Der Realienstreit

„Meinungsverschiedenheit innerhalb der Scholastik über den Stellenwert der – den platonischen Ideen vergleichbaren – Universalien, deren Deutung sich im Verlauf des Mittelalters mehrfach änderte.“

Man erzählt die Anekdote:
Ein Mönch wollte wissen, ob eine Kuh oben und unten vordere Zähne habe, oder nur oben, oder keine. Er fragte den Abt, der schlug in den Büchern nach, fand nichts; darauf fragte der Abt den Bischof, und der fand auch keine Auskunft, obwohl er sehr belesen war. – Als der Mönch die endgültige Antwort bekam, das sei nicht zu wissen, war der Stallknecht zugegen und meinte, man könnte ja einer Kuh ins Maul schauen. – Er wurde bestraft für diese Gotteslästerung. Kann denn die Wahrheit (Ich bin die Wahrheit, spricht Christus) im Maul eines Tieres liegen?

„Der Nominalismus des 13. und 14. Jahrhunderts schließlich, namentlich aber Johannes Duns Scotus und Wilhelm von Ockham, aberkannte den Allgemeinbegriffen jegliche objektive Realität, degradierte sie zu Namen für gewisse Gattungen von Dingen und schied den Glauben letztlich vom Wissen („universalia sunt nomina” bzw. „universalia sunt post rem”).“