Metatheologie

Die Sache ist diese: Es geht in der Metatheologie in Wirklichkeit gar nicht um eine Sache, und es handelt sich auch nicht um eine Art oder Unart von Theologie, sondern – ja, worum geht es denn? Um nichts?  Ja, um „nichts“, aber in demselben Sinne wie das Nirwana der Buddhisten die Leere, das Nichts ist: die Bibel nennt es das Pleroma, und das ist (neben anderen Bedeutungsnuancen) „ganze, restlose Erfüllung“ (so Kittel); und nun die Metatheologie, die nicht von Dingen und Menschen handelt und auch keine Theologie sein soll – sie handelt von der Art und Weise, wie die Theologie theologisiert. Angesichts des grossen Gegenstandes der Wissenschaft der Theologie, nämlich Gott und wir, das heisst die ganze Schöpfung, und Gott ist doch mehr als unsere ganze Schöpfungswelt, in der wir leben, er ist der Schöpfer – ja, indem wir IHN abhandeln, haben wir doch alles inbegriffen, oder etwa nicht? Was soll uns da eine Metatheologie? Die Meta-Ebene ist wichtig für andere Disziplinen. Metaphysik als Grunddisziplin der Philosophie; Metapsychik, Metasprachen usw. nennt das Lexikon. Und Theologie wird als „Gegenstandsgebiet“ der Metaphysik aufgeführt. So sieht es aus ausserhalb der Theologischen Fakultäten. Wir postulieren hier aber eine eigene Metatheologie. Bullinger mag als ein hervorragender  und vor allem konsequenter Vertreter dieses Gebiets gelten.  Ob dies ihm selber bewusst gewesen sei, ist sehr zu bezweifeln; seine Zeit war kaum bereit, hinter die Theologischen „punckten“ d.h. Positionen zu achten. Bullinger hingegen hielt simpel fest: Hinhören. Der Schutzbefohlene hört auf seinen Schutzherren. Es geht nicht um „richtige“ oder „falsche“ Methoden. Nur um das Hinhören. Und Gott mag, nach seinem Wort, nicht  neben anderen oder anderem verehrt werden.

Zu Bullingers Metatheologie gehört die völlige Ablehnung jeglicher Philosophie im Gottesdienstbereich im weitesten Sinne. Auch etwa der Unterricht gehört zu gotts dienst. Im Aspekt, die Wahrheit zu gewinnen, dient nur das Hinhören; um sich aber des Verstandenen zu vergewissern, können philosophische Schlüsse durchaus hilfreich sein.

Das meine ich aus Bullingers deutschsprachigen Werken zu erkennen. Die Werke in lateinischer Sprache drücken das weniger deutlich aus; spätestens im Humanistenlatein sind Logik-Partikel gang und gäbe; hingegen unsere Mundarten zeigen heute noch mindestens eine Scheu vor abstrakten und damit verknüpfbaren Begriffen.

Nebenbei: die altgriechische Partikel ‚meta’ bedeutet mit Genitiv: mit, in Gesellschaft von...; mit Akkusativ: nach, hinter. Metaphysik ist das, was Aristoteles nach den Werken zur Physik geschrieben hat. – Auf der  Meta-Ebene von Metatheologie liegt aber das, was vor der Theologie, vor dem Theologisieren zu beachten wäre, wenn man es täte. Es ist aber gerade umgekehrt: vorher, nicht nachher. Das muss nicht erstaunen. Gegensätze liegen auf derselben Ebene – das ist sogar bei erprobten Medikamenten zu erfahren, die bei manchen Menschen das genaue Gegenteil des Erprobten bewirken. Ich erwähne das, um auf die Wichtigkeit der Aspekte, der Hinsichten hinzuweisen, die Bullinger so sehr betont hat.