an in seinem hertzen. Darumb wirt auch recht geredt im Prediger Salomons / Besser ists eines weisen straaff vnd beschältung hören / dann das lied deß toren / das ist deß schmöuchlers. Da aber zuo verwunderen / das dieweil schmöuchlerey so ein grosses laster ist / das sie dennocht gar nach von yederman also geliebet wirt. / dermaß das die plag auch die Cantzlen vnd predigstüel / Jtem die höf der Künigen vnd Fürsten / die Rahtheüser vnd besonderer personen heüser erfüllt hat vnd besitzt. *Dann dise Syren kan ein lied dz vnserem fleisch mächtig anmüetig ist.* [*-*] Dann wir sind so narrecht das wir vns selb treffenlich lieb habend / vnnd denckend nit das vns das liebkosen zuo einem bitteren end reicht. Sölche schmöuchlende leerer beschiltet Ezechiel gar häfftig vnnd spricht / Wee denen / die zum volck sagend frid frid / so doch kein frid ist / die böse mauren dünckend [tünchen] mit vntüchtigem [losem] kalch / vnnd küsse vnder alle achßlen stäppend [vnderlegen] / vnd hauptpfulwen [hauptpfüelben] vnder alle schulteren / die seelen zefahen. Von söllichen leerern / deßgleich von denen die sölche schmöuchlerey vnd luginen mer liebend dann die waarheit vnd dapfferkeit / redt auch der heilig Apostel Paulus vnd spricht / Es wirt ein zeit sein / das sie die heylsammen leer nitt werdend dulden / sonder nach jren eignen lüsten werdend sie jnen selbs leerer auffladen / die jnen die oren juckind / vnd werdend die oren von der waarheyt wenden / vnd sich zuo den fablen keeren. Vor diser plag bittet Dauid den Herren das er jn behüeten wölle / als die allen Künigen / Fürsten vnnd fürgesetzten über die maß schädlich ist / da er spricht / Straaffe mich der gerecht / so wil ichs für ein fründtschafft haben / Er beschälte mich / so wil ich mir lassen sein als hette er öl auff mein haupt gossen. Jtem / O Herr erlöß mein seel von den lugenhafften läfftzen / vnd von der falschen zungen. Das sey nun also geredt von dem neündten gebott deß Herren.
Auff das volget das Zehend gebott / das von wort zuo wort also lautet. Du solt nit begären das hauß deines nächsten / Du solt nit begären deines nächsten weibs / noch seines Knechts / noch seiner Magt / noch seines Ochsens / noch seines Esels / noch alles deß das deines nächsten ist. Welche wort Deut. v. also vnd mit der ordnung erzellt werdend / Du solt nit begären deines nächsten weyb / du solt nit begären deines nächsten hauß / acker / knächt / magt / ochsen / esel / noch ützit [etwas] das deines nächsten ist. Welche wort anCXXXVII. / 137a
jnen selb nicht wider ein anderen sind / ob wol im Exodo deß nechsten hauß / Jm Deuteronomio aber deß nechsten weyb zum ersten gesetzt wirt. Vnd dienet aber sölichs wider die / die diß letst gebott in zwey theilend / so es doch nun eins ist / vnd nit sol theilt werden / welches man etlicher maß auß dem sicht das die ordnung der worten an denen beden orten also veränderet ist.
Es wirt aber in disem gebott vor allen dingen verbotten die begird / ja die böß begird. Dann das wörtli begären ist ein mittelwort vnd mag auff das guot vnd das böß gezogen werden. Dann Dauid zeüget / das er ein begird habe zuo Gott vnd seinem gesatzt. Jch hab ein begird spricht er an deinem heil / vnd dein gsatzt ist mein erlustigung Psal. cxix. Darumb muoß man wol vnderscheiden zwüschend der begird vnd anfächtung die guot vnd wol von Gott erschaffen / vnd zwüschend deren die vns anerboren / welche ein wurtzel ist alles übels / an vns gewachsen von vnseren ersten elteren. Jn Adamen was auch vor dem fal begird mit wollust / aber dieselb was nit böß. Jn hungert nicht mit schmertzen / (welchs ein straff der sünden ist /) sonder er aß mit begirlichem wollust. So belustiget jhn auch die schöne deß Paradyses. Er hatt auch liebe vnnd begird gegen dem weyb / das jhm Gott zuogefüert hatt / doch heilige begird / vnnd dise on sündliche begird kam auch von Gott dem schöpfer här. Also sind auch noch auff den heütigen tag inn den menschen natürliche anfächtungen vnnd begirden / als zuo ässen / zuo trincken / zuo schlaffen / vnnd andere dergleichen / die zuo erhaltung vnnd fürderung deß menschens dienend / welche für sich selb vnder die sünden nicht zellt werdend / anders dann [es sey denn] / so verr sie durch die anerboren erbsucht verböseret / inn jhren ordenlichen zilen nicht bleibend. So vil aber disen gegenwertigen handel belanget / so wirdt hie die begird genommen / für die böß / oder böser dingen begird. Dise ist auß Adamen inn vns alle gegossen / vnnd ist ein frucht vnser verderbten natur / vnnd ein geburt der erbsünd. Die hatt jhren sitz in dem hertzen deß menschen / vnd ist ein brunn vnd vrsprung aller üblen vnd lasteren / die im menschen sind vnnd entspringend. Dann der Herr sagt heiter im Euangelio / Matth. xv.[17] Was zum mund yngat / das gat in den bauch / vnd wirt durch den natürlichen gang außgeworffen / was aber zum mund heruß gat / das kumpt vß dem hertzen / vnd das vnreiniget den menschen / dann vß dem hertzen kömmend böse gedancken / mord / Ehbruch / huory / diebery / falsche zeügnuß / lesterung. Das sind die stuck die den menschen verunreinigend. Deßgleichen spricht auch der Apostel Jacobus nit minders heiter / Niemands sage wenn er versuocht wirt / das er von Gott versuocht werde / dann ein jeglicher wirdt versuocht / wenn er vonn seinem eignen lust abgezogen vnnd verleckeret wirt / darnach wenn der lust empfangen hatt / gebirt er die sünd / die sünd aber / wenn sie vollendet ist / gebirt sie den tod. Darumb so ist begird ein bewegnuß vnd anfechtung deß gemüets / die inn vns auß angeborner verböserung erbrünnt wider Gott vnnd sein Gesatzt / vnnd vns reitzt zum bösen / ob schon gleich die verwilligung deß gemüets / vnnd das werck selb nicht volget vnnd darzuo kumpt. Dann wenn dasselb zuo der begird kumpt / so wirdt die sünd nach jhren graden vnnd jhrem zuonemmen dest grösser. Dann in der sünd müessend wir zum ersten bedencken / wie die bildtnuß vnnd art Gottes inn vns verblichen vnnd verderpt / vnnd wie vns der prästen anerboren / vnd die sucht oder böß anfechtung in vnseren glideren verborgen ligt. Demnach müessend wir auch bedencken / wie die begird zuo nemmen an dem so wir ein wollust vnd wolgefallen dran habend. Auß welchem denn auch volget das bewilligen darin / vnnd das berathschlagen wie wir die sünd begon wöllind / welches rathschlagen auch offt ins werck vnd in die that außbricht / vnnd wirt die that auch grösser vnnd böser / je nach dem die vmbstend sind die darzuo kömmend.
CXXXVIIv. / 137b
die ding alle aber sind sünd / vnd vnder die sünd zuo zellen. Wiewol darzwüschend eins schwärer dann das ander / von welchem wir aber etwas wytlöuffiger (wils Gott) reden wöllend / wenn wir nun kömmend an die tractation von der sünd [von der sünd handlen werden]. Darumb so ist nun die böß vnrechtfertig begird vnnd anfechtung / die auß der anerbornen verderbung entspringt / vnnd inn vnser natur verborgen ligt / vnnd sich aber inn vnserem hertzen herfür thuot / wider die reinigkeyt der Maiestet vnd deß gesatzts Gottes / äben die sünd / die in disem gegenwertigen gebott verbotten vnnd verdampt wirt. Dann wiewol ettlich sind / die dise bewegungen / prästen / mängel vnnd anfechtungen deß gemüets nicht für sünd haltend / so verdampt sie doch Gott offentlich / mit dem das er sie inn disem gegenwertigen gebott verbeütet. So aber jemand an diser vnser außlegung zweyffel trüege / der höre was der heilig Apostel Paulus hieuon sagt / der spricht / die sünd erkannt ich nit / dann allein durch das gesatzt / dann ich wußt nichts von dem lust / wo das gesatzt nicht hette gesagt / laß dich nicht gelusten. Vnd / on das gesatzt was die sünd tod / vnnd ich läbt etwan on gesatzt / do aber das gebott kam / ward die sünd wider läbendig / ich aber starb. Jtem die anfechtung deß fleisches oder fleischlich gesinnet sein ist der tod / vnnd geistlich gesinnet sein / ist läben vnd frid / dann die anfechtung deß fleischs / ist ein feyendschafft wider Gott / dann das fleisch ist dem gesatz Gottes nicht vnderthon / dann es vermags auch nicht / die aber fleischlich gesinnet sind / die mögend Gott nicht gefallen. Darumb so verdampt vns die anfechtung der begird / Oder / wir werdend billich auß gerechtem vrtheil Gottes von wegen der bösen begird die in vns ligt / vnd sich all stund vnd augenblick eröugt [erregt] vnnd herfür thuot / verdampt. Darnebend sind wol auch vil fantaseyen vnd gedancken inn den gemüeteren der menschen / welche aber dieweil sie weder Gott noch den nechsten verletzend / auch mit keiner vnreinigkeit vnd eignen liebe befleckt sind / so sind sie nit vnder die sünd zuo zellen / wie gleich von anfang geredt ist.
Also hatt nun Gott bißhär in seinem gesatzt die gröberen sünden die von den menschen wider jn gschehend verbotten / zum end aber kumpt er in disem gebott auch auff die begird vnnd die verderpt natur deß menschens / die ein brunnen ist aller üblen. Den verstopfft er jetzund auch / oder / das ich eigentlicher daruon rede / so stelt er die schwachheit deß menschlichen geschlächts aller mencklichen [jederman] für augen. Dann wär ist der / der nie begärt? ja wär ist der / der nicht all augenblick der anfechtungen der begird empfinde? wär ist / der nicht in dem [natürlichen] spital siech ligge / vnnd an dem allen menschen anerbornen übel vnnd prästen kranck seye? Vnd so wir deßhalb also inn sünden von dem Herren ergriffen werdend / so habend wir nichts damit wir vnser schuld verträchind [beschönen] / oder dem vrtheil deß richters der alles fleisch verdampt entrünnind. Dann es verdampt je der grechte Gott heiter vnd außtrucklich die anerboren corruption / verböserung vnd böse neigung / die da ein stäte abtrünnige ist von Gott / vnnd ein kampff wider die frommkeit vnd volkommenheit / die Gott von vns erforderet / Dann sälig werdend genennt die eins reinen hertzens sind dann sie werdind Gott sehen. Darumb so volget das welcher hertz mit begirden verwicklet / vergifft vnd befleckt ist / das die Gott nicht werdind sehen. Also sind wir aber alle / die wir Adams kinder gezellt werdend. Darumb so überwindet vnd bezeüget vns alle diß letst gebott der sünden / der schwachheit / oder verböserung deß gantzen menschlichen geschlächts / vnd deßhalb auch der verdamnus die darauff volget. Demnach so erforderet auch Gott in seinem gesatzt nicht allein deß leybs eussere reinigkeit vnd heilikeit / sonder auch deß gemüets deß geists vnnd aller anfechtungen / vnd gebeütet vns / das alles das wir gedenckend / rathschlagendCXXXVIII. / 138a
vnderstond vnd zuohanden nemmend / zuo guotem vnnd nutz vnsers nechsten gerichtet seye. Darumb so mag dises gebott auff alle andere vorgende gezogen werden / dann es spricht auch der Herr Jesus / als er diß gebott außlegt / du solt nicht töden / welcher zürnt über seinen bruoder / der ist deß gerichts schuldig usw. Wie wir das habend Matthei am fünfften. Jtem am selbigen ort auch / da er das gebott außlegt / Du solt nicht Eebrechen / da setzt er hinzuo / wär eines anderen weyb ansicht / jren zuo begären / der hatt den Ehbruch jetzund mit jren begangen in seinem hertzen.
Es erzellt auch Gott hie gar fleißig die ding deren wir begärend / vnnd an denen wir vns gemeinlich mit begären versündigend. Vnnd setzt güeter deßgleich auch personen. Der güeteren sind etliche ligende / etliche farende / wie wir auff Eidtgnößisch daruon redend. Liggende güeter sind / heüser / höff / äcker / weingärten / wäld / matten [wiesen] / weiden / weyer vnd was dergleichen. Farende sind / gält / vich / eer vnd ämpter usw. Vnder die personen / werdend zellt / weyb / kind / knecht / mägd. Söliche vnd dergleichen ding die in vnsers nechsten gewalt vnd besitzung sind / sol niemand zuo nachteil seines nechsten begären. Vnnd ob er jren schon begärte / sol er doch der begird nicht willfaren / oder wollust ob der selben empfahen / damit er nicht auch anfahe nachzuotrachten / wie er die begärten ding überkommen wölle / vnd sein fürgenommnen rathschlag ins werck bringe / vnnd dem nechsten deßhalb das sein / es seyend güeter oder personen / entnemme. Dann söliche gerechtigkeit erforderet Gott von seinen dieneren / die von hertzen vnd auß guotem geneigten willen / nicht nun vonn eüsserer that / gantz vnd volkommen seye. Darumb spricht auch der Herr im Euangelio. Es seye dann das ewer gerechtigkeit übertreffe die gerechtigkeit der Phariseer vnd gschrifftgelerten / so werdend jhr nicht mögen yngon inn das reych Gottes. Wie aber die gebott Gottes erfüllt werdind / vnd das der glaub die volkommen gerechtigkeit seye / das wil ich etwan in einer anderen predig erleüteren / vnnd hab zum theil auch schon etwas daruon geredt inn der predig da oben / die ich thon vom waren glauben. Also hab ich nun in zwölff predgenen euwer lieb außgelegt vnd zuo verston gäben die zehen stuck deß gesatzts der sitten / in welchem (wie ich doben gesagt) vns fürgestelt werdend rechte formen warer tugenden / vnd wie wir vnser läben sitten vnnd bärden [geberden] nach dem willen Gottes anrichten söllind. Welchen handel allen er der Herr selb in zwo tafelen vnderscheiden hatt / da er in der ersten anzeigt / was wir menschen Gott schuldig seyend / vnnd wie wir jhn recht vereerind. Jn der anderen aber hatt er durch sechs gebott anzeigt / was ein jeder seinem nechsten schuldig seye / vnd wie wir alle recht / wol / fridsamm / rüewig vnd freündtlich läben mögind. Vnd heißt vns darinn die elteren in eeren haben / vnd alle die so vns von Gott an statt der elteren fürgestellt vnnd verordnet sind. Dargegen verbeütet er todschlag / vnd alle vnbill so dem menschen an leyb oder an läben mag zuogefüegt werden. Er verbeütet auch huory / Ehbruch vnnd schantliche geilheit / preyßt dargegen die Ehe / reinigkeit vnnd mäßikeit deß läbens. Jtem er verbeütet diebstal / bschiß [-] vnd trug / Jtem vnwarheit / falsche kuntschafft / vnnd böse schädliche begirden. Vnnd heißt vns von hertzen vnsere nechsten lieben / vnd jhnen zuo allen zeyten guots thuon. So vil hieuon. Dem allein wysen vnserem Herren vnd gsatzgäber Gott seye lob vnd danck in ewigkeit Amen. CXXXVIIIv. / 138b25.Pr.Die Fünff vnd zwentzigste Predig
Von den ceremonialischen gsatzten Gottes / besonders aber vom Priesterthum / vnd dem ort vnd zeyt zuo den ceremonien bestimpt.
JM auftheilen [außtheilen] der gesatzten Gottes habend wir zuo nechst nach dem gesatzt der sitten gesetzt das ceremonialisch gesatzt. Deßhalb nach dem wir nun das Moralisch das ist das gsatzt der sitten einander nach erleüteret / so wirt nun zuo reden sein mit Gottes hilff vom gesatzt der ceremonien vnd kirchenbreüchen. *Vnnd damit ich das auch an eim fürgang anzeige / so schreibend etlich ceremonie / etliche aber cerimonie / vnd ist man deß wörtlins halb nit einer meinung. Dann es ist einer der nach der meinung Seruij Sulpitij vermeint / die ceremonie seyend genennt à carendo. Festus aber spricht / Etliche haltend das die ceremonien von der statt Cære den nammen här habind. Dann Liuius erzellt im fünfften buoch / das der Römeren heilthumb im Gallischen krieg / als die Galli Rom überfielend vnd innhattend / von denen von Cære seye erhalten worden / vnnd dahär gleiche es / das man zuo gedechtnuß diser guothat / allen gottsdienst / vnnd alle heiligen breüch ceremonien genennt habe. Wohär aber joch das wörtli jmmer kömme / so bruchend wirs jetz inn disem gegenwertigen handel / für ein heilige üebung vnd kirchenbruch.*[*bis*: -]
Es sind aber die ceremonien heilige breüch / die der kirchen verordnete personen / ort / zyt / vnd Gottsdienst betreffend / welche die gesatzt so man ceremonialisch nennt / eigentlich beschreibend vnd zuo verston gebend / vnd leerend wie man sie recht bruchen vnd üeben sölle. Vnd sind deßhalben ceremonien die breüch vnd üebungen / die in den gesatzten fürgeschriben werdend / die man ceremonialisch nennt. Nun werdend aber ceremonien auffgesetzt eintweders von Gott oder von menschen. Gott hat etliche auffgesetzt im alten Testament vnder dem alten volck / etliche aber vnder dem volck deß newen Testaments zur zeyt der ersten zuo kunfft Christi. Von den ceremonien deß neüwen Testaments wöllend wir reden / wenn wir kommend auff die tractation von der kirchen vnd den Sacramenten der kirchen [von ... reden wollen]. Auff diß mal wöllend wir allein reden vonn den ceremonien deß alten volcks vnd Testaments. Die sind nun / ordnungen vnd üebungen heiliger breüchen / so dem volck Jsraels von Gott selb angeben / biß auff die zeyt der verbesserung / anzuobilden vnd zuo verdecken die geheimnußen Gottes / auch Gott zuo dienen / vnd das volck Gottes in rechter religion / vnnd gemeynschafft eines geistlichen leibs zuoerhalten. Die menschen habend auch vil vnnd mengerley ceremonien angerichtet / als wie bey den Heiden thon habend die Archiflamines / pfaffen vnd götzendiener / etwan auch die Künig vnd Fürsten. Bey den Hebreern verändert Jeroboam der Künig Jsraels zuo grossem schaden vnd verderben sein vnnd seines hauses die ceremonien Gottes / in menschliche vnnd vngöttliche ceremonien. Zuo diser vnser letsten zeyt ist kein end noch maß der ceremonien so von menschen erdacht vnd auffgesetzt sind / welches vil gelerter leüthen je vnnd je klagt habend vnnd noch klagend. Augustinus beklagt sich deß zuo seiner zeit / das der ceremonien in der kirchen treffenlich vil worden. Was meinst wurde er auff den heütigen tag sagen / sölte er jetz wider läben? / von dem aber ein andermal wirt geredt werden. Dieweil aber das wörtli ceremoni / vonn allen auch Heidischen breüchen genommen wirt / darumb habend wir in erstgemelter beschreibung der ceremonien heiter außgetruckt / das wir nit von allen ceremonien hie redind / sonder allein von denen / die von Gott dem volck Jsraels durch Mosen angeben sind /CXXXIX. / 139a
ja durch den dienst Mosis / vnd nit auß Mosis sonder auß Gottes ordnung vnd gefallen. Wie wir dann läsend dz zuo Mose geredt ist worden / Luog dz du es alles machest nach dem vorbild / das dir auff dem berg ist gezeiget worden. Darumb so referierend sich [sehen] vnsere Ceremonien jres ersten vrsprungs halb vff Gott selb den waren vrheber. Vnd von deß wegen habend sie auch Gott gfallen / dz sie vß Gott gewesen / vnd mit glauben habend mögen geüebt werden. Vnd werdend dargegen die Ceremonien im dienst Gottes verdampt / die von menschen erfunden vnd vffgsetzt sind. Deß wir ein heiter ort habend Deut. xij.[31]. So stat auch im vierten buoch der küngen am xvij. cap.[8] von Juda / vnd sie wandletend nach den sitten / dz ist Ceremonien vnd breüchen Jsraels / die sie gmacht hattend. Es ist auch einem yeden kuntbar wie es dem Jeroboam vnd seinem gantzen hauß ergangen / deßgleich auch alle küngen Jsraels / die da wandletend in den wägen Jeroboams. Also sind nun dise vnsere Ceremonien / dz ist die / von denen wir jetzund handlend / nit vsserlicher / sonder heiliger dingen üebungen vnd brüch / die den gottsdienst antreffend / die von Gott selb eingsetzt / vnd vom volck gottes geüebt vnd brucht wurdend. Vnd dise sind zwar nit allen völckern befolhen worden / sonder allein dem volck Jsraels / vnd dz biß vff die zeit der verbesserung / wie der h. Apostel Paulus sagt / dz sie den Juden biß vff die zeit dz Meßias gleistet wurde / vff dem halß legind / dannenthin aber wurdend sie verschwinden abthon vnd vfghept. Von deß wegen nennt auch der Apostel Paulus dz gsatzt ein pedagogiam vnd zuchtmeister vff Christum. Nun müessend wir aber auch dz end bedencken / darumb die ceremonien yngsetzt. So dientend sie nun fürnemlich zuo der leer deß glaubens vnd der waren gottsäligkeit / dann sie warend der ersten tafel der gebotten gottes zuogethon / als behilff vnd stütze / dann sie lartend den vsseren gottsdienst / den die glöubigen dem waaren Gott schuldig warend / damit sie dadurch abzogen wurdind nitt nur von frömbden götten / sonder auch von frömbden gottsdiensten / deren die Jsraeliter mer dann zuovil in Egypten gewonet hattend / auff dz sie also kein anlaß nur hettind frömbden gottsdienst anzuonemmen / sittenmal sie selb mit so vil brüchen vnd gottsdiensten verstrickt warend. Vnd dise vrsach der gegebnen Ceremonien erzellt Moses selb Deut. xij. Deßhalben werden auch die Ceremonien / vnd die üebung der Ceremonien in dem gsatzt Gotts / gotts dienst genennt. Dann mit denen hat Gott wöllen verehret werden. Vnd ward auch das volck Gottes damit inn waarem gottsdienst / inn waarer religion / vnd gemeinschafft eines geistlichen leibs erhalten. Dann es wirt die kirch vnd gmeynd durch nüwe vnd frömbde Ceremonien zerstört vnd zertrennt / wie wir heiter sehend in den handlungen Salomons vnd Jeroboams. So spricht auch der h. Apostel Paulus / Welche die opffer ässend sind die nit in der gmeynsamme deß altars? vnd deßhalb der gantzen religion? Zuo dem so sind in denen Ceremonien die fürnempsten gheimnussen Christi vnd der kirchen bedeckt vnd verborgen gwesen / dann sie sind Sacrament gewesen deß Jüdischen volcks / mit welchem jm Gott dz volck steiff hat wöllen verpflichten / jnen auch damit seine guothaten in gedächtnuß füeren / vnd jre gottsforcht vnd gehorsamme ja jren glauben damit üeben. Vnd dieweil Gott in jnen vor allen dingen den glauben vnd gehorsamme erforderet / so habend jm dise Ceremonien nie gefallen / so offt das volck die geheymnussen nit verstuond / vnd on glauben was / vnd allein also den blossen ausseren Gottsdienst üebet. Dann im Propheten Jeremia spricht der Herr / Hauffend üwere brandopffer mit sampt den schlachtopfferen / vnd essends fleisch / Jch aber hab mit eüweren vätteren / do ich sie auß Egypten gefüert hab / der brandopfferen vnd schlachtopfferen halb kein wort nie geredt / ich geschweig dann das ichs jnen gebotten hette / sonder dz hab ich jnen mit vßgetruckten worten empfolhen vnd gebotten / Losend vnd sind gehorsamm meiner stimm / so wil ich eüwer Gott sein / vnd jr söllend mein volck sein. Dergleichen läsend wir aber an andern orten / dz die opffer / vnd der dienst vom volck geüebt vnd brucht / Gott
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gar wol gefallen vnd eines süessen geruchs vor jm gewesen. Wohar kumpt nun die vngleicheit? Nienderthar anders [Nirgend anders her] / dann auß der vngleicheit der gemüeteren deren / die Gott damit dientend vnd verehrtend? dann die opffer habend jm gefallen / vnd der dienst / der auß einfaltem glauben vnd gehorsamme beschähen / dargegen hat jm mißfallen / wz vssenfür [eusserlich] allein on glauben vnd rechte gehorsamme / beschach. Wie dann auch Cain auff dise weiß gesündet hat. Also hat Gott nit gheissen opfferen. Herwiderumb hat er gheissen opfferen / vnd Gott ehren / ja mit rechtem warem glauben in den künfftigen Meßiam. Vnd hat darumb den ausseren gottsdienst befolhen vnd eingesetzt / nit das sie durch das ausser werck gerächtigkeyt hofftind / sonder durch den / der durch alle Ceremonien vorbildet ward / welcher ist Christus / der dz end vnd das läben ist aller Ceremonien / die im gsatzt gebotten sind.
Wir wöllend aber die Ceremonien ein ander nach besähen vnnd erwegen / wiewol nit alle vnd yede / sonder allein die fürnempsten. Da sol aber niemand meynen das dises ein vergebne vnnötige arbeyt sey / dann sölliche betrachtung wirt gar wol dienen zuo rechtem verstand der auffhebung deß gesatztes. Darzuo so hat alles das / so von Gott in der heiligen gschrifft angeben vnd befolhen / sein gwüsse vnd heitere nutzbarkeyt / darzuo auch sein göttlichs ansehen / das deßhalb die narren sind vnnd gottlose / oder das ich bescheidner daruon rede / aller guoten dingen vnwüssende vnd fräfne leüt / die ein verdruß habend ab den Ceremonien die von Gott angäben / vnnd an bescheidner Christenlicher außlegung der selben. Wie man vil findt / die es für gar hoch vnd nutzlich hieltind den Homerum oder Virgilium allegorisch / das ist in geistlichem verstand außleggen / allein dunckt die narren / es sey in Gottes Ceremonien kein nutzbarkeit noch weißheit verborgen. So doch in der waarheit in der wält (so vil die gattung betrifft) nichts nutzlichers / lieblichers / schöners / fürträffenlichers / vnd hochverständigers ist / dann dise heilige Ceremonien. Dann in denen werdend die geheimnussen Christi von der allgemeynen Catholischen kirchen beschriben / vnd das selbig gantz heiter / schön / vnd fürträffenlich. Jn erzellung vnd erklärung aber der selben wil ich fürnemlich der natürlichen ordnung nachgon. Es gehörend die Ceremonien zum dienst Gotts der in der kirchen brucht wirt. Nun ist aber von nöten dz gwüsse personen in der kirchen verordnet sygind / die offentliche diener vnd verwalter der Ceremonien sygind / vnd die selben in der kirchen nach der einsatzung deß Herren üebind vnd brauchind. Es ist auch von nöten / dz ein gwüß ort vnd zeit darzuo bestimpt sey da sie geüebt werdind. So müessend demnach auch die ceremonien an jnen selb jr gwüßne form zal vnd bestimmung haben / damit die so Gott ehren wöllend / wüßind wie sie jm thuon söllind. Da wöllend wir nun zum ersten ein wenig reden von den personen / so hiezuo bestimpt / namlich von den priesteren vnd Leuiten: Vnd weisen mit hinzuo in dem allen den zuohörer vff die Bibel / die zuo läsen / darinnen dann alle dise beschreibungen volkomner vnd überflüßiger außtruckt vnd begriffen werdend. So streckt sich nun der anfang vnd vrsprung deß priesterthumbs bey dem alten volck / biß vff der wält anfang hinauß / dann es wirt von etlichen anzeigt / dz in einem yeden gsind oder geschlecht die erstgebornen allweg sygind priester gwesen. Dann ye / als die erstgebornen der Egyptern erschlagen wurdend / da eignet vnd heiliget jm der Herr die erstgebornen der Jsraeliten. Vnd habend auch je vnd je die erstgebornen / auch in wältlichen rächten / grossen fürderling vnd vorzug gehept. Der erstgeboren hat allweg dz regiment in dem hauß ehr vnder seine brüederen ghept. Der erstgeborn bsaß die erbschafft / die andern wurdend vßgstürt. Der erstgeboren fürtraff auch von wegen der wirde deß priesterthumbs. Darumb was es nit vmb ein kleins zethuon / sonder umb das aller gröst / do Cain vnd Abel von wegen der erstgeburt mit ein ander zancktend. Vnd da Lucas mäldet / das die heilig jungkfrauw vnd muoterCXL. / 140a
Christi / jren erstgebornen sun geboren habe / da sol niemand gedencken / das sie auch andere hernach geboren habe / vnnd deßhalb ein muoter viler kinden gewesen sey / sonder mit dem wörtlin erstgeboren / wirt die herrliche vnnd fürträffenliche vnsers Herren Jesu Christi außtruckt vnd zuo verston geben. Dann jm gehört das Reich / das Priesterthumb / vnd die erbschafft. Vnd auß dessen milten [miltigkeit] gnad vnnd freygäbe werdend wir theylhafft / das wir auch sygind / Künig / priester / vnd erben deß ewigen läbens / vnd aller himmlischen güeteren. Damit wir aber wider vff vnser fürnemmen kommind / so gehort dz Priesterthumb nach dem rechten der erstgeburt / dem Ruben zuo vnnder dem volck Jsraels. Er verlor aber sein rächt / durch das groß laster / vnd die bluotschand die er begieng. Deß kam an sein statt Leui / der verlor aber auch die wirde / von wegen das er wider ehr vnd glauben die Sichemiter erwurgt / vnd dz Sacrament der beschneidung in jnen entheiliget. Dieweil sich aber diser stamm hernach ehrlich hielt / nit nur im außfüeren deß volcks Jsraels auß Egypten / sonder auch im straaffen der abgöttischen / die das kalb verehret hattend / so hat er die wirde deß Priesterthums wider zuo belonung seiner tugend vnnd redliche empfangen. Vnd sind also die Leuiten widerumb an die statt der erstgebornen deß gantzen samen Jsraels gesetzt worden. Dann also läsend wir Exo. xxxij.[29] Wyhend eüwere händ dem Herren / ein yeder an seinem sun vnd brüeder / dz hüt über eüch die benedyung gegeben werde. Vnd weiter / Sihe ich hab die Leuiten genommen vnder den kindern Jsraels für alle ersten geburt / die die gebärmuoter brächend vnder den kinderen Jsraels / also dz die Leuiten söllend mein sein. Dann alle erste geburt ist mein / von dem tag an / das ich alle erste geburt schluog in Egypten land / do heiliget ich mir alle erste geburt in Jsrael usw. Auß welchem offenbar ist / das der stamm Leui zum Priesterthumb geeignet ist vnder der gmeynd Jsraels. Vnd dises ampt / diser dienst / vnd dise wirde / ist auch nach der auffruor Chore Dathans vnnd Abyrams disem stammen sonderlich bestätiget worden / durch das wunderzeichen das Gott thet an dem stab Aarons / der allein vnder den einliff [eilff] stäcken grüenet / zur zeügknuß das Gott das einig Leuitisch geschlächt zum Priesterthumb verordnet hette. Darumb ward auch der selb stäcken inn die Pundtsladen im Tabernackel gehalten / auff das fürohin die anderen stämmen oder gschlecht nimmermer das Priesterthumb anfächtind. Welches alles weitlöuffiger Num. am xvj. vnd xvij. cap. erzellt wirt.
Vnder den Leuiten was aber auch ein gwüsse ordnung / vnd außteylung der ampts verwaltung. Dann sie wurdend getheylt inn drü geschlächt / namlich in die Rahatiter / Gersoniter / vnd Merariter / vnd dise wurdend auch widerumb abteylt in vier ordnungen. Dann zum ersten wurdend auß dem geschlächt der Rahatiter erwöllet die fürgesetzten vnd Obersten / die den anderen fürgesetzt warend. Die übrigen aber der Rahatiter / deßgleichen die zwey anderen geschlecht der Gersoniteren vnd Merariteren / warend disen fürgesetzten vnderthänig vnnd gehorsam. Aaron aber der Oberst Priester was über alle / mitt sampt dem Jthamar vnd Eleasar seinen sünen. Dann also läsend wir Num. am dritten cap.[38] Vnd du solt die Leuiten Aaroni vnd seinen sünen geben / dann sie sind ergebne auß den kindern Jsraels. Aaron aber vnd seine sün solt du setzen / das sie jrs Priesterthums wartind. Wo ein anderer sich herzuo thuot zuo dienen / der sol stärben. Jn welchem Aaron ein vorbild truog / deß waaren Künigs vnnd einigen Obersten Priesters Jesu Christi / dem alle Christen vnderthänig vnd vnderworffen sind / deren haupt vnd oberster priester er inn himmlen ist. Zuo wüssen ist aber auch das nit alle Leuiten dem Tabernackel gedienet / deßgleich auch nit alle allenthalben durch das gantz land Jsraels geleert habend: Dann es hat seine gwüsse satzungen vnnd ordnungen / welche man auß den Leuitern zum kirchen dienst solt berüeffen vnd brauchen oder nicht / vnder welchenCXLv. / 140b
satzungen die fürnempsten verzeichnet werdend Leuit. xxj. vnd xxij. Numeri am viij. capitel wirt auch verzeichnet / dz alter darinnen sie dienen söllind / namlich vom fünff vnd zwentzigsten jar an biß auff das fünfftzigest. Welche dann zum dienst berüefft vnd erwölt warend / die wurdend auch consecriert [-] vnd eingeweihet. Welcher brauch deß einweihens vil begreifft / vnd lenger ist / dann yetz in kürtze dauon möge geredt werden. Mit dem einweihen aber ward bedeütet / das welche der kirchen in priesterlichem ampt dienen söltind / das die müeßtind mit vilen gaben geziert sein / vnd ein heiligen wandel füeren. Dahin dann besonders die priesterlich salbung dienet / die ein anbildung was deß heiligen geists / da ein yeder diener / der den nit hat / sein ampt zuo seinem eignen verderben brucht. Dise priesterliche weihung aber wirt von Mose beschriben Exo. xxix. Leuit. viij. vnd Num. am viij. cap. An disem ort muoß ich auch erzellen die priesterlichen zierden vnd bekleidungen. Es brauchtend die priester aussert dem ampt vnnd dienst gemeyne burgerliche bekleydung / wie wir auß dem Ezechiel abnemmen mögend. So sie aber deß diensts vnd ampts pflegtend / so brauchtend sie besondere vnd Ceremonialische kleydung. Die beschreibt vns Moses nach der lenge Exo. am xxviij. vnd xxxix. Capitel.
Diser bekleidungen werdend aber nünerley erzellt. Wiewol etliche nun achterley zellend. Josephus zellt zechnerley [zehenerley] / Zum ersten wuoschend sich die priester vor allen dingen mit sauberem wasser / so sie deß diensts pflegen woltend / vnnd legtend dannenthin erst die geweichten [geweiheten] kleider an. Vnder denen warend etliche / die vom obersten priester vnd anderen priesteren gmeynlich braucht wurdend. Als zum ersten / hattend sie leinin brüech [niderkleid] die oben umb die lendinen oder huffen [hüeffte] zuosammen gestrickt wurdend / vnd herab giengend biß auff die knüw / mit denen die scham bedeckt ward / nit vngleich den gesäßen an hosen / wie die bey vns breüchig / damit so sie die opffer schlachtetind / etwas zugind oder trüegind / vnd darmit fielind / sie sich nit vnzimlich entploßtind. Darnach über die leininen gsäß zugend sie denn an ein engen rock / von zwifacher leinwat / welchen auch Josephus von leinwat sein nennt. Der stuond dem leib glat an / hat keine fält / vnd gieng biß auff die schänckel herab. Wie die kriegßlüt vorzyten söliche hembder hattend / die jnen also glatt angestrickt warend / damit sie grüst wärind zelauffen / oder zekämpfen. Also bruchtend auch die priester sölliche röck / damit sie wol bedeckt / vnd nichts dest minder ferig jr ampt köntind verbringen. Zum dritten hattend sie ein gürtel oder gurt / mit dem sie den rock hinzuogurtend / der wz gestickt von gezwirnter weisser leinwat / blawer seiden / scharlachen vnd rosin rot vnder einander / dz es sach wie ein schlangen hut / vnd hanget herab biß vff die bein. Wenn sie aber deß diensts pflegtend / schwungend sie jnn hindersich auff die lincke achsel. Dz viert stuck der bekleidung / wz ein hauben / oder runder huot / der dz haupt gar nach biß zuo den oren bedackt / in der form deß oberen teyls einer halben kugel. Darnach wz dz Ephod auch ein gmeine bekleidung aller priestern / dessen wol im Exodo [im andern buch Mosis] (da der priesteren bekleidung beschriben wirt) nit / aber wol anderßwo in der geschrifft gedacht wirt. Dz wirt geachtet ein leininer mantel oder leibrock gewesen sein / deren auch Dauid einen an hat / do er vor der pundtsladen Gottes har sprang. So lesend wir auch von den priesteren die Saul durch Doeg den Edomiter ließ vmbbringen / vnd er tödet desselben tags lxxxv männer die leinin leibrock truogend / Nitt / dz sies dozmal anhettind / do sie getödt wurdend / sonder dz sie deß alters vnd stands warend / dz sies mochtend tragen / dz ist dz sie dienetind im priesterthumb deß Herren. Darumb läsend wir im Osea / Du wirst sein one Ephod vnd one Teraphim / das ist one Priesterthumb vnnd on gottsdienst / dann dz wörtli Ephod fieng man an brauchen für dz priesterthumb selb / dz ist / dz kleid oder zeichen für das / deß zeichen vnd kleid es was. So aber yemand sölliche wort Osee auch vom edleren vnd besonderen Ephod / von dem ichCXLI. / 141a
bald hernach reden wird / verston wil / dem wil ich auch nit darwider sein. Diß leinin Ephod aber bedunckt mich fast gleichet haben dem mantel oder hembd / das bey den Papisten auff den hüttigen tag im brauch ist / das man nennt Chormantel oder Chorhembd. Dise erzelten fünff bekleidungen brauchtend gmeynlich der oberst / deßgleich auch andere priester. Die übrigen viere sind aber eigenlich allein der obersten priestern gwesen. Vnder welchen dz erst gnennt ward Megil / dz was ein langer rock biß vff die versenen / voller fälten / gantz von blawer seiden / der vom halß herab biß vff die erden hieng / allenthalben beschlossen / dann allein wo das haupt vnd die arm herauß giengend. Vnd vnden an seinem soum hangtend lxxij. schällen / dergleichen auch so vil granatöpffel / also das allweg zwüschend zweyen schällen ein granatöpffel / vnd zwüschend zweyen granatöpfflen ein schällen was. Es wirt auch die vrsach hinzuo gesetzt / auff dz man seinen klang höre wenn er auß vnd yn gat in dz heilig vor dem Herren / auff dz er nit sterbe. Vff dz volget deß obersten priesters Ephod / dz vil ein anders wz / weder dz von dem wir erst gredt / dann dises wz nit leinin / sonder gestickt von vilen farben / von gold / blawer seiden / scharlachen / rosinrot / vnd gezwirnter weisser leinwat. So hat es auch ein andere form dann dz vorig. Dann dises / namlich deß obersten priesters Ephod wz ein achßelkleid oder göller / dz vom halß herab an den achßlen biß vff die hufften by einer eln sich erstrackt / dann es bedackt die brust / deßgleich die schulteren / vnd bede seiten vnder den achßlen / wie ein brustharnasch / fast auff die form wie die weiber yetzund ein bekleydung habend / die wir in Eydgnoßischer sprach leibli nennend / das legtend sie über den langen rock an. Vnd auff yeder schulteren was ein Onichstein / die man Schoham nannt / gantz kostlich edelgstein / darinn die nammen der kinder Jsraels gegraben warend. Vor der brust har wz nichts gestickts / sonder ein ledigs ort gelassen dem Rationali / oder brustlatz. Dann das Rationale / welches Hosen genennt ward / was die achtend bekleidung / welche auch der brustlatz deß rechtens gnennt ward / dz wz ein thuoch / von gold / blawer seiden / scharlach / rosin rot / vnd gezwirnter weisser leinwat gwürckt einer spannen groß in die gfierte / vnd zwifach / Mit vier starcken endinen vnd porten / damit es nicht leichtlich zerrisse. Darin warend gefasset träffenlich grosse (in jrer gattung) vnd kostliche Edelgstein / in vier ordnungen oder zeileten / also das in einer jeden zeileten drey stein stuonden. An denen warend auch die nammen der kindern Jsraels / gleich wie an den Onichsteinen geschriben. Die gabend ein wunderbaren schein vnd glantz von jnen / dann es wurdend auch kein andere dann glantzende stein darzuo genommen vnd in brustlatz gesetzt. Dahar ich achten das Vrim vnd Thumim nichts anders gewesen sey / dann dise ordnung der Edelgsteinen / dann Vrim vnd Thumim heißt glantz vnd schöne. Dann wie dise Edelgestein glantzetend / also warend sie auch schön / vnd sach man kein flecken niendert [nirgend] dran. Man achtet auch / das der oberst Priester in keiner schwären sach recht gesprochen / oder so er erforderet Gottes raht vnd antworten außgesprochen habe / er habe dann disen brustlatz deß rechtens auff dem hertzen gehept liggen. Dann er was mit guldinen ringen angehefft an das Ephod / oder leibrock / hanget auch an guldinen kettenen / die von der achßlen herab vnder den Onichsteinen herfür giengend. Vnd dises ward für dz aller köstlichest stuck vnder den gezierden vnd kleidungen deß obersten priesters ghalten / dann es wz ein schrein oder kästli deß hertzens / vnd schatz alles rechtens vnd wüssens / deßgleich aller billigkeyt vnd vrteyls / bey welchem das volck Jsraels raht suocht in schwären händlen wie sie sich halten söltind. Darumb tollmätschend etlich die wörtli Vrim vnd Thumim im Griechisch deelosis kai aleetheia dz ist eroffnung / oder leer / vnd waarheit / die sprächend sie / ist im hertzen deß priesters. Zuo letst wirt auch gesetzt das guldin stirnblat. Dann es hat der oberst priester vff seim haupt ein violbrune oder blawe
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hauptbinden / daran wz ein guldin stirnblat / aufgespitzt / fast vff die form / wie wir yetz an den Bischoffs yfelen [Jnfulen] sehend. Daran stuond geschriben / die heiligkeit dem Herren / oder die heiligkeiten deß Herren. Dann der aller heiligest vnd der da heiliget ist allein vnser Herr Jesus Christus / vnd ist das der Entchrist der jm selb disen nammen vnd nit allein Christo zuogibt. Ettlich meynend es sey der vnaußsprächlich namm deß Herren an disem stirnblat geschriben gewesen. Es ward auch diß stirnblatt auff der stirnen / durch die violblaw binden an die leinin hauben / die allen priesteren gemeyn was geknüpfft / vnnd ward der oberst priester hiemit gleichsamm bekrönt. Diß ist nun die heilig bekleydung der priesteren vnd besonders deß Obersten Priesters gewesen.
Dise ding habend nun jr gantz schöne vnd vilfaltige bedütung. Jren brauch vnd jr end zeigt auch Gott selbs durch Mosen an / namlich dz sie eingesetzt sey zur ehr vnd zierd / Nicht allein das den dieneren / so deß diensts pflegtend / ansehen damitt geschöpfft wurde / sonder das auch die heilige breüch selb dest herrlicher wärind / dann es hatt mehr ansehens was mitt sölcher bereitschafft begangen wirt. Es was auch guot vnd ja notwendig / das daß volck / das sonst Heydische breüch anzuonemmen gantz begirig vnnd geneigt was / mit denen dingen in gehorsamme behalten wurde. Vber das so stellend vns auch dise ding Christum den waaren Obersten Priester für die augen / der was bekleydet mit dem kleid der gerächtigkeyt / der mäßigkeyt / vnd aller tugenden / Vnd dises kleyd hat er mit vnns gemeyn / dann es müessend alle Christen den Herren Christum anziehen vnnd anleggen. Darnebend aber so fürtrifft Christus der Herr als der Oberstpriester / nit nur in dem / das er vns heiliget vnd mit tugenden begabet / sonder dz er auch etwz besonders hat vnd fürauß / als namlich dz er warer Gott vnd der wält heyland ist. Der tregt vns auff seinen achßlen vnd auff seinem hertzen / als kostliche Edelgestein / dann wir sind nit schlecht sonder teür vnd groß in seinen augen. Es glantzet auch vnd leüchtet auß dem hertzen Christi vnsers obersten priesters dz liecht der ewigen weißheit / dann in jm als in dem schrein der ewigen weißheit Gottes / sind verborgen alle schätz der weißheit vnd der erkantnuß. Er ist das liecht der wält / die waarheit vnnd die volkommenheit / deßhalb billich die gantz wält / gsatzt / rechte / vnd bescheid / vnd alles das jren zur volkommenheit vnd waarer säligkeit von nöten ist / von jm erforderet vnd empfacht. Er ist der aller heiligist / die göttlich Maiestat vnnd heiligkeit selb / auff dessen haupt mit allem rechten die kron der ehren ligt / als dessen der allein heiligmachet / herrlich vnd gwaltig reichßnet [regiert] vnd läbt in ewigkeit. Es wurdend auch mit disen Ceremonien die Priester vnderrichtet / das sie auch auß der kleydung lernetind jr ampt / vnd was von jnen erforderet wurde / vnd wie sie sich halten söltind. Dann es söllend die priester alle zeit gerüstet sein zuo jrem ampt / erbarlich wandlen vor Gott vnd der wält / zimlich vnd mäßig sein /ferr sein von allem muotwillen vnd geilheit. Jre länden söllend begürtet sein mit dem gurt der gerächtigkeit vnd warheit. Jr brust / jre seiten / jr rugken sol gewaffnet sein vnnd versicheret mit dem wort Gottes. Jr haupt sol bedeckt sein mit dem hälm deß heyls / ja auff jhrem haupt sol ligen Christus der Heyland selb / der sol sein das haupt der dieneren vnnd deß diensts. Jnsonderheyt aber sol der Priester gehört werden in der kirchen / dann so er stumm sein wurde / so müeßte er sterben / so er aber den Nammen deß Herren vnd sein gsatzt dapffer vnd redlich prediget / so erweckt er in der kirchen ein sölichen geruch / der vil lieblicher ist dann der süeß geschmack der granatöpflen. Darumb so werdend also vnder der bedeütung der kleyderen begriffen vnd außtruckt / die sitten tugenden vnd laster. Vnd nach der red ziert den menschen nützit [nichts] mer / dann die bekleidung. Wie das gemüet ist / also sind gemeynlich auch die wort vnd kleider / darumb bedeütet die kleydung den gantzen wandel.CXLII. / 142a
Es heißt auch vns die gschrifft ein anders kleid anlegen / so sie wil das wir vns änderind vnd besserind. Deßhalb also ein guoter teil der leer der priesteren / was jnen gezimme / in jrer kleidung begriffen wirt.
Nun erforderet aber jetz auch die zeyt vnd der handel selb / das ich vom ampt der priesteren auch rede. Das stuond nun in vil vnnd mengerley dingen / vnder welchen aber das fürnempst was die leer vnd die vnderwysung deß volcks / dann darzuo sind die priester fürnemmlich von Gott verordnet / das sie die kirchen vnderrichtind in warer gottsäligkeit / vnd sie leerind das gesatzt vnd die befelch deß Herren. Dann also läsend wir das Gott zuo Aaron geredt / Leuit. am zehenden [11] / Du vnnd deine sün mit dir / söllend kein wein noch starck tranck trincken / wenn jr in die hütten deß bescheids gond / auff das jr nit sterbind / Das seye ein ewigs rächt allen eweren nachkommen / auff das jr könnind vnderscheiden was heilig vnd vnheilig / was vnrein vnd rein ist / vnnd das jhr die kinder Jsraels leerind alle recht die der Herr zuo jhnen geredt hatt durch Mosen. Dises gesatzt wideräferet [widerholet] der Prophet Ezechiel am xliiij. Capitel[23] gar nach mit gleichen worten / Vnd Malachias erlüterets auch im ij. Capitel[7] seiner prophecey. Darumb sind die nit recht dran / die da meinend der Leuitischen priesteren ampt seye nienerinn [in nichts] anders gstanden dann in schlachten vnd opfferen. Was sie aber leeren söltind / das hat jnen Gott hie vnd an allen orten in seim gsatzt fürgstellt / vnd vnder die händ geben / nammlich nit Heidische philosophy / oder der oberkeiten vnd künigen satzungen vnd gebott / oder der vätteren vnd elteren decret / sonder das wort Gottes selbs / dz von Gott angäben. Damit aber auch die leer dem volck dest füeglicher möchte fürtragen werden / so verkuntend [verkündeten] sie auch dem volck die fäst vnd fyrtag. Nach der leer was auch nicht das wenigest stuck jrs ampts / das benedeyen / das dorfftend sie aber nit thuon nach jrem gfallen / sonder sie hattend ein gwüsse fürgeschribne form / die sie bruchen soltend / von deren also stat Num. vj.[23] Vnd der Herr redt mit Mose vnd sprach / sag Aaron vnd seinen sünen vnd sprich / Also söllend jr sagen zuo den kinderen Jsraels / wenn jr sie benedyen wöllend / Der Herr benedye dich / vnd behüete dich / der Herr erleüchte sein angesicht über dich / vnd seye dir gnedig / der Herr hebe sein angesicht auff dich / vnd gebe dir frid. Das wz die form / die sie bruchtend / onzweyfel in den heiligen versammlungen / vnd sonderlich so man das volck wider gon ließ. Nun stat aber an anderen orten / das Gott benedye / vnd hie wirt es Aaron vnd seinen sünen zuogeben. Das ist aber also zuo verglichen / das was die priester den eüsseren oren vnd sinnen verkündend / das würckt vnd gibt Gott inwendig den glöubigen / dz also die benedyung ein eigenlichs werck Gottes bleibt. Darumb wirt auch außtrucklich zuo der jetzgemelten form hinzuogesetzt / vnd sie söllend meinen nammen anrüeffen über die kinder Jsraels / so wil ich sie benedyen. Darumb so tragend die priester dem volck allein den nammen Gottes für / lobend vnd preysend die art vnd natur Gottes / vnd zeigend an das alles guots von Gott här fliesse / vnd leerend wie wir das selb mögind erlangen durch Christum / welcher ist der gebenedyet samen / der alle die benedyet die seinen nammen anrüeffend. Sechs stuck aber werdend inn diser fürgeschribnen benedyung außtruckt. Zum ersten stat / der Herr benedye dich / das ist / er gebe dir was dir guot ist zuo seel vnd leib. Zum anderen stat / vnd behüete dich / dann es ist nit gnuog / deß leibs vnnd der seelen güeter vonn Gott empfahen / wo vns die nicht auch behüetet werdend / das wir sie nicht widerumb durch den zorn Gottes / oder durch vnsere farläßikeit verlierind. Zum dritten stat / der Herr zeige dir sein angsicht / oder / es erleüchte der Herr sein angsicht über dich / dz gschicht so Gott mit vns versüent vnd zuofriden wirt / vnd vns günstig ist. Darumb volget zum vierdten als ein heitere außlegung druff / vnd seye dir gnedig / dz ist erbarme sich dein / vnd seye dir geneigt in allem deinem fürnemmen / in worten vnd wercken.CXLIIv. / 142b
Zum fünfften volget / der Herr hebe sein angesicht auff dich. Sein angesicht erhept Gott / wenn er vns ansicht / über vns wachet / vnnd vnsere wäg recht weyset / richtet vnd leitet. Zum letsten wirt auch gemeldet der friden / welcher das heil vnd oberst guot ist. Wiewol friden auch dem krieg entgegen gesetzt wirt. So ist auch ein frid / der frid der gewüssne / welcher ist als ein jmmerwärend gastmal. Dise güeter alle wünschtend die priester dem volck / vnd mithinzuo lartend sies auch on zweyfel bätten / vnd vermantends zuo ernstlichem gebätt. Wie dann auch noch auff den heütigen tag Psalmen vorhanden sind / die vonn etlichen priesteren zuo guotem dem volck gemachet sind. Dann nach dem vnnd Dauid die Music in die kirchen bracht / do hat auch das gsang vnnd Musicwerck / ja die Psalmody angefangen vnder die ämpter der priesteren gezellt werden. Vonn welcher heiligen Music vil stat im ersten buoch der Chronicken in den Geschichten Dauids. Da auch anzeigt wirt wie Dauid die senger inn vier vnd zwentzig ordnungen nach dem loß geteilt habe.
Vber das / was auch den Priesteren befolhen deß Gottsdiensts pflegen / nammlich die Sacrament zuo dienen / vnd opferen. Dann sie beschnittend die kind / sie rustend den überschritt / vnnd opffertend dem Herren allerley opfferen / von denen bald hernach an seim ort wirt mäldung geschehen. Damit aber diß opfferwerck dest kömmlicher vnd ordenlicher geschähe / so hat Dauid auß yngebung deß heiligen geists / die bede gschlächter Eleazars vnd Jthamars in vier vnd zwentzig ordnungen abtheilt / die in jr ordnung ein ander nach deß diensts pflegtend / wie das weitlöuffig beschriben wirt. j. Paralip. xxiiij. Die blibend auch die gantze zeyt auß dieweil sie dienetend / im tempel / vnd kamend nit daruß / dann es warend auch im tempel wonungen gemachet für die / so je inn jrer ordnung dienetend. Nach dem sie dann jren dienst erfüllt / so kartend [kehreten] sie inn jre heüser. Hierzuo dienet auch das die priester alle heilige geschirr bhieltend vnd verwartend / auch dieselbigen seübertend. Jtem sie butztend vnd rustend die liechter / vnd erhieltend ein feür das jmmerdar brann. Jn summa alles das zum Gottsdienst dienet / als öl / weirauch / vnd was dergleichen / das verschuoffend [verschafften] sie alles sammen. Eb [Ehe] aber der tempel gebuwen wurde / vnnd das volck Jsraels sein gewüssen sitz in dem verheißnen land hat / da was auch der priester ampt deß tabernackels warten / den tragen / auffrichten / vnd abnemmen. Dann Num. am iij. Cap. läsend wir also / die Leuiten pflägind deß diensts deß tabernackels vnd wartind alles geschirrs der hütten deß bescheids / [deß zeugnuß] vnd der huot der kinderen Jsraels / zuodienen am dienst deß tabernackels. Dann der tabernackel was also gemachet / das wenn man ziehen solt / das er in vil stuck mocht zerlegt werden. Wenn dann das volck Jsraels mit dem läger wolt auffbrechen / so trat Aaron mit seinen sünen hinzuo / vnd wicklet die heiligen geschirr yn inn tüecher die darzuo verordnet warend. Die Cahatiter truogend die puntsladen / den tisch / die altär vnd instrument so darzuo dienetend. Die Gersoniter aber / was man zuosammen binden kont / deckenen / vmbhäng / tapeten / tüecher vnd seil. Die Merariter truogend was das herter vnd schwärer was von holtz oder ärtz / als die seülen / rigel / pfosten / brätter / von welchem / wers eigenlicher zuo wüssen begärt / man läsen mag das iij. vnd iiij. Cap. deß vierdten buochs Mosis. Nach dem aber der tempel ist gebuwen worden / da wurdend auch thorwarten vnd tempelshüeter von den Leuiten darzuo geordnet. Es warend auch die trummeten mit denen das volck zuosammen berüefft ward / bey handen der priesteren. Von welchen man lißt Num. am x. Capitel. Es wurdend auch die priester inn krieg brucht / wie man sehen mag Deut. am zwentzigsten. Dann es wolt Gott nicht das die gesatzt drumb still stüendind wenn man krieget / sonder vil mee hat er sig geben / wo man fromb vndCXLIII. / 143a
gottsförchtig vnd der religion geflissen was. Zuo dem dienet auch noch ein ander ampt das die priester hattend / nammlich das richten vnd entscheiden zwüschend handel vnd handel / zwüschend dem reinen vnnd vnreinen. Welche bede stuck weytlöuffiger beschriben werdend Deut. xvij. Leuit. xiij. vnd xiiij. Dann so sich etwan ein schwärer handel erhuob / so ward der für sie bracht in die hauptstett. Vnd so jemand deß aussatzes verdacht was / so erkantend die priester vmb die kranckheit / nach jrer fürgeschribnen satzung vnd ordnung.
Also hab ich nun bißhär kurtz zuosammen verfaßt / wz dz priesterlich ampt deß alten volcks gewesen vnd vermögen / vnd hab allein die fürnempsten stuck daruon erzellt. Wie sie nun mit dem / der gmeind vnd kirchen Jsraels dienetend / also läptend sie auch vß dem ynkommen vnd vermögen der kirchen. Dann Gott verordnet jnen jre gwüsse behusungen vnd ynkommen im glopten land / vnd zoch jnen vß / acht vnd viertzig stett vß dem gantzen Jsraelitischen land / vnder welchen sechs zuo freystetten geordnet wurdend. Er hieß auch den priesteren zuo nechst ringwys vmb die stett / vff tusent ellen wyt vmbher / für jr vich vnd hußgesind güeter vnd väld geben. Jn denen stetten aber warend schuolen / die fein also durch das gantz land hinweg außtheilt warend / das es mencklichem gelegen was vnd nicht weyt von den vmbligenden orten zuo sölichen schuolen zuo kommen. Jn denen opffert man aber nicht. Dann allein an eim ort hat Gott gebotten zuo opfferen / deßhalb sie järlich drey mal hinauff giengend zum tempel gen opfferen. Jn disen schuolen allen laß man alle Sabbath das gesatzt deß Herren. Das ynkommen aber was groß. Welches beschriben wirt Num. am xviij. vnd Leuit. am letsten. Hattend deßhalb guots gnuog die priester / die jren zuo erhalten vnnd eerlich zuo läben. Darneben giengend sie aber nit müeßig / wuoletend auch in keim überfluß / sonder läptend mäßig / lagend fleyßig ob der gschrifft vnd lartend treüwlich. Das seye nun bißhär also geredt von den personen / so zum gottsdienst verordnet. Dieweil es sich nun nach dem gesatzt deß Herren nit gezimpt anders dann an einem ort zuo opfferen / so was deßhalb ein gewüsses ort bestimpt / da die priester / als in einer heiligen werckstat / der opfferen vnd deß diensts pflegtend. Darumb erforderet nun die ordnung vnd der handel / das ich auch von disem heiligen ort etwas rede. Dises ort was nun anfencklich der tabernackel Mosis / hernach aber der tempel Salomons. Das gesatzt aber das da gebütet / das die opffer nienen [nirgend] dann an eim ort / es seye dann auß besonderer nachlaßung Gottes / geschehen söllind / stat Deut. am xij. [1] vnd Leuit. am xvij. Cap. [5] vnd hat sein gheimnuß vnd bedütung vff Christum / der allein ein mal / vnd an einem ort geopfferet ist / zur versüenung der gantzen wält. Von dem bald hernach wyter / Den tabernackel aber / oder die hütten (die in latin tabernaculum oder tentorium constitutionis, in tütsch die hütten deß bscheids / darumb dz sie von Gott constituiert [verordnet] / das ist bscheid da zuo empfahen / vnnd den waren gottsdienst alda zuo volbringen / verordnet was genennt ward) hatt das volck Jsraels inn der Wüeste an statt deß tempels. Dann dieweil sie viertzig jar inn der Wüeste vmbzogend / so reympt sich nicht das sie ein gesatzten Tempel hettind / sonder allein ein sölchen den man tragen könte. Der ward auff dise weyß auffgericht / vnnd was gar nach also / wie volget. Zum ersten wurdend löcher in die erden gemacht / darinn stuondend silberne pföstlin / die da dienetend die brätter darauff an einanderen zuo einer wand auff zuorichten / vnd warend zuo eim jeden brätt / oder laden geordnet zwey pföstlin. Dann jedes brätt hatt vndenfür zwen zapffen / die inn die pföstlin giengend. Der brätteren aber warend auff jetweder seyten deß tabernackels / nammlich gegen Mittag vnd gegen Mittnacht zwentzig / vnnd gegen Nidergang achte / die alle mit gold überzogen / vnd zehen ellen hoch warend. Dise wurdend also auffrecht auff die pföstli gesetzt oder gesteckt /CXLIIIv. / 143b
hindenzuo hattend sie guldin ring / durch welche rigel giengend von fhörinem holtz / also / das die brätter dadurch sich an ein ander füegtend vnd zuosammen hieltend / damit die wand kein klimbsen [riß] hette / oder die brätter fürsich oder hindersich hangen möchtind / von auffgang aber ward das heilig mit einem vmbhang beschlossen. Demnach warend auch zehen gewürckte tüecher oder tapeten die mit hafften an ein ander gehefft / die wurdend wie ein getäfel oben auff die auffgerichten brätter gelegt / vnd auff die selbigen auch noch dreyerley deckenen / deren die oberst von dachßfälen / für rägen vnd vngewitter gemacht was. Der tabernackel hatt dreißig ellen in der lenge / vnd zehen ellen in der breite / welches man auß der breite der brätteren wol außrechnen mag / vnd was in drey theil geteilt. Der erst theil hieß sanctum sanctorum / das ist das aller heiligest / oder Adytum ædis, veloraculum templi / das ist die heimlikeit deß tempels / der Chor oder das ort dadannen man bscheid empfieng. Der ander theil hieß sanctum / das ist / das heilig / welches zwentzig ellen / wie jhenes zehen ellen / lang was. Der dritt teil / ward genennt Atrium / der vorhoff / welcher hundert ellen lang / vnd fünfftzig ellen breit was. Der was yngeschlossen mit drey vnd fünfftzig seülen / die stuondend auff eerinen [ehrnen] pfosten / vnd warend fünff ellen hoch / daran hangtend gestrickte vnd dursichtige tapeten. Jm thor vnd yngang deß hoffs hanget ein tuoch an vier seülen / das zwentzig ellen breit was. Das aller heiligest ward vom heiligen vnderscheiden / mit einem gar kostlichen vmbhang / der an vier silberinen seülen hanget. Das heilig aber ward vom vorhoff vnderscheiden durch ein anderen vmbhang / der auch kostlich was / vnd an fünff übergüldeten seülen hanget. Mitten im hoff stuond das inner ghüset [hauß] / das ist der tabernackel / auffgericht / welcher wie jetz gemeldet / in das aller heiligest / vnd heilig geteilt ward. Jn das aller heiligest gieng niemand / dann järlich der Oberst priester ein mal. Darinn stuond die puntsladen Gottes zwüschend den Cherubim / Jtem wie etlich auß dem heiligen Apostel Paulo schliessend / auch das guldin röuchfaß. Wiewol etlich andere durch das wortli thymiateerion das der Apostel brucht / nicht das röuchfaß / sonder den röuchaltar verstond. Welches so es also wäre / so volgete / das der guldin altar zuo der zeit als Paulus sölichs geschriben / innert dem vmbhang im aller heiligisten gstanden wäre. Nun ist aber offenbar auß dem xl. Cap. Exodi / das der guldin altar anfencklich (wie ich bald hernach wyter anzeigen wil /) vor dem umbhang im heiligen gestanden ist / vnd mag auch auß dem j. Cap. deß heiligen Euangelisten Luce nit wol anders geschlossen werden. Die puntsladen aber ward von niemand gesehen / dann allein järlich ein mal von dem obersten priester / so der das röuchwerck inn das aller heiligest truog / dann sie ward durch den ersten vmbhang bedeckt / das allein die stangen daran man sie truog / ein wenig fürhin giengind ins heilig / doch bloß hinder dem vmbhang / das der ein wenig von den orten der stangen bühel [pockeln ode beulen] überkam / die einer so im heiligen nahe darby / wol / so er aber verr daruon stuond nicht sehen mocht. Dann also lisest du iij. Reg. viij[8]. Vnd die stangen waren so lang / das jre spitz gesehen wurdend aussert [ausserhalb] dem heiligthumb vor dem Chor / aber aussen [haussen] wurdend sie nicht gesehen. Das heilig aber was teglich offen den priesteren / so je nach jrer ordnung opffertend / vnd deß diensts pflegtend. Jn dem stuond der guldin tisch mit den schowbroten vor dem umbhang / gegen Mitnacht. Dargegen über aber auff der seyten gegen mittag stuond der guldin leüchter. Mitten aber zwüschend denen beiden stucken vor dem vmbhang vnd der puntsladen stuond der guldin altar / der röuchaltar genannt / der zum heiligen röuchwerck verordnet was. Jm vorhoff aber nit weit vom anderen vmbhang stuond der altar zun brandopfferen / vnd zwüschend dem selben altar vnd dem vmbhang was ein bütten oder standen [handfaß oder zuber] / darauß sich die priester / so sie opfferen woltend / wuoschend.
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Zuo diesem altar mocht das volck / das die opffer zuo sehen kam / von allen orten här / sehen. Also ist nun das ort deß gottsdiensts / nammlich der tempel oder tabernackel vnder dem volck Jsraels gewesen / dauon / wer wil / meer vnd wyters läsen mag / Exodi am sechs vnd zwentzigsten / siben vnnd zwentzigsten / sechs vnd dreyssigsten / xxxviij vnd xl. usw.
Sölichs aber / das ich bißhär vonn der rüstung deß tabernackels angezeigt / hat alles sein schönen bruch vnd heitere bedütung gehabt. Vnd ist in sonderheit nütz gewesen die einikeit deß allgemeinen waren glaubens zuo fürderen vnd zuo erhalten. Dann durch disen einigen tabernackel / ward dz volck Jsraels erstlich Gott vnd seinem dienst / demnach auch sie vnder einander selb / als in einen lyb / verpflichtet vnd verknüpft / dann es kam das gantz volck zuo disem tabernackel / als zuo einer einigen pfarrkirchen / vnder eines Gottes dienst. Vnd dieweil die kinder Jsraels in hütten wonetend / so hat der Herr wöllen / das auch jm ein hütten buwen vnd mitten vnder jnen auffgerichtet wurde / damit er also bezeügete / dz er mitten vnder jnen wonen wölte. Vnnd stuond deßhalben also der tabernackel / als ein palast Gottes deß obersten Künigs mitten vnder dem volck / zur zeügnuß der gegenwirtikeit Gottes / damit sie mencklichem ein forcht vnnd andacht gegen Gott ynstackte. Vnd wie wir menschen das vnser in vnsere hütten vnnd hüser behaltend / auch daselbst vns lassend finden / Also hatt auch Gott in den tabernackel alle heilige ding verordnet / vnd behalten / als seinen schatz / vnd hat auch wöllen das man jhn inn der hütten suochte / versprechende / das er da wölle das gebätt vnd anrüeffen der glöubigen so zuo jm schryend erhören.Vber das so sind auch die gheimnußen Christi vnnd der kirchen inn denen dingen verborgen. Dann Paulus nennt vns ein tempel Gottes / vnd vnsere lyb hütten. Dann Gott wil in vns wonen. Die brätter deß tabernackels sind gleich als balcken / träm vnd seülen deß gehüßes. Also hatt auch die kirchen jhre seülen / Nammlich die leerer / vnd andere menner die mit hohem vnnd fürtreffenlichem geist begabet. Vnnd alle glöubigen sind vergülte brätter / so sie die reinikeyt deß glaubens behaltend / vnnd inn einikeit desselben verharrend. Die brätter aber wurdend mit riglen zuosammen gefüegt / dann man muoß die glöubigen mit gesunder leer in jhrem ampt vnnd inn einikeit erhalten. Die deckenen / ob jhren gleich vil warend / wurdend sie doch mit guldinen hafften zuosammen gfüegt / als ob es ein werck vnd gewürckt wäre / darumb müessend auch die glider der kirchen ob gleich deren vil vnd mengerley sind / durch die liebe zuo sammen gesammlet vnd verbunden werden / das sie vnder ein anderen eins / vnnd als ein decke der gerechtigkeit in der kirchen seyend. Das tach / ist der kirchen glaub / buoßfertigkeit vnd fleiß der vnschuld. Das fundament ist Christus selb / dann kein anderer grund mag gelegt werden / dann der da gelegt ist / welcher ist Christus Jesus. Der vmbhang aber so vor dem aller heiligisten / oder heiligthumb vßgespannen was / bedeütet / das der wäg der heiligen / (wie der heilig Apostel Paulus spricht ) noch nit offenbar wäre / dieweil die erst hütten noch jhren bestand hatt. Darumb do Christus kommen was vnnd es mit seinem tod alles erfüllet hatt / do zerreiß der fürhang der dozuomal im tempel hanget von oben herab biß zuo vnderst / damit jederman daruß lernete / das nun der wäg vfgethon wäre in das aller heiligest / das ist in himmel selb / vnnd das allem dem das im gsatz was / gnuog geschähen wäre. Es hangetend auch andere fürheng im tempel / welche bedütnussen warend der aller reinisten menschheit Christi. Die hiengend im yngang deß heiligen vnd deß hoffs. Christus der Herr aber ist der wäg vnd die türen / durch dessen menschwerdung vnd todt vns der ingang zum rych Gottes offen ist. Jch gschwig erst dz Christus selb vnser tabernackel ist / in dem wir wonend vnd läbend / Gott dienend vnd Gott gefallend. Er ist die deck / dz tach / die zemmen wättung [zusammenfüegung] vnd die ziert
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der kirchen. Dann er als ein starck sicher tach / schirmpt vns wider alle anstöß der menschen vnd deß teüffels. Er ist der rigel der kirchen / der die glider zuosammen füegt / vnd in einigkeit deß glaubens vnd alles guoten erhaltet. Er ist die seül vnd das fundament seiner kirchen / jr läben / jr krafft / vnnd inn summa alles das allein / das zuo jrem läben vnd heil dienet. Darumb so habend die alten also in denen dingen verborgen ghan / die fürnempsten geheimnussen Christi vnd der kirchen / in welchen dingen Christus auch jetzund nit anderst anzuosehen fürgestellt wirt / dann wie er vor zeiten von anfang der wält den vätteren ist erklärt worden / nammlich warer Gott vnd mensch / der einig vnd oberst künig vnd hochpriester / der waar Heiland der wält / in dem einig die glöubigen alles habend das zuo jrem heil dienet.
Diser tabernackel aber ist auß geheiß Gottes / so bald das volck Jsraels in das glopt land kam zuo Silo auffgerichtet / vnd da bliben biß auff die zeit Heli / wie man heiter lißt Jos. xviij. j. Sam. j. vnd iij. Capitel. Vnder dem Heli aber ward die puntsladen Gottes von den Philisteren eroberet vnd hingefüert inn die Stett der Philisteren / bald aber wider hinumb [widerumb] gschickt / vnd behalten zuo Bethsemes / darnach zuo Kiriath Jearim im hauß Abinadab inn Gibea / das ist auff dem bühel oder auff der höhe. Dann sein hauß was gebuwen auff einer höhe. Dann wir läsend im andern buoch Samuelis am vj. Capitel. Vnd Dauid zoch hin mit allem volck / das er die laden Gottes holete auß Baale Juda. (Josue am xv. Capitel aber stat das Baalam mit einem anderen nammen seye genennt worden Kiriath Jearim) vnd gleich hernach stat weyter / vnd sie holetend sie auß dem hauß Abinadabs / das do was in Gibea / das ist auff der höhe. Dann das ort in der statt da Abinadab wonet / was auff einer höhe. Etliche die da meinend Gabaa seye ein eigner nam einer besonderen statt gewesen / sagend die laden seye auß Palestina gen Gabaa bracht. Auß dem hauß Abinadab aber / ist die puntsladen bracht in das hauß Obed Edom / vnd von dannen in die statt Dauids / das ist / gen Sion. Dann also wirt die Statt Dauids genennt im dritten buoch der küngen am viij. Capitel. Zuo Sion aber hatt Dauid der Laden deß Herren ein neüwe hütten gemachet vnnd auffgerichtet / darein er sie gestellt / vnd die priester darzuo verordnet / das sie dem Herren dienetind / wie das heiter beschriben wirt j. Paral. xvj.[3.Reg.8]. Darzwüschend hatt aber auch Dauid den tabernackel der zeügnuß nicht verachtet. Dann der ist nach den zeyten Heli vnd nach dem die laden von Philisteren gefangen / an vil ort verenderet worden. Silo ist je / da er zum ersten was / zerstört worden / wie das im lxxviij. Psalm. vnd Jer. am vij. anzeigt wirt. Deßhalb erscheint / das er / do Saul regiert / zuo Gilgal auffgericht seye worden / dann von Saul stat / das er opffer der dancksagung daselbst vor dem Herren auffgeopfferet habe. j. Sam. xij. So ist auch auß dem xxj. Cap. desselben buochs offenbar / das der Tabernackel etwas zeyt zuo Nobe (welche statt nicht weit von Jerusalem gelegen. Esa. x. Cap.) / gestanden seye / da Achimelech der priester dem Dauid die newgebachne schowbrot gab / die er ab dem guldinen tisch nam. Zuo den zeyten Dauids / vnd dieweil er regiert / ist er auffgericht vnd gestanden zuo Gabaon in der statt der Beniamiteren. Dann also läsend wir j. Paral. xxj. Der tabernackel deß Herren / den Mose in der Wüeste gemachet hatt / vnd deß brandopffers altar was zuo der zyt (als nammlich der engel deß Herren dem Dauid mit dem bloßen schwärt erschein) auff dem bühel oder auff der höhe Gabaon. Daselbst was er auch wie Salomon regiert. Vnd auff die höhe gieng Salomon / do er den Herren anruofft / ee dann der tempel gebuwen was. Dann also findend wir geschriben ij. Par. j. vnd es gieng Salomon / vnnd die gantze gmeind mit jhm auff die höhe die zuo Gibeon was / dann daselbst was die hütten der zeügnuß Gottes / die Mose derCXLV. / 145a
knächt deß Herren gemachet hat in der wüeste. Die Laden Gottes hat Dauid von Kiriath Jearim bracht an das ort das er jren bereitet / namlich gehn Jerusalem / da er jren ein tabernackel zuogerüst. Aber der Ehrin Altar / den Bezaleel der sun Vri gemachet hat / was daselbst vor der hütten deß Herren / welche Salomon vnd die gantze gmeynd besuocht. Deßhalb da wir läsend iij. Reg. iij. Salomon aber hat den Herren lieb / vnd wandlet nach den sitten seines vatters Dauids / allein auff den höhinen opfferet vnd röuchet er / wirt er nit gescholten sonder gelobt / namlich das er nit an allen orten geopfferet / sonder auff den höhinen / das ist auff dem einigen Altar / der vom Herren geweicht vnd geordnet was / von welchem yetzund ist geredt worden. Andere verstond aber / das Salomon nit einfalt mit disen worten gscholten werde / das er auff dem Altar deß brandopffers geopfferet (dann dz dorfft man wol thuon) sonder dz er den Tempel zuobuwen bißhar verzogen. Aber die vorgenden vnd nachgenden wort stimmend mit dem ersten verstand. Wie nun Salomon den Tempel gebuwen / do hat er verschaffet das durch die priester die alte Pundtsladen / vnd alles zum Tabernackel gehörig / als ein besonderer schatz von Gabaon in den Tempel / den er gebuwen hat / bracht vnd behalten wurde / wie dann die heilig gschrifft sölichs bezeüget vnd spricht / Vnnd sie brachten die Laden deß Herren / darzuo die hütten der zeügknuß / vnd alle geschirr deß heiligthumbs das in der hütten was / hinuff in den Tempel / dz thetend ja die priester vnd Leuiten. Dz wirt geläsen iij. Reg. viij. vnd ij. Paral v. cap. Vnnd also ist der Tabernackel deß Herren / der bey 478. jaren gewärt abgangen / vnd der Tempel an sein statt kommen.
Von welchem tempel deß Herren / den Dauid wol zuogerüst / aber Salomon gebuwen hat / nit von nöten ist das ich vil rede / oder jn nach der lenge beschribe / dieweil der vns im dritten buoch der Küngen vnd im andern buoch der Chronicken gar wercklich vnd eigentlich abgemalet für die augen gestellt wirt. Von dem platz deß Tempels stat / dz er Dauiden von dem Engel sey angezeigt worden j. Par. xxj. vnd das Dauid zum ersten daselbst geopfferet / vnnd auch gesprochen / Diß ist das hauß deß Herren Gotts / vnnd dises ist der Altar zuo dem brandopffer Jsraels. Als wölte er sagen / diser platz ist zum Tempel verordnet / vff disem wirt das hauß Gottes gebuwen werden / ja vff disem wirt das einig vnd ewig würckend opffer / der sun Gottes so er mensch wirt / auffgeopffert werden. Dann es stimmend alle außleger der heiligen geschrifft zuosammen / das diß ort zuo Hierusalem gewesen sey vff dem berg Moria / da Abraham vor zeiten seinen sun Jsaac auffopfferen wöllen / vnd vff diß von Gott erachtet ort sey der Tempel gebuwen / da auch nit weit von dannen / ja äben auff deß selben bergs höhe / der berg Golgotha / oder die Schädelstatt gelegen / das ist das heilig ort vnnd der heilig berg / auff dem die heiligen Euangelia bezeügend Christum geopfferet sein für die sünd der gantzen wält / auff welchen alle opffer deß Tempels vnd der alten gedeütet habend. Der Tempel aber hat kein anderen brauch noch end gehept dann auch der Tabernackel. Vnnd habend deßhalb mitt Jeroboam seer übel vnnd schwär gesündet die Künig Jsraels / die den Tempel verlassen vnd Gott auff den höhinen geopfferet / in jren hauptkirchen / namlich zuo Bethel / vnd zuo Dan / vnd auch an anderen hohen vnd lustigen orten. Zuo gleicher weiß hat auch das volck Juda / mit seinen Künigen übel gesündet / mit dem dz es eintweders Gott auff den höhinen geopfferet / oder aber die höhinen nit gar im boden außgereütet. Dann Gott hatt an dem einigen ort / das er bestimpt / wöllen mit opfferen verehret werden. Dauon ein heiter gsatzt ist Deut. am xij.[5] welches auch Leuit. am xvij. Cap.[1] deutlich gesetzt wirt mit disen worten / Welcher aus dem hauß Jsraels einen Ochsen oder Lamm / oder Geiß metzget in dem läger / oder dussen vor dem läger (verstand zuo einem opffer deß Herren / dann sonstCXLVv. / 145b
so es nit opffer warend / dorfft man wol metzgen wo man wolt) vnd nit für die tür der hütten deß bescheids bringt / dz dem Herren zuo opffer bracht werde vor dem tabernackel deß Herren / dz sol jm für ein bluotschand gerechnet werden / gleich als der bluot vergossen hat. Darumb söllend die kinder Jsraels jre opffer so sie opfferen wöllend / für den Herren bringen / für die tür der hütten deß bescheids zum priester / dz ers opffere / vnd sie söllend jre opffer hinfür nit mer den waldgötzen oder Tüflen opfferen / nach denen sie gehuoret habend. Dz sol jnen ein ewigs rächt sein bey jren nachkommen / welcher aber dises nit thuon wurde / der sol außgerütet werden von seinem volck. Jn welchen worten drü ding fürnemlich zuo mercken sind / Dz erst / dz man nit dorfft opfferen / dann allein an einem ort vor dem Altar deß brandopffers. Das ander / das söllichs darumb gebotten ward / das yederman wüßte vnd verstüende das daß opffer Gott geschehe / deß der Tabernackel was. Das dritt / daß aussert dem ort / wider das gebott Gottes opfferen / was dem Teüfel opfferen / vnd das der söllichs thet / als ein todtschleger zuo halten was / vnd außgeschlossen was von Gott dem Herren selb / ja von aller gemeynschafft Gottes vnd der heiligen. Das aber Samuel / Helias / vnd etlich andere mer / auß nachlassung Gottes auch anderßwo geopfferet / das ist auß gwüssen vrsachen vnnd besonderem nachlassen geschehen. Darumb welche auff den höhinen geopffert / ob sie gleich Gott dem Herren selb / vnnd nicht frömbden götten geopfferet / die habend gesündet / erstlich mit vngehorsamme / dann es schiltet vnnd verfluocht Gott allen den gottsdienst den wir vns selbs vssert [ausserhalb] dem wort Gottes erdenckend vnd auffrichtend / glöubige gehorsamme aber gefallt jm wol. Demnach zum anderen / das sie hiemit die einigkeit deß leibs der gmeind zerrissend. Zum dritten / das sie die geheymnuß Christi / der mittler zeit [mit der zeit] auff dem berg Golgotha solt geopfferet werden hiemit gleich als verachtetend / mit füessen trattend / vnd nit all jhr datum auff Christum / als auff den einigen zwäck aller opfferen satztend. Zum vierten / das sie inn dise jre opffer / als in verdienstliche werck vertruwtend / Auch das sie vnangesehen den waaren gottsdienst jnen selb ein eignen gottsdienst erdachtend. Der Tempel aber ist von der ersten fundation [stifftung] Salomons an biß auff die erste zerstörung / so vnder dem Künig Zedechia geschehen / gestanden 440. jar. Als er aber wider gebuwen / ist er biß auff die ander zerstörung vnder Vespasiano gestanden 582. jar / wie wol es andere anderst rechnend. Das sey mit wenig worten auß vilem vom Tempel bißhar geredt.
Nun ist überig / dz wir die heiligen gschirr deß tabernackels oder Tempels auch angreiffind [anrüeren] / vnd vmb etwz vffs kürzist besehind. So ist nun vnder den selben dz fürnempst die pundtsladen gewesen / die von den taflen deß punts die darinn lagend also ist gnennt worden. Sie ward auch gnennt / die laden Gottes deß Herren der herscharen / der vff jren zwüschet den Cherubim wonet. Ja sie ward der Herr der herscharen der da sitzt zwüschend den Cherubim selb gnennt / darumb dz er da dannen antwort vnd bescheid gab / vnd sie mitten vnder dz volck gsetzt hat zum zeichen seiner gegenwirtigkeit vnder jnen. Von jrer materi vnd form wil ich hie nichts reden. Dann sölichs wirt fleißig vnd eigentlich vßgestrichen vnd beschriben Exo. xxv. cap. Von jrer bedütung vnd geheimnuß aber / auch von jrem bruch wil ich ein wenig reden. So ist nun dz jr bedütungen gwesen. Wir menschen behaltend vnsere schätz in vnsere laden oder kisten / dardurch verstond wir / dz auch in der puntsladen verborgen vnd behalten sygind die schätz der kirchen / vnd alle güeter der glöubigen. Darumb so söllend wir die ding nit suochen bey den menschen / bey Noe / Abraham / Jsaac / Jacob / Mose / Dauide / oder by der heiligen junckfrawen Maria / Joanne / Petro / Paulo / vil minder in der Römischen Chananeischen krämer vnd applas [ablaß] kisten / sonder by dem vnd in dem / in dem alle völle wonet / vnd in dem alle schätz der weißheit vnd der erkanntnuß Gottes verborgen sind / der nicht auff erden gesehen wirt / sonder imCXLVI. / 146a
aller heiligisten / das ist im himmel selb wonet. Das ist vnnser Herr Jesus Christus / dessen Gottheyt durch dz aller reinist gold / die menschheit aber durch das Föhrin oder Ceder holtz bedütet wirt. Dann er hat ein fleisch an sich genommen / dz wol ein war fleisch von vnserem fleisch / doch nit ein sündig fleisch / darinnen kein dorn noch fläcken der sünden / ob es wol sonst in all weg vnserem sündigen fleisch gleich. Auß diser Pundtsladen nemmend die glöubigen alle güeter deren sie bedörffend / dann in der pundtsladen lagend dise stuck / die tafelen der zeügknuß / der kruog mit dem Man / vnd der grüenende stäcken Aarons. Also habend wir ghört / dz in Christo verborgen alle schätz der kirchen. Christus ist vnser weißheit / dz gsatzt vnd wort deß vatters / die vollendung vnd erfüllung deß gsatztes / der gerächt / vnd vnser aller gerächtigkeit. Jn Christo ist die himmlische speiß vnd narung. Er ist dz lebendig brot / dz vom himmel herab kommen / vff dz wär dauon isset / ewigklich läbe. Jn Christo ist auch dz priesterthumb widerumb gruonet. Das sach / do Christus am crütz gestorben wz / als ob es verdorben vnd vß wäre / aber er ist wider vfferstanden / vnd hat ein ewigs priesterthumb empfangen / dann er ist yetz zuo der gerächten Gottes inn himmlen vnd vertrittet vns. Sie wz auch mit einer guldinen kron vmbgeben / dann Christus der Herr ist ein künig / der vns seine glöubigen von allem übel erlößt / vnd zuo kindern Gottes machet. Der pundtsladen ist auch zuogethon gwesen / oder oben drauff gelegen / dz propitiatorium / dz ist / der gnadendeckel / oder gnadenstuol / dz eintweders ein deckel der laden / oder ein stuol oben vff der laden gewesen ist. Mit welchem / wie beide Apostel Joannes vnd Paulus vßlegend / Christus bedütet ward / der da ist der gnadenstuol vnd die versüenung für vnsere sünd / nit allein aber für vnsere sünd / sonder für die sünd der gantzen welt. Auß disem gnadendeckel wurdend auch die antworten von Gott geben. Der brauch deß gnadendeckels wirt in der Histori anzeigt / dann Moses gieng in den Tabernackel / vnd empfieng da bescheid / vnd den bracht er dann für dz volck. Also ist Christus der / durch den der himmlisch vatter mit vns redt / vnd den er vns einig zuohören fürstellt / da er spricht / Diß ist mein geliebter Sun / in dem mein seel versüenet ist / jnn hörend. Auff den gnadendeckel schauwtend auch zwen Cherubim / die sahend gegen ein ander. Darauß redt on zweifel S. Peter / da er spricht / Das auch die Engel ein lust habind in den Heyland der wält / der durch das Euangelium verkündet wirt zuoschauwen. Die selbigen Engel dienend auch jm vnserem Herren / vnd stond allweg bey jhm / als bey dem Herren aller dingen.
Die Pundtsladen aber deß Herren tregt niemand dann die priester deß Herren. Dann allein die nemmend Christum vff vnd werdend seiner gaben teilhafft / die durch den heiligen geist gesalbet vnd mit waarem glauben begabet sind. Das ist auch nit zuo übergon / dz j. Sam. iiij. vnd v. cap. anzeigt wirt / dz die Jsraeliter von Philisteren geschlagen vnd überwunden / deßgleich auch die laden selb gefangen worden / als sie die mißbruchtend / vnd zuo einem anderen brauch dann darzuo sie geben was zugend / vnd jren mer zuogabend / dann jhren die geschrifft hatt gleert zuogeben / damit yederman darauß lernete den Sacramenten vnd gheimnussen Gottes nit mer zuo geben / dann jnen aber zuoghört / vnd sie nit zuo anderen dingen brauchen dann zuo denen es Gott verordnet hat. Dann sie was nit darzuo verordnet / das sie für Gott gehalten wurde / ob sie gleich den nammen Gottes truog / Jtem das man hilff vnd gnad von jren begärte / wie man aber findt das sie thon / sonder das sie ein zeügknuß wäre / das Gott als jr pundtsman mitten vnder dem volck wäre / so sie hieltind die tafelen deß pundts die in der laden verschlossen warend / vnd allein Gott anhangetind / vnd von dem alles guots hoffetind durch Christum / der durch die laden vor gebildet ward. Jm hinuß gon nun vß dem aller heiligisten in dz heilig begegnet eim zum ersten der guldin tisch / welcher wie er gewesen vnd vß wz materi er gemachet / wirtCXLVIv. / 146b
beschriben Exo. xxv. Vff den tisch wirt deß menschen speiß vnd narung gesetzt / vom tisch werdend die menschen ergetzt / ob dem tisch leggend die menschen jre sorgen nebendsich vnd werdend frölich. Darumb so mag kein anderer tisch sein / dann der Herr Christus / vnd die leer Christi / dann Christus ist die läbendmachend narung / die fröud vnd ergetzung aller glöubigen menschen. Der tisch ist vssenfür guldin / jnnen gantz höltzin / dann vnser speiß ist warer Gott vnd mensch. Der tisch wirt in der kirchen fürgstellt / darumb sol man jn nit zuo Athen / oder bey den Sophisten / oder gymnosophisten / oder in der Synagog suochen. Vff den tisch werdend gelegt xij. nüw gebachne brot in zwen teyl zerlegt / dann dz brot deß läbens speißt beide völcker der Juden vnd Heyden / vnd ist nüw / lieblich / vnd settiget wol. Es ist auch dises brot heilig / nit gmeyn / dz allein die priester ässend / dann allein die glöubigen sind sein wirdig / vnd werdend allein dessen teylhafft. Sie werdend aber genennt schowbrot / darumb das vns dise läbend machend speiß allweg sol vnd muoß vor augen schwäben. Vnd wie dise brot allweg muoßtend darglegt sein vor dem Herren in angesicht der menschen / also gebürt es sich nicht das die leer Christi beschlossen vnnd verborgen sey. Ein geschirrli mit wierouch ward auff die brot gesetzt / dann die / so dises himmlisch brot ässend / opfferend Gott one vnderlaß gebätt vnnd dancksagungen. Wie die schowbrot gemachet werdind / wirt mit vil worten beschriben Leuit. am xxiiij. Capitel.
Der guldin lüchter stuond im heiligen vor dem vmbhang gegen dem tisch über. Dessen beschreibung habend wir Exo. am xxv. Liechter werdend gsetzt in vnseren heüseren / das sie zündind allen denen die im hauß sind. Also ist Christus der Herr der wält gegeben zum liecht / auff das wer jm nachfolge / überkomme das liecht deß läbens. Christus erleüchtet die kirchen / auß Christo kommend rören vnd liechter / die das liecht vnd den glantz vonn jm habend. Der Herr hat zun Apostlen gesprochen / Jr sind dz liecht der wält. Darumb so ist Christus der stock vnnd stammen deß leüchters / auß dem stock kommend herfür rören / die zuo oberst liechter haltend / dann was liechts in den dieneren der kirchen ist / das ist alles auß Christo dem brunnen deß liechts. Gantz guldin ist aber alles das am leüchter ist / dann Christus ist Gott / das liecht vnnd die weißheyt deß vatters. Es söllend auch die diener Christi geleüteret vnd rein sein von allen anfächtungen deß fleischs. Dahin dienet auch die gheymnuß der abbrächen oder liechtbutzen. Mitten aber zwüschend dem tisch vnd dem leüchter im heiligen vor dem vmbhang stuond der Altar / welcher der röuchaltar genennt ward. Der wirt eigentlich beschriben Exo. am xxx. Cap. Diser Altar hat zweyerley brauchs / dann zum ersten ward täglich söllichs rouchwerck / dergleichen keins sonst solt gemachet / noch yenerzuo sonst gebraucht werden / darauff geopfferet / das gschach yedes tags zwürend [zweymal] / morgens vnd abends. Jn dem dienst was Zacharias der vatter Joannis deß Töuffers / do er den Engel sach / vnd ein zeitlang von wegen seines vnglaubens erstummet. Darnach so ward einist im jar / namlich vff das fäst der versüenung / auff ein besonderbare weiß röuchwerck darauff geopfferet / wie das beschriben wirt Leuit. am sechtzehenden Capitel. Durch das röuchwerck aber / sol man verston das gebätt der glöubigen / wie Dauid söllichs zeüget vnnd außlegt / da er spricht / Mein gebätt sey vor dir bereitet wie das geröuch / das auffheben meiner händ sey ein abendtopffer. Dieser Altar aber was einig / So yemand andere oder mehr gemachet hätte / der wäre deß höchsten vnglaubens beschuldiget vnnd verdampt worden. Durch disen einigen Altar wirdt bedeütet vnser Herr Jesus Christus waarer Gott vnnd mensch / der mittler vnnd schidman [schiedßman] zwüschend Gott vnnd dem menschen / durch welchen alle heiligen vnnd glöubigenn all jhre gebätt Gott dem vatter auffopfferend. Darumb bauwend die mehr AltärCXLVII. / 147a
die jnen Creaturen zuo verträtteren erwöllend / durch deren vermittlung sie etwas von Gott dem vatter erlangind. Nun stat aber heiter im end deß xxx. Capitels gedachts buochs / Wär ein sölichs röuchwerck machen wirt / das er damit röuche / deß seel söll außgereütet werden. Darumb opfferet die glöubig kirch Gott dem vatter all jhre gebätt allein durch Christum. Diser vnser Altar aber ist mitt einer guldinen Kron vmbgeben / dann Christus vnser Herr ist ein waarer Künig vnnd Oberster Priester. Morgends aber vnnd abends sol man bätten / das ist für vnd für / on vnderlaß. Allzeit sol man bätten durch Christum. Zuo dem so ist auch Christus der einig durch welchen Gott das gebätt deren gefallt / die früey / das ist von anfang der wält zuo jhm bättet / vnd deren die spat / das ist zum end der wält bättend vnd jhn anrüeffend. Darumb habend die schwärlich wider den Herren gesündiget / die jhre röuchwerck allenthalben auff den höhinen auffgeopfferet habend. Dann wie sie damit Gott vngehorsamm vnnd widerspänstig erschinen / vnd jhre fünd höher gehalten dann die gesatzt Gottes / ja die gesatzt Gottes verachtet habend / also habend sie auch die geheymnuß deß einigen mittlers Christi verachtet / mitt dem / daß sie von dem einigen Altar gewichen.
Jm hof heruß stuond ein anderer Altar / der da genennt ward der Ehrin Altar / vnd der Altar deß brandopffers / der wirt beschriben Exo. am xxvij. cap. Der was auch einiger. Dann es dorfft kein mensch oder Priester / wer er joch [auch] wäre / anderßwo dann an dem heiligen ort auff disem Altar opfferen / es beschähe dann etwan auß besonderer bewilligung vnnd nachlassung Gottes. Deßhalb do die Rubeniter mitt sampt jhren verwanten einen Altar am gstad deß Jordans auffgericht hattend / vnd das geschrey für die anderen stammen in Jsrael kam / do erkantend sie das dises übel mit einem offnen krieg sölte gestraafft werden. Darauß wir denn abermals ermässen könnend / wie groß die sünd deren gewesen / die disen Altar verlassen / vnd auff den höhinen geopfferet habend. Von welchem auch daoben ist geredt worden. Diser vnser einiger vnd allgemeyn Altar aber ist Christus / der sich selbs Gott zuo einem läbendigen opffer auffgeopfferet hatt / vnnd ist kein ander opffer in der gantzen wält / das der sünden versüene / dann diß einig. Es gefallend auch Gott dem vatter keine opffer / dann die auff dem Altar Christo durch den glauben geopfferet werdend. Dann Christus ist der vns heiliget / vnd so wir durch jn geheiliget sind / so opfferend wir Gott ein angenäm opffer. Diß ist genommen auß der leer deß heiligen Apostels Pauli zun Hebreeren am xiij. vnd zun Römern am xij. Capitel. Das letst aber vnder den heiligen instrumenten vnd gschirren was die Ehrin bütten oder standen [zuber oder wassertrog] / die do stuond im hof zwüschend dem vmbhang deß heiligen vnd dem Altar deß brandopffers. Die wirt beschriben Exo. am xxx. Cap. Jn deren was wasser / mit dem sich die priester wuoschend / so sie vor dem Herren dienen soltend. Mit welchem auch Christus bedeütet ward / der da ist die abwäschung der glöubigen. Es ward auch bedeütet / das man die händel Gottes nit mit vngewäschnen händen vnd füessen sölte handlen. Die wäschend sich aber / die durch den heiligen geist gereiniget / vnnd durch die gnad Gottes heilige ämpter zuo verwalten geschickt gmachet werdend. Der ist aber deß tods schuldig / der diser läbendmachenden gnad nit teylhafft wirt.Vber dise werdend auch noch andere heilige instrument vnd gschirr deß tabernackels erzellt. Diß sind aber die fürnemsten stuck / die ich yetz gemäldet. *Jch habs nit alle zum gnäwisten wöllen erfecken / oder mich in dem kleinen wöllen saumen / damit ich nit eüwer lieb mit langer tractation deren dingen verdruß machte.* [*bis* -] Die instrument aber vnd gschirr / wie die im Tabernackel funden wurdend / also warend sie auch im Tempel / dann allein / das im Tempel Salomons
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grössere bereitschafft vnd zier an allen dingen ersehen wirt / vnd dz on zweifel von keiner anderen vrsach wegen / dann dz sich die gheimnussen Christi vnd der kirchen ye lenger ye me vnd heiter sich herfür vnd an tag thetend. Christus der waar Salomon / der künig deß fridens vnd der säligkeit / der ja selb die ewig säligkeit ist / hatt die kirchen in diser welt vfgericht vnd gebuwen / die sich streckt biß an dz end der welt. Von welchem die Propheten vil handlend / besonders Zacharias / vnd der fürträffenlich Prophet Nathan ij. Sam. vij. cap. So vil sey nun von dem heiligen ort geredt.
Nach dem wir nun dz ort besehen / dz zuo den heiligen Ceremonien verordnet / so volget / das wir nun auch redind von der heiligen zeit / dann wie ein gwüsses ort diser vsseren religion vnd dem vsseren gottsdienst ist bestimpt gwesen / also ist auch ein gwüsse zeit darzuo verordnet. Vnd gehörend die fyrtag auch zuo den heiligen wercken vnd üebungen. Dann es sind etliche werck / vssere werck / als handtwerck / die erfunden sind narung kleydung vnd andere notturfft deß leibs zuo überkommen. Etlichs aber sind heilige / vnd der religion dienstliche werck / die zuo üebung der ausserlichen religion gebrucht werdend. Nit alle zeit aber sol man verschleissen ob der hand arbeit [auff ... wenden]. Dargegen kan man auch nit alle zeit ob der ausseren religion verzeren [zubringen]. Dise werck aber vnd die übrigen alle könnend nit one zeit sein / dann ein yede handlung muoß jr zeit haben. Darumb hat der Herr die zeit nach disen wercken vnd üebungen vnderscheiden / also das er gwöllen / das etliche gemeyne tag der hand arbeit / etlich besondere aber vnnd heilige der üebung der ausseren religion dienetind. Nit das nit auch die gemeynen tag / daran man die hand arbeit volbringt / heilig vnd Gottes eigen sygind / dann sein ist ein yede zeit vnd ein yeder tag / sittenmal er auch zuo allen zeiten von vns begärt verehret zewerden / sonder das die fyrtag besonders vnnd mer dann die gemeynen tag dem dienst Gottes geheiliget vnd geeignet sind. Darumb so ist das ein fyrtag oder heiliger tag / der auß Gottes einsatzung vnd befälch dem Herren geheiliget ist / vnd den ausseren Gottes dienst wirdigklich zuobegon auffgenommen wirt. Deßhalb sind das nit heilige tag oder rächte fyrtag / die nitt allein dem einigen Gott Jehouah gehalten werdend. Es sind auch das nit rechte fyrtag / daran der recht vnnd waar gottsdienst nit geüebt wirt. Von welcher vrsachen wegen die Sabbath vnnd fyrtag deß volcks Jsraels offt in den Propheten verworffen werdend / namlich das sie one glauben vnd nit recht braucht vnd gehalten wurdend. Alle fäst tag aber habend ein gemeynen nammen gehept / dz sie genennt sind worden Sabbath / Jtem fäst / fyrtag / bstimpte vnd heilige tag / panegyres [-] vnd [gemeine] versamlungen. Es ist auch gmeyn gewesen in allen fästen / dz sie allein Gott zuo ehren habend dienet / nit den Creaturen / dem bauch / oder der geilheyt. Jtem so was auch dz gemeyn allen / das sie zum heil / zuo nutzbarkeit vnd ergetzung der menschen dienetend vnd auffgesetzt warend / dann fyrtag sind kein arbeit / sonder ein leichterung der arbeyt. Die ausseren werck sind wol nutzlich / aber die fyr ist auch notwendig / on welche kein arbeyt wirig [wihrig] ist. Darumb wil Gott dem menschen ergetzligkeyt gunnen vnd zuolassen / vnnd heißt die seinen auff die fästtag sich fröuwen / doch fröuwen in heiligkeyt vnd zucht / das es ein ehrliche ergetzligkeyt / nicht ein vnerbare geylheyt syge. Dargegen ist müeßiggon wol an jhm selb nicht guot / guot wirt es aber in ansehung eines anderen. Dann es heißt wol Gott von ausserer arbeit fyren / aber von deß wegen heißt ers / dz die menschen hiezwüschend anders thüegind / vnd also mit dem leib auffhörind arbeiten / damit sie mit dem gemüet anfahind / vnd den heiligen dingen gantz vnd gar obligind. Darumb so ist von nöten das man zuosammen kömme / die geschrifft läse / gmeyne hätt vnd opffer halte /(dann das man alle fyrtag opfferen sölle wirt fürgeschriben Num. xxviij. vnd xxix.) die Sacrament begange / vnd was dergleichen me ist / das Gott auff die fyrtagCXLVIII. / 148a
hat gheissen thuon. Vnd sonderlich wirt das einig hie in sonders erforderet / das die Maria fand / die da saß zun füessen Jesu / vnd sein wort höret. Es ist auch das in allen fästen gemein gewesen das sie gedechtnußen gewesen grosser hendlen vnd thaten / wiewol jedes fäst sein besondere that hatt / deren gedechtnuß es inhaltet. Als der Sabbath was ein erinnerung der wolthat das die wält vonn Gott erschaffen / von wegen vnd zuo guotem der menschen / darzuo was er ein zeichen / wie Moses zeüget Exod.xxxj.[17] der waren heiligung / die der allein heilig Gott denen mittheilt die jn vereerend vnd vor augen habend. Die anderen fäst brachtend andere wolthaten Gottes in gedächtnuß / vnd hattend jre besonderen bedeütungen / wie das an seinem ort wirt anzeigt werden.
Die fyrtag aber hattend auch jr gwüsse maß vnd zal / vnd warend vnderscheiden / erstlich in wuchen / deren ein jede jren Sabbath hat / das ist den sibenden tag / darnach in monat / dann der erst tag eines jeden monats was dem Herren heilig. Die selben fyrtag nanntend sie / neomenias / nüwmonat oder Calendas. Zuoletst aber in järliche fäst / das warend gwüsse jarzyt vnd bestimpte fäst. Deren werdend drü erzellt / der überschritt / die Pfingsten / vnd das fäst deß sibenden monats. Vber welche auch etliche andere selbs angnomne fäst warend / die nammlich nit von gott gebotten / sonder von der kirchen zuo ehren Gottes vnd zuo gedechtnuß grosser von Gott empfangnen guothaten auffgericht warend. Dann also nam die gantz gemeind dz fest deß loses / das sie Purim nanntend / an / vß zuoschreyben Mardochei / wie man läsen mag Esther am ix. Cap. So hatt Judas Machabeus das fäst Enceniorum oder kirchwyhe / mit bewilligung vnd mithällung der gantzen gemeind / zuo gedechtnuß der widerbringung deß tempels vnd der erlösung von der tyranny Antiochi / auffgerichtet / wie man lißt j. Machab. iiij. Vnd Christus selb eeret das fäst mit etlichen schönen predigen die er darauff gethon. Es sind auch ettliche fast tag vnder dem volck Gottes auffgesetzt worden / als im fünfften monat / darinn die statt verbrennt / vnnd im sibenden monat / darinn Godolias ist erstochen worden / vnnd im zehenden monat / darinn die statt ist belägeret worden. Von welchen Zacharias redt am sibenden vnd achten Capitel. So ist auch zuo der zyt Esther ein fasten angesehen worden in dem monat Adar / zur gedechtnuß der trüebsal der Juden / die jnen zuogfüegt vnd zuogerüst was von Amano. Von dem Sabbath aber vnd seiner bedeütung hab ich erst geredt / item hieuor auch / do ich die zehen gebott vßgelegt. Der selbig ist als durch ein göttlich vnd der natur yngepflantzet gsatzt gehalten worden von schöpfung der wält an / vnd ist der anfang vnd das haupt aller fyrtagen. Dann er ist nit erst durch Mosen / als die zehen gebott von himmel durch jn gegeben wurdend / auffgesetzt / sonder die haltung deß Sabbaths ist bey allen heiligen im brauch gewesen von anfang der wält an. Darumb läsend wir auch das der Herr in den zehen gebotten gesprochen / Gedenck das du den Sabbath heiligist. Es wirt auch deß Sabbaths heiter gedacht in der gschrifft ee das gsatz geben. Exod. am xvj.[11] vnd Gene. am ij. Cap.[2]. Das ander gschlächt der Sabbathen vnd fyrtagen / sind die calende oder nüwmonat / die wurdend ghalten vff den ersten tag eines jeden monats. Dessen wirt gedacht Num. x.[10] vnd xxviij.[11] j. Sam. xx.[18] Psa. lxxxj.[4] Ezech. xlvj.[6] vnd ij. Par.[2.4]. Diß sagt man sye yngsetzt zuo gedechtnuß der erschaffung deß liechts / vnd habe die lüt glert vnd erinneret / dz sie die monat / nit lano noch Marti / noch keinen heiligen oder planeten / sonder allein dem einigen Gott dem schöpffer aller dingen / vnd regierer vnd verwalter aller zeyten zuogäbind vnd vnderwurffind. Vber dz aber hat es auch ein bedütnuß gehept der ernüwerung deß glöubigen gemüets durch die himmlische erleüchtung / dz also wir Christen das fäst der nüwmonaten in der warheit haltend vnd begond / so wir durch den Sun Gottes auß der finsternuß ans liecht gebracht / wandlend als die kinder deß liechts vnnd die werck der finsternuß verwerffend.CXLVIIIv. / 148b
Das dritt gschlächt der fyrtagen / begreifft die järlichen fäst / deren wie gemeldet drey gezellt werdend / der überschritt / die Pfingsten / vnd das fäst deß sibenden monats. Auff dise drey fäst hatt Gott wöllen / das zuo dem heiligen ort / nammlich zuo dem tabernackel / vnnd als der geänderet / zum tempel gemeine zuosammenkomnußen vnd versamlungen geschähind / dann also spricht Moses im Deuteronomio. Drey mal im jar sol alles wz männlichs ist vnder dir vor dem Herren deinem Gott erscheinen / an dem ort das er erwellen wirt / nammlich auff das fäst der vngeseürten brot / auffs fäst der wochen / vnd auffs fäst der lauberhütten. Er sol aber nit lär vor dem Herren erscheinen / sonder ein jeglicher nach der gab seiner hand / vnd nach der bescherung / die der Herr dein Gott beschert hatt / das ist / ein jeder sol dem Herren bringen das er vermag / nach der grösse seines vermögens / das jm Gott beschert hatt. Dise drey järliche vnd bestimpte fäst aber / hatt er in drey Monat getheilt / die gelägen vnnd gschickt warend zuo wandlen vnd zuo reisen. Jm früeling ward die Osteren oder der überschritt gehalten / wenn jetz die frücht in ähre giengend. Vmb die ärnd begiengend sie dz Pfingstfäst / nach dem die ersten werck auff dem fäld überhin warend. Nach dem sie aber die frücht all yn gesammlet / zugend sie zum fäst der louberhütten. Es zugend aber auff die fäst / welche je mochtend. Etliche meinend es seye mit denen dispensiert worden / die ein mal im jar vor dem Herren erschinen seyend / also / das sie auff die zwey anderen fäst wol habind mögen daheim bleiben. Jch achten aber das glöubige leüth / söliche dispensation nit vil gebraucht habind. Es verheißt an anderen orten der Herr / das er dieweil die marchen vnnd die güeter deren so zuo denen fästen ziehind / schirmen vnd verhüeten wölle. So sicht man auch auß den historien / das die versammlungen auff dise fäst über auß groß gewesen sind. Der überschritt hatt mengerley nammen ghan / fürnemlich aber ist er genennt worden / das fäst der süessen broten / dann siben gantz tag ein ander nach assend sie vngeseürt brot. Die ceremoni dises fästs mit sampt den opfferen die man dran solt opfferen / wirt nach der lenge beschriben Exod. am xij.[1] vnnd Leuit am xxiij.[5]. Daran aß man das lamb / vnnd das nienen anderst dann bey dem tabernackel oder tempel. Daruon ein gsatzt ist Deut. am xvj. das erinneret das volck Jsraels vnnd alle glöubigen an die herrlich erlösung deß volcks Jsraels auß Egypten. Auff dises fäst wolt der Herr / das man jhm die ersten frücht opfferte / damit er sie auch damit also erinnerte der wolthat die er jhnen mit dem geben deß Mans bewisen hat. Es hatt auch dises fäst sein bedeütung ghept auff den vberschritt vnd die erlösung / so durch die vergiessung deß bluots Christi volbracht ist. Dahär der Apostel sagt / vnser Osterlamm ist Christus für vns auffgeopfferet j.Cor.v. Von dem überschritt wil ich aber in volgender predig etwas weyter reden / wils der Herr. Die Pfingsten ward auch das fäst der wuchen / vnnd der neüwen früchten genennt / dann auff das selbig fäst wurdend schowbrot dargelegt von newem guot. Sie zaltend aber vom nechsten tag an nach Osteren siben wuchen / das ist fünfftzig tag / vnd begiengend also am fünfftzigisten tag die gedechtnuß deß geoffenbarten vnd gegebnen gesatzts Gottes / das Gott selb vom himmel gegeben hat. Dann wir läsend das Gott am fünfftzigisten tag nach dem außzug auß Egypten / selb auff dem berg Sinay geprediget / vnnd das gesatzt geben habe. Vnd was deßhalb also die pfingsten ein gedechtnuß der erleüchtung der kirchen / vnd auch ein vorbild deß tags / an dem der Herr Christus / das end deß gesatztes / den heiligen geist auff die jünger gesendet / vnnd die gantze kirchen erleüchtet hatt. Die ceremonien aber dises fästs beschreibt Moses Leuit. am drey vnd zwentzigsten Capitel.CXLIX. / 149a
Das fäst der lauberhütten begiengend sie im sibenden monat / wie dann Moses in Deuteronomio sölichs gebotten / da also stat. Das fäst der lauberhütten solt du halten siben tag / wenn du hast yngesammlet von deinem tenn vnnd vonn diner trotten [kelter] / vnd solt frölich sein auff dem fäst / du vnd dein sun / dein tochter / dein knecht / dein magt / der Leuit / der frömdling / das weißlin [waißlein] vnnd die witwen die in deinem thor sind. Siben tag solt du dem Herren deinem Gott das fäst halten an dem ort das er erwellet hatt / dann der Herr dein Gott wirdt dich sägnen in allem deinem ynkommen / vnd in allen wercken deiner händen. Darumb solt du frölich sein. So findt man auch ein form wie dises fäst begangen Nehemie am viij. Capitel. Darauß man meer nemmen mag. Diß fäst aber der lauberhütten oder deß sibenden monats ist in vier theil getheilt gewesen. Am ersten tag deß monats was das fäst der trummeeten / welches ein gedechtnuß was der schwären kriegen / die das volck mit hilff vnnd beystand Gottes glücksäligklich gefüert / erstlich wider die Amalekiter / demnach auch wider alle Heidische feyend. Es ward auch damit bedeütet / das deß menschen läben auff erden ein stäte reyß wäre. Am zehenden tag desselben monats ward gehalten das fäst der versüenung / an dem der priester dem volck ein gemeine form vnd bekantnuß der sünden offentlich vorlaß / vnnd jederman auß der gemeind jhm nach sprach / bey jhm selb / vnd sich mit Gott vnderredet vnnd besprachet. Da geschach auch die handlung mit dem freybock / vnnd das opffer / das nach der lenge beschriben wirdt Leuit. am sechtzehenden Capitel / Mit welchem die versüenung der sünden geschach / die ein vorbildung was der künfftigen versüenung / so durch Christum geschehen / welcher ein mal auffgeopfferet / mit dem einigen opffer seines leybs hingenommen hatt alle sünd der gantzen wält. Es ward auch darinnen begriffen die leer vonn der waren buoßfertigkeyt. Am fünfftzehenden tag aber / huob an das fäst der lauberhütten. Dann siben gantz tag an ein anderen / nammlich vom fünfftzehenden an deß monats biß auff den zwey vnnd zwentzigsten / wonet das volck in hütten. Das end vnd die bedeütung diser ceremoni wirt vonn der geschrifft selb angezeigt / das nammlich die nachkommenden wüßtind das Gott jhre vorderen in hütten gesetzt hätte / vnd ward deßhalb damit wider äferet die gedechtnuß der guothaten / die jnen Gott in der Wüeste bewisen. Dann sie sind viertzig gantze jar inn der Wüeste erhalten worden / das jhnen weder narung noch kleidung geprosten [gemangelt] hatt. Es ward auch das damit bedeütet / das nammlich das läben diser wält nichts anders seye dann ein wonung inn hütten / vnnd das wir hie kein bleibende statt habind / sonder ein zuokünfftige suochind / wie auch Paulus geleert / ij. Corinth. v. vnd Hebr. xiij. Cap. Das viert fäst diß sibenden monats / ward begangen am achtenden tag deß fästs / nammlich auff den zwentzigsten tag diß monats / vnnd ward genennt die zuosammenkommnuß oder versammlung. Auff dises fäst sammlet man die heiligen steüre / opffer vnnd ynkommen / die zuo erhaltung der gebeüwen deß tempels / Jtem zuo dem kosten so über die opffer gieng / vnd in summa zuo erhaltung deß kirchen diensts / dienetend. Auff dises fäst achtet man seye der vier vnnd achtzigst Psalm / Wie lieblich sind deine wonungen O Herr usw. gesungen worden / vnd etlich ander Psalmen mer / die Torculares genennt werdend. Das seye nun von den jars fästen geredt. Hie ist auch von nöten zuo erzellen die ynsatzung deß Jubel jars / das was allweg je das fünfftzigest jar / welches mit seinen ceremonien nach der lenge beschriben wirdt Leuit. am fünff vnd zwentzigsten Cap. Das ward vnder dem gantzen volck im glopten land durch ein widers horn außgeblasen / vnnd hiemitt allen denen so inn dienst vnnd eigenschafft verpflicht warend / freyheyt verkündet. Darinn dann die geheimnuß vnsers Herren Christi gantz heiterCXLIXv. / 149b
begriffen ward / welcher vns auch selb die bedeütung diser ceremoni Luce am vierdten Cap.[16] auß dem lxj. Capitel Esaie außgelegt hat / da er anzeigt / das er der seye / der warlich das jubeljar auffthüeye / vnnd die war freyheit vnd verzeihung der sünden allen glöubigen / wol nit mit dem widers horn / sonder mitt dem horn deß Euangelij. Dann durch die barmhertzigkeit Gottes im verdienst Jesu Christi deß suns Gottes / werdend allen glöubigen die auff der gantzen erden wonend verzigen alle schulden oder sünden / doch mitt dem geding vnd anhang / das wir / denen jetz die schulden nachgelassen sind / auch hinwider denen die schulden vergäbind vnd nachlaßind die vns schuldig sind / das ist / wider vns gesündet habend. Wir habend auch in Christo die war vnd ewig fyr vnd ruow. Durch Christum wirdt vns zuogelassen wider zuo kommen zuo dem vatterland vnd zuo der alten besitzung / das ist / zuo dem land der läbendigen.
Das hab ich nun also von den heiligen zeyten vnnd fästen / auffs kürtzest ich jmmer gemögen ewer lieb wöllen fürhalten. Weytlöuffigers findet man hieuon Exod. am xxiij.[14] Leuit. am xxiij.[4] Num. xxviij. vnnd xxix. Deut. am xvj. Capitel [16]. Was nun weyter zuo disem handel dienet / nammlich von den Jüdischen ceremonien / wöllend wir / wils Gott in nechstuolgender predig außrichten. Jetz aber wöllend wir Gott anrüeffen vnd bätten usw.
26.Pr.Die Sechs vnd zwentzigste Predig
Von den Sacramenten der Juden / auch jhren mengerley opfferen / vnd anderem das zum gesatzt der ceremonien gehört.
JN der nechsten Predig habend wir [Geliebten im Herren] geredt von den personen / so zuo dem eusseren dienst Gottes verordnet [vnd bestimpt waren] / *nammlich von den dieneren / vnd Leuitischen priesteren / Jtem auch von dem ort vnd den zeyten so zuo der religion bestimpt warend* [-]. Nun volget das wir auch den handel selbs / den die gedachten personen an gedachtem heiligen ort / vnd auff gedachte heilige zeyt üeptend vnd begiengend / das ist die heiligen breüch vnnd ceremonien / vnd den Gottsdienst selb erwägind / welcher also von Gott yngesetzt / angegeben vnd fürgeschriben ist / das jederman hatt mögen verston / was er Gott für ein dienst schuldig seye vnd leisten sölle. Hierinnen sind aber fürnemlich zwey ding zuo bedencken / zum ersten die Sacrament / demnach die opffer.
So vil die Sacrament belanget / so hatt die alte kirch der selbigen zwey fürnemme gehept / die beschneidung nammlich vnd den überschritt. Von deren jedem wöllend wir besonders reden / so vil vns der Herr auß seinem wort eroffnet. Die beschneidung was ein heiliger brauch / da die vorhaut zur besiglung deß punts Gottes mit den menschen / beschnitten ward. Oder das wirs weytlöuffiger beschreibind / so was die bschneidung ein zeichen deß ewigen punts Gottes / das gegeben ward am geburtsglid / von Gott darumb yngesetzt / das es zeügete von dem gnädigen vnd guoten willen Gottes gegen den beschnittnen / vnd sie auch erinnerte der widergeburt vnd reinikeit / auch hiemit die puntsgnossen Gottes von anderen völckeren oder Heiden absünderte vnd vnderschiede. Deßhalb so ist Gott ein vrhab [stiffter] vnd anfenger der beschneidung / vnnd jhr vrsprung treffenlich alt. Dann es sagt auch Christus der Herr im Euangelio / die beschneidung seye nit von Mose / sonder von den vätteren. Moses hat wol das gsatzt oder den brauch deß beschneidens wideräferet [widerholet] / vnnd ernüweret / der erst aber der bschnitten ist worden / ist Abraham der fürtreffenlich freünd GottesCL. / 150a
gewesen / do er neün vnd neüntzig jar alt was. Vnnd ist auff den tag beschnitten worden / als Gott den punt mit jhm auffgericht vnd die beschneidung yngesetzt hat. Dann Gott hat dieselbig dem punt den er mit Abraham vnnd seinem samen auffgericht hatt in ewigkeit / gleich als ein sigel angehänckt / wie dz stat Gen. am xvij. Das geschach von anfang der wält im 2046 / vom sündfluß im 390.jar / do Sem der sun Noe jetz 487. jar alt wz. Darumb fint sich das Moses erst 320.jar nach dem anfang der beschneidung ist geboren worden / vnnd das die Vätter bey 400. Jaren vor dem gesatzt die beschneidung im brauch gehept.
Dieweil aber die beschneidung dem punt so zwüschend Gott vnnd Abrahamen auffgerichtet / als ein zeichen vnd sigel zuogethon ist / so müessend wir auch in eim fürgang kurtz erwegen / wie es vmb den punt ein gstalt habe gehept. Es handlet Gott inn dem punt auffrichten / gleich wie auch inn anderen dingen auff menschliche weyß. Menschen verbindend sich mit püntnussen als mit starcken steyffen banden zuosammen in gemeinschafft vnd einigkeit eins leybs oder eins volcks / auß deren krafft sie zuosammensetzend jhr leyb vnnd guot / damit jhnen wol seye vnd vor menckliches vnbill sicher bleiben mögind. Vnnd in denen püntnußen wirdt allweg eigentlich außtruckt wär die seyend / die sich mit einander verbunden / Jtem mit was gedingen / wie lang auch vnnd wie verr [ferne] sie sich verbindind. Deßhalb do Gott dem menschlichen geschlächt sein gnad erzeigen / vnd ja sich vns selb gantz vnd gar vnd all seine güeter mitteilen / vnnd inn vns außgiessen wöllen / damit vns wol wäre / so hatt er mit dem menschen ein punt auffgericht. Disen punt hatt er aber nicht zum ersten mit Abrahamen auffgericht / sonder allein den alten punt mit jhm erneüweret. Zum ersten hatt er jhn auffgericht mit Adamen vnserem vatter / dozuomal / do er jnn als er vor jhm flüchtig ward / wider begnadet / vnd jhm seinen eingebornen sun verhieß / inn welchem er mit der wält wölte versüent werden vnnd sich vns gar schencken / vnd alle seine güeter mittheilen / vnnd dargegen vns jhm in glauben vnd gehorsamme verpflichten. Disen ersten vnd vralten punt hatt er hernach wider erneüweret mit dem Noe / vnnd nahen noch heiterer [nachuolgends noch klärer] mit dem heiligen Abraham. Vnnd nach vierhundert jaren ist der punt abermalen vnder Mose am berg Sinai erneüweret worden / da auch die geding deß punts inn zwo Tafelen verfaßt / vnnd vil ceremonien darzuo gethon sind worden. Aller heiterist aber vnnd herrlichist hatt disen punt herfür thon vnd erneüweret vnser Herr vnnd heiland Jesus Christus / der widerumb alle ceremonien / vorbild / figuren vnd schatten auffgehept vnnd durthon / vnnd die warheit an die statt gesetzt / vnnd es alles volkommenlich erfüllt hatt / welcher auch die fürnempsten stuck vnnd artickel vnsers heilß vnnd der waren Gottsäligkeyt inn ein kurtze summ verfaßt / welches er den neüwen punt oder das neüw Testament genennt / vnnd das vonn wegen der erneüwerung vnnd erfüllung aller stucken / vnd der aufhebung der alten ceremonien. Jnn disem neüwen pundt / wirdt vns allein Christus verkündet / vnnd anzeiget / das er die vollendung vnnd volkommenheit aller menschen seye / vnnd wirdt darinn nichts anders dann glaub vnnd liebe vonn vns erforderet / vnnd vns ein heylige vnd wunderbare freyheit zuogelassen vnnd gegeben. Von welchem aber ein ander mal weiter wirt geredt werden. Wir wöllend wider auff den punt / wie der mit Abrahamen erneüweret. Darinnen wirdt vns heiter angezeigt / wär die seyend die sich mit ein ander verbunden / Nammlich eins theils / der läbendig / ewig / allmechtig vnnd höchst Gott / der Schöpffer / erhalter vnd regierer aller dingen. Ander theils Abraham mit allem seinem samen / das ist mit allen glöubigen auß allenClv. / 150b
völckeren vnnd nationen / dann also legt Paulus den samen Abrahe auß / besonders da er zuo den Galateren spricht / so jr Christi sind / so sind jr Abrahams samen / vnd nach der verheissung erben.
Demnach wirt auch die zeyt gemeldet / wie lang der punt wären sölle. Vnd wirt ja [Da wirt nun] kein zeyt außzilet / dann es ist ein ewiger punt. Dann wiewol vil vnnd mengerley ding / so der punt etwan erneüweret vnd erleüteret worden / hinzuo kommen / welche aber hernach wider verschwunden vnd abgangen / besonders do Christus ins fleisch kommen / so finst doch nichts / das je an der substantz vnd an dem wäsen deß punts veränderet seye worden. Dann Gott ist vnnd bleibt allweg ein Gott seines volcks / er erforderet vnnd begärt auch allweg von dem selbigen glöubige gehorsamme / welches man in dem neüwen Testament am aller heiteristen ersicht. Der articklen aber oder gedingen deß punts / werdend fürnemlich zwey gesetzt. Das erst zeigt an / was Gott vns seinen punts verwanten [Bundsverwanten] verheisse vnnd geben wölle / was wir ja vom Herren zuo erwarten habind. Das ander begreifft deß menschen ampt / was der selbig Gott seinem puntsuerwanten vnd Herren schuldig seye. Darumb so vil Gott belanget / so spricht er / Jch wil dein Gott sein / vnd ja dein Saddai [Schaddai] / das ist dein volkomne gnüege / ja dein Gott vnd deines samens nach dir. Es ist Gott jm selbs gnuogsam zuo voller vollkommenheit vnd säligkeit / vnd darff keiner frembden hilff / dieweil alles das jenen ist / auß jhm ist vnd durch jhn bestat. Er ist auch allein gnuog dem menschen / vnd gibt jm allein alles das er von jm begären mag / vnnd das zuo volkomner säligkeit dienet / darumb er auch etwan von den Heiden Saturnus (villeicht auß anlaß deß wörtlins Saddai) ist genennt worden / onzweyfel à saturando, das ist vom ersettigen här. Denn er mag allein settigen / als der da ist die ersettigung vnd volkommenheit selbs. Das er aber deß samens Abrahe volle gnüege wölle sein / erzeigt er mit zweyen argumenten [beweisungen]. Zum ersten / Jch wil deinem samen geben dz land Chanaan. Jn welcher verheissung er alle jrdischen vnd leiblichen guothaten begreifft / als grosse reichthumb / glücksäligkeit / stille vnd ruow / gnuogsamme aller dingen / gesuntheit / Ehr / herrliche sig / vnnd in summa alles das zuo der zeitlichen erhaltung vnd säligkeit deß menschens dienet. Wie er aber sölichs dem samen Abrahe geleistet / wirt vilfaltig in der heiligen geschrifft erleüteret / mit welchem anzeigt wirt / das ja der war Gott / deß samens Abrahe Gott / wie er verheissen hat / seye. Zum anderen so verheißt er jm ein samen in dem alle völcker der erden söllind gebenedyet werden / nammlich verheißt er jm den heiland Christum / den er vorhin dem Adamen auch verheissen hatt. Benedyen aber ist / mit allem geistlichen sägen erfüllen. Darinn er dann alle geistliche gaben Gottes begreifft / nammlich verzeihung der sünden / erneüwerung deß läbens / vnnd ewige fröud vnd herrlikeit. Benedyen vnd sägnen heißt auch den fluoch auffheben / dz es deßhalb gleich als vil ist als das zuo Adamen gesagt ward / der samen deß wybs wirt der schlangen den kopff zertretten / dann der alten schlangen kopff ist nichts anders / dann die krafft vnd das reych deß teüffels. Deß teüffels krafft aber ist die verdamnuß / die sünd / vnd der tod. So nun das haupt zerträtten / so ist die maledyung vnd verdamnuß auffgehept / vnd die benedyung an die stat kommen. Mit disen dingen sprich ich / hatt Gott erzeigt das er ein Gott Abrahams vnd seines samens seye. Das ander geding deß punts so zwüschend Gott vnd dem menschen auffgericht / schreibt dem menschen für was er thuon / vnd wie er sich halten sölle gegen Gott seinem Fürsten vnd punts verwanten. Wandel vor mir / spricht er / vnnd biß auffrecht [sey auffrichtig]. Die wandlend aber vor Gott / die all jr wort vnd werck richtend nach dem willen Gottes. Der will Gottes aber ist / das wir auffrecht seyend vndCLI. / 151a
redlich [auffrichtig] / Die redlikeit [auffrichtigkeit] stat in glauben hoffnung vnd liebe / darinn alles das begriffen wirt / das heiligen puntsgenossen Gottes zuostat vnd zuogehört. Darumb so leert diß ander geding deß punts / was die puntsgehörigen thuon söllind / wie sie sich söllind vor Gott tragen / namlich den Gott für jren Gott haben / vnd dem allein anhangen / der die volkommen gnüege ist / jhn allein anrüeffen / jhn allein verehren / vnd von dem Meßia hoffen die heiligung vnd das ewig läben. Das warend die artickel vnd die geding deß punts / welchen die vile der Ceremonien noch nit zuogethon was / die hernach vnder Mose erst darzuo kommen ist.
Disem pundt hatt nun der Herr ein zeichen oder sigel angehenckt / namlich die beschneidung. Sigel werdend an die brieff zuo zeügknuß vnd bestätigung [zur versicherung vnd bekrefftigung] der selben gehänckt / die brieff aber haltend inn vnd truckend auß alle vmbständ deß pundts. Darumb so ist die beschneidung dem pundt angehänckt / an statt brieff vnd siglen. Darumb wirt sie auch der pundt selb genennt / gleich wie auch wir in vnser sprach die puntsbrieff gmeinlich die pündt nennend / das ist den pundt selb / so sie doch anders nichts sind / dann pundtsbrieff / in denen alle vmbständ der pündten begriffen / vnnd mit dem sigel bestätiget werdend. Dann es ist gemeyn das die zeichen die nammen empfahend der dingen deren zeichen sie sind / das es deßhalb kein wunder das auch die beschneidung der pundt genennt wirt / so doch der pundt eigentlich ist / die gemeynschafft vnnd verwantnuß die wir mitt Gott habend. Gen. am xvij. cap.[10] redt Gott von disem zeichen also / Das ist mein pundt den jr halten söllend zwüschend mir vnd eüch / vnd deinem samen nach dir. Alles was männlich ist vnder eüch sol beschnitten werden / jhr söllend aber die vorhaut an eüwerem fleisch beschneiden / das selb sol ein zeichen sein deß pundts zwüschend mir vnnd eüch usw. Sich da wirt die beschneidung in disen worten deß Herren zum ersten heiter der pundt selb genennt. Darnach aber damit mans verstüende / wirt sie auch ein zeichen deß pundts genent. Vnnd auff dise weiß hatt sie auch S.Steffan im buoch der Apostel geschichten am sibenden capitel [8] das Testament genennt. Es wirt auch die form vnnd weiß der beschneidung angezeigt. Jhr söllend spricht er / die vorhaut eüwers fleisches beschneiden / dann das männlich glid / hat ein haut / mit deren es vmbgeben vnd bedeckt wirt / die gat etwas für / vnd wirt darumb vorhaut genennt / darumb das sie fürgat. Dise haut schnittend sie mit einem steininen [scharffen] mässer ab / das die ruoten vor ploß [bloß] was. Dises abschneiden vnd abhouwen / ist beschneidung genennt worden. Wär aber ye dise haut abgeschnitten / wirt nit außtruckt [außtrucklich angezeiget] / wiewol gnuogsam erscheint / das vor dem gsatzt allweg ye die achtbaristen in einem yeden hauß oder geschlächt / als der erstgeboren / oder der haußvatter / vnder dem gsatzt aber die priester beschnitten habind. Das Zipora Mosis haußfrauw auch beschnitten hat / Exo. am iiij.Cap. das ist ein besonders. Zuo dem so wirt auch die zeit der beschneidung genammset / namlich der achtend tag / so das neüwgeboren kind yetzund etwas erstarcket. Das sie es aber nit mitt ysenen / sonder mitt steininen mässeren beschnitten habind / nemmend wir ab auß dem v. Capitel deß buochs Josue / da der Herr die kinder Jsraels außtruckenlich heißt beschneiden mit steininen mässeren. Das aber Gott nützit in den Ceremonien der Sacramenten ändere / ist offenbar auß dem brauch der Sacramenten. Darumb ist darauß wol zuo vermuoten das auch Abraham kein andere dann steinene mässer hierzuo gebrucht habe / besonders dieweil auch von Zipora der haußfrauwen Mosis geläsen wirdt das sie jren sun mit einem stein beschnitten habe. Der Juden fantasey aber vnd tantmäre [fabelwerck] die sie hie brauchend / laß ich mit fleiß vnderwegen / dann sie nit wärt sind / das man daruon rede / darzuo habend sie auch kein geheymnuß hinder jnen / das steine mässer aber dienet wol die geheymnuß der beschneidung zuo erklären.CLIv. / 151b
Dann es hatt die beschneidung jr gewüsse geheimnuß vnd bedütung gehept. Dann zum ersten so ward damit bedeütet / das die gantz natur deß menschen vnrein vnd verderbt / vnd das deßhalben allen menschen die abschneidung vnd widergeburt von nöten wäre. Darumb ward sie auch an dem burtglid [geburtsgliede] gegeben / dann wir werdend alle inn der erbsünd empfangen vnnd geboren kinder deß zorns / vnd mag vns von diser verdamnuß niemand erlösen / dann der / der on sünd ist / nammlich der gebenedyet samen vnser Herr Jesus Christus / der vom heiligen Geist empfangen vnd von Maria der jungfrawen geboren / der mit seinem vergossnen bluot (welches durch das bluot der beschneidung vorbildet ward) vns reiniget von der sünd / vnd zuo erben machet deß ewigen läbens. Vnd streytet deßhalb die beschneidung hefftig wider die / so die erbsünd verlougnend / Jtem wider die / so vnseren eignen krefften die gerechtigkeit vnnd das heil zuoschreibend. Dann warend wir rein / vnnd mochtend wir auß eignen krefften sälig werden / was waß von nöten das vnsere vätter beschnitten wurdind? Was beschnitten wirt / das ist vnrein vnd überflüßig. Nun hatt aber Gott nichts vnreins oder überflüßigs erschaffen. Er hat aber die vorhaut erschaffen. So nun die vorhaut böß vnd vnrein wer / so hett Gott den menschen nit mit der vorhaut erschaffen. Darumb so ist die vorhaut für sich selb weder vnrein noch überflüßig / vnd dienet deßhalb die beschneidung der vorhaut vil mee zur bedeütung / das wir nammlich darauß verstüendind / das wir von geburt vnd natur verderpt seyend / vnd nit gereiniget mögind werden / dann durch ein steine mässer. Dann darumb ist auch die beschneidung an dem vnd an keinem anderen glid gegeben. Wiewol wir bald hernach auß Lactantio auch ein andere vrsach anzeigen wöllend / warumb sie am geburtglid vnd nit an eim anderen gegeben seye. Demnach so bedeütet ja bezeüget die beschneidung auch / das der allmechtig Gott / auß lauterer gnad vnd güete / gantz vnzertrennlich mit vns menschen verbunden seye / die er auch heiligen / gerechtmachen / vnd mit allen himmlischen güeteren begaben wölle durch Christum. Dann darumb ward ein steine mässer hierzuo gebrucht. Dann Christus der gebenedyet samen / ist der velß vnnd der stein / auß dem die reingenden wasser herfür fliessend / vnnd er schneidet vns mit seinem geist ab alles das / das die freündtschafft vnd einigkeit zwüschend Gott vnnd vns verhinderet. Er gibt vnd meeret vns die hoffnung vnd die liebe im glauben / das wir zuo Gott kommen vnd ewig bey jm bleiben mögind / welches dann das war sälig vnd ewig läben ist. Hiehär dienend jetzund die zeügnussen deß gsatztes vnd der heiligen Apostlen. Deut. am dreyßigsten spricht Moses. Es wirt der Herr dein Gott dein hertz beschneiden / vnd das hertz deines samens / das du den Herren deinen Gott liebist. Diser inneren [innerlichen] beschneidung zeichen aber / was die eusser vnd sichtbare beschneidung. Da auch Paulus vonn Abrahamen redt / spricht er zun Römeren am vierdten Capitel also / Vnnd er hatt empfangen das zeichen der beschneidung zum sigel der gerechtigkeit deß glaubens / welchen er noch in der vorhaut hatt / auff das er wurde ein vatter aller die da glaubend in der vorhaut das den selben sölichs auch gerechnet wurde zur gerechtigkeit usw. Sich [Sihe] die beschneidung Abrahe / was ein sigel vnnd zeichen das Gott Abrahamen auß gnaden gerechtgemachet / welche gerechtmachung er durch den glauben empfangen hatt / vnd das / eb [ehe] er beschnitten wurde / zum zeichen das auch die so inn der vorhaut glaubend / gerechtgemachet werdind mit dem glöubigen Abraham / vnd das dargegen auch die Juden die beschnitten wurdend / wüßtind das sie von Gott durch den glauben gerecht gmachet wurdind. Vnd darumb ward die beschneidung dem menschen an seinem leyb gegeben / das er an seinem eignen leib den punt Gottes trüege / vnd dadurch erinneret wurde / das er auß gnaden durch den glauben gerecht gemachet wurde.
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Darauß wir dann auch das abnemmen könnend / das die gnad Gottes / vnd deß glöubigen menschen grächtmachung / nit an das zeichen ist angebunden gewesen / dann sonst wäre Abraham nit vor der beschneidung / sonder erst in der beschneidung grechtgmachet worden. Darzuo so hette auch Gott / der die menschen wil sälig machen / nit gebotten / dz die kind erst am achtenden tag söltind beschnitten werden. Dann vil kind sturbend vor dem achtenden tag / vnd kamend nit zuo der beschneidung / die doch nit verdampt wurdend. Dahin dienet auch / das Sara / Rebecca / Rahel / Jochabeth / vnd Maria Mosis schwöster mit sampt allen anderen vnzalbaren heiligen frauwen vnd jungkfrauwen nitt habend können beschnitten werden / vnd sind nichts destminder sälig worden durch die gnad Gottes im glauben des künfftigen Meßie. Darumb ist die gnad Gottes an dz Sacrament der beschneidung nit bunden gewesen. Aber es ist von den glöubigen der alten kirchen darumb nit verachtet noch übersehen / sonder braucht worden / zuo dem end darumb es dann eingesetzt / das es namlich ein zeügknuß vnd sigel wäre / der gnädigen grächtmachung in dem künfftigen Christo / der da geistlich one händ durch den heiligen geist beschneidet. Vber dz / so sammlet der Herr damit vßerlich vnd sichtbarlich die beschnittnen in ein gemeynd / auß welcher er jhm vorhin die außerwölten mit dem band seines geists vereinbaret hat. Dann S. Paul nennt darumb das volck das einer religion was / die beschneidung / wie wir sehend im xv. Capitel zun Römeren vnnd zun Philipperen am dritten. Vnnd hat deßhalb Gott durch die beschneidung sein volck von den vnglöubigen abgesünderet. Dahar auch der namm vnbeschnitten für ein grosse schand vnd vnleidenliche schmach / gleich wie bey vns dz wort hund / gehalten ward. Denn ein vnbeschnittner mensch / der noch die vorhaut hat / ward gehalten für ein vnreinen vnheiligen menschen / der weit von Gott vnd vom Testament Gottes wäre. Zuoletst so erinneret auch die beschneidung die beschnittnen jr gantz läbenlang jres ampts / das namlich ein yeder bey jhm selb gedächte / das er sich Gott ergeben / vnd das er das Sacrament Gottes an seinem leib trüege. Von der vrsach wegen wurdend auch den Jsraeliteren die nammen bey der beschneidung gegeben. Wie dann heiter anzeigt wirt bey dem Luca das Joanni dem Töuffer / deßgleich vnserem Heyland Jesu Christo jr namm in der beschneidung geben worden / wie auch Abrahamen der namm Abraham der vorhin Abram hieß / worden ist. Dz ermanet den beschnittnen seines ampts / dz er namlich sich an Gott seinen puntsherren ergeben / vnd yetz auffgeschriben wäre in das register oder in den rodel [-] Gottes / dem er yetz zuogehörte. Deßhalb er nun auß pflicht vnd schuld sein läben nit nach seinem oder anderer willen vnd muotwillen / sonder nach dem willen vnd gefallen Gottes anrichten sölte. Dann dz erforderet dz geding deß punts / dz sich die beschnittnen nit mit abgöttery oder frömbden gottsdiensten vermaßgetind [entheiligeten] / das sie auch nit jre leib vnd seelen die yetz Gott geheiliget / mit vnreinigkeit deß läbens beflecktind / sonder dz sie im waaren glauben verharrende / der heiligkeyt sich flißind / buoßfertigkeit wurcktind / vnd Gott in allen dingen gehorsamm wärind. Dann also spricht Moses Deut.x . Beschneidend die vorhut üwers hertzens / vnd verhertend eüweren nacken fürhin nit mer. Auff welche wort auch Jeremias sicht / da er spricht cap. iiij Werdend beschnitten im Herren / vnd schneidend hin die vorhut eüwers hertzens. Vnd Stephanus der heilig marterer / als er die vnglöubigen Juden beschiltet / spricht er vnder anderem / Jr halßstarrigen vnd vnbeschnittnen an hertzen vnd oren / jr widersträbend allzeit dem heiligen geist. Darumb der h. Apostel Paulus zun Röm.am ij.cap. anzeigt dz zweyerley beschneidung sey / ein vsserliche / deß buochstabens / vnd fleisches / die mit menschen händen beschicht / vnd ein jnnere / deß hertzens vnnd geists / die durch den heiligen geist beschicht.CLIIv. / 152b
Dise hat Gott an den seinen geprisen / jhene aber wo dise nicht darzuokommen / hat er verworffen. Die sind nun beyd auß den vorgenden worten heiter gnuog / das es nit von nöten mer daruon zuo reden.
Hie bedunckt mich aber guot / das ich ee ich diß ort von der beschneidung beschliesse / eüwer lieb vorläse die wort deß alten leerers Lactantij / die er von der beschneidung auff dise meynung geschriben hatt. Jnstitut. lib. 4. cap. 17. Es bedeütet die beschneidung / spricht er / das wir vnser hertz söllind offnen [öffnen] / das ist mit offenbarem vnd einfaltigem hertzen läben. Dann dz glid / das beschnitten wirt / hat etwas gleichheyt mit dem hertzen / hat auch sein scham / Darumb hat es Gott heissen plössen [blössen] / das er vns damit larte [lehrete] / das wir nit ein bedeckt vnd verwicklet hertz hettind / das ist das wir kein laster das scham habe / das ist / schantlich sey / in der heimligkeyt vnserer gwüßne [gewissens] verhaltind. Vnnd diß ist die beschneidung deß hertzens von deren die Propheten redend / welche Gott also von dem stärblichen fleisch / auff die seel die allein bleiben wirt gezogen hatt. Dann dieweil er nach seiner ewigen güete vnnd gnad vnser heyl vnd läben hatt wöllen fürderen / so hatt er vns die buoßwürckung in diser beschneidung fürgestellt / das so wir vnser hertz offnind [öffnen] / vnd mit bekanntnuß vnserer sünden Gott gnuog thüegind / verzeihung erlangind / welche den vermäßnen vnd denen so jre sünd verbergen wöllend / abgeschlagen wirt von dem / der nicht allein das angesicht / wie ein mensch / sonder die jnneren geheymnussen deß hertzens ansicht vnd erkennt. Das schreibt nun also der vralt Leerer der kirchen Lactantius Firmianus von der geheymnuß der beschneidung.
Diß alles nun dz wir bißhar von der bedeütung vnd geheymnuß der beschneidung geredt / ward einem yeden als an einer tafel für die augen gestellt / so offt die beschneidung vorzeiten in der kirchen gebraucht ward / vnd ward der punt Gottes mit den menschen hiemit gleich als ernüweret. Deßgleich ward die gnad Gottes / vnd sein heiligung / dargegen vnsere verderbte hiemitt verkündt vnd prediget. Es erschein auch darinn der felß Christus / der mitt seinem geist alle fläcken vnd masen der kirchen abschneidet vnd abwäscht. Jtem über das so lernetend alle diener Gottes vß dem zeichen / vnd vß diser gantzen heiligen Ceremoni / dz sie in einem leib der kirchen wärind / vnd sich mit reinikeit deß läbens Gott jrem puntsverwanten darstellen vnd bewärt machen söltind. Vnd dieweil mit der sichtbaren beschneidung etlicher maß ein bekantnuß beschach der waren religion / Jtem auch ein vereinbarung vnnd verbindung in die selbige / so ward deßhalb schwärlich gestraafft / wär dise heilige Ceremoni verachtet / oder one grosse vrsach fräfenlich vnderließ / wie man das sicht vnd abnemmen mag auß dem xvij. cap. Genesis / vnd auß dem vierten Exodi. Das sey nun bißhar also von der beschneidung geredt. Nun volget das ander Sacrament der alten kirchen / namlich das Pascha / welches ein Hebräisch wörtlin ist / vnd nicht vom Griechischen har kumpt / das es heisse leiden / wie yemand auß dem Griechischen wörtli möchte wöllen abnemmen / sonder es heißt ein überhupffen überschryten oder übergang / dan psh heißt überhupffen oder übergon. Dz wörtli legt Moses im gsatzt selb vß / da er spricht / Es wirt der herr vßgon / dz er die Egypter schlahe / vnd wo er sehen wirt dz bluot an die schwellen vnd bede pfosten angesprengt sein / wpsh dz ist / da wirt er übergon für die türen hin / vnd den verderber nit lassen kommen in eüwere heüser. Das Sacrament hat auch andere nammen / dann es wirt genennt ein zeichen / ein gedächtnuß / ein herrliche zuosammenkomnuß vnnd Panegyris / Jtem ein heilige versammlung vnnd berüeffung. Jtem / daß fest deß Herren / ein gottsdienst vnd obseruation / Jtem ein oblation vnd opffer usw. Das aber dise Ceremoni gemeynlich der überschritt genennt wirt / dz geschicht nit on ein figürliche red. Dann der überschritt ist an jm selb die wolthat / da der Engel deß Herren der Juden heüser vnbeleydigetCLIII. / 153a
überhupfft / vnd jrem läben verschonet hatt. Dieweil aber dises ein gedechtnuß vnd wideräferung [widerholung] was der selbigen guothat / so hatt es den nammen der wolthat selb empfangen. Wie ich auch kurtz hieuor angezeigt / das es gemein seye inn dem handel der Sacramenten / das den zeychen / der nam geben wirdt deren dingen / deren zeichen sie sind / von wegen jrer änliche vnnd gleichheit mit denselben.
Nun wöllend wir aber sehen was der überschritt seye / vnd mit was ceremonien er gehalten worden. So ist nun der überschritt gewesen ein heilige üebung von Gott yngesetzt / ein lamb zuo schlachten vnd zuo ässen / das damit die gedächtnuß der wolthat in Egypten ein mal beschehen / in der kirchen erhalten wurde / vnd das es wäre ein zeügnuß deß gnädigen willens Gottes gegen den glöubigen / auch Christo ein vorbild vortrüege / vnd das es die so dessen theilhafft wurdend in eines leybs einigkeit versammlete / auch sie der danckbarkeit vnd vnschuld deß läbens erinnerte vnd ermanete. Dises Sacraments ynsetzer ist Gott selb gewesen vnnd kein mensch. Dann Moses gab den kinderen Jsraels an / was er von dem Herren empfangen hatt / wie nach der lenge Exod.am xij. Capitel angezeigt wirt. Es hatt aber Gott dise ceremoni dozuomal yngesetzt / do er das volck Jsraels auß Egypten gefüert. Dieweil es dann von Gott här kommen / so volget / das so offt es hernach gehalten worden / biß auff das hin vß / das es der Herr mit seinen jüngeren gleich vor seinem tod gehalten / das es allweg ein heilige üebung gewesen seye. Vil ist inn disem Sacrament / das von dem fleisch / vnnd von der menschlichen vernunfft vnd weyßheit / für vngereympt / vnnd vnnotwendig geachtet wirt / der glaub aber / der seine augen auff Gott richtet / der es yngesetzt vnd befolhen / der haltet die ding alle hoch vnd in Ehren. Dann wie Gott die höchst vnd volkomnest weyßheit ist / also sind auch alle seine ynsatzungen volkommen vnd vnermäßlicher nutzbarkeit.Es wirt auch die zeyt angezeigt / wenn diß Sacrament der gemeind Jsraels zum ersten befolhen / Nammlich im 430.jar / (verstand von der verheissung dem Abraham beschehen / oder von seinem außzug gerechnet) welches dz 2447. jar von anfang der wält / vnd das 791. vonn dem sündfluß was. Es wirt auch bestimpt die zeit / wenn man den überschritt sölle begon / nammlich alle jar / im monat Nisan / der sich zeücht bey vns zum theil auff den Mertzen / zum theil aber auff den Aprellen. Es wirt auch der tag deß monats angezeigt / nammlich der viertzehend deß monats / der rächnung nach von dem an als die sunn in Wider gat / vnnd tag vnd nacht gleich ist. Dann am zehenden tag erwaltend sie das lamb zuo dem fäst / am viertzehenden tag aber metzgetend sies. Ja auch die zeit deß tags wirt außzilet [bestimmet] / wenn mans metzgen sölle / nammlich auff den abend. Das ist zwüschend dreyen nach mittag vnd den fünffen / bey vns nach vnseren vren / nach der Juden rechnung aber von den neünen an biß vmb die eilffe. Damit dann außtruckt ist / das Christus also zuo end der wält in der letsten zeyt werde getödt werden / ja also ist auch der punct der zeyt seines tods vnnd seiner auffopfferung vorgesagt / dann er je vmb die neünde stund verscheiden ist. Darumb auch S.Peter spricht / das die Propheten nachgeforschet habend auff welche vnd welcherley zeyt der geist Christi der in jnen was / deüte das Christus kommen vnd leyden wurde.
Es ward auch ein gewüsses ort zuo disem Sacrament verordnet / Jn Egypten assend sies wol hin vnd wider zerströwt in den heüßeren in gesellschafften. Nach dem sie aber in das glopt land kommen / dorfftend sies nienen anderst dann bey dem tabernackel / vnd hernach zuo Jerusalem da der tempel was begon. Da theiltend sie sich durch die hüser zuo Jerusalem in gesellschafften hin vnd wider /CLIIIv. / 153b
wie man auch Luce am zwey vnd zwentzigsten Capitel sicht / vnd assends. Das bildet an das Christus der allein ein mal wurde auffgeopfferet werden auff dem berg oder schädelstatt / allweg krefftig sein wurde zuo versüenen die sünd deß volcks.
Wär es auch begon sölle / wirt auch gemäldet / nammlich die gantz beschnitten gemeind deß volcks Jsraels / nach den heüseren vnd geschlächten / je alweg so vil mit einanderen / so vil jren je das lamb gässen mochtend. Dann wie Christus aller menschen heiland / also sind auch alle sünder / das ist wir menschen alle / die wir alle sünder sind / schuldig / das Christus der Herr auff dem altar deß crützes ist auffgeopfferet worden. Vber das wirt auch gantz fleißig vnd eigentlich beschriben die form vnd der brauch das lamb zuo ässen vnd zuo metzgen. Zum ersten erwelletend sie jnen das lamb von den lämmeren oder gitzlinen [böcklein]. Darnach metzgetend sies am fünfften tag hernach / sein bluot empfiengend sie in ein schalen / vnd sprütztend es darnach mit einem wadel von ysopen an die pfosten der thüren / vnnd an die überthür. Das lamb aber / assend sie gmeinlich / nicht gesotten mit wasser / sonder gebratten gantz mit dem haupt vnd füessen / deßgleich auch mit dem ingeweid / vnnd assend auch darzuo bittere kreütter / vnd vngeheblet süesses [vnd vngesewrts] brot. Vnd dieweil sie assend / stuondend sie darzuo / vmbgürtet vmb die lendinen / Jtem beschuocht / vnd hattend stäcken in den henden. Vnd assend das lamb mit grosser eyl. Die bein zerbrachend sie nicht / wurffends auch nicht den hunden für / sonder verbranntends mit feür. Es gieng auch niemand auß den heüseren vom abend an biß an den morgen. Das hatt alles sein end / sein geheimnuß / vnnd sein bedeütung auff vergangne gegenwertige vnd zuokünfftige ding / Es verpflichtet auch die gantze gemeind zuosammen in einen leyb / vnd in bekantnuß eines glaubens / ermanet sie alle der danckbarkeit / vnd deß fleißes zuo aller Gottsäligkeit / Welchs wir nun auffs aller kürtzest so vil wir mögend einanderen nach besehen wöllend. Dann zum ersten hatt der Herr mit disem mal in ewiger gedechtnuß wöllen erhalten / die grosse wolthat / die er ein mal dem volck Jsraels in Egypten gethon / nammlich / das er alle erste geburt inn Egypten inn einer nacht vmbbracht / sein volck aber wunderbarlich erhalten vnd behüetet / vnnd es auch gleich deß volgenden tags auß Egypten / auß der schwären knechtschafft gefüert hatt. Dise guothat hatt er nicht nun mit worten wöllen geprisen werden (dann es kein zweyfel sonder gewüß ist das auff den selbigen tag herrliche inbrünstige predigen gehalten sind worden von den guothaten Gottes) sonder auch durch dise ceremoni vnd heilige üebung / als durch ein schowspil vnd läbendige contrafactur / aller menschen augen fürstellen vnnd erneüweren wöllen. Dann die sichtbare action prediget also zuo reden den augen vnnd den übrigen sinnen. Darumb spricht auch Moses do er dise ceremoni vnnd heylige üebung außlegt / So eüwere kind zuo euch sagen werdend / was habend jr da für ein dienst? so söllend jr sagen / Es ist die schlachtung deß überschrytens [Vberschrittes] deß Herren / der vor den kinderen Jsrael fürgieng in Egypten / do er die Egypter plaget vnd vnsere heüser errettet. Dises was nun die bedeütung der vergangnen that. Deßhalb es die nachkommenden nicht vil genützt hette / vnnd wäre allein ein gedechtnuß gewesen einer guothat die sie nichts hett betroffen / wo nicht Gott sölichs auch auff jede zeytt hette gerichtet. Darumb hat Gott wöllen dz diß Sacrament wäre als ein zeügnuß seiner gnaden / güete vnd jmmerwärenden erlösung / bey allen nachkommenden / nammlich das Gott nit allein der vätteren vnd altuorderen Gott gewesen / sonder das er auch aller nachkommenden Jsraeliten Gott sein / vnnd jhnen von deß bluots Christi wegen verschonen / vnnd alles übel von jhnen abtreiben /CLIIII. / 154a
dargegen alles guots geben vnd mitteylen wölle vnd möge. Dann wir läsend im hundert vnd sechs vnnd dreißigsten Psalmen also / Danckend dem Herren / dann er ist güetig / dann seine güete wäret ewigklich / der die erstgebornen in Egypten erschluog / dann sein güete ist ewig. Vnd Jsrael von jnen außfüert / dann sein güete ist ewig. Mit starcker hand vnd außgestrecktem arm / dann sein güete ist ewig. Darumb richtetend die nachkomnen jren glauben auff durch die vergangen wolthat Gottes / die er den vätteren bewisen / gwüsser zuouersicht / das sich auch Gott jren wurde erbarmen vnnd jnen auß seiner gewonten vnd anerbornen barmhertzigkeyt guots thuon / wie er auch jren vätteren thon hat. Vnnd was deßhalb dise Ceremoni nit ein geringe üebung deß glaubens.
Vber das so wurdend auch darinnen fürtragen die gheymnussen deß künfftigen heylands Christi / dann es ward darinn vorbildet wer Christus sein / vnd was er der wält geben wurde / wie die glöubigen sein teylhafft wurdind / vnd wie sie sich vor jm tragen vnd halten söltind. Dann vnder vilen thieren / ward keins erwölt dz sich zuo disem Sacrament so wol reimpte als ein Lamb / nicht nur von wegen der bedeütnuß der einfalte vnnd gedullt in Christo / sonder auch von deß opffers wegen / das er ein opffer ist / Dann Paulus spricht / Christus ist vnser Osterlamb auffgeopfferet. Es ward auch nach dem gesatz ein Lamb morgens vnd abends geopfferet / dann Christus ist das Lamb / das getödet ist von anfang der wält har. Von welchem auch Joannes der Töuffer gezeüget vnd gesprochen / Sihe das Lamb Gottes / das da hin nimpt die sünd der wält. Vnnd dieweil wir alle gejrret wie die schaaff / ein yedes seinen wäg / so ist der sun Gottes zuo vns herab kommen / vnd auch ein schaaff worden / das ist vnser substantz vnd natur. Aber gantz volkommen vnnd rein / on alle sünd vnd anlaster / empfangen von dem heiligen geist / vnd geboren von Maria der Junkfrauwen. Das Lamb aber was ein männli vnd järig / wol erstarcket / also ist Jesus Christus jmmerdar gester vnd hütt / vnd biß in ewigkeyt namlich / der Heyland der gantzen wält. Es ward auch genommen auß den Lämmeren vnnd Böcken / dann Christus ist geboren worden von sündern vnd gerächten / wie Matheus das anzeiget im ersten Capitel . Vnnd von deß vergoßnen bluots wegen deß Lambs wirt der gantzen gmeynd deß volcks Jsraels verschonet / Also hat das bluot Christi müessen vergossen werden / auff das damitt alle glöubigen gereiniget wurdind / vnnd Gott der himmlisch vatter / der erzürnet was / von dessen wegen / der gantzen kirchen vnd gmeynd verschonete. Es ward auch mit dem wadel von Ysopen an die pfosten vnnd übertüren deß hauses gesprützt. Das Ysopenkraut wirt verachtet vnnd schlächt gehalten / also wirt auch die predig deß Euangelij für ring vnd schlächt angesehen / aber dadurch muoß das bluot Christi an vns die wir das hauß Gottes sind / gesprützt oder verkündt werden zur vergebung der sünden. Das Lamb empfahend wir aber zum läben / so wir es ässend / das ist / glaubend / das Christus für vnns gelitten habe / dann durch den glauben wirt Christus gässen / welches er selb weitlöuffig außlegt Joan.am vj. Capitel. Das Lamb ward auch mit feür nit mit wasser zuobereitet / vnd gebraten / nit row gässen / dann Christus ist nit allein warer mensch sonder auch warer Got / vnd ein wares brandopffer. Der mag vns volkommenlich ledigmachen / dz es vnsers zuosetzens vnd zuothuons nichts bedarff / dann vnsere zuosätz sind wasser vnd gantz kalt. Es sol auch dz Lamb gar gässen werden / mit sampt dem haupt / den füessen / vnd dem yngweid / dann so wir nit glaubend das Christus waarer Gott sey / vnd auch waarer mensch / deßgleich auch vnsere weißheit vnd grächtigkeit / so ässend wir jn nit gar. Dz haupt ässend die nit / die da laugnend / dz Christus Gott sey. Die füeß aber ässend die nit / die sein menschheit verlaugnend. Vnd dz yngeweyd ässend die nit / die nit erkennend die güeter die da sind in Christo / vnd in jm denCLIIIIv. / 154b
glöubigen mitgeteylt werdend / namlich gerächtigkeyt / weißheyt / heiligkeyt / die erlösung vnnd das läben. Die bein am Lamb brach man nit / man warffs auch nit den hunden für / sonder verbrannts mitt feür / dann in Christo ist kein bein zerbrochen / wie das der heilig Joannes in seiner Euangelischen Histori am xix Capitel anzeigt. Darinnen aber auch ein weitere geheymnuß ist / dann ob wol der sun Gottes gelitten / so hat er doch in dem gelitten / das da hat mögen leiden / namlich in der menschheyt / der Gottheyt halb aber hat er nicht gelitten. Was wir nun in Christo von der hocheyt wegen der Gottheyt nicht begreiffen vnd erlangen mögend / das vmbfahend vnnd liebend wir doch billich mit einbrünstiger begird. Es ist auch Christus ein speiß der vernünfftigen vnd glöubigen seel / vnd deßhalb nicht den hunden vnnd gottlosen für zuowärffen. Man sol jn auch mit eyl ässen / vnd sich nit saumen / dann schnäll vnd on allen verzug sol man Christum im glauben ässen mit grosser begirligkeyt. Es wirt auch befolhen / das man bittere kreüter mit vngeseürtem brot darzuo ässe / dann die glöubigen söllend buoß thuon über jr vergangen sündigs läben / vnd sich fürohin der reinigkeyt deß läbens fleissen. Darumb volget auch noch weitlöuffiger / wie wir vns gegen vnserem erlöser halten söllind. Dann sie assend das Lamb ständligen vmbgürtet vmb jre nieren vnd ländinen / auch beschuocht / vnd hattend stäcken in den händen / gleich auff die weiß wie die wandlenden. Also müessend wir vns in diser gegenwirtigen zeit halten / wie es bilgerinen zuostat / die dise wält verachtend / vnd ein ander vatterland suochend. Die söllend sich auff der straaß fleissen aller mäßigkeyt / jre füeß söllend bewaret sein mitt dem Euangelio deß fridens / vnd söllend sie sich darzwüschend leinen vnd verlassen auff den stab der hilff Gottes / vnd außziehen mit grosser eyl von der dienstbarkeyt vnd der corruption das ist der [-] verböserung diser wält.
Dise Ceremoni was auch als vil als ein bekanntnuß deß waaren glaubens / vnd ein zeichen / das daß volck Gottes von anderen völckeren vnd Heyden absünderet. Deßhalb wurdend alle Jsraeliter versammlet in ein gmeynd vnnd gesellschafft / in deren sie den überschritt begiengend / vnd sich hiemitt die erlößten vnd die gefryeten Gottes vnd das volck Gottes sein außthatend vnd bekanntend. Dann dahin dienet / das gebotten wirt / das kein frömbder dauon ässen sölle / sonder das sein allein die beschnitnen söllind teylhafftig werden / vnd das es nit geteylt / auch niendert anderst dann an einem ort sölle gässen werden / vnd das von dem gantzen Jsrael durch gesellschafften / das auch niemand biß an den morgen auß den heüseren gange / damit bedeütet ward / das aussert der kirchen in den secten vnd trennungen der kätzeren Christus vnnd das heyl nitt funden wärde. Christus das Lamb Gottes sammlet alle glöubigen in ein kirchen / erhaltet sie auch darinn / vnd machet sie sälig. Zum letsten so erinneret vnd ermanet auch diser brauch das volck Gottes seines ampts / besonders der danckbarkeyt vnd der Gottsäligkeyt / oder vnschuld deß läbens. Darumb dancktend sie Gott für dise vnnd andere seine guotthaten / lobtend vnd preißtend seinen nammen / vnd enthieltend sich gantz vnd gar von allem saurteig / vnd finst nichts das in diser Ceremoni so häfftig vnd ernstlich sey verbotten / als das sie sich von saurteig enthieltind. Wer geseürts jsset / spricht der Herr / dessen seel sol außgereütet werden von Jsrael / er sey frömbd oder inheimsch / vnd das wirt hernach offt vnd manches mal wider geäferet vnd eingepluwen [widerholet vnd eingeblewet]. Was aber durch den saurteig sey bedeütet worden / das legt Paulus der geleert vnnd im gsatzt wol erfaren Apostel auß vnnd spricht / Darumb lassend vns fäst halten nit im alten saurteig / auch nitt im saurteig der boßheyt vnd arglistigkeyt / sonder in den süessen broten der lauterkeyt vnd der waarheit. Das sey nun geredt von dem ässen deß Osterlambs.CLV. / 155a
Zuo disen Sacramenten dienend auch die opffer / deren vil vnnd mengerley gewesen. Die sind aber nicht erst von Mose erfunden vnd angegeben / sonder vorhin vonn anfang der wält an / gebraucht worden. Dann Cain opfferet vonn den früchten der erden / Abel aber vom vich seiner härd zum brandopffer Gott dem Schöpffer aller dingen. Also habend auch Seth / Noe / Sem / Abraham / Jsaac vnd Jacob / vnnd alle vätter dem Herren geopfferet. Dieweil auch die opffer der Heiden vil gleicheit vnnd verwantnuß gehept mit den opfferen der Juden / wie die Heidischen scribenten selb bezeügend / so sicht es jhm nicht vngleich [so leßt es sich ansehen] / das der gedachten Heiden vorelteren vnd vätter / sölichen brauch deß opfferens vonn jhren ersten elteren Sem / Japhet vnd Cham empfangen / jhren völckeren angeben / vnd bey jnen in üebung bracht habind. So ist es auch vngezweyflet war / das die heiligen vätter hierinn nichts von jhnen selbs erdacht / sonder sölichs alles vonn Gott dem vrhab [brunnen] alles guoten empfangen habend. Moses aber hatt die geschlächter / die gestalten / vnnd gattungen der opfferen eigentlicher vnderscheiden / vnd inn ein gewüsse ordnung gebracht. Was er aber da thon / das hatt er auß Gott thon / dann Gott hat jms alles angegäben. Darumb zeüget das dritt buoch Mosis / (inn dem fürnemmlich alle geschlächter der opfferen beschriben werdend) gleich im anfang / das Moses von Gott berüefft seye / vnnd vonn jhm gelernet vnnd empfangen habe / alles das er hernach von dem brauch deß opfferens angegäben hatt. So läsend wir auch Num. am sibenden Capitel / vnnd wenn Mose inn die hütten deß bescheids gieng / so hort er die stimm mit jhm reden vonn dem gnadendeckel usw. Wie ich aber angefangen reden / so sind der opfferen vil vnd mengerley gewesen / welche wie wol sie von ein ander vnderscheiden / habend sie doch alle etwz gemeins das allen zuogehörig / vnder jnen gehept. Als wie dises gemein was allen opfferen / das sie nienen dann an einem ort geopfferet wurdend. Jtem / das sie auß glauben rechtgschaffen / nammlich nach dem wort Gottes soltend geopfferet werden / Jtem das man nicht mit frembdem feür / sonder allein mit dem heiligen feür opfferen dorfft. Dann es sind die sün Aarons / Nadab vnnd Abihu / vonn keiner anderen vrsach wegen zuogrund gangen / dann das sie gemeins vnd frembds feür zum Gottsdienst braucht hattend. Dann do die Jsraeliter oder Leuiten zum ersten im tabernackel nach dem befelch deß Herren opffertend / schickt Gott das feür vom himmel / vnnd bestätet damit den brauch also zuo opfferen. Darumb wirdt auch Leuit. am sechsten Capitel gebotten / das die priester ein stäts feür im tabernackel oder im tempel erhalten söllind. Welches die Heiden mit vnuerstand wöllen imitieren vnnd nach thuon / Wie dann die Virgines Vestales zuo Rom in empfäl hattend ein stätigs feür zuo erhalten. Mit dem stäten feür aber ward bedeütet / / die stäte jmmerwerende würckung deß heiligen geists inn der kirchen. Das feür sol man für vnnd für schüren vnnd erhalten / welches mit glöubigem gebätt / mitt auffrechter [rechtschaffener] leer / vnnd rechtem bruch der heiligen Sacramenten beschicht. So was auch das allen opfferen gemeyn / das keine wilde oder vnreine thier geopfferet wurdend. Jtem man lißt auch Leuit. am zwey vnnd zwentzigsten Capitel / ein allgemeyne Regel der opfferen halb von dem Mose fürgeschriben mit disen worten / Was einer opfferen wil / das sol on prästen sein / vnnd kein fäl haben / Jst es blind / oder zerbrochen / oder wund / oder voller wartzen / oder grindig / oder schebig / so söllend sie sölichs dem Herren nicht opfferen / vnnd daruon kein opffer geben auff den Altar deß Herren. Dann so jemand ein söllichs opfer dem Herren opferet / der gab damit gnuogsamme anzeigung der verachtung Gottes / vnnd seiner grossenCLVv. / 155b
vndanckbarkeit gegen dem Herren. Darumb schryt der Herr im Propheten Malachia vnd spricht. So jr ein blinds zum opffer bringend / ist das nicht böß? oder so jr ein lams [lames] vnd schwachs opfferend / ist das nicht sünd? Lieber brings deinem oberen / gält [was gilts] ob du jhm angnäm seyest / gält wo [oder ob] er dich freüntlich ansehe / spricht der Herr der herscharen. Also / spricht er / ist mein nam leicht vnnd schlecht gehalten vnder euch. Darumb so erforderet der gerecht vnd warhafft Gott von seinen dieneren zuo allen zeyten / warheit / freygebe / auffrechte vnnd redliche / vnd haßet vntreüw / gleichßnerey vnnd luginen. Es sind auch noch wol andere ding mer / die in den opfferen Gottes gmein sind / wir wöllends aber nicht alles beim seß [auffs genawest] erwegen. Was eigenschafft aber ein jedes opffer besonders habe / das erscheint auß den mengerley gestalten derselben / die wir nun auch besehen wöllend.
Vnd zum ersten wöllend wir das opffer erklären / das da genennt ward / dz brandopffer. Dises ward gar verbrennt vnd mit feür verzert / also das dem priester nichts daruon ward / dann das läder oder die haut. Vnd wirt vom Griechischen här genennt holocaustum quasi holon kauston, Jn teütsch / brandopffer / darumb das es gar verbrennt vnd mit feür verzert ward. Deren warend aber dryerley / nach dem man je grosse / mindere / oder gar kleine thier darzuo brucht. Als nammlich ochsen / junge rinder oder kalbelen. Oder so jemand sölichs nicht vermocht / so opfferet er von lämmeren oder geissen / vnd so er auch das vonn armuot wegen nicht vermocht / so was es erlaubt / gefügel zuo opfferen / doch nicht hanen oder gäns / oder andere vnreine vögel / sonder reine / als turteltauben oder tauben. Die ceremoni aber deß brandopffers ward also gehalten. Das thier das man auffopfferen solt / ward gestelt an die seyten deß altars / vnnd wurdend jm die händ auffgelegt / vnd darnach ward es schnäll gemetzget von dem priester. Das bluot aber empfieng man / das mans vmb den altar vmbhär sprengte. Nach dem es gemetzget / ward jm die haut abzogen / welche dem priester allein ward. Die schänckel wurdend jhm abgehauwen / vnd mit sampt dem ingeweid gewäschen. Darnach ward das feür zuogericht auff dem altar / vnnd das gantz opffer mit sampt dem haupt vnd dem cörpel [cörper] / mit schäncklen vnd yngeweid darauff gelegt / vnnd alles verbrennt auff dem altar vor dem Herren. So aber ein taub oder ein turteltaub geopfferet ward / so ward sie also getödet / das jren der priester das haupt vmbträyt vnd mit dem finger den halß abtruckt / man ließ sie auch verbluoten an der wand deß altars. Der kropff vnnd die fäderen wurdend nebend den altar auff den äschenhuffen geworffen / vnd die flügel gespalten / darnach ward sie gar verbrennt auff dem altar. Das was also der brauch vnd ceremoni deß opffers / das man brandopffer nannt. Dessen bedeütnuß herzlich lieblich vnnd angnäm was denen / die da wußtend das damit bedeütet ward der sun Gottes / der die menscheit solt an sich nemmen von einer vnbefleckten jungfrawen / vnd geopfferet werden zur versüenung aller sünden der gantzen wält. Dann die selben sahend in dem spectackel deß opffers / das creütz vnd leyden deß Herren / der vnsere sünd auff sich genommen (dahin dann sunderlich das händ auflegen dienet / welchs ein zeichen was der gemeinschafft) vnd verwunnt [verwundet] sein bluot vergossen hat zuo verzeihung der sünden / sich also gantz vnd gar Gott dem vatter in dem feür der liebe vnnd göttlichem inbrunst auffopfferende. Der ist auch die taub vnd turtel taub. Vber das gehort auch zum brauch deß brandopffers das man kein thier zum brandopffer opfferen solt / on das opffer das minha genennt ward / welches ein hand voll weitzen korn oder simmelmäl oder vom gebachnen in der pfannen / oder ein brot kuochen im ofen oder röst pfannen bachen was / dz ward mit öl vnd weyrauch auff dem brandopffer altar verbrennt. Damit ward Christus bedeütet / welcher das brot deßCLVI. / 156a
läbens ist / vnnd der (wie der heilig Apostel spricht) sich durch den ewigen geist Gott dem vatter für vnns zur speiß vnnd zuo erhaltung deß läbens auffgeopfferet hat.
Zuo den brandopfferen wirt auch gezellt das täglich opffer / vnd die opffer der weyhung. Von dem täglichen opffer stat ein weitlöuffige erklärung Exo. am neün vnd zwentzigsten / vnd Leuit. am sechsten cap. Das geschach täglich / dann yedes tags wurdend zwey Lamb geopfferet / morgens vnnd abends / namlich eins am morgen / das ander zuo abend. Darinnen ward heitter Christus verkündet vnd vorbildet / welcher das Lamb Gottes ist / das da hin nimpt die sünd der wält / dessen würckung allweg krefftig ist alle sünd aller glöubigen auffzuoheben. Dann er ist das Lamb das getödet ist vom anfang der wält har / ja das wol allein ein mal tödet ist am Creütz / dessen verdienst aber vnd würckung allweg wäret / vnd alle die lediget die von sünden erlößt werdend. Die opffer aber der weyhung / als namlich der priesteren / deß Tabernackels / vnd aller geschirren vnd instrumenten so zum dienst Gottes gehörend / habend der merteyl alles gemeyn mit den brandopfferen. Etlichs aber auch besonders vnnd für sich selbs / von welchem nach der lenge geredt wirt Exo.am xxix vnd Leuit.am viij Cap. Christus aber vnser Herr / der ist eingeweicht [eingeweyhet] durch sein leiden / vnd hatt jm damit alle glöubigen zuo priesteren geweihet. Das ander geschlächt der opfferen ist das / das man Minha nennt / das ist ein gab oder schäncke von weitzen oder simmelmäl / welches auch speißopffer genennt wirt / das was von den früchten der erden. Vnd ward auch nicht auff ein weiß braucht / dann es werdend dreyerley gestalten desselben erzellt. Eintweders ward geopfferet der kernen getert in den äheren [gesengte ehern] / oder reines mäl vnnd simmelmäl das noch nicht gebachen / oder brot das auß dem mäl gebachen. Welches brot auch auff dreyerley weiß bereitet ward / namlich eintweders in einem ofen gebachen / oder in einer pfannen / oder in einer flachen röstpfannen / welchem dann als für ein zuosatz vnnd lieblikeyt der opfferen / auch saltz / öl vnd wierouch zuogethon ward. Durch ein allgemeyne regel aber werdend von allen opfferen außgeschlossen / honig vnnd hebel [sawrteig] / dann man dorfft nitt honig kuochen darzuo brauchen / wiewol im danckopffer geheblet [gesewert] brot zuo brauchen nachgelassen was. Wenn nun yemand das mäl bracht zum opffer / so ward es vorhin vom priester mit öl gesalbet / vnd mit saltz bespränget / vnnd wierauch darauff gelegt. Darnach nam der priester ein hand voll (im opffer für den priester ward es gar verbrennt) vnd zündet es an auff dem Altar / das überig behielt er jm selber. Es ward auch auff alle speißopffer wierouch gelegt / außgenommen auff das sünden opffer nicht / vnnd auff das yferopffer / wie man sicht Leuit. am fünfften / vnnd Num.am fünfften Capitel . Was aber weiter zuo vollem brauch der speißopfferen gehört / wirt funden Leuitici am anderen Capitel / dann wir es hie nitt alles von stuck zestuck begreiffend. Wie aber vorhin Christus in den thieren / als den Ochsen / Schaaffen vnnd vöglen vorbildet ist worden / also wirt er hie auch durch die brot bedeütet. Dann er ist das brot deß läbens / vnd hat mancherley gestalten / der schwachheyt vnd der ehren. Jn Christo wirt kein saurteig / sünd / bitterkeyt / gleichßnerey oder hoffart funden. Es ist auch in Christo kein süesse deß wollusts / das ist anfächtung von honig / sonder saltz wirt in jm funden / das ist alle göttliche rechtmäßigkeyt / vnd die aller volkomnest weißheyt. Vnnd von Christi wägen sind alle ding der menschen Gott angenäm. Von Christi wägen werdend wir vom vatter erhört / dann es ist auff Christo der wierauch / dz ist das gebätt. Jn disem allem ward auch anbildet / wie vnsere opffer sein söllind / namlich on gleichßnerey / on bitterkeyt / hassz / verbunst [abgunst] / one fleischlichen wollust / aber vermischt mit glöubigem gebätt.CLVIv. / 156b
Zum speyßopffer mögend auch die tranckopffer gezellt werden / da inn den opfferen weyn dem Herren außgossen ward / wie man sicht Exo.xvix. Leuit.vj. vnd Num.xxviij. Christus aber ist der wein / vnser tranck vnnd fröud zum ewigen läben. Der geüßt sich auß in die hertzen der glöubigen / das er sie mit fröuden übergiesse / vnd in jnen läbe vnd sie in jm. Darumb hat er auch die gedechtnuß seines bluots das er zuo verzeihung vnser sünden vergossen mit wein zuohalten yngesetzt vnd befolhen. Es mögend auch weyter zuo den speyßopfferen gezellt werden die opffer der erstlingen / Jtem der erstgebornen vnnd zähenden / deren im gesatzt allenthalben vil gedacht wirt / als Exod.xiij. vnd xxiij. Deut. xviij. Num. xviij. Christus aber ist der erstgeboren vnd der erstling aller / von dessen heiligkeit vnd verdienst wegen vns verschonet wirt / vnd durch den wir geheiliget / kinder vnd erben Gottes werdend. Dem sind wir als vnserem schöpfer vnd erlöser schuldig vnsere seelen / vnd alles guots das in vns ist. Es leert vns auch die danckbarkeit / das wir von vnseren jrdischen güeteren / die wir von jhm habend / Gott reichlich mitteilind / zuo erhaltung deß rechten vnd waren diensts Gottes vnd aller armen. Das dritt geschlächt der opfferen ist das / so für die sünd geopfferet ward / vnd darumb Hattah [Chattah] / das ist buoßopffer / vnnd Ascham das ist sündopffer genennt ward / welchs wir mit eim wort mögend das versüenung opffer nemmen. Dann es ward braucht vnd geopfferet für begangne sünd / so eintweders durch vnwüssenheit geschach (welchs in vilerley wäg geschach / nach dem vnnd die warend / denen es widerfaren / als so der oberst priester sündiget / oder die gantz gemeind / oder der oberer / oder einer auß der gemeind.) Oder die gleich mit wüssen vnd mit fleiß geschehen / aber nicht groß was. Oder auch für grosse hauptlaster / die durch kein vnwüssenheit mochtend entschuldiget werden. Die üebung vnd ceremoni dises opffers streckt sich weyt auß / ist mengerley vnd weytlöuffig / das ichs auff diß mal wil vnderlassen in ein summ zuofassen. Eigentlich wirts beschriben mit allen zuogehörigen stucken Leuit. iiij. v. vj. vij. Vnd wie Christus in allen anderen opfferen / also ist kein zweyfel dann das er auch in dem seye für gestellt vnd bedeütet worden. Dann Christus ist das end deß gesatztes. Vnnd Esajas am xiij. Capitel spricht von jm / wiewol er kein vnrecht nie thon / vnnd kein trug in seinem mund gewesen ist / noch so hat jn der Herr also mit kranckheit wöllen zerschlahen / das so er sein seel oder läben für die sünd ein opffer machte (da wirt gesetzt das wörtli asm ascham) er ein langwirigen samen sehe / vnd der anschlag deß Herren sich glückete [fortgehe] in seiner hand. Vnnd hiehär dienet auch die gantz disputation deß Apostels Pauli in der Epistel zun Hebreeren / darinn er anzeiget / das Christus das war versüenung opffer für die sünd seye / das die gantze kirchen vnd alle sünden reinige. Mit der ceremoni sind zum teil die eigenschafften der sünden / vnd zum theil das leyden Christi / auch die krafft vnd würckung seines tods bedeütet worden. Vnd dise opffer für die sünd alle / geschahend nicht zuo gewüsser jarzeyt / sonder wie sie geopfferet wurdend von denen die gesündet hattend / also wurdend sie auch auff die selbig zeyt geopfferet / da sie gesündet / außgenommen eins / das was ein gesetzts bestimpts vnnd allgemeins opffer / welches beschriben wirt Leuit am. xvj. Capitel / vnd auch hiehär vnder die versüenopfer gehört vnd gezellt sol werden. Dann am zehenden tag deß sibenden monats / ward mit järlicher solennitet [begengnuß] ein allgemein versüen oder sünden opffer für deß gantzen volcks sünd gehalten. Dessen brauch vnd üebung wil ich hiezuogegen nit nach der lenge melden / dieweil das mencklichem heiter an jetz gedachtem ort / namlich Leuit.am xvj Cap. fürgestellt wirt / vnd ich auch jetz im außleggen der geheimnuß desselben / vmb etwas / so vil dann vonn nöten sein wirt dasselbig zuo entwerffen gesinnetCLVII. / 157a
bin / dann ich wil von seiner bedeütung vnd geheymnuß etwz ein wenig reden.
So ward nun mit diser gantzen schönen vnd lieblichen action / die also järlich einmal der gantzen gemeynd Gottes fürgehalten vnd erneüweret ward / das gantz leiden / auch die krafft vnd würckung deß leidens vnsers Herren Jesu Christi vorbildet. Dann es gfiel Gott dise weiß / durch Sacrament / vnd nit durch gmäl vnd farben / oder durch spil (an welchen doch auff den hüttigen tag vil groß gefallens habend / aber mit schlechter gottsforcht vnd gefallen Gottes) die gheimnussen der erlösung vnd deß heils fürzuotragen. Der oberst priester aber handlet allein alles was zuo diser Ceremoni gehort / allein das jm zwen diener zuogäben wurdend / deren einer den freybock der die mißthat truog hinauß füert / der ander truog den farren vnd den bock deß sündopffers für das läger hinauß. Vnd wirt ja gar eigentlich gebotten / das sich kein mensch zum Obersten Priester thüege / so er in das heiligthumb gange die versüenung für die sünd zuothuon. Dann es spricht der Herr / Kein mensch sol in der hütten deß bescheyds sein / wenn er hinein gat zuo versüenen im heiligthum biß er herauß gat. Dann es sol Christo im handel vnsers heils vnnd erlösung niemand zuogeben noch zuogethon werden. Dann er ist allein der Heyland / er hat allein die trotten [kelter] geträtten / vnnd kein anderer ist für vnns creützget worden. Deßhalb werdend außgeschlossen alle Ertzvätter / Propheten / Apostel / vnnd Martyrer / ja alle Creaturen / das wir denen nimmer ützit [gantz vnd gar nichts] deß empfangnen heils halben zuogäbind. Allein Christus ist vnd bleibt der Heyland vnd erlöser der wält / vnnd das heil wöllen den Creaturen oder vnseren wercken vnd verdiensten zuogeben / das ist vnnd heißt Creaturen mit dem Obersten Priester in das heiligthumb schicken / vnd in den zorn deß allmächtigen / das ist in den grausammen fluoch deß waaren vnd ewig läbenden Gottes fallen. Dann durch den Obersten Priester wirt vns vorbildet der Heyland Christus / welcher wie Paulus zeüget ein sölichs Priesterthumb hat / das sich auff keinen anderen erbet noch kommen mag. Aaron aber nam den farren des sündopffers vnd den bock zum brandopffer von dem seinen / die zwen böck aber von dem volck. Also Christus vnser Herr der waar vnd einig Priester seiner kirchen / hat von vns empfangen das er für vns geopfferet / namlich die substantz seines fleisches. Es stat auch das Aaron (vnder dessen nammen wir einen yeden Obersten Priester deß volcks Gottes verstond) wenn er diß opffer begon wöllen / so habe er die gemeyn vnd breüchlich kleydung der priesteren / (die doch auch heilig vnd rein wz) angelegt. Dann ob schon der sun Gottes vnsere natur angenommen hatt / vnd vns gleich ist worden / vnd gleich als ein gemeyne kleydung mitt vns anzogen hatt / so ist er doch rein von aller verböserung [verderbnuß] vnd mackel der sünden. Zum ersten aber metzget Aaron für sich selb vnd für sein hauß ein jungen farren. Darinn er anzeiget dz er nit der waar Oberst priester wäre / sonder allein ein vorbild desselben. Dann Paulus spricht / Vnser hoher priester / bedarff nit wie jhene hohe priester zum ersten für sein eigne sünd zuo opfferen / vnd demnach erst für die sünd deß volcks / dann dz hat er ein mal thon / da er sich selb auffgeopfferet hat. Darnach warff Aaron das loß vor der türen der hütten deß bescheids über die zwen böck / welcher vnder jnen gemetzget / oder in die wüeste hingelassen wurde. Die bede böck bedeütend den Herren Christum waaren Gott vnd menschen / der wol zwo vnderscheyden aber nit zertrennte naturen hat. Der ist gemetzget vnnd gestorben nach der natur / nach deren er hat mögen sterben / nach der Gottheyt aber ist er weder gemetzget noch gestorben. Vnd ist doch der einig vnd vnzertrent Christus der erlöser der wält / vnd der die erlösung volbringt vnd vollendet. Also wurdend die bede böck zuo diser geheymnuß gebraucht. Vnd dieweil die loß vom Herren fallend wie Salomon zeüget / so ist der sun nit one den willen deß vatters geopfferet worden. Darnach nam
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der hoch priester mit jm / erstlich das bluot deß Farrens / darnach auch dz bluot deß gemetzgeten bocks / vnd mit dem selben das Röuchfaß / vnd gieng hinein jnnert den vmbhang / vnd macht da vor dem gnadendeckel ein geröuch wie ein gewülk / vnnd spritzt das bluot mitt dem finger gegen dem gnadendeckel zum sibenden mal. Welches Paulus außlegt in der Epistel zun Hebreern am ix. Capitel vnd spricht / Das Christus nicht mit böcken oder kelber bluot / sonder durch sein eigen bluot hinein gangen sey / nicht in die hütten die mitt händen gemachet / sonder in den himmel selbs / vnd habe ein ewige versüenung vnnd verzeihung der sünden funden / dann er ist vnsere versüenung / vnd nicht allein für vnsere sünd / sonder für die sünd der gantzen wält. Daruff sehend die heiligen Apostel / so offt sie Christum die versüenung nemmend / als S.Paul zun Röm. am iij. S.Joannes j.Joan.ij. vnnd iiij . Die zal aber deß ansprützens so zum sibenden mal geschach / bedeütet die volkommenheyt vnd vollendung der reinigung. Die muoß vns aber angesprützt werden mit dem finger / nitt eines menschens / sonder Christi vnsers Obersten Priesters. Dessen finger ist der heilig geist / durch welchen vns dise reinigung übergeben vnnd zuogeeignet wirt. Zuo dem allem kam auch das röuchwerck von der angezünnten gestoßnen spetzerey. Dann wie Paulus zeüget / so hatt Christus gebätt vnnd ernstliche bitt mitt starckem geschrey vnd trähen [trenen] für vnns geopfferet / vnnd ist erhöret / darumb das er Gott in ehren hat / oder ist nach ehren erhört worden. Darumb das gwülk von rauch / das ist / die groß krafft deß rauchs / hatt bedeütet die grosse krafft vnnd würckung seines gebätts.
Nach dem nun sölichs beschehen / gieng der oberst Priester wider herauß in das heilig / vnd satzt das bluot auff den guldinen röuchaltar / dann es müessend in vnserer erlösung bey einanderen sein / vnschuldigs bluot vnd einbrünstigs gebätt für vns. Darnach gieng er hinauß zuo dem brandopffer altar / der im hof stuond / vnd gab den einen bock viro tempestino, das ist dem [bestimpten oder] zeitigen man herauß zuofüeren in die wüeste. Welchs auch nit on ein besonderen brauch vnd Ceremoni beschach / dann der hoch priester legt dem bock beyde händ auff / vnd bekennet die sünden deß volcks / welches auch selb seine sünd bekannt / vnd dem obersten priester nach sprach. Vnd nach dem alle sünd auff das haupt deß bocks gelegt warend / ward er hingeschickt / das er also auff jm die sünden der gantzen gmeind in ein wildtnuß oder wüeste trüege. Dahar sind auch on zweiffel bey den Heyden jr katharmata oder piamina, wie sies genennt / kommen / das sind leüt gewesen die man für die sünd vnd zuo versüenung den götteren auffopfferet. Dann sie hattend den bruch / dz so sie in grosser gfar warend / etwan einer sich für sie all darstallt vnd verlopt / den namend sie dann / vnd metzgetend jnn eintweders / oder verbrantend jnn vff einem Altar / oder sie wurffend jnn ins wasser / vnd bättetend / das er mit sampt jm alles übel hin näme / vnd das die götter sich an einem ließind versüenen / vnd fürohin widerumb das best thetind. Da aber die armen lüt übel jrretend / Dann Christus der sun Gottes ist für vns ein sünd / dz ist ein opffer für dsünd worden / ja ein fluoch ist er für vns worden / damit wir die benedeyung / das ist / den sägen von jm empfiengind. Daruff hat Esaias gesehen / da er spricht / Wir alle habend gejrret gleich wie die schaff / ein yeder keret sich seinen wäg / aber der Herr hat vff jnn gelegt all vnser sünd. Jtem / Er ist verwunt vmb vnser überträttung willen / vnd von wegen vnser boßheyt zerknist [zerschlagen]. Jtem / Er hat warlich vnsere kranckheiten hingenommen / vnd vnsere schmärtzen hat er getragen. Es tregt aber der bock die sünd in die wüeste / nicht also das sie nicht mer sey / sonder das sie jhnen nit zuogerechnet werde / dann inn der kirchen ist wol auch sünd in den heiligen / sie wirt jhnen aber nitt zuogerechnet / aussert der kirchen aber / in der wüeste / wirt sie allen zuogerechnet. Vnd der zeitig man kan kein anderer sein / dann Christus selb /
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der althalben in den zeiten seines fleisches / kommlicher [bequeme] glegenheit der zeit gefaret [acht gehabt] hat / vnd jmmerdar geäferet [widerholet] / sein stund sey noch nit kommen / vnd als die zeit yetz hie was / das er sterben solt / sprach er / yetzund wäre sein stund vorhanden. Mitt seinem stärben aber hat er den bock / ja die sünd der gantzen wält hingefüert.
Nach dem aber sölichs also vollendet / wuosch sich der hoch priester abermals / vnd zoch die gmeynen kleider vß / vnd legt die hohenpriester kleidung an. Da bedütet dz vilfaltig vnd mancherley wäschen diser ceremoni die volkommen verzeihung der sünden / wie auch die änderung deß kleids die glori [Ehr] vnd herrlikeit Christi. Welches heiterer ersehen wirt Zacharie am iij.cap . Also ist Christus herrlich gmachet / in sein glori [herrligkeit] eingangen / in die himmel / dz er daselbst allweg vor dem angsicht Gottes für vns erschine / als ein einigs vnd ewig krefftigs vnd würckends opffer. Vnd darumb opfferet Aaron den Wider zum brandopffer / dann Christus ist dz ewig wärend vnd reingende opffer. Es schickt auch Aaron den farren vnd den anderen bock an ein heiligs ort vssert dem läger / dz sie da gar vnd gantz verbrennt wurdind / Welches Paulus außlegt vnnd spricht / Welcher thieren bluot getragen wirt durch den hohen priester in das heilig für die sünd / der selben leib werdend verbrennt aussert dem heerläger / Darumb auch Jesus / auff das er heiligete das volck durch sein eigen bluot / hat er gelitten daussen vor dem thor / Heb xiij.
Wiewol ich nun in dem dz ich also bißhar hieuon anzogen / auch etlicher maß das end vnd die frucht diser Ceremoni angezeigt hab / wil ich mich doch nit verdriessen lassen die selbigen eigentlicher zuo erzellen / dieweil ich sich das der h.geist diß mit sölichen trüwen vnd sölichem fleiß in der h.gschrifft so offt mäldet vnd einpleüwet. So ist nun das end dessen alles / das alle sünden / ja alle sünden der gantzen gmeynd Gottes mit einem einigen opffer / dz allein ein mal geopfferet ist worden / vffgehebt vnd gereiniget sygind worden. Vnd darumb wöllend wir hören die heiteren vßtruckten wort deß h.geists der in der h.gschrifft also redt. 1 Vnd es sol Aaron bekennen vff den bock alle missethat der kindern Jsraels / vnd alle jre überträttung / vnd alle jre sünden. 2 Vnd der bock sol tragen all jre missethat vff jm in die wüeste. 3 An disem tag geschicht eüwer versüenung dz jr gereiniget werdind vnd rein sygind von allen üwern sünden vor dem Herren. 4 Das sol üch ein ewigs recht sein / dz jr die kinder Jsraels versüenind von allen jren sünden im jar ein mal. Wär ist aber so doll vnd vnuerständig / dz er meyne / das mitt dem bluot der thieren alle sünden deß volcks abgwäschen sygind? dann der Apostel spricht / so dise opffer ein mal volkommenlich die sünden versüent hettend / so hettend sie vffghört geopfferet zuo werden. Darumb ist mit denen / die gheymnuß deß künfftigen Christi einem jeden einplüwt / vnd also eines yeden augen järlich ein mal fürgstellt worden. Dann vß diser ceremoni hat Zacharias sein weissagung genommen / die am iij. cap. seiner weissagung stat / also lautende. Nimm war ich wil meinen diener den Zwyg bringen / vnd sihe den stein / den ich vor Jehoschuah gelegt hab / auff einem stein werdend siben augen sein. Sihe ich wil jnn vßgraben vnd vßhauwen / spricht der Herr der herscharen / vnd wil die mißthat deß lands an einem tag hinweg nemmen. Da verheißt Gott den Meßiam / welcher durch die priester / besonders aber durch den obersten priester Jehoschuah vorbildet wz. Vnd Christus ist der stein / vff den aller menschen augen als vff den einigen heiland gerichtet sind / der wirt gehowen vnd gegraben in seinem leiden / vnd mit dem dz er ein mal gestorben vnd gelitten / versüent er die sünd der gantzen wält. Auß diser Ceremoni vnd auß disem ort der heiligen gschrifft nimpt der heilig Apostel Christi Paulus gar nach sein gantze disputation / die er füert in der Epistel zun Hebreeren von dem opffer Christi dz allein einmal für die sünd der gantzen wält auffgeopfferet ist / in welicher er so offt auß dem gesatzt diß sein wörtli Semel, das ist ein mal / äferet vnd einblüewet.
Deßhalb nun andere priester machen [erwehlen] / Jtem andere zeit vnd weiß [anstellen] für die sünd zuo
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opfferen / ist nichts anders dann dise göttlich vnd heiter waarheit mit füessen trätten. Vnd ist dise leer von dem einigen opffer Christi / die war alt rächt vnwidersprächlich vnwandelbar leer / durch welche sälig werdend alle die sälig werdend / vnd durch welche sälig sind worden alle die von anfang der wält sind sälig worden. Vnd die fyend diser leer nennt der gsatzgleert Christi vnd der Heyden Apostel Paulus / Narren / vnberichtete / vnuerständige / vnsinnige / vnstandhaffte / leichtferige / vnd von einem yeden wind getribne / auch gottlose vnd von Christo abtrünnige falsche leüt vnd leerer / falsche Propheten / falsche Apostel / verfüerer / zerschneider / hund / zauberer / vergifftete / verbannete / verflüechte vnnd verderbte menschen. Darumb so vns gleich ein Engel von himmel ein anders leeren wurde / so sey er verflüecht.
Das ist aber darnebend wol zuo mercken / dz inn diser järlichen versüenung / von den menschen erforderet ward bekanntnuß der sünden / demnach bekümmerung der seelen / das ist / ernstlicher schmärtzen / welcher kam auß der erkantnuß der sünden. Vnd zum letsten fyr [ / feyer] / nitt fuls müeßiggon von ehrlichen üebungen / sonder ruow im glauben Christi / vnd abston von lasteren. Welcher sich also rüstet vff dem fäst der versüenung / dz ist / zur zeit der predig der gnaden Gottes durch Christum / der wirt on allen zweifel volkommenlich durch diß einig opffer Christi gereiniget. Von welchem ich nit on vrsach bißhar also nach der lenge geredt hab. Dann diß einig ort erklärt wunderbarlich auch vil andere ort der heiligen gschrifft / vnd streicht die geheimnuß der erlösung vnd Christi deß erlösers / so heiter vß / als kum ein anders. Es leert vns auch verston die wort deß Herren Christi im Euangelio Joannis / da er also spricht / Es ist einer der eüch verklagt / Moses / auff welchen jr hoffend / dann wenn jr Mosi glaubtind / so glaubtind jr auch mir / dann er hat von mir geschriben.
Zuo disem versüen opffer vnd anderen sündopfferen zellend wir auch billich dz opffer der roten Kuo / mit sampt der reinigung / oder dem wasser der reinigung vnd entsündigung / welches wider alle befleckungen vnnd vnreinikeiten eingesetzt vnnd verordnet was. Dann der befleckungen vnnd vnreinikeiten warend vil vnd mancherley / von welchen im gsatzt weitlöuffig geredt wirt. Darinn vns ein bildtnuß vnserer vnreinen natur / vnd vnserer sünden fürgestellt wirt. Es wirt aber diser handel beschriben Num. am xix. Capitel. Zum ersten die Ceremoni an jr selb / da auch anzeigt wirt wie man dz entsündigung oder bespreng wasser wider alle vnreinikeyten vnd befleckungen machen sölle. Darnach wirt auch der brauch vnd die würckung desselbigen hinzuo gesetzt. Die Ceremoni wz also / Es ward zuo dem Priester Eleazar bracht ein rote Kuo oder Kalbelen / die on fläcken / vnnd vnder kein joch nie kommen was / die ward gleich hinauß gefüert für das läger vnd geschlachtet. Ein theyl deß bluots empfieng der Priester / vnnd sprutzt es mitt dem finger zum sibenden mal gegen der hütten der zeügknuß. Die Kuo aber verbrannt er mitt feür überal / das nichts dauon überbleib / legt auch auf das feür Cederholtz / Ysopen vnd Scharlach. Dannenthin wuosch sich der Priester mit wasser / vnnd ein reiner man fasset die äschen zuosammen / vnd behielt sie an ein rein ort / vnnd so offt es der brauch erforderet / so legt man der äschen in ein jrrdins geschirr / vnnd begoß die selbig mitt läbendigem wasser. Also ward das besprengwasser zuogericht / welches sie mitt einem wadel von Ysopen den befleckten ansprengten oder ansprutztend. Das was die Ceremoni der besprengung / auch jr end vnd brauch. Das vnns aber darinn ein außtruckt vorbild Christi werde fürgestellt / zeüget der Apostel / der zun Heb. am ix. Cap. spricht / So die äschen von der Kuo gesprengt / heiliget die vnreinen zuo der leiblichen reinigkeit / wie vil mer dz bluot Christi? Darumb so hat der priester deßgleich auch die kuo Christo ein vorbild getragen / dann dz es von gschlecht ein kuo / bedütet die schwacheit der menschlichen natur / dz sie rot / dz erinneret vns deß bluots deß Herren / durch welches wir gereiniget sind.CLIX. / 159a
Kein mackel ist auch an Christo funden worden / als an dem der der aller heiligest was / vnnd gantz rein von allen sünden. Er ist auch durch kein not zum tod gezwungen worden / sonder hatt sich selb guotwillig auffgeopfferet / vnd das aussert dem läger / dz ist aussert der statt auff dem berg der Schädelstatt / Welches Paulus anzeücht zun Heb. xiij. Cap . Es ist auch der gantz Christus Gott vnd mensch / mit leib vnd seel auffgeopfferet worden. Dessen bluot wirt vns heilsam / so es durch den heiligen geist in vnsere hertzen gesprengt wirt. Es müessend aber auch die glöubigen mit Christo sterben / demüetiget werden / brünnen vnd sich erheben in der liebe Gottes. Darumb wurdend in das feür geworffen Cederholtz / Ysopen / vnd Scharlach. Es ward auch die äschen von dem opffer aufgesamlet zur reinigung vnd entsündigung. Die äschen ist nichts anders / dann die würckung vnd krafft / deß tods vnd deß opffers Christi / ja die reinigung vnd verzeihung der sünden selb. Dann darumb floß auch vnd sprang vß den wunden Christi als er yetz starb vnd schon tod wz / vil wasser vnd bluot / dz wir darby lernetind / dz vns vnsere reinigung vnd läben auß dem tod Christi fliesse / dann im bluot ist dz läben / im wasser ist reinigung. Die äschen aber sammlet ein reiner mensch vff / der doch vnrein bleib biß auff den abend / So ward auch das wasser den befleckten angesprengt mit einem ysop wadel / Jtem sie ward auch an ein rein ort gelegt. Also sol man den hunden vnd schweinen die pärli [perlein] vnd das heilig nit fürwärffen. Es bedeütet auch / das Gott erfordere sölliche prediger / die da leerind die krafft vnd würckung deß leidens Christi / vnd durch die torechtig vnd veracht predig deß Euangelij (wie sie die wält achtet) verkündind erlösung vnd heiligung in dem todt vnd bluot Christi / ja das er erfordere heilige vnnd treüwe leerer / vnnd die durch das bluot Christi gereiniget sygind / welche doch nichts destminder mit der gantzen kirchen biß zum end jres läbens bättend / vergib vns vnsere schulden. Dann es hat auch Christus der Herr geredt / Welcher gewäschen ist / der ist rein / vnd bedarff nit / dann dz er die füeß wäsche. Dahar dienet auch dz offt wäschen in diser Ceremoni / dann es bedeütet / das durch die gnad Gottes all vnsere sünd gereiniget werdind / vnd das die geheilgeten allwäg mit fleißiger sorg wider die sünd wachind / vnd die mit keinem anderen dann mit dem wasser der gnad Christi abwäschind. Es wirt auch eigentlich im gsatzt gmäldet / dz alle befleckten so durch diß bespreng vnd reinigung wasser nit gereiniget werdind / vnrein werdind bleiben. Also spricht auch der Herr zuo Petro / So ich dich nit wäschen wird / wirst du keinen teyl mit mir haben. Das hab ich also allein von den fürnemsten stucken diser ceremoni wöllen anzeigen / deßhalb ich nun weiter faren wil.
Zuo disen versüenopfferen mögend auch gerechnet werden / die opffer mit denen deß leibs vnreinikeiten / welche die vilfaltigen befleckungen der sünden bedütetend / gereiniget oder versüent wurdend. Als da warend die befleckungen von den flüssen deß samens / Jtem vom ässen vnd anrüeren vnreiner dingen / Jtem von dem außsatz / vnd kindbetteren. Von welchem Moses nach der lenge handlet vom xij. cap. Leuit. an biß vff dz xvj. vnd ist mit dem allem der kirchen Gottes nichts anders fürbildet worden / dann vnser anerborne vnd sündhaffte verböserung [verderbnüß] / vnd die gnadreich reinigung durch die gnad Gottes im bluot Christi. Hiehar mögend wir auch zellen dz gsatzt deß yfers [eiuers] / von welchem ein yeder der wil weitlöuffig läsen mag Num. am v.cap. Wiewol diser brauch schier baß zuo den grichtlichen satzungen gehorte. Das viert geschlecht der opfferen / ist dz opffer der dancksagung / oder dz danckopffer / welches sie nennend Schelamim oder Schlomim / das ist fridopffer oder heilopffer. Dann es ward geopfferet zuo danck / von wegen empfangens heils / von glücksäligkeit vnd wolstand wegen / so man etwz guothat von Gott empfangen / vnd Gott ein übel vnd vnfal abgwendet hat. Darzuo braucht man thier von grossen oder kleinem vich. Vögel aber braucht man nicht darzuo. dann es ward begangen /CLIXv. / 159b
eintweders mit eim ochsen oder kuo / mit eim Wider oder lamb / mit eim bock oder geiß. Das thier ward gemetzget vor dem hoff. Sein haut gehort dem priester / das bluot ward gesprengt vmb den altar. Die nieren / das netze der läberen / der schwantz deß lambs vnd alle feißte / wurdend verbrennt auff dem altar deß brandopffers. Die recht schulteren aber ward obsich gehept [vber sich gehaben] / vnnd die brust gewäben oder bewegt gegen allen orten der wält (denn Thruma vnd Thnupha das ist auffhebung / wäbung oder bewegung / sind nit besondere opffer gewesen / sonder allein breüch vnd geberden / welche die priester bruchtend so sie jre opffer begiengend. Mit der erhebung aber ward bedeütet das Christus wurde erhöcht werden vnd so er erhöcht alles zuo jm ziehen wurde: Mit der bewegung gegen allen orten der wält ward bedeütet die predig Christi / dz die sölte in dem gantzen vmbkreiß der erden zerströwt werden) vnd die selben beide stuck blibend dem priester / deßgleich auch der kinbagken vnd der buch / das ander fleisch ward dem wider ders opferet / der aß es / vnd hielt darüber ein geheiliget mal. Was wyters der gleichen zuo dem bruch diß opffers gehört / finst du Leuit. am dritten Capitel. Dann wenn es ein Thoda / das ist ein opffer der bekantnuß deß lobs vnd der bezeügung was / so braucht man darzuo simmelkuochen mit öl bestrichen / bachen fladen / oder küechli / von welchem auch ein theil obsich gehept ward / vnd das bleib denn dem priester / das überig ward denn dem wider der es opfferet / wie dann auch geheblet [gesewrt] brot in disem mal zuo ässen nachgelassen ward.
Jn disem opffer aber ward auch Christus anbildet vnd verkündet mit sampt der würckung vnd krafft seines tods / vnd ward anzeiget wie man Gott vmb seine guothaten sölte dancksagen. Der guothaten sind aber mengerley / So jemand etwas guots beschehen wz / so jemand ein übel abgnommen ward / so einer von einer kranckheit wider auffstuond / oder etwan eim vnfal entrunnen wz / so opfferet er dem Herren. Also sind alte guothaten Gottes / als dz er die welt erschaffen / vnd alles dz in der welt ist / vnd das er die glöubigen durch Christum erlößt hat. Also sind auch tägliche guothaten Gottes / vnd in summa / es ist alles vol seiner guothaten. Für dise allesammen sol man allein Gott / nicht den creaturen opfferen / Man sol aber opfferen von gantzem hertzen / vnd alle sinn / anmuotungen vnd anfechtungen [begierden] Gott ergeben. Dann die theil wurdend Gott von den thieren gegeben vnd abgesünderet / in denen besonders die krefft deß läbens ersehen werdend. Als die nieren / in denen die krafft deß gebärens ist / das bluot / in dem der läblich athem ist / die leber / in deren der brunen deß bluots ist usw. Man sol aber Gott danck sagen durch das opffer / das ist durch Christum. Vnd denen die opffertend ward nachgelassen ein fröliche zimmliche malzeyt / dann denen die danckbar sind / wirt die säligkeit zwifalt gemeeret. Es ist auch die erkantnuß Christi ein kostliche vnd jmmerwerende malzeyt.
Mit disen danckopfferen verglichend sich auch merstheils die freywilligen vnd verlopten opffer. Ein freywillig opffer was / das von keiner not vnd von keines gebotts wegen geschach / sonder auß lauterer andacht vnd guotwillikeit deß gemüets. Als so ein knecht nit nun seinem Herren sein pflicht die er jm schuldig ist / leistet / sonder auch ein gab die er jm nit schuldig ist schänckt / zuo erklären sein guotwillikeit gegen seinem herren. Der vnderscheid wz aber zwüschend den danckopfferen vnd freywilligen opfferen / dz in den danckopfferen gebotten wirt / dz man nützit dessen am nachgenden tag das deß ersten tags dauon nit ist gässen worden ässe / sonder dz man alles wz überbleibt mit feür verbrenne. Jn den freywilligen opfferen dorfft man wz überbleib hernach auch ässen / Am dritten tag erst solt man was überbleib verbrennen. Verlobte opffer aber warend / die auß verlobung [gelobung] geopfferet wurden. Als so einer in gfar gewesen vnd Gott ein opffer verlobt so er erlößt wurde. Was er nun opfferet nach dem er erlößt ward / das was ein verlobt opffer. Dise hattend gleiche weyß vnd gleichen bruch wie die danckopffer /CLX. / 160a
dauon vil stat Leuit. am vij. cap. Mit denen opfferen ward bedütet / dz vns von Christi wegen alle guothaten von himmel herab verlihen vnd geben wärdind / auch die guotwillikeit selbs Gott zuo dienen. Diß hab ich nun also bißhar von den opfferen deß volcks Gottes wöllen anzeigen / wiewol nitt alles gemäldet / doch garnach [bey nahe] das fürnämpst darinn. Jn denen ward also als in einer läbenden action [handlung] Christus der Herr vnd sein leiden / auch der krefftig verdienst seins leidens fürtragen / also das wir die üebungen der opfferen wol mögend predgenen von dem leiden Christi / vnd vnderrichtungen vnserer erlösung in Christo nemmen [nennen].
Dieweil ich aber von den verlopten opfferen geredt / so muoß ich an einem fürgang auch von den glüpten [gelübden] etwz mäldung thuon / dann die selben gehörend auch zuo den Jüdischen Ceremonien. Von den glüpten aber wie man die geloben / auch leisten vnd bezalen sölle / stat vil im gsatzt Gottes / besonders Leuit. am xxvij. cap. Globen aber heißt Gott besonders etwas für sein selbs oder für ander leüten heyl verheissen. Darumb warend gelüpte söliche handlungen / die allein Gott geschahend / vnd in keiner sach gebraucht wurdend / sie were dann Göttlich recht vnd billich. Vnder denen glüpten was auch ein vnderscheid / dann die ding die man glopt / warend vnderscheiden in vier geschlächt. Etwan verlopt man menschen selb / etwan thier / etwan heüser / etwan güeter vnd andere ding in denen kein leben. Die menschen hattend auch jr vnderscheid nach eins yeden alter. Vnd nach dem das selbig wz / ward auch die losung zuogelassen. Was reine thier warend / die ließ man nit lösen / heüser aber mocht einer eintweders lassen zuo bruch deß diensts Gottes / oder die selbigen lösen nach der schatzung deß priesters. Der äckeren vnd güeteren halb ward etwan die losung zuogelassen / etwan nit. Num. am x. Cap. wirt auch eigentlicher befälch geben der personen halb so die glüpt thuond / vnnd wenn die glüpt gälten söllind / oder wenn sie für vnkrefftig zuo erkennen. Da auch eigentlich gebotten wirt / das man die glüpt so dem Herren rechtmäßig geschehen / nit brächen / sonder trülich leisten vnd halten sölle. Fräfne [vnbedachte] aber vnd vnrächtmäßige glüpt hat Gott nie angenommen / habend jm auch nie gefallen. Von den rechtmäßigen vnd die allein Gott beschehend / redt der heilig Prophet da er spricht / Gelobend vnd bezalend. Wir läsend von keinem heiligen / das jren einer etwan den helgen [Heiligen] oder Creaturen glüpt thon hab / oder das sie ye gelopt habind sölliche ding / die nicht im gwalt dessen wärend der das glüpt thet / oder die dem willen Gottes dem das glüpt beschach zuo wider wärind / oder das sie etwan glopt das dem nechsten nachteylig / vnd das nit ein besondere heitere nutzbarkeit hätte. Es sind aber söliche glüpte dem volck Jsraels von keiner anderen vrsach wegen biß auff die zeit der verbesserung nachgelassen worden / dann das sie beständig blibind im dienst deß einigen waaren Gottes / vnd jre glüpte keinem anderen Gott versprächind. Zuo diser betrachtung der glüpten ghört auch dz gsatzt vnd die regel der Nazareer / von dem vil stat Num. vj. cap. Das warend aber Nazareer / die von wegen / das sie dest freyer den händlen Gottes obligen / oder von wegen dz sie vornaher etwz freydiger [mutwilliger] geläbt hattend / fürohin / damitt sie anderen ein exempel der tugend wärind / von jhnen selbs vnd auß eignem willen ein ernsthaffter läben / als ein zuchtordnung an sich namend. Darumb meynend etlich die Nazareer sygind vom absünderen also genennt worden / darumb das dz wörtli Nazir bey den Hebreern heißt ein absünderung / das sie sich von der gmeynen art deß läbens der menschen entzugend / vnd sich in ein besondere gattung deß läbens von Gottes wegen ergabend. Dise disciplin [oder zucht] der Nazareer hat etwan an etlichen gwäret jr gantz läbenlang / als am Sampson vnd Samuel. So sind auch die so studiertend vnnd der heiligen geschrifft oblagend / von wegen jhres gar mäßigen läbens (das dann von söllichen billich erforderet wirt) vnd von wegen dz sie zumCLXv. / 160b
dienst Gottes ergeben warend / von den heiligen Propheten Amos vnd Jeremia Nazareer genennt worden. Etwan hatt aber dise disciplin vnd regel / allein ein gewüsse zeyt gewäret / als etlich monat oder tag. Sie enthieltend sich aber nach dem gesatzt von etlichen dingen / die sonst inn keim gesatzt verbotten warend / vnd von ander leüthen so inn keinem sölichen glüpt warend / wol mochtend gebraucht werden. Als erstlich enthieltend sie sich von wein vnd von allem dem das an den räben wuochs / vnd truncken machet. Nun ist aber offenbar / das wie der wein ein guote creatur Gottes ist / das also kein getranck im gsatzt verbotten wirt. Dieweil aber die Nazareer dem Herren geweycht / vnnd zuo einem besonderen läben geheiliget warend / vnnd der wein den wäg machet zur trunckenheit / darumb enthieltend sich die Nazareer billich vom wein. Desselben gleichen habend sie sich auch gehüetet vor müeßiggang vnd fulkeit die ein muoter ist aller lasteren / vnd habend allen wollust verachtet. Darnach habend sie auch das har lassen wachsen die gantze zeyt jres gelüpts. Dahär dann etlich andere das wörtli Nazareer deriuierend [ziehend] . Dann dieweil Näzer ein harlock heißt / so meinend sie das sie dahär Nazareer / als ob du wöltist sprächen geharete genennt seyend worden. Der heilig Apostel Paulus aber heißt die weyber vonn keiner anderen vrsach wegen mit bedecktem vnnd verhülletem haupt bätten / vnd predig hören in der gemeind / dann das sie nicht jrs eignen gwalts / sonder einem anderen / das ist deß mans gwalt vnderworffen sind. Darumb züchtetend die Nazareer das har darumb / das sie jetz vonn wegen jres glüpts gegen Gott / nicht mer jhrs eignen gewalts / sonder gantz vnd gar inn die rechtsamme Gottes geträtten warend. Vnd das daß haupt / das als ein schloß / vnd der fürnempst theil deß menschlichen leybs ist / also mit har bedeckt was / das bedeütet das der mensch Gott gantz ergeben vnd geheiliget were / auff den er auch allein sehen / vnd an dem er allein hangen sölte. Vber das ward auch erforderet / das ein sölicher sich sonst nienen vermaßgete [entheiligen solte] mit gesellschafft gottloser vnd lasterhafften leüthen. Dahär dann dienet / das dem Nazareer verbotten wirt zuosein bey der leych seiner elteren / kinder / deß weybs / brüederen vnd schwösteren. Dann er sol die augen seines gemüets allein auff Gott richten / vnnd gegen dem selben nützit schetzen [für nichts halten] alles ander / wie kostlich vnd lieb es jm joch [immer] ist. So er sich aber vnuersehenlich an einem todten verunreiniget / so ward jhm diß läben nit mer für ein erstattung deß gelüpts gerechnet / dann er muoßt sich am sibenden tag wider heiligen / vnd demnach das glüpt wider anfahen. Auß dem dann allem erscheint / wie groß die sünd Sampsonis gewesen / der auch ein Nazareer deß Herren was. Dann dieweil er nit allein im huorenhauß bey den huoren lag / sonder über das / jren auch die geheimnuß Gottes verriet vnd anzeigt / vnd den punt den Gott mit jm gemachet / (der durch das lang har bestätiget ward) zertrat vnd vernütet / do verließ jn der Herr / vnnd weich die wunderbarlich stercke die jm von Gott geben was von jhm. Dann die stercke Sampsons ist nicht in seim har gewesen / das sie von wegen deß abschärens deß hars von jm gewichen seye / sonder im geist Gottes / der jm von Gott gegeben ward. Dann darumb stat so offt in seiner histori / vnnd der geist deß Herren ward fertig über Sampson. Darumb do der geist Gottes von jm weich / do weich auch die stercke von jhm. Der geist weich aber von jm / do er sich an die huoren hanckt / vnnd gar ein geist mit jren ward / vnd Gott vnd sein ordnung ringer schatzt dann die huoren / also das er jm das geheiliget har ließ abschären / vnd gantz vnnd gar vonn den ordnungen Gottes weich / also ist der geist Gottes von jhm gewichen. Darumb er auch bald in den gewalt der Philister kam. Als er aber vnder den selben jämerlich plaget ward / vnd auch der nam Gottes von seintwegen verkleineret vnd gelesteret ward / do besseret er sich / vnd ruofft den nammen deß Herren an. Darumb
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wie jhm das har wider wuochs / do kam jhm auch sein stercke wider / das ist der geist deß Herren kam wider zuo jhm / aber wie vor / nit von wegen deß wachsens seins hars / sonder von wegen seiner besserung vnd anrüeffens deß nammens deß Herren. So begärt er auch nit so fast [sehr] das er sich selb möchte rächen / als dz er die gottslesterer möchte paschgen [eintreiben] / vnnd das volck Gottes (darzuo er dann berüefft was) erlösen vnd erretten. Darumb kam jhm die göttlich krafft widerumb / auß deren er die seülen deß gehüses deß schowspils nider reiß / vnd ward durch den fal desselbigen erschlagen / vnnd bracht mit seinem tod mer vmb / dann er bey seinem läben vmbbracht hatt. Wir wöllend aber wider auff vnser fürnemmen / damit wir auch das überig erzellind / so zuo voller erleüterung deß gelüpts der Nazareeren gehört. Wenn nun die zeyt auß was / die der Nazareer auff sich genommen hatt / so kam er zuo der hütten deß Herren / vnd bracht die opffer die im gesatzt fürgeschriben werdend. Mit welchen er bezeüget / das er ein sünder / vnd das jm alles guots / das ist was tugenden jmmer in jhm funden wärind / alles vonn himmel herab gegeben vnd verlihen wäre. Darumb schneid er auch das har ab / vnnd warff dasselbig auff dz feür / daruff die danck opffer verbrennt wurdend. Vnd nach dem er sölichs alles also volendet / so wz er frey vnd als vil als ledig gelassen / zuo seinem vorigen läben zuo keeren. Das seye nun geredt von der ordnung der Nazareer.
Von dem reinen vnd vnreinen aber stat vil im gesatzt / wir habend da oben auch etwas an eim fürgang dauon anzogen. Nun aber zuo end dises alles (dann mit dem wil ich die disputation vonn den ceremonischen gesatzten beschliessen) wil ich noch etwas von dem vnderscheid der speysen / nammlich vonn reinen vnd vnreinen speysen / hinzuo thuon. Von anfang hatt zwar Gott alles erschaffen / vnnd also erschaffen / das wie er der Schöpffer guot ist / das also alles das von jhm erschaffen auch noch auff den heütigen tag überauß guot ist. Er ist auch noch nit wider sich selb / so er gleich etliche speysen verbeütet / als ob etwz an jm selb vnrein seye / Es sind andere gheimnussen vnder diser leer verborgen. Dann die gsatzt von der spyß vnd narung / scheinend wol kleinfüeg vnd ring [gering] / es hat aber Gott mit denen dingen die für sich selbs schlechts ansehens / wöllen leeren / das man auch in den aller kleinsten dingen auff Gottes willen sehen sölle. Dann deß gesatztes ansehen ist auß Gott / Er ist der Gsatzgeber / vnd das gesatzt selb / ist sein ordnung vnd will. Sölichs haltet die menschlich fräfenheit [küenheit] hinder sich / die jmmerdar gsatzt machet vnd bricht / vnd dargegen auch alle tag nüwe erdenckt. Darumb hat Gott mit disen gsatzten sein volck wöllen leeren glöubige gehorsamme / glich wie er auch anfencklich von Adam söliche erforderet / do er jm gebot dz er von dem baum deß wüßens deß guoten vnd bösen nit ässen sölte. Darumb hatt Gott die gehorsamme vnnd der glaub inn den Machabeeren / vnnd Eleazaro / vnnd ettlichen anderen glöubigen männeren / die dem künig Antiocho biß auff dz bluot / vnd biß auff grausamme töd hin widerstuondend / gefallen. Da sich doch dargegen vil von schweyninem fleisch enthalten / die dardurch kein ruom noch Ehr erlanget habend. So das wort Gotts ein ding heilig heißt / so ist es heilig / vnd dz vonn deß heissenden wegen der heilig ist. Vnd so Gott etwas vnrein nennt / so ist es vnrein / also dz es sich selb verunreiniget heißt / so jemand desselben etwas wider das wort Gottes isset. Jr sind jetz rein / spricht der Herr im Euangelio / von deß worts wegen das ich mit euch geredt hab. Darumb ist von nöten / dz wir dem wort Gottes glaubind / vnd dz die gehorsamme deß glaubens vorgange / dannenthin so mag das werck vnd die that / so auß dem glauben gschicht / als wie die that Eleazars was / der dz schweinin fleisch nicht ässen noch versuochen wolt / Gott (bey welchem alles das nicht auß glauben ist / sünd ist) gefallen. Zuo dem so hat auch der Herr inn etlichen disen seinen gebotten / da er etlicher thieren fleisch verbotten /CLXIv. / 161b
deß menschlichen leybs gesuntheit betrachtet. Dann etliche der speysen die hie von Gott dem menschen zuo ässen verbotten werdend / die werdend auch vonn den artzeten als vngesund verworffen. Daruß denn auch die glöubigen ein sölichs argument [Schlußrede gemacht] schliessend / so Gott deß menschlichen leybs gesuntheit angelegen ist / so wirt freylich der seelen heil vil mer von jm versorget. So habend auch vil Heiden sich von dem ässen vnnd anrüeren etlicher thieren enthalten. Darumb damit jhm selb das volck Jsraels / das sonst gnuog wunderfitzig [abergläubisch]vnd apostützlerisch [fürwitzig] was / nicht hierinn etwas fürnäme / vnnd auß eignem gefallen etwas fürsatzte / so hat er jhnen von denen dingen geheime gebott geben / mit denen er sie von menschlichen fünden abzogen / vnd von anderen völckeren abgesünderet hatt / Wie Moses spricht Deut. am xiiij Cap. Du bist ein heilig volck dem Herren deinem Gott / vnd der Herr hat dich erwellet / das du sein volck deß eigenthums seyest / auß allen völckeren die auff erden sind. Darumb wirt auch S.Petro in geschichten der Apostlen fürgehalten ein gesicht / mit deren die Heiden durch die vnreinen thier bedeütet werdend. Demnach hatt auch Gott wöllen das man acht hätte auff die natur vnd art deren thieren / die er zuo ässen verbot. Dann durch dise geheimnussen hatt er als ob tisch [vber tisch] die himmlisch philosophy vnd fleiß der tugenden beschriben / vnd damit anlaß gegeben ob dem ässen zuo trachten vnd zuo reden von der waren heilikeit deß gmüets / das wir nit grob / vnuerschampt / wüest vnd vnrein seyend. Darumb wirt auch das stückli jmmerdar wideräferet / Jch der Herr ewer Gott bin heilig / als wölte er sagen / hiehär dienet diß alles / das jr euch fleißind der heilikeit. Vnd hat deßhalb in disen geheimnussen also gelert was die glöubigen thuon oder meyden söllind.
Jn dem gesatzt aber von den vnreinen vnd reinen thieren / setzt er zum ersten etliche gemeine reglen / darnach macht er ein natürliche ordnung vnnd erzellt die gestalten ein ander nach von eim stuck an das ander. Das wirt funden nach der lenge außgelegt Leuit. am xj. vnd Deut. am xiiij. Capitel. Vnd werdend zuo ässen nach gelassen die thier so den klawen spaltend vnd wider keüwend / da gleich zwey stuck gesetzt werdend / darinn eins frommen menschen ampt begriffen wirt. Dann so wir reine thier sein wöllend / so müessend wir den klauwen spalten vnd wider keüwen. Der fuoß ist die anfechtung deß gemüets / deren söllend wir keins wegs volgen / sonder ein vnderscheid in allen sachen haben / vnd wie in einer spaltung zwen theil sind / der rächt vnd linck / also erwelt ein frommer mensch das guot / vnd fleücht dargegen was dem selben zuo wider ist. Das widerkeüwen ist das vrtheil / dann wir söllend nit gleich alles zuolassen das wir sehend vnd hörend / sonder allein das / das wir fleißig examiniert vnnd erwegen / vnnd funden habend das es Gott vnnd seinem gesatzt nicht zuowider ist. Darnach werdend vil thier in eim gewüssen register nach jren gestalten / ein ander nach gesetzt / die das volck Gottes nicht dorfft ässen. Das warend eintweders vierfüeßige jrdische thier / oder fisch / oder vögel / oder kriechende thier. Der vierfüeßigen thieren werdend viere mit nammen vßtruckt vnd verbotten / das kämelthier / das ein hohen hals hat / damit er lart hoffart vnd eergyt in allweg fliehen. Jtem das künelin oder murwelthier / dann die menschen gefallend Gott nicht die gar in jrdischen dingen vertiefft sind. Jtem der haaß / der ein forchtsam thier / der leert alle forcht außschlahen gleich wie das schwein alle vnreinigkeit / dann ein schwein ist ein anbildung vnd zeichen der vnreinikeit. Dahär dann auch etliche sprüchwörter kömmend. Vnd von der Circe stat / das sie die gesellen Vlysis mit jhrer zauberey in schwein verwandlet habe. Vnder den fischen aber wurdend nachgelassen zuo ässen / welche schüepen vnd fäderen [floßfedern] hattend / so sie aber deren eins oder bede nit hattend / warend sie verbotten / als der Al / der ob er schon fäderen [floßfedern] hat / so hat er doch keine schüepen. Dann wie die leyb der fischen von fäderen regiertCLXII. / 162a
werdend / also muoß der gantze mensch durch steyffe hoffnung regiert werden. Die schüepen sind hert / vnnd bedeckend die leyb / Also wo wir nit im werck deß Herren standhafft vnd gedultig sind / so hatt er billich ein greüwel ab vns. Vnder den voglen werdend besonders die röubigen vnnd fräßigen vogel verbotten / vnd die so vnreine ding ässend / vnd darab ein lust habend / Jtem spat vogel vnd nacht vogel / die das liecht scheühend / arglistig / vnbleibig vnd faul sind. Damit vns befolhen wirt wolthat / abbruch / mäßigkeit / Jtem einfalte / offenbare / standhaffte / frische / auffrechte / vnd reinikeit deß läbens. Auß den kriechenden thieren werdend auch nicht wenig benammset. Dann Gott mißfallend die menschen / so gar im kat ligend. Die nammen aber der verbottnen thieren hab ich nicht all wöllen erzellen / vonn wegen das sölichs gnuog müesälig / vnnd das die außleger der gschrifft *wunderbar übel zeyt habend vnnd* [-] vngleich sind im außleggen der selbigen / das ich mich hie nicht gnuog verwunderen kan / der grossen vnd blinden verstockte deß Jüdischen volcks / die sie habend im behalten deß vnderscheids der speysen / so sich doch jre Rabini selb nicht gnuogsam erklärend / noch heiter vnnd eigentlich sagen könnend / welches doch die thier seyend die der Herr verbotten hatt.
Hiehär gehört auch / das Gott vor dem gesatzt / zur zeyt Noe / bluot vnd das fleisch mit bluot / oder selb gstorbens / oder das von wilden thieren zerrissen / oder das erstickt zuo ässen verbotten hat. Vor dem sündfluß assend die vätter / krüter vnd frücht der erden / Nach dem sündfluß hat jnen Gott auch die thier zuo ässen erlaubt / doch hat er sies geheissen metzgen / vnd dz bluot daruon lassen. Daruon stat Gen. am. ix Cap. Es spricht auch Gott im gsatzt Leuit. xvij. Cap. mit grossem ernst / Welcher mensch / er seye vom huß Jsraels / oder ein frömdling vnder jnen / etwas bluots isset / wider den wil ich mein angsicht setzen / vnd wil jhn mitten auß seinem volck rüten. Welches gsatzt auch Leuit. xix. vnd Deut. xij. vnd xv. wideräferet wirt. Jtem Leuit. am dritten vnd sibenden Cap. Vnnd ist nit on billiche vnd grosse vrsachen beschehen / das Gott dz ässen deß bluots mit sölichem ernst verbotten hatt. Dann erstlich / nach erst erzellten worten / setzt er gleich selb vnd spricht / dann die seel deß fleisches ist im bluot / vnnd ich habs eüch auff den altar geben / das ewere seelen damit versüenet wurdind. Dann inn dem bluot wirt die seel versüent / darumb hab ich gesagt den kinderen Jsraels / kein seel vnder euch sol bluot ässen usw. Sich / Jn disen worten / wirdt ein heitere vrsach angezeigt / warumb man nicht sölle bluot ässen / darumb das dz bluot das aller köstlichest ding seye / als das zuo der heiligung der menschen verordnet seye. Dann Gott hat das bluot geben / als ein wärd / mit dem sie die sünden versüenind / ja als ein wärd der erlösung / mit dem sie vonn sünden erlößt werdind. Darzuo so ist das bluot die seel / das ist die narung vnd erhaltung deß läbens. Darumb hatt das bluot / das bluot Christi das am Creütz solt vergossen werden (durch welches die glöubigen / als durch ein volkomne erlösung versüent vnnd geheiliget sind / in welchem auch die narung vnd auffenthaltung der seelen zum ewigen läben ist) bedeütet. Vnd wie man nit dorfft ässen von dem fleisch der opfferen / deren bluot man ins heiligthumb truog für die sünd / sonder dasselbig eussert dem läger verbrannt / also dorfft man auch nicht bluot essen / dann es was die erlösung für die sünd. Darumb wer die erlösung vnnd versüenung / so durch das bluot Christi beschehen / seinen eignen krefften vnnd wercken zuo schreib / oder für schlächt hielt / vnd jm nit volkomne heiligung von allen sünden zuogab / der aß bluot. Der aber aß nit bluot / sonder goß es vß für den altar / der die wolthat der erlösung / dem einigen verdienst Christi zuoschreib / vnd den dermassen hielt / wie er billich sol ghalten werden. Demnach hat auch Gott dises aller menschen hertzen wol wöllen ynbilden / dz niemand keins menschen bluot vergiesse / oder vß deß menschen bluot vnd yngweidCLXIIv. / 162b
läpte / welches dann thuond die gottlosen gältkrieger / die gytigen wuocherer / beschisser [betrieger] / die mit bösen künsten / mit gewalt vnd vnbill das bluot der armen vergiessend vnd verschluckend. Es stoßt vns auch Gott allen ein schräcken yn / mit schwären tröwungen vnd vrsachen / als er mit Mose redt vnd spricht / Jch wil das bluotuergiessen rächen wo es die menschen nicht thuond. Dann es ist der mensch erschaffen nach der bildtnuß vnnd gleichnuß Gottes / darumb kan Gott nicht anderst / dann das er die schmach auff sich nemme / die seiner bildtnuß zuogefüegt ist worden. Dann wer eines künigs bildtnuß vmbwirfft / der sündet wider den künig selb / vnd wirt verklagt als ein verletzer künigklicher maiestat. Vom ersteckten aber / ist dises gesatzt gegeben. Du solt nichts ässen mit bluot. Jtem / du solt nit ässen von eim aß / oder selb gestorbnem / oder das von thieren zerrissen usw. Mit dem ersteckten aber vnd selb gestorbnen / sind bedeütet worden die todten werck / von denen sich ein jeder reinigen sol durch die gnad Gottes / der Gott zuo gefallen begärt. Darumb welcher in lasteren on alle besserung vnnd buoßfertikeit lag / vnd dem bluot Christi nit hoch nachfraget / der aß warlich ersteckts.
Es wirt auch das anrüeren auff dreyerley wyß im gesatzt beschriben. Nammlich / so du etwas vnreins angerüert hettist / oder tragen / oder so es dir in ein geschirr oder auff das kleid gefallen wäre. Durch den fal wirt befleckt / wer auß vnwüssenheit sündet. Noch schwerer aber sündet / der mit wüssen / mit willen / vnd mit fleiß sündet. Aller schwärst aber sündet / der die laster beschirmpt / vnd ander leüth zuo den selben treibt. Das aber im anrüeren vnd in anderen dingen stat / das die vnreinikeit biß auff den abend werde wären / darinn wirt ein heitere weyssagung von Christo fürgestelt / nammlich das der Meßias der die sünd der gantzen wält versüenen werd auff den abend / das ist zum end der wält kommen werde.Also bedunckt mich / ich habe mich nun gnuog durch zwo gantze predgenen in den ceremonischen satzungen gesumpt [es seye ... gnugsam geredt] / Gott geb ewer lieb das sölichs mit vil frucht geschehen seye. Deßhalb damit ich nun diß alles beschliesse / so wil ich die fürnempsten puncten von denen ich geredt in ein summ wider zuosammen fassen. Vnd hab also dise disputation in drü stuck getheilt / dann ich hab geredt vonn den personen / demnach von dem ort vnd der zyt so zum dienst Gottes bestimpt ward / vnd zum dritten vom handel selb / den gedachte personen an gedachtem ort vnd zyt geüept / nammlich von den Sacramenten / opfferen / vnd anderen dergleichen dingen. Die personen zum dienst geordnet sind die Priester. Da wir nun angezeigt deren ersten vrsprung / jr ordnung / vnd bedeütliche kleidung / auch jr vilfaltigs ampt. So vil das ort deß Gottsdiensts belanget / habend wir beschriben den tabernackel / da wir auch gemäldet was im tabernackel gewesen / nammlich die punts laden / der guldin tisch / der leüchter / der röuch vnnd brandopffer altar / der Ehrin kessel / deren geheimnuß wir auch angezeigt. Jn der tractation [handlung von] deß zyts / habend wir allerley fäst berüert / järliche vnnd gesatzte / auch selbs angenomne fäst. Zuo letst do wir auch den handel vnd Gottsdienst selb erklärt / habend wir disputiert von den zweyen Sacramenten der alten kirchen / nammlich von der beschneidung vnd dem überschritt. Jtem vonn den opfferen / deren etliche brandopffer gewesen / etliche speißopffer / etliche sünd oder versüenopffer / etlichs danckopffer. Da auch etwas geredt ist worden / von freywilligen vnd verlopten opfferen / auch von den gelüpten / vonn der ordnung vnd regel der Nazareer / vom reinen vnnd vnreinen / vonn vnderscheid der speysen / vom bluot vnd ersteckten / vnd vom anrüeren deß vnreinen. Der Herr Jesus erleüchte eüwere augen / das sölichs alles diene vnnd reiche zur glori [ruhm] vnnd eer seines nammens / auch zum heil ewerer seelen. Amen.
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27.Pr.Die Siben vnd zwentzigste Predig.
Von den grichtsatzungen Gottes
NVn volgend zum letsten in der Tractation [handlung] der gesatzten Gottes / auch die gerichtlichen ausserlichen gesatzt / von denen ich reden wil auff das kürtzest ich jmmer mag / vnnd so vil mich zuo erbauwung eüwer lieb dienstlich sein beduncken wirt. Vnd wirt dise tractation vnd handlung / ob sie schon ausserlich vnd die ausserlichen recht antrifft / nichtsdestminder nit vnnütz oder vnlieblich sein / dann es sind dise gerichtssatzungen von dem allein guoten vnd weisen Gott / mit wunderbarem fleiß vnd ernst durch Mosen angegeben. Gott eroffnet aber den menschen mitt sölichem fleiß nützit vergebenlich vnd one etwas sonderbarer nutzbarkeyt. Vnd wiewol diser gerichtlichen satzungen wenig sind / so du sie gegen den grossen mächtigen büecheren der keiserlichen küngklichen vnd anderer weisen leüten satzungen vnnd Decreten haltist / so begreiffend sie doch in diser jhrer weitlangenden kürtze / die fürnempsten puncten deß grichts vnd der gerechtikeyt / vnd wirt ja gar nach so vil darinn begriffen / als in allen büecheren der gesatzten vnd ordnungen der Keiserlichen rechten / vnd aller Juristen. Es hat der güetig Gott seinem volck nit wöllen überlägen [verdrießlich] vnd beschwärlich sein mit lenge vnd vile der gesatzten / so wz es auch nit von nöten eines yeden vnnützen menschen bösen gedancken mitt satzungen auff das gnäwest zuo fürkommen. Das ist allen weisen vnd verständigen völckeren vnd Nationen gnuog / so sie der gesatzten so vil habend / so vil jnen zuo erhaltung fridens / ersamkeyt vnd gemeynes wolstands / gnuogsam ist. Das aber das volck Jsraels so vil gehept / bezeüget die gantz heilig Histori. Vnd sind dise gesatzt die aller eltesten / vnd als brunnen aller anderer guoten gsatzten die inn der wält ye gewesen. Dann Moses ist vor allen nammhafften gsatzgeberen gewesen / vnder welchen sonst die eltesten gewesen sind Mercurius gnennt Trismegistus / vnd Rhadamantus Licius. Die Egypter habend jren gsatzgeber Mercurium gnennt Thoth / welcher / wie auch Lactantius schreibt / den Argum mit den vil augen vmbbracht hat / vnd in Egypten entrunnen ist. Diser Argus aber vnd Attlas habend geläpt vmb die zeit Cecropis Diphijs. Von Cecrope haltet man / das er zun zeiten Mosis geläpt habe. Rhadamanthum aber achtet man nach den zeiten Josue geläpt haben. Lange zeit aber nach Mose kömmend erst die nammhafftigesten gsatzgeber der grösten vnnd eltesten völckern / nammlich Draco vnd Solon der Athenienseren / Minos der Cretenseren / Charondas der Tyreren / Phoroneus der Arginen / Lycurgus der Lacedemonier / Pythagoras der Jtaliäneren / Romulus vnnd Numa der Römeren. Plato hat von gesatzten geschriben wenig zeit vor dem Reich Philippi deß Macedonischen Künigs / der ein vatter gwesen ist deß grossen Alexanders. So spricht Cicero im ij. buoch de legibus, Jch sich das dises der aller weisesten meinung gewesen ist / das gsatzt weder vß menschlicher vernunfft erdacht noch ein erkantnuß der völckeren sygend / sonder etwas ewigs / das die gantz wält durch weißheit vnd verstand deß gebietens vnd verbietens regieret. Also habend sie die gesatz genennt das höchst vnd öberst gmüet Gottes / der alles mit vernunfft beütet [gebeut] oder verbeütet. Darumb so werdend vns die grichtsgsatzt Gottes nit nur von jr elte / sonder vil mee von Gottes ansehen wegen befolhen. Richten aber / damitt wir heiter vonn der sach redind / ist an jhm selb ein handlung / vnd so vil den gegenwirtigen handel belanget / ein grichtliche handlung / vnd heißt nammlich entscheiden oder rechtsprächen zwüschend zanckendenCLXIIIv. / 163b
vnd nach verhörter sach / vrteil fellen vnd sprächen. Richten heißt auch / die so in gfar sind erretten / den vndertruckten hälffen / die betrüebten schirmen / die bösen vnd lasterhafften straffen vnd zämen. Darumb so heissend nit nur die personen so zuo gricht sitzend / vnd zuosammen kommend zuo richten / das gricht / sonder vil mer die eigentlich erörterung der sachen an jhr selb / vnd das entscheiden auß den gsatzten Gottes nach der billikeit vnd gerechtikeit. Jtem das retten vnd schirmen der frommen / vnd das straaffen der bösen vnd lasterhafften. Richter aber sind / die fürgesetzten deß grichts vnnd der gerechtikeit / die nammlich recht nach den satzungen zwüschend den parthyen entscheidend / die frommen rettend vnd schirmend / die bösen aber straaffend vnd vndertruckend. Darumb so sind dz grichtsgsatzte / welche den Richteren fürschreibend / was sie in den spänen vnd händlen so für sie kommend erkennen / vnd wie sie recht richten / die bösen straffen / vnd die frommen schirmen söllind / Damit by einem yeden / frid / erbarkeit / grechtikeit vnd gmeiner wolstand möge erhalten werden / welches dann der einig zwäck deß Richters vnd aller grichtsgsatzten ist. Dann es wil Gott der gsatztgeber vnd güetig Herr gäntzlich / das dem menschen wol sey / das er säliklich ersammklich vnd rüewig läbe. Darumb wir hie die sorg vnd beschirmung der waaren religion nit außschliessend / sonder vnder die vordersten stuck setzend.
Wie aber die ceremonialischen gsatzt [die Gesetze von den Kirchenbreuchen] / also sind auch die grichtsgsatzt den Zehen gebotten von Gott zuogethon / die selbigen zuo erleütern vnd zuo handthaben. Dann die Zehen gebott / sind die fürnempsten / vff welche man alle satzungen ziehen muoß / als auff das ewig gmüet Gottes. Jch achten aber nit von nöten sein / das ich eüwer lieb weitlöuffig anzeige / vff welches gebott sich ein yede grichtssatzung referiere [zu welchem ... gehöre] / dann sölichs ist heiter / vnnd offenbar einem yeden der sie gegen ein anderen haltet. Dann was für gsatzt geben sind wider todtschlag vnd vnbill / die gehörend alle zuo dem gebott / du solt nicht töden. Welche aber wider Eebruch / huorey / vnd lasterliche geylheit lautend / die gehörend zuo dem gebott / du solt nicht Eebrächen. Was dann in denen gsatzten / wider *beschissz betrug falsch vnd wuocher* [betrug / böse fünde vnd wucher] geredt wirt / das gehört vnder das gebott / du solt nit stälen. Was aber gemäldet wirt von falschen leereren vnd abtrünnigen / wie man die mit gwalt paschgen [zämen] vnd vndertrucken sölle / das erleüteret alles das erst vnnd ander / ja auch das dritt vnd viert gebott der ersten tafel. Dann es mögend etliche gsatzt mer dann nur zuo einem der Zehen gebotten gezogen werden. Das ist nun eim yeden kundtlich vnd offenbar / deßhalb ichs bey dem wil bleiben lassen. Dieweil aber die grichtsgsatzt vor allen dingen Richter erforderend / die die gsatzt erhaltind vnd erstattind. (Dann wo keine Exequutores vnnd erstatter der satzungen sind [wo man nicht darüber helt] / so sind sie gleich als tod / läbendig aber sind sie vnder einer redlichen Oberkeyt / welche auch darumb lex uiua, dz ist / ein läbendig gsatzt genennt wirt) So gond allen grichtsgsatzten die vor / so von der oberkeit / von den Richteren / vnd von jrer erwöllung vnd ampt von Gott gegeben sind. Von der erwöllung läsend wir also. Schaffend här / spricht Moses zum volck / weise verständige leüt / die vnder eüwern stämmen bekannt sind / die wil ich eüch zuo höupteren setzen. Jtem / Richter vnd amptleüt solt du setzen in allen deinen thoren / die der Herr dein Gott dir geben wirt vnder deinen stämmen / das sie dz volck richtind. Vnd noch heiterer spricht Jethro auß eingebung Gottes zuo Mose / Sich dich vmb vnder allem volck nach redlichen leüten / die gottsförchtig / waarhafftig / vnd dem gyt fyend sygind / das ist die dem gält vnd gaben nemmen fygend sygind / die setz über sie / oberen über tausend / über hundert / über fünfftzig vnnd über zähen / das sie das volck alle zeit richtind / wirst du das thuon / so wirst du die ordnungen Gottes / vnd deß volcks wolstand erhalten. Dahar dienet auch das wir im buoch Num. läsend / dz Moses gebättet vnd gesprochen / der Herr der Gott *derCLXIIII. / 164a
geisten alles fleisches* [vber alles lebendiges fleisch] / wölle einen man setzen über die gemeynd / der vor jhnen herauß vnd eingange / vnd sie auß vnnd ein füere / das die gemeynd deß Herren nit sey wie die schaaf on hirten. Damit vns Moses ein exempel gelassen hat / das wir in den erwöllungen auch also bättind. Dann es betriegend vnns offt vnsere vrtheil von den menschen / Gott sicht aber den geist / das hertz vnd gmüet an / vnd weißt wie ein yeder innwendig vnd im hertzen gesinnet ist / den sol man anrüeffen / das er vns nit gleichßner gebe / sonder dapffere waarhaffte leüt. Es beschreibt auch Moses an gedachtem ort ein form die erwölten Richter fürzuostellen vnd einzuosetzen / dann sie wurdend für den Herren gestellt / vnd wurdend jhnen die händ auffgelegt mit gebätt. So vil aber das ampt der Richteren belanget / so beschreibt der Herr söllichs durch Mosen / mitt wenig aber gar krefftigen vnd alles begreiffenden worten vnd sprüchen / also namlich. Verhörend eüwere brüeder / vnd richtend recht zwüschend yederman vnd seinem bruoder vnd den frömbdlingen / kein person söllend jr im gricht kennen / sonder söllend den kleinen hören wie den grossen / vnd vor niemants person üch scheühen / dann das gricht ist Gottes. Jtem / Richtend das volck mitt rechtem gericht / vnnd biegend das recht nit. Du solt auch kein person kennen / noch gaben nemmen / dann die gaben bländend die augen der weisen / vnnd verkeerend die wort der frommen. Dem rechten jag mit recht nach / auff das du läben vnnd ynnemmen mögist das land das dir der Herr dein Gott gäben wirt. Jtem / Jhr söllend nit vnrecht handlen am gricht. Du solt nicht annemmen das angesicht deß armen / noch ehren deß grossen ansehen / sonder du solt deinem nechsten recht richten. Jtem weiter / Du solt nicht achten auff vngegründten lümbden [verleumbdung] / Du solt auch nicht volgen der menge zum bösen / vnd nit antworten vor gericht / das du der menge nach vom rechten weichist / Das ist / so du sichst das ein vnschuldiger von vilen verdampt wirt / so solt du jhn nit darumb auch verdammen / darumb das jhn die merer zal verdampt / sonder richt nach der gerechtigkeyt / vnnd thuo nichts vnrechts von der vile wegen deß meers [von wegen grosses beyfals]. Du solt auch den armen nit zieren in seiner sach. Jtem das recht deines armen solt du nit biegen in seiner sach / Biß ferr von falschen sachen. Den vnschuldigen vnd gerechten solt du nicht töden / dann ich sprich nicht gerecht keinen gottlosen. Die frömbdling söllend jhr nitt trucken noch begwaltigen / dann jhr sind auch frömbdling gewesen in Egyptenland.
Vnnd wiewol Gott sein volck / das er auß Egypten von der Tyranney der Künigen erlößt / nit widerumb künigen vnderworffen / oder mitt küngklichen tributen vnd schatzungen beschwärt / sonder ein gmeyns Regiment / vnnd aristocracij / das ist ein Regiment von den ausserläßnesten deß volcks (welchs denn die best regierung ist) yngsetzt vnd angericht hatt / Noch dieweil er die torheyt seines volcks wol gewüßt / vnnd das es der freyheit zevoll [vberdrüssig] ein Künig begären werde / (das er jnen hernach do sies thetend durch den Samuel mit vil vnd starcken argumenten widerriet) so hat er auch dem Künig gsatzt fürgeschriben / damit er wüßte das er auch vnder den gsatzten läben / vnd nach den gsatzten richten sölte. Dise vnderrichtung deß Künigs lautet also / So du kommen wirst in das land das dir der Herr dein Gott geben wirt / vnd sagen wirst / Jch wil ein künig über mich setzen / wie alle völcker vmb mich här habend / so solt du den zum künig über dich setzen / den der Herr dein Gott erwöllen wirt. Du solt aber auß deinen brüederen einen zum künig über dich setzen. Du kanst nit etwan einen frömbden / der nit dein bruoder ist / über dich setzen. Allein das er nit vil rösser halte vnd füere das volck nit wider in Egypten vmb der rösseren menge willen / das ist / dz er jm ein starcke reüterey zuo wegen bringe / dann der Herr hat eüch gesagt / zeühend nit wider durch disen wäg. Demnach sol er auch nit vil weiber nemmen / das seinCLXIIIIv. / 164b
hertz nit abgewendet werde / vnd sol auch nit vil gold vnd silber sammlen. Vnnd wenn er sitzen wirt auff dem stuol seines küngkreichs / sol er diß ander gsatzt / von den priesteren den Leuiten nemmen / vnnd in ein buoch schreiben lassen / das sol bey jhm sein / vnd sol darinnen läsen sein läbenlang / auff das er lerne förchten den Herren seinen Gott / das er halte alle wort dises gsatztes / vnnd die sitten / das er darnach thüege. Er sol auch sein hertz nicht erheben über seine brüeder / vnd sol nicht weichen von dem gebott weder zur rechten / noch zur lincken / auff das er seine tag verlänge auff seinem küngkreich / er vnd seine kinder in Jsrael. Das sey nun von der Oberkeyt / den Richteren / vnd Künigen geredt. Jch halt aber das in diser künigklichen vnderrichtung begriffen sey / alles das von anderen gar weitlöuffig vnd mit vilen worten / von der Fürsten aufferziehung vnd vnderrichtung ist beschriben worden. Jnsonderheit aber ist das wol zuo mercken / das die Künig dem wort vnd gsatz Gottes nit fürgesetzt sind als Herren vnd gwalthaber desselben / sonder dem selben vnderworffen / als die von Gott durch das wort werdind gerichtet werden / vnd als die so alle ding nach der regel deß worts Gottes söllind handlen vnd verwalten.
Auff das wöllend wir aber etliche der grichtssatzungen Gottes besehen / wie wol nicht alle vnd yede / sonder nur etliche der fürnempsten / auß denen wir die anderen wol auch beschetzen [von anderen vrtheilen] mögend / vnd heiter ersehen / das daß volck Jsraels keines notwendigen vnd nutzlichen gesatztes gemanglet hat. Jch wils aber kurtz der natürlichen ordnung nach ein andernach erzellen auff das heiterest.Von den gebeüwen vnd andern dingen die Gott geeignet vnd geweicht [geweihet] sind / das man die nit entfrömbden sölle / Jtem von der religion wie die zuo schirmen vnd zuo fürderen / wirt vil in dem gsatzt Gottes gemäldet / vnd achten nit das es von nöten sey alle gsatzte vnnd anders das hieuon gebotten wirt von wort zewort zuo erzellen. Von den Heyden aber / vnd jrem gottsdienst vnd Templen / wie die söllind vmbkeert vnd außgereütet [außgerottet] werden / wirt kurtzlich dises vom Herren gebotten. So der Herr dein Gott vil völcker vor dir här vßtreiben wirt / so solt du sie vßreüten / vnd keinen pundt mit jnen machen / dich auch jren nit erbarmen / vnd solt dich mit jnen nit befründen / dann sie werdend eüwere sün mir abfellig machen / das sie anderen götteren dienind. So wirt dann mein zorn ergrimmen wider dich / vnd wil dich vertilgken. Sonder also söllend jr mit jnen thuon / Jre Altar söllend jr zerreissen / jre seülen zerbrächen / jre wäld abhauwen / vnnd jhre götzen mitt feür verbrennen. Dann du bist ein heilig volck Gott deinem Herren / vnd dich hat Gott dein Herr erwöllet zum volck deß eigenthumbs / vß allen völckeren die auff erden sind. Dises gsatzt stadt auch Exo. am xxiij.[32] vnnd wirt wideräferet Deut. am xij [29]. Vnd hiehar dienend auch die gsatzt so wider die götzen vnd bilder lautend. Als das der Herr Leuit. am xix Cap.[4] spricht / Jr söllend eüch nit zuo den götzen wenden / vnnd söllend eüch keine gegoßne götter machen / dann ich bin der Herr eüwer Gott. Jtem am xxvj. Cap.[1] Jr söllend eüch kein götzen machen noch gehauwen bild / vnd söllend eüch keine seülen auffrichten / noch keinen gebildeten stein setzen in eüwerem land / dz jr eüch daruor buckind / dann ich bin der Herr eüwer Gott. Jtem Deut. am xvij. Cap.[Deut.16.21] Du solt kein wald von allerley böumen pflantzen bey dem Altar deß Herren deines Gottes / Du solt auch kein saul [seul] daselbst auffrichten / welche der Herr dein Gott hasset. Vnd der gleichen gsatzt sind in der heilgen gschrifft gantz vil an allen orten.
Von den armen / witwen / weysen / vnnd frömbdlingen / wie man denen guots thuon sölle / gebeütet der Herr also / Jr söllend kein witwen vnd weysen betrüeben / wirst du sie bekümmeren / so werdend sie zuo mir schrijen / vnd ich wird jr schrijen erhören / so wirt mein zorn ergrimmen / das ich eüch mitt dem schwärt ertöde / vnd eüwere weiber witwen / vnd eüwere kinder weysen werdind. Dahar dienetCLXV. / 165a
ein guoter teyl deß xv. cap. im fünfften buoch Mosis. Jm xxiiij. cap.[17] daselbst stat / Du solt das recht deß frömbdlings der witwen vnnd weißlins nit biegen. Gedenck das auch du ein frömbdling in Egypten gewesen bist.
Von den zeügen vnd zeügknussen wenn vnnd wie die am gricht anzuonemmen oder nit / dauon stat mitt wenig worten im gsatzt also / Es sol kein einiger zeüg wider yemans aufträtten / über etwan ein missethat oder sünd / es sey welcherley sünd es wölle / die man thuon kan / sonder in dem mund zweyer oder dreyen zeügen sol alle sach beston. Wenn aber ein lugenhaffter zeüg wider yemants aufftritt / über jn zuo bezeügen ein abträttung [vbertrettung] / so söllend die Richter fleißig vnd eigentlich fragen vnd erfaren / vnnd so sie findend das der zeüg ein falsche zeügknuß geredt / so söllend sie jhm thuon / wie er gedacht seinem bruoder zuothuon / das du das böß von dir außreütist. Den Eyd aber den die Richter erforderen / vnd die thuon söllend / die spän gegen einanderen habend oder zeügknuß redend / heißt der Herr auffnemmen bey der anrüeffung vnnd bezeügung deß einigen nammens Gottes / wie stat Deut. am x.Cap. usw. Das hat aber ein gstallt der [einer] Appellation / das Moses so offt die Richter in schwären vnd zweiffelhafften sachen heißt zum Obersten Priester lauffen / vnd deßhalb zuo Gott vnnd seiner eroffnung selbs / wie man sicht Exod. am xviij. vnd Deut. am j. vnd xvj. Capitel. Von Eehändlen / rechte oder vnrechte Ehen beträffende / auch von den graden der sipschafft vnd magschafft / wirt eigentlich gebotten Leuit. am xviij. Cap. vnd an anderen orten mer in büecheren Mosis. Dann wo die leüt nicht zuosammen gehörend / da kan kein Ee sein / vnnd werdend deßhalb die kind dauon geboren / bastharten gehalten. Da ist auch kein erbschafft / noch heyratguot. Den elteren gebeütet auch Gott an vilen orten in seinem gsatzt / dz sie jre kind in ersamkeyt erziehind / vnd in der forcht Gottes vnderrichtind / vnd spricht vnder anderem / Dise wort / die ich dir hütt gebeüt / solt du zuo hertzen nemmen / vnd solt sie deinen kindern fleißig einscherpffen / vnd dauon reden / wenn du in deinem hauß sitzest / oder auff dem wäg gast / wenn du dich niderlegst oder auffstast / vnd solt sie binden zum zeichen auff dein händ / vnd söllend dir ein denckzedel vor deinen augen sein / vnd solt sie über deines hauses pfosten schreiben / vnd an deine thor usw.Dargegen wie man die elteren sölle ehren / vor augen haben vnnd erneeren / wirt nicht nur im gsatzt der sitten / sonder auch in den grichts gsatzten anzeigt / darinn sie vns auch gar fleißig befolhen werdend. Von welchem wirt geredt werden / so ich nun kommen auff den todtschlag der elteren / darunder wir alles leyd das den elteren zuogefüegt wirt begreiffend.
Was grossen gewalts aber die elteren über die kind gehept / könnend wir auß dem fürnämlich ermässen / das Exo. am xxj. Capitel einem vatter der gar erarmet / nachgelassen wirt sein tochter zuo verkauffen / Jtem das an einem anderen ort einem vatter zuogegäben wirt der gwalt / sein tochter / so die geschwecht / dem so sie geschwecht eintweders zuolassen oder nit zuolassen. Jtem dz ein vatter wenn seine kind Gott etwas verlobt / vnd söllichs on sein wüssen vnd willen beschehen was / das glüpt hinderen vnd brächen mocht / Num. xxx. Das aber die kind enterben / nit im gwalt der elteren gestanden sey / so es die kind nit verdient / vnd es die elteren sonst auß böser anfächtung thuon wöllen / zeygt an das gsatzt Deut. xxj. Welches verbeütet das ein vatter nicht sölle den anderen sun an deß erstgebornen statt stellen. Von den erbschafften / vnd anfälen der güeteren / vnnd ordenlicher nachfolg der früntschafften / wirt eigentlicher befälch geben Num. am xxvij. cap[1]. Vnd wirt gesetzt ein fal / der sich begeben mitt den Töchteren Zelphad / die da begärtend das jres vatters namm nitt durchtilcket / sonder das jhnen mitt sampt demCLXVv. / 165b
nammen jhres vatters erbschafft zuogstelt wurde. Auß welchem anlaß ein gesatzt gegeben wirt / das so die sün abgangind / das dannenthin die erbschafften an die töchteren fallen söllind / oder an andere nechste bluotsfreünd. Dahär dienet auch das gsatzt von dem erwecken deß samens dem bruoder / vnd gar nach das gantz xxxvj. Capitel Numeri. Jtem es gehört auch hiehär die Adoptio / das ist / das auffnemmen in die kintschafft / oder kinds rechtsamme.
Von huory Ehbruch vnd schendung der jungfrawen / werdend vil nutzlicher ehrlicher vnd heilsammer satzungen gegeben. Deut. am xxiij. Capitel [17] stat. Es sol kein huor sein vnder den töchteren Jsraels / vnd kein huorer vnder den sünen Jsraels. Jtem am selbigen ort verbeütet er auch die opffer so vom huoren lon auffgenommen. Jm Leuitico wirt gebotten / du solt dein tochter nicht zuo huory halten / das nicht das land befleckt / vnd voll sünden werde. Darumb heißt auch Gott Deut. am xxij.[29] die so sich für ein jungfraw vermächlet [vermehlet] / vnnd aber nicht ein jungfraw funden / für die thür jres vatters huß füeren / vnd sie versteinigen / damit die elteren durch den grausammen anblick getriben wurdind / jhre kind in guoter huot zuo halten. Exod. am zwey vnd zwentzigsten Cap.[16] stat also. Wenn jemands ein jungfraw übertörlet [beredt] mit worten / vnd beschlafft sie / der sol sie vßstüren vnd zum weyb haben. So sind auch schwäre gesatzt geben wider das jungfraw schenden vnd den Ehbruch. Dann die Ehbrecher wurdend am läben gestrafft. Desselben gleichen auch so jemand ein jungfraw entfüert hette. Von dem argwon vnd yfer wie man sich darinnen halten sölle / wirt anzeigung gegeben Num. am v. Cap. Jtem wider die schantlichen vnd gantz teüffelischen muotwillen / als wider die groben bluotschanden / Jtem wider die grusamm Sodomij / vnd die scheützlich [abschewliche] vnnatürlich vihische / ja wider die verflüechten laster / von denen nun nit zuo reden ist / werdend schwäre / aber grechte vnd billiche gsatzt geben Leuit. xviij. vnd xx. Cap. Ehschidung vnnd scheidbrieff laßt das gsatzt zuo Deut. xxiiij. Aber vonn der hertigkeit wegen deß hertzens deß Jüdischen volcks / damit nicht etwan bösers darauß entstüende / nammlich / das nit etwan einer eine die er haßete mit gifft ertödete / oder sonst vmbbrächte erwurgte oder erstäche. Denen aber die gscheiden / ward sich widerumb auff ein news vnd anderßwo zuo verehlichen nachgelassen. Vnd damit gerechtigkeit vnder den menschen pflantzet / vnd jedem das sein wurde / so wirt eigenlich auch im gsatzt fürgeschriben vonn der theilung der güeteren / von der theilung deß gelopten lands / von gleicher weyte vnd breite / von theilung der fälderen / von eigenthumb der güeteren / vnd wie man jedem stammen sein besitzung mit dem loß zuotheilen sölle / vnd das niemand die selbigen in einichen wäg entfrömde. Dann dahär dienet / das von Mose geredt wirt Num. am xxxij. xxxiij. xxxiiij. vnd sonst an anderen orten mee. Darzwüschend ward aber nit verbotten die veränderung. Dann es sind auch vil billicher satzungen gegeben worden / vom kauffen vnd verkauffen / von verlihen vnd empfahen / vom gelichnen vnd entlehneten / von nutzungen / wuocher / vnd dem so jemand hin der den anderen zuo behalten glegt. Wär wil / findet dauon Leuit. xxv. Exod. xxij. Deut. xv. vnd xxiij. Cap. Dahär achten ich gehöre auch / dz von pfanden vnd vnderpfanden befolhen wirt / nammlich / wenn du von deinem nechsten ein kleid zum pfand nimpst / solt du es jm widergeben / ee die Sonn vndergat / dann dz ist sein einige decke seiner haut / das ist / sein kleid / mit dem er seinen leib bedeckt / in dem er schlafft. Wirt er aber zuo mir schreyen / so wird ich jn erhören / dann ich bin gnädig. Jtem / du solt nit zum pfand nemmen den vndersten vnd obersten mülistein / dann du pfendest jm sein narung. Von dem so jemand dem anderen zuo behalten gibt / vnd vom eid / gibt auch das gesatzt befelch / vnd heißt einen jeden mit guoten trewen dem anderen wider geben / dz er jm zuo behalten gegeben. So es aber dem der es behalten / auß seinemCLXVI. / 166a
hauß gestolen wurde / so sölle der / der es behalten / vor der Oberkeit einen eid drumb thuon / das er sein hand nicht an seins nechsten guot gelegt habe. Dergleich wirt auch befolhen zuohandlen in anderen dingen / die enthlenet / verloren / oder zerbrochen worden / Dauon liß Exo. am xxij. Capitel.
Vnd dieweil offenbar ist / das die alten nit den wenigsten theyl jrer güeteren an vile der knächten vnnd eigen leüten gehept / so handlet das gesatzt Gottes vil von der knächtschafft vnd knächten / von eygnung vnd auch von freylassung der knächten / vnnd wirt mithinzuo fleißig gebotten / das man die eygenleüt / knächt vnd dienst früntlich vnd gnädig halte / vnd nach verscheinung [-] sechs jaren frey vnd ledig lasse. So aber nach verscheinung der sechs jaren ein knächt in seines Herren hauß bleiben wolt / so ward es jm zuogelassen / doch das die sein guotwillige knächtschafft / durch ein besondere Ceremoni der ergebung zum eigenthumb bestätiget wurde / nammlich / das man den knächt für die Richter füerte / dz er da bezeügete / das er gern vnd willig dienen wölte / vnd jm darnach das vnder orläpli durchstäche vnd an die türen hefftete. Welchs ein gheymnuß vnd zeichen wz der trüw vnd gehorsamme. Dann daruff sicht Dauid / da er spricht / Der Herr hab jm dz or durchstochen / dz ist / jne jm durch den glauben zur ghorsamme verpflichtet. Die frey vnd ledig lassung / hat er auch in billiche satzungen vergriffen [begrieffen] / damit dem gyt vnd der vnbenüegige [vnbarmhertzigkeit] der Herren nit zuo vil nachgelassen wurde / welchs alles mit vilen worten beschriben wirt Exo. am xxj.[1]. Zur früntlikeyt dienet auch das / das Deut. am xxiij[15]. stat / Du solt den knächt nit seinem Herren vberantworten / der von seinem Herren zuo dir sich entwennt [entwendet] hat: Doch wirt mithin zuo auch schwärlich verbotten das Plagium, das ist der menschen diebstal. Dann die begond ein Plagium vnnd menschen diebstal / die eintweders frömbde dienst auffwiglend / das sie von jren Herren lauffend / oder sie sonst durch diebstal vnd raub entfüerend / vnnd sie eintweders selb behaltend / oder anderen verkauffend. Wider sölliche wirt dises gsatzt gegeben / Wär einen menschen stilt vnd verkaufft / vnd es sich auff jnn erfindt / der sol deß tods sterben. Vnnd dises gesatzt wirt auch Deut. am xxiiij. Capitel [7] wider äferet. Von denen so eelich erboren stat nitt vil im gsatz. Denen aber werdend alle gemeyne ämpter / vnd die Oberkeyt verbotten / die von huoren vnd nit eelich erboren werdend. Es werdend auch von der verwaltung deß Regiments außgeschlossen die frömbden / Ammoniter vnd Moabiter / Deut. xxiij[1]. Jtem aller bschissz [-] / betrug / raub / überfüerung [verforteilung / finantzerey] vnd arglistikeit wirt im gsatzt verbotten vnder dem nammen deß diebstals. Dann Leuit. xix. lißt man / Jr söllend nit stälen noch liegen / noch falschlich handlen einer mit dem anderen. Vnd Deut. xix. Du solt deines nächsten march nit verenderen. Den diebstal strafft der Herr Exo. xxij. mit vierfaltigem oder fünffaltigem widergeben. Wär es aber nit vermocht also wider zuogeben / der ward verkaufft / vnd in höchste leibeigenschafft gebracht. So aber das gestolen bey dem dieben funden ward / so muoßt ers zwifalt widergeben. Vnder dis gsatzt ghört auch alles / das vom kirchendiebstal / vom diebstal auß dem gmeynen seckel / von vichdiebstal / vnd menschendiebstal / von welchem ich hieuor etwas geredt hab / gebotten wirt. Jtem hiehar dienet das billich vnd fürträffenlich gsatzt / Deut. xxiiij[14] . Du solt nit innhaben den lon deß benötigten vnd armen vnder deinen brüedern / oder frömbdlings der in deinem land vnd in deinem thor ist / sonder solt jm seinen lon deß tags geben / dz die Sonn nit drüber vndergange / dieweil er benötiget ist / vnnd sein läben darauß erhaltet / auff das er nit den Herren wider dich anrüeffe vnd dir zur sünd gerate. Von zuogefüegtem vnd empfangnem schaden / vnd wie der wider ersetzt sölle werden / sind vil ordnungen im gsatzt deß Herren. § So yemant spricht er / ein gruoben grabt / vnd nit fleißig bedeckt / vnd es fiele deß nechsten thier oder vich daryn / so solCLXVIv. / 166b
der herr der gruoben sölichs erstatten mit gält dem / deß das vich gewesen / aber das tod vich sol jm bleiben. Ein gleiches gsatzt ist auch vom ochsen der jemanden stoßt. Exod. am xxj. Capitel[33] wirt auch die handlung der gleichen vergältung zuogelassen / so jemand sein matten / vnd sät abgeätzt [acker vnd saat abgeetzet] / oder sein räbgarten verwüestet wurde. Dann das gsatzt heißt dem der also schaden empfangen / andere matten [-] / andere sät / andere räbgarten / vnd nicht schlächte / sonder bey dem besten / darfür geben. Also so jemand dörn anzünt hette / vnd das feür käme auß verwarlosung deß anzündenden in das korn / es stüende dann oder läge / vnd verbrannte dasselbig / so wirt der so das feür verwarloset / gezwungen dem anderen seinen schaden zuo ersetzen. Das gesatzt wirt auch wideräferet Leuit. xxiiij. Deut. am xxij. wirt vil gsetzt / das hiehär vnder disen tittel sol gezogen werden / Als da ist / das Gott heißt / den jrrenden ochsen wider hinumb füeren / Jtem was funden worden / dem widergeben / der es verloren / Jtem die heüser vnd gebüw wol verwaren / damit nicht etwan dein bruoder dardurch schaden empfahe. Disem ist auch nicht vngleich dises gsatzt / da er also spricht / du solt dussen vor dem läger ein ort haben / dahin du zur notturfft außgangist / vnd solt einen bengel vnder dem gürtel haben / vnd wenn du dich setzen wilt / solt du damit graben / vnd wenn du gesässen bist / solt du zuoscharren was von dir gangen ist. Von sölichem wirt auch in burgerlichen rechten gehandlet / dann es erforderets die notwendikeit / das in allen regimenten gewüsse satzungen vnnd ordnungen seyend / von Ehgräben / von gebeüwen / damit niemand dem anderen inn sölichen dingen überlegen [verdrießlich vnd beschwerlich] seye. Hiehär mögend auch die gesatzt von dem absünderen der außsetzigen / damit niemand durch die erbsucht geschediget werde / gezellt werden. Welcher gesatzten vom außsatz vnd außsetzigen vil sind Leuit. xiij. vnd xiiij.
Recht gwicht vnd maß ordnet der Herr mit disem gesatzt. Du solt nit zweyerley gwicht inn deinem sack / groß vnd klein haben. Vnnd in deinem hauß sol nit zweyerley Epha / groß vnd klein sein / du solt ein völlig vnd recht gewicht / vnd ein völlig vnd recht Epha haben / auff das dein läben lang wäre auff dem land / das dir der Herr dein Gott geben wirt. Dann wer sölichs thuot / der ist dem Herren deinem Gott ein greüwel / vnd thuot übel. Diß stat Deut. xxv.[13] vnd wirt wideräferet Leuit. xix[36]. Von den offnen gerichten / von übelthaten vnd straff der übeltheteren sind vil gesatzt im buoch deß Herren. Die übeltheter / spricht der Herr / solt du nicht läben lassen. Jtem / die vätter söllend nit für die kinder / noch die kinder für die vätter sterben / sonder ein jeglicher sol für seine sünd sterben. Es verschweigt auch das gsatzt nicht die weiß der straff / sonder gibt dem richter inn die hand / schwärt / stein / feür. Etwan wirt aber dem richter frey gelassen zuo erkennen vmb die straff deß übeltheters / wie er nammlich sölle gestrafft werden / an leyb oder an guot / an glideren oder gar am läben / mit ruoten geschlagen oder verwisen werden / nach dem vnd die vmbständ deß begangnen lasters sind. Leuit am xx. Capitel werdend gar nach alle laster / die am läben gestrafft söllend werden / erzellet. Deßgleichen auch am xviij. vnd xxj. Cap. Von den zauberern / vnd zeichendeüteren wirt nach der lenge gehandlet Deut. am xviij. Vnd Leuit. am xix. stat in einer summ / Jr söllend nicht auff vögel geschrey achten / noch auff die tröum acht haben / Jr söllend euch nicht wenden zuo den warsageren / vnd nichts forschen von den zeichendeüteren / das jr nicht an jnen verunreiniget werdind. Vnnd wider söliche wirt deß tods vrtheil gesprochen Leuit. xx. Exod. xxij. stat ein heiterer sententz / die häxen laß nicht läben. Wider die kätzer / zertrenner vnd abtrünnige / auch falsche propheten / redt auch das gsatzt Deut. xiij. vnnd xviij. Vnnd leert eigentlich / wie man mit den selben sölle vmbgon. Welchem auch verwannt ist das gsatzt vom versteinigenCLXVII. / 167a
der Gottslestereren / welches stat Leuit. xxiiij. Cap. Jtem das gsatzt von den verachteren vnd vberträtteren deß Sabbaths. Num. am xv. Capitel.
Wider auffrüerer vnd lesterer wirt auch vil hin vnnd wider im gsatzt gebotten. Auffrüerer warend Chore / Dathan / vnd Abyram / Von welchen geredt wirt Num. xvj. So jemand auch seines Ehweybs guoten lümden [gerücht] vnd Ehr auß boßheit verletzt / der ward eintweders an gält oder mit streichen gestrafft / wie man sehen mag Deut. am xxij. Cap. Leuit. am xix. Capitel wirt gebotten / Du solt nicht ein lesterer oder verlümder sein vnder den kinderen deines volcks. Du solt deinen bruoder nicht hassen / sonder straff jn offenlich. Jtem Exod. xxij. stat / den Götteren solt du nicht fluochen / vnnd den Obersten inn deinem volck solt du nicht lesteren. Deß todschlags sind vil geschlechter / deren je eins ringer oder schwärer ist dann das ander / vnder denen das aller bösest ist todschlag der elteren / vnder welchem wir auch begreiffend alle mißhandlung der elteren. Welcher sein vatter oder muoter schlecht [schlegt] / spricht das gsatzt / oder jnen fluochet / der sol deß tods sterben. Jtem es wirt gebotten Deut. am xvij. das der sölle sterben / der sich den billichen vrtheilen der elteren vnd dem heiligen gericht widersetze. Deßgleich Deut. am xxj. stat. Wenn jemands einen eigenwilligen vnnd vngehorsammen sun hat / der seines vatters vnd muoter stimm nicht höret / vnd wenn sie jhn züchtigend / jhnen nicht volgen wil / so sol jhn sein vatter vnd muoter fahen / vnd zuo den Eltesten jrer stat füeren / vnd zuo dem thor desselben orts / vnd zuo den Eltesten der statt sagen / diser vnser sun ist eigenwillig vnnd vngehorsamm / vnnd loset vnser stimm nicht / vnnd ist ein schlemmer vnnd ein sauffer. So söllend jhn versteinigen alle leüth der selbigen statt das er sterbe / vnd solt also das böß vonn dir außreüten / das es das gantz Jsrael höre vnnd jhm förchte. Vber das / so geschicht etlicher todschlag mit willen / ettlicher nicht mit willen. Der nicht mit willen geschicht / wirt erleüteret mit einem exempel Deuteronomij am neünzehenden Capitel / Da vns ein sölicher fal fürgestellt wirt. Es gond zwen die wol eins sind mit ein ander in den wald holtz zuo hauwen / vnnd dem einen fart das eysen vonn dem stil / vnd trifft den anderen das er stirbt. Ein sölliche geschicht rechnet der Herr dem thäter nicht zuo / sonder jhm selb / vnnd will nicht das sie disem zuogerechnet werde. Darumb laßt er jhm nach inn die freyheit zuofliehen. Dann sölichen todschlegeren / (nicht mörderen vnd bößwichten / nit vergiffteren / vnd denen so die elteren erschlahend) hat Gott die fryheiten geordnet vnd auffgethon. Von welchen nach der lenge ghandlet wirt Num. am xxxv. vnd Deut. am iiij. vnd xix. Cap. Zuo sölichem todschlag / der nit mit willen sonder vnbedachtlich gschicht / gehört auch dises. Wenn zwen mit einander haderend vnd strytend / vnd verletzend ein schwanger weyb / das die frucht von jren gat ee zeyt / oder das sie gar stirbt. Was in sölichem fal beschehen sölle wirt erklärt Exo. xxj. Da auch das gsatz der gleichen vergeltung gesetzt wirt / Aug vmb aug / zan vmb zan / hand vmb hand usw. Am selbigen ort wirt auch noch ein ander geschlecht deß todschlags gesetzt / das nammlich geschicht durch ein vich / als durch ein stößigen ochsen / oder wolff / oder hund den du haltist / oder etwan durch ein instrument / oder durch ein gebeüw das inn deinem gewalt ist / da du eintweders deß thiers oder deß instruments / oder deß gebeüws / art vnnd mangel gewüßt oder nit gewüßt. So du es nicht gewüßt / so bist du entschuldiget / hast du es aber gewüßt / vnd es nit gewert / so heißt Gott dich töden. So dir aber auß gnaden die losung für das läben zuogelassen wirt / so solt du dich keiner summ gälts zuogeben wideren [wegeren]. Wüssenthaffter todschlag aber / der durch fürgesetzten willen / auß auffsatz vnnd feyendschafft / vnd auß keiner tribenden not beschicht / der hatt kein nachlassung im gsatzt Gottes. Einen sölichen /CLXVIIv. / 167b
(spricht das gsatzt) solt du vonn meinem altar reissen / das er getödet werde. Da wirt kein erlösung zuogelassen / sonder gestrackts das bluot deß todschlegers erforderet. Vrsachen diser stränge werdend vil geläsen / wie auch anders das hiezuo gehört Num. am xxxv. vnd Exod. am xxj. Capitel. Jm xxj. Capitel Deuteronomij wirt beschriben ein handlung die zum theil ceremonisch / zum theil auch gerichtlich ist / nammlich so ein todschlag auff dem väld beschehen / da niemand weißt wer es thon. Da auch fürgschriben wirt wie sölicher todschlag versüent sölle werden. Darauß man abnemmen mag / was grausammer sünd inn den augen Gottes vnd der gantzen kirchen / todschlag seye.
Zum letsten laßt auch das gesatzt die kriegßhendel nicht vnberüert. Dann es schreibt für / wie man krieg zuohanden nemmen / füeren / vnnd auch hinlegen sölle. Sölichs wirt geläsen Deut. am xx. Capitel[1.2]. Es werdend auch exempel nicht geringer kriegen im gsatzt fürgstellt / insonders der Amalekitisch krieg Exo. xvij. vnd der Madianitisch Num. am xxxj. Da auch geredt wirt von dem raub vnd der peüt / wie man die theilen sölle. Nun weiß ich lieben brüeder das ich ewer lieb mit der erzellung diser gsatzten gnuog überlägen gewesen bin. Dieweil aber der ewig vnnd weyse Gott nützit thuot on grosse vrsachen / vnnd one heitere nutzbarkeit der menschen / so hab ich disen theil deß gesatztes nicht mögen vnberüert lassen hingon / dieweil ich sich / das sölichs mit sölichem fleiß von Gott selb ist befolhen worden / vnd das es auch so wol dienet zuo erleüterung vnnd erhaltung der gsatzten der sitten. Dann es weißt der güetig vnd allwüssend Gott wol / die sumsälige vngeschickte vnd boßheit deß menschlichen gemüets / das es offt vnd dick muoß gezwungen werden dz guot zuo thuon vnd das böß zuo fliehen. Darumb hatt der heilig Gott den menschen durch dise gerichtssatzungen ein heiligen zwang gegeben. Vnd leert vns mit dem gsatzt der sitten / wie wir vns halten / was wir thuon oder lassen söllind. Mit dem ceremonischen hilfft er dem gsatzt der sitten / vnd stellt den augen deß leybs vnd der seelen die geheimnussen deß reychs Gotts / vnder schönen vorbildungen vnd anbildungen für anzuoschauwen. Mit den gerichtssatzungen aber tribt er vns zuo haltung der gesatzten / vnd erhaltet hiemit die gsatzt in jrem wäsen. Diß alles aber gemeinlich vnd sonderlich dienet einig dahin / das der mensch erhalten werde / das er Gott recht Ehre vnd nach dem willen Gottes läbe. Das hab ich nun also bißhär geredt mit der hilff Gottes von dem gsatzt. Lassend vns jetzund Gottes güete loben vnd preysen / der sein volck keines guoten vnnd notwendigen dings manglen laßt / sonder vnderrichtet auch vns noch auff den heütigen tag mit disem allem zuo der eer seines nammens vnd zum heil vnserer seelen. Jm seye lob vnd Ehr in ewigkeit / Amen.
28.Pr.Die Acht vnd zwentzigste Predig
Von dem brauch vnd der nutzbarkeit deß gsatzts Gottes / auch von der erfüllung vnd auffhebung desselben. Jtem von der gleichheit vnd dem vnderscheid / deß alten vnd neuwen Testaments / auch deß alten vnd neuwen volcks Gottes.
WJewol ich bißhär das gesatzt Gottes mit seinen stucken / auff das fleyßigest als ich gemögen [als wir gekönt] / vnd mit langen predgenen erklärt / so bedunckt mich doch nit das ich es noch beschlossen / noch alles das von nöten ist / daruon geredt habe / ich rede dann auch noch vonn dem brauch / von der würckung / erfüllung vnd auffhebung deß gsatztes Gottes. (Wiewol ich disen handel auch anderßwo in disen meinen predigen angeregt hab) Auß welcher disputation [-] vnd erleüterung [erklärung] euwer lieb verston wirdt dz allein ein einig
CLXVIII. / 168a
Testament seye der alten vnnd neüwen kirchen Gottes / das auch allein ein einiger wäg deß waren heils aller deren die je sälig worden vnnd noch sälig werdend in diser wält seye. Jr werdend auch verston / wz vnderscheid seye zwüschend dem alten vnd neüwen Testament. Vnnd wirt dise tractation [handlung] gantz notwendig vnd nutz sein eins theils vil örter der heiligen gschrifft zuo verston / anders theils das wir auch alles das so wir bißhär von dem gsatzt Gottes geredt / mit sampt dem heilsamen brauch desselben / dester baß vnnd heiterer verstandind. Der Herr der deß gsatztes vrhab [stiffter vnd anfänger] / gemüet / vnnd volkommenheit ist / verleihe vns das [dergestalt] daruon zuo reden / das da [es] diene zuo herrlikeit vnnd glori [ehr] seines nammens / vnd zuo vnserer seelen heil. Amen.
Der brauch deß gsatzts Gottes ist vilfaltig vnd mengerley / doch mag er inn drü stuck getheilt werden / *vnd sagen deßhalb das der brauch deß gsatzts drifalt seye*.[-] Dann zum ersten / so ist das fürnempst vnnd eigenlich ampt deß gsatztes / alle menschen deß vberzügen vnd vberwinden / dz sie der sünd vnderworffen vnd auß eigner schuld kinder deß tods seyend. Dann das gsatzt legt vns den heiligen willen Gottes für / vnd mit dem für legen erforderet es von vns volkomne gerechtigkeit. Dann darumb wirt das gsatzt gemeinlich ein zeügnuß deß willens Gottes / vnd ein volkommen exemplar Göttlicher reinikeit genennt. Dahär dienet das der Herr im Euangelio die summ der gebotten Gottes zuosammen fasset vnd spricht / Das erst vnd oberest gebott ist / hör Jsrael / der Herr eüwer Got ist ein einiger Gott / vnd du solt den Herren deinen Gott lieben von gantzem deinem hertzen / von gantzer deiner seel / vnd von gantzem deinem gmüet / vnd von allen deinen krefften. Das ist dz erst gebott / dz ander aber dem gleich / lieb deinen nechsten wie dich selber / grösser gebott ist nit dann dise. Es dienet auch hiehär dz Paulus spricht / das end deß gebotts ist / liebe auß reinem hertzen / vnd guoter gewüssne / vnd vngeglißnetem glauben. Dieweil nun dz gsatzt so volkommne grechtikeit vnd liebe / ja ein rein hertz von vns erforderet / so verdampt es je alle menschen der sünden der vngerechtigkeit vnd deß tods. Dann im gsatzt Gottes stat auch dises außtrucklich / verflüecht seye ein jeder der nicht bleibt in allem dem / das geschriben ist im buoch deß gsatztes / dz ers thüege. Wer ist aber vnder vns / der da thüege alles dz daß gsatzt erforderet? welcher mensch hat / oder hatt je gehept ein rein hertz? wer liebet oder wer hatt Gott gliebet von gantzem hertzen / von gantzer seel vnd von gantzem gemüet? welcher mensch hat je nichts böses begert? oder wer ist der nit teglich begere? Darumb so wirt die vnuolkommenheit vnd sünd durchs gsatzt / oder durch die anzeigung deß gsatztes inn dem menschen (damit ich nicht zum scherffsten daruon rede) erfunden. Dann was wöllend wir darzuo sagen? Lieber wo erscheint jenen an dem menschen die Göttlich vnnd volkommen gerechtigkeit / die das gsatzt erforderet? Job spricht / Jch weiß gewüß das der mensch nit gerechtgemachet wirt [ / ] gegen Gott gehalten. Oder / wie wil der mensch gerecht erfunden werden so er mit Gott vergleicht wirt? vnd ob er mit jhm zancken wölte / möchte er vnder tausenden nicht auff eins antworten. Jtem / vnd ob ich dann gleich grecht vnd fromm wäre / wölt ich mich doch mit antwort nicht wider jhn setzen / sonder meinen richter demüetiglich flehen usw. Mit dem stimpt auch der heilig Apostel Johannes vnd spricht / So wir sagend / wir habind kein sünd / so triegend wir vns selb / vnd die warheit ist nicht inn vns. Jtem / so wir sagend / wir habind nicht gesündet so machend wir jhn zum lugner / vnnd sein wort ist nicht inn vns. Darumb so ist auff dise weyß das gsatzt gleich als ein spiegel / inn dem wir vnser verböserung [verderbnuß] / schwachheit / vnuermüglikeyt / vnuolkommenheyt / vnnd vnser vrtheil / das ist vnsere billiche verdammnuß sehend. Dann der Apostel redt heiter / das gsatzt seye gegeben / das es die vberträttungen offne [öffne] / vnnd hiemit die menschen zwinge zuo erkanntnuß jhrerCLXVIIIv. / 168b
vnuolkommenheit vnd schuld. Dann es sicht jm selb vnser keiner in buosen / vnd in die heimlikeit seins hertzens / sonder wir gebend vns selb vil zuo / vnd meinend nicht das vnsere sachen so verderbt seyend / als sie aber in der warheit sind / darumb so kumpt das gsatzt / vnnd schüttet alle heimlikeiten vnsers gemüets vnnd hertzens auß / vnd machet vnsere sünd / vnnd all vnsere verderbung offenbar. Vor dem gsatzt / spricht der Apostel / ob wol die sünd inn der wält was / wards jnen doch nit zuogerechnet. Jtem das gsatzt würckt den zorn / oder richtet zorn an / dann wo das gesatzt nit ist / da ist auch kein übertrettung. Jtem / durch das gsatzt kumpt erkantnuß der sünden / dann es spricht auch Paulus zun Röm. am vij.[7] Capitel noch heiterer / Jch erkannt die sünd nicht / dann allein durch dz gsatzt / dann ich wußt nichts von dem lust / wo das gsatzt nicht hette gesagt / laß dich nicht gelusten. Do nam aber die sünd ein vrsach am gebott / vnd bewegt in mir allerley lüst / dann on das gsatzt was die sünd tod / Jch aber läbt etwan on gsatzt. Do aber das gebott kam / ward die sünd wider läbendig / ich aber starb / vnd es befand sich / das daß gebott mir zum tod dienet / das mir doch zum läben gegeben was. Vnd was daselbst mee volget / dann ein guoter theil dises Capitels gehört hiehär. Darumb so ist dises das eigenlich ampt Mosis / vnd der fürnempst brauch vnd würckung deß gesatztes / dem menschen sein prästen vnnd sünd anzeigen.
Die aber jetzund hie bleibend ston / vnd kein weiteren brauch vnnd nutz deß gesatztes anzeigend / als ob Moses nichts anders thüege dann das er verdamme / vnd das gsatzt nichts thüege dann das es töde / die fälend nit ring [gering] noch einfaltig. Das wideräferen ich aber vnd sagen / das es ja das eigenlich werck deß gsatztes seye / die sünd herfür ziehen / Jtem das es dz fürnempst ampt Mosis seye leeren was man thuon sölle / vnd dz selb mit tröwungen vnd verflüechungen triben. Besonders aber so man das gsatzt vnd das Euangelium gegen einander haltet. Dann in der anderen zun Corintheren am iij. Capitel nennt Paulus das gsatzt den buochstaben / vnd gleich hernach auch den dienst deß tods / Jtem ein leer / die mit buochstaben vnd dinten geschriben / Jtem die in steinine tafelen geschriben / vnd die nicht ewig / sonder hinfellig seye. Dargegen nennt er im gegensatz das Euangelium ein dienst vnd leer deß geists / die da bleibe vnd nicht auffhöre / die in die hertzen geschriben seye vnd läbendig mache. Darumb wir gern zuolassend vnd erkennend / das daß gesatzt eigenlich die sünd herfür ziehe / vnnd das daß Euangelium die artzny leere / vnd die hilff zeige denen so durchs gesatzt an jnen selb verzweiflet. Darzwüschend sol man aber auch wüssen / das vnsere heiligen vätter / nit allein das gsatzt gehept / das sie der sünden überzügete / oder Mosen der nichts anders thete dann töden vnd verderben. Jtem das gedachter Moses nit nun auff das gesehen / das er allein verwundete / sonder das er auch heil vnd gsund machete / aber das nit auß seiner krafft vnd seinem vermögen / sonder mit dem das er geleitet auff den / der die verbindet die eins zerschlagnen hertzens sind / vnnd all jre prästen heilet / welcher ist Christus / der auch gwürckt hatt durch den dienst Mosis. Dann wir söllend nicht meinen das von anfang der wält / oder von Mose biß auff Christum allein der buochstab seye geprediget worden / vnd das die gnad vnd der geist Gottes in den gemüeteren der glöubigen seye müeßig gangen / vnd nichts gewürckt hab. Dann sittenmal vns das gsatzt die sünd anzeigt / vnd vnwidersprechlich vberwindet vnd bezeüget / das die volkommenheit die der heilig vnd volkommen Gott in seinem gsatzt von vns erforderet / in vnserem fleisch nit seye / so berüefft es je vnd zeücht den menschen (wiewol nit auß eigner sonder auß deß läbendmachenden Herren Christi krafft) ab / von allem fleisch / als in dem kein heil vnnd kein volkommenheit / vnd gibt vns deßhalb anlaß zuo keren zuo dem mittler Christo / der allein vnsere heiligungCLXIX. / 169a
vnd vnsere volkommenheyt ist. Nach welcher volg vnd nach welchem anlaß das gsatzt ein wäg vnd anleitung ist / vnd ja als ein zuchtmeister den menschen von Gott gegeben / der vns abfüere von allem vertruwen vnserer eignen krefften vnd wercken / vnd von allen Creaturen / vnd richtig leite durch den glauben zuo Christo / welcher vns wie erst geredt / von Gott gemachet ist zur grächtikeit / zur heiligung vnd zur erlösung / aussert welchem vnder der Sonnen kein heyl ist. Darumb so hat Moses nit allein das gsatzt getriben / sonder hat auch Christum verkündet / vnd das läben in jm. Dann der Herr spricht im Euangelio zuo den Juden / Jr söllend nit meynen das ich eüch werde verklagen bey dem vatter. Es ist einer der eüch verklagt / Moses namlich / in den jr hoffend / dann so jr Mosi glaubtind / so glaubtind jr auch mir / dann er hatt von mir geschriben. Jtem Paulus zun Galateren / So ein gsatzt gegeben wäre / das möchte läbendig machen / so wäre die gerächtikeit waarlich auß dem gsatzt / aber die gschrifft hatt es alles vnnder die sünd verschlossen / auff das die verheissung durch den glauben Jesu Christi gegeben wurde denen die glaubend. Ee aber der glaub kam / wurdend wir vnder dem gesatzt verwaret vnd verschlossen auff den glauben / der da solt geoffenbaret werden / Also ist das gsatzt vnser zuchtmeister gewesen auff Christum / dz wir durch den glauben grächtgmachet wurdind. Sich was könte heiterers geredt werden / dann das dz gsatzt alles vnder die sünd verschlossen. Aber warzuo? das die verheissung durch den glauben Jesu Christi gegeben wurde denen die glaubend. Jtem / ee dann der glaub kam / das ist / der / in den vnser glaub gerichtet ist / vnd auff den er sich laßt / wurdend wir vnder dem gsatzt verwaret. Wie aber? verschlossen (spricht er) vff den glauben / der da solt geoffenbaret werden. *Darumb so warend die vätter verschlossen vnder dem gesatzt / das sie nit etwan außbrächind / vnd das heil vnd läben anderßwo dann in Christo suochtind. Darumb so füert vns das gsatzt richtig zuo Christo durch den glauben. Vnnd noch heiterer spricht er* [*-] / das gsatzt ist vnser zuchtmeister gewesen auff Christum [daß wir durch den glauben gerecht gemachet würden]. Sich das gsatzt füert auch vff Christum. Vnd widerumb stat darauff / Das wir durch den glauben grächtgmachet wurdind. Darumb so fürderet dz gsatzt die waar leer von der grächtmachung / vnd leert heiter / das wir durch den glauben in Christum / vnnd nit durch vnsere werck gerächt werdind. Da es sich dann heiter mit dem Euangelio vermischt / vnd dz ampt deß Euangelij an sich nimpt. Welches kein wunder ist / dieweil mancher auß seiner schuld machet / das jmme im gegenteil auch das Euangelium selb zum buochstaben wirt. Vber dz so spricht auch der Apostel weiter an einem anderen ort / dz in den opferen gedächtnuß der sünden beschehen sey / in welchem wir doch auch wüssend die versüenung vorbildet sein / Darumb so habend auch die Ceremonischen gsatzt auff Christum gfüert / dz ist / anzeiget vnd bezüget dz er vns allein reinige von allen sünden. Darumb so beschliessend wir nun / das dises Mosis ampt gewesen sey / vnd noch sey vns die sünd vnd vnsere verdamnuß offnen / darzwüschend [mitlerweil] aber auch durch disen anlaß füeren zuo Christo / vnd nit nun allein verdammen.
Auß welchem man auch dz lernet / dz vns dz gsatzt nit nur schuolerstückli [kinderlehr] von der gerächtikeit leert / sonder ware vnd volkomne grächtikeit / dann Moses spricht heiter / dz er ein volkomne leer gegeben habe / als in deren tod vnd läben sey. Vber das spricht auch der Apostel / dz vns dz gsatzt füere vff Christum / vff dz wir durch den glauben gerächt werdind. Die grächtikeit aber deß glaubens ist ein volkomne grächtigkeit. Dz aber etwan die stuck deß gsatztes gnennt werdend / elementa mundi, [-] dz ist vßerliche anfahende leerstückli / dz geschicht fürnemlich von zweyer vrsachen wegen. Die ein / das die selben gleich sind als anfüerungen vnd erste vnderrichtungen / die hernach durch die leer deß Euangelij vervolkomnet werdend / vnd deßhalb denn dem volkömneren weichend. Die ander / dz die Ceremonien in ausserenCLXIXv. / 169b
dingen vnd zeichen angegeben sind / so sie doch hiezwüschend vnder disen vsseren dingen die jnneren / namlich Christum vnd sein gheimnussen fürstellend vnd anbildend.
Wir lernend auch vß dem dz bißhar geredt / dz die alten heiligen / dz ist die menschen so vnder dem alten Testament geläbt / dz heil vnd die grächtikeit nit in den wercken deß gsatztes gesuocht habend / sonder in dem / der die volkommenheit vnd dz end deß gesatztes ist / namlich in Christo / vnd dz sie deßhalb dz gsatzt vnd die ceremonien gebrucht als anleitungen vnd wägweisungen vff Christum. Dann so offt sie gehört / dz volkomne grächtikeit deß gsatztes von jnen erforderet ward / so habend sie durch den glauben / der jnen vß gnaden gegeben / verstanden / dz Christus die volkomne grechtikeit fürgestellt werde / zuo dem alle menschen grächtikeit zuo erlangen fliehen söltind. Vnd so offt sie an dem heiligen ort zuosammen kamend / die heiligen brüch von Gott yngsetzt zuosehen / so habend sie nit die bloß vsser figur angsehen / noch gmeint dz sie von desselben diensts wegen Gott gfielind vnd von sünden greiniget wurdind / sonder sie habend die augen jres gmüets vnd glaubens gerichtet vff den künfftigen Messias / der in allen ceremonien deß gsatztes bedütet vnd vorbildet ward. Darumb mißbruchtend die dz gsatzt / die da meintend sie wärind Gott lieb vnd angnem / vnd dienetind jm / darumb dz sie dise werck thetend / welches dann die Propheten in jren predgenen hefftig schältend vnd anklagend. Vnd von deßwegen ist dz volck Jsraels offt ein fleischlich volck gnennt worden / nit dz alle Ertzvätter vnd vätter ee dz Christus geboren fleischlich gewesen sygind / sonder dz sie noch läbtend vnder denen vsseren elementen vnd figuren / vnd villeicht jren vil vnder dem volck warend / die der geistlichen dingen / die durch die vsseren anbildet wurdend / nit achtetend / vnd meyntend sie wärind Gott von deß ausseren wercks vnd thuons wegen lieb vnd angenäm. Der ander brauch / vnd das ander ampt deß gsatztes ist / leeren wz die so durch den glauben in Christum grächtgmachet sind thuon oder lassen / vnd wie die glöubigen Gott recht verehren söllind. Dann dz gsatzt Gottes begreifft ein volkomne leer deß glaubens gegen Gott vnd aller guoten wercken. Darumb habend wir im ersten brauch deß gsatztes anzeigt wie dz gsatzt der sitten vnd das gsatzt der Ceremonien leerind glauben in Gott vnd seinen Christum / vnd wie dz gsatzt den menschen ynfüere in erkanntnuß sein selbs / dz er verstande / dz in jm selb / dz ist in der natur deß menschen nichts guots vnd kein läben sey / sonder dz alle gaben deß läbens der tugenden vnnd deß heils von Gott dem vatter dem einigen brunnen aller güeteren sygind durch den gesalbeten Christum. Jn diser gegenwirtigen vnd anderen betrachtung aber deß bruchs [brauchs] / ends / vnd ampts deß gsatztes Gottes / söllend wir erkennen / das vns darinnen fürgestellt werdend / alle formen vnd gstalten der tugenden / vnd ein schatz aller guoten wercken. Deßhalben auch der heilig Apostel Paulus die gebott deß gsatztes zuo ermanung vnd trost richtet vnd braucht. Die erst tafel deß gesatzts der sitten / leert vns wz wir Gott schuldig / vnd wie wir den selben verehren söllind. Die ander tafel leert / wie wir vns im übrigen läben halten söllind / vnd wz wir vnseren nechsten schuldig sygind. Die ceremonien ghörend auch zum gottsdienst. Die grichtsatzungen leerend wie man in regimenten / vnd auch daheim hauß halten sölle / dz wir ehrlich vnd heiliklich läben mögind. Darumb so leert dz gsatzt alle grächtikeit / mäßikeit / dapfferkeit / weißheit / vnd vnderrichtet den glöubigen in allen guoten wercken / darinn ein heiliger diener Gottes sol vnd muoß vnderrichtet sein. Darumb so offt vnd dick / die heiligen den dienst Gottes [Gottsdienst] vnd die religion / so die zegrund gangen / wider auffrichten vnd zuo recht bringen wöllen / Jtem so offt sie die laster der wält straffen vnd verbesseren / vnd guote werck / ja rechtgeschaffne guote werck leeren wöllen / so habend sie allweg allein gsehen vff dz gsatzt / vnd all jr ding vß dem gsatzt herfür bracht. Deß gibt vns ein heiter vnd hüpsch exempel Dauid im xv. Psal.[1] Esai. am j.[10] vnd xxxiij. cap. Vnd der heilig Ezechiel am xviij. cap[50]. Paulus schleüßt zun Römeren am xiij. Capitel[8] alle stuckCLXX. / 170a
fromms läbens vnder das gsatzt der liebe / dann söllichs hatt auch der Herr vor jm gethon im Euangelio. Vber das schrijet auch der heilig Prophet im xciiij. Psalmen[12] / Wol dem O Herr / den du in deinem gsatzt berichtest [vnderrichtest] . Vnd im lxxviij. Psalmen[5] / Er hat mit Jacob ein zeügknuß auffgerichtet / vnd dem Jsrael ein gesatzt geben / das es die nachkommenden / die kinder die für vnnd für geboren werdend / wüßtind / vnd es jhren kinderen erzelltind / damit sie jhr hoffnung in Gott satztind / seiner thaten nit vergäßind / vnd seine gebott hieltind. Jtem im xix. Psal.[8] spricht Dauid / Das gsatzt deß Herren ist steiff vnd volkommen / widerbringt das gemüet / die zeügknuß deß Herren ist waarhafft / leert die vnberichteten weißheit. Die satzungen deß Herren sind billich / erfröwend das hertz. Das gebott deß Herren ist rein vnd lauter / vnd erleüchtet die augen. Die forcht deß Herren ist rein / vnnd bleibt in ewigkeit. Die vrtheyl deß Herren sind billich vnnd recht / lustbarlicher dann die menge deß fynesten golds / vnnd süesser dann honig oder honigwaben. Dahar dienet auch der gantz cxix. Psalm / der nach der ordnung deß alphabeths gestellt ist.
Der dritt bruch deß gsatzts gottes ist / die muotwilligen zämen. Vnd heißt deßhalb dz gsatzt die so niener vmb nützit geben wöllend / mit straaffen paschgen [die / so sich nicht wöllen weisen lassen mit straffen / züchtigen vnd demmen] / damit gemeyne ersammkeyt / frid vnd ruow erhalten werde / dann es sind vnder dem gmeynen man vil / die sich nit auß liebe der tugend / sonder allein vß forcht der straaff innhaltend / das sie leidenlich läbend. Mitt disem hat nun die güete Gottes / die ruow der menschen wöllen fürderen vnd erhalten. Vnd hiehar achten ich / das Paulus gesehen habe / da er spricht / Wir wüssend dz dem gerächten kein gsatzt gegäben ist / sonder den vngerechten vnd vngehorsammen / den gottlosen vnd sünderen / den vnheiligen vnd vngeistlichen / den vattermörderen vnnd muotermörderen / den todtschlegeren / den huoreren / den knabenschänderen / den menschendieben / den lugneren / den meyneydigen / vnnd so etwas anders der heilsammen leer zuo wider ist usw. Nun nach dem wir also den brauch / dz end / vnd dz ampt deß gsatztes erklärt / so volget das wir auch erleüterind / wie das gsatzt Gottes erfüllt werde. Es ist aber vnmüglich dz der mensch dz gsatzt vß seinen eignen krefften erfülle / vnd dem willen Gottes in allen dingen gnuog thuon möge. Dann es ist offenbar / dz im gsatzt nit nur das vsser werck / sonder auch die reinikeit der inneren anfechtungen / vnd also zereden ein göttliche volkommenheyt erforderet wirt / wie wir erst anzeigt habend. Dann es spricht auch der Herr / Sind volkommen / wie eüwer vatter / der in himmlen ist / volkommen ist. Dise volkommenheyt aber wirt nicht in vns erfunden dieweil wir in disem fleisch läbend. Dann das fleisch behaltet sein verderbte art biß an das end vnsers läbens / vnnd wie offt man es gleich abtreibt [zuruck treibet] / so böumet es sich doch jmmer wider auff / *vnd ligt im widerspil*[-] / das die göttlich volkommenheyt nimmermer in vns erfunden wirt / noch auß vnseren krefften fliessen mag. Dauon wöllend wir aber hören die zeügknuß deß heiligen Apostels Pauli / der also spricht / Wir wüssend das dz gsatzt geistlich ist / ich bin aber fleischlich / vnder die sünd verkaufft / dann es gefallt mir nit / das ich thuon / dann ich thuon nit das ich wil / sonder das ich hassz / das thuon ich. Vnd weyter / Jch weiß / das in mir / das ist / in meinem fleisch / nichts guots wonet / Wöllen hab ich wol / aber volbringen das guot / find ich nit. Jtem / ich hab ein lust an Gottes gesatzt nach dem inwendigen menschen / ich sich aber ein ander gesatzt in meinen glideren / das da widerstreitet dem gsatzt in meinem gemüet / vnnd mich gefangen nimpt in der sünd gesatz / welches ist in meinen glideren. Vnd zum letsten so beschleüßt ers vnnd spricht / So dienen ich nun mitt dem gemüet dem gesatz Gottes / aber mitt dem fleisch dem gesatz der sünd. Hie meynend aber etlich / Paulus habe söllichs nit von seiner / sonder von ander leüten / namlich von einerCLXXv. / 170b
fleischlichen vnd noch nit widergebornen person geredt. Aber die wort an jnen selb gebend gnuogsam anzeigung / das einer wölle oder wölle nicht / bekennen muoß / das dise erzelte wort sonderlich auff die geistlichen dienend [auff den geistlichen menschen gehen]. Vnnd August. lib. 1. Retractat. cap. 23. mäldet / das er auch etwan der meynung gewesen / das dise wort deß Apostels söltind von dem menschen verstanden vnd außgelegt werden / der vnder dem gsatzt vnd nit vnder der gnad wäre. Er bekennt aber das er durch glaubwirdige anderer geschrifften vnnd tractaten dahin sey getrungen worden / das er yetzund halte / das Paulus da sonderlich von den geistlichen / vnd ja von seiner eignen person rede. Welches er weitlöuffiger auch anzeigt in den büecheren / die er geschriben wider die Pelagianer. So schreibt auch der heilig Hieronymus ad Rusticum, (von dem man doch redt / das er verflüecht habe alle die da sprächind / das gsatzt gebiete vnmügliche ding) Paulus rede hie von seiner eignen person. Sittenmal dann das fleisch vnd die art deß fleisches bleibt / nach welcher es dem geist vnabläßlich widerstreitet / so wirt ye die göttlich volkommenheyt / nimmer in vns erfüllt / so lang wir läbend. Darumb dieweil wir hie läbend / so erfüllt vnser keiner das gesatzt.
Dahar dienet auch die Disputation [lehr] deß heiligen Pauli / die er von dem thuot / das niemand durch die werck deß gsatztes grächtgmachet werde / Nit das daß gsatzt schuldig / sonder vnser verderbte natur / die das nitt thuot / das daß gesatzt Gottes erforderet / dann sie mags nit. Wie auch der Apostel sagt / der spricht außtruckenlich / Wir wüssend / das der mensch durch die werck deß gsatztes nitt gerächt wirt / sonder durch den glauben in Jesum Christum / darumb habend wir auch in Jesum Christum glaubt / vff dz wir grechtgmachet wurdind durch den glauben in Jesum Christum / vnd nit durch die werck deß gsatztes / darumb das durch die werck deß gsatztes kein fleisch grächtgmachet wirt. Wir söllend aber durch die werck deß gsatztes / nit allein die ceremonischen gsatzt verston / dann wie die selben nit grächtmachend / also auch die gsatzt der sitten nit. Da der Apostel von den wercken deß gsatztes redt / da redt er von den gsatzten der sitten. Dann zun Röm. am iij. cap. spricht er / Es wirt auß den wercken deß gsatztes kein fleisch gerächtgmachet vor jm. Vnd setzt gleich die vrsach hinzuo / dann spricht er / durch dz gsatzt kumpt erkanntnuß der sünd. Jm sibenden Capitel aber zeigt er an vnd erleüteret / durch welches gsatzt erkanntnuß der sünden kömme / namlich durch das gsatzt der sitten. Dann dz ist ein gsatzt der sitten / Du solt nit begären. Nun spricht aber der Apostel / Jch erkannt die sünd nit / dann durch das gsatzt / dann ich wußt nichts von dem lust / wenn das gesatzt nicht hette gesagt / laß dich nitt gelusten. Jtem in der Epistel zun Epheseren redt er mit den Heyden / vnnd sagt einfaltig / das die werck nit grächtmachind. Dieweil er nun mit den Heyden redet / so hat er ye die Ceremonischen gesatzt nit können verston / sonder die tugenden vnd guoten sitten / das ist allerley werck die guot geachtet werdend. Zun Galateren spricht er / Alle die auß deß gsatztes wercken sind / die sind vnder dem fluoch. Vnd das bewäret er mitt dem das er gleich darauff setzt / dann es stat geschriben / Verflüecht sey ein yeder / der nicht bleibt in allem dem das geschriben ist in disem buoch deß gsatztes / das ers thüeye. Wenn wir nun durch die werck deß gesatztes allein die Ceremonischen / vnd nicht auch die werck deß gsatzts der sitten verston wöllend / so weiß ich nicht wie diß argument Pauli beston mag. Zuo dem so spricht er außtrucklich / in allem dem das geschriben ist in disem buoch deß gesatztes / das ers thüege. Wer ist aber der nicht wüsse / das nicht nun die Ceremonischen gesatzt geschriben sind? Vnnd der heilig Augustinus im buoch de spiritu & litera, besonders im achtenden capitel bewärt mit vilen argumenten / das Paulus durch die werck deß gesatztes / auch die werck deß gesatztes der sitten verstande.CLXXI. / 171a
Damitt wir aber disen handel beschließind / so wil ich die wort deß heiligen Apostels Pauli auß dem viij. cap[3]. der Epistel zun Römeren erzellen / der spricht also. Das dem gsatzt vnmüglich was / deßhalb es durch das fleisch schwach wz / das thet Gott / vnd sandt seinen sun in der gestallt deß sündtlichen fleisches / vnd verdampt die sünd im fleisch durch sünd / auff das die grechtigkeit vom gsatzt erforderet / in vnns erfüllet wurde / die wir nun nit nach dem fleisch wandlend / sonder nach dem geist. Jn welchen worten der heilig Apostel zwey ding leert. Zum ersten / das daß gsatzt die menschen nie hab mögen grechtmachen / auch noch vff den hüttigen tag nit. Die schuld aber diser vnuermüglikeit legt er nit vff dz gsatzt / welches für sich selb guot vnd krefftig ist / vnnd ein leer der aller volkomnisten gerechtigkeit / sonder auff vnser verderbt fleisch. Vnser fleisch hat nicht mögen vnd mag auch noch nit halten / das / so in dem guoten gsatzt Gottes von vns erforderet wirt. Darumb wir auch läsend das S. Peter im Concilio zuo Jerusalem gesprochen / Vnd nun was versuochend jr Gott mit aufflegen deß jochs vff der jünger hälß / welches weder vnsere vätter noch wir habend mögen tragen. Das ander aber volget auß dem ersten / namlich / dieweil vns das gesatzt nit hat mögen läbendig machen / vnnd wir nit thuon mochtend / das es von vns erforderet / so hat Gott der reich ist an güete vnd barmhertzigkeyt / seinen sun in die wält geschickt / das er mensch wurde / vnnd für vns sturbe / vnd also die sünd vnser vnuolkommenheyt hinwäg näme / vnnd er der die volkommenheyt vnd erfüllung deß gsatzts ist / vnns sein volkommenheit durch den glauben schanckte. Darumb so sehend wir auß disem / das Christus das gsatzt erfüllet / vnd das er die volkommenheyt aller glöubigen in der gantzen wält ist.
Diß ort erforderet aber das wir etwas eigentlicher erleüterind / wie Christus das gsatzt erfüllt habe / vnd vnsere volkommenheyt worden sey. Zum ersten / so hat Christus vnser Herr erfüllt alles das im gsatzt vnd in den Propheten vorbildet vnnd verheissen worden. Dann dise verheissungen / der samen deß weibs wirt der schlangen kopff zerträtten / Jtem / in dir werdend gebenedyet alle geschlächter der erden / vnd was dergleichen mer / deren vnzalbar vil sind / die hatt der Herr erfüllt / do er in die wält geboren / für vns gelitten vnd bezalt / vnd das läben widerbracht hat. Zuo gleicher weiß / hat er auch alle Ceremonische ding erfüllt / dieweil er der priester vnnd das opffer / sich selb geopfferet hat / vnnd auch yetz vnd allweg ist vnd bleibt ein krefftig vnd jmmerwärends opffer / vnnd ein ewiger priester / der zuo der gerechten deß vatters allwegen die glöubigen vertrittet. Er beschneidet auch die glöubigen geistlicher weiß / vnnd hat den selbigen / den tauff an statt der beschneidung verordnet. Er ist auch vnser Osterlamb / der vns an statt deß überschritts vnnd Osterlambs sein heiligs abendtmal vnd dancksagung eingesetzt hatt. Jtem er ist die erfüllung / das gmüet vnd die vollendung deß gsatztes vnd der Propheten. Demnach so hat auch der Herr das gsatzt erfüllt / mitt dem das er dem willen Gottes in allen dingen volkommenlich gnuog thon hat / dieweil er ist der aller heiligist / in dem kein masen [flecken] / kein böse begird / kein sünd / sonder volkomne liebe Gottes / vnd volkomne grechtikeyt ist. Vnd dise teylt er vns vnuolkomnen mit / vergeben auß gnaden / so wir glaubend. Dann er schänckt vnnd verzeicht vns alle sünd / dieweil er ein versüenung für vns worden / vnnd gibt vns sein gerächtigkeyt / welches yetz ein zuogerechnete gerechtigkeyt ist vnnd heißt. Dahin dienend nun die Apostolischen zeügknussen / als das Paulus spricht / Gott was in Christo / vnnd versüenet die wält gegen jm selber / vnd rechnet jnen jre sünd nit zuo / dann den der von keiner sünd wußt / hatt er für vns zur sünd gemacht / auff das wir die gerächtigkeyt Gottes wurdind durch jnn. Jtem / Abraham hat Gott glaubt / vnnd das ist jhm zuo der gerächtigkeyt gerechnet worden / ja one wärck. Also so wir auch inCLXXIv. / 171b
Gott glaubend durch Christum / so wirt auch vns vnser glaub zur gerächtikeit gerechnet werden. Dann durch den glauben ergreiffend wir Christum / den wir glaubend dem Herren Gott volkommenlich für vns gnuog thon haben / vnd das vns Gott von Christi wegen versüent sey / vnnd das vns die gerächtigkeyt Christi vergeben zuogerechnet werde / als ob sie vnser sey (wie sie dann waarlich vnser ist auß schäncke [als ein geschenck] vnd gab Gottes) dieweil wir yetz kinder Gottes sind.
Wenn wir nun söllichs eigentlich erwegend / so ist denen guot zuo antworten / die da fragend / dieweil kein mensch für sich selb dem gsatzt volkommenlich gnuog thüege / wie dann das läben / die gerächtikeyt vnnd das heyl / denen verheissen vnd zuogesagt werde die das gsatzt haltind? Namlich also / das dise verheissung vff die volkommen grächtikeit Christi sicht die vns zuogrächnet wirt / dann sonst so ist gewüß das die heilig gschrifft nit wider sich selbs ist / auch im kleinsten nicht. Nun spricht aber der Apostel heiter / Wenn ein gsatzt geben wäre / dz da möchte läbendig machen / so käme die grächtigkeit warhafftig von dem gsatzt. Aber die gschrifft hat alles verschlossen vnder die sünd / vff dz die verheissung durch den glauben in Jesum Christum gegeben wurde den glöubigen. Darumb so haltet vnd erfüllt der dz gsatzt / auch die zehen gebott / der das thuot / darumb das gsatzt fürnemlich eingesetzt ist. Es ist aber (wie ich doben anzeigt) darumb fürnemlich yngesetzt / das es vns der sünd vnd der verdamnuß überzüge vnnd überwinde / vnd vns also von vns selbs abweise / vnnd auff Christum leite / welcher die volkommenheit deß gsatztes ist / zur gerächtmachung einem yeden der glaubt. Darumb erfüllt vnd haltet das gsatzt / welcher nitt vff sich selb vnd vff seine wärck vertruwt / sonder sich der waren gnad Gottes befilcht / vnd in dem glauben Christi alle gerächtikeit suocht. Deßhalben ist yetzund offenbar / dz dise sprüch vnsers Herren Jesu Christi gleich vil gältend / da er spricht / Wer in mich glaubt / der hat das ewig läben. Jtem / So du wilt yngon in dz läben / so halt die gebott. Dann es spricht auch Paulus in gschichten der Apostlen am xiij. cap.[38] Es sey eüch kund lieben brüeder / dz üch durch Christum verkündet wirt vergebung der sünden / vnd entledigung von allen denen dingen dauon jr durch das gsatzt Mosi nit mochtend grecht werden. Wer aber in disen glaubt / der wirt gerächt. Vnd dahar dienet yetzund der gantz handel der grächtmachung / von welchem wir an anderen orten nach der lenge gredt habend. Der glaub aber / mit dem wir glaubend / das Christus dem gsatzt gnuog thon habe / vnd das er vnsere grächtikeit vnd volkommenheit sey / kumpt nit vß vnser natur oder auß vnseren verdiensten / sonder wirt vns vß gnaden Gottes durch den heiligen geist / der in vnsere hertzen gegeben wirt / eingegossen. Diser geist so also in vns bleibt / zündet vnsere hertzen an mit liebe vnd fleiß deß gesatzts Gottes / das wir dasselbig vnderstond auch mit der that rechtgschaffenlich zuo thuon vnd zuo halten. Welcher fleiß vnnd welches vnderston [vnd fürsatz] / ob es wol nimmer volkommen wirt in vns / von wegen der art deß fleisches vnd der menschlichen blödikeit / die vns biß in den tod anhanget / so gfalt es doch Gott auß gnaden / aber allein von Christi wegen / vnd setzt darumb kein glöubiger sein vertruwen auff dise andere erfüllung deß gsatztes / sonder allein auff die erst / als die allein volkommen ist. Dann der Apostel spricht zun Römeren / Jch ellender mensch / wer wirt mich erlösen von dem leib dises tods? vnnd antwortet aber gleich darauff / Jch dancken Gott / das er mich vom tod erlößt hat durch Jesum Christum vnseren Herren / Darumb so dienen ich nun mitt dem gemüet dem gsatzt Gottes / aber mitt dem fleisch dem gesatzt der sünd. Deßhalb so ist nun kein verdammnuß an denen die in Christo Jesu sind / die nicht nach dem fleisch wandlend / sonder nach dem geist usw. Darumb dieweil wir in Christo sind / so sind wir in der gnad / vnd darumb gefallend Gott vnsere werck / die auß glauben geschehend vnd vns auß freyem geist geschänckt sind / vnd auß einem gottliebenden gemüetCLXXII. / 172a
kömmend. Dann Johannes hat gesprochen / das ist die liebe Gottes / das wir seine gebott haltind / vnd seine gebott sind nicht schwär. Dessen setzt er auch ein vrsach hinzuo / dann was auß Gott geboren ist / dz überwindet die wält. Ein jeder aber der glaubt / ist auß Gott geboren / wie dz erklärt wirt Johan. am j.Cap.
Auß welchem ring [leicht] sein wirt die ort mit ein anderen zuo vergleichen / die sich sonst ansehen lassend / als ob sie wider einander seyend / nammlich / die gebott Gottes sind schwär / die weder wir noch vnsere vätter habend mögen tragen / vnd die gebott Gottes sind nit schwär / dann sie sind den glöubigen die Christo yngepflantzet vnd mit dem geist Gottes begabet / dz ist / Gott durch Christum versüenet sind / nit schwär. Aber vnträglich sind sie mencklichem vßert Christo / vnd vßert dem glauben in Christum. Also thuot der glöubig so vil jm müglich allen menschen guots von jm selb / getriben durch den geist Gottes / vnd schadet niemand / vnd das nit vß forcht der straff / so im gsatzt den vnghorsammen vngerechten vnd muotwilligen verordnet / sonder von wegen dz er Gott liebet / vnd also erfüllt er auch dz grichtgsatzt. Hie wirt mir aber das weiß ich fast wol [/] engegen geworffen. So das gsatzt erfüllt wirt / vnd bey den heiligen vnd glöubigen statt [stehet] vnd platz hatt / was hat es dann der auffhebung deß gsatztes bedörffen? was habend Paulus vnd andere fürnemmen theologi dörffen so vil disputieren von der auffhebung deß gsatztes? Darumb so wil ich von der auffhebung deß gsatztes auch ein wenig / vnd erstlichen in gmein / darnach aber von stuck zuo stuck / reden. Vor allen dingen aber sol jm ein Gottßförchtig gmüet wol ynbilden die wort deß Herren der im Euangelio also spricht. Jr söllend nit meinen das ich kommen seye das gsatzt oder die Propheten auff zuolösen / Jch bin nicht kommen auff zuolösen sonder zuo erfüllen. Warlich sag ich euch / biß das himmel vnd erden zergat / wirt nicht zergon der kleinest buochstab / noch ein pünckli vom gesatzt / biß es alles geschicht. Wer nun eins von disen kleinsten gebotten aufflöset / vnnd leert die leüth also / der wirt der kleinest heissen im himmelreich / wer es aber thuot vnd leeret / der wirt groß heißen im himmelreich. Darumb so sol ein jeder steyff wüssen vnd halten / das daß gsatzt Gottes / welches der guot vnd volkommen will Gottes ist / ewig seye / vnnd durch kein zeit / von keinen englen noch menschen möge auffgelößt werden. Vnd wüsse ein jeder / das daß gsatzt / so verr [ferne] es ein regel ist wol vnd recht zuo läben / Jtem so ver es ein zoum ist / mit dem wir in der forcht Gottes erhalten werdend / vnd so ver es als ein sticher [stachel] vnd sporen zuo der faulkeit vnsers fleischs gegeben ist / vnd zur vnderrichtung [/] zur besserung vnd zur straff der menschen dienet / nit auffgehept seye / sonder sein brauch vnnd nutzbarkeit noch auff den heütigen tag inn der kirchen Gottes habe. Vnd darumb so hat es vmb den handel der auffhebung deß gsatztes ein söliche gstalt. Wir habend anzeigt das die gsatzt Gottes den gantzen menschen vnd gar ein göttliche volkommenheit erforderind / vnd das ein jeder der söliche nicht halte / vom gsatzt verflüecht vnd verdampt werde. Nun leistet aber kein mensch söliche gerechtigkeit. Darumb sind wir alle durch das gsatzt verflüecht. Diser fluoch aber ist auffgehept / vnd wirt vns die volkommen gerechtigkeit auß gnaden vmb sunst geschenckt durch Christum. Dann Christus hatt vnns erlößt vom fluoch deß gesatztes / dieweil er für vns ein fluoch / auch vnser gerechtigkeit / vnd heiligung worden. Also ist das gsatzt auffgehept / das ist / der fluoch deß gsatztes ist den glöubigen durch Christum auffgehept / vnnd die waar gerechtigkeit gegeben. Dann er ist der gebenedeyet samen / inn dem gebenedeyet werdend alle geschlecht der Erden. Er ist vnsere gerechtigkeyt. Dann Paulus spricht / Vonn allem / da vonn jhr nicht habend mögen durch das gesatzt Mosi gerecht werden / da wirdt durch disen gerechtgmachet ein jeder der glaubt. Darumb so wirt das gsatzt gesetzt vnd genommen für den fluoch deß gsatztes. Oder es wirt das daß gsatzt genennt /CLXXIIv. / 172b
das durch das gsatzt geoffenbaret vnnd herfür zogen wirt / nammlich die sünd. Dann durch das gsatzt wirt die sünd erkennt / darumb so wirt das gsatzt auffgehept / das ist / die sünd wirt hingenommen / nicht das sie nicht mer seye / oder nit me jre krefft in vns üebe vnd erzeige / sonder das sie vns nit me zuogrechnet wirt / vnd vns nit mee verdammen mag. Dann es ist kein verdamnuß an denen / die Christo Jesu yngepflantzet sind. Darzuo so wirt auch das gsatzt genommen für die rach vnd straff / die den überträtteren nach dem gsatzt auffgelegt wirdt. Darumb so ist das gsatzt auffgehept / dieweil die straff den glöubigen abgenommen ist. Dann dem gerechten ist kein gsatzt gegeben. Vnnd Christus hatt die glöubigen erlößt von der ewigen straff / mit dem das er der vnschuldig für vns lasterhafften gelitten hatt. Demnach so spricht auch der Apostel / fleischlich gesinnet sein / ist ein feyendschafft wider Gott / dann das fleisch ist dem gesatzt Gottes nit vnderthon / dann es vermags auch nit. Die feyendschafft aber vnd der haß gegen dem gesatzt Gottes / wirt durch den glauben auß den hertzen der glöubigen genommen / vnd wirt jnen die liebe deß willens Gottes yngepflantzet / das man auch auff dise weyß redt / das das gsatzt seye auffgehept / dieweil der haß deß gsatztes hingenommen ist. Darumb vergleicht der Apostel die so vnder dem gsatzt sind / den knechten / die aber so vom gsatzt erlediget / den freyen oder den kinden / welchen er auch den geist gibt / nicht der knechtschafft / sonder der kintschafft. Dann dieweil jr kinder sind / spricht er / so hat Gott den geist seines suns außgeschickt in vnsere hertzen / der da schreyet / Abba / vatter usw. Zuo dem dienet auch / das daß gesatzt Gottes vil schatten hat vnd vorbildungen / vnd das die ceremonien sonst gnuog beschwerlich sind / wie dann auch das gantz gsatzt ein joch genennt wirt. Da ist aber der sun Gottes in dise wält kommen / vnd hat die figuren erfüllt / vnd vns die warheit selb geleistet / vnnd die schatten vertriben / das vns jetzund niemand richten noch vrtheilen mag vonn wegen der vnderlassung der ceremonien vnd figuren. Vnd also ist abermals das gsatzt Gottes auffgehept / das ist / das regiment vnd die administration [verwaltung] / so von Mose yngesetzt / ist verschwunden / als Christus kommen / vnd die Apostel geleert habend. Dann die selben habend die kirchen angerichtet vnd gsammlet / on die kirchenform Mosis / vnd habend die selbigen breüch den kirchen nit angegeben / dann sie habend mit grosser dapfferkeit hindan gsetzt das Aaronisch priesterthumb / die Sacrament / die opffer / die vnderscheid der tagen / kleideren vnnd speysen / so von Mose yngesetzt warend / vnd habend für dise ding alle den einigen Christum glert vnd prediget / vnd wenig Sacrament darzuo gebraucht.
Das seye nu also kurtz inn gemein geredt von der auffhebung deß gsatztes Gottes / nun wil ich dasselbig etwas wytlöuffiger von stuck zuo stuck erleüteren. Das gantz gsatzt Gottes wirt getheilt in das gsatzt der sitten / der ceremonien / vnd der gerichten. Das gsatzt aber der sitten / wirt inn den zehen gebotten vergriffen [begriffen] / vnder welchen das erst vns lert den einigen Gott allein vereeren vnd anbätten / vnd kein andere Gött nebend jm haben. Dises hat aber vnser Herr Jesus im Euangelio dermaß befolhen / dz wir wol sehend / das darinnen nützit [nichts] geänderet ist. Das ander gebott verbeütet die abgötterey / das ist / den dienst vnd vereerung der bilderen / sie seyend dann Gottes selbs oder der creaturen. Nun verfolgend die Apostel die Abgötterey inn all weg [durchaus] in der leer deß Euangelij. S. Joannes schreyt mit sampt Paulo / vnd spricht / fliehend die abgöttery. Vnd dieweil Christus vnd die Apostel gantz fleißig leerend die heiligung vnd vereerung deß nammens Gottes / so wöllend sie je / das auch das gebott / welches die lesterung deß nammens Gottes verbeütet / inn wäsen bestande. Das einig vierdt gebott vnder allen gebotten der zehen botten / nammlich das / von der heiligung deß Sabbaths / nennt S. Augustin ein ceremonisch gebott. Welchs aberCLXXIII. / 173a
nicht einfalt zuo verston ist. Dann so verr der eusser dienst Gottes ein gewüsse zyt erforderet / vnd eussere opffer deß gsatztes hatt / so ist es ein ceremonisch gebott. So verr es aber waren dienst Gottes / Jtem heilige versammlungen / gebätt / predgenen / vnd die üebung der heiligen Sacramenten / auch geistliche opfer lert / so ist es jmmerwärend vnd ewig. Welches wir in der außlegung deß Sabbaths angezeigt habend. Das fünfft gebott vonn dem Eeren der elteren / richtet der Herr selb auff Math. am xv. Cap. Desselben gleichen erklärt er auch dz sechst / wider den todschlag / vnd dz sibend wider den Ehbruch Mat. v. Cap. Das achtet [achte] wider den diebstal gegeben / wirt ernüweret vom Apostel Paulo / da er heißt / das nieman seinen bruoder in einigem handel verforteile / dz niemand mer stäle / sonder ein jeder mit den händen arbeite das er sein notturfft haben möge / vnnd auch anderen könne mitteilen. Das neündt gebott von innhalten der zungen / vnnd das man nicht liegen sölle / bestätigend Christus vnnd die Apostel / so offt sie leerend die zungen meisteren vnd die warheit reden. Die selbigen verdammend auch die bösen anfechtungen vnd begirden. Vnd darumb so hebend sie das gesatzt / das die begird verbeütet / nicht auff / sonder bestätigend dasselbig. Darumb so stat die gantz auffhebung der zehen gebotten inn dem / dauon wir erst geredt / nammlich das Christus durch den glauben vnsere volkomne gerechtigkeyt ist usw. Wie dann der Apostel widerumb bezeüget vnd spricht / Das dem gesatzt vnmüglich was / darumb das es zuo schwach was durch das fleisch / das thet Gott / vnd schickt seinen Sun inn der gleichnuß deß sündigen fleisches / vnnd verdampt die sünd im fleisch durch sünd / auff das die gerechtigkeyt im gesatzt erforderet / inn vns erfüllet wurde / die wir nun nicht nach dem fleisch wandlend / sonder nach dem geist. Welchs dann stat zun Römeren am achteden Capitel[3]. Dauon ich aber hie dester kürtzer reden / dieweil ich inn außlegung der zehen gebotten weytlöuffiger hieuon geredt hab.
Nun kumm ich auch auff die ceremonien. Dise sind gegeben biß auff die zyt der verbesserung / biß nammlich der Meßias käme. Der ist nun kommen / darumb so sind alle ceremonien durch sein zuokunfft / tod / vrstende [aufferstehung] / vnd auffart gen himmel / verschwunden / vnnd habend fürohin kein platz mer in der gemeind der Christen. Hie vnderscheidend wir aber billich zwüschend den geschrifften darinn die ceremonien vergriffen / vnd den ceremonien selbs. Dann die geschrifften vonn den ceremonien / so vonn dem geist Gottes här kömmend / sind nit auffgehept noch abthon / das man sie in der kirchen nit mer läsen / haben / oder bruchen sölle / welches wir doben in der anderen predig angezeigt habend / dann sie mögend vns vnderrichten inn Christo Jesu / so wir sehend / wie Christus der alten kirchen verkündet vnd vorbildet ist worden. Paulus hat ie Christum gantz heiter auß den ceremonien geprediget / welchs niemand verlaugnen kan / der sein Epistel zuo den Hebreeren mit fleiß gelesen hat / dann er darinn Christum mit allen seinen gaben der kirchen wunderbarlich fürstellt. Darumb so mögend vnnd söllend auch die ceremonischen gesatzt inn der kirchen gelesen werden / doch also / das Christus darinn gesuocht / vnd so er funden / recht geprediget werde. Darumb hab ich doben in der xxv. vnd xxvj. predig da ich von den ceremonien geredt / etliche anzeigungen jrer bedeütnuß geben / damit ich denen die der geschrifft geflissen sind / vnnd Christum lieb habend / den wäg auffthete weiter inn diser materi zuo schreyten. Die ceremonien aber an jhnen selb / als da ist das priesterthumb / das ort / die zeyt / die opffer / vnd was der dingen mer / sind abgethon / das sie fürohin nicht mer gehalten werdend / noch platz habend in der kirchen Christi. Dises hat Jeremias vorgsagt am iij. Cap. vnd gesprochen / Zur selben zyt wirt man nit mer sprechen / spricht der Herr / die laden deß punts deß Herren / dann sie wirdt keinem inn sinn kommen / auch wirt jhr niemands gedencken / dann sie wirdtCLXXIIIv. / 173b
fürhin nicht heimgesuocht / vnd wirt nicht mer geopfferet werden. Durch die laden deß punts aber hat der Prophet auch andere ceremonien vnd eussere ding verstanden / die durch die zuokunfft Christi sind auffgehept worden. S. Paulus schleüßt auch in der epistel zun Hebreeren auß der verheissung deß Herren (der im Propheten Jeremia verheißt das er ein neüw Testament wölle auffrichten) dises / vnd spricht / Jn dem er sagt ein neüws / so veraltet das erst / was aber veraltet vnd überjaret [verjaret] / das ist nach bey seinem end. Jtem zun Epheseren spricht er auch / Christus ist vnser frid / der auß beden hat eins gemachet / vnnd hingenommen durch sein fleisch die mittelwand deß zuns / das ist die feyendschafft / so er auffgehept hatt das gesatzt der gebott vnnd erkantnußen / auff das er auß zweyen einen neüwen menschen schaffete / in jm frid zuo machen. Ephes. ij.
Dann es hat Gott die Juden von den Heiden vnderscheiden / in dem das er sie jm selb als zuo einem eignen volck erwellt vnd geheiliget hat / nit nun durch die berüeffung deß worts / sonder auch durch Sacrament. Dann es warend jnen die ceremonien fürgeschriben vnd gegeben / die als ein mitelwand zwüschend den Juden vnd Heiden / die erbschafft Gottes ynschlussend / also das in den ceremonien die erkantnuß deß vnderscheids stuond / dadurch den Juden als den rechten erben die erbschafft zuogesprochen ward / vnd die Heiden verstossen wurdend. Aber Christus ist in die wält kommen / der meinung / das er auß beden völckeren ein kirchen machte. Darumb hat er die mittelwand zerstört / das ist die ceremonischen gebott auffgehept. Vnd hat hierinnen Christus gehandlet / wie etwan auch ein Fürst thuot / der damit er widerwertige völcker vnder sein gewalt vnd herrschafft bringe / so hept er die widerwertigen tesseras, das ist zeichen der alten feyendschafft auff / damit sie einmüetig seyend. Also hatt auch Christus die beschneidung mit sampt den opfferen vnnd gsatzlichen ceremonien auffgehept / damit auß den Juden vnnd Heiden ein kirchen wurde. Zun Colosseren vergleicht Paulus die ceremonien einer handgschrifft / damit wir Gott als vil als [gleichsam] verschriben / das wir die schuld nicht mögind lougnen. Er spricht aber / das wir durch Christum von der schuld also seyend erlediget / das die handgschrifft zerrißen seye. Mit der zerrißung aber der handgschrifft wirt der schuldner ledig vnd loß. Darumb läsend wir / das im tod deß Herren der vmbhang deß Tempels von vnderst biß zuo oberst seye zerrissen / damit nammlich das gantz volck sähe / das die sünd jetz verzigen / vnd das volck Gottes von allem last deß gsatztes erlößt wäre. Deßhalb do das gottloß hartnäckig vnd trüwloß volck der Juden / nach dem tod Christi / fürfuor im Tempel die erfülten vnd auffgehepten ceremonien zuo üeben / zuo erhalten / vnd mencklichem von Gottes wegen auffzuotrucken / do zerstort Christus sitzende zuo der gerechten deß vatters die Statt durch die Römischen keiser gantz vnd gar / vnd kart [kehret] den Tempel im boden vmb. Welches vor dem Daniel auch Balaam geweißsaget hatt. Vnd hat jnen die gantzen 1500 jar här vnd noch lenger nie mögen verlangen den Tempel oder die statt wider zuo bauwen. Wir läsend beim Theodoreto vnd Ruffino / das die Juden vnder Juliano dem keiser mit grosser hoffnung fürgenommen ein neüwen Tempel zuo bauwen / vnnd habind das fundament gesuocht auff der statt deß Tempels / der vor langen zeyten von Tito dem sun Vespasiani verbrennt was. Aber der Herr / der im Euangelio die zerstörung auß dem Propheten Daniel vorgsagt vnd vnder anderen geredt hatt / Hierusalem wirt von den Heiden zerträtten werden / biß die zeit der Heiden erfüllt wirt / habe jr gottloß fürnemmen gwaltig zerstört. Dann als sie vil tausend fuoder gypß vnd kalch zuosammen gefüert / fiel eins mals ein grausammer wind yn / das die windsbrut mit grossem getöß vnnd vngestüemme alle dise materi zerströwet. Es geschach auch ein grosser erdbidem / durch den gar nach die gebeüw desselben gantzen orts geebnet wurdend. JtemCLXXIIII. / 174a
als die selbig nacht ein groß volck das dem werck solt obligen / vnder einem schopf inn der nehe lag vnnd schlieff / fiel gechling das gantz gebeüw yn / vnnd erschluog alle die darunder warend. Vnnd als es tag ward / lüffend sie zuosammen / die zuo suochen / die durch den fal warend vmbkommen. Vnnd als sie sich dise straffen all nicht liessend vonn jhrem fürnemmen abwendig machen / entsprang ein erschrockenlich fhür auß den gegrabnen fundamenten / vnd auß den nechsten heüseren / darinn das eysenwerck vnd anders so zum bauw vonn nöten / behalten ward / vnd schediget vil deren die das werck tribend / die übrigen aber zwang es zuo fliehen. Dann es kam desselbigen tags offt wider / vnd paschget [dempffet] zuo letst deß verstockten volcks fräfenheit. Vnnd damit man nicht meinete das sölichs on gfärt [gefehr] geschehe / so ward die selbig nacht daruor / Jtem auch in der nachgenden nacht / am himmel dz zeichen deß creützes scheinend gesehen / vnd wurdend auch der Juden kleyder voller creützen / aber nit weyßer sonder schwartzer / die auch nienermit kontend vertriben werden. Darumb sie wider jren willen durch die grossen erschrockenlichen gericht vnnd straffen Christi deß Herren gezwungen das werck vnderliessend / vnnd vngeschaffter sach daruon fluhend / bekennende den Jesum Christum den jre vorderen creützget den gwaltigen Gott sein. Wiewol Julianus / vnd der mertheil Juden / mit Pharaone in jrem vnglauben vnd lesterung Christi verharretend. Wie sie aber joch jmmer auch [Ob sie aber wol auch] noch auff den heütigen tag in jrer hartneckige fürfarind / so hat doch der Herr gnuogsamm von himmel herab erklärt vnd erzeigt / das er kein gefallen mer an den gsatzlichen dingen oder ceremonien habe / Dieweil er alle die instrument vnnd ding die zum gottsdienst braucht wurdend / Jtem den Tempel selb vnd die statt Jerusalem / als die werckstat deß eusseren gottsdiensts / auff den boden zuogrund gerichtet vnd verderpt hat. Vom Tempel sprach der Herr im Euangelio zuo den jüngeren / als sie jm den selbigen mit verwunderung zeigetend / sehend jr nit das alles? warlich ich sag euch / Es wirt hie nit ein stein auff dem anderen bleiben / der nit zerbrochen werde. Jtem er weinet über die vndanckbar statt / vnd spricht / sie werdend nit einen stein an dir auff dem anderen lassen / darumb das du nicht erkennt hast die zeyt deiner heimsuochung. Das aber diß alles bey eim wort erfüllt seye / zeüget heiter Josephus de bello Iudaico lib. 7. cap. 18. der es alles selb gesehen vnnd darbey gewesen. Wir habend aber erst geredt / das den Juden nun fünfftzehenhundert jar här nie hatt mögen verlangen / das sie den Tempel wider bauwtind. Darumb wenn sie nicht vnsinnig wärend / müeßtend sie erkennen / das Meßias in die wält kommen wäre / vnnd alle ceremonien abgethon hätte.
Vnd schirmpt sie nichts / das wir im gsatzt Gottes / nach den beschreibungen der ceremonien / offt läsend hinzuogethon / diß sol euch ein ewiger brauch sein. Dann ewig heißt hie langwirig / vnnd so vil die menschen belanget vnwandelbar. Dann es hat Gott mit schwären tröwungen verbotten / das niemand die heiligen breüch auß menschlicher fräfenheit [kranckheit] änderte vnd abthete. Darnebend aber dieweil Gott die breuch allein biß auff die zeyt der verbesserung befolhen / so sündet er nicht / vnd mag der vnstandhaffte nit beschuldiget werden / so er sie also enderet / wie er jms anfencklich zuo änderen fürgenommen hatt. Vber das / dieweil an dem nichts abgat / das durch die eusseren breüch ist bedeütet worden / sonder allein der schatten / vnd das zeytlich hinfalt vnd abgat / so volget / das die breüch in jrer substantz vnnd an jrem wesen selber ewig bleibind. Es läbt je noch [zwar] auch der gantz mensch in ewigkeit / noch was zeytlichs vnnd zerstörlichs an jm ist / das stirpt im tod / vnd wirt hingenommen in der verklärung. Damit es aber alles dest heiterer seye / so wöllend wir die fürnempsten ceremonien ein ander nach überlouffen. Das daß Aaronisch PriesterthumbCLXXIIIIv. / 174b
gantz vnd gar auffgehept seye / gibt zuo erkennen / das Paulus auß Dauide anzeücht / der Herr hat geschworen / vnd wirt jn nit gereüwen / du bist priester inn ewigkeit / nach der ordnung Melchizedeck. Darumb so ist Christus allein der einig vnd ewig hoch priester / dessen priesterthumb vnwandelbar ist / vnnd auff keinen anderen mag kommen noch geerbt werden. Dann er ist jetzund zur gerechten deß vatters im himmel / in dem waren tempel / dessen schatten vnnd anbildung der tabernackel vnd Tempel zuo Jerusalem allein gewesen ist / vnd vertrittet vns / vnd thuot alles was eim waren priester zuo stat. Vonn welchem der heilig Apostel Christi Paulus wytlöuffig handlet in der epistel zun Hebreeren. Diser Christus vnser oberster priester / hatt jm jetz alle seine glöubigen zuo künigen vnd priesteren geweicht [geweihet] vnd geheiliget. Darnebend aber verordnet er auch diener seiner kirchen / die dieselbig mit der leer vnnd guotem vortragnem exempel vnderrichtind / vnd die Sacrament (nit die alten / sonder die er der Herr an statt der alten yngesetzt vnd verordnet hat) administrierind [darreichen]. Was sie aber leeren söllind / zeigt er heiter an. Die priesterlichen vnd bedeütlichen kleider hat er weder den Apostlen befolhen noch seiner kirchen gelassen / sonder die selben mit sampt anderen decreten [satzungen] (Welche die mittelwand deß zuns genennt werdend) auffgehept. Mit gerechtikeit vnd Eersammkeit hatt Paulus wöllen die hirten deß volcks bekleidet sein / vnd mit jhm auch vnser Herr Jesus Christus / welcher die kirchendiener heiter abschaffet [abweiset] von aller herschafft vnd wältlichen gschäfften. Gewüsse ynkommen hat er jnen wol verordnet / doch nicht söliche die im gsatzt gebotten / sonder die dem stand vnd wesen einer jeden kirchen gebürend vnd gelegen sind.
So hat auch der Herr das ort deß Gottsdiensts vnnd der religion gefreyet [frey gestellet] / do er im Euangelio Johannis gesprochen / Es wirt die zeyt kommen / vnd ist schon hie / das die waren anbätter den vatter weder auff disem berg / noch zuo Jerusalem anbätten werdend / sonder im geist vnd in der warheit. Dann Gott ist ein geist / vnd die jn anbättend / müessend jn im geist vnd in der warheit anbätten. Diser meinung deß Herren volget auch der Apostel / der da spricht / Jch wil das die man bättind an allen orten / vnd auffhebind reine händ on zorn vnd widerwillen. Vnd darumb hat der Herr nit vergeben den Tempel lassen zerstören / wie ich erst erzellt hab / wie er auch mit seinem tod den vmbhang deß Tempels zerrissen hatt. Darnebend aber werdend die Christlichen gmeinden vnnd versammlungen nicht verdampt noch gescholten / vonn welchen ich geredt hab / als ich das gebott außgelegt / du solt den Sabbath heiligen. Dann der tabernackel vnd Tempel sind ein vorbild gewesen der allgemeinen kirchen Gottes / aussert welcher Gott kein gebätt noch opffer angenäm ist. Die kirchen aber streckt sich auß biß ans end der wält. Doch sind darumb nicht alle die in der kirchen / die in der wält sind / sonder die sind in der kirchen / die durch waren glauben in der gmeinschafft Christi / vnd durch einhällikeit der leer / durch die liebe vnd durch den brauch der Sacramenten (wo sie nicht durch grosse notwendikeit daran verhinderet werdend) in der gemeinschafft vnd gesellschafft der heiligen sind. Die röuchend aber vnd opferend auff den höhinen / die ein ander opffer habend dann Christum / vnd durch einen anderen jhre gebätt Gott opfferend dann durch Christum / vnd im bätten vnd opfferen ein andere weiß bruchend / dann durch dz wort deß hirten der kirchen angegeben seye. Es bedarff auch die kirchen Christi fürohin keiner punts laden / keines tischs / keiner schowbroten / keines guldinen lüchters / keines röuch noch brandopffer altars / keins ehrinen kessels. Dann diß alles ist allein der einig Christus seiner allgemeinen kirchen / welche diß alles geistlich vnd krefftig in Christo hatt / vnnd inn anderen nützit suocht / dermaß das sie auch alle die schiltet vnd verflüecht so dise vnd dergleichenCLXXV. / 175a
ding widerumb in die kirchen füeren wöltind. Dann was bedarff die kirch der schatten vnd zeichen / dieweil sie die sach selb hat vnd neüßt / namlich den Herren Christum durch den glauben? Darzuo so hatt die kirch zeichen gnuog die sie von Christo empfangen hatt / namlich die zwey Sacramentlichen zeichen / die alles das begreiffend / das die alte kirch in vil vnd mancherley zeichen gehept hat.
Die heilige zeit hatt der Herr auch gefreyet / der im Euangelio spricht / Der Sabbath ist von deß menschen wegen erschaffen / nit der mensch von deß Sabbaths wegen / darumb ist der sun deß menschen auch ein Herr deß Sabbaths. Vnd der Apostel Paulus / Deßhalb sol eüch niemand vrteylen in speiß oder tranck / oder über eins teyls tagen / nammlich den feyrtagen / oder Neüwmonaten / oder Sabbaten / welches ist der schatten deß das zuokünfftig was / aber dz wäsenlich selbs / ist Christi. Von dem Sabbath der Christen ist geredt worden in der vßlegung deß vierten gebotts. Die Neüwmonat aber begat die kirch Christi nitt / welche durch Christum geleert / nitt nun den anfang der Monaten / sonder das gantz jar / vnnd alles ynkommen vnnd gewächß deß jars / auch die klarheit der Sonnen / deß Mons / vnd der sternen / Gott dem schöpffer zuogibt. Die Christen habend vnd begond wol jr Osterlamb / aber mer geistlich dann leiblich. Also auch die Pfingsten / dann wie der Herr den jüngeren den heiligen geist geschickt / also schenckt er jnn den glöubigen noch täglich. Die selbigen trummeetend auch alle zeit vff vnd sind gerüstet zum streit. Dann das fleisch begärt vnd fichtet wider den geist / vnd wirt der gottsförchtig mensch von der wält / vnd vom Teüffel dem Fürsten diser welt jmmerdar angefochten. So wäret auch das fäst der versüenung die ein mal am Creütz gschehen vnd vollendet / allwegen / vnd schickend die glöubigen den bock der sünden nit mer daruon / dann vnser Herr ist ein mal kommen / vnd geopfferet worden / vnd hat hingenommen alle sünd der gantzen wält. Dieweil auch die glöubigen täglich betrachtend / das sie hie kein bleibende statt habind / sonder ein zuokünfftige suochind / so bedörffend sie nicht järlich daß fäst der lauberhütten zuo begon. Desselben gleichen haltend sie auch kein jubeljar mer / dann Christus ist ein mal kommen / vnd hat vns das angenäm jar verkündet / das Euangelium namlich / mit welchem vns verkündet wirt / dz vns alle sünden vergeben sygind. Dann dises erklärt der Herr Christus selbs also Luc. iiij. Auß dem lxj. Cap. Esaie. Also sind nun die heiligen zeit vnd die fästtag durch Christum in der kirchen (die doch darzwüschend keins guoten vnnd notwendigen dings manglet) auffgehept. Dieweil aber diß jar / in dem dise fünfftzig predgenen in latin zum ersten getruckt worden / das fünfftzehenhundert vnnd fünfftzigest jar ist / vnd nach der Römischen kirchen brauch ein jubeljar genennt wirt / so zwingt mich also zuo reden die not etwas an einem fürgang hie zuo reden vom Römischen jubeljar. Welches ich das Römisch jubeljar nennen / von der vrsach wegen / das ich erst anzeigt hab / das die kirch Christi nach der erlösung durch Christum beschehen / die vnns durch das Euangelium verkündt wirt / kein ander jubeljar erkenne noch halte. Jm alten jubeljar werdend zwey ding bedacht / der buochstab vnd der geist / das ist das vsser vnd das jnner. Nach dem buochstaben vnd ausseren / wurdend die dienst vnd leibeignen leüt frey gelassen / vnnd ward einem yeden sein vätterlich guot vnnd besitzung / so darzwüschend etwan den rechten erben durch tausch oder sonst entwennt was / wider. Wie aber diser brauch on grosse zerrüttung nicht möchte auff den hüttigen tag in allen Reichen auffgericht vnnd zuowegen bracht werden / also fragend dise heilige vätter / die das jubeljar allein darumb erfunden / vnnd der torechtigen wält verkündend / das sie dest reicher werdind / vnd dest mer guots sammlind / den vndertruckten nicht vil nach. Der geist aber deß alten jubeljars / leert mitt glauben Christum empfahen /CLXXVv. / 175b
vnnd die gnadreich verzeihung aller sünden die in jhm ist. Dise gnad mag aber on grosse lesterung vnnd schmach Christi nicht anders verkündt werden / dann wie sie durch das Euangelium verkündet ist. Darumb hat die kirchen dreitzehenhundert jar von Christo an diß jubeljar nicht gehabt. Nach diser zeit ist erst entstanden der Bapst Bonifacius / der VIII. diß Nammens / (vnder dessen Nammen auch Sextus Decretalium außgangen ist) Der hatt zum ersten disen brauch erdacht. Dann Platina spricht in der beschreibung seines läbens / Diser hatt das jubeljar im dreitzehenhunderten jar yngesetzt / in welchem er volkomne verzeihung aller sünden zuogesagt denen / die zuo Rom die schwellen der heiligen Apostlen heymsuochtend. Er hatt auch gebotten / das es allweg in dem hunderten jar gehalten wurde. Darumb hatt die kirchen diß jubeljars on nachtheyl jhres heils die dreitzehenhundert jar gemanglet. Deßhalb so mögend auch wir sein on nachtheyl / ja wol mitt vnnserem grossen nutz vnnd frommen manglen. Dann so vnns dise das jubeljar als notwendig zuo dem heyl wöllend auffreiben [auffdringen] / so müessend sie die gantz kirchen verdammen / die vor dem ersten jubeljar gewesen. Wir mögend sein aber nicht nun manglen / sonder wir söllends in allweg verflüechen vnnd verwerffen / als ein bösen lesterischen brauch / die wir glaubend das daß jubeljar durch Christum gantz vnnd gar auffgehebt sey / vnnd das den glöubigen / Gott gäb wo die in der wält sygind / auß gnaden vonn Christi wegen alle sünden vergeben werdind. Diser Bonifacius bindet auch die verzeyhung der sünden an sein lugenhaffte verheissung / vnnd an sein vnreines ort / Da ich nicht weiß / ob er wol etwas grülichers vnnd schandtlichers hette können handlen / dann damitt wirt befleckt die glori [Ehr] deß eingebornen Suns Gottes / deß einigen Heylands der wält. Damitt wirt befleckt das heyl viler seelen / vonn deren wegen Christus gestorben ist. Damitt wirdt befleckt der preyß deß Christenlichen glaubens / durch welchen wir allein genoß vnnd theylhafftig werdend deß ewigen läbens. Vnnd ist diser Bapst auch sonst ein lasterhaffter vnd boßhaffter mensch gewesen / vonn dem man gemeynklich geredt / Intrauit ut uulpes, regnauit ut leo, moritur sicut canis, das ist / er in das Bapstumb kommen wie ein Fuchs / darinn hat er regiert wie ein Löw / vnd ist gestorben wie ein Hund. Dann es gehort darzuo das ein söllicher brauch ein sölchen anfänger hette. Es gehort auch darzuo / das daß torechtig volck ein söllichen hirten hette. Dann Platina schreibt / das in dem selbigen jar / ein sölliche vile volcks gehn Rom kommen sey / das man in der Statt / wie groß die joch sey [wiewol sie ...] / kum können gan / Mundus enim uult decipi, die wält wil betrogen werden / sonst loßte sie dem Herren der da spricht / Jr alle die türstet / kommend zum wasser / vnnd die jhr kein gält habend / kommend herzuo / warumb gebend jhr gält vmb das daß nichts sol usw. Esa. lv. vnnd Joan. am vierten vnnd sibenden Cap. Mithinzuo hat aber der gerächt Gott nicht geschlaffen / dieweyl die wält so vnsinnig was / sonder hat erzeigt wie hefftig jm dise that mißfallen. Dann grad im selben jar hatt er erweckt den Otthomannum das haupt vnd den anfenger deß Türckischen Reichs / durch welchen er die Römischen kirchen / vnnd das verderbt wesen der Christen übel geißlet vnd gestrafft hat. Nach etlichen jaren demnach / sind gefolget Clemens VI. Paulus II. vnnd Sixtus IIII. lasterhaffte leüt / wie jhre Historien bezeügend / Die habend das hundertist jar verwandlet in das fünfftzigest / vnd zuoletst in das fünff vnd zwentzigest / damit sie dest mer gwüns überkämind auß der torheyt der wält. Wir wöllend aber wider auff vnser fürnemmen.
So sind auch die Sacrament der alten gantz vnd gar abthon vnd vffghept / vnd an jre statt dem volck deß neüwen Testaments nüwe Sacrament gegeben. An statt
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der beschneidung ist kommen der Tauff. Darumb legtend sich die heiligen Apostel im Concilio zuo Jerusalem wider die so vermeyntend die beschneydung wäre notwendig zuo dem heyl / vnnd bestätigetend die leer Pauli / der das widerspil hielt. Welcher Paulus an einem ort also spricht / Sehend / Jch Paulus sag eüch / wo jhr eüch beschneiden lassend / so ist eüch Christus kein nütz. Jch zeüg abermals einem yetlichen der sich beschneiden laßt / das er noch das gantz gesatzt schuldig ist zuo thuon / Jhr sind ab von Christo / wenn jhr durch das gsatzt gerächt werden wöllend vnd sind von der gnad gefallen. So ist es auch nicht billich / noch gebürlich das in der kirchen Christi ein bluotig zeichen wie die beschneidung was / bleibe / nach dem das bluot am Creütz vergossen ist / das alles bluot deß Alten Testaments stellt vnnd hin nimpt. An statt aber deß Osterlambs ist kommen das Nachtmal deß Herren / welches auch eucharistia / das ist dancksagung genennt wirt. Dann also erklärt es der Herr im Euangelio Luce / das er yetz das letst Osterlamb mitt den Jüngeren äße / Da er auch von stund an darauff ynsetzt das Sacrament seines leibs vnnd bluots / welches er halten heißt biß er wider komme zuo dem gericht. Darumb hatt der Herr das Nachtmal der kirchen gelassen / ein vnwandelbar Sacrament biß an das end der wält. Das aber die opffer deß gesatztes alle auffgehept sygind / wirt niemand können laugnen / welcher allein bedenckt / das der Tempel mitt beyden Altaren / vnnd allem das darzuo gehort im boden außgereütet vnd verderbt ist. Die selbigen opffer wie ich doben anzeiget / sind erinnerungen gewesen der sünden / vnd vorbildungen der künfftigen erlösung. Do nun Christus kommen / vnnd geopfferet ist worden für die sünd der gantzen wält / da habend sie ye alle jhr endtschafft [ein ende] genommen. Dann wo volkomne verzeihung aller sünden ist / da ist kein opffer mehr für die sünd. Jm Neüwen Testament aber ist volkomne verzeyhung aller sünden / Darumb so ist im Neüwen Testament kein opffer mehr für die sünd / Dann der einig Christus ist allein an statt aller opfferen / dann er ist ein mal geopfferet / vnnd wirt fürhin nicht mer geopfferet. Mitt seinem einigen opffer aber hatt er ein ewige erlösung funden / das alle die / so geheiliget werdend / durch kein anders / dann durch das ein mal beschehen opffer Christi am Creütz geheiliget werdend. Darumb so ist Christus / der ein mal am Creütz für die sünd der gantzen wält geopfferet ist / das brandopffer der allgemeynen kirchen. Er ist auch das speißopffer der vns speißt mitt seinem fleisch das am Creütz geopfferet / zum ewigen läben / so wirs mitt glauben empfahend vnnd niessend. Er ist auch das tranckopffer / der mitt seinem bluot die glöubigen tränckt zum ewigen läben. Er ist auch das versüen opffer vnnd täglich opffer seiner kirchen / dann er ist das Lamb Gottes das dahin nimpt die sünd der wält. Sein leiden vnnd todt fäget auß alle sünd / alle fäler / alle laster der menschen. Er ist auch das danckopffer der kirchen / dann durch Christum opfferend wir Gott lob / vnd danckend Gott dem vatter durch Christum.
Jn summa / das einig Nachtmal deß Herren / das wir eucharistiam das ist dancksagung nennend / begreifft in sich allerley opffer / deren fürnemlich zweyerley sind / namlich versüen opffer / die für die sünd geopfferet werdend / vnd danck opffer / dadurch Gott lob vnd danck geopfferet wirt. Dann das Nachtmal deß Herren / ist ein zeügknuß Sacrament vnnd gedächtnuß deß leibs Christi / der für vns hingeben / vnd seines bluots / das für vnns vergossen ist zur verzeihung der sünden. Dann es wirt der leib vnnd das bluot deß Herren / welche allein ein mal am Creütz für die sünd geopfferet sind / vnnd weyter von den menschen nicht mehr mögend noch söllend geopfferet werden / in deß Herren Nachtmal nicht widerumb geopfferet / sonder es wirt die allgemeyn gedächtnuß diserCLXXVIv. / 176b
sach / das ist / deß opffers das ein mal geschehen vnnd gnuogsam ist / gehalten. Jtem so danckend wir auch im Nachtmal dem Herren für vnsere erlösung / vnd opfferet jm die gantze kirch lob vnd danck. Darumb wie gemäldet / so begreifft deß Herren Nachtmal yetz / alles das / das alle opffer der alten bedeütet habend / das die kirch in dem fal keines nutzlichen noch notwendigen dings beraubet ist / ob sie gleich die opffer der alten nicht mer hat. Vnnd söllend deßhalb die selbigen nicht mehr in der kirchen gehalten noch begangen werden / dieweil sie figuren / zeichen vnnd Sacrament gewesen deß künfftigen Christi / vnnd aber die kirch yetzund glaubt / vnnd ja recht glaubt / das Christus kommen sey / vnd es alles erfüllt vnnd vollendet habe / wie man lißt das er selbs bezeüget hat / do er am Creütz schrey / Es ist erfüllt.
Also sind auch alle gelüpt verschwunden / dieweyl die opffer auffgehept sind. Also ist der Nazareer disciplin vnnd ordnung abthon / dieweyl der tempel mitt seinen Ceremonien dahin gefallen. Christenliche vnnd rächtmäßige disciplin [zucht] bleibt wol in der kirchen / doch nicht die gsatzlich. Es haltend auch die glöubigen jhre glüpt Gott dem Herren / die sie jhm nicht wider den glauben vnnd rechte waare gottsäligkeyt in der kirchen verlopt habend. Jm globen aber thuond sie sich nicht zevil auß [seind sie nicht zumild] / sind *gewarsamm vmbsichtig* [fürsichtig] vnnd gottsförchtig. Dann was habend wir Gott zuo geben / das wir nicht vorhin von jhm empfangen habind? vnnd zuo dessen haltung wir nicht vorhin im Tauff verlopt [-] vnnd verbunden sygind? Das rein vnd vnrein vnderscheidet Christus auch nicht also wie das gsatzt / dann er spricht / Was zum mund yngat / verunreiniget den menschen nicht / sonder was zum mund außgat. Vnnd der Apostel redt heiter / Den reinen ist es alles rein. Dergleichen zeücht er auch vil an zun Römeren am viertzehenden / vnnd anderßwo. Jn der Epistel zun Colosseren spricht er / So jhr mit Christo den wältlichen satzungen abgestorben sind / warumb lassend jr eüch dann mitt sölichen satzungen fahen / als läptind jhr in der wält / namlich / Berüer das nicht / versuoch das nicht / greiff das nicht an / welche ding alle zuo schaden dienend deß mißbrauchs halb usw. Es spricht auch der Herr zuo S. Peter / Was Gott gereiniget hat / das mach du nicht vnrein. Darumb / das daß bluot vnd das ersteckt zuo ässen verbotten wirt in der Epistel von der versammlung der Apostlen geschriben Acto.xv. Capit. ist nicht ein allweg wärend gebott gewesen / sonder das allein auff ein zeit gegeben. Dann es woltend die Apostel / das sölichs dem Jüdischen volck / das sonst hartneckig was / auß liebe zuogegeben wurde. Dann sie hortend täglich das gsatzt läsen / welches mit so hoher bezeügung bluot vnnd das ersteckt zuo ersten verbeütet. Vnd dieweil vnlang daruor das Euangelium vnder den Juden zuo predigen was angefangen worden / so was vnmüglich das sie nit schwärlich geergeret wurdind / so sie sahend die Heyden so fräfenlich vnnd on alles scheühen die verbottnen speisen brauchen. Darumb habend sie wöllen das die Heyden sich ein zeit lang enthieltind von dem das sonst frey was / ob damitt die Juden möchtind gewunnen werden. Dann es zeigend die Epistlen Pauli / die ettliche jar nach dem Concilio zuo Jerusalem geschriben sind worden / gnuogsam an / das dises gebott vom bluot vnd erstickten nit allweg gewäret hat. Die gebott aber von dem götzenopffer vnnd der huorey / mit welchen dingen die Heyden sich nit mächtig zuo sünden vermeyntend / das sind allweg wärende gebott / dann sie gehörend zum gsatzt der sitten / vnnd sind von den fürnempsten gebotten der Zehen gebotten. Von welchen ich anderßwo geredt hab. Dieweil ich aber an dises *Synodalisch Decret* [Erkantnuß] der Apostlen vnd eltesten im Concilio zuo Jerusalem gemachet / kommen bin / so wil ich eüwer lieb hie zumCLXXVII. / 177a
beschlussz diß handels vorlesen den gantzen Sendbrieff disers Concilij / von wegen das der selbig ein heitere volkomne vnnd summarische zeügknuß gibt / das daß gesatzt also auffgehebt sey / wie ich bißhar daruon geredt hab. Dises Decret oder diser Sendbrieff lautet nun also.
Wir die Apostel vnd eltesten vnnd brüeder / wünschend heil den brüederen auß den Heyden / die zuo Antiochia / vnd Syria vnd Cilicia sind. Dieweyl wir gehört habend / das ettlich von den vnseren sind außgangen / vnnd habend eüch mitt worten jrr gemachet / vnnd eüwere seelen bekümmeret / vnnd sagend / jhr söllind eüch beschneiden lassen / vnnd halten das gesatzt / welchen wir nichts befolhen habend / hatt es vns guot dunckt einmüetigklich versammlet / männer zuo erwöllen / vnnd zuo eüch zesenden mitt vnseren liebsten Barnaba vnnd Paulo / welche menschen jhre seelen geben habend für den nammen vnsers Herren Jesu Christi. So habend wir gesandt Judam vnnd Silam / welche auch mitt worten das selb verkünden werdend. Dann es gefallt dem heiligen geist vnnd vnns / eüch kein beschwärden mehr auffzuolegen / dann nun dise nötigen stuck / das jhr eüch enthaltind vom götzen opffer / vnnd vom bluot / vnnd vom erstickten / vnnd von huorey. Vonn welchen so jhr eüch enthaltind / thuond jhr recht. Gehabend eüch wol. Diß ist also von wort zuo wort die Catholisch / Synodalisch [-] / Apostolisch / vnd Christenlich Epistel deß Conciliums zuo Jerusalem / welche kurtz vnd heiter ist / Dann wie die waarheyt einfaltige wort braucht / also mag auch die waar religion / vnnd der Christenlich glaub mit wenigen vnnd heiteren worten fürbracht vnd erklärt werden.
Zum ersten / gleich nach der gewonlichen übergeschrifft vnnd vnderschreibung / greiffend sie an die falschen Apostel / die mit Paulo vnd Barnaba zancket hattend / vnnd zeigend an was der selbigen leer gewesen / die sie bißhar den kirchen als Catholisch waarhafft vnnd Apostolisch hattend fürgelegt / namlich das die die sälig wöltind werden / müeßtind sich lassen beschneiden vnnd das gsatzt Mosis halten. Dann sie meyntend nicht / das der glaub in Christum on zuothuon deß gesatztes zuo volkomner grächtmachung gnuog wäre. Sie rüemptend sich auch vnd gaben für / sie wärind geschickt von der heiligen Statt / von den Apostlen vnnd Jüngeren deß Herren / die all einhälligklich also lartind / allein Paulus mitt seinem Barnaba säye also ein besondere leer vnnd meynung in den kirchen vonn der gerächtmachung deß glaubens on die werck deß gesatztes. Darumb so zeigend die Apostel gleich von anfang diser jhr Epistel an / was sie von disen Leereren vnd von jhrer leer haltind. Wir bekennend / sprächend sie / das dise vonn der Statt Jerusalem außgangen / aber das sagend wir / das sie von vnns nicht geschickt / vnnd söllichen empfälch von vnns nicht empfangen / dann wir habend jhnen nützit befolhen. Vnnd bezeügend also falsch sein / das dise fürgeben hattend / die Apostel vnnd jünger deß Herren lartind [lehreten] / das gesatzt wurde erforderet zuo volkomner gerächtmachung. Vnnd erklärend noch heiterer jhre leer was vnnd wie die sey / vnnd sprächend / Sie habend eüch jrr gemachet mitt worten vnnd eüwere seelen bekümmeret / mitt dem das sie sagend jhr söllind beschnitten werden vnnd das gesatzt halten. Darumb so was die summ jhrer leer / das wer nicht beschnitten wurde / vnnd das gesatzt nicht hielte / der wurde nicht mögen sälig werden. Gabend deßhalben die säligkeyt der haltung deß gesatztes / vnnd dem verdienst der wercken zuo. Zwo würckungen aber gebend die Apostel diser leer zuo / Die ein / das sie sprächend / Sie machend eüch jrr mitt worten / das ist / Die wort die sie außgiessend / sind wort / die das gemüet nicht stillend / settigend / tröstend / vnnd rüewigend / sonder jrr machend / das jhr zuoletst nicht wüssend was jhr glauben / oder worauff jhr eüch lassen söllind / die auch vnruow / zanckCLXXVIIv. / 177b
vnnd hader vnnder eüch erweckend. Auff welche wort der heilig Apostel Paulus on zweifel gesehen hatt / da er zun Galateren schreibt / Mich wunderet / das jhr eüch so bald abwenden lassend von Christo / der eüch berüefft hatt durch die gnad / auff ein ander Euangelion / das doch kein anders ist / dann das ettlich sind die eüch verwirrend / vnnd wöllend das Euangelion Christi verkeeren. Die ander ist / das sie sprächend / vnnd bekümmerend oder fellend [zerrütten] eüwere seelen. Dann welche sich auff das gesatzt vnnd auff die werck verlassend / die habend nichts steiffes vnnd sattes [bestendiges vnd gewisses] in jhrem gemüet. Dann dieweyl das gesatzt ein volkomne gerächtigkeyt erforderet / vnnd durch die selbig tödet / dieweyl sie in vnns nicht funden wirt / so werdend die seelen zerrüttet / bekümmeret vnnd gefellt / die man leert auff die werck deß gesatztes sich verlassen / sittenmal sie niemand dermaß leistet wie man aber solt. Darumb spricht Paulus zun Römeren / Wo die vom gesatzt erben sind / so ist der glaub auß / vnnd hört die verheissung auff / sittmal das gesatzt nur zorn anrichtet. Vnnd bald hernach / Der halben wirt die erbschafft durch den glauben gegeben / auff das es gange nach der gnad / damit die verheissung vest bestande allem samen usw. Darumb wurffend die falschen Apostel die seelen vmb [zerrütteten] / mitt dem das sie lartend das heyl wurde durch das gesatzt erlanget. Welches ein schwär vrteyl ist / wider alle die / die auch dergleichen leeren füerend.
Demnach so zeigend sie mitt gleicher dapfferkeyt im gegentheyl an / was sie von Paulo vnd Barnaba haltind / vnd zierend disere jre botten mit einer heiligen zeügknuß vnnd einem herrlichen lob / damit sie bey einem yeden dest mer ansehens habind / vnd das yederman verstande / das sie der leer halb treffenlich wol mit einander eins sygind. Vnnd sprächend deßhalb / Darumb hat es vns guot dunckt / einmüetigklich versamlet / männer zuo erwöllen / vnnd zuo eüch zesenden. Sich / von den falschen Apostlen habend sie zeüget / das sie sy nicht gesendt vnd jhnen nichts befolhen habind / Dise schicktend sie aber / vnnd das einmüetig mit jrem befelch. Wer sind aber die selbigen? vnsere geliebte / Barnabas vnnd Paulus / die jhre seelen dargestreckt habend für den Nammen vnsers Herren Jesu Christi. Das ist / dises sind außerwölte Apostel / vnd dapffere herrliche marterer / vnsere geliebte brüeder / die mit vns eines glaubens vnd einer leer sind / welche offt mit krefftigen zeichen / vnd dapfferem bestand in grossen gfärlikeyten erzeigt habend / wie vnnd wer sie sygind an leer vnd läben. Dieweyl aber Paulus vnd Barnabas die fürnempsten warend in dem span vnd kampff wider die falschen Apostel / so sind jhnen zuogeben worden zwen andere außerläßne männer Judas vnd Silas / die von mund auch sölichs erzaltind / das sie bißhar von beyden theylen geschriben / vnd jhnen weitlöuffiger erklärtind / das so yetz in jrem allgemeynen beschlussz vnd Decret volgen wirt. Dann auff sölichs begreiffend sie den beschlussz [Erkantnuß] vnd das Decret der allgmeynen versamlung in wenig wort. Jn welchem sie zum ersten den nemmend [nennen] / von dem diser jr beschlussz [Erkantnuß] har volget / vnd sprächend / Es gefalt dem heiligen geist / vnd vns. Den heiligen geist setzend sie zum ersten / sich selbs aber hernach / vnd zeigend an das er der vrhab vnd brunn [vrsach: ja der brunn] der waarheyt sey / Sie aber sygind allein instrument vnnd werckzeüg / durch die er würcke. Dann durch menschen würckt er in der kirchen / aber der menschen ansehen giltet nichts on die angebung deß heiligen geists. Darumb sprächend sie vßtrucklich / Es gfalt dem heiligen geist vnd vns / das ist / nach dem wir in das Concilium zuosammen kommen sind / zuohandlen von der gerächtmachung vnnd dem gesatzt / darinn dann der span zwüschend Paulo vnd seinen widersächeren gestanden / habend wir nicht vnserem guotbeduncken gefolget / oder auß vns selbs vrteyl gesprochen / sonder ersuocht vnd vernommen die leer deß heiligen geists / auß welchem wir yetz dises herfür bringend.CLXXVIII. / 178a
Zum anderen setzend sie ein summ deß decrets / vnnd sprechend / das wir euch kein weytere beschwerd [beschwerung] aufflegind / dann nun dise nötige stuck / das jhr euch enthaltind vom götzen opffer / vnd vom bluot / vnd vom erstickten vnnd von huory. Deßhalb / sprechend sie / ist die leer deß Euangelij / die Paulus bißhär mit vns geprediget hatt / gnuogsamm zum heil / vnnd wöllend euch über die leer deß Euangelij / vnd über die drü kurtzen stuck / kein beschwerd mer aufflegen. Mit welchem sie freylich gesehen auff die erklärung Sanct Peters / die sie hiemit wöllen außtrucken. Dann also hatt er im concilio geredt / Jr wüssend das ich vonn himmel herab berüefft / zuo den Heiden zogen bin / vnd jnen das heil durch das Euangelium verkündt hab. Jr wüssend auch das den Heiden / die doch vnbeschnitten / vnnd das gesatzt nicht hieltend / der heilig geist / als ich sie den glauben in Christum leeret / vonn himmel herab ist gegeben worden. Vnd das deßhalb die hertzen der Heiden / durch den glauben / nicht durch das gesatzt / vonn Gott selb gereiniget / vnnd sie zuo erben deß ewigen läbens gemachet sind. Darauff schleüßt er / vnnd darumb was versuochend jhr dann nun Gott / mit aufflegung deß jochs auff der jüngeren häls / welches weder vnsere vätter noch wir habend mögen tragen? sonder wir glaubend das wir durch die gnad vnsers Herren Jesu Christi sälig werdind wie auch sie. Da nennt Sanct Peter das gesatzt ein joch vnd beschwärd [beschwerung]. Darumb mit dem das die Apostel sprechend / sie wöllind der kirchen kein weytere beschwärd aufflegen / zeigend sie an / das daß gesatzt überal auffgehept seye / vnnd freyend deßhalb die kirchen vonn der beschwärd deß gesatztes / vnnd allen anderen dergleichen beschwärden mer.
Auß welchen worten der heiligen Apostlen wir abnemmend / das die vilfaltigen vnzalbaren vnnd beschwärlichen ceremonien / welche die kirch nach den zeyten der Apostlen vonn den concilijs empfangen / jhren mit vnbill [vnbilligkeit] vnnd wider den Apostolischen geist auffgelegt seyend / vnnd auch noch auff den heütigen tag gehalten vnnd beschirmpt werdind. Dann sie sprechend mit heiteren worten / Es gefalt dem heiligen geist vnnd vnns / euch kein weytere beschwärd auffzuolegen. So aber jemand sprechen wurde / die ceremonien seyend dem volck Christi allein vonn seines vnuerstands wegen / als ein zuchtordnung vnd meisterschafft auffgelegt / dem antworten ich / dz söliche zuchtordnung vnd meisterschafft auffgehept seye / vnd dz ein sölicher nichts anders dann das Judenthumb wider auffrichte der söliche widerumb vnderstande ynzuofüeren. Gott hat wol gwüßt wie die kirch von Juden vnd Heiden gsammlet sein wurde / vnd hat dennocht die ceremonien auffgehept. Wer ist auch der bas [gründtlicher] wüsse / was der kirchen nütz oder nicht nütz seye / dann Gott? darumb kan das nicht nütz sein / das er auffgehept / vnd darumb erkennend die Apostel recht / das sie sprechend / Es gfalt dem heiligen geist vnd vns / euch kein wytere bschwerden mer auffzuolegen. Darumb schemmind sie sich [sollen sie sich schemen] / söliche bschwärden der kirchen auffzuoleggen / die so frey ist. Darauff volget aber / das den handel beschleüßt / das sie sprechend / dann allein dise nötige stuck / dz jr euch enthaltind vom götzenopfer usw. Mit disen worten sehend sie vff den vßspruch S. Jacobs deß Apostels vnd bruoders deß Herren. Welcher zur bstätigung vnd bewärnuß [bekrefftigung] der meinung Petri von der gerechtmachung deß glaubens / vnd das man den Heiden das gsatzt nicht sölle aufflegen / der heiligen geschrifft zeügnuß auß dem Propheten Amos anzogen hat / welcher vorgesagt hat / das die Juden von jr sünden wegen außgereütet / vnd die Heiden an jr statt ynpflantzet söllind werden / die werdind die ware kirchen sein / die durch die zerfallen vnd wider auffgebauwen hütten Dauids bedeütet ward. Es sagt auch der selbig Prophet vor / ein gwüsse weyß vnd vrsach / vonn deren wegen die Heiden inn die kirchen werdind angenommen werden / nammlich nicht vonnCLXXVIIIv. / 178b
wegen der beschneidung / vnd durch das zuothuon deß gsatztes / sonder auß gnaden durch den glauben. Dann er spricht / was überigs ist vonn den menschen / die werdend nach dem Herren fragen / darzuo alle Heiden über welche mein nam angerüefft ist / spricht der Herr der das alles thuot. Gott sind alle dise seine werck bekannt von der wält här. Sich er spricht / sie werdind den Herren suochen / vnd in sein gmeinschafft auffgenommen werden alle / über welche sein nam angerüefft seye. Das ist ein besondere art zuo reden / damit verstanden wirt / das dise kinder Gottes werdind / die außerwellt seyend. Dann über die wirt der nam deß Herren angerüefft / die kinder Gottes genennt werdend / vnnd außerwelte Gottes sind. Dises gibt aber die gantz heilig gschrifft dem glauben zuo. Darumb werdend wir durch den glauben glider der kirchen / vnd kinder / vnnd deßhalb erben Gottes. So aber jemand wider disen rathschlag Gottes brummlen [murren] wölte vnd sagen / warumb handlet Gott also? der gedencke dz dises werck / ein werck Gottes seye / dem man nicht widersprechen sol / vnnd dessen werck bekannt sind von anfang der wält an / das sie alle beschehen sind im gericht vnd in der gerechtikeit. Darauß dann volget / das auch diser rathschlag Gottes guot seye / mit dem er jhm die Heiden durch den glauben inn Christum on die haltung deß gsatztes vereinbaret [vereiniget] hatt vnd sälig machet. Auß welchen worten deß Propheten / der heilig Apostel Jacobus der meinung Petri vnderschreibende / schleüßt vnnd spricht. Darumb beschleüß ich / das man denen / so auß den Heiden zuo Gott sich bekerend / nicht vnruow mache / das ist / Jch rathen / das man jhnen kein beschwärd auß dem gesatzt aufflege / oder sie vnrüewig mache. Damit aber die Heiden nit (so sie hortind das daß gsatzt auffgehept) gleich meintind dz jnen alles zimpte / vnd also diß jhr freyheit mißbrauchtind / vnd zuo dem auch jre brüeder die Juden wider die liebe verachtetind vnd ergertind / so setzt Jacobus hin zuo vnd spricht / Sonder ich rathen / das man jnen schreibe / das sie sich enthaltind von der befleckung der götzen. Dann es warend zur selbigen zeyt etliche von den Heiden bekeret / die meintend sie dörfftind wol inn die götzen tempel gon / vnnd von den opfferen ässen die man den götzen geopfferet hat / darumb das der götz nichts vnd allein ein einiger warhaffter Gott wäre / deßhalb wärind auch die opffer nichts / vnd könttind nichts weder nützen noch schaden / Vnd schlussend deßhalb darauß / das die glöubigen sie wol ässen möchtind. Da wil aber der heilig Jacobus / wie auch Paulus j.Cor.viij. ix. x. Das die bekerten Heiden sich gar vnd gantz enthaltind vom götzendienst / das ist / von den götzen selb / vnnd von dem dz den falschen vnd erdachten götteren in jren götzen templen geopfferet ward. Darauff setzt er auch weiter / vnd das sie sich hüetind vor huory. Dann die Heiden hattend wol guote gsatzt / wider den Ehbruch / vnd schendung der weyberen vnd töchteren / strafftend auch die so mit gwalt sölichs handletend / Darnebend aber hieltend sies für ein ringe vnd also zuo reden für kein sünd / so jemand eigens willens huoret / oder so ledige personen mit ledigen zuoschaffen hattend. Darumb erforderet der heilig Apostel Jacobus / wie auch S. Paul. j.Cor. vj. vnd j.Thes.iiij. gar ernstlich reinen vnd heiligen brauch deß leybs / der verr seye von aller befleckung. Zum dritten wil er auch das daß ersteckt / vnd das bluot zuo ässen verbotten werde. Vnd setzt dessen ein vrsach hinzuo / dann Moses spricht er / hat von den vorigen zeiten här in allen stetten die in predigend / vnd wirt alle Sabbath in den schuolen geläsen. Von welchem verbott ich doben vor diser digression geredt hab.
Dieweil nun dem also ist / so sicht man / das die dem heiligen Apostel Jacobo vnrecht thuond / welche meinend das er dises on vrsach / vnd nit recht gerathen vnd anbracht habe / vnd das es ein schedliche frucht deß conciliij / vnd ein vngesunder rathschlag seye / der der Christenlichen freiheit gar zuo wider seye. Dann es jeCLXXIX. / 179a
gewüß ist / das er nichts anders wöllen / dann auch der Apostel Paulus / der wol vnd mit jedermans gefallen vnd lob spricht / lassend vns nach denen dingen sträben die zum friden dienend vnnd zur besserung / einer gegen dem anderen. Lieber verstör nicht vmb der speyß willen Gottes werck. Es ist zwar alles rein / aber es ist nicht guot dem der es isset mit einem anstoß. Es ist vil besser du ässist kein fleisch / vnd trinckist keinen wein / oder keinerley daran sich dein bruoder stoßt oder ergeret / oder schwach wirt usw. Rom. xiiij. Es ist auch das gwüß / das Paulus / der hefftig beschirmer der Christenlichen vnnd Euangelischen freyheit / der etwan Petro zuo Anteochia offenlich vnnd ins angesicht widerstanden / an Sanct Jacoben sölichs nicht wurde haben lassen hingon / so er vermeint hätte / das dise ordnung der Christenlichen freyheit widerig wäre oder sein wurde. Er hette auch dise angebung der Apostlen den kirchen nit verkündet noch befolhen / wo er nit gwüßt vnd glaubt hette dz sie mencklichem heilsam wäre. Er hat aber sölichs den kirchen verkünt vnnd befolhen / wie stat Acto. xvj. Capitel. Darumb wirt S. Jacob on vrsach von etlichen gescholten / das er das ersteckt vnd das bluot verbotten.
Zuo letst beschliessend sie die Epistel also. Von welchem / so jr euch enthaltend / thuond jr recht. Gehabend euch wol. Da lobend sie dise enthaltung / vnd rüemend sie / als ein guot werck / dann vnns die selbig auch inn der gantzen geschrifft befolhen wirt. Das hab ich also durch ein digression [-] / von dem decret der Apostlen wöllen anzeigen / dieweil sölichs als ich achten wol zuo vnserem fürnemmen dienet. Vnd diß seye nun also geredt vonn der auffhebung der ceremonischen gsatzten.
Nun ist überig das ich auch etwas rede von der auffhebung der gerichtlichen gsatzten. Die sind also abthon vnd auffgehept / das kein Christenlich regiment / kein statt / kein reych / zwungen vnd punden [-] ist / die gsatzt anzuonemmen / die vonn Mose dem Jüdischen volck / nach glegenheit der sachen / Jtem nach glegenheit desselben orts vnd zeyts / dozuomal fürgeschriben warend. Vnd wirt deßhalb nachgelassen die freyheit söliche gesatzt zuobruchen / wie die nach eins jeden orts / zeyts / vnd der personen notturfft erforderet werdend. Doch also / das die substantz der gesatzten Gottes nit mit füessen trätten / hingeworffen vnd vernütet [vernichtet] werde. Dann was mit dem gsatzt der natur vnd der zehen gebotten stimpt / vnd wz Gott allweg / vnd by allen völckeren hat heißen straffen / dz sol man keins wegs verachten. Alles aber sol auff dz end hin grichtet sein / dz gmeine Ersammkeit frid vnd ruow erhalten werde / vnd gricht vnd grechtigkeit in wäsen bestande. Von welchem ich wytlöuffiger geredt hab in erklärung deß gebotts du solt nicht töden / Darumb ichs hie bey disem kurtzen laß bleiben.Der h. Apostel Paulus heißt der oberkeit gehorsamm sein / bestätiget auch den bruch deß schwärts / welches er sagt den oberkeiten nit vergeben von Gott gegeben vnd befolhen sein. Deßhalb schiltet er weder die erwellung der oberkeit / noch die üebung deß schwerts vnd haltung deß grichts vnd der grechtikeit / noch billiche burgerliche satzungen. Vnd so jemand gegen einanderen haltet die satzungen vnd ordnungen der Christenlichen keiseren künigen fürsten vnd oberkeiten vß dem Codice / Jtem vß den büecheren digestorum oder pandectarum / vnd den nouellis constitutionibus / oder auß anderen büecheren der guoten Heidischen satzungen / vnd dise gerichtsgsatzt Gottes / so muoß er bekennen das grosse gleicheit vnnd änlikeit zwüschend denen allen seye. Der keiser Justinianus gebeütet / das vonn der kirchen nicht entwendet werde was Gott geheiliget seye. Von dem waren Catholischen glauben / wie der heiter zuo bekennen vnd rein zuo behalten / habend die keiser Gratianus / Valentinianus / vnd Theodosius ein gar herrlich vnnd heiligs gesatzt gegeben. So gebeütet der groß keiser Constantinus Tauro dem teüren man das er der Heiden Tempel zuoschliesse / vnd die sie auffthüegind vnd opfferind mit dem schwärt straffe.
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Es zeigt auch nicht nun ein ort inn den keiserlichen rechten an / das den armen mit gsatzten fürsehung ist beschehen / durch fürsorg vnd fleyß der künigen vnd oberkeiten. Dann cod. lib. 1. tit. 2 finst dessen vil bewernußen. So sind auch noch etliche gsatzt der Heiden verhanden die nit zuo verwerffen sind vonn ehrlicher aufferziehung der kinden / vnd wie dargegen die kind die elteren erneeren söllind. Vom gwalt der elteren ist auch vil gschriben. Also von der Eh. Von vnzimmlicher vermischung der gefründeten / habend mit sampt Arcadio vnnd Honorio auch vil andere Fürsten mer / nicht vngebürliche gsatzt gemachet / welche auch von den Ehschidungen feine ordnungen fürgeschriben. So ich aber gegen allen stucken / von denen ich in der predig von den gerichtsgsatzten Gottes geredt hab / andere gsatzt auß den satzungen der Christlichen keiseren vnd oberkeiten wölte halten vnd setzen / *wurde ich ewer lieb zuo vil überlägen sein / dann*[-] sich die predig zuo lang verziehen wurde. Darumb wil ichs mit dem gnuog sein lassen / das ich denen so fleyß habend dise gemerck anzeigt / den wäg auffthon / vnnd sie auff das gespor bracht hab / das überig auch zuo erfolgen das ich hie nicht anzogen hab. Vnd das wir also auff diß mal wüssind / das die substantz der gerichtsgsatzten Gottes nit auffgehept noch abthon / sonder das derselben maß vnd außzilung [fürzuschreiben] der frommen vnd Christenlichen Oberkeiten erkanntnuß vnd freyheit heim gstelt seye / das die ordnind was billich vnd recht ist / nach erforderung deß orts deß zeyts vnnd der personen / also das Ersammkeyt vnnd gemeiner frid bey allen völckeren erhalten / vnd Gott der vatter durch seinen eingebornen sun / der gebenedeyet ist in ewigkeit / vereeret werde. Dann wir sehend / das die Apostel Christi keim volck auffgelegt / oder auffzuolegen begärt habend das es die gsatzt Mosis in disen eusserlichen hendlen an nemme / Das sol man auch zuo allen zeyten behalten. S. Peter gebeütet einfaltig vnd spricht / Sind vnderthon aller menschlichen ordnung vmb deß Herren willen / es seye dem künig als dem Obersten / oder den pflägeren / als den gesannten von jm / zur rach der übelthäteren / vnd zuo lob der woltheteren. Noch spricht auch eben der selb Apostel / Man sölle Gott mee gehorsammen dann den menschen / verstand denn zuomal nammlich / wenn die menschen satzungen machend die dem waren glauben / der gerechtigkeit vnd billikeit zuo wider sind / Welches ich erleüteret / do ich von der Oberkeit geredt hab. Das seye nun geredt von der auffhebung der gerichtsgsatzten Gottes.
So nun jemand das / so ich bißhär vom gsatzt Gottes / von seinen stucken vom brauch vnd nutz desselben / Jtem auch von seiner erfüllung vnnd auffhebung / geredt hab / eigenlich vnd fleißig bey jm selb betrachtet / so wirt jm nicht mer schwär sein zuo verston / was er von dem letsten stuck halten sölle / da von ich im anfang diser predig hie zum letsten zuo reden verheissen hab / nammlich das ich wölle anzeigen / das allein ein einig Testament seye der alten vnd nüwen kirche Gottes / vnd das allein ein einige weyß seye sälig zuo werden / aller deren die inn diser wält je sälig worden vnnd noch werdend / vnnd was vnderscheid es seye zwüschend dem neüwen vnd alten Testament. Dann dieweil ich heiter erzeigt hab / das daß gantz gsatzt auff Christum sehe / vnd das der selbig den vätteren zum heiland fürgstelt in dem sie allein seyend sälig worden / so sicht ein jeder wol das sie eben die weyß vnd rechnung deß heils habend gehept / die auch wir auff den heütigen tag habend. Damit es aber alles dest heiterer seye / wil ich mich nicht lassen beschwären disen handel (wiewol er bißhär überig gnuog erklärt) nichts dest minder mencklichem auffs heiterist fürzuoleggen. Dann es ist je ein volck / ein Testament / ein kirchen / vnnd ein weiß sälig zuo werden bey denen / bey welchen ein leer funden wirt / ein glaub / ein geist / ein hoffnung / ein erbschafft vnd wart / Jtem gleiches gebätt / vnd gleiche Sacrament.CLXXX. / 180a
Darumb so ich erzeigen / dz die alten dise jetz erzelten stuck alle mit vns gmein ghept habind / so hab ich on zweifel schon auch erzeigt vnd erwartet / dz äben ein einigs Testament gewesen seye vnnd noch seye / so vil die substantz desselben antrifft / vnd das die alten mit vns ein volck in einer kirchen vnd gmeinschafft gewesen / vnd durch keinen anderen dann allein durch Christum den sun Gottes sälig worden seyend.
Das nun sie vnd wir ein leer gehept habind vnd noch habind / erzeigen ich also. Vnsere leer / ist die leer deß Euangelij. Das aber die alten die selbig auch gehept / zeüget der Apostel / da er spricht vom Euangelio Gottes / das Gott das selb vorhin verheissen hab durch seine Propheten / inn der heiligen geschrifft / vonn seinem Sun / der jhm geboren ist vonn dem samen Dauids nach dem fleisch / vnnd erweiset ein Sun Gottes / inn der krafft usw. Was könte heiterers geredt werden? das Euangelium das der kirchen prediget wirt / ist vorzeyten durch die Propheten in der heiligen geschrifft verheissen / nammlich das der Sun Gottes in dise wält kommen / vnd die glöubigen sälig machen wurde. Darzuo so leert das Euangelium / das die glöubigen nit durch die werck deß gsatztes / sonder vmb sonst auß gnaden durch den glauben grechtgmachet werdind. Nun spricht aber S. Paulus auch / kein fleisch wirt durch die werck deß gsatztes vor jm rechtfertig / dann durch dz gsatzt kumpt erkantnuß der sünd. Nun aber ist on dz gsatzt die grechtikeit Gottes goffenbaret / bezüget durch dz gsatzt vnd die Propheten / nammlich die gerechtikeit Gottes die da kumpt durch den glauben in Jesum Christum zuo allen / vnd auff alle die da glaubend. Mit S. Paulo stimpt auch S. Peter / der im concilio zuo Jerusalem spricht / weder wir noch vnsere vätter habind dz joch deß gsatztes mögen tragen / wir glaubind aber dz wir durch die gnad deß Herren Jesu Christi sälig werdind / gleicherweiß wie auch sie. Also ist auch in anderen substantzlichen stucken [hauptstucken] kein vnderscheid der leer. Die nun gleiche leer habend / die könnend nit vngleichen glauben haben. Dann der glaub ist vß dem ghört / dz ghört aber vß dem wort Gottes. So werdend vns auch vnsere vätter / als Abraham vnd andere / fürgstellt zuo exemplen deß glaubens / wie man dz sicht im heiligen Euangelio / vnd in den sendbrieffen der Apostlen / wer wolt aber jemand fremde exempel zur nachfolg fürstellen / die nit seines glaubens wärind? Paulus zeigt an / an vil orten / besonders zun Röm. am iiij. Cap. das vns der glaub zur gerechtigkeit gerechnet werde / wie man lißt das er auch dem Abraham darzuo ist grechnet worden. Vnd aber nit ein anderer glaub / sonder der glaub / der sich mit vnserem glauben verlaßt auff die verheissung Gottes vnd auff den gebenedeyeten samen. Dann er nennt jn ein vatter / nicht allein deren / die von jm erboren nach dem er beschnitten / sonder auch deren die ynher gond in den fuoßstapffen deß glaubens der inn der vorhaut Abrahe gewesen ist. Dahär dienet auch / das die bestätigung vnd bewärnuß deß Christenlichen glaubens / welchen wir sonst gemeinlich nennend / Symbolum Apostolorum,[-] oder die artickel deß glaubens / auß den geschrifften der vätteren deß alten Testaments genommen wirt. Welchs ein heitere zeügnuß ist / das sie eins glaubens mit vns gewesen. Sie habend glaubt in den künfftigen Meßiam / den wir glaubend kommen sein / allein das wir alle ding eigenlicher vnd volkomner ersehend / wie hernach volgen wirt / so ich kommen auff die erklärung deß vnderscheids beder Testamenten. [Gleichs lehret vns auch Eusebius in seiner Kirchenhistori / nemlich / daß alle Vätter von Adam an biß auff Mosen / vnd also fortan Christen gewesen. Eben das lehren auch Epiphanius / Philastrius / Augustus / vnd andere H.Vätter vnd wol verdiente Lehrer der Kirchen / welcher zeugnuß hie einzuführen zulang wurde.] Das aber der geist der vnsere vätter geregiert / vnd auch dz volck deß neüwen Testaments regiert ein einiger geist seye / kan niemand zweiflen / dieweyl nicht me dann ein einiger geist Gottes ist / vnnd S. Peter heiter zeüget das der geist Christi in den Propheten gewesen seye. So spricht auch S. Paul dieweil wir aber den selbigen geist deß glaubens habend / nach dem geschriben stat / Jch habCLXXXv. / 180b
glaubt / darumb hab ich geredt / so habend wir auch glaubt / darumb so redend wir auch. Darumb wiewol eben der selbig Paulus an einem anderen ort spricht / die glöubigen habind nicht einen knechtlichen geist empfangen / das sie jhnen abermals fürchten müeßind / sonder einen kintlichen geist durch welchen sie schryind Abba vatter / so ist er doch nit darwider / das die alten einen geist mit vns gehept habind. Dann sie habend auch zuo Gott als zuo einem vatter geschrüwen / wiewol sie sölichs nit auß dem gsatzt (welches forcht bringt) sonder auß der gnad Christi erlanget habend. Es spricht auch der selbig Apostel weyter. Die durch den geist Gottes getriben werdend / die sind kinder Gottes. Das laßt sich aber auch also vmbkeren / das die kinder Gottes sind / vom geist Gottes getriben werdind. Das aber die alten kinder Gottes gewesen / vnd von Gott selb / auch von Mose also seyend genennt worden / kan niemand laugnen / dann wer die geschrifft nie geläsen. So sind auch vnsere vätter genennt worden künig vnnd priester / ja ein küncklichs priesterthumb / vnd priesterlichs künckreich. Das gibt S. Peter auch den glöubigen Christi zuo. Ein sölich reich vnnd priesterthumb aber kan nit sein on die salbung deß heiligen geists. Es spricht wol der heilig Euangelist vnd Apostel Johannes in seinem Euangelio / Es was noch nicht der heilig geist / dann Jesus was noch nicht verkläret. Wie er aber da nit redt von der substantz deß heiligen geists / welche ewig ist mit sampt dem wesen deß vatters vnd deß suns / also lougnet er nit überal / das die alten den heiligen geist auch empfangen habind. Dann er redt von der fürträffenlichen gab / welche nach der auffart deß Herren außgegossen ist vber alle glöubige völcker. Dann also legt er Johannes sich selbs auß / mit dem das er vorhin setzt / dises (nammlich / wer in mich glaubt / wie die gschrifft sagt / von dessen leib werdend fliessen flüß deß lebendigen wassers) hat er geredt von dem geist welchen empfahen soltend / die in jn glaubtend. Darumb so was die gab deß geists / zur selben zeyt / als der Herr dises redt noch nit so gemein vnd auff jederman so überflüßig außgossen / wie sie hernach nach der verklärung Christi auff die glöubigen vßgossen ward. Vnd in der warheit / so hettend vnsere vätter vnnd die heiligen Propheten nit alle geheimnussen Christi vnd der kirchen so heiter mögen vorsagen / welche die Euangelisten vnd Apostel bezeügend bey eim wort erfüllt sein / wenn sie nicht eben durch den geist wärind regiert worden / welchen auch hernach die Apostel empfangen habend. Dann es sol niemand dencken / das die Propheten vnnd vätter wort außgestossen habind / die sie nicht verstanden / gleich wie die touben vnd vnsinnigen. Abraham hat den tag Christi gesehen / vnd hatt sich gefröwt / dann er empfieng vnd marckt [merckte] auß diser geistlichen gsicht / ein geistlichen wollust. Es zeüget auch Dauid so offt das jm nichts liebers noch angnämers seye dann der gottsdienst vnd die gmeine versammlung der kirchen. Welches er freylich nicht geredt von der eusseren ceremonien wegen / sonder besonders von wegen Christi / den er mit geist vnd glauben in den heiligen ceremonien vnd breüchen ansach. Vnnd dieweil heiter ist / das die vätter durch die gnad Gottes sind gerechtgmachet worden / so ist auch offenbar / das dise gerechtmachung nicht geschehen seye on den geist vnsers Gottes / durch welchen auch vnsere grechtmachung auff den heütigen tag gschicht vnnd volbracht wirt. Darumb so sind sie durch einen geist mit vns gefüert vnnd geregiert worden. Hie von hat auch der heilig Augustinus nit anderst gehalten / dessen wort ich ewer lieb auß dem andern buoch de peccato originali wider Pelagium vnnd Celest. vorlesen wil. Da spricht er also. Dise ding wurdend eben durch den geist deß glaubens vonn den Propheten gesehen / das sie geschehen soltend / durch welchen wir glaubend sie geschehen sein. Dann sie habend deren dingen nicht können nit teilhafftig sein / die sie vns durch glöubige liebe geweyssaget vnd vorgesagt habend. Dann wohär
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ist es das der Apostel Petrus spricht / Was versuochend jr Gott mit vfflegen deß jochs auff den halß der glöubigen / welches weder vnsere vätter noch wir habend mögen tragen / sonder wir glaubend das wir durch die gnad vnsers Herren Jesu sälig werdind / zuo gleicherweiß wie auch sie? Dann dahar / das auch sie durch die gnad vnsers Herren Jesu Christi sind sälig worden / vnd nit durch dz gsatzt Mosi / durch welches nit die heiligung sonder die erkantnuß der sünden geschehen ist? Nun aber ist die grächtikeit Gottes on gsatzt geoffenbaret / bezüget durch dz gesatzt vnd die Propheten. So sie dann nun geoffenbaret ist / so wz sie auch dozmal / aber verborgen. Welche verbergung durch den vmbhang deß Tempels bedütet ward der zuo anzeigung der offenbarung / als Christus starb / zerreiß. Darumb so was auch dozuomal die gnad deß einigen mitlers Gottes vnd der menschen deß menschens Jesu Christi vnder dem volck Gottes / aber verborgen gleich wie dz tow in dem fäl [der taw in dem feld] / welchs Gott seiner erbschafft nit vß schuld sonder vß guotem willen gab. Nun aber nach dem dz fäl [feld] gleich als getrochnet / dz ist / nach dem das Jüdisch volck verworffen / wirt es in allen völckeren offenlich als vff einen weiten platz gesehen. So vil Augustinus.
Nun wz aber dem volck Jsraels ein fleischliche vnd zeitliche glücksälikeyt fürgestellt vnd verheissen. Aber nit allein ein söliche zeitliche / dann in der selben zergäncklichen vnd ausseren glücksäligkeit ward jhnen vorbildet die himmlisch vnd ewig. Dann der Apostel zeigt an im vierten vnd eilfften capitel zun Hebreeren / das die vätter auß der sichtbaren vnd zeitlichen erbschafft die vnsichtbar vnnd ewig gehoffet habind. Es ist jnen auch Christus von keines anderen ends wegen so fleißig verheissen / vnd in jm die benedyung vnd das läben fürgestelt / vnd also in allen Ceremonien vorbildet worden / dann das sie hettind die hoffnung deß läbens / ja keines frömbden oder anderen läbens / dann dessen / in welches auch wir durch Christum auffgenommen werdend. Dann der Herr spricht im Euangelio / wir werdind mit Abraham Jsaac vnd Jacob versamlet werden im Reich der himmlen / freylich in gleiche herrligkeyt. Da möcht mir aber entgegen gworffen werden / dz heil vnd dz läben sey jnen allein verheissen / aber nit geleistet worden / sonder sie sygind verschlossen worden in der gefencknuß / vnd habind also gewartet vff die zuokunfft Christi? Jch lisen aber in der h. gschrifft von keiner gefencknuß in welche die vätter sygind verschlossen worden. Petrus gedenckt wol einer gfencknuß / er setzt aber deren geist darin / die vor zeiten vnglöubig warend / nit der glöubigen. So aber yemand spräche / Jst doch Christus abgfaren zuo den hellen? Dz laugnend wir nit / sagend aber dz er abgfaren sey zun hellen / dz ist versammlet sey worden zuo der gmeynd der säligen geisteren / welche nit in dem ort der pein vnd straff wz / sonder in der himmlischen fröud / wie der Herr dises selbs bestätiget / da er hinab fuor zun hellen / vnd zum mörder sprach / Hütt wirst du bey mir sein im Paradeiß. Es mag auch mit vilen orten mer der h. geschrifft erzeigt werden / dz die alten heiligen vätter von Adamen an biß vff den tod Christi / so die vß diser zeit verscheiden / in das läben vnd in kein gfencknuß kommen sygind. Dann es spricht vnser Herr im Euangelio Marci / Gott ist nit ein Gott der todten sonder der läbendigen. Er ist aber ein Gott Abrahams Jsaacs vnd Jacobs / darumb läbend Abraham Jsaac vnd Jacob. Aber nit leiblich / dann jre vergrabne leib warend vor langest erfulet / darumb so läbtend jre seelen in der fröud / deren leib auch am tag deß grichts wider vfferston werdend. Jm Euangelio Luce gedenckt der Herr der schoß Abrahe / in welche die säligen geister versammlet werdind / vnd zeigt an / das dz selbig ort in der höhe sey / vnd nit ein ort der pein vnd straff / sonder ein ort der fröud vnd erlabung sey. Darumb lißt man auch offt in den Biblischen Historien von den heiligen vätteren / dz sie versammlet sygind worden ein yeder zuo seinem volck / dz ist / dz sie vffgenommen sygind worden in die gmeinschafft der vätteren / mitt denen sie auch hie in diser zeit in einem glauben vnnd religion gestanden.CLXXXIv. / 181b
Dann das sölichs nit möge von der zeytlichen begrept [begrebnuß] verstanden werden / wirt heiter ersehen in den vmbständen der selbigen orten / vnd dem das drauff volget. Es spricht auch der Herr widerumb im Euangelio Matthei / Jch sagen eüch das vil kommen werdend von auffgang vnd Nidergang / vnd zetisch sitzen mit Abraham Jsaac vnd Jacob imm reych der himmlen / die kinder aber deß reichs werdend hinußgstossen werden in die vsseren finsternuß / da sein wirt heülen vnd zänklaffen. So nun die Heiden in das rych der himmlen / vnnd zuo der gsellschafft der vätteren söllend versamlet werden / so ist notwendig das die vätter vorhin in himmel gnommen sygind worden / vnd diser fröüd empfunden habind / do der Herr dises redt. Welcher auch imm Euangelio Joannis heiter spricht / Abraham hat sich gefröwet / das er meinen tag sehen sölte / vnnd hat jnn gsehen / vnd ist erfröwet worden. Welches ob wir es wol auch von der grechtmachung vnd fröud der gewüßne verstond / so sünderend wir doch die fröud deß ewigen läbens nitt daruon / dieweyl die selbig vngezweyflet vß diser volget. Darzuo so ist zuobetrachten der anlaß / auß welchem diß wort deß Herren genommen vnd geredt ist worden. Da hatt nun der Herr also grett / Warlich warlich sag ich eüch / so ieman mein wort wirt halten / der wirt den tod nit sehen ewiklich. Die wort empfiengend jmm aber die Juden also / Abraham ist gstorben / vnd die Propheten / vnd du sprichst / so ieman mein wort haltet / der wirt den tod nit versuochen ewiklich / Bist du dann mer dann vnser vatter Abraham / welcher gstorben ist / vnd die Propheten seind auch gestorben / was machest du auß dir selbs? Darauff antwortet der Herr vnd zeigt an das Abraham durch den glauben imm wort Christi läbendig gmachet oder imm läben vnd in der fröud erhalten sey worden / Vnd wiewol er leybs halben gstorben / so lebe er doch der seel halben / vnnd geniesse ietz der fröud mit Gott. Dahin dienet auch / das da Dauid sein hoffnung / sein hort vnd erbschafft / imm xvj. Psalmen [8] erklärt / vnder anderem spricht / Der Herr ist mir allweg zur grechten / dannenhär fröwet sich mein hertz / mein herliche frolocket / vnnd mein fleisch wirt in der hoffnung ruowen / dann du wirst mein seel nit in der gruoben lassen / auch nit zuogeben das dein heiliger das verwesen sähe / du wirst mir kund thuon den wäg deß läbens / ersettigung der fröuden ist in dinem angesicht / lust vnd wunn bey deiner gerechten ewigklich. Wiewol nun S. Peter vnd S. Paulus dise zeügnuß Dauids in den gschichten der Apostlen von Christo außgelegt habend / so kan doch nieman löugnen / dann das sich dises auch seiner weyß auff Dauiden reyme / welcher imm selbigen Psalmen sein glauben bekennt / sein hoffnung erklärt / vnd sein Michtam [-] / das ist sein wollust / sein fröüd / sein zier vnd kleinot rüempt vnnd preyßt. Darumb dienet semmlichs [solches] fürnemlich auff Christum / demnach aber auch auff Dauiden vnd alle glöubigen / dann das läben vnd die vrstende Christi / ist das läben vnd die vrstende aller glöubigen. Es spricht auch Dauid an einem anderen ort / Jch glaub das ich die güeter deß Herren sehen werde in dem land der läbendigen. Jmm land aber der läbendigen ist weder tod noch schmertz / sonder ersettigung der fröuden vnd ewige wunn. Dises hatt Dauid von Gott durch Christum imm glauben gehoffet / vnd disers hat er auch so bald er vß diser zyt hingscheiden empfangen / ob wol Christus erst nach vil jaren kam vnd geboren ward / welcher auch vns noch vff den hüttigen tag sälig machet / ob er wol vor tusend fünffhundert vnd neün vnd viertzig jaren kommen ist. Das aber der Apostel zun Hebr. amm xj. Cap.[39] spricht / Dise vätter all so durch den glauben zeügnuß erlanget / habend die verheissung nit ingenommen / darumb dz Gott etwas bessers für vns fürsehen habe / das sy nitt on vns volendet wurdind. Das achten ich einfaltig von der gantz veruolkomneten säligkeit / wie Paulus selb sagt zuo verston sein / in welcher die heiligen vätter on vns nit volendet werdend. Dann es ist noch vorhanden die allgmein vrstende [aufferstehung] alles fleisches / wenn dann die selbig gschehen wirt / so
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wirt die volkommen sälikeit aller heiligen gantz veruolkomnet werden / welche nicht nun der seelen / sonder auch dem leib begegnen wirt. Es bezeügets auch S. Peter das daß heil durch Christum erworben / Zum ersten den seelen / verstand der heiligen / gleich nach dem tod deß leibs mitgeteilt werde / darnach dz die leyb der selbigen auch am end der wält / gleich wie anderer menschen leyb aufferweckt vnnd gericht werdind werden. Dann spricht er / es wirt der Herr die läbendigen vnnd die todten richten. Dann darzuo ist auch den todten das Euangelium geoffenbaret / auff das sie gerichtet werdind als andere menschen deß fleisches halb / aber im geist bey Gott läbind. Das ist / der tod Christi ist krefftig gewesen vnd nutz den vätteren so im glauben gestorben / also / das sie jetzund jrer seelen halben bey Gott läbend / vnd aber eben die selbigen werdend auch gleich wie andere menschen deß fleisches halb / das ist / an jren leyben / gerichtet werden / nammlich dennzuomal / so der Herr kommen wirt / zuo richten die läbendigen vnd die todten. Darumb so ist vnser sälikeit noch nicht veruolkomnet vnd volendet / wirt aber veruolkomnet vnd volendet werden am end der wält.
Vber das weyter / so habend vnsere vätter keinen anderen angerüefft / dann den einigen Gott schöpffer aller dingen / vnd habend glaubt das der den menschen günstig vnd gnedig seye von wegen deß gebenedeyeten samens. Vnd wiewol jnen das anrüeffen deß nammens Gottes durch den mittler vnnd vertretter Christum nicht so gemein ist gewesen wie vns / wie der Herr auch im Euangelio zeüget vnd spricht / Bißhär habend jr nützit begärt inn meinem nammen [:] begärend so werdend jr empfahen / so ist jhnen doch Christus nicht gar vnwüssend [vnbekannt] gewesen / von deßwegen sie erhört sind. Daniel am neünten Capitel [4.5.6/usw.] als er bättet / begärt er von Gott erhört zuo werden von deß Herren wegen / das ist von deß verheißnen Christi wegen. So offt auch die glöubigen gebättet vnd gesprochen / Biß ingedenck Abrahams Jsaacs vnd Jacobs / habend sie nicht auff die personen oder seelen der heiligen vätteren / sonder auff die verheissung jhnen beschehen / gesehen. Dieweil nun diß die verheissung ist / Es werdend in deinem samen gebenedeyet werden alle geschlächt der erden / vnd Paulus zeüget / das Christus der samen seye / so volget das die vätter hierinn auff den gebenedeyeten samen gesehen / vnd Gott gebätten habind / das er sie vonn Christi wegen erhöre. Also verheißt auch Gott an einem anderen ort dem Ezechia die erlösung / vnd spricht [Ez.43.23] / Jch wil dise statt bewaren von meintwegen vnd von meines dieners Dauids wegen. Esaie aber vij.[14] vnd xxviij.[38.35] sicht man heiter das der statt von Christi wegen deß suns der jungfrawen / ist verschonet worden / welcher dz fundament vnd der grundstein ist der in Zion gelegt / welchen Ezechiel am xxxiiij. Capitel [23] Dauiden / vnd das Euangelium den sun Dauids nennt. Zum letsten / das die alten auch die Sacrament gehept / die wir habend zeigt der heilig Apostel Paulus an / der anderßwo auch jre Sacrament nammlich die beschneidung vnd das Osterlamb vns zuoschreibt / als zun Col.ij. vnd j.Cor.v.cap. Jm x.Cap. der selben Epistel tröwt er den Corintheren ein grosse straff vom Herren / wo sie sich nit enthaltind von den götzenopfferen / vnd der Heidischen geilheit / vnd füert deßhalb yn das exempel deß volcks Jsraels / vnd accommodiert [richtet] es auff sein fürnemmen also / Jch wil euch nicht verhalten / das vnsere vätter die kirch vnd gmeind Gottes gewesen / vnd eben die Sacrament ghept wie auch wir. Dann sie sind alle vnder Mose / dz ist durch Mosen / oder durch den dienst Mosis getaufft worden in der wulcken vnd in dem meer. Dann die wulcken vnd dz meer sind zeichen gewesen deß tauffs. Sie habend auch all einerley geistlicher spyß gässen / vnd all einerley geistlich tranck getruncken. Dann sie trunckend von dem geistlichen velsen der hernach kam / welcher velß wz Christus. Dann das Manna vnd der velß warend ein vorbild der geistlichen speyß / mit welcher Christus der da istCLXXXIIv. / 182b
das brot vnd tranck deß läbens vns vnd sie ergetzt. Wiewol sie nun eusserlich / leiblich vnnd sichtbarlicher weiß der Sacramenten teilhafftig worden / vnnd aber kein geist noch glauben hattend / vnd sich mit götzendienst / mit trunkenheit vnd huory verunreinigetend / habend sie Gott mißfallen / vnd sind in der wüeste nidergeschlagen worden. Darumb wo jr nit abstond von denen wüesten lasteren / so wirt euch der tauff vnd die geistlich malzeyt nichts nützen / sonder der Herr wirt euch verderben.
Dieweil nun auß disen heiteren kuntschafften der geschrifft erwisen vnd erzeigt ist / dz die alten äben die Sacrament gehept / die auch wir / äben dz anrüeffen Gottes / äben die hoffnung / die wart vnd erbschafft / äben den geist / den glauben / die leer die auch wir habend / so achten ich dz ich schon erlanget / das ich wöllen erzeigen / nammlich das die glöubigen vätter deß alten testaments / vnd wir die glöubigen deß nüwen testaments ein kirchen seyend / ein volck / die wir alle vnder einer versammlung / vnd vnder einem testament / allein durch ein weyß sälig werdind / nammlich durch den glauben Jesu Christi.
Das hab ich nun bißhär geredt von der gleicheit vnd einikeit deß alten vnd newen testaments vnd volcks Gottes / nun wil ich auch ein wenig reden von dem vnderscheid diser beden. So finst du nun in der substantz keinen vnderscheid / aber in der weyß deß eusseren zuodienens [darreichens] / vnd in etlichen zuofelligen dingen vnd vmbstenden / da stat der vnderscheid. Dann zuo der verheissung oder zuo der leer deß glaubens / vnd den hauptgsatzten sind etliche eussere ding hinzuokommen / vnd zuohin thon biß auff die zeyt der verbesserung / also das daß gantz eusser regiment der kirchen / Jtem die weyß vnd form die leer deß glaubens zuo füeren / vnd der eusser gottsdienst bey den alten / vil anderst gewesen dann bey vns. Doch mag der vnderscheid diser beden dingen / fürnemmlich in disen puncten vnd stucken ersehen vnd erkennt werden. Zum ersten so ist es alles im neüwen Testament offenbarer vnnd heiterer dann im alten. Die alten eroffnungen habend allweg etwas dunckels gehept / wie ein wulcken / vnd sind dermertheil [den mehrern theil] bedeckt / vnd in schatten vnd verborgne gheimnußen yngewicklet gewesen. Die predig aber deß neüwen Testaments ist heiter / vnd wirt deßhalb ein liecht genennt / darinn nichts dunckels ist. Moses hatt ein decke für sein angsicht gehenckt / vnd mochtend die kinder Jsraels nit in sein angsicht sehen / wir aber mögend nit nun in dz auffgedeckt angsicht Mosis / sonder auch in das klar vnd häll angsicht Christi sehen / vnd fröwend vns dz wir das geoffenbaret heil jetzund vor augen sehend. Vonn der vrsach wegen nennt der Herr seine jünger sälig / da er spricht / Sälig sind die augen / die da sehend das jhr sehend / dann ich sag euch / vil Propheten vnd künig woltend sehen das jhr sehend vnd habends nicht gesehen / vnd hören das jhr hörend / vnnd habends nicht gehört. Es preißt auch der heilig Simeon sich selb von deß stucks wegen sälig / vnd thuot sich auß das er von dessen wegen auch gern sterben wölle vnnd spricht / Nun lassest Herr deinen diener im friden faren / nach deinem wort / dann meine augen habend gsehen dein heil / das du zuobreitet hast vor dem angsicht aller völckeren / ein liecht zuo erleüchtung der Heiden / vnd zum preyß deines volcks Jsraels. Wiewol aber die alten nicht so vil liechts gehept / so vil vns in Christo der schon geleistet ist scheint / so ist doch sölichs das sie gehept / jhnen gnuog gewesen dz heil in Christo zuo erlangen. Wir sehend auch noch hüt bey tag als durch ein räterschen [rätzel] vnd dunckels wort / wiewol vil heiterer dann vnsere vätter / hernach aber / in der herrlikeit nammlich / werdend wir von angsicht zuo angsicht sehen / Noch ist vns diß vnser sehen jetzund gnuogsamm zum heil. Darumb gfalt mir überauß wol die gleichnuß deren die da sprechend / Ob schon am morgen früe nit ein sölche heitere glastet wie vmb den mittag / so wartend doch die über fäld ziehen wöllend nit biß das die Sonn gar auff kumpt / sonder rüstend sichCLXXXIII. / 183a
auff den wäg / vnnd ist jhnen gnuog das sie bloß den wäg sehend den sie gon söllend. Dann also meinend sie / seye den vätteren auch das liecht gnuog gewesen / welches am morgen gesehen worden / dieweil es sie durch die leitung deß glaubens / durch alle hindernußen hindurch zur ewigen säligkeit gefüert hatt. Darzwüschend aber söllend wir fro sein / vnd Gott ewig lob vnd danck sagen / das vns im neüwen Testament nach disem morgensternen vnd anderen heiteren sternen / die aller heiterist Sonn der grechtigkeit Christus auffgangen ist.
Demnach habend die alten im alten Testament vorbildungen ghept / schatten / vnnd figuren / wir aber habend die vorbildet vnnd bedeütet sach selb empfangen. Dann was jnen Gott verheissen / das hat er vns ghalten vnd geleistet. Sie habend glaubt dz Christus kommen vnd die glöubigen erlösen wurde / wir glaubend das er schon kommen seye / vns erlößt / vnnd alles erfüllt habe. Darumb spricht vnser Herr im Euangelio / das gsatzt vnnd die Propheten sind biß auff Johannem / vnd von der zeyt an wirt dz reich Gottes geprediget / vnd ein jeglicher tringt mit gwalt hinin. Auß welchem das auch volget / das dieweil die vorgebildet vnd bedeütete sach selb kommen vnd gegenwertig ist / das alle figuren vnd schatten die die künfftigen ding vorgsagt vnd verkündet habend / vonn jhnen selb dahin fallind vnd verschwindind. Darumb wirt hie das joch vnd die burdi [bürde] / welche vnsere vätter getragen / vns ab vnseren achßlen genommen. Sie hattend ein müelichen [mühseligen] vnd beschwärlichen Gottsdienst / darunder wir zellend das Aaronisch priesterthumb / den tabernackel vnd tempel / der gar wol gerüst was von allen außerlesnen dingen vnd instrumenten / Jtem vil vnd mengerley opffer / vnd vil dergleichen dings meer. Vonn disem kosten vnnd disen beschwärden sind wir / die wir ein volck deß neüwen Testaments sind / erlößt. Christus aber hatt vns erlößt / in welchem einigen wir allein alles habend das vns zum läben vnd zum heil dienet. Dann es hatt Gott wolgefallen in dem einigen zuosammen zuo fassen / wie Paulus spricht / vnnd als inn ein summ zuo bringen alles das zum heil vnd läben dienet / also das vns das / das bißhär als zerströwt was / alles volkommenlich jetzund in Christo gegeben werde. Dann Christus ist die erfüllung aller figuren vnd ceremonien / darumb wir der figuren vnd schatten nichts me bedörffend / dieweil wir durch seinen geist jetz den handel selb besitzend. Christus hatt wenig eusserer dingen yngesetzt / vnd auch dieselbigen gleich on grosse rüstung vnnd kosten. Darumb hatt das volck deß neüwen Testaments ein gar grosse freyheit. Dann hiehär achten ich das auch diene das schön ort S. Pauli im vierdten Cap. [21.22/usw.] der Epistel zun Galateren / da er disen handel eigenlich tractiert / vnd zwo müeteren setzt / vnder denen die ein zur knechtschafft gebäre / die ander zur freyheit. Vnd das vnder der anbildung Agar vnd Sare. Dadurch er verstat die zwo leeren / deß gsatztes vnd deß Euangelij. Die leer deß gsatztes gebirt zur knechtschafft / die Euangelisch zur freyheit. Darumb gebar das gsatzt die heiligen vätter vnd Propheten zur knechtschafft / nicht das sie knecht blibind / sonder das es sie vnder der disciplin [zucht] erhielte / vnd sie zuo Christo der die erfüllung deß gesatztes ist / füerte. Die freyheit der vätteren / ward durch den last der ceremonien vndergetruckt oder verborgen / das wiewol sie der seel vnd deß gmüets halb frey warend vor Gott / doch so vil das eusser ansehen belanget / eben warend als knecht / dieweil die beschwärden deß gsatztes noch auff jhren hälsen lagend. Dann dieweil das gsatzt noch nicht auffgehept was / wurdend sie zwungen das selbig fleißig zuo halten. Do aber Christus kommen / vnnd dem allem gnuog thon / sind die schatten / Jtem auch das schwär joch vonn den achßlen der Christen hingefallen. Also gebirt vns die muoter Sara zur freyheit. Dise ist vnser aller muoter. Auß diser muoter (welche auch die heilig muoter der kirchen genennt wirt) habend wir den samen deß läbens / die hat vns formiert vndCLXXXIIIv. / 183b
widergeboren / die erneert vns inn jrer schoß / die hatt die milch vnnd die speyß / das ist / das wort Gottes / mit dem sie vns erzeücht / ernert vnd erhaltet.
Nach dem aber die wand abgrissen vnd die band zerbrochen / regiert Gott sein kirchen vil freylicher [gelinder vnd milterer] / vnd haltet vns nicht meer in so enger [harter] huot. Dann das volck Gottes ist nicht me begriffen in den marchen deß glopten lands / sonder es streckt sich auß biß ans end der wält (wiewol kein zweyfel ist dann das Gott auch dozuo mal die seinen vnder den Heiden gehept habe / als den Job / vnnd andere die er bekennt [gekennt]) vnd sind jetzund sein volck / nicht die beschnittnen / vnnd die das gesatzt haltend / sonder die Christum erkennend / ob sie schon weder bschnitten sind / noch mit dem gesatzt vmbgond. Diß ist ein neüwes volck / das auß dem gantzen umbkreiß der erden zuosammen gelesen ist im geist vnd glauben / dises hat auch dem nüwen testament den nammen geben / in welchem die Juden kein erbschafft habend / wo sie nit die gsatzlichen ding verlassend / vnd Christum der dz end deß gsatztes ist / mit glauben ergriffend. Es sind aber aller Propheten büecher voller zügnußen von der berüeffung der Heiden zuo der gmeinschafft deß volcks Gottes / Jtem von der verstossung der Juden / die vonn deß hartneckigen haltens wegen auff dem gsatzt verworffen vnd enterbt werdend. Vber dz setzt auch der h. Apostel Paulus noch ein anderen vnderscheid in dem viij. cap. zun Hebreeren vß der weyssagung Jeremie. Dann er gibt dem volck deß nüwen testaments etliche fürtreffenliche gaben zuo / nammlich volkomne verzihung der sünden / dann er spricht / Dann ich wil gnädig sein jrer vngerechtikeit vnd jren sünden / vnd jrer überträttungen wil ich nit mer gedencken. Er gibt jm auch zuo ein vßgemachte ernüwerung der gmüeteren vnd volkomne erleüchtung / dann er spricht / Jch wil geben meine gsatzt in jren sinn / vnd in jre hertzen wil ich sie schreiben. Vnd wirt nit mee jemands leeren seinen nechsten / vnd jemands seinen bruoder / vnd sagen / erkenn den Herren / dann sie werdend mich all kennen / von dem kleinesten an biß vff den grösten. Von dem gsatzt aber stat / dz es seye geschriben in steinine tafelen. Da sol aber niemand meinen / dz vnsere vätter kein geist vnd kein verzeihung der sünden gehept habind. Dann wie auch sie verzeihung der sünden vß gnaden durch den glauben empfangen / also hat Gott auch vorzeiten sein gsatz in jre hertzen gschriben / vnd sein geist jnen jngossen. Dann welcher wil vff den hütigen tag vnder vns können sagen / dz er Abrahamen / Mosen / Samuelen / Dauiden / Esaiam / Danielen / Zachariam / an erkantnuß / an glauben vnd an erlüchtung übertreffe? Darumb ist der vnderscheid nit in dem / dz die vätter deß alten Testaments die verzeihung der sünden vnd erleüchtung deß heiligen geists nit ghept habend / vnd wir die wir sind das volck deß neüwen Testaments / söliche ding allein erlanget habind / Sonder in der grösse / herrliche / vile / vnd überflüßige der gab / wirt der vnderscheid funden / dz nammlich söliche ding jetz vil überflüßiger vnd auff mee leüt außgegossen werdend dann dozuomal. Dann es sind alle völcker berüefft / die schöpffend mit voller hand das wasser deß läbens. Es geüßt auch Gott seinen geist vß über alles fleisch. Vorhin wz Gott in Judea bekannt / nun aber nach dem Christus der wält geleistet ist / so gond die jünger auß in allen vmbkreiß der erden / vnd berichtend alle reych der erden mit der erkantnuß Gottes. Vorhin mochtend die großmechtigen fürtreffenlichen leüth männer vnd Propheten gezellt werden / dieweil söliche gar nach allein vß dem glopten land entstuondend. Wär wolt aber jetz mögen zellen / die künig / Fürsten / helden / Propheten / vorstender / leerer / marterer / vnd alle fürnemmen personen von weib vnd man / die vns nit allein auß Judea / sonder auch auß Arabia / Jdumea / Phenitia / Mesopotamia / Persia / Asia / Egypto / Aphrica / Grecia / Jtalia / gegen auffgang vnd nidergang der Sonnen / gegen Mittag vnd gegen Mittnacht entsprungen sind / vnd noch vff den heutigen tag entspringend. Allen küngkrychen ist die gnadenrych verzyhung der sünden verkündet worden. Alle glöubigen auß allen reychen der gantzen wält sindCLXXXIIII. / 184a
durch Christum in die gnad Gottes auffgenommen worden. Sie all habend empfangen die herrlich gab deß geists. Sie habend all prophetiert. Sie habend all den Herren erkennt. Vnd hat dz gsatzt niemand volkommen gmachet / sonder fuort [führet] auff ein bessere hoffnung. Dz Euangelium aber macht allein volkommen / vnd füert vns / on frömbden behilff richtig zuo Christo / vnd machet vns in jm beruowen [daß wir in jhm beruhen].
Zum letsten kan ich [söllen wir] nitt vnderlassen auch disen vnderscheid / wiewol er klein vnd gering ist / vnd dergleichen noch vil möcht anzogen werden / das dz gsatzt sich zum theil lendet auff dz glopt land / das mit gwüssen marchen außzilet wz / vnd verheißt dem alten volck so es das gsatzt halte / desselben besitzung / so es aber dasselbig nit halte / tröwt es jm das außstossen vnd verwerffen von dem land. Vns aber wirt kein land / das neißwan mit gwüssen marchen vßzilet sey / verheissen / dann die erd ist deß Herren / vnnd was daruff / der vmbkreiß der erden vnd alles das darinnen ist. Wiewol vns aber gleich Gott nit gewißes wie vor zeiten bestimpt / so sorget er doch nüt destminder für vns / dann er erneret vns / er benedeiet vnnd erhaltet vns in einem jeden land. Deßhalb so habend alle verheißungen vorzeiten von dem heiligen land den vätteren beschehen jr end erläget [erlangen] vnd sind auff gehept / das deßhalb die wol vnsinnig gewesen / die vor etwas hundert jaren vil völcker bewegt vnd vffbracht habend das heilig land wider mit gewalt zuoeroberen. Christus hat mit seiner zuokunfft in die wält / die gantze erden geheiliget / dann an allen orten vnd enden der erden sind ettliche kinder Gottes.Das hab ich nun von der gleicheit / auch von vnderscheid deß nüwen vnd alt testaments vnd volcks dester mitt kürtzeren worten überlauffen / dieweil ich disen handel auch doben angrüert hab in der ersten predig / Jtem in der xxvj. Auch in der tractation von der auffhebung deß gsatztes. Jtem dieweil ich vor etwas zeiten auch etliche tractat vom alten glauben vnnd vom einigen vnnd ewigen testament Gottes lassen auß gon / welche ich wol weiß bey eüch gemein sein. Nun wil ich die houptstuck diser predig nitt beschluß weiß wider äferen vnd zuosammen fassen / dieweil ich sonst gnuog lang daruon grett / vnd als ich vermeinen / ein heitere ordnung hierinn gebrucht hab / vnnd deßhalb hoff das es alles in eines jeden gedechtnuß wol haffte. Mit disem aber hab ich also zuo end bracht mitt der hilff deß herren den gantzen handel deß gsatzes Gottes / von welchem ich nun vil tag dahar vnnd in vil predgenen gerett hab. Vnser himmelischer Gott vnd vatter seye gebenedeyet in ewigkeit / der benedeye auch vns durch vnseren herren Jesum Christum Amen.
29.Pr.Die Neün vnd zwentzigste Predig.
Von der Christenlichen freiheit / von anstoß vnnd ergernuß / von guoten wercken / auch von der besoldung vnnd belonung der selbigen.
Jch hab nun durch vil predgenen dahar vom gsatz Gottes geredt. Dieweyl aber vß der betrachtung vnd handlung deß gsatztes / ettliche stuck volgend / die dem selbigen als verwant anhangend vnd nachvolgend [-] / vnd nit zuo verachten noch zuo übergon sind / als da ist / die Christenlich fryheit / guote werck / auch die belonung vnd besoldung der guoten wercken / Jtem die sünd / vnd belonung oder straff der sünden / So wil ich auch von denselbigen stucken ein ander nach reden / was mir dann der Herr zuo reden geben wirt. Den wellend wir ietz anrüeffen vnnd bitten / das er vns weder von disem noch von anderen glaubens sachen vnnd händlen reden lasse / das seinem heiligen willenn zuo wider syge.
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Die Christenlich freyheit hanget an der vffhebung deß gsatztes als ein würckung vnd frucht der selben. Dise freyheit gibt dann auch gleich anlaß von der ergernuß vnd dem anstoß zuoreden. Von der Christenlichen freyheit aber / hat Paulus der h. Apostel Christi vil vnd fleißig disputiert / daruß man sicht / dz die betrachtung der Christenlichen freyheit / nit ein schlächts ding ist / vnd ein ding daran wenig gelegen. Besonders aber ist die tractation [handlung] von der selbigen zuo vnseren zeiten notwendig / in deren vil die Christenlich freyheit eintweders nit verstond / oder aber boßlich mißbrauchend zuo erfüllen die begirden jres fleisches. Darumb wil ich anzeigen / wer der erlöser sey / der die menschen in die freyheit setzt. Jtem wän er freye [befreye] / wo von auch vnd wie veer [ferrne] er frye [befreye] / da dann so wir sölichs erduret / guot wirt sein zuosehen [Darauß man denn leichtlich sehen wirt] wz die Christenlich freyheit sey / vnd wz die gefryeten für ein art habind / wie sie sich so hefftig hüetind / dz sie niemand yenerinn verergerind [jrgend inn ergern] / noch jre fryheit mißbruchind. So wirt vns nun kein anderer freymacher vnnd erlöser verheissen / gegeben vnd verkündet / dann Christus Jesus der sun Gottes. Dann es muoß der so andere erlösen sol / frey / vnd denen dingen nit vnderworffen sein / mit denen die behafftet vnd gfangen sind / die auff die freyheit hoffend vnd wartend. Nimmermer wirt aber ein sölicher funden weder im gantzen vmbkreiß der erden / noch im himmel selb / dann allein der sun Gottes / der darumb im Euangelio gesprochen / So eüch der sun frey machen wirt / so werdend jr waarlich frey sein. Es machet aber der Herr die knächt fry / darumb fryet er vns von der knächtschafft / vnd setzt vns in die fryheit der kinderen Gottes. Vnd fryet zwar alle knächt / schlüßt da niemant vß / dann den / der sich selb vß eigner schuld / durch sein vnglauben vnd vnghorsamme vßschlüßt. Dann es ist der sun Gottes kommen zuo erlösen alle die in der knächtschafft verstrickt sind / vnd freyet vns vmb so vil vnd so weyt / so weyt vnd veer wir knächt sind / dann die knächtschafft wirt der freyheit entgegen gsetzt / also dz die selbig nit mag volkommenlich on die betrachtung der anderen verstanden werden. Darumb wirt von der knächtschafft hie auch zuo reden von nöten sein / so vil dann zuo vnserem fürnemmen dienet. Die selbig ist nichts anders dann der knächten stand / knächt werdend aber eintweders knächt geboren oder sonst zuo knächtschafft gebracht. Von den diensten vnnd im hauß erbornen eignen leüten / werdend sie geboren. Sonst aber in knechtschafft werdend sie gebracht / eintweders / durch gfencknuß / dahar sie dann bey den latinischen den nammen Serui, dz ist eigentlich zvertütschen die behaltnen / genennt werdend. Dann Pomponius spricht / Die Serui dz ist knächt oder behaltne / werdend dahar genennt / dz die hauptleüt die gefangnen hiessend verkauffen / vnd deßhalb behalten vnd nit töden. Dahar sie auch Mancipia genennt wurdend / quod ab hostibus manu caperentur, dz ist dz sie von fyenden mit der hand gefangen wurdend. Oder aber sie werdend in knechtschafft gebracht / nach dem wältlichen rechten / so namlich ein fryer / der elter ist dann zwentzig jar / sich laßt verkauffen / dz er deß gälts teylhafftig werde. Deßhalb so habend sölliche knächt vnd eigenleüt alle freyheit verloren / vnd sind gantz verstrickt vnder dz gheiß vnd den willen jrer Herren / die jres läbens vnd tods / macht vnd gwalt habend. Es ist aber zweyerley knächtschafft / ein vsserliche burgerliche / vnd ein geistliche. Die vsser burgerlich / hat der Herr mit seiner predig auß der gmeind der glöubigen nit genommen noch auffgehept / das namlich keine knächt mer sein / oder jr ampt vnd pflicht nit mer söllind leisten. Dann es spricht der Apostel Paulus / Ein jetlicher wie jnn der Herr berüefft hat / also wandle er / vnd also verordnen ichs in allen gemeynden. Bist du ein knächt berüefft? sorg dich nit / Doch magst du frey werden / so brauch das vil lieber. Jtem an einem anderen ort / Jr knächt sind gehorsam eüweren leiblichen Herren / mit forcht vnd mit zitteren / in einfaltikeyt eüwers hertzens / als Christo / nit mit augen dienst / als den menschen zuo gefallen / sonder als die knecht Christi / dz jr sölichen willen Gottes thüegind von hertzen mit guotwillikeit /CLXXXV. / 185a
als ob jr dem Herren dienetind vnd nit den menschen / vnd wüssend / das was ein yetlicher für guots thuon wirt / das wirt er empfahen von dem Herren / er sey knächt oder freyer. Jtem zum Timoteo / Die knächt so vnder dem joch sind / die söllend jhre Herren aller ehren wärt halten / auff das nit der Namm Gottes vnd die leer verlesteret werde / Welche aber glöubig Herren habend / die söllend sie nit verachten darumb das sie brüeder sind / sonder sygind vil mehr dienstbar / dieweyl sie glöubig / vnnd geliebt / vnd die wolthat vergelten mögend. Doch so habend die glöubigen die gleich also knächt sind / auß der predig deß Euangeliums / das sie tröstet / namlich das ob sie schon leibs halb knächt / doch der seelen halb frey sind. Dann es spricht auch Paulus / wär ein knächt berüefft ist in dem Herren / der ist ein freyer deß Herren / Desselben gleichen / wer ein freyer berüefft ist / der ist ein knächt Christi. Diser trost streckt sich auß auff alle trüebsalen der glöubigen / die wüssend das jhr geist sälig vnnd frey ist / gott gäb wie grausam der leib gepyniget vnd kestiget [geplaget] werde. Darumb sind sie frey / so sie gleich in engen banden vnd gefäncknussen behalten werdend / Sie gesigend [siegen] vnd überwindend wenn sie schon bunden vnd vndertruckt werdend. Sie habend den aller grösten wollust / auch dennzuomal / wenn sie auff das hefftigest vnd bitterist mit vilen üblen gepeiniget werdend. Dise freyheit aber vnd diser wollust der glöubigen / wirt von den kinderen diser welt / weiß ich wol / verlachet / als ob es ein narrey sey / Aber Gott der gerächt Richter gibt jhnen den rechten lon für diß jhr gelächter nicht nur in der künfftigen sonder auch hie in diser zeyt / dann sie sind mehr dann gefangen arm leüt / auch dennzuomal so sie gleich meynend / sie sygind mächtig frey / vnnd die aller säligisten / dann sie dienend in einer wüesten schandtlichen knächtschafft / mitt dem das sie den üppigen huoren / der vnsinnigen trunckenheyt / dem schnöden gyt / vnnd anderen schandtlichen wollüsten ergeben sind / darinnen sie mit schand vnd schmach erfaulend vnnd verderbend. Von der knächtschafft aber vnnd den trüebsalen der glöubigen / in denen sie nichtsdestminder im Herren frey sind vnd frolockend / redt der Apostel vnd spricht / Wir werdend getrengt / aber wir werdend darumb nit angsthafft / wir leidend arbeyt / aber wir verzagend nicht / Wir leidend verfolgung / aber wir werdend nicht verlassen / Wir werdend vndertruckt / aber wir kommend nit vmb / Wir tragend herumb alle zeit das sterben deß Herren Jesu an vnserem leib / auff das auch das läben deß Herren Jesu an vnserem leib offenbar werde. Jtem / wir fleissend vnns / das wir vns in allen dingen beweisind als die diener Gottes / in grosser gedullt / in trüebsalen / in nöten / in ängsten / in schlegen / in gefäncknussen / in auffruoren / in arbeyt / in wachen / in fasten / durch preiß vnd schmach [durch ehre vnd schande] / durch bösen lümbden [gericht] vnd guoten lümbden [gericht] / als die verfüerer / vnd doch waarhafftig / als die vnbekannten / vnd doch bekannt / als die sterbenden / vnnd sihe wir läbend / als die gestrafften / vnnd doch nicht ertödet / als die traurigen / aber alle zeit frölich / als die armen / aber die doch vil reich machend / als die nichts habend / vnnd doch alles besitzend. Darinn sehend jhr nun wie die glöubigen in höchster seruitut vnd knächtschafft jren trost habend / vnd nichtsdestminder frey sind. Der exemplen findt man vil in den gschichten der Apostlen / vnd in historia ecclesiastica. Nun wöllend wir die ander knächtschafft auch besehen.
Die geistlich knächtschafft hat ein gleicheit mit diser leiblichen vnd ausseren knächtschafft. Dann Adam ist zum knächt worden / vnd dz vß seiner schuld. Wir aber werdend von jm als eim knecht / knecht geboren. Er wz fry / vnd hat ein überuß guoten vnd gnädigen Herren. Von dem ist er aber abgfallen vnd trüwloß worden / vnd hat jm selb ein anderen Herren auffgeladen / namlich den grausammen Tyrannen den Teüffel / welcher von der sünd wegen / die rechtsamme [recht vnd gewalt] über jhn erlanget / jnn übel vnnd schwärlich belestiget hatt. Auß dem prästhafften vatterCLXXXVv. / 185b
werdend auch wir prästhafft vnnd sündthafft geboren / vnnd werdend von der sünd wegen auch der herrschafft deß Teüfels / Jtem dem gesatzt / vnd dem fluoch deß gsatztes vnderworffen. Dann wir sind knächt der sünden / vnnd werdend von der sünd wegen vilen trüebsalen vndergeben. Darumb wirt dises ein geistliche knächtschafft genennt / nit dz sie allein im gmüet deß menschen platz habe / sonder vonn wegen deß gegensatzes / so ferr sie namlich der ausserlichen leiblichen knächtschafft entgegen gsetzt wirt / dann sunst so hat die sünd auch vnseren leib dem fluoch vnderworffen. Jtem wir sündend nit nur im gmüet / sonder auch mit dem leib / denn es dienend alle theyl vnd glider deß leibs der sünd / vnd werdend durch die sünd belustiget [belüstiget]. Darumb dienend wir in einer ellenden knächtschafft / so lang wir vnder der herrschafft deß Teüffels läbend / vnnd thuond was dem fleisch gefallt / vnd was vns die böß anfächtung eingibt / vnd also dem greülichen Herren dem Teüffel frucht oder vilmer mißgwächß fürbringend vnnd gebärend. Das ist nun vnsere schwärste vnd höchste knächtschafft.
Nun wöllend wir im gegenteyl auch besehen / was yetz die Christenlich fryheit sey / das ist / wo von / vnd wie verr vns vnser Herr gefreyet habe. Vnd damit ich es alles mit einem wort begreiffe / so hat vns der Herr Christus gefryet von diser schwären knächtschafft / Namlich so verr wir knächt warend / so verr hat er vns auch gefreyet. Das erklären ich etwas weitlöuffiger also. Der sun Gottes ist in dise wält kommen / vnd hat erstlich den Tyrannen den Teüffel / durch seinen tod vndertruckt / vnd jm den kopff zerträtten / vns aber in sein Reich gesetzt / vnd ist vnser Herr vnd Künig worden. Darnach so hat er vns angenommen zuo kinderen Gottes vnd hat den fluoch deß gsatztes mit seinem sägen auffgehept / dann er hat alle sünd hingenommen / vnnd seine glöubigen gereiniget. Vber das hat er jnen auch die freye gab deß geistes gegeben / das sich die kinder Gottes von jnen selb on zwungen vnd guotwillig dem willen Gottes vndergebend / vnnd thuond was Gott wil / dann es bleibt der hassz deß gsatztes nit in jhnen / ob schon die schwacheyt deß fleisches bleibt. Zum letsten so hat diser vnser Herr vnd Künig / auch ab [von] den achßlen der seinen genommen die bschwärden deß gesatztes / die vorbildungen vnd figuren / mit allem vnkosten so darüber gangen / vnd hat seinen gefreyeten verbotten / das sie sich nit widerumb laßind mitt yetlichen menschensatzungen verstricken. Vß welchem allem wir nun also schliessend / freyen heißt auß der knächtschafft in die freyheit sitzen [setzen]. Ein freyer oder gefreyeter aber ist der / der von der knächtschafft gefreyet / yetz in der freyheit läbt. Darumb so ist die freyheit nichts anders dann der stand deß freyen / namlich die frucht die der gefreyet auß der freyheit empfangen hat / vnd deren er yetz genüßt / Namlich / das er erlößt ist vonn der herrschafft deß Teüffels / vonn der sünd / von dem fluoch deß gsatztes / vnd vom tod / vnd worden ist ein kind Gottes vnd ein erb deß ewigen läbens. Jtem das er empfangen hat den geist der freyheit / durch welchen er sich Gott zum knächt gantz vnd gar ergibt / dem er auch sein gantz läbenlang dienet. Jtem das er vom gesatzt Mosis vnd aller anderen menschen / erlößt / am einigen Euangelio hanget / vnnd die ausseren ding / namlich speiß / tranck / kleydung / vnd andere dergleichen mittel ding / mitt freyheit braucht. Jn disen dreyen stucken / die ich nun zum anderen mal gemäldet vnd erzellt hab / stat fürnemlich die Christenlich freyheit. Darauff wöllend wir nun zeügknussen der gschrifft setzen / die dise vnsere erklärung baß bestätigend / vnnd heiterer erleüterind. Zum ersten aber wöllend wir die Euangelischen / demnach die Apostolischen kundtschafften besehen. Der Priester Zacharias / der vatter Joannis deß Töuffers / preißt in seinem lobgsang Luc. am j. Cap.[68] die waarheit vnd güete Gottes / das er vns geleistet / was er den vätteren verheissen habe / namlich dz wir erlößt von der hand vnsererCLXXXVI. / 186a
feyenden on forcht jm dienetind in heilikeit vnd gerechtikeit vor jm alle tag vnsers läbens. Jn welcher zeügnuß wir habend die ware freyheit beschriben / welches nammlich die ist / da wir durch den Herren erlößt vonn allen vnseren feyenden / sichtbaren vnd vnsichtbaren / jnen nit me mit forcht dienend / sonder Gott dem Herren dienend on forcht mit fröuden. Es wirt auch die weyß vnnd maß deß dienens hinzuogesetzt / Nammlich / Jn heilikeyt vnnd gerechtigkeyt. Die heilikeyt schleüßt auß alle vnreinigkeyt vnnd vnmaß / Die gerechtigkeyt gibt einem yeden das sein / was wir nammlich einem jeden schuldig sind / vnnd begreifft auch die treüw vnnd wolthat. Also dienend aber die gefreyeten Gott / nicht nun ettlich tag oder jar / sonder alle tag jres läbens. Darumb so ist die waar Christenlich freyheit ein jmmerwärender dienst / damitt wir Gott dienend.
Johan. am viij. Capitel [34] als die Juden sich ruomptend jhrer ytelen auffblaßnen freyheit / die sie von jren vätteren empfangen / wirfft jhnen der Herr dises für / Warlich warlich sag ich eüch / wer sünd thuot / der ist der sünden knecht / der knecht aber bleibt nit ewigklich im huß / der sun bleibt ewigklich. So euch nun der sun frey machet / so sind jhr warlich frey. Jnn disen worten gedenckt der Herr einer knechtschafft vnnd einer freyheit. Welcher sünd thuot / der dienet der sünd / als einem grausammen herren vnnd Tyrannen / Dann er ist der sünd vnderthenig vnnd gehorsamm. Söliche knecht sind alle menschen kinder / welchen auch die straff obligt / das sie im hauß deß vatters / das ist im himmlischen vatterland / keines erbs theilhafftig sind. Welche aber der Sun freyet / die werdend der erbschafft gnoß vnnd theilhafft / vnnd werdend mitterben deß Suns Gottes. Er freyet aber die glöubigen. Darumb werdend die kinder Gottes vnd miterben Christi / von Christi deß erlösers vnnd freymachers wegen / frey / vnd ist kein anderer / weder in himmel noch auff erden / der vns / on allein Christus / zuo der freyheit bringen möge.
Paulus zun Römeren am sechsten Capitel [12] spricht / Lassend die sünd nicht herschen in eüweren sterblichen leyb / gehorsamme zuo leisten seinen lüsten. Auch begebend nicht eüwere glider der sünd / zuo waffen der vngerechtikeit / sonder begebend euch selbs Gott / als die da auß den todten läbendig sind / vnd eüwere glider Gott zuo waffen der gerechtigkeit. Dann die sünd wirt nicht herschen können über euch / sittenmal jhr nicht sind vnder dem gsatzt / sonder vnder der gnad. Da vermanet er die so durch Christum gereiniget vnnd gefreyet sind / das sie heiligklich läbind inn jhrer geistlichen dienstbarkeit. Er spricht aber nicht / Es sol kein sünd in euch sein / oder inn eüwerem sterblichen leyb / sonder / lassend die sünd inn euch oder inn eüwerem sterblichen leyb nicht herrschen. Wenn herrschet sie aber? So wir der sünd gehorsammend inn jhren lüsten / das ist / so wir den begirden deß fleisches nicht widerstond / sonder die selbigen erfüllend. Denn aber herrschet sie nicht inn vnseren stärblichen leyb / so wir der selbigen gleich wol inn vnserem leyb empfindend / aber jhren nicht gehorsammend / noch die herrschafft lassend / sonder die begirden vndertruckend. Vnnd disen spruch erleüteret er durch einen anderen heitereren / nammlich / Jch wil nicht / das jhr eüwere glider der sünd als einem tyrannen begäbind / das er die selbigen als instrument alle vngerechtigkeyt zuo verbringen / brauche. Das begär ich vil mee / das jhr euch selb Gott zuo herrschen vnnd zuo regieren ergebind. Dann dieweil er euch vom Tod erlößt / vnnd wider läbendig gemachet hatt / so ist billich / das jhr eüwere glider / als läbendige werckzeüg / Gott ergebind / durch welche er alle gerechtigkeyt volbringe. Vnnd dises mögend jhr wol / dann jhr sind nicht vnnder dem gesatzt / sonnder vnnder der gnad. Vnnd dahär dienet das überig alles / das
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daselbst biß zuo end deß Capitels volget / nammlich das er spricht. Wie dann? söllend wir sünden / dieweil wir nicht vnder dem gsatzt / sonder vnder der gnad sind? das seye verr. Wüssend jr nicht / welchem jr euch begäbend zuo knechten in gehorsamme / dz jr dessen knecht sind / dem jr gehorsamm sind / es seye der sünd zum tod / oder der gehorsamme zur gerechtigkeit? Gott seye aber gedancket / das jhr knecht der sünden gewesen sind / aber nun gehorsam worden von hertzen dem vorbild der leer / welchem jr ergeben sind. Dann nun / so jr fry worden sind von der sünd / sind jr knecht worden der gerechtikeit. Da zeigt er an / dz die gefreyeten Christi jre freyheit nit mißbruchind / noch sich jrem alten herren zuo beherschen begäbind. Dann er setzt zwen herren / die sünd vnd die gerechtigkeit / vnd setzt auch jr beder belonungen vnd besoldungen / nammlich den tod vnd das läben. Vnd setzt auch ein allgemeinen spruch / dz wir dessen knecht seyend / dem wir vns zur ghorsamme ergebind. Darauß schleüßt er / So wir nun durch die gnad Gottes erlößt sind von der knechtschafft der sünden / vnd der selbigen besoldung / dem tod / so sind wir je veränderet vnd gesetzt in die knechtschafft der gerechtikeit / dz wir läbind. Vnd spricht noch heiterer darauff / Jch wil menschlich daruon reden vmb der schwachheit willen eüwers fleisches. Gleich wie jr eüwere glider ergeben habend zuo dienst der vnreinikeit vnnd boßheit / vonn einer boßheit zuo der anderen / Also ergebend auch nun eüwere glider zuo dienst der gerechtikeit / das sie heilig werdind. Dann do jr der sünd knecht warend / da warend jr ledig von der gerechtikeit. Was hattend jr aber zuo der zeyt für ein nutz der dingen deren jhr euch jetz beschämend? dann das end sölicher dingen ist der tod. Nun aber so jr von sünden frey sind worden / vnd Gott dienend / habend jr ewere frucht / das jr heilig werdend / das end aber ist das ewig läben. Dann der tod ist der sünden lon / aber die gab Gottes / ist das ewig läben in Christo Jesu vnserem Herren. Diß ist alles so heiter vnd einfalt / das es vnsers weyteren außlegens nicht bedarff.
Vnd sölichs alles erleüteret er noch klärer im vij. Cap.[1.2.3.usw.] gleich darauff mit einer gleichnuß / da er spricht / Ein weyb ist dem man vnderworffen vnnd verbunden / so lang der man läbt. Wenn aber der man stirbt / so darff sie einen anderen nemmen wen sie wil. Also sind auch wir dem gsatzt gstorben. Dann Christus ist für vns gestorben / geopfferet mit seinem leyb zuo versüenung vnserer sünden / das wir fürhin jm vermechlet [vermehlet] / vnd durch seinen geist schwanger gemachet / gebärind die schön vnd heilig frucht der guoten wercken / die wir vorhin / dieweil wir noch der sünd dienetend / vnd jren als einem herren vnderworffen warend / die böß vnd greülich frucht deß tods geburend [gebaren] / nammlich boßheit vnnd laster / welchen der tod zur straff verordnet ist. Wir wöllend aber die wort deß Apostels selb hören / der spricht also. Also auch jr / meine brüeder / sind getödet dem gsatzt durch den leyb Christi / das jr bey einem anderen seyend / nammlich bey dem / der von todten aufferweckt ist / auff das wir Gott frucht bringind. Dann do wir im fleisch warend / do warend die sündlichen lüst / welche sich durch das gsatzt erhebend / gwaltig in vnseren glideren / dem tod frucht zuobringen. Nun aber sind wir vom gsatzt ledig / vnnd jm abgstorben / das vns gefangen hielt / also / das wir nun dienen söllend im neüwen wäsen deß geists / vnnd nicht im alten wäsen deß buochstabens.
Es ist auch bekannt das ort zun Röm. am viij. Capitel [2]. Das gsatzt deß geists / der da läbendig machet in Christo Jesu / hat mich frey gemachet von dem gesatzt der sünd vnnd deß tods. Die weyß aber diser freyung beschreibt er gleich drauff / vnd spricht / dann das dem gsatzt vnmüglich was / das thet Gott / vnnd sandt seinen sun. Vnnd was weiter volget / dann dise wort sind mencklichem bekannt.
Jn der j. zun Corintheren am j. Cap.[1.Cor.7.23] spricht er. Jr sind teür erkaufft / werdend
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nicht der menschen knecht. Da vermanet der Apostel die knecht / das sie nicht vnder dem deckmantel der eusserlichen wältlichen knechtschafft etwas thüegind zuo gefallen jhrer herren / das der reinikeit vnnd heilikeit deß glaubens zuo wider seye / Das sie nammlich den vnrechten gesatzten vnnd gebotten der menschen nicht etwan gehorsamm seyend / darumb das sie knecht berüefft. Die vrsach aber die sie daruon ziehen sol ist die / das wir teür / durch dz kostlich bluot Christi erlößt vnnd inn die freyheit gesetzt sind. Darumb wer es vngebürlich / so wir wider der freyheit art / den bösen gesatzten der menschen gehorsamm wärind. Dises streckt sich auch auff die menschen satzungen die in glaubens vnd religions sachen gemachet werdend. Dann Math. am xv. Cap.[10] spricht der Herr / Sie dienend mir vergeblich / dieweil sie leerend söliche leer / die nichts dann menschengebott sind. Jtem / Lassend sie faren / sie sind der blinden blindenfüerer.
Es sprich auch Paulus / So jhr mit Christo den wältlichen satzungen abgestorben sind / warumb lassend jhr euch dann mit sölichen satzungen fahen / als läbtind jhr inn der wält? als so sie sagend / Berüer diß nicht / versuoch das nit / greiff das nit an. Dise ding alle verderbend deß mißbrauchs halb / welcher allein auß gebotten vnd leeren der menschen entspringt / vnnd habend söliche ding wol ein schein der weyßheit / vnd das / auß eigner erwelter geistlikeit / vnd demuot / darumb das sie deß leibs nicht schonend / vnnd dem fleisch nicht sein ehr thuond zuo seiner notturfft.Jn disen worten zeigt er zum ersten an / das die glöubigen Christi nichts mit menschen satzungen zuo thuon habind / vnd nit daran gebunden seyend / dann sie seyend den satzungen abgestorben mit Christo / das ist / sie seyend durch den tod Christi erlößt von den satzungen / welche im tod Christi zuogrund gangen seyend / dieweil er vns frey vnd sein eigen gemachet habe. Was aber die decret [-] vnd satzungen seyend / erzellt er durch ein Mimesim [widerholung jrer eignen worten] / nammlich / berüer dises nit / versuoch diß nit / greiff das nit an. Das reicht nun weit auff vil satzungen / welche er mit etlichen argumenten widerfichtet. Zum ersten / das sie den dienst Gottes stellind in die ding / die durch den brauch verderbind. Dann das reich Gottes ist nit speyß vnd tranck / sonder stat inn geistlichen dingen / Vnnd was zuo dem mund yngat / das verunreiniget den menschen nicht. Demnach das sie nit vonn Gott dem brunnen vnd vrhab alles guoten / sonder von den menschen gebotten sind. Sie dienend mir aber vergeblich / spricht der Herr im Euangelio / dieweil sie leerend söliche leeren / die nichts dann menschen gebott sind. Es übergat auch der heilig Apostel die stuck nit / darinn diser gebotten fürnempsts ansehen stat. Dann erstlich so werdend sie geprisen von wegen das sie ein gestalt vnnd ansehen habend der weyßheit. Dann sie lassend sich ansehen als ob sie vonn weysen leüthen gantz weyßlich gebotten seyend / vnd gar wol dienind den personen / zeiten vnd orten. Dann es schryend die schirmer der menschen satzungen / vnsere vätter sind warlich nit narren gewesen / sonder sie habend jre satzungen weißlich vnd wol gemacht. Aber der Prophet Jeremias spricht. Sie habend das wort deß Herren hingeworffen / vnd was weißheit solt in jnen sein? Darnach so werdend sie auch geprisen ab ethelothrêskeia. Das ist ein selbs erwelter gottsdienst / den wir auß vnserer vernunfft vnnd vnserem guotduncken erdenckend. Nun gefallend aber den menschen söliche menschliche gedicht gar wol / diewil sie sich mit der vernunfft deß menschen reymend. Es spricht aber Christus / So jr von der wält wärind / so hätte die wält das jr lieb / Nun aber / dieweil ich euch von der wält abgesünderet hab / so hasset euch die wält. Jtem er spricht weiter im Euangelio / was vor den menschen hoch ist / das ist ein greüwel vor Gott. Weyter werdend sie auch geprisen von wegen der demuot / vnnd das auff zweyerley weyß. Dann erstlich so wirt das ein demuot genennt / so einer willig vnd gern gehorsammet / vnnd an nimpt /
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das jhm von den gewaltigeren auffgelegt wirt. Darnach aber / so stond die menschen satzungen gemeinlich inn üebungen der demuot / vnnd behaltend die menschen inn demuot. Das ist aber wol ein falsche vnd böse gehorsamme vnnd demuot zuonemmen / die nicht durch das wort Gottes regiert wirt / vnnd nicht inn allen dingen allein auff das wort Gottes sicht / sonder über sölichs das ansehen das man Gott zuogeben solt / den menschen zuogibt. Zum letsten werdend auch die menschen satzungen geprisen / vonn wegen das sie deß leybs nicht schonend. Dann darinn meint man / werde ein feine züchtigung vnd kestigung [casteyung] deß leybs gelert / dadurch deß fleisches muotwill vndertruckt werde. Der Apostel sagt aber darzuo / das sölichs nit zuo eeren diene / zuo ersettigung der notturfft deß fleisches / das ist / ob söliche ding gleich ein gestalt vnd ansehen habind der geistlikeit vnd gottsälikeit / so dienind sie doch nicht zuo ehren / dieweil die eusseren ding vonn Gott verordnet sind / zuo hilff der notturfft der menschen. Ja es schiltet Paulus dise satzungen / das sie dem leyb nicht sein ehr anthüegind / zuo ersettigung deß selben / das ist / nach seiner notturfft. Dann zimmliche leybs sorg ist nicht nun nachgelassen / sonder auch gebotten / das wir nammlich vnseren leyb nicht mit hunger verderbind vnd zuo guoten wercken vngeschickt machind. Es wirt auch nienen [niergend] die sorgfeltikeit deß fleisches gar vnd gantz verdampt vnd verworffen / dann äben [allein] so verr die selb den bösen begirden dienet. Darumb spricht der Apostel Paulus auch / Thuond nicht nach deß fleisches kluogheit seinen lust zuo büessen. Deßhalb wirt dem menschen zur notturfft von Gott zuo gelassen / speyß vnd tranck / schlaff / bekleidung / ruow / zimmlicher vnd gebürlicher wollust / vnd anderer notwendigen dingen brauch.
Zun Galateren am iiij. cap.[4] spricht Paulus / do die zeyt erfüllet ward / sandt Gott seinen Sun / der da geboren ist von einem weyb / vnd vnder das gsatzt gethon / auff dz er die so vnder dem gsatzt warend erlößte / das wir die kindschafft empfiengind. Dieweyl jr aber kinder sind / so hatt Gott den geist seines Suns außgesennt in vnsere hertzen / der da schreyet / Abba vatter. Darumb so bist du kein knecht mer / sonder ein kind / vnnd dieweil du ein kind / so bist auch ein erb Gottes durch Christum. Zun Hebreeren am ij. cap.[14] spricht er / Christus ist mit vns deß fleischs vnd bluots teilhafftig worden / auff dz er durch den tod vertilgkete / den / der deß tods gwallt hat / dz ist den teüffel / vnd erlößte die / so durch forcht deß tods im gantzen läben pflichtig warend der knechtschafft. Dise zeügnussen nun der heiligen geschrifft / sind gnuogsam zuo vnserem fürnemmen.
Welche / so wir sie wol erwegend / werdend sie vns auch heiter leeren / was die art vnd eigenschafft der gefreyeten seye / nammlich das sie Gottßförchtig / vnd gantz vnd gar an heilige ding ergeben / dz ist in allen dingen an den heiligen geist gelassen / on welchen kein freyheit ist / vnd durch welchen alle kinder Gottes regiert vnd gefüert werdend. Es hüetend sich auch die gefreyeten fleißig / das sie mit jrer freyheit niemand fräfenlich verergerind / vnd die selbig nienen mißbruchind / dann sie habend allweg vor jren augen vnd in jren gemüeteren / die hefftigen sprüch der heiligen Apostlen Christi / als Petri / der da schreibt / Als die freyen / vnd nicht als hettind jr die freyheit zum deckel der boßheit / sonder als die knecht Gottes. Vnd Pauli / welcher spricht / Allein sehend zuo / das jhr die freyheit nicht lassind dem fleisch ein vrsach werden / sonder durch die liebe diene einer dem anderen. Dann wiewol ich frey bin von jederman / hab ich doch mich selb jederman zum knecht gemachet / auff das ich jhr vil gewünne. Darumb mißbrauchend die Christenlich freyheit / erstlich die / welche vnder dem deckmantel deß geists vnd der fryheit / fleischliche ding suochend / vnd sich rüemend / sie seyend durch die predig deß Euangelij erlößt vnd gefreyet von allen eusserlichen leyblichen schulden vnd diensten. Vnd thuond deßhalb weder jren herren noch denen / denenCLXXXVIII. / 188a
sie schuldig / noch den Oberkeiten vnnd fürgesetzten / was sie schuldig sind / sonder fallend ab vnnd böumend sich wider die selbigen auff. Das sind auffrüerig vnglückmacher / vnd nicht nachuolger der Euangelischen leer. Paulus bezeüget vnd spricht / Gebend jederman was jr schuldig sind / steür / dem steür gehört / zoll / dem zoll gehört / forcht / dem forcht gehört / Eer dem Eer gehört. Sind niemand nichts schuldig / dann das jr ein anderen liebind. Demnach so mißbrauchend auch die die Christenlich freyheit / die ob sie schon den geist der freyheit vnnd der kinderen Gottes noch nicht empfangen habend / vnd vom Teüffel noch nicht erlediget / noch gerechtgmachet sind / dennocht jederman freyheit verheissend / vnnd darumb das sie wänend sie seyend frey / so meinend sie es zimme jhnen alles / vnd streytend wider die guoten vnnd erberen [erbaren] satzungen / vnd zuchtordnungen / vnnd schreyend / mit denen satzungen werde die freyheit zerstört / auffgehept vnd zuo nichte gemachet. Wider dise / vnd sonderlich wider die leerer diser ytelen vnd schädlichen freyheit / bricht S. Peter rauch auß / vnd spricht / Dises sind brunnen on wasser / vnd wolcken vom wind wirbel vmbgetriben / welchen behalten ist ein tunckle finsternuß in ewikeit. Dann sie tönend hochprechtige wort / da nichts hinder ist / vnnd reitzend durch geilheit zum lust deß fleisches / die jhenigen / die recht entrunnen warend vnnd nun inn jrthumb wandlend / vnd verheissend jnen freyheit / so sie doch selb knecht deß verderbens sind. Dann vonn welchem jemands überwunden ist / deß knecht ist er worden. Vnnd was daselbst weyter volget. Wenn nun die menschen die freyheit also mißbrauchend / so ist söliche muotwillige vnnd geilheit nicht wärt / das sie mit dem heiligen nammen der freyheit sölle genennt werden. Zum letsten / mißbrauchend auch die Christenlich freyheit / welche die mittel ding mißbrauchend / vnnd der schwachen kein rechnung habend / sonder die selbigen fräfenlich verergerend. Darumb ist inn disem handel wol zuo mercken vnnd zuo behalten der edel spruch S. Pauli da er spricht / Jch hab zwar alles macht / aber es ist nicht alles nutzlich / Jch hab alles macht / aber es bauwt nicht alles. Meer von disem handel magst du ziehen auß dem viertzehenden Cap. der Epistel Pauli zun Römeren.
Dieweil ich aber hie durch disen anlaß / ja durch notwendikeit getriben wird / will ich ein wenig so vil dann glöubigen leüthen zuo wüssen gnuogsam sein wirt / auch reden de Scandalo, das ist / vom anstoß / oder vonn der ergernuß. *Das wörtli scandalum, ist genommen vonn den Griechen / vnnd heißt / ein fal / oder anstoß* [ist eigentlich ein gegebner anlaß / vnd so viel als ein Trib zu sünden / vnd fehlen.] / Jtem ein ergernuß [-] / ein hindernuß vnnd impedimentum [-] / als wie an einem wäg sind die rauhen stein / Jtem die verborgnen strick vnnd fallen / damit man die facht so darüber gond. Dann welche inn die selben kommend oder sich dran stossend / die fallend / oder werdend an der richtige deß wegs verhinderet vnd abgewennt [abgewendet]. Das wirdt nun also auch auff die gloubens hendel vnnd auff das läben der menschen gezogen. Dann der gibt ein scandalum vnd anstoß / der einem anderen / mit bösen vngeschickten / vnfüegklichen reden oder thaten / etwas fürwirfft / darauß er ein anlaß nimpt zuo sünden. *Darumb so ist ergernuß eigenlich / ein gegebner anlaß zuo sünden vnnd zuo fälen / Jtem ein trib vnnd anstoß zum übel vnnd zum fal*[-]. Andere sprechend / Ergernuß ist ein anstoß vnnd verletzung so da geschicht mit verachtung. Dann verletzung bringt gemeinlich verachtung mit jhr / oder entspringt auß verachtung / Darumb es an etlichen orten für zuogefüegte vnbill genommen wirt. Wir verletzend vnd ergerend aber die leüt / eintweders mit worten oder mit wercken. Die ergernuß die mit worten gegeben wirt / stat eins theils inn falscher / vngeschickter / vnnd vnfüeglicher leer / anderßtheils inn täglichen redenCLXXXVIIIv. / 188b
vnd worten. Die böste vnnd schwärste ergernuß ist die / so man mit falscher leer gibt / die da mitt der waaren leer deß Euangelij streitet. Nach der selben volget denn die ergernuß die da kumpt auß vngeschickter vnzeytiger vnnd vnfuoglicher leer / das ist / die da wol auß dem brunnen deß worts Gottes fleüßt / aber vnweyßlich vnd vnfüegklich herfür bracht vnnd appliciert wirt. Als da man eintweders fält mit zuo vil linde vnd nachlassung / oder mit zuo vil rühe vnd vngstüeme [rauhen vnd vngestümmen worten] / das die zuohörer darab verergeret / sich gar von der gantzen leer deß Euangelij abwerffend [abziehen]. Wiewol man von der menschen ergernuß wegen das liecht deß Euangelij nicht verbergen / oder die waarheyt verschweigen sol / doch sol man sich fleyssen / das daß wort Gottes mitt bescheydenheyt vnnd fürsichtigkeyt verkündet / das ist recht geschnitten werde. Was dem gesatzt Gottes zuo wider ist / das soll man dapffer schelten / vnnd fleissig vnnuerzagt straaffen / Gott geb wie lätz sich die wält darab gestelle. Mitt täglichen reden aber gebend die ergernuß / die die zungen vnbesinnt reden lassend / vnnd nicht erwegend was sie redend / sonnder nach jhrem muotwillen alles hinauß plappend. Als da sind / grobe / schampare / besonders auch Gottslesterische reden / wider Gott / wider die heilig geschrifft / vnnd wider die artickel deß glaubens. Dann böß geschwätz verderpt guote sitten. Dahär gehörend auch brieff vnnd geschrifften / damitt man die leüt fräfenlich verergeret.
Es wirt auch den leüthen anstoß vnnd ergernuß gegeben / mitt verheissungen vnnd mitt tröuwungen / nammlich so sie mit guoten worten vnnd verheissungen / oder mitt grausammen erschrockenlichen tröuwungen von dem rechten weg inn jrrthumb vnnd verfüerung abgefüert vnnd abtriben werdend. Also gab Pharao dem Künig Zedechia ein anstoß / do er jhn inn die Pündtnuß reitzt vnnd bracht / Darauff er sich mehr verließ / dann auff die krafft vnnd erlösung Gottes. Also machend die Tyrannen den schwachglöubigen offt ein anstoß / so sies mitt marter zuo verlaugnung deß nammen Christi zwingend.
Die werck aber vnnd thaten / damit die menschen verergeret werdend / sind eintweders freye vnuerbottne oder verbottne werck. Die vnuerbottnen / werdend vnzimmlich vnnd vnrecht durch den mißbrauch. Es ist vnuerbotten zuo ässen was einer wil / dann den reinen ist es alles rein. Diß dein ässen aber wirt jetz vnzimmlich vnnd vnrecht / so du issest mit anstoß vnnd ergernuß deines bruoders. Dann er weißt vnd verstat nicht das man alles ässen darff / vnd du weist auch wol das er sich ergeren wirt wenn du issest / vnnd issest aber nichts destminder vnnd verachtist jhn. Mit diser that gibst jhm ein ergernuß / vnnd sündest nicht gering wider deinen bruoder. Dahär gehört auch aller vnzeytiger vnfüegklicher brauch aller freyen vnnd vnuerbottnen mitteldingen.
Doch so leerend alle alten leerer hie recht / das man ein vnderscheid haben sölle zwüschend den schwachen / vnd den boßhafftigen. Die schwachen / sind der dingen vnberichtet / vnnd fürchtend doch Gott / sind bescheiden / jrrend nicht fräfenlich auß boßheit / sonder auß schwachheit deß glaubens / vnnd das sies nit besser verstond / vnd lassend sich aber mitthinzuo berichten. Von denen hatt der heilig Apostel Paulus geschriben / Den schwachen im glauben nemmend auff / vnd verwirrend die gewüssen nicht. Die boßhafftigen aber sind / welche die warheit vnd die freyheit der glöubigen wol wüssend / vnd aber sich nichtsdestminder auß verherteter halßstarrige jhres gemüets / der warheit vnd freyheit widersetzend / vnd wöllend man söll jnen vil nachlassen / Nicht das sie mitler zeyt der warheit platz geben wöllind / sonder dz so jnen hiemit anlaß wirt / sie mitCLXXXIX. / 189a
der zeyt die warheit vnd freyheit stürtzen / vnd jre superstition vnd aberglauben auffrichten mögind. Von sölichen menschen redt der Herr / lassend sie sein / sie sind der blinden blindenfüerer. Vnd Paulus zun Gal. am ij. Capitel[3] / Titus wurd nicht beschnitten / ob er wol ein Griech was / vnnd das vmb etlicher näbend yngefüerter falscher brüederen willen / die näbend yn kommen warend / zuo verkuntschafften vnsere freyheit die wir habend inn Christo Jesu / das sie vns gefangen nämind / welchen wir auch dozuomal nicht wichend / vnderthon zuo sein / auff das die warheit deß Euangeliums bey euch bestüende.
Zuo dem so dienet auch hiehär / das etlich wol vnd weyßlich vnderscheidend zwüschend gegebner vnd selbs genomner ergernuß. Gegebne ergernuß ist / so du mit deiner schuld / das ist / mit deiner vnbescheidenheit vnnd leichtfertigkeit handlist oder retst / dadurch dein bruoder billich verergeret wirt. Das ander aber / ist nicht ein gegebne / sonder ein selbs genomne ergernuß / nit auß deiner / sonder auß seiner schuld vnd boßheit / Nammlich / so du weder mit worten noch mit wercken sündist / vnnd nichts fräfenlichs vnd vngebürlichs redest oder handlist / sonder das handlest vnd redest / das zuo reden vnd zuo thuon frey vnnd recht ist / vnd sich aber ein anderer ab diser deiner freyheit verergeret. Gerad als wenn sich einer auff einem ebnen wäg / da jhm nichts in füessen läge / stiesse / vnd meinte man hett jm ein stein in den wäg gelegt.Die vnzimmlichen vnd verbottnen werck aber / dadurch die menschen verergeret werdend / sind die so wider Gott vnnd sein gesatzt / wider alles zimmlichs / erbers [erbars] / billichs / vnd rechts geschehend / vnnd andere zuo gleichen lasteren vnnd wercken reitzend vnd ziehend. Dann dahär zellen ich / abgöttery / todschlag / huory / gyt / überfluß / vnd hoffart. Also richtet Jeroboam guldine kelber auff zum anstoß vnd ergernuß deß gantzen volcks Jsraels. Also gebend vil mit jrem prassen vnd überfluß der kleidungen anderen nicht nun ein anstoß / sonnder sie machends auch mit sampt jnen erger vnd böser / mit dem / das sies mit jrem exempel in gleiche laster ynfüerend.
Das aber die sünd deß anstosses vnd der ergernuß überauß schwär seye / bezeüget gnuogsamm der einig spruch deß Herren im Euangelio / Dann er spricht im Matheo[18.6.] / Wee der wält / der ergernuß halben. Es muoß ja ergernuß kommen / doch wee dem menschen / durch welchen ergernuß kumpt. Wer diser geringsten einen ergeret die an mich glaubend / dem wäre besser das ein mülstein an seinen halß gehenckt wurde / vnd ertrenckt wurde in der tieffe deß meers. Es spricht auch der Apostel Paulus zuo denen / die den brüederen ergernuß gebend / Du verderpst mit deiner ergernuß deinen bruoder / vmb welches willen Christus gestorben ist. Vnd an eim anderen ort / Wenn jhr aber also sündend an den brüederen / vnd jre schwachen gewüßinen beschwärend vnd verwundend / so sündend jr in Christum. Was könte aber schwärers erdacht werden? Darumb lassend vns alle sorg haben / das wir die Christenlich freyheit nicht mißbrauchind / vnd damit den schwachen ergernuß gebind / sonnder das wir allweg thüegind was die liebe erhöuschet. Hie müessend wir aber vor allen dingen vnser gemüet wol waffnen wider die feyend deß Euangelij / die auff die leerer vnd anhenger der Euangelischen leer gantze hauffen anstosses vnd ergernussen trächend [laden] / vnd sagend / Wir habend von euch alle die vnruow / alle zwytracht / alle krieg vnd alles vnglück / das auff den heütigen tag in der wält ist. Da müessend wir ja vnser gemüet stercken vnnd waffnen mit dem spruch deß Herren / Der im Euangelio spricht / Jch bin nicht kommen friden zuo senden / sonder das schwärt / dann ich bin kommen / den menschen zwyträchtig zuo machen wider seinen vatter / vnd die tochter wider jhr muoter / vnd die sunsfraw wider jr schwiger / vnnd deß menschen feyend werdend seineCLXXXIXv. / 189b
eignen haußgenossen sein. Da muoß man auch die fürnempsten exempel der heiligen Propheten vnd Apostlen für die augen setzen / vnd in gedechtnuß haben. Helias der Prophet Gottes ward vom künig Achab beschuldiget / er were ein verwirrer vnd verderber deß reychs. Aber der Prophet legt sölichs hinwiderumb auff jn. Die streitigen Juden wurffend dem Propheten Jeremia für / es wer kein glück noch heil gewesen / sonnder als [alles] vnglück wär hauffechtig [heuffig] auff sie gefallen / von dem tag an / das sie den dienst der frömbden Götten verlassen / vnd man das wort Gottes hette angefangen zuo predigen. Aber er sagt jnen / das sölichs von jrer sünden / vnd sonderlich von jrer vndanckbarkeit vnd widerstrytige [widerspenstigkeit] här kömme. Also schrüwend die vnglöubigen Juden zuo Thessalonick wider Paulum vnd Silam / vnd sprachend / die leüth / die die gantz wält vnrüewig machend / sind auch här kommen. Aber Paulus redt an eim anderen ort wider dise seine lesterer vnd verfolger die Juden / vnd spricht / Wie sie den Herren Jesum getödet habend / vnd seine Propheten / also habend sie auch vns verfolget / vnd gefallend Gott nit / vnd sind allen menschen wider. Die weerend vns zuo sagen den Heiden dz Euangelium / das sie sälig werdind / auff das sie jre sünd erfüllind in alle wäg / vnd zuoletst der zorn Gottes entlich über sie kömme. Dises vnd dergleichen mer bedenckind vnd betrachtind die glöubigen bey jnen selb / vnd verharrind gedultigklich vnd dapferlich in erbreiterung [außbreittung] der leer deß Euangelij / Gott geb wie die wält tobe / vnd vns die ergernussen fürwerffe. So vil seye nun geredt von der ergernuß.
Nun volget / das ich für dz letst stuck diser predig / auch von den guoten wercken (wie ich dann von anfang verheissen hab) rede. Dann wir habend gelernet / dz die Christlich freyheit nit ein muotwillige fräfenheit vnd freyheit deß bösen seye / sonder ein auffnemmung in die zal der kinderen Gottes / welche dann jr gantzes läben zum fleyß der tugenden begäbend. Wir habend auch gelernet / das daß gesatzt Gottes ein regel vnnd leer ist der guoten wercken / darumb müessend wir jetz der ordnung nach auch von guoten wercken reden. Zum ersten aber müessend wir etwas handlen vonn gewüsser bedeütung deß wörtlins Werck / dieweil sein brauch sich weit außstreckt vnd mengerley ist. Dann der menschen arbeit [-] vnd üebungen / mit denen sie jr narung gewünnend / sind vnnd heissend auch werck. Dann es gebeütet der Apostel Paulus / man sölle mit den henden wercken. Vnnd das gesatzt verbeütet am Sabbath zuo wercken. Also wurdend die Jsraeliter inn Egypten vndertruckt mit harten wercken. Es sind auch werckleüth / denen der Herr im Euangelio heißt jhren lon geben. So heißt auch das ein werck / das von eim werckman oder werckmeister gemachet wirt. Als wie Jeremias vom haffner redt / Er machet sein werck auff der scheyben. Es bedeütet auch das wörtli werck / ein ampt. Dann Paulus spricht / Thuo das werck eines Euangelischen predigers. Vnd der heilig geist redet in der gmeind zuo Antiochia vnd sprach / sünderend mir ab Paulum vnd Barnabam zuo dem werck / zuo dem ich sie erwellt hab. Werck deß Herren werdend genennt seine herrlichen thaten / mit denen er den menschen sein macht vnnd sein güete erklärt / Deßhalb werdend himmel vnnd erden Gottes werck genennt / ja auch der mensch selb wirt genennt ein werck der henden Gottes. Es sind auch die guothaten Gottes / werck / dann der Herr spricht im Euangelio / Jch hab euch vil guoter wercken erzeiget. Es sind auch böse werck / werck der boßheit / Dahär die operarij iniquitatis, die übeltheter / vnnd würcker der boßheit jren nammen habend. Denen sind gleich die werck deß fleisches vnnd der finsternuß. Dargegen sind guote werck / das ist / mengerley tugenden / vnnd frücht deß glaubens / als da ist / gerechtigkeit / liebe / mäßigkeyt / gedult / hoffnung usw. Dann es spricht der Herr im Euangelio / Also leüchte ewer liecht vor den menschen / das sie sehind ewere guote werck / vnd preysind eweren vatter in himmlen. EsCXC.
spricht der Apostel / Wir sygind erschaffen zuo guoten wercken / das wir darinnen wandlind. Die selben werdend auch genennt frücht der buoß / vnd werck der liebe. Als wie die warend / die an der Tabitha gerüempt werdend / von deren stat / das sie voller guoter wercken gewesen. Paulus spricht / Lassend vns guots würcken / dieweil wir zeit habend / gegen einem yeden / sonderlich aber gegen den haußgenossen deß glaubens. Ein söllich werck der liebe vnd früntlikeyt / beweiß die Maria vnserem heyland / welcher sprach / Sie hat ein guot werck an mir gewürckt. Nach dem wir nun dises also erleüteret / so wöllend wir yetz die guoten werck beschreiben mit jrer art vnd eygenschafft.
So sind nun guote werck / thaten / die auß glauben von denen die durch den guoten geist Gottes widergeboren sind / nach dem wort Gottes / zur ehren Gottes / vnd zuo ehr zier vnd wolstand deß läbens / vnd zuo nutz vnd guotem deß nechsten / geschehend. Dise kurtze beschreibung / wöllend wir nun von stuck zestuck für vns nemmen / vnd so weit der Herr gnad gibt / erklären. Zum ersten / so zeigend wir keinen anderen brunnen noch vrsprung der guoten wercken an / dann Gott selb / den vrhab [der die fürnemste erste vrsach ist] alles guoten. Dann der Prophet spricht / Alle menschen sind lugner / allein Gott ist waarhafft. Vnd der Herr im Euangelio / Es ist niemand guot / dann allein Gott. Darumb muoß sein / das die guoten werck nicht von dem menschen / der ein lugner ist vnnd verderbt / sonder von Gott selb / der ein brunnen alles guoten ist / entspringind. Der widergebirt aber die menschen durch seinen geist / vnd durch den glauben in den Herren Jesum / das sie also widergeboren / nit mer jr eigne werck / das ist die werck deß fleisches / sonder die werck deß geists / vnnd der gnaden / ja die werck Gottes selbs thuond. Dann die werck deren die widergeboren sind / erwachsend auß dem innwonenden guoten geist Gottes / welcher auß dem menschen die tugenden herfür bringt vnd truckt / gleich wie das läblich safft die böum gnüechtig [krefftig] machet frucht zuo tragen. Wie der Herr söllichs selb bezüget / vnd im Euangelio spricht / Jch bin der weinstock / jr sind die schossz / Gleich wie das schossz nitt kan frucht bringen von jm selber / es bleibe dann am weinstock / also mögend auch jr nit / jr bleibend dann in mir. Wär in mir bleibt / vnd ich in jm / der bringt vil frucht / dann on mich mögend jhr nichts thuon. Also werdend auch äben diser vrsach die guoten werck zuogeben / wenn wir sprächend / sie geschehind durch den glauben. Dann der glaub ist ein gab Gottes / damit wir Christum ergreiffend / durch welche wir gerächt vnd läbendig gemachet werdend / wie die geschrifft redt / Der gerächt wirt auß seinem glauben läben. Vnnd Paulus / Christus wonet durch den glauben in eüwerem hertzen. Jtem an einem anderen ort / Doch läb yetz nicht ich / sonder Christus läbt in mir / Dann was ich läb im fleisch / dz läb ich in dem glauben deß suns Gottes / der mich geliebet vnd sich für mich dar gegeben hat. Ein läbendiger thuot läbendige werck / durch den on zweifel / durch den er läbendig gemacht ist / vnd ein gerechtgmacheter würckt werck der gerächtikeyt / on zweiffel durch den / durch den er gerächtgmachet ist / das ist / der grecht würckt die gerächtikeit durch Christum / die grächtikeit aber begreifft alle tugenden. Also ist vnd bleibt Gott allein der brunn vnd vrsprung der guoten wercken. Wir wöllend aber zeügnussen hierinn besehen / vß denen wir heiter lernind / dz die werck deren die widergeboren sind / Gott dem Herren selb / der durch den geist vnd glauben in jnen würckt / zuogegeben werdind. Moses züget vnd spricht / Es wirt der Herr dein Gott dein hertz beschneiden / vnd dz hertz deines samens / dz du den Herren deinen Gott liebist von gantzem hertzen vnd von gantzer seel / vff dz du läben mögist. Sich / dz es vß diser beschneidung volget vnd flüßt / dz die glöubigen Gott recht liebend / dann Gott ist der also beschneidet. Vnd der prophet Esaias redt noch heiterer / Mach vns friden o herr / dann du thuost in vns all vnsere werck. Vnd im Euangelio Joannis spricht der herr selb / Wer die warheitCXCv.
thuot / der kumpt an das liecht das seine werck offenbar werdind / dann sy sind in Gott gethon. Jtem weyter / wer in mir bleipt / vnnd ich in jmm / der bringt vil frucht / dann on mich mögend jr nüt thuon. Jtem zuon Philipperen spricht der apostel / eüch ist geben zethuon / das jr nitt allein in Christum glaubind / sonder auch von seintwegen leydind. Vnd noch heiterer / Gott ists / der in eüch würckt beide das wellen vnd das thuon / darumb das er ein wolgefallen an eüch hatt. Also auch der heilig Apostel Jacobus / Alle guote gab vnd alle volkomne gab / kumpt von oben herab / von dem vatter der liechteren. Jtem Petrus schreibt alles das zuo guoten wercken gehört allein Gott zuo / vnd spricht / Der Gott aller gnaden / der eüch berüefft hatt zuo seiner ewigen herrligkeit in Christo Jesu / der well eüch volbreiten [vollbereiten] / stercken / krefftigen / gründen. Dann wir sind nitt gschickt / wie auch S. Paulus sagt / von vns selb ützit zuo gedencken / als vß vns selb / sonder all vnsere gschicklikeit ist auß Gott. Darumb bleipt Gott der einig brunn der guoten wercken / welcher durch die glöubigen aufquilt / vnnd rechtgschaffne guote werck herfür bringt.
Doch müessend wir darbey / nütdestminder mercken / dz ob wol die guoten werck eigenlich zuoreden nit vnser / sonder Gottes vnd frücht deß geists vnd deß glaubens sind / denocht auch vnser / das ist / werck der glöubigen sind vnd genempt werdend / einßtheils das Gott die selben durch vns würckt / vnd vnsern dienst die selbigen zuo volbringen braucht / anders theils / das wir durch den glauben kinder Gottes / vnnd deßhalb brüeder vnd mitterben Christi worden sind. Dann auß disem erbrächten fahend alle werck vnd gaben Gottes an / nit als frömbd / sonder als vnser eigen sein. Es gipt vns auch die heilig gschrifft die selbigen zuo / als rechten Ehlichen kinderen. Dann der Herr spricht im Euangelio / Der knecht bleipt nitt imm huß in die ewigkeit / der sun bleipt in die ewigkeit / darumb wie dem sun von erb vnd eigenschafft wegen / alles das wirt das in deß vatters huß ist / ob er dasselbig gleych wol nitt mitt seiner arbeit gewunnen / sonder von den elteren auß freyer gab empfangen hatt / Also werdend auch die werck vnd gaben Gottes / die er in vns vnd durch vns würckt / vnnd die wir von jmm habend / vnser gnempt [genennet] / vnd sind auch vnser / dann wir sind rechte vnd aufgenomne kinder / vnd deßhalb die rechten erben. Darnäbend wäre es aber ein anzeigung eines vndanckbaren gemüetes / wenn ein aufgenommens kind / vningedenck wäre der vätterlichen treuw vnd freygäbe / vnd sich rüemen welte dz es diß ererbt guot alles mitt seim fleiß / mitt seiner arbeit vnnd seinem wachen verdient / überkommen vnd erlanget hette. Darumb spricht der Apostel Paulus recht / was hast / das du nitt empfangen habist? hast du es aber empfangen / was rüempst du dich dann / als ob du es nitt empfangen hettist? Also hielt auch der heilig Marterer Cyprianus wol vnnd recht hieruon / der allweg sprach / wir söllend vns nienerinn rüemen / dieweyl nüt vnser ist. Dahin dann auch dienet / das wir beym Esaia läsend / Rüempt sich auch die axt wider den / der damitt houwt? oder berüempt sich auch ein Sagen / wider den der sy füert? Dann wir sind je werckzeüg Gottes / durch welche Gott würckt / Dann der Apostel spricht / wir sind Gottes mittarbeiter / jr sind Gottes ackerwerck / vnd Gottes gebeüw nach der gnad Gottes / die mir gegeben ist. Darumb hatt der heilig Augustinus diser Apostolischen gschrifft nitt vngmeß gschriben / da er imm buoch de Gratia & libero Arbitrio amm vj. Cap. also schreipt / So vns die gnad gegeben wirt / so hebend an vnsere verdienst guot sein / doch auß gnaden / dann wo sich die selbig entzücht / so falt der mensch / vnd wirt nit auffgericht / sonder gestürtzt durch den freyen willen. Darumb wenn der mensch anfacht guote verdienst zuo haben / so sol er die selbigen nit jmm selb zuogeben sonder Gott / zuo welchem imm Psalmen geret [geredt] wirt / Biß [Sey] du mein hilff / vnd verlaß mich nitt. Das er spricht / verlaß mich nitt / da zeigt er an / das so er verlassen wurde /CXCI. / 191a
das er nützit [nichts] guotes für sich selb vermöge. Da zeigt der heilig Augustinus mitt disen worten heiter gnuog an / das die guoten werck also vnser sygind / das sy mitt hinzuo nit aufhörind auch Gottes sein / ja das sy nütdestminder zuoghörind der gnad Gottes / der sy thuot.
Auß welchem allem / das wir bißhar von der waren vrsach der guoten wercken auß der geschrifft gerett / guot sein wirt zuo verston / wie vnd auff was weiß die geschrifft vnseren wercken die gerechtigkeit zuo gäbe. Dann wir habend an anderen orten heiter gnuog erzeigt / wellend auch hernach so ich kommen wird auff die tractation [lehre] von dem Euangelio etwas weyters daruon anzeigen / das vns der glaub gerechtmache / vnnd nitt vnsere werck / welches dann das houpt vnd grundstuck ist der Euangelischen vnd Apostolischen leer. Dann vnsere werck überal / sind eintweders werck der natur vnd deß fleisches / oder werck deß gsatztes / oder werck deß glaubens vnd der gnad. Die werck aber der natur vnd deß fleisches machend nit grecht / sonder verdammend / dann wz vß fleisch geboren ist / dz ist fleisch / Die anfechtung aber vnd begird deß fleisches ist der tod / vnd ein fyentschafft wider Gott. Wz aber Paulus von den wercken deß gsatztes rede / hab ich nach der lenge in der vorgenden predig erlüteret. Vß den wercken deß gsatztes / spricht er / wirt kein fleisch grechtgmachet. So wir aber denn die werck der gnaden vnd deß glaubens erdurend [besehen] vnd erwegend / so werdend wir finden / dz die selben gschehend oder gschehen sind von den glöubigen vnd grechten. Darumb ist offenbar dz die grechtmachung vor den wercken der grechtikeit gwesen ist / dann der grecht würckt grechtikeit / vnd ist die grechtikeit ein frucht deß grechten / vnd wirt deßhalb der mensch vß gnaden grechtgmachet / nit durch die werck / welche vff die grechtmachung erst volgend. Darzuo so bezüget die gschrifft heiter / dz auch Abraham der vatter aller glöubigen / nit vß den wercken der gnaden oder deß glaubens sey grechtgmacht worden. Der hat gläpt 430. jar vor dem gsatzt / hat gott glaubt / vnd vß warem glauben fürträffenliche werck thon / vß disen seinen wercken aber deß glaubens / ist er keins wegs grechtgmachet worden. Dann Paulus argumentiert heiter [schleußt klar] also / Jst Abraham durch die werck grechtgmachet / so hat er wol ruom / aber nit by Gott. Wz sagt aber die gschrifft? Abraham hat Gott glaubt / vnd dz ist jm zur grechtikeit gerechnet. Dem aber der mit wercken vmbgat / wirt nit der lon vß gnad zuogrechnet / sonder vß schuld. Dem aber / der nit mit wercken vmbgat / glaubt aber in den der die gottlosen grechtmachet / dem wirt sein glaub grechnet zur grechtikeit. Dz wir aber schliessend / wir werdind auch nach dem exempel Abrahe grecht gmachet / dz schliessend wir nit vß vns selbs / sonder vß der apostolischen leer. Dann Paulus spricht / Dz ist aber nit gschriben allein vmb Abrahams willen dz es jm zuogerechnet sey / sonder auch vmb vnsertwillen / welchen es wirt zuogerechnet werden / so wir glaubend in Christum. Von disem handel hab ich aber auch hieruon disputiert [gehandlet] in der ij. predig. Dz wil ich / dz alle glöubigen diß apostolisch vnd Euangelisch stuck wol in jren hertzen bhaltind / namlich / dz wir vß gnaden gottes / nit vß vnseren verdiensten / durch den glauben in Christum / vnd nit durch vnsere werck / grechtgmachet werdind. So wir aber dises stuck treibend vnd leerend / so werdend wir von vilen gezigen / wir sygind Patronen [als wenn wir schützten vnd vertheidigten] aller boßheit / vnd fyend aller tugenden vnd guoten wercken. Aber wir schältend mit diser vnser leer von der grechtmachung deß einigen glaubens / die guoten werck nit / haltend auch nit dz sie überflüßig vnd vergeben sygind / wir sagend nit / das sie nicht guot sygind / wir widerfächtend aber den mißbrauch der guoten wercken / vnd die leer von den guoten wercken / die mit dem Phariseischen saurteig vermischt / verderbt / vnd gefelscht ist. Dann wir leerend guote werck thuon / wir wöllend aber nit / dz man sie verkauffe vnd kauffe / vnd ein grempelmärckt daruß mache. Wir wöllend auch nit / dz jemant daruff sein vertrauwen setze / wir wöllend nit dz sich jemant selbs in den gaben Gottes rüeme / Wir wöllend nit / dz jnen einfaltig zuogeben werde / die krafft grecht zuomachen / oder das ewig läben zuo verdienen.CXCIv. / 191b
Dann also wurde [würde] Christus geringeret vnnd widerfochten / welcher vns allein mitt seinem tod dz reych der himmlen verdient hatt. Damit sünderend wir aber drumb die werck vom glauben nitt / wie vil meinend / wir leerend vil me / dz sy von dem selben nimmer mögind gescheiden werden / sonder gentzlich an einander hangind / doch also / das dem glauben eigentlich die grechtmachung werde zuogegeben / nitt den wercken. Dann die selben stond auff vnser wirdi / der glaub aber laßt sich allein auff die verheissung Gottes / welche vns die gerechtigkeit vnnd das läben allein imm sun Gottes fürstellt. Vnd ist Christus ja gnuogsamm für sich selb vnd auß siner eignen krafft / die glöubigen grecht zuo machen / vnd darff keines zuosatzes vnserer wercken.
Darbey bekennend wir aber / das die gschrifft hin vnd wider sich ansähen laßt als ob sy den wercken das läben vnd die gerechtigkeit zuo gebe. Nun streytet aber die gschrifft nitt wider sich selber / darumb müessend wir erduren [erwegen] / wie vnnd auff was weiß die gerechtigkeit vnd das läben vnseren wercken zuogäben werde. S. Augustinus lößt die frag also auff / das er die guoten werck der gnad Gottes zuogipt. Dann in libro de Gratia & libero arbitrio Cap. viij. schreipt er also. So das ewig läben den guoten wercken zuogäben wirt / wie die geschrifft heiter sagt / Gott wirt einem jeden vergelten nach seinen wercken / wie ist dann das ewig läben gnad / so die gnad nitt den wercken vergolten / sonder auß gnaden vmb sonst gegeben wirt / wie der Apostel selb spricht / Dem der mit wercken vmbgat / wirt der lon nit auß gnaden zuogerechnet / sonder auß schuld. Jtem hernach / die über blibnen sind durch die wal der gnaden sälig worden. Darauf er dann gleich auch setzt / Jsts aber auß gnaden geschehen / so ist es nitt auß den wercken / sonst wurde gnad nitt gnad sein. Jsts aber auß den wercken / so ist die gnad nichts / sonst wäre werck nitt werck. Wie ist dann nun das ewig läben gnad / das auß den wercken genommen wirt? hatt etwan der Apostel das ewig läben nitt gnad genempt [genennet]? freylich hatt ers also genempt / das mag keins wegs verlöugnet werden / vnnd darff [darff darzu] nit spitzigen verstands das mann es merck / sonder allein das mann fleissig aufhöre. Dann da er gesagt / der tod der ist der sünden lon / setzt er von stund an drauf / aber die gab Gottes ist das ewig läben in Christo Jesu vnserem Herren. Darumb bedunckt mich dise frag möge keins wägs sonst aufgelößt werden / dann das wir verstandind / das auch vnsere guoten werck selb / denen das ewig läben zuogeben wirt / zuo der gnad Gottes gehörind / von wegen dz der Herr Jesus gesprochen / On mich mögind jr nüt thuon. Vnd der Apostel als er gesprochen / auß gnaden sind jr sälig worden durch den glauben / da setzt er hinzuo / vnd das nitt auß eüch / Es ist Gottes gab / nitt auß den wercken / das sich niemans rüeme. Diß alles schreipt Augustinus. Vnd wiewol dise antwort Augustini guot / vnd dem der die warheit einfaltig suocht / heiter gnuog ist / so hab ich doch kein zweyfel / dann das damit vilen nit gnuog gschech. Die werdend vnderston auß den worten Augustini zuoschliessen / das auch die werck grechtmachind vnd nit der glaub allein. Dann sie schliessend also / wir werdend grecht gmachet / vnd erlangend das ewig läben auß gnaden / die guoten werck aber gehörend zuor gnad / darumb machend die selbigen grecht. Mitt denen muoß ich mich ein wenig ynlassen / darmit man auß disem wenigen sähe / das es ytele Sophistery [eytel betrug] syge / das sy aber für guote gründ vnnd argument dargebend. Vnnd erstlich so wüssend alle die / so nitt toll / vnd der leer Pauli ützit [etwas] erfaren sind das dise propositiones [-] vnd schlußreden / Namlich / wir werdend auß gnaden gerechtgmachet / Jtem wir werdend auß den wercken gerechtgmachet / nit bey einanderen beston mögend. Dann der spruch Pauli ist heiterer dann die Sonn / da er spricht / Jsts auß gnaden / so ists nitt auß den wercken / sonst wäre gnad nitt gnad. Die zwey stuck aber bekennend wir gern / nammlich das die gnad gerechtmache / vnnd dasCXCII. / 192a
die werck ghörind zuor gnad Gottes / darumb findend wir das die consequentz vnnd volg [was drauß folget] falsch ist. Dann zegleicher weyß möchte mann auch mitt der warheit sagen / Der mensch sicht / vnd die hand gehört zuo dem menschen / wer wolt aber darauß schliessen / das darumb die hand sähe. Dann es verstat ein jeder / das der mensch seine glider / vnnd das deren ein jedes sein ampt vnd sein würckung hat. Darzuo / wer ist / der nit wüsse / dz die gnad Gottes / die sonst an jr selb vnzertrent ist / nach jren würckungen vnderscheiden syge. Dann es ist ein gnad in Gott / die gleich als ein gemeine gnad ist / mitt deren er alle menschen erschaffen hat / mitt deren er rägnet über gerecht vnd vngerecht. Die machet aber nitt gerecht / dann sonst wurdind alle Gottlosen gerechtgmachet werden. Demnach so ist die besonder gnad / mit deren er vns vmb sonst von seines eingebornen suns wegen zuo kinderen an nimpt. Aber nitt alle / sonder allein die glöubigen / denen er die sünd nit zuo rechnet / sonder die gerechtigkeit seines eingebornen suns. Dise machet warlich vnd allein gerecht. Widerumb ist ein gnad / die in vnsere gmüeter außgossen guote werck durch die gerechtgmacheten herfür bringt. Dise machet nit gerecht / sonder sy gebirt auß den gerechtgmacheten frücht der gerechtigkeit. Darumb so gebend wir zuo / dz die guoten werck zur gnad gehörind / aber nach jrer weiß maß vnd ordnung.
Widerumb werffends vns für. Es hangend aber die gnad oder der glaub vnd die werck / Jtem die gerechtmachung vnd heiligung vnzertrennlich an einanderen / Darumb was dem einen zuogehört / das ghört auch dem anderen zuo. Da laugnen ich nun keins wegs / das der glaub vnnd die werck an ein ander hangind / das löugnen ich aber in all weg / das die zwey ding eins sygind / also das man dem anderen möge zuogeben / was dem einen zuogehört. Dann der glaub / wie wol er in vns schwach vnd vnuolkommen ist / so laßt er sich doch auff die volkommenheit Christi / ja sein allein / vnd also veer machet er vns auch gerecht. Vnsere werck aber / habend allweg etwas mangels / (das ich denocht nun hüpschlich daruon rede) an jnen / von wegen der sucht die vns allen anerboren ist. Darauß volget aber nitt / das die gnad Gottes durch vnseren mangel befleckt werde. Das müeßte aber volgen / wenn von wegen deß / das sy an einander hangend dem einen sölt zuogeben werden / was deß anderen wäre. Der Sonnen schein wirt von der hitz nimmer gescheiden / noch ist er die hitz nitt. Vnd es volget auch nit / die Sonn erleüchtet die wält / darumb so erleüchtet die hitz die wält / dann die hitz vnd der schein sind in der Sonnen vnzertrennt. Sonder / die Sonn erleüchtet die wält mit jren schein aber nit mit der hitz / vnd gibt doch die Sonn die hitz vnd die erleüchtung. Also werdend wir auß lauterer gnad vnd barmhertzigkeit Gottes von deß Herren Christi wegen vmb sonst gerechtgmachet / nitt nach den wercken der gnaden / wiewol die selbigen / durch die selbig gnad erwachsend vnd fürgebracht werdend. Also muoß mann alle eer gentzlich allein der gnad Gottes zuogeben / vnd zimpt sich nitt / das wir vns selbs ützit von der selbigen zuo theilind.
Widerumb Sophisticierend dise [brauchen sie diese Sophisterey vnd betrug] vnd sprechend / Ob wir gleich leerend / das den glöubigen das ewig läben von Gott / nitt allein von deß glaubens wegen in Christum / sonder auch von den wercken wegen deß glaubens gegeben werde / so dienet nütdestminder alle eer Gott heim [gehöret ... zu] / besonders die weyl wir bekennend / dz die werck in vns durch die gnad Gottes gschehend. Darauff wir also antwortend / Mann sol Gott die eer also geben / wie ers haben wil / dz mann jmm sy gebe. So es Gottes will vnd meinung wer / dz er vns in sein früntschaft welt annemmen von der wercken wegen / die sin geist vnd gnad in vns würckt / so hette er on vrsach vnd vergebens sein eingebornen sun in die wält gschickt / vnd hett jnn vergeben zuo eim so bitteren tod verordnet. Gott hat aber in allen seinen wercken vnd geschöpften / es sey imm himmel vnd vff erden / vil minder in diser grösten vnd wichtigisten sach / nützit vergebens thon. Darumb ist gewüß / dz es Gottes meinung vnd rathschlag nit gsin ist / dz er vns von vnser tugenden
CXCIIv. / 192b
vnd von der wercken deß glaubens wägen vom teüfel erlösen / vnnd zuo kinderen annemmen welte / sonder von deß einigen opfers vnd der einigen gnuogthüeyung wegen Christi seines eingebornen suns vnsers Herren. Dann es bestat das vrtheil Pauli vest vnd vnbewegt da er spricht / So die gerechtigkeit durch das gesatz kumpt / so ist Christus vergeblich gstorben. Jtem es triumphiert vnüberwintlich der herrlich spruch S. Peters / da er spricht / Es ist in keinem anderen das heil.
Weyter / so hebend sie etliche ort der gschrifft gegen einanderen / vnd schliessend darauß also. Wiewol Paulus an einem ort sagt / Jr sind auß gnaden sälig worden durch den glauben / so spricht er doch auch anderßwo / wir sind durch die hoffnung sälig worden. Die hoffnung aber nimpt zuo durch die gedult / wie jederman wol weißt / vnnd Christus selb imm Euangelio zeüget vnnd spricht / Jn eüwer gedult werdend jr eüwere seelen besitzen. Darumb so machet nitt allein der glaub sälig / sonder auch die hoffnung vnnd die gedult. Darauff antworten ich / das Paulus sich selbs gnuogsam erkläre / so jnn yemand gar lißt / vnnd erwigt auß was meinung er ein jedes rede. Auß gnaden / spricht er / sind jr sälig worden durch den glauben / vnd das / nitt auß eüch / es ist Gottes gab / nitt auß den wercken / damit sich niemans rüeme usw. Hatt er nitt in disen worten heiter erleüteret / was er halte vonn der gnad oder dem glauben / vnnd den wercken? wer kan es heiterer wünschen? keiner ist so toll / der nitt verstande / dz die gantz wolthat deß heils überal gantz vnnd gar / der gnad zuo gebenn werde. Dann er theilt das heil vnd die gerechtigkeit nitt / Er gipt nitt ein theil den wercken / vnnd einen der gnad vnnd dem glauben / auch nitt den fürnempsten theil dem glauben / vnnd den minderen den wercken zuo. Er schlüßt auß allen ruom. Auß gnaden durch den glauben / spricht er / sind jr sälig worden / vnd setzt gleich darzuo / vnd das nitt auß eüch. Vrsach setzt er drauf / Es ist Gottes geschenck. Vnd widerumb / nitt auß den wercken. Deß setzt er auch ein vrsach hinzuo / damitt sich niemants rüeme. Wär nun dises nitt verstat / der verstat nichts. Wär dises bügt vnnd lesteret / der vnderstadt die Sonnen zuo verkleiben / vnd nempt [nennet] das liecht finsternuß. Das er aber an eim anderen ort spricht / wir sygind in der hoffnung sälig worden / da erscheint auß dem gantzen text desselbigen orts / das er ein semmlichs [also] wellen reden / Jch han gsagt das dise kinder vnd erben Gottes / vnnd deßhalb warlich heil vnd sälig sygind / die Christo glaubind / das wil ich aber / das es ein jeder verstande / in der hoffnung vnd wart [wartung] / noch nitt wie es an jmm selb ist / das wir jetz dessen gegenwirtiklich geniessind. Wer wolt aber darumb schliessen / darumb machet die hoffnung gerecht? Wir schliessend vil me also / die gedultigkeit ist nichts / wo nitt der gedultig vorhin durch den glauben grechtgmachet ist. Darumb so hanget alles lob vnd die gantze krafft der gedult amm glauben / vnnd nitt deß glaubens an der gedult / ob er sich schon durch die gedult erzeigt vnnd herfür thuot.
Dann die meinung lutet übel an eim jeden Christen / da mann haben wil / der glaub werde durch vnsere werck vervolkomnet / das ist es werde durch die werck ersetzt das mann dem glauben meint abgon. Dann so wir den glauben nemmend / so verstond wir nitt ein qualitet, vnnd weyß die in vnseren gemüeteren hanget / sonder den Herren Christum selb / mitt seiner gerechtikeit vnd seinen gaben / auff welchen sich vnser glaub als auff ein einige grundveste verlaßt. Die vnuolkommenheit Christi aber wellen erfüllen / was ist das anders / dann den sun Gottes mitt teüflischer gottslesterung schmähen. Der glaub der außerwelten erzeigt sich wol vnnd thuot sich herfür durch die werck / die werck erfüllend aber darumb nitt / das mann meint der volkommenheit Christi abgon / dann es manglet an der erlösung erledigung vnd gerechtmachung Christi nichts. Es spricht wol der
CXCIII.
heilig Apostel Jacobus / da sichst [sihestu] das der glaub durch die werck vollfüert ist / Er hatt aber nützit anders wöllen sagen / dann / da sichst / das der glaub sich durch volgende werck erzeigt vnd erklert hat / das es ein warer vnd rechter / nit ein glißnerischer glaub seye. Dann gleich vor denen worten hat er gsagt / da sichst / dz der glaub mitgewürckt hat an seinen wercken. Widerumb spricht der Apostel Paulus / Jch ersetz oder erfüllen / dz noch überbliben ist der trüebsalen Christi an meinem fleisch / für seinen lyb. Da wirt dz wörtli ta hysterêmata recht vertolmetschet / dz noch überbliben ist / dann / dz noch manglet der trüebsalen Christi . Dann die Griechen nennent ta hysterêmata nit nun wz manglet / sonder auch die reliqas (welches wörtli der heilig Ambrosius braucht) dz ist was überig vnd überbliben ist. Petrus aber spricht / Christus ist für vns gestorben / vnd hat vns ein exempel gelassen / dz wir seinen fuoßstapffen nachfolgetind. Dises überbliben sagt Paulus / habe er mit seinen leyden erfüllt. Nach dem bringend sie auch herfür die wort S. Pauli / da er spricht / wenn ich hette allen glauben / also dz ich berg versatzte / vnd hette die liebe nit / so wäre ich nichts. Darauß schliessend sie / darumb so machet nicht allein der glaub / sonder auch die liebe / vnd die liebe mee dann der glaub grecht. Wir sagend aber dz Paulus an dem ort / weder dem glauben abschlahe [beneme] / dz er allein gerechtmache / noch der liebe der glöubigen die grechtmachung zuogäbe. Dann so wir sagend dz wir durch den glauben grechtgmachet werdind / oder so wir den glauben zur vrsach der grechtikeit machend / so verstond wir nit / (welches offt zuo äferen vnd wol zuo behalten ist) das er als ein tugend / vnd ein qualitet die vns anhanget / die gerechtikeit bey Gott verdiene oder inn vns würcke / sonder so offt wir den glauben nennend / so verstond wir die gnad Gottes / die vns inn Christo gegeben ist / welche vns auß gnaden durch den glauben mitgeteilt / vnnd als ein freye schencke ergriffen vnd empfangen wirt. Also brucht auch S. Paulus das wörtli glauben wenn er disputiert das der glaub grecht mache. Jn dem anzognen ort aber j. Cor. xiij.[Joan.14.21.] braucht er das wörtli glauben nit also / sonder für die krafft wunderzeichen zuo würcken. Welches auß dem erscheint / dz gleich druff volget / also / das ich die berg versetzen könte. Diser glaub ergreifft nicht den gantzen Christum / sonder allein die krafft wunderzeichen zuo würcken / Vnd darumb mag er vnderweilen sein inn eim grechten menschen / oder inn eim gleichßner / wie er dann was inn Juda dem Jscarioth / den der glaub der wunderzeichen nichts nutzt / dieweil er den grechtmachenden glauben nit hatt / welcher von stund an auß jm selb die liebe gebirt.
Weyter da sie vns fürwerffend auß dem Euangelio Joannis / Wer meine gebott hat / vnd haltet sie / der ists der mich liebet / vnd mein vatter wirt jn lieben / vnd wir werdend zuo jm kommen / vnd wonung bey jm machen / vnd drauß schliessend / darumb so wirt Gott mit vns vereinbaret von wegen der haltung seiner gebotten / dz ist / von der wercken wegen. Da setzend wir jnen hinwiderumb engegen / dz auch eben der selbig Euangelist vnd Apostel Joannes spricht / Daran erkennend wir dz er in vns bleibt / vnd wir in jm / an dem geist den er vns geben hat. Diser geist Gottes aber / ist ein gnädige schencke / darumb so begegnet vns die vereinbarung vnd zuo sammenfüegung mit Gott vergebens vß gnaden. So volget auch in Joanne / vnd wir habend gesehen vnd zügend dz der vatter den sun gesennt hat zum heiland diser wält. Da hörst wol / mein ich / wodurch die wält heil werde / vnd welches der heiland der wält seye / nammlich Christus. Wer weißt aber nit / dz vns der vom vatter gesennt ist / vß luterer gnad Gottes? Es volget auch drauff wie dise gnad empfangen werde / nammlich / welcher bekennt / dz Jesus Gottes sun ist / in dem bleibt Gott / vnd er in Gott. Joan. am vi. cap.[13] wirt aber für dz bekennen glauben gesetzt / welches kein wunder ist / dieweil die waar bekanntnuß auß warem glauben entspringt. Darumb so ergreiffend wir dz heil mit dem glauben vnd durch den glauben / kömmend
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wir zuo Gott. Aber wir wöllend die haderer lassen sein / denen söliche sophismata vnd außfluchten nimmer manglen werdend / vnd wöllend wider auff vnser fürnemmen / anzuozeigen wie vnd auff was weyß den wercken das läben vnd die gerechtmachung zuogeben werde.
Damit nun die ort der h. gschrifft / so sich als widerwertig ansehen lassend / mit einanderen verglichen werdind / so leerend die so der gschrifft geüept sind / dz der glaub vnd die werck an jnen selb nit von einanderen gescheiden werdind. Dann äben der geist / der den glauben gibt / der ernüweret auch den verstand vnd den willen / dz der glöubig inbrünstigklich begärt vnd sich fleißt Gott in allem zuo dienen vnd zuo gehorsammen. Darumb vonn der vnzertrennlichen vereinbarung [verknipffung] wegen deß glaubens / vnnd der tugenden / die auß dem glauben kömmend / sagend wir / das denen etwan zuogeben werde / aber nit eigenlich [vneigentlicher weise] / das eigenlicher deß glaubens / aller eigenlichest aber Christi ist / der durch den glauben ergriffen wirt / vnd das fundament deß glaubens ist. Das wöllend wir vnderston etwas heiterer außzuotrucken. Jm waaren glauben sind zwey ding darauff man sehen muoß / Die versüenung vnd die ghorsamme. Die versüenung / da wir mit glauben verstond / vnd vest haltend / das vns Gott vonn Christi wegen versüent seye / durch den wir angenommen sind inn die zal der kinderen Gottes. Die gehorsamme / da die so jetz versüent sind / sich dem mit dem sie versüent sind / gantz vnd gar ergebend / vnd seinen willen zuo thuon begerend. Darumb so sagend wir das zweyerley gerechtikeit seye / Ein gerechtmachende nammlich / vnd ein ghorsammende. Der grechtmachenden gedenckt Paulus da er spricht / So wir durch den glauben sind gerecht worden / so habend wir frid mit Gott durch vnseren herren Jesum Christum / durch welchen wir versüent sind. Der ghorsammenden gedenckt er auch / da er spricht / Wüssend jr nit / welchem jr euch begebend zuo knechten in gehorsamme / das jr deß knecht sind / dem jr gehorsammend / es seye der sünd zum tod / oder der gehorsamme zur gerechtikeit? dz ist / welche gehorsamme machet / dz jr thuond das daß recht ist / vnd das jr knecht seyend der gerechtikeit / welches euch zum läben dienen wirt / vnd nit knecht der sünd / welches zum tod dienet. Da wirt nun der versüenenden gerechtigkeit durch Christum / eigenlich die grechtmachung zuogeben / aber der ghorsammenden grechtikeit nit eigenlich / dann die kumpt auß der anderen / vnd on die selb wirt es kein gerechtikeit genennt. Zuo welchem auch dienet / dz die so gerechtgmachet sind / in dise jhre gehorsamme gantz kein vertrauwen setzend / als die da allweg in diser wält von wegen deß fleisches befleckt vnd vermaßget [besudlet] ist.Diser erleüterung ist auch dise nit vngleich / die ich jetz setzen wil / nammlich / das deß glaubens eigenlichs werck ist reinigung vnd heiligung. Dann S. Peter sagt heiter / dz die hertzen durch den glauben gereiniget werdind. Jn der heiligung aber zeigt vns die heilig gschrifft zwey fürnemme ding an. Dz ein / dz alle glöubigen auß gnaden / durch dz bluot Jesu Christi gereiniget werdind. Dann S. Peter spricht abermals / Jr wüssend / das jr nicht mit zergencklichem silber oder gold erlöset sind / sonder mit dem teüren bluot Christi / als eins vnschuldigen vnnd vnbefleckten lambs. Vnd Sanct Paul / Wir sind geheiliget durch den willen Gottes / durch das auffopfferen deß leybs Jesu Christi / das ein mal geschehen ist / dann mit einem opffer hat er in ewikeit volendet die geheiligeten. Vnd S. Johannes / Das bluot Jesu Christi deß suns Gottes reiniget vns von aller sünd. Darumb so heiliget vns / eigenlich zuo reden / dz bluot Jesu Christi durch den glauben / welcher gesagt hat / Jch heiligen mich für sie / auff dz auch sie heilig seyend durch die warheit. Dz ander ist / dz die so im bluot Christi durch den glauben geheiliget sind / sich auch täglich heiligind / vnd der heilikeit fleyßind. Dz aber die heiligen sölichs thüegind / darzuo vermanend sie die Apostel gar ernstlich. Dann S. Peter spricht / Gleich wie der so euch berüefft hat / heilig ist / also sind auch jr heilig in allem ewerem wandel
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nach dem es geschriben stat / Jr söllend heilig sein / dann auch ich heilig bin. Vnd Sanct Paul / Das ist der will Gottes / eüwere heiligung usw. j.Thes. iiij. Vnd Sanct Johannes / Wir sind jetz kinder Gottes / vnd ist noch nit erschinen das wir sein werdend / wir wüssend aber / wenn er erscheinen wirt / dz wir im gleich sein werdend / dann wir werdend jhn sehen wie er ist. Vnnd ein jeglicher / der söliche hoffnung hatt in jm / der reiniget sich / gleich wie auch er rein ist. Dise reinigung aber / die durch vnseren fleiß vnd ernst geschicht / wirdt ein heiligung genennt / nicht darumb das sie von vns geschicht / sonder das sie geschicht von denen die durch das bluot Christi geheiliget sind / dann wo die selbig heiligung / welches allein die war heiligung ist / nit vorgat / so ist die vnser nichts. So aber die selbig vorgat / so wirt vnns dise vnsere / zur heiligung gerechnet / ob sie gleich durch den wuost der sünden die in vns bleibend befleckt ist / vnd wir kein vertruwen darein setzend. Darumb so offt du in der heiligen gschrifft lisest / das vnseren guoten wercken die gerechtikeit zuogeschriben wirt / so gedenck das es vonn diser vrsachen wegen beschicht / die ich hie erzellt hab / dann es kan je der Apostolisch geist jm selb nicht zuowider sein.
Dises wirt noch heiterer sein / so wir auch das bedenckend / das nammlich die Apostel Christi mit zweierley menschen zuo kempfen gehept habend / vnder welchen die einen zancketend vnd meintend / sie möchtind dem gsatzt auß jren eignen krefften gnuog thuon / vnd möchtind das ewig läben mit jhren verdiensten vnnd guoten wercken verdienen / vnd wäre ja der verdienst Christi für sich selb nicht gnuogsam die sälikeit zuo erlangen / wo die gerechtikeit der menschen nit darzuo käme. Wider dise hat Sanct Paul dapfferlich vnd ernstig gestritten in allen Epistlen / dann die selben lärtend Christum vnnd die gnad Gottes auß. Die anderen aber mißbrauchtend die leer der gnaden vnd deß glaubens / vnnd lagend inn allen lasteren / vermeintend es wäre gnuog zum heil / wenn sie nun [nur] sagtind / sie glaubtind. Jren glauben aber bezeügetend sie mit keinen guoten wercken / wenn sie schon anlaß gnuog hattend. Wider dise streytet S. Peter hefftig vnd mit grossem ernst in der anderen Epistel am j. cap. vnd S. Jacob in seiner Epistel am ij. cap. Da er disputiert / dz Abraham nit allein durch den glauben seye gerechtgmachet worden / sonder auch durch die werck / dz ist / dz er nit durch einen ytelen won seye grechtgmachet worden / sonder durch den glauben / der fruchtbar gewesen an guoten wercken. Dann es brucht der h. Jacob. die wörtli / glauben vnd grechtmachung anderst dann Paulus. Paulus nennt den glauben ein gwüsses vertruwen auff den verdienst Christi. Die grechtmachung nennt er die ledigung von sünden / vnd dz auffnemmen in die zal der kinderen Gottes / vnd ja die zuorechnung der grechtikeit Christi. By dem Jacobo aber heißt der glaub ein yteler won / vnd die grechtmachung heißt nit das zuorechnen der gerechtikeit / sonder die erzeigung der gerechtikeit vnd deß auffnemmens zur kindschafft. Dann es ist vngezweiflet / das die treüwen Apostel Christi / Petrus vnd Jacobus mit disen jren geschrifften / die gnad vnd den verdienst Christi nit wöllen aufflösen / vnnd den verdienst der menschen erheben / sonder das sie vil me wöllen weeren deren vnreinikeit / die sich deß glaubens Christi hefftig ruomptend / vnd darnebend mit grossem anstoß aller frommen in offnen lasteren läbtend on alle buoßfertikeit auffs aller vnflätigist. Darumb so die Apostel Christi guote werck von den glöubigen erforderend / so erforderend sie inn sonders waren glauben / vnd gebend sölichs alles der gnad Gottes zuo. Darumb söllend wir das vest behalten / das die Apostel den guoten wercken / die grechtikeit / das läben / vnd die sälikeit deß menschen / improprie, das ist nit eigenlich / aber dem waren glauben / eigenlich / vnd aller eigenlichest Christo / auff den sich der glaub gründet / zuogebend. Dann wiewol nach der allgemeinen regel der glaub on guote werck nit ist / so macht er doch allein / vnd on die guoten werck /CXCIIIIv. / 194b
gerecht. Dann es ist gewüß / das vns das läben vnd das heil gleich also mitteilt vnd geben wirt / wie vorzyten die gesuntheit vnd das läben den kinderen Jsrael in der wüeste gegeben ward / die durch der brünnenden schlangen gifft verlezt warend. Denen ward aber die gesuntheit durch keine werck / sonder allein durch das ansehen vnd anschauwen deß ehrinen schlangens gegeben. Darumb wirt auch vns das läben allein durch den glauben / welcher das war ansehen vnnd anschauwen Christi ist / gegeben. Gleich wie Moses den schlangen inn der wüeste erhöcht / spricht der Herr / also muoß der sun deß menschen erhöcht werden / auff das ein jeder der in jn glaubt / nit verderb / sonder habe dz ewig läben. Vnd Paulus / Auß gnaden sind jr sälig worden durch den glauben / vnd das nit auß euch / es ist Gottes geschenck / nit auß den wercken / auff dz sich niemands rüemete. Mit diser Euangelischen vnd Apostolischen leer stimmend auch etlicher leereren der kirchen zeügnussen / die ich E.L. vorläsen wil / nit das es an den zeügnussen der heiligen gschrifft nit gnuog seye / sonder das man sehe / dz wir kein nüwe leer hie erdacht. Wie wol das nit neüw sein kan / dz vß der Euangelischen vnd Apostolischen leer genommen wirt / ob gleich alle leerer der kirchen dem selbigen widersprächind. Nun erzeigend vnd erweysend aber auch etliche fürtreffenliche auß den selbigen heiter / schreibend vnd redends nicht nun einfaltig / das allein der glaub gerecht mache.
Origenes imm iij. cap. der Epistel Pauli zun Römeren / ein gar alter leerer / schreibt also. Paulus spricht / die gerechtmachung deß einigen glaubens / seye gnuogsam / also / dz einer der allein glaube / grecht gmachet werde / ob er gleich keine werck erfüllt habe. So wir aber dessen ein exempel forderend / wär one werck / allein durch den glauben sey grechtgmachet worden / da achten ich gnuogsam sein den mörder / der mit Christo creütziget / vom crütz geschrüwen hat / Herr Jesu biß mein indenck / so du kumpst in dein reich. Von dem wirt sonst kein guot werck in den Euangelijs beschriben / sonder von wegen diß einigen glaubens / sprach Jesus zuo jm / warlich sag ich dir / heüt wirst du by mir im Paradyß sein. Darumb so ist diser mörder durch den glauben grechtgmachet worden on die werck deß gsatztes. Dann über dises hat der Herr nit gfraget / wz wercken er vorhin thon habe / hat auch nit gwartet / wz er noch thuon vnd erfüllen wurde nach dem er glaubt / sonder hat jn auff dise einige bekantnuß hin grechtgmachet / vnd zum gferten genommen als er jetz in dz Paradyß yngon wolt. Also hat er auch zum weyb /(deren mäldung geschicht im Euangelio Luce) von keines werck deß gsatztes / sonder allein von deß glaubens wegen gesprochen / dir werdend deine sünd verzigen. Jtem / dein glaub hatt dir geholffen / gang hin im friden. So läsend wir auch / dz der Herr an vil orten im Euangelio dise wort braucht / dz er den glauben deß glöubigen / nennt ein vrsach sein seines heils. Vnd bald hernach spricht er weyter. Der Apostel spricht / Es seye verr / das ich mich rüeme anderst / dann in dem creütz vnsers Herren Jesu Christi / durch welches mir die wält creützget ist / vnd ich der wält. Da sichst du / das der Apostel sich nit rüempt ob seiner gerechtikeit / ob seiner reinikeit / ob seiner weyßheit / oder ob anderen seinen tugenden vnd thaten / sonder dz er heiter anzeiget vnd spricht / wer sich rüempt / der rüeme sich im Herren / vnd also ist der ruom außgeschlossen. Vnd wz daselbst weyter vnd meer auff dise meinung volget. Der h. Ambrosius in der außlegung der Epistel Pauli zun Röm. am iij. vnd iiij. cap. schreibt also / Sie sind grechtgmachet auß gnaden / spricht Paulus / dann sie habend nichts thon / noch vergolten / sonder sind allein durch den glauben auß Gottes gschenck grechtgmachet worden. Nach dem fürsatz der gnaden Gottes / spricht Paulus / seye es also von Gott verordnet / dz so das gsatzt auffhorte / er allein den glauben in die gnad Gottes erforderte zur sälikeit. Vnd dises bewert er mit dem exempel deß Propheten / der die sälikeit deß menschen dem zuogibt / dem Gott die grechtikeitCXCV. / 195a
on die werck zuorechnet / vnd die sälig nennt die Gott also verordnet / das sie on werck / vnd on einige haltung vnd obseruation / allein durch den glauben / bey Gott grechtgemachet werdind.
Der heilig Joannes Chrysostomus / da er schreibt vom glauben / vnd vom gesatzt der natur vnd vom heiligen geist / spricht er mit heiteren worten. Das einer im läben gewesen der die werck der gerechtikeit on glauben gewürckt / kan ich nit bewären / aber ein glöubigen on werck der geläbt / vnnd das reich der himmlen erlanget hatt / kan ich wol zeigen. Keiner hat on glauben das läben erlanget / Der mörder aber hatt allein glaubt / vnnd ist vonn dem barmhertzigen Gott gerechtgmachet worden. Vnnd darffst mir hie nicht zuosagen / er habe nicht zeyt gehept / das er gerecht möchte läben vnd guote werck thuon / dann dauon red ich nicht / sonder das wil ich allein bewären / das jhn allein der glaub für sich selb sälig gemachet habe. Dann so er lenger geläbt hette / vnnd weder deß glaubens noch der wercken geachtet hette / were er deß heils nicht theilhafftig worden. Das wirt aber jetzund gefraget vnnd gehandlet / das der glaub für sich selb allein sälig gemacht habe / die werck aber habend für sich selb keinen nie / der die selben thon / gerechtgemachet. Welches Chrysostomus mit vil worten erzeigt auß dem exempel Cornelij deß hauptmans. Dise zeügnussen sind nun gnuogsam / gemüeteren die nicht zenckisch sind / sonst möcht ich jren wol mee herfür bringen. Jch wil aber eüwer lieb hiemit nicht beschwerlich sein / noch mich zuo vil verworren [zu viel wort] machen in eim handel der so gar heiter ist. Dieweil aber inn diser tractation [handel] der gerechtigkeit der wercken / auch die frag vonn dem verdienst der guoten wercken hanget / so wil ich nun auch etwas reden von dem verdienst / oder vonn der besoldung vnnd belonung der guoten wercken. Vnnd das fürnemmlich darumb / das niemand vonn dem verdienst der guoten wercken / vnrecht vnnd wider Gott haltende / mee böser wercken vnd verdiensten verdiene vnd überkömme / dann guoter. Das wörtli verdienst / ist der geschrifft frömbd vnnd vnbekannt / dann inn der bedeütung / in deren mans gemeinlich braucht / nammlich für ein werck damit wir verdienend / das ist / dem das ewig läben vnnd die gnad Gottes auß billikeit vergolten werde / verduncklet es die gnad Gottes / vnnd macht den menschen stoltz vnd hoffertig. Dann was söllend vnsere werck verdienen / die kein glöubigen für das angesicht Gottes tragen darff? Job schreyt vnd spricht / Ob ich mich gleich gerecht vnd fromm wölte machen / so wurde mich doch mein mund verurtheilen / vnd verkert sein bewären / ob ich mich gleich vnschuldig sein erzeigte. Wenn ich mich schon mit schneewasser wüesche / vnnd meine händ im brunnen seüberte / wurdest du mich ins kat duncken / vnd meine kleider wurdend mich verunreinigen. Es spricht auch Dauid / Herr gang mit deinem diener nit ins gericht / dann vor deinem angesicht wirdt kein läbendiger gerecht. Es spricht auch der Herr Christus im Euangelio / So jr alles thuond das euch gebotten ist / so sagend dennocht / wir sind vnnütze knecht / wir habend thon / das wir söllen thuon. Dann gleich daruor hatt er gesagt / dancket auch der Herr dem selbigen knecht / der thon hatt / was jhm befolhen was? Jtem Paulus spricht / Jch verachten die gnad Gottes nit / dann so die grechtikeit auß dem gsatzt ist / so ist Christus vergebens gestorben. Widerumb wirt beim Luca übel gescholten der Phariseer / das er sich nicht nun auff sein gerechtikeit vertrost / sonnder sich auch seiner verdiensten ruompt. Nabuchodonosor ward auch schwärlich gestrafft / darumb das er gesagt hatt / er hette das Babylonisch reich mit seiner kunst / geschicklikeit / dapferkeit vnnd macht zuo wegen bracht. Wie vil schwärerer straff meinend wir dann die wärt sein / die da vermeinend / ja sich auchCXCVv. / 195b
rüemend / das sie mit jren verdiensten das reych der himmlen verdient habind?
Das red ich aber nit darumb / das ich die belonung vnd vergeltung der guoten wercken außläre / oder das ich sage das den tugenden kein belonung bereitet seye. Dann Gott ist warhafft / der es verheissen hatt / vnnd was er verheissen hatt / das haltet er auch. Er hatt aber denen so die gerechtikeit würckend belonung verheissen / wie er auch nach seiner gerechtikeit vnnd warheit gewüsse straffen getröwet hatt den lasterhafften vnd vnbuoßfertigen. Die verheissungen Gottes aber sind zwifalt / vnnd stellend vnns für belonung vnnd vergeltungen / nammlich deß gegenwertigen vnnd deß zuokünfftigen läbens. Dann der Herr spricht im Euangelio Marci / Warlich sag ich euch / Es ist niemand / so er verlaßt hauß oder bruoder / oder schwöster / oder vatter / oder muoter / oder weyb oder kind / oder äcker / vmb meinen vnnd vmb deß Euangelij willen / der es nicht hundertfeltig empfahen werde jetz inn diser zeyt / mitt verfolgungen / vnnd inn der zuokünfftigen zeyt das ewig läben. Jtem Paulus spricht / Gottsälikeit ist zuo allen dingen nütz / als die verheissungen hatt deß gegenwirtigen vnd deß zuokünfftigen läbens. Das ist je gewüßlich war / vnnd ein teür werdes wort / dann dahin arbeitend wir auch / vnd werdend geschmecht / das wir auff den läbendigen Gott gehoffet habend usw. Da wäre nun eim jeden nutz vnd guot / das er allweg zeügnussen der heiligen geschrifft von der belonung vnd besoldung der guoten wercken zur hand vnd am nägeli [-] hätte / deren ich etliche der heiteristen erzellen wil. Jm Esaia spricht der Herr / sagend dem frommen / das es jm wol gon werde / dann die frucht seiner rathschlegen wirt er niessen. Wee aber dem gottlosen vnd vngerechten / dann jhm wirt nach seinem werck widergolten. Beim Jeremia läsend wir / hör auff weinen vnd schreien / enthalt deine augen von trähen [trähnen] / dann deiner arbeit sol gelonet werden. So spricht auch der Herr im Euangelio / Sälig sind jr / so die menschen alle böse reden außstossend wider euch / liegende / vmb meinentwillen / fröwend euch vnd frolockend / dann eüwer lon ist groß in himmlen. Jtem der Apostel Paulus / Preyß / eer vnd frid allen denen die guots thuond / bede Juden vnd Griechen. Jtem / wir müessend alle offenbar werden vor dem richterstuol Christi / auff das ein jeglicher empfahe an seinem leyb / nach dem er gehandlet hat / es seye guot oder böß. Jtem abermals / Ein jeder wirt seinen lon empfahen / nach seiner arbeit. Da söllend wir aber wüssen / das denen belonung verheissen wirdt / die redlich werckend. Vber die faulen vnd trägen werdend alle plagen kommen deß gegenwirtigen vnd deß zuokünfftigen läbens. Denen gehört der krantz / die recht kempffend. So aber die belonung sich gleich lang verzeücht / vnnd die so kempfend die verheissungen nit bald empfahend / sonder vil mee bekümmeret werdend / so söllend sie gedencken / das die trüebsalen jnen zuo guotem dienind / vnd jhnen von dem himmlischen vatter selb auffgelegt werdind / darumb söllend sie nicht verzweiflen / sonder dapffer sein im kampff / vnnd Gott vmb sein hilff anrüeffen / dann wer beharret biß an das end / der wirt sälig. Da sol jm ein jeder ynbilden die exempel der heiligen vätteren / denen vil verheissungen geschehen / deren frucht sie doch spat / vnd mit grossem kampf zuo letst erst empfangen habend. Es spricht der Apostel Paulus / Jch hab einen guoten kampf gekempft / ich hab den lauff volendet / ich hab glauben gehalten / hinfür ist mir behalten die kron der gerechtikeit / welche mir geben wirt der Herr an jhenem tag / der gerecht richter / nicht mir aber allein / sonder auch allen die sein erscheinung lieb habend. Jtem es sol jhm auch ein jeder wol fürsetzen die warheyt Gottes / der da spricht / himmel vnd erden werdend vergon / aber mein wort wirdt nicht vergon. Die Jsraeliter wurdend wol lange zeyt inn Egypten gefangen gehalten / aber der Herr vergaß seines worts nicht. Dann zuo seiner zeyt da es am gelegnistenCXCVI. / 196a
was erlößt er sie vnd das mitt grosser herrligkeit. Die Amalekiter hattend lang fröud in jren lasteren / wie auch die Chananeer / Als aber die maß jrer boßheit voll ward / wurdend sie von dem gerechten richter gestrafft. Darumb vermanet vns die heilig geschrifft zuo steiffer hoffnung / zuo langmüetiger gedult / vnd beharrlicher dapferkeit vnd standhaffte / Von welchen ich doben gerett hab in der xxiij. predig. Dahin achten ich auch sonderlich dienen die fürtreffenlichen wort S. Pauli da er spricht / Dz ist ein gewüsses wort / sind wir mitt jmm gstorben / so werdend wir mitt jmm läben / duldend wir / so werdend wir mitt herschen / verlöugnend wir / so wirt er vns auch verlöugnen / glauben wir nitt / so bleipt er treüw vnd warhafft / er mag sich selbs nit verlöugnen. Jtem an eim anderen ort / Werffend nitt von eüch eüwere freidigkeit / die ein grosse belonung hatt. Dann gedult ist eüch not / auff das jr (nach dem jr den willen Gottes volbracht habend) die verheissung empfahind / dann noch über ein kleine zeyt / so wirt kommen der da kommen sol / vnd nit verziehen / der gerächt aber wirt deß glaubens läben / vnnd so er weichen wirt / so wirt mein seel kein gefallen an jmm haben / wir aber sind nit deß weichens zur verdamnuß / sonder deß glaubens die seel zuo erretten.
Dise vnd dergleichen zeügnussen aber von der belonung vnd widergeltung der guoten wercken / item das wörtli verdienst / vnnd widergeltung / wie das die heiligen vätter bruchend / sol mann nitt mißbrauchen / wider die predig des verdiensts Christi vnd der lauteren gnad / wir söllend allweg gedencken / das dz rych der himmlen / vnd andere fürtreffenliche gaben Gottes / nit ein belonung der knechten / sonder ein erbschafft der kinderen Gottes sind. Dann ob wol der richter amm letsten gericht vil werck erzellen wirt / von deren wegen er sich ansehen laßt / das er den außerwelten dz leben geben vnd widergelten welle / so wirt er doch vor allen wercken dises sprechen / kömmend jr gebenedeieten meines vatters / vnnd besitzend das Reich das eüch bereitet ist von anfang der wält har. So du aber fragen weltest / warumb der richter amm letsten gericht Gottes nitt als mär [viel mehr] den glauben als die werck mälden werde? so antworten ich / das zuo einem rechten gericht / nitt nun ghört das es gerecht sige / sonder das es auch von dem menschen möge verstanden werden das es grecht syge. Jch geschweigen / das Gott mitt vns auff menschliche weiß handlet. Darumb so richtet er nitt nun recht / sonder er wil auch von allen menschen erkennt werden als ein billicher vnnd gerechter richter. Nun mögend aber wir menschen anderer menschen glauben / der imm hertzen ist / nitt sehen / sonder richtend den auß den worten vnnd wercken. Ehrliche wort vnd werck gebend zeügnuß von eim glöubigen hertzen / vnehrliche zeigend den vnglouben an. Die werck der liebe vnnd der früntligkeit erklärend das wir warlich glaubt / widerwertige werck zeigend widerwertigen glauben an. Darumb spricht die geschrifft / das daß gericht nach den wercken geschehen werde. Auff dise meinung stat auch Matth. xij. Auß deinen worten wirst du gerechtfertiget werden / vnnd auß deinen worten wirst du verdampt werden. Also wirt zum Abraham gerett / nach dem er seinen sun Jsaac auf opferen wolt / Die weyl du dises gethon / vnnd deines einigen Suns nitt verschonet hast / so wil ich dich benedeyen / vnd treffenlich meeren / usw. Nun ist aber offenbar das Gott äben dise verheissung dem Abraham gethon hatt / ee dann Jsaac geboren / ja wie Abraham auß seinem vatterland aufgefüert ward. Darumb wirt jmm semmlichs nitt erst ietz als ein belonung dises wercks vergolten / usw. Deßhalb so wigt Gott vnsere werck nach seiner güete nitt nach seinem strengen rechten / vnnd dieweyl sy kömmend auß dem glauben in Christum / ob sy schon von wegen der ynwonenden sünd in vns vnrein vnd keins lons wärt sind / vergiltet vnd belonet er sy denocht mitt vnzalbaren guothaten. Vnd bezeüget also dz er vnser vnd vnserer wercken rechnung trage / dieweyl er zuo bezeügung seinerCXCVIv. / 196b
grossen liebe gegen vns / nit nun vns / sonder auch die gaben / die er vns selb gäben / also ehret. Darinn dann der güetig Gott thuot / wie alle leiblichen früntlichen vnd güetigen vätter / die schenckend jren kinden gaben / als belonungen jrer wercken vnd reitzend sie mit denselben zuo grösserer tugend / so doch alle jre güeter den kinden von erbrechtens wegen zuogehörend / vnd die lauter gnad vnd güete deß vatters / die waar vnd einig vrsach ist der belonung vnd der widergältung / nit die gehorsamme deß kinds. Vber das sind aber zwey ding hie zuo mercken / Das ein / das wiewol vns Gott auff menschliche weiß mit belonungen reitzt / vnd zuo guoten wercken haltet / das doch der so guote werck thuot / in den selbigen nicht fürnemlich auff die belonung vnd besoldung sehen sol / damit wir nit mer auff vnseren nutz vnd ruom / dann auff die liebe vnd ehr Gottes sehind. Gott wil vmbsonst verehret vnd geliebet werden / dann wie er ein frölichen gäber erforderet / also gfalt jm auch kindtliche liebe vnd ein freywilliger geist. Das ander ist / das vnsere werck (welche andere verdienst nemmend) nichts anders sind / dann lautere gaben vnnd geschenck Gottes. Da wär aber einer überauß vndanckbar / wenn jnn ein anderer auß lauterer freygäbe / ein acker vnd guot ließ nutzen / vnd er wölte jm selb die eigenschafft desselben ackers darzuo überal zuomassen. Aber damitt ich dise Disputation nicht zuo lang mache / so wil ich eüwer lieb vorläsen ein schöne Collation [vergleichung der örter] der gschrifft vom heiligen Augustino beschehen / auß deren jr heiter verstandind / die belonung der guoten wercken oder der verdiensten der glöubigen / nichts anders dann lautere gnad Gottes sein.
Der spricht im buoch de Gratia & libero arbitrio also / Joannes der vorlöuffer vnsers Herren spricht / Der mensch kan nichts nemmen / es werde jm dann gegeben von himmel / so dann deine guoten verdienst Gottes gab sind / so bekrönt Gott deine verdienst / nit als deine verdienst / sonder als seine gaben. Darumb so wöllend wir die verdienst deß Apostels Pauli erwegen / das ist / die selben auß seinen selbs eignen worten gegen einander halten / ob es nitt gaben Gottes gewesen sygind. Der spricht nun also / Jch hab ein guoten kampff gekempfft / ich hab den lauff volendet / ich hab glauben gehalten. Nun wärind aber dise guote werck nichts / wenn nit den selbigen guote gedancken vorgangen wärind. Merck aber was er von den gedancken sage / Nitt das wir geschickt sygind / spricht er / ützit von vns selbs zuo gedencken / als auß vns selbs / sonder all vnsere geschicklikeit ist auß Gott. Demnach wöllend wir aber die stückle alle einander nach besehen. Jch hab ein guoten kampff gekempfft / spricht er. Da frag ich nun / auß was krafft er kempfft habe? Auß der / die er von jm selb gehept / oder auß deren / die jm von oben herab geben worden? Da sey veer dz ein sölcher leerer der Heyden das gsatzt Gottes nit habe gewüßt / dessen stimm im fünfften buoch Mosis also lautet / Du solt nitt sagen in deinem hertzen / Meine krefft / vnd meiner händ stercke habend mir diß vermögen außgericht / sonder das du gedenckist an den Herren deinen Gott / dann er ists / der dir krefft gibt vermögen zethuon. Was nützt aber ein guoter kampff / es volge dann der sig darauff? Wer gibt aber den sig anderst / dann der / von dem er selb sagt / Gott sey gedancket / der vns den sig gibt durch vnseren Herren Jesum Christum. Vnd an einem anderen ort / da er anzogen die zeügknuß vß dem Psalmen / Vmb deinent willen werdend wir getödet den gantzen tag / wir sind gerechnet für schlachtschaaf / Da setzt er drauff vnd spricht / Aber in dem allem überwindend wir durch den / der vns geliebet hat. Darumb so überwindend wir nit durch vns selb / sonder durch den / der vns gliebet hat.Demnach spricht er weiter / Jch hab den lauff vollendet. Wär spricht aber söllichs? der so an einem anderen ort sagt / Es ist nicht deß wöllenden / oder deß lauffenden / sonder deß erbarmenden Gottes. Welcher spruch sich keinswegs laßt vmbkeren / dz man sagen möge / Es ist nit deß erbarmenden Gottes / sonder
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deß wellenden vnd lauffenden menschens. Dann welcher söllichs reden dörfte / der zeigte heiter an / das er dem Apostel widerspreche. Zum letsten spricht er / ich hab glauben ghalten. Diß rett [redet] aber auch der / der an eim anderen ort spricht / Jch hab barmhertzigkeit erlanget / glöubig zuo sein. Er spricht aber nitt / Jch hab barmhertzigkeit erlanget darumb das ich glöubig was / sonder / das ichs wäre / damit er anzeigt / das mann auch den glauben nitt haben möge / dann auß Gottes barmhertzigkeit / vnd das er ein gab Gottes sige / welches er auch heiter leert da er spricht / Jr sind auß gnaden sälig worden durch den glauben / vnd das nit auß eüch / sonder es ist Gottes gschenck. Dann sy hettend mögen sagen / wir habend die gnad empfangen / darumb das wir glaubt habend / als ob sy jnen selb den glauben / Gott aber die gnad weltend zuogeben / Darumb do der Apostel gesprochen hat / durch den glauben / setzt er drauf vnd spricht / vnd das nit auß eüch / sonder es ist Gottes geschenck. Widerumb / damit sy nitt möchtind sagen / sy hettind söliche schencke mitt jren wercken verdient / so setzt er abermals gleich drauf / Nitt auß den wercken / damit sich niemand erhebe. Nit dz er die guoten werck damit abschlahe vnd außläre / dieweyl er doch sagt / dz Gott einem jeden gäbe nach seinen wercken / sonder dieweyl die werck auß dem glauben sind / nitt der glaub auß den wercken / Vnd deßhalb auch vnsere werck der gerechtigkeit von dem sind / von dem auch der glaub ist / von welchem gesprochen ist / der gerecht wirt auß dem glauben läben. Dz hab ich bißhar also von wort zwort auß dem heiligen Augustino genommen / Welches alles dz / daß von dem verdienst der guoten wercken mag gerett [geredt] werden / genuogsam vnd eigentlich begreifft / vnd mitt heiliger geschrifft so wol bewärt fürstelt / das ich nüt weyters darzuo thuon wil / vnd vermeinen es syge nun heiter gnuog / wie vnd was die alten geschriben vnnd gehalten habind von dem verdienst der menschen. Dann was könte kürtzers vnd warhaffters / ja auch volkommenlichers grett [geredt] werden / dann das den guoten wercken belonung bereitet syge / doch sey die selbig nüt anders dann gnad. Das auch die verdienst der heiligen Gottes gnad sygind / Welcher verdienst / so er sy bekröne / so bekröne er seine eignen gaben. Jn disem allen bleipt allweg vest vnd vnbewegt der Apostolisch vnd Christenlich artickel / das wir allein auß gnaden Gottes durch den glauben / vnd nitt durch vnsere werck oder verdienst gerechtgemachet vnd sälig werdind.
Nun wellend wir aber widerumb auff vnser fürnemmen der guoten wercken halb / zuo erlüteren die beschreibung vnd verzeichnung der selbigen / die ich doben anfangs dises tractats von den guoten wercken gesetzt hab. Wo nun vnsere werck nitt auß Gott durch den glauben geboren werdend / so könnend sy nitt guot genempt werden. So sy aber von Gott durch den glauben erboren [geboren] werdend / so werdend sy auch nach der regel deß worts Gottes gestaltet. Darumb hab ich außtrucklich in der beschreibung der selben gesetzt / dz sy geschehind von denen die auß dem guoten geist Gottes widergeboren werdind / durch den glauben / vnd nach dem wort Gottes. Dann die werck gefallend Gott nit / die wir vns selbs erdenckend auß eigner fürwitz vnd vß vnserem guotduncken. Dann glauben vnd gehorsamme gefalt Gott an vns / welches wir besonders heiter sehend amm exempel vnsers vatters Ade. Die selbs erwelten werck vnd vnsre guoten meinungen / die in vns vnd auß vns erboren werdend / mißfallend jmm / die schiltet er. Welches wir mitt disen zeügnußen der h. gschrifft bewärend. Deut. amm xij. Cap. läsend wir also / Es sol nitt ein ieder thuon / was jnn recht dunckt in seinen ougen. Alles was ich eüch gebeüt / das söllend jr halten / das jr darnach thüegind / Jr söllend nichts darzuo noch daruon thuon. Dises stucks aber wirt vns ein fürtreffenlich exempel fürgestelt in der histori Samuels / Dann da empfacht der Künig Saul ein gebott / vnd wirt geheissen dz er alle Amalekiter außrüte / mitt allem dz sy habind. Da behielt er aber auß guoter meinung / vnd vß selbs erwelter religion die besten vnd feißten ochsen zum opfer. Aber er hort vom Propheten / meinstu dz der HerrCXCVIIv.
mer lust habe amm opfer / dann an der gehorsamme? Sihe gehorsamme ist besser dann opfer / vnnd aufmercken besser dann die feißte von den Wideren. Dann vngehorsamme abtrünnige vnnd widerspenstige / ist ein zauberey sünd / vnd das gemüet verherten vnd nit wellen volgen / ein laster vnnd ytelkeit der abgöterij.
Jn disen wenigen worten hast du ein hüpschen ruom der selbs erwelten religion / vnd vnserer selbs erdachten guoten wercken / die auß vnser guoten wolmeinung entspringend. Welche die gebott Gottes lassend ston / vnd jrem guot bedencken nachvolgend / die werdend zauberer / abtrünnlig / vnnd abgötterisch von der warheit Gottes genempt. Sy dunckend sich selb wol / sy sygind feine diener Gottes / vnd yferige nachuolger der ordnungen der heiligen vätteren / Bischoffen / küngen vnd fürsten / aber Gott der nitt liegen kan / spricht heiter / dz jre werck kein vnderscheid habind mitt der zauberey / abtrünnige vnd abgötterey / da doch nüt grülichers möchte erdacht werden. Darumb verdampt verwirfft vnd vernütet [vernichtet] auch der Herr imm Euangelio in einer summ mitt einanderen / alle dise selbs erwelte werck / die auß vnserem guot beduncken entspringend / da er spricht / Sy ehrend mich vergeben / mitt dem das sy leerend semliche [solche] leeren / die nüt dann gebott der menschen sind. Ein iede pflantzung / die mein himmlischer vatter nit gepflantzet hatt / wirt außgrütet werd. Lassend sy faren / sy sind blinde / vnnd füerer der blinden. Dahar ist es auch das S. Paulus so fräfenlich [frewdig] rett / das die menschen gebott / die warheit abwendind / vnd lugenhafft sygind. Jtem an eim anderen ort spricht er auch / Was nitt auß glauben ist / das ist sünd. Vnd abermals / Der glaub ist vß dem ghört / aber dz gehört durch dz wort Gottes. Auß welchem mann schliessen mag / das die werck / die nitt nach dem außtruckten wort Gottes formiert / Oder joch durch gewüsse volg darauß gezogen sind / so gar nit guot sygind / dz sy auch sünd genempt werdend. Lieber thuo du eim etwas (Gott gäb wie guot es syge) wider seinen willen / vnd luog was danck du by jmm werdist ynlegen? Darumb so erforderend die guoten werck vor allen dingen ein heiteren vnd außtruckten willen Gottes. Zun Colosseren verdampt Paulus offentlich die ethelothrêskeian, das ist / die selbs erwelt / vnd auß eignem willen erdachte religion. Vnd was darff es sein doch / das wir vns andere formen guoter wercken erdenckind / so wir doch die werck noch nitt thon habend / die Gott selb von rechts wegen von vns erforderet / vnd vns mitt heiteren worten fürschreipt? Auß dem erscheint / nun dz wir die guoten werck nitt einfaltig verdammend / sonder die / die wir vns selb deß wort Gottes vngeacht auß vnserem eignen guotduncken erdenckend / deren dann die münch vnd pfaffen vil habend. Welche werck aber gar vnnd in allweg mitt dem wort Gottes streytend / die habend bey vns auch gar kein platz noch Ehr.
Vnd damit wir die art der guoten wercken dest [noch] eigentlicher ersehind / so müessend wir mercken auff dise wort deß heiligen Apostels / da er spricht / Wir sind erschaffen in Christo Jesu zuo guoten wercken / welche Gott zuobereitet hatt / das wir darinnen wandletind. Da setzt er zwey gemerck der waren guoten wercken. Das ein / wir sind erschaffen / spricht er / in Christo Jesu / zuo guoten wercken. Darumb volget / das daß guot werck von dem beschehe / der Christo mit warem glauben ingepflantzet ist / dann wo das schoß nitt bleipt amm räbstock / mag es kein frucht tragen. Darumb Gott geb wie scheinbar die werck der vnglöubigen vnder dem tittel der gerechtikeit sygind / so sind sie doch warlich nitt guote werck. Das ander / Welche Gott zuo bereitet hatt / spricht er / das wir darinnen wandletind. Darumb so sind nitt alle werck darzuo zuo zellen / die die menschen thuon mögend / sonder die / die Gott von alter har vorbereitet hatt / das wir darinnen wandletind. Welches aber die sygind / dz hatt Gott in seim gesatzt / welches sein ewiger will ist außtruckt. Dahar ists / das der Herr im Euangelio / als er gefraget ward vomCXCVIII. / 198a
ewigen läben / vnd von den waren tugenden / auff das gesatzt weißt / vnd spricht. Was ist im gesatz geschriben? Jtem / so du wilt zum läben yngon / so halt die gebott. Darumb so sind die zehen gebott ein gewüsse vnnd volkomne regel vnnd form [richtschnur] der guoten wercken / welches ich eüweren augen mit einer kurtzen erzellung / als an einer tafelen anzuoschowen fürstellen wil / damit mans dest bas verstande.
Zum ersten gebott gehört die forcht Gottes / das vertrauwen / die liebe vnd die gewüß hoffnung in widerwertigkeit / gedult / vnd dapfere bestendikeit. Zum anderen ghört der war vnd rechtgschaffen Gottsdienst / vnd die verlöugnung alles aberglaubens vnd verkerten Gottsdiensts. Zum dritten / die vereerung vnd hoch haltung Gottes / die freye bekantnuß / das heilig vnd beharrlich anrüeffen deß nammens Gottes / vnd auch die heiligung desselben. Zum vierten / gehört die zimmlich erhaltung der kirchenbrüchen / die verkündung deß worts Gottes / das gemein gebätt / vnd was zum außeren Gottsdienst gehört. Zum fünften / die treüw gegen den elteren / dem vatterland / vnnd fründen / item billiche gehorsamme / die wir der oberkeit vnd allen fürgsetzten schuldig sind / Jtem alles was zuo eim burgerlichen läben gehört. Zum sechßten / ist zuo zellen / gericht vnd gerechtigkeit / schutz schirm vnnd rettung der witwen / weisen / bekümmerten / vndergetruckten / Jtem allerlei wolthat / vnd vnschuld. Zum sibenden gehört Eheliche treüw vnd pflicht / vnd was zuo der Ee ghört / Gottsälige vnd freye auferziehung der kinden / item der fleiß aller reinikeit mässikeit / vnd nüchterkeit. Zum achtenden magst zellen alle gerechtikeit in contracten [in allerley gewerbe] / treüw [auffrichtigkeit] / freygäbige / vnd gast freye. Zum neündten / Fleyß der warheit in allem läben / treüw / vnd glauben in worten vnd wercken / auch sittige / Ersamme vnd nutzbare reden. Zum zehenden guote anfechtungen [neigungen] vnd heilige begirden / Jtem heilikeit vnd Ersammkeit aller gedancken. Das ist also die kurtz form der guoten wercken / vnd so du etwas noch kürtzers haben wilt / so hör wie der Herr sölichs alles in zwey stuck zemmenfasset vnd spricht / Lieb den Herren deinen Gott / von gantzem deinem hertzen / von gantzer deiner seel / von allem deinem gemüet / vnd deinen nechsten als dich selbs. Vnd alles das / so jr wellend dz eüch die menschen thüegind / also thuond auch jr jnen.Jn dise gebott deß Herren richtind nun alle glöubigen jre augen vnd gemüeter / so sy guote werck thuon wellend / vnnd dz so vil dest eigenlicher / vnd dester mitt mer ernsts / so vil gewüsser vnd eigentlicher sy sehend vnd verstond / dz Gott imm gesatzt vnd in den Propheten nüt anders / noch kein andere werck von seinen vßerwelten dieneren erforderet. Nun wöllend wir aber hören ettliche heitere zeügnußen der h. Propheten von denen guoten wercken / die mitt dem gesatz stimmend vnd über ein kommend. Moses in seinem Deut. spricht. Vnd nun Jsrael / was vorderet der Herr dein Gott von dir / dann dz du den Herren deinen Gott förchtist / vnd dz du in allen seinen wägen wandlist / vnd jnn liebist / vnd dienist dem Herren dinem Gott von gantzem hertzen / vnnd von gantzer seel / vnd das du die gebott deß Herren haltist / vnd seine sitten / die ich dir hüt gebüt. Jtem der künig vnd Prophet Dauid imm xv. Psalmmen[1.2.] / fraget / Herr wer wirt wonen in deiner hütten? Vnd antwortet gleich drauf / Der der vnschuldig vnd frommklich läpt / der recht thuot. Vnd anders das dann in den zehen gebotten vergriffen wirt. So füert auch Esaias am xxxiij. Cap.[14] die selbig frag / vnnd lößt sie nicht anderst auf / dann wie auch Dauid. Jeremias amm zwey vnnd zwentzigsten Cap.[3] füert yn / vnnd treibt / dise stuck. Also spricht der Herr / haltend gericht vnd gerechtikeit / errettend den beraubten von dem gewalt deß fräflers / den frömdling / das weißlin vnd die witwen söllend jr nitt beleidigen / noch berauben / vnd vnschuldig bluot söllend jr an disem ort nit vergiessen. Es erzelt auch Ezechiel imm xviij. Cap.[16] ein langs register / aber keiner anderen guoten wercken / dan diser. Bey dem Osea spricht der Herr / Wolthat / treüw oder barmhertzigkeit begär ich / nitt dz opffer / vnd Gott
CXCVIIIv. / 198b
erkennen / mer dann brandopffer. Jtem Micheas fraget eigentlich / was ein diener Gottes thuon sölle das er Gott gefalle / vnd gottgefellige werck thüege? Vnd antwortet gleich drauff auß eingebung Gottes / Jch wil dir anzeigen / 0 mensch / was guot sey / vnd was der Herr von dir fordere / namlich das recht vnd das billich thuon / lieb haben früntliche vnd guothat / vnnd demüetig wandlen vor deinem Gott. Also antwortet auch Zacharias denen die von tugenden / vnd guoten gottgefelligen wercken fragetend / vnnd spricht / Der Herr der herrscharen redt also / Richtend mit trüwen vnnd waarheyt / handle ein yeder mitt seinem nechsten mit früntliche vnd erbärmbd / lassend die witwen / weisen / frömbdling vnd armen vnbegwaltiget / gedencke keiner in seinem hertzen gegen seinem nechsten deß argen / falsch schweeren söllend jhr nicht lieben / dann eben das sind die ding die ich hassen / spricht der Herr. Mit diser Prophetischen leer stimpt auch die Euangelisch vnnd Apostolisch / die allenthalben leert / liebe / gerächtikeyt / vnd vnschuld / welches der zweck vnd die summ ist aller guoten wercken. Der heilig Apostel S. Jacob spricht / Ein reiner vnnd vnbefleckter gottsdienst vor Gott dem vatter / ist der / die witwen vnd weisen in jrem trüebsal besuochen / vnd sich von der wält vnbefleckt behalten.
Nun ist noch überig / das ich das auch / das ich zum end der beschreibung der guoten wercken angehenckt hab / mit vergleichung der geschrifft bestätige vnnd erleütere / Namlich das ich gesprochen / das die recht waaren guoten werck beschehind von denen so widergeboren sind / zuo ehren Gottes / zuo ehr zier vnd wolstand deß läbens / vnd zuo nutz vnd guotem deß nechsten. Dann der Herr schreibt dises end den guoten wercken im Euangelio für / vnd spricht / Also leüchte eüwer liecht vor den menschen / das sie sehind eüwere guote werck / vnd preisind eüweren vatter der in himmlen ist. Vnd der Apostel Paulus / als er vns an vil orten vermanet zuo guoten wercken / setzt er offt dises alls das aller sterckest stuck vns zuo bewegen / hinzuo / das wir mitt disen vnseren wercken die leer Gottes vnsers erlösers zierind. Dann wie ein hüpsch vnd ehrlich kleid ein menschen ziert / also zierend auch waare guote werck das läben der menschen. Dahar vermanend die heiligen Apostel Christi so offt / das man den alten menschen außziehe / vnd ein neüwen anlege / der nach Gott erschaffen sey / dann dahar entstat vns ehr vnd ruom. Wir sind vnnd werdend auch genennt diener Gottes / ja kinder vnsers Gottes / dessen art vnd tugend widerglastet [widerglantzet] in vns / zuo lob vnd ehr seines nammens / Vnd wie er guote werck von vns erforderet / also gefallend sie jhm / so wir sie thuond / vnnd werdend wir hinwider auch von jhm geehret. Welches mit vil zeügknussen der heiligen geschrifft möchte bewärt werden. Aber darumb ist kein span / Dann ye so meeret er ye mer vnd mer seine gaben in vns / so wir guote werck thuond. Dann er spricht im Euangelio / Einem yeden der da hat / wirt gegeben / auff das er mer habe / welcher aber nichts hat / von dem wirt auch genommen werden das daß er hat / vnd gegeben werden dem der do hat. Dahar dienet auch / das Gott denen die recht thuond / genädig ist / vnd sie mit vilen auch zeitlichen gaaben begabet / vnnd entlich auch mitt dem ewigen läben. Dann der Apostel Paulus spricht heiter vnd außtrucklich / Der Herr wirt geben einem jeden nach seinen wercken / denen namlich die mit gedult in guoten wercken trachtend nach dem ewigen läben / preiß vnnd ehr / vnnd das vnzergencklich wäsen. Jtem / preiß vnd ehr vnd frid allen denen / die da guots thuond. Wiewol die glöubigen jnen selb in allen jren guoten wercken (wie auch doben gemäldet) dise widergeltung vnnd jhren eignen nutz / nit als den fürnempsten zweck fürsetzend / sonder die ehr vnd den willen Gottes / vnd deß nechsten nutz vnd wolfart. Dann Paulus spricht / Thuond es alles zur ehren Gottes. Jtem / Niemand suoche seinen eignen nutz / sonder den nutz deß anderen / wie auch ich yederman in allerley michCXCIX. / 199a
gefellig machen / vnd nicht suochen was mir / sonder was vilen nutzlich ist / auff das sie sälig werdind, Darumb richtend die glöubigen all jren fleyß dahin / das sie Gott gefallind / das sie Gott preysind / das sie vilen nutz seyend. Dann in dem truckend sie auß die natur Gottes / dessen kinder sie sind. Dann der selb geüßt seine wolthaten auß über alle seine geschöpfften. Darumb sind auch seine kinder wolthätig.
Das hab ich auff diß mal also wöllen reden vonn der art natur vnnd eigenschafft / auch von der vrsach / vom end / vnd von der würckung vnnd frucht der guoten wercken / das ist in summa von allem dem das zuo waren guoten wercken gehört. Auß welchem ich hoff man wol vnnd heiter möge verston / wie den guoten wercken der glöubigen inn der geschrifft / der namm der gerechtikeit vnnd die grechtmachung / vnd Gott / das er die selbigen belone / zuogeben werde / das nichts destminder dises gruntlich hauptstuck vnnser religion vest vnnd steyff bestande / nammlich / das wir auß gnaden Gottes durch den glauben / vnd nicht durch die werck gerechtgmachet werdind. Darumb so ist nun nichts überigs / dann das wir Gott anrüeffind vnd bittind vmb waren glauben inn den Herren Jesum / vnd das wir dise disputation von den guoten wercken / in das werck bringind / das ist / das wir den glauben / den wir vns mit worten bekennend haben in vnseren Herren Jesum Christum / mit waren guoten wercken außtruckind / vnd erzeigind. Amen.
30.Pr.Die Dreissigste Predig.
Von der sünd / und jren gestalten / nammlich von der erbsünd / von der tätlichen sünd / vnnd von der sünd inn heiligen geist / auch vonn der gewüssen vnd gerechten straff der sünden.
Nvn ist überig das letst das am gsatzt hanget / wie ich doben geredt / nammlich die sünd. Damit ich nun vonn deren recht / warhafft / gruntlich vnd mit vil frucht eüwer aller reden möge / so lassend vns Gott ernstlich anrüeffen vnd bitten.
Sünd nennend der mertheil für fäler / da wir nammlich fälend / nit allein an dem das war / billich / recht vnnd guot ist / sonnder da wir auch dem böseren volgend. Die Latiner deriuierend vnd ziehend das wörtli peccatum, das sie bruchend / à pellicatu, welches das laster ist / so die Ehman durch den geist der huory verderpt sind / vnd die huoren lieber habend dann jre Ehwyber. Welches sich dann zuo disem vnserem handel gantz wol schickt. Dann wir die glöubigen / sind vnserm Gott mit glauben verpflichtet als einem breütigam / da wir nun warlich sündend vnd huorend / so wir jhm andere Götter fürsetzend oder nebend jm auch anderen dienend / Jtem so wir die waren güeter lassend ston vnnd allein denen die nun ein schatten sind / auch ytelen hoffnungen / vnnd den verderplichen wollüsten der wält / nachhengend. Zwüschend den wörtlinen aber peccatum vnd delictum, das ist sünd vnd fäler / machend sie den vnderscheid. Ein delictum oder fäler nennend sie / so das nicht geschicht das geschehen solt. Sünd aber / vnd peccatum / so das geschicht / das nicht geschehen solt. Sanct Hieronymus hat das wörtli delictum genommen / wie man sicht / für den ersten fal zuo sünden. Sanct Augustin spricht / peccatum, das ist sünd / geschicht wüssend / delictum aber / dz ist / fäler / vnwüssend. Jch find aber das dise wörtli / an etlichen orthen vnuerschidenlich [ohn vnderscheid] eins fürs ander genommen werdend / doch das an etlichen orten das wörtli error vnd delictum / das ist jrrthumb vnd fäler / als ein milter wortCXCIXv. / 199b
sünd aber als ein schwärers / laster aber / mißthat abtrünnige vnd gottlose / als dz aller schwärst genommen wirt. Dann es spricht auch S. Augustin / Es volget nit / das dieweil ein jedes laster sünd ist / das drumb ein jede sünd ein laster seye. Darumb sagend wir auch dz der glöubigen menschen läben / diewil sie hie in diesem tod läbend / on laster möge erfunden werden / so wir aber sagend wir habend kein sünd / wie der h. Apostel spricht / so betriegend wir vns selb / vnd die warheit ist nit in vns. By den Hebreeren wirt die sünd mit vilen nammen vnd wörtlinen außtruckt / die da bedeütend vnd heissend / boßheit / verkerte / fäler / jrthumb / mangel / schwacheit / laster / vnwüssenheit / præuarication, oder überträttung. Dann præuaricari heißt vom rechten wichen / vnd von dem dz eim empfolhen ist / nit richtig ynher wandlen / sonder überträtten die regel von Gott fürgschriben. Dise regel aber ist dz gsatzt / welches von den Hebreeren darumb Thora / dz ist / ein anleitung oder richtscheit genennt wirt / dann es leitet vnd richtet den menschen in denen wägen / die Gott gefallend. Darumb wirt auch die sünd in Griechisch genennt anomía vnd paranomía. Widerumb heißt sünd by den Hebreeren ein abwendung / nammlich vom guoten zum bösen. Jtem ein abfal / als so du dich entzeüchst von der vnderthenikeit dessen / dem du dienst vnnd pflicht schuldig bist. Jtem ein schuld oder übel / damit wir vns selb der straff vnderwürffig machend.
S. Augustin hat vil darinn gearbeitet / das er die sünd eigenlich deffinierte vnd beschribe / De consensu Euangelistarum lib. 2. spricht er / Sünd / ist übertrettung deß gsatztes. Ad Simplicianum lib. 1. Sünd ist ein vnordnung vnd verkerte deß menschen / das ist ein verkerung von dem besseren schöpffer / zuo dem minderen dz erschaffen ist. De fide contra Manicheos cap. 6. Was ist sünden anders spricht er / Dann in den gebotten der warheit / oder in der warheit selb / jrren? vnd contra Faustum Manicheum lib. 22. cap. 27. Sünd ist / so man etwas thuot / redt / oder begärt wider dz gsatzt Gottes. Jtem de duabus animabus contra Manicheos cap. 11. Sünd ist ein will zuo behalten oder zuo erlangen das / dz die gerechtikeit nit zuolaßt / vnd von dem sich einer zuo enthalten frey ist. Vnd Retract. lib. 1.cap. 15. spricht er / Der will / ist ein vnzwungne bewegnuß deß gemüets / etwas eintweders nit zuo verlassen / oder aber zuo erlangen. Welche beschreibungen ich nicht gantz vnnd gar verwirff / darnebend gib ich aber auch dise mencklichem zuo erwegen / nammlich / Sünd ist ein anerborne verböserung deß menschen / vnd ein that die auß der selben entspringt / vnnd dem gsatzt Gottes widerstreytet / vnnd sein zorn / das ist den tod / vnnd allerley straffen über vns bringt. Da hörst / wie dise beschreibung der sünd jhre zuogehörige stuck hatt. Du hörst / das es ein anerborne verböserung. Nach welcher / dise beschreibung nicht dienet auff die sünd vnser ersten elteren / in denen kein anerborne verböserung gewesen. Von dem an seim ort wirt geredt werden. Du hörst auch die that so darauß entspringt / vnnd mit dem gesatzt Gottes streytet. Jtem du hörst / das die sünd den zorn Gottes über vns bringt / das ist den tod vnnd allerley straffen / die durch den mund Gottes der sünd getröwt werdend. Von welchen stucken ich nun volgends einanderen nach / so vil mir der Herr geben wirt / reden wil. Dise disputation [handlung] mag aber kummlich [füglich] angefangen werden an dem vrsprung vrsach vnnd vrhab [vrsprung vnd ersten vrsach] der sünd. Der sünden vnnd deß bösen vrsprung gebend ettlich dem gestirn zuo / vnnd sprechend / Jch hab gesündet / denn ich bin nicht vnder eim guoten gestirn geboren. Andere / so sie sündend / vnd von der sünd wegen bescholten werdend / so antwortend sie / Jch bin nit schuldig / sonnder der Teüffel / dz ich dises thon hab. Etwan lassend die menschen alle andere entschuldigungen faren / vnd legend richtig Gott alle schuld auff / vnd sprechend / Gott hats also gewöllen / Dann hett ers nit gewöllen / so hett ich nit gesündet. Ein anderer spricht /CC. / 200a
Dieweil Gott wol hett mögen daruor sein / vnd es aber nit thon / so ist er ein vrsach vnd vrhab meiner sünd / Wie es dann den menschen nit neüw ist / also gottslestrige zungen wider den Herren aller dingen spitzen. Dann vnsere ersten elteren als sie gsündet / vnd vmb die begangen sünd von Gott anklagt wurdend / legtend sie die selbig auch vff andere / vnd bekanntend die waarheit nit frey herauß. Das ist ein grosse boßheit der menschen. Dann Adam widerbäfftzet also zereden Gott / vnd legt die schuld seines lasters nit nun vff dz weib dz jm Gott gegeben / sonder auch vff Gott selb / vnd sprach / Dz weib / dz du mir geben hast zuo einem ghilffen / dz hat mir den öpffel gegeben / vnd ich hab gässen / Als wölte er sagen / hettist du mir sie nit geben / so hett ich nit gesündet. Er hat jm sie aber nit geben / dz sie jm ein anlaß deß bösen wäre / sonder dz jm dest baß wäre. Das weib aber legt die schuld mit einanderen vff den teüfel vnd sprach / Die schlang hat mich verfüert / vnd ich hab gässen. Sich dises sind böse / falsche / gottlose / vnd abscheüliche vrteyl von dem vrsprung der sünden / dadurch Gottes grechtikeit vnd waarheit treffenlich verletzt wirt. Dann es ist auch in der natur deß menschen die vrsach der sünd nit. Dann [weil] Gott / der alles / auch die natur deß menschen erschaffen hat / der hat sie überal guot geschaffen / vnd alles das er erschaffen / was gar [sehr] guot. Darumb wz auch die natur deß menschen guot. Es ist ein zuofellige sach gwesen / die dem menschen im fal / oder nach dem fal zuogefallen ist / nit ein wesenliche substantzliche [-] eigenschafft / die dem menschen gleich anfangs also wie sie yetz ist yngegeben sey. Jetzund ist die sünd wol ein natürliche eigenschafft der menschen / dieweil wir in sünden von sünderen erboren werdend. Dann S. Augustin schreibt De fide contra Manicheos cap. 9. Welche wir natürlich böß nemmend [nennen] / die nemmend wir also / von wegen der alten erbsünd / in deren yetzund vnser gantze stärbliche menschlikeit geboren wirt. Dises alles bedarff aber etwz eigentlicheren vnd weitlöuffigern erklärens.
Dz der Teüfel nit allein ein vrsach der sünd sey / also dz so wir sündind er allein schuldig daran sey / vnd wir vnschuldig / das zeigt sonderlich dz an / das er dem menschen das böß wol raten vnd yngeben / aber jn nit zwingen mag. Dann Gott haltet den Teüfel mit seinem gwalt inn / das er nit mag was er wil / sonder allein das dz Gott verhengt vnd so vil er verhengt. Ja über wüeste schwein hat er auch kein gwalt / ich geschweigen über die edlen seelen der menschen. Zuo überreden hatt er zwar lists gnuog vnnd grosse krefft / Aber Gott ist stercker / welcher auch nimmer auffhört dem menschen das guot ynzuogeben / vnnd laßt dem Teüfel nicht mer zuo / dann so vil dem menschen nutz vnd guot ist / Wie man das sehen mag in dem exempel deß heiligen manns Job / Jtem im exempel Pauli ij. Cor. xij. Jtem in desselbigen worten da er spricht / Gott ist waarhafft / er wirt eüch nicht lassen versuocht werden über eüwer vermögen. Darumb sind die eytel / welche die schuld der sünden vnd lasteren allein auff deß Teüfels achßlen bindend vnd ladend. So du die fragest so das fatum / das ist die ewig erachtung [verhengnuß Gottes] / auß deren alle ding notwendiklich fließind / den sünden fürwendend / was doch das fatum sey / so werdend sie antworten / eintweders / es sey ein immerwärende vnd von ewikeyt an ein anderen hangende ordnung / als ein ketten / vnd notwendikeyt aller rathschlegen vnd wercken / nach dem rathschlag vnnd der erachtung [verhengnuß] Gottes. Oder / es sygind die bösen gestirn. So du dann weiter fragist / wer aber die sternen gemachet hab / so könnend sie nichts anders antworten / dann Gott hab sie gemachet. Vnd volget deßhalb / dz sie also abermals jr übel Gott auffträchend. Ein sölichs fatum aber habend auch die verständigeren Philosophi nie gehalten / ich geschweigen Christen leüt. Darzuo sind die / so von den vnseren (das ist von denen die Christen habend wöllen gesehen sein /) das fatum vnd die constellationes [die Sternkikerey] [sich] vnderstanden zuoschirmen / söllich lüt gwesen dz mich jren verdrüßt.Ccv. / 200b
Bardesanes hat dem l zuogeben allen wandel der menschen. Die Priscillianisten aber / die im ersten Concilio Toletano verdampt sind worden / habend geleert der mensch sey an gwüsse sternen gebunden / nach deren lauff alle ding jr notwendige volg habind / Jtem der leib sey geordnet nach den zwölff zeichen deß himmels. Vnd gebend dem haupt den Wider zuo / dem Stier die schulteren / vnd also volgends durch vß.
S. Augustin in dem büechli Octoginta trium quaestionum, quaest. 45. widerlegt starck vnd hefftig das fatum stellarum, dz ist die volg die auß dem lauff der sternen kömme / vnd spricht vnder anderem / Die empfencknuß der Zwilingen / die da geschicht allein durch ein byschlaffung / wie die Medici / (deren leer vil gwüsser vnd offenbarer ist / dann die leer der Astrologen vnd sternensehern) bezügend / gschicht in so eim kleinen vnderscheid vnd pünctli deß zeits / dz es nit möcht in zwo minut minuten oder secunden geteilt werden. Wohar kumpt dann in Zwilingen ein sölche vngleicheit jrer thaten / jrer zuofälen / vnd jres willens / die doch ye ein constellation jrer empfencknuß habend / vnd denen die Mathematici beden eben ein constellation könnend zuogeben / als wär es nun ein mensch? Dise wort S. Augustins werdend auch etwz heiterer / so du darnebend haltist dz exempel Esau vnd Jacobs. Item contra duas Pelagianorum epistolas ad Bonifacium lib. 2. cap. 6. spricht auch gedachter August. Die dz fatum wöllend bestäten / die wöllend dz nit nun alle handlungen vnd gschichten / sonder auch vnser will an der gelegenheit deß gstirns / nach dem einer empfangen vnd geboren werde / welches sie constellationen nennend / hange / Aber Gottes gnad überschrytet vnd übertrifft nit nur alle gstirn / vnd alle himmel / sonder auch alle Engel. Demnach so gebend auch die beschirmer deß fati, dem fato zuo / alles guots vnd böses der menschen. Gott aber strafft in dem bösen deß menschen / seine verdienst mit verdienter vnd schuldiger widergeltung / dz guot aber gibt er vß vnuerdienter gnad durch sein barmhertzigen willen. Vnd thuot dise ding bede / nit durch die zeitlich gemeynschafft der sternen / sonder durch den ewigen vnd hohen rathschlag seiner gerechtikeit vnd güetikeyt. Darumb sehend wir das entwäders am fato hanget. Diß wirt bestätiget auch vnnd beschlossen durch deß Herren wort / da er durch den Jeremiam also redt / Jr söllend den wäg der Heyden nit lernen / vnd ab den zeichen deß himmels söllend jhr nit erschräcken / welche die Heyden förchtend / dann die ordnungen der Heyden sind nichts dann eytelkeit. Darumb das daß gestirn Saturni vnbarmhertzig / rauch vnd grimm / der Stern Veneris aber güetig vnd milt von den Astrologis genennt werdend / ist nichts dann ein eytele eytelkeit. Dann die gestirn habend kein krafft weder guots noch böses zuothuon. Darumb sol man jnen die schuld der sünden keins wägs zuorechnen. Nun ist aber auch noch zuo erklären / das auch Gott nicht ein vrsach oder vrhab der sünden vnd deß bösen sey. Gott / sprächend sie / hat es nit also gewellen / dann wenn er es nit gewöllen hette / so hett ich nit gesündet / dann wer mag seiner macht widerston? Jtem dieweil er es het mögen verhinderen / vnd aber nit verhinderet hatt / so ist er freilich der sünd ein vrsach vnd vrhab. Grad als ob wir dise lesterungen vnd Sophismata [Sophisterey] nicht verstandind. Lieber wer ist / der da nit wüsse / das Gott nicht nach seinem blossen gwalt mit vns handlet / sonder mit gedingen / vnd nach gewüsser fürschreibung / namlich durch bequemliche mittel vnd recht geschaffne ordnung? Es möchte [köndte] ja Gott wol durch sein blossen gewalt das böß verhinderen / Er mag [kan] vnd wil aber darzwüschend sein geschöpfft / vnd die guot recht ordnung nit brächen vnd zerstören. Darumb handlet er mit dem menschen menschlicher weiß / stellt jm gsatzt für / auch belonungen vnd straffen / vnd heißt jnn das guot annemmen / dz böß fliehen. Vnd damit er söllichs volbringen möge / versagt er jhm sein gnad nicht / on welche wir nützit vermögend. Er verachtet auch darnebend vnnseren fleiß vnnd vnnsere arbeit nicht. Wenn nun der mensch da sumsälig [nachlessig] ist / so wirt die hinläßige [nachlessigkeit] vnnd sünd demCCI. / 201a
menschen vnd nicht Gott zuogeschriben / ob er es schon mit seiner krafft hette mögen verhinderen / vnnd es aber nit verhinderet hatt. Dann er hatt es nicht söllen verhinderen / damit er nicht die ordnung bräche / vnd sein werck zerstörte. Darumb ist Gott nicht ein vrhab vnd vrsach [vrsacher] deß bösen / oder der sünd. Vonn welchem wir jetz etliche heiter zeügnussen der geschrifft hinzuo setzen wöllend / vnd demnach antworten auff etlich gegenwürff / vnd mithinzuo erklären den vrsprung vnd brunnen der sünd.
Der zeügnussen die da leerend / das Gott nicht ein vrsach deß bösen oder der sünd seye / sind vil. Vnder denen ist aber das ein fürnemm / das Gott von natur guot sein genennt wirt / auch alle ding fast [sehr] guot genennt werdend / die er erschaffen hat. Dahär spricht der weyß man / Gott hat den tod vnd verderbnuß nicht gemachet / vnd fröwt sich nicht deß vmbkommens der läbendigen / dann er hatt alle ding geschaffen / das sie jr wäsen hettind / ja alle völcker deß erdbodens hatt er gemachet das jnen wol wäre vnd das sie kein gifft der verderptnuß hettind / das auch der hellen reych nicht auff erden wäre (dann die frombkeit ist ewig vnnd vntödlich) die gottlosen aber berüeffend sie mit worten vnd wercken / vnd werdend zuo nichte. Vnd was daselbst weyter volget / welches fein stimpt mit den ersten Capitlen deß fürtreffenenlichesten Propheten Mosis.Jm v[5]. Psalmen spricht Dauid / Du bist ein Gott / dem gottlose nicht gfallt / bey dir mag auch kein schalck wonen. Die fräfler mögend vor dir nicht beston / du haßest alle die schalckheit treibend. Du bringst vmb die lugner / du hast ein scheühen O Herr ab den bluotdurstigen vnd falschen. Sich das nützit könte erdacht werden / das der art Gottes wideriger seye / dann das böß vnnd sünd. Dergleichen lißt man auch vil Job am xxxiiij[10]. Capitel.
Ecclesiast. am vij. Cap. spricht der weyß / Gott hatt den menschen fromm vnd auffrecht erschaffen / aber sie suochend mengerley list vnd geschwindikeit. Darumb füert auch Paulus zun Römeren am v[18]. Cap. die sünd / verdamnuß vnd den nid / nit auß Gott här / sonder auß dem Adam / Aber die gnad / verzeihung vnd das läben auß Gott durch Christum. Welches ort Pauli heiterer ist / dann das es vil erklärens dörffe / allein das es von allen die es läsend vnd hörend eigenlich besehen vnnd erwegen werde / welchs also lautet / Gleich wie durch einen menschen / die sünd in die wält kommen / vnd der tod durch die sünd usw. Jtem zun Römeren am vij[18]. cap. zeigt gedachter Paulus auch heiter an / das daß gsatz heilig / vnd das gebott grecht vnd guot / vnd das deßhalb an Gott an seinem willen / vnd an dem gsatzt / welches der will Gottes ist / kein befleckung der sünden hange / noch auß dem selbigen kömme oder entspringe. Jn vnserem fleisch / spricht er / ligt das böß / auß vns kumpt vnd entspringt es. Jch weiß / spricht er / das in mir / dz ist / in meinem fleisch nichts guots wonet. Jn welchem Capitel vil funden wirt / das disen vnseren handel fein erleüteret.
Jtem zun Röm. am iij[5]. cap. spricht er / Jsts aber also / das vnser vngerechtikeit / Gottes gerechtikeit preyset / was wöllend wir sagen / Jst dann Gott auch vngerecht / das er darüber zürnet? (Jch red also auff menschen weyß / das ist / wie die gottlosen daruon redend) das seye verr. Wie könte dann Gott die wält richten? dann so die warheit Gottes durch meine lugen herrlicher wirt zuo seiner eer / warumb solt ich dann noch als ein sünder gerichtet werden usw. Dann je so Gott ein vrsach vnnd vrhab wäre der sünd vnnd aller üblen / vnnd wölte das die lasterhafften also wärind wie sie sind / was wölt er sie dann richten oder straffen als überträtter / so sie doch mit jren sünden seinen willen thon hettind? Dahär dienet auch die zeügnuß deß heiligen Euangelisten vnnd Apostels S. Johannis / der inn seiner Canonic [Epistel] also spricht / So jemands die wält lieb hat / in dem ist nit die liebe deß vatters. Dann alles das in der wält ist / nammlich
CCIv. / 201b
die lüst deß fleisches / vnd lüst der augen / vnd hochpracht [hoffart] deß läbens / ist nit vom vatter / sonder von der wält. Vnd die wält vergat mit jrem lust / wär aber den willen Gottes thuot / der bleibt in ewigkeit. Sich da wirt Gott gantz ledig gesprochen von allen bösen. Das böß spricht er / ist nicht vom vatter / sonder vonn der wält / vnd welcher böses thuot / der thuot nicht das Gott wil / sonnder das die wält wil. Darumb sind die ding gentzlich wider ein ander / guots vnd böß / sünd vnd Gottes will. Dise zeügnussen der geschrifft acht ich gnuog sein / wiewol jhr wenig sind / einem jeden zuohörer der nicht vngottsförchtig [Gottloß] ist.
Auß dem schlüssen ich nun / Zum ersten / die allgemein leer / die von der Apostelzeyt an allweg mit grossem fleiß vnd ernst / wider die vnrein Philosophy (welche ich doch nicht gar verwirffen / dann ich wol weiß / das etliche stuck der selbigen allen glöubigen vnnd liebhaberen der gottsäligkeit fast nutzlich vnd dienstlich sind) ist erhalten worden / nammlich / das Gott / nit ein vrhab vnd vrsach der sünden seye Demnach schlüssen ich auch darauß / das der vrsprung deß bösen oder der sünd / auß dem menschen selb fliesse / vnd das auß trib vnd yngebung deß Teüffels. Doch also das ich sag / das er zum ersten verderpt / den menschen verderpt habe / vnd doch für sich selb allein nichts hette mögen schaffen / wenn der mensch nicht guotwillig vonn jhm selb zum bösen bewilliget hette. Vnnd da müessend wir für die augen nemmen den ersten fal vnsers vatters Ade / damit wir dest rechter von dem vrsprung der sünd vnd deß bösen vrtheilen könnind. Gott hat Adamen den vatter vnser aller erschaffen nach seiner bildtnuß vnd gleichnuß / das ist / er hat jhn erschaffen / guot / volkommen / heilig / gerecht vnnd vntödtlich [vnsterblich]. Vnnd jhn begabet mit allerley herrlichen vnnd fürtreffenlichen gaaben vnnd güeteren / also das jhm zur säligkeit inn Gott nichts gemanglet. (Von welcher bildtnuß wir hernach auß Paulo etwas weyter reden wöllend.) Jst deßhalb fürtreffenlich gewesen an göttlichem reinen vnnd scharpffen verstand. Sein will was frey vnd heilig. So hat er auch krafft vnd vermögen guots vnd böses zuo thuon. Vber sölichs was jm von Gott ein gsatzt gegeben / das jm anzeigte / was er thuon oder lassen sölte. Dann mit dem / das Gott sprach / du solt nicht ässen von der frucht deß boums deß wüssens deß guoten vnd bösen / erforderet er einfaltig vonn jhm gehorsamme vnnd glauben / vnnd das er gantz vnnd gar an jhm hangete / vnnd diß alles freywillig / vngezwungen vnnd vngenötet thete. Dann es spricht auch der weyß man Ecclesiastici am fünfftzehenden wol vnnd recht / Gott hatt den menschen vonn anfang gemachet / vnnd hatt jhn gelassen inn der hand seines rathschlags. Er hatt jhm darzuo seine gebott vnd befelch gäben / So du wilt / so wirst die gebott halten / vnd sie werdend auch hinwiderumb dich erhalten. Darumb do die schlang das gemüet deß menschen versuocht / vnnd jhm riet er sölte ässen vonn dem verbottnen baum / verstuond der mensch wol was jhm fürgehalten ward / vnnd wußt auch wol das der schlangen rat / dem gebott deß Herren zuo wider was. Darnebend zwang jhn Gott nicht / Es zwang jhn auch der Teüffel inn der schlangen nicht / so er sich nun widersetzt hette / dann Gott hatt gesprochen / Jr söllend vonn dem baum nicht ässen vnnd es nicht anrüeren / sonst werdend jhr sterben. Darumb was es jhm frey / vnnd inn der hand seines rathschlags ässen oder nicht ässen. Ja Gott offnet jhm sein willen / vnnd gebot jhm heiter / das er nicht ässe. Vnnd setzt jhm die gfar darzuo / damit er jhn vom ässen abzuge vnnd sprach / auff das du nicht sterbist. Deßgleich wie es der Teüffel nicht vermögen / also hatt er auch keinen gewalt mit jhm braucht / sonnder jhm die sach mit guotem fürgäben gerathen vnd jhn endtlich beredt. Dann wie sich der will deß weybs anfieng neigen zum wort deß Teüffels / da weich das gemüet vonn dem wort Gottes / vnd verwarff das guot gesatzt / vnnd
CCII. / 202a
that das böß werck auß verkertem willen / zog auch den man mit jren / der guotwillig in die gemeinschafft deß bösen volget. Welches die geschrifft alles mitt disen worten deütlich außtruckt / vnd das weyb schouwet an / das der boum guot vnd lustig was daruon zuo essen / vnd lieblich anzuoschowen / das es ein lustiger boum was anzuosehen / vnd brach der frucht ab / vnd aß / vnd gab jrem man auch daruon vnnd er aß. Sich da hast du den anfang deß bösen / namlich den teüfel / du hast auch / was das gemüet vnd den willen deß menschen bewegt hab / namlich das falsch fürgeben deß teüfels / vnd rüemen der frucht deß boums / ja die lutere luge. Vnnd das lieblich lustig ansehen deß boums. Sy thuond auch söllichs frywillig / verfüert durch hoffnung eins besseren läbens vnnd weyßheit zuo erlangen / welche jnen der verfüerer lugenhafftiklich verheissen hatt. Darumb so beschleüssend wir eigentlich / das die sünd nitt auß Gott / der das böß hasset vnd verbütet entspringe / sonder auß dem teüfel / vnd auß fryem willen vnd erwellung der ersten menschen vnnd auß erwellung vnnd fryem willen der ersten menschen welcher durch deß teüfels luginen vnnd falschen schein deß guoten also verböseret [verderbet] ward. Deßhalb so ist der teüfel / vnnd der gehorsammend verböseret [verderbte] will deß menschen / die eigenlich vnnd warhafft vrsach der sünd vnnd deß bösen.
Dises übel aber ist auß vnseren ersten elteren in alle nachkomnen geflossen / das auch auff den hüttigen tag die sünd nienenhar anderst / dann auß vns selbs / das ist / auß vnserem verkerten vrtheil vnnd bösen willen / vnd auß dem jngeben deß teüfels entspringt. Dann die wurtzen deß bösen ist in vns auß diser ersten verderbnuß har / vnnd gebirt auß jr selb ein fules schoß [faules gewechß] / das jrer natur gleich vnnd änlich ist / welches der teüfel auch jetz / wie von anfang / mitt seinen künsten luginen vnd betriegungen herfür zücht fürderet meeret vnd pflantzet / der doch vergeben arbeitete / wo wir vns jm zuo wilfaren nit ergäbind. Damitt wir aber an dem destminder zweyfels habind / vnnd es alles dest heiterer syge / so wollend wir zuo bestetigung vnnd zuo erklärnuß dessen / zwo heitere kundschafften hinzuo setzen / die ein auß der Euangelischen die ander auß der Apostolischen geschrifft vnd leer. Es spricht der Herr im Euangelio / Der teüfel ist ein todschleger von anfang / vnd ist nit bestanden in der warheit dann die warheit ist nitt in jm. Wenn er die lugen rett / so rett er von seinem eignen / dann er ist ein lugner / vnnd ein vatter der selbigen / namlich der luge. Auß disen heiteren worten deß Herren verstond wir / das daß böß dem teüfel sol zuogeben werden / welcher / in der warheit vnnd güete erschaffen / aber in der warheit vnnd güete nitt bestanden sonder von seiner natur in deren er guot erschaffen was / abgewichen / vnd auß seiner eignen schuld in ein andere / namlich in ein böse natur / gefallen ist vnd hatt auß jm selb alles böses (wie wir erst in der histori der ersten elteren gesehen habend ) in die wält außgespreitet / nammlich todschlag vnd lugenen (vnder welchen alles böß vergriffen wirt) dessen er heiter ein vatter / das ist / ein vrsach / ein vrhab / ein brunnen vnd vrsprung genempt wirt. Nit dz er also von Gott erschaffen syge / sonder das er in der warheit nitt bestanden ist. Darumb so man vns hie engegen wirfft / wohar der teüfel sein vrsprung habe / ob er nitt auch von Gott erschaffen syge? Antwortend wir / dz ja Gott alle Engel erschaffen habe / auch die / die hienach abfellig vnd zuo teüflen worden. Aber von der vrsach wegen mag darumb das böß nitt auff Gott gelegt werden. Dann wir wüssend das Gott von anfang alle Engel guot erschaffen. Dann alles das Gott erschaffen was guot. Darzuo so stat auch dz der teüffel in der warheit nit bestanden das ist das / er von der warheit abgefallen syge. Da von er aber nitt hette mögen abfallen / wen er nitt vorhin darinn gestanden wäre. Darumb hatt Gott von anfang alle Engel in die warheit gestellt. WarheitCCIIv. / 202b
hat er von jnen erforderet / das ist glauben treüw / vnnd schuldige pflicht / welches sie wol hettind mögen leisten / so sie gewöllen / Sie sind aber abgefallen vnd treüwloß worden / vnnd habend / wie der Apostel Petrus bezeüget / wider den Herren gesündiget. Darumb so ligt alle schuld der treüwlose vnd alles bösen nit auff Gott / sonder auff dem abfelligen Engel / dann von dem an / das er gefallen / ist kein waarheyt in jhm / kein treüw noch glaub / kein auffrechte / kein gottsforcht / kein liecht / kein güete. Darumb der heilig Joannes recht vnd warhafft redt in seiner ersten Epistel / Wer sünd thuot / der ist vß dem Teüffel / dann der Teüffel sündet von anfang / dann er ist der erst sünder / vnd ein vrsprung der sünden. Jn welchem allem nun das auch zuo mercken ist / das von Petro vnd Joanne gemäldet wirt / der Teüffel habe gesündet / dann die sünd streytet mit dem willen Gottes / darumb so hat Gott nit wöllen / das er verdurbe. Deßhalb das er verdorben / ist er nicht auß Gottes / sonder auß seiner eignen schuld verdorben.
Nun wöllend wir auch die ander kundtschafft hören / von dem bösen willen deß menschen / welcher die waare vrsach der sünd ist. Dauon spricht nun der heilig Apostel Jacobus also / Niemants sage / wenn er versuocht wirt / das er von Gott versuocht werde / dann wie Gott zum bösen nit mag versuocht werden / also versuocht auch er niemand / sonder ein yetlicher wirt versuocht wenn er von seinem eignen lust abgezogen vnnd verläckeret wirt. Darnach wenn der lust empfangen hatt / gebirt er die sünd / die sünd aber / wenn sie volendet ist / gebirt sie den tod. Da lediget S. Jacob Gott den Herren gnuogsam als ich meynen von aller schuld der sünden / vnd gibt sölliche gantz vnd gar vns zuo / vnd zeigt auch mitthinzuo an die geburt vnd das zuonemmen der sünd. Vnd widerspricht S. Jacob hie Mosi nit der da spricht / Gott versuocht den Abraham / dann bey dem Mose heißt versuochen / erfaren / vnd bewären. Hie heißt aber versuochen / zum bösen reitzen vnd ziehen / vnd ja verböseren [verderben]. Darumb wie Gott / spricht er / zum bösen nit mag versuocht werden / das ist / wie Gott von natur guot vnnd vnverböserlich [vnuerderblich] ist / also verböseret [verderbet] er niemand / vnnd steckt niemand in das böß / dann das selb ist seiner natur zuo wider. Wohar entstat dann das böß? Da antwortet der heilig Apostel vnd spricht / Ein jeder wirt versuocht vnd verböseret [verderbet] / vnd in das böß gefellt / so er von seiner eignen begird abzogen [gereitzt] vnd verläckeret [gelockt] wirt. Sich / auß vnser begird entstat die sünd / darzuo wirt sie auch durch vnser werck außgemachet vnd vollendet / Vnd habend alle dise wort deß heiligen Apostels ein sonderen nachtruck. Dann zum ersten / so gibt er der begird zuo / das sie vnser eigen sey / wie dann auch der Herr vom Teüffel geredt hatt / So der Teüffel die luge redt / so redt er auß seinem eignen. Dieweil nun die begird vnser eigen ist / so ist auch die sünd vnser eigen / Dann die begird zeücht vns ab / ja vom guoten waaren vnnd gerechten zeüchts vns ab zum bösen falschen vnnd vngerechten. Sie verläckeret vns auch / das ist / sie machet vnd stelt vns ein falsche hoffnung für / vnd betreügt vns damit / gleich wie die vogler mit dem aaß die vogel in das garn reitzend / vnd sie darnach sol sy betrogen fahend vnd erwürgend. Was köndte heiterers geredt werden? Durch vnsere eigne begird werdend wir gefellt in das böß / die zeücht vns ab von Gott / die verläckeret vnd betreügt vns. Darnach nach dem er das fundament der sünden gelegt / vnd den brunnen der selbigen auffthon / so zeigt er auch an die geburt der sünden / das ist jhren anfang vnd zuonemmen / vnnd das durch ein hüpsche allusion vnd allegorey / vnd spricht / Der lust / der vnser eigen ist / der empfacht die sünd / gleich wie ein bärmuoter / vnnd gebirt darnach die selbig / so sie namlich in das werck außbricht / so wir dem begirlich nachhengend / das vns gelustet / vnnd so wir es erlangend / wider das gesatzt brauchend. Auff welches dann gleich der todt
CCIII. / 203a
volget / dann der sünden sold ist der tod. Mit disen heiteren kuntschafften der heiligen geschrifft hab ich nun erzeigt / als ich hoff / das Gott nicht ein vrsach der sünd seye / sonder vnser verderpter will oder begird / vnnd der tüfel / welcher die selbig als ein versuocher vnd feyend alles guoten vnnd deß gantzen menschlichen geschlächts / treibt anhetzt vnd anzündet.
Nun ist aber vonn nöten [nicht vnnützlich] das wir auff sölichs auch hörind ettlicher gegenwürff wider sölichs / vnd was nach der warheit auff die selbigen möge geantwortet werden. Dann so wir anzeigend dz die sünd vß dem bösen willen deß menschen / vnd vß der yngebung deß teüffels / vnd nit auß der natur Gottes komme / so werffend vns etlich für / Gott habe den Adamen erschaffen / vnd deßhalb auch die sünd. Darauff antworten ich / das die sünd ein verböserung [verderbung] seye der natur die von Gott guot erschaffen wz / vnd nit ein gschöpfft / die von Gott in dem menschen / vnd mit dem menschen erschaffen seye. Gott hat den menschen guot erschaffen / welcher vß yngebung vnd rath deß tüffels / als er seinem eignen rathschlag gelassen ward / die guote so von Gott in jm erschaffen / durch sein eigne that vnd eignen bösen willen verderbt vnd verböseret [-] hatt / also dz die sünd die ein böse handlung ist wider dz gesatzt Gottes / jetz eigenlich deß menschen / vnd nit ein geschöpfft Gottes im menschen erschaffen ist. Da sagend sie aber / Jst dann der will vnd dz vermögen dz in Adamen wz / anderßwo här gewesen dann von Gott selb? Antwort. Freilich ist es nienen här anderst [nirgend anders här] gwesen. So sprechend sie wider / so ist je auch die sünd auß Got? Da sag ich nein zuo / dann Gott hat dem Adamen den willen vnd dz vermögen zuo thuon / nit gegeben dz er böses thäte / Dann mit dem dz er dz gsatzt darzuo geben / hat er das böß verbotten. Darumb so hatt Adam selb den willen vnd dz vermögen / dz er von Gott empfangen / übel angelegt / vnd übel brucht. Es empfieng der verloren sun gält vom vatter / nit dz er es mit muotwilligem läben verschwendete / sonder dz er gnuog hette zuo seiner notturfft. Do er nun dz gält übel an legt / vnd verdirbt / verdirbt er auß seiner eignen / nit auß deß vatters schuld / ob er gleich das gält vom vatter empfangen hatt. Darzuo vermögen haben guots oder böses zuothuon / welches dann Adam von Gott hatt / das hatt kein schuld vnd fäler [fäl] / gleich wie auch gifft haben / schwärt vnd messer tragen. Der mißbrauch wirt ein laster / Wär dir söliche ding gibt / der laßt dichs brauchen / vnnd ist er fromm / so gibt er dirs nicht zuo mißbrauchen / sonder recht zuo brauchen. Darumb wenn du die selbigen mißbrauchst / so wirt die schuld dir zuogerechnet / der du es mißbrauchst / nit dem der dir es gibt. Dieweil nun niemand frömmer vnd gerechter ist dann Gott / der Adamen den willen vnd das vermögen gegeben hatt / so hatt er jms freylich nit gegeben böses / sonder guotes zuo thuon. Warumb wirt dann jm dem grechten Gott auffgelegt / dz auch eim sündigen menschen nit auffgelegt wirt? Darumb so schliessend wir / das dieweil die begird in Adamen durch den eusseren sinn bewegt / vnd auß yngebung deß tüfels beredt ist zuo ässen von dem verbottnen öpffel / vnd aber der verstand noch wol wußt dz wort Gottes / der dauon zuo ässen verbotten hatt / vnd sein will frey wz / dz er auff dise oder jhene seyten sich mocht lenden / vnd sich aber auff die böser lendet / vnd dz erwellt vnd gewöllen hat dz Gott verbotten / dz deßhalb die sünd eigenlich deß übertrettenden menschens / vnnd nicht deß gesatzgebers / vnd deß verbieters der überträttung seye. Da fragend sie aber. Warumb hat Gott den menschen also erschaffen das er mit seim willen sich zum bösen neigen vnd lenden möchte? warumb hatt er nitt die guote der natur in jhm also bestätet [bestetiget] / das er nicht möchte fallen oder sünden? Darauff antwortet die gschrifft vnd spricht / Wär bist du / der mit Gott zanckist? Wee dem der mit seinem schöpffer zancket. Wee dem / der zuo seinem vatter spricht / warumb gebirst du / vnd zur muoter / warumb hast du kindswee. Hette Got den menschen nit also erschaffen / das er mögen fallen / so hette doch dz werck oderCCIIIv. / 203b
die tugend kein lob gehept / Dann er wer auß notwendikeit guot gewesen. Zuo dem so muoßt es also sein / das der mensch fellig erschaffen wurde / dann also erforderets die art Gottes. Gott gibt sein eer keiner geschöpfft. Adam aber was ein mensch vnd nicht Gott. Vnd wie Gott güetig vnnd freygeb ist / also ist er auch gerecht. Den menschen thuot er guots / er wil aber auch das sie jhn vnnd seine guothaten erkennind / jm gehorsam vnd danckbar seyend. Nun hatt er dem Adamen vnzalbar vil guothaten bewisen / darumb was vonn nöten das er jhm auch anlaß gäbe / die danckbarkeit gehorsamme vnnd vnderthenikeit gegen jhm zuo erzeigen. Den selben hat er jm gäben mit dem das er jhm das gebott gäben Darumb sehend wir hie / das Gott das gesatzt vnd gebott nicht gäben / das der mensch sich dran stiesse vnd fiele / sonder vil mee das er sich nicht stiesse. Dann mit dem gebott hatt er anzeigt / was er haben wölle. Er zeigt aber an / das er nicht den tod vnd das verderben Adams wölle / sonder er zeigt jhm an / was er thuon sölle / das er dem tod entrünne / glückhafft vnd sälig seye. Darumb was auch das gsatzt so leicht vnd heiter / nammlich / von dem baum deß wüssens deß guoten vnd bösen / spricht der Herr / solt du nit ässen / sonst wirst du sterben / sonst von allen böumen deß gartens magst du ässen. Was was daß anders / dann hett er gesagt / du solt auff mich sehen in allen dingen / mir anhangen / mir ghorsammen / dich mir vnderwerffen vnd mir dienen / vnd was guot vnnd böß seye solt vonn niemand anders lernen dann von mir / vnd dich mir also danckbar vnd gehorsam erzeigen? Hatt nun Gott hierinn ützit vnbillichs vom Adamen erforderet? Den baum hat er jm aber zeiget / als ein zeichen vnd geheimnuß deß das er jhm inn dem gesatzt befolhen / nammlich / das er Gott allein / als dem weysen / früntlichen / guoten / höchsten seinem Gott vnd schöpffer gehorsammen sölte. Was was nun in dem allem dunckels vnd schwärs? Mit vns stimpt auch S. Augustin / der in dem buoch de natura boni ad uersus Manichæos cap. 35. spricht Darumb hatt er jms verbotten / das er anzeigte / das die natur der vernünfftigen seel / nicht jres eignen gewalts / sonder Gott vnderworffen sein sölte / vnd das sie die ordnung jres heils durch die ghorsamme behalten / durch die vnghorsamme zerstören vnd verderben wurde. Darumb hat er auch den baum / den er an zuorüeren verbotten hatt / genennt den baum der erkantnuß vnnd entscheidens [-] / deß guoten vnd bösen / auff das so er den selbigen wider das verbott wurde anrüeren / innen wurde der straff der sünden / vnd hiemit erkante vnd entscheiden könne / was vnderscheids es wäre zwüschend dem guot der gehorsamme / vnnd dem bösen der vngehorsamme. Nun aber dieweil die schlang jn hinderschlichen / vnnd jm das guot vnd böß anderer gestallt gantz wider das gsatz Gottes fürbildet / vnd der mensch dasselbig angenommen hatt / da ist er vntreüwlich vonn Gott abgefallen / vnd durch sein eigne schuld in der vngehorsamme zuo grund gangen. Darumb so hatt Gott allweg wol vnd recht gehandlet / vnd findt sich das der mensch vngerecht vnnd vndanckbar ist / Gott geb wie du den handel ansehist vnnd erwegist.
Das wir aber sagend / dz der mensch von Gott fellig seye erschaffen worden / das wil ich nicht also verstanden haben / das wir wöllind meinen das einige schwacheit in dem ersten menschen vor dem fal gewesen sey. Dann wie er gantz volkommen gewesen / also ist er keins wegs erschaffen worden das er sündete vnd verdurbe. Dann Gott der im wäsen einfalt / inn den personen aber drifalt ist sprach / wir wöllend den menschen machen inn vnserer bildtnuß / nach vnserer gleichnuß. Das wörtli Zælem aber / heißt ein bildtnuß vnd abgstaltung eines anderen. Demuth aber heißt das exemplar [muster] selb / von dem die bildtnuß abgestaltet wirt. Darumb so ist das exemplar in Gott selb / nach welchem die bildtnuß vnd gleichnuß abgestaltet wirt. Das kan aber nicht ein leybliche gstalt sein /CCIIII. / 204a
dann Gott ist ein geist / veer von der natur deß kats vnnd leims. Darumb ist von nöten / dz die bildtnuß Gottes verstanden werde von den geistlichen dingen / namlich von der vntödlikeit / warheit / gerechtigkeit / vnd heilikeit. Dann also schreipt der heilig Apostel Paulus / Werdend ernüweret in dem geist üwers gemüets / vnd ziehend an den neüwen menschen der nach Gott geschaffen ist / in rechtgeschaffner gerechtigkeit vnd heiligung der warheit. Darumb so hatt dem ersten menschen zur volkommen volkommenheit nützit gemanglet / das also auch ein blinder sehen möchte / das der mensch nitt zum tod vnd verderben sonder zum läben vnnd volkomer säligkeit erschaffen.
Es hatt aber Gott / sprechend sy / den fal deß menschen vorgewüßt / den hett er mögen hinderen / wenn er gewellen. So er jnn nun nitt verhinderet / so ist Gott schuldig das Adam gesündet. Das ist aber ein fine disputation / wenn mann also alle forcht Gottes hindan gesetzt / alles wider die Maiestet Gottes vßspüwen darff das eim ins mul kumpt. Vff disen gegenwurff hab ich geantwortet doben gleich imm anfang diser disputation. Darzuo so volget kein notwendigkeit auß dem vorwüssen Gottes / das Adam darumb notwendigklich gesündet habe / das Gott vorgewüßt / das er sünden wurde. Es weißt etwan ein verstendiger vatter auß bösen lasterlichen zeichen / vor / das seyn sun noch muoß erstochen werden vnd vmbkommen / vnd diß sein vorwüssen fält jmm nitt / dann er wirt etwan erstochen von huorey wegen usw. Nun halt man aber nit / das er darumb erstochen syge / Darumb dz der vatter semmlichs vorgewüßt / das er erstochen wurde / sonder darumb das er ein huorer vnd ein Ebrecher gewesen. Darumb spricht auch S. Ambrosius / (oder welcher dann die selbigen büecher geschriben) lib. ij. de uocane Gentium, cap. 4. da er von dem todschlag Cains rett [redet] / Gott wußt on zweyfel vorhin zuo was end sein taube vnsinnige [wuohtende vnsinnigkeit] graten wurde. Aber auß dem das dz Göttlich vorwüssen nitt mocht betrogen werden / ward darumb das laster seins bösen willens nitt auß notwendigkeit zuo sünden getriben / usw. Vnnd Augustinus de libero arbitrio lib. 3. cap.4. Wie du mitt deiner gedechtnuß nitt zwingst das das geschehen syge / das schon für [fürvber] ist / also zwingt auch Gott nitt mitt seim vorwüssen / das man thuon müeße das noch geschehen wirt. Vnd wie du etlicher dingen / die du thon hast / gedenckst / vnd aber darumb nitt alles thon hast / deß du gedenckst / Also weißt Gott alle ding vor / deren er ein vrsach vnd vrhab ist / er ist aber darumb nitt aller dingen ein vrsach vnd ein vrhab die er vorhin weißt. Deß er aber nitt ein böser vrhab ist / deß ist er doch ein gerechter richter / usw.Disem vorgenden gegenwurff ist auch diser nachfolgend verwannt / da sy sprechend / Gott hatt von ewigkeit har beschlossen vnd fürgenommen / dz menschlich geschlecht auß der knechtschafft der sünden zuo erledigen / Darumb habend wir müessen in die sünd fallen / auff das die herrligkeit Gottes dardurch dest scheinbarer wurde / nach der leer Pauli / wo die sünd überhand gnommen hat / da wirt auch die gnad noch mer überhand nemmen. Da ist aber zuo verwunderen / das dise leüth nitt vil me bey jnen selb das bedenckend / das Gott jmm selb / auß vnd von jmm selb on vns / zur säligkeit genuogsamm ist / vnnd das sein herrligkeit über alle himmel reicht / wenn schon kein creatur nimmer erschaffen wäre. Jst nitt Gott von ewigkeit? Die geschˆpfft aber ist nitt von ewigkeit. Gott aber ist herrlich von ewigkeit / darumb ist er herrlich on vns. Vnnd wer wil also in die aberwitz gon / das er well meinen / das diß ewig liecht etwas herrligkeit empfahe vonn vnserer finsternuß / vonn disem vnserem gestanck vnd sünden? Solt die herrligkeit Gottes on vnsere laster nüt sein? Der weyß mann spricht imm Ecclesiastico / Sprich nit / der Herr ist schuldig dz ich abgeträtten bin / dann du solt nit thuon was Gott hasset. Sprich nit / Er hatt mich machen jrren / dann er bedarff der gottlosen nichts. Allen gerüwel
CCIIIIv. / 204b
hasset Gott / vnd die jnn förchtend die werdends auch nitt lieben. Worumb kerend wir dann vnsere rechnung nitt vmb / vnnd schliessend als mär [viel mehr] also / wie es dann an jmm selb ist / nammlich / Gott hatt auß seiner güete vnnd freyen gab / nach welcher er begärt von allen menschen angenommen zewerden / vnd sich selb mencklichem zur säligkeit zuo übergeben / von ewigkeit har fürgenommen vnd beschlossen / das er den menschen welte erschaffen nach seiner bildtnuß vnd gleichnuß. Dieweyl er aber vorhin gesehen / das er fallen wurde in die lasterhafft knechtschafft / so hatt er einen erlöser eben auß der selbigen seiner gnad vnnd güete fürordnet / damit er sich also vns mitteilte / vnd wir seyn genad [gnad] loptind vnnd preißtind / vnnd seiner güete dancketind. Vnd also hatt Gott das / daß wir gesündet / vnd zuo vnserem verderben gerichtet hattend / wider vmgekert / vnd gerichtet zuo vnserem guoten vnd zuo vnserem heil. Gleich wie man auch von Gott lißt das er vorzeyten thon imm handel Josephs vnnd seiner brüederen / welches diser dingen ein vorbild was. Also söllend wir die disputation diß gantzen handels dahin richten / das Gott allein alle ehr gegeben werde / vns aber nichts dann scham vnd schmach.
Zum letsten sind noch ettliche ort der geschrifft überig an eim fürgang zuo erklären. Paulus der Apostel spricht zwar / Gott hatt sy übergeben in ein verkerten sinn. Das übergäben aber / wie auch der heilig Augustinus sagt / ist ein werck deß gerichts vnd der gerechtigkeit. Dann sy warend wirdig / das sy in ein verkerten sinn übergeben wurdind. Die vrsach gat vor in den worten deß Apostels / dann Gott hatt sich jnen geoffenbaret / sy aber sind nitt nun Gott vndanckbar gewesen / sonder habend sich auch vil me auff jr weyßheit verlassen / vnd Gott weiß nitt was Gotts diensts wellen aufftrucken. Darumb dz sy jnnen wurdind vnd sähind dz sy narren vnd gottloß wärind / so hat sy Gott übergeben in schantliche begirden. Also wolt der künig Amazias den Herren nitt hören / dann Gott hatt jm fürgenommen seine laster zuo straffen / wie man lißt iiij. Reg. xiiij[11]. cap. vnd ij. Par. xxx[15]. Also hatt der Herr die falschen Propheten mitt dem schwindelgeist getränckt / die habennd Egypten verfüert Esa. xix[14]. Also ist der geist der verfüerer / oder teüfel außgangen von dem Herren deß gerichts / vnd ist gewesen ein lugenhaffter geist in dem mund aller Propheten iij. Reg. am letsten Capitel. Diß alles thuot der Herr auß billichem vnnd heiligem vrtheil. Jm wirt auch zuogäben / das er verblende / so offt er nammlich das liecht der warheit / so mans verachtet / entzücht vnd hin nimpt / vnd die so an der finsternuß fröud habend / in der finsternuß verwirt hangen laßt / Dan dennzmal laßt er den vnglˆubigen vnd vndanckbaren sein wort zum vrtheil verkündigen. Also leert vns die Euangelisch vnnd Apostolisch leer hievon halten. Dises spricht der Herr selb / Jst die verdamnuß / das das liecht in die wält kommen ist / vnnd die wält liebet die finsternuß meer dann das liecht. Vnnd Paulus der Apostel Christi / Jst vnser Euangelium verdeckt / so ists in denen die verloren werdend verdeckt / vnder welchen der Gott diser wält verblendet hatt der vnglöubigen sinn.etc. Auff dise weyß stat auch von Gott das er verherte. Dann so der Herr einen menschen berüefft / vnd er widerlegt sich [widerstrebt aber / vnd machet sich selb vngeschickt zum reych der himmlen / so laßt er inn jmm selb / welches anders nichts ist / dann den menschen seiner eignen verderpten natur lassen / nach welcher der mensch ein steine [steinern] hertz hatt / das allein durch die gnad Gottes weich vnnd zogenlich [zum guten tüeglich] gemachet wirt. Darumb das entziehen der genaden / ist die verhertung / vnd so wir vns selb gelassen werdend / so werdend wir verhertet. Pharao der künig in Egypten hatt mitt dem schantlichen mord an den kinden / mitt tyranny vnnd vilen anderen sünden / verletzt die ougen der Göttlichen vnd gerechten Maiestat /CCV. / 205a
darumb was es kein wunder / das Gott sein hertz verhertet. Ob aber yemand sich diser außlegung nicht vernüegte / noch sie annäme / so mag doch niemand laugnen / dann das Gott in der geschrifft vnsere art zuo reden braucht. Nun habend wir aber in gemeynem brauch zuo reden / der vatter verderbe vnd verhertet den sinn mit seiner linde / dz ist / er machet jn halßstarck. Nun ist aber der vatter dem Sun nicht lind noch millt darumb das er jhn verderben wölle / sonnder das er jhn erhalte / der Sun aber verderbt vnnd verhertet sich selb inn der waarheyt zuo reden / durch den mißbrauch der linde vnnd milte deß Vatters. Vnnd darumb wirdt der Sun auß seiner eignen / nicht auß deß Vatters schuld verhertet / ob mann schon spricht / er werde vonn dem Vatter verhertet. Vnnd in der waarheyt / so du die Histori Pharaons im Exodo eygentlich besichst / so wirst du finden / das der spruch (vnnd Gott verhertet das hertz Pharaons) offt gesetzt vnnd wideräferet wirt / wenn ettwan ein guothat vnnd erlösung vonn einem übel vorgangen ist / als wölte die geschrifft sagen / Mitt diser guothat vnnd mitt diser erledigung von dem übel / hatt Gott das hertz Pharaons verhertet / dieweyl er die güete Gottes mißbraucht / vnnd meynt es wäre yetzund alle gefar dahin / vnnd wäre nun sicher / darumb das Gott die gegenwirtig straaff auffgehept hatt / vnd jhnen yetz widerumb guots thet. Darnäbend bekenn ich aber auch / das Gott vor allen guothaten vnnd straaffen so über Pharaonem gangen / ja vonn anfang der berüeffung Mosis gesprochen / Jch weyß das euch der Künig Egypti nicht wirt gon lassen. Jtem / Sihe zuo / das du alle die wunder thüegist vor Pharao / die ich in dein hand geben hab / Jch aber wil sein hertz verherten / das er das volck nicht wirt lassen gon. Dises wirt aber nicht darumb geredt /das wir Gott wöllind zur vrsach vnnd zum vrhab machen aller Pharaonischen fräfenheyt / treüwlose vnnd widerspänstigkeyt / sonnder vil mer zuo trost vnnd sterckung dem Mosi / der hiemit also vorgewarnet vnnd vnderrichtet wirt / das so er mit dem Künig treülich handlen / vnnd doch nicht erlangen werde / das er nichtsdestminder wüsse / das er den handel Gottes füere / vnd das jnn Gott mit seiner langmüetigkeit so hartnäckig mache / der werde es doch darzwüschend alles schicken zuo seinen ehren. Gleich als so ein Herr seinen knecht außschickte zuo seinen schuldneren vnd spräche / Gang hin / vnd forder die schulden / Jch weiß aber wol dz dir nichts von jnen wirt werden / dann ich wird sie mit meiner milte vnd güetikeyt vngeschlacht [vnwillig] machen / Du aber thuo dein ampt / ich wil darzwüschend sehen wie den sachen geschehe. Dahar dienet auch / das in denen Capitlen / in denen so offt dises wideräferet wirt / namlich / Gott hat dz hertz Pharaons verhertet / für vnd für auch das wideräferet wirt / dz die schuld der verhertung dem Pharaon auflegt / namlich / Es ist das hertz Pharaons erhertet / vnd er hat sie nit gehört. Jm ix. cap. als Pharao yetz wol gestrafft wz / sprach er / Jch hab auch diß mal gesündet / der Herr ist grecht / ich aber vnd mein volck sind gottloß vnd vngrecht. Vnd bald darnach / Als aber Pharao sach / dz die rägen vnd tonder [donner] vnd hagel abließ / versündiget er sich weiter / vnd beschwäret sein hertz / vnd es ward gantz verhertet. Dises vnd wz dergleichen / muoß man conferieren mit denen worten / Jch hab das hertz Pharaonis verhertet / vnd muoß man daruß ein guoten gottsäligen verstand fassen / der den gerechten Gott nitt ein vrsach vnd anfenger der sünden mache. So stat auch heiter vnd außtrucklich gnuog Amos am iij[6]. Cap. Es ist kein übel in der statt / das der Her nit gemacht habe. Augustinus aber wider Adimantum schrybt Christenlich hieuon vnd spricht / Das übel oder böß ist hie nit die sünd / sonder die straff zuo verston / dann es ist zweyerley böses oder übels / Eins / das der mensch thuot / dz ander die straaff die er leidet. Da redt aber der Prophet von der straaff / Dann durch die
CCVv. / 205b
Göttlich fürsehung / die alle ding regiert vnd verwaltet / thuot der mensch das böß das er wil / also das er leiden muoß das böß das er nicht wil. Also thuot Gott das böß / das jm nit böß ist / sonder denen / die er hiemit straafft / Darumb so vil jhn belanget / thuot er das / das guot ist / dann alles das gerecht ist / das ist auch guot / gerecht aber ist dise straff. Nichts anders söllend wir auch durch dz wörtli übel verston in disen worten bey dem Propheten Esaia / da also stat / Jch bin der Herr / sonst niemands / Jch schöpff das liecht vnnd die finsternuß / ich mach friden vnd das übel / ja ich der Herr thuon das alles. Dann da setzt er das wörtli übel / das ist den krieg / dem friden entgegen.
Widerumb spricht S. Augustin De natura boni contra Manichaeos cap. 28 / So wir hörend das alles auß jm vnd durch jnn vnd in jm sey / so söllend wir alle naturen verston / die natürlich sind. Dann die sünden sind nicht auß jm / welche die natur nit behaltend / sonder verböserend [verderben]. Welche sünden die heilig gschrifft auß dem willen der sündenden sein / in vil wäg bezeüget. So ist auch nit schwär zuo antworten auff den spruch Salomons Pro xvj. Der Herr hatt alle ding von sein selbs wegen erschaffen / auch den gottlosen zum tag deß übels. Dann wir glaubend das der gerecht Gott / den gottlosen ein gewüssen tag der trüebsal deß gerichts vnd der straff verordnet habe / an dem sie sich zuo seiner zeit stossen werdend. Das aber der Apostel spricht / Weß er wil / erbarmet er sich / vnd wen er wil / verhertet er / Das söllend wir nit dahin biegen / dz Gott yemand vß notwendikeyt zwinge zuo sünden / vnd er also ein vrsach der sünd werde. Dann der will Gottes ist guot vnd gerecht / vnd wil anders nichts / dann das guot / vnd das der natur vnnd dem wort Gottes nicht zuo wider ist. Dann darumb spricht der Prophet / Der Herr ist gerecht in allen seinen wägen / vnnd heilig oder steiff in allen seinen wercken / Psalm. cxlv. Dauon möchte nun noch vil geredt werden / aber ich hab diß wenig euwer lieb also von der vrsach der sünd zuo erwägen wöllen fürhalten.Nun wöllend wir auch erleüteren die ersten vnd fürnempsten stuck der beschreibung der sünd / die ich doben gleich von anfang diser Predig gesetzt hab. Deren sind zwey / Eins / das die sünd ein anerborne verböserung [verderbung] deß menschen sey. Das ander / vnd ein that die auß der selben entspringe / vnd dem gsatzt Gottes widerstreite Darumb setzend andere nit vnuerständige leüt zwey gschlechter / zwo gestalten vnd zwen vnderscheid der sünden vnd sprächend / Es ist ein peccatum Originale, das ist ein vrsprüngliche oder Erbsünd / vnd ein Actuale, das ist thätliche sünd. Von disen beyden wil ich nun ein ander nach reden / so vil der Herr geben wirt / vnd zum ersten von der anerbornen verböserung deß menschen / das ist von der Erbsünd. Die wirt aber darumb die vrsprünglich sünd oder Erbsünd genennt / das sie von dem ersten vrsprung har kumpt / das ist von dem ersten vatter in vnns alle geflossen gepflantzet vnnd yngefüert ist. Dann dise bringend wir auß muoter leib in vnserer natur mit vns in diß läben.
Diser sünd werdend mengerley beschreibungen gesetzt / vnder welchen / ob sie gleich nit wider ein anderen / doch eine heiterer ist dann die ander. Etliche sprächend / Die Erbsünd ist ein verböserung der natur vonn der ersten volkommenheit. Ettliche / Sie ist ein verböserung der natur deß menschens / die da machet / das wir dem gsatzt Gottes nitt waarhafftiklich gehorsammend / vnd nit on sünd sind. Etliche nennends ein mangel / Ettliche ein begird (welche doch baß ein frucht der Erbsünd / das ist vnserer verderbung vnnd verböserung / mag gehalten werden). Ettliche nennend es ein vnordnung der begirden / so in der natur noch überig syge. Anßhelmus ein neüwer Scribent noch / spricht / Die Erbsünd / ist ein mangel der anfäncklichen gerächtigkeyt. Dises wirtCCVI. / 206a
aber geachtet gnuog kurtz geredt sein / dann die krafft diser sünd werde darinn nit gnuog außgetruckt. Dann vnsere natur ist nicht allein arm vnnd mangelhafft an allem guoten / sonder auch fruchtbar an allem bösen. Darumb wirt die beschreibung Hugonis für besser gehalten / der spricht / Die Erbsünd / ist die vnwüssenheyt im gemüet / vnnd die begird im fleisch. Dise bedunckt mich aber noch besser vnnd volkomner sein / Namlich / die Erbsünd ist ein prästen vnnd verböserung deß gantzen menschens / dardurch er Gott vnnd sein willen nicht erkennen / noch dem selben mitt dem gemüet nachkommen mag / sonder auß verkeertem vrtheyl aller dingen übel handlet / vnnd es alles verkeert. Nebend disen beschreibungen allen / stell ich eüwer lieb auch dise für zuo bedencken / namlich / die Erbsünd / ist ein erbliche boßheyt vnnd verderbung vnserer natur / welche vnns erstlich schuldig machet deß zorns Gottes / demnach auch werck in vnns herfür bringt / welche die geschrifft werck deß fleisches nennt. Darumb so ist dise Erbsünd / nicht ein wort oder ein werck / oder ein gedanck / sonder ein kranckheyt vnnd ein prästen / ja ein verkeerung deß vrtheils vnnd der begird / vnd ein verböserung der gantzen menschlichen natur / das ist / deß verstands / deß willens vnnd aller menschlichen krefften / darauß dannentlich alle böse gedancken wort vnd werck entspringend.
Dise sünd hat jhren vrsprung auß dem ersten menschen / dann darumb wirt sie ein erbliche boßheyt vnd verderbung vnser natur genennt. Von desselbigen ersten menschen fal sünd vnnd verböserung aber / von dem wir alle sünder geboren werdend / ist gnuogsam doben geredt in der vrsach der sünd / Es wirt auch bald hernach etwas weiters dauon volgen / das es nicht von nöten ist söllichs hie zuo äferen / darumb wir von anderem yetz reden wöllend. Die Pelagianer habend nicht wöllen das dises übel erblich wäre. Dann diß sind die wort Pelagij / Wie wir one tugenden erboren werdend / also auch on sünd / vnnd ee dann der mensch auß seinem eignen willen ettwas handlet / so ist das allein in jm / das Gott erschaffen hatt. Dises ist etwas verborgenlicher. Celestinus aber Pelagij mitgenoß hatt dises gifft ettwas offenbarer außgespeüwen / vnnd gesprochen / Wir habend nicht gesagt das die kind darumb zur verzeihung der sünden söllind getaufft werden / das wir die erbsünd bestätigen wöllind / welches veer ist von dem allgemeynen Catholischen vnnd Christenlichen verstand. Dann die sünd wirt nicht mitt dem menschen geboren / die hernach von dem menschen geüebt wirt / dann sie ist nicht ein mangel der natur / sonder deß willens. Widerumb hatt Pelagius gesprochen / Es habe die erst sünd / nicht nun dem ersten menschen / sonder auch dem gantzen menschlichen geschlächt geschadet. Er setzt aber gleich darauff / Nicht der ynwurtzung [einwürckung] vnd ynpflantzung halb / sonder deß exempels halb / das ist / nitt das die so von jhm hat gepflantzet vnnd erboren sind / etwas prästens vnnd mangels vonn jhm har zogen habind / sonder das alle die hernach gesündet habend / jm der zum ersten gesündet nachgefolget habind. Dises lißt man bey dem Aurelio Augustino de peccato Originali contra Pelagium & Celestinum lib. 2. cap. 6. 13. & 15. Darumb ist von nöten das ich auß den zeügnussen der heiligen geschrifften anzeige / das die Erbsünd ein erblich übel im menschen syge / vnd mit vns geboren werde / das ist / das alle menschen sünder in dise wält geboren werdind. Da spricht nun Dauid mitt heiteren worten im ein vnd fünfftzigsten Psalmen[7] / Sihe in boßheyt bin ich empfangen / vnnd in sünden hatt mich mein muoter empfangen / oder wie andere tollmätschungen auß der Hebraischen sprach habend / Sihe in boßheyt bin ich gestaltet / vnnd in sünden hat mich mein muoter fürbracht oder gewärmpt [gewermet]/ Das ist / die sünd hanget mir von stundan an / doCCVIv. / 206b
ich in muoter leib empfangen vnd erneert ward. Welches on zweiffel nit auß dem was / das die Ee böß wäre / Dann das schlaaffbett der Eeleüten ist heilig vnd vnbefleckt / sonder auß der einfliessung vnd einpflantzung der sünd. Dann Job spricht am xiiij. Cap. gar heiter / Wer wil ein reinen geben oder züchten mögen auß einem vnreinen? Nicht einer on zweyfel wirt mögen also herfür bracht werden. Dergleichen volget auch anders Job am fünfftzehenden vnd fünff vnnd zwentzigsten Capitel.[Job 14.15.25.] Besonders aber redt hieuon heiter / der heilig Apostel Christi Paulus zun Römeren am fünfften Capitel[12] / Gleich wie durch einen menschen / spricht er / die sünd in die wält kommen ist / vnd der Tod durch die sünd / also ist auch der Tod über alle menschen durchgangen / dieweyl sie alle gesündet hattend. Dann die sünd was in der wält / biß auff das gesatzt / aber wo kein gesatzt ist / da achtet man der sünd nicht. Ja der Tod hatt geherrschet von Adam an biß auff Mosen / auch über die / die nicht gesündet hattend mitt gleicher überträttung wie Adam / usw. Zeigt er nicht inn disen worten die einpflantzung der sünd gantz heiter an? das er spricht / Durch einen menschen ist die sünd inn die wält kommen / Jtem der Tod ist über alle menschen durchgangen / dieweyl sie alle gesündet hattend / das ist / dieweyl wir all der verderbung vnnd verböserung schuldig sind. Ja damitt keine menschen / die gleich vor Mose oder nach Mose gewesen / außgenommen werden möchtind / so setzt er drauff / Der Tod hatt geherrschet von Adamen biß auff Mosen / auch über die die nicht gesündet hattend nach der gleichnuß der überträttung Adams. Das ist / die noch nicht auß jhrem eignen willen / wie er / gesündet / sonder von jhm die vrsprünglich sünd gezogen hattend. Sanct Augustin erleüteret vnnd handlet dises ettwas völliger lib. 1. de peccatorum meritis & remissione, cap. 9. 10. 11. & sequentibus. Widerumb nennet der heilig Paulus im sibenden Capitel zuo den Römeren dises übel ein innwonende sünd / als die vnns mitt vnnd anerboren syge. Dann er setzt darauff / Jch bin fleischlich / verkaufft vnder die sünd. Vnnd / ich weiß / das inn mir / das ist / inn meinem fleisch nichts guots wonet. Darumb spricht auch der heilig Apostel vnnd Euangelist Joannes / So wir sagend / wir habind kein sünd / so betriegend wir vnns selb / vnnd die waarheyt ist nicht inn vnns. Da er deütlich spricht / Wir habind / spricht nicht / wir habind gehept / oder wir werdind haben / Dann disers habend wir auß vnnser verderbten natur als eygen. Darumb so ist nun offenbar / das dises falsch ist / das die Pelagianer erdacht habend / wir werdind on prästen erboren. Es ist auch falsch / das allein die that so mitt willen geschicht / vnnd nicht auch die verböserung vnnd verkeerte / die noch nicht in das bößwerck außbrochen ist / sünd syge.
Vnnd Augustinus nennt an einem ort auch die Erbsünd ein voluntarium peccatum, das ist / ein sünd / die mitt willen oder auß willen geschehe / vnnd das vonn zweyen vrsachen wegen. Zum ersten / nicht von jhr selb wegen / sonder vonn wegen Adams / dann das auß dem bösen willen deß ersten menschen beschehen / das kumpt erblich an vnns. Demnach / das auch die böß begird ein will mag genennet werden. Dann lib. Retractat. 1. cap. 15. spricht er auch / So yemand spricht / das auch die begird selb nicht anders syge / dann ein will / aber doch ein böser vnnd der sünd dienender will / dem sol mann nicht widerston. Dann man nicht vonn den worten zancken sol / so man der sach eins ist. Dann damitt wirdt also anzeiget / das kein sünd on willen ist / sie syge gleich inn dem werck vnnd ein thätliche sünd / oder in dem vrsprung ein Erbsünd. Diß mäldet Augustinus / der auch deßgleichen mehr anzeücht lib. 3. contra Iulianum Pelagianum cap. 5.CCVII. / 207a
Vns sol gnuog sein / das wir auch on dises / allein auß der heiligen geschrifft lernend / das nitt nun die sünd die auß willen geschicht sünd ist / sonder auch die erblich verböserung vnd verderbung.
Disem allem ist nit zuo wider / das der Herr imm Ezechiel spricht / Der sun wirt nit tragen die boßheit deß vatters / sonder ein jeder wirt in seinen sünden sterben. Dann es schüede [würde nicht schaden] vnns der fal Ade nüt / wenn dise verkerte [natur] die deß vrtheils Gottes wol wärt ist / nicht auß jhm vnns allen anerboren wurde. Dieweil aber alle neigung / alle art / vnnd aller fleiß vnserer natur / auch in einem kind das nun eines tags alt ist / mitt der reinikeyt vnnd dem willen Gottes der allein guot ist / streytet / so wirt zwar niemand von deß vatters / sonder ein yeder von seiner eignen sünd wegen gestraafft / vnnd kömmend straaffen über alle kind / die wir hierinn sehend durch das heilig vnnd gerächt vrtheyl Gottes gestraafft werden. Also hatt auch das kein hebe [helt auch das keinen stich]/ das man fürwirfft / die kind mögind vonn frommen elteren nichts böses an sich ziehen / dann sie kömmind von jhnen / nach der fleischlichen geburt / nit nach der geistlichen widergeburt. Vnnd das der Apostel gesprochen / Der vnglöubig man ist geheiliget durch das weib / vnnd das vnglöubig weib ist geheiliget durch den man / sonst wärind eüwere kinder vnrein / nun aber sind sie heilig. Das ist vnserer meynung nicht zuowider. Dann die kind werdend heilig genennt / nitt das sie deß geschlechts oder der geburt halb etwas fürderligs [vortheils] habind / oder als ob sie on prästen vnd mangel geboren werdind / sonder darumb / das ob sie wol von natur böß geboren / doch durch die krafft deß Pundts vnnd der gnaden rein sind / vnd jnen die vnreinikeyt von Christi oder der verheissung wegen / die also lautet / Jch wil dein vnd deines samens Gott nach dir sein / nit zuogerechnet wirt. Dann es warend auch vor zeiten die kind heilig vnnd benedeyet / die auß dem samen Abrahe warend / welche doch nichts destminder beschnitten wurdend. Was hett es aber der beschneidung vnnd reinigung bedörffen / so sie kein vnreinikeyt von der geburt har gehept hettind? Darumb ist auch das falsch / das wir doben gehört habend Celestinum den Pelagianer gesagt haben / namlich / Wir habend nit darumb gesagt das man die kind zur vergebung der sünden touffen sölle / das wir die erbsünd bestätigen wöllind / welches veer vom allgemeinen Catholischen vnd Christenlichen verstand ist. Dann das ist allgemein Christenlich vnd Catholisch / das der Juden kind beschnitten sind / nit allein darumb / das sie deß pundts genoß vnd theylhafft warend / sonder das auch alle heilige vätter von alter har damitt bekantend / das etwas in den kinden wäre / das der beschneidung bedörffte / das ist / dz Gott auß gnaden verzige / vnnd nit zum tod rechnete. So ist auch Catholisch vnd Christenlich / das der Christen kind getaufft werdend / nit allein darumb das sie Gottes sind / vnd auß gnaden in den Pundt angenommen / sonder auch darumb das in jhnen von geburt ist / das der Herr mit seiner gnad abwäscht / damit es den tod nit bringe. So kan auch nit Catholisch sein / das so heiter mitt so vil hällen zeügnussen der heiligen gschrifft streytet / die da bezeügend das die sünd erblich vnd durch die einpflantzung in den kinden syge. Zuo dem dienet auch das der heilig Augustinus lib. 1. contra Iulianum Pelagianum cap. 2. die zeügknussen der aller fürtreffenlichisten Bischoffen vnnd Leereren der kirchen zuosammen zeücht / mit denen er anzeigt / das alle diener der kirchen / von der Apostel zeit an / die erbsünd bekennt vnnd offentlich geleert habind. Ja er füert yn die zeügknussen Jrenei / Cypriani / Retitij / Olympij / Hilarij / Ambrosij / seines vatters vnd leermeysters in Christo / Jnnocentij / Gregorij / Bastij / Joannis Chrysostomi. Vnnd spricht zum letsten / Wilt du ein söllicheCCVIIv. / 207b
einhellikeyt diser Catholischen Leereren / ein rottung nemmen der verlornen? Du solt auch nit meynen dz der heilig Hieronymus zuo verachten / darumb dz er nun ein Priester gewesen / welcher in Griechischer / Latinischer / vnd über das auch in Hebraischer spraach geleert / von der Occidentalischen kirchen in die Orientalisch gezogen / in dem heiligen land vnnd in der heiligen geschrifft biß auff hohes alter geläbt hat. Diser hat alle oder doch gar nach alle die / die vor jhm in beden theylen der wält von der Christenlichen leer geschriben habend / geläsen / vnd hat kein andere meynung von disem handel gehalten noch herfür bracht. Widerumb schreibt gedachter Augustinus auch libro de peccatorum meritis & remissione 3. cap. 7. also / Hieronymus da er den Propheten Jonam außlegt / vnnd an das ort kumpt / da gemäldet wirt das auch die kind mitt fasten sygind castyet / da spricht er / Das grösser alter facht es an vnnd kumpt biß auff das minder / dann keines läben / wenn es schon nun eines tags lang wäre / oder die jar seines läbens vnzalbar wärind / wäre on sünd. Dann so die sternen nicht rein sind vor dem angesicht Gottes / wie vil minder dann der / der nichts weder ein wuost vnnd ein wurm ist / vnnd die / die da begriffen sind in der schuld der sünd deß überträttenden Ade? Vnnd setzt Augustinus auf dises hinzuo / Könntind wir disen fürauß geleerten mann kommlich fragen / wie wurde er vnns so vil außleger der heiligen geschrifft in beyden sprachen / vnnd so vil Scribenten Christenlicher Disputationen vnnd handlungen können erzellen / die nichts anders als [so] lang die Christenlich kirch gewäret hatt / gehalten / auch nichts anders vonn jhren vorderen empfangen / noch ützit anders jhre nachkomnen geleert habend. Jch / wiewol ich vil minder geläsen hab / bin ich doch nicht yndenck / das ich ye ützit anders gehört habe vonn allen Christen die beyde Testament annemmend / nicht allein die in der waaren Catholischen kirchen / sonder auch die in allen anderen kätzereyen vnnd trennungen behafftet sind. Ja ich bin nicht yndenck / das ich ützit anders geläsen habe / bey allen denen die ich hab mögen läsen / vnnd die hieruon ettwas geschriben / die ächt der heiligen geschrifft nachfolgend / oder doch sich selb darfür haltend / oder wöllend gehalten werden / als die jhren nachfolgind. Das alles schreibt Sanct Augustin / vnnd leert hiemitt / das alle heiligen gleich vonn anfang mitt einhälliger leer die erbsünd inn den kinden heitter bekennt habind. Mich bedunckt aber das Hieronymus nicht allein an gemältem ort in Jonam / sonder auch in Ezechielem vil heiterer die erbsünd bestätiget habe / Wie man dann lißt in seinen Commentarijs über den Ezechielem lib. 14. cap. 47. Namlich / Welcher mensch kan sich rüemen / das er ein rein hertz hab? oder in wessen hertz kumpt durch die fänster der augen der Todt der begird nicht? Vnnd (das ich wenig sage) die kützlung deß gemüets? Dann die wält ligt im bösen / vnnd deß menschen hertz ist vonn kinds wäsen an zum bösen geschickt vnnd geneigt / also das der menschlich stand nicht ein einigen tag vonn dem anfang an seiner geburt on sünd ist. Darumb auch Dauid in dem Psalmen bekennt / Sihe im bösen bin ich empfangen / vnnd in sünden empfieng mich mein muoter. Nicht inn meiner muoter sünden / oder auch meinen / sonnder inn den sünden deß menschlichen standts. Darumb auch der Apostel spricht / Der Todt hatt vonn Adam an geherrschet biß auff Mosen / auch über die / die nicht gesündet habend nach der gleichnuß der überträttung Ade. So vil Hieronymus. Das alles hab ich nun bißhar also angezogen / zuo erhalten das die erbsünd ein anerborne vnnd erbliche verböserunng vnnd verderbunng der menschlichen natur syge.
CCVIII. / 208a
Nun wöllend wir auch besehen was vnnd wie groß dise erbliche boßheit vnd verderbung vnser natur seye / vnd was sie im menschen zuowegen bringe. Vnsere natur ist zwar / wie ich vor anzeigt / fürtreffenlich guot vnnd vnprästhafft gewesen in vnserem vatter vor dem fal / nach dem fal aber / ist sie auß gerechtem gericht Gottes gar böß / verderbt / vnnd prästhafft worden / vnnd also ist sie auch vnns allen yngepflantzet / wie das die erfarung vnnd die sach selb an den kinden / vnd auch an den alten vnd gewachßnen heiter anzeiget vnd bezeüget. Dann die kind gebend anzeigungen an jnen selb offenbarer verböserung vonn stund an so bald sie anfahend ettwas thuon / ehe dann sie auch recht könnind reden. Wir habend alle ein stumpffen / dollen / trägen vnd gantz blinden verstand inn Göttlichen sachen / Jtem ein gantz verkert vrtheil inn himmelischen händlen. Dann es entstond in vns greüwliche vnd wüeste vngereympte gedancken vnd meinungen von Gott von den vrtheilen vnd wercken Gottes. So ist auch vnser gantz gemüet zuo jrthummen / zuo fablen / vnd zuo vnserem verderben geartet vnnd geneigt. Vnnd so wir auffs aller vngeschicklichest vrtheilend / so haltend wir doch vnnsere vrtheil vil höher dann die Göttlichen / die vnns gegen diseren vnseren menschlichen vrtheilen gleich als narrey bedunckend. Dann es leügt der nicht der gesprochen hatt / Der natürlich oder seelisch mensch / vernimpt nichts vom geist Gottes / Es ist jhm ein torheyt / vnnd mags nicht erkennen / dann es muoß geistlich gerichtet werden. Da nennt aber Paulus den seelischen oder natürlichen menschen / den / der natürlich nach der läblichen seel läbt / vnnd aber noch nicht widergeboren ist. Dieweyl wir nun noch also sind / werdend wir gantz vnnd gar vonn der Philantij geregiert / Welche ist ein vnmäßige liebe vnd hochhaltung vnser selb / da vns all vnser ding fürauß gefallt / vnd da wir vnserem nutz ämpsig obligend / vnnd das mit verachtung auch schaden aller anderer. Vnnd ist nicht vergeben / das Plato dises laster gehalten hatt für ein brunnen alles übels. Vber das / so wirdt vnnser gantzer will gefangen gefüert von der begird / welche gleich wie ein vergiffte wurtzel alle menschliche handlungen vergifftet / vnnd den menschen zuo fleischlichen / verbottnen / vnnd Gott widerwertigen sachen zeücht vnnd treibt / das er den selbigen begirlich nachhängt / vnnd darinn allen wollust suocht / vnnd darinnen beruowet [beruhet]. So habend wir auch kein vermögen zum guoten. Dann wir sind langsamm faul vnnd träg zuo allem guoten / geneigt aber vnnd fruotig [tüeglich] zuo allem das nichts sol. Vnnd damit ichs ende / vnnd kurtz miteinanderen die gantz krafft vnnserer erblichen boßheit vnnd verderbung außtrucke / so ist die verböserung vnnser natur nichts anders dann ein außtilgkung vnnd außlöschung der bildtnuß Gottes inn vnns. Vor dem fal was die bildtnuß Gottes inn vnnserem vatter Adam / welche nach der Apostolischen außlegung / ein gleichförmige vnnd gemeinsamme wz der Göttlichen weyßheit / gerechtigkeyt / heilikeit / warheyt / volkommenheit vnnd vnschuld / ja auch der vntödtlikeyt vnd ewigen säligkeyt Darumb was kan die außtilgkung vnnd außlöschung diser bildtnuß anders sein / dann die erbsünd / das ist / haß gegen Gott / vnerkanntnuß Gottes / torheyt / mißtreüw / verzweyflung / eigne liebe / vngerechtikeit / vnreinikeit / vnwarheit / gleichßnerey / ytelkeit / verderbung / vnbill / vnd lasterhaffte / ja auch stärblikeit / vnd ewige verdamnuß. Dise bildtnuß vnd gleichnuß ist in vns alle gepflantzet vnd gezüchtet. Wie wir läsend Gen. am v. cap. Adam hat geboren einen sun / in seiner gleichnuß / nach seiner bildtnuß. Darumb wie Adam vnser vatter zerstört / verböseret vnnd arbendsälig wz / söliche kinder hatt er auch vnns geboren / also das wir alle / die wir vonn dem vnreinen samen här kömmend / durch die befleckung der sünd vergifftet geboren werdend. Dann vonnCCVIIIv. / 208b
einer faulen wurtzen kömmend auch faule äst / die jre füle [faule art] auch inn andere schoß die auß jnen wachsend außtruckend.
Vnd wiewol diß übel / dise verderbung / vnd dise sünd / in den kinden verborgen ist / vnd noch nit von deß zarten alters wegen in die sünd außbricht / so ist es doch eigenlich ein sünd / vnd ein söliche sünd / die sie schuldig machet deß zorns Gottes / vnd sie absünderet von der gmeinschafft Gottes. Dann bey Gott / der heilig vnd ein verzeerends feür ist / mag niemand wonen / dann der vnbefleckt vnd rein ist. Vnd S. Paul spricht / sie habend alle gesündet / vnd manglend der eeren Gottes. Dise ehr Gottes / ist die bildtnuß Gottes. Dieweil nun die deren manglend / die durch die erbsünd verderbt sind / so werdend sie billich vonn der gemeinschafft Gottes verstossen. Dahär dienet auch die gantz disputation / die ich doben thon in der xxiiij. predig von der begird / Da ich gelert hab / dz auch die begird / die gleich noch nit ins werck außbrochen ist / sünd seye / vnd ein söliche sünd / die alle menschen dem fluoch Gottes vnderwerffe. Dann es ist geschriben / verflüecht seye ein jeder / der nicht bleibt in allem das geschriben ist inn dem buoch dises gesatztes. Darumb so ist dises / die erst vnnd fürnempst würckung der erbsünd / das sie den kinden vnd deßhalb allen menschen / den zorn tod vnd verdammnuß bringt vnnd gebirt. Welches ich / damit niemand daran zweyfel hab / mit weytlöuffigeren zeügnussen der heiligen geschrifft / doch nicht mit denen die ich doben in diser predig vnnd auch in der xxiiij. anzogen hab / beweisen wil. Der Herr spricht im Euangelio zum Nicodemo / Warlich warlich sag ich dir / es sey dann / das jemands von oben herab geboren werde / mag er das reich Gottes nit sehen. Jtem / Warlich sag ich dir / Es seye dann / das jemands geboren werde auß dem wasser vnd geist / der mag nicht inn das reych Gottes kommen. Was vom fleisch geboren ist / das ist fleisch / vnnd was vom geist geboren ist / das ist geist. Jn denen worten werdend vns zwey ding fürnemmlich fürgestellt / vnd die zuo vnserem fürnemmen überuß wol dienend. Das erst / das in das reich der himmlen niemand kommen mag / dann die vom himmel herab durch den heiligen geist widergeboren sind. Darumb so dienet vns die erste geburt zum tod / vnd nicht zum läben. Dann mit der ersten geburt werdend wir zum tod erboren. Das ander. Das was vom fleisch geboren wirt / fleisch ist. Darumb so werdend wir in vnser ersten geburt alle fleisch erboren. Vonn der art vnd würckung aber deß fleisches / spricht der Apostel also / Die anfechtung deß fleisches / oder nach dem fleisch gesinnet sein / ist ein feyendschafft wider Gott / dann das fleisch ist dem gesatzt Gottes nicht vnderthon / dann es vermags auch nicht. Darumb gebirt vns die fleischlich geburt / nicht freünd vnd kinder / sonder feyend Gottes / vnd deßhalb schuldige deß zorns Paulus zun Ephes. ij[3]. cap. spricht / wir warend von natur kinder deß zorns gleich wie die anderen. Mit welchen worten er leert / das wir alle verderbt seyend. Dann kinder deß zorns nennt er / nach Hebreischer art zuoreden / die verderpten / die deß ewigen tods wärt / vnd gantz vnd gar söliche sind / über die Gott billich zürnt. Dann Gottes zorn / heißt das vrtheil vnd die straff / die über die menschen auß gerechtem gericht Gottes gat. Vnd der heißt ein kind deß tods / der dem tod zuo verurtheilt vnd verordnet ist. Also ein kind deß verderbens usw. Merck aber / das er vns alle nennt kinder deß zorns / das ist der straff vnd verdamnuß vnderworffne von natur / nammlich von geburt vnd von muoter leyb an. Was aber natürlich in allen ist / das ist on zweifel erblich. Darumb so machet er vns die erbsünd schuldig deß zorns Gottes / das ist / von der vrsprünglichen vnd erblichen verböserung vnd prästens wegen / sind wir alle der verdamnuß vnderworffen. Dises ort Pauli ist gantz fürtreffenlich in disem handel.Jtem inn der Epistel zun Colosseren am ersten Capitel[13] spricht gedachter
CCIX. / 209a
Apostel auch / Gott hat vns errettet von dem gwalt der finsternuß / vnnd hatt vns gezogen in das reych seines geliebten suns. Sind wir nun gezogen vnnd gesetzt in das reich deß suns Gottes / so sind wir je vorhin im rych deß Teüffels gewesen. Hiehär dienend auch die vilfaltigen zeügnussen gedachts Apostels Pauli / als das er zun Römeren am fünfften Capitel spricht / durch eines sünd sind vil gestorben. Jtem / durch einen der gesündet hatt / ist der tod kommen. Dann das vrtheil ist kommen von einer sünd zur verdamnuß. Jtem / vmb deß einigen sünd willen hatt der tod geherrschet durch den einigen. Vnnd abermals / Durch deß einigen sünd ist das übel über alle menschen kommen zur verdamnuß. Jnn summa / die erbsünd wirt vonn Dauiden vnnd Paulo heiter sünd genennt. Darumb so ist sie deß tods schuldig / dann der sünden sold ist der todt.
Deßhalb so beschliessend wir / das die kind die verdamnuß mit jhnen vonn muoter leyb inn dise wält bringind / dieweyl sie die verderpt natur mitt jhnen bringend / vnd darumb verderbend sie nicht auß fremder / sonnder auß eigner schuld. Dann wiewol Augustinus an eim ort dise sünd ein frembde sünd nennt / damit er dest heiterer anzeigete das sie vnns von alter här yngepflantzet wärde / so bekennt er doch das die selbig vnnser aller vnnd eins jeden warlich eigen seye. Vnnd wiewol dise sucht die frücht der boßheit noch nicht herfürbracht / so ist sie doch vonn natur gantz ein wüeste verderbung vnnd verböserung / vnnd ein samen also zuo reden aller sünden vnnd lasteren / vnnd kan deßhalb nicht Gott nitt verhaßt sein / Dann Gott hasset alle vnreinikeyt. Dem ist nicht zuo wider / das Paulus spricht / Wo kein gesatzt ist da ist kein überträttung. Dann der Apostel laugnet nicht einfalt [schlecht] / das die überträttung vnd sünd / die vor den augen Gottes warlich sünd ist / nicht sünd seye / sonnder er sicht auff das wie es die menschen achtend. Dann die selbigen / eb [ehe denn] jhnen die sünd durchs gesatzt geoffenbaret vnd an tag thon werde / rechnend vnnd schetzend sie die sünd nicht / wie man sie aber im grund schetzen vnnd halten solt. Paulus spricht auch an eim anderen ort / die sünd was vorzeyten on das gesatzt tod / Vnnd ich läbt etwan on gesatzt / da aber das gesatzt kam / ward die sünd wider läbendig. So sie nun jetz wider läbendig worden / so volget / das sie auch vor dem gesatz / eh sie durch das gesatzt wider aufferweckt / geläbt habe / ob sie schon dozuomal jhre krefft nicht dermassen wie jetz herfür thon. Dahär dienet auch das der Apostel spricht. Die sünd was inn der wält biß auff das gsatzt / wo aber kein gesatzt ist / da achtet man der sünd nicht. Sich / das die sünd auch vor dem gesatzt in der wält gewesen / jhren ward aber nicht geachtet / nicht das jhren Gott nicht achtete / oder sie nicht zuorechnete / sonnder das die menschen jhren nicht achtetend / noch sie jhnenselb zuorechnetend. Als wie das feür / das warlich feür ist / inn der äschen verborgen ligt / dieweil es aber kein flammen von jm gibt / so meint man nit das es feür seye. Von der vrsach wegen hat der Gottsälig vnd hochgeleert Huldrych Zwinglin säliger gedechtnuß eigenlich vnderscheiden zwüschend dem prästen vnnd der sünd / als er vonn der erbsünd handlet / welche er lieber ein prästen hatt wöllen nennen vnnd kranckheyt / dann ein sünd / vonn wegen das man durch das wörtli sünd gemeinlich verstat ein böse that / die auß vnnserem eignen willen geschicht wider das Gesatzt / durch das wörtli prästen vnnd kranckheit aber / den arbentsäligen stand vnserer knechtschafft. Jtem die verböserung vnd zerstörung der natur / die einist wol [gut] erschaffen wz / wie wir auch erst von Augustino ghört / dz er dise sünd ein frömde sünd nennt / damit anzuozeigen / dz sie erblich seye / da er aber darnebend nit lougnet dann das es auch ein eigne sünd seye. Also hat Zwingli die erbsünd nicht glaugnet / wie ettlich mit vnwarheitCCIXv. / 209b
von jm außgeben / er hatt auch nicht gehalten / das sie den kinden für sich selb vnschädlich seye / dann so verr sie auß gnaden Gottes durch dz bluot Jesu Christi / durch die krafft der verheissung vnd deß punts Gottes vnschädlich wirt. Dann inn der bekantnuß seins glaubens auff dem reychßtag der zuo Augspurg im 1530. jar gehalten / spricht er / Jch bekennen das die Erbsünd durch die eigenschafft vnd vermaßgung [erbsucht] allen denen angeboren werde / die auß anfechtung weybs vnd mans geboren werdend. Jch bekenn auch / das wir nach der natürlichen geburt / sün deß zorns sind / Jch bin auch gar nicht darwider so man disen prästen vnd eigenschafft sünd wil nennen / Dann Paulus hatt jhn auch sünd genennet / Ja ich gib zuo / das der präst ein söliche sünd seye / das alle / so in jm geboren werdend / feyend vnd widerwertige Gottes seyend. Dahin aber sie die geburt zeücht / vnd nicht das sünden / das sie selbs begangen habind / dann so vil vnd die sünd vom ersten vatter begangen ist. Vnd darumb so ist die ware vrsach der vngehorsamme vnd deß tods / das laster / vnd die mißthat / die Adam begangen / vnd das selb ist die rechte vnd ware sünd / eigenlich zuo reden. Aber die erbsünd / die vnns ankläpt [anklebet] / ist warlich ein präst / eigenschafft / ja zwungenschafft [notwendigkeit] zum todt. Vnd was daselbst weyter volget / dann bißhär hab ich sein eigne wort erzellt.
Auff dises ist überig auch die ander würckung der erbsünd zuo erklären. Dann wie ich doben gesagt / so bringt sie werck inn vnns herfür / welche die geschrifft / werck deß fleisches nennt / nicht anderst / dann wie ein brünnender ofen flammen vnd gneist [funcken] außwirfft / oder ein brunnader die stäts wasser quillt. Da ist kein ruow. Dann da erhept sich gyt / vnd geilheit / da kläpt vns an der eergyt / es ergreifft vns der zorn / es blaßt vnns auff die hoffart / es reitzt vnns die trunckenheit / es vexiert [plaget] der verbunst [neid] vnd haß vns selb vnd anderleüth. Darumb spricht der Herr im Euangelio / Auß dem hertzen gond her auß böse gedancken / todschleg / Ehbruch / hury / diebstal / falsche kuntschafft / lesterungen. Jtem es erzellt Paulus zun Gal. am v[19]. Cap. deßgleich zun Röm. am j[28]. vnd iij[12].Cap. Die werck deß fleisches in eim kurtzen register. Jn der Epistel zun Epheseren am iiij[31]. Cap. beschreibt er gantz artlich die werck deß fleisches / die auß der anerbornen verböserung erboren werdend inn allen vnnd von allen die durch den heiligen geist noch nicht widergeboren sind. Das sag vnd bezeüg ich / (spricht er) bey dem Herren / das jr nit mer wandlind / wie die anderen Heiden wandlend in der ytelkeyt jres verstands / die verfinsteret sind in jrer vernunfft / vnnd sind entfrömdet von dem läben das auß Gott ist / von wegen der vnwüssenheit so in jhnen ist / durch die blintheit jres hertzens. Welche sittmals [sintemal] sie verruocht sind / habend sie sich selbs ergeben der geilheit / zuo volbringen alle vnreinikeit mit aller begird. Diß ist nun hieuon gnuog geredt / wiewols kurtz ist / dann weytlöuffiger wirt dauon volgen in der handlung der tätlichen sünd / welche ich jetz wil zuo handen nemmen / nach dem ich eüwer lieb erinneren /das ich disen handel der erbsünd / dz ist der verböserung deß menschen / vnd der zerstörung der menschlichen krefften nicht on grosse schwäre vrsach so mit vilen worten getriben hab.
Dann wie darinn auffthon wirt der brunnen der reinen leer / also stat auch darinn der grund vnsers glaubens. Dann so kein erbsünd ist / so ist auch kein gnad / vnd ob die schon wäre / so wurde sie doch nichts haben dz sie in vns würckte. So vnsere krefft gantz sind / so werdend wir keines artzets bedörffen / So ist der Sun Gottes vergeben kommen / vnd geschickt worden / So werdend die menschen durch jre eigne krefft heil vnnd sälig. Also wurde aber der grund vnsers glaubens zerstört vnd vmbkert. Darumb ist der heilig Augustinus gar hefftig inn disem handel. Dessen kostliche vnd edle wort ich mich nit beschwären wil eüwer lieb zuo erzellen vnd vorzuoläsen auß dem anderen buoch / de originali peccato contraCCX. / 210a
Pelagium vnd Celestinum cap. xxiij. vnd xxiiij./ Da er also schreibt. Es hat vmb die fragen / die er Pelagius vermeint den glauben nichts an gon / vil ein andere gstalt / dann vmb die / in denen man wol on verletzung deß glaubens / durch welchen wir Christen sind / eintweders nicht wüssen mag was war ist / vnd deßhalb das entlich vrtheil auffschiebt / oder auß menschlichem vnd schwachem beduncken anders haltet / dann ein ding aber an jm selb ist. Also so man fraget / wie oder wo dz Paradiß seye / da Gott den menschen den er auß dem staub der erden erschaffen hingsetzt hatt. Da doch der Christenlich glaub nit zwyflet / dann dz dises Paradiß seye? Vnd nach erzellung etlicher der gleichen fragen mer spricht er / Wer ist der nit sehe / das in disen vnd dergleichen vilen vnd vnzalbaren fragen (so eintweders die verborgnen werck Gottes / oder die tuncklen heimlikeiten der heiligen geschrifft belangend / welche eigenlich zuo begreiffen / vnnd zuo beschreiben gantz schwär ist) vil nicht mag gewüßt werden / vnnd doch on verletzung deß Christenlichen glaubens / vnnd das man etwan darumb jrren mag one sünd einiger kätzerischen meinung. Aber inn dem handel der beden menschen / vnder denen wir durch den einen vnder die sünd verkaufft / durch den anderen aber daruon erlößt sind / vnd durch den einen inn den tod gefellt / durch den anderen aber zum läben errettet werdend (Dann jhener hatt vns inn jhm selb verderbt / mit dem das er seinen vnd nicht dessen willen thon hatt / vonn dem er gemachet was / diser aber hatt vnns inn jhm selb sälig gemachet mit dem das er nicht seinen / sonnder dessen willen thon hatt vonn dem er gesennt ist.) Ja inn disem handel diser zweyen menschen stadt eigenlich der Christenlich glaub. Dann es ist ein Gott / vnnd ein mittler Gottes vnd der menschen / der mensch Jesus Christus / vnnd ist kein anderer nam den menschen vnder dem himmel gegäben / inn dem wir mögind sälig werden / vnnd inn disem hatt Gott allen menschen den glauben verordnet vnd bestimpt / mit dem das er jn vonn todten aufferweckt hatt. Darumb on disen glauben / das ist / on den glauben deß mittlers Gottes vnd der menschen deß menschen Jesu Christi / ja on den glauben seiner vrstende / welche Gott den menschen verordnet vnnd bestimpt hatt / vnnd die on sein menschwerdung vnnd tod warlich nicht mag glaubt werden / Ja on den glauben / sprich ich / der menschwerdung deß tods vnnd der vrstende Christi / zweyflet die Christenlich warheit nicht / dann das auch die alten gerechten nicht habind mögen vonn sünden gereiniget vnnd durch die gnad Gottes gerechtgmachet werden / Es seyend gleich die gerechten / deren die heilig geschrifft mäldung thuot / Oder die / deren sie nicht mäldung thuot / die aber gewesen sein wol zuo glauben ist / Es seye vor dem sündfluß oder darnach biß auff das gesatzt / oder auch zur zeyt deß gesatztes / nicht nun [nur] vnder den kinderen Jsrael / wie die Propheten warend / sonnder auch aussert dem selben volck / als wie Job gewesen ist. Dann gerad äben durch disen glauben deß mittlers sind jre hertzen gereiniget vnd ist die liebe in jnen außgossen worden durch den heiligen geist / der da wäyet wo er wil / vnd nit den verdiensten nachfolget sonder die verdienst selb würckt vnd thuot. Dann es wirt keins wegs Gottes gnad sein können / sie seye dann in allweg vnuerdient. Darumb wiewol der tod vom Adamen biß auff Mosen geherrschet hat / dann es mocht jn auch dz gsatzt durch Mosen gegeben / nit überwinden / dann es wz nit ein sölichs gegeben / dz da möchte läbendig machen / sonnder das die todten (denen damit sie läbendig gemacht werdind / die gnad vonn nöten was / vnd die nicht nun durch die ynpflantzung vnd beherrschung der sünd nidergeschlagen / sonder die auch durch die zuogethone überträttung deß gsatztes vberwunden wurdend) anzeigen sölte. Nit dz darumb der verderben müeste / der auch dozuomalen dises in der barmhertzikeit Gottes verstuond / sonder dz er / der durch die beherrschung deß tods zur straff gewidmet vnd
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jhm selb durch die überträttung deß gesatztes zuo erkennen geben ward / Gottes hilff lernete suochen / damit das wo die sünd vberhand genommen hatt / die gnad noch vil me vberhand näme / welche vns allein erlößt von dem leyb dises tods. Darumb wiewol das gsatzt so durch Mosen gegeben was / die beherrschung deß tods vonn keinem menschen hatt mögen hin nemmen / so warend doch auch zur zeyt deß gesatztes menschen Gottes / die nicht vnder dem erschreckenden / vberzügenden vnnd straffenden gesatzt / sonder vnder der lieblichen heilmachenden vnnd erlösenden gnad warend / die da sprachend / Jch bin inn sünden empfangen / vnnd inn sünden hatt mich mein muoter inn jhrem leyb erzogen usw. Das sind alles wort deß heiligen Augustini. Das seye nun von der Erbsünd / das ist / vonn der anerbornen vnnd erblichen verböserung der natur geredt / welches dann der erst theil ist in der beschreibung der sünd.
Nun volget der ander theil / nammlich die that so darauß entspringt / das ist die tätlich sünd / die vom thuon disen nammen hatt. Dann dieweil dise vnsere anerborne vnd anhangende verböserung / sich nicht allweg verbirgt / sonder sich scheinbarlich üebt vnnd herfür thuot / vnnd zuoletst auch ein frucht die jres geschlächts vnnd jrer art ist gebirt vnd fürbringt / so ist dasselbig jetzund die tätlich sünd / welche ich also beschriben. Die tätlich sünd / ist ein tat / werck / oder frucht vnser bösen vnnd verderbten natur / die sich herfür thuot inn gedancken worten vnd wercken / wider das gesatzt Gottes / vnnd deßhalb den zorn Gottes verdienet. Hierinn ist nun die vrsach diser sünd nicht tunckel / sonnder heiter vnd offenbar / nammlich die verböserung deß menschen / die sich durch die begird vnnd anfechtungen herfür thuot. Die anfechtungen reitzend den willen / der will aber durch hilff vnd mitwürckung anderer krefften deß menschen / volbringt die tätlich sünd. Vnnd das es dest heiterer verstanden werde / so hatt vnser seel zwen theil fürnemmlich / den verstand gemüet oder vrtheil / vnnd den willen neigung oder begird. Jm gemüet sind natürliche gesatzt / zuo denen das hören läsen oder wüssen deß worts Gottes kommen muoß. Wie nun zwo fürnemm vrsachen der guoten wercken im menschen sind / nammlich ein rechts vrtheil das wol in dem wort Gottes informiert ist / vnnd der mitstimmend vnnd gehorsammende will (wiewol fürauß erforderet wirt / das der heilig geist aussen här vnnd vonn himmel herab darzuo kömme / das gemüet erleüchte / vnd den willen bewegt) also wirt die tätlich sünd eigenlich volbracht / wenn etwas mit verstand wüssen vnd willen wider das gsatzt Gottes gschicht. Darnebend kömmend auch von aussen här andere vrsachen darzuo / sichtbare vnd vnsichtbare. Dann es bewegend den menschen die bösen geister / es bewegend jn andere menschen / vnd die exempel deß bösen / deren in der wält vnzalbar vil sind / deßgleichen etwan hoffnung / forcht vnd schwacheit. August. quaest. in Exod. xxix. spricht / Der vrsprung der sünden ist im willen deß menschen / die hertzen aber der menschen werdend durch vrsachen bewegt / etliche also / andere also / offt vngleicher weyß ob schon die vrsachen nicht vngleich sind / nach den eigenschafften / die auß dem willen kömmend. Jtem über den neün vnd sibentzigsten Psalmen spricht er / Zwey ding machend alle sünden im menschen / Begird vnd forcht. Bedenckends / erwägends / fragend ewere hertzen / erforschend die gewüßninen [gewissen] / luogend ob neißwan sünd sein mögind / [anders] dann auß begird oder forcht. Dir wirt belonung fürgestellt das du sündist / das ist / etwas das dich belustige / so thuosts von dessen wegen das du begärst. Villeicht lassest dich aber dises nit füeren vnnd bewegen / wirst aber mit tröwungen erschreckt / vnd thuosts / von deßtwegen das du fürchtest. Als nimm ein exempel / Es wil dich einer verfüeren / dz du falsche kunntschafft [zeugnuß] redist / Da hast aber du auff Gott gemerckt / vnd in deinem gemüet gesprochen / wzCCXI. / 211a
nutzte es den menschen / so er die gantz wält gewunne / vnnd aber seiner seelen schaden thäte? Mich sol kein lon bewegen / das ich mein seel verlieren wölle von gälts wegen. So er dich nun mit belonung nit mögen gewünnen / so luogt er wie er dich erschrecke / vnd facht dir an schaden / vertribung [ellend vnd verweisung] / streich / vnd vileicht auch den tod tröwen. Dz nun die begird nit vermögen / dz vermag vilicht die forcht / dz du sündist. Weiter in libro de sermone Domini in monte, spricht gedachter Augustinus also. Drü ding sind / damit die sünd erfüllt wirt. Suggestio, delectatio vnd consensus, das ist / Jngäbung / belustigung [lust] / vnd bewilligung. Die yngebung geschicht eintweders durch gedechtnuß oder durch die eusseren sinn deß leybs / als so wir etwz sehend / hörend / schmöckend [riechen] / versuochend [kosten] oder anrüerend. Wenn vns dann sölichs zuoniessen belustiget [eine lust ankompt] / so sol man die belustigung so sie vnzimmlich ist / im zoum halten. Als so wir fastend / vnnd speiß sehend / so erhept sich die begird zuo ässen / welches nit geschicht one belustigung / Noch so [aber doch] bewilligend wir der selben nit / sonder haltend sie hindersich [zurück] durch das gebott der herschenden vernunfft. So aber die bewilligung geschicht / so ist die sünd jetz volkommen. Dise drü ding sind gleich dem handel der in Genesi beschriben wirt / da die yngebung vnd die beredung gleich als vom schlangen geschicht / die belustigung [belüstigung] aber in der fleischlichen begird / gleich als in der Eua / vnd die bewilligung aber in der vernunfft / gleich als in dem man. Welches so es alles geschicht / so wirt der mensch vonn dem säligen liecht der gerechtikeit / gleich als auß dem Paradyß inn den todt getriben. So vil Augustinus von der vrsach der sünd.
Jnn der beschreibung aber der tätlichen sünd / ist besonders wol zuo mercken die eigenschafft oder der vnderscheid / mit dem dise that vnd handlung von anderen thaten vnd handlungen vnderscheiden / vnd darinn das eigenlich gemerck der sünden angezeigt wirt / Nammlich dz dise that wie auch alle andere sünden / *richtig ist vnd* [*stracks] gschicht wider das gsatzt Gottes. Welches aber das gsatzt Gottes seye / ist in vorgenden predgenen doben nach der lenge erlüteret / nammlich nichts anders dann der will Gottes. Es wil aber Gott / dz der mensch seiner bildtnuß / dz ist der bildtnuß Gottes / sich gleichförmig halte / heilig vnd vnschuldig sey / vnd sälig werde. Disen seinen willen hat Gott vßtruckt / erstlich durch dz gsatzt der natur / demnach durch dz gsatzt dz in steinine tafelen geschriben wz / zuo letst durch die predig deß Euangelij. Welches alles auff ein end abgat [auff ein ende vnd zil gehen] / nammlich dz der mensch / heilig / vnschuldig seye vnd entlich sälig werde. Alles das nun mit gedancken / mit worten vnd wercken von den menschen wider diß heilig gesatzt Gottes geschicht / das sind alles tätliche sünden. Darumb die sünd der menschen zuo richten vnd zuo entscheiden [daß man wissen vnd erkennen möge] / muoß man einig [allein] auff dz gsatzt Gottes sehen. Dann wz mit dem gsatzt Gottes nit streytet / das ist nit sünd / vnd hat kein mensch gwalt gsatzt zuo machen / durch deren überträttung wir sünder werdind. Dise eer ist Gottes allein / zuo dem Dauid spricht / dir allein hab ich gesündet / vnd wider dich hab ich übels gethon. Es gebürt auch vns nit / dz wir auß vnserem eignen vrtheil entscheidind / welches kleine oder grosse sünd seyend. Dann welcher auß vns wurde meinen das es sünd wäre zuo seinem bruoder sprächen / du narr? Der Herr spricht aber im Euangelio / es seye sünd / Er zeigt auch äben im selbigen Euangelio an / dz wir am tag deß gerichts von einem jeden vnnützen wort müessind rächenschafft geben. Darumb spricht S. Augustin lib. 2. de Baptismo contra Donatistas cap. 6. recht / Jn dem beschetzen [erwegung vnnd achtung] der sünden söllend wir nicht falsche wag herfür bringen / das wir nach vnserem guotduncken wägind was wir wöllind vnnd wie wir wöllind / vnd sprächind / Dises ist schwär / dises leicht / Sonder wir söllind die göttlich wag herfür bringen auß der heiligen geschrifft / als auß der schatzkammer deß Herren / vnnd inn deren söllend wir wägen / ja nicht wägen / sonder wie es vom Herren gewägen ist / erkennen / welches das schwärer seye.CCXIv. / 211b
Vnd wiewol dises gnuog sein möchte / als in dem die natur vnd eigenschafft der tätlichen sünd gnuogsamm erklärt / so wöllend wir doch die gestalten / geschlechter / vnnd vnderscheid der sünden etwas weitlöuffiger bedencken. Die Stoici habend vermeint alle sünden seyend gleich / welchen vilicht Jouinianus nachgefolget / (wie dann Tertullianus die Philosophos der kätzeren Patriarchen vnd ertzuätter nennt.) Von welchem geschriben wirt / das er dasselbig auch bestätiget habe / wie man dz fint bey dem Augustino in catalogo hæreticorum. Die gschrifft aber leert Gott seye grecht / daruß wir gleich abnemmend vnd ermässend / das deßhalb die sünden nit gleich seyend. Dann wir sehend / das Gott der ein gerechter richter ist / etliche sünden schwärer strafft dann die anderen. Dann es spricht der Herr im Euangelio / Wee euch gschrifftglerten vnd Phariseer jhr gleichßner / die jr der witwen heuser verschluckend vnder dem schein deß langen gebätts / darumb werdend jr auch dester grössere verdamnuß empfahen. Jtem / Es wirt dem land der Sodomiteren ringer ergon am tag deß gerichts / dann der statt die die predig deß Euangelij verwirfft. Zuo gleicher weiß spricht auch der Herr Math. xj. Es wirt Tyro vnd Sidon leidlicher ergon am tag deß gerichts / dann euch. Jtem zum Pilato spricht er auch / der mich dir überantwortet hatt / der hat die grösser sünd. Jtem / der knecht der seines herren willen weißt / vnd hat sich nit bereitet / auch nit nach seinem willen thon / der wirt vil schleg leiden müessen. Der es aber nit weißt / vnd hat doch gethon dz der schlegen wärt ist / wirt wenig schleg leiden. Die sünden aber habend jre grad vnd vmbstend / durch welche sie zuonemmend vnnd grösser werdend. Dann es ist etwan ein sünd / die doch verborgen ligt / begriffen inn der begird vnnd anfechtung deß menschen / Da hab ich aber doben anzeigt / das die anfechtungen vnnd begirden zwifalt seyend / natürliche nammlich / die dem gesatzt Gottes nit zuo wider sind / als da sind / liebe der kinden / der elteren / deß ehgmahels / Jtem begird deß ässens / trinckens / vnd der ruow. Wiewol ich nicht lougnen / sonnder wol weiß / das die selbigen auch etwan mit der erbsucht befleckt werdend. HInwiderumb sind auch fleischliche anfechtungen vnd begirden inn dem menschen / die mit dem willen Gottes streytend. Die nemmend zuo vnd wachßend durch ytele gedancken / vnd fleischliche lüst / so sich die inn deinem hertzen hauffend / vnnd brechend darnach auß / inn die sünd deß munds / vnnd darnach auch inn die sünd deß wercks. Als exempels weyß. Du begärst eines anderen Ehweybs / vnnd das behaltst du bey dir inn den heimlikeiten deines gemüets / darzwüschend aber belustigest vnnd kützlist dich selb mit ytelen gedancken / mit dem das du dir in den augen deines gemüets ynbildest jr schöne gestallt / vnd also durch die so hefftig vnd vnabläßlich ynbildung belustiget vnd entzünt wirst. Vnnd dessen lassest dich nit benüegen / sonnder bringst dein vnzucht an sie durch gschrifft oder mit worten. Vnd begast auch die selb mit jren im werck so du jenen [fuoglich] magst. Vnd das laster / so du es ein mal begangen / äferists wider / vnd brauchst es jetzund on alle scham vnd forcht. Da sichst in disem exempel / wie die sünd wachset vnd in jr selb zuo nimpt / vnnd deßhalb jmmerdar je nach dem sie grösser wirt / auch ein grössere straff erforderet. Dises bestätiget der Herr im Euangelio Matthei vnnd spricht / Jr habend gehört / das zuo den alten gesagt ist / Du solt nicht töden / Wär aber tödet / der ist deß gerichts schuldig / Jch aber sag euch / das welcher zürnt über seinen bruoder / der ist deß gerichts schuldig. Welcher aber zuo seinem bruoder spricht Racha / der ist deß raths schuldig / wär aber sagt / du narr / der ist deß hellschen feürs schuldig. Jn disen worten deß Herren / hörst du zum ersten den vnderscheid der sünden / als nammlich zorn / Jtem erzeigung deß erzürnten vnd bewegten gemüets Jtem schältwort / welche dann gemeinlich auch zuo streichen geratend. Demnach hörst auch / das wie die sündCCXII. / 212a
zuonimpt / das jren auch also allweg je lenger je grössere straff verordnet wirt. Darumb ist die tätlich sünd nicht gar übel vnderscheiden worden vonn denen / die da gesprochen / das etliche sünd stande in gedancken / etliche inn worten / ettliche in wercken. Welche sie darnach auch inn etliche stuck vnd gestalten geteilt habend. Vnd die selbigen widerumb vnderscheiden / eins theils in laster / anderstheils in fäler. Laster / sind on allen zweyfel die sünden / die mit fürsetzlichem gemüet / vnnd auß fürgenommner boßheit beschehend. Als wie die fürnemmlich sind / die man schryende sünden nennt / nammlich/ todschlag / wuocher / vndertruckung witwen vnd weysen / Sodomij / vnnd verhaltung deß lons der arbeiteren. Dann vom todschlag redt Gott inn Genesi / Die stimm deß bluots deines bruoders schreyt zuo mir. Exod. am xxij. spricht der Herr / Wirst du witwen vnd weysen bekümmeren / so werdend sie zuo mir schreyen / vnd ich wird jr schreyen erhören vnd euch außmachen [vertilgen]. Den wuocher schiltet auch das wort Gottes hefftig / vnd verdampt jhn in allweg. Jtem die sünd der Sodomiteren schreyt in himmel vnd begärt rath. Es spricht auch der Apostel Jacobus / Sihe der lon ewer arbeiteren / die eüwer land yngeärndet habend / vnd von euch verkürtzt ist / der schreyet / vnd das rüeffen der ernderen ist kommen für die oren deß Herren Sabaoth. Zuo disen zellend etliche / die siben haupt laster / hoffart oder ytele eer / zorn / neid vnd haß / hinleßikeit oder faulkeit / gyt / füllery / vnd geilheit. Die haltend sie als ein samen vnnd vrsprung aller üblen vnnd sünden / darumb sie es auch hauptsünd nennend / wie man sölichs fint in den sententzen Lombardi. Durch fäler aber verstond sie das / dz man auß schwachheit vnd vnbesinnte begat / so man nammlich das guot verlaßt / vnd auß faulkeit vnd hinleßikeit deß nicht achtet das man thuon solt / Da villeicht auch hingehört die sünd der vnwüssenheit / Jtem die frömd sünd / vnnd die sünd / so nicht mit willen geschicht / wiewol auch die selbigen offt zuo groben sünden vnd lasteren werdend.
Vnwüssenheit ist zweyerley / Ein ware vnd natürliche / welche auß der erbsünd entspringt / vnnd ein falsche glichßnete [erdichte] / die da kumpt auß fürgenommner boßheit. Die natürlich vnwüssenheit / ist ein prästen fäler vnnd sünd / dann sie kumpt auß dem vergifften vrsprung / vnd ist ein werck der finsternuß / wie doben angezeigt ist worden auß der zeügnuß deß Apostels Pauli. S. Augustin spricht de libero arbitrio lib. 3. cap. 19. Was einer vnwüssend nicht recht thuot / vnnd das einer gern recht thuon wölte aber nicht mag / wirt darumb alles sünd genennt / das es sein vrsprung hatt vonn der sünd deß freyen willens. Dann die selbig vorgend hatt dise nachgende verdienet. Dann wie wir / nicht nun das glid das wir im mund bewegend / so wir redend / zungen nennend / sonnder auch das / so auff die bewegung dises glids volget / nammlich die form vnnd das getön der worten / (wie dann auff dise weyß ettlichs genennt wirdt die Griechisch zungen / ettlichs die Latinisch) Also nennend wir nicht nun das sünd das eigenlich sünd genennt wirt (dann die selb wirdt auß freyem willen mit wüssen begangen) sonnder auch das / das vonn der straff der selbigen volget. Vonn welchem stuck auch doben ist geredt worden. Ettliche wendend jrer vnwüssenheit für den spruch deß Herren auß dem Euangelio / da er spricht / Wenn ich nit kommen wäre / vnd mit jhnen geredt hette / so hettind sie dz sie jrer sünd möchtind fürwenden / oder sie hettind kein sünd. Dann darauß schliessend sie / welchen nichts verkündet seye / die seyend aller sünd vnnd schuld ledig. Das sagt aber der Herr nicht. Dann zum ersten / so redt er von jrem fürwenden / nit von der vnschuld. Es ist auch nicht ein jedes fürwenden recht. Er spricht wol / so hettend sie kein sünd / er setzt aber gleich hinzuo / Nun aber habend sie nicht / das sie jhrer sünd fürwendind. Demnach / so entschuldiget er die vnwüssenden nicht gentzlich vonn allen sünden / sonnder alleinCCXIIv. / 212b
vonn der sünd der widerspenstige. Dann es spricht auch Sanct Augustin / über Joannem. Sie habend entschuldigung / aber nicht vonn allen jhren sünden / sonder vonn deren / das sie inn Christum nicht glaubt habend / das [weil] er nicht zuo jnen kommen ist. Dann alle die die es nicht gehört noch hörend / mögend dise entschuldigung haben / sie mögend aber der verdamnuß darumb nicht entfliehen. Dann welche on gesatzt gesündet habend / die werdend auch on gesatzt verloren werden. Es spricht auch Paulus j. Timoth. j. Jch dancken dem / der mich für trüw geachtet hat / vnd gesetzt in dz ampt / der ich vorhin wz ein lesterer / vnd ein veruolger / vnd ein schmäher / aber mir ist barmhertzikeit widerfaren / dann ich habs vnwüssend thon im vnglauben. Sich / es spricht der Apostel / jmm seye barmhertzikeit widerfaren / das er vnwüssend gesündet / Darnebend aber so sagt er dz die vnwüssenheit auß dem vnglauben kömme / vnd gibt jren gar grobe böse frücht zuo. Die falsch vnd angemaßt vnwüssenheit aber / ist / die vß boßheit von den hartnäckigen geglichßnet vnd erdicht wirt / als so du sagst du verstandist das nicht / dz dir sonst nit gefallt / vnd wilts nit verston / wenn du schon wol möchtist. Ein söliche vnwüssenheit wz in den Juden den feyenden der gnaden Gottes. Dann S. Paul spricht / Jch gib jnen zeügnuß / dz sie ein yfer Gottes habend / aber nit nach dem wüssen / oder mit vnuerstand [oder / mit verstand] / dann sie erkennend nit die gerechtikeit Gottes / vnd trachtend jr eigne gerechtikeit auffzuorichten / vnd sind also der grechtikeit Gottes nit vnderthon. Dann es spricht auch der Herr im Euangelio zuo den Phariseeren als sie fragtend ob auch sie blind wärind / wärind jr blind / so hettind jr kein sünd / Nun aber so jr sprächend / wir sind sehend / so bleibt eüwere sünd.
Frömde sünden sind nicht die / die wir selb thuond / sonnder die andere thuond / doch nicht on vns / als da wir es vns lassend gefallen / darzuo hälffend vnnd ratend / gebietend / schweigend / vnd anlaß darzuo gebend / oder denen nit weerend noch widersprechend / da wir aber wol möchtind. Paulus gebütet Timotheo / dz er niemand bald die händ aufflege / noch sich frömder sünden theilhafftig mache. Darumb ein vngeschickten menschen zum kirchendienst fürstellen vnd ordnen / ist ein frömde sünd. Dan es wirt dir billich zuogerechnet / was durch deß vngeschickten menschens den du geordnet hast / vnwüssenheit / wider Gott vnd die kirchen verhandlet [verwuorckt] wirt. Also sündend auch die ein frömde sünd / die mit gewallt / mit tröwungen vnd marter / die menschen zwingend die warheit zuo verlougnen / oder andere schantliche sachen zuo begon. Dann die verlougnung der warheit / ist ein frömde sünd dem / der den verlougnenden zuo dem verlougnen zwingt / gottlose aber / tyranney / vnnd todschlag ist desselbigen menschens eigne sünd. Darbey wir dann auch recht erinneret werdend vnd lernend / das ein sünd ist die mit willen geschicht / vnnd eine die nit mit willen geschicht. Die nit mit willen geschicht / nennent sie die / die eintweders durch gewalt vnd zwang / oder vß vnwüssenheit geschicht. Welche aber weder auß zwang noch auß vnwüssenheit geschicht / die wirt gehalten für ein sünd die mit willen geschicht. Deren die vß zwang geschicht / setzend sie auch zweierley gstalten. Eine die vß blossem gwalt vnd zwang gschicht / vnd eine die mit etwz condition vnd anhang [vmbstenden] geschicht. Die vß blossem gwalt vnd zwang / gschicht dennzuomal / wie sie sagend / so wir weder diß noch das thuond / sonder von anderen also gar gezwungen werdend / dz wir nichts darzuo thuond sonder blossen zwang lidend. Als so vns der wind etwohin trüege / oder so eins künigs diener wider dein willen vnd wider all dein schryen deine händ zuo götzen opferen hieltind. Jn welchem fal / sie den der zwungen wirt / von aller schuld / straff / lob vnnd scheltung ledigend. Die ander gestalt aber der sünd die auß zwang geschicht / haltend sie vermischte vrsachen haben. Aber damit ich nit zuo lang auff demCCXIII. / 213a
ligge / so sag ich einfalt also. Die sünd die vß zwang gschicht / die hat eintweders die bewilligung deß der zwungen wirt oder nit. Kumpt die bewilligung darzuo (als exempels weyß / geschehen möchte in verlaugnung der bißhär bekannten Euangelischen warheit / oder in anderen groben lasteren) so ist der nicht on schuld der zwungen wirt / dann er wirt durch die forcht der peyn vnnd schräcken deß tods nicht entschuldiget / da sol dir der tod lieber sein / dann die warheit verlougnen / oder schantlich handlen / oder in dem zwang zuo dem das lasterhafft vnd schantlich ist bewilligen. Wenn dir der tod lieber ist / dann schantlich handlen / so wirt dich kein Tyrann wider dein willen zwingen. Töden mag er dich wol / aber zwingen zuo schantlichen sachen wider dein willen mag er nicht. Dann mit dem tod bekenst du die warheit / mit dem tod erzeigst du / das du nicht thuon wöllest das sie von dir in deinem läben begärend. Vnnd also mögend sie dich weder zwingen noch überwinden / sonnder sie werdend vil me überwunden / vnd gezwungen zuosehen vnnd zuo erfaren das jhnen schmertzen bringt. Antiochus Epiphanes vnderstuond die heiligen leyb der Machabeeren zuo beflecken mit dem ässen der verbottnen speyß / Sie woltend aber lieber sterben / dann inn überträttung läben / vnnd überwundend den Tyrannen mit dem tod / vnnd mochtend nicht gezwungen werden. Vnnd das ist bey allen Christen leüthen steyff [gewiß] vnd beschlossen / das man den tod vnnd alles ander ee leyden sölle / dann nützit deren dingen thuon / die dem glauben zuo wider vnd an jhnen selb böß vnnd lasterhafft sind. So aber die bewilligung nicht darzuo kumpt / vnd einem frommen menschen lauterer gewalt angelegt wirt / deß er sich nicht erweeren kan (Da wir aber vnderscheidend zwüschend dem der auß zwang übels thuot / vnd dem der es lydet) so befleckt diser zwang das heilig vnd auffgerecht gemüet nit. Als so einer an henden vnd an füessen bunden inn ein götzen tempel getragen / vnd da bey dem götzendienst zuo sein gezwungen wurde. Oder so ein fromme tochter / vnd Eerliche matron inn eim krieg oder vberfal geschwecht wurde / vnd aber sie inn die sünd nicht bewilligete / auch nicht könte mit Gott ee sterben dann sölichs thuon / die bleibt warlich rein vnnd vngeschwecht vor dem vrtheil Gottes. Dann es hat der heilig Augustinus nicht on vrsach gesprochen / Vnbillich etwas leiden ist nicht sünd / aber vnbillich etwas thuon. lib. 3. de libro arb. cap. 16. Er spricht auch de mendacio ad consentium cap.7. Was der leyb auß zwang nit auß vorgender begird vnd muotwill leydet / das ist me ein pein vnd beleidigung dann ein schwechung zuo nennen / oder so ein jede söliche beleidigung ein schwechung ist / so ist doch nit ein jede schwechung schantlich / sonder allein die / die auß geilheit kumpt / vnd in die der muotwill bewilliget. Jtem widerumb de ciuit. Dei lib. 1 cap. 18. spricht er also. Dieweil der fürsatz deß gemüets bleibt / durch welchen auch der leib geheiliget ist / so nimpt der gewalt deß frömbden muotwillens dem leyb die heiligung nicht / welche die bestendikeit der eignen keüschheit behaltet. Vnnd dergleichen disputiert er am selbigen ort mer. Jtem auch am xvi. xix. vnd xxviij. Cap. daselbst usw. Also sol man auch bescheidenlich von dem tod deren die nicht bey sinnen sind vnd sich selb entleibend vrteilen. Sonst fint man nienen in der heiligen biblischen gschrifft / dz es vns jenen gebotten oder nachgelassen seye / dz wir vns selb / das ewig läben zuo erlangen / oder etwan eim übel abzuokommen vnd zuo entrünnen / den tod söllind anthuon. Dann wir söllend wüssen das vnns sölichs auch verbotten ist / da dz gsatzt spricht / du solt nicht töden / besonnders dieweil nit darbey stat / deinen nechsten / wie inn dem gsatzt da die falsch zeügnuß verbotten wirt. Darumb ist die leer Senece in allwäg verdammlich / der da allen die in trüebsal vnd widerwertikeit sind ratet / das sie jnen selb damit sie deß übels ab kömmind / den tod anthüegind. Vnd Augustinus / da er wider die disputiert / die jhnen selb den tod anthuond darmit sie nit ander leüten muotwillen müessind zuo
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willen werden vnd sünden / da spricht er / So es ein scheützliche vnd verdammliche that vnd sünd ist / so der mensch sich selb tödet / wie die waarheyt das heiter bezeüget / Wer wolt dann so vnsinnig sein / das er sprächen wölt / so wöllend wir yetz sünden / das wir nicht hernach sünden müeßind / so wöllend wir yetz den todtschlag begon / das wir nicht hernach in Eebruch fallind? Jst nicht wäger / (so die sünd ye so vil herrschet / das man die sünd ee dann die vnschuld erwellt) der vngwüß Eebruch auff das künfftig / dann der gwüß todtschlag auff das gegenwertig? Jst es nit wäger [besser] ein laster begon / (so die widerwertigen zeit das mit jhnen bringend) das durch buoß geheylet mög werden / dann ein söliche that thuon / da die heilsam buoß kein statt mer hat? Das sag ich von deren wegen / die nit frömbde / sonder jr eigne sünd zuo vermeiden / damit sie nit etwan durch eins anderen muotwillen gereitzt / vilicht auch jrthalb darin bewilligind / meynend sie söllind jhnen selb den tod anthuon. Das sey aber veer von einem Christenlichen gemüet / das seinem Gott vertrauwet / vnnd auff jhn sein hoffnung gesetzt hat / vnnd sich auff sein hilff verlaßt / ja veer sey das sprich ich / das ein söllichs gemüet einigem wollust deß fleisches zuo bewilligung der schand wiche. Vnnd so die begirlich vngehorsamme / die noch in vnseren stärblichen glideren wonet / wider das gesatzt vnnsers willens / nach seinem gesatzt / vnnd nach seiner art bewegt wirt / wie vil mehr ist sie on schuld in dem leib dessen der nicht bewilliget / so sie doch on schuld ist in dem leib dessen der schlafft. Diß alles mäldet Augustinus. Wir wöllend wider auff das fürnemmen.
Die tätlichen sünden teylend sie abermals / in heimliche verborgne / vnd in heitere vnd offenbare. Heimliche / sind nit die / die vor den menschen verborgen / vnd allein Gott bekannt sind / als da ist gleichßnerey / vnd verböserung deß gmüets deß menschen / sonder die man wol weißt / aber noch nit mencklichen kundtbar vnd offenbar sind / dann die offenbaren gschehend mit wüssen vnd verergerung [ergernuß] der gantzen gmeind. Vnd dise sind die schwäreren / jhenes aber die ringeren / so vil die menschen belanget vnd die ergernuß so vilen damit geben wirt. Dauon Paulus j. Tim. v. Es ist auch ein gemeyne vnnd geschickte vnderscheidung der sünd / die gar nach die überigen gestalten vnd teil der sünden alle begreifft / da etlichs ein todsünd / ettlichs aber ein abläßige sünd genennt wirt. Für todtsünd wirt gehalten alle sünd / die von eim vnglöubigen menschen begangen wirt. Für abläßige sünd aber / alle die so von einem glöubigen beschicht. Jch halt aber einfaltig nach der geschrifft / das alle sünd der menschen tödlich sygind / dann sie geschehend wider das gesatzt vnnd den willen Gottes / Den sünden aber gehört der tod / Dann der Prophet spricht / Die seel die da sündet / die sol sterben. So hat auch der Apostel gesprochen / Besoldung der sünden ist der tod. Darumb werdend todsünden genennt vom tod har. Dahar dienend auch dise Apostolische zeügnussen / als da Paulus spricht / Dz wüssend jr / dz kein huorer / oder vnreiner / oder gytiger / der da ist ein götzendiener / erb hat in dem reich Christi vnd Gottes. Diser spruch / welcher stat Ephes. v. wirt auch wideräferet Gal. v. j. Cor. v. vj. Dise sünden aber die von natur für sich selb todsünden sind / die werdend vß gnaden Gottes durch den glauben Jesu Christi / abläßige sünden / dann sie erlangend ablaß vnnd verzeihung von dem barmhertzigen Gott. Darumb hat auch der Apostel zun Röm. am vj. Cap. nit gesprochen / So sey nun kein sünd in euwerem sterblichen leib / sonder / so hersche die sünd nit in euwerem sterblichen leib / gehorsamme zeleisten seinen lüsten. Jtem / So ist nun kein verdamnuß in denen die in Christo Jesu sind / die nit nach dem fleisch wandlend / sonder nach dem geist. Jtem / Wir sind lieben brüeder schuldner / nicht dem fleisch / das wir nach dem fleisch läbend / dann wo jhr nach dem fleisch läbend / so werdend jhr sterben müessen / so jhr aber durch den geist deß leibs werck tödend / so werdendCCXIIII. / 214a
jhr läben. Darumb so ist die sünd allweg inn vnserem fleisch / so lang wir läbend / aber auß gnaden wirt sie vns nicht zum tod zuogerechnet. Vnd die denen sie zum tod nicht zuogerechnet wirt / die fleyssend sich auch in allweg / vnd vnderstond nach dem geist vnd nit nach dem fleisch zuo wandlen. Darnebend fallend vnd stossend sie sich aber offt. Die selben fäler vnd anstöß werdend jetzund mit sampt der erbsucht für abläßliche sünd / die der verzeihung gnoß [als die verzeihung erlangen] vnd nit ewigklich zuostraffen seyend gerechnet.
Zur todsünd wirt vorauß gerechnet vnnd gezellt die sünd inn den heiligen geist / welche etliche nicht one vrsach eigenlich todsünd genennt werden vermeinend. Von welcher wir reden wöllend / so wir vorhin auff ettliche fragen die an disem handel hangend geantwortet habend. Dann zum ersten so fraget man hie / ob die sünd vnnd der prästen so nach dem Tauff inn den kinden bleibt / eigenlich sünd seye? Da ist nun offenbar / das die begird auch inn den getaufften bleibt / Jtem das die begird sünd ist / Darumb so bleibt auch die sünd inn den getaufften / Sie wirdt jhnen aber durch die gnad Gottes im verdienst Jesu Christi nicht zuogerechnet. Also hatt auch der heilig Augustinus disen knopff auffgelößt lib. 1. de preccatorum & remissione cap. 39. Da er spricht / Jn den kinden wirt auß gnaden Gottes / durch den tauff dessen der inn der gleichnuß deß sündigen fleisches kommen ist / das gehandlet / das daß sündig fleisch außgelärt vnd geseüberet werde. Das selbig wirt aber nicht also außgelärt vnnd geseüberet / das die begird die jhm ankläpt vnnd anerboren ist / von stund an in dem fleisch das noch läbt verzert vnnd hingenommen werde das sie nicht me seye / sonder das sie die da in dem gebornen was / dem gestorbnen nicht schade. Dann es wirt auch den alten im Tauff das nit gegeben / dz daß gsatzt der sünden / dz da ist in den glideren / vnd dem gsatzt deß gmüets widerstreitet / gar erlöscht vnd auffgehept werde das es nit me seye / sonder dz alles dz böß das vom menschen geschehen ist / mit thaten / worten / vnd gedancken / dieweil er der selbigen begird mit vnderworffnem gemüet dienet / gentzlich durchtilgket [abgetilget] / vnd also gehalten werde / als ob es nie geschehen wäre. So vil Augustinus. Demnach fraget man. Ob die werck / die die Heiden thuond / welche die gestalt der frombkeit vnd tugend habend / sünd seyend oder guote werck? Da ist nun gewüß das Gott auch vnder den Heiden seine außerwelten gehept hatt. Welche nun der selben gewesen / die habend deß heiligen geists vnd deß glaubens nit gemanglet. Darumb so sind jr werck / die auß glauben gschehen / guot vnd nicht sünd gewesen. Dann in den geschichten der botten wirt gemeldet dz daß gebätt vnd die allmuosen Cornelij deß hauptmans hinauff inn gedächtnuß für Gott trungen seyend. Es wirt aber auch darbey gemäldet / das gedachter Cornelius ein Gottsäliger vnd gottsförchtiger man / vnnd deßhalb auch glöubig gewesen seye. Sein glaub ward aber hernach erst völligklich außgemacht / vnd ward jm die gab deß heiligen geists noch überflüßiger vnd reichlicher gegeben.Darzwüschend sol man aber auch die fürtreffenlichen thaten der Heiden nicht verachten noch schälten. Dann wie sie nit gar on Gott beschehen / also habend sie wol geholffen zuo erlangen vnd zuo behalten frid vnd ruow der küngkrychen vnd regimenten. Darumb hat auch der gerecht Gott etliche fürtreffenliche männer vnd regiment mit zeitlichen belonungen reichlich begabet. Dann den Griechen vnd vilen Römischen regimentsherren / hatt er groß reychtumb sig vnd eer gegeben. Es ist auch die burgerliche gerechtikeit / vnd gemeiner frid vnd wolstand bey vilen gar in hohem wärd gehalten worden. Andere habend dann grosse belonungen empfangen / von wegen das sie dapfer vnd hantlich die vrteil Gottes wider die schälck vnd feyend Gottes volfüert habend. Es ist vngezweyflet / das Gott dem Römischen Reych vnnder dem Keyser Octauio Augusto vnnd
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anderen Keiseren die aller gröst macht verlihen hab / damitt es dardurch die vnüberwindtlich boßheit deß Jüdischen volcks tampte [zerbreche vnnd dämpfte] / vnnd durch sie die Römer / das bluot seines suns vnnd aller heiligen Propheten vnnd Apostlen / das von denen wüetenden vnnd gottslesterischen bestien vergossen was / an jnen räche. Nach der zerstörung der statt Jerusalem fieng ye [Darumb denn auch...] das Römisch Reich an hincken [zusincken].
Zum letsten fraget man auch / Ob die guoten werck der heiligen vnd glöubigen sünd sygind? Zwar so du vnsere verböserungen [verderbte art] vnd schwachheit ansichst / so sind all vnsere werck sünd / dieweil sie von vnns geschehend / die wir nit on befleckung sind / Darumb sind auch die werck so von vns geschehend so volkommen nicht / wie sie aber vor dem angesicht Gottes sein soltend. Doch so sind sie auch guot / von wegen deß glaubens in vns / vnd das wir in die gnad Gottes auffgenommen sind / vnnd deßhalb von vnns geschehend / die wir yetz kinder Gottes sind. Dann dahar gehört das der Apostel spricht / Jch dienen mit dem gemüet dem gesatzt Gottes / aber mit dem fleisch dem gsatzt der sünd. Da sich / das der Apostel auch nach der widergeburt zweyerley art behaltet / das in dem vnd er guote werck thuot / sein werck / nach zweyerley widerwertiger anschouwung vnd achtung / ein sünd vnd auch ein guot werck ist. Dann so veer er mit dem gemüet dem gesatzt Gottes dienet / thuot er ein guot werck. So veer er aber mitt dem fleisch dem gesatzt der sünd dienet / so veer kan sein werck on befleckung nit sein. Dann gleich daruor am selben ort zun Röm. am vij. Capit. spricht er auch / So ich das guot thuon wil / so finden ich / das mir das böß parakeitai, das ist anhanget / ankläpt / in mir ligt / vnd mir ynpflantzet ist. Welches böß sich on zweyffel allweg in allen vnseren gedancken worten vnd wercken herfür thuot / vnd machet / das daß werck / das von vnns geschicht die wir widergeboren / nimmer so rein ist / als es die göttlich gerächtikeyt erforderet. Darumb wirt es auß gnad vnd barmhertzikeyt Gottes für rein gerechnet vnd geachtet. Dahar dienet auch der spruch deß Herren auß dem heiligen Euangelio Joannis / da er spricht / Wär gewäschen ist / der darff nit / dann das er die füeß wäsche / sonder er ist gar rein. Jst er gar rein / was darff [bedarff] er dann die füeß zewäschen? Sol er dann die füeß wäschen / wie ist er denn gar rein? Noch ist dises nit wider einander / gleich wie auch das nicht / so wir sagend / die werck der glöubigen sygind sünd. Dann nach dem überfluß vnnd nach dem zuorechnen der gnad vnnd barmhertzigkeyt Gottes sind wir gar rein / vnd gereiniget von allen sünden / das vns die selbigen nit verdammend. Dieweil vns aber das gesatzt der sünden allweg anhanget / vnd sich in vnseren glideren herfür thuot dieweil wir läbend / so müessend wir die füeß / das ist die bösen anfächtungen vnd begirden temmen [demmen] vnnd vndertrucken / vnnd müessend erkennen / das wir vnnd vnsere werck / nimmer volkommen sygind / vnd das deßhalb wir mit allem dem das in vns ist allweg der gnad Gottes bedörffend. Nach dem wir nun dises also erleüteret / so wöllend wir nun auch fürschreyten / zuo erleüteren die sünd in den heiligen geist. Die sünd in heiligen geist in ein vnauffhörliche lesterung [vnnachläßliches vnd endtliches lesteren] der eroffneten [geoffenbarten] vnnd erkannten waarheyt / so wir namlich wider vnsere gewüßne treüwloßlich abfallend von der erkanten waarheit / vnd der selbigen vnauffhörlich widersprächend vnd übelredend. Dann das wörtli / lesteren / heißt ein fluoch oder schältwort / mit dem wir etwar verletzend [jemanden verunglimpffen] / vnd schantlich vnerbar sachen auff einen redend / dadurch sein ehr verletzt oder durchtilcket wirt. Darumb lesterend wir die Oberkeyt / die elteren / vnd biderb leüt [biderleuthe] / wenn wir jnen nit nun nit gehorsammend vnd kein gebürliche ehr entbietend / sonder so wir sie auch mit schmächworten verletzend / tyrannen / bluothünd / schelmen vnd buoben nennend. Jnsonders aber lesterend wir Gott / so wir sein ehr schmähend [schmeleren] / seiner gnad vnd waarheyt die erCCXV. / 215a
vns eroffnet widersprächend / seine heiteren vnnd offenbaren werck auß fürgesetzter boßheyt schältend vnd beharrlich lesterend Es ist wol nit ein yede sünd ein lesterung / aber ein yede lesterung ist ein sünd. Dann dieweil sie sich wider Gott vnd sein willen richtet / so ist sie ein sünd. Das hat sie aber darnebend weiter fürnemlich vnd eigenlich an jren / dz sie Gott schiltet / vnd schmächwort wider die werck Gottes außstoßt. Vil sündend wider die leer der waarheyt / darumb das sie auß hinläßikeit die waarheit nit annemmend / oder so sie sy gleich angenommen habend / nit in ehren habend / noch zierend. Dise ob sie wol sünder sind / so sind sie doch noch nicht lesterer zuo nennen. Wenn sie aber über das / die leer deren sie nichts achtend auch mit schmäch vnd schältworten verfolgend / vnd es ein kätzerische / schismatische [rottende] / auffrüerige vnd teüffelsche leer nennend / so werdend sie yetzund auch billich lesterer genennt. Darumb ist das die recht eigenschafft der sünd in heiligen geist / nicht nur von der waarheit abfallen / sonder auch der selbigen wider die gwüßne [wissentlich] widersprächen / vnd das werck Gottes / *ja die heiter eroffnung Gottes* [*dardurch er sich vns zu erkennen gibt] mit lesterworten vnabläßlich beladen [vberschüetten vnd vndertrucken]. Dann die gwüßne / so durch die heiter eroffnung [durch vnwidersprechliche erkanntnuß] vnd durch das werck deß heiligen geists überzüget ist / leert sich nit nur der schmächworten maßgen [enthalten] / sonder ein anders hiezwüschend handlen / namlich der waarheit weichen / vnd Gott alle ehr geben. *Dise yngebung yetzund außschliessen / verwerffen / mit fräffner vnd vermäßner treüwlose / vnd abfal / gottlosem widersprächen vnd stätem schälten* [*Von diesem vnsers gewissens einsprechen trewloßlich abfallen / jhm halßstarriglich / lesterlich vnd beharrlich widersprechen / widerstehen vnd sich bemühen solches auß dem sinn zuschlahen] / dz ist sünden [sünde] in heiligen geist. Welches sein vrsprung nimpt vß der erbsünd har / wirt aber gezüchtet [auffenthalten] vnd gefürderet durch deß Teüffels yngäben [vnd trieb] / vnd vnsere verkerten anfächtungen [begierden]. Jtem [-] durch vnwirsche [zorn] / verbunst [neid] / begird [hoffnung] / vnd forcht / ja durch fürgesetzte vnd beharrliche boßheit / fräfenheit / hartnäckige / vnd widerspännige [widerspenstigkeit]. Es erforderet aber die notturfft / dz wir hörind wz vnser Herr im Euangelio von diser sünd geredt hab. Matth. xij. spricht er / Ein yede sünd schältwort oder lesterung wirt den menschen vergeben / aber die lesterung wider den geist wirt den menschen nit vergeben. Vnd wer etwas redet wider deß menschen sun / dem wirt es vergeben / aber wer etwz redet wider den heiligen geist / dem wirt es nitt vergeben / weder in diser noch in jhener wält. Jtem Mar. am iij. Cap. wirt diser spruch deß Herren mit disen worten außtruckt / Warlich ich sag euch / alle sünd werdend vergeben den menschen kinderen / auch die lesterung damitt sie lesterend. Wer aber den heiligen geist lesteret / der hat kein vergebung ewigklich / sonder ist schuldig deß ewigen gerichts. Jm xij. Cap. Luc. werdend die selbigen wort gar nach auff dise weiß gesetzt / Wer da redt ein wort wider deß menschen sun / dem sol es vergeben werden / Wär aber den heiligen geist lesteret / dem sol es nicht vergäben werden. Jn disen worten deß Herren habend wir die lesterung deß suns deß menschen / Jtem die lesterung deß heiligen geists. Dise stat syge vnabläßig / jhene aber syge abläßlich.
Die lesterung wider den sun deß menschens wirt begangen von den vnwüssenden / vnd denen so noch nit erlüchtet sind / vnd ist gerichtet wider Christum / den der lesterer für ein verfüerer haltet / dieweil er jn nit bekennt. Ein söllicher lesterer ist Paulus gewesen vor seiner bekeerung / vnd ein guoter teyl der Juden / wie das wort Gottes heiter bezeüget. Dann der Herr schrey vom Creütz bättende vnd sprach / Vatter verzeich jnen / dann sie wüssend nit was sie thuond. Vnd der Apostel Paulus / So sie den Herren der herrligkeyt erkennt / hettend sie jnn nit creütziget. Dahar auch der heilig Apostel Petrus / als er in den geschichten der botten mit den Juden redt / spricht / Jch weiß dz jrs vß vnwüssenheit gethon / darumb thuond buoß vnd bekeerend euch / das euwere sünd durchtilgket werdind. Die lesterung aber in heiligen geist / heißt ein beharrliche schmähung / die da geschicht / wider den heiligen geist Gottes / das ist wider sein yngäbung / widerCCXVv. / 215b
sein erleüchtung / vnd wider seine werck. Dann wenn er so heiter vnd scheinbarlich in den gemüeteren der menschen würckt / das sie nitt darwider / noch einige vnwüssenheit fürwenden könnend / vnd aber darnebend nichtsdestminder die eroffnung vnnd würckung deß geists / die sie erkennt guot vnnd heilsam ich geschweig auch waarhafft sein / wider jhr eigne gwüßne widerfächtend / verlachend / verachtend / vnnd stäts schältend / so lesterend sie waarlich den heiligen geist Gottes selbs. Als exempel / Die Phariseer warend in jhren gemüeteren durch heitere vrsachen vnd vnwidersprächliche wunderzeichen überwisen / das sie nit kontend verlaugnen die leer vnd werck deß Herren Jesu auß Gott sein / Nichtsdestminder aber auß tringendem nyd / vnnd hartnäckiger widerspänstige / vnd treüwlosem abfal / lestertend sie Christum / Gott gäb was jhr gwüßne darwider schrüwe [wider jhr eigen gewissen] / vnd sprachend / er thete es alles auß hilff vnd eingebung deß Teüffels. Nichts besser dann dise Phariseer sind auff den hüttigen tag / die so da verstanden habend / das daß gwüß heil vnd die grundtlich waarheyt in Christo durch die Euangelisch leer auff das einfaltigest vnnd reinest fürtragen wirt / vnd aber die selbig verlassend / vnd der widerwertigen leer recht gebend / vnd dise vnfälbar vnnd vngezweiflet leer / wider jhres eignen gemüets verstand / verdammend vnd verfolgend / vnd ja vnabläßlich als ein kätzerische leer außmusterend [außzischen].
Dise sünd / wie sie nit gröber sein köndte / also ist sie auch vnabläßlich vnd keiner verzeihung wärt. Dann der Herr hat im Euangelio heiter gesprochen / Sie wirt jm nit verzigen weder in diser gegenwirtigen / noch in jhener künfftigen zeit. Welches im heiligen Marco also außtruckt wirt / Das hat kein vergebung ewiklich / sonder ist schuldig deß ewigen gerichts. Vrsach dessen ist offenbar. Dann on glauben ist nitt müglich Gott zuo gefallen. On glauben wirt die verzeihung der sünden niemand zuotheyl / On glauben kumpt niemand in das Reich Gottes. Die sünd aber in heiligen geist / ist ein abfal vnnd beharrliche widerspänstige wider den waaren glauben / den der heilig geist auß seiner erleüchtung in vnsere hertzen eingeüßt. Die selbig erleüchtung nennend aber dise verkeerten leüt jmmerdar finsternuß / schältends vnd lesterens als ein verfüerung / Darumb wirt jhnen die sünd nimmer verzigen / dann sie trättend die gnad Gottes mitt füessen / vnnd verachtend den wäg dadurch man zur gnad kumpt / vnd habend jnn für ein gespött. Darumb spricht S. Paul zun Hebreeren am x. cap. So wir muotwilliklich sündend / nach dem wir die erkanntnuß der waarheyt empfangen habend / ist vns kein opffer mer vorhanden / sonder ein erschrocklich warten deß gerichts / vnnd deß feüreyfers / der die widerwertigen verzeeren wirt. Was ist nun muotwilliklich sünden? freylich nicht auß schwachheyt sünden / oder die sünd offt wideräferen / sonder mit hartnäckiger verachtung sünden / welches dann die thuond / die mitt wüssen vnnd willen die gnad Gottes verwerffend vnd mit füessen trättend / vnnd nitt auffhörend das Creütz vnnd den Tod Christi verlachen als ein thorheyt / vnnd als der nicht krefftig gnuog sey zur versüenung aller vnserer sünden. Dann disen ist kein ander versüen opffer mer vorhanden. Vnd dise nennt der Apostel / widerwertige / das ist fyend vnnd verachter Gottes. Darumb schreibt auch weiter gedachter Apostel im sechßten Capitel der selben Epistel / Es ist vnmüglich / das die so ein mal erleüchtet sind / vnd geschmöckt habend die himmlischen gaben / vnnd teylhafftig worden sind deß heiligen geists / vnd geschmöckt habend das güetig wort Gottes / vnnd die krafft der zuokünfftigen wält / wo sie entfallend / das sie söltind widerumb erneüweret werden zur buoß / die da widerumb jnen selbs den sun Gottes creützigend / vnd ein spott habend. Da redt er nit von einem yeden fal der glöubigen / sonder von dem verstockten abfal [von einem solchen fall / de nicht ohne verstockung vnd halßstarrigkeit ist]. Dann als Sanct PeterCCXVI. / 216a
gefallen / ward er durch die buoß widerbracht. Vnd nicht er allein / dann es werdend täglich alle sünder durch die buoß erneüweret. Judas aber ward nicht widerbracht / dann er was ein verstockter abfelliger. Also werdend die verlacher vnnd lesterer durch die buoß nicht widerbracht [wider zurecht gebracht] / dieweil sie vermessenlich wider die erkannte waarheyt handlend / vnnd nicht auffhörend den weg zuo lesteren / durch welchen sie allein zum läben möchtind gefüert werden. Darumb dienend dise ort Sanct Pauls den Nouatianeren nichts / sonder sie erklärend vns die natur vnnd gifftigen krefft der sünd in den heiligen geist. Von der selbigen redt auch der heilig Apostel vnd Euangelist Joannes in seiner Canonic [-] vnnd spricht / So yemands sicht seinen bruoder sünden ein sünd nicht zum tod / der wirt bitten / vnnd jhm geben das ewig läben / denen die da nit zum tod sündend. Es ist ein sünd zum tod / dafür sag ich nicht das yemants bitte. Aller vnbill [vnbilligkeit] ist sünd / vnd es ist etliche sünd nit zum tod. Wir wüssend das wär von Gott geboren ist / sündet nicht / sonder der von Gott geboren ist / behaltet jnn / vnnd der böß wirt jnn nicht angreiffen. Da erzellt der heilig Joannes zwey geschlächt der sünden. Eins zum tod / oder todtsünd / die vnabläßlich ist / für die man nit bätten sölle / das ist / die kein verzeihung erlange. Dises ist die lesterung wider den heiligen geist / der treüwloß abfal / vnnd die vnauffhörlich verlachung vnnd schmähung deß Euangelij. Dann wir läsend auch im Euangelio Joannis / Waarlich waarlich sag ich eüch / wär mein wort haltet / der wirt den tod nit sehen ewigklich. Vnd abermals / So jr nit glauben werdend / das ichs bin / so werdend jhr sterben in eüweren sünden. Vnnd ist waarlich ein vnbill [vnbilligkeit] / ein abfal / ein bedachts [vorsetzliches] vnnd jmmerwärends laster / Dann was ist vnbillichers / dann der erkannten waarheit sich vnabläßlich widersetzen / vnd die selbig vexieren [derselben spotten]? Die ander ist aber ein abläßige sünd / vnd nicht ein sünd zum tod. Wie aber die selbig sey / erleüteret Joannes selb mit dem das er hinzuo setzt vnd spricht / Wir wüssend das ein yeder der auß Gott geboren ist / nit sündet. Das ist nit also bloß [nicht schlecht] zuo verston / sonder er sündet nit zum tod. Dann sonst sind auch die glöubigen sünder / wie man sicht auß dem ersten Capitel der selbigen Epistel. Vber das so volget auch in Joanne noch weiter drauff / das daß vorgend heiter erlüteret / Wär von Gott geboren ist / der behaltet sich selb / das ist / er bestat in der bekanten waarheit / vnd hüetet sich / das jn der böß nicht berüere / das ist / fahe / vnd jnn wider Gott bewege vnnd in der widerspänstige behalte. Das sey nun geredt von der sünd in heiligen geist / welche S. Augustin an einem ort nennt ein entliche vnbuoßfertigkeit / welche zwar volget auß dem abfal / auß der lesterung vnnd verachtung deß heiligen geists / oder deß eroffneten worts der waarheyt durch den heiligen geist.
Wiewol ich nun in der Tractation [im handel] der erbsünd / vnnd der sünd in heiligen geist / die würckung vnd belonung der sünd angerüert hab / so wil ich doch auch yetz fürs letst mit kurtzen worten etwas anzeigen von der gwüssen vnd gerächten straff der sünden. Dann doben in der beschreibung der sünd hab ich gsagt / das sie vns den zorn Gottes / den tod vnnd mancherley straaffen bringe. Von welchen straffen yetzund hie zuo reden ist. Dz Gott die sünd straffe / ja die sünder von wegen der sünden / ist auß der heiligen gschrifft so heiter / das nichts heiterers sein könte / dann dz Gott schwärlich ab der sünd verletzt werde / vnd treffenlich darüber zürne / bezügend vil sprüch der heiligen gschrifft. Dauid spricht / Der Herr rägnet strick über die gottlosen / feür / schwäbel [schwefel] / wätter stoß [sturmwind] vnd vngewitter / sind dz tranck / damit er sie tränckt. Dann der gerächt Herr hat gerächtikeit lieb / vnd sein angesicht luogt fleißig vff das billich. Also auch Paulus / Gottes zorn wirt von dem himmel herab geoffenbaret über alles gottloß wäsen vnnd vnrecht der menschen / die die waarheyt Gottes auffhaltend im vnrechten.CCXVIv. / 216b
So habend auch die sünden nit mögen anderst versüent werden / dann durch den tod deß suns Gottes / da ye dz tür wärd [thewre werd] der erlösung heiter anzeiget die schwäre vnd grösse der sünd. Zuo wölchem auch das dienet / das der güetig Gott der ein liebhaber der menschen ist / das menschlich geschlächt nitt mit so vil straaffen vnd üblen überschüttet hette / wenn die sünd in seinen augen nit so grülich wäre. Dann wär wölt mit wenig worten vnd also in einem fürgang alle straffen der sünden mögen erleüteren vnnd erzellen? Es wirt Gott von vns entfrömbdet durch die sünd. Wenn aber die Sunn nicht mer auff erden scheint / was dunckelheyt vnd finsternuß wirt es?
Also wenn sich Gott von vns entfrömbdet / was grusens vnd schräckens ist in den gemüeteren der menschen? Da ist nichts dann deß Teüffels tyranney / tausenderley pein der gwüßne / der seelen tod / schräcken / verzweiflung vnd vnsagliche schmärtzen / auch vnzalbare vngefell an leib vnnd an guot / wie die Moses der diener Gottes erzellt Leuit. am xxvj. vnd Deut. am xxviij. Cap. Dieweyl auch die neüwen laster / täglich mitt neüwen straaffen gestraafft werdend / so ist der straffen kein end / vnd möchte niemand alle gschlächter der selbigen erzellen. Es ist aber auch kein zweifel / dann das Gott die sünder nach der gerechtikeit straaffe / dann er ist ein gerechter Richter. Vnd dieweil es ein vnsinnige wäre / so yemand an der gerächtikeyt allmächtikeyt vnd weißheyt Gottes zweyflete / so volget / das bey allen glöubigen vnd gottsäligen das für gwüß vnd eigentlich gehalten wirt [kundbar vnmd gewiss sei] / das die straaffen Gottes den menschen auß gerächtem vrteyl zuogefüegt werdind. Wie vnnd was aber für straaffen einer yeden sünd gehörind / das kan Gott vnd kein mensch vrteylen. Darumb auch Augustinus Tract. in Ioannem 89. gesprochen hat. Es ist ein gleiche vngleicheit der straaffen / wie auch der sünden / von wölcher wie sie sey / die göttlich weißheyt höhers anzeigt / dann deß menschen gemerck ergründen oder außsprächen möge. Das ist aber ye gwüß / dz der / der in seinem gsatzt das er den menschen gegeben / gebotten hat / Nach der maß vnnd zal der missethat / sol auch die maß vnd zal der streichen sein / dieweil er der aller gerächtest ist / das er keins wegs die gerächtikeyt / maß vnd billikeyt übertrittet. Dann Abraham sprach in dem fürträffenlichen gespräch das er mitt Gott hielt / welches Gen. am xviij[25]. Cap. beschriben wirt vnder anderem / Woltest du den gerächten mit dem gottlosen vmbbringen? Das sey veer von dir / das du ein sölche sach thüegist / vnnd tödist den gerächten mit dem gottlosen / das der grächt gleich sey wie der gottloß. Das sey veer von dir / der du aller wält Richter bist / du wirst nit also richten vnd vrteylen. Dahar dienet auch die schön anzeigung die Gott dem Propheten Jona thuot / als er über den Herren zurnt von seiner gerichten wägen. Dann er zeigt jm an / das er ein gerächte vnnd billiche rechnung trage der kinden / deßgleichen auch deß vichs / Welches ort wol bekannt ist / Jone am vierdten Cap. Darumb söllend wir das vest halten / das keiner Creatur Gottes ye vnrecht vnnd vnbillich geschehen sey / wenn sie von Gott ist gestraafft worden. Vnd fallt deßhalb hie dahin das man disputiert vnnd fraget / warumb Gott die kind etwan so grosse not laß leiden / oder / warumb er von wegen der zeitlichen sünden ewigklich straffe? Dann der Herr ist gerächt in allen seinen wägen / vnnd heilig in allen seinen wärcken. Welches Dauid waarhafftiklich bezeüget hatt / der auch an einem anderen ort spricht / Gerächt bist du O Herr / vnnd billich sind deine gerichte. Vnd sälig ist der / der sich hie nit stoßt / noch wider den Herren murret. So er aber etwan gleich sein vrteyl vnd straaff lang verzeücht / söllend wir darumb nit meynen das Gott vngerächt sey / der den gottlosen verschone / vnd darnebend aber seine fründ vnd jre fäler vil ernstlicher suoche vnd straaffe. Wir söllend vnns vil mer für die augen stellen die Euangelisch Parabel [gleichnuß] von demCCXVII. / 217a
reichen schlemmer vnnd dem armen Lazaro. Dann der ob er schon ein fründ Gottes was / starb er nichtsdestminder hungers. Der ander aber / ob er schon ein feyend Gottes was / noch läbt er in allen fröuden vnd wollüsten / vnnd empfand keines übels. Aber hör was jr vrtheyl sey nach disem läben. Abraham sprach zum reichen man / Sun gedenck / das du dein guots in deinem läben empfangen hast / vnd Lazarus dargegen hatt böses empfangen / Nun aber wirt er getröstet / vnd du gepeiniget. Darumb wenn schon etwan die frommen in disem läben peiniget werdend / so wirt es jnen doch überflüßig vergolten in jhenem läben. Wenn aber den gottlosen hie verschonet wirt / so werdend sie in der künfftigen zeit dest wirß [schwerer] gestrafft werden. Dann Gott ist gerächt / darumb vergiltet er einem yeden nach seinem verdienst. Darumb wenn du fürhin [forthin] schon sichst die gottlosen vnd lasterhafften glücklich läben / so solt drumb nit meynen / das Gott vngerächt sey / du solt nit meynen das Gott höltze sey / du solt nicht sagen / Gott schlaaffe vnd sehe sie nicht. Dann das wort deß Propheten / welches auch von dem heiligen Apostel Petro gebraucht wirt / ist gwüß vnnd waarhafft / da er spricht / Die augen deß Herren merckend auff die frommen / vnd seine oren auff jhr geschrey. Wider die übelthäter aber wendet der Herr sein angesicht.
Man sol das gemüet wol bewaren vnnd befestnen mit den exemplen der gerächten vrtheylen Gottes auß der heiligen geschrifft gezogen. Wir söllend gedencken wie die wält / auff deren besserung Gott lange zeit vergebens gewartet hat / mit dem allgemeynen Sündtfluß verderbt sey. Wir söllend auch gedencken wie Sodoma / Gomorra / vnd jhre mituerwanten stett / mitt dem feür das von himmel herab geschickt ward / verbrennt sygind worden. Wir söllend gedencken wie das land Egypten / erstlich mit vilen plagen geschlagen / demnach die Egypter im roten Meer sygind ertränckt worden. Wir söllend auch gedencken / was den Amorrheeren / Chananeeren / Amalekiteren / auch den Jsraeliteren selb / erstlich vnder den Richteren / demnach auch vnder den Küngen / auß heiligem vnd gerächtem vrtheyl Gottes widerfaren sey. Jener maß ist zuo letst voll worden. So habend auch dise nie one raach Gott vnnd sein wort verachtet / sie habend nie lang gesündet / das sie nicht gestraafft sygind worden. Vnnd andere der gleichen vnzalbare exempel deß gerächten gerichts Gottes / gibt vns die Histori Pauli Orosij / ja die gantz Histori der gantzen wält in die händ. Zuo dem söllend wir auch gedencken / das Gott drumb nicht ein gefallen ab den sünden tregt / das er langsam straafft / sonder das er langmüetigklich nach seiner grossen güete auff vnsere besserung vnnd bekeerung wartet. Dann der Herr im Euangelio hieß den vnfruchtbaren Feygenbaum nicht außhauwen / von wegen / das er doch auff das ander jar ettwas fruchts vonn dem selbigen hoffet. Paulus spricht / Gedenckest du O mensch / dz du dem vrteyl Gottes entrünnen werdist / oder verachtest du die reichtumb seiner güete / gedult vnd langmüetikeit? Weist du nit / dz dich Gottes güete zur buoß leitet? du aber nach deinem verstockten vnd vnbuoßfertigen hertzen / sammlest dir selb einen schatz deß zorns auff den tag deß zorns / vnnd der offenbarung deß gerächten gerichts Gottes / welcher geben wirt einem yetlichen nach seinen wercken / namlich preiß vnd ehr / vnnd das vnzergäncklich wäsen / denen die mit gedult in guoten wercken trachtend nach dem ewigen läben. Denen aber die zänckisch sind / vnd der waarheyt nicht gehorsammend / sonder dem vnrechten / ist künfftig vngnad vnd zorn / trüebsal vnd angst / über alle seelen der menschen / die da böses thuond. Das sprich ich / söllend wir vest halten / Darauff söllend wir beruowen / Gott geb wie lang es den gottlosen wol gange / vnd nit gestraafft werdind. Es weißt der heilig / gerecht / weiß / güetig vnd ewig Gott wol / wz er thuot / wie / vnd warumb er ein yedes thuot / vnd wenn ers thuon sol. Jm sey lob vnd ehr in ewikeit / Amen.CCXVIIv. / 217b
Dahar dienet auch / das der güetig Gott nit nur die sünder vnd lasterhafften / sonder auch die guoten strafft. Von welchem stuck ich doben geredt hab in der xxiij. predig. Das kumpt aber hie in ein frag / warumb Gott die sünden / die er doch den menschen verzigen hatt / so mit mancherley straffen nichtsdestminder straaffe? Dann dem Adam hat Gott sein sünd verzigen / vnd doch nichtsdestminder den tod / vnd vil ellends vnd müesälikeit dises läbens aufgelegt. So lißt man auch dz Nathan zum Dauid gesagt / der Herr hat dein sünd hingenommen. Vnd setzt doch der selbig Prophet gleich darzuo: Das schwärt wirt von deinem hauß nit abweichen usw. Darauff ich einfaltig dises antworten / dz alle plagen so dem menschen vor dem vnd die sünd verzigen zuogefüegt werdend / billiche straaffen / nachdem aber die sünd verzigen / üebungen vnd züchtigungen sind / nit das die glöubigen mit denen für die sünden gnuog thüegind / welche vorlangest auß gnaden im tod deß suns Gottes verzigen sind / sonder das sie damit gedemüetiget vnnd in ordnung behalten werdend / mit denen jhnen auch anlaß zuo grösseren ehren gegeben wirt. Hieuon wil ich mich nicht verdriessen lassen eüwer lieb vorzuoläsen das vrtheyl deß heiligen Augustini lib. 2. de peccatorum meritis & remissione cap. 33. & 34. da er also spricht / Die ding / deren schuld Gott hin nimpt / darmit sie nit nach disem läben schadind / laßt er auch bleiben zur üebung deß glaubens / damitt sie dadurch vnderrichtet vnnd geüebt werdind / vnnd also zuonemmind in dem kampff der gerächtikeyt. Vnnd bald darauff / Vor der verzeihung / sind dises straaffen der sünden / nach der verzeyhung aber / kämpff vnnd üebungen der gerächten. Vnnd nach ettlichen worten spricht er abermals weiter / Das fleisch / das zum ersten gemachet was / das was nicht ein fleisch der sünden / oder ein sündig fleisch / in welchem der mensch in dem wollust deß Paradeises die gerächtigkeyt nicht hatt wöllen behalten. Darumb hatt es Gott geordnet / das nach seiner sünd / das sündig fleisch yetz / die gerächtigkeyt zuo empfahen / inn müey vnnd arbeyt behafftet wäre. Dann darumb hatt auch Adam als er auß dem Paradeiß vertriben / gegen Eden über gewonet / das ist gegen dem sitz deß wollusts / das er damitt bedeütete / das daß fleisch der sünden / welches in dem wollust ee es ein fleisch der sünden ward / gehorsamme nicht gehalten hatt / in arbeyt / welche dem wollust zuo wider ist / sölte gezüchtiget werden. Darumb wie dise ersten menschen hernach gerächt geläbt / dannenhar mann billich glaubt das sie durch das bluot deß Herren vonn der ewigen straaff erlößt sygind / vnnd doch nichtsdestminder nicht verdient habend / das sie hie in diser zeit widerumb zuo dem Paradeiß berüefft wurdind / Also verdienet auch das sündig fleisch nicht vonn stund an / ob gleich der mensch darinn gerächt läbt / vnnd jhm die sünd verzigen sind / das es den tod / den es vonn der ynpflantzung der sünden ererbt hat / nicht leiden müesse. Ein semlichs [solches] wirt vnns fürgestellt im buoch der Küngen vonn dem Ertzvatter Dauid / zuo welchem der Prophet geschickt ward / Vnnd als er jhm auß dem zorn Gottes die übel die über jhn kommen wurdind tröuwet / bekannt er die sünd vnnd erlanget gnad / wie jhm dann der Prophet antwortet / das jhm dise sünd vnnd dises laster verzigen wäre. Noch nichtsdestminder volget das auch das jhm der Herr tröuwet hatt / das er also von dem Sun gedemüetiget wurde. Warumb spricht mann da nicht auch / so jhm Gott vonn der sünden wegen semliches [solches] getröuwet hatt / Warumb hatt er dann nach der verzeyhung der sünden / nichtsdestminder sömliche [solche] tröuwung erfüllt? Dann das (so yemand also fragen wurde) recht geantwortet wirt / die verzeyhung der sünden sey geschehen / auff das der mensch am empfahen deß ewigen läbens nicht verhinderet wurde / vnnd sey doch die erstattung der tröuwung auchCCXVIII. / 218a
gefolget / auff das deß menschen glaub vnd gottsforcht in diser züchtigung geüebt vnnd bewärt wurde. Also hat Gott auch den tod deß leibs dem menschen von der sünd wegen auffgelegt / vnnd doch nach der verzeihung der sünden zuo üebung der gerächtikeyt nit abgenommen. So vil Augustinus.
So vil aber die straaffen der gottlosen belanget / so jhnen der gerächt Gott der selbigen etlich in diser zeit zuofüegt / so söllend wir wüssen / das sie ein anzeigung sind deß gerächten grichts Gottes / der hie in diser zeit anfacht / vnd in der volgenden fürfart ewiklich zuostraaffen. Vnd sind also die gottlosen selb schuldig an jhrem verderben. Dann Gott facht sie hie an straaffen / das sie dardurch lernend witzig werden vnd sich bekeerind. Sie bekeerend sich aber nicht zuo dem der sie straafft / sonder werdend nun ye lenger ye verherteter / vnd brummlend [murren] wider die vrtheil Gottes / vnd keerend jnen selbs das zum verderben / das zuo jhrem heyl angesehen was. Dann wie denen die Gott liebend alle ding zuo guotem dienend / also dienend denen die Gott hassend alle ding zum verderben. Dauon wäre wol weiter zuo reden / aber dieweil ich dauon vil geredt hab in der xxiij. predig / so hoff ich man finde daselbst was hie manglet / vnd weisen deßhalb den läser daselbst hin. Souil sey nun bißhar von der sünd geredt.Vnd also hab ich üwer lieb nun mit diser langen predig mer dann zwo stund auffgehalten. Darumb damit ich es ein mal beschliesse / so lassend vns vnsere sünd erkennen / vnnd demüetiklich schrijen zuo dem da sitzt auff dem stuol der gnaden / vnnd sprächen / Herr erbarm dich vnser / dann wir habend dir gesündet vnnd bekennend vnsere sünd. Wir sind deine schuldner / vergib du vns vnsere schulden / wie auch wir vergebend vnseren schuldneren / vnnd füer vns nicht in versuochung / sonder erlöß vns von dem bösen. Amen.
31.Pr.Die Ein vnd dreissigste Predig.
Von dem Euangelio der gnaden Gottes / welcher der wält seinen Sun gegeben / vnd in jhm alles das zuo waarer säligkeyt dienet / auff das so wir in jhn glaubind / das ewig läben erlangind.
NAch der außlegung deß gsatztes vnnd deren stucken / die dem selbigen verwandt sind vnnd ettlicher maß anhangend / bedunckt mich yetzund fürzuoschryten sein auff die handlung vnd tractation deß Euangelij / dessen in der erklärung deß gsatztes vnd auch sonst offt gedacht ist worden. Wie mir aber bißhar das gebätt eüwer lieb zuo Gott wol geholffen hat / also begär ich auch in disem handel abermals / eüwer Christenlichen vnd ernstlichen fürbitt.
Das wörtli Euangelium / ist ein Griechisch wort / aber auch von den Latineren vnd Teütschen angenommen. Das wirt zuosammen gesetzt von dem wörtli eu das da heißt / guot / vnd angello das ist ich verkünden. Vnnd heißt deßhalb Euangelium / ein guote vnd sälige bottschafft vnnd verkündung / als wie da geschicht so wir etwan ein statt von einer schwären belägerung erledigend / oder ein herrlichen sig an vnserem feyend mit einer schlacht erlangend. Vnd wirt dz wörtli Euangelium einer yetlichen frölichen vnd guoten bottschafft zuogeben / Gott geb woruon es sey / da es wol ergangen. Es habend auch die heiligen Apostel diß wörtli fast gern gebraucht / nit nur von wegen dz es auch die Propheten vorhin in üebung gehept / sonder darumb das es den handel vnsers heils das durch Christum veruolkomnet ist / auff welchen sie es dann gezogen / gar wunderbarlich begreifft / vnd vns den selbigen gleich als für die augen anzuosehen fürstellt. Jsaias füert den Herren Christum yn / wie es der h. Lucas erklärt /CCXVIIIv. / 218b
also redende. Der geist deß Herren auff mir / deßhalben er mich gesalbet hatt / euangellizesthai das ist zuo Euangelisieren / oder zuo verkünden das Euangelium den armen hat er mich gesandt / zeheilen die da sind eines zerknisten hertzens / zepredigen den gefangnen die erledigung / vnd den blinden das gesicht / loß zuo geben die zerschlagnen in die erledigung / zepredigen dz angenäm jar deß Herren. Sich da erklärt vns der Heyland selb beyde bey dem Propheten vnd auch bey dem Euangelisten dz wörtli Euangelium / was es sey / vnd wz es vermöge. Der Vatter / spricht er / hat mich gesendt / das Euangelium den armen zuo verkünden. Vnd von stund an setzt er drauff wer die armen sygind / namlich / die eines zerknisten hertzens / oder eines zerbrochnen gemüets sind / die namlich nichts gantzes / vnd kein gesuntheit in jnen selbs findend / gantz an jren krefften verzweiflend / vnd am einigen artzet Christo hangend. Das Euangelium aber / dz ist die guote bottschafft / die disen erschlagnen verkündet wirt / ist das / das der sun Gottes kommen sey die krancken zeheilen. Vnd sölches zuo erleüteren / setzt er noch anders auch hinzuo / namlich dz der sun Gottes kommen sey / zuo verkünden den gefangnen die erledigung / vnd den blinden dz gesicht usw. Dann alle menschen sind gefangen in den banden der verdammnuß / vnd dienend alle ein schwären dienst vnd knächtschafft vnder dem grausammen Tyrannen dem Teüffel / sind auch alle blind / vnd verwicklet in die finsternuß der jrrthummen. Denen wirt aber verkündet die erlösung vnd die erledigung / welches dann das waar Jubeljar ist. Dise fröliche bottschafft aber wirt genennt das Euangelium.
Darumb so wirt das Euangelium von allen fast auff dise weiß beschriben. Namlich / das es sey ein guots vnd lieblichs wort / vnnd ein gwüsse zeügnuß der gnaden Gottes gegen vns / die er in Christo den glöubigen mitteilt. Oder / das Euangelium ist / ein heiterer sententz [vrtheil] deß ewigen Gottes / vom himmel herab gegeben / darinn er alle glöubigen absoluiert [-] vnd ledig spricht von allen sünden / vnd das on verdienst auß gnaden von Christi wegen / vnd jnen verheißt dz ewig läben. Dises wirt genommen auß den zeügnussen der heiligen Euangelisten vnd Apostlen. Dann der heilig Lucas füert yn den Engel deß Herren zuo den erstuneten [-] vnd erschrocknen hirten also redende / Förchtend eüch nit / dann sihe / ich verkünden eüch ein grosse fröud / die begegnen wirt dem gantzen volck / dann eüch ist hütt geboren der Heyland / welcher ist Christus der Herr in der statt Dauids. Da nimpt er den hirten alle forcht auß mit dem Euangelio / dz ist mit der heilsammen verkündung / die voller fröuden ist / welche die ist / dz Christus der Herr der Heyland der wält geboren sey / vnnd das vnns / das ist / geboren zum heyl der menschen. S. Paul spricht / Das Euangelium sey vorhin verheissen von Gott durch die Propheten / in der heiligen gschrifft von seinem sun / der jm geboren sey von dem samen Dauids nach dem fleisch / vnnd erweiset ein sun Gottes in der krafft / nach dem geist der da heiliget / auß dem dz er von todten aufferstanden. Vnnd an einem anderen ort / Das Euangelium ist ein verkündung Jesu Christi / nach der offenbarung der geheimnuß / die nit kund gethon ist in den vorigen zeiten / nun aber geoffenbaret / vnd durch die Prophetischen gschrifften / nach dem befelch deß ewigen Gottes / zur gehorsamme deß glaubens / in alle Heyden vnd völcker geoffnet vnd verkündet worden. Jtem noch kürtzer spricht er / Dz Euangelium ist ein krafft Gottes / zum heil einem jeden der glaubt / dz ist / dz Euangelium ist ein verkündung der krafft Gottes / durch welche die glöubigen heil vnd sälig werdend. Die krafft Gottes aber ist Christus / dann der wirt genennt der arm deß vatters / sein ehr / krafft vnd klarheit. Dem glöubigen aber ist Christus heilsam / ja einem yeden glöubigen / dann er ist jr aller Heyland. Auß disem allem fassend wir nun ein sölliche beschreibung deß Euangelij zuo sammen. Das Euangelium ist ein himmlische verkündung vnnd Predig derCCXIX. / 219a
gnad Gottes gegen vns / durch welche der gantzen wält / die in dem zorn vnnd in der vngnad Gottes ist / verkündet wirt / das Gott der himmlisch vatter in seinem eingebornen sun vnserem Herren Jesu Christo versüent sey / den er vns geleistet wie er jnn den vätteren vorzeiten verheissen / vnd das er vns in jm geben habe alles volkommenlich das zuo säligem läben vnd ewigem heyl dienet / als in dem der für vnns mensch worden / gestorben / von todten widerumb erweckt / vnd gehn himmel genommen / vnser einiger Herr vnd Heyland worden ist / so veer das wir vnsere sünd erkennind vnd in jnn glaubind.
Diß ist nun ein lange beschreibung / das bekenn ich / aber bedenck hiebey / das auch der handel der hie begriffen vnd beschriben wirt / groß vnd weitlöuffig ist / darumb ich jnn auch mencklichem auff das heiterest als ich gemögen in diser beschreibung hab wöllen fürstellen / vnd hab es deßhalb mit minderem nit können noch mögen außrichten. Dise beschreibung hat jre stuck vnd teyl / welche so sie einander nach erleüteret vnd erklärt werdend / so wirt ein yeder als ich hoffen ersehen mögen die gantze natur deß Euangelij / auch seine vrsachen vnnd würckungen / vnd alles / das dauon billich sol vnd muoß erkennt werden.
Zum ersten das daß Euangelium ein himmlische bottschafft sey / vnd nicht ein jrrdische / zeigt in sonderheit das an / daß der himmlisch vatter selbs das Euangelium zum ersten vnseren bekümmerten elteren im Paradeiß verkündet hatt / Da er seinen sun verhieß / das der mensch sölte werden vnd dem schlangen den kopf zerträtten. Darnach so spricht auch der heilig Apostel Paulus mit heiteren worten / Gott hat vorzeiten manig mal [manchmal] vnnd mancherley weiß geredt zuo den vätteren durch die Propheten / in disen letsten tagen aber hat er zuo vns geredt durch den sun. Dann es hat auch Johannes vorhin bezeüget / vnd (wie man von jm lißt) gesprochen / Es hat niemant ye Gott gesehen / der eingeboren sun der da ist in der schoß deß vatters / der hat es vns verkündet. Jtem Joan.3[31] / Der von oben här kumpt / ist über all. Wer von der erden ist / der ist jrrdisch / vnd redt von der erden. Der vom himmel kumpt / der ist über all / vnd zeüget was er gesehen vnnd gehört hat. Dahar dienet auch das die Propheten auß yngebung deß heiligen geists geweissaget habend / sie habend aber in der heiligen gschrifft das Euangelium vorgesagt vnd verkündet. Dessen fürnempste hauptstuck habend auch die Engel von himmel herab steigende / den menschen verkündt / dann die menschwerdung deß suns Gottes / wirt erstlich der heiligen junckfrauwen vom Ertzengel / dem nach auch Josephen dem vermeinten vatter Christi vnnd schirmer der reinen Jungkfrauwen / verkündet. Der selbig Engel verkündet auch den hirten die geburt deß suns Gottes. Also verkündend die Engel den weiberen die zum grab kamend / vnd nach landsbrauch den leib deß Herren salben woltend / das der Herr von todten aufferstanden wäre. Die selbigen bezeügend auch den Apostlen / als der Herr auff fuor / vnd sie jre augen in die wulcken steiff richtetend / das er gehn himmel genommen sey / vnnd da dannen kommen werde zuo richten die läbenden vnd die todten. Zuo welchem allem auch dienet die stimm deß ewigen vatters / die er von himmel herab über den Herren geredt hat / Dz ist mein geliebter sun / in dem ich versüent bin / jnn hörend. Welche zeügnuß deß vatters der heilig Apostel Petrus in der ij. Epistel am j[17]. Cap. mitt grossem geist anzeücht vnnd eräferet. Darumb so ist das wort deß Euangeliums ein göttlichs wort / das von himmel kommen vnd vnwidersprächlich ist / vnd welche dem glaubend / die glaubend dem wort deß ewigen Gottes / welche dem nitt glaubend / die verachtend vnd verwerffend das wort deß läbendigen Gottes. Dann er hört nit auff das wort Gottes zuosein / ob es gleich wol durch die menschen verkündet wirt. Dann wir läsend das der Herr von den Apostlen geredt / Jr sind nicht die da redend / sonder der geist meines vatters / der in eüch ist. VnndCCXIXv. / 219b
darumb stat auch / das sie nitt von Hierusalem gezogen / biß sie angezogen von der höhe / vnd den heiligen geist empfangen habend. Wir könnend aber auch das wort Gottes nit also an die Apostel anbinden / als ob nach jnen niemand das wort Gottes verkünde. Dann der Herr spricht heiter in Joanne / Waarlich sag ich eüch / wer den auffnimpt den ich schicken / der nimpt mich auff / wer aber mich auffnimpt / der nimpt den auff der mich gesendt hat. Nun schickt aber vnser Herr / der oberst Priester seiner allgemeinen kirchen nit allein die Apostel / sonder auch alle die so recht vnd ordenlich berüefft / vnd die das wort Christi bringend. Darumb verstond wir dise wort / die der Herr mit seinem heiligen mund geredt hat / Namlich da er also spricht / Welcher sünden jr vergeben werdend / denen sind sie vergeben / vnd welcher sünd jr behalten werdend / denen werdend sie behalten sein / Jtem / wz du aufflösest vff erden / dz wirt aufgelößt sein in himmlen / vnd was du binden wirst auff erden / dz wirt auch in himmlen gebunden sein / von allen rechten dieneren der kirchen. Dann an einem anderen ort spricht der Herr auch / Es wirt dem land deren zuo Sodom vnnd Gomorra ringer ergon am tag deß gerichts dann diser statt die eüch nit auffnimpt vnnd eüwere wort nit hört. Wer ist aber der nit wüsse mit was schandtlichen lasters sich die burger zuo Sodom befleckt vnnd verwüestet habind / vnd das sie der Herr mitt feür schwäbel vnd päch / das er von himmel herab über sie lassen fallen / verbrennt? Wer wil nun nicht darauß können rechnen / das die so das Euangelium Christi widerfächtend vnd lesterend / vil wirß [schwerer] sündend / vnd das sie von Gott dem gerächten Richter / vil übler / eintweders hie oder dört / oder wol als bald an beyden orten / werdind gestraafft werden? Darumb lassend vns dem Euangelio deß suns Gottes glauben / welches der wält zum ersten vom vatter / darnach von den Ertzvätteren / hernach von den Propheten / zuoletst auch von dem eingebornen sun Gottes vnd seinen Apostlen ist verkündt worden / deren himmlische stimm auch noch auff den hüttigen tag erklingt in dem mund aller dieneren / die vns das Euangelium treülich vnd auffrecht verkündend.
Demnach so ist auch zuobedencken / wz dise himmlisch predig deß Euangelij der wält verkünde / Namlich die gnad vnsers himmlischen vatters. Dann es spricht der Apostel Paulus im buoch der geschichten am xx. Cap. Dz er den dienst vom Herren empfangen habe / zuo bezeügen das Euangelium der gnaden Gottes. Darumb an disem ort von der gnad Gottes zuo reden ist / so vil dann hierzuo von nöten ist. Es wirt das wörtli gnad auff mancherley weiß in der h. geschrifft braucht / gleich wie auch in anderen gschrifften. Jn der h. gschrifft heißt es ein dancksagung / Jtem ein guothat vnd allmuosen / als in der ij. zun Corinth. viij. Cap. Es heißt auch ein lob vnd widergältung / als da der Apostel spricht / Wenn jr vmb wolthat willen leidend vnd erduldend / dz ist gnad bey Gott. Es heißt auch ein vermögen vnd geschicklikeit eins dings / als so wir sagend / einer habe gnad zuo leeren / Jtem ein ampt zuo verwalten. Dann also spricht der Apostel / er habe gnad empfangen / vnd legt es glych vß vnd spricht / Namlich dz Apostel ampt zuo verwalten. Darzuo werdend auch die gaben Gottes gnaden genennt / darumb dz sie vß gnaden gegeben werdend. Doch so vnderscheidet Paulus zun Röm. am v. zwüschend der gab vnd der gnad. Dann gnad heißt gmeinlich der gunst vnd guote will Gottes gegen vns / Gab aber / die schencke die von Gott vß seiner guotwillikeit gegeben wirt / als da ist / glaub / standhaffte / redliche usw. Vnd werdend die gnennt gnad bey Gott funden haben / denen Gott träffenlich günstig ist / vnd die er von hertzen liebet. Also hat Noe gnad funden in den augen deß Herren. Joseph fand gnad in den augen deß Kärckermeysters. Vnnd von der heiligen Jungfrauwen lißt man / das sie gnad funden habe bey dem Herren / darumb das sie vonn Gott geliebt / vnd hoch von jm gehalten worden / als die er besonderbarlich vßerkoren hatt.CCXX. / 220a
An disem ort aber heißt gnad / deß ewigen Gottes gunst vnd guotwillikeyt / damit er nach seiner grossen güete die menschen vmb sonst vnuerdient vonn Christi wegen liebet / berüefft / grecht vnnd sälig machet. Da ist aber vor allen dingen die vrsach der liebe Gottes gegen vns zuo erforschen. Dann wir sehend das etwas correlation ist zwüschend dem gunst Gottes vnnd vnns denen er günstig ist. Diß wirdt nun nicht schwär sein noch lange arbeit brauchen zuo finden. Dann inn vns ist nichts das Gott so hoch gefalle oder dadurch er möge bewegt vnd auffbracht werden vns zuo lieben / sonder dieweil wir alle vnreine sünder sind / er aber dargegen heilig / gerecht / vnnd ein straffer der lasteren / so fint er warlich vil mee inn vnns / darüber er billicher zürnte / vnnd das er nach seiner gerechtikeit billicher straffte. Darumb so muoß die vrsach der liebe Gottes gegen vns / nicht in vns / noch in einigem anderen ding aussert Gott / (dieweil nichts heiligers ist dann der mensch) sonder in Gott selb vnd in seiner natur sein. Da stellt vns deßhalb die warhafft h. geschrifft Gott für / das er von seiner natur guot / gnedig / vnd wie Paulus spricht / ein Philantropos / dz ist ein liebhaber der menschen seye / der seiner natur einigen Sun zuo vnserer erlösung geschickt habe. Darauß dann jetzund volget / das Gott vnuerdient vonn jhm selb / von seins suns vnd vonn keiner anderen vrsach wegen den menschen lieb habe. Da dann vonn stund an alle zuo bereitungen bewegungen vnnd verdienst der menschen / durch dises feür der liebe Gottes durthon vnd zuo nichte gemachet werdend. Dann die gnad Gottes ist gantz vnnd gar vnuerdient / vnnd wo sie nicht also wäre / wüßt ich nicht wie sie gnad möchte genennt werden. Da aber vonn nöten ist / das wir inn disem handel der so hochwichtig ist heitere kuntschafften der heiligen gschrifft habind / mit denen vnsere gemüeter wider alle sophistische fünd vnd teüflische versuochungen befestnet werdind. So spricht nun der Herr im Euangelio / Also hatt Gott die welt geliebet / das er seinen eingebornen Sun für sie gebe / auff das ein jeder der inn jhn vertrauwt / nicht verderb sonnder habe das ewig läben. Sich die liebe Gottes / die da ist der gunst vnd das wol wöllen Gottes der vns liebet / ist die vrsach vnsers heilß / dann Christus der für vns gelitten / ist vnser heil. Den hatt vns aber Gott der vatter auß liebe gegeben. Dann wir könnend nicht gedencken das Gott durch vnsere liebe bewegt seye worden vnns hinwider zuo lieben / das er seinen sun für vns gäbe / dann eb [ehe] die wält erschaffen / hat er es fürgenommen vns durch den sun zuo erlösen. So spricht auch der heilig Euangelist Joannes in seiner Canonic [Epistel] / Darinn ist die liebe / nit dz wir Gott geliebet habind / sonder dz er vns gliebet / vnd seinen sun gschickt hat zur versüenung für vnsere sünd.Zuo disen zeügnussen wiewol sie heiter vnnd vest / wil ich doch noch ettliche auch deß heiligen Apostels Pauli anzühen / damit diser vnnser handel dest heiterer seye / vnnd die einhellikeit der Euangelischen vnnd Apostolischen leer hierinn dest bas ersehen werde. So spricht nun S. Paul zun Röm. Sie habend alle gesündet vnd manglend der eer Gottes / vnnd werdend aber on verdienst fromb gemachet auß seiner gnad / durch die erlösung so durch Christum geschehen ist. Jtem er schreibt zun Epheseren / Jr sind auß gnaden sälig worden durch den glauben / vnd das selb nit auß euch / Es ist Gottes gab / nicht auß den wercken / auff dz sich nit jemands rüeme. Jtem zuo Tito. Es ist erschinen die güetikeit vnd früntlikeit Gottes vnsers heilands / nit vmb der wercken willen der gerechtikeit die wir gethon hattend / sonnder nach seiner barmhertzikeit hatt er vnns sälig gemachet. Also inn der ij. zum Timoth. am j. Capitel spricht er / Gott hatt vnns sälig gemachet / vnd berüefft mit einem heiligen beruoff / nicht nach vnnseren wercken / sonnder nach seinem fürsatz vnnd gnad / die vnns gegeben ist inn Christo Jesu. Da möchte doch nichts heiterers vnd eigenlichers für vnseren
CCXXv. / 220b
handel / als ich achten / erdacht werden. Vnd erscheint also das die gnad Gottes gantz vnd gar vnuerdient ist / als die alle vnsere werck vnd verdienst außschleüßt. Vnd dise vnuerdient liebe Gottes ist die einig vrsach / vnnd der ware vrsprung deß Euangelij. Darumb S. Paul on allen zweyfel das Euangelium nennt ein preyß vnd verkündung der gnad.
Wiewol nun die gnad Gottes an vns nicht gelegen / noch ist vnd blibt sie in Gott nit müessig / als ob sie aussert vns seye vnd vns nichts angang / vnd vonn vns weder empfunden werde / noch ützit [etwz] in vns würcke. Dann wir habend auß jetz angezognen kuntschafften verstanden / das die gnad ein gunst seye in Gott mit dem er vns liebet / vnd habend verstanden / das auß diser gnad die menschen sälig werdind. Dann dieweil Gott die menschen liebet / so hatt er nit wöllen dz sie verdurbind / vnd hatt deßhalb auß gnaden seinen sun geschickt / der vns vom verderben erlößte / vnd in dem der gantzen wält die gerechtikeit vnnd auch die barmhertzikeit Gottes kund wurde. Nun werdend aber allein die glöubigen erlößt / Darumb so hatt die gnad da abermals das sie in dem menschen würckt / Dann durch die außgiessung deß heiligen geists in vnsere hertzen / werdend vnser verstand vnd will im glauben vnderrichtet. Vnnd in summa / die gnad (wie doben in der beschreibung geredt) berüefft / vnnd macht die glöubigen gerecht sälig vnd herrlich / das wir also den gantzen handel vnsers heils / vnnd alle tugenden der glöubigen / der einigen gnad Gottes (deren würckung wir allenthalben erkennend) zuo gäbend. Welches dann abermals mit einer göttlichen / deßgleichen auch mit einer menschlichen kuntschafft erwisen vnd erzeigt wirt / dann S. Paul spricht zun Römeren / Welche er vorhin fürsehen hatt / die hatt er auch verordnet / vnd welche er verordnet hatt / die hatt er auch berüefft / welche er aber berüefft hatt / die hatt er auch grechtgmachet / welche er aber hatt grechtgemachet / die hatt er auch herrlich gemachet. Was wöllend wir nun hiezuo sagen? Jst Gott für vns / wer mag wider vns sein? welcher auch seines eignen suns nit hatt verschonet / sonder jhn für vns alle dahin gegeben / wie sol er vns mit jm nit alles schencken? Also schreibt er auch zun Epheseren am j. Capitel den gantzen handel der erwellung vnd deß heils mit allen zuogehörigen stucken der gnad Gottes zuo. Vnnd also habend auch die heiligen vätter im concilio Mileuentano / vnder welchen auch der h. Augustinus gesessen ist / diß volgend decret vonn der gnad Gottes gemachet. So jemand spricht (sagend sie) das vns Gottes barmhertzikeit mitteilt werde / so wir one die gnad Gottes glaubind / wöllind / begärind / vnderstandind / arbeitind / bittind / suochind vnnd klopfind / vnd nit bekennt das es durch die yngebung vnd ynblasung deß heiligen geists in vns beschehe / das wir glaubind / wöllind / vnnd die ding alle wie sich gebürt thuon mögind / vnd die hilff der gnad Gottes erst nach deß menschen demuot oder gehorsamme setzt / vnd nit bekennt das es seiner gnaden schenckt ist / das wir gehorsamm vnnd demüetig sind / der widerstat dem Apostel / da er spricht / Was hast du / das du nit empfangen habist? Vnd ich bin auß gnaden Gottes das ich bin. So vil dise. So man nun dise göttlichen vnd auch menschlichen zeügnussen ermißt / so acht ich nit das jemand sein werde / der nit verstande / das dises die gnad Gottes seye / dauon ich geredt / nammlich der gunst vnd das wolwöllen deß ewigen Gottes / damit er vns menschen nach seiner vnentlichen güete on verdienst von Christi wegen liebet / berüefft / gerecht vnd sälig machet. Der heilig Aurelius Augustinus hatt ein hefftigen kampff gehept mit Pelagio dem Brittänyer ob dem handel der gnad Gottes. Dann diser verstuond durch die gnad Gottes nichts anders dann die wolthat der erschöpfung. Das lougnet Augustinus nit gnad sein / er trang aber darauff / das die Apostel sonnderlich rettind von der vnuerdienten gnad / dadurch wir vmb sonst on allenCCXXI. / 221a
vnseren verdienst von Christi wegen erhalten vnd sälig werdend. Vnnd das treib er daselbst hefftiger / dieweyl er sach das der kätzer Pelagius lart / die menschlich natur wär für sich selb gnuogsam die gebott Gottes nicht nun zuo thuon / sonnder auch volkommenlich zuohalten durch den freyen willen. Dauon disputiert aber S. Augustin gar Christenlich vnnd weytlöuffig inn der fünff vnd neüntzigsten Epistel ad Innocentium. Auß den neüwen leeren habend der mertheil die gnad Gottes / von bessers berichts wegen vnderscheiden in die gnad die vns angnäm mache / vnd die / die vns vergebens gegäben werde. Jtem inn die würckend / vnd mitwürckend gnad / Jtem in die vorgend oder fürkommend / vnd volgend gnad. Dise habend auch die würckungen vnnd frücht der gnad fast auff dise weyß ein ander nach gezellt / das die gnad die seel heile / vnnd mache das sie das guot wölle / vnnd darnach das krefftigklich würcke das sie gewöllen. Jtem auch das sie im guoten verharre / vnnd entlich zuo der ewigen glori kömme.
Jch wil mich aber nicht als vil bemüeyen anderer meinungen zuo erzellen / was ein jeder gehalten hab (welches grosse arbeit brauchte vnd mir vnmüglich wär /) als das ich die meinung vnnd den verstand der heiligen geschrifft herfür bring (welche die einig regel ist recht von allen dingen zuo halten vnnd zuo vrtheilen) was vnns nammlich die selbig heiße vnd leere halten / welches ich doben in der disputation von der gnad Gottes kurtz vnnd lauter gnuog als ich hoff dar thon vnd anzeigt hab / darzuo wirt auch die volgend disputation von Christo / inn welchem Gott der vatter sein überschwenckliche höchste vnd himmelische gnad in vns außgossen hatt / ersetzen / so daselbst ettwas abgangen wäre.
Eb [ehe] wir aber diß ston lassind / muoß ich noch anzeigen / vnnd mencklichen warnen / das die sprüch deß worts Gottes nicht wider ein anderen sind / da wir läsend oder hörend / das die menschen auß gnaden Gottes vnd on verdienst sälig werdind / Jtem / das sie sälig werdind durch die liebe Gottes / Jtem durch die barmhertzikeit Gottes / Jtem durch Christum / Jtem durch das bluot den tod vnd menschwerdung Christi / Jtem durch den glauben inn Christum oder in die barmhertzikeit vnd gnad Gottes. Dann die ding gond alle auff ein end ab / vnd schribend alle mit einander alle glori vnd vrsach deß menschlichen heilß der waren barmhertzikeit oder gnaden Gottes zuo. Das gnadenpfand aber / ja der heiland / ist der eingeboren sun Gottes vnser Herr / der für vns in tod gegeben ist. Vnd dise lauter gnad in Christo ergreifft aber jetzund der war glaub. Nach dem ich aber nun dises vonn der gnad Gottes nach meiner kleinfüege erklert / so wil ich nun fürschreiten zuo tractieren vnd zuo handlen das besonderbar werck der gnaden Gottes / welches kein anders ist / dann das vnns Gott der barmhertzig vatter seinen Sun gentzlich auff die weyß wie er vns inn den Propheten verheissen gegeben hatt / vnnd inn jhm alles das volkommenlich das zuo säligem läben vnnd ewigem heil dienet / Dann er ist der Herr vnnd Meßias / oder der einig vnnd war heiland / der für vnns mensch worden / gestorben / aufferweckt / vnnd gen himmel genommen ist. Vnnd Christus der Künig vnnd Oberst priester / das ist / vnnser heiland / ist der zwäck / ja der stärn vnnd die Sonn der Euangelischen predig vnnd verkündung. Sölichs aber zuo erklären / wil ich dise ordnung brauchen. Zum ersten / ettliche fürtreffenliche verheissungen von Christo auß dem gsatz vnd den Propheten erzellen / die von Gott der kirchen fürgestellt sind / vnd sonderlich die / die die Apostel Christi auch anzogen vnd braucht habend. Demnach anzeigen / das Gott geleistet habe das er verheissen / das ist / erklären das er vnns seinen eingebornen sun geben habe / vnd dz er der war ghoffet Herr Meßias vnd heiland seye. Zuo letsten wöllend wir anzeigen dz der vatter in disem seinem sun der wält versüent sey / vnd das erCCXXIv. / 221b
vns in jm volkommenlich geben habe / alles das zuo säligem läben vnd ewigem heil dienet. Dann er ist für vns mensch worden / gestorben / von todten aufferweckt / vnd zuo letst auch in himmel genommen worden. Jn welchen stucken die läbendigen brunnaderen deß Euangelij liggend / die da herfür giessend die heilsammen wasser zum ewigen läben. Dann darinn stat der grunntlich trost der glöubigen / vnd volkomne ruow. On dise stuck ist kein läben noch ruow.
Der verheissungen aber / die vns Gott von Christo in der heiligen geschrifft fürstellt sind dreyerley / dann also teil ich sie ab nach der zeyt / damit es alles dest bas verstanden werde / so sie doch an jnen selb allweg gleich sind. Die ersten sind die / die den Ertz vätteren / das ist den ersten vätteren beschehen sind eb das gesatzt geben ward. Vnnd die selbigen sind widerumb zweierley. Dann ettliche sind offenbar vnd stond in einfaltigen sprüchen / die on alle figuren vnd anbildungen außgesprochen sind. Etliche aber sind figürlich vnnd stond inn vorbildungen. Die erst vnd heiterest verheissung ist auß dem mund Gottes selbst zuo vnseren elteren Adamen vnd Eua beschehen / als sie jetz mit dem tod / trüebsalen / vnnd grausammen schräcken beladen warend / welche verheissung als ein seül vnd fundament ist der gantzen Christenlichen religion vnd Euangelischen predig / an deren die anderen verheissungen fast allesamen hangend. Die lautet nun also auß deß Herren mund. Jch wil feyentschafft setzen zwüschen dir / (Da verstat er die schlangen den Teüffel) vnnd zwüschend dem weyb / vnnd zwüschend deinem samen vnd jrem samen. Der selb wirt dir den kopf zertretten / vnnd du wirst jhm die färsen zertretten. Mit disen worten verheißt Gott einen samen / vnd nit eins mans / sonder eins weybs samen / ja eins fürnemmen weybs / nammlich der heiligen jungfrawen Marie / welche die gebenedeyete ist vnder den weiberen. Dann die hat nit von dem samen eins mans / sonder vom heiligen geist empfangen / vnnd ein jungfraw geboren Christum den Herren / welcher mit seinem tod vnd vrstende / den kopf / das ist / das reich deß Teüffels / ja die sünd / den tod vnd die verdamnuß / nicht nun verwunt vnd beleidiget / sonder gar zertretten / vnd allen teüffelischen gwalt vnd tyranney auffgehept hatt. Darnebend hat der teüffel die färsinen Christi zertretten / das ist / das / daß inn Christo das aller niderist was / nammlich das fleisch / das hatt er durch seine glider / Caiapham / Pontium Pilatum / Jtem durch die Juden vnd Heiden auffs hinderist mit peyn vnnd mit dem tod zerträtten vnnd außgemacht / Dann es spricht der Herr in Psalmen / Jch bin ein wurm vnd kein mensch mer. Sie habend mein läben zum staub bracht. Er ist aber widerumb vonn todten aufferstanden / sonst hette er den kopff der schlangen nicht zertretten / vnd ist worden ein heiland aller die inn jn glaubend. Auß diser verheissung fleüßt auch die besonder vnd fürtreffenlich zuosagung / die der Engel deß Herren dem Abraham vnserem vatter mit disen worten vorsagt / Es werdend in deinem samen gebenedeyet werden alle völcker der erden. Da Paulus zun Galateren mit heiteren worten erklärt / das vnnser Herr Jesus Christus diser gebenedeyet samen seye / der dem Abraham verheissen. Der wirt aber ein samen genennt / von wegen der ersten verheissung dem Adamen vnd der Eua beschehen / vnd darumb das er von vnsert wegen ins fleisch kommen / vnnd ein warer mensch ist worden. Vnd ist dise verheissung der ersten nit zuo wider / dann wiewol Christus hie ein samen oder sun Abrahe genennt wirt / so wirt er doch keiner anderen weyß dem Abraham zuogeben / dann so verr er von der jungfrawen Maria geboren / die ein tochter Abrahe / vnnd ein muoter Christi deß Herren was. Was nützt vnns aber diser sun Abrahe mit seiner menschwerdung? Er benedeyet vns / die benedeyung wirdt dem fluoch engegen gesetzt. Darumb was fluochs wir auß der sünd Adams gezogen / das heilet Christus inn vnns / vnnd benedeyet vns mitCCXXII. / 222a
aller geistlichen benedeyung. Vnd dise guothat beweißt er nit wenigen / sonder allen völckeren der gantzen wält / die in jn glaubend.
Weyter als der Ertzuatter Jacob auß yngebung deß geists Gottes künfftige ding vnd wie es seinen sünen vnd jren nachkommen ergon wurde vorsagt / als er auff seinen sun Judam kam / sprach er vnder anderem / Es wirt der scepter von Juda nit weichen / noch ein gsatzgeber (oder schreiber) von seinen füessen / biß das der Schilo kumpt / vnd dem selben werdend die völcker zuofallen. Sich in disen worten wirt der Meßias nit nun verheissen / sonder es wirt auch die zeit angezeigt / wenn er werde mensch werden / Jtem wer vnd wie mechtig er sein werde. Das reych / spricht er / wirt bleiben vnder Juda / biß auff die zuokunfft Christi. Vnd wiewol der stamm Juda nit allweg künig haben wirt / so werdend jhm doch nit manglen / höupter / füerer / gsatzgeber / glerte vnd fürgsetzten deß volcks. Darumb zeüget auch die glaubwirdig Euangelisch histori das Christus äben dozuomal kommen seye / do aller gewalt der regierung an die Römer kommen / vnd die Juden dem keiser Augusto schatzung geben muoßtend. Schilo aber heißt ein sälikeit / oder ein verschaffer der sälikeit / ein volle gnüege vnd überfluß aller guoten dingen. Dann Christus ist der schatz aller güeteren / vnd der Chaldeisch Tollmetsch hat für das wörtli Schilo gesetzt / Christus. Zuo dem werdend fliessen / oder dem werdend zuofallen / als jrem heiland / alle völcker / welches auch die Propheten hernach heiter erklärt habend / Esaias am ij. vnd Micheas am iiij. cap. Vorbildungen aber vnd figuren Christi sind gewesen Noe / der in der arch erhalten ward / dann also werdend die glöubigen in Christo erhalten. Wie S. Peter züget. j. Pet. iij. Vom Abraham ward auffgeopferet sein eingeborner sun Jsaac / vnd dz auff einer höhe deß bergs / Auff dem nach vilen jaren hernach der sun Gottes ist auffgeopfferet worden. Joseph ward den Heiden verkaufft von seinen brüederen. Jtem er wirt in gefencknuß geworffen / aber als er dadannen erlößt / wirt er ein heiland / vnd von allem volck genennt ein erhalter deß Egyptischen reychs. Dise ding alle habend den Herren Christum vorgebildet.Die anderen verheissungen sind auch zwifalt / offne nammlich vnnd bedeckte das ist figürliche / dise werdend begriffen im gsatzt vnd in den Propheten / biß auff die zeyt der Babylonischen gefencknuß. Die weyssagung Mosis von dem aller grösten Propheten der kommen werde / zeücht der heilig Apostel Petrus an in geschichten der Apostlen am iij. cap. Die figürlichen verheissungen Christi sind die opfer / welche Paulus inn der Epistel zun Hebreeren wunder kurtz vnd vergrifflich [begreifflich] erklärt. Das Osterlamm zeucht auch Paulus im fünfften Cap. der ersten Epistel zun Corintheren / mit sampt Petro in dem j. cap. der ersten Epistel auff Christum. Jtem den felsen der geschlagen ward darauß wasser floß / nennt er Christum. So spricht der Herr Christus im Euangelio Joannis selb / das er durch den ehrinen schlangen der in der wüeste erhöcht ward / seye vorbildet worden / dessen geheimnuß ich an eim anderen ort völliger erklärt hab. Vnnd dergleichen ist noch vil / deß ich ein guoten theil angerüert / do ich von den ceremonien vnnd jhrer bedeütnuß geredt hab / dadannen es wer wil wider äferen [suchen] mag. Der vnfigürlichen verheissungen aber sind gar nach vnzalbar vil in den Psalmen vnnd Propheten. Es bezeüget der Herr selb im Euangelio Luce / das sein gantzer handel im gsatzt / inn den Propheten / vnnd Psalmen begriffen vnnd beschriben werde. Vnnd Sanct Peter / als er das Euangelium geprediget / vnnd darinnen allen glöubigen Christum vnd die verzeihung der sünden verheissen / setzt er gleich drauff / vnd alle Propheten von Samuel an vnd hernach / wie vil jr geredt habend / die habend von disen tagen verkündet. Dann je so hat Dauid im ij. xxij. Jtem cx. bede naturen in Christo / die göttlich vnd menschlich / gar heiter außtruckt / Jtem sein heilsamme
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verkündung / sein immerwärend priesterthumb / vnnd ewige erlösung durch sein bitteren tod beschehen / hatt er menckliches augen an zuoschowen fürgestellt. Vnd was sol ich sagen von dem Propheten Esaia / der recht vnnd billich nitt vom wenigsten leerer der Christenlichen kirchen ein Euangelist ist genennt worden / als hette er ein histori der vergangnen vnnd nicht der zuokünfftigen dingen durch Christum beschriben. Diser stellt vnns auch disen Christum für als ein waren Gott vnd auch waren menschen / das der werde geboren nach dem fleisch von der vnbefleckten jungfrawen / das er verkünde das wort deß läbens / vnd als ein guoter hirt die erschrocknen schäffli weide / vnnd ein liecht der Heiden seye biß ans end der erden. Das er die blinden erleüchte / die lamen / vnd die so durch mengerley kranckheiten verderbt heile. Das er auch vonn den seinen verraten / verspeüwt / geschlagen / vnnd zwüschend mörderen auffgehenckt zuo einem opffer für die sünd geopfferet werde / das er auch verträtte die sünder / auff das er der gerecht gerechtmache alle glöubigen. Dauon man den gedachten Esaiam läsen mag am vij. viij. ix. xj. xvviij. xl. xlj. l. liij. auch in den letsten capitlen allen seiner Prophecey / in welchen er auch die kirchen Christi auffs eigenlichest beschreibt. So hat Jonas gar ein heiter vorbild deß tods vnd der vrstende deß Herren Christi getragen. Micheas nammset auch das ort Bethlehem / an dem Christus geboren werde / dessen vrsprung er auch / der göttlichen natur halb / gleich auff die ewikeit zeücht. Jtem er seit auch vor das die Euangelisch predig von Hierusalem in den gantzen vmbkreiß der erden werde außgespreitet werden. Jeremias spricht / Gott werde dem Dauid aufferwecken einen waren samen oder pflantz / nammlich den verlangeten Meßiam. Mit welchem er auff das gsatzt / das vom erwecken deß samens dem bruoder gegeben ist / redt. Dann die heilig jungfraw hatt vom heiligen geist empfangen vnnd geboren / ja den geboren / dessen nam Jehouah ist / der nammlich der waar vnd wäsenlich Gott vnnd die waare gerechtikeit (Welchen Esaias Emanuelem nennt) der glöubigen ist / dann durch Christum werden gerechtgmachet die da glaubend. Vnd im xxxj. Cap. verheißt auch gedachter Prophet inn Christo volkomne verzeihung der sünden / vnd die überflüßige gnad deß heiligen geists / welche auch Joel nit verschwigen hat. Diß wenig hab ich also auß vilem wöllen mälden vnd anrüeren / dann alle büecher der Propheten sonst voll sind der erklärungen deß handels Christi.
Die letsten verheissungen von Christo / sind den Propheten von Gott geoffenbaret / vnnd der kirchen Gottes fürgestelt zur zeyt vnnd auch nach der zyt der Babilonischen gefencknuß. Ezechiel weissaget von dem hirten Dauid / vnd den schaffen die auff den hirten sehind / welches der Herr selb im Euangelio Joannis von jm selb außlegt vnd zuo verston gibt. Jtem er thuot vil mäldung von der gnad vnd der volkomnen vnuerdienten verzeihung der sünden so durch Christum beschehen werde / besonders im xxxiiij. xxxvj. vnd xxxvij. Capitel. Daniel hat zwar vil gesichten vnd tröum / aber in denen stellt er vns Christum also für / das er es bas [besser] / eigenlicher / vnd schöner nicht könte. Jm ij. Cap. zeigt er vns sein ewigs reich / vnnd verkündet das Christus vnder der Römeren Monarchy kommen werde / vnd das denn zuo mal / wenn die Römischen Fürsten ein anderen mit hüraten verwannt / ein ander selb werdind vmbbringen. Welches dann erfüllt ist / als Pompeius vnd Julius / Jtem Antonius vnd Octauius Augustus regiertend. So sind auch mencklichem bekannt die wuchen Daniels im jx. Capitel / darinn er der gantzen wält Christum / vnd die zeyt Christi / auch das verstossen deß Jüdischen volcks von wegen jres vnglöubigen abfals / also zuoreden mit dem finger zeiget. Haggeus bauwt den tempel wider / ja den waren tempel / nammlich die Christenlich kirchen. Zacharias zeigt vil geheimnussen
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Christi gantz lieblich an / vnd stelt vns Christum für zum Künig vnnd Obersten Priester / Befilcht vns das einig / ewig / vnnd gnuogsam krefftig opffer / zur versüenung aller sünd der gantzen wält. Dauon man läsen mag / dz iij. ix. xiiij. Capitel / ja durch auß leert er vns Christum vnd das Reich Christi. Malachias schickt den vorlöuffer vor Christo har / vnnd handlet nit wenig geheimnussen Christi. Auß welchem allem wir sehend / das Paulus recht vnd waar geschriben hat / das Gott das Euangelium vorhin verheissen hab durch seine Propheten / in der heiligen geschrifft.
Auß disen heiligen verheissungen schliessend wir auch das / das nit vil vnnd mancherley Euangelia sind (wiewol wir nitt laugnend die Euangelisch Histori von anderem vnnd anderen [nit von einem / sonder von vielen] beschriben sein) sonder das allein ein Euangelium ist. Dann eben das Euangelium / das vns auff den hüttigen tag verkündt wirt / das ist von anfang der wält auch den vätteren verkündt worden. Dann es ye gwüß ist / das durch das Euangelium erhalten vnnd sälig worden sind / Adam / Eua / Abel / alle heiligen Ertzvätter vnnd Propheten mitt sampt allen glöubigen deß alten Testaments. Welches ich auch an anderen orten weitlöuffig erklärt hab. Nun wöllend wir auff den anderen artickel / vnnd anzeigen das vns Gott der vatter trülich geleistet das er den vätteren verheissen / mitt dem das er vns seinen eingebornen sun gäben / der da ist der waar verheissen vnd gebenedeyet Meßias in ewikeyt. Welchen handel zuo erleüteren die heiligen Euangelisten vnd Apostel deß Herren hefftig mit höchstem fleiß vnd treüwen gearbeitet habend. Die zeigend an das Dauidisch geschlecht Christi / das von dem stammen Abrahams har kumpt. Jtem sein muoter die jungfrauwen / das die vom heiligen geist empfangen / vnd ein sun geboren. Sie verzeichnend auch die zeit / zuo deren Christus geoffenbart ist / welches bey einem pünctli mit den vorsagungen der Propheten zuotrifft. Sie zeigend auch an / das dz ort der geburt Christi sich mit der Prophecey Michee reime. Jtem so erscheint ein stern gegen auffgang / der die weisen / welches fürnem vnd verständig leüt warend / bewegt zuo grüessen den neüwgebornen künig. Darumb kömmend sie / vnd bekennend heiter vnd offentlich zuo Jerusalem in der Küngklichen statt / das der Meßias geboren sey / vnnd das sie kommen sygind von Orient jn anzuorüeffen. Vnd wie sie es sagend also geschicht es / dann durch deß sternens anzeigung findend sie jn / bättend jn an / vnd zeigend mit den gaben die sie jm bringend / gnuogsam an / wie hoch vnd teür sie Christum schetzind vnd haltind. Jtem so bezeüget Simeon der gerächt zuo Jerusalem in der küngklichen statt / im Tempel / mit gröster frolockung seins hertzens / vnd frölicher dancksagung / das Gott nach seiner ewigen waarheit vnnd beständikeit / der wält seinen eingebornen sun den er den vätteren verheissen hat gegeben hab / bekennt auch das er yetzund mit freyem vnd rüewigem gemüet gern sterben wölle / vnd setzt dessen die vrsach drauff / Dann meine augen habend gesehen dein heyl / namlich den Schilo / das ist den säligmacher vnd heyland / den du O Gott fürgenommen hast allen völckeren fürzuostellen / ein liecht zuo erlüchtung der Heyden / vnd zum preiß deines volcks Jsrael. Das ist / das er die finsternuß vertreibe / vnd den Heyden vortrage das liecht der waarheyt vnnd deß läbens / vnd sie erleüchte / vnd der preiß vnnd das läben deß volcks Jsraels sey. Dahar dienet auch die zeügnuß deß fürtreffenlichsten manns Zacharie deß heiligen priesters Gottes / der also bezüget vnd spricht / Gebenedeyet sey Gott der Herr Jsraels / dann er hat besuocht vnd erlößt sein volck / vnd hat vns auffgericht ein horn der säligkeyt in dem hauß seines diener Dauids / als er vorzeiten geredt hat durch den mund seiner heiligen Propheten. Vnd was dann mer darauff volget Luce am j. Cap. Also der heilig Joannes / den man den Töuffer nennt / der sun dises Zacharie /CCXXIIIv. / 223b
von dem man lißt das kein heiligerer von weiberen geboren sey / zeiget mit auß gestrecktem finger auff disen Christum Jesum / das er der verlanget Meßias sey / den alle Propheten verheissen / vnnd das Gott in jm seiner zuosagung gnuog thon / vnd sich gantz vnd gar mit allen seinen güeteren in die glöubigen vßgossen habe. Ja als das volck / wie Lucas mäldet / wartet / vnd all in jhren hertzen von Joanne gedachtend / ob er der Christus wäre / antwortet Joannes / vnnd sprach zuo jnen allen. Jch tauff eüch zwar mit wasser / es kumpt aber ein sterckerer dann ich bin / dessen schuoriemen auffzuolösen ich nit wärt bin / der wirt euch tauffen mit dem heiligen geist vnd mit feür. Vnnd bey Joanne läsend wir / Deß nachgenderen tags sach Joannes Jesum zuo jm kommen / vnd sprach / Sihe / das Lamm Gottes / das da hin nimpt die sünd der wält. Diser ist es von dem ich sagt / Nach mir kumpt ein man / welcher vor mir gewesen ist / dann er was ee dann ich / vnnd ich kannt jhn nicht / sonder auff das er offenbar wurde inn Jsrael / darumb bin ich kommen zetauffen mitt wasser. Vnnd bald hernach weiter / Jch sach den geist herab steigen in der gestalt der Tuben / von dem himmel / vnd bleib auff jhm / vnd ich kannt jhn nicht. Aber der mich sendet zetauffen mitt wasser / der selbig sprach zuo mir / Auff welchem du sehen wirst / den geist herab steigen vnd bleiben auff jhm / der selbig ists der mit dem heiligen geist taufft / vnnd ich sach es vnnd zeüget / das diser ist Gottes Sun. Widerumb do die jünger Joannis dem Herren verbundtend [mißgünneten] das es jm glücklich ergieng / vnnd vngern hattend / das Joannes gegen Christo als nichts geschetzt ward / Da sprach Joannes zuo seinen jüngeren / Jr selbs sind meine zeügen / das ich gesagt hab / ich sey nit Christus / sonder vor jhm här gesendt. Wär die braut hat / der ist der breütigam / der fründ aber deß breütigams stat / vnnd hört jhm zuo / vnnd fröuwet sich hoch über deß breütgams stimm. Die selb mein fröud ist nun erfüllt / Er muoß wachßen / ich aber muoß abnemmen. Der vatter hatt den Sun lieb / vnnd hatt jhm alles inn sein hand gegeben / Wär in den Sun glaubt / der hatt das ewig läben / wär aber in den Sun nicht glaubt / der wirt das läben nicht sehen / sonder der zorn Gottes bleibt ob jm. Diß sind alles steiffe klare vnd heitere kundtschafften / die wol allein gnuogsam wärind zuo disem handel. Wir wöllend aber auß vilen noch etliche mälden / die da anzeigend vnnd bezeügend das vnns Christus geleistet syge. So tritt nun herfür vnser Herr Jesus selb / den wir glaubend den Meßiam sein / nach dem er lang vnd vil durch die zeügnuß Johannis gelobt was / vnd verkündet auch er selb das wort deß läbens / Da man nit lißt das ye einer gewesen sey / der mit sölcher gnad geleert habe. Mithin zuo aber hat er auch erschrockliche wunderwerck thon / die gnuogsam anzeigend wer er sey / ja ein yeden zuohörer Gott geb wie er sich darwider setz / überwindend vnnd mitt gewalt ziehend. So was er auch früntlich vnd güetig gegen den sünderen / vnd mäldet es offt das er kommen sey die selbigen sälig zuo machen / vnd zur buoß zuo berüeffen. Darumb do die jünger Joannis auff ein zeit zuo jhm kamend / vnd jhn fragtend / Bist du der / der kommen sol / oder wartend wir eines anderen? antwortet er vnd sprach / Gond hin vnd verkündend Joanni was jhr sehend vnd hörend / Die blinden werdend sehend / die lamen wandlend / die außsetzigen werdend gereiniget / die tummen [tauben] hörend / die todten werdend aufferweckt / vnnd die armen empfahend die frölich bottschafft deß Euangelij. Damitt / das ist / mitt der leer vnd denen wercken / oder seinen krefften / hatt er wöllen erzeigen / das er der waar Messias der wält geleistet sey / vnnd das mann auff keinen anderen warten sölle. Dann auch in der versamlung zuo Nazareth / als er die zeügknuß Esaie vonn dem künfftigen Meßia geläsen vnd außgelegt / zeigt er an das dise gschrifft schon erfüllt sey. Da auch gleich in der Histori hinzuogesetzt wirt / vnnd sie gabend all
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zeügnuß von jhm / vnnd verwundertend sich der holdsäligen wort / die auß seinem mund giengend. Darzuo Joannis am zehenden Capitel vmbgabend die Juden den Herren vnnd sprachend / Wie lang haltest du vnsere seelen auff / Bist du Christus / so sag es vns frey herauß. Do antwortet Jesus jnen / Jch hab es euch gesagt / jr glaubend es aber nit / die werck die ich thuon in meines vatters nammen / die zeügend von mir / Aber jhr glaubend nit / dann jhr sind nicht vonn meinen schaaffen. Vnnd bald hernach / Jhr sagend / ich lestere Gott / darumb das ich sag / ich bin Gottes Sun. Thuon ich nicht die werck meines vatters so glaubend mir nicht. Thuon ich sie aber / so glaubend doch den wercken / wöllend jhr mir nicht glauben / auff das jhr erkennind vnnd glaubind / das der Vatter inn mir ist / vnnd ich im Vatter. Dann also läsend wir ye Joan. am sibenden Capitel / Die in jhn glaubtend / die sprachend / Wenn Christus kommen wirt / wirt er auch mehr zeichen thuon / dann diser thuot? das ist so vil geredt / so wir gleich zuogäbind das man auff einen anderen Christum warten sölte / so ist doch das gwüß das der selbig nicht mehr noch grössere zeichen wurde mögen thuon. Darumb so söllend wir glauben / das diser der waar Meßias syge. So bekennt auch vnnser Herr Christus selb vor Caiapha dem Obersten Priester / vnd vor dem gantzen Concilio der Jsraelitischen höupteren / Jtem vor Pontio Pilato an deß Römischen Reichs offnen gericht / mitt heiteren außtruckten worten das er der waar Meßias sey auff den man gewartet. Dann wie es die Propheten von jhm vorgesagt / also ist er guotwilliklich gestorben für die sünder / vnnd am dritten tag von todten wider aufferstanden / aufgefaren zuo himmel / vnnd da sitzt er zuo der gerächten Gottes deß vatters. Vnnd wie die Euangelisten die wort vnnd thaten Christi mitt allen treüwen anzeigend / also setzend sie auff die fürnempsten darunder / gemeynlich allweg dise wort / Diß alles ist geschehen oder geredt / auff das erfüllt wurde das von dem Propheten geredt ist. Darumb bedunckt es mich nit von nöten / das ich die vorsagungen der Propheten zuosammen läse / vnd denen die wort vnd thaten Christi entgegen halte / vnnd auß der selbigen offenbaren einhellikeyt schliesse / das vnns Gott in dem das er vnns sein eingebornen Sun gäben / welcher der waar Meßias ist auff den man gewartet hat / geleistet habe das er den vätteren verheissen / Dann dises habend die Euangelisten thon / vnd das mit sölchem fleiß vnd treüwen / das es niemand heiterer vnd baß thuon möchte. Hiehar mag man auch ziehen das alles / das ich inn etlichen vorgenden predgenen / von der bedeütung / von den geheymnussen / von der erfüllung vnnd auffhebung deß gesatztes geredt hab. Vnnd das wir nicht so gar ein hauffen zeügnussen habind / solt nitt die einig die wir bey Joanne im vierdten Cap. läsend / an statt viler kuntschafften sein? Dann da spricht dz Samaritisch fröwlin zum Herren / Jch weiß das der Meßias kommen wirt / der da Christus heißt / wenn der selb kommen wirt / so wirt er es vns als verkünden. Vnd Jesus spricht zuo jren / Jch bins der mit dir redt. Sich was könte heiterers geredt werden? Jch bin der Meßias spricht er / ja ich / der ich yetzund mit dir reden / der ich von anfang gesprochen / wenn du erkantest die gab Gottes / vnnd wer der ist der zuo dir sagt / Gib mir zetrincken / du bätist von jm / vnd er gäbe dir läbendigs wasser. Dann wer von dem wasser trincken wirt / das ich jm gib / den wirt ewiklich nicht dürsten / sonder das wasser / das ich jhm geben wird / das wirt inn jhm ein brunn deß wassers werden / das in das ewig läben quillet. Darumb sind das die vnsäligisten vnnd ermsten leüt vnnder allen menschen / die nach vnnserem Herren auff ein anderen Meßiam wartend. Sanct Peter in dem buoch der geschichten der Apostlen am anderen Capitel zeigt an in einer langen Oration [Predigt] / die voller geschrifft vnnd auch sonst guoter gründen ist / Das vnser
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Herr Jesus der waar Meßias syge / Dann mitt disem spruch beschleüßt er sein red / So wüsse nun das gantz hauß Jsrael gwüß / das Gott disen Jesum den jhr creütziget / zum Herren vnnd Christo gemachet hatt. Auff disen zwäck tringt auch die kunstreich vnnd lange Oration [Predigt] deß ersten Marterers Stephani / die vns fürgestelt wirt Act. am vij. Cap. Daselbst im viij. Capit. zeigt Philippus dem Moren an auß der Prophecey Esaie / das Jesus Christus syge. So nimpt jhm auch S. Paul in allen versamlungen kein andere proposition [nichts anders] für zuo erklären dann dise / Jesus ist Christus / das ist / Jesus ist der Künig / Oberst Priester vnnd Heyland der glöubigen. Jm xiij. Capitel aber erleüteret vnd erklärt ers mit einer langen Oration [Predigt].
Dise klaren vnnd heiteren zeügnussen der heiligen gschrifft / thuond nun on zweiffel allen denen gnuog / die nit gern zenckisch vnd eigenrichtig [halßstarrig] sind. Da wil ich mich nun nicht bemüeyen / fast gnaw zuo disputieren wider die schalckhafften Juden / die auff einen anderen Meßiam wartend / vnd disen vnseren Herren / den sun Gottes vnd der jungfrawen Marie / verlaugnend den waaren Meßiam sein. Dann die armen leüt empfindend selb waar sein / das jnen der Herr im Euangelio vorgesagt / vnd gesprochen / Wenn jr sehen werdend den grüwel der zerstörung / dauon gesagt ist durch den Propheten Daniel / ston an der heiligen statt (wer das lißt der merck darauff) denn so fliehe auff die berg wer im Jüdischen land ist / Wee aber den schwangeren vnnd söugenden zuo der zeyt / dann es wirdt ein grosse trüebsal werden. Vnnd an einem anderen ort / da er von der Statt Jerusalem redt / spricht er / Es wirdt die zeyt über dich kommen / das deine feyend dich vnnd deine kinder werdend vmbschantzen / vnnd dich belägeren / vnnd an allen orten ängsten vnnd schleiffen / vnnd werden keinen stein in dir auff dem anderen lassen / darumb das du nicht erkennt hast die zeit deiner heimsuochung. Vnd weiter / Es wirt ein grosser zorn sein über diß volck / vnnd sie werdend fallen durch deß schwärts scherpffe / vnd gefangen gefüert vnnder alle völcker / vnnd Jerusalem wirdt zerträtten werden von den Heyden / biß das der Heyden zeit erfüllet wirt. Dieweyl sie nun empfindend / das dises alles bey einem wort / wie es von Christo im Euangelio vorgesagt / erfüllt ist worden / Warumb gebend dann die armen leüt Gott nicht die ehr / vnnd glaubend dem Euangelio auch inn dem überigen / vnnd erkennend Jesum Christum den Sun Gottes vnnd der Jungkfrauwen Marie / vnseren Herren / den waaren vnd gehoffeten Meßiam kommen sein? Was habend sie / das sie jhrem vermeßnen vnglauben fürwendind? Sie habend nun auff die 1500. jar vnd lenger jhres vatterlands gemanglet / das ist / deß lands das den vätteren verheissen / das von milch vnnd honig floß / sie habend auch keine Propheten gehept / kein offnen vnnd rechten gottsdienst. Dann wo ist der Tempel? wo ist der Oberst Priester? wo der Altar? wo die geweichten heiligen geschirr? wo die opffer / das sie nach dem gesatzt geopfferet werdind? Alle ehr deß volcks Gottes ist zuo den Christen kommen. Die fröuwend sich yetz kinder Abrahe genennt zuo werden / die frolockend inn den verheissungen den vätteren beschehen. Die preisend vnnd rüemend die vätter / Die vrtheylend recht von dem gesatzt / vnnd von dem pundt deß Herren / Die habend die heilig geschrifft / vnnd sind inn der außlegung der selben gantz ferig [fertig] / Die habend den waaren Tempel / den Obersten Priester / den waaren röuch vnnd auch brandopffer altar / Christum namlich / Die habend den waaren gottsdienst der vorzeiten in den vsseren Ceremonien vorbildet ward. Wie dz erklärt ist do ich von den Jüdischen Ceremonien gehandlet. Die Heyden sind von allen enden der wält zuo Christo berüefft. Alle vnd yede verheissungen von der berüeffung der Heyden sind überflüßig erfüllt / vnd werdend noch auff den hüttigenCCXXV. / 225a
tag erfüllt. Wir sind yetzund das außerwölt geschlächt / nach der leer S. Peters / das Küngklich Priesterthumb / das heilig volck / das volck deß eygenthums / berüefft das wir außkündind die krafft deß der vnns berüefft hatt vonn der finsternuß zuo seinem wunderbaren liecht. Darumb wöllend die arbendsäligen Juden nicht täglich mehr inn noch gröbere jrrthumb sich ynwicklen / vnnd mitt vnzalbaren plagen gestraafft werden / vnnd auch entlich ewig verderben / nach der tröwung Christi deß Herren / so bekeerind sich zuo Christo mit waarem glauben / vnd bättind den mit vns an / in den jhre vätter gehoffet habend / vnd in dem allein das heyl vnd das läben ist. Dann (damit ich dises ort mit den worten deß Apostels beschliesse / so ist Gott geoffenbaret im fleisch / gerächtgmachet im geist / erschinen den Englen / geprediget den Heyden / geglaubt von der wält / vnd auffgenommen in die herrlikeyt. Wer nun in jhn glaubt / der wirt in ewigkeyt läben / vnd nimmer zeschanden werden.
Auff söllichs ist noch überig der letst teyl zuo erleüteren / der da begreifft / das Gott der himmlisch vatter der vorhin über die wält erzürnet was / in seinem eingebornen Sun vnserem Herren Jesu Christo versüent sey. Vnnd ist deßhalb für das erst zuo erklären / das Gott über die gantze wält erzürnet gewesen sey. Das ist nun nit schwär zuo erzeigen / Dann Gott zürnet über die sünd / die gantz wält aber ist vnder der sünd begriffen / darumb volget dz der gerächt Gott über die gantze wält träffenlich zürne. Vnnd Paulus spricht / Gottes zorn wirt von himmel geoffenbaret über alles gottloß wäsen vnd vnrecht der menschen. Jtem er spricht auch das alle menschen der sünd vnderworffen sygind. Vnd zuo bestätigung desselben zücht er dise sprüch vß der gschrifft an / Es ist keiner fromb / auch nit einer. Es ist keiner der verständig sey / da ist nit der nach Gott frage / Sie sind all abgewichen / vnnd allesamen vnnütz worden / Da ist nitt der guots thüeye / auch nit einer. Jr schlund ist ein offen grab / mit jren zungen handlend sie truglich. Nateren gifft ist vnder jhren läfftzen. Jr mund ist voll fluochens vnd bitterkeyt. Jre füeß sind schnäll bluot zuo vergiessen. Jn jhren wägen ist zerbrächung vnd arbeytsäligkeyt / vnd den wäg deß fridens wüssend sie nitt. Es ist kein forcht Gottes vor jhren augen. Vnd damit aber die Jsraeliter nicht antwortetind / dises gienge das volck Gottes nichts an / sonder allein die gottlosen vnd Heyden / So setzt er gleich drauff / Wir wüssend aber / das was das gsatzt sagt / das sagt es denen die vnnder dem gsatzt sind / auff das aller mund verstopffet werde / vnnd alle wält Gott schuldig sey. Da wirt niemand außgenommen. Dann zun Galatern spricht gedachter Apostel auch / Er hat sie alle vnder die sünd verschlossen / auff das er sich aller erbarme. Darauß volget nun / das die gantze wält dem zorn deß gerächten Gottes vnderworffen gewesen sey. Von welchem auch geredt wirt Ephe. am ij. iiij. vnd v. Capitel.Diser sündthafften wält aber / ist der himmlisch vatter widerumb versüent vnd befridet [zufrieden gestellt] durch seinen eingebornen sun vnseren Herren Jesum Christum. Welches ich verhoff gnuogsam zuo bezügen mit der einigen zügnuß deß vatters selb. Dann erstlich als Christus yetzund getaufft vom tauff herauß steig / darnach als er sich vor dem angesicht seiner hiezuo besonders erwölten jüngeren vergstaltet / redt der vatter von himmel herab auff erden über jn / vnd bezeüget heiter sprächende / Diß ist mein geliebter sun / in dem mein seel versüent / gestillet vnd befridet ist / den hörend. Vnd dise zeügnuß lißt man auch vom heiligen Propheten Esaia am xlij. Cap. vorgesagt sein. Es hats auch der heilig Apostel Petrus wideräferet in der ij. Epistel am j[17]. Capitel. Paulus aber hat dises als vil als erleüteret / da er spricht / Es ist das wolgefallen deß vatters gewesen / das in jm alle völle wonen sölte / vnd das alles durch jn versüenet wurde zuo jm selbs / es sey auff erden oder im himmel. Jn himmlen aber ist der vatter / auf erden sind wir
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menschen. Der mittler ist Christus / der sich darzwüschend legt / vnnd vns seinem vatter versüenet / das wir yetzund deß vatters geliebte sind / in seinem geliebten sun. Dann in der Epistel zun Epheseren spricht auch gedachter Apostel / Er hat vns lieb gemachet durch den geliebten / in welchem wir habend die erlösung durch sein bluot / Namlich / die vergebung der sünden / nach der reichtumb seiner gnad. Dises wirt aber alles eigentlicher verstanden werden auß dem das hernach volget.
Dann yetzund wil ich anzeigen / das vns Gott der vatter in seinem sun volkommenlich gegeben habe alles das zuo einem säligen läben vnnd zuo ewigem heyl gehört. Da mälden ich zwey ding / Ein säligs läben vnd ewigs heyl. Durch das sälig läben verstan ich ein heiligs vnnd fromms läben / darinn wir hie in diser zeit fridsam vnnd erbarlich läbend. Das ewig heyl / ist die säligkeyt der künfftigen zeit / deren wir mit steiffer hoffnung erwartend. Da habend wir nun in Christo ein volkomne leer eines säligen läbens / welche vnns durch das Euangelium angäben wirt. Jn welchem wir auch begreiffend das exempel deß läbens Christi. Dann ye so hat vns der himmlisch vatter jn zum Leerer fürgestellt vnd gesprochen / Den hörend. So spricht auch er selb im Euangelio Matthei / Jr söllend eüch nit lassen meister nennen / dann einer ist eüwer meister / namlich Christus / Welcher auch im Euangelio Joannis genennt wirt ein liecht der wält. Er bezeüget auch an einem anderen ort / das sein leer in der heiligen geschrifft begriffen sey / darumb er auch seine Jünger wyßt die selbige fleißig zuo läsen. Von der selbigen zeüget aber Paulus der Leerer der Heyden / ja der Leerer der gantzen kirchen / vnnd spricht / Alle geschrifft von Gott yngeistet / ist nütz zur leer / zur straaff / zur besserung / zur züchtigung in der gerächtigkeyt / auff das ein mensch Gottes volkommen sey / zuo allem guoten werck geschickt. Darumb werde gleich die gantz wält taub / vnd die beschirmer der menschensatzungen vnd mundtlichen angebungen gestellind sich wie lätz sie wöllind / so wirt doch das wort deß Apostels / der da bezüget das die leer der heiligen geschrifft vnd Christi gantz volkommen sey / steiff bleiben vnd beston. Von welchem handel ich aber doben in den ersten predgenen disputiert hab / deßhalb ich hie dest kürtzer sein wil. So vil aber dz ewig heyl belanget das vns durch Christum volkommenlich erlanget vnd erworben ist / so hatt es ein sölliche gestalt. Das ewig heyl / ist ein anschouwen vnd niessung deß ewigen Gottes / vnd deßhalb ein vnzertrennte zuosammen füegung mit jm. Dann Dauid spricht / Ersettigung der fröuden ist in deinem angesicht / vnd lieblich wunne [wohne] bey deiner gerechten ewiklich. Vnd der heilig Joannes / Wir sind schon yetz kinder Gottes / vnnd ist noch nit erschinen das wir sein werdend / wir wüssend aber / das so er erscheinen wirt / so werdend wir jm gleich sein / dann wir werdend jn sehen wie er ist. Nun spricht aber der Herr im Euangelio / Sälig sind die eins reinen hertzens sind / dann sie werdend Gott sehen. So habend aber alle menschen vnreine hertzen / darumb so wirt keiner Gott sehen / dann kein vnreinikeit bleibt bey dem verzeerenden feür. One bluot vergiessung aber beschicht kein reinigung oder verzeihung der sünden. Da verston ich aber nit dz bluot der Wideren vnd Böcken / sonder deß suns Gottes. Darumb so hat der sun Gottes vnser fleisch vnd bluot angenommen / ist kommen in dise wält / hat den tod willig von vnsert wegen auff sich genommen / vnd sein bluot vergossen zuo verzeihung vnserer sünden / vnd hat also die glöubigen gereiniget / das sie yetzunder rein wonen mögend bey Gott dem aller heiligisten / der ein verzeerends feür ist. Vnd hiehar gehört die menschwerdung vnsers Herren Jesu Christi / Jtem sein tod / vnd vrstände von todten / auch sein auffart gehn himmel / deren stucken wir doben in der beschreibung deß Euangelij gedacht habend: Dann in disen stucken stat die gantz geheimnußCCXXVI. / 226a
vnserer versüenung / von welchen ich auff diß mal nit nach der lenge reden wil / darumb dz ich doben nach noturfft tractiert hab / da ich die artickel deß glaubens erleüteret / von dannen man sie wider äferen / vnd zuo disem handel brauchen mag.
Das aber der einig Christus / ja allein Christus / vnser läben vnd heil seye / vnd ja vnser volkommens heil vnd läben / das mag auß dem vorgenden abgenommen werden / Nichts destminder wil ich noch etliche zeügnussen ynfüeren / damit die warheit vnd auffrichtige der Euangelischen warheit dest gruntlicher vnd dest heiterer seye. Das nun allein in Christo vnser läben vnd heil seye / also dz aussert Christo gar nienen [niergend] kein läben noch heil seye / das bezeüget er der Herr selb im Euangelio da er spricht / Warlich warlich ich sag euch / wer nit zur thür hinein gat inn den schaffstal / sonnder steigt anderßwo hinein / der ist ein dieb vnd mörder. Warlich ich sag euch / Jch bin die thür der schaffen / Alle die vor mir kommen sind / die sind dieb vnd mörder. Sich es ist allein ein thür / dadurch man zum läben kommen mag. Christus aber ist die selbig thür. Welche nun durch andere mittel dann durch Christum vnderstond zum läben vnd ewigem heil zuo kommen / die sind dieben vnd mörder / dann sie stälend Christo sein eer / der allein der heiland ist vnd bleibt / darzuo so tödend sie jhre eignen seelen. Er der heiland spricht auch weiter im Euangelio / Jch bin der wäg die warheit vnd das läben / Niemand kumpt zum vatter dann durch mich. Jn denen wenig worten verwirfft er vnnd schleüßt auß alle mittel deß heils / vnnd stelt sich selbs allein dar zum läben vnnd zum heil. Dann die gattung zuo reden / Niemand kumpt zum vatter dann durch mich / ist gleich so vil geredt / als / Allein durch Christum kumpt man zum vatter. Also habend vns die heiligen Apostel den einigen Christum dermaß fürgestelt / das mencklicher wol kan verston / das daß läben aussert Christo nienen funden wirt. Der heilig Apostel Petrus spricht in den geschichten der botten / Es ist in keinem anderen das heil / dann es ist kein anderer nam vnder dem himmel den menschen gegäben / darinnen wir söllind oder mögind sälig werden. Vnd Paulus zun Römeren am fünfften Capitel wideräferet offt / das durch deß einigen menschen Jesu Christi gerechtikeit alle menschen gerechtgmachet sygind. Jtem er spricht / Durch disen wirt euch verkündet die vergebung der sünden / vnd von allem dauon jr nit habend mögen durch das gsatzt Mosis gerechtgmachet werden / wer in disen glaubt / der wirt gerecht. Dergleichen setzt er auch mer im ij. cap. der Epistel zun Galateren / Deßhalb so ist offenbar das die verzeihung der sünden vnnd das ewig läben allein durch Christum den glöubigen gegäben wirt / welche stuck wie sie aussert [ausserthalb] Christo nicht sind / also werdend sie auch durch keine mittel aussert Christo erlanget. Vonn der verzeihung der sünden aber / welches das fürnempst stuck deß Euangeliums ist / habend wir doben weytlöuffiger geredt inn der neündten predig / vnd anderßwo meer. Das vns aber auch vnser Herr volkommenlich entledige von sünden / vnd sie volkommenlich verzeihe / vnd volkommenlich sälig mache / also das nützit wyters möchte begärt werden / Ja das er der Herr die volkommen völle der glöubigen seye / aussert welchem die glöubigen zum läben vnd heil nützit weyters begären noch wünschen möchtind / dz zeigt er selb auch im Euangelio an / da er spricht / Wär deß wassers trinckt den wirt wider dürsten / wär aber vonn dem wasser trincken wirt / das ich jm gib / den wirt ewigklich nit dürsten. Jtem an einem anderen ort / Jch bin das brot deß läbens / wer zuo mir kumpt / den wirt nit hungeren / vnd wer in mich glaubt / den wirt nimmermee dürsten. Darumb dieweil die Apostel dises himmelbrot gässen hattend / das ist / dieweil sie in Christum den sun Gottes glaubtend / do vil Christum verliessend vnnd vonn jhm abfielend / vnnd der Herr sie fraget ob auch sie hinweg wöltind / gabend sie zuo antwort /CCXXVIv. / 226b
Herr / zuo wäm söllend wir gon? du hast die wort deß ewigen läbens / vnnd wir habend glaubt vnd erkennt / das du bist Christus der sun deß läbendigen Gottes. Sihe sie wöllend vnd könnend den Herren nicht verlassen / dann es ist kein anderer zuo dem sie sich thuon könnind / dann er ist allein das läben vnd das heil der glöubigen / vnd das so gar volkommen / das sie in jm allein beruowend. Mitt diser Euangelischen leer stimpt auch die Apostolisch / dann S. Paul spricht zun Coloss. Es ist das wolgefallen deß vatters / das im Sun alle völle wonen sölte. Jtem / im Sun wonet alle völle der Gottheit wäsenlich / vnd in jm sind jhr erfüllt. Vnnd inn der Epistel zun Hebreeren erzeigt er / das die glöubigen volkomne verzeihung der sünden habind / dieweil die opffer auffhörind geopferet zuo werden für die sünd / vnd das Gott durch den Propheten Jeremiam ein söliche volkdomne verzeihung der sünden verheisse / das er jhren auch nit mer gedencken wölle. Darumb welche Christum mit glauben besitzend / die besitzend volkommenlich alles das jnen zum läben vnd zum heil von nöten ist. Hiehär dienet die gantz Epistel zun Hebreeren / hiehär gehört auch der beschluß der achtenden predig daoben / in welchem ich erzellt hab / wz für schätz vns der himmlisch vatter in Christo gegeben habe.
Auß disem volget nun von jm selber / das die das ware Euangelium Christi noch nit verstanden / das sie auch das Euangelium nicht lauter predigind / die alles das zum heil vnd läben von nöten / Christo dem Herren vnd waren Meßias eintweders nit allein / oder nit volkommenlich zuogebend. Dann es ist schantlich vnd Gott lesterlich / so man die Eer Christi den menschen vnd dem das minder auch vnd böser ist dann die menschen sind / zuogibt. Die fürnempsten üebungen vnd hauptstuck je der gantzen Christenlichen religion mässend jhnen selbs der dingen nichts zuo. Dann die leer wenn sie rechtgschaffen vnd auffrecht ist / so füert sie richtig zuo Christo. Das gebätt rüefft an / lobt vnd preyßt / vnd sagt danck / alles im nammen Christi. Die Sacrament verzeichnend vnnd bildend an [versieglen vnd deuten an] die geheimnussen Christi. Die werck aber deß glaubens beschehend auß schuldiger pflicht / wie wol auch darnebend auß guotwilligem gemüet / dann wir sind erschaffen zuo guoten wercken / vnd allein vonn Christi wegen gefallend sie Gott. Dann er ist der räbstock / wir sind die schoß. Vnd also wirt alle Eer Christo vnuerletzt behalten / welches dann ein gewüß zeichen vnnd gemerck ist deß waren Euangelij. Also habend wir nun bißhär gehört / das Gott der vatter der barmhertzikeyt auß seiner lauteren gnad vnnd erbermd sich deß menschlichen geschlächts erbarmet / da es in dem hellischen kat stäcket / vnd gantz darinn vertiefft was / vnd das er seinen eingebornen Sun wie er den in den Propheten verheissen / in die wält geschickt habe / der vns auß dem kat zuge / vnd vns alles gäbe das vns zum läben vnd heil von nöten. Dann inn jhm ist er versüent / welcher für vnns mensch worden / gestorben / von todten wider aufferweckt vnnd gen himmel genommen ist. Vnd wiewol auß disem allem ettlicher maß mag abgenommen werden / weß dises heil seye / vnd wäm dise gnad zuo verkünden / so erforderet doch der handel / das wir sölichs außtrucklicher vnd heiterer anzeigind. Dann wir müessend vns selbs nicht söliche gedancken machen / das im himmel zwey büecher seyend / da in eim die yngeschriben seyend die sälig söllind werden / vnd das auß vnwidersprechlicher notwendikeit / Gott geb wie widerspennig sie dem wort Christi seyend / vnd wie grosse sünden sie begangind / Jm anderen aber die auffuerzeichnet seyend die verdampt söllind werden / die auch nicht mögind nicht verdampt werden / Gott geb wie Gottsäligklich sie läbind. Wir söllend vil mee dz halten vnnd wüssen / das daß heilig Euangelium Christi der gantzen wältCCXXVII. / 227a
gemeinlich die gnad Gottes / verzeihung der sünden / vnd das ewig läben verkündet. Vnnd ob diser meinung müessend wir vnnsere gemüeter befestnen mit dem wort Gottes / vnd zuosammen läsen etliche heitere ort der heiligen geschrifft / die nit zweyffelhafft oder dunckel seyend. Als dergleichen sind dise sprüch Gen. xxij[18]. Jnn deinem samen söllend gebenedeyet werden alle völcker der erden. Jtem Joelis ij[32]. Wer den namen deß Herren anrüefft / der wirt sälig werden. Esa. liij[6]. Wir alle habend geirret wie die schaff / aber Gott hat auff jn all vnser sünd gelegt. Esa. lv[1]. Jr alle die dürstet kömmend zuo den wasseren. Vnd der gleichen meer zeügnüssen / deren im alten testament vnzalbar vil sind. Jm Euangelio spricht der Herr / Ein jeder der bittet / dem wirt / vnd der suocht / dem wirt auffgethon usw. Mat. am vij[8]. cap. Jtem Mat. xj[28]. cap. Kömmend zuo mir alle die jr beschwärt vnd beladen sind / vnd ich wil euch erquicken. Mat. xxviij[19]. Leerend alle völcker / vnd tauffend sie in den nammen deß vatters usw. Mar. am xvj[15]. Gond hin in die gantz wält vnd predigend das Euangelion allen creaturen / welcher glaubt vnd getaufft wirt / der wirt sälig. Joan. iij[16]. cap. Also hat Gott die wält geliebet / dz er seinen eingebornen sun gäben / auff dz wer in jn glaub nit verderbe / sonder habe das ewig läben. So spricht der h. Apostel Petrus in den geschichten der Apostlen / Jch erfar in der warheit / das Gott die person nit ansicht / sonder in allerley volcks wer jn förchtet vnd recht thuot / der ist jm angenäm Act. x[34]. Vnd Paulus zun Röm. iij[22]. cap. Die gerechtikeit Gottes kumpt durch den glauben in Jesum Christum zuo allen vnd auff alle die da glaubend. Vnd im x. cap. Es ist ein einiger Herr jr aller / reich vber alle die jn anrüeffend. Jtem in der Epistel zum Tito [Tit.3.4] spricht er / es ist erschinen die heilsamm gnad Gottes allen menschen. Vnd in der j. zum Timoth. am ij[4]. cap. Gott wil dz alle menschen sälig werdind / vnd zuo erkantnuß der warheit kommind. Dise vnd dergleichen zeügnussen sind zwar gantz heiter / das sich alle glöubigen sicher darauff verlassen mögend.
So du aber fragst / wie es kömme dz nit jederman sälig werde / so doch der Herr wil das alle menschen sälig werdind vnd zuo erkantnuß der warheit kommind / so antwortet der Herr im Euangelio vnd spricht / vil sind berüefft / aber wenig außerwellt. Welches er noch heiterer außlegt Luc. am xiiij. cap. Da er in einer parabel die vrsachen anzeigt / warumb ein grosser theil der wält das ewig heil nit erlange / darumb nammlich dz sie dz jrdisch vnd zergencklich höher haltend dann dz himmelisch. Dann es wendet ein jeder etwz besonders seiner vnghorsamme für / Der hat ein hof kaufft / der ein par ochsen / einer hat gewibet usw. Also spricht der Herr im Euangelio Joannis / Dz ist die verdamnuß / dz daß liecht in dise welt kommen ist / vnd die menschen habend die finsternuß lieber gehept dann dz liecht. Mit diser Euangelischen leer stimpt auch die Apostolisch red ij. Cor. iiij[13]. Vnd in der j. zum Timoth. am iiij[10]. cap. spricht der Apostel / Gott ist ein säligmacher aller menschen / fürnemmlich aber der glöubigen. Darauß sehend wir / dz Gott von vnser jedem in der predig seines Euangelij glauben erforderet / sittenmal auch sonst offenbar ist / das wir durch den glauben aller güeteren Christi teilhafftig werdend. Vnd ist deßhalb ein correlation [eine vergleichung] zwüschend dem glauben vnd dem Euangelio / das eins das ander erforderet. Dann im Euangelio Marci setzt der Herr den glauben vnd die predig deß Euangelij zuo sammen. Vnnd Paulus spricht / das jhm der dienst deß Euangelions befolhen seye zur ghorsamme deß glaubens. Jtem / das Euangelion seye die krafft Gottes zum heil einem jeden der glaubt. Jtem so zeigt er zun Römeren am zehenden Capitel durch ein feine ordnung an / das daß Euangelium mit glauben werde gefasset. Damit aber der glaub inn den hertzen der menschen recht möge gepflantzet werden / so ist von nöten das die predig der buoß vorgange. Darumb hab ich in der beschreibung deß Euangelij zum end gesetzt / so verr das wir vnsere sünd erkennind /CCXXVIIv. / 227b
vnd inn Christum glaubind / das ist / dennzuomal wirt der Herr vnser heiland sein vnd vns das läben gäben / so wir vnsere sünd erkennend vnd inn jn glaubend. Vnd darumb so gehört an dises ort die buoßfertikeit vnd der glaub. Vom glauben hab ich disputiert in der iiij. v. vnd vj. predig da oben. Von der buoßfertikeit aber wil ich hernach in einer besonderen predig reden / hie wil ich allein ein summ deß handels / so vil ich meinen zuo erleüterung deß Euangelij gnuogsam sein / anziehen.
Es erforderet vnser Herr in der Euangelischen predig die buoßfertikeit vnd den glauben / vnd hatt auch er selb kein andere weyß braucht / da er das Euangelium selb geprediget hatt. Dann Marcus spricht / Jesus kam in Galileam / vnd prediget das Euangelion vom reych Gottes vnd sprach / die zeyt ist erfüllt / vnd das reych Gottes ist vorhanden / besserend euch vnd glaubend dem Euangelio. Vnd also hatt er auch seine jünger vnderwisen / als er sie außschickt der wält das Euangelion zuo predigen / dann beim Luca stat also. Vnd Christus sprach zuo seinen jüngeren / Also ist es geschriben / vnd also muoßt Christus leiden / vnd aufferston von den todten am dritten tag / vnd prediget werden in seinem namen buoß vnd vergebung der sünden vnder alle völcker. Disem seinem meister volget auch Paulus / da er in den geschichten der botten also spricht / Jr wüssend wie ich nichts verhalten hab das da nutzlich ist / das ich euch nicht verkündet hette / vnd geleert offentlich vnd sonderlich / vnd hab bezeüget beide den Juden vnd den Griechen / die buoß zuo Gott / vnd den glauben inn vnseren Herren Jesum. Also in seiner Epistel zun Römeren / in deren er das Euangelium gantz mit guoter ordnung handlet / facht er die predig deß Euangelij an / an der sünd / vnd überzeüget die Juden vnnd die Heiden der sünd. Das thuot er aber diser meinung vnd auff diß end hin / das ein jeder in sich selbs gang / vnd erkenne das er kein gerechtikeit habe / sonder dz er von seiner natur ein kind seye deß zorns tods vnd der verdamnuß. Nit das söliche erkanntnuß der sünden vns für sich selbs Gott angenäm mache / oder die verzeihung der sünden vnd das ewig läben verdiene / sonder das sie deß menschen gemüet etlicher maß zuorüstet vnd bereit machet den glauben inn Christum zuo fassen / ja Christum selb welcher vnsere gerechtikeit ist / zuo ergreiffen. Dann die gesunden bedörffend keines artzets / sonder die krancken. Darumb welche meinend das sie one sünd rein vnd grecht seyend / die verachtend Christum / Die aber die prästen deß gemüets empfindend / vnd von hertzen sich sünder vnd vngerechte sein erkennend / die entsagend sich jrer verdiensten vnd krefften / vnnd eylend mit grosser begird zuo Christo. Wo nun das geschicht / da beütet sich Christus an im Euangelio / vnd verheißt jnen verzeihung der sünden vnd das ewig läben / als der da kommen ist die krancken zuo heilen vnd die sünder sälig zuo machen. Dise verheissung aber wirt mit glauben / nicht mit wercken angenommen. Vnd wirt deßhalb das Euangelium vnd im Euangelio Christus mit glauben angenommen vnd empfangen. Dann man muoß eigentlich vnderscheiden zwüschend den gebotten / vnd den verheissungen / dann dise werdend mit glauben angenommen / jhene aber mit wercken erstattet. Darumb spricht S. Paul / So das erb durch das gesatzt erworben wurde / so wurde es nicht durch verheissung gegeben / Gott aber hatts dem Abraham durch die verheissung frey geschenckt. Vnnd inn der Epistel zunn Römeren / als er das gsatzt vnd das Euangelion gegen ein ander setzt / da spricht er / die gerechtikeit die auß dem gesatzt kumpt / lautet also / das welcher mensch die thüege / der werde darinnen läben. Aber die gerechtigkeit auß dem glauben spricht also / So du glaubst / so wirst du sälig werden. Darumb so lendet sich dz gesatzt auff die werck / vnd laßt sich ansehen / als ob es den selben die gerechtikeit zuo gäbe. Dieweil aber niemand das gesatzt mit der that erfüllt / so wirt je niemand durch das gesatzt oder durch die werck gerecht. Das Euangelion aberCCXXVIII. / 228a
lendet [lehnet] sich nit auff die werck / dann die sünder erkennend in jhnen selbs nichts anders dann sünd / dann sie empfindend das sie gantz vnnd gar verderbt / vnnd darumb so fliehend sie zuo der barmhertzikeit Gottes / deren verheissungen glaubend sie / vnd hoffend vergebens gnad zuo erlangen / vnd das sie von Christi wegen auffgenommen seyend in die zal der kinderen Gottes. Vnd hie wurde ich mer reden von dem glauben in den Herren Jesum / von der verzeihung der sünden / vnd erbschafft deß ewigen läbens / so ich sölichs nit da oben in der ersten predgenen nach der lenge gethon hette. Hierauß nemmend wir nun an eim fürgang ab / dz daß Euangelion nit auffrichtig geprediget werde / so man lert das daß läben in Christo vns von wegen vnser wercken vnd verdiensten mitgeteilt werde. Dann vergebens auß gnaden one alles ansehen vnserer wercken / es seye vorgender oder nachgender / werdend wir sälig durch den glauben.
Vnd wiewol ich disen handel in disen vnseren predgenen nun ein mal oder zwey tractiert [getrieben] / noch dieweil der zwäck der Euangelischen leer darinnen stat / vnd dises stuck / nammlich das Christus durch den glauben vnd nit durch die werck empfangen werde / von vilen hefftig widerfochten wirt / so wil ich allein zwey ort / die aber gantz heiter sind zuo erleüterung vnd bestätigung desselben anzühen / das ein / auß dem Euangelio Christi vnsers Herren / das ander auß den Epistlen deß heiligen Pauli. Zum ersten als vnser Herr Jesus Christus ein summ deß waren heilß wöllen leeren vnd angeben / das ist / das Euangelium deß läbens dem Nicodemo im Euangelio Joannis wöllen verkünden / Da facht er an von der buoß / vnd nimpt den Nicodemum jm selbst gar vnd gantz / vnd laßt jm keine verdienst auff die er vertrauwen möchte. Dann mit dem dz er die erste geburt deß menschen gäntzlich verdampt / als die zuo erlangung deß ewigen läbens nützit bringe / da laßt er je Nicodemo nützit überigs / darinnen er sich rüemen möge. Dann er spricht heiter / Warlich warlich sag ich dir / es seye dann jemand widergeboren vonn oben herab / so mag er das reich Gottes nit sehen. So nun die erste geburt vnnd jhr vermögen zum reych Gottes möchtind fürderen / was hette es der anderen geburt bedörffen? Dise andere geburt geschicht durch mittel deß heiligen geists / der von himmel in vnsere hertzen gegossen / vns ynfüert in erkantnuß vnser selbs / also das wir sehend vnd steyff haltend / ja auch empfindend / das inn vnserem fleisch kein läben noch gerechtikeit ist / vnnd das deßhalb niemand durch seine eignen krefft vnnd verdienst sälig werde. Wie denn? Da fart der geist für / vnnd leert weyter / wie dann auch die stimm deß Euangelij aussen für lautet / das wir auß glauben durch den verdienst deß Suns Gottes sälig werdind. Dann es spricht der Herr im Euangelio / Niemands fart gen himmel / dann der vonn himmel herab kommen ist / der Sun deß menschen der im himmel ist. Vnnd noch heiterer an einem anderen ort / Niemand kumpt zum vatter dann durch mich. Vnnd widerumb zuo Nicodemo / Wie Moses in der wüeste den schlangen erhöhet / also muoß deß menschen Sun erhöcht werden / auff das ein jeglicher der in jn glaubt nit verloren werde / sonnder habe das ewig läben. Moses aber hanckt [hangte] inn der wüeste den schlangen auff zum heil deren die vom gifft vnd biß der schlangen sturbend. Dann welche von den brennnateren [fewrigen schlangen] gstochen wurdend / die sturbend von stund an. Wenn aber jemand vergifft was vnd den Ehrinen schlangen ansach / so schüd [schadete] jm das gifft nichts vnd starb nit. Vnd wz im gantzen läger der Jsraeliten kein andere artzney / dann dise einige / wär die verachtet der starb. Dann es mocht die krafft deß giffts mit keinem gebätt oder opfer / mit keinem kraut wie gsund es joch wäre / noch mit einicher anderer artzney oder weyß abgetriben / vnd deß sterbenden läben erhalten werden. Wer der gfar deß tods entrünnen wolt / der muoßt den auffgehenckten Ehrinen schlangen ansehen.CCXXVIIIv. / 228b
Diser Ehrin schlang aber bedeütet vnseren Herren Christum / der ans creütz erhöcht vnnser einigs heil vonn Gott verordnet ist. Wem begegnet aber diß heil? Denen die disen erhöchten schlangen ansehend. Das ansehen legt der Herr auß / vnnd setzt darfür glauben. Darumb so mögend vns keine werck / keine andere mittel / kein verdienst vom ewigen tod / von der krafft der sünden / vnd deß giffts das vns allen von dem alten schlangen yngeblasen ist / erledigen vnd erlösen. Allein der glaub / der da glaubt das Christus vonn vnser sünden wegen erhöcht / in dem das läben vnd gewüsses heil seye / machet läbendig. Hör auch was der Herr auff sölichs weiter setze / wie er Nicodemum im waren glauben noch völliger vnderrichte / vnd jhm anzeige / das die lauter gnad Gottes / die mit glauben ergriffen wirt / die einig vrsach vnsers heils seye. Da spricht er nun / Also hat Gott die wält geliebet / das er seinen eingebornen Sun gab / auff das ein jeglicher der in jn glaubt / nicht verdärbe / sonnder habe das ewig läben. Dann Gott hat seinen Sun nicht gesennt inn die wält / das er die wält verdamme / sonder das die wält durch jn sälig werde. Wer inn jhn glaubt / der wirt nit verdampt / wer aber nit glaubt / der ist schon verdampt / dann er glaubt nit in den nammen deß eingebornen Suns Gottes. Sich was könte doch heiterers geredt werden? Durch den glauben werdend wir Christi theilhafftig. Den glauben setzt vnd mäldet er so offt / damit an der heiteren fürtreffenlichen leer niemand einigen zweyfel trüege. So nun Christi deß Herren ansehen vnd glaubwirdige hie bey dir nichts wil gälten / wessen ansehen wirt denn gälten? Aber on zweyfel wirst du es bey dir gälten lassen. Noch so hör wie der geliebt jünger deß Herren in seiner Epistel dise wort deß Herren erleüteret / wideräferet / vnd der gantzen wält starck ynpleüwt vnd schreyet / so wir der menschen zeügnuß annemmend / die zeügnuß Gottes ist grösser / dann das ist die zeügnuß Gottes / die er zeüget hat von seinem Sun. Wär da glaubt in den Sun Gottes / der hat Gottes zeügnuß by jm / wer Gott nit glaubt / der hat jn zum lugner gemachet / dann er hat nicht glaubt in die zeügnuß / die Gott zeüget hat von seinem Sun. Vnd das ist die zeügnuß / das vns Gott das ewig läben hatt gäben / vnd sölichs läben ist in seinem Sun. Wer den Sun Gottes hat / der hat das läben / wer den Sun Gottes nit hat / der hat das läben nitt. Was ist nun aber den Sun Gottes haben anders dann glauben? Dann diser verstand wirt auß dem vorgenden genommen. Welches alles so heiter / das etwas darzuo thuon / nichts anders wäre / dann als wenn einer die auffgende Sonnen wölte erleüchten / vnd jren helffen zünden mit einer vnschlit kertzen.
Nun wöllend wir auch das ort Pauli zuohanden nemmen / das stat zun Röm. am iij[41]. vnd iiij. Capitel da er also spricht / Es ist on das gesatzt die gerechtikeit Gottes geoffenbaret / bezeüget durch das gesatzt vnd die Propheten. An disem ort prediget Paulus das Euangelium gantz heiter / dann ich weiß nit ob er es jenen heiterer [jrgend klärer] gethon / vnnd lert wie wir bey Gott gerecht gmachet werdind / welches die ware gerechtikeit vnd sälikeit der menschen seye / vnd wo durch vns die selbige begegne vnd widerfare / vnd spricht / Das die gerechtikeit Gottes / dz ist / die Gott gibt / oder die vor Gott bestat vnnd giltet / die werde geoffenbaret on gsatzt / das ist / sie begegne vns on deß gsatztes für schub / nammlich on hilff vnd verdienst der wercken deß gsatztes. Dann so vil die zeügnuß deß gsatztes deßgleich auch der Propheten belanget / so bezeügend sie einhelliklich / das die glöubigen durch die gerechtikeit Gottes gerechtgmachet werdind. Welches aber die gerechtikeit Gottes seye / volget gleich drauff / nammlich die gerächtigkeyt Gottes / die da kumpt durch den glauben in Jesum Christum / zuo allen vnd auff alle die da glaubend. Die gerechtikeit spricht er / von deren wir redend / die da gerecht vnnd sälig machet / ist nicht deß menschen / oder ein menschlicheCCXXIX. / 229a
gerechtikeit / sonder Gottes vnd ein göttliche gerechtikeit / Dann wie Gott allein gerächt ist / also ist auch Gottes gerächtigkeyt die waar vnnd einig säligmachend gerechtigkeit / der gibt vns die selbig durch den glauben Jesu Christi / so wir namlich in Christum glaubend. Vnd hie wirt von dem heil vnd von der gerechtikeit niemand außgeschlossen / dann Paulus spricht heiter / Zuo allen / vnd auff alle / die da glaubend / Darumb so rechnet Gott alle die in Christum den Sun Gottes glaubend für gerecht. Die vrsach aber / warumb er das heil Gottes vnd nit deß menschen gerechtikeit zuogäbe / oder warumb das Euangelion Gottes gerechtikeit preise / setzt er drauff vnd spricht / Dann es ist kein vnderscheid hie / dann sie sind alle sünder / vnd manglend der ehr Gottes. Dann dieweil alle menschen von jrer natur der ehren Gottes manglend / ja manglend der waaren bildtnuß Gottes / nach deren sie von anfang erschaffen warend / so sind sie ye alle vngrecht vnd sünder / vnd darumb so ist kein grechtikeit in jnen / vnd habend nützit darinnen sie sich vor Gott rüemind. Dann was soltend sünder von dem grichtstuol Gottes anders dannen tragen / dann schmach vnd schand? Vnd dieweil alle menschen also sind / so setzt der Apostel nit vergebens drauff / Werdend aber on verdienst grechtgmachet vß seiner gnad durch die erlösung so durch Christum geschehen ist / welchen Gott hat fürgestellt zuo einem gnadenstuol durch den glauben in seinem bluot / welches so vil ist / als hette er gesprochen / vß lauterer gnad vnd barmhertzikeit / gar vnd gantz on verdienst werdend die menschen gerechtgmachet von Christi wegen so sie namlich glaubend / dz Gott der wält seinen Sun geben habe / das er sein bluot vergusse vnd also die sünder reinigete vnd Gott versüenete.
Jn welchen worten die gantz weiß vnd maß deß heilig rein vnd grechtmachens gantz eigentlich vnd volkommenlich fürgestellt wirt. Darumb ist guot / dz wir die wort wider äferind vnd eigentlich betrachtind. Sie werdend aber spricht er on verdienst grechtgmachet. Warumb on verdienst? darumb das es geschicht durch die lutere gnad Gottes on mittel vnd vermischung aller vnserer wercken vnd verdiensten. Dann alle menschen sind sünder / vnd habend deßhalb nützit dz sie von dem jren darthüegind / vnd werdend deßhalb vß gnaden on verdienst grechtgmachet. Dann es spricht gemälter Apostel auch zun Röm. am xj. cap. So wir auß gnaden sälig werdend / so ist es nit auß den wercken / sonst wurde gnad nit gnad sein. Jst es aber auß den wercken / so ist die gnad nichts. Es volget aber in Paulo gleich drauff / das den handel (wiewol er gantz heiter /) noch heiterer machet. Durch die erlösung / spricht er / so durch Christum beschähen ist. Vnser sälikeit vnd gerechtikeyt ist ein werck der blossen lauteren gnad / dann wir sind erlößt. Dann so vil vns vnsere krefft vnd werck belanget / so warend wir knächt deß Teüffels vnd deß Tods / dann wir warend sünder / Gott hat aber sein sun geschickt vnd vns erlößt do wir noch als feyend Gottes gebunden warend. Darumb so hat er vns auß gnaden erlößt on verdienst. Welches auch der Prophet Esaias am lij. Cap. mit verstäntlichen worten vorhin verkünt hat dz es geschehen wurde. Nun ist aber in keinem anderen das waar heyl / dann in Christo Jesu vnserem Herren / dann der himmlisch vatter hat nach seinem ewigen rathschlag vns seinen sun vnseren Herren Jesum Christum zur versüenung fürgestellt / das er vnsere versüenung sey /von dessen wegen er vns versüent ist / vnd vns zuo kinderen Gottes an nimpt / Aber nit anders / dann durch den glauben in sein bluot / dz ist / so wir glaubend das der sun vom vatter geschickt / sein bluot vergossen habe / vff das er vns rein gerecht vnnd heilig dem vatter darstalte. Da wir nun abermals sehend / das vnsere sälikeyt stat im glauben in Christum on vnseren verdienst. Nach dem nun söllichs also erklärt / so zeigt er gleich drauf an / wie weit sich die guothat der erlösung vnd grechtmachung außstrecke / vnd spricht / Damit er die grächtikeit die vor jm giltet bewise / in dem / dz er vergibt die sünden / die vorhinCCXXIXv. / 229b
sind gschehen vnder göttlicher gedullt / die er truog / dz er zuo disen zeiten beweisete sein gerechtikeit die vor jm giltet. Gott hat / spricht er / Christum fürgestellt zur einigen versüenung / vff dz er anzeigete vnd bewise dz ein einige gerechtikeit wäre aller vnd yeder zeiten / namlich Christus / ja deren gerechtikeit die da glaubend. Vnd mäldet zwey zeit / dz allt der vätteren / vnd vnsers darinn wir yetz läbend. Das alt ist gewesen vor der zuokunfft Christi / vnsers aber darnach / vnd streckt sich vß biß an das end der wält. Der alten wält vnd zeit sünd hat Gott geduldet durch sein langmüetikeit von Christi wegen / von dessen wegen ers auch geschenckt vnd nach gelassen. Er stellt auch vns vff den hüttigen tag kein andere gerechtikeit für / dann Christum mit glauben zuo erfassen. Dann es wirt nit mit duncklen worten hinzuo gesetzt / vff dz er allein gerächt sey / vnd gerecht mache den / der da ist deß glaubens in Jesum. Als wölte er sagen / dises dienet alles dahin / das wir verstandind dz alle menschen vngerecht vnd sünder / aber allein Gott gerecht / vnd vssert jm kein gerechtikeit sey / vnd das er sein gerechtikeit mitteile allen die in Christum glaubend / namlich das vns der vatter von seinet wegen versüent / vnd das wir von seinet wegen gerecht vnd heilig gerechnet werdind.
Jn disen worten deß Apostels werdend zwen groß schwär vnd grülich jrrthumb widerwisen. Der ein ist deren die da sagend / vnsere vätter sygind nit durch den glauben in Christum / sonder durch dz gsatzt vnd durch jr eigne verdienst grechtgmachet worden / dann Christus habe nit für sie / sonder allein für die so zuo seiner zeit vnd darnach geläbt / gelitten. Der ander ist deren / die da sagend / Christus hab für die alten / vnd allein für die erbsünd / nit für vns / oder für all vnsere sünden gelitten / vnd darumb so müeßind wir für die vnseren selb gnuog thuon. Hie verdampt aber der h. Apostel Paulus dise meinungen beyd. Es stimpt auch mit S. Paulo der h. Euangelist Joannes / da er spricht / Dz bluot deß suns Gottes reiniget vns von aller sünd / dann er ist die versüenung für vnsere sünd / nit allein aber für vnsere / sonder auch für die sünd der gantzen wält. Darumb so streckt sich der verdienst der erlösung Christi vß vf alle glöubigen beider testamenten. Nun fart der h. Apostel Paulus für / vnd inferiert vff söllichen fürtrag [schleißt auß dem vorgehenden also]. Wo ist dann nun der ruom? Er ist vßgschlossen / Durch welches gsatzt? durch der wercken gesatzt? Nit also / sonder durch deß glaubens gsatzt. Da schlüßt er / dz durch die Euangelisch leer von dem grechtmachenden glauben / die er bißhar fürtragen / aller ruom der eignen grechtikeit / vnd aller stoltz vnserer verdiensten dahin vnd verschwunden sey / vnd dz nit durch dz gsatzt der wercken / dz ist / durch die leer von den wercken / die vns gmeinlich vffgeblasen machet / sonder durch dz gsatzt deß glaubens / dz ist / durch die leer deß glaubens / die vns gar vßlärt / vnd vns nichts überigs laßt dann ein demüetige bekantnuß vnserer armuot / vnd es alles der gnad in Christo zuogibt. Nach langem aber so schleüßt er entlich disen hauptartickel vnnd spricht / So beschliessend wir nun / das der mensch gerechtgmachet werde on die werck deß gesatztes durch den glauben. Das ist ein kurtze summ deß gantzen Euangelij / das wir gerechtgmachet / das ist von sünden absoluiert [loß] / vnnd von dem sententz [vrtheil] deß tods vnnd verdamnuß der schon gefellt / ledig / auch heilig gemachet / vnnd in die zal der kinderen Gottes auffgenommen werdind / durch den glauben / das ist / durch das vertrauwen in den nammen Christi / der vns ein einiger heyland vom vatter gegeben ist. Vnd da werdend mit nammen die werck außgeschlossen / damitt vns kein anlaß gegeben werde den glauben vnnd die werck zuo vermischen / oder den wercken die ehr zuo zegeben / die dem einigen glauben / ja vil mehr Christo dem Herren / auff den sich der glaub verlaßt / zuogehört.Disen fürgehaltnen fürtrag bestätiget er gleich mit argumenten / vnnd zeiget darbey an / das dises heil den Juden vnd Heyden gemeyn sey / vnd spricht / Jst er dann der Juden Gott allein? Jst er nicht auch der Heyden? Ja freilich
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auch der Heyden / sittmals er ist ein Gott / der da fromb machet die beschneidung auß dem glauben / vnd die vorhaut durch den glauben. Da bestätet er auß der natur Gottes / das er geredt hatt / Es ist allein ein Gott / der von seiner natur das läben vnd die gerächtikeit ist / vnd diser ist ein Gott der Juden vnd der Heyden / darumb so ist er beder völckeren läben vnd gerächtikeyt. Söllichs gibt er aber durch den glauben / deßhalb so machet der glaub gerächt. Dises wirt erklärt im exempel Cornelij deß Hauptmans / Dann der wirt grechtgmachet / vnd sein grechtmachung wirt bewärt mit dem dz der heilig geist sichtbarlich sich herab ließ / ob er gleich weder beschnitten wz / noch dz gsatzt gehalten / sonder allein die predig deß Euangelij gehört / vnd in Christum glaubt hat. Nun hat aber Gott nitt allein den Cornelium also grechtgmachet / sonder wirt auch alle anderen völcker durch den glauben grechtmachen / ja auch die Juden wirt er nit anderst dann durch den glauben reinigen. Weiter volget in Paulo / Wie? hebend wir dann dz gsatzt auff durch den glauben? dz sey veer / sonder wir richtend dz gsatzt auff. Dann es werffend gmeinlich die beschirmer der wercken oder der grechtmachung der wercken für / so allein der glaub in Christum grechtgmachet / so ist doch dz gsatzt vnd die leer deß gsatztes vnnütz / Dann wofür wirt vns gebotten das wir guote werck thüegind / wenn sie nit grechtmachend? Da antwortet der Apostel / Dz gsatzt werde durch den glauben nit auffgehept / sonder vilmer auffgerichtet. Dann dieweil der glaub gestracks vff Christum grichtet / in dem er alle völle suocht vnd findet vnd dz gsatzt ein zuchtmeister vnd füerer ist vff Christum / vnd es alles vnder die sünd verschleüßt / vff dz die grechtmachung durch den glauben gegeben werde denen die glaubend / so ist ye heiter vnd offenbar / das dz gsatz durch die leer deß glaubens nit auffgehept oder verduncklet / sonder bestätiget vnd erleüteret werde.
Noch weiter fart der Apostel für in seiner bestätigung vnd spricht / Wz wöllend wir dann sagen von vnserem vatter Abraham / das er funden habe nach dem fleisch? Dann ist Abraham durch die werck gerechtgmachet / so hat er wol ruom / aber nit bey Gott. Was sagt aber die gschrifft? Abraham hat Gott glaubt / vnd das ist jm zur gerächtikeit gerechnet. Vil exempel sind der heiligen vätteren / aber auß denen allen nimpt jm der Apostel allein Abrahams für zuo handlen / dann der wirt inn der gschrifft genennt ein vatter der glöubigen / Darumb so volget gewüß / dz die kinder zuo gleicher weiß grechtgmachet werdind / wie man findt das der vatter grechtgmachet ist worden. Welches der heilig Apostel vßtruckt mit heiteren worten zum end deß iiij. Capitels. Demnach so ist auch Abraham für andere heiligen vätter fürträffenlich gewesen in vile guoter wercken / vnd so deßhalb müglich gewesen wäre / das yemand durch sein eigne werck vnd verdienst hett mögen grechtgmachet werden / so hett es Abraham für andere gemögen. Dieweil er aber durch den glauben / nit durch die werck ist grechtgmachet worden / so volgt dz auch andere heiligen alle durch den glauben vnd nit durch die werck grechtgmachet sygind vnd noch werdind. Darzuo so hat er gläpt 430. jar ee dann dz gsatz durch Mosen ist eroffnet [offenbaret] worden / Darumb so mögend seine werck / von den zänckischen widersächeren der gerechtmachung deß glaubens / keins wegs werck deß gsatzts genennt werden. Darumb die werck die er thon / hat er vß glauben gethon / vnd sind seine werck / werck deß glaubens gwesen / noch ist er durch die selben nit grechtgmachet worden / sonder durch den glauben. Deßhalb so bleibt dem glauben alle ehr der grechtmachung vnuerseert vnd vnuermengt [vnzertheilt]. Was wöllend wir dann sagen (spricht er) das Abraham vnser vatter funden habe nach dem fleisch? so veer er namlich ein mensch ist vnd wir auß jm / Was / sprich ich / wöllend wir sagen das er verdient habe? Auff dise frag gehört nun die antwort / Nichts hat er funden / nichts hat er mit seinen wercken verdienet. Dann darauff volget die bewärnuß / So Abraham mit den wercken etwas verdient / vndCCXXXv. / 230b
dadurch grecht ist worden / so hat er wol ruom. Aber er hat nichts deß er sich rüeme / darumb so ist er nit durch die werck grechtgmachet worden. Dann Gott ist allein grecht / vnd gibt dise sein ehr niemand anders / sonder behaltets jm selb allein / vnd macht on verdienst grecht die / die deß glaubens Jesu Christi sind / vff dz sein gnad geprisen werde. Mit einem ort der gschrifft aber / das er anzeücht / erzeigt Paulus dz Abraham nützit gehept habe deß er sich rüempte / dann er spricht / Wz sagt aber die gschrifft? Abraham hat Gott glaubt / vnd dz ist jm zur grechtikeit zuogrechnet worden. Sich die gschrifft redt heiter / dz Abraham durch den glauben sey grechtgmachet worden / ja dz jm der glaub zur grechtikeit sey gerechnet worden / vnd dz deßhalb Abraham von dem grechten Gott von deß glaubens wegen für gerecht sey gehalten worden. Wir wöllend aber hören wie Paulus selb diß ort der gschrifft vff sein fürnemmen appliciert vnd richtet [ziehe vnd gebrauche] / dann es volget / Dem aber / der mit wercken vmbgat / wirt nit der lon vß gnad zuogerechnet / sonder auß schuld. Dem aber / der nit mit wercken vmbgat / glaubt aber in dem / der die gottlosen grechtmachet / dem wirt sein glaub grechnet zur grechtikeit. Welche wort inn dise kurtze argument mögend gefasset werden. Welcher mitt seinem werck etwz verdient / dem wirt der lon vß schuldiger pflicht gegeben vnd nit vß gnaden zuogerechnet / Dem Abraham aber wirt der glaub zur grechtikeit grechnet / darumb so hat er die grechtikeit on verdienst vß gnaden / nit als ein verdienten lon empfangen. Jtem / dem der nit mit wercken vmbgat / glaubt aber in den / der den gottlosen grechtmachet / dem wirt der glaub zur gerechtikeit gerechnet / Dem Abraham aber ist der glaub zur gerechtikeit gerechnet / darumb so hat er durch den glauben die gerechtikeit erlanget / nicht durch die werck. Das hat aber ein emphasim [-] / dz ist / ein besonder gemerck / das er spricht / Glaubt aber in den / der den gottlosen gerecht machet / dann damit wirt bedeütet / dz der / der grecht sol werden / nützit herzuo bringe / dann erkantnuß seiner eignen arbeidsälikeyt vnd vngottsälikeit / die der barmhertzikeit begäre. Dann er verstat wol dz er keine volkomne werck hat / die vor Gottes gericht beston mögind / darumb fleücht er zuo der barmhertzikeit Gottes / vnd haltet dz für gwüß / das die gerechtikeyt deß glaubens die zuoflucht deß sünders sey / der on verdienst auß gnaden sälig wirt. Vnd hie ist zuo mercken / dz der Christen gerechtikeit ein zuogerechnete grechtikeit ist vnd genennt wirt / welches vns zwar allen vnseren ruom nimpt vnd bricht / dann dz zuorechnen wirt der schuld entgegen gesetzt. Gott ist vns nichts schuldig noch verbunden von vnser selb oder von vnserer wercken wegen / dann so veer er vns sich selbs auß barmhertzikeit verpündet hat. Vnd ist vil in vns / das die volkommenheyt der gerechtikeyt verhinderet. Darumb spricht Dauid / Gang Herr nit in das gricht mit deinem diener / dann in deinem angesicht wirt kein läbendiger gerechtgmachet. Darumb so rechnet vns Gott die gerechtikeit deß glaubens auß gnaden zuo / das ist / er haltet vns für gerecht / darumb das wir jm glaubend durch den sun. Also läsend wir auch in der Euangelischen Parabel [gleichnuß] / dz der Herr gesprochen / Als aber die schuldner jn nit zuo bezalen hattend / schänckt er die schuld beyden. Dann also schänckt Gott auch vns vnsere schulden oder sünd / vnd rechnet vns die nit zuo / sonder haltet vns für gerecht von Christi wegen. Dann es bezeüget gedachter vnser Apostel auch heiter in der anderen Epistel zun Corintheren vnnd spricht / Gott was in Christo vnnd versüenet die wält mit jhm selber / vnnd rechnet jhnen jhre sünd nicht zuo. Vnnd gleich darnach weiter setzt er / Den / der von keiner sünd wußt / den hatt er für vnns zur sünd gemachet / auff das wir wurdind in jhm die gerechtikeyt Gottes. Was köndte heiterers erforderet werden / dann das wir vonn Gott gerecht gehalten werdind / darumb das vnnsere sünd durch das opffer Christi versüent sind / das sie vns nicht mehr verdammend.
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Nun wöllend wir auch die übrigen argument S. Pauls / die nit minder starck sind / dann dise bißhar gewesen / erzellen. Da volget nun also / Zuogleicher weiß wie auch Dauid sagt / das die sälikeit sey allein deß menschen welchem Gott die gerächtikeit on die werck zuorächnet / da er spricht / Sälig sind die / welchen jre vngerechtikeiten nachgelassen sind / vnnd welchen jre sünd bedeckt sind. Sälig ist der man / welchem Gott kein sünd zuorechnet. Da zeigt er zum ersten an mit heiteren vnd außtruckten worten / was er vnderstande zuo erzeigen vnd zuo bestätigen / namlich / das Gott den glöubigen die gerächtikeit on die werck zuorechne. Was könte heiterers geredt werden? vnd das er dises erzeige / so zeücht er herfür ein zügnuß Dauids / welche fast drü stuck begreifft. Das erst / Sälig sind die / welchen jre vngerächtikeiten nachgelassen sind. Das ander / Sälig sind die / welchen jre sünd bedeckt sind. Das dritt / Sälig ist der man / welchem Gott kein sünd zuorechnet. Die krafft aber diser argumentation vnnd erzeigung stat in den wörtlinen / nachlassen / bedecken / vnd nit zuorechnen. Ein schuldherr laßt dem schuldner nach das er jm nit bezalt hat / er habe es gleich zuo bezalen oder nicht. Wir mögend aber Gott hie nützit gäben noch bezalen / Darumb so ist die verzeihung vnd nachlassung ein gab vnd geschänck seiner lauteren freygäbe [güete] vnd gnad. Denn was bezalt ist / das mag der schuldherr nit nachlassen. Mit disem stimpt auch das wörtli Schäncken / vnnd wirt schanckung vnd gab in der geschrifft inn disem handel zuo gleicher weiß gebraucht. Dahar auch Paulus spricht / Gott hat die erbschafft dem Abraham geschänckt / deßhalb so hat er es nit mit wercken verdienet. Bedeckt aber wirt ein ding das wüest vnnd vngeschaffen ist anzuoschowen / darzwüschend aber ob man es gleich nit sicht vnd bedeckt ist / so bleibt es noch dennocht wüest vnder der decke. Also bedeckt der güetig Gott vnsere sünd / nit das sie nit mer sygind / sonder das sie nit mer gesehen oder gerichtet werdind. Welches ein gab ist seiner gnad / nit vnsers verdiensts. Die decke ist aber nützit anders / dann das bluot deß Suns Gottes / dann von dessen wegen werdend wir sünder nit verdampt. Zuorechnen aber möcht vns Gott vnsere sünd billich / aber er rechnets vns nit zuo auß gnaden. Dises alles bestätiget vnd erklärt heiter / das vns die gerächtikeit on verdienst vnd werck / auß gnaden durch den glauben zuogerechnet werde.Mithinzuo so erklärt vnd erlüteret diß ort Pauli vß Dauiden angezogen auch andere spännige artickel. Dann hie lernend wir / dz die gerechtmachung nützit anders ist / dann die säligmachung / die verzeihung der sünden / vnd dz auffnemmen in die zal der kinderen Gottes. Wir lernend auch / dz Paulus / nit allein von den Ceremonischen wercken deß gsatztes rede / sonder von allerley guoter wercken der glöubigen. Jtem wir lernend / das die sünden vnd auch die überträttungen / dz ist / alle sünden der glöubigen überal (welcherley sie joch sygind) nachgelassen vnd geschänckt werdind. Vnd noch weiter lernend wir / dz die sünden volkommenlich nachgelassen vnd verzigen werdind / nit allein die schuld sonder auch die pein vnd straff / welche etlich meinend behalten werden / dann er rechnet die sünd nit zuo. An einem anderen ort spricht er / er wölle der sünden gar nützit mer gedencken. Vnd zum letsten leerend wir / dz die gnuogthüeyungen für die sünden / welche die menschen selb erdacht habend / ein ytels gedicht sind / dz der Apostolischen leer gestracks zuo wider ist.
Also hab ich bißhar yngefüert zwey gar herliche vnd heitere ort / eins vß dem Euangelio Christi / dz ander vß der Epistel Pauli zun Römeren / mit welchen ich wöllen erzeigen / das Christus / der vns durch das Euangelium verkündiget wirt / nit mitt wercken sonder mit glauben ergriffen vnd empfangen werde / vnd hoff ich habe mitt disen Göttlichen zeügnussen den handel der so großwichtig dermassen erklärt / das fürohin niemand sich daran stossen vnd in zweifel hangen werde. Auff söllichs muoß ich auch dise hoch notwendige vermanung setzen /
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das sich namlich alle heiligen vnd frommen männer Gottes in der kirchen Christi mit allem ernst fleißind / dz dise leer deß Euangelij gantz vnd vnbefleckt bleibe. Dann dahin söllend wir es nimmermer lassen kommen / dz ein theyl der gerächtmachung dem glauben vnd der barmhertzikeit Gottes / ein teil aber den wercken deß glaubens vnd vnseren verdiensten zuogeschriben werde / dann wo das geschicht / so ist es mit dem Euangelio auß. Darumb söllend wir auff dz trülich vnd vnabläßlich tringen allesammen / dz die glöubigen durch den glauben / on die werck / ja auß lauterer gnad vnnd barmhertzikeit Gottes allein durch Christum / grächt heil vnd sälig werdind. Vnd dise leer deß Euangelij sol von vilen vrsachen wegen gantz vnnd vnuermängglet in der Kirchen behalten werden / besonders aber von wegen diser volgenden vrsachen.
Zum ersten / das offenbar ist / das dise offtgemälte leer von der gnad Gottes / der in seinem einigen sun allein durch den glauben den menschen gerächtmachet / von anfang der wält har / durch so vil göttlicher zeügnussen anzeigungen [beweissungen] vnd entschliessungen / auch der vnwidersprächlichen Concilien / fürtregt vnd getriben ist / das also die einhällikeyt aller zeiten in der von himmel herab geoffneten waarheit / vnd dz ansehen der aller heiligisten menschen in der gantzen wält vns reitzen sol dise leer vnuermaßget [rein vnd lauter] zuo behalten. Wir habend ye gleich hieuor kurtz gehört erleüteren die gerächtmachung vnsers säligen vatters deß Abrahamen / vnd das nit von einem vnbekanten menschen / sonder von Paulo dem Leerer der Heyden / vnd außerläßnen werckzeüg Gottes. Wir habend auch eben vom selbigen Apostel Paulo gehört erleüteren die leer deß herrlichen Künig Dauids / deß manns nach dem hertzen deß Herren / deß großänis [Anherren] vnsers Herren Jesu Christi / von der gerächtmachung deß menschens. Mit welchen auch der gantze hauff aller heiligen Propheten stimmet. Dann der heilig Apostel Petrus spricht / Es gäbend Christo alle Propheten zeügknuß / das verzeihung der sünden empfahen werde durch seinen nammen ein yeder der in jhn glaubt. So habend wir auch gleich hieuor auß dem mund Pauli gehört / das die gerächtikeyt Gottes / die on verdienst auß gnaden durch den glauben on das gesatzt gäben wirt / durch die zeügknuß deß gsatzts vnd der Propheten befestiget werde. Wir habend auch den Sun Gottes vnseren Herren Jesum Christum selbs / der mitt seiner glaubwirdige die aller fürtreffenlichisten in diser wält weit übertrifft / der schleüßt als hette er ettliche Concilia drumb besamlet gehept / das / dz ich hie rathen mit allem fleiß vnd ernst zuobehalten sein. Dann als er seine jünger versamlet bey Cesarea Philippi / fraget er sie was sie von jm hieltind. Als sie aber auß deß gmeynen manns reden vngleiche meynungen anzeigtend / erforderet er von jhnen ein gwüsse bekanntnuß / da sprach Petrus in jr aller nammen / Du bist Christus der sun deß läbendigen Gottes. Welchem der Herr antwortet / Sälig bist du Simon Jonas sun / dann fleisch vnd bluot hat dir es nit geoffnet / sonder mein vatter der in himmlen ist. Jn disen worten schlüßt er zwey ding / Eins / das der waar glaub sälig mache. Vnd ist kein zweifel / dann das er dz wörtli säligmachen brauche / wie wir erst gehört habend dz es Paulus vß Dauide gebraucht hat. Dz ander / dz diser säligmachend glaub nit ein werck sey vnserer natur / sonder ein himmlische gab Gottes. Darnach aber so legt er Simoni Petro von wegen der fürtreffenlichsten bekantnuß deß waaren glaubens einen nammen auff / zuo ewiger gedächtnuß diß handels / auff dz die bedütung diser geheimnuß steiff in aller menschen hertzen behalten wurde. Petrus hatt Christum bekennt ein Petram das ist ein velsen sein. Von dem velsen nennt er jhn nun Petrum / das ist ein velser / als wie du möchtist sagen ein läbendigen stein / der vff einen läbendigen stein gelegt / gleich wie wir von Christo Christen genennt werdend. Vnd das niemand disen allgmeinen handel / der der gantzenCCXXXII. / 232a
kirchen zuogehört / auff S.Peter allein zuge / so deütet es der Herr selb auff die gantze allgemeine kirchen / vnd spricht / Vnd auff disen velsen wil ich mein kirchen bauwen / vnnd die porten der hellen werdend nichts wider sie vermögen. Als wölte er sagen / Petre / das jetz in dir beschähen ist / das wirt hernach in allen glöubigen beschehen. Du bist durch den glauben auff mich den velsen gelegt / vnd ein glid der kirchen worden / darumb so verordnen ich / das welcher mich den velsen bekennt / das der ein glid der kirchen / sälig / grecht / vnd vom teüffel vnd der krafft deß tods fry vnd ledig seye. Dein bekantnuß / dz ist / ich Christus der Sun Gottes / den du bekennt hast / wird sein das fundament vnnd grundveste der kirchen / welche darauff mit glauben gsetzt vnd erbauwen werdend / die werdend heil vnd sälig werden. Dann es hat auch S.Paul gsprochen / Es mag kein ander fundament gelegt werden / dann das gelegt ist / welches ist Jesus Christus. Vnd Joannes der Apostel / dz ist der sig / der die wält überwunden hat / ewer glaub. Damit aber Petrus vnd die anderen seine mitjünger wüßtind / durch wz wäg auch andere menschen in die gesellschafft der kirchen vnd inn die gmeinschafft mitt Christo zuogelassen wurdind / so setzt er von stund an drauff vnd spricht / Vnd ich wil dir die schlüssel deß himmelreichs geben / vnd alles was du aufflösen wirst auff erden / sol auch im himmel auffgelößt sein usw. Dise schlüssel hat er aber gäben / do er die Apostel das Euangelion zuo predigen außgeschickt hatt. Darumb so wirt mit der predig deß Euangelij (welches der schlüssel ist deß reichs der himmlen) der himmel auffgethon / vnd der wäg angezeigt dadurch wir Christo vnd der kirchen yngepflantzet / erben werdend deß ewigen läbens / nammlich durch den glauben in Christum / welchen vns das Euangelium leert. So vil nun von dem Cesariensischen Conilio. Bey Joanne wirdt auch ein anders beschriben / nammlich das Capernaitisch / das auch fürnemm vnd groß gewesen. Dann inn grosser menge seiner jüngeren vnnd ander leüthen beschleüßt der Herr / das daß ewig läben durch den glauben in Christum erlanget werde / vnnd das kein anderer wäg seye zuo kommen zum läben / wir ässind dann sein fleisch vnnd trinckind sein bluot / das ist / wir glaubind dann inn jn. Als aber vnder den zuohöreren ein grosse trennung ward / vnnd vil vonn Christo abfielend / fragt er seine geheimiste jünger / ob sie auch wöllind abfallen / da antwortet Petrus in jr aller nammen / dieweil das heil vnd läben in dir Herr Christe ist / so könnend wir / die wir deß läbens begärend teilhafftig zuo werden / nicht vonn dir keren / vnd wöllend deßhalb dir durch den glauben steyff vnnd ewigklich anhangen.
Vnnd hiehär gehörend auch zuo mälden die zwey Apostolischen Concilia / deren das ein niemand lougnen kan allgemein / vnnd vonn der gantzen wält versammlet sein / dann es warend darinn Gottsförchtige männer auß allerley volcks das vnder dem himmel ist / Darinnen lart Petrus mit außtruckten worten / Christum der wält heyland sein / vnd das wär inn jhn glaube / das der das ewig läben habe. Wie dann das ort bekannt ist Actorum am anderen Capitel. Also vor den Obersten der Juden zeiget gedachter Apostel auch an / das in keinem anderen das heil seye / dann in Christo / wie das gemäldet wirt Acto. am iij. Cap. Sölichs thet er auch vor den erstlingen der Heiden / nammlich vor Cornelio vnd den seinen Acto. x.
Das ander Concilium ist auch gantz fürtreffenlich vnd vernampt / vnd mit allerley der grösten gaben begabet gewesen / das wirt beschriben Act. xv. Jnn welchem dises der fürnempst artickel wz / dz der glaub on die werck vergebens vß Gottes gnaden sälig mache. Von welchen ich an anderen orten wytlöuffiger disputiert hab. Mit disem allem aber wil ich dz anzeigen / dz diser artickel von der gerechtmachung deß glaubens on die werck / darumb in der kirchen gantz vnd vnuermängglet [vngefelscht] sölle behalten werden / dieweil er so allgemein vnd vnwidersprechlichCCXXXIIv. 232b
ist / auff welchen auch der heilig Apostel Paulus disen fluoch gesetzt / wenn ich / oder ein Engel von himmel euch ein anders Euangelion verkünden wurde / dann das euch verkündet ist / so seye er verfluocht.
*Die ander vrsach darumb guot vnd notwendig ist dise leer gantz vnnd vngefelscht in der kirchen zuo behalten / ist die / das so dise auffgelößt / die eer Christi zuo scheyteren gon wurde. Dann die wirt in den hertzen der menschen verduncklet vnd zerstört (wiewol sie in jr selb allweg gantz vnd klar bleibt) so wir anfahend die gerechtikeit durch die wir vor Gott bestond / vnseren wercken vnd verdiensten zuo theilen. Dann dises ist die eer deß Suns Gottes / das kein anderer nam den menschen vnder dem himmel gegeben ist / darinnen wir mögind sälig werden. Dahär auch Paulus spricht / Christus ist euch kein nütz wenn jr durchs gsatzt gerecht werden wöllend / vnd sind von der gnad gefallen. Jtem / Jch verwirff die gnad Gottes nit / dann so durch das gesatzt die gerechtikeit kumpt / so ist Christus vergeblich gestorben. Jst er dann vergeblich gestorben / so ist die eer seines creützes zuo nüte worden.
*Die dritte vrsach / ist die gwüß vnd bestendig rechnung vnsers heils. Dann dz wäre vngewüß / so es an vnseren wercken vnd verdiensten hangete / die wir von wegen vnserer anerbornen verderbte (wo wir nit vnsinnig sind) mit dem h. Job sprechend / ob ich gleich etwas gerechtikeit hette / wölt ich mich doch mit antwort nicht wider jn setzen / sonder meinen richter demüetigklich flehen. Darumb spricht S. Paul recht. So das erb auß dem gsatzt ist / so ist der glaub auß / vnd hört die verheissung auff / derhalben ist die verheissung geschehen durch den glauben / auff dz es gienge nach der gnad / damit die verheissung vest bestünde allem samen.
*Die vierdte vrsach ist / das durch dise leer sonnderlich inn vnns die bildtnuß Gottes / nach deren wir anfencklich erschaffen warend / widerbracht wirt. Dann durch den glauben wonet vnd läbt Christus in vns / der ein gefallen hat an vnser nidrikeit vnd demuot. Dann es erhept sich inn vns die bildtnuß deß Teüffels wenn wir anfahend inn vns selb hoffertig werden / vnd vns selb die eer Gottes zuomassen. Das geschicht aber on allen zweyfel denn / wenn wir vns selbs die gerechtikeit vnnd das heil zuogäbend / als ob wir das reych Gottes mit vnnseren wercken vnd verdiensten verdienind. Der Teüffel ist hoffertig / vnd vnderstat die eer Gottes an sich zuo ziehen. Die heiligen vnd glöubigen erkennend das sie auß lauter gnad vnd barmhertzikeit Gottes sälig werdind / vnd darumb so gäbend sie alle eer Gott / jnen selbs aber schmach vnd scham zuo. Dahin on zweyfel dienet die Euangelisch parabel von dem Phariseer der sich rüempt inn seinen guoten wercken / vnd vom offnen sünder [Zölner] der da schrey / Herr biß mir armen sünder gnedig / von welchem man lißt das er mee gerechtgmachet heim seye gangen zuo hauß dann der ander.
*Die fünffte vrsach ist / die großhaltung [erkanntnuß der grösse] der sünden / dann das hatt man nit für ein grosse sünd vnd schuld / die mit menschlichen wercken vor Gott mag betragen vnd versüent werden. Die heilig geschrifft zeigt aber an / das die sünden nicht habind mögen versüent werden / dann durch das vnschuldig bluot vnd den tod deß Suns Gottes. Darauß nun ein jeder verstendiger abnimbt / das die sünd in den augen Gottes ein gar greülich vnd scheützlich ding seye. Darumb so entspricht auch gleich in den glöubigen ein fleißigs auffsehen vnnd wachen auff die sünd / vnd ein jmmerwärends beweinen vnsers armen vnnd verderpten wäsens / auch ein gebürliche grosse scham vnd niderträchtikeit [vnd sich grosser demut vnd eingezogenes lebens zu befleissen]. Vnd diser vrsachen möchte ich nun hie meer anzeigen / warumb es gebüre / das man mit allem fleiß vnd ernst anhalte / vnd dahin arbeite / das man dise leer / nammlich das die allgemein kirchen Gottes / auß Gottes gnaden / in dem eingebornen Sun
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Gottes durch den glauben / vnd nicht durch die werck gerechtgmachet werde / gantz vngefelscht vnd vnuermängglet [vngestücklet] in der kirchen erhalten werde / aber ich hoff es werdind sich alle die nit zänckisch sind deren vernüegen. Vnnd darff der gfar nützit / dz die guoten werck hiedurch ring geachtet werdind / von welchem ich an seinem ort geredt hab. Welche aber wider die offenbar Euangelisch warheit je fürfarend zuo zancken / denen wirff ich für den spruch Pauli / das weder wir noch die kirchen Gottes in so heiterem liecht zanckend.
Die summ aber alles dessen / das ich bißhär von dem Euangelio geredt / ist dise / das nammlich alle menschen so vil deren inn der wält / vonn jhrer natur här knecht der sünden deß Teüffels vnd deß ewigen tods seyend / vnnd das sie darauß anders nicht erlediget vnd erlößt mögind werden / dann durch die lauter gnad Gottes / vnd die erlösung / die da ist inn dem eingebornen Sun Gottes vnserem Herren Jesu Christo. Welcher erlösung allein die glöubigen theilhafftig werdend. Dann welche den Sun Gottes / der durch das Euangelion verkündet wirdt / mit warem glauben an nemmend / die werdend gerecht (das ist / vonn jhren sünden ledig gesprochen) heilig / vnnd erben deß ewigen läbens gemachet. Welche aber durch vnglauben vnnd hertikeit deß hertzens / Christum nicht annemmend / die sind der ewigen peyn vnnd den ewigen banden behalten. Dann der zorn Gottes bleibt auff jhnen. Darumb lassend vnns Gott vnnserem erlöser danck sagen / vnnd jhn bitten / das er vnns inn warem glauben erhalte / fürdere / vnnd zum ewigen läben füere / durch vnnseren Herren Jesum Christum. Amen.32.Pr.Die Zwey vnd dreissigste Predig.
Von der buoßfertikeit vnd jren vrsachen. Von bekanntnuß vnd verzeihung der sünden / von der gnuogthüeung. Vom Abblaß. Von dem alten vnd neüwen menschen. Vonn den krefften deß menschen / vnd anderem das zur buoßwürckung gehört.
JN der nechst gehaltnen predig von dem Euangelio Jesu Christi / hab ich verheissen zuo reden vonn der buoß / welches ich inn diser heütigen predig mit hilff Gottes vnd ewers gebätts thuon wil.
Das wörtli poenitere [Buß oder Rewen] wirt bey den Latineren [-] denen zuogeben / die ein ding reüwt / vnd die sich schemmend eins dings das beschehen ist. Als du hast einem etwas guots thon / vnnd meinst er seye sein nicht wärt / das ist dir leid. Dises leid ist nun ein poenitentia / buoß / welchs wir Teütschen nennend / den reüwen. Die Griechen nennends metanoeam. Die aber der selbigen sprach wol erfaren sind / die zeigend an / das daß wörtli metanoein, Von dem geredt werde / so einer ein ding erst nach der that verstat. Das deßhalb dises eigenlich metanoea ist / so der mensch gefallen vnnd übel gehandlet / hernach inn sich selbs gat / vnnd gedenckt wie er den fäler verbessere. Vnnd wirdt deßhalb nicht nun vonn dem gemüet / sonnder auch vonn dem werck verstanden. Dann welcher verstat das er gefält / der gedenckt nach der verbesserung / vnnd facht jhm jetz an mißfallen / das jhm vorhin gefiel / vnnd fleücht jetzunder das / dem er vorhin mitt grosser begird nachgehengt. Die Hebreer aber nennend dise buoß oder rewen Theschuah / das ist ein bekerung vnnd widerker da einer wider inn wäg vnnd widerumb zuo jhm selbs kumpt. Jst also ein abzogne red / vonn denen die auff dem wäg verirrend / aber zuo letst wider an den wäg kömmend / welches darnach auff der menschen gemüet / sitten vnd läben gezogen wirt. Das wörtli reüwen aber wirt auff mengerley weyß braucht. Dann es heißt ein enderung eins dings / oder einer meinung / die einer bey jhm selbs gefasset.CCXXXIIIv. / 233b
Als wie der Herr durch Jeremiam spricht / So sie sich bekeren werdend vonn dem bösen / so wirt auch mich reüwen das übel das ich über sie bringen wolt. Darumb so reüwet Gott / wenn er sein fürnemmen änderet / wenn er es aber nitt änderet / so reüwt jn nit. Paulus spricht / Gottes gaben vnd berüeffung mögend jn nit gereüwen. Vnd Dauid / Der Herr hat geschworen vnd es wirt jhn nitt gereüwen. An eim anderen ort wirt Gott der reüwen figürlicher weyß zuogegeben nach menschlicher anfächtung / als da er spricht / Es reüwt mich das ich den menschen gemacht hab. Dann sonst so gereüwt Gott nichts seiner natur halb wie vns menschen / das jn ein ding bekümmere / vnd jm mißfalle/ das jhm vor gefallen / sonder er enderet allein ein ding. Bey den alten vätteren vnnd leereren wirt das wörtli poenitere / das ist reüwen / denen zuogeben / die nach fürgeschribner form buoß littend von jr begangnen sünden wegen. Die geschrifft braucht das wörtli etwan für den gantzen handel deß Euangelij. Also läsend wir inn der Apostel geschichten / das Gott den Heiden habe buoß gegeben zum läben. Jn diser vnser disputation aber / werdend wir das wörtli buoß oder reüwen brauchen für bekeren zum Herren / für erkantnuß der sünden / vnd für dz leid / dz wir tragend über die begangne sünd / Jtem für das absterben deß fleisches vnd erneüwerung deß läbens / Jn summa / für die enderung vnd besserung deß läbens / darumb wir es auch auff Teütsch nennend / bekerung / enderung oder besserung.
Es ist auch die buoß oder besserung nicht minder auff mengerley weyß vonn den leereren definiert vnnd beschriben worden / doch so stimmend sie all zuosammen / das es seye ein bekerung zuo Gott / vnnd ein enderung deß vorigen läbens vnnd fürnemmens. Darumb so sagend wir / das buoß oder besserung / seye ein ware bekerung zuo Gott / da wir auß rechter forcht Gottes gedemüetiget / vnsere sünd erkennend / den alten menschen tödend / vnd geistlich erneüweret werdend. Dise beschreibung begreifft etliche stuck / welche so sie etwas eigenlicher vnd weitlöuffiger erleüteret vnd erklert werdend / vns die gantz natur vnd den gantzen handel der buoß zuo verston gebend vnd für augen stellend. Zum ersten / sagen ich / das buoß seye ein ware bekerung zuo Gott. Dann bald hernach wird ich anzeigen das zweyerley buoß ist / ein ware vnd ein falsche. Petrus der Apostel spricht / Thuond buoß vnd bekerend euch / auff das ewere sünd verzigen werdind. Da gibt er mit dem nachgenden zuo verston / was er durch dz vorgender verstanden / das er nammlich durch das wörtli buoß / verstanden habe die bekerung / ja zuo dem / von dem sie sich kert hattend. Dann abweichen vnd widerkeren habend etwas gegensatzes gegen einander. Wo du nie abgewichen werist / so bedörfftist du je keines widerkerens. Nun sind wir aber alle abgewichen / vnd habend vns kert von dem waren gerechten vnd guoten Gott vnd von seinem heiligen willen zum Teüffel vnd zuo vnserem bösen willen. Darumb müessend wir vns vom Teüffel vnd von vnserem alten bösen läben vnd fürnemmen / zuo dem läbendigen Gott vnnd seinem heiligen willen widerumb bekeren. Außtrucklich aber sagen ich / zuo Gott / nit zuo den creaturen / oder einiger menschlicher hilff. Dann es spricht der Herr bey dem Jeremia / So du widerkeren wilt Jsrael / so beker dich zuo mir. Darumb so sind die / die sich nicht zuo Gott bekerend / vnd sich seinem heiligen willen nicht gleichförmig machend / nicht vnder die waren reüwer vnd buoßwürcker zuo zellen / Gott geb wie sie sich sonst zuo den creaturen vnd anderen mittlen die von den menschen erdacht sind / bekerind. Da ist aber nun niemand der nit sehe an disem ort / wie so notwendig die besserung in vns zuo erwecken die predig vnd leer der warheit seye / die vnns leere wer der Gott seye zuo dem wir vns bekeren / vnd was das guot vnd heilig zuo dem wir vns bekeren / wer auch der Teüffel vnd das böß vnd falsch seye / vonn demCCXXXIIII. / 234a
wir vns bekeren söllind / auch was in vnserem fürnemmen gemüet vnnd läben zuo verbesseren seye / vnd wie das selbig geschehen sölle. Zwar die heiligen Propheten vnd Apostel vnsers Herren / so sie die menschen zur buoß vermanend / so sind sie gar geflissen vnd ernsthafft zuo beschreiben die natur / güete / grechtikeit / warheit vnd barmhertzikeit Gottes / Jtem für zuoschreiben den menschen gsatzte deß läbens / vnd wie man sich in allen stucken halten vnd tragen sölle / Deßgleichen sind sie auch im anklagen vnd erzeißlen [vnd streichen auß...] der lasteren der menschen / auff welche sie auch schwäre tröwungen vnd grausamme abmalungen deß gerichts Gottes setzend / welches in den Propheten allenthalben geläsen wirt. Darumb wöllend etlich / das man hie den menschen die man zur besserung ziehen wil / dz gsatzt predigen sölle. Wider welches ich nit bin / sonder laß mir es gefallen / doch so sol man darbey wüssen / das auch die Euangelisch verkündung den menschen jhre sünd fürhaltet vnd die selbig schwärlich anklagt. Dann es spricht der Herr im Euangelio / Wenn der heilig geist kommen wirt / so wirt er die wält straffen vmb die sünd / das sie nicht inn mich glaubend. Darumb verweißt auch der heilig Apostel Petrus in den geschichten der Apostlen den Juden jre begangne sünd / vnd prediget jnen mitthinzuo Christum vnd den glauben in Christum / vnd ermanet sie also zur buoß. Wie dann sölichs bekannt ist Act. ij. vnd iij. Sanct Paul da er die Athenienser zur besserung ziehen wil / da spricht er / Gott hatt die zeyt der vnwüssenheit bißhär übersehen / nun gebeütet er allen menschen an allen enden buoß zuo thuon darumb das er ein tag gesetzt hat / auff welchen er richten wil den vmbkreiß deß erdbodens mit gerechtikeit durch Christum. Darumb so lernind hie alle die denen befolhen ist die wält mit leeren zur buoß ziehen / das sie frey vnd dapffer handlind / damit mencklicher sein sünd / ja auch die grösse vnnd schwäre seiner sünd erkenne. Vber das so treibt Gott die menschen zur buoß / nicht nun mit seinem wort / sonnder auch mit mengerley trüebsalen vnd straffen / vnd sind ja alle trüebsalen der wält gleich als predgenen die vnns zur besserung vermanend. Dann / *damit ich nützit auß den geschrifften der Propheten anzühe* [-] / spricht nicht vnnser Herr Jesus Christus im Euangelio / als er hort die schlacht die Pontius Pilatus thon / do er die Galileer geschlagen vnd vmbbracht / Jtem do er hort den vnfal der achtzehen menschen / auff die der turn inn Siloa gefallen / Meinend jhr das dise für andere sünder gewesen seyend? Nein sag ich euch / sonder so jhr euch nicht besserend / werdend jhr all auch also vmbkommen. Darumb so ist das gwüß / das krieg hunger vnd pestilentzen vns allweg alle zur besserung ladend vnd vermanend / das wir die laster verlassind / vns zuo Gott bekerind / vnd vns der vnschuld fleyssind.
Nun wirt vns aber die besserung vergebens prediget / wo wir nit ein forcht Gottes in vnseren hertzen empfahend / vnnd das gericht vnd den zorn Gottes vonn vnnser begangnen sünden wegen entsitzend [vns für dem gericht ... entsetzen]. Dise forcht erweckt aussenfür in vns die leer vnd die eussere züchtigung / wie erst gemeldet / aber die selbig schaffet allein nützit / wo wir nicht innwendig / das ist in vnseren hertzen vonn dem heiligen geist Gottes bewegt werdend. Darumb so schreyet Jeremias in seinen klagliederen / Beker vns Herr / so werdend wir bekert. Vnnd im xxxj. Cap. seiner prophecey / Beker du mich / so wird ich bekeret / dann du bist mein Herr Gott / dann so bald du mich bekert / hat mich das übel geruwen. Von S. Peter läsend wir / das er von der stimm der thorhüeterin vnd der kriegßknechten bewegt / Christum schantlich verlougnet habe / aber durch deß hanen geschrey widerumb erwegt / zuo der besserung habe widerkert. Aber das hanen geschrey hatt jhn nicht bloß für sich selb erwegt / sonnder das wort Christi das darbey was / der da sprach / Warlich sag ich dir / der han wirdt nicht kräyen / biß du mich zum dritten mal verlaugnen wirst. Darumb spricht auch Matheus /CCXXXIIIIv. / 234b
vnd Petrus gedacht an das wort Jesu / das er zuo jm gesagt / Ee dann der han kräyt / wirst du mich zum drittenmal verlöugnen usw. Mit disem laufft auch der inner vnd verborgen zug [bewegung vnd ziehung] deß hertzens. Dann der güetig Herr berüert das hertz Petri / wie der Euangelist bezeüget vnd spricht / Vnd der Herr wendet sich vmb vnd sach Petrum an. Dises anschowen deß Herren erweicht das hertz Petri / das sonst dahin in das verderben fiel / vnd reiß es wider herauß. Darumb dann zuomal werdend wir mit rechtem reüwen Gott förchten / wenn vnsere oren mit dem wort Gottes berichtet vnd gestrafft / vnd vnsere hertzen durch seinen geist berüert vnd erleüchtet werdend.
Mitthinzuo so wir also gedemüetiget / so bekennend wir vor dem gerechten vnd heiligen Gott / den wir mit vnseren sünden so übel verletzt vnd erzürnt habend / das sein gericht gegen vns gerecht seye / ja bekennend vnd verjähend frey offenbar alle vnd jede sünden / die vnns durch das wort Gottes fürgeworffen werdend / vnd sprechend mit dem Propheten / Du Herr bist gerecht vnd warhafft / vnd deine gericht sind gerecht / wir aber sind vngerecht / lugenhafft / lasterhafft / vnd mit allerley grossen übelthaten beladen. Es ist nützit [nichts] gantzes noch gesunds in vns / All vnser ding ist zerstört vnd verderpt. Wir habend gesündet / vnd vnrecht thon / vnd sind von dir abgewichen. Wir habend deinen dieneren den Propheten widersprochen / wir habend den worten deines warhafften munds nitt gehorsammet. Dir O Herr ghört gerechtikeit zuo / vns aber schand. Söliche demuot / erniderung vnnd freye bekantnuß der sünden erforderet Gott vonn denen die sich besseren wöllend. Von welchem ich aber bald hernach etwas weyter reden wil. Jetzund wöllend wir widerumb auff die forcht Gottes / die selbig weytlöuffiger zuo erleüteren. Da redend wir aber hie von der waren forcht Gottes. Dann es ist zweyerley forcht Gottes / Ein ware vnd ein falsche. Die ware forcht Gottes sicht man an den glöubigen / die ist ein glöubige auffsehung auff Gott / vnd stat in liebe vnd vereerung Gottes. Dann der Prophet füert Gott yn also redende / Ein sun eeret den vatter / vnd der knecht seinen herren / Bin ich dann ewer vatter / wo ist mein eer / Bin ich ewer Herr / wo ist dann mein forcht? Vnd Paulus spricht / Jr habend nicht einen knechtlichen geist empfangen / das jr euch abermals fürchten müessind / sonder jr habend einen kintlichen geist empfangen / durch welchen wir schreyend / Abba vatter. Darumb so ist die ware forcht Gottes in den reüwenden nicht ein knechtliche forcht der straff / sonder ein sorgfeltiger fleiß mit liebe vnd vereerung Gottes vermischet. Ein eerbare matron fürchtet jren eeman / eine fromme tochter fürchtet den vatter / Darzwüschend habend sie jhn aber auch lieb / vnd fleyssend sich mit allem ernst sein huld zuo behalten / vnnd förchtend sie verlierind die selbig. Also auch die reüwenden / fürchtend nit nun Gott / dieweil sie wüssend auß Gottes geist geleert / das sie gehandlet darumb sie billich möchtind verstossen werden / sonder sie liebend jn auch als einen vatter / vnd darumb so traurend sie von hertzen von wegen jr begangnen sünden / vnd ist jr höchste begird / dz sie mit Gott dem güetigen vatter widerumb mögind versüent werden. Dann an diser waren forcht Gottes hanget auch ein trauren / das auß dem geist Gottes vonn wegen der empfangnen sünd entstat. S. Paulus gedenckt zweyer traurikeiten / Die göttlich traurigkeit spricht er / würckt zur säligkeyt ein reüw / die niemands gereüwet / die traurikeit aber der welt würckt den todt. Nach der göttlichen traurikeit hatt trauret der künig vnnd Prophet Dauid / da er spricht / Deine pfeyl stäckend in mir / vnd dein hand tringt hart auff mich. Es ist nichts gantzes an meinem fleisch deiner vngnad halb / nichts gantzes in meinem gebein meiner sünd halb / vnd wz weiter daselbst volget Psal. xxxvjjj[3]. Welcher Psalm / ob er gleich von einer schwären kranckheit geschriben ist / soCCXXXV. / 235a
zeigt er doch darzwüschend auch an / was grossen schmärtzens in den glöubigen sey / von wegen das sie mit jren sünden Gott den güetigen vatter erzürnet. Also hat auch nach Gott truret die sünderin bey dem Luca / die sich hindenzuo zuo den füessen deß Herren satzt / vnd die selbigen mit trähen [trähnen] wuosch vnd mitt den harlocken wider tröcknet. Nach Gott hat auch trauret der heilig Apostel Petrus / von dem man lißt / das er auch bitterlichen geweinet habe. Dann es bekümmeret die glöubigen / so sie den güetigen vatter so gar schantlich verletzend. Vnd achten deßhalb nit das mit keinen [einigen] worten die bitterkeit deß schmärtzens möge außtruckt werden. Grad das widerspil beschreibt aber Jeremias in den vnbuoßfertigen da er spricht / Falt man auch dermaß / das man nit wider auffstande? wendend sich die leüt also ab / das sie nit widerkeerind? wie gat es dann zuo / das sich dises volck vnd Jerusalem so steiff abgewendt / das sie nit widerkeren wöllend? dann ich habs beschouwet vnd ein auffmercken gehept / aber niemandt ist / der deß ützit [jrgend] bedencke / niemandt ist den seiner boßheyt reüwe / der doch spräche / was hab ich gethon? sonder ein yeder laufft seinem lauff nach gleich wie ein schelliger gaul in einer schlacht.
Der wält traurikeit / ist der lüten / die Gott nit erkennend / vnd weder waaren glauben noch liebe Gottes habend / sonder vnder dem last der traurikeit von wegen der trüebsalen deßgleich auch der sünden gar vnd gantz erligend. Garnach ein gleiche gestallt hat es vmb die falsche forcht Gottes. Dann die gottlosen mitt sampt jrem vatter dem Teüffel förchtend Gott auch / aber nit als einen vatter / dz sie trurend darumb dz sie jn erzürnet / vnd dz sie jm als einem vatter begärind wider versüent zuo werden / sonder sie förchtend jn als ein hencker / dieweil sie wüssend vnd verstond dz er ein gerechter Richter ist / Darumb lauffend sie zuoletsten mit Juda dem Jscariothen dem strick zuo. Jn disen ist kein liebe / kein ehr / kein fleiß / kein reuerentz gegen Gott / sonder hassz grusen [schrecken] vnd verzweiflung. Sölche forcht sagt der h. Euangelist vnd Apostel S. Johans sey nit in der liebe / sonder spricht / die volkomen liebe treibe die forcht vß. Welches zwar nit von der forcht zuo verston / die ein anfang der weißheit Gottes ist / sonder von deren / von deren wir bißhar hie geredt. Hierauß schliessend wir aber / das den reüwenden vorauß das vertruwen in Gott vnd in den verdienst Christi notwendig sey. Von welcher vrsachen wegen ich achten das vil den glauben für ein stuck der buoß gezellt habind. Wider welches ich nit hefftig streiten / doch so sich ich das S. Paul die beide stuck / die buoß vnd den glauben vnderscheidenlich gesetzt hatt / da er in den geschichten der Apostlen am xx.[21] cap. spricht / er habe bezeüget / beide den Juden vnd Heyden die buoß zuo Gott / vnd den glauben in Jesum Christum. Darumb so sind es zwey vngleiche stuck / buoß vnnd glauben / nicht das die waar buoß on glauben sein möge / sonder das ein vnderscheyd darzwüschend soll gehalten werden. Wir wüssend alle / das der waar glaub nitt one werck ist / dann das ist ein gemeyns wüssen / noch so vnderscheidend wir zwüschend dem glauben vnnd den wercken / also / das wir sie dennocht drumb nit sünderend oder von einanderen reissend. Also erkennend wir auch dz an der waaren buoß der waare glaub hanget. Doch so wil ich darumb nit zancken / ob der glaub ein stuck der buoß sey oder sonst daran hange. Das dunckt mich ein grosse thorheit / die händel Gottes allenthalben wöllen auff Dialectische kunst anbinden / dann söllichs habend wir von den Apostlen deß Herren nit gelernet. Jn der vorgenden predig vom Euangelio hab ich anzeigt (das ich yetz wider äferen muoß) das die erkantnuß der sünden nicht gnad oder verzeihung der sünden für sich selb erlange / gleich wie auch der kranckheit erkanntnuß / die artzney der kranckheyt nicht ist. Die verdampten erkennend auch jre sünden / jnen wirt aber drumb nit geholffen. Der sünden erkanntnuß / ist ein zuobereitung zuo dem glauben / gleich wie die erkanntnuß der kranckheytCCXXXVv. / 235b
anlaß gibt nach der artzney zuo gedencken. Vnd so vil weiter reden ich hie / das ja auch die forcht Gottes selb / ob sie gleich recht vnd waarhafft / Jtem die trurigkeit vnnd der schmärtz der auß der begangnen sünd empfangen / wie groß der joch sey / deßgleich auch die demuot / wie genidriget sie jmmer sey / die reüwenden für sich selb Gott nicht mögend angenäm machen / sonder / das sie vil mer ein yngang zuobereitend zuo der erkanntnuß Christi / vnnd vnns füerend zuo Christo der für vns mensch worden vnd creütziget ist / vnnd vns dem selben einigen aufflegend vnd übergäbend das er vns läbendig vnd rein mache. Dann welcher sich waarlich zuo Gott bekeert / der wendet sich ab von jhm selbs vnnd von aller anderer hilff. Wer Gott waarlich förchtet / vnd von hertzen trauret / der förchtet jhn vnd trauret von wegen der begangnen sünden / vnnd aber das selbig nit allein / sonder dieweyl er empfindt das er gantz verderbt / nützit [nichts] gantzes oder gesunds an jhm hatt / ja dieweil er Gott förchtet als ein vatter / so entdeckt er jhm seine wunden als einem artzet / vnd begärt mit jhm als mit seinem aller liebsten widerumb versüent zuo werden. Dieweil nun hie die waare gottsälikeyt schreyet / dz niemand Gott dem vatter möge versüent werden / dann durch den eingebornen sun / so ergreifft der reüwende mensch den selbigen mit glauben. Der glaub aber gründet allein in die gnad vnd barmhertzikeit Gottes die vns in Christo gegäben ist / vnd glaubt deßhalb der rüewend mensch dz er Gott lieb vnd angenäm sey von Christi wegen. Vnd darumb flehet er zuo Gott / vnd befilcht sich Gott gantz vnd gar / als wie man vom Dauiden lißt das er thon / vnd der verloren Sun Luc. xv. Cap. Hiehar gehört denn die leer vom Euangelio / vnnd von dem glauben in Jesum Christum. Jtem von der verzeihung der sünden / von welchem allem ich doben geredt hab.
Darumb sol man hie die gemüeter der reüwenden menschen mit allem fleiß vnd ernst stercken mit vilen vnd heiteren zeügnussen der heiligen gschrifft / von der volkomnen verzeihung der sünden / damit wir in vnseren versuochungen keinen zweiffel daran tragind. Da ich aber zuo rettung der ehren deß eingebornen suns Gottes jmmerdar wideräferen vnd ernstlich treiben / das den reüwenden die sünden nicht von deß reüwens wegen / so veer der selbig vnnser werck ist / vergeben werdind / sonder so veer der reüwen vnd die buoß die erneüwerung deß menschen durch den heiligen geist vnd den waaren glauben begreifft / welcher vns Christo dem einigen Artzet übergibt / der all vnsere kranckheyten heylet / vnd all vnsere wunden verbindet. Vnnd wiewol dise Tractation eigentlich zum glauben vnnd zum Euangelio gehört / von welchen stucken ich so vil ich in einer kürtze gemögen / hieuor geredt hab / so wil ich doch auch hie etliche heitere sprüch von der gnad Gottes vnd der verzeihung der sünden / erzellen.Dauid singt im ciij.[1.2.usw.] Psal. Lob den Herren O mein seel / vergiß nit aller seiner guothaten. Der alle deine mißthaten gnädiklich verzeicht / vnd alle deine schwacheiten heilet. Der dein läben vor der verderbnuß errettet / vnd dich früntlich vnd güetiklich zieret / Der mit guoten deine begirden settiget. Er thuot vns nit nach vnseren sünden / vnd widergiltet vns nit nach vnseren mißthaten. Dann als hoch der himmel ist gegen die erden / also groß ist auch sein gnad gegen denen die jn vor augen habend / Als weit der vffgang der Sonnen ist von nidergang / also weit thuot er vnsere überträttungen von vns. Als güetig vnd früntlich ein vatter ist gegen seinen kinden / also güetig vnd früntlich ist der Herr gegen denen die jhn vor augen habend / dann er weißt wie schwach / das ist wie geneigt zuo sünden wir sind / er gedenckt das wir kat sind.
Esaias spricht / Wenn üwere sünd als rot sind als ein scharlach / so werdend sie weisser dann der schnee / vnd so sie brünnend wie ein purpur / so werdend sie wie weisse wollen? Jtem er füert auch Gott yn also redende / Jch ich bin der / der dein überträtten abtilgket / vnd dz von mein selbs wegen / vnd deiner sünd nimmermer gedenckt.CCXXXVI. / 236a
Jerem. am xxxj[34]. Capitel spricht der Herr (welches auch Paulus wideräferet am viij. vnd x. Capitel zun Hebreeren) Das ist mein pundt / den ich nach disen tagen mit jnen auffrichten wil / Jch wird jnen jre missethat verzeihen / vnd jrer sünden wil ich jnen nimmermer gedencken.
Ezech. am xxxvj[25]. Capitel spricht der Herr / Jch wil lauter rein wasser auff eüch sprentzen [sprengen] / vnd jr werdend rein. Von aller eüwer vnreinikeit vnd götzen wil ich eüch rein machen. Jch wil eüch auch ein neüw hertz geben / vnd einen neüwen geist wil ich eüch yngeben / dz steine hertz wil ich vß eüwerem leib nemmen / vnd üch ein fleischins hertz geben / Jch wil üch erlösen von allen eüweren vnreinikeiten. Sölichs alles wird ich nit thuon von üwert wegen [vmb ewert willen] / spricht der herr gott / dz söllend jr wüssen usw.
Daniel stellt vns im ix[24]. Capitel ein schöns exempel der bekantnuß der sünden für / vnd spricht darzuo mit außtruckten worten / das durch den Meßiam die sünd versüent / die überträttung hingenommen / vnd die ewig gerächtigkeyt herzuo bracht sey. Also zeigt auch Zacharias der Prophet am dritten Capitel an / das die boßheit deß lands mit dem einigen opffer Christi versüent sey.
So spricht auch der Herr im Euangelio Matthei [9.12.] / Die gesunden bedörffend keins Artzets / sonder die krancken. Vnd ich bin nit kommen die gerechten zuo berüeffen / sonder die sünder zur buoß. Darumb ist auch der Herr / Jesus genennt woren / Dann der Engel spricht / Er wirt sälig machen sein volck von jhren sünden. Jtem es spricht S. Paul zum Timotheo / Das ist ein gwüß thüres vnd werdes wort / das Christus Jesus kommen ist in dise wält die sünder sälig zuo machen.
Es spricht auch der Herr im selbigen gedachten Euangelio / Alle sünd vnd lesterung wirt den menschen vergäben / aber die lesterung wider den heiligen geist wirt den menschen nit vergeben. Vnd wer etwas redt wider deß menschen sun / dem wirt es vergeben / Aber wär etwas redt wider den heiligen geist / dem wirt es nit vergeben / weder in diser noch in jhener wält. Von der sünd aber in den heiligen geist hab ich an anderen orten geredt. Hiehar gehörend auch alle exempel der gnädigen verzeihung der sünden / die in der Euangelischen Histori gemäldet werdend / als deß sündigen weiblins Luc. vij Jtem Joan. iiij. vnd viij. Matthei / Zachei / S. Peters / deß mörders am Creütz. Vnnd wer wolt sie alle mögen in kurtzem erzellen? Dahar dienend auch die drey Parablen oder gleichnussen auß dem xv. Cap. deß heiligen Euangelisten Luce.
Jm Euangelio Joannis zeüget der vorlöuffer deß Herren vnnd spricht / Nimm war das Lamb Gottes / das dahin nimpt die sünd der wält. Jtem es spricht der Herr zuo seinen Jüngeren / Welchen jr jre sünden vergeben werdend / denen werden sie vergeben sein usw.
Petrus der h. Apostel spricht in den gschichten der Apostlen / Christo gebend alle Propheten zügnuß / dz durch seinen nammen verzeihung der sünden empfahen werde ein yeder der in jhn glaubt. Jtem in seiner Epistel / Christus hat vnser sünd selbs getragen an seinem leib auff dem holtz / vff dz wir der sünden absturbind / vnd der gerächtigkeit läbtind / durch welches schnatten [wunden] jr sind gsund worden.
Paulus der Apostel in der ij. Corinth. v[18]. Cap. spricht also / Gott wz in Christo / vnd versüenet die wält mit jm selber / vnd rechnet jnen jre sünd nit zuo. Dann den der von keiner sünd wußt / den hatt er für vns zur sünd gemacht / auff das wir wurdind die gerächtigkeyt Gottes durch jhn. Vnnd in der Epistel zun Hebr. am x [12]. Cap spricht er auch / Christus hat ein opffer für die sünd geopfferet / vnd sitzt ewigklich zur gerächten Gottes / vnnd wartet hinfür biß das seine feyend zum schämel seiner füessen gemacht werdind / dann mit einem opffer hatt er in ewigkeyt vollendet die geheiligeten.
Also bezeüget auch der heilig Euangelist vnd Apostel Joannes nicht minders heiter vnd klar / vnd spricht [1.Joh.1.7] / Das bluot Jesu Christi deß suns Gottes reiniget
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vns von aller sünd. Jtem / vnd [1.Joh.2.2.] er ist die versüenung für vnsere sünd / nitt allein aber für vnsere / sonder für der gantzen wält sünd.
Gantz eitel [gantz nichtige leuthe] aber vnd deß Teüffels botten sind die Nouatianer vnd Widertöuffer / die da sagend wir werdind durch den tauff gereiniget zuo einem englischen läben / das fürhin mitt keiner sünd befleckt werde. So es aber befleckt wurde / so habe der befleckt kein verzeihung mer zuo verhoffen. Dann damit ich vil andere ort der geschrifft vnderlasse / ist nit S. Peter durch den Tauff Gott geheiliget gewesen? hat er nit die guote gnad Gottes versuocht gehept? Dann ye do er die fürtreffenlich bekantnuß thon hat / sprach der Herr zuo jm / Sälig bist du Simon du sun Jona / fleisch vnnd bluot hat dir es nit geöffnet / sonder mein vatter der in himmlen ist. Wie auch der Herr die Jünger fraget / Wöllend auch jr von mir gon? Do antwortet er in jr aller nammen vnd sprach / Herr zuo wem söltend wir gon? Du hast die wort deß ewigen läbens / vnd wir habend glaubt vnd erkennt / das du bist Christus der Sun deß läbendigen Gottes. Noch so sündet eben diser Petrus nach dem Tauff / vnd nach dem er die gnad Gottes versuocht / vnd das nit leichtlich / sonder schwärlich / das er den Herren selb verlaugnet vnd verschweert. Jst er aber darumb von seiner sünd wegen von aller gnad entfallen? ist jm drumb der zuogang zuo Gott versperrt worden? keins wegs. Dann wie er den hanen hort kräyen / do gedacht er an die wort deß Herren / gieng in sich selbs / vnd gedacht was er gehandlet / weynet bitterlich / vnnd begab sich in ein groß leyd. Darinnen bleib er aber nit lang one trost / dann gleich an dem dritten tag darnach sprachend die Engel zuo den weyberen die zuo dem grab deß Herren kamend / Sagend seinen jüngeren vnd Petro / das er aufferstanden sey / vnd vor eüch hingange in Galileam. Sich da wil der Herr besonders / das Petro kund werde das er von todten aufferstanden sey. Warumb aber also Petro besonders? darumb das er wirß [schwerlicher] gesündet hat dann die anderen / nit das die sünd Petri dem Herren gefiele / sonder das er vns damit hat wöllen erklären / das die reüwenden gnad wurdind erlangen / so offt sie sich zuo der himmlischen gnad Gottes bekeeren wurdind. Vnd nach wenig tagen darnach satzt er Petrum widerumb in den dienst deß worts / vnnd befalch jhm seine schäfli. Vber das so spricht der Herr bey dem Jeremia zuo dem volck Jsraels / Wenn ein man sein Eeweib verschupfft / vnd sie gat von jhm / vnd vermächlet [vermählet] sich einem anderen / solt er fürhin wider zuo jren keeren? Jst dann das selb väld nit befleckt vnnd vnrein? Du aber hast mitt vil liebhaberen gehuoret / aber doch keer wider zuo mir spricht der Herr. Also warend die Galater durch die falschen Apostel verfüert / von der Euangelischen waarheit abgefallen / die doch von dem heiligen Apostel Paulo vorhin recht vnderrichtet vnd geleert warend / vnd erlangtend dennocht nichts destminder gnad. Deßgleich hattend auch die Corinther nach empfangner gnad in vil stucken wüssentlich vnnd mit willen gesündet / noch so verheißt jnen der heilig Apostel verzeihung jhrer fäleren von dem Herren so sie sich besserind. Vnd was ist offenbarers vnd heiterers / dann das alle glöubigen täglich mit grossem ernst / vnd das nit gleichßnerisch oder lugenhafft sonder waarhafftigklich / bättend / verzeich vns vnsere schulden? Welche nun das bättend / die bekennend das sie sünder sind. Nun verheißt aber Gott das er erhören welle die jn mit glauben anrüeffend / Darumb so werdend denen die jhn anrüeffend auch die sünden verzigen / die sie nach erkannter vnd erlangeter gnad begangen. Die ort aber auß der Epistel zun Hebreeren / welche die Nouatianer zuo bewärung jhrer meynung anziehend / habend wir an anderen orten erleüteret / das es nicht von nöten das wir vns darinnen hie länger saumind. Damit ich aber dises / so wir bißhar von der besserung disputiert / in ein summCCXXXVII. / 237a
ziehe / so söllend wir also mercken / das die buoß ein bekerung zuo Gott ist / vnd wiewol er die selbig in vns durch sein wort vnd andere mittel erweckt / so verschaffet er doch fürnemlich durch seinen geist / das wir jn förchtend / ja jn den gerechten Gott / von dem wir abgewichen warend / vnnd das wir von hertzen traurind / das wir den güetigen vatter mitt vnseren sünden also verletzt vnnd erzürnet. Dann wir demüetigend vnnd nidrigend vns vor seiner ewigen vnnd heiligen Mayestat / vnnd erkennend die sünden / die vns durch das wort Gottes fürgehalten vnd fürgeworffen werdend / ja erkennend das nützit [nichts] gantzes in vns sey / Begärend aber mit Gott versüent zuo werden. Vnd dieweil söllichs nit mag geschähen dann durch den einigen mitler Christum den Herren / so ergreiffend wir den selbigen mit glauben / durch welchen wir von allen sünden ledig gesprochen / heilig vnd gerecht von Gott gerechnet vnd gehalten werdend. Welche nun yetzund dise guothat recht erkennend / die sind der sünd träffenlich feyend / vnd tödend den alten menschen. Darumb so wäre es nun an dem / das ich hie auch noch die übrigen stuck satzte / die zur buoßfertikeit gehörend / wo es nit die notturfft erforderte / dz ich auch etwz redte von der bekantnuß der sünden vnd der gnuogthüeyung für die selbige. Dann von disen beden stucken leerend etliche die von der buoß disputierend / dz der warheit nit gmäß ist. Damit nun üwer lieb wüsse / wz jr mit der warheit hieuon halten söllind / so wil ich mich nit beschwären / mich in erklärung dessen etwz zuo sumen [so lasse sich dieselbig nicht verdriessen / daß wir die erklärung dessen vmb etwas verlengern] / guoter hoffnung dz söllichs nit one grosse frucht by V.L. abgon werde.
Die wörtli confiteri vnd confessio, dz ist / bekennen vnd bekantnuß / werdend in der h. geschrift vf mengerley weiß brucht vnd verstanden. Dann sie heissend etwan / Gott loben / vnd jm vmb empfangne guothaten danck sagen. Dahar bekantnuß gsetzt wirt für lob vnd dancksagung. Dann der Prophet singt / Bekennend dem Herren / dann er ist guot / vnd seine güete wäret ewig. Paulus / da er zuo Tito schreibt von den gleichßneren / spricht er / Sie bekennend oder sagend sie erkennind Gott / aber mit der that verlöugnend sie es. Da heißt dz wörtli bekennen / sagen / sich vßthuon [sich darfür außgeben] vnd rüemen. Etwan heißt es vff die güete Gottes buwen vnd vertruwen / vnd dises vertruwen mit worten vnd wercken bezügen. Also bruchts der h. Joannes j. Joan. iiij[6]. Vnd Paulus zuo Röm. am x[9]. cap. Weiter so heißt bekennen / Gott die ehr geben / vnd frey heiter die sünd vnd dz gricht dz dir fürgworffen wirt / erkennen. Salomon spricht in den weisen sprüchen am xxviij[13]. cap. Der seine mißthaten verhälen / ja auch also zereden schirmen [verthediget] wil / dem schlechts nit wol vß / der es aber bekennt vnd daruon stat / der erlanget gnad. Da wirt in disem spruch im Hebreischen brucht das wörtli ladah, für welches die vnseren sagend / bekennen. Iadah aber heißt hinwerffen vnd nachlassen / als so ein gespanner bogen nachlaßt. Vnd dz wörtli Modaeh ist als vil / als wenn du sagst / ein bekennender / einer der weicht / vnd einem anderen platz laßt. Dann Gott klagt vns an / vnd beschuldiget vns der sünden / vnnd erforderet vns zur straaff. Das erkennt das fleisch nicht bald / sonder sperrt sich wie ein gespanneter bogen / Zuo letst aber so laßt es nach / vnd erkennt das / das jhm Gott fürwirfft. Dise erkanntnuß wirt genennt Modaeh, das ist bekanntnuß / wie auch wir in teüsch sagend / Es hat gelassen / Er hat geschnellt / so wir bedeüten wöllend / das ein ding gewichen / oder das ein mensch bekennt habe / das er etwan lang gelougnet oder verhalten hat. Nun ist aber nicht einerley bekanntnuß der sünden / dann es ist ein göttliche vnd ein menschliche. Von der Göttlichen wöllend wir zum ersten reden / demnach auch von der menschlichen. Die göttlich nennend wir / die heitere zügnussen vnd exempel in der heiligen gschrifft hat / vnnd von Gott selb eingesetzt ist. Dise ist ein freye erkanntnuß vnnd bekennung der sünd die vns fürgeworffen wirt / mit welcher wir Gott alle ehr / vns aber nichts dann schmach zuogebend / vnnd mit deren wir Gott vnnd den nechsten wider den wir gesündet habend /CCXXXVIIv. / 237b
vmb verzeihung ankerend [anlangen] vnd bittend. Die sünd wirt vns aber von Gott selbs fürgeworffen / welcher vns der sünden beschuldiget vnd zur straaff erforderet / vsserlich durch das wort vnd den dienst der menschen / etwan auch durch wunder vnd zeichen /inwendig aber durch das heimlich yngäben seines geists / mit welchem er ein freye vnd heitere bekantnuß der sünden von vns erforderet. Dann ein sölche bekantnuß gefallt jm / die frey vnd vngenötet / nit die gleichßnet vnd erzwungen ist. Es kamend ye die burger von Jerusalem vnd das volck vß der Jüdischen landtschafft zum tauff Joannis frey willig / vnd bekantend jre sünden / die jnen der heilig Joannes mit seiner predig fürgeworffen hat. Also nach der auffart Christi gehn himmel / klagt Petrus dz Jüdisch volck der sünden an / vff welche anklagung gleich in der Histori hernach volget / Do sie aber dz hortend / zerstach sich jr hertz [giengs jhnen durchs hertz] vnd sprachend zuo Petro vnd zuo den anderen Apostlen / Jr männer lieben brüeder was söllend wir thuon? usw. Acto. ij. Also sprang der Kärckermeister zuo Philippis auff / als er deß erdbidems empfand / vnd bekannt seine sünd / wie er von den Apostlen geleert ward. Jtem also auch die Ephesier / die den zauberey künsten ergeben warend / als sie hortend wie der Teüffel mitt den sünen Sceue vmbgangen / die auch die selben künst tribend / forchtend sie jhnen / kamend vnd bekantend jhre sünd. Auß disen vrsachen entspringt gemeynlich die bekanntnuß der sünden.
Die selbig bekanntnuß aber der sünden die Gott befolhen hat / geschicht eins theyls Gott / anders theyls dem nechsten. Die Gott beschicht / beschicht eintweders besonders oder offenlich. Besonders bekennend wir Gott vnsere sünden / so wir vnsere hertzen vor Gott außschüttend / vnd jm allein auffthuond dz verborgen vnsers gemüets / vnnd die sünden die in vns sind erkennend / vnd jhn bittend / das er sich vnser erbarme. Dise bekanntnuß ist gantz notwendig verzeihung der sünden zuo erlangen. Dann so wir vnsere boßheyt vnd vngerächtigkeit nit erkennend / so werdend wir Christum nimmer mit waarem glauben ergriffen / durch den wir allein gerecht gmachet werdend. Es dörffend auch die reüwenden zuo keinem anderen beichtvatter zelauffen / dem sie jr sünd beichtind vnd bekennind / dan zuo Gott / dann der verzeicht vnd tilgket die sünd allein auß. Er ist der Artzet / dem wir vnsere wunden vnd prästen allein offnen vnd entdecken söllend. Jhn habend wir erzürnt / darumb so söllend wir von jm friden vnd versüenung begären. Er allein sicht vnsere hertzen vnnd erforschet vnsere nieren / darumb söllend wir jhm allein vnser hertz offnen. Er rüefft den sünderen zuo jhm / darumb söllend wir zuo jhm lauffen / vor jhm niderfallen / vns jhm bekennen vnd der gnaden begären. Dise bekanntnuß nimpt Gott der erkenner der hertzen an / wenn sie auß eim gemüet kumpt das in Gott gerichtet ist / so sie gleich mit dem mund nit beschehen mag. Dargegen wenn wir gleich mitt dem mund bekennend / vnd aber vnser hertz in Gott nit gerichtet ist / so fragt Gott vnserer ytelen bekantnuß nichts nach / wir beichtind gleich jm oder dem Bapst. Von diser waaren bekantnuß die Gott geschicht / hab ich geredt / da ich doben in der beschreibung der buoß gesprochen / dz die rüwenden jre sünden erkennind. Von deren redt die gschrifft an vil orten. Dauid bättet vnd beichtet in Psalmen vnd spricht / Biß mir gnädig O Herr / vnd erbarme dich mein / nach der vile deiner erbärmbden / dann ich erkenn mein überträttung / vnnd vergiß meiner sünd nimmer / Dir allein hab ich gesündet / vor dir hab ich böses gethon usw. Vnnd inn einem anderen Psalmen / Nach dem ich dir mein sünd offnet / vnnd mein missethat nicht verbarg / so bald ich sprach / Jch wil mein überträttung dem Herren verjähen / vonn stund an hast du die schalckheyt meiner sünd verzigen. Jn dem Euangelio leert vnns der Herr bätten / vnnd mithinzuo auch vnsere sünd bekennen vnnd sprächen / Vergib vnns vnsere schulden /
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wie wir vergebend vnnseren schuldneren. Er heißt vnns auch / das so wir also bätten vnd beichten wöllind / das wir in vnser kämerlin gangind / damit dem himmelischen vatter allein vnser hertz vnd die andacht vnnsers hertzens offenbar seye. Der verloren sun dichtet bey jhm selb auff dem väld bey den schweinen ein bekantnuß seiner sünden / vnd bringt die allein für seinen vatter. Vnd der offen sünder im Euangelio / der gegen dem Phariseer gestellt wirdt / schluog an sein brust / vnd beichtet bey jm selbs mit kläglicher stimm vnd sprach / O Gott biß mir armen sünder gnedig. Wir wöllend auch hören den heiligen Euangelisten vnd Apostel Johannem / der alles das so mit der warheit von diser waren beicht vnd bekantnuß der sünden mag geredt werden begreifft / da er spricht / So wir sagend wir habind kein sünd / so betriegend wir vns selbs / vnd die warheit ist nit in vns. So wir aber vnsere sünd bekennend / so ist er trew vnd gerecht / das er vns vnsere sünd verzeihe / vnd reinige vonn aller überträttung. Auff dise geheime beicht die Gott geschicht / volget auch ein freywillige bekantnuß bey den menschen. Dann die reüwenden demüetigend sich / so offt es der handel an jm selbs / item die eer Gottes vnd der wolstand deß nechsten erforderet / vnd bezeügend auch vor den menschen das sie Gott gesündet habind. Dann also schreyt Dauid / wie jm Natan sein sünd fürhielt / Jch hab dem Herren gesündiget. Also Zacheus / do er sach / das der Herr gelesteret ward / bekannt er sein sünd offenlich / vnd verhieß er wölte sich besseren.
Offenlich zwar bekennend wir Gott vnsere sünden / wie jetzund geredt / aber meer / wenn wir nach gehörtem wort der warheit / nach gemeiner fürgeschribner form / im tempel oder sonst wo ein versammlung volcks bey ein anderen ist / vnsere begangnen sünden erzellend / vnd von dem barmhertzigen Gott der gnaden begärend. Dann bey dem alten volck hatt es Gott also befolhen / dz der priester mit gewüssen worten dem volck vorsprach / das gantz volck aber jm nachsprach / vnd also seine sünd offenlich im tempel bekannt. Dahär es auch on allen zweiffel noch auff den heütigen tag kumpt in der Christenlichen kirchen / das der hirt oder diener der kirchen zuo end der predig ee dann dz volck von einander gange / offenlich im tempel der gmeind die bekanntnuß aller begangnen sünden wider Gott / vnd die anrüeffung der göttlichen erbarmung vorspricht. So sind auch bekannt die offnen bekanntnussen der sünden / so von Esdra Daniele vnd Nehemia beschähen sind. Also halt ich das auch das ein offne bekantnuß der sünden gewesen seye / welche die Juden thon habend / wie es Matheus beschreibt im iij. cap. Dann das gantz Jüdisch land gieng hinauß zuo Joanne dem vorlöuffer deß Herren / vnd wurdend von jm getaufft im Jordan / vnnd bekantend jhre sünd. Dann mit dem das sie den tauff offenlich an namend / bekantend sie auch offenlich jre sünden. Dann der tauff ist ein zeichen der abwäschung der sünden / Darumb welche getaufft werdend / die bekennend sich damit sünder sein. Die aber nitt getaufft wurdend / die meintend sie wärind sonst rein / vnd dörfftind keiner weyteren heiligung. Also bekantend die Ephesier jhre sünd offenlich / die jhre zauber büecher zuosammen truogend / vnd sie verbranntend / Dann mitt dem das sies verbrantend / bekantend sie das sie ein söliche sünd begangen hettind / die deß feürs wärt wäre gewesen. Vmb die bekantnuß aber die dem nechsten geschicht / hat es ein söliche gestallt. Du hast deinen nechsten erzürnt / oder er hat dir etwz zuo leid thon / darumb sind jr vneins vnd ein anderen feyend. Da muoß man nun trachten nach der versüenung / vnd sol deßhalb der ein zuo dem anderen gon / die schuld vnd den fäler der geschehen bekennen / vnd jn darfür bitten / der ander aber sol dem der es bekennt / den fäler güetiglich verzeihen / vnd sich mit jm widerumb versüenen. Von diser bekanntnuß redt der heilig Apostel Jacobus vnd spricht / Bekenne einer dem anderen seinen fäler / vndCCXXXVIIIv. / 238b
bättend für einander das jr gsund werdind. Dann es hatt auch vorhin vnnser Herr vnd säligmacher dise meinung vns geleert / Wenn du dein gab auff den altar opfferist / vnd wirst da ingedenck / das dein bruoder etwas wider dich hat / so laß da dein gab vor dem altar / vnd gang vor hin vnd versüene dich mitt deinem bruoder / vnd denn gang vnd opffer dein gab. Dahär dienet auch die Parabel deß Herren die beschriben wirdt Math. xviij vonn dem der in ewige gefencknuß geworffen ward / der seines herren gnad erfaren hat / vnnd er aber so grimm was gegen seinem mittknecht / das er jm nützit [nichts] wolt nachlassen. Dann im vj. cap. Math. spricht der Herr auch / so jhr den menschen vergebend jre jrrsäl [fäl] / so wirt euch ewer himmelischer vatter auch vergäben / wo jr aber nit vergebend / so wirt euch der himmelisch vatter auch nicht vergeben. Nicht das vns von vnsers vergebens wegen vnsere sünd vergeben werdind / dann also wäre die verzeihung nicht vnuerdient auß gnaden / sonder auß verdienst vnd widergältung. So sie vns aber auß gnaden durch den glauben verzigen werdend / so ist ein sölch hert vnd vnuersüenlich gemüet / ein gewüsse anzeigung / das kein glaub inn eim sölchen herten häfftigen vnd vngüetigen menschen seye. Wo aber kein glaub ist / da ist auch kein verzeihung. Darumb so ist die guotwillig verzeihung ein gewüß zeichen / vnd ein natürliche eigenliche frucht deß rechten waren glaubens vnd der gnad Gottes in vns.
Zuo disen zweyen geschlechteren der verzeihung der sünden / setzend etlich auch dises / nammlich so einer der etwan mit einem schwären laster beladen raths fraget / eintweders ein hirten vnd seelsorger / oder sonst einen der deß worts Gottes berichtet. Dises ist aber mer ein rathsfragen dann ein bekanntnuß. Vnnd wirt nienen [nirgend] gebotten noch verbotten / darumb ist es frey. Deßhalb so sol niemand zuo disem rathsfragen gezwungen werden. So aber ein bruoder vonn einem diener der kirchen oder sonst von einem bruoder einen rath begärt / so erhöuschet die liebe / das du dem bruoder so du ienen [-] kanst / zuo willen werdist vnd dienist. Ja so er es gleich nicht begärt / vnd du sichst aber den bruoder in gfar / so erforderet die liebe abermals das du jn warnist / vnd mit jm handlist als mitt einem bruoder. Dann Paulus spricht zun Galateren / Lieben brüeder / so ein mensch etwan von einem fal übereilt wurde / so vnderweisend jn mit senfftmüetigem geist / jr die da geistlich sind / vnnd sich auff dich selbs / das du nicht auch versuocht werdist / Einer trage deß anderen burde / so werdend jhr das gesatzt Christi erfüllen. Dises dienet aber nützit [nichts] zur bekantnuß der sünden / Darumb wöllend wir widerumb auff vnser vorhaben. Dises hab ich nun bißhär angezeigt von der bekantnuß der sünden / die Gott yngesetzt vnd befolhen / auff das wöllend wir auch etwas von der bekanntnuß der sünden reden / die von menschen erfunden vnd yngesetzt ist. Die ist zweyerley / ein offne ceremonische / die man gemeinlich nennt exhomologesin, vnnd ein besondere heimliche / die man nennt die orenbeicht. Die offen aber ist ritualisch oder ceremonisch genennt worden / darumb das es mee ein eussere buoßwürckung / dann ein erkanntnuß oder bekanntnuß der sünden ist. Dann Isidorus Hispalensis Episcopus libro Etymol. 6. cap. 18. spricht. Exhomologesis ist ein disciplin vnd züchtigung den menschen zuo nidrigen vnd zuo demüetigen / mit bekleidung vnd speyß / im sack vnd in der äschen liggen / den leyb mit vnziert entgstalten / dz gemüet inn leid ernideren / vnnd das daß einer gesündet / mitt trauriger üebung verbesseren. Welche wort deß Bischoffs Jsidori ich ewer lieb nitt vorgeläsen hette / dieweil er nicht ein überauß vernampter leerer / wo sie nit auch stüendind vnnd geläsen wurdind in dem buoch Tertulliani de poenitentia, wo auch Eusebius dessen nitt ein exempel beschribe. Welcher Ecclesiast. hist. lib. 5 cap. ultimo also spricht / Natalis der marterer / ward von den kätzeren betrogen / zuo letst verstuond er denCCXXXIX. / 239a
jrthumb /stuond früe auff / legt ein härin kleid an / besprengt sich mit äschen / beweinet seinen jrthumb mit vilen trähen [trähnen] / fiel nider vor den füessen Zephirini deß Bischoffs / vnd bewegt also liggende in grossem leid zuo den füessen nit nun der gantzen priesterschafft sonder auch aller leyen die gantze gmeind zuo weinen / vnd das sie jhm gnad vnd verzeihung von Christo mit stätem vnd vnabläßlichem gebätt erlangetind. Von den breüchen aber der offnen buoß wöllend wir bald hernach reden. Dise ceremonische buoß / wie die bey den alten brucht / find ich nit von Gott gebotten sein / also / das wer auff den heütigen tag etwz laster begangen / das der gleich müesse offenlich buoß thuon wie sie es im brauch habend. Dann so lißt man dz dem sündigen vnd Ehbrüchigen wybli im Euangelio söliche buoß seye auffgelegt worden? vnd vil ander sünder mer sind durch Christum zuo gnaden Gottes auffgenommen worden on söliche buoß. Dann es ist mencklichem bewüßt / wz der Herr Christus gehandlet mit Matheo / mit Zacheo / mit Petro dem verlougner vnd vilen anderen. Darumb so glaubend wir nit one vrsach / das die alten Bischoff vnd priester von züchtigung wegen / vnd damit man dest minder freyheit hette zuo sünden / dise offne weiß buoß zuo würcken erfunden habind. Dann je so spricht Hermius Sozomenus Salaminius ein fürtreffenlicher geschichtschreiber der kirchen sachen lib. 7. hist. cap. 16. also. Von anfang hat es den priesteren gefallen / dz gleichsamm als in einem schowspil vor der gantzen menge der kirchen die sünden geöffnet wurdind. Merck das er spricht / es hat den priesteren gefallen. Er setzt auch darbey / das ein priester seye verordnet worden / zuo welchem die gegangen die gesündet / vnd habind jm jre sünd bekennt / habind auch darauff von jhm buoß empfangen / was sie nammlich thuon oder leyden söltind. Gleich darnach beschreibt er auch wie es in der Römischen kirchen mitt der offnen beicht oder buoß zuogange. Setzt darnach drauff also. Jnn der kirchen zuo Constantinopel / was ein priester den beichtenden verordnet / das ampt versach er so lang / biß das ein edle fraw / die jm jr sünd bekannt / vnd darüber von jm geheissen ward fasten vnd Gott anrüeffen / vnnd deßhalb so lang in der kirchen verzoch / biß sie von einem Diacon mit huory befleckt sein kuntbar ward. Vonn welcher sach wegen man den priesteren gar übel redt. Da was Nectarius der Bischoff angsthafft vnnd zweyfelhafft wie er der begangnen sach thuon wölte / vnd stieß den Diacon / der ein söliche schand hat dörffen thuon von seinem ampt. Vnd dieweil etlich rietend / er sölte es einem jeden frey lassen / das er möchte zur gemeinschafft der geheimnussen vnnd Sacramenten Gottes gon / nach dem vnnd ein jeder bey jhm selb wolbewüßt vnnd guots vertrauwens wäre / da thet er das beichthören ab. Vnd von dem selbigen an hat diser rath dem Nectario gegäben über hand genommen / vnnd wäret noch heüt zum tag usw. Jtem im anfang deß dritten Capitels spricht gedachter Sozomenus auch also / Nectarius der Bischoff zuo Constantinopel hat zum ersten auffgehept vnd dennen thon auß der kirchen den priester der den beichtenden verordnet was. Welchem hernach gar nach alle Bischoff nachgefolget sind usw. Nun hette aber Nectarius der sonst ein heiliger Bischoff was / dise exhomologesin nicht abthon / wenn er gewüßt hette das sie vonn Gott wäre yngesetzt / er hette sie auch nicht dörffen noch söllen abthuon. Darumb so hat er gewüßt / wie es auch Sozomenus bekennt / das dise form allein auß rathschlag vnnd guotduncken der Bischöffen also inn der Kirchen was gebrauchet worden. So läsend wir auch nicht das Joan. Chrysostomus / der grad zuo nechst auff den Nectarium kommen / vnnd gar ein fleißiger vnnd ernsthaffter Bischoff gewesen ist / dise Ceremonische abgethone buoß widervmb auffgerichtet habe. Dann er schreibt in der ein vnnd dreißigsten Predig über die Epistel Pauli zun Hebreeren / Jch sag nicht das du dich offenlich vor
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der menge herfür stellist / noch das du dich selb vor ander leüthen anklagist / sonnder ich wil das du gehorsamm seyest dem Propheten der da spricht / Offne dem Herren deinen wäg. Darumb so bekenn deine sünd vor Gott / dem waren richter / dem vergich [verjehe] deine fäler mit gebätt / nicht mit der zungen / sonder mitt der gedechtnuß deiner gewüßne / vnd denn glaub erst das du barmhertzigkeit erlangen mögist / wenn du stäts inn deinem hertzen haben wirst usw. Deßgleich über den lv. Psalmen / Schämpst du dich jemand zuosagen dz du gesündet / so sag deine sünd täglich in deiner seel / Nicht sag ich / das du sie deinem mitknecht bekennen söllist / das er dirs verweiße / sags deinem Gott / der den selbigen nachfragt. Sagst du jms nitt / so weißt ers dennocht / dann er was zuo gegen / do du es thetist. Jtem weiter an einem anderen ort. Jch füeren dich nicht das du ein schowspil werdist deiner mitknechten / ich zwingen dich nicht dem menschen deine sünd zuo entdecken / Eräfere vnd eroffne dein gewüßne vor Gott. Zeig dem Herren dem besten artzet deine wunden / vnd begär der artzney von jm. Jtem / Hüet dich dz du es nit einem menschen sagist / damit er dirs nit verweißt. Dann man sols nicht einem mitknecht bekennen der es außbringe / sonder dem Herren / der sorg für dich tregt / der freüntlich vnd darbey auch ein artzet ist / darumb zeig deine wunden dem selbigen an. Jtem er füert auch den Herren selbs yn also redende / Jch zwingen dich nicht das du mitten auff ein schowplatz trättist / vnd vil zeügen darzuo nämmist / sag mir dein sünd besonders allein / damit ich deinen prästen heile. Dise wort Chrysostomi zeigend alle heiter gnuog an / das dise ceremonische buoß / wie die etwan in der kirchen gebraucht worden / nitt von Gott yngesetzt / vnd nit vnbillich auß der kirchen thon / vnd von den Bischoffen nitt gleich wider hinein thon seye. Das aber in der Römischen kirchen vonn deren noch vil überbliben seye / wirt nit gar on allen grund angezeigt. Aber was gat das vns an / was ein jede kirchen zuo halten oder zuo lassen angenomen habe / wir söllend mee dem nachfragen was vnns Christus befolhen vnnd die Apostel gelert habind. Von deren leer achten ich seye nun gnuogsam geredt.
Die besonder oder heimlich beicht ist allein den priesteren / das es sonst niemands gehört / geschehen. Dann da flißmet [bläset] einer heimlich seine sünden inn deß priesters oren der zur stillen beicht verordnet ist / vnd von dem wirt er mit gewüssen vnd gefaßten worten absoluiert / vnd meint dannethin er seye rein vonn allen sünden. Darumb hab ich dise ein oren beicht genennt. Vonn deren hatt man zuo der Apostel zyten nützit [nichts] gewüßt / vnd wiewol sie sich zeitlich angefangen erheben / so ist sie doch anfencklich frey gewesen / vnd ist erst hernach vom Bapst gebotten / vnd mit grosser reühe [gewalt] erzwungen worden / do es vmb die kirch gantz verderblich vnd übel stuond / nammlich do man zallt von Christi geburt tausend zweyhundert vnd fünfftzehen jar / oder deß vmb [-] . Vnd ist doch bei 80. oder mer jaren daruon disputiert worden ob es gnuog seye Gott beichten / oder ob man auch verzeihung der sünden zuo erlangen dem priester beichten müesse / ee dann ein gewüß gsatzt darumb jederman auffgelegt wurde. Hugo im buoch de Ecclesiastica potestate ligandi & soluendi hatt also hinder jm geschriben verlassen. Jch sag fräfenlich [dürstiglich] herauß / welcher zur gemeinschafft deß leybs vnd bluots deß Herren gat / ee dann er vom priester absoluiert / der ißt vnd trinckt jm selb gewüß ein vrtheil / ob er gleich grossen reüwen hatt vnd vil trauret vnd seüfftzet. Dises hat Hugo freylich fräfenlich [dürstiglich] geredt / es seye dann sach das vns das wort Gottes falsch leere. Diser hat geläbt on gfar wie man zellt 1130. Nicht lang auff jn ist kommen Petrus Lombardus / den man gemeinlich den magistrum sententiarum nennt / darumb das er die sententz vnnd sprüch der vätteren zuosammen gelesen / vnd jre leer also summarischer weiß der wält fürgestellt hatt. Von welchem buoch ich jetz nicht reden wil / wie es seye. Der sol geläbt haben vmb die zeitCCXL. / 240a
ongefar als man zalt 1150. Der zeiget erstlich an Sententiarum lib. 4. Dist. 17 & 18. auß den sprüchen der vätteren / das die beicht vnnd bekantnuß der sünden die allein Gott geschicht / gnuog seye. Darnach setzt er andere sententz vnd sprüch darauff / die das widerspil leerend. Zum letsten setzt er auch sein meinung darzuo / vnd schleüßt also. Auß disem wirt vngezweifelt angezeigt dz man zum ersten Gott / vnd darnach dem priester bekennen müeße wo es sein mag / anderst mag man nit in das Paradiß kommen. Jtem / So ist nun gewüß das es nit gnuog ist Gott beichten one den priester / vnd ist keiner recht demüetig vnd rüwig / wenn er deß priesters vrtheil nit begärt vnnd erforderet. Gratianus der das decret zuosammen gesurpplet [geraffelt] / ist denocht etwas freyer dann diser Lombardus / mit dem er zuo einer zeyt geläbt hat. Der beschleüßt nichts eigenlichs / sonder setzt beder meinungen sententz / das man dem priester die sünd beichten müesse / vnd nit müesse / vnd laßt hierinn dem läser sein freyes vrtheil / dann er beschleüßt also. Auff was gründen vnd vrsachen jetwedere meinung von der beicht vnd gnuogthüeung stande / habend wir kurtz erklärt / welcher man aber vnder denen anhangen sölle / das ist dem vrtheil deß läsers vorbehalten. Dann jetwedere meinung hatt weise vnd Gottsförchtige männer / die jhren anhangend. Dises schreibt Gratianus gleich bey dem end Distinct.I. de poenitentia.
Nach fünfftzig jaren hernach ist gefolget Lotharius Leuita ein doctor von Pariß / vnd ein fleißiger nachfolger Lombardi. Diser ist Bapst zuo Rom vnd Innocentius III. genennt worden / der hat zuo Rom ein allgemein Concilium versammlet / das man nennt Lateranense / in dem hat er das gsatzt gemachet / welches Gregorius der IX. in seinem decretal de poenitentijs & remissionib. lib. 5. cap. 12. gar nach mit disen worten anzeücht. Ein jeder glöubiger / er seye man oder weyb / nach dem er zuo seinen jaren vnd zuo seinem verstand kumpt / sol allein alle seine sünden im jar einmal seinem eignen priester mit guoten treüwen beichten vnd bekennen / vnnd sich fleissen sein aufferlegte buoß mit seinen eignen krefften zuo erfüllen / vnd auffs wenigist zuo Osteren andechtiklich empfahen das heilig Sacrament der dancksagung / es seye dann sach / das er auß rath seines priesters von etwas billicher vrsach wegen sich vonn sölichem empfahen überheben wurde. Sonst sol er läbendig von dem yngang der kirchen außgeschlossen / vnd so er stirbt / Christenlicher begrebt beraubet werden. Dises ist das neüw gsatzt / das gar vil vngereympts vnd gottloses dings begreifft. Dann (das ich den meereren theil nit mälde / sonder allein eins oder zwey) ist das nit gar wider Gott / den sünder zuo neißwan [-] einem eignen priester weysen / so doch der Herr Christus seiner kirchen allein diener vnd verkünder seines worts gegeben / er aber allein bleibt der allgemein vnnd eines jeden in der kirchen eigner priester biß an das end der wält / zuo welchem allein die glöubigen diener alle sünder vonn jhnen gen beichten weisend. Dann Johannes sprach / Jch bin nicht Christus / sonnder vor jhm här geschickt / das ich vonn jhm zeüge. Zuo dem / was ist Gott nachteiligers / dann das vnserem beichten vnnd deß priesters absoluieren als einem menschlichen werck die verzeyhung der sünden zuogeben wirt? Vnnd wer ist doch der alle seine sünden einem menschen vnd priester bekennen möge? Schreyt nicht Jeremias / deß menschen hertz ist böß vnd vnerforschlich? Singt nit Dauid / wer merckt die jrrungen? reinige mich vonn meinem verborgnen. Es ist vnmüglich eim menschen alle seine sünden bekennen. Vnnd darumb wenn er sein gemüet auß zwang dises gsatztes / nach diser rechnung richten wil / so ist nit müglich / dann das er tieff in die gruoben der verzweiflung fallen muoß. Söliche burde wirdt als notwendig die verzeihung der sünden zuo erlangen / dem freyen hals der Christglöubigen auffgelegt / vnd das wider das Apostolisch decret / das beschriben wirt Actorum am fünfftzehenden.CCXLv. / 240b
was solt auch ein sünder mit seinen eignen krefften außrichten? was krefften habend wir doch zum guoten?
Es tauret vnd verdreüßt mich aber der vnuerschampte diser leüthen / das die dise jre orenbeicht / als ob sie vom Herren yngesetzt / erst auch auß der geschrifft vnderstond zuo schönen vnd zuo bewären / vnd zühend zuo sölichem herfür die red deß Herren zuo dem aussetzigen / Gang hin vnd erzeig dich dem priester. Da sie aber nicht nun dises / sonder auch alle andere ort der gschrifft die sie anzühend / vnuerschamptlich krümmend vnd zwingend wider jren natürlichen sinn vnd verstand. Deren ich allein eins anzühen wil. Bonauentura inn seinen commentarijs über die sententias Magistri lib. 4. Dist. 17. quaest. 3. erdenckt zwey ding / die in der beicht seyend. Ein förmklichs / nammlich die absolutz / oder den gewalt zuo heilen / vnnd dises spricht er seye vom Herren yngesetzt durch das übergeben der schlüßlen. Das ander aber ein materlichs / das seye das beichten der sünden. Vnd dises spricht er habe der Herr wol für sich selbs nicht yngesetzt / sonder allein entworffen oder angereiset [angedeutet]. Dann bald hernach setzt er dise wort / vnd darumb so ist die beicht vom Herren angereiset [angedeutet] / von den Apostlen yngesetzt / vnd von dem Bischoff zuo Jerusalem S. Jacob nammlich promulgiert vnd eroffnet. Dann wie er den sententz das man die ceremonischen gesatzt nicht halten sölle eröffnet Acto. xv / Also hatt er auch die beicht allen sünderen auffgelegt / da er spricht / Bekennend ein anderen eüwere fäler. So vil diser Bonauentura. Wer wil sich nun da nit verwunderen ab der blintheit diser zeyt? Es erkennt diser leerer / das die orenbeicht vom Herren nicht yngesetzt seye / dann allein tunckel / verwicklet / vnd auß volg anderer dingen / die Apostel aber habind das gemüet Christi erleüteret vnd sie yngesetzt / vnnd S. Jacob habe den sententz gefellt / vnd in der Apostlen nammen eroffnet. Vnnd die wort der eroffnung setzt er hinzuo / vnd bekennend ein anderen eüwere sünden oder fäler. Was ist nun geschrifft krümmen / wenn es das nicht ist? Es sölt ein blinder sehen / wie bloß die fächter wärind [sich geben] / die ein sölichs waffen brauchend / das nicht nun nit eichin oder buochin / sonder gar ströwin ist / mit welchem sie doch schirmend vnd fächtend als wer es Achillis oder Hectoris spieß. Nichts ist heiterers / dann das der Apostel da nicht redt von der heimlichen oren beicht / sonder von deren / die vmb ein anderen geschicht zuo beden seyten von denen die ein anderen erzürnt vnd verletzt / vnd jetz aber frey einer dem anderen seine sünd bekennt / ein ander wider versüent werdend / vnd für ein anderen bittend. Vonn welcher ich da oben etwas geredt hab. Vnd gesehend nit das zwey ding in disen worten deß Apostels sind / die sie gar zuo gspött vnd zuoschanden machend / wenn mans eigenlich erwigt. Dann zum ersten so braucht der Apostel das wörtli allêlois, welches heißt ein anderen / vnder ein anderen / eins vmbs ander. Darauß wir also schliessend / sol man nach dem gebott deß Apostels einer dem anderen die sünd bekennen / vnd allêlois heißt ein anderen / eins vmbs ander / das ist das je einer dem anderen / vnnd der ander dem widerumb die sünd bekenne / wie es dann eigenlich vnd warlich heißt / so volget vnd ist von nöten / das nach dem die leyen den priesteren gebeichtet habend / die priester auch hinwider den leyen beichtind / denn das heißt eins vmbs ander beichten. Dann wir nennend philousin allêlous, für / sie habend ein anderen lieb / dz ist eins das ander / eins vmb das ander / wider hinumb. Jst nun das den priesteren schwär / also erkennind / dz dises ort deß Apostels nichts thüege zuo jrer heimlichen orenbeicht die sie nun von jres nutzes wegen erdacht habend. Darnach so setzt Jacobus hinzuo / vnd bättend für ein anderen / das jr gesund oder heil werdind / stellts also zuosammen / vnd knüpffts gleichsam vnder ein joch / das bekennen vnnd das gebätt. Darauß wir abermals also schliessend / Sol man allein den priesterenCCXLI. / 241a
beichten / so sol man auch allein für die priester bitten. Man sol aber nit allein für die priester bitten / ergo, so sol man auch nitt alein den priesteren beichten / sonder ye einer dem anderen eins vmbs ander. Dises ort Jacobi sol auch nit verstanden werden von einer heimlichen oren beicht / sonder von der offnen bekanntnuß / durch die widerumb mitt ein ander eins werdend / die einanderen vorhin erzürnt vnd verletzt hattend / vnd yetzund ein ander versüent für ein anderen bittend das sie heyl werdind. Darumb so beschliessend wir das vngezweiflet / das die beschirmer der oren beicht niendert [noch nicht] erzeigt habind noch erzeigen mögind / das sie von Gott eingesetzt sey.
So sie aber nun sehend das sie fallen wil / so wöltends jren gern zuo hilff kommen / vnnd sie etwar mitt vnderstützen / vnnd sagend deßhalb / man müesse dise jhre beicht in der kirchen behalten allein von züchtigung vnnd straaff wegen / dann von deren wegen sünde der mertheyl volcks dest minder / deßgleich auch von der besonderen absolution vnnd deß besonderen trosts deß Euangelij wegen. Jst nun die orenbeicht der kirchen so nütz vnnd guot / wie sie jhren ein ansehen machen wöllend / wie kumpt es denn das jhren die kirchen vonn der Apostel zeyten har bey tausend jaren gemanglet hatt? So ist es auch zuo verwunderen / das sie die Apostel niendert [niergends] braucht noch gebotten habend. Nun ist aber offenbar / das denen in der alten zeyt vor der zuokunfft Christi / nun nützit vonn diser beicht getroumt hatt / vnnd das auch die Apostel der Kirchen kein notwendig stuck verhalten. Was disciplin vnnd zucht sie auch inn der Kirchen Gottes angerichtet / das zeigend an die vnreinen laster vnnd schandtlichen thaten. Dann es habend die beichtkinder vnnd beichtvätter greüliche laster auß erwegung der vmbständen erlernet / dadurch ist anlaß vnnd vrsach gegeben worden zuo vil huorey vnnd Eebruch. Jn der beicht hat man der weyberen vnnd töchteren ehr mehr dann guot sey oder sich zimme zuo mälden zuogesetzt vnnd schmach zuogefüegt. Aller menschen heimligkeyten habend dise beichtvätter erkundiget / welches jhnen nicht wenig fürschubs geben hatt jhre tyranney zuo befestnen. Es habend waarlich die beychtvätter alle jhre beichtkinder wie mans genennt / dest baß können *berauben vnnd strauffen* [schinden vnd schaben] / dieweil sie gewüßt was guots ein yeder vermögen / vnnd wie er das selbig überkommen. Vnd dieweil die vorständer deß Regiments gewüßt / das die Pfaffen vmb jre laster guot wüssen tragen / so habend sies müessen förchten. Dahar ist es kommen / das sie sich auch dem grossen verderben vnd muotwillen der Pfaffen / mit keinem ernst widersetzt / der sonst vnder dem volck Gottes nit wäre gelitten worden. Da hat man gehört von jnen sölliche reden / Jch hab erfaren vnnd weyß bey dem seß auß der beicht / was für mann weyber vnd Jungkfrauwen in diser Statt sygind. Jch kan frey mit einem yetlichen vmbgon wie er ist. Es hett mich yederman vor augen vnd förchtet mich / dann sie wüssend / das ich jhnen zuo hinderest in das hertz hinein gesehen hab. Es sind auch wol etwan die heimligkeyten der beicht geschwätzt worden mitt höchster gefar deren die beichtet. Etwan hat man verrättereyen durch die beicht zuo wegen bracht / vnd deren nit wenig noch geringe. Wie hat man es aber so wol geschaffet / wenn wir von eines menschen vnd beichtvatters fleischlicher forcht vnd scham wegen / vnd nit von wegen rechter forcht Gottes auffhörend sünden / so wir Gott nit förchtend zuohaben für ein zeügen vnserer gewüßne / vnd ab seinem vrtheyl nicht erschräckend? Zuo dem / das so dise orenbeicht in der kirchen auffgericht wirt / man nichts anders machet / dann das gebott Gottes von vnser satzungen wegen dester minder giltet / vnd wir dester minder dem Herren selb beichtend. Dann so offt vnns gleich die sünden zuo sinn kömmend / so schlahend wirs mit grosser sicherheyt von hertzen / biß das die zeit kumpt das manCCXLIv. / 241b
beichten sol. Vnd wenn die selbig kumpt / lieber wer ist der mit freyem gemüet darzuo gange? Darumb vrtheylind alle verständige zuohörer / was das für ein disciplin vnd züchtigung sey / vnd wie sie Gott gefallen möge.
Dz man von der besonderen absolution heryn bringt / dz ist gar ein menschlichs gedicht / dessen inn der heiligen geschrifft weder gebott noch exempel ist. Von sünden / Jtem vonn schuld vnnd peyn absoluiert in der waarheyt niemand dann allein Gott / deß dise ehr allein ist. Der diener verkündet vnnd bezeüget mitt der Predig vnnd dem trost deß Euangelij / das dem glöubigen die sünden verzigen sygind. Vnnd dise verkündung vnd Predig der verzeihung die auß dem mund vnnd wort Gottes genommen / ist die absolution / mitt deren der diener absoluiert. Dise wirt nichts krefftiger / wenn sie der diener dem sünder besonders inn das ohr raunet. Die offentlich allgemeyn verkündung deß Euangelij / die also vonn Christo dem Herren selb eingesetzt ist / ist einem glöubigen gemüet gnuogsam / welches nicht auff deß dieners gebärd / sonder vil mehr auff die waarheyt dessen / in dessen nammen der diener handlet / sicht. Ja / sprächend sie / Wenn aber der sünder hört das man zuo jm besonders spricht / Jch absoluieren dich von deinen sünden / in krafft der schlüßlen / so verstadt er dest baß das jhm die sünd vergeben sygind / weder wenn die verzeihung allein in gemeyn verkündet wirt. Dem setzend wir aber entgegen das exempel der heiligen Apostlen / Dann da die Hierosolymiter sie gehört / vnnd in jhren hertzen durchstochen warend vnnd sprachend / Was söllend wir thuon jhr männer lieben brüeder? Do antwortet Petrus / Besserend eüch / vnnd lasse sich ein yeder vnder eüch tauffen vnnder dem nammen Jesu Christi zur vergäbung der sünden usw. Vnd es wurdend hinzuo gethon desselben tags bey dreytausent seelen. Wer ist aber der da nicht verstande / das diser grossen vile in gemeyn mitt einander der Tauff gegeben / vnnd die verzeihung der sünden verkündet sey worden / vnnd das man nicht einem yeden besonders in das or geraunet / Bruoder dir werdend deine sünd verzigen? So mag auch waarlich ein Gottsäliger mensch den waaren glauben in Christum / durch welchen die verzeihung der sünden gegeben wirt / nicht minder wol vnd eigentlich auß der allgemeynen offentlichen verkündung deß Euangelij lernen / dann auß söllichem orenblasen. Besonders dieweyl die offentlich verkündung von Gott gebotten / das orenblasen aber nicht / Jtem dieweil das Euangelium einem yeden besonders ob es gleich in gemeyn verkündet wirt / die gnad Gottes zuo eignet / deßgleich auch die Sacrament bezeügend / das die verzeihung der sünden vnnd die himmlischen gaben eines yeden sygind der in Christum glaubt. Dises sag ich aber nicht darum / das ich es für vnrecht halte / eim vnnd dem anderen das Euangelium besonders predigen / so es sich also zuo trüege / oder dem glöubigen mitt den worten Christi verzeihung der sünden zuosagen / sonder ich disputieren wider die / die da meynend / die allgemeyn vnnd offentlich verkündung deß Euangelij (wie die von den Apostlen gebraucht ist) die allen vnd yeden glöubigen verzeihung der sünden verkündet / syge nicht gnuog / es sey dann sach das der sünder zum Priester gange / seine sünd bekenne / vnnd von jhm besonders ein besondere absolution begäre vnnd empfahe. Dann von der besonderen absolution wegen / meynend sie sölle man auch die besonder orenbeicht behalten.Ja sprächend sie / Es ist nicht vnser meynung / das man alle vnnd yede sünden mit sampt jren vmbständen erzelle. Was ists aber denn mer? Lieber wer hatt joch nun etlich sünden geheissen dem priester ins or raunen? Die erste kirch hat den priesteren weder wenig noch vil sünden gebeichtet. Bonauentura bezüget / dz vor Jnnocenti dem dritten deß nammens / nit für kätzer sygind gehalten
CCXLII. / 242a
worden / die da wöllen / das die beicht die Gott allein vnd nit den priesteren geschähe / den glöubigen gnuogsam sey. Aber nach dem er das Decret lassen außgon von der beicht / das die auch eim yeden eignen Priester beschehen sölle / da werdind yetz die für kätzer gehalten / die da leerind man sölle allein Gott beichten. Gerad als ob Jnnocentius gewalt habe gehept ein neüwen artickel deß glaubens zemachen / dessen die kirch von Christo an zwölffhundert vnnd mer jaren gemanglet. Sind nun die nit für kätzer gehalten worden / die vor dem Jnnocentio geläbt / ist auch Nectarius mitt sampt der kirchen zuo Constantinopel nicht verdampt worden / darumb das er die exhomologesin ab vnd auß der kirchen thon hatt / die doch vil anders vnnd besser ist gewesen dann die oren beicht / so wirt freilich auch vnns kein glöubiger verdammen / die wir die beicht vnnd bekanntnuß die von Gott yngesetzt ist / die man Gott vnd dem nechsten thuot / haltend / vnd allein die heimlich orenbeicht verwerffend / als die der kirchen Gottes mer schaden bringt / dann ehr oder nutz.
Dieweil ich aber nun bißhar von der heimlichen orenbeicht geredt / an deren auch die tractation hanget von der satißfaction / dz ist von der gnuogthüeung / so erforderte wol die ordnung vnnd notturfft das ich auch von der selbigen hie etwas redte / wenn ich söllichs nitt gnuogsam thon hette in anderen disen meinen predgenen / namlich in der vj. vnd ix. Jtem in der xxiij. da ich disputieren von den trüebsalen der glöubigen / deßgleich in der dreißigsten / vnd hieuor in der ein vnnd dreißigsten / da ich vom Euangelio handlen. Die Münch vnd Pfaffen leerend / das besserung vnd der glaub in Christum nit gnuogsam sey verzeihung der sünd zuo erlangen / wenn nicht auch die gnuogthüeung vnserer wercken darzuo komme / welche sie zellend / sackgewand / fasten / weynen / gebättli / allmuosen / opffer / mancherley kestigung [casteyung] deß leibs / walferten [wallfarten] / vnnd vil dergleichen mer / dann mitt disen stucken werde die peyn die wir mitt den sünden verdient / (dann sie sagend es werde allein die schuld verzigen) hingenommen / vnnd als mitt einem starcken wulckenbruch außgelöscht. Wir habend aber auß der heiligen geschrifft geleert vnnd angezeiget / das Gott nicht nun die schuld sonder auch die peyn vnnd straaff der selbigen auß gnaden verzeyhe vnnd schäncke. Wir habend auch geleert das die menschen nicht durch jhr eigne werck vnnd verdienst / sonnder auß der lauteren gnad Gottes durch den glauben Jesu Christi gerechtgemachet werdind / dann sonst wäre Christus vergebens mensch worden / vnnd hette sich vergäbens inn den bitteren tod deß Creützes begäben. Darumb so sagend wir yetzund / So wir nicht durch vnsere werck gerechtgmachet werdend / so thuond wir auch mitt vnseren wercken nicht gnuog für die sünd / dann so vil die summ vnnd substantz antrifft (wiewol ich es darnebend nicht vermischen / sonnder erkenn den vnnderscheyd darunder) so ist gerechtmachung vnnd gnuogthüeung [Denn ...(...)... im grund] eins als vil als das ander. Durch die gerechtmachung Christi werdend wir absoluiert / durch die gnuogthüeung Christi / oder von der gnuogthüeung Christi wegen werdend wir absoluiert. Christus ist vnsere gerächtigkeyt / deßhalb auch vnsere gnuogthüeung. Jn Christo ist das wärd vnserer erlösung / nit in vns / wenn wir für vns selb gnuog thuond / so ist das wärd der erlösung in vnns selb / so sind wir selbs erlöser vnnd Christi / Welches Christum außtilgket / vnnd deßhalb auff das höchst Gott lesterlich ist. Moses bricht inn seinem gsatzt on alle arbeyt alle argument von der gnuogthüeung vnserer wercken [Es ist Mose nicht schwer/ vns allen behelff / darauff ... gebawet wirdt / in seinem Gesetz zunemmen.] / dann inn dem das er beschreibt die form der versüenung der sünden / da gibt er den wercken der menschen gar nichts zuo / sonnder alles nun den opfferen. Mitt den selben ist aber das einig opffer Christi fürbildet vnnd bedeütet worden / wie wir das alle einhällig bekennend. Zuo dem dienet auch das dises dieCCXLIIv. / 242b
einig verkündung vnnd verheissung deß Neüwen Testaments ist / Jch wil gnädig sein jren vngerechtigkeytten vnnd überträttungen / vnd jhrer sünden nit mer gedencken. Wo nun ein sölliche verzeihung ist / da ist kein opffer oder gnuogthüeung für die sünd. Darzuo so glaubend wir verzeyhung der sünden / Wenn aber der schuldner seim schuldherren gnuog thuot / lieber was verzeicht er jhm? Darumb so wirt diser artickel vnnd die hauptverheissung vnnd verkündung deß Neüwen Testaments mit der leer von der gnuogthüeung vnserer wercken für die sünd / gar vmb keert vnd zuo boden gerichtet.
Weynen / fasten / sackgewand / allmuosen / vnd andere werck der gottsälikeit / der demuot vnnd liebe / erkennend wir jhren platz in der buoß haben / von welchem an seinem ort wirt geredt werden / das aber mit denen für die sünd gnuog geschähe / das laugnend wir in all wäg / damit wir nit das wärd der erlösung Christi außlärind. Wir erkennend wol das der Herr etwan die gestraafft / denen er doch die sünd geschenckt vnnd verzigen hat / als Adamen vnd Euam vnsere elteren / Jtem Dauid den Eebrächer vnnd Todtschleger. Jch hab aber vormals anzeiget das die selbigen trüebsalen nicht gnuogthüeungen gewesen sind für die sünd / die jnen Gott schon geschänckt vnd nachgelassen hat / sonder üebungen Gottes zur züchtigung vnd demuot / der damitt die seinen also im gereiß behaltet / vnd mencklichem anzeigt vnnd zuo verston gibt / wie hefftig er die laster hasse / ob er sie gleich auß gnaden verzeicht. Darumb damitt wir nicht von der gnädigen verzeihung wegen dest geneigter sygind zuo sünden / so straafft er sie / vnd stelts vns zum exempel für. Vnd läsend deßhalb niendert [nirgends] das die glöubigen yendert [jemals] jren trüebsalen die gerächtmachung vnd gnuogthüeung eigentlich habind zuogäben. Es gibt wol der Prophet Daniel dem aller mächtigisten Künig Nabuchodonosor ein rath vnnd spricht / Löß deine sünd mit gerächtigkeyt / vnd dein mißthat mitt barmhertzig sein gegen den armen leüten. Hiemitt schreibt er aber dem Künig für / wie er sich fürohin inn seinem läben vnd in der verwaltung seines Reichs halten sölle / dann er hat bißhar vil völcker vndertruckt / vnd sich versündiget mit vnbarmhertzigkeyt / darumb so rhatet er jm / das er sein vorgend läben ändere / gerächtigkeyt würcke / vnd yederman guots thüege. Vnd redt deßhalb nicht von der gnuogthüeung für die sünd vor Gott / sonder vor den menschen / dann es ist in keinem anderen das heyl dann in Christo. So aber yemand stracks auff dem buochstaben liggen [bleiben] wölte / so sagend wir / das der glaub der Christen gerächtigkeyt ist / mitt deren die sünden eigentlich versüent werdend / der selbig aber ist nit on wolthat vnnd liebe / welchen stucken die gerechtmachung nit eigentlicher weiß zuogäben wirt. Von welchem ich geredt hab / da ich disputiert von den guoten wercken.
Darumb da S. Peter auß Salomone anzeücht / die liebe bedeckt die vile der sünden / da wirt das wörtli bedecken nit für versüenen gebraucht / dann die sünden werdend allein durch dz bluot Christi versüenet vnd gereiniget / sonder wirt genommen für abwenden vnd abtreiben. Dann wie sich selbs lieben gar nach aller lasteren vrsprung ist / also wirt auch die liebe gehalten als ein abtreibere gar nach aller lasteren. Dann die liebe thuot dem nechsten nichts böses. Das sie aber yetz auch den Euangelischen sententz / ja die wort Christi deß heylands fürwerffend / Jren werdend vil sünd vergeben / dann sie hat vil geliebet / da verstond sie nitt / das daß wörtli hoti, das man gmeynlich teütschet / dann / oder darumb / ein nota illationis ist / das ist ein gemerck der volg / vnd das kein anderer verstand daruß mag geläsen werden / dann der / Jhren werdend jhre vil sünden vergeben / darumb hatt sie vil geliebet / oder / dahar kumpt es / das sie vil liebet. Vnnd ist nicht das wir die wort zwingind auff einen widerwertigen sinn oder verstand. Dann in der Histori im Euangelio stat grad daruor / Zuo dem
CCXLIII. / 243a
ersten / do sies nicht zuo bezahlen hattend / schanckt ers beden / Hatt ers jnen nun geschenckt / habend sie es nicht zuo bezalen gehept / so hatt ers nicht von der liebe wegen verzigen / sonst hettend sies bezallt vnd hett er jnen nützit geschenckt. Darnach so stat auch das daruor / welcher vnder denen wirt jn am meisten lieben? Simon antwortet / der dem er am meisten verzigen hätt. Darumb so kont der Herr darauff nichts antworten / dann das / Jch hab disem weyb vil verzigen / darumb liebet sie vil. Also / sprich ich / ist die liebe auß der verzeihung / vnnd keins wegs die verzeihung auß der liebe. Ja gleich darauff volget weiter / Er sprach aber zuo dem weyb / dein glaub hatt dir geholffen / gang hin mit friden. Darumb so beschlüssend wir / das allein ein einige gnuogthüeung seye für die sünd der gantzen wält / nammlich Christus / der für vnns geopfferet ist / die wir mitt glauben seinen genoß vnd teilhafftig werdend.
Wie wir nun nichts auff denen gnuogthüeungen haltend die vns die Münch vnd pfaffen mit jrer leer aufftrungen habend / also verwerffend wir auch den Bäpstischen applaß in allweg. Applaß habend sie genennt ein gnädige nachlassung vnnd verzeihung der lasteren / es seye der schuld / oder der pein / oder beder / auß krafft der schlüßlen die der Herr geben / vnnd das vonn wegen deß verdiensts deß bluots der heiligen marteren / (dann also redend sie daruon) die da möge mitteilt werden denen die sich recht gedemüetiget / vnnd gebeichtind habind. Denn es habend die gnädigen vätter im brauch / das sie mit disem jhrem applaß die rühe [strengkeit] vnd schwäre der gnuogthüeung die sie auß eignem willen den leüthen auffgelegt / wider nach vnd ablassend. Aber warlich wie jhener spricht /Die vätter machend faule kind
Wens jhnen zuo vil gnädig [linde] sind.
Also hatt auch der applaß die war besserung vnnd buoßfertikeit zerstört. Du findst aber nienen [nirgend] das den Bäpsten sölicher gwalt der schlüßlen befolhen seye / wie sie es erdichtend. Wir läsend wol das der Herr den Apostlen schlüssel geben habe / die sind aber nichts anders dann der dienst das Euangelium zuo predigen / welches wir an seinem ort erleüteren wöllend. Das Euangelium verheißt vns aber vonn wegen Christi vnnd deß glaubens in jhn / verzeihung der peyn vnd schuld. Es lert auch / das zuo end der wält leüth kommen werdind / die da werdind sagen / wir sind Christi / das ist / die jnen selbs das zuogeben werdind das allein Christi ist / als da fürnemmlich ist die verzeihung der sünden. Die heißt es vns aber fliehen / vnnd vns vor jhnen als verfüereren in allweg hüeten. Die selbig Euangelisch warheit leert auch / das die glöubigen durch das einig bluot deß Suns Gottes gereiniget werdind. Diser applaß aber verheißt den leüthen reinigung durch das bluot Petri vnnd Pauli vnnd der heiligen marteren / darumb ist er ein geschendung deß bluots deß Suns Gottes. Die heiligen wäschend jre kleider inn dem bluot deß lambs / nicht inn den applaßbrieffen oder applaß kisten / nicht im bluot der marteren. Es sagt auch Paulus selbs heiter / das weder er noch Sanct Peter / noch kein anderer heilig für die kirchen Gottes creütziget seye. Der applaß wirt vnns aber also fürgestellt / als ob vnns Gott durch das bluot der marteren versüent seye. Darumb so streytet der applaß mit der Apostolischen geschrifft. So vil aber dise wort Pauli belanget / Jch ersetz das noch überbliben ist den trüebsalen Christi an meinem fleisch / für seinen leyb / der da ist die gemeind / da hab ich doben inn der predig vonn den guoten wercken anzeigt / das dises ersetzen nicht gezogen wirdt auff das werck der versüenung Christi / welches völlig vnnd volkommen ist / er habe dann selb falsch bezeüget / do er als er jetz den geist auffgab schrey / Es
CCXLIIIv. / 243b
ist erfüllt / sonnder auff die trüebsalen / mit denen die glider Christi / das ist die glöubigen / vnderem creütz exerciert vnd geüept werdend so lang sie inn disem fleisch läbend. Dann je der Herr die trüebsalen die man den glöubigen zuofüegt / für sein eigen haltet [rechnet] / dann er sprach zuo Paulo / Saul Saul was verfolgest du mich? Darzuo / das Paulus spricht / für die gemeind / verstat er nit für die versüenung der gemeind gegen Gott / sonnder für die erbauwung vnnd das zuo nemmen der gemein. Wie dann er Paulus gar schwäre verfolgungen von den Juden erlitten hatt / darumb das er den Heiden das Euangelium prediget. Es muoßt auch also in jhm ein exempel einer außpündigen gedultigkeit der kirchen fürgestellt werden.
Nun geschweig ich aber der gottsäligen meinung deß Bapsts Leonis / die nun langest vonn anderen / den applaßschirmeren ist fürgeworffen worden / der in der lxxxj Epistel also schreibt. Wiewol der tod viler glöubigen vor dem angesicht deß Herren teür vnd köstlich gewesen ist / so ist doch keines schuldigen tod der wält versüenung gewesen. Jtem / die gerechten habend den krantz empfangen / aber nit gegeben. Vnd von der dapferkeit der glöubigen sind exempel der gedult entsprungen / nit schänckungen der gerechtikeit. Dann jre töd sind je fürtreffenlich gewesen / noch hat keiner mit seinem end deß anderen schuld bezallt / dieweil der Herr Christus der einig gewesen / in dem wir all creützget / all gestorben / all begraben / vnd aufferweckt sind. So vil diser. Darumb so habend wir mit Göttlicher vnd menschlicher zeügnuß auffs heiterist erzeigt / das der applaß der den sünderen mittgetheilt auß dem verdienst vnd schatz deß bluots der marteren / ein lautere Gottslesterung vnnd offne schmach der heyligen marterern seye. Vnd hab also bißhär geredt von dem applaß / der vor zeyten von den Bäpsten vergeben außgetheilt ward / wiewol dessen auff den heütigen tag wenig vnd nit besonders mee ist / nun wil ich aber auch von dem applaß ein wenig reden / den sie der mertheil verkauffend. Applaß verkauffen ist ein sölich schantlich stuck in der kirchen Gottes / das man nit vil stucken findt die böser seyend. Nun ist aber das gemein / vnd den Römischen Bäpsten vnnd jren botten / die sie Apostolicos genennt / nun vil jar här gemein gewesen / vnnd habend doch kein einigs wort auß der heiligen geschrifft / damitt sie doch dise jhre lasterliche that ein wenig verstreichen [beschönen] könnind. Damit ich aber dessen geschweige / das der applaß an jhm selb nichts ist dann ein yteler nam / vnnd dadurch die arm wält übel betrogen vnd verfüert wirt / so hat doch Christus der Oberst vnd einig Bischoff seiner h. vnd allgemeinen kirchen / als er auff erden gewandlet / die köuffer vnnd verköuffer mit einer geißlen als vnuerschampte hund zum Tempel außtriben. Vnnd sölichs zum anderen mal gethon / Ein mal im anfang wie er anhuob zuo predigen / darnach gleich vor seinem end. Zum ersten sprach er dise wort darzuo / Thuond dises hie dannen / vnnd machend nicht meines vatters hauß zuo einem kauffhauß. Darnach hatt er auch dises darzuo gesetzt / Es stat geschriben / Mein hauß sol ein bätthauß genennt werden / jhr aber habend ein mörder gruoben darauß gemachet. Jtem als Simon der zauberer inn den geschichten der Apostlen sach das der heylig geist durch das aufflegen der henden der Apostlen gegeben ward / bot er jhnen gält an vnnd sprach / Gebend mir auch den gewalt / das so ich jemands die händ aufflege / der selb den heiligen geist empfahe. Hör aber wie Petrus dises begären vonn jhm auffnimpt. Er spricht / das du verdampt werdist mit deinem gällt / das du meinst Gottes gab werde durchs gält erlanget / du wirst weder theil noch anfal haben inn disem handel / dann dein hertz ist nicht auffrichtig vor Gott. Da merck / das die gaben Gottes nicht mitt gältCCXLIIII. / 244a
erlanget werdend. Merck das deren hertz nicht auffrichtig ist / die in glaubens vnnd religions sachen kauffmanschatz treibend. Merck das sie kein theyl habend in der erbschafft deß Reichs der himmlen / noch im handel deß Euangelij. Wz wöllend wir dann von dem Applaß sagen / den die Römischen Apostolischen bottschafften den leüten zuo kauffen feyl bietend? Was wöllend wir auch von jhnen den bottschafften / vnnd von dem Bapst der die selbigen schickt / sagen? Das namlich / das sie gesellen Simonis sygind / aber nicht Petri / sonder deß Zauberers. Dann Petrus verfluocht sölliche / auß gerechtem vrtheyl Gottes vnnd spricht / Euwer gält sey verfluocht vnnd verdampt mitt eüch. Das ist ein schwäres vnnd grausams / aber gerächts gericht Gottes. Es hatt auch diser gedachter Apostel Petrus vorgesehen / das in der kirchen mitler zeit sölliche Krämer sein wurdind / Darumb hatt er in seiner anderen Epistel gesprochen / Es warend auch falsche Propheten vnnder dem volck / wie auch vnnder eüch sein werdend falsche Leerer / die näben yn füeren werdend verderbliche secten / vnnd verlöugnen den Herren der sie erkaufft hatt / vnnd werdend über sich selbs füeren ein schnälle verdamnuß / vnnd vil werdend nachvolgen jhrem verderben / durch welche der wäg der waarheyt wirdt verlesteret werden / vnnd durch gyt mitt erdichten worten werdend sie an eüch handtieren. Was ist nun durch gyt mitt erdichten worten handtieren / vnd gwün auß dem armen volck erschinden / wenn es das nicht ist / das dise sagend / sie gebind denen die gebeichtet vnnd sich gedemüetiget volkomne verzeihung der sünden? Denn wenn einer seine sünd erkennt / vnnd sich mitt waarem glauben durch Christum zuo Gott bekeert / so erlanget er auch on jhren applaß volkomne verzeyhunng der sünden. Darumb so bescheissend [betriegen] dise Katzen die einfalten / vnnd verkauffend jhnen vmb gält das sie nie gehept / vnnd das mitt keinem gält mag erlanget werden. Das sey nun bißhar also von dem applaß geredt / von welchem andere weytlöuffiger disputiert habend. Jch achten es möge ein yeder on arbeyt auß disem wenigen verston was er daruon halten sölle.
Vnd also sind wir nun auß disen flüeen vnd schrofen entrunnen [auß diesen schroffen außgerissen] / in welche ich mich darumb eingelassen / das wir also alle gefarliche ort erkundigetind / vnnd die vnberichteren warnetind / das sie nicht etwan [jrgend] anfüerind / vnnd jhr schiff zuo stuckinen richtetind / mitt dem das sie etwan meyntind es läge die recht krafft der buoß in dem / darinnen nichts ist dann verletzung Gottes. Darumb wöllend wir nun dises lassen ston / vnnd yetz fürfaren zuo erleüteren das letst stuck der buoß / von dem ich gesagt / das die reüwenden büesser den alten menschen tödind / vnnd geistlich erneüweret werdind. Da mich aber vor allen dingen bedunckt zuo reden sein von dem / wer der alt mensch / wer vnd was auch der neüw vnnd widergeboren sey / vnnd was deß menschen krefft sygind / dann darnach so werdend wir dest baß verston / was es syge den alten menschen töden / vnnd in dem geist wider erneüweret werden? Den alten menschen nennend wir alles das / dz wir von natur oder von vnserem ersten vatter habend / vnd verstond nit allein den leib / oder das fleisch / das ist den greiflichen teil deß menschen / sonder auch die seel mit sampt jren krefften vnd vermögen. Darumb wo etwan in der geschrifft fleisch genommen wirt für den menschen / da verstond wir nit nun das vsser fleisch / den gröberen vnd greifflichen teyl deß menschen / sonder auch mit dem selben die seel vnd jr vermögen / das ist den gantzen menschen der noch nit widergeboren ist. Dann der Herr spricht im Euangelio / Was auß fleisch geboren ist / das ist fleisch / vnnd was auß dem geist geboren wirdt / das ist geist. Vnnd das redt er vonn der widergeburt deß menschen / die nicht nach dem fleisch / wie Nicodemus jhm falschlich ynbildet /
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sonder nach dem geist beschicht. Darumb so begreifft das wörtli fleisch alle natürliche krefft vnnd alles natürlich vermögen der seel / vnd alles das / das wir von Adamen vnserem aller vatter an vnns habend. Der neüw mensch aber wirt genennt / der durch den geist Gottes in Christo widergeboren / oder nach der bildnuß Christi reformiert [ernewert] ist / mitt allen gaben vnd tugenden deß heiligen geists. Etwan wirt söllichs auch im gegensatz außtruckt durch dz wörtli geist. Nun so erforderet diß ort das ich rede von den krefften deß menschen / vnd wie wol ich von den selbigen etwas disputiert hab in der Predig von der freyheit vnd knechtschafft / Jtem von der sünd / so wil ich doch hie so vil ich meynen zuo disem gegenwirtigen handel von nöten sein / auch herfür bringen.
Vnsere seel hat zwen theyl / oder zwey vermögen / den verstand namlich vnd den willen. Der verstand vrtheylet was jm fürkumpt / was man namlich annemmen oder verwerffen sölle / vnnd ist als vil als ein liecht vnd füerer der seel. Der will aber erwellt ein ding / dann eintweders wil er ein ding oder er wils nit / welches darnach weiter von anderen krefften vnnd vermögungen getriben wirt. Zweyerley verstand ist aber / jrrdischer dingen namlich / vnd himmlischer. Jrrdische nenn ich / die nit zum künfftigen / sonder zuo disem gegenwirtigen läben dienend. Dahin dütend wir die freyen künst / handtwerck / regierung vnd haußhaltung. Durch die himmlischen ding verston ich / Gott selb / das ewig vnd sälig läben / Gottes erkanntnuß vnnd allerley tugenden / glauben / hoffnung / liebe / gerächtigkeyt / heiligkeyt / vnschuld. Da wöllend wir nun besehen was deß menschen verstand vermöge. So vil die jrrdischen ding belanget / da ist nit gar kein verstand im menschen / doch so ist der selb fast blöd vnd schwach. Vnd was gleich verstands in dem menschen ist / der ist von Gott. Das er aber schwach vnd blöd ist / das kumpt auß der menschen verderbten art. Es meeret aber Gott dise seine gaben den menschen. Dahar kumpt es / das deß menschen gemüet so wunderbarlich ding zuo wegen bringt. Vnd darumb läsend wir in der heiligen gschrifft / das alle künst vnd geschicklikeyten der menschen Gott vnderworffen sygind. So vil aber den verstand vnd die erkanntnuß der himmlischen dingen betrifft / da ist deß menschen gemüet gar stockblind / welches wol anfencklich gantz scharpff von Gott erschaffen was / aber hernach durch den fal vnnsers ersten vatters gar verderbt ist worden. Dann darumb spricht Christus im Euangelio / Niemand kumpt zuo mir es sey dann das jhn mein vatte ziehe. Vnnd in Propheten ist geschriben / Sie werdend all von Gott geleert sein. Vnd Paulus / Der natürlich mensch / vernimpt die ding nit / die deß geists Gottes sind / dann sie sind jhm ein thorheit / vnd mags nit erkennen / dann es muoß geistlich gerichtet sein. Der natürlich / das ist der allt mensch / der noch nit durch den geist Gottes widergeboren ist / ist nit ein bloch das kein empfintlikeyt habe / dann wenn er gar kein vernunfft hette / wie könt er die Euangelisch leer für eine thorheit halten? Darumb so hört er vnd verstat auß Gottes gab vnd gnad die wort vnd den sinn der göttlichen gschrifft / Aber von der jnneren verderbnuß wegen gat es jhm nit zuo hertzen / es bewegt jn nit / Er vrteilet vnd haltet nit recht daruon / es dunckt jn ein thorheyt sein / vnd kan es noch nit ergreiffen / das sie müessend geistlich gerichtet werden / dann er ist noch nicht widergeboren / vnd manglet noch deß waaren liechts / namlich deß geists Gottes. Vnd an einem anderen ort spricht gedachter Apostel auch. Wir sind nit geschickt von vns selber etwas zuo gedencken / als von vns selber / sonder all vnsere geschickligkeyt ist auß Gott. Darumb wirt auch in der geschrifft so offt gedacht der erleüchtung / welches one vrsach geschähe / wenn deß menschen verstand für sich selb heiter vnd nit verfinsteret wäre. Deßhalb so ist allen menschen blindtheyt deß hertzens oder gemüets / zweiffel an den verheissungen Gottes /CCXLV. / 245a
vnglauben / vnnd inn allen himmlischen dingen ein verkerts vrtheil anerboren. Dann ob wol der mensch verstand von Gott empfangen hatt / so ist doch vnwüssenheit / deß menschen ware eigenschafft / vonn der verderpten natur wegen. Dann denn zuo mal regiert er wenn er blind ist / jrret / zweiflet / nicht glaubt / vnd die gaben die jm Gott verlihen / nicht wol / das ist nicht zuo seinem heil vnd Gottes Eeren braucht.
Nun wöllend wir besehen was auch deß alten menschen will vermöge. Der selbig / dieweil er einem blinden füerer / das ist dem verderpten verstand nachfolget / so sicht jederman wol was er erwellt / vnnd wohin er kumpt. Dann ob er schon gleich etwan das war vnnd das guot erwellete / so wirt doch der selbig will von anfächtungen gleich wie ein schiffli vonn wällen vmbgetriben. Denn er wirdt hin vnnd wider zogen / obsich vnnd nidsich / durch hoffnung / forcht / geilheit / trurikeit / zorn / das er nun das aller böst allweg erwellt / vnnd dem selbigen nachfolget. Dann da Sanct Pauls auch vonn jhm selbs redt / da spricht er / Jch weiß das inn mir / das ist in meinem fleisch nichts guots wonet. Wöllen hab ich wol / aber vollbringen das guot / find ich nicht / dann das guot das ich wil / thuon ich nicht / sonnder das böß das ich nicht wil / das thuon ich. So aber Paulus sölichs von jm selbs redt / der jetzund freylich widergeboren was / was wöllend wir dann sagen vonn dem willen deß alten menschens? der wil alles das Gott nicht wil / vnd fart mitten durch alle laster / vnnd thuot alles was jhn gelustet vnnd anfichtet wie wüest es joch seye / das ist / er gibt seine glider inn die knechtschafft der vnreinikeit vnnd boßheit / vonn einer sünd in die ander. Dessen wir exempel habend in der heiligen geschrifft / deßgleichen auch in der teglichen erfarung. Wolan dem wöllend wir nun jetz den neüwen menschen engegen setzen. Der ist durch den geist Gottes vnnd den glauben Jesu Christi widergeboren. Die widergeburt aber / ist ein erneüwerung deß menschen / mit welcher wir die wir kinder Ade vnd deß zorns gewesen warend / durch den heiligen geist im glauben Jesu Christi / zuo kinderen Gottes widergeboren werdend / vnd deßhalb den alten menschen täglich ablegend / vnnd den neüwen anziehend / der mit verstand vnnd willen Gott frey dienet. Dise widergeburt ist nicht ein erneüwerung deß leibs sonder deß gemüets / wie wir etwan gehört auß dem iij. Cap. Joannis. Dise widergeburt würckt der heilig geist / der dem menschen von himmel herab gegeben wirt / ja dem glöubigen menschen. Dann die gab deß heiligen geists wirt vns von Christi wegen gegeben / vnd allein denen die inn Christum glaubend. Diser geist Gottes zeüget mit sampt vnserem geist / das wir kinder Gottes seyend vnnd deßhalb erben. Darumb so sind wir ein neüwe creatur / erneüweret nach der bildtnuß Gottes / vnd begabet mit einem neüwen gemüet / dadurch wir teglich den alten menschen außziehend / vnnd den neüwen anlegend. Welches beschicht / wenn wir nicht nach vnnser fleischlichen art inn den begirden deß fleisches wandlend / sonnder inn einem neüwen sinn / nach der art deß heiligen geists / durch den wir wider geboren sind. Vnnd bleibt also deß leybs substantz vnnd form [wesen] inn vnns allweg gleich / aber das gemüet wirt geänderet / vnnd der verstand mitsampt dem willen erneüweret. Dann durch den geist Gottes wirdt der verstand erleüchtet / der glaub vnd ware erkantnuß Gottes vnd aller himmelischen dingen gegeben / der vnglaub vnd vnwüssenheit / das ist / die finsternuß deß alten menschen vertriben. Wie der Apostel spricht / Jr sind durch Christum inn allen stucken reich gemacht / inn allerley wort / vnnd inn allerley erkanntnuß. Jtem wir habend nicht empfangen den geist diser wält / sonnder den geist auß Gott das wir wüssen könnend was vnns vonn Gott gegeben ist. Jtem / wir aberCCXLVv. / 245b
habend Christus sinn. Vnd S. Johanns / Jr bedörffend nit / das euch jemands leere / sonder wie euch die salbung allerley leert / vnd warhafft ist / also bleibend bey dem selben. Es empfacht auch der will deß menschen in diser widergeburt ein himmelische krafft zuo verbringen das guot / das er durch den heiligen geist verstanden / also / das er das guot das jm Gott anzeiget / wil / erwellt / vnd thuot / dargegen das böß das Gott verbotten / nit wil / hasset / vnd außschlat. Dann Paulus spricht / Jch weiß nider zuo sein / vnd weiß auch hoch här zuo faren / Jch vermag es alles durch Christum / der mich mechtig machet. Vnnd weyter zun Philipp. Euch ists geben zuo thuon / das jr nicht allein inn Christum glaubind / sonder auch vmb jn leydind. Vnd noch heiterer / Gott ist der in euch würckt / beide das wöllen / vnd das thuon / nach dem guoten fürsatz deß gemüets. Was aber die thuond die durch den geist Gottes widergeboren sind / das thuond sie frey / vngezwungen vnd nit vngern. Dann wie Gott einen frölichen gäber lieb hatt / also wo der geist deß Herren ist / da ist freyheit. Darumb spricht Zacharias der vatter Joannis deß töuffers / auff das wir erlößt auß der hand vnserer feyenden jm dienetind on forcht vnser läben lang in heilikeit vnd grechtikeit vor jm. Jtem vnser Herr sel im Euangelio / So jr bleiben werdend in meiner red / so sind jr warlich meine jünger / vnd werdend die warheit erkennen / vnd die warheit wirt euch frey machen / Jtem so euch der Sun freyet / oder frey machet / so werdend jr warlich frey sein.
Vonn diser freyheit der kinderen Gottes / hab ich doben inn der neün vnnd zwentzigsten predig geredt. Vnnd dise freyheit der kinderen Gottes glaubend vnd erkennend wir gern / aber die auffblasnen meinungen vnd disputierungen etlicher leüthen von dem freyen willen / als ob wir vß vns selbs der himmelischen dingen etwas vermögind / die erkennend wir nit. Darzwüschend vnderwerffend wir aber den menschen nit einer geordneten vnd zwungnen notwendikeit / wir legend auch die schuld deß bösen nit auff Gott. Also hat auch S. Augustin in seinem kampff wider die Pelagianer sein disputation dermassen gemäßiget / das er das guot der gnad Gottes / das böß aber vnser natur zuogibt / also das er den freyen willen / den er vns (ja in rechtem vnd eigenlich betrachteten / nicht in stumpfem vnbedachtem verstand) zuogibt / der gnad Gottes die in vns würckt / ja der widergeburt deß geists / mee dann vnns selbs zuoschreibt. Deß ich ewer lieb allein ein zeügnuß auß seinen büecheren fürhalten vnnd vorläsen wil / die lautet also / de correptione & gratia cap. I. Wir müessend bekennen das wir einen freyen willen habend böses vnnd guots zuo thuon. Aber im thuon deß bösen ist ein jeder frey von der gerechtikeit vnd ein knecht der sünden / dargegen im thuon deß guoten / mag keiner frey sein / er seye dann von dem gefreyet / der da spricht / So euch der sun freyet / so sind jr warlich frey. Das geschicht aber nit also / das so einer gleich von der verdamnuß der sünden gefreyet ist / das er drumb jetzund seines freymachers hilff nützit mer bedörffe / sonder vil mee also / das dieweil er von jm hört / On mich mögend jr nützit thuon / er dargegen zuo jm sage / Biß du mein hälffer vnd verlaß mich nicht. Vnnd fröw mich / das ich disen glauben welches on zweifel der war Prophetisch vnnd Apostolisch glaub ist / auch inn vnserem bruoder Floro funden hab. Dann wir müessend erkennen die gnad Gottes durch Jesum Christum vnseren Herren / durch welche allein die menschen vom bösen erlößt werdend / vnd on die sie so gar vnd gantz nichts guots thuond / weder mit gedencken / noch mit wöllen / noch mit lieben / noch mit thuon. Welche nit allein anzeigt wie man thuon sölle / sonder auch gibt / dz man mit liebe thüege das daß man weißt. Vnd wz daselbst weiter volget / dann bißhär hab ich die meynung Augustini vom freyen willen vorgeläsen. Von welchem auff diß mal an eim fürgang gnuog geredt ist / darumb so wil ich wider auff mein fürnemmen.CCXLVI. / 246a
Also habend wir nun gehört was der alt mensch seye / deßgleich was auch der neüw seye / vnd wie wir durch den geist erneüweret werdind. So wir nun jetzund sagend / das die buoßfertigen den alten menschen tödind / vnnd im geist oder geistlich erneüweret werdind / so verstond wir nichts anders / dann das die buoßfertigen all jre anfechtungen sinn vnd begirden deß fleischs / ja jren verstand mit sampt dem willen den sie vonn dem alten Adamen habend / nicht allein der sünden vnnd deß bösen verdacht / sonnder alles dessen gewüß überzeügt haltind / vnd deßhalben seinem rath nienen volgind in allem jrem thuon / in allen jren gedancken / in worten vnnd wercken / sonnder wider jhn streytind / vnd jn mit vnabläßlichem fleiß würgind vnnd tödind. Dargegen das wir zuo allen vnseren rathschlegen worten vnd wercken brauchind vnd anrüeffind den rechten weiser / nammlich den himmelischen geist Christi / nach dessen leitung vnd gebott wir vnsere sinn / gedancken / vrtheil / wort vnd werck / anrichtind / das ist / das thüegind vnd lassind / das wir in vnserem vorbild / nach dessen gstalt wir widerumb müessend erneüweret werden / gelernet / das wir fürhin der heilikeyt / gerechtigkeit vnd wolthuons vns fleißind. Das werdend wir aber alles bas vnd eigenlicher verston auß den worten deß Apostels der da spricht / Das sagen vnd bezeügen ich bey dem Herren / das jhr nicht me wandlind wie die anderen Heiden wandlend in der ytelkeit jres verstands / die verfinsteret sind inn jhrer vernunfft / vnd sind entfrömdet von dem läben das auß Gott ist / vonn wegen der vnwüssenheit so inn jhnen ist / durch die blintheit jres hertzens / welche sittmals sie verruocht sind / habend sie sich selbs ergeben der geilheit / zuo volbringen alle vnreinikeit mit aller begird. Jr aber habend Christum nit also gelernet / dann jr habend jn gehört / vnd sind in jm geleert / wie inn Jesu Christo die warheit ist / hinzuolegen nach dem vorigen wandel den alten menschen / der durch lust deß jrthumbs zerstört wirt / vnd ernüweret zuo werden in dem geist eüwers gmüets / vnd anzuolegen den nüwen menschen / der nach Gott geschaffen ist / in rechtgschaffner grechtikeit vnd heilikeit. Vnd wz weiters daselbst gelesen wirt zun Eph. iiij. cap. Also spricht er auch zun Colos. iij. cap. So tödend nun üwere glider die auff erden sind / huory / vnreinikeit / lüst / böse begird / vnd den gyt / der da ist ein dienst der götzen / vmb welcher willen der zorn Gottes kumpt über die kinder deß vnglaubens / in welchen auch jr vorzeiten gewandlet habend / do jr darinnen läbtend. Nun aber legend ab alles von euch / den zorn / vnwirse [grimme] / schalckheit / schmachred / schampare wort auß eüweren mund / liegend [lieget] nit vnder einander / ziehend den alten menschen mit seinen wercken auß / vnd legend den neüwen an / der da erneüweret wirt nach der erkanntnuß Gottes / vnnd bildtnuß deß der jhn geschaffen hatt. So legend nun an / als die außerwelten Gottes heiligen vnd geliebten / hertzlichs erbarmen / freüntlikeit / demuot / sanfftmuot / dultmuot / vnnd habe einer von dem anderen verguot [vor gut] / vnnd vergebe je einer dem anderen / so jemands ein klag hatt wider den anderen usw. So nun zuo disem auch besichst die disputation gedachts Apostels von disem handel zun Römeren am vj. Cap. so wirt es alles dest läblicher sein. Dise wort aber deß heiligen Apostels leerend vns nicht nun / was der alt vnd was der new mensch seye / vnd was es seye den alten menschen töden / vnd wie die reüwenden erneüweret werdind durch die erneüwerung deß geists oder gmüets / sonder auch welches die rechtgschaffnen frücht der buoß seyend / nammlich dise erzellte tugenden vnd Christenlichen üebungen deß läbens gegen Gott vnd gegen den nechsten. Gott sind wir schuldig forcht / eerenbietung / demuot / erkanntnuß vnnser selbs / glauben / hoffnung / haß der sünden / fleiß der gerechtigkeyt. Dem nechsten aber / liebe / wolthat / vnnd vnschuld. Söliche frücht hatt der heilig Joannes der töuffer von dem Jüdischen volck erforderet / da er sprach /CCXLVIv. / 246b
Thuond rechtgeschaffne frücht der buoß. Dann als er bey dem Luca vom gemeinen man / von den zolleren / vnnd söldneren oder kriegßleüten die da im zuosatz [in besatzung] lagend / gefraget ward / wz sie für rechtgschaffne frücht der buoß würcken söltind / schreib er jnen nützit anders für / dann das jetz gemäldet. Dann auch der Herr selb bey dem Esaia am v. Cap. kein andere frücht der buoß zellt. Vnd in seiner offenbarung / die er dem heiligen Joanni thon / redt er zum diener der kirchen zuo Epheso / bedenck wo von du gefallen bist / vnd thuo buoß / vnd thuo die ersten werck. Mit welchem auch die wort deß heiligen Apostels Pauli stimmend / der vor dem künig Agrippa sagt / Jch hab den Juden vnd Heiden prediget / das sie buoß thätind vnnd sich bekertind zuo Gott / vnnd thetind rechtgschaffne werck der buoß. Vnd in der ij. zun Corint. am vij. Cap. spricht er / Die Göttlich traurikeit / würckt zur sälikeit ein reüw die niemands gereüwet. Dann sihe / dz jr Göttlich sind betrüebt worden / was grossen fleiß hatt es inn euch gewürckt / darzuo verantwortung / vnwillen / forcht / verlangen / yfer / rach. Der fleiß aber / (von dem er da redt) ist ein eigenliche sorgfeltikeit zuo verbesseren das da man gefält hatt. Dann auß vnfleiß vnd hinleßikeit entstat gewonheit vnd sicherheit zuo sünden. Verantwortung/ Nit das die buoßfertigen jre sünden verantwortind / sonder sie brauchend allein bittliche verantwortung vor Gott / die gleißner entschuldigend sich / wöllend nicht schuldig sein / erkennend jre sünd nicht / vnd bittend nicht vmb verzeihung. Vnwillen / dann wer waren reüwen hatt / der wirt zornig vnd vnwillig über sich selbs vonn wegen seiner lasterhafften sitten / vnd übel verzerten [zugebrachten] läbens. Rach / ist die einer an jm selb üebt / mit dem dz er sich selb kestiget [casteyet] / vnd den obligenden zorn Gottes abwendet. Durch die forcht / hüetet er sich aber das er fürhin nicht mee sünde. Dann verachtung Gottes / ist ein vrsprung aller lasteren / vnnd das band eines vnbuoßfertigen läbens. Wer auch warlich reüwet / der wirt begirig Gottes vnd aller himmlischen dingen / er enbrinnt auch in yfer / welcher machet / das er sich nützit saumpt / nicht law [schlefferig] vnd fulklich handlet / wz er auß dem wort Gottes zuohandlen sein erlernet hat. Vnd in summa / was er thuot / das thuot er von gantzem grund seins hertzens. Dann also spricht Moses / der groß Prophet Gottes / Wenn du dich bekerst zuo dem Herren deinem Gott / vnd seiner stimm losest [gehorchest] von gantzem hertzen vnd von gantzer seel / so wirt der Herr dein Gott dein gefencknuß wenden / vnd sich deinen innerlich vnd hertzlich erbarmen. So vil seye nun geredt von den früchten der buoß,
Auß disem allem erlernend wir auch das / das die buoß (deren einiger zwäck ist / die erneüwerung der bildtnuß Gottes durch den geist Christi inn vns / der vorzeiten durch den Adamen verwüestet was widerbringen) nitt ein werck sey weniger tagen / oder einer kurtzen zeyt / sonder ein stätigs verhüeten vnsers läbens / vnd also ein tägliche erneüwerung. Dann die gleich durch den heiligen geist Gottes widergeboren werdend / die werdend doch nimmer also gereiniget / das sie keiner anfechtungen deß fleisches / oder der sünden empfindend. Die glöubigen habend stäts vor augen disen mercklichen spruch deß heiligen Pauli / Jch weiß das in mir / das ist / in meinem fleisch nichts guots wonet / wöllen hab ich wol / aber volbringen das guot find ich nit / dann das guot das ich wil / thuon ich nit / sonder das böß das ich nicht wil / das thuon ich. Dann wir tragend mitt vns herumb die anfächtungen vnd art deß fleisches so lang wir läbend. Vnd ist deßhalb in den glöubigen / ein stäter vnnd feyentlicher streyt. Dann eins theils so gehorsammen sie dem geist / anderstheils so werdend sie vom fleisch überrungen. Durch den geist richtend sie sich auff in die betrachtung vnd begird der himmlischen dingen. Durch das fleisch aber werdend sie getruckt in die jrdischen ding / vnd angefochten mit den lüsten diser wält. Dann darumb hat der Apostel gesprochen / Das fleisch gelustet wider den geist / vnd den geist wider das fleisch / dieCCXLVII. / 247a
selbigen sind wider einander / das jr nit thuond was jr wöllend. Dann er auch an eim anderen ort spricht / Jch dienen mitt dem gemüet dem gsatzt Gottes / aber mit dem fleisch dem gsatz der sünd. Darzuo kumpt denn auch der list vnd betrug vnnd die vnauffhörlichen versuochungen deß wunderbarlichen Teüffels [deß tausentkünstlers deß Teuffels]. Darumb so nimpt die arbeit vnd die gfar deß waaren buoßwürckenden / das ist eins Christenmenschens / dermaß zuo / dz es vnsere wort kümmerlich begreiffen mögend [daß es mit worten kaum außgesprochen mag werden].
Wer ist aber der nun nitt sehe / wie den buoßwürckenden so hoch von nöten / das sie wacker sygind / jnen selbs entziehind / empsig sygind / dapffer / vnnd gedultig / vnd wie notwendig jnen auch sey das gebätt / ja ynbrünstigs vnnd vnabläßlichs gebätt. Jn welchem schwären kampff wir vns fürsetzen söllend die vnderrichtung deß teüren ritterlichen kämpffers Pauli / die vnns an statt eines gar langen berichts sein mag / dann sie wirdt vnns volkommenlich leeren / wie wir vnns in disem kampff halten / wie wir überwinden vnnd triumphieren söllind. Der spricht nun zun Epheseren also / Bekrefftigend eüch meine brüeder in dem Herren / vnnd in der macht seiner stercke. Ziehend an den harnasch Gottes / das jhr beston mögind gegen den listigen anlauff deß teüfels / dann wir habend nit (allein) zekempffen mit fleisch vnd bluot / sonder mitt Fürsten vnnd gewaltigen / namlich mitt der wält regenten / der finsternuß in diser wält / mitt den geisten der boßheyt vnnder dem himmel. Vmb deß willen so ergreiffend den harnesch Gottes / auff das jhr mögind widerston an dem bösen tag vnnd beston in allen dingen. So stond nun vmbgürtet vmb eüwere lenden mitt dem gurt der waarheyt / vnnd angelegt mitt dem Krebs der gerächtigkeyt / vnnd geschüecht an eüweren füessen mitt rüstung deß Euangeliums vonn dem frid. Jnn allen dingen aber ergreiffend den Schilt deß glaubens / mitt wölchem jhr mögend außlöschen alle feürige pfeyl deß bößwichts / vnnd den hälm deß heyls nemmend an eüch / vnnd das schwärdt deß geists / welches ist das wort Gottes / vnnd bättend stäts in allem anligen mitt bitten vnd begären im geist / vnd wachend darzuo mit allem anhalten vnd begären. Hiehar gehörend auch nun zuozellen / die ausseren üebungen vnd Ceremonien der buoß / mitt denen sich die glöubigen üebend jhr fleisch zuo demmen vnnd zuo demüetigen / auch der gemeynd jhre besserung vnd buoß zuo bezeügen. Als da sind / leyd tragen / weynen / seüfftzen / sackgewand tragen / fasten / schreyen / heülen / alle ziert / alles präng / auch allen nachgelaßnen wollust verachten vnd hassen. Welche stuck wenn sie schon geschehend / aber nicht vonn hertzen vnnd auß waarem glauben geschehend / so nützend sie nichts überal. Es ist aber guot das wir die selbigen lernind auß dem wort Gotts / vnnd sie darinn als an einer gemaleten Tafelen anschouwind. Dauon spricht der Prophet Joel / Bekeerend eüch zuo mir von gantzem eüwerem hertzen / mit fasten / mitt weinen vnd klagen / zerreissend eüwere hertzen vnd nit die kleider. Bekeerend üch aber zuo dem Herren eüwerem Gott / dann er ist gnädig vnd barmhertzig / dultmüetig vnd grosser güete / vnnd reüwt in der straaff / Wer weißt ob er sich wannte / vnnd reüwete Gott / das er abstüende von der straaff / vnd den sägen hinder jm liesse. Blasend das horn auff in Zion / gebietend ein fasten / berüeffend ein gmeyn vnd versamlend das volck / verkündend der gmeynd zuosammen / samlend die eltisten / versamlend auch die jungen kinder sampt den saugenden. Der Breütigam gange auß seiner kammer / vnd die Braut von jrem fürhang. Die Priester dienind dem Herren zwüschend dem vorschopff vnd dem Altar / weynind vnnd sagind / Ach Herr verschon deines volcks / laß dein erbtheyl nicht also geschmächt werden / das die Heyden über es herrschind. Warumb sölte man vnder den Heyden sprächen / wo ist nun jhr Gott? Auff dise heitere vnd Göttliche gebott wöllend wir auch auß der gschrifft daß schön exempel der NiniuiterenCCXLVIIv. / 247b
die da waare buoß thetend / besehen. Vonn denen schreibt der heilig Prophet Jonas also. Vnd die leüt zuo Niniue glaubtend Gott / rüeftend auß ein fasten / legtend seck an vom grösten biß auff den wenigsten. Vnnd dise sach kam für den Künig zuo Niniue / der stuond von seinem thron auff / thet das Purpurkleyd von jm / deckt sich mit einem sack / vnnd satzt sich auff die erden. Er ließ auch auß seinem befelch in der gantzen Statt außschryen / Es söllend leüt vnnd vich / rinder vnnd schaaf / nichts weder versuochen noch ässen / auch kein wasser trincken / sonder leüt vnnd vich söllend sich mit secken bedecken / vnd vnabläßlich zuo Gott schrijen. Es sol sich auch ein yeder von seinem bösen wäg / vnnd von dem fräfel den ein yeder vorhanden hat bekeeren / Wer weißt ob sich Gott bekarte / reüwete vnnd abstüende vonn seinem grimmen zorn / das wir nicht vmbkämind. Nun ist aber guot / das wir auch hörind / wie krefftig dise jhre buoß gewesen / Darumb so volget im Propheten Jona. Do sach Gott jhr werck an / das sie sich von jhren bösen wägen abwantend vnnd bekeertend / vnd stuond er auch ab von der straaff vnd von dem vnglück / das er über sie angeschlagen hat / vnd fuorts nicht über sie.
Es sol auch weiter eüwer lieb hie mercken / das zweyerley buoß ist / ein besondere heimliche namlich / vnd ein offne gemeyne. Die besonder würckt ein yeder besonders bey jhm selbs heimlich / so offt er wider Gott sündet / da gadt er inn sich selbs / vnnd dursuocht mitt dem liecht deß worts Gottes alle heimligkeyten seines hertzens / bekennt Gott seine sünd / trauret das er den erzürnt / keert sich zuo jhm / glaubt das jhm der in Christo versüent sey / von dessen wegen hasset er die sünd / vnnd fleißt sich der gerächtigkeyt vnnd vnschuld. Die gemeyn offen buoß wirt braucht in grossen gemeynen trüebsalen / in teürungen vnd hunger / inn sterbenden löuffen / im krieg. Vonn diser sind die wort deß Propheten Joels eigentlich vnd besonders zuo verston. Wiewol die besonder buoß vil stucken mit diser gemeynen buoß gemeyn hat. Dann S. Peter weinet auch bitterlich / so fastend auch die / die besonders buoß thuond / vnnd enthaltend sich mit grossem ernst von allen auch zuoglaßnen lüsten / ich geschweig erst von den wollüsten deß fleischs vnd der wält. Jnsonderheit aber hassend alle die so besonders oder mit der gantzen gmeind buoß thuond / gleichßnerey / betrug vnd ytels erzeigen vor der wält. Es sind auch dise buoßwürckungen beyd frey vnd mit guotwillikeit auffgenommen / nit erzwungen vnd genötiget / sonder kömmend auß freyen vnd guotwilligem geist. Es treibt wol der diener deß worts vnd hirt der gmeind alle sünder / das sie on allen verzug ware buoß thüegind über jre sünden / noch so legt er niemand gebottlicher weiß ein gewüsse form auff / die da zeit / weiß / ort / vnd zal der buoß fürschreibe / sonder laßt söllichs einem yeden frey / allein das ein yeder thüege das sich gebürt nach fürgeschrifft der heiligen geschrifft. Die gemeyn buoß aber wirt von der kirchen gemeynlich angesehen vnd angenommen / wenn es die waare forcht Gottes erforderet / vnd die not darzuo treibt. Die selbig zeigt auch an mit sampt dem wort Gottes was vnd wie man alle ding handlen sölle. Widerumb so ist nochmals zweyerley buoß / dann es ist ein waare / Jtem es ist auch ein falsche. Die waare üebt vnd würckt der mensch der durch den heiligen geist im glauben Jesu Christi wider geboren ist. Vnd in diser ist kein betrug / sonder sie hatt inn jhr alles dauon ich bißhar geredt. Exempel diser waaren buoß sind vil in der heiligen geschrifft deß Neüwen vnnd Alten Testaments / welche auch das vorgend alles gar fein erklärend. Jnsonders sind fürtreffenlich die exempel vnser elteren Adams vnnd Eue / Jtem deß volcks Jsraels Exo. xxxiij. Also sind auch vil im buoch der Richteren / vnnd in den Küngbüecheren. Vnnder welchen das exempel Dauids ij. Samu. am xij. vnd j. Par. xxj. Manaßis. Jtem Josie ij. Reg. xxxiij. vnd xxxiiij. besondersCCXLVIII. / 248a
fürnemm sind. Jm Euangelio sind die exempel Matthei / Zachei / der sünderin / vnd Petri / das ich vil anderer geschweige. Die falsch buoß aber kumpt auß gegleichßnetem hertzen / vnnd wiewol sie ein schein hatt / als ob sie die stuck habe darinnen die waar buoß stat / so ist sie doch nicht rechtgeschaffen sonder falsch / dieweil sie nicht hat waare bekeerung zuo Gott vnd ein guots vertruwen in jhn. Dann nichts ist gewüssers dann das die buoß Jude deß Jschariothen falsch gewesen / noch bekannt er sein sünd / gab der waarheyt zeügnuß / bracht das bluotgält das er von den Priesteren empfangen / jhnen mitt grosser vnwirße [zorn] vnnd schmärtzen wider. Dieweil er sich aber zuo Christo nit bekart / mit gantzem vertruwen auff sein barmhertzigkeyt sich nicht ließ / da thet er buoß on alle frucht. Also thuond auch buoß vnnd peinigend sich selbs vergeben on alle frucht alle gleichßner / vnd alle die so nit waaren Euangelischen glauben habend.
Glückhafft vnnd sälig sind aber alle die / die waarlich von hertzen vnnd auß waarem glauben buoß thuond. Dann sie empfahend von dem reichen freygäben Gott vnentliche güeter. Der wirt mitt jhnen wider eins vnnd zuofriden / vnnd liebet yetzund die er vorhin vonn jhres lasterhafften läbens wegen fyentlich aber doch nach gerächtigkeyt gehasset hatt. Die straaffen auch die er jhm über sie zuo füeren fürgenommen hatt / verwandlet er in gaben vnnd guothaten / dann die reüwenden erfüllt er mitt allerley güeteren zeytlichen vnnd ewigen. Auß anderen predgenen hatt aber eüwer lieb verstanden / das vnns sölliche grosse guothaten von Gott nit gegeben werdind von der wercken wegen vnserer buoß / sonder von Christi wegen / in den die glöubigen allein vertrauwend / vnd nit in die werck der buoß / wie heilig sie joch sygind. Dann dieweil der vatter Christum liebet / vnd wir dem selben mitt glauben eingepflantzet sind / so liebet er auch vns / vnd laßt jhm vnsere werck gefallen / vnd so er die selbigen belonet / so bekrönt er sein eigne gnad in vns. Dargegen müessend alle die vnsälig vnnd vnglückhafft sein / die vnbuoßfertig sind. Dann sie hörend mit was sünden vnd lasteren sie Gott erzürnt / vnnd zur rach bewegt habend / gedenckend aber darnebend nit wie sie Gott / der yetz auff dem wäg schon ist die lasterhafften zuostraffen / begegnen vnd sein gnad erlangen wöllind. Was habend sie denn anders zuo erwarten dann gwüsses verderben der seelen vnd deß leibs / ja auch deß guots / vnnd alles dessen das sie in diser wält geliebet? Da müessend wir eingedenck sein deß hefftigen [schrecklichen] spruchs deß Herren Jesu / da er im Euangelio also spricht / Wee dir Chorazin / wee dir Bethsaida / dann wärend söliche thaten zuo Tyro vnd zuo Sidon geschähen / als bey eüch geschehen sind / sie hettend vor zeiten im sack vnd in der äschen buoß gethon. Doch sag ich eüch / es wirt Tyro vnnd Sidon leichtlicher [leidlicher] ergon am jüngsten gericht dann eüch. So ist auch einem yeden bekannt die Histori von dem vnfruchtbaren feygenbaum / dessen im Euangelio gedacht wirt / welcher auß Gottes gericht erdorret / zum exempel vnd schräcken aller vnbuoßfertigen. Wie meynend wir dann / das es vnserem volck zuo vnseren zeiten ergon werde / das die buoßfertigkeit die nun so vil jar geprediget ist worden / mit sölicher fräfenheit verachtet? Etliche thuond wol dergleichen als ob sie wol an der Euangelischen waarheyt sygind / Andere denn dargegen verachtend vnnd verfolgend das Euangelium / Du fundist auch ein grossen hauffen der Lucianisten / Epicureer vnd Atheisten. Dieweil aber dise alle fast mit einanderen die buoß mit grosser verachtung vnd muotwillen verlachend / so könnend wir nichts anders dann eins grausammen gerichts Gottes wider söliche vnbuoßfertige leüt gewertig sein. Darumb welche wöllend das jnen geholffen werde / die bekeerind sich by zeiten zum Herren / vnd bedenckind bey jnen selb nit nun oben anhin vnnd allein ein mal / was grossen verlurst es sey / die zergenckliche fröud diser wält behalten /CCXLVIIIv. / 248b
vnd darnebend die ewig verlieren. Thüe ein yeder bey zeiten / das er sicht / so vil besser sein / so vil ee es beschicht.
Doch wil ich nicht das yemand in seinen sünden verzweifle / allein das niemand fräfenlich die artzney der buoß verachte / oder von wegen der früntliche vnd güete Gottes deß himmlischen vatters boßklich vnd verachtlich biß an sein end verziehe. Ob aber gleich etwar durch das fleisch / die wält vnd den Teüffel verhinderet / spat anfienge nach der buoß trachten / wil ich dennocht nitt das er verzweifle. Vnd die weil ich die Disputation von der buoß lenger dann ich gemeynt verzogen / damitt ich es ende / so wil ich eüwer lieb zuo einem beschlussz vorläsen die gar edlen kostlichen wort deß heiligen Marterers Christi vnnd Bischoffs zuo Carthago Cypriani / der wider den Demetrianum also schreibt. Glaubend vnd läbend / vnd die jr vns ein zeitlang verfolgend / fröuwend eüch mit vns in ewikeit. Wenn man von hinnen scheidet / da hat kein buoß kein stat mer / da hilfft kein gnuogthüeung mer. Hie verleürt oder behaltet man das läben. Hie luogt man vmb das ewig heil mitt verehrung Gottes vnnd früchten deß glaubens. Da lasse sich niemand weder seine sünd noch sein alter verhinderen / das er dest minder kommen wölle die säligkeit zuo erlangen. Dieweyl wir in diser wält sind / ist kein buoß zuo spat. Der wäg zur verzeihung stat offen / vnnd ist ring hinzuo zekommen allen denen die die waarheyt suochend vnd verstond. Bitt Gott der ein einiger vnd waarhaffter Gott ist für deine sünd / wenn du gleich yetz von hinnen farst vnnd dein zeitlich läben vndergat / bitt jn vmb bekennung vnnd glauben seiner erkanntnuß. Dem bekennenden wirt verzigen / vnd dem glöubigen heilsamme nachlassung auß Göttlicher güete mitgeteylt / vnd mitten im tod jnnen gat man zur vntödtlikeit. Dise gnad gibt Christus / dise gab seiner erbärmd mitteylt er / mit dem das er den tod vndertruckt durch den sig deß Creützes / mit dem das er den glöubigen erlößt mit der teüren bezalung seines bluots / mitt dem das er den menschen Gott dem vatter versüent / vnnd den sterblichen läbendig gemachet hat durch ein himmlische widergeburt. Dem lassend vns ist es müglich alle volgen / vnder dessen Sacrament vnd zeichen lassend vns alle gezellt werden. Der thuot vns den wäg zum läben auff. Der füert vns wider hinumb zuo dem Paradeiß. Der füert vns zum Reich der himmlen. Mit jm werdend wir allweg läben. Vnd so wir durch jhn kinder Gottes werdend / so werdend wir vnns mitt jhm allweg fröuwen / widergebracht durch sein bluot. Da werdend wir Christen mitt sampt Christo herrlich / in Gott dem vatter sälig / vnd vor dem angesicht Gottes vonn wegen deß ewigen wollusts allweg frölich sein / vnnd Gott jmmer vnnd ewigklich lob vnnd danck sagen. Denn der kan nicht anders dann frölich vnnd danckbar allweg sein / der vorhin dem Tod vnderworffen gewesen was / nun aber durch die vntödtligkeyt sicher worden ist. So vil auff diß mal / Dem Herren sey lob vnd ehr in ewigkeyt / Amen.
33.Pr.Die Drey vnd dreissigste Predig.
Von Gott vnnd seiner waaren erkanntnuß / auch von mancherley weisen dadurch er erkennt wirt. Jtem das nun ein Gott sey im wäsen / drifalt aber in personen.
*Bißhar hab ich in zwey vnd dreißig predgenen disputiert / vom wort Gottes / vnd von rechter außlegung desselbigen / vom Christenlichen glauben / von der liebe Gottes vnnd deß nechsten. Jtem von dem gsatzt der natur / von menschlichen gsatzten / vnd vom gsatzt Gottes / auch
CCXLIX. / 249avon desselbigen stucken vnd teylen / namlich vom gsatzt der sitten / der Ceremonien / vnd der gerichten / Jtem vom brauch deß gsatztes / auch von seiner erfüllung vnd auffhebung / von der gleicheit deßgleich vom vnderscheid deß alten vnd neüwen volcks vnd testaments / von der Christenlichen freyheit / von der ergernuß / von den guoten wercken / wie es vmb die selben ein gestalt habe / auch von den verdiensten / von der sünd / vnd den mancherley gstalten der sünden / Jtem von der gnad Gottes vnd dem Euangelio Jesu Christi / in welchem vns der himmlisch vatter alles das zum läben vnd ewigem heyl dienstlich vnd notwendig ist gegeben hat.*[-] Zum letsten auch von der buoß / vnd allem das daran hanget. Dieweil ich mir aber fürgenommen Christenlich von allen fürnemsten hauptpuncten vnser religion zuo disputieren / vnnd in dem das bißhar disputiert ist / Gottes / seiner erkanntnuß vnd diensts / Jtem Christi Jesu / vnnd deß heiligen geists / auch der guoten vnd bösen geisteren / deßgleich der kirchen / deß gebätts / der Sacramenten / vnnd anderer dergleichen heiliger dingen vil gedacht ist worden / so erforderet die notturfft / das nach dem ich die anderen stuck vollendet / ich yetz auch von disen gemäldeten stucken allen vnd yeden besonders auß der h. gschrifft rede / was mir dann der Herr zuo reden gäben wirt.
Von Gott sind vorzeiten vil jrriger meynungen gwesen / nit allein vnder dem gemeynen man / sonder auch bey den Philosophis / vnnd in den rottungen der falschen Christen. Von jhänen was der vralt vnd hochgeleert Leerer Tertullianus gewon zuo reden / Die Philosophi (das ist die weisen vnd gelerten by den Heyden) wärind der kätzeren Patriarchen vnnd Ertzvätter. Vonn disen aber spricht der heilig Apostel Joannes / Sie sind vonn vnns außgangen / aber sie warend nicht von vnns / dann wo sie von vnns gewesen wärind / so wärind sie zwar bey vnns bliben. Wenn ich aber schon eüwer lieb eins yeden meynung nach einander erzallte / so sich ich doch nicht was fruchts jhr darauß schöpffen möchtind. Darzuo möcht es villeicht guot sein / das man horte worinnen andere gejrret / damitt wir vnns nicht auch an den selbigen schrofen stiessind [wir vns dauon zu hüten wüsten]. Darumb wo ettlich der baß geüebteren wärind / die der Heyden vnnd Kätzeren meynungen von Gott wüssen wöltind / die mögend söllichs nemmen auß den Placitis Philosophorum Plutarchi lib. I cap. 7. oder auß anderen Heyden. Jtem auch auß dem j. buoch Cyrilli wider Julianum / deßgleich vß dem iiij. cap. Dogmatum uel definitionum Ecclesiast. Jch wil auff diß mal die Gottsförchtigen oren vnd gemüeter mit disem last nicht beschwären. Dise vngleichheyt der meynungen fleüßt auß keinem anderen brunnen har / dann auß der menschen fräfenheyt vnnd vnwüssenheyt / die sich nicht schämmend auß jrem eignen hirni vnnd guot duncken Gott anzemassen [das zu zuschreiben] / dessen nichts an jhm ist / vnd von dem er veer ist / Jch geschweigen erst das deß menschen gemüet so gar eng vertuncklet vnd verfinsteret ist. Dann wär wil das wäsen Gottes mit seinem verstand fassen vnd ergreiffen / so doch niemand ist der noch volkommenlich ersehen habe / wie deß menschen seel / wie auch vil dings an deß menschen leib / Jtem wie das wäsen der Sonnen vnd deß Mons sey? Man bringt wol vil natürlicher argumenten vnd rechnungen herfür / noch bleibt das werck Gottes allweg grösser vnd wunderbarlicher / dann es deß menschen hirni vnd zung möge erfolgen. Darumb sol kein mensch / der etwas gwüsses von Gott haben wil / in jm selbs das selbig suochen / oder sich auff menschlichs vrtheil verlassen / sonst wirt er allweg seines hertzens gedicht ehren / thorheit / ytelkeit vnd fantasey namlich. Dargegen wirt der recht von Gott halten vrteylen vnd reden / der jhm selb nützit zuogibt / nichts auß seinem eignen hirni erdenckt / noch dem zuo volgen fürnimpt das ein anderer erdacht / sonder in allen dingen auff den mund Gottes acht hat / vnd dessen offenbarung volget. Darumb söllendCCXLIXv. / 249b
wir das als ein gewüsses gesatzt halten / das Gott nicht recht erkennt möge werden dann auß dem wort Gottes / vnnd das man vonn Gott also glauben vnd jn also annemmen sölle / wie er sich vns selbs inn seinem wort offenbaret. Dann je niemands bas vnnd eigenlicher sagen kan was vnnd wie Gott seye / dann Gott selbs.
Dieweil nun diser Gott inn seinem wort / deßgleich auch inn der schöpffung der wält / Jtem in der heiligen geschrifft / vnd in den offenbarungen so durch den mund der heiligen ertzuätteren Propheten vnd Apostlen beschehen / auch in den gemüeteren vnd gewüßninen aller menschen / sich Gott sein [daß ein Gott sey] bezeüget / so spricht der küncklich Prophet Dauid recht vnnd billich / Der torecht spricht in seinem hertzen / Es ist kein Gott. Dann der muoß je vnsinnig sein / der das laugnet / das allen menschen in der wält so offenbar ist / die ächt [nur] rechter vernunfft sind / nammlich das ein Gott seye. Dann auch Cicero ein Heidischer man / in lib. de natura Deorum, vnder anderem spricht. Es ist allen menschen anerboren / vnd allen gemüeteren yngepflantzet / das ein Gott seye. Vnd welche gleich laugnend Gott sein / die fürchtend jn doch nichts destminder / den sie doch sein laugnend. Vnd bekennend jn deßhalb mit diser forcht / vnd straffend sich selbs damit der lugen vnd deß vnglaubens. Darbey muoß man aber bey der frag / da man fraget was vnd wer Gott seye / ob schon die gehandlet wirt nach erleüterung der gschrifft / wüssen / dz ein maß darinn sol gehalten werden. Dann es ist nit nun gfarlich / sonder auch in allweg verbotten / das ewig wäsen Gottes zuo gnaw wöllen erforschen ergründen vnd erschowen. Salomon spricht / Gleich wie zuo vil honig ässen nit guot ist / also wirt der von der herlikeit vndertruckt der die selbig ergründen wil. Vnd vor dem herrlichen wunderbaren gspräch / dz vnser Gott auff dem berg Sina mit dem gantzen volck Jsraels hielt / ward zuo Mose gesagt / Steck zeichen vmb das volck här / vnd sprich zuo jnen / hüetend euch das jr nit auff den berg steigind noch seine end anrüerind / dann wer den berg anrüeret / der sol deß tods sterben usw. Da sichst das es beym läben verbotten wz / über die fürgschribnen zuo hereingon / darumb so sol vnser nachforschen sein gwüsses zil haben. Wir läsend allenthalb in der h. gschrifft / dz die aller fürtreffenlichsten fründ Gotts zitteret habind vnd gantz erschrocken gewesen seyend / so offt jnen Gott in etwz sichtbarer gstalt erschinen. Vnd ist nit von nöten dz ich dise exempel weytlöuffig ynziehe. Jr wüssend wie sich Abraham gehalten in seinem gespräch dz er mit Gott hielt Gen. xviij. cap. Jtem was die elteren Samsonis sagtend im buoch der richteren. Jtem Helias iij. Reg. xix. Jtem Petrus Luc. v. Welcher als er vß dem wunderbaren fischfang verstuond / das Christus etwz meer was dann ein mensch / schrey er vnd schrach [sprach] / Herr gang von mir hinuß / dann ich bin ein sündiger mensch. Darumb so die heiligen in den hendlen Gottes jenen demüetig / bscheiden vnd forchtsamm sind / so sind sies in disem stuck besonders / dieweil sie verstond / dz die ewig vnermessen krafft / vnd vnußsprechliche maiestat Gottes / mit keiner beschreibung ynzilet [vmbschrieben] / noch mit keinem nammen mag begriffen werden. Tertullianus in seinem buoch de trinitate, spricht gar fein warhafftiklich vnd Gottsäliklich / Der eigenlich nam Gottes mag nit außgesprochen / dann er mag auch nit begriffen werden. Denn in dem nammen wirt verfaßt / alles dz in dem wäsen seiner natur begriffen wirt. Dann ein namm ist ein bedütung eins dings / das man auß dem nammen begreiffen mag. Wenn aber das dauon man handlet / dermassen ist dz mans mit dem verstand nit recht fassen kan / wie wolt man es dann erst mit eim rechten nammen können nennen? denn dieweyl es über den verstand ist / so volget von nöten das es mit keinem nammen möge bedütet vnd außtruckt werden. Das wir deßhalb billich wüssen söllend / dz wenn Gott etwan von etlicherCCL. / 250a
vrsachen vnnd anläßen wegen sein nammen zuo einem ding oder für ein ding setzt / das damitt nicht als vil die recht eigenschafft seines nammens außtruckt wirt / als das sonst ein bedeütung fürgestellt wirt / zuo welcher die menschen lauffend / vnnd die barmhertzigkeyt Gottes dadurch erlangend. Jtem weyter / Gott / vnnd die ding die sein vnnd inn jhm sind / mag deß menschen gemüet rechtgeschaffen nicht begreiffen / was sie sygind / wie groß sie sygind / vnnd wie sie sygind. Vnnd kein menschliche wolberedte truckt ein sölliche krafft der red auß / die seiner Maiestet zuo vergleichen syge. Dann sein herrligkeyt zuobedencken vnnd außzuosprächen / ist alle wolberedte freylich stumm / vnnd ein yedes gemüet zuo eng. Dann er ist grösser denn das menschlich gemüet / vnnd ist nicht müglich zuo gedencken wie groß er sey / dann so es möchte gedacht werden / so müeßte er minder sein dann das gemüet / mitt dem er möchte bedacht werden. Er ist auch grösser / dann alle red / oder yemandt sagen könne. Dann so er möchte außgesprochen werden / so müeßt er minder sein dann menschliche red / mit welcher er durch das vßsprächen vmbschriben vnd begriffen wurde. Was man aber von jhm gedenckt / das ist minder dann er / vnd was außgesprochen wirt / ist minder so es jm vergleicht wirt. Dann in stille [bey vns] mögend wir jnn etlicher massen verston / wie er aber ist / das mögend wir mit keiner red erklären. Dann nennest jn gleich ein liecht / so nennest vil mer sein geschöpfft / dann jhn / jhn selb truckst du damit nit auß. Nennest jn dann ein krafft / so nennest mer sein macht / dann das du jn außtruckist. Oder nennest jhn / ein Mayestet / so beschreibst du mer sein ehr vnd herrligkeit / dann jn. Was wil ich aber alles durchlauffen / vnd den handel lang zuo machen? Jch wils mit einander als sagen / Was du in summa von jm redest / so erklärst mer etwan seiner dingen eins dann jn selbs. Dann was wilt du von dem rechtgeschaffens reden oder sinnen / der grösser vnnd mer ist dann alle sinn vnd reden? Es seye dann sach / das wir auff die einig weiß (vnd das auch bloß wie wir mögend / wie wirs begreiffend / vnd wie wirs verston könnend) mit vnserem gmüet was Gott sey begreiffen mögind / so wir gedenckend / er sey das / das da nicht möge verstanden / noch auch inn gedancken bracht werden / wie vnnd welcher maß es sey. Denn wie die scherpffe vnser augen ab dem ansehen der Sonnen dermaß stumpff wirt / das sie durch den hällen glantz überwunden den Circkel selb nitt mag anschauwen / also begegnet söllichs auch in allen gedancken von Gott der scherpffe vnsers gemüets / welches ye mehr es gerichtet wirt in die betrachtung Gottes / so vil mehr erblindet es ab dem liecht seiner gedancken. Dann (damitt ich söllichs wider äfere) was wilt du von dem rechtgeschaffens reden / der höher ist dann alle höhe / tieffer denn alle tieffe / liechter denn alles liecht / klärer dann alle klarheyt / gläntzender dann aller glantz / stercker dann alle stercke / krefftiger dann alle krafft / schöner dann alle schöne / waarhafftiger dann alle waarheyt / mächtiger denn alle macht / herrlicher dann alle herrligkeyt / gewaltiger denn aller gewallt / reicher dann alle reichthumb / weiser dann alle weißheyt / güetiger denn alle güete / milter denn alle milte / gerächter denn alle gerächtigkeyt / gnädiger denn alle gnad. Dann es müessend ye alle tugenden minder sein dann der / der aller tugenden Gott vnnd vatter ist / das man mit der waarheyt sagen mag / Gott seye ein söllichs wäsen / dem nützit möge vergleicht werden / dann er ist über alles das geredt mag werden. So vil der worten Tertulliani.
Wiewol nun dem gäntzlich also ist / vnnd kein Engel noch menschen zung volkommenlich erklären mag / was / wär / vnnd wie Gott sey / dieweyl sein Mayestet vnermäßlich vnnd vnaußsprächlich ist / so gibt vnns doch die heilig gschrifft / die dz wort Gottes ist / vnd sich vnser schwacheyt gleichförmig machet /CCLv. / 250b
ettliche weysen formen vnd gstalten vnder die händ / durch welche wir doch inn etwas erkantnuß Gottes / so vil vnns dann dieweil wir hie auff erden läbend / gnuogsam ist / yngefüert werdend / doch also das wir allweg gedenckind / das daß vnermäßlich wäsen nicht mag eigenlich *ynzilet oder begriffen* [beschrieben] werden / sonder das vns allein anlaß gegeben wirt / dadurch wir zuo mererem durch erleüchtung deß heiligen geists gebracht werdind. Vnd söllend deßhalb in diser disputation allweg vor augen haben diß warhafft wort deß ewigen Gottes / das er zuo Mose geredt / Du wirst mein angesicht nicht mögen sehen / dann kein mensch wirt mich sehen vnd läben. Dann wenn wir von hinnen kömmend / vnd dise menschlich sterblikeit vnnd blödikeit außziehend / so werdend wir erst die Göttlich maiestat sehen. Dann es spricht der heilig Apostel Johannes / wir wüssend das wenn er erscheinen wirt / so werdend wir jm gleich sein / dann wir werdend jn sehen wie er ist. Bey welchem wir auch gedencken söllend der worten deß Apostels Pauli der da spricht / Wir sehend jetz durch einen spiegel in einem duncklen wort / denn aber von angesicht zuo angesicht. Darumb sol niemand die fürgesteckten zil überschreiten / oder die verordnete zeyt wöllen fürkommen / vnd jm mit vngöttlicher fürwitz vnd fräfenheit fürnemmen in disem fleisch / dieweil er noch hie in zeyt läbt / das angsicht Gottes / das ist das wäsen Gottes an jm selber / zuosehen. Vernüege sich ein jeder der eroffnung Gottes / die er vns inn seinem wort gnädigklich auffthuot nach seinem guoten willen / so weit vnns nutzlich vnd von nöten ist zuo wüssen. Vnd das werdend wir billich für ein ware weißheit halten vnd erkennen / die hierinn nicht mee wirt wöllen wüssen oder verston / dann so vil die ewig weyßheit leert vnd zuo verston gibt.
Die erste weiß aber Gott zuo erkennen wirt genommen auß den nammen Gottes / die jm in der heiligen geschrifft zuogäben werdend. Deren sind vil vnd mengerley / dann seine tugenden / das ist sein weißheit / güetikeit / gerechtikeit vnnd allmechtikeit / sind vnentlich. Jch wil aber nach meinem vermögen allein die fürnempsten vnd gemeinsten erzellen vnd erklären. Vnder den nammen Gottes ist diser der fürnempst den man nennt tetragrammaton / das ist als vil geredt / als der vierbuochstäbig / dann er wirt geschriben mit den vier athmenden buochstaben / vnnd Jehouah genennt. Diser nam wirt gezogen von dem wort Houah / für das setzt man den buochstaben Jod / so heißts Jehouah / das ist / ein wäsen / oder ich bin / Darumb das Gott ein autousia das ist ein wäsen ist das auß jm selbs ist vnd bestat / das sein läben vnd wäsen von keinem anderen / sonder auß jm selbs hatt / niemands bedarff das es seye / sonnder allen dingen sein vnnd wäsen gibt / nammlich ein ewiger Gott / on anfang vnd on end / in dem wir läbend / vns bewegend vnd sind. Dahär dann sonderlich dienet das wir Exod. am iij. Cap. mit disen worten läsend / Vnd Mose sprach zuo Gott / Wenn ich zuo den kinderen Jsraels kumm / (zuo denen du mich jetzunder schickst) vnd sprich zuo jhnen / der Gott eüwerer vätter hatt mich zuo euch gesannt / vnd sie mir sagen werdend / wie heißt sein namm? was sol ich jhnen sagen? vnnd Gott sprach zuo Mose / Jch bin der ich bin / Oder / Jch wird sein der ich sein wird. Vnd er sprach / Also solt du zuo den kinderen Jsraels sagen / Der ich bin / oder der sein [-] / oder das wäsen / oder Jch wirds sein / der hatt mich zuo euch gesennt / das ist / Jch bin Gott der sein wird / vnd der hatt mich gesennt / welcher zwar das sein vnd wäsen selbs vnd ewiger Gott ist. Denn das futurum begreifft drey zeiten / der da ist / der da gewesen ist / vnd der da sein wirt / der hat mich geschickt. Auff dises wort deß Herren achten ich das der heilig Euangelist vnd Apostel Joannes gesehen habe / welches er auch wöllen außlegen / da er in der person Gottes spricht / Jch bin das A vnd das O / der anfang vnd dz end / spricht der Herr / der da ist / vnd der da was / vnd der da kummt / der allmechtig.CCLI. / 251a
Es habend auch hie andere das obseruiert vnd gemerckt / das gar nach in allen sprachen / auch in den fremden vnd Barbarischen / der nam Gottes mit vier buochstaben geschriben wirt. Jn der Hebreischen sprach ist sölichs vngezwiflet. Nit minder gwüß ist es auch in der Griechischen / Latinschen vnd Teütschen dann in Griechisch wirt Gott genennt / theos, teos / Jn latinisch / Deus, Jn tütsch Gott. Jn der Persischen sprach zeigend sie an dz er genennt werde syrê, Syri. Jn der thôyth thoid / oder theyth, theud. Vnd per contractionem zuosammenzogen thôth. Auß denen vierbuochstaben aber zühend die Cabalisten gantz wunderbarliche geheimnussen / von welchen andere fleißig geschriben habend / ich wil lieber ewer lieb mit disen subtilen dingen nicht verwicklen. Disem nammen Gottes sind auch disere verwannt / das er genennt wirt Jah vnnd Hu. Jhenes ist vil inn den Psalmen. Dann Dauid spricht / halleluiah / das ist / lobend den Herren. Deß anderen gedenckt Dauid auch / da er spricht / Hu / das ist / er Gott / das wäsen vnd der schöpffer aller dingen / hatts geredt / vnd es ist worden. Hu / er hatts gebotten vnd es ist gewesen. Vnd by dem Esaia / Jch bin der Herr / hu / das ist mein nam / vnd mein Eer wird ich keinem anderen geben. Welche wörtli bede auch von dem wäsen Gottes kömmend / vnnd leerend / das Gott jhm selb allweg gleich sey / ein wäsen / das vonn ewigkeyt har auß jhm selb ist vnd bestat / vnd allem dem das da ist / das wäsen gibt / als durch welchen / von welchem / vnd zuo welchem alle ding sind / dieweil er ein ewige vnd volkomne hentelechia, das ist bewegende krafft / vnd aller dingen volkommenheit ist.
Das vierbuochstäbig wörtli Jehouah aber / läsend die Hebreer nit / vnd truckends nicht also auß wie es geschriben wirt / sonder brauchend dafür dz wörtli Adonai. Dann sie sagend jhenes sey vnaußsprechlich. Für dises aber setzend alle tollmätschen das wörtli Dominus, Herr. Dann Gott ist ein Herr aller dingen / der sichtbaren vnd vnsichtbaren. Vnd ist kein anderer Herr in der gantzen wält / dann diser einig allein / dem alles in der wält dienet vnnd vnderworffen ist / er hat aller dingen volkomnen gwalt / vnd alle herrschafft überal. Darumb wirt zuo disem nammen Gottes von erleüterung wegen etwas hinzuo gesetzt / das wörtli Sabaoth. Dann er wirt genennt ein Herr Sabaoth. Welches ettliche außlegend / Herr der krefften / Etliche / Herr der herscharen. Dann dieweil Gott allmechtig ist / so ist er fürtreffenlich inn krafft vnd stercke / vnnd erzeigt auch in seinem herzüg was er vermöge vnd wie groß sein krafft seye. Dann sittmal er ein Gott ist aller creaturen / vnd die selbigen wie ein Fürst seine kriegßleüth braucht / vnd auch durch die geringsten der selbigen grosse vnd erschrockenliche ding würckt vnd thuot / so zeigt er damit an / wie herlich vnd groß er vnd sein macht seye. Jm heerzüg Gottes sind alle Engel / von denen Daniel sagt / Tusend mal tusend dienetend jm / vnd zehentusend mal zehentusend stuondend