Bundestheologie?
Wie sich an Bullingers Eigenart und Denken annähern? Die meisten tun es über die Bundestheologie. Seit jeher gilt er als einer, der den „Bund" in den Mittelpunkt seines Formulierens stellt.
Immerhin sei erzählt: In einem einschlägigen Vortrag stellte Prof. F. Büsser, der Bullinger-Fachmann, fast verwundert fest, die Vokabel „pundt" erscheine auffallend selten gerade in den Abhandlungen des Decades über den Bund. Recht hat er mit seiner Feststellung. Die Sache wird mit Vokabeln wie etwa „vereiniget" bezeichnet. Es geht um das Miteinander gegenüber einem ‚ohne mich’ oder gar ‚gegen dich’.
Im Heúrisma, wie hier die Feststellung genannt wird, dass Gott aus seinem Antrieb die Verbindung sucht mit den Menschen seiner Schöpfung – im Heúrisma liegt der Bund.
Bullinger nennt diesen Urgrund des Bundes die Verheissung; der Bund selber ist ein Gleichnis dafür. Bundestheologie im Sinne Bullingers ist eine Spielart des Wahrnehmens und Redens von der Verheissung Gottes; der pundt ist parallel gesehen zum Gesetz. Wir lesen im Katechismus (deutsch 1596) im dritten, dann im vierten Kapitel:
F. Wie erklärt vns sonst die H. Schrifft diesen sehligen handel deß Vätterlichen willens Gottes gegen vns?
A. Durch die gleichnuß eines Bunds. Denn wie die menschen sich mit einem Bund hart zusamen verbinden: ebener massen hat sich Gott durch einen ewigen Bund mit den menschen vereiniget vnnd verbunden.
.....
F. Wirdt aber dieser handel in der Schrifft auch auff ein andere weise / als durch die figur vnd gleichnuß eines Bundts erkläret?
A. Ja: Nemlich durch das Gesetz: in welchem die Artickel deß Bundts / von dem wir kurtz geredt haben / weitläuffiger erkläret / vnnd der recht Gottesdienst gar herrlich erleutert wirdt.
Bund und Gesetz sind also Ausdruck eines Ersten, und das ist die freie Verheissung Gottes an uns Menschen. Diese tritt uns manchmal als Bund, manchmal als Gesetz entgegen oder auch als beides gleichzeitig; eine solche Gleichzeitigkeit wäre aber nur möglich in einer a-logischen Geisteshaltung: frei, Logik zu gebrauchen oder ohne sie ein bewusstes Denken zu pflegen, vielleicht etwa als innere Wahrnehmung. „... jm sind gehörig."
Von da her erklärt sich möglicherweise die Unbekümmertheit Bullingers in der Darstellung des Bundes: oft gewinnt der Leser den Eindruck, es gehe um eine gegenseitige Übereinkunft, die wesentlich von der Zustimmung des Menschen als Partner abhängt. Dem gegenüber aber betont Bullinger aufs deutlichste die unüberbrückbare Verschiedenheit des Schöpfers und des Geschöpfs. Man ist beim Lesen versucht, in diesem Punkt zwar beeindruckt zu sein, dabei aber ein gewisses konsequentes Denken zu vermissen. Mir jedenfalls ist das so ergangen beim mehrmalen Lesen des Hausbuchs. Erst mit der Lektüre des Katechismus hat sich mit die Schwierigkeit quasi aufgelöst.
Dabei ist interessant: Die Catechesis ist 1559 in Druck gegangen, die Summa 1556, die Decades 1549-51. Ein Zeitraum von zehn Jahren also, und es ist nicht beobachtet worden, dass in diesem Jahrzehnt eine theologische Änderung im Denken Bullingers stattgefunden hätte. Das Zielpublikum der Bücher ist aber verschieden: vom theologisch interessierten Gläubigen zum einfachen Gemeindeglied, dessen Interesse jenseits von allenfalls wissenschaftlicher Theologie liegt – das ist aber nicht als Qualitätsunterschied aufzufassen, weder des Menschen noch der Publikation –, und zuletzt die älteren Kinder. Die Summa wurde auch als Schulbuch für die höheren Klassen des Zürcher Carolineum verwendet.
Bullinger war schon zu seinen Zeiten bekannt dafür, in seinen Darlegungen sehr differenziert auf seine jeweiligen Zuhörer eingehen zu können. Wir tun gut daran, nicht nur auf ein sogenanntes Hauptwerk zu achten; bei Calvin mag das angehen, weil er seine Institutio eifrigst und immer wieder überarbeitete, die Eine richtige Formulierung suchend. Bullinger aber schrieb immer neu in eine immer neue Gegenwart und für immer neue Gegenüber; wir finden hier das, was wir mit Aspekten, Hinsichten benennen. Wir haben also keinen Anlass, diese drei Werke desselben Jahrzehnts verschieden zu gewichten. Ja, wer die pädagogische Wahrheit weiss, dass es einfacher ist, ein längeres Exposé vor Gebildeten zu halten als dasselbe in aller Kürze zu formulieren für Kinder oder gar geistig Behinderte, der wird sich nicht scheuen, die detaillierten Ausführungen des Decades zu konfrontieren mit der Summa wie dem Katechismus.
In der Summa lesen wir:
2A8 Das Gott das menschlich geschlächt jm verbunden habe zum heil vnd stätem dienst. Cap. VIII.
VNd so dann Gott den menschen errettet vnnd erlößt vor dem ewigen tod / vnd vß den banden vnd dienstbarkeit des Tüfels / zücht er den menschen zuo jm / vnd einiget jn jm / das er fürohin all sin läben lang vff Gott sähe / dem vertruwe / sines willens faare / jn eere vnnd jm diene / sich des Tüfels vnd alles sines rychs gar entschlahe: vnd so er etwan fält vnnd falt / nit an Gottes gnad verzwyfle / sunder widerumb guots vnd der gnaden hoffe / vfstande / sich bessere / vnd Gottes halte. Hiehar dienet das die heilig gschrifft allenthalben züget / Gott habe ein pündtnuß mit dem menschlichen gschlächt angenommen / gemacht vnd vfgericht. Sölichen pundt hat er angefängt mit Adamen / erstreckt mit Noe / erlüteret mit Abrahamen / ernüweret vnd in gschrifft gefasset durch Mosen / beschlossen durch Jesum Christum. Dises pundts oder Testaments artickel sind / Gott wil vnser Gott syn / vns alle gnüege gäben / ja durch Christum sinen Sun wil er vns veruolkomnen vnd alle himmlische schätz mitteilen. Das wil er vns thuon: volgt yetz was er von vns haben wölle. Dargägen söllend wir vns des Gotts allein halten / keinen andern Gott näben jm haben / jm allein vertruwen / jn anbätten / anrüeffen vnd vereeren / jm trüw vnd glouben halten / vnnd in sinen gebotten all vnser läbenlang wandlen.Das alles laßt er vns durch sine diener / mit sinem wort verkünden / das laßt er als einen verschribnen brieff in die heiligen büecher der gschrifft verfassen: deren söllend wir glouben. Die heiligen Sacrament aber als sigel der warheit henckt er an disen gmächts vnd pundts brieff / deren wir vns nach vßweysung sines worts söllend gebruchen.
Vnd welche das thuond / sind rächte diener vnd pundsgnossen Gottes / vnd habend die waren rächten religion. Religio ist ein Latinisch wort / heißt ein verbindung. Durch Gottes huld oder waaren glouben / obgemelter wyß / werdend wir Gott vereiniget oder verbunden. Darumb einerley ist die rächt pündtnuß Gottes / vnd die waar religion Gottes: vnnd sind die warlich religiosi / die mit Gott verpündet / sich aller anderen dingen entschlagen / Gottes vnd sines worts allein haltend. Summa 30v-31vDeutlich sagt der Titel aus: Gott hat die Verbindung zum Menschen hergestellt. Er
„einiget jn jm." Wir erinnern uns, dass die Bürger nicht die geregelten demokratischen Rechte der heutigen Zeit besassen und gewohnt waren. Wir haben auch das Geschichtswissen, dass zur Zeit des Alten Testaments die Grossmächte den kleineren Staaten Verträge anboten, die sie allein festgelegt hatten; der Begriff ‚Bund’ war also für damals nicht im heutigen Sinne auf Gegenseitigkeit geprägt. Eine Übereinkunft bestand darin, dass die schwächeren Partner das Angebot ablehnen und die (schlimmen) Konsequenzen tragen konnten. Weitschweifende Erklärungen und Ausführungen waren nicht nötig.Die „Unbekümmertheit Bullingers in der Darstellung des Bundes", die wir vorhin vermutet haben, löst sich demnach auf: nach den
„gelägenheiten der zeit" konnte er sich seine Ausdrucksweise leisten, ohne missverstanden zu werden. Wir Heutige lesen allzu leicht Heutiges in frühere Texte. Davor sind auch Historiker nicht gefeit. Wie könnte sonst von berufenem Mund festgestellt werden, Bullinger habe den Anschluss an die Zeit verpasst – wo er doch den Anschluss an Gottes Wort über alles stellte, so dass eher zu sagen wäre: er hat auf den Anschluss an die Zeit verzichtet. Die letztere Formulierung könnte allenfalls eine Anregung an unsere heutige Kirchenpolitik zum Inhalt haben. Ein Detail: „Fundraising" hat System; wie gewichtet dieses System den „Segen Gottes"? – Verzichten, ja, das ist ein Thema bei Bullinger, bei dem er allerhand Risiken auf sich nahm. Verzichtete er doch auf die Erörterung von „subtilen" Fragen seiner Zeit. Nicht dass er sie nicht gekannt hätte!Kehren wir zurück zum Bund, dessen erstes Anliegen so beschrieben wird in den Ausführungen zu den Zehn Geboten:
Jn summa / wie er zuo Abrahamen im pundtsartickel gesprochen hat / Jch wil din Gott / die volkommen gnüege / vnd aller der dinen Gott / syn: also widerholet er hie den ersten vnd obristen pundtsartickel / bestätet den selben hiemit vnnd spricht: Jch bin der Herr din Gott. Summa 51r
Es geht um die Selbstverpflichtung Gottes uns Menschen gegenüber. Unsere menschliche Verpflichtung aus dem Bund ist die Antwort der Dankbarkeit darauf; Gott gibt uns Hinweise, in welcher Form unsere armen Bemühungen ihm angenehm sein werden. Das sind die Gebote im Wort Gottes, die ein Ausdruck desselben Anliegens sind wie die „figur vnd gleichnuß" des Bundes.
Dabei ist, gemäss Bullinger, Gott so vorgegangen:
Vnnd als ein bruch by den menschen ist / daß sy jre zuosagungen / verträg / pündtnussen / gmächte oder testamenta / nit nun mit worten vßsprächend / sunder ouch in brieff verfassen vnd schryben lassend / die sy dann wyter ouch besiglend / vff das söliche brieff vnd sigel / ouch by den nachkommenden zügnuß / vnd gwüssen bericht der warheit gäbind: also hat vnser Herr mundtlich siner kilchen sine zuosagungen gethon / einen ewigen pundt / vnd ein ewig testament oder gemächt gemacht vnd vfgericht / darzuo er yetzund sine Sacramenta / anstatt der brieffen vnnd siglen thuot / zuor zügnuß der warheit vnsers heils / etc. Darumb nennt der heilig Paulus das Sacrament der beschnydung nit allein ein zeichen / sunder ouch ein sigel der gerächtigkeit des gloubens. ..... S 142vNirgends ausgesprochen ist, so weit ich mit meinen beileibe nicht umfassenden Kenntnissen sehe, dass beim Niedergeschriebenen mit Fehlern gerechnet werden muss. Der prästen, ja, der sitzt in allem was Schöpfung ist. Das schriftliche Gotteswort soll aber nach dem Geist, nicht nach dem Buchstaben zur Kenntnis genommen werden; eine Objektivität ist dabei nicht im Gespräch, wohl aber die Herkunft dieser Worte von Gott. Dem vertrauend Gläubigen ist wichtig, dass es Gottes Worte sind. Es sei das Zitat wiederholt: „
Darumb einerley ist die rächt pündtnuß Gottes / vnd die waar religion Gottes: vnnd sind die warlich religiosi / die mit Gott verpündet / sich aller anderen dingen entschlagen / Gottes vnd sines worts allein haltend." – Bund und Gesetz sind nicht nur parallel, sie sind „einerley."Bundestheologie ist also nicht gut als Ausgangspunkt des theologischen Denkens Bullingers zu bezeichnen. Dass Bullinger den „pundt" mit dieser und anderen Vokabeln so betont, hat andere Wurzeln. Ich sehe eher die bekannte Tatsache, dass sein Denken in genossenschaftlichen Strukturen (Eidgenossenschaft, Korporationen u.a.) wurzelt gegenüber der gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit im Raume Luthers, dass Fürsten die ‚äussere’ Macht innehaben. Wir werden Bullingers Bundestheologie in diesem Umfeld sehen, so gut wie Luthers Zwei Reiche-Lehre in seinem Umfeld.
Das will keineswegs bedeuten, dass die Schweizer (und Süddeutschen) Fürstenherrschaft abgelehnt hätten. Wir sollten vielmehr unser Reden in dem Sinne überprüfen, dass in den heutigen Verhältnissen dieselbe Botschaft durchkommt sie damals. Ich will als wichtiges Beispiel die Vokabel
‚Herr’ nennen. Zur Reformationszeit war jedermann deutlich. dass ‚der Herr’ einer ist, dessen Rechte nicht an denen derer zu messen sind, die eben nicht ‚Herren’ sind. Noch heute trifft man im Berggebiet Männer an, die es ablehnen, mit ‚Herr’ angeredet zu werden: „Der Herr ist im Himmel."Der ‚Herr’ ist der Hehrere; einer der hehrer ist als ich. Das lässt sich noch hören in der Aussprache: „der Heer". Oder der Eichelhäher, der „Heerenhäxler" genannt wird. Noch vor zehn Jahren habe ich sagen gehört: „Der Pfarrer soll gerecht herrschen." Heute ist es zwar nicht mehr die selbstverständliche Auffassung, Adelige oder Herrschende seien mit anderen Rechten begabt als wie Gewöhnlichen. Man ist ‚demokratisch’ geworden. – Bullinger aber redet bis zu unserem Überdruss vom „Herr". Herrjesses! möchten wir ausrufen, das hören zu müssen. Wie sollten wir das Wort noch gebrauchen, wenn es nicht mehr den Eindruck eines Hehreren hervorruft! Was aber dann? – Versuchen wir doch, wie es tönt mit ‚Schutzherr’. Unser Schutzherr Jesus Christus. Und: Wir Menschen sind als Schutzherren der Schöpfung ausersehen. – Klar, dass wir nicht jedesmal quasi per Knopfdruck die Vokabel „Herr" zu ersetzen. Wird nicht auch der Gottesname mit „Herr" wiedergegeben?
Das Reden vom Bund ist gewiss nicht zeitunabhängig. Es gibt da aber ein frühes Bullingerwort, zitiert in Staedtke S. 62: „Das testament aber nemmen ich ein pundt, fryden, vereinigung." ‚Friede’ bezeichnet also ebenso den Bund. Und diese Vokabel verstehen wir auch heute noch, mit derselben Sehnsucht wie damals Bullinger und seine Zeitgenossen.
Der Bund Gottes ist angeboten unabhängig von unserer Reaktion. Gratis, d.h. aus Gnaden. Unser Anteil ist es, das Geschenk weiterzureichen.
Man sagt, Völkerbund, UNO und ähnliches sei aus dem Bundesgedanken entstanden, der in der Bundestheologie gepflegt wird. Bullinger war tatsächlich ein Mann von grosser Verbundenheit mit vielen Menschen aus sehr vielen Staaten. Er lehnte aber Bündnisse ab, die nicht eine innere Verbundenheit darstellen. Auch an diesem Punkt sehen wir, dass die „Bundestheologie" nicht seine Grundlage war, ja, dass der Bund auch nicht Ausgangspunkt seines Denkens war. Wichtig aber ist seine Erfahrung und sein entsprechendes Reden, weil der Bund so gut wie das Gesetz Ausdruck der Verheissung Gottes sind. So haben wir oben gesehen.
Etliche Zitate:
gmächt / verkomnuß vnd pundt Summa 2v
pundt vnd gsatzt Gottes / welches ein zügnuß oder kundtschafft der warhafften zügen Gottes / die warheit Gottes vnd ein grund der warheit wol vnd rächt genennt wirt. S 4v
2A8 Das Gott das menschlich geschlächt jm verbunden habe zum heil vnd stätem dienst. Cap. VIII.
VNd so dann Gott den menschen errettet vnnd erlößt vor dem ewigen tod / vnd vß den banden vnd dienstbarkeit des Tüfels / zücht er den menschen zuo jm / vnd einiget jn jm / das er fürohin31
all sin läben lang vff Gott sähe / dem vertruwe / sines willens faare / jn eere vnnd jm diene / sich des Tüfels vnd alles sines rychs gar entschlahe: vnd so er etwan fält vnnd falt / nit an Gottes gnad verzwyfle / sunder widerumb guots vnd der gnaden hoffe / vfstande / sich bessere / vnd Gottes halte.
Hiehar dienet das die heilig gschrifft allenthalben züget / Gott habe ein pündtnuß mit dem menschlichen gschlächt angenommen / gemacht vnd vfgericht. Sölichen pundt hat er angefängt mit Adamen / erstreckt mit Noe / erlüteret mit Abrahamen / ernüweret vnd in gschrifft gefasset durch Mosen / beschlossen durch Jesum Christum. Dises pundts oder Testaments artickel sind / Gott wil vnser Gott syn / vns alle gnüege gäben / ja durch Christum sinen Sun wil er vns veruolkomnen vnd alle himmlische schätz mitteilen. Das wil er vns thuon: volgt yetz was er von vns haben wölle. Dargägen söllend wir vns des Gotts allein halten / keinen andern Gott näben jm haben / jm allein vertruwen / jn anbätten / anrüeffen vnd vereeren / jm trüw vnd glouben halten / vnnd in sinen gebotten all vnser läbenlang wandlen.Das alles laßt er vns durch sine diener / mit sinem wort verkünden / das laßt er als einen verschribnen brieff in die heiligen büecher der gschrifft verfassen: deren söllend wir glouben.
31v
Die heiligen Sacrament aber als sigel der warheit henckt er an disen gmächts vnd pundts brieff / deren wir vns nach vßweysung sines worts söllend gebruchen.
Vnd welche das thuond / sind rächte diener vnd pundsgnossen Gottes / vnd habend die waren rächten religion. Religio ist ein Latinisch wort / heißt ein verbindung. Durch Gottes huld oder waaren glouben / obgemelter wyß / werdend wir Gott vereiniget oder verbunden. Darumb einerley ist die rächt pündtnuß Gottes / vnd die waar religion Gottes: vnnd sind die warlich religiosi / die mit Gott verpündet / sich aller anderen dingen entschlagen / Gottes vnd sines worts allein haltend.
Jn summa / wie er zuo Abrahamen im pundtsartickel gesprochen hat / Jch wil din Gott / die volkommen gnüege / vnd aller der dinen Gott / syn: also widerholet er hie den ersten vnd obristen pundtsartickel / bestätet den selben hiemit vnnd spricht: Jch bin der Herr din Gott. S 51r
Pündt vnd pundtsgnossen werdend etwan zuo frömbden Götteren
Hb (Register-Stichwort)
Katechismus
Cap. III.
Von dem Bund Gottes / den er mit dem menschen gemacht hat / vnd von dem wahren
Gottesdienst.
F. Womit hat Gott fürnemlich seinen Vätterlichen willen gegen den menschen erwiesen?
A. Mit der verheissung / inn deren er ohne einichen vnsern verdienst / allein auß natürlicher vnd lauterer güte vnnd gnade vns verspricht die höchsten güter dieses gegenwertigen vnnd zukünfftigen lebens. Dann die verheissung Gottes ist zweyerley: Die ein der Geistlichen: die ander der leiblichen dingen. Die Geistlich begreifft die Himmlischen vnnd zukünfftigen güter / nemlich die seel vnd widerbringung deß gantzen menschen: zu welcher fürnemlich nachfolgende Sprüch dienen: Der samen deß weybs wirt der schlangen den kopff zutretten. Jtem: Jn deinen samen sollen alle völcker gesegnet werden. Jtem: Diß ist das Testament / welches ich mit jhnen machen wil: Jch wil gnädig sein jhrer vberträttung / vnnd wil jhrer sünden nicht mehr gedencken. Die Leiblich verheissung begreifft die zeitlichen güter dieses lebens / welcher mancherley seind / als gesundheit / schöne / stercke / reichthumb / vnnd andere dergleichen vnzahlbar viel ding.
F. Wie erklärt vns sonst die H. Schrifft diesen sehligen handel deß Vätterlichen willens Gottes gegen vns?
A. Durch die gleichnuß eines Bunds. Denn wie die menschen sich mit einem Bund hart zusamen verbinden: ebener massen hat sich Gott durch einen ewigen Bund mit den menschen vereiniget vnnd verbunden.
F. Lieber mit welchen menschen?
A. Mit dem Adam / vnser aller Vatter / mit dem Noe / vnnd am aller kläresten mit dem Abrahamen vnd seinem gantzen samen / daß ist mit allen Gläubigen zu allen vnd jeden zeiten / vnnd auß allen völckeren. Auß welchem erscheint daß wir alle Bundsgenossen Gottes seind. Vnnd damit niemand an diesem zweiffel habe / so ist Gottes wort klar: Jch wil dein Gott seyn / vnd deines samens nach dir / zu ewigen zeiten. Nun aber zeiget Paulus mit klaren worten an / die gläubigen seyen Abrahams samen: wie man liset in der Epistel an die Römer am vierdten vnd an die Galater am dritten Capitel.
F. Wie viel Artickel seind dieses Bunds Gottes mit den menschen auffgerichtet?
A. Fürnemlich zwen. Der erst zeiget an / wie sich Gott gegen vns wölle verhalten / was wir von jhme zugewarten / vnnd vns seiner halben zugetrösten haben. Der ander lehret / was er hergegen von vns erfordere / vnd worinn vnser pflicht gegen jhme stehe.
F. Erzehl mir / wie sich Gott gegen den menschen halten wölle.
A. Er wil nicht allein in gemein aller / sonder auch eines jeglichen innsonderheit Gott sein / das ist / er wil vnsere völle vnd genüge sein / als inn dem wir haben sollen alle herrliche vnd vollkommene güter der seelen vnnd deß leibs: beide in diesem gegenwertigen vnd zukünfftigen leben: die wir auch von jhme allein: nicht aber von frembden Götteren erwarten vnnd begeren sollen.
F. Was erforderet Gott hergegen von vns / oder was ist vnser ampt gegen jhme?
A. Daß wir gemeldte güter danckbar erkennen / mit wahrem glauben annemmen / vnd dem Gott / der sich mit vns verbunden mit reinem vnd auffrechtem hertzen anhangen. Derhalben ist diß vnser ampt / daß wir jhme allein anhangen / zu jhme allein in allen nöhten lauffen / jhme vertrawen / jhn verehren vnd lieben als vnsern Vatter / Herren vnd einigen Heyland
IIv.
Oder / daß ichs mit weniger worten sage: Vnser ampt ist / daß wir diesen Gott recht vnd allein / alle andere Götter hindan gesetzt / verehren: weil er ja allein allen menschen inn allerley nöhten gnugsam helffen kan.
F. So zeig mir hie an / welches der recht Gottes dienst sey?
A. Dieser ists / der Gott allein geleistet vnd von menschen gantz vnd gar nach der regel vnnd richtschnur deß Göttlichen worts angerichtet vnd geübt wirt. Denn der Gottesdienst / der nach vnserem gutduncken angestellt vnd den Creaturen erzeigt wirt / ist vnrecht vnd falsch.
F. Jn wie viel stucken stehet der wahr vnnd recht Gottesdienst?
A. Er ist zwar einfältig: aber vmb mehrer nachrichtung willen / mag er in den außwendigen / vnnd innwendigen vnderschieden werden. Der innwendig ist inn dem erleuchteten gemüt deß menschen: vnd ist anders nichts denn wahrer glaub vnd gehorsam / kindtliche forcht / liebe vnd ehrenbietung gegen Gott. Auß welcher ferner herfleußt wahre anrüffung / bekanntnuß vnd lob Gottes / Jtem dancksagung vnnd ein eiffer zur gerechtigkeit / vnschuld / messigkeit vnd handtreichung. Der außwendig Gottesdienst entspringt auß dem innwendigen / vnnd wirdt Gott allein erzeiget mit Ceremonien / gebreuchen vnd geberden / die Gott selbst eingesetzt vnd geordnet hat.
F. Wie werden aber diejhenigen / so inn diesem Bundt fest bleiben / genennt?
A. Geistliche leuthe / Bundtsgenossen vnd freunde Gottes.
F. Macht denn dieser Bundt vns zuo München / welche sich bißhero allein Geistliche leuhte genennet haben?
A. Nein. Denn diese haben sich nicht recht Geistlich genennt. Die Bundtsgenossen Gottes aber werden vmb dieser vrsach willen Geistlich genennt / weil sie mit dem H. band der Religion vnd deß Glaubens Gott dem Herren in allweg verbunden seind. Daher auch das wort Religion von dem band seinen namen bey den Latinern empfangen hat / weil Gott den menschen mit der Religion jhme selbst gleichsam verbunden hat / daß er jhme als einem Herren vnnd Vatter dienen sollte. Weil nun die Münche jhnen andere herren vnd vätter auffwerffen / jtem andere reglen zu leben / die mit dem willen deß einigen Himmlischen Vatters / vnnd mit der regel seines worts streiten / vnnd vber das den Creaturen vngöttliche gelübde thun / so gebüret jhnen ja in kein weiß noch weg der herrlich titel der Geistlichen. Vnd wie die Religion zum wahren: also gehört der Aberglaub zum falschen Gottesdienst. Derohalb seind die Aberglöubig / die weder an dem einigen Gott / noch an seinem wort vernügt / viel vnnd falsche Götter verehren: vnd zwar mit einer solchen ehre / die menschlich gutduncken vnd eigene witz erdichtet hat. Eben diese werden inn der Schrifft ehbrecher vnd hurer genennt vnd als trewlose leuthe / die den Bund Gottes entheiligen / verdampt.
Cap. IV.
Von dem Gesetz / vnnd den H. Zehen Gebotten Gottes.
F. Wirdt aber dieser handel in der Schrifft auch auff ein andere weise / als durch die figur vnd gleichnuß eines Bundts erkläret?
A. Ja: Nemlich durch das Gesetz: in welchem die Artickel deß Bundts / von dem wir kurtz geredt haben / weitläuffiger erkläret / vnnd der recht Gottesdienst gar herrlich erleutert wirdt.