Wissenschaft

Es geht hier nicht um eine Wissenschaftslehre, doch möchte gezeigt werden, dass die wissenschaftlichen Methoden nicht den Zugang zu „wahren“ Erkenntnissen garantieren – was von denkenden Wissenschaftlern auch nicht behauptet wird.

Als Beispiel zu dieser Feststellung zitiere ich aus einem Artikel zum Biologen Adolf Portmann (1897 – 1982) in: Uni nova 79/80, Basel 1997, S. 84f

„...Er hielt zwar für ‚begreiflich, dass viele auch die Lösung der Sinnfrage von der Forschung erhoffen’, sagte aber immer wieder, ‚dass Wissenschaft nie diese Aufgabe der Sinnfindung erfüllen’ könne. ... kein Unbehagen, sondern berechtigte Zurückhaltung, und die galt ... dem Geltungsbereich von Wissenschaft überhaupt.“    - „Die Evolutionslehre sah Portmann als ... Theorie mit vorläufigen Lücken und, unabhängig davon, begrenztem Erklärungswert und Geltungsbereich; er warnte davor, sie zur Weltanschauung zu verallgemeinern  und hielt sie wie alle wissenschaftlichen Aussagen für unzureichend und ungeeignet als alleinige Entscheidungsgrundlage menschlichen Handelns. Ich halte diese Haltung für nach wie vor wegweisend.“ (Gerd von Wahlert)

Dieser Tage ist der beliebte Wissenschaftler Stephen Hawking  an die Öffentlichkeit getreten mit dem Widerruf einer seiner wichtigen Theorien. Das scheint mir bedeutend zu sein, nicht nur wegen der anerkennenswerten Offenheit: Hawking ist ein Vertreter jener, die die Eine Formel suchen, welche alle und sämtliche Bereiche von Wissenschaft abdeckt. Dieses Streben nach einem Einen Einzigen ist kennzeichnend für rationales oder gar rationalistisches Denken; auch eine Eine, Einzige Gültigkeit des methodisch richtig Erkannten ist ein Postulat, das von den Vielen als selbstverständlich und hilfreich anerkannt wird.

Bullinger wollte, dass man die Aspekte genau beachte, und meinte, die Formulierungen seien je nachdem verschieden, aber ebenso „wahr“ – sofern sie klar seien. Wir meinen zu erkennen, dass er ebenso die Intention der Sprechenden beachtet.

In „Bericht der krancken“ 1535 sagt er von Christus: „diewyl er vns von Gott nit nun zur erlösung / sunder ouch zur wyßheit gegeben ist.“ Wenn wir die Erlösung dem Bereich von (priesterschriftlichen) Kausalbeziehungen zuordnen wollen, wo Schuld Sühne bedingt, dann ist die „wyßheit“ der Bereich des Beispielgebens, des Hinhörens und Hinsehens. Diesen zweiten Aspekt scheint Musculus im bereits erwähnten Satz betonen zu wollen: Musculus: „Durch eine unkluge Verwendung für die Reinheit der Lehre verliere man den Geist der christlichen Bruderliebe aus dem Gesichte.“ (nach Hess II, S.42f)

Wo also eine „wissenschaftliche Sauberkeit“ dazu führt, dass die Aspekte der „Liebe“ ausgeblendet werden, da steht man ausserhalb des Denkens Bullingers.